Sinnlose Zerstörung: Mit dem Staatsfeminismus in die Armut

Das Heil der Welt, es liegt in der Gleichstellung von Frauen (und LGBusw). Das erzählen die Ministerien, die Milliarden Steuergelder dafür verschwenden, eine Frauenförderung zu finanzieren, die sich, wie wir vor einiger Zeit in einem Post gezeigt haben, gesellschaftlich nicht lohnt. Sie schadet vielmehr allen, weil die Opportunitätskosten den Nutzen der Frauenförderung übersteigen.

Die Schäden, die von einer Frauenförderung ausgehen, sind jedoch nicht nur finanzieller Natur, sie sind auch physischer und immaterieller Natur.

Seit wir im Jahre 2002 unseren Beitrag „Bringing Boys Back In“ veröffentlicht haben, ist in Deutschland bekannt und seither kann niemand, der noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, bestreiten, dass die Mädchenförderung dazu geführt hat, dass Jungen erhebliche Nachteile bei der allgemeinen Schulbildung aufweisen (oder Mädchenförderung nie notwendig war). Jungen werden später eingeschult, bleiben häufiger sitzen, landen häufiger auf Sonderschulen, bleiben häufiger ohne Schulabschluss oder Abitur als Mädchen und sind mittlerweile unter den Studenten in der Minderheit.

Dass diese Nachteile auch auf aktive Benachteiligung durch Lehrer zurückzuführen sind, dafür sprechen Analysen, die zeigen, dass Jungen bessere Leistungen erbringen müssen als Mädchen, um dieselben Noten oder dieselben Grundschulempfehlungen zu erhalten.

Dass diese Benachteiligung u.a. auf Lehrer zurückgeführt werden muss, die sich in einem allgemeinen jungenfeindlichen Schulklima dem Klima gemäß verhalten, ist ein mehr als naheliegender Schluss, schon weil Schulnoten so wenig wie Schulempfehlungen vom Himmel fallen.

Dass die Mehrzahl der deutschen Lehrer weiblich ist  und wir einen Zusammenhang nachgewiesen haben, der zeigt, dass Jungen umso schlechter abschneiden, je höher der Anteil weiblicher Grundschullehrer ist, ist ebenfalls lange bekannt.

Dennoch hat sich an der Mädchen- und Frauenförderung nichts geändert. Was sich geändert hat, das ist die öffentliche Wahrnehmung. So berichtet Hadmut Danisch heute von einem Beitrag in den Stuttgarter Nachrichten, in dem beklagt wird, dass der Frauenanteil unter den Lehrern mittlerweile bei über 90 Prozent an Grundschulen liege und dass viele dieser Lehrer in Teilzeit arbeiten würden. Hadmut nennt dies das Veterinärsyndrom. Dazu kommen wir noch.

Die Ideologie des Staatsfeminismus macht nämlich nicht da halt, wo die Biographien von unzähligen Jungen zerstört werden. Staatsfeminismus zerstört auch Arbeits- und Leistungsbereitschaft, die Qualität von Servicen und letztlich ganze Berufszweige und das, was in ihnen einmal geleistet wurde.

Dies geschieht über den Irrsinn der Work-Life-Balance, der dazu geführt hat, dass die Anzahl derer, die in Teilzeit arbeiten, stetig gewachsen ist. So kommt es, wie wir bereits 2016 in einem Beitrag berichtet haben, dass im Jahre 2015 rund 82.000 mehr Ärzte als 1992 insgesamt weniger Arbeitsstunden arbeiten als es weniger Ärzte 1992 getan haben. Die Erklärung ist einfach. Frauen arbeiten lieber Teil- als Vollzeit. In der Ärzteschaft ist der Anteil von Frauen gestiegen. Man braucht also mehr Ärzte, um letztlich dasselbe Arbeitsvolumen zu erreichen, das man zuvor mit weniger Ärzten erreicht hat. Teilzeitarbeit ist vor allem in Krankenhäusern attraktiv und in Landarztpraxen eher nicht durchzusetzen. Deshalb gibt es ein Überangebot von Ärzten in Städten und einen Mangel an eben diesen auf dem Land. Schließlich gibt es, trotz aller Versuche des Staatsfeminismus, etwas anderes in weibliche Gehirne zu hämmern, immer noch Frauen, die ein Studium als Einstieg in den Heiratsmarkt oder Fortpflanzungs-Partnermarkt betreiben. Sie studieren, um einen attraktiven Heiratspartner zu finden, beenden in der Regel ihr Studium, heiraten und werden auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gesehen. So steigt der Anteil der nicht praktizierenden Ärzte mit dem Anteil der weiblichen Ärzte seit Jahren an. Im Ergebnis wird viel Steuergeld in die Ausbildung weiblicher Ärzte investiert, die nie praktizieren. Ökonomen sprechen in diesen Fällen von sunk cost, also von Geld, das aus dem Fenster geworfen wurde.

Die für Ärzte dargestellte Entwicklung findet sich auch für Veterinärmediziner. Sie stellt sich über kurz oder lang in all den Berufen der Mittelschicht ein, die durch einen Zustrom von Frauen und einen Rückzug von Männern gekennzeichnet sind.

