Orgie in Geistlosigkeit unter Journalisten: Malefiziose Isomorphie

Warum werden sich Institutionen immer ähnlicher?

Warum kann man nach kurzer Zeit NGOs nicht mehr voneinander unterscheiden, unabhängig davon, mit welchem Ziel sie gestartet und wo sie gegründet wurden?

Looking for Science Faker

Warum schreiben Vertreter von Presseabteilungen großer Unternehmen alle denselben Unsinn, nutzen dieselben Modeworte, verbreiten die selben Leerformeln nachhaltig wirkenden gendergerechten Blödsinn, der die soziale Verantwortung der Unternehmen zeigen soll?

Warum muss man nur eine deutsche Tageszeitung in die Hand nehmen, um zu wissen, was in den anderen deutschen Tageszeitungen, manchmal in Nuancen verschieden, oft genug aber wortgleich steht?

DiMaggio und Powell haben in ihrem 1983 veröffentlichten Beitrag unter anderem versucht, diese Fragen zu beantworten, und sie haben dazu das Konzept der „Isomorphie“ entwickelt. In kurz: Risikoscheue, phantasielose und sehr biedere Akteure sammeln sich in Medien, NGOs und neuerdings in eingetragenen Vereinen, die dem Guten gewidmet sind (also dem Abgreifen von Steuergeldern) und stehen vor dem Problem, sich interessant und als Organisation darstellen zu müssen, die wichtig ist, dem Zeitgeist entspricht, ein würdiger Empfänger von Spende- und Steuergeldern.

Was macht man, wenn man risikoscheu, phantasielos und bieder ist?

Man schreibt ab, übernimmt, was andere geschrieben haben, in der Hoffnung, damit Erfolg zu haben. Das ist übrigens eine Erklärung dafür, dass bestimmte Themen zu Hypes werden, obwohl sie, wie das Gender Pay Gap oder die „FakeScience“ auf einem Sack voller Lügen basieren.

Nach unserer Ansicht haben DiMaggio und Powell in ihrer Analyse, die im theoretischen Rahmen des Neoinstitutionalismus geschrieben ist, allerdings den Faktor Mensch insofern vergessen, als Menschen von Motiven getrieben und manche von ihnen käuflich sind (und andere renitent, aber die finden sich nicht in NGOs, Instiutionen, Parteien oder Medien).

Ersteres führt dazu, dass Isomorphie eine Triebkraft in Boshaftigkeit oder Missgunst haben kann. Zweiteres führt dazu, dass man mit ein wenig Geld eine Kampagne anschieben kann, die geeignet ist, ganze gesellschaftliche Bereiche zu zerstören.

Wir denken, dass die Genderideologie, die das menschliche Zusammenleben in Deutschland weitgehend unmöglich gemacht hat und Misstrauen an die Stelle des guten Willens gesetzt hat, der für die Aufnahme einer Kooperation mit Fremden nun einmal notwendig ist, auf einer solchen Kampagne beruht. Das ist keine Verschwörungstheorie wie man anhand der staatlichen Mittel (also der Steuergelder), die in Genderismus geflossen sind, zeigen kann.

Doch zurück zur FakeScience.

Die FakeScience ist zu einem Virus unter Journalisten geworden. Keine Tageszeitung, die sich nicht genüsslich über die bösen Wissenschaftler hermacht, die „nachweislich in scheinwissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht“ haben, die „systematisch fundamentale Mechanismen der Qualitätssicherung missachten“.

Die Zitate stammen aus dem Text, den Fabian Kretschmer in der taz veröffentlicht hat. Wir hätten beliebige andere Texte nehmen können, aus welcher Tageszeitung, die einem zentralen Redaktionsnetzwerk gleichgeschaltet wurde, auch immer.

Alle haben denselben Tenor.

Alle machen dieselbe Anklage.

Keiner hinterfragt, was er berichtet.

Keiner überlegt, ob der Vorwurf eigentlich gerechtfertigt ist.

So dass man festhalten muss, dass in den gleichgeschalteten Redaktionen nicht einmal Mindeststandards der Qualitätssicherung eingehalten werden.

Es ist wie ein Rausch, ein Taumel, eine kollektive Onanie, die den deutschen Blätterwald durchbläst. Jetzt, so scheint die gesammelte Redaktionsmeute zu denken, ist die Gelegenheit, sich über diejenigen an Hochschulen herzumachen, denen sie, so scheint es, ihren Status die ganze Zeit schon geneidet haben, die ganze Zeit, die sie auf knapp 2000 Euro gehalten, in Redaktionssitzungen buckeln, ständig in der Angst leben, mit der nächsten Kürzungswelle von dem Miniaturschreibtisch gespült zu werden, den sie stolz ihr eigen nennen dürfen, obwohl er mit Sicherheit schon bessere Tage gesehen hat, vor 15 Jahren oder so. Jetzt gilt’s. Und ungefährlich scheint es auch zu sein. Alle berichten darüber.

