Böse Bayern? Die FaktenERfinder der ARD

Der Fakten(er)finder der ARD läuft heute gegen die Neufassung des Psychisch-Kranken-Hilfegesetzes in Bayern Sturm. Das Gesetz sei in höchstem Maße diskriminierend, so erfährt der Leser in Schriftgrad 14, nachdem ihm schon die Überschrift nahegelegt hat, dass es in Bayern darum gehe, psychisch Kranke „wegzuschließen, statt [ihnen] zu helfen“. Die Brachialvariante versuchter Manipulation im ARD Fakten(er)finder wird nur noch durch ein Originalzitat getoppt, das wir, ob seiner kompetenten Formulierung, im Original wiedergeben. Es lautet:

“Das, was man vorne gut gemacht hat, das hat man hinten mit dem Arsch wieder eingerissen.”

Ein Satz, der wie kein anderer das derzeitige Niveau der ARD zum Ausdruck bringt.

Uns soll es jedoch nicht um das unterirdische Niveau des ARD-Fakten(er)finders gehen, sondern darum, dass wir den begründeten Verdacht haben, dass beim ARD-Fakten(er)finder Daten erfunden werden.

Unter der Überschrift „Bayern hat bundesweit die höchsten Unterbringungszahlen“ ist Folgendes aus einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks, den die Fakten(er)finder zu ihrem gemacht haben, zu lesen:

„Zum Vergleich: Im Jahr 2015 landeten im Freistaat etwa 60.000 Menschen gegen ihren Willen in einer Psychiatrie – auf Platz zwei folgt Nordrhein-Westfalen mit knapp 48.000 Unterbringungen. NRW hat allerdings auch fast eineinhalb Mal so viele Einwohner wie Bayern.“

Wie immer, wenn die Fakten(er)finder Daten darbieten, tun sie das ohne Beleg. Das allein diskreditiert sie bereits. Aber das reicht noch nicht, denn es sieht sehr danach aus, als seien die 60.000 Unterbringungen, die die Fakten(er)finder für Bayern gefunden haben wollen, schlicht und einfach erfunden.

Beginnen wir zunächst damit, dass es – wie so oft in Deutschland – keine verlässlichen Daten dazu gibt, wie viele Menschen „untergebracht“ sind, wie es so schön heißt.

Das Problem ist zum einen eines des nicht-transparent-sein-Wollens, zum anderen eines des Föderalismus, denn grundsätzlich kann man in Deutschland nach zwei Arten weggeschlossen werden: Einmal nach § 1906 BGB und einmal nach dem jeweiligen Psychisch-Kranken-Hilfegesetz (PsychKG) der Länder. Die einzigen Daten, die es zu beiden zu finden gibt, stammen aus dem Jahre 2012. Man findet sie in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der LINKE.

Demnach wurden 2011 in Deutschland 57.116 Personen nach § 1906 BGB untergebracht, davon 16.854 in Bayern und 13.184 in Nordrhein-Westfalen. Nach dem jeweiligen Landes PsychKG wurden nochmals 78.114 Menschen im Jahre 2011 untergebracht. Dieses Mal 11.177 in Bayern und 22.685 in Nordrhein-Westfalen. Demnach wurden in Bayern 28.031 psychisch Kranke im Jahr 2011 weggeschlossen und 35.869 in Nordrhein-Westfalen. Die Größenverhältnisse zwischen beiden Ländern waren noch 2011 demnach gerade anders herum als von den ARD Fakten(er)findern für 2015 behauptet.

Wären die Zahlen des ARD-Fakten(er)finders richtig, also die Zahlen, deren Ursprung die Fakten(er)finder verheimlichen, dann müsste sich die Zahl der in Bayern per Zwang untergebrachten innerhalb von 4 Jahren mehr als verdoppelt haben, ein Anstieg um 31.969 Untergebrachte, während im selben Zeitraum in Nordrhein-Westfalen nur ein Anstieg von 12.131 Untergebrachten zu verzeichnen gewesen sein dürfte, also rund ein Drittel des bayerischen Anstiegs.

