Telepolis: Die Redaktion der minder Intelligenten? [AfDologie]

Der Titel ist natürlich eine Abwandlung des Titels „AfD: Die Partei für die weniger Intelligenten“, den Tomasz Konicz seinem Beitrag auf heise.de gegeben hat.

Der Beitrag ist bemerkenswert, aus vielerlei Hinsicht.

Aus sozial-psychologischer Hinsicht.

Es ist nicht erst seit den Studien von Amos Tversky und Daniel Kahneman bekannt, dass Menschen anfällig sind, für eine Vielzahl von Fehlurteilen und dass diese Anfälligkeit einhergeht, mit einer beeindruckenden Zahl kognitiver Fehlleistungen. Wie zum Beispiel der Tendenz, aus einer Fliege einen repräsentativen Elefanten machen zu wollen (Heuristik der Repräsentativität) oder der Prädisposition, alle Informationen, die man erhält nur und ausschließlich vor dem Hintergrund der eigenen Überzeugungen zu interpretieren (bekannt als Framing, overconfidence und Erwartungsbestätigungseffekt).

Die Realität fast ausschließlich vor dem Hintergrund der eigenen Erwartungen zu interpretieren, ist eine Eigenschaft, die vor allem dumme Menschen teilen, denn mit der Eigenschaft geht die Unfähigkeit, zu lernen, einher. Lernen ist nur möglich, wenn man zulässt, dass die Realität von eigenen Überzeugungen abweichen kann.
Gemessen daran muss man Konicz als einen dummen Menschen ansehen.

Aus psychologischer Sicht

Im Gegensatz zur Sozial-Psychologie, die sich mit Zwischenmenschlichem beschäftigt, hat die Psychologie innermenschliches zum Gegenstand. Auch hier ist der Beitrag von Konicz interessant, denn er offenbart eine gewisse Pathologie, die mit der Lust, andere in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen, einhergeht und somit als soziale Störung anzusehen ist. F91.2 oder F91.3 aus dem ICD-10 sind vermutlich die angemessenen Diagnosen für das Leiden von Konicz.

Aus inhaltlicher Sicht

Wie würden Roboter beim wahren-Ich abschneiden?

Auch wenn man den Inhalt des Beitrags von Konicz betrachtet, kann man nicht umhin, die Sozialpsychologie mit ins Boot zu holen, denn Konicz ist ein Musterbeispiel für Menschen, die es schaffen, in unterschiedlichen Zusammenhängen, Gegensätzliches zu behaupten, ohne dadurch kognitive Dissonanzen zu erleiden.

Konicz schreibt über einen Intelligenztest, der auf einer Seite, deren Domain, „dein-wahres-ich“, heißt, zu finden ist. Dieser Intelligenztest, ein Online-Intelligenztest, hat erbracht, so behaupten die Macher dieser Seite, dass ein niedrigerer Testwert mit einer Präferenz für die AfD bei Bundestagswahlen einhergeht. AfD-Wähler, so behauptet Konicz, hätten einen IQ von durchschnittlich 93 Punkten, Grüne von 99, SPD-Wähler von 100 usw. Es sei hier nur kursorisch angemerkt, dass es sich nicht um AfD-Wähler handelt, wie Konicz eigentlich wissen müsste, hat er doch selbst geschrieben, dass die IQ-Testteilnehmer nach ihrer Parteipräferenz befragt wurden, also danach, welche Partei sie wählen würden, nicht danach, welche Partei sie gewählt haben. In einem solchen Fall sprechen nur Dumme von Wählern, Dumme, die keine Ahnung von empirischer Wahlforschung haben.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie diejenigen, die mit allen möglichen Einwänden gegen Online-Umfragen auftreten, alle angeblichen Bedenken und methodischen Kenntnisse, die sie zu haben reklamieren, über Bord werfen, wenn ihnen ein Ergebnis in den ideologischen Kram passt.

Betrachtet man die Ergebnisse, die das wahre Ich angeblich produziert hat, dann kann man nicht anders, als mit dem Kopf schütteln, ob dieser kritiklosen, unkritischen Übernahmen von Ergebnissen durch Konicz, Ergebnissen,

von denen man nicht weiß, auf wie vielen Testpersonen sie basieren,
von denen man nicht weiß, auf welcher Stichprobe der Grundgesamtheit sie basieren;
von denen man nicht weiß, wie sie überhaupt zu Stande gekommen sind und somit nicht weiß, was sie überhaupt messen.

Um die letztere Frage zu beantworten hat eine Testperson aus der ScienceFiles-Redaktion den Intelligenztest des Wahren-Ichs mit einem nachweislich überdurchschnittlichen Ergebnis abgeschlossen. Auf dieser Grundlage können wir sagen, dass der Test kognitive Fähigkeiten, Mustererkennung, logisches Schlussfolgern und Sprachkenntnisse testet. Ob damit Intelligenz gemessen werden kann, ist eine andere Frage, die uns hier nicht interessieren muss. Es reicht der Hinweis darauf, dass die Frage, wie man Intelligenz misst, heftig umstritten ist:

• Für Phares (1984) setzt sich Intelligenz (a) aus der Fähigkeit, sich an neue Situationen anzupassen, (b) der optimalen Nutzung von Erfahrung(en), d.h. aus Lernen und (c) dem abstrakten Denken und dem Benutzen von Symbolen zusammen. Im Test des wahren-Ichs wird nur (c) gemessen.

