Reconquista Germanica: Nicht rechtsextrem und viel Lärm um herzlich wenig

Nicht zuletzt der Glockenturm (belltowernews) der Amadeu-Antonio-Stiftung hat die Reconquista Germanica bekannt gemacht.

Die Faktenfinder und Patrick Gensing haben sich alle Mühe gegeben, Reconquista Germanica hochzureden und zum „Public Enemy No. 1“, zur Trollfabrik aufzubauen.

Jan Böhmermann hat mit seiner misslungenen Aktion „Reconquista Internet“ und der dazugehörigen Liste derer, die aus dem demokratischen Deutschland, wie es sich Böhmermann vorstellt, entfernt werden müssen, dazu beigetragen, dass Reconquista Germanica auch noch dem letzten Begriffsstutzigen ein Begriff geworden ist.

Die ganze Kampagne gegen Reconquista Germanica ist ein perfektes Modell dafür, wie ein Echozimmer funktioniert, wie mimetische Isomorphie dazu führt, dass gleichgeschaltete Akteure auf Grundlage von gleichgeschalteten Informationen sich auf ein Objekt fixieren und dieses Objekt zum wichtigsten Gegenstand ihrer engen Stirn machen.

Und natürlich finden sich in diesem Echozimmer nicht nur politische Aktivisten wie die Glockenturmbesatzung der AAS-Stiftung, die davon lebt, dass es Plattformen oder Organisationen oder Erscheinungen wie Reconquista Germanica gibt, die man hochreden und mit Relevanz versehen kann, sondern auch Politiker, denen es ein ideologisches Ansinnen ist, eine rechte Gefahr zu beschwören, rechte Feinde aufzubauen und Rechtsextremismus zum großen Problem aufzubauschen, aus dem man dann politisches Kapital schlagen zu können glaubt.

Die LINKE hat gerade im Bundestag versucht – Kapital aus der Hysterie um Reconquista Germanica zu schlagen. Mit einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung hat die LINKE das versucht – und ist klassisch gegen die Wand gelaufen.

Es gebe Rechtsextremisten und rechtsextremistisch beeinflusste Gruppen, die im Internet versuchten, “Stimmung zu machen” (so wie es linke und linksextreme Gruppen, Parteien und Politiker gibt, die versuchen, Stimmung zu machen, schon weil “Stimmung machen” das ist, worum sich Politik dreht, vor allem in Zeiten des Wahlkampfes), so die Bundesregierung in ihrer Antwort. Reconquista Germanica sei „kein Beobachtungsobjekt des Bundesamtes für Verfassungsschutz“, sei „bislang nicht als rechtsextremistisch eingestuft“, ist somit auch nicht zu den rechtsextremistischen Gruppen zu zählen, die im Internet versuchten „Stimmung zu machen“.

Reconquista Germanica sei eine Vernetzungs- und Kommunikationsplattform, nicht mehr.

Dabei hat die LINKE wirklich alles versucht, um eine Verbindung von NPD, Drittem Weg, Identitärer Bewegung, „Die Rechte“ und anderen Gruppen mit Reconquista Germanica herbeizufragen. Es hat nichts genutzt. Reconquista Germanica ist nichts anderes als das Portal “Linksunten” in der derzeit vom Verfassungsschutz geduldeten Variante und im Gegensatz zu einer Reihe von Organisationen, die Teil der Partei „Die Linke“ sind, wird Reconquista Germanica weder vom Verfassungsschutz beobachtet noch als verfassungsfeindlich eingestuft.

Ob Jan Böhmermann den gleichen Elan, den er dazu verwendet hat, ein Miniatur-Portal, von dem keinerlei nachweisbarer Effekt auf die Bundestagswahl ausgegangen ist, trotz aller Bemühungen, den entsprechenden Effekt herbeizureden und herbeizuforschen, zum Monsterproblem zu stilisieren, nun, aus Gründen der ausgewogenen Berichterstattung, die ja zum Auftrag des öffentlichen Rundfunks gehört und im Rundfunkstaatsvertrag festgeschrieben ist, eine Aktion „Linksoben“ ins Leben ruft, um dem Hass auf „Linksunten“, die Liebe von „Linksoben“ entgegen zu setzen?

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Böhmermann: Muslimfeind und christlicher Befreiungskämpfer: Die Wurzeln der Reconquista

Darf Satire alles?

Das ist nicht wirklich die Frage. Die Frage, die uns bewegt ist: wie kommt es dazu, dass rund 50.000 sich zusammenrotten, um eine „antipopulistische Troll-Armee“ zu gründen, wie es in der WELT heißt bzw. eine „Bürgerrechtsbewegung“ wie es in der Wikipedia heißt, wo man immer schnell mit hochtrabenden Begriffen für herzlich wenig bei der Hand ist und nun schon Aktionen, deren Ziel es ist, Meinungen zu unterdrücken, zur Bürgerbewegung macht? Obschon, wenn man die Grünen betrachtet, die zumindest als Bürgerbewegung gestartet sind, dann liegt der Schluss nicht so fern, dass organisierte Bürgerbewegungen darauf abzielen, Meinungs-Hegemonie zu gewinnen und andere Meinungen zu unterdrücken.