Nun ist in Deutschland bekanntlich nichts unmöglich. Deshalb haben wir nach weiteren Daten gesucht. Diese findet man beim Bundesministerium für Justiz. Dort wird zum einen eine Statistik über die Unterbringungen nach § 1906 BGB geführt, und es gibt eine Zugangsstatistik für Amtsgerichte. Beide sind das Beste an Daten, was man finden kann. Und während die Statistik über die Unterbringung nach § 1906 BGB akkurate Daten liefert, weist die Statistik der Amtsgerichte nur anhängige Verfahren aus. Angesichts dieser Datenlage fragt man sich, wo die Fakten(er)finder überhaupt ihre Daten für 2015 gefunden haben wollen.

Die Anzahl der nach § 1906 BGB im Jahr 2015 Untergebrachten beträgt Bundesweit 56.646 Personen und somit bundesweit weniger als die Fakten(er)finder für Bayern gefunden haben wollen. Im selben Jahr haben die Amtsgerichte in Deutschland 133.329 Verfahren über eine Unterbringung nach PsychKG der Länder als anhängig gemeldet. Von den anhängen Verfahren enden ca. 75% mit einer Unterbringung, wenn man die Erledigungsarten der Verfahren nach § 1906 zur Grundlage nimmt. Somit bleiben von den 133.329 Verfahren 100.000 Verfahren, die mit einer Unterbringung enden. Rechnet man die 56.646 Untergebrachte nach § 1906 BGB hinzu, dann wurden 2015 156.646 Menschen in psychiatrischen Kliniken oder Entziehungsanstalten oder in geschlossenen Abteilungen von Pflegeheimen untergebracht. Nach den Zahlen, die die Fakten(er)finder unters Volk bringen wollen, entfallen davon auf Bayern und Nordrhein-Westfalen 108.000 also 69% aller Unterbringungen. Die verbleibenden 14 Bundesländern müssen sich entsprechend die restlichen 31% teilen, wenn die Zahlen der Fakten(er)finder nicht erfunden sind.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zahlen aber frei erfunden wurden, um zu zeigen, welch‘ üble Menschen die Bayern doch sind, wenn es darum geht, andere Bayern oder besser noch: Preußen wegzuschließen, ist jedoch sehr hoch. Denn: der Anteil der beiden Ländern an den 135.263 Menschen, die 2011 untergebracht wurden, betrug damals 47,2%. Innerhalb von vier Jahren muss der Anteil von Bayern und Nordrhein-Westfalen, wenn die Daten der Fakten(er)finder richtig sein sollen, sprunghaft angestiegen sein, was notwendig bedeutet, dass alle anderen Länder ihre Anstrengungen, einen Teil ihrer Bürger wegzuschließen, heftig reduziert haben müssen. Eine Annahme, die vor allem im Hinblick auf die Länder Bremen, Hamburg, Hessen, das Saarland und Schleswig-Holstein, die Unterbringungsquoten erreichen, die deutlich über denen von Bayern und selbst Nordrhein-Westfalen liegen, mehr als unwahrscheinlich ist.

Wir kommen somit zu dem Schluss, dass die Faktenfinder FaktenERfinder sind. Der Schluss ist einfach zu widerlegen. Es reicht, wenn die FaktenErfinder die Quelle ihrer Daten nennen, um das ER aus dem FaktenERfinder zu löschen.

Falls die Fakten(er)finder einmal Fakten suchen wollen, ein dazu nützlicher Beitrag finden sich in:

Henking, T. & Vollmann, J. (Hrsg)(2015). Zwangsbehandlung psychisch kranker Menschen. Berlin: Springer.

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Philosophieprofessor: Vernünftige Menschen gendern nicht und sprechen wie Erwachsene

Arne Hoffmann, dem Unermüdlichen, sei Dank für den Hinweis darauf, dass sich wissenschaftlicher Widerstand gegen den Genderismus auch in Österreich regt.

Robert Pfaller, Professor für Philosophie und Kultur-Theorie an der Universität Linz, hat in einem Interview mit der Zeitung “Der Standard” über “den Verlust der Erwachsenensprache in Politik und Kultur, die nur noch sprachliche Sozialpolitik der “Pseudolinken” und die bloß symbolische “Volksnähe” der neuen Rechten” gesprochen.

STANDARD: Haben Sie Ihre Sprache im Lauf der jüngeren Zeit verändert? Gendern Sie? Schreiben Sie das Binnen-I? Gibt es Wörter, die Sie nicht mehr sagen, weil “man” sie heute nicht mehr sagt?

