Fußball-Weltmeisterschaft als Gutmenschen-Non-Event [Amadeu-Antonio-Stiftungsanhängsel]

Sechs Tage hat es gedauert (kurze Rückfrage in der Redaktion: Ist heute der sechste Spieltag? … Gähnen, … Achselzucken, Nicken (Einwurf: „England hat gewonnen!“…), okay, also: Sechs Spieltage hat es gedauert, bis wir auf die Fußball-Weltmeisterschaft zu sprechen kommen. In Russland. Im Reich Putins.

Fußball-Weltmeisterschaft.

Es gibt unterschiedliche Arten damit umzugehen.
Man kann sie weitgehend ignorieren, wie wir das als eingefleischte Rugby-Fans tun, einem Spiel, bei dem noch Körpereinsatz, Schnelligkeit und Geschick eine Rolle spielen, das nur selten von Schiedsrichtern entschieden wird und in dem nicht ein Windhauch reicht, um einen Spieler nahe ans Verenden zu bringen…

Man kann die Fußballweltmeisterschaft zum Anlass nehmen, um Urlaub in Russland zu machen, sofern es das Wetter zulässt. Aber das ist ein Stereotyp unsererseits …

Man kann die Fußballweltmeisterschaft auch zelebrieren, jedes Spiel betrachten und sich am Fußball erfreuen (Es soll diejenigen geben, die das nach wie vor können).

Und man kann die Fußballweltmeisterschaft benutzen, um seinen ideologischen Spleen und seinen Hass auf alle, die Freude am Fußball finden, kund zu tun. So wie das manche tun, die dazu aufrufen, Deutschland-Fähnchen abzubrechen (Sachbeschädigung und nach wie vor strafbar).

Und dann gibt es da noch die … [freie Wahl der Anrede] von Belltower-News, dem Anhängsel der Amadeu-Antonio-Stiftung, das Steuerzahler finanzieren müssen, ohne dass sie je gefragt worden wären, ob sie etwas derartig Skurriles, besser. Bizarres finanzieren wollen.

Belltower-News, die Glockenturm-Insassen, spielen in einer eigenen Liga.

Einer Queeren Liga.

Einer, in der man hörgestört ist und die Tatsache, dass sich im Internet Leute darüber beschweren, dass man einer Claudia Neumann, die wohl versucht, Fußballspiele zu kommentieren, nicht zuhören könne, wegen ihrer „nervigen Stimme“, ihrem „leierartigen Gelaber“, weil sie einem auf „den Senkel geht“, zum Sexismus erklären zu müssen glaubt. Wir nehmen dies zum Anlass um darauf hinzuweisen, dass Fernsehen auch vom Ton lebt und dass nicht jeder Mensch mit einer angenehmen Stimme wie Elmar Gunsch gesegnet ist. Manche haben eine piepsige, eine schrille Stimme und sind in keiner Weise ein Hörgenuss, was kein Problem ist, sofern sie nicht denken, sie müssten sich anderen akustisch zumuten. Das hat mit Sexismus nichts zu tun, denn Zuschauer von Fernsehsendern haben nicht die Pflicht, über unzumutbare, schrille Laute, die manche für Stimmen halten, hinwegzuhören und sich darüber zu freuen, dass sie mit „leierartigem Gelaber“ von „nerviger Stimme“ beschallt werden. Dass die Glockenturm-Insassen darin Sexismus erkennen, kann man nur als Ausdruck von Faschismus werten, jenes Faschismus, der Akzeptanz für alles fordert, was vorgesetzt wird, ohne Rücksicht auf individuelle Empfindungen und Präferenzen.

Diego Maradonna, so berichten die Glockenturm-Insassen weiter, sei ein großer Held bei den südkoreanischen Fans. Nun hat Maradonna das getan, was die Glockenturm-Insassen nie tun würden, er hat sich die Augen lang gezogen, Schlitzaugen markiert, als Tribut an seine südkoreanischen Fans, wie er sagt. Wie die es aufgenommen haben, das wissen wir nicht. Das berichten die Glockenturm-Insassen nicht. Ihre Spezialität ist die Empörung, nicht die Information.