Nicht nur für die Humanmedizin führt dies zu einem Race to the bottom:

Immer mehr weibliche Ärzte, die immer weniger arbeiten. Immer weniger männliche Ärzte, deren Motivation, mehr zu arbeiten, angesichts der immer mehr weiblichen Ärzte, die weniger arbeiten, sinkt, immer mehr weibliche Studenten der Humanmedizin, die nicht vorhaben, Humanmedizin jemals auszuüben und ein Anstieg von 152 Millionen Fällen allein bei der ambulanten Behandlung in Krankenhäusern zwischen 2004 und 2014. Das sind die Zutaten einer hausgemachten Katastrophe…

Es sind die Zutaten, die vorhersehbar dazu führen, dass auch die Qualität des Services leidet. Ärzte, die weniger Arbeitserfahrung sammeln, weil sie Teilzeit arbeiten, haben ein höheres Risiko, einen Kunstfehler zu begehen. Man kann also vorhersagen, dass die Anzahl der Kunstfehler an deutschen Krankenhäusern steigen wird, denn die Qualität der erbrachten Leistungen sinkt.

Bei Lehrern ist dieser Prozess weiter fortgeschritten als bei Ärzten. Die Qualität des Schulunterrichts hat über die letzten Jahrzehnte massiv gelitten. Die Motivation unter den Lehrern, die sich in Vollzeit-Pädagogen und Teilzeit-Schülerbetreuer gliedern, hat gelitten. Lehrer, ein Beruf, der einst von Studenten häufig nachgefragt wurde, er ist zu einem Ladenhüter unter denen geworden, die gute Lehrer wären. Lehrer ist weitgehend ein Beruf für diejenigen geworden, die in Teilzeit Familie und Arbeit in genau der Reihenfolge unter einen Hut bringen wollen. Und nun, da das Kind in den Brunnen gefallen ist, der Beruf „Lehrer“ für Männer weitgehend unattraktiv geworden ist, der Anteil weiblicher Lehrer über 70% gestiegen ist, nun entdeckt ausgerechnet die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass die Doktrin, nach der man Frauen immer mit bezeichnen müssen, indem man ein Innen anhängt, verzichtbar ist. Wann ist diese Doktrin verzichtbar? Wenn man die vorhandene Katastrophe, die nahezu vollständig durch den Staatsfeminismus zu verantworten ist, nicht mehr länger unter den Teppich kehren kann und sich mit Fragen danach konfrontiert sieht, wie der vorhandene Scherbenhaufen der Bildung nicht nur zu erklären ist, sondern beseitigt werden kann.

Abermals hat Hadmut Danisch ein bemerkernswert ungegendertes Dokument der GEW ausgegraben, in dem weibliche Lehrer um den wichtigen Anteil, den sie daran hatten, den Bildungskarren in den Dreck zu fahren, betrogen werden und auch der Staatsfeminismus nicht in den Genuss der Folgen und Schäden kommt, die er so freudig und vorhersehbar angerichtet hat.

Wir empfehlen unseren Lesern dieses bemerkenswerte Machwerk öffentlich-rechtlicher Propaganda, das im SWR erschienen ist, bei Hadmut Danisch nachzulesen.

Was den Staatsfeminismus angeht, so können wir feststellen, dass seine Vertreter zwar nicht davor zurückschrecken, mit irren und in ihren Auswirkungen vorhersehbar katastrophalen Entscheidungen, den Karren in den Dreck zu fahren, aber erhebliche Probleme damit haben, für diese Folge der eigenen Entscheidung auch die Verantwortung zu übernehmen. Deshalb muss man Staatsfeministen daran erinnern, dass sie es waren, die dafür gesorgt haben, dass die Bildung in Deutschland zur Brache wurde, dass sie für Ärztemangel, mangelhafte Servicequalität und all die der anderen Folgen verantwortlich sind, die sich einstellen, wenn man nicht einsehen will, dass eine erfolgreiche Wirtschaft auf denen basiert, die bereit sind, Leistung zu bringen, nicht auf denen, die versuchen, von der Leistung anderer zu leben.

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Ineffizient, chaotisch, teuer: Die Kosten der Teilzeitarbeit in Schulen

Im Namen des Staatsfeminismus propagieren Politiker nicht nur die Work-Life-Balance, die letztlich nichts anderes als eine Abwertung von Arbeit und eine Aufwertung von Freizeit bedeutet, sie versuchen auch, ihre (Wahn-)Vorstellung davon, dass Teilzeitarbeit etwas anderes sei als ein teures ideologisches Wohlfühl-unterfangen für diejenigen ist, die es propagieren, durchzusetzen.

BMFSFJ chaos.jpgWie immer, wenn Politiker versuchen, die Realität ihrer Ideologie anzupassen, zeigt sich diese Realität als äußerst widerstandsfähig, je geradezu verbissen uneinsichtig. So sind die gesellschaftlichen Wohltaten der Teilzeitarbeit bislang unentdeckt geblieben. Statt Wohltaten haben sich chaotische Zustände und Verschlechterungen der Leistungen ergeben. So haben wir bereits davon berichtet, dass als Folge der Teilzeit-Manie und als Folge der Abwertung von Arbeit durch die „Work-Life-Balance“ die Effizienz in Medizin und an Schulen gelitten haben. In beiden Bereichen ist die Anzahl der Beschäftigten gestiegen, die Leistungserbringung jedoch schlechter geworden. Die Anzahl der von Ärzten erbrachten Arbeitseinheiten sinkt ebenso, wie die Anzahl der Unterrichtsstunden, die Lehrer erteilen, obwohl Ärzte und Lehrer immer mehr werden.

Arbeitnehmer, die in Teilzeit arbeiten, haben zwangsläufig weniger Erfahrung als Arbeitnehmer in Vollzeit, sie sind weniger einsatzbereit und können ihre Kompetenzen nur mit Mühe halten, nicht jedoch weiterentwickeln, wie es notwendig wäre. Als Konsequenz wird der Arztbesuch zum Spiel mit der Gesundheit und der Schulbesuch zum Spiel mit der Bildung.

Dass die Teilzeit-Manie auch die täglichen Routinen und Arbeitsprozesse an Schulen ins Chaos stürzt und Ineffizienz zur Normalität werden lässt, hat uns unser Leser Günter K. Schlamp in einem Kommentar geschrieben, der zu wichtig ist, als dass man ihn in einem Thread belassen sollte:

“Das Problem mit der großen Zahl (weiblicher) Teilzeitlehrer (TZ) hängt auch mit der fehlenden Präsenzverpflichtung in der Schule zusammen.
Entgegen der Volksmeinung ist das Unterrichten nur ein Element der Lehrertätigkeit, wenn auch das wichtigste.

Wenn an einer Schule eine bunte Mischung von 8-, 11- oder 18-Stunden-Teilzeitkräften die Zahl der Vollzeitkräfte übertrifft, haben sie eine Fülle organisatorischer Probleme: In welchem Umfang können die Kolleginnen in der Projektwoche, auf der Klassenfahrt, am Elternsprechtag, bei der Pausen- und Mittagsaufsicht eingesetzt werden? Zu 100% oder nur anteilig? Kann man mit halber Stelle auch nachmittags eingesetzt werden?

Wenn man seine Unterrichtsverpflichtung reduziert, wird dann erwartet, dass die vielen Zusatzaufgaben in einer Schule nur den Vollzeitlehrern zugemutet werden dürfen? Für Vertretungsstunden können die TZ-Lehrer nur anteilig herangezogen werden, das aber auch nur nach Vorankündigung, da TZlehrer i.d.R. zur Unterrichtsstunde kommen und danach wieder gehen. Wenn sich ein plötzlicher Vertretungsbedarf ergibt, muss man zu Hause anrufen und verhandeln, ob die Kollegin morgen eine Stunde früher kommen könnte. Vertretungsunterricht ist ein täglich Brot, es wird also viel telefoniert.

Ich erinnere mich an meine eigene Schulzeit vor mehr als 50 Jahren: Da ging der Stundenplaner ins Lehrerzimmer und bat einen dort sitzenden Kollegen doch mal eben in die 7a zu gehen. Mein Lehrerzimmer – viele TZ-Kräfte – war während der Unterrichtszeit nahezu leer. Wer keinen Unterricht hatte, fuhr nach Hause oder anderswohin.

Zum Glück erinnert ein gelegentlicher Runderlass des Schulamtes oder gar ein Verwaltungsgericht daran, dass auch Teilzeitlehrer zu 100% an den, zugegeben häufigen, Lehrerkonferenzen teilnehmen müssen.

Gewiss arbeiten nicht alle Teilzeitlehrerinnen mit der Stoppuhr in der Hand und verlassen die Schule nach zwei Stunden um 10 Ur 15 fluchtartig. Man kann auch in Einzelgesprächen Kompromisse erreichen. Aber Schule wäre leichter zu organisieren, wenn es mehr Vollzeitlehrer und eine Anwesenheitspflicht (über den Unterricht hinaus) gäbe.”

Totalität von Fähigkeiten: Marxens Träume erleben eine Renaissance

Karl Marx„Sowie nämlich die Arbeit verteilt zu werden anfängt, hat jeder einen bestimmten, ausschließlichen Kreis der Tätigkeit, der im aufgedrängt wird, aus dem er nicht herauskann; er ist Jäger, Fischer, oder Hirt oder kritischer Kritiker, und muss es bleiben, wenn er nicht die Mittel zum Leben verlieren will – während in der kommunistischen Gesellschaft, wo jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heut dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, auch das Essen zu kritisieren, ohne je Jäger, Fischer oder Hirt oder Kritiker zu werden, wie ich gerade Lust habe. Dieses Sichfestsetzen der sozialen Tätigkeit, diese Konsolidation unseres eigenen Produkts zu einer sachlichen Gewalt über uns, die unserer Kontrolle entwächst, unsere Erwartungen durchkreuzt, unsere Berechnungen zunichte macht, ist eines der Hauptmomente in der bisherigen geschichtlichen Entwicklung“ (Karl Marx; Deutsche Ideologie)

Die zitierte Stelle ist dem Teil des Manuskripts der Deutschen Ideologie entnommen, der Karl Marx zurechenbar ist. In ihm entwickelt Marx nicht nur in Fortführung einer Idee Fichtes – sein Konzept der Entfremdung. Er führt sie es auch zu Ende. Von Fichte stammt die Idee, dass dann, wenn Menschen miteinander agieren, sie etwas produzieren, das ein Eigenleben annimmt, das wiederum Herrschaft über die einzelnen erwirkt. Das Erzeugte unterjocht den Menschen, nimmt ihm seine Freiheit. Ein echter Fichte.

Doch zurück zum Zitat von Karl Marx. Das „Sichfestsetzen der sozialen Tätigkeit“, also der Arbeit, zu einer „sachlichen Gewalt“ über uns, wer nicht arbeiten geht, der hat nichts zu beißen, jedenfalls zu Marxens Zeiten war das so, mit einem Wort: die Entfremdung, sie muss durch die kommunistische Gesellschaft überwunden werden, in der keine Spezialisierung mehr stattfindet, keine Arbeitsteilung, in der alle alles tun oder lassen können, wonach ihnen gerade ist. Das nennt Marx die Totalität der Fähigkeiten. Betrachtet man die Materialisierungen dieses kommunistischen Hirngespinsts, dann muss man allerdings feststellen, dass es eher das „lassen können“ ist, das sich durchgesetzt hat: Die Erhöhung der Untätigkeit und Trägheit zur kollektiven Faulheit.

Unter Pfälzern gibt es ein geflügeltes Wort, das Aspiranten wie die, die im Kommunismus gebraucht werden, bezeichnet: Der kann alles, aber nix richtig.

Das Zitat von Marx hat nichts von seiner romantischen Wirkung, die es auf einfältige Gemüter ausübt, verloren. Beispiele dafür, wie Spezialisierung beseitigt, die Entfremdung durch Arbeit aufgehoben und eine glückliche, wenngleich verarmte Gesellschaft herbeigeführt werden soll, gibt es zuhauf: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, also die Work-Life-Balance, der Versuch, Teilzeitarbeit zu einem Ersatz für vollen Einsatz zu stilisieren, das bedingungslose Grundeinkommen, der Einzug von pädagogischen Konzepten, die nicht der Bildung oder Erziehung von Kindern dienen, sondern der ideologischen Selbstverwirklichung von Lehrern oder Erziehern, das sind alles Beispiele dafür, wie Marxens idealistische Spinnerei die Jahrhunderte überlebt hat und neue Höhen erklimmt.

„Idealismus,“ so hat Arnold Gehlen (1952: 350) geschrieben, „ist einer der tiefsten und am schwersten aufzudeckenden Irrtümer und er besteht zuletzt in dem Glauben, die Idealität, die allerdings im Menschen liegt, sei in der unmittelbaren Subjektivität lebbar“.

Sie ist es nicht. Und weil sie es nicht ist, scheitern kommunistische Systeme und gehen Gesellschaften zu Grunde, deren Mitglieder glauben, sie könnten Arbeitsteilung und Spezialisierung durch idealistische Spinnereien von Work-Life-Balance oder Teilzeitarbeit ersetzen.

Warum?

Gesellschaften leben von der Arbeitsteilung, wie man leicht feststellen kann, wenn man versucht, einen Tag ohne das Zutun Dritter zu überleben, also ohne den Lkw-Fahrer, der die Waren des Supermarktes ankarrt, ohne die Aushilfskraft, die die Waren einsortiert, ohne den Tankwart, der das Benzin bereitstellt, mit dem man das Auto, das vieler Hände Ergebnis ist, zum Supermarkt bewegt. Arbeitsteilung erhöht nicht nur die Effizienz und den Wohlstand einer Gesellschaft, sie erlaubt auch Spezialisierung. Manche können dies besser, andere jenes. Wer dies besser kann, erreicht durch Verfeinerung seiner Technik eine höhere Stückzahl und bessere Qualität, und vielleicht kann derjenige, der auf viel Erfahrung in der Herstellung von „dies“ zurückblicken kann, es sich irgendwann leisten, nur einen Teil des Tages für den Broterwerb aufzuwenden. Das kann er aber erst, wenn er sich die entsprechende Erfahrung angeeignet, sich erarbeitet hat. So ist das eben, ohne Fleiß kein Preis. So wie es ohne erfolgreichen Kapitalismus keinen Kommunismus geben kann, wie Marx wusste. Denn Träumerei kann man nur (für eine gewisse  Zeit) umsetzen, wenn es andere durch ihre Arbeit ermöglicht haben.


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Die Möchtegern-Volkserzieher

Drei Einweg-Wissenschaftler aus der Friedrich-Ebert-Stiftung sehen sich in einer Lage, in der sie Forderungen wie die folgenden stellen können:

  • FES Brain GapUmsetzung der Familienarbeitszeit, die insbesondere einen Anreiz für Väter zur Reduzierung der Erwerbsarbeitszeit bietet und damit mehr Freiräume zur Übernahme familiärer Aufgaben schafft;
  • Beförderung der egalitären Aufteilung der Elternzeit, durch die schrifttweise Ausweitung der reservierten Partnermonate;
  • Einführung eines Vaterschaftsurlaubs (analog zum Mutterschaftsurlaub), um Vätern von Anfang an die Übernahme einer größeren Rolle bei der Kinderversorgung zu ermöglichen.

Die Europäische Kommission, die derzeit eine öffentliche Konsultation darüber durchführt, ob es überhaupt notwendig ist, Frauen im Hinblick auf Gleichstellung zu fördern, stellt u.a. folgende Antwortalternativen bei der Frage: “Wie könnte eine gleichmäßigere Aufteilung der Hausarbeit (Haushalt und Betreuung von Kindern und/oder Pflegebedürftigen) zwischen Frauen und Männern gefördert werden?” zur Auswahl.

  • Einführung von verpflichtender Elternzeit für Väter;
  • Änderung der Einstellung von Männern und Jungen zur Hausarbeit (Haushalt und Betreuung von Kindern und/oder Pflegebedürftigen) [aber nicht die Einstellung von Frauen zur Arbeit];

Offensichtlich gibt es eine Clique von Personen, denen etwas nicht passt, die der Ansicht sind, Männer würden nicht die aus ihrer Sicht notwendigen Abstriche an ihrem Beruf und ihrer Arbeit machen, wenn sie so wahnsinnig waren, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Offensichtlich gibt es eine Clique von Personen, die denken, die Aufteilung der Hausarbeit, wobei Hausarbeit als u.a. Betreuung von Kindern definiert wird, zwischen Männern und Frauen müsse der Norm entsprechen, die in dieser Clique gerade für richtig gehalten wird. Damit diese Norm erreicht wird, so die Mitglieder dieser Clique, müsse man Männern Anreize setzen, sie, wenn sie sich nicht freiwillig dieser Norm unterwerfen, gesetzlich zwingen und in jedem Fall einem Brainwashing unterziehen, damit sie einsehen, dass die Hausarbeits-Norm dieser Clique zu ihrem Besten und überhaupt das absolut Beste ist, was Männern jemals widerfahren ist.

Und wir dachten, Deutschland und die Europäische Union seien demokratische Regierungssysteme.

Demokratische Regierungssysteme, in denen alle Macht vom Souverän ausgeht.

Demokratische Regierungssysteme, in denen der Souverän als mündiger Bürger akzeptiert wird.

Weit gefehlt.

Denn: Politiker wissen mehr.

Der Weg zum Politiker ist der Weg zum wahren Wissen, zur wahren Erleuchtung, ein Weg, der durch keinerlei körperliche Arbeit beschmutzt und durch keinerlei handwerkliche Kenntnisse in Frage gestellt wird.

politicians wagesDer Weg zur Erleuchtung des Politikers, der allein sagen kann, was für andere gut und richtig ist, es ist ein Weg, den nicht einmal die universitäre Bildung ebnen kann, weshalb zum Politiker Berufene, die irrtümlicherweise im Studium der Gender Studies, der Anglistik oder der Literatur die Erleuchtung gesucht haben, ihren Irrtum, dann wenn sie ihn erkennen, zum Anlass nehmen, das universitäre Studium abzubrechen, um sich ganz der Berufung Politik und den Offenbarungen darüber, was für “die Menschen” gut und richtig ist, widmen zu können.

Natürlich zieht eine Gruppe Erleuchterter eine Gefolgschaft an, Groupies, also Jünger und solche, die es werden wollen. Personen, die am Mund der Politiker hängen, ihre Worte wie Manna aufsaugen und versuchen, sich durch allerlei unterwürfige Gesten der Gunst der Erleuchteten und ihrer Aufmerksamkeit anzuempfehlen.

Es ist regelmäßig aus den Reihen dieser Möchtegern-Erleuchteten, dass Vorschläge wie die oben dargestellten, Vorschläge dahingehend, wie man das Volk der handarbeitenden Deppen erziehen und auf den richtigen Weg des Lebens schubsen kann, an die Öffentlichkeit dringen, Vorschläge, deren Wirkung auf das Volk, das zu erziehende Volk getestet werden soll.

Testen wir also den Vorschlag, Männer zur Hausarbeit zu

  • erziehen,
  • zwingen,
  • brainwashen.

Zunächst zur grundlegenden Prämisse. Da sich Männer seit nunmehr Jahrhunderten der Gleichverteilung von Hausarbeit, womit Kinderpflege gemeint ist, zu entziehen scheinen, jedenfalls dann, wenn man das monotone Lamento der genderisierten Singer ernst nimmt, stellen sich mehrere Fragen:

  • Allen voran: Sind die Frauen, die die mangelnde Teilung der Kinderpflege-Hausarbeit beklagen dumm? Schließlich haben sie sich, wohlwissend um den jahrhundertelangen und negativen Kinderpflege-Hausarbeits-Beteiligungs-Saldo von Männern willentlich und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte dazu entschieden, dennoch mit einem Mann Nachwuchs zu produzieren und dafür zu sorgen, dass der entsprechende Saldo weiterhin negativ bleibt.
  • Das Dilemma der sich fortpflanzenden Frauen, die nach den Prämissen der Genderisten dumm sein müssen, lässt sich nur dadurch umgehen, dass man annimmt, Frauen, die sich auf den Fortpflanzungs-Deal mit einem Mann einlassen, ist bewusst, dass damit einhergeht, dass sie sich in erster Linie um die Kinderpflege-Hausarbeit kümmern. Warum bejammern sie nun ihre eigene Wahl? Oder bejammern sie sie am Ende gar nicht, zumindest nicht alle? Handelt es sich vielmehr um antizipiertes Jammern durch diejenigen, die zu wissen glauben, was andere wollen und was für andere gut ist?
  • Wenn ja, dann muss das Brainwashing auch bei Frauen ansetzen. Offensichtlich ist vielen weiblichen Fortpflanzern nicht bewusst, dass Männer eine antagonistische Gruppe darstellen, wie Friedrich Engels es ausgeführt hat, jener Friedrich Engels, dem Linke anhängen, die seine Unkenntnis in den meisten Bereichen, über die er sich ausgelassen hat (z.B. über die Familie) teilen. Folglich müssen sie erzogen werden, zur Erkenntnis, dass der weiße, heterosexuelle CIS-Mann, mit dem sie sich gerade fortgepflanzt haben, ein Schwein ist, das versucht, sich vor seinem Anteil an der Hausarbeits-Kinderpflege zu drücken, etwa so, wie sich die entsprechenden Frauen vor ihrem Teil an der Erwerbsarbeit drücken.

Es führt kein Weg daran vorbei: Frauen sind, Politiker und Genderisten wissen es, dumm, vor allem wenn sie sich fortpflanzen. Und anhand dieses Vorbilds sollen Männer erzogen, gezwungen und brainwashed werden, und zwar zu dummen, sich fortpflanzenden Männern, denn wenn man davon ausgehen würde, dass Männer eigenverantwortlich und mündig über Belange entscheiden, die sie angehen, dann verbieten sich Erziehungsversuche, Zwang und Brainwashing (Und warum sollten Genderisten Männern etwas zugestehen, was sie Frauen generell absprechen?)

Erziehungsversuche, Zwang und Brainwashing sind also die Mittel der Wahl für diejenigen, die durch folgende Eigenschaften ausgezeichnet sind:

  • Sie sind Faschisten, die sich im Vollbesitz von Wahrheit wähnen und denken, sie hätten das Recht das Volk zu dem Glück zu erziehen, das sie für das richtige Glück halten.
  • Sie sind Voyeure, die sich in die intimen Belange von Paaren einspionieren wollen und bestimmen wollen, wie die entsprechende Paare die Dinge, die zwischen den Partnern verhandelt werden müssen, wie z.B. die Aufteilung von Arbeit außerhalb und innerhalb des Haushalts, regeln.
  • Sie sind von sich enttäuschte Feiglinge, bei denen es nicht zu richtigen Terroristen gereicht hat.

VolksempfaengerDie Tatsache, dass Zwang und Umerziehung von Männern nahezu zeitgleich in einem Fragebogen der EU und bei der Friedrich-Ebert-Stiftung auftaucht, ist sicher kein Zufall. Volkserziehung und Brainwashing sollen seit der Erfindung des Staatsfeminismus dadurch erreicht werden, dass die zu offensichtlich zu vielfältige Gesellschaft gleichgeschaltet wird: Dass Männer mehr Hausarbeit und Kinderbetreuung leisten müssen, es wird über Multiplikatorennetzwerke intoniert, von der EU über einschlägige nationale Ministerien und die politischen Vereine der Parteien in die Medien getragen, von wo aus das Volk beschallt und zum richtigen Weg bekehrt werden soll, und lässt es sich nicht bekehren, so folgt der Zwang auf dem Fuss, per Quote und Gesetz.

Die Wege von Erziehung und Brainwashing, es sind immer dieselben, denn eines kann man den Erleuchteten, die ihr Volk zum richtigen Dasein erziehen wollen, nicht bescheinigen: Sie sind weder innovativ noch kreativ. Man muss also nur darauf warten, dass das Bundesministerium für FSFJ ein Rechtsgutachten bei einem abgehalfterten Juristen, den auf seinem Altenteil die Langeweile aufzuzehren droht, bestellt, in dem geklärt wird, ob es mit dem Grundgesetz vereinbar ist, wenn man Männer dazu zwingt, nicht mehr als 35 Stunden pro Woche zu arbeiten und mindestens 12 Stunden pro Woche in Hausarbeit und Kinderpflege zu investieren. Dass der Zwang nicht gegen das Grundgesetz verstoßen wird, ist schon jetzt klar: juristische Rabulistik wird es möglich machen. Dass die Überwachung von Männern, per Uhr am Handgelenk, die stündlich einen Tätigkeitsbericht an das BMFSFJ sendet, gesichert ist und die Durchsetzung des Gesetzes somit möglich, ist auch schon klar.

Es wäre ja noch schöner, wenn man Männer nicht zu dem erziehen und zwingen könnte, was Ideologen als das Gute für Sie bestimmt haben.

Die überforderte Generation

Schelsky_skeptische GenerationAls Helmut Schelsky die Jugendlichen der Nachkriegsgeneration als “skeptische Generation” typologisiert hat, hat er vermutlich nicht geahnt, welchen Boom an Generationenbildern er damit auslösen würde. Die Liste der Generationen umfasst zwischenzeitlich die Generationen X, Y und Z, es findet sich die Facebook-Generation neben der goldenen Generation, die hoffnungsvolle Generation hat die heimatlose Generation abgelöst. Die unterschätzte Generation konkurriert mit der Online oder Internet-Generation, was wiederum der Maybe-Generation relativ egal ist, während es nicht dabei hilft, die verlorene Generation wiederzufinden oder die belogene Generation aufzuklären. Zu all diesem Durcheinander der Generationen hat sich nunmehr eine neue Generation gesellt: die überforderte Generation.

Die überforderte Generation, die haben der Methusalem der Soziologie, Hans Bertram, und Carolin Deuflhard im Mikrozensus des Statistischen Bundesamts entdeckt. Die überforderte Generation zeichnet sich dadurch aus, dass sie überfordert ist. Von wem sie überfordert wird, das weiß man nicht so richtig, aber dass sie überfordert ist und von was sie überfordert ist, das wissen Betram und Deuflhard genau, denn: Die überforderte Generation sieht sich mit einer im Vergleich zu früheren Generationen längeren Ausbildungsdauer konfrontiert, und deshalb ist die überforderte Generation nach beider Ansicht genötigt, “in der kurzen Zeitspanne etwa zwischen dem 28. und dem 35. Lebensjahr … die beiden zentralen Lebensanforderungen von beruflicher Integration und Familiengründung zeitgleich [zu] bewältigen”.

Das also ist das Schicksal der überforderten Generation: Sie muss zwei vermeintlich zentrale Lebensanforderungen, nämlich Beruf und Familie unter einen Hut bringen.

Doch damit nicht genug:

“Diejenigen, die sich trotz des Widerspruchs zwischen den beruflichen Anforderungen und der Entwicklung von Familienbeziehungen für Kinder entscheiden, sind heute ungleich höheren Anforderungen ausgesetzt als noch die skeptische Generation. Denn die skeptische Generation hatte mit dem Modell der klaren innerfamiliären Arbeitsteilung – mit dem Vater als ökonomischem Versorger und der Mutter als Hausfrau – ein eindeutiges Orientierungsmuster für die Organisation von Fürsorge. Dieses Orientierungsmuster stellt für die überforderte Generation kein Vorbild mehr dar, allerdings hat der gesellschaftliche Wandel auch kein neues Muster für die Organisation von Fürsorge hervorgebracht, sodass die Zeit für Fürsorge in jeder Partnerschaft individuell ausgehandelt werden muss. Die Anforderungen und Ansprüche der Eltern an die Sozialisation der Kinder sind demgegenüber im Kontext der höheren Bildungsanforderungen deutlich gestiegen. Paare schaffen sich den familiären Raum für Fürsorge in der Regel dadurch, dass eine Person – meistens die Mütter – ihre Präsenz am Arbeitsmarkt einschränkt.”

Die überforderte Generation ist demnach die westliche Ausformung des religiösen Märtyrers, der sich – allen Widrigkeiten zum Trotz – dem Heil der nachkommenden Generation opfert.

Entsprechend nehmen es die Mitglieder der überforderten Generation auf sich, wie ihre Eltern der skeptischen Generation eine Arbeitsteilung einzuführen und denjenigen, der beiden Eltern, der am Arbeitsmarkt weniger Humankapital einzusetzen hat und deshalb weniger verdient, zur Erziehung der Kinder abzustellen, schließlich hat man die Wahl für Kinder getroffen und muss die Konsequenzen dieser Wahl tragen.

So beschrieben unterscheidet sich die überforderte Generation jedoch nicht von der skeptischen Generation, die ebenfalls durch Arbeitsteilung Kinder und Broterwerb unter einen Hut gebracht hat: Männer waren die Ernährer und Frauen die Kindererzieher, die sich um den Haushalt gekümmert haben. Wenn das heute immer noch so ist, warum ist die heutige Generation dann eine “überforderte Generation”?

Dilbert Work life balanceDie Antwort ist keine der Fakten, sondern eine der Bewertung, denn heute soll Elternschaft durch die eierlegende Wollmilchsau geleistet werden, die berufliche Karriere und Kindererziehung in jenem absurden Konzept der Work-Life-Balance vereinbaren soll, das auf der Prämisse basiert, dass es keine Beschränkung der Ressourcen und Fähigkeiten gibt und jeder alles kann, wenn er nur will. In dieser absurden Welt sind Angestellte, die halbtags arbeiten, zu den selben Leistungen in der Lage wie Angestellte, die ganztags arbeiten, die Akkumulation von Humankapital und von Fähigkeiten ist keine Funktion von Erfahrung und Leistung mehr, sondern von Wollen: Wer Genie sein will, der kann es, jedenfalls in der Welt der Work-Life-Balancer.

In der realen Welt erfährt die überforderte Generation, deren Mitglieder diesen Unsinn glauben, dass alles anders ist. Hier steht die Ideologie der Halbtags-Genies der Realität von Tagen mit 24 Stunden und Fragen der und Streits über Arbeitsteilung gegenüber. Hier sieht sich das Halbtags-Genie im Beruf mit Ganztags-Genies konfrontiert, die ihm durch die Manager-Genies vorgezogen werden. Und so fühlt sich die überforderte Generation überfordert, weil sie es nicht schafft, in der Hälfte der (Arbeits-)Zeit denselben Wert zu generieren und die selbe Leistung zu erbringen wie andere in der vollen Arbeitszeit.

Wer hätte das gedacht, dass man mit der Hälfte der Anstrengung in der Regel nur die Hälfte der Leistung erbringen kann? Und so erweist sich die überforderte Generation auch als naive, vorsichtig ausgedrückt oder realistisch ausgedrückt: dumme Generation, die sich an Vorgaben orientiert, die ein normaler Mensch für sich ablehnt, denn ein normaler Mensch weiß, dass er sich zwei Dingen nicht in der selben Intensität widmen kann, in der er sich einem Ding widmet, dass er sich mit anderen Worten entscheiden muss, zwischen Karriere und Familie im vorliegenden Fall.

Aber: in der derzeitigen Ideologie, in der alle alles können und Genies durch Wollen entstehen, ist das nicht vorgesehen. Nicht die Entscheidungen des Individuums und die Tatsachen, dass ein Tag 24 Stunden hat und nicht nur zeitliche Ressourcen beschränkt sind, ist für das Scheitern der überforderten Generation wie sie uns Bertram und Deuflhard näher bringen, verantwortlich, sondern der fiese gesellschaftliche Geist der Benachteiligung, der sich immer wieder im täglichen Leben einmischt und hier, warum auch immer, vornehmlich weibliche Menschen aussondert:

“Die Forscher zeigen für Deutschland, dass dies eng mit der schlechteren Bezahlung von Berufen zusammenhängt, in denen überwiegend Frauen arbeiten. Die Entscheidung für eine Einschränkung der Arbeitsmarktpräsenz hat allerdings langfristige Benachteiligungen im Beruf zur Folge, weil beruflicher Erfolg nach wie vor eine kontinuierliche Vollzeiterwerbstätigkeit voraussetzt.”

Ist das nicht ungerecht, dass jemand, der 8 Stunden pro Tag arbeitet, bessere Berufschancen hat als jemand, der nur 4 Stunden pro Tag arbeitet? Dieses ganze Leistungskonzept ist eine einzige Diskriminierung. Diskriminiert werden diejenigen, die wenig oder gar nichts arbeiten, die Faulen und die Lethargischen, während Workoholics auch noch belohnt werden für ihre Sucht, täglich den Standard deutscher Arbeit auf dem Niveau von 8 oder doch zumindest 7 Stunden zu halten.

doing nothingIst es nicht an der Zeit eine Quote für Teilzeit und ab-und-zu-Arbeiter zu fordern? 50% der Positionen in der Parteiführung für Personen, die maximal 20 Stunden pro Woche arbiten, 50% der Nobelpreise an Halbtagskräfte, 50% der Professuren an Personen in Elternzeit, und 50% der Chefsessel bei DAX-Unternehmen für Gelegenheitsarbeiter! Warum Ergebnisgleichheit nicht zu Ende denken und der Meritokratie, dieser absurden Idee, nach der das Entgelt der Leistung und der Fähigkeit entsprechend soll, den Garaus machen?

Das sind Fragen, die die derzeitige Soziologie beschäftigen, die derzeitige Soziologie der überforderten Generation, die komplett dazu übergegangen ist, die Gesellschaft auf die Mittelschicht zu reduzieren, denn: Wer muss denn zwischen 28 und 35 Jahren Familienplanung betreiben, weil er denkt, es gehöre zur gesellschaftlichen Aufgabe, eine Familie zu gründen? Und wer hat mit 18 seine Lehre und mit 21 seine Meisterprüfung hinter sich? Wessen Ausbildung zieht sich denn bis zum St. Nimmerleinstag, wenn auch dem Letzten klar geworden ist, dass der 40jährige in diesem Leben keinen Abschluss in Gender Studies, Anglistik der Spätromantik und Erwachsenenbildung mehr machen wird?

Die überforderte Generation ist eine Veranstaltung der Mittelschicht, denn nur der Mittelschicht kann man Stöckchen hinhalten, erzählen, es sei möglich mit halber Kraft Karriere zu machen und zugleich mit halber Kraft Kinder zu erziehen, und nur in der Mittelschicht kann man welche finden, die das glauben.

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