Pfaller: Natürlich versuche ich andere Menschen beim Sprechen nicht ungewollt zu kränken oder zu beleidigen. Das Beste, was man meiner Ansicht nach dazu tun kann, ist, wie ein vernünftiger Mensch zu ihnen zu sprechen. Eine Kunstsprache zu verwenden, also zu “gendern” oder ein Binnen-I einzufügen, scheint mir dabei eher hinderlich. Man klingt dabei schnell nicht mehr wie ein vernünftiger Mensch. Und man wirkt auf ungute Weise bemüht oder sogar ein wenig aggressiv – so, als ob man Peinlichkeit vermeiden müsste oder den anderen belehren wollte. Diese Sprachtricks dienen ja nicht so sehr dazu, Dritte zartfühlend zu benennen. Sie haben in erster Linie die Funktion, die Zweiten, also die, zu denen man spricht, sozial zu überbieten und sie pädagogisch zu unterwerfen.

Schlechte Nachrichten also für die Genderisten und ihren Versuch, Herrschaft über Sprache, ausgerechnet über Sprache, auszuüben. Nichts war’s. Nichts war’s nicht nur mit dem Gendersprech, auch die dazugehörende Infantilisierung durch eine politisch-korrekte Sprache, die zu den Themen gehört, die wir regelmäßig auf ScienceFiles behandeln, sie kommt im Interview mit Pfaller zur Sprache:

STANDARD: “Sie kritisieren die politisch korrekte Sprache als Symptom einer zunehmenden Infantilisierung der Gesellschaft. Warum?”

Pfaller: “Das Zartsprechen ist das kulturelle Symptom eines ökonomischen Politikversagens. Man hat Probleme, die in der Ökonomie zu erledigen gewesen wären, in die Kultur verlagert und sie dort zu behandeln versucht. Wenn man das aber tut, dann löst man die Probleme nicht nur nicht, sondern man produziert sogar neue. Nun werden die Menschen nämlich von ihren Interessen abgelenkt auf ihre Empfindlichkeiten. So werden sie unfähig, ihre wichtigsten Interessen wahrzunehmen und sich dafür mit anderen, ungeachtet von deren Identitäten oder Empfindlichkeiten, zusammenzuschließen. Die Propaganda der Empfindlichkeit entsolidarisiert. Und sie zerstört den öffentlichen Raum. Denn wo sie herrscht, kann niemand mehr mit anderen unter Absehung von der jeweiligen Person sprechen.”

Erwachsenensprache kommt für Pfaller übrigens in der Fähigkeit zum Ausdruck, unabhängig von eigenem Empfinden und Befindlichkeiten über Dinge zu sprechen und sich kompetent zu Sachfragen zu äußern, also darin, über Aussagen wie “das finde ich”, “das verletzt mich”, “das mag ich”, hinauszukommen. Noch ein Grund, warum Genderismus keine Zukunft hat, denn bislang ist es noch keinem Genderisten gelungen, von der Ebene persönlicher Empfindlichkeit auf die Ebene einer kompetenten und sachbezogenen Sprache, also auf das Niveau von Erwachsenen vorzudringen, die sich über etwas austauschen können, ohne dieses Etwas ständig wie kleine Kinder zu bewerten.

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GEW hetzt gegen Meinungsfreiheit: Kutschera und Rauscher im Fadenkreuz der Gewerkschaft

Die GEW, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, ist eine Gewerkschaft, an der man den Wandel, dem Gewerkschaften unterliegen, deutlich ablesen kann. Die GEW organisiert keinen einzigen Arbeiter. Sie setzt sich zu ungefähr der Hälfte aus Beamten und Angestellten zusammen und ist als einzige DGB Gewerkschaft über die letzten 10 Jahre gewachsen: Von 248.792 Mitgliedern im Jahr 2007 auf 278.243 Mitglieder im Jahre 2017. Die GEW ist nicht nur gewachsen, die Mitgliederstruktur ist immer weiblicher geworden: 69,2% betrug der Anteil der weiblichen Mitgliedern 2007, 2017 waren es 71,2%. Wie so oft, wenn der Anteil von Frauen in einem Segment steigt, sinkt die Professionalität, während der Anteil der intoleranten Kämpfer für das angeblich Gute steigt.

Bei der GEW hat das dazu geführt, dass die Gewerkschaft Texte veröffentlicht, die offen gegen Meinungsfreiheit hetzen und offen zum gezielten Protest gegen Wissenschaftler, die der GEW, die namentlich Friederike Thole und Sarah Wedde nicht genehm sind, aufrufen.

Dabei ist der Beitrag, den Thole und Wedde zu verantworten haben, ein Lehrstück der Projektion eigener Vorurteile in Dritte, um sie denn in diesen Dritten zu bekämpfen.

Ulrich Kutschera, Professor für Evolutionsbiologie an der Universität Kassel ist bekanntlich kein Freund des Genderismus, wie wir auch nicht. Und Thomas Rauscher, Professor für u.a. Privatrecht an der Universität Leipzig erlaubt sich nicht nur eine eigene Meinung, er macht seine Meinung auch öffentlich. Die aus Sicht von Thole und Wedde furchtbaren Verfehlungen von Kutschera wurden von diesem in einem Interview mit Kath.net begangen und bestehen in angeblich anti-modernen Äußerungen wie die Ehe für alle sei „staatlich geförderte Pädophilie“ und bei den Genderwissenschaften handle es sich um eine feministische Sekte, während Rauscher gerne provokant tweeted und dabei Afrikaner z.B. vorwirft, dass sie ihren Kontinent durch Schlendrian, Korruption usw. zerstört hätten.

Nun ist es, das sei angemerkt, für Wissenschaftler natürlich vollkommen egal, ob eine ihrer Aussagen als „anti-modern“, „anti-feministisch“, Grumpf oder Heffalump bezeichnet wird. Was Genderisten und die Ihresgleichen im Geiste nicht verstehen können: Wissenschaftler interessiert, ob ihre Aussagen in der Realität bestätigt oder falsifiziert werden können, nicht ob ein versprengter Geist sie als „anti-modern“ oder Grumpf bewertet.

Zu dem, was Kutschera sagt und zu dem was Rauscher tweeted kann man inhaltlich stehen wie man will, was man nicht kann, ist beiden das Recht abzusprechen, ihre jeweilige Meinung zu äußern. Genau das tun Thole und Wedde, was sie zu Feinden der Meinungsfreiheit macht und im Lager der Faschisten verortet, die ihnen nicht genehme Meinungen unterdrücken wollen.

Warum?
Warum versuchen Thole und Wedde nicht, die Behauptungen von Kutschera und Rauscher zu widerlegen? Warum reicht es bei ihnen nur zur hysterischen Erregung über Gesagtes, nicht aber zur Auseinandersetzung mit dem Gesagten? Da beide viel Text schreiben, ohne auch nur ein Argument gegen das, was Kutschera und Rauscher vorzubringen, muss man den Schluss ziehen, dass sie entweder kein Argument machen KÖNNEN oder kein Argument machen wollen.

Dass sie kein Argument machen können, dafür sprechen ihre Vorstellungen, die sich in Formulierungen niederschlagen, die man einfach nur als lächerlich bezeichnen kann. So entblöden sich Thole und Wedde nicht, den folgenden Unsinn zu verbreiten. Kutschera und Rauscher würden durch ihre „rechtspopulistischen Äußerungen“ rechte „Argumentationslinien nutzbar machen“. Weil sie derart krachender Unsinn nicht glücklich macht, setzen Thole und Wedde noch eins drauf: „Der professionelle Status wird als eine Stellung wahrgenommen, deren Aussagen eine implizite Wahrheit zugesprochen wird“.

Das muss man wiederholen, weil es so schön ist:
„Der professionelle Status wird als eine Stellung wahrgenommen, deren Aussagen eine implizite Wahrheit zugesprochen wird“.

Weil jemand eine Professur an einer Universität inne hat, deshalb denken Thole und Wedde, er spräche die Wahrheit bzw. es würde ihm zugeschrieben, dass er die Wahrheit sprechen würde.

Weniger Vorstellung und Ahnung davon, was an Universitäten so vor sich geht und worum es bei Wissenschaft geht, kann man nun wirklich nicht mehr haben. Die Vorstellung, Wissenschaftler würden Wahrheit kennen oder es gäbe jemanden in der Bevölkerung, außer Thole und Wedde, der der Ansicht sei, Wissenschaftler wüssten die Wahrheit, kraft Position, ist angesichts von Misstrauen gegenüber Studien und der Tatsache, dass Wissenschaft auf Kritik und nicht auf Wahrheit aufbaut kindisches Wunschdenken, wie es nur im Gehirn von Genderisten, sofern man bei Genderisten noch von einem Gehirn sprechen kann, entstehen kann.

Wir wurden schon des Öfteren damit konfrontiert, dass Genderisten der Ansicht sind, mit Positionen an wissenschaftlichen Instituten sei nicht nur Status, sondern auch Wahrheit und Wissen verbunden. Dieser Fehlschluss, der Kenntnisse und Status an eine Position und nicht an deren Inhaber knüpft, scheint der Geburtsfehler des Genderismus zu sein. Deshalb wollen Genderisten an Universitäten. Sie denken, sie erreichten Status, wenn sie sich dort einnisten, könnten Wahrheit für ihren Unsinn reklamieren, weil sie ihn vom Katheder herunter verkünden dürfen… So kann man sich irren.

Falls mit einer Position an einer öffentlichen Hochschule jemals Status verbunden war, dann ist er das sicher nicht mehr der Fall, seit es Genderisten an Hochschulen gibt. Und falls es, außer Thole und Wedde jemals jemanden gegeben hat, der glaubte, ein Professor spreche, wenn er z.B. über Quantenmechanik erzähle, die Wahrheit, dann wurde dieser jemand sicher schnell vom entsprechenden Professor über den Status von Hypothesen und den Stellenwert von Theorien aufgeklärt. Dieser Jemand hat Thole und Wedde damit viel voraus… Einsicht, Verständnis, Kompetenz, Kenntnis… über die Grundidee der Wissenschaft…

Eine weitere Charakteristik, die wir in den letzten Jahren vor allem in Kontexten beobachten, die man als wissenschafts- wenn nicht bildungsfern bezeichnen muss, also im Kontext des Genderismus, bei Gewerkschaften wie der GEW, in Stiftungen von Parteien usw. besteht darin, dass Unwissen, vollkommene Unkenntnis bzw. die vollkommene Abwesenheit von Kompetenzen nicht dazu führt, dass die entsprechend Baren sich der großspurigen Erklärung enthalten oder davor zurückschrecken, auf andere Menschen loszugehen, die in der Regel ein Vielfaches an Kompetenz und Wissen aufweisen als die Marktschreier der Intoleranz.

Entsprechend werden aus denen, die in den eigenen Augen als gute Menschen gestartet sind, um das Böse, das sie in anderen Meinungen erblicken, zu bekämpfen, schnell Personen mit Schaum vor dem Mund, die nicht davor zurückschrecken, zu hetzen, aufzuhetzen:

„Um der Gefahr der Nutzbarmachung pseudowissenschaftlichen rechtspopulistischen Gedankenguts zu begegnen, dürfen zunächst die Proteste an den Universitäten nicht abebben. Alle Statusgruppen müssen sich gemeinsam gegenüber der Hochschulleitung dafür stark machen, dass diskriminierenden und rechtspopulistischen Äußerungen an der Hochschule kein Raum gegeben wird und eine Überprüfung der rechtlichen Interventionsmöglichkeiten erfolgt. Zudem sollte von wissenschaftlicher Seite auf eine Dekonstruktion der vermeintlich wissenschaftlichen Fakten der Rechtspopulisten hingewirkt werden, sodass die propagierte „Wahrheit“ widerlegt oder deutlich als Meinungsmache demaskiert werden kann. Hochschulen als demokratische Institutionen müssen zeigen, dass flächendeckend keine Akzeptanz für homophobe, rechtsnationale und in anderer Form diskriminierende Positionen besteht.“

Das muss man sich einmal vorstellen, Gewerkschaftsmitarbeiterinnen rufen dazu auf, gegen Professoren zu agitieren, die eine Meinung haben, die ihnen nicht gefällt, die diese Meinung außerhalb von Universitäten und gerade nicht an Universitäten geäußert haben, und sie tun dies auf Grundlage einer Vorstellung über „Wahrheit“, wie sie dümmer nicht sein kann und die direkt aus ihren eigenen Gehirnen kommt. Denn niemand außer Ihnen kommt auf die Idee, dass Kutschera oder Rauscher „Wahrheit“ propagiert hätten. Wir haben es schlicht mit einem Fall zu tun, wo man feststellen muss, dass Thole und Wedde besser ruhig gewesen wären, dann wüsste nicht alle Welt welch‘ immense Wissenslücken sie haben und dass sie dumm genug sind, diese Wissenslücken in die Welt zu schreien, das wüsste auch kaum jemand.

Wenn die Moderne durch etwas ausgezeichnet ist, dann dadurch, dass jeder nach Herzenslust kundtun kann, welche linke Außenseiter-Position er auf der Normalverteilung der Intelligenz einnimmt.

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Deadline: Für Journalisten, die nicht wissen, worum es beim Journalismus eigentlich geht

Erick Elejalde, Leo Ferres und Eelco Herder haben eine Untersuchung vorgelegt, in der sie zeigen, dass Medien einen Bias in der Berichterstattung haben. Das Ergebnis (zu dem wir in den nächsten Tagen noch näher kommen) bestätigt eigentlich nur den gesunden Menschenverstand gewürzt mit ein wenig Sozialpsychologie à la Kahneman und Tversky:

(1) Wahrnehmung hängt von Erwartungen ab,
(2) Erwartungen werden durch den Rahmen, innerhalb dessen wahrgenommen wird oder durch die Überzeugung dessen, der wahrnimmt oder durch beides beeinflusst und
(3) wenn man nach Bestätigung für seine Erwartungen sucht, dann wird man diese Bestätigung auch finden und übersehen, dass es neben der Bestätigung etwa doppelt so viele widersprechende Fakten gibt.

Auf der Grundlage dieser sozialpsychologischen Gegebenheiten, die wieder und wieder in Experimenten und Untersuchungen bestätigt wurden, ist es keine Überraschung, wenn Medien, in denen 80% Journalisten mit einer politischen Einstellung, die linksaffin ist, arbeiten, Schlagseite zu Gunsten linker Inhalte haben.

Das einzige, was überrascht ist, dass es tatsächlich Menschen gibt, die allen Ernstes behaupten, ein öffentlich-rechtliches Monopol, in dem es keinerlei Wettbewerb zwischen Journalisten gibt, könne irgend etwas anderes als eine Berichterstattung mit Schlagseite erbringen, mit linker Schlagseite (derzeit).

Wer Opfer der GEMA-Zensur in Deutschland wird, kann den Film hier über Amazon bestellen. Bitte nicht vom selten dämlichen Titel der deutschen Ausgabe abschrecken lassen.

Dass Wettbewerb die Voraussetzung dafür ist, nicht auf allen Programmen, zu jeder Zeit mit demselben Inhalt beschwätzt zu werden bzw. in allen Zeitungen dieselben Schlagzeilen vorzufinden, dass Wettbewerb der einzige Garant dafür ist, dass sich ein journalistisches Ethos entwickeln kann, das Journalisten ihre Identität aus ihrer Kompetenz und Arbeit und nicht aus ihrem Anstellungsverhältnis ableiten lässt und dass Journalismus einmal als investigativer Journalismus vorhanden war, der unabhängig von Parteien, Verbänden und staatlicher Aufsicht, Kontrolle über Parteien, Verbände und staatliche Akteure ausgeübt hat, das ist in Deutschland weitgehend in Vergessenheit geraten.

Als kleine Erinnerungsleistung haben wir heute für unsere Leser ein kleines Schmankerl. Den Film “Deadline” mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle des Herausgebers der Tageszeitung “The Day”.

Alles, was Journalismus ausmacht, Ethos, Identität, Kompetenz, Commitment ist in diesem Film dargestellt. Er sei deutschen Journalisten zur Nachhilfe empfohlen, vielleicht regt sich ein kritisches Neuron und wird zu einer Idee.

Unseren Lesern wünschen wir viel Spaß mit einem Zeugnis aus einer Zeit, in der das Leitbild des Journalisten noch den Blick für’s Ganze und vor allem zweierlei umfasst hat: Rückgrat und Verantwortungsbewusstsein.

Berlin: “Mietenwahnsinn” in Rudis Resterampe

13.000 Berliner haben es in übereinstimmende Berichte unterschiedlicher Medien geschafft. Sie demonstrierten gegen den “Mietenwahnsinn”, den es in Berlin geben soll, die ungebührliche Erhöhung von Mieten, die sie sehen. Die Niveauanpassung, die andere sehen.

Tatsächlich sind die Mieten in Berlin nicht Spitze, sondern bestenfalls Mittelmaß. Im internationalen Vergleich rangiert die deutsche Hauptstadt diesbezüglich unter ferner liefen. Hamburg und Frankfurt sind die einzigen deutschen Städte, die es in die Liste der Top-30 teuersten Mietstädte schaffen. Die Liste wird angeführt von London, Moskau, Paris, St. Petersburg und Istanbul.