Natürlich verfolgt Böhmermann angeblich ein hehres Ziel mit seiner Troll-Armee, also mit 50.000 Freiwilligen, die einen Nutzen daraus ziehen können, Andere, die abweichende Meinungen vertreten, zuweilen so abweichende, dass man sie mit der Lupe suchen muss, zu verfolgen oder generell Meinungen, die sie für beleidigend und volksverhetzend halten, die ihnen also nicht passen, zu bekämpfen.

Beleidigung und Volksverhetzung sind Straftatbestände. Straftatbestände sind in einem Rechtsstaat Objekte, mit denen sich Polizei und Staatsanwaltschaft, später auch Gerichte beschäftigen. Vigilantes, also temporäre Bündnisse besorgter Bürger zuweilen auch Straßenräuber, sind mit einem Rechtsstaat kaum unter einen Hut zu bringen. Denn in einem Rechtsstaat gilt die Unschuld des Angeklagten bis zum Beweis des Gegenteils. Diese Unschuldsvermutung gilt auch für Äußerungen, die in sozialen Netzwerken getätigt werden. Sie gilt so lange, bis ein Richter die Schuld feststellt. Ein Richter, nicht eine Troll-Armee bzw. ein Meinungslynchmob von Böhmermann.

Es ist erschreckend, dass man angeblich in Deutschland mehr als 50.000 Freiwillige zusammenbekommt, die Spaß daran finden, das Rechtssystem auszuhöhlen und sich zum Blockwart aufzuschwingen. Die Freiwilligen müssen in ihren Offline-Leben wenig Grund haben, auf sich oder eine Leistung von sich, stolz zu sein.

Noch erschreckender ist indes, dass es der „Satiriker“ Böhmermann schafft, den trolligen Online-Eiferern das Gegenteil dessen unterzuschieben, was sie als Gute eigentlich erreichen wollen.

So will Böhmermann „dem Hass im Internet Liebe” entgegen setzen.

Dushan Wegner hat bereits auf die offenkundige Verbindung hingewiesen, die jedem halbwegs Belesenen einfällt, wenn er die Begriffe Hass und Liebe im Zusammenhang mit der Verfolgung anderer Meinungen hört:

Die Hass- und Folterlager in Orwells 1984, die dazu genutzt werden “Gedankenverbrecher” einzusperren und mit allerlei Methoden zum Widerruf ihrer Gedankenverbrechen und zur Liebe zum Großen Bruder zu bekehren, finden sich in 1984 als Gefängnisse, die vom Ministerium für Liebe unterhalten werden. Falsche Meinungen als Hass denunziert, Menschen mit falschen Meinungen zu Gedankenverbrechern gestempelt und z.B. von O‘Brien, einem Mitarbeiter im Ministerium für Liebe gefoltert, bis sie ihrer Meinung abschwören: Die Analogien sind unübersehbar. Ob Böhmermann herausfinden will, wie viel Dumme es in Deutschland gibt, die jedem Rattenfänger nachlaufen, wenn er nur die richtige Melodie spielt?

Dargestellt ist Santiago Matamoros = Santiago the Moor-Slayer

Die richtige Melodie hat den Titel „Reconquista Internet“. Reconquista, das werden viele der vermeintlich 50.000 freiwilligen Blockwarte oder Netzwarte nicht wissen, ist der Name für einen christlichen Befreiungskrieg, der jahrhundertelang, genau von 718/722 (Schlacht bei Cavadonga) bis 1491/92 (Vertrag von Granada) geführt wurde und mit der Niederlage der Nasriden seinen Abschluss findet und die Herrschaft von Muslimen über Teile von Spanien beendet. Kurz: Recongista ist ein CHRISTLICHER Befreiungskrieg gegen Muslime, eine zumindest fragwürdige Benennung in einer Zeit, in der religiöse Trennlinien wieder betont und Islamismus und religiöser Fundamentalismus zu neuen Höhen streben.

Böhmermann hat es also geschafft angeblich rund 50.000 Trolle zu sammeln, die sich gut dabei fühlen, wenn sie andere beschatten, überwachen, wenn sie Blockwart oder Netzwart spielen dürfen, die dies freiwillig tun, weil man ihnen erzählt hat, sie würden die Gesinnungsverbrecher als Gute im Böhmermannschen Minsterium für Liebe zur Strecke bringen, und die sich unter dem Banner christlicher Befreiungskriege sammeln.

Wenn etwas im Westen blüht, dann sind es die Dummheit und der Eifer, und beides zusammen ergibt eine explosive Mischung.

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