• Gardner (1983) bestimmt Intelligenz als Art, die Welt zu betrachten. Für Gardner ergibt sich die Art, die Welt zu betrachten, aus sieben verschiedenen kognitiven Fähigkeiten: (1) linguistische Fähigkeiten, (2) logisch-mathematische Fähigkeiten, (3) räumliches Wahrnehmungsvermögen, (4) musikalische Fähigkeiten, (5) körperlich-kinästhetische Fähigkeiten, (6) interpersonale Fähigkeiten und (7) intrapersonale Fähigkeiten.
Im Test vom wahren-Ich werden nur (1) und (2) gemessen.

• Sternberg (1986) unterscheidet drei Arten von Intelligenz, die er in verschiedenen Problembereichen angesiedelt sieht, wodurch er allgemeine Intelligenz als allgemeine Problemlösefähigkeit betrachtet: (1) Der komponentenbezogene Aspekt der Intelligenz umfasst die kognitiven Prozesse, die bei der Problemlösung beteiligt sind. (2) Der erfahrungsbezogene Aspekt der Intelligenz beschreibt den Zusammenhang zwischen der inneren Welt eines Menschen und der äußeren Welt. (3) Der kontextuelle Aspekt der Intelligenz bezieht sich auf den Einfluss, den Menschen auf ihre Umwelt ausüben.
Im Test des wahren-Ichs wird keiner der Aspekte, die für Sternberg Intelligenz ausmachen, gemessen.

Was also ist der Test des Wahren-Ichs überhaupt wert? Das ist eine Frage, die man einen kritischen Journalisten zu stellen erwarten würde. Nur dumme Journalisten übernehmen, was ihnen vorgegeben wird. In dieser Hinsicht ist Konicz ein dummer Journalist.

Aus methodischer Sicht

Der Test des wahren-Ichs besteht aus 51 Testfragen. Damit werden IQ-Werte gemessen, die einen Mittelwert bei 100 haben, wenn sie eine theoretische Verteilung des IQ-Tests wiederspieglen und woanders, wenn es eine empirische Verteilung ist.

Wie werden aus den 51 Testfragen IQ-Werte? Eine wichtige Frage, denn die Fragen messen nicht alle dasselbe. Mindestens linguistische und logisch-mathematische Fähigkeiten, vielleicht auch räumliches Vorstellungsvermögen werden erhoben. Das sind unterschiedliche, nicht äquivalente Bereiche. Wie werden diese Bereiche zueinander abgegrenzt, wie gewichtet? Dass sie gewichtet werden, ist offenkundig, wenn aus 51 richtig beantworteten Fragen ein IQ von >113 werden kann.

Nur ein dummer Journalist, der sich in ein Ergebnis ideologisch verliebt hat, übernimmt es unkritisch und macht sich zum Büttel derer, die ihre Vorgehensweise vermutlich aus guten Gründen nicht transparent machen.

Und was ist mit denen, die diesen Test ausfüllen?
Ein Blick auf die Seite des wahren Ichs, zeigt, dass diejenigen, die sich von dieser Seite angesprochen fühlen, entweder Kinder und Jugendliche sind, die „geilen Sprüchen“ und „Horoskopen“ noch einen Sinn abgewinnen können, oder infantile Erwachsene, die den Sprung in die richtige Welt (noch) nicht geschafft haben. Unter beiden sind diejenigen, die eine Präferenz für die AfD angeben, nicht sonderlich breit gesät. Wir wetten daher, die Stichprobe des wahren Ich hat einen Altersbias und sie hat natürlich einen Schüler- und Studentenbias, denn der Unsinn, den derartige Intelligenztests darstellen, ist vor allem unter Schülern und Studenten und Ewigjungen, also denen, die Thomas Mann als Geck bezeichnet, verbreitet.

Hinzu kommt, das Testergebnis wird durch die Auflösung des Monitors, auf dem man den Test betrachtet, beeinflusst. Die Mustererkennungsfragen können auf einem Smartphone kaum sinnvoll bearbeitet werden, aber viele der Befragten haben den Test auf einem Smartphone bearbeitet.

Kurz: Was der Test misst, ist eine offene Frage, welche Aussagekraft seine Ergebnisse haben, entsprechend auch, nur die Frage, ob man diese Ergebnisse verallgemeinern kann, ist nicht offen: man kann es nicht. Nur ein dummer Mensch versucht, solche fast willkürlich zu nennenden Ergebnisse als Ausdruck des wahren-Ichs, als des Essentialismus‘ zu nehmen, der dieser idiotischen Namensgebung innewohnt.

Und damit sind wir zurück beim Text von Konicz.
Wir zitieren:

„Somit harrt der nun empirisch verifizierte Zusammenhang zwischen rechter Gesinnung und Dummheit weiterer wissenschaftlicher Studien. Gerade angesichts der Streitfrage, in welchen[m] Ausmaß Intelligenz angeboren oder im Zuge der Sozialisation angelernt wird. Zu klären wäre etwa, wie die konkrete rechte Ideologie, die immer mit einfachen Wahrheiten und der Präsentation von Sündenböcken operiert, die kognitiven Fähigkeiten der Betroffenen tangiert.“

Nur ein dummer Mensch spricht von einem empirischen Beweis und benutzt das Wort „verifiziert“ (schon gar nicht angesichts eines solchen Tests). Empirische Tests bestätigen, aber sie verifizieren nichts. Das ist Allgemeinwissen, das nur dumme Menschen nicht teilen. Zudem kann der Test des wahren Ichs nichts bestätigen, was gar nicht Gegenstand des Tests war. Er hat weder „rechte Gesinnung“ noch „Dummheit“ gemessen. Gemessen wurde das, was die Autoren des Tests als Intelligenz ansehen, und das wurde mit einer Präferenz für die AfD in Zusammenhang gebracht. Weder hat ein durchschnittlicher Testwert von 93 (wenn wir einmal davon ausgehen, er gebe einen Hinweis auf Intelligenz) etwas mit Dummheit zu tun, noch hat eine Präferenz für die AfD etwas mit einer rechten Gesinnung zu tun. Beide Mengen sind nicht äquivalent. Nur einem dummen Menschen ist nicht klar, dass man die AfD wählen kann, ohne eine rechte Gesinnung zu haben und in einem Intelligenztest schlecht abschneiden kann, ohne dumm zu sein. Auch in dieser Hinsicht qualifiziert sich Konicz als dummer Mensch.

„Es ist fraglich, ob die[die] es einfach dumme Menschen sind, die sich von der AfD angezogen fühlen. Die zentrale Frage, die der
wissenschaftlichen Klärung harrt, lautet eher, ob die AfD ihre Anhängerschaft durch ihre Ideologie dümmer macht.“

Immer wenn man glaubt, Blödsinn ließe sich nicht steigern, kommt ein Satz von Konicz. Die zentrale Frage, die nach unserer Ansicht der Klärung harrt, ist, ob die Mitgliedschaft in der Telepolis Redaktion Konicz dümmer gemacht hat… Aber Ernst beiseite. Da nichts über den Zusammenhang zwischen Dummheit und AfD-Anziehung bekannt ist, weil beides nicht gemessen wurde, ist der ganze Absatz, in dem sich Konicz angeblich Gedanken macht, Unsinn. Das einzige, was man diesem Absatz entnehmen kann ist, dass Konicz der Ansicht ist, die AfD-Ideologie sei dumm. Nur ein dummer Mensch ist der Ansicht, er könnte anderen sein eigenes Vorurteil unterstellen, ohne dass die anderen das merken, wie Konicz das tut.

„Die AfD wäre somit nicht einfach ein sozialer Magnet, der geringere Intelligenz anzieht, sondern eine Art politische Verdummungsfabrik, die den IQ der Betroffenen langsam, aber sicher in den Keller treibt. Im Umkehrschluss würde dies bedeuten, dass eine Loslösung aus dem Umfeld der AfD auch der geistigen Leistungsfähigkeit der Betroffenen zugute kommen könnte. (Tomasz Konicz)”

Dieser Absatz ist etwas für Psychiater. Uns reicht es festzustellen, dass das einzige, was man diesen Zeilen entnehmen kann, das Bemühen Konics ist, die AfD und die Menschen, die eine Präferenz für die AfD haben, zu diskreditieren. Die Hilflosigkeit, in der er das tut, erinnert sehr an die Diskussion um das Unterschichtenfernsehen, in dem diejenigen, die zum von Dr. habil. Heike Diefenbach als akademisches Prekariat bezeichneten Milieu gehören, versucht haben, ihre vermeintlich höhere Intelligenz als trennendes Merkmal gegenüber einer Unter- und Arbeiterschicht einzuführen, die es längst mit Blick auf Eigentum und Wohlstand überholt hat. Konicz scheint diesem prekären Milieu anzugehören und ein entsprechendes Verlangen zu verspüren, sich über seine vermeintliche Zugehörigkeit zu denen, die in einem haarigen Intelligenztest auf einer Kinder- und Jugendlichenseite besser abgeschnitten haben, von denen, die er unter sich wähnt, zu differenzieren. Das alles sind psychologische Verarbeitungsprozesse, die den Kreis dieses Posts schließen und zu dem Hinweis führen, dass die Diskussion darüber, ob Intelligenz angeboren ist oder nicht, in diesem Zusammenhang wirklich vollkommener Unsinn ist. Selbstverständlich kann man diesen Kreis nicht ohne den Hinweis schließen, dass der Umkehrschluss, von dem Konicz fabuliert, einen Fehlschluss der Bejahung des Konsequens darstellt.