Wie gesagt:

  • Risikoscheu;
  • Phantasielos;
  • Boshaft

FakeScience ist wie geschaffen für die Redaktionswichte:

Das Risiko, mit einem Text auf Kritik oder gar Widerstand zu stoßen, ist nicht vorhanden. Alle Mainstream-Medien berichten darüber. Alle Mainstream-Medien berichten im selben Tenor darüber. Alle Mainstream-Medien berichten in derselben aufgeregten Weise darüber, machen einen Skandal aus Pipifax, einen Elefanten aus einer Mücke.

Die Phantasielosigkeit, die die meisten Redaktionswichte plagt, versuchen sie damit zu verkleistern, dass sie einen anderen Titel wählen „Abzocke mit Fake-Zeitschriften“, gefolgt von einem variierenden Untertitel, dem dann der weitgehend identische Text angefügt ist, den man in allen Mainstream-Printmedien lesen kann.

Die eigene Boshaftigkeit, die Missgunst gegenüber denen, die man (irrigerweise übrigens) für erfolgreicher ansieht, statushöher, was in Deutschland sehr wichtig ist, denn Status, eingebildeter Status ist für viele das Surrogat einer Persönlichkeit, sie kann ebenfalls risiko- und phantasielos befriedigt werden. Selbstbefriedigung, ohne Gefahr zu laufen, dabei erwischt zu werden.

Wir nennen diese Form der Isomorphie die malefiziose Isomorphie in Anlehnug and maleficium, den lateinischen Begriff für ein übles Werk. Malefiziose Isomorphie tritt neben die mimetische, koersive und normative Isomorphie und zeichnet sich dadurch aus, dass die Lust, anderen übel mitzuspielen, die Freude am Schaden anderer, Triebkraft der Imitation und Übernahmen von Inhalten oder Objekten, die andere bereitstellen, ist, von denen wiederum erwartet wird, DASS sie anderen schaden. Man muss also die Triebkraft „Boshaftigkeit“ von der Hoffnung, anderen durch Worte Schaden zufügen zu können, trennen.

Die Epidemie, die derzeit unter deutschen Journalisten, also denen, die es sein wollen bzw. sich einreden, es zu sein, grassiert, ist eine Epidemie getrieben von malefizioser Isomorphie.

Um dies zu zeigen, muss man einfach nur die beiden Hauptvorwürfe, wenn man sie denn so nennen kann, die vor die Tür der vermeintlichen Science Faker gelegt werden, betrachten:

[I] Sie würden in „scheinwissenschaftlichen Journalen“ veröffentlichen.

[II] Sie würden Texte veröffentlichen, die nicht Peer reviewed sind.

[I]

Kein normaler Mensch macht wegen diesen beiden Trivialitäten ein solches Trara, wie es derzeit durch die deutsche Mainstream-Presse geht. Denn [I] ist irrelevant und wenn es gedacht ist, um die Qualität dessen, was veröffentlicht wurde, zu diskreditieren, besteht es aus zwei Fehlschlüssen.

Wenn Einstein seine Relativitätstheorie in der Bäckerblume veröffentlicht hätte, hätte es vielleicht etwas länger gedauert, bis sie von Physikern anerkannt worden wäre, aber das hätte nichts an der GÜLTIGKEIT der Relativitätstheorie geändert.

Der Gehalt, die Validität und die Reliabilität wissenschaftlicher Aussagen ist unabhängig vom Ort, an dem sie veröffentlicht werden. Wer anderes behauptet oder suggerieren will, begeht einen genetischen Fehlschluss und einen Fehlschluss der Bejahung des Konsequens und erweist sich außerdem als “obrigkeitshöriger, behördengegängelter, arschkriechender Idiot” (O-Ton aus der Redaktion, Quelle nicht mehr verifizierbar.)

Deutsche Journalisten begehen lieber diese beiden Fehlschlüsse, als dass sie entweder die Mühsal auf sich nehmen, selbst zu denken, oder die Gelegenheit, anderen zu schaden, an sich vorbeiziehen lassen: Malefiziöse Isomorphie.

[II]

Wir haben gestern in einem Beitrag all die Probleme zusammengetragen, die sich mit Peer Reviews und den Zeitschriften verbinden, die sie anwenden oder angeblich anwenden. Er kann hier nachgelesen werden. Zu denken, ein wissenschaftlicher Beitrag sei deshalb eher glaubwürdig, eher reliabel und eher gültig, weil er in einer Zeitschrift veröffentlich wurde, die Peer reviewed ist, ist an Naivität kaum zu überbieten. Das falsche Neuronengespinnst wird zur Boshaftigkeit, wenn man versucht, andere, von seiner Richtigkeit zu überzeugen.

Bleibt abschließend noch die Frage, ob diese Epidemie des Unsinns, die von der Boshaftigkeit deutscher Mainstream-Journalisten getragen wird, orchestriert ist oder eine Form der kollektiven Psychose darstellt, wie sie in Echozimmern regelmäßig vorkommen.

Wir tendieren zur ersten Erklärung, denn das Muster des Vorgehens entspricht dem, das bei der Etablierung der Gender Pay Gap Lüge oder den Versuchen, Bürger gegen Bürger aufzubringen, wie sie im Rahmen der Panama-Papers erfolgt sind, angewendet wurde. Den Beleg dafür, dass wir richtig liegen, haben wir spätestens dann in der Hand, wenn eine gesetzliche Regelung für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Beiträge gefordert und auf den Weg gebracht wird.

DiMaggio, Paul J. & Powell, Walter (1983). The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields. American Sociological Review 48(2): 147-160.

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Riester-Rentenbetrug: Staatliche Förderung geht direkt in die Taschen von Banken und Versicherern

Heute hat das Landgericht Thüringen entschieden, dass Riester-Renten auch mit Negativzinsen belastet werden dürfen, damit aus dem Wenigen, was bei Riester-Renten bleibt, noch weniger wird. Aber selbst wenn man keine Negativzinsen annimmt, ist eine Riester-Rente ein schlechtes Geschäft, bei dem die staatlichen Zulagen direkt in die Taschen der Banken oder Versicherungen wandern, die eine Riester-Rente anbieten.

Um dies zu sehen, muss man nur die vorgeschriebenen Produktinformationen zur Kenntnis nehmen und ein bisschen rechnen.

Wir machen das einmal am Beispiel der Riester-Rente der Sparkassenversicherung.

Der Vertrag sieht z.B. eine Laufzeit von 20 Jahren vor und einen monatlichen Beitrag von 85 Euro. Am Ende der Laufzeit hat ein Kunde somit 20.400 Euro in die Versicherung einbezahlt. Ist er ledig und hat keine Kinder, dann erhält er staatliche Zulagen in Höhe von 3.325 Euro, so dass 23.725 Euro am Ende der Vertragslaufzeit bei der Sparkasse eingezahlt wurden.

Die Sparkasse garantiert jedem, der den von uns ausgewählten Vertrag abgeschlossen hat (siehe Abbildung), ein Endkapital von 24.302 Euro, was einer  Verzinsung von 2,4% oder 577 Euro entspricht. Vom Endkapital sind Effektivkosten in Höhe von 529,88 Euro Abschluss- und Vertriebskosten sowie 81,07 Euro Verwaltungskosten abzuziehen, so dass der Zinsgewinn von den Gebühren, die die Sparkasse erhebt aufgefressen wird. Vom verbleibenden Kapital, 23.691,05 Euro garantiert die Sparkasse ab dem frühest-möglichen Renteneintritt des 62 Lebensjahrs eine monatliche Rentenzahlung von 75 Euro für die Dauer des verbleibenden Lebens.

Dauer des verbleibenden Lebens ist hier der modus operandi.

Die verbleibende Lebenszeit für Männer, die mit 62 Jahren in Rente gehen, beträgt im Durchschnitt noch 20 Jahre. Männer die mit 65 Jahren in Rente gehen, haben noch eine Lebenserwartung von im Durchschnitt rund 18 Jahren. Die entsprechenden Daten für Frauen: 62 Jahre: Lebenserwartung 23 Jahre; 65 Jahre: Lebenserwartung 21 Jahre.

Die Rechnung für die durchschnittlich zu erwartende Auszahlung, die auf den Riester-Versicherer zukommt, lautet:

Renteneintritt 62 Jahre:

  • Männer: Durchschnittliche Auszahlung von 18.000 Euro (eingezahltes Kapital 24.302 Euro)
  • Frauen: Durchschnittliche Auszahlung von 20.700 Euro (eingezahltes Kapital 24.302 Euro)

Renteneintritt 65 Jahre:

  • Männer: Durchschnittliche Auszahlung von 16.200 Euro (eingezahltes Kapital 24.302 Euro)
  • Frauen: Durchschnittliche Auszahlung von 18.900 Euro (eingezahltes Kapital 24.302 Euro)

Die vom Riester-Versicherer einbehaltene durchschnittliche Differenz beträgt:

Renteneintritt 62 Jahre:

  • Männer: 6.302 Euro (davon 3.325 Euro staatliche Zulage)
  • Frauen: 3.602 Euro (davon 3.325 Euro staatliche Zulage)

Renteneintritt 65 Jahre:

  • Männer: 8.102 Euro (davon 3.325 Euro staatliche Zulage)
  • Frauen: 5.402 Euro (davon 3.325 Euro staatliche Zulage)

Die Ergebnisse der kleinen Rechnung sind eindeutig:

1) Von Riester-Renten profitieren ausschließlich diejenigen, die Riester-Verträge abschließen. Selbst bei einer positiven Verzinsung wandern die staatlichen Zulagen im Durchschnitt der Versicherten vollständig in die Taschen der Versicherer.

2) Die Auszahlungen, die die Versicherer garantieren, ermöglichen ihnen im hier verwendeten Beispiel einen auf die Kapitalsumme gerechneten durchschnittlichen Gewinn von zwischen 14.8% (Frauen, Renteneintritt mit 62 Jahren) und 33,3% (Männer, Renteneintritt 65 Jahre)

3) Riester-Rentenverträge lohnen sich insgesamt betrachtet nur für Versicherer, nicht für Versicherte, und sie sind für Männer ein noch größeres Minusgeschäft als für Frauen.

Zum Vergleich: hätte ein Mann 20 Jahre 85 Euro monatlich zur Seite gelegt z.B. unter der Matratze, dann hätte er am Ende der 20 Jahre 20.400 Euro gespart. Auf Basis seiner durchschnittlichen Lebenserwartung von noch 20 Jahren bei Renteneintritt mit 62 Jahren oder noch 18 Jahren bei Renteneintritt mit 65 Jahren könnte sich unser Mann pro Monat eine zusätzliche Rente von 85 Euro bzw. 94,40 Euro gewähren. Das spricht eindeutig für das Geld unter der Matratze und ist ein Grund dafür, warum Regierungen Bargeld abschaffen wollen.

Die Berechnungen basieren auf der Annahme einer realen Verzinsung von rund 2,4% bei 20 Jahren Laufzeit. Was passiert, wenn keine positiven, sondern geringere oder gar Zinsen im Rahmen eines flexiblen Vertrags wie z.B. VorsorgePlus angenommen werden, das kann sich nun jeder selbst ausrechnen. Wer es nicht auf Anhieb kann, hier ein Tipp: Die Versicherten profitieren nicht davon.

Alle Berechnungen haben die Inflationsrate unberücksichtigt gelassen.

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Wieder die Faktenfinder: Manipulation misslungen, Argument tot

“And a lie, Mr. Mulder, is most convincingly hidden between two truths.” (Deep Throat, x-files, EBE)

Die Faktenfinder entwickeln sich langsam zu einer unserer liebsten Lektüren. Egal, ob wir planen, ein Buch über (schlecht gemachte) Manipulationsversuche zu schreiben, eine Zusammenstellung zu den häufigsten logischen Fehlern zu erstellen oder eine Sammlung des größten Unsinns, der in deutschen Medien veröffentlicht wurde, anzulegen, immer sind die Faktenfinder eine fast unerschöpfliche Fundgrube.

Der neueste Shootingstar unter den faktenerfindenden Rustikal-Manipulateuren ist Konstantin Kumpfmüller vom Bayerischen Rundfunk. Er hat schon mit seinem Beitrag über die 18%, die die CSU in einer Umfrage von INSA landesweit erhalten hat, für erhebliche Erheiterung in der Redaktion gesorgt (he made our day). Und nun ist er dabei, die verlorene Ehre der deutschen Bundesregierung zu retten und der weit verbreiteten Ansicht, dass unpopuläre Gesetze so terminiert, behandelt und verabschiedet werden, dass die öffentliche Aufmerksamkeit für diese Gesetze auf ein Minimum reduziert wird, zu widersprechen, eine Ansicht, der Handelsblatt, Deutschlandfunk, Franfurter Rundschau, Huffington Post und Epoch Times sind, wie Kumpfmüller rapportiert.

Das feindliche Lager, dem sich die Faktenfinder mit ihrer Mission gegenüber sehen, wird immer größer, den Faktenfindern geht es langsam, wie dem sprichwörtlichen Autofahrer, der im Verkehrsfunk die Warnung hört, dass auf der A1 ein Geisterfahrer unterwegs sei und diese Warnung mit dem Ausruf goutiert: „Einer? Dutzende!“

Vorab: Es ist sicher so, dass Regierungen versuchen werden, unpopuläre Gesetze mit so wenig Aufsehen wie nur möglich durch das Parlament zu prügeln. Wer das Gegenteil behauptet, der sagt damit, dass sich Regierungen aus irrationalen Masochisten zusammensetzen, die ihre Mauscheleien vor der Öffentlichkeit ausbreiten, um öffentlich Prügel zu beziehen, die es geradezu darauf anlegen, unpopulär zu werden, um auf diese Weise sicherzustellen, dass sie nicht mehr gewählt werden.

Nun ja. Kumpfmüller will seine Leser dies glauben machen.

Keine einfache Aufgabe, wenn man annimmt, dass die Leser der Tagesschau eine normalverteilte Stichprobe der Gesamtbevölkerung darstellen und keine z.B. durch Irre stark verzerrte Stichprobe.

Daher ist es interessant zu analysieren, wie Kumpfmüller versucht, seinen Lesern in den Bart zu spucken und sie davon zu überzeugen, das sei Raureif, wie es ein viel zu früh verstorbener Pfälzer formuliert hätte.

Kumpfmüllers Erzählungen gehen wie folgt.

  • Am zweiten Spieltag der Fussballweltmeisterschaft 2006 wurde im Bundesrat die umstrittene Erhöhung der Mehrwertsteuer beschlossen. Der Gesetzentwurf des Haushaltsbegleitgesetzes sei aber schon seit Monaten bekannt gewesen.
  • Die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge, die während der Fußballweltmeisterschaft 2010 verabschiedet wurde, sei nicht plötzlich erfolgt. Sie habe eine Vorlaufzeit von vier Monaten gehabt.
  • Am 28. Juni 2012 sei im Bundestag ein neues Meldegestz von nur wenigen anwesenden Abgeordneten beschlossen worden. Hier räumt Kumpfmüller ein, dass das Halbfinale zwischen Deutschland und Italien ein Grund für die wenigen Abgeordneten, die zur Abstimmung anwesend waren, gewesen sein könnte. Das Gesetz sei jedoch vom Bundesrat „kassiert“ worden, so schreibt Kumpfmüller und vergisst anzumerken, dass das Gesetz damit nicht vom Tisch war, sondern zur Verhandlung in den Vermittlungsausschuss überwiesen und am 1. März 2013 in leicht geänderter Form verabschiedet wurde.
  • Während der Fußballweltmeisterschaft 2014 sei eine Reform der Lebensversicherung durch den Bundestag verabschiedet worden. Auch hier sei schon Monate vor der Verabschiedung über das Gesetz diskutiert worden.
  • Die Urheberrechtsreform, die im Europäischen Parlament am 20. Juni beschlossen worden sei, sei auch seit langem diskutiert worden, so Kumpfmüller.

Zwischen der Urheberrechtsreform und der Reform der Lebensversicherung steht folgendes im Text von Kumpfmüller:

„Am Tag des Eröffnungspiels der WM 2018 wurde eine Änderung des Parteiengesetzes verabschiedet. Der AfD-Abgeordnete Thomas Seitz warf der Regierung vor, “im Windschatten der WM” mit dem Gesetz zur Änderung des [gemeint ist der] Parteienfinanzierung die Öffentlichkeit überrumpeln zu wollen. Der Gesetzesentwurf war allerdings schon am 5. Juni 2018 veröffentlicht worden – zehn Tage vor WM-Beginn. An diesem Tag berichteten unter anderem “Bild” und “Süddeutsche Zeitung” darüber.“

Wer die Faktenfinder verfolgt, der weiß, dass unter ihnen der (Irr-)Glaube herrscht, wenn man einen AfD-Abgeordneten zitiere, dann sei dies ausreichend, um das, was der AfD-Abgeordnete gesagt hat, zu diskreditieren. Vielleicht legt Kumpfmüller deshalb nicht viel Wert darauf, seinen kruden Manipulationsversuch sprachlich besser zu verpacken.

Denn: Bislang war sein Argument immer, dass zwischen Gesetzentwurf und -verabschiedung Monate vergangen sind, viel Zeit, um über den Gesetzentwurf zu diskutieren. Nun ist sein Argument plötzlich, dass Monate gar nicht notwendig sind, weil Tage auch ausreichen, 10 Tage, wie er explizit feststellt.
Wer in der Lage ist, Kalender zu lesen, der weiß, dass der Gesetzentwurf, mit dem sich die Altparteien noch mehr an Steuerzahlern bereichern als sie das sowieso schon tun, am 5. Juni, einem Dienstag, in den Bundestag eingebracht wurde. Am 13. Juni, also 8 Tage später, einem Mittwoch, hat der Ausschuss für Inneres und Heimat bereits die Annahme des Gesetzentwurfes empfohlen und am 15. Juni, einem Freitag, zwischen 9.20 Uhr und 10.20 Uhr wurde der Gesetzentwurf in Zweiter und Dritter Lesung und dann in namentlicher Abstimmung mit 371 (229 von 246 CDU/CSU, 142 von 153 SPD) zu 285 Stimmen angenommen. Der Bundesrat muss diesem Gesetz nicht zustimmen.

Es ist schon verwunderlich, welche Themen die Faktenfinder glauben aufgreifen zu müssen. Noch verwunderlicher ist jedoch, mit welch’ kruder Manipulation sie versuchen, ihre Leser hinters Licht zu führen. In allen Fällen außer dem der Parteienfinanzierung argumentiert Kumpfmüller mit dem monatelangen Vorlauf. Der lange Vorlauf gilt ihm als Indiz dafür, dass nicht versucht wurde, die Fussballweltmeisterschaft auszunutzen, um ein unpopuläres Gesetz mit geringer negativer Öffentlichkeitswirkung auf den Weg zu bringen.

Da die lange Zeit zwischen Gesetzentwurf und Verabschiedung des Gesetzes das Argument von Kumpfmüller ist, widerlegt er sich selbst, denn beim Gesetz zur unmäßigen Bereicherung der Altparteien, auch als Parteienfinanzierungsgesetz bekannt, gab es keinen monatelangen Vorlauf. Bei diesem Gesetz handelt es sich um eine Nacht-und-Nebel-Bereicherungsaktion.

Ausgerechnet das Beispiel, das Kumpfmüller seinen Lesern als Köder vor die Nase hält, damit sie zuschnappen und ihn nicht nur für einen Journalisten halten, sondern auch für einen, der wenigstens versucht, einer objektiven Berichterstattung nahe zu kommen, taugt nicht als Köder. Das Meldegesetz von 2012 war zum Zeitpunkt, zu dem es im Bundestag verabschiedet wurde, so bekannt und so umfassend öffentlich diskutiert und vor allem kritisiert worden, dass bereits zum Zeitpunkt der Abstimmung klar war, dass der Bundesrat (der diesem Gesetz zustimmen musste) ein Veto einlegen und das Gesetz in den Vermittlungsausschuss überweisen wird. Die Abstimmung war insofern eine Übung in Handheben ohne Gratifikation, was erklärt, warum sich die meisten Abgeordneten gar nicht erst die Mühe gemacht haben, im Bundestag zu erscheinen.

Im Gegensatz dazu gab es zum Parteienfinanzierungsgesetz keinerlei dauerhafte öffentliche Diskussion. Es wurde in Rekordzeit durch den Bundestag gewunken und so platziert, dass die Abstimmung mit der Eröffnung der Fußballweltmeisterschaft zusammenfällt, um die negative Öffentlichkeit auf ein Minimum zu reduzieren. Wer angesichts dieses Werdegangs behauptet, dies sei nicht der Fall, der hat – sorry – nicht mehr alle Tassen im Schrank oder er wird dafür bezahlt, sich dumm zu stellen.

Ein Werkzeug aus der Manipulationskiste für Anfänger hat Kumpfmüller noch, einen Politikwissenschaftler von der Universität Würzburg, der sagen darf, dass ein „beschleunigtes Gesetzgebungsverfahren rein rechtlich möglich sei“, es dazu aber einer Zweidrittelmehrheit bedürfe. Das beschleunigte Gesetzgebungsverfahren dient dazu, die Überweisung eines Gesetzentwurfes an den zuständigen Fachausschuss zu kippen und gleich in die zweite und dritte Lesung einzutreten und abzustimmen.

Das beschleunigte Gesetzgebungsverfahren über das der Politikwissenschaftler reden darf, hat nun überhaupt nichts mit dem Vorwurf, unpopuläre Gesetze würden so terminiert, dass eine negative Öffentlichkeit minimiert wird, zu tun. Es hat auch nichts mit dem zu tun, was Kumpfmüller selbst argumentieren will, wenn man zu seinen Gunsten annimmt, er wolle etwas argumentieren. Dass in den Artikeln 77 und 78 des Grundgesetzes der Prozess der Verabschiedung eines Gesetzes im Bundestag in drei Lesungen fixiert ist, sagt nichts darüber aus, wie viel Zeit für diese Lesungen notwendig ist.

Für das Gesetz zur Selbstbereicherung der Altparteien (Parteienfinanzierungsgesetz) war eine erste Lesung am 5. Juni, eine Beratung im Fachausschuss (13. Juni) mit Beschlussempfehlung (15. Juni und 2. Lesung) und anschließender 3. Lesung ausreichend, um das Gesetz genau zum Beginn der Fußballweltmeisterschaft am 15. Juni zwischen 9.20 Uhr und 10.20 Uhr  zu verabschieden. Insgesamt dürften rund 4 Stunden im Bundestag (inklusive Ausschuss) genügt haben, um dieses Gesetz durchzuwinken.

Wer auch immer dieses Gesetz geplant hat, hat gut geplant und dafür gesorgt, dass die negative Berichterstattung über die neuerliche Art der Selbstbereicherung der Parteien (1) gering ausgefallen ist und (2) das, was es an Berichterstattung gibt, mit der Berichterstattung von der Fußballweltmeisterschaft um die Aufmerksamkeit der Bürger buhlen muss.

Wer bestreitet, dass hier ein unpopuläres Gesetz unter Ausnutzung der Fußballweltmeisterschaft durch den Bundestag geprügelt wurde, der – wir müssen uns wiederholen – hat nicht alle Tassen im Schrank, oder er wird dafür bezahlt, sich dumm zu stellen und die Konsumenten öffentlich-rechtlicher Medien für dumm zu verkaufen.

Genaueres zur Parteienfinanzierung: Selbstbereicherung im Rekordtempo

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Politisch-korrekte Entmündigungs-Fußballweltmeisterschaft – Sprach-Chimären

Die Kontrolle über Individuen ist umso einfacher, je eher man es schafft, ihnen ihre Urteilsfähigkeit zu nehmen bzw. das Urteil, das sie treffen sollen, vorzugeben. Die moderne Form der Entmündigung findet dabei über Sprach-Chimären (Chimäre als Trugbild verstanden) statt, über Begriffshülsen, die affektiv gefüllt werden.

Um auf diese Weise eine Kontrolle und Steuerung der Bevölkerung zu erreichen, ist es zunächst notwendig, einen Kanon der affektiv geladenen Begriffe zu schaffen. Die moderne Intoleranz hat u.a. die folgenden Begriffe als Sprach-Chimären geschaffen:

  • Sexismus
  • Rassismus
  • Rechtsextremismus
  • Antisemitismus
  • Homophobie
  • Hate Speech

Klicken Sie, um sich das richtige Urteil zu bilden.

Wer sich der Mühe unterzieht, die Begriffe zu googeln (ohne ScienceFiles zu berücksichtigen), der landet entweder auf Seiten, die mit abstraktem Geschwätz darüber gefüllt sind, wie schlimm Rassismus, Sexismus, Hate Speech usw., wie weit verbreitet sie doch seien und wie wichtig es sei, Rassismus, Sexismus usw. zu bekämpfen, warum auch immer. Ein Bezug zur Empirie findet nicht statt. Oder er landet auf Seiten, deren Betreiber bestimmte Verhaltensweisen als furchtbaren Sexismus oder Rassismus oder was auch immer verurteilen, ohne dass sie eine Begründung dafür angeben würden, warum ein bestimmtes Verhalten Ausdruck von oder konkretes Beispiel für Sexismus, Rassismus usw. sein soll.

Auf diese Weise ist es möglich, die unterschiedlichsten Verhaltensweisen über einen Kamm zu scheren und unter die Herrschaft einer affektiven Begriffs-Chimäre zu stellen, und zwar mit dem Ziel, die entsprechenden Verhaltensweisen, die oft genug keinerlei Gemeinsamkeit aufweisen, zu unterbinden, als illegitim, als unrechtmäßig darzustellen.

Das Ziel der Schaffung von affektiven Begriffs-Chimären besteht also darin, ein Instrument zur Hand zu haben, das begründungslos eingesetzt werden kann, um bestimmte Meinungen, Äußerungen oder Handlungsweisen zu unterbinden UND das genutzt werden kann, um Individuen ihre Urteilsfähigkeit zu nehmen.

Wer sich derzeit mit den Randbedingungen der Fußballweltmeisterschaft beschäftigt, der findet bereits eine stattliche Anzahl von Beispielen dafür, wie Individuen ihr Urteilsvermögen abtrainiert bzw. bestritten werden soll.

Beispiele:

Der dänische Fußballverband muss 20.040 US-Dollar Strafe bezahlen, u.a. deshalb, weil dänische Fans angeblich ein Transparent mit ins Stadion gebracht und dort gezeigt hätten, das sexistisch sei. Was auf dem Transparent zu lesen war, warum das, was zu lesen war, sexistisch sein soll, diese Informationen werden vorenthalten. Die lesende Bevölkerung wird informiert, dass eine Organisation zu einem Urteil gekommen ist, über das es keine Diskussion gibt. Dem Urteil ist sich anzuschließen. Eigene Urteilsbildung ist nicht notwendig und schon gar nicht erwünscht.

Prinzipiell ist es somit möglich, alle Inhalte, die der FIFA oder wem auch immer nicht passen, als Sexismus oder Rassismus zu bezeichnen und aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, ohne dass eine Form der öffentlichen Kontrolle der Entscheidung, auf die Demokratien einmal so stolz waren, erfolgen könnte. Der öffentliche Raum, das sei hier kurz angemerkt, gehört nicht der FIFA und auch nicht den Gutmenschen, die über die legitimen Inhalte bestimmen wollen. Was Gegenstand des öffentlichen Raumes ist, ist eine Verhandlungssache und gerade Demokratien haben sich in der prä-Gutmenschen-Ära dafür gerühmt, dass sie jede Meinung und jede Ansicht als Beitrag im öffentlichen Raum zulassen. Aber das war gestern. Heute rühmen sich ehemalige Demokratien dafür, dass sie den öffentlichen Raum von allem säubern, was „dem Bürger“ nicht zumutbar ist. Mit anderen Worten: Sie rühmen sich für die Entmündigung ihrer Bürger, dafür, dass sie ihren Bürgern die Urteilsfähigkeit absprechen und nehmen wollen.

Der Totalitarismus kommt nicht auf leisen Füßen, er ist bereits da und wie so oft macht die Presse auch dieses Mal gemeinsame Sache mit denen, die ausschließen wollen, dass Bürger sich ein eigenes Urteil bilden. Die Meldung, die international und unter Bezug auf Reuters von Medien aller Art verbreitet wird, lautet ohne Abweichung:

„The Danish Football Association has been fined $20,040 and given a warning for crowd disturbance and the display of a sexist banner by Denmark fans at the World Cup, global soccer governing body FIFA said on Sunday.”

Außerdem haben sich die dänischen Fans im Spiel gegen Australien nicht an das „pre-match-protocol“ gehalten, was unverzeilich ist und ebenfalls mit einem Strafgeld geahndet werden muss. Sie wissen nicht, was das „pre-match-protocol“ ist? Macht nichts. Es reicht, wenn Sie wissen, dass es furchtbar und böse und ganz schlimm ist, sich nicht daran zu halten.

Die Fußballsaubermänner, die sich hier als Helfershelfer derer gerieren, die Menschen ihr eigenes Urteilsvermögen verunmöglichen und am besten entziehen wollen, sind ausgerechnet die Funktionäre der FIFA, die über Jahre den Nachweis geführt haben, dass sie weder Transparenz mögen noch von Korruption lassen können. Aber über Korruption wird heutzutage hinweggesehen. Es gibt wichtigeres zu tun: Wir müssen Sexismus aus Fußballstadien fernhalten und Rassismus bekämpfen (oder uns dafür schmieren lassen, dass wir das tun …?), es gilt Sprach-Chimären zu schaffen und Individuen ihr Urteilsvermögen zu bestreiten.

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Nach ScienceFiles-Kritik: ARD-Faktenfinder korrigiert klammheimlich seine Fehler und macht neue

Die Korrektur erfolgt im “low profile”-Modus, so, dass es nicht allzuviele Leser von Tagesschau.de bemerken, und sie erfolgt nur zum Teil aufrichtig. Die fehlerhaften Angaben zur Anzahl der Straftaten gegen das Leben, wurden ersetzt, die irreführenden Angaben zu Morden sind klammheimlich verbessert worden.

Die Kritik von ScienceFiles hat also gewirkt. Nicht dass sich Faktenfinder Gensing bei uns bedanken würde, obwohl wir die einzigen waren, die die entsprechende Kritik geübt haben und somit die Quelle der Gensingschen Korrektur darstellen. Aber immerhin haben wir auf diese Weise ein Maß für die Wirksamkeit unserer Kritik und dafür, dass die Kritik bei denen ankommt, an die sie gerichtet ist.

Weil man als ARD-Faktenfinder nicht gerne eingesteht, dass man einen großen Bock geschossen hat, wurde der fehlerhafte Absatz klammheimlich umgearbeitet, mit einem Miniatur-Asterix versehen, der, wenn man ihn zum Ende des Textes verfolgt, zu Folgendem führt:

“*Der Absatz enthielt zunächst fehlerhafte Zahlenangaben zu Straftaten gegen das Leben. Diese sind nun korrigiert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.”

Der Absatz mit den Fehlern lautete in seiner ursprünglichen Fassung:

“Zutreffend ist die Aussage, dass die Zahl der Morde gestiegen ist: 2017 wurden laut PKS 405 Menschen in Deutschland ermordet, im Jahr zuvor waren es 373. Zudem wurden 55 Straftaten gegen das Leben registriert, zehn Fälle mehr als 2016.”

Die neue Fassung lautet:

“Zwar stimmt die Aussage, dass die Zahl der vollendeten Morde gestiegen ist: 2017 wurden laut PKS 405 Menschen in Deutschland ermordet, im Jahr zuvor waren es 373. Die Zahl der Straftaten gegen das Leben – wozu neben Mord auch Totschlag und Tötung auf Verlangen zählen – ging allerdings leicht zurück. Von 3765 im Jahr 2016 auf 3713 Straftaten im Jahr 2017. Die Zahl der Opfer dieser Straftaten sank von 876 auf 731.*”

Die Passage (fett gesetzt), die in den Teilen zwischen den Gedankenstrichen wörtlich von ScienceFiles übernommen wurde, zeigt, dass die ARD-Faktenfinder zumindest im Plagiieren geübt sind, wenn sie auch keine Statistiken lesen können. Dies zeigt sich einmal mehr daran, dass auch die Korrektur falsch ist.

Die Anzahl der Straftaten gegen das Leben, die 2016 verübt wurden, beträgt 3242, 2017 waren es 3227. Was Gesing berichtet sind nicht wie von ihm behauptet, die Zahlen für die verübten Straftaten, er berichtet die Anzahl der von der Polizei ermittelten Tatverdächtigen. 

Wie man sieht, hat sich Gensing zwar zwischenzeitlich Nachhilfe in der Lektüre von Statistiken eingeholt, es hat aber nichts gebracht.

Und auch dieses Mal kann er sich eine kleine Unterschlagung nicht verkneifen. Die Fehler, die er verbessert hat, betreffen eben nicht nur die Angaben für “Straftaten gegen das Leben”, sondern auch die Angaben für “Morde”. Er hat dies unter der Hand durch den Zusatz des Adjektivs “vollendet” zu beheben versucht und denkt, wir würden das vielleicht nicht merken.

Gensing kann es eben nicht lassen, seinen Lesern Halbwahrheiten zu präsentieren (Halbwahrheiten sind natürlich auch Lügen).

Die Ursache für die Fehler der angeblichen Faktenfinder, ist die fehlende Ausbildung (das wollen wir zu Gunsten von Gensing annehmen). Es ist eben nicht jedem möglich, ohne entsprechende Ausbildung Statistiken zu lesen, zu verstehen und zu interpretieren. Dass Personen, die sich zu Faktenfindern erklärt haben, diese fehlenden Kompetenzen aufweisen, ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass heute fast jeder denkt, er könne alles, dass die entsprechenden Faktenfinder ihren Lesern falsche Daten unterjubeln, um dann klammheimlich eine Verbesserung einzufügen, wenn sie bei ihren Fehlern erwischt und die Fehler öffentlich gemacht werden, das zeigt, wie ungeeignet die Faktenfinder zum Fakten finden sind, denn Fakten finden erfordert Kompetenz und nicht zuletzt Aufrichtigkeit Gewissenhaftigkeit, Lauterkeit, Urteilsfähigkeit und Unabhängigkeit von ideologischen Vorgaben.

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