Lügen sind im ZDF wie weit verbreitet? ZDF-Politbarometer: Schade um die Forschungsgruppe Wahlen

Manfred Berger ist tot.

Dieter Roth und Wolfgang Gibowski sind ausgeschieden.

Von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen ist nicht viel geblieben. Einst war die Forschungsgruppe das Aushängeschild der Wahlforschung in Deutschland, die Hochrechnungen nach den Landtags- und Bundestagswahlen waren regelmäßig besser als die der Konkurrenz von Infas oder Infratest. Die Befragungen waren in Methodik und Umsetzung mit das Beste, was man an Wahlforschung in Deutschland bekommen konnte. So gut, dass selbst Redaktionsangehörige von ScienceFiles ihre Magisterarbeit mit den Daten der Forschungsgruppe Wahlen bestritten haben

Das ist lange her.

Heute ist die Forschungsgruppe Wahlen zum Lieferanten gewünschter Ergebnisse geworden. Das ZDF bestellt, die Forschungsgruppe liefert. Das ZDF bestellt die Einschätzung, dass die AfD rechtsextrem ist, die Forschungsgruppe liefert. Anders als über einen solchen Ablauf lässt sich die folgende abgrundtief dumme Frage, die gegen jeden Grundsatz der empirischen Sozialforschung verstößt, nicht mehr erklären:

“Was meinen Sie: Rechtsextremistische Ansichten sind in der AfD sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?”

Es genügt bereits zwei eherne Grundsätze der empirischen Sozialforschung anzuführen, um zu zeigen, dass diese Frage einzig und allein der Stimmungsmache (oder Hetze?) gegen die AfD dient.

Grundsatz 1:

Fragen müssen einen klar benennbaren und eindeutigen Gegenstand haben, vom dem sicher ist, dass ihn die meisten Befragten kennen.

Grundsatz 2:

Fragen müssen vollständig sein.

Fangen wir hinten an.

Vollständigkeit

Die Forderung nach Vollständigkeit soll u.a. ausschließen, dass Ergebnisse von Befragungen manipuliert werden können. Aber das ist nur sekundär. Primär soll Vollständigkeit gewährleisten, dass man auf Grundlage der eigenen Ergebnisse auch etwas aussagen kann.

Das ist im vorliegenden Fall nicht möglich.
Die Frage ist vergleichbar mit dem Versuch, die Position eines Schiffes mitten im Ozean dadurch zu bestimmen, dass man ein Lineal ins Wasser wirft. Auf Grundlage der Antworten kann man KEINE relevante Aussage machen. Damit man eine relevante Aussage machen kann, benötigt man eine Vergleichsgruppe. Die Vergleichsgruppe kann man z.B. dadurch schaffen, dass man fragt:

Was meinen Sie: Rechtsextremistische Ansichten sind in der CDU sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Oder:

Was meinen Sie: Rechtsextremistische Ansichten sind in der SPD sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Zu Vergleichszwecken muss man mit funktionaler Äquivalenz zu arbeiten:

Was meinen Sie: Linksextremistische Ansichten sind in der LINKE sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Oder

Was meinen Sie: Linksextremistische Ansichten sind bei Bündnis90/Grüne sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Wer eine Frage wie die stellt, die die Forschungsgruppe Wahlen gestellt hat, hat einzig und allein die Diskreditierung des Frageobjekts zum Ziel.

Oder ein anderes Beispiel: Was meinen Sie: Gewaltbereitschaft ist in der LINKE sehr weit, weit, nicht so weit, gar nicht verbreitet?

Als Ergebnis der Antworten auf diese Frage können wir dann die LINKE als gewaltbereite Nachfolgepartei der SED, die ja auch schon gewaltbereit war, darstellen. Dass wir das können, ist jetzt schon sicher. Es ist Ergebnis der Art und Weise der Frageformulierung und der Unvollständigkeit der Frage.

Punkt 2:

Eindeutigkeit

Was nutzen Fragen oder Items in Befragungen, bei denen man nicht weiß, was damit gemessen wird? Sie nutzen natürlich dem, der die Vagheit seiner Fragen ausnutzen will, um allen Befragten seine Interpretation dessen, was gefragt wurde, unterzuschieben. Sie nutzen dem, der manipulieren will.

Rechtsextremismus.
Was ist Rechtsextremismus?

  • Ist Rechtsextremismus die NSDAP?
  • Ist Rechtsextremismus die NPD?
  • Ist Rechtsextremismus, wenn man Ausländer nicht mag?
  • Ist Rechtsextremismus, dass man Linke nicht mag?
  • Ist Rechtsextremismus, dass man denkt, manche Menschen seien, weil sie mehr leisten, mehr wert als andere, die weniger leisten?
  • Ist Rechtsextremismus dasselbe wie “Neoliberalismus”?
  • Ist Rechtsextremismus die extreme Variante von Rechtsradikalismus, die Gewaltbereitschaft voraussetzt?
  • Ist Rechtsextremismus eine andere Bezeichnung für Patriotismus?
  • Ist Rechtsextremismus alles, was nicht Linksextremismus ist?

Wir könnten die Reihe der Frage fast endlos fortsetzen, aber der Punkt ist gemacht: Jeder von uns hat eine Vorstellung davon, was Rechtsextremismus ist. Die wenigsten von uns werden übereinstimmen. Tatsächlich ist es so, dass nicht einmal Politikwissenschaftler in der Frage, was unter Rechtsextremismus verstanden werden soll, übereinstimmen.

Rechtsextremismus ist als Begriff demnach vollkommen unbestimmt. Jeder hat seine eigene Vorstellung davon, was Rechtsextremismus ist. Die wenigsten wären in der Lage, diese Vorstellung in konkrete Begriffe zu fassen.

Und nun werden 1000 Befragte gefragt, ob etwas, von dem sie keine genaue Vorstellung haben in der AfD weit verbreitet, verbreitet usw. ist. Sie werden also, um den manipulativen Unsinn auf die Spitze zu treiben, aufgefordert, eine Einschätzung auf Basis einer Vollerhebung zu machen, einer Vollerhebung über die Mitglieder der AfD, Funktionsträger der AfD, die kleinen und großen Anfragen der AfD im Sächsischen Landtag, die Rede von von Meuthen in Regensburg usw. Wer Befragte vor eine solche Aufgabe stellt, hat offensichtlich kein Interesse daran, eine sinnvolle und brauchbare Frage zu stellen. Sein Interesse besteht darin, eine Frage zu formulieren, deren Ergebnisse sich gegen das Befragungsobjekt verwenden lassen.

Das hat nichts mit empirischer Sozialforschung, ja nicht einmal mit Umfrageforschung zu tun. Es ist Manipulation auf Grundlage einer Ideologie, Manipulation mit dem Ziel, eine politische Partei zu diskreditieren.

Und was misst die Frage letztlich? Ob es gelungen ist, Rechtsextremismus zu einer Art Catch-All-Begriff zu machen, mit dem man Objekte, Parteien, Personen, die ideologisch nicht passen, etikettieren und negativ bewerten kann.  Letztlich wird gemessen, ob wir fähig sind, an einem Sprachspiel teilzunehmen: Wir reden über etwas, von dem wir keine Ahnung haben, und behaupten, es sei in einer Partei, von der wir nur wissen, was uns die Medien präsentieren, vorhanden. Was man also misst ist, ob die Indoktrination durch öffentlich-rechtliche Medien in Deutschland erfolgreich war.

Es ist schade und eine Schande, was aus der Forschungsgruppe Wahlen geworden ist.

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Nach Brexit: Deutscher Ansturm auf britische Staatsbürgerschaft

Vor einigen Monaten waren die deutschen Zeitungen voll von Meldungen darüber, dass der Brexit dazu führe, dass Briten Deutsche werden wollen. Geschrieben in der Regel mit dem Duktus, da seht ihr, ihr Briten, was ihr vom Brexit habt, Euch laufen die Bürger davon, erfindet z.B. der MDR einen „Brexit-Effekt“, der darin besteht, dass seit dem Brexit, 10 Briten in Dresden eine deutsche Staatsangehörigkeit beantragt haben. In Chemnitz und Leipzig, so heißt es im gleichen Bericht, sei der Andrang von Briten auf die deutsche Staatsbürgerschaft fast genau so hoch.

„Nach dem Austritt aus der Europäischen Union wollen Briten unbedingt Deutsche werden“, so weiß man bei der WELT und berichtet von 60 Briten in Berlin, 280 in Hamburg und 140 in Frankfurt am Main, die die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt haben.

Beim RBB wollen immer mehr Briten Deutsche werden, von 45 auf 175 führt der sprunghafte Anstieg der entsprechenden Anträge in Berlin dieses Mal. Natürlich wollen die Antragsteller nur deshalb Deutsche werden, weil sie Teil der EU bleiben wollen. Der RBB weiß das.

Bei der ARD weiß man noch mehr

„Der geplante Ausstieg der Briten aus der EU macht sich auch bei den Einbürgerungen bemerkbar: Im vergangenen Jahr haben sich so viele Briten wie nie zuvor für einen deutschen Pass entschieden. 2865 Briten ließen sich einbürgern, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das seien 2243 mehr als im Jahr zuvor, als sich lediglich 622 Briten einbürgern ließen.“

Wie sehen: Der Brexit hat zur Folge, dass Briten, die in der EU bleiben wollen, Deutsche werden wollen. Das haben die Briten nun davon. Ihnen laufen die EU-liebenden Bürger davon.

Nehmt Sie.

Ein beliebtes Mittel der Manipulation besteht darin, Daten nur zur Hälfte auszuweisen, um auf diese Weise eine Kausalität vortäuschen zu können, die es gar nicht gibt. Denn: Wenn der Brexit ausschließlich für das Vereinigte Königreich mit Nachteilen verbunden ist, ganz so wie er in den deutschen Medien dargestellt wird. Wenn wegen des Brexit Großbritannien nur Nachteile hat und dem Land die Bürger, die es können, davon laufen, dann dürfte es keine Bewegung in die andere Richtung geben, denn der furchtbare Brexit und das Land der Brexitiere, Großbritannien, sie sind natürlich für niemanden, für gar niemanden interessant oder gar das Ziel ihrer Auswanderung aus Deutschland.

Und doch:

Das Britische Home Office berichtet, dass die Zahl der Anträge auf eine britische Staatsangehörigkeit, die von EU-Bürgern gestellt werden, seit dem Brexit sprunghaft gestiegen sei. 28.502 Anträge hat man beim Home Office von Juli 2016 bis Juli 2017 gezählt. Von Juli 2015 bis Juli 2016 waren es nur 12.631 EU-Bürger, die Briten werden wollten.

Besonders explodiert ist die Zahl der Deutschen, die die deutsche durch die britische Staatsangehörigkeit ersetzen wollen: 2.338 Anträge von Deutschen sind im Zeitraum von Juli 2016 bis Juli 2017 bei Her Majesty‘s Visa and Immigration eingegangen, 193,4% mehr als von Juli 2015 bis Juli 2016 als 1.209 Anträge eingingen. Man sieht, der Brexit hat zur Folge, dass Deutschland die Bürger davonlaufen, in Richtung der freiheitlichen Insel.

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Deutschland 2017: Rund-um-die-Uhr-Indoktrination von Jugendlichen

Beispiele dafür, dass Kinder und Jugendliche in Deutschland einer umfassenden Indoktrination unterzogen werden, die sicherstellen soll, dass sie das Richtige und nicht etwa das Falsche denken, dass sie richtige Meinungen, staatsförderliche und in keiner Weise kritische Meinungen bilden, nicht etwa hinterfragen, was ihnen als ehernes Gesetz von sozialer Gerechtigkeit, Gleichstellung, politischer Einstellung oder der Sozialität von Menschen präsentiert wird, haben wir auf ScienceFiles schon viele besprochen.

Dass die Indoktrination von Jugendlichen eine 24/7-Indoktrination ist, von der wir derzeit noch annehmen, dass sie durch Schlaf unterbrochen wird, ist eine Feststellung, die wir angesichts eines Leserbriefs treffen müssen, der uns heute erreicht hat. Ein Stammleser hat auf seinem Frühstückstisch die Bravo vorgefunden, jenes Heftchen, das vielen noch aus ihrer Jugend bekannt sein wird. Nicht, dass unser Leser für den Erwerb dieses Heftchens verantwortlich wäre. Wir wollen zu seiner Entlastung annehmen, dass das Heftchen von einem seiner Kinder auf dem Frühstückstisch hinterlassen wurde.

Unser Leser hat gelesen und ist auf einen „Politikcheck“ gestoßen. Faktenfinder und –checks sind die neuesten Methoden, mit denen Indoktrination versucht wird. Um die eigene Indoktrination von anderer Indoktrinationsversuche zu differenzieren, werden die eigenen primitiven Aussagen oder Lügen unter der Überschrift „Faktencheck“, “Politikcheck” oder „Faktenfinder“ vorgebracht, in der Hoffnung, den Lesern auf diese Weise die eigene Ideologie als Fakten unterschieben zu können.

Unser Leser hat gelesen, was die Bravo ihren zumeist jugendlichen Lesern unter der Überschrift „Faktencheck“ unterschieben will. Die Gedanken, die er sich dabei gemacht hat, den Eindruck, den er dabei gewonnen hat, haben wir unverändert übernommen:

” …

als ich mich heute morgen an meinen Tisch zum Frühstücken setzte, lag dort eine Bravo, Ausgabe August 2017. Neugierig habe ich mal durchgeblättert und bin dann schließlich am Politikteil, der mich klüger machen soll, hängen geblieben.

Ich will das jetzt nicht zu hoch aufhängen, denn die Bravo sticht natürlich nicht durch ihre kritische politische Berichterstattung hervor, aber irgendwie blieb ein komischer Beigeschmack der political correctness übrig, was auch an den zwei Schuss Rum liegen könnte, die ich unverzüglich meinem Kaffee hinzufügen musste, nach dem ich mich durch den ersten Faktencheck gequält hatte.

Da wird gesagt, dass man in Europa statt darüber zu diskutieren, wer wie viele Flüchtlinge aufnimmt, besser die Ursachen bekämpfen soll. Aber wer soll das machen? Und wie? Denn im nächsten Satz beschwert man sich auch darüber, dass die Anzahl der militärischen Konflikte steigt.

Was lerne ich hieraus? Deutschland soll mit friedlichen Mitteln für den Weltfrieden sorgen? Was passiert mit den Flüchtlingen in der Übergangszeit, bis der Weltfrieden da ist und keiner mehr flüchten will?

Der Deutsche verursacht doppelt so viel Müll wie der Japaner, daher sind wir meilenweit weg von unseren Klimazielen. Außer beim Atomausstieg, da haben wir die Nase vorne.

Gerade die Jugend steht hinter dem Verbleib in der EU. Und Deutschland hätte einen großen Schaden vom EU-Brexit.

Die Bundesregierung glaubt, dass die Terrorgefahr unter männlichen Jugendlichen groß ist, macht aber Waffendeals mit Ländern wie Saudi-Arabien. Also sind die Deutschen selbst dran schuld, dass sie hin und wieder vom Terror heimgesucht werden? Alles wird besser, wenn man endlich aufhört Waffen zu exportieren?

Müsste ich den Faktencheck politischen Parteien zuordnen würde ich sagen: tendenziell grün und links. Damit erhält der Heranwachsende hier gleich die korrekte Indoktrination.

Problematischer find ich aber, dass den Jugendlichen hier ein wenig suggeriert wird, dass komplexe, teilweise weltpolitische Probleme in zwei Sätzen abgehandelt werden können. Man suggeriert hier eine ganz einfache Welt der Art: Es gibt in Deutschland Terror und du findest das doof? Na dann schau doch auch mal an, dass die Deutschen nach Saudi-Arabien Waffen liefern. Na klingelst? Siehst du, ganz einfach.

Man hätte ja viele Fakten aufführen können, die die Jugendlichen klüger machen und damit ganz andere Assoziationen hervorrufen können. Bsp. Viele Flüchten. Wusstest du dass die meisten Flüchtlinge aus Ländern stammen, in denen die Geburtenrate pro Frau noch immer bei über 4 liegt? Oder: Die meisten Flüchtlinge stammen aus Ländern, die selten eine Demokratie haben. Die meisten Flüchtlinge stammen aus Ländern, die in der Vergangenheit Entwicklungshilfe erhalten haben.

Und da man viel hätte auswählen können und sich für ganz bestimmte Sachen entschieden hat und damit bewusst gegen andere entschieden hat, legt die Entscheidung ja ein wenig offen, was für Präferenzen die Redaktion hat.”

Wie einfach es zu sein scheint, Jugendliche zu beeinflussen (Wir lassen uns gern durch heftigen Widerspruch von Jugendlichen, eines Besseren belehren, hoffen, eines Besseren belehrt zu werden), zeigt der vermeintilche Faktencheck zum Thema “Kommt eine neue Flüchlingskrise?”

“2015 kamen 890 000 Asylsuchende nach Deutschland. Höhepunkt der sogenannten Flüchlingskrise. Politiker warnen davor, dass sich die Zahl wiederholen könnte, denn weltweit sind über 60 Millionen Menschen auf der Flucht! In Europa streitet man vor allem darum, welches Land wie viele Flüchtlinge aufnehmen soll. Fakt ist aber, es müssten eigentlich die Fluchtursachen – wie Klimawandel oder Krieg – bekämpft werden! Davon ist man weit entfernt: Die Anzahl weltweiter militärischer Konflikte etwa steigt seit fünf Jahren…”

Beginnen wir am Ende des Textes, die Anzahl militärischer Konflikte steigt nicht seit fünf Jahren. Der ACD-Index des International Institutes for Strategic Studies zeigt vielmehr einen Rückgang militärischer Konflikte für das Jahr 2015 im Vergleich zu 2014. Die folgende Abbildung aus einem Beitrag von Gates et al. (2016) zeigt, dass damit ein kurzer, seit 2012 zu beobachtender Anstieg, der vor allem auf Bürgerkriege zurückzuführen ist, beendet ist. 

Die Indoktrination von Jugendlichen in der Bravo ist eine Brechstangenindokrtination, die man Satz für Satz leicht auseinandernehmen kann:

Es beginnt mit einer Zahl, die als Faktum präsentiert wird und tatsächlich richtig ist, indes ohne Aussagewert bleibt, wenn man nicht weiß, dass die 890.000 Asylsuchenden Teilmenge der rund 2 Millionen Zuwanderer sind, die 2015 nach Deutschland kamen. Betrachtet man die Sätze zwei und drei, dann fragt man sich unwillkürlich, was die 60 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sein sollen, in  Satz 3 verschlagen hat. Die Antwort: Gemeinsam mit dem suggestiv verwendeten Begriff “Höhepunkt”, lassen die 60 Millionen die 890.000 Asylsuchenden als Menge gering erscheinen: Wie, Deutschland kann nicht einmal 890.000 Menschen aufnehmen? Man streitet sich in Europa nicht darüber, wer wie viele Flüchlinge aufnehmen SOLL, sondern darüber, wer bereit ist, überhaupt und wenn ja, wie viele Flüchtlinge aufzunehmen. Die normative Formulierung “soll” suggeriert, dass es nur darum geht, die Flüchtlinge zu verteilen, dass keine grundsätzliche Frage darüber gestellt werden kann, ob es überhaut sinnvoll ist, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Im nächsten Satz, wird den jugendlichen Lesern dann unter der Hand der Klimawandel als Fluchtursache untergeschoben. Die entsprechende Manipulationstechnik funktioniert über Plausibilität. Die Plausibilität kann der Begriff “Krieg” beanspruchen. Die Hoffnung der Bravo-Manipulateure besteht nun darin, dass die Plausibilität von Krieg als Fluchtursache auf Klimawandel übertragen wird. Natürlich ist Klimawandel kein Grund für Syrer oder Sudanesen oder Afghanen oder Äthiopier oder Iraner nach Deutschland zu kommen. Bleibt zu hoffen, dass die Bravo-Manipulateure von einem Erfolg ihrer Brachialstrategie “weit entfernt sind”.

Gates, Scott, Nygard, Havard Mokleiv, Strand, Harvard & Urdal, Henrik (2016). Trends in Armed Conflict, 1946-2014. Conflict Trends 01/2016.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Zuschauer verschaukeln: SWR sucht Strohmann für vorgefertigte Meinung

Die neue Sendung des SWR trägt den Titel „Mal ehrlich“.

In der neuen Sendung des SWR sollen Bürger „mit ihren Sorgen und Meinungen, Erfahrungen und Wünschen im Zentrum stehen“.

Der SWR will diese Sendung seinen Zuschauern als Einblick in die Welt der normalen Menschen mit ihren Sorgen und Nöten verkaufen.

Hinter dieser Fassade steckt jedoch eine perfide Form von Täuschung, denn beim SWR wird gezielt nach Statisten gesucht, die vorgegebene Meinungen gegen ein Honorar vertreten.

Die folgende Suchmeldung wurde uns anonym zugespielt.

Sie zeigt, wie man bei öffentlich-rechtlichen Sendern versucht, Zuschauer zu verschaukeln oder pfälzischer ausgedrückt: zu verarschen, indem ihnen vorgegaukelt wird, das, was sie sehen, wären authentische Erfahrungen, Sorgen und Nöte von Menschen, die sich in ihrer Sorge an den SWR gewendet haben. Tatsächlich handelt es sich um bezahlte Statisten, die sich zu einem vorgegeben Thema gemeldet haben und gegen Bezahlung eine vorgegebene Meinung vertreten.

Widerlich!

Hier der Suchtext:

“Wir suchen für ein neues SWR-TV-Format eine/einen Alleinerziehenden, der sagt, dass sie/er aufgrund der Kindererziehung oder -ausbildung kein Geld für die Rente hat. Und mit Schrecken an die eigene Rente denkt. Bedingung: Die Person muss aus Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg kommen. Sie bekommen 150€ für Ihre Meinung und wir übernehmen Ihre Anreise nach Mannheim zur Sendung.

Hintergrundinfos zur Sendung:
Am 06. September startet mit „mal ehrlich…“ eine neue Gesprächssendung beim SWR, in der Bürgerinnen und Bürger mit ihren Sorgen, ihren Meinungen, Erfahrungen und Wünsche[n] im Zentrum stehen. In jeder Sendung, die 60 Minuten dauert und aus Mannheim gesendet wird, soll ein aktuelles und relevantes Thema behandelt werden. Hier werden die Bürger, Zuschauer und Betroffene vornehmlich zu Wort kommen, um ihre Erfahrungen, Probleme und Forderungen zum jeweiligen Thema zu benennen. Politiker und Experten sind zwar auch eingeladen, stehen hier aber eher Rede und Antwort. Die erste Sendung am 06.09.2017 soll sich mit der Frage befassen: „…macht meine Rente mich arm?“, das Thema, das die SPD für den kommenden Bundestagswahlkampf auserkoren hat. Kontakt: Beate Zimmermann b.zimmermann@encanto.tv 0221.925785-34″

Was WIR alles brauchen …

Irgendwer muss Politikern und anderen Darstellern erzählt haben, dass man die eigenen Interessen am besten dadurch durchsetzen kann, dass man behauptet, WIR alle würden das brauchen. Deshalb sind Hinz und Kunz angetreten um uns mitzuteilen, was WIR brauchen.

Das neueste Beispiel kommt vom derzeitigen Ministerdarsteller für FSFJ:

Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf Betreuung für Grundschulkinder.

Wer gedacht hat, er kann seine Kinder den Fängen des Staates zumindest zeitweise entziehen, der sieht sich getäuscht. WIR brauchen einen Rechtsanspruch auf Betreuung für Grundschulkinder. WIR alle brauchen das. Sie, ich, der da hinten, der Postbote, der Rentner um die Ecke, WIR alle brauchen das. So will es der Dummschwätzer, Darsteller, der sich derzeit auf dem Posten eines Ministers herumdrückt. Es gibt zwar keinerlei wissenschaftlichen Beleg dafür, dass eine Rundum-Betreuung in der Grundschule irgend einen positiven Einfluss auf die geistige und seelische Entwicklung von Grundschülern hat. Es gibt eher Grund anzunehmen, dass sich die Rundumbetreuung durch Grundschullehrerinnen negativ auf die intellektuelle Entwicklung von mindestens Jungen und ab einer gewissen Schmerzgrenze vermutlich auch von Mädchen auswirkt, aber das soll uns nicht stören, denn WIR brauchen einen Rechtsanspruch auf Betreuung für Grundschulkinder.

Rechtsansprüche werden gerne gewählt, wenn man Menschen vormachen will, das, was man ihnen andreht, sei eigentlich in ihrem Interesse und weil der Rechtsanspruch alleine nicht glücklich macht, deshalb kommt er mit der folgenden Sahnehaube: „Gute ganztägige Angebote für Kinder sind wichtig für ein gutes Aufwachsen von Kindern, Chancengleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Eltern. Deshalb setzt sich Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley für einen Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung und Förderung für Grundschulkinder ein.“

Wo nimmt Frau Gerste die Weisheit her, ganztägige Angebote hätten irgend einen Einfluss auf Chancengleichheit? Aus wissenschaftlicher Forschung sicher nicht. Aber egal, WIR brauchen diesen Rechtsanspruch und demnächst vermutlich einen Rechtsanspruch auf Rundumbetreuung von Sonder-; Haupt-, Realschülern und Gymnasiasten nicht zu vergessen und natürlich Studenten, die auch immer infantiler werden, „get yourself born“, so hat Jerome K. Jerome schon vor 115 Jahren über Deutsche gewitzelt, „we do the rest“.

Natürlich ist der Anspruch auf betreutes Grundschülerdasein nicht das einzige, was WIR brauchen. Wir haben uns einmal in den deutschen Medien kundig gemacht, was WIR so alles brauchen. Die zusammengekommene Liste zeigt den Aberwitz hinter dem Versuch, anderen erzählen zu wollen, was sie brauchen:

WIR brauchen:

– Kontrollierten Asylzuzug;
– Einen nationalen Zukunftpakt für die Autoindustrie, nein: für UNSERE Autoindustrie;
– Mehr Wohnungen für Flüchtlinge;
– Zehn Siege und zwölf Unentschieden;
– Den Blick für die Schwachen;
– Ein Gesamtkonzept und keine Wahlplakate;
– Keine Dieselbetrügerrettungsprämie;
– Ein europäisches Asylrecht;
– Einen sozialen Arbeitsmarkt;
– Eine neue Deutschland-AG;
– Den deutschen Gurdiola;
– Eine Demokratisierung der Polizei;
– Einen dreistelligen Millionenbetrag;
– Ein europäisches Kormoran-Management;
– Neue Preismodelle;
– Mehr private Investitionen;
– Viel, viel mehr Arbeitskreise;
– Rußland als Partner;
– Keine Love-Brands, sondern Marken mit Verantwortung;
– Dringend Personal für die Pflege;
– Einen Masterplan;
– Keine Scheindebatten;
– Das politische Signal;
– Mehr Bayern in Berlin;
– Einen Marshall-Plan für Afrika;
– Mehr männlichen Diskurs über Feminismus;
– Den Mut zur Veränderung;
– Neues Problembewusstsein;
– Konkrete Lösungen;
– Ein stärkeres Europa;
– Eine ehrliche Autoindustrie;
– Diese Menschen;
– Keine Luftballons;
– Eine neue Leitkultur;
– Kein neues System;
Gegenwind;
– Eine positive Utopie;
– Luft zum Atmen;
– Einen Tarif auf Rädern;

Falls Sie sich berufen fühlen, uns zu erzählen, was WIR brauchen, dann tun Sie sich bitte keinen Zwang an. Sagen Sie uns, was WIR brauchen. Um uns zu sagen, was WIR brauchen, brauchen Sie keinerlei Qualifikation, keinerlei Kompetenz, keinerlei Wissen, einfach nur eine große Klappe, wenig Skrupel, schon gar keine Intellektuellen und eine Plattform. Also nur zu: Sagen Sie uns, was in unserem Leben fehlt, wofür WIR aus Ihrer Sicht bezahlen sollen.

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