Wie könnte jemand, der weder sprechen noch rechnen kann, die Fragen beantworten, die im Test vom wahren Ich gestellt werden? Gar nicht. Eben. Deshalb sind die Fähigkeiten, die man benötigt, um diese Fragen zu beantworten ERLERNT. Die Frage, ob die Beantwortung der Fragen auf Intelligenz schließen lässt, ist somit zur Frage, ob die erfragten Fähigkeiten einen Rückschluss auf Intelligenz zulassen, geworden. Aber das sind nur Fragen, die sich Menschen stellen, die nicht dumm sind. Konicz stellt sich diese Fragen nicht.

Zur Frage in der Überschrift: Ist Telepolis die Redaktion der minder Intelligenten? Auf Grundlage unserer Einzelfallstudie kann man diese Frage nicht affirmativ beantworten (ohne einen Fehlschluss zu begehen), aber eine kleine grammatische Veränderung des Satzes vom Dativ zum Genitiv macht die positive Antwort korrekt. In jedem Fall wäre wohl eine “Loslösung” der übrigen Redaktion von Tomasz Konicz der geistigen Leistungsfähigkeit in der Redaktion förderlich.

Gardner, Howard (1983). Frames of Mind. New York: Basic Books.

Phares, E. Jerry (1984). Clinical Psychology. Concepts, Methods, and Professionals. Homewood: Dorsey.

Sternberg, Robert J. (1986). Intelligence Applied. San Diego: Harcourt Brace Jovanovic.

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Deutschland dreht durch: Was, wenn die Irren zur Normalität werden?

Wir haben schon lange keinen Test mehr mit unseren Lesern gemacht. Machen wir doch einmal einen Selbst-Rohrschachtest. Betrachten Sie bitte das folgende Bild und notieren Sie sich alles, was Ihnen dazu eingefallen ist.

nazi-rohrschachtest

Wenn Ihnen zu diesem fast original Rohrschach-Motiv nicht Heil Hitler und auch nicht Heil Hitler und vor allem nicht Heil Hitler eingefallen ist, dann können wir Ihnen für den Moment attestieren, dass sie noch normal sind. Sie gehen noch durch die Welt und sehen, was in der Welt ist, nicht, was ihnen ideologische Spinner zu sehen vorgeben.

Wer das Testbild genau ansieht, sieht ein HH 88. HH 88 bedeutet: HH 88.

Wir hätten auch BB 33 schreiben können oder DD 77, haben uns aber für HH 88 entschieden, weil wir ja testen wollten, wie viele Irre wir unter unseren Lesern haben. Irre, nein sagen wir gepflegt: Manische sehen hier nämlich nicht HH und 88 sondern Heil Hitler und Heil Hitler, denn HH steht in der Welt der Nazi-Manischen nur und ausschließlich für Heil Hitler und 8 steht in der Welt der Nazi-Manischen nur und ausschließlich für den achten Buchstaben im Alphabet also für H, und damit haben wir noch ein HH, das bekanntlich nur Heil Hitler bedeuten kann, für Nazi-Manische jedenfalls.

Nun sind H’s und Achten Zeichen. Das H bezeichnet sich quasi selbst und bedeutet an sich: H … sonst nichts. Ein H kann mit anderen Buchstaben zu Zeichenketten, die Bedeutung tragen, verbunden werden, z.B. zu Heilanstalt. Die 8 symbolisiert eine acht, also acht, acht Mal etwas, acht volle Stunden oder acht Kasten Bier, je nach Präferenz.

Nuts in BedlamWenn man nun HH 88 sieht, dann bedeutet dies zunächst einmal: HH 88, denn die Zeichen transportieren keine Bedeutung. Denn: Es gibt einen Unterschied zwischen Zeichen und Bezeichnetem.

Und weil es diesen Unterschie gibt, deshalb transportieren Zeichen nur sich also H-H-8-8.

Bedeutung ist etwas, das nur aus den Gehirnen von Betrachtern kommen kann. Wenn nun jemand HH 88 sieht, dann muss er dem Gesehenen Bedeutung zuweisen, das Zeichen bezeichnen, also z.B.: Hans Hubert wird 88 Jahre alt oder Hansestadt Hamburg (19)88 denken, an das 1:2 gegen Holland verlorene Halbfinale der Fußball-Europameisterschaften 1988.

Man kann auch schlicht denken, hey: „HH 88!“.

Egal, was man denkt, die Bedeutung kommt immer aus dem Kopf dessen, der sie formuliert. Sie ist nie in den Zeichen vorhanden. Sie muss immer an die Zeichen herangetragen werden.

Deshalb ist es so erschreckend, dass Nazizeichenneurotikern in Deutschland zur Normalität geworden sind; Personen, die nicht HH 88 sondern ein doppeltes Heil Hitler sehen, z.B. wenn sie auf einem Weihnachtsmarkt unterwegs sind.

Waren Sie schon einmal auf einem Weihnachtsmarkt?

Sicher, waren Sie schon einmal auf einem Weihnachtsmarkt. Haben Sie dort das Kinderkarussell betrachtet? Ja? Die Kennzeichen auf den Fahrzeugen, die auf dem Kinderkarussell angebracht sind – sind ihnen die Kennzeichen schon einmal aufgefallen?

Einem Eimsbütteler Bürger, der auf dem Weihnachtsmarkt auf dem „Fanny-Mendelsohn-Platz“ war, fallen Kennzeichen auf. HH 88 ist ihm aufgefallen. Montiert auf einem nostalgischen Feuerwehrauto auf einem rund 60 Jahre alten Kinderkarussell, einem Kinderkarussell aus einer Zeit (1957) als Deutsche noch weitgehend normal waren und harmlose Zeichen nicht mit ihren Nazi-Phantasien vollgepackt haben. 60 Jahre später ist das anders. 60 Jahre später wird in unschuldige Zeichen Nazijargon geheimnist. 60 Jahre später bedeutet HH 88 nicht HH 88, sondern ein doppeltes Heil Hitler.

Das ist erschreckend, vor allem erschreckend, weil sich die Symptomatik dieser Nazi-Manie mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches erst voll zu entfalten scheint.

Holen wir einmal etwas aus.
Nehmen wir einmal an, HH 88 sei tatsächlich und nur ein Geheimcode von Nazis. Was soll mit diesem Geheimcode auf dem nostalgischen Feuerwehrauto des Kinderkarussells auf dem Weihnachtsmarkt in Eimsbüttel eigentlich erreicht werden? Haben Sie eine Antwort? Wir haben keine.

Aber offensichtlich ist der besorgte Eimsbütteler Bürger, der den Geheimcode enttarnt hat, davon überzeugt, dass vom Code eine ganz furchtbar gefährliche Wirkung ausgeht, auf Kinder, auf einem Weihnachtsmarkt. Vielleicht denkt er, der Code würde die Kinder zu Heil-Hitler-Kindern und anschließend zu Heil-Hitler-Nazis machen oder dazu führen, dass die Besucher des Weihnachtsmarkts in Eimsbüttel das Horst Wessel Lied anstimmen.

Sowas kann nur ein Irrer denken, denn natürlich hat der Code keinerlei magische Wirkung, und natürlich hat er nicht dazu geführt, dass in Eimsbüttel das Horst-Wessel-Lied gesungen wird, auf dem Weihnachtsmarkt. Nicht einmal vom Kinderchor. Nein, der Geheimcode ist so geheim, dass es von 1957 bis 2016 gedauert hat, bis er entdeckt und entschärft wurde, denn der Karussellbetreiber hat das HH 88 nun entfernt. 

Was ist also die Motivation dahinter, dass ein besorgter Eimsbütteler die Bedeutung, die er in harmlose Symbole interpretiert, als die einzig wahre Bedeutung ausgibt und weil er diese von ihm phantasierte einzig wahre Bedeutung für schrecklich hält, den Betreiber des Kinderkarussells bei den Behörden anschwärzt?

Arendt_totalitarismusDie Antwort hat Hannah Arendt bereits vor etlichen Jahrzehnten mit dem Begriff „Banalität des Bösen“ gegen. Die Banalität des Bösen kann man auch als alltägliche Lust, anderen zu schaden, begreifen, eine Lust, deren Konsequenzen und Ausmaß man in den Würzburger Gestapo Akten nachlesen kann, in denen Robert Gellately eine weitverbreitete Lust zur Denunziation gefunden hat, deren Motiv einfach nur darin bestand, anderen zu schaden und sich selbst bei der Staatsmacht in ein gutes Licht zu stellen. Der besorgte Bürger aus Eimsbüttel dürfte die Motive, die in den Gestapo Akten allgegenwärtig sind, teilen. Warum sonst sollte er einem Karussellbetreiber schaden wollen, der sich nichts hat zu Schulden kommen lassen?

Offensichtlich ist der gute Bürger aus Eimsbüttel der Meinung, er könne sich mit seiner vermeintlichen Wachsamkeit bei Stellen und Personen anbiedern, auf die er großen Wert legt, und sozialen Status dadurch gewinnen, dass er seine Phantasien anderen unterschiebt und dafür sorgt, dass harmlose Buchstaben und Zahlenfolgen nur noch als Nazi-Geheimcode angesehen werden können.

Dazu ist schon ein gerüttelt Maß an Boshaftigkeit notwendig, so wie auch ein gerütteltes Maß an Boshaftigkeit notwendig ist, um zu fordern, dass dem Betreiber eines Karussells, das seit 1957 in Deutschland unterwegs ist und erst im Jahre 2016 den Nazi-Manischen aufgefallen ist, weil die Manie offensichtlich gerade einen Höhepunkt hat, die Konzession gekündigt wird, wie dies Peter Gutzeit von der Linken-Fraktion in Eimsbüttel getan hat.

Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, wie ein Lynchmob möglich ist.
In Eimsbüttel können Sie derzeit die kognitiven Voraussetzungen dafür beobachten. Wenn noch Mut dazu kommen würde oder Alkohol oder beides, müsste man den Betreiber des Karussells vor dem Mob der Nazi-Zeichen-Imaginierer beschützen.

Das passiert, wenn man Manische frei herumlaufen lässt.


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Nazi-Süchtig: Politisch-korrekte Blockwarte vergiften das öffentliche Klima

Kennen Sie Großfischlingen?

Nein?

Wieso kennen Sie Großfischlingen nicht?

Grossfischlingen.svgGroßfischlingen liegt nahe bei Edenkoben, in der Nähe des Pfälzerwalds, hat 627 Einwohner nach der letzten oder vorletzten Zählung. Zum Rhein kommt man auch recht schnell, von Großfischlingen aus.

Na, klingelt es jetzt?

Immer noch nicht.

Aber bestimmt kennen Sie Hermann Hollerith. Der Vater von Hermann Hollerith, Prof. Georg Hollerith ist 1848 in die USA ausgewandert und Hermann hat dort eine Apparatur erfunden, mit der man Lochkarten auswerten kann, 1929 oder 1928 oder so.

Großfischlingen ist Ihnen immer noch kein Begriff?

Woran mag das liegen – angesichts der Lage und Geschichte dieses Ortes?

Ah!
Großfischlingen hat kein Hakenkreuz! Kein Rechtsextremer aus Großfischlingen schafft es in die täglichen Belanglosigkeiten von No-Nazi-Net. Am Ende gibt es keinen Rechtsextremen in Großfischlingen? Aber bestimmt gibt es Rassisten. Die Amadeu-Antonio-Stiftung sollte eines ihrer Racist-SWAT-Teams nach Großfischlingen schicken, um erste Aufklärung zu betreiben. Bestimmt findet sich ein Rassist, oder ein Rechter, oder einer, auf dessen Dachstuhl man Mein Kampf in der Originalausgabe findet oder der die Wehrmachts-Uniform von Opa im Schrank aufbewahrt oder …

Dann ist Großfischlingen der Renner: Spiegel, MDR, n-tv, Süddeutsche, Neues Deutschland all die Sammelbecken der politisch korrekten Geiferer, sie werden Großfischlingen ganz groß rausbringen, mindestens so groß wie Colmnitz, ein Kaff in Sachsen.

Colmnitz, das sagt Ihnen was – oder? Sicher, der Wehrmachtsuniformträger mit dem Hakenkreuz auf der authentischen Uniform, er hat den Ort berühmt gemacht. 399 Statisten sind neben einem Wehrmachtsuniformträger bei einem historischen Umzug her marschiert und in der Unkenntlichkeit, der Bedeutungslosigkeit versunken, denn der Wehrmachtsuniformträger, hat alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Zuerst die des lokalen Beobachters:

“Der sächsische Fotograf Marcus Fischer hat Bilder der irritierenden Szenerie gemacht. Laut seiner Aussagen schienen die umstehenden Besucher des Festzugs jedoch weniger irritiert. “Manche der Schaulustigen haben die Militaria-Fans eher bejubelt und beklatscht”, sagte Fischer SPIEGEL ONLINE. Ihn als Fotografen hätten einige halb spöttisch, halb verächtlich als Vertreter der “Lügenpresse” beschimpft.“

Nicht gestört haben sich die Schaulustigen an dem, was Fischer so offensichtlich war: Dem Hakenkreuz. Der Wehrmachtsuniformträger, er hatte ein Hakenkreuz, das Fischer aufgefallen ist (und nebenbei bemerkt: eines, das er nicht bemerkt hat), dabei. Katastrophe nach Paragraph 86a StGB.

Fischer hat seine Beobachtung schnellstmöglich versilbert. Spiegel und Konsorten sind immer willige Empfänger, wenn es darum geht, ein kleines Kaff im vermeintlich rechts verseuchten Sachsen an den Pranger zu stellen, und Recht hat er, der Fischer. Was 399 Teilnehmer eines historischen Umzugs anlässlich des Schul- und Heimatfestes 2016 nicht schaffen, ein Wehrmachtsuniform-Träger schafft es: Colmnitz ist mit einem Mal berühmt. Jeder kennt den Ort. Der Publicity-Stunt, er hat funktioniert, denn in der politisch-korrekten Presse sitzen Journalisten, die richtig versessen darauf sind, über Nazis zu berichten. Alles ist recht, um die eigene Nazi-Fixierung auszuleben. Selbst ein Schul- und Heimatfest in einem weitgehend unbekannten sächsischen Örtchen.

Eine kleine Bemerkung am Rande: Es wird schwierig sein, eine Wehrmachtsuniform zu finden, auf der sich kein Hakenkreuz befindet. Das Hakenkreuz war nun einmal das Reichssymbol in den Tausend Jahren zwischen 1933 und 1945.

Aber solche historischen Gegebenheiten sind nebensächlich, wenn es deutschen Journalisten darum geht, sich selbst zu geißeln, denn man kommt mittlerweile nicht mehr um die Feststellung herum, dass viele deutsche Medienvertreter Nazi-süchtig, ja schon Nazi-abhängig sind. Gäbe es keine Nazis, kein Hakenkreuz in Colmnitz, sie wüssten schlicht nicht, worüber sie sich aufregen sollen. So sehr ist ihr ideologisches Dasein von der Existenz des Verboten, vom Reiz des Verbotenen, von den Nazis abhängig, dass sie bis in die letzten Winkel der Republik vordringen, bis in die kleinsten Orte, die des Deutschen Bauwesen hervorgebracht hat, immer auf der Suche nach dem Nazi, nach der berichtenswerten Verfehlung, nach dem, womit man einerseits Kasse machen kann, andererseits feststellen kann: ich bin kein Nazi! Ich bin ein Guter! Ich bin gegen Nazis! Und bei all den Feststellungen hat man das Gefühl, man sieht einem Kettenraucher zu, der beteuert, gegen Rauchen zu sein.

Doch zurück zu Großfischlingen, dem Ort, den Sie nicht kennen. Hier ist, was die Großfischlinger tun können, um ihren Ort bekannt zu machen:

  1. Josef Niemitz

    Anschauungsmaterial aus dem Bundesarchiv in Koblenz – Wer findet das Hakenkreuz zuerst? Spiegel oder MDR?

    Alle Großfischlinger durchsuchen ihre Keller und Dachstühle nach Gegenständen, die aus der Zeit von 1928 bis 1945 stammen.

  2. Von besonderem Interesse sind Urkunden, die nach 1933 ausgestellt wurden, Briefe von Ämtern, die ebenfalls nach 1933 ausgestellt wurden, alles, worauf sich ein Hakenkreuz befinden kann.
  3. Uniformen sind natürlich besonders nützlich, aber nicht immer leicht bei der Hand. Dafür wird es die ein oder andere Kopie von „Mein Kampf“ noch irgendwo geben.
  4. Dann muss der Gemeinderat beschließen, dass ein Heimatfest stattfindet, eines mit Flohmarkt, denn Umzug mit Uniform, das hatten wir schon.
  5. Schicken Sie anonyme Hinweise an die Redaktionen von Spiegel, ZEIT oder Alpen Prawda. Inhalt: Nach ihrer Kenntnis werden in Großfischlingen Nazi-Devotionalien (Hakenkreuze, Nazi-Orden und Mein Kampf für die Journalisten, die nicht wissen, was Devotionalien sind) zum Kauf angeboten. Vergessen Sie nicht Ort und Datum genau anzugeben.
  6. Am Tag des Heimatfests mit Flohmarkt verteilen Sie die Nazi-Devotionalien geschickt über die Stände, so dass es nicht offensichtlich ist und lassen den Dingen ihren Lauf.

Wetten innerhalb von wenigen Stunden weiß ganz Deutschland, dass es Großfischlingen in der Pfalz, nahe bei Edenkoben gibt? Und weite Teile von Zeitungs-Deutschland überschlagen sich in ihrer geheuchelten Empörung über Großfischlingen, während der große Rest von Deutschland den Kopf über die Süchtigen in den Redaktionen schüttelt und sich fragt, ob es noch eine Rettung für den deutschen Journalismus gibt – oder ob man Journalist langsam als neue Form der Störung in das internationale Verzeichnis der geistigen Störungen aufnehmen muss.

Was derzeit geschieht, nennt der Volksmund, aus einer Mücke einen Elefanten machen, die Sozialpsychologie hat das Konzept der Salience entwickelt, um zu erklären, warum bestimmte Dinge Prominenz erreichen können, während andere das nicht schaffen, und die Psychologie kennt eine Reihe von Störungen, die sich durch eine krankhafte Fixierung auf Nebensächlichkeiten oder vollkommen unwichtige Dinge beschreiben lassen, eine Fixierung, die schnell zur manischen Episode, zur Neurose oder gar Psychose wird, die einer Sucht vergleichbar ist, hier: einer Sucht nach allem, was Nazi ist.


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Da braut sich was zusammen: US-Psychiater wollen endlich verlässliche Diagnosekriterien

Wer derzeit mit einer psychischen Störung diagnostiziert wird, der wird dies in den USA auf Grundlage der Diagnosekriterien wie sie im noch aktuellen DSM IV, dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorder, und in Europa auf der Grundlage von ICD-10, der International Classification of Diseases (ICD) festgelegt sind.

ADHS_ICD10Mit beiden Klassifikationssystemen verbinden sich erhebliche Probleme: Die Diagnosekriterien sind subjektiv und weich, die auf íhrer Grundlage erstellten Diagnosen oft nicht verlässlich und zuweilen schlicht falsch. Die subjektiven und weichen Kriterien, die von Psychiatern genutzt werden und die aufgrund ihrer Beliebigkeit jedem Wissenschaftler den Schweiß auf die Stirn treiben, sind über die letzten Jahre unter erhebliche Kritik geraten. Die Anzahl der Diagnosen von z.B. psychischen Störungen, von Demenz oder ADHS ist stetig gestiegen, der Verdacht, dass hier eine Pathologisierung normaler Verhaltensweise durch Psychiater und Hersteller von Psychopharmaka erfolgt, wird immer häufiger und immer lauter geäußert (Die Abbildung zeigt die Kriterien, die zur Diagnose von ADHS nach ICD-10 herangezogen werden: Es ist nicht weiter schwierig, mit ADHS diagnostiziert zu werden.).

Vor allem in den USA regt sich Widerstand, sind Psychiater bemüht, ihre Diagnosen nicht auf Willkür zu basieren. Thomas Insel, der Direktor des US-National Institut of Mental Health (NIMH) hat nun in einem Blogpost eine Bombe platzen lassen, deren Druckwellen vermutlich bis Europa zu spüren sein werden. Kurz vor der Veröffentlichung des neuen DSM V hat er den Entschluss seines Instituts mitgeteilt, aus dem DSM auszusteigen und Projekte zu fördern, deren Ziel darin besteht, objektive Kriterien zur Bestimmung von Verhaltens- und psychischen Störungen aufzustellen.

dr-insel-2011Man könne nicht länger, so sagt Insel, ein Diagnosesystem benutzen, das so unzuverlässig sei, wie das DSM. Die Qualität der Kriterien, die zum Beispiel zur Diagnose einer Borderlinestörung herangezogen würden, entsprächen einer Krankheitsdiagnose, die auf der Qualität von Fieber basiere:

“The weakness is its lack of validity. Unlike our definitions of ischemic heart disease, lymphoma, or AIDS, the DSM diagnosis are based on a consensus about clusters of clinical symptoms, not any objective laboratory measure. In the rest of medicine, this would be equivalent to creating diagnostic systems based on the nature of chest pain or quality of fever”.

Deshalb ist das NIMH, das größte Institute zur Erforschung psychischer Störungen nicht nur in den USA, sondern weltweit vom DSM abgerückt. Deshalb hat Insel angekündigt nur noch Forschung zu finanzieren, die es langfristig erlaube, die schwammigen Diagnosekriterien des DSM in den Mülleimer zu werfen und durch objektive Kriterien, z.B. biologische Marker, zu ersetzen.

Unmittelbar bevor die American Psychiatric Association das überarbeitete DSM V veröffentlicht, ist damit bereits klar, dass das Diagnosesystem keine Zukunft haben wird. Vor diesem Hintergrund wird es interessant sein, zu sehen, wie die Hüter der Kriterien zur Bestimmung psychischer Störungen und von Altersstörungen, die im Genfer Hauptquartier der WHO sitzen, auf die Nachricht aus den USA reagieren.

who-logo-enDie ICD-Kriterien zur Bestimmung psychischer Störungen und von Verhaltensstörungen sind in keiner Weise objektiver oder weniger schwammig als die Kriterien im DSM. Die Kritik von Insel trifft die europäischen Diagnosekriterien somit in gleicher Weise. Ob die WHO jedoch bereit ist, sich auf die Erforschung objektiver oder doch zumindest objektivierbarer Kriterien einzulassen, ist eine offene Frage. Die WHO lebt eher davon, Hysterie und Panikmeldungen über die weite Verbreitung der verschiedensten Krankheiten und Störungen, von ICD10Schweinegrippe bis Alzheimer und Demenz zu verbreiten und wird sich entsprechend schwer damit tun, ihre Konstruktion der Verbreitung von Krankheiten auf objektive oder objektivierbare Kriterien zu stellen. Schließlich wird die WHO von nationalen Regierungen finanziert, und die Finanzierung ist immer einfacher, wenn man die Dringlichkeit und Notwendigkeit der eigenen Anstrengungen massiv übertreibt – dass dabei vermutlich eine große Anzahl, in diesem Fall mit einer nicht vorhandenen psychischen Störung Fehldiagnostizierter auf der Strecke bleiben, ist ein Kollateralschaden, der im Hinblick auf das Ziel, die Existenz und das Wachstum der eigenen Organisation zu sichern, wohl in Kauf genommen wird.

Weitere ScienceFiles-Texte zu den Problemen, die sich mit den Kriteriensystemen zur Klassifikation von psychischen Störungen verbinden:

Drogen gegen ADHS und Kriminalität?
Eine anti-Jungen Kultur: Ritalin gegen individuelle Freiheit

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