Auch gemessen am innerdeutschen Vergleich, ist Berlin nicht Spitze. Wir haben in der folgenden Abbildung den durchschnittlichen Preis für eine mittlere Mietwohnung von rund 60 Quadratmetern für verschiedene Städte in Deutschland zusammengetragen. Das Ergebnis sieht Berlin auf einer Ebene mit Köln und Heidelberg und deutlich hinter Tübingen, Würzburg, Hamburg, Freiburg, Frankfurt, Stuttgart und München. Der Berliner Mietenwahnsinn findet demnach mehr im Kopf als in der Realität statt. Die Preissteigerungen, die der Berliner Mietspiegel bis 2016 ausweist (seither gehen die Mietpreise wieder zurück), sind demnach eher eine Anpassung an zumindest das Preisniveau, das in Deutschland in Großstädten und solchen, die es sein wollen, herrscht. Wer Hauptstadt sein will, muss zumindest ansatzweise wie eine Hauptstadt erscheinen, wie Warschau, Wien, Athen, Bukarest, die es alle unter die 30 teuersten Mietstädte schaffen.

Hauptstädte, so die eigentliche Idee, sind die Orte, an denen das Leben eines Landes pulsiert. Orte der Wirtschaft, des Umsatzes, Orte, an denen Yuppies hohe Einkommen erzielen, Hochglanzbauten zu sehen sind, Löhne, Preise und Produktivität das Maß für den Rest des Landes abgeben.

In Berlin ist das nicht so.
Berlin ist die einzige Hauptstadt in Europa, die das Umland Geld kostet. Gäbe es Berlin von heute auf morgen nicht mehr, Deutschland hätte 0.2% des gesamten Bruttosozialproduktes eines Jahres mehr zu verteilen. Andere Länder könnten sich das plötzlich Verschwinden ihrer Hauptstadt nicht leisten. Das britische Bruttosozialprodukt würde ohne London um 11,2% sinken, das französische ohne Paris um 15%, dass Tschechische ohne Prag um 14,2% und das griechische ohne Athen um 19.9%. Europäische Hauptstädte generieren in der Regel einen Mehrwert für ihr Land, nur Berlin nicht. Berlin kostet Geld, es bringt keines.

Dass Berlin eher Provinz als Hauptstadt ist, schlägt sich auch in der Wertschöpfung der Berliner nieder. Rund 31.000 Euro Wertschöpfung sind es pro Kopf. In Ludwigshafen sind es mit gut 71.000 Euro mehr als doppelt so viel. Selbst in Pirmasens, Jena und Neumünster ist die pro-Kopf Wertschöpfung höher als in Berlin. Entsprechend ist Berlin auch bei der Kaufkraft seiner Bevölkerung eher Schlusslicht als führend. Mit 21.033 Euro pro Kopf und Jahr bleibt Berlin deutlich hinter München (30.998 Euro), Frankfurt a.M. (26.265 Euro), Hamburg (25.242 Euro), Köln (24.498 Euro) und Nürnberg (23.881 Euro) zurück und findet sich auf einer Ebene mit Dortmund (21.090 Euro) und Dresden 20.948 Euro.

Berliner, so scheint es, kämpfen mit einer Ungleichzeitigkeit. Prachtbauten von Ministerien und Anstalten des öffentlichen Rechts, Botschaften, Dependenzen von Stiftungen, Gewerkschaften, Parteien, Bundes- und Landesämter, sie alle treiben die Mietpreise in die Höhe aber die Einkommensverhältnisse der Berliner halten offensichtlich nicht mit. Berlin ist eben nach wie vor Provinz und diejenigen, die heute denken, sie würden einen Mietenwahnsinn erleben, weil ihnen der Vergleich mit richtigen Groß- oder Hauptstädten wie Frankfurt, Hamburg, München, Istanbul, Amsterdam, Oslo, Bukarest, Paris oder London fehlt, können sich bei den Politikern bedanken, die aus der Provinzstadt Berlin eine Hauptstadt Berlin machen wollen. Wie immer, wenn man eine Stadt im Erscheinungsbild aufwerten will, geht dies mit Preissteigerungen und einer Verdrängung einher. Wer sich die steigenden Preise nicht leisten kann, muss in Randbezirke oder ins Umland abwandern und Platz machen, für diejenigen, die es sich leisten können (sofern es sie gibt).

Das nennt man auch Veränderung durch Mobilität. 

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