Die Welt hat getitelt, „Sorry Mexiko. Heute bauen WIR die Mauer!
So kann man sich irren. Aber nicht der Irrtum erregt die Glockenturm-Insassen, sondern, die Mauer. Das verstehen Sie nicht? Ist doch einfach, wenn man die geistigen Kurzschlüsse der Glockenturm-Insassen kennt. Mauer, Mexiko… Macht es klick? Donald Trump will doch eine Mauer bauen, um manche Mexikaner aus den USA fernzuhalten. Und Donald Trump ist böse. Für Vorurteilsbehaftete wie die Glockenturm-Insassen, die nur in gut und böse denken können, deren Welt in zwei Teile zerfällt, den guten, den sie bewohnen, und den bösen, den sie gerne vernichten würden, reicht das. Trump, böse, Mauer, auch böse, Mauer zu Mexiko, vor allem böse, Mauer und Mexiko und Welt und Fußball, ganz böse.

Außerdem wurde Peter Tatchell festgenommen. Von den Russen. Ja, der Russe, der nimmt fest. Peter Tatchell, den hat er festgenommen. Sehr zum Ärger der Glockenturm-Insassen. Sie kennen Peter Tatchell nicht. Wir auch nicht. Weiter zum nächsten Thema:

Puto haben die mexikanischen Fans gerufen. Vermutlich in Richtung Manuel Neuer. Vielleicht auch in Richtung anderer Spieler. Puto, das rufen Mexikaner des Öfteren und nicht nur sie und nicht nur in Rußland. Aber in Russland, da haben es Glockenturm-Insassen ganz genau gehört. Naja, fast genau. In der 43. Minute, da seien die Rufe zu erahnen gewesen, so schreiben sie. Die New York Times habe „einen weiteren Ruf in der 25. Minute erwähnt“. Man muss, wenn man dem Bösen berufsmäßig auf der Schliche sein will, schon genau hinhören und sehr kundig sein. Schimpfworte in mehreren Sprachen muss man beherrschen, Worte wie Puto, das übrigens Stricher oder Schwuchtel bedeuten soll.

Ja, man kann die Fußball-Weltmeisterschaft zu vielem BEnutzen. Zehntausende kann man zu Statisten erklären und eine Handvoll Schreihälse zum Anlass nehmen, um den Rassismus, Sexismus, die Homophobie oder den Sonstismus hochzujubeln.

Vermutlich ist es eine Frage der Veranlagung, die manche auf Negatives fixiert sein lässt, so sehr Honig aus Schlechtem ziehen lässt, dass sie es überall gegenwärtig und am Werk sehen, so dass sie selbst dann unfähig sind, Positives und Schönes zu erkennen, wenn man es ihnen vor die Nase hält.

Wir bedauern die armen Glockenturm-Insassen.

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Gendersensibles Klecksen – MINT-Studentinnen herbei malen

Vorurteile, das haben wir im letzten Post dargelegt, sind verhärtete und affektiv aufgeladene Denkstrukturen, die sich jeder Falsifikation durch die Wirklichkeit widersetzen, die entgegen jeder Realität aufrecht erhalten werden.

Vorurteile finden sich im täglichen Leben an vielen Stellen. Ein aktuelles Beispiel stammt von der Universität Bremen. Dort gibt es eine Fraktion von Genderisten, die sich umstellt sieht, von männlich geprägten Strukturen, die sich in „männlich geprägte Wissenschaftskulturen [was immer das auch sein soll]“ die vor allem in „naturwissenschaflichen Fächern“ dominieren sollen, geworfen sehen, ohne Hilfe, ausgeliefert dem patriarchalischen Wirken „männlich-tradierter Normbilder“, sehen sie sich von „informellen, geschlechterbezogenen Mechanismen“ umstellt und außer Stande, durch Leistung zum Erfolg zu kommen.

Die beschriebenen Vorurteile basieren zudem auf einer klassischen Tautologie, die Fächer an Hochschulen, in denen weniger Frauen als Männer studieren, als Fächer, die von männlichen geprägten Wissenschaftskulturen dominiert sein sollen, beschreibt und diese Beschreibung als Erklärung für die wenigen Frauen, die das Fach studieren anführt, wobei die Tatsache, dass wenige Frauen ein Fach studieren, zugleich als Beleg für das Wirken der „männlich geprägten Wissenschaftskulturen“ gilt. Im Gegensatz und im klassischen Widerspruch dazu, sind Fächer, in denen es mehr weibliche als männliche Studenten gibt, nicht Ausdruck einer weiblich dominierten Wissenschaftskultur, sondern Ergebnis von Wahlen, die männliche Studenten treffen.

Als Konsequenz haben wir somit eigenverantwortliche, männliche Studenten, die ihr Studienfach frei wählen und hilflose, nicht eigenverantwortliche, weibliche Studenten, die von männlich dominierten Wissenschaftskulturen daran gehindert werden, das vermeintliche Fach ihrer Wahl zu studieren.

Derartig ma(g)nische Ansichten sollten eigentlich in eine stationäre Behandlung münden. In Bremen geht man jedoch einen anderen Weg. Dort ist, wie es für kindische und der Argumentation nicht fähige Wesen angemessen ist, gegen die „männlich geprägten Wissenschaftskulturen“ angemalt geworden.

„Die Cartoonistinnen Bettina Bexte, Laura Breiling und Miriam Wurster haben in Anlehnung an die Beobachtungen aus dem Arbeitsalltag der Verbundmitarbeitenden [aus MINT-Forschungsverbünden] humorvolle Cartoons entwickelt. Entstanden ist eine Postkartenserie bestehend aus neun verschiedenen Cartoons, drei davon englischsprachig (Wow!), sechs deutschsprachig. Diese werden sowohl gedruckt als auch digital veröffentlicht“.

Wer dem historischen Moment, in dem die Genderisten in Bremen endgültig eingestehen, dass sie nicht zur rationalen Argumentation, sondern nur zur kindischen Kleckserei (mit oder ohne Fingerfarben) in der Lage sind, bewohnen will, der kann dies am 21. Juni 2018 im LION-Gebäude (Klagenfurter Straße 5) der Universität Bremen tun.

Ob die Universität Bremen demnächst einen neuen Fachbereich: „Gendersensibles Malen NICHT nach Zahlen“ einrichten wird, ist bislang noch ungeklärt.

Wer diese frühkindliche und vorschulische Entwicklungshilfe finanziert, ist eine Frage, die wir nicht beantworten können und deshalb an unsere Leser weitergeben.

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Unbewusste Vorurteile: der neueste Diversity-Unsinn

Er ist uns in letzter Zeit häufiger begegnet: Der Begriff der „unbewussten Vorurteile“. Diese neueste Verballhornung wissenschaftlicher Konzepte zu einem Brei aus Psychoanalyse und Brachial-Psychologie findet sich zunehmend bei denen, die der Diversität das Wort reden oder gegen „Rassismus“ oder andere Dinge, die sie meist nur halb, wenn überhaupt verstanden haben (um nicht zu sagen, von denen sie ein sehr vorurteilsbehaftetes Bild haben), vorgehen wollen.

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass diejenigen, die am lautesten von Diversität tönen, diejenigen sind, die am wenigsten divers denken können? Sie reduzieren die große Vielfalt, die eine Menschenmenge auszeichnet, weil sie eben aus einzelnen Individuen besteht, zunächst auf Gruppen, um diesen Gruppen dann genau ein Merkmal, Geschlecht, Hautfarbe, sexuelle Orientierung oder was gerade in Mode ist, zuzuschreiben. Das hat mit Diversität überhaupt nichts zu tun. Es beschreibt eher eine Denkbehinderung, die man wohl als Vorurteil bezeichnen muss.

Wer für mehr Diversität ist, der hebe die Hand.

Damit sind wir zurück beim Thema. Sozialpsychologen haben seit der Grundlegung durch Gordon Allport (und vermutlich schon zuvor, aber nicht mit dem Impact), zwischen Stereotypen und Vorurteilen unterschieden. Erstere sind nützliche Abkürzungen, die es Menschen erlauben, schnell und zumeist auch erfolgreich Handlungsentscheidungen zu treffen. Stereoytpe sind das Ergebnis von Handlungserfahrungen, und deshalb haben Stereotype auch Handlungserwartungen zur Folge. Manche von uns sind immer noch der Ansicht, dass Kinder in Schulen rechnen und schreiben lernen und nicht, was politisch gerade als korrekt angesehen wird. Das ist ein Stereotyp. So wie es ein Stereotyp ist anzunehmen, dass ein Mann eher in der Lage ist, einen Kasten Bier fünf Etagen zu schleppen als eine Frau.

Das Besondere an Stereotypen ist, dass sie an konkreten Situationen scheitern können, weil Stereotype „typische Aussagen“ sind, können sie im konkreten Fall falsch sein, dann, wenn Lehrer mehr damit beschäftigt sind, Kinder ideologisch zu indoktrinieren oder man auf eine Gewichtheberin getroffen ist, die einen Kasten Bier in den sechsten Stock schleppt und dort alleine trinkt.

Was Stereotype auszeichnet, ist: Sie sind veränderlich. Erfahrungen, die man macht, schlagen sich auf die Stereotype nieder, führen zu einer Anpassung.

Das unterscheidet sie von Vorurteilen. Vorurteile sind nicht veränderlich. Sie basieren auf Werten oder Normen, auf Erwartungen, was richtig und was gut ist und sie werden gegen die Realität verteidigt. Widerstreitende Informationen können ihnen nichts anhaben. Sie bestehen unverändert, auch im Angesicht widersprechender Erfahrungen weiter. Assmann hat dies gut auf den Punkt gebracht:

„Prejudice cannot be explained – as stereotype can – on a cognitive basis alone; it is charged with collective emotions together with norms that are hidden behind values and taboos. It is not a tool for understanding the world, but a weapon in power and identity politics. This explains one characteristic of the prejudice: It is incorrigible. It can, on the contrary, be defined as a mental strategy to block the process of learning, which involves constant readjustment and reconstruction of preconceived ideas in the light of new experience and information. Instead of reconstructing the stereotype to accommodate the new evidence, the prejudice is constructed to block and destroy evidence. While the stereotype is adapted to the world, prejudice adapts the world to itself” (Assmann, 2009, S.9).

Szenenwechsel

Daniel Kahneman, der es noch erlebt, und Amos Tversky, der schon verstorben ist, gehören zu den derzeit am meisten missbrauchten Forschern. Jeder Halbgebildete meint, er könne sich die Arbeiten der beiden zu nutze machen und seine Verballhornung der Ergebnisse nutzen, um sich selbst und auf deren Kosten zu profilieren.

Unbewusste Vorurteile sind ein Beispiel dafür.

Unbewusste Vorurteile, so lesen wir auf einer Seite, die dem Bemühen gewidmet ist, Profit aus kognitiven Schwächen anderer zu schlagen, seien tief in unseren Gehirnen gespeichert und würden von dort aus unser Handeln „unbewusst“ steuern, ohne dass wir uns dagegen wehren könnten. Wir sind, so die Idee, die hinter den unbewussten Vorurteilen steckt, Automatons, die von ihrem Gehirn, das ein unbewusstes Eigenleben führt, gesteuert werden, ohne dass wir das merken. Wenn Unsinn wie „unbewusste Vorurteile“ verbreitet wird, dann sind in der Regel alle Schleusen geöffnet, dann findet keinerlei rationale Kontrolle dessen, was geäußert wird, mehr statt. So finden wir auf der bereits oben zitierten Seite, die Diversität durch die Bekämpfung „unbewusster Vorurteile“ herstellen will, die folgende Aussage:

„In der Regel ist der automatische Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozess richtig, doch manchmal kann er auch fehlerhaft oder entgegen unserer bewussten Überzeugungen und Werte ablaufen. So wird unser Unbewusstes eher für Menschen aus unserem Kulturkreis präferieren als für andere, weil es mit diesen bereits Erfahrungen gemacht hat – ob wir das wollen oder nicht. In diesen Fällen sprechen wir von kognitiven Wahrnehmungsverzerrungen oder Unconscious Biases.“

Derartiger Blödsinn, der aus einer geistigen Verwirrung, in der Sigmund Freud mit Daniel Kahneman und Amos Tversky in Verbindung gebracht wird, resultiert und in dem die Arbeit von Sozialpsychologen, die sich jahrzehntelang bemüht haben, Stereotype und Vorurteile von einander zu trennen, mit wenigen Worten vom Tisch gewischt wird, wird in den Kreisen derer, die Diversität im Munde führen, ohne zu wissen, was Diversität ist oder sein soll, eifrig aufgenommen.

Unbewusste Vorurteile …

Machen wir einmal die Probe aufs Exempel.

A geht in die Bäckerei um Brötchen zu kaufen. Der Verkäufer ist ein Asiate. A mag keine Asiaten und kauft keine Brötchen. Was meinen Sie, sind A seine Vorurteile bewusst oder unbewusst?

B geht in die Bäckerei um Brötchen zu kaufen. Er telefoniert, gibt das bereits abgezählte Geld dem asiatischen Verkäufer und verlässt die Bäckerei. Hat B unbewusste Vorurteile, und wenn ja: who cares?

Der Witz an Vorurteilen ist, dass man sich ihrer sehr bewusst ist. Denn Vorurteile müssen aktiviert werden. In Handlungssituationen. Durch Unerwartetes. Um relevant zu sein. X hasst Genderisten. Deshalb hat sich X einer Männergruppe angeschlossen, die ihre Entsorgung als Väter bejammert. Eines Tages taucht Y, eine Genderistin auf, um mit zu jammern. Wie reagiert X? Geht er nicht mehr in seine Männergruppe, dann hat er auf Grundlage seines Vorurteils, dass er Genderisten hasst, eine Entscheidung getroffen, und zwar unabhängig von der konkreten Person Y. Aber niemand wird behaupten, dass X seine Entscheidung aufgrund eines unbewussten Vorurteils getroffen hat. X ist sich sehr bewusst darüber, dass er Genderisten hasst.

Es zeichnet übrigens Menschen aus, die Vorurteile zur Grundlage ihrer Handlungsentscheidungen machen, dass sie zum einen Individuen (oder konkrete Situationen) ignorieren und zum anderen ihre Entscheidungen auf Basis von Affekten treffen.

Unbewusste Vorurteile ist also Unsinn, der nur im Gehirn von Verwirrten entstehen kann.

Was den Unsinn zur (unbewusst) kalkulierten Verleumdung macht, ist, dass er Daniel Kahneman untergeschoben wird, um das „unbewusste Vorurteil“ in der Aura des Nobelpreisträgers zu suhlen.

So bezieht sich ein Manfred Wondrak, der auf der Seite „anti-bias“ allgegenwärtig ist, explizit auf Daniel Kahneman und erklärt, dieser habe zwischen zwei Denksystemen unterschieden, System 1 sei das Unbewusste und System 2 sei das Bewusste. Ersteres sei automatisch, schnell, intuitiv, Letzeres langsam und rational. Unbewusste Vorurteile würden in System 1 geformt. Sie seien ein „unbewusster Bias“, der aufgrund von Erfahrungen (sic!) entwickelt worden sei, Erfahrungen, die nicht anders als kulturell zentriert und entsprechend „rassistisch“ sein können, wie man anfügen kann.

Das setzt dem Unsinn die Krone auf.
Machen wir doch einmal einen Schnellkurs in Kahneman und Tversky. Beide haben sich jahrzehntelang mit der Frage beschäftigt, warum Handlungsentscheidungen, die Menschen treffen, von dem abweichen, was man als die in einer konkreten Situation rational richtige Entscheidung ansehen muss. In einer Vielzahl von sozialpsychologischen Experimenten haben die beiden gezeigt, dass die Annahmen, die in der neoklassischen Ökonomie über den homo oeconomicus gemacht werden, ein Idealtypus, den es in der realen Welt nicht gibt, so weit von der empirischen Realität abweichen, dass man sich fragen muss, ob es noch sinnvoll ist, diese Annahmen zu machen. Sodann haben Kahneman und Tversky untersucht, warum Entscheidungen von Akteuren nicht entsprechend den Annahmen einer objektiv-rationalen Handlungstheorie getroffen werden. Die Antwort auf diese Frage sind die berühmten Heuristics and Biases, die Kahneman und Tversky zusammengetragen haben, Shortcuts im Denken, die in konkreten Situationen zu falschen Entscheidungen führen können. Mit Vorurteilen oder Unbewusstem hat dies alles überhaupt nichts zu tun.

Zum Beispiel die Ankerheuristik:

Versuchspersonen, denen die folgende Reihe gezeigt wurde

1*2*3*4*5*6*7*8

und die das Ergebnis der Multiplikation schätzen sollten (40320) blieben deutlich unter diesem Ergebnis und schätzten es viel geringer ein als Versuchspersonen, denen die folgende Reihe gezeigt wurde:

8*7*6*5*4*3*2*1

Die Anker „1“ bzw. „8“ determinieren offensichtlich den Raum möglicher Schätzergebnisse.

Eine andere Heuristik ist die fehlerhafte Mustererkennung. Versuchspersonen, denen die folgenden Reihen als Ergebnis wiederholter Münzwürfe gezeigt wurden:

1. K(opf) K K K Z(ahl) Z Z Z
2. K Z Z Z Z Z Z Z
3. Z K Z K Z K Z K
4. K Z Z K K K Z K
5. Z Z K Z K Z K K
6. K Z K Z Z K K Z

hielten die Reihen 5 und 6 für wahrscheinlicher gehalten, obwohl alle sechs Reihen dieselbe Wahrscheinlichkeit haben.

Das soll als Beispiel dafür genügen, dass Kahneman und Tversky keine verkappten Psychoanalytiker sind, sondern Sozialpsychologen, die Fehler im Denken aufdecken wollen, die Akteure daran hindern, objektiv-richtige Entscheidungen zu treffen.

Mit unbewussten Vorurteilen hat dies überhaupt nichts zu tun und tatsächlich kommt der Begriff „unconscious bias“ in den Arbeiten von Kahneman und Tversky an keiner Stelle vor. Das kann er auch nicht. Denn im Gegensatz zu all denen, die mit unbewussten Vorurteilen hantieren, sind Kahneman und Tversky der Ansicht, dass Menschen rationale Akteure sind, deren Rationalität zuweilen durch geronnene Erfahrung und fehlerhafte Wahrnehmung ein Streich gespielt wird.

Das führt zurück zu den beiden kognitiven Systemen, von denen Wondrak und andere Diversitäts- und anti-Bias-Profiteure behaupten, Kahneman habe sie in ein Unbewusstes (System 1) und ein Bewusstes (System 2) unterschieden. Kahneman hat nichts dergleichen getan. Er und Tversky haben das folgende Modell der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung durch Akteure aufgestellt, in dem sich System 1 und 2 nicht dadurch entscheiden, dass die Prozesse bewusst bzw. unbewusst ablaufen, sondern in erster Linie durch die Geschwindigkeit und die Menge an Hirnschmalz, die investiert wird, um eine Handlungsentscheidung zu treffen. Denn Kahneman und Tversky geht es in ihrer Forschung darum, Handlungsentscheidungen zu erklären, nicht darum, anderen mit Anti-bias-Kursen Geld aus der Tasche zu ziehen.

Fehler im Denken sind für Kahneman und Tversky darauf zurückzuführen, dass System 2 seine Überwachungsfunktion über System 1 nicht korrekt ausführen kann.

„The judgements that people express, the actions they take, and the mistakes they commit depend on the monitoring and corrective functions of System 2, as well as on the impressions and tendencies generated in System 1“ (Kahneman 2003: 1467)

Die Wahrscheinlichkeit, eine falsche Handlungsentscheidung zu treffen, steigt entsprechend, wenn Handlungen unter Zeitdruck erfolgen, wenn ein Akteur mehrere Entscheidungen zur selben Zeit treffen soll oder abgelenkt wird usw. Mit Unterbewusstem hat dies abermals überhaupt nichts zu tun. Die Fähigkeit eines Akteurs, System 2 zum Einsatz zu bringen, ist wiederum eine Funktion seiner Intelligenz, seiner statistischen Kenntnisse, seines Bedürfnisses, Dinge auch wahrzunehmen usw.

Gefallene Kulturgüter stellen einst wertvolle und wichtige kulturelle Errungenschaften dar, die in den Hände von Dilettanten zur Travestie ihrer selbst geworden sind. Wissenschaftliche Konzepte und Ergebnisse sind kulturelle Errungenschaften. Sie teilen dieses Schicksal und in keinem Bereich sind Dilettanten und Scharlatane häufiger zu finden als im Bereich der sogenannten Diversität, einer Spielwiese der Genderista.

Literatur

Assmann, Aleida (2009). Introduction. In: Pelinka, Anton, Bischof, Karin & Stögner, Karin (eds.). Handbook of Prejudice. Amherst: Cambria Press, pp.1-34.

Kahneman, Daniel (2003). Maps of Bounded Rationality: Psychology for Behavioral Economics. American Economic Review 93(5): 1449-1475.

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Selbstbereicherung im Rekordtempo: Parteienfinanzierung

Ganze 10 Tage sind zwischen dem Gesetzentwurf vom 5. Juni 2018 und seiner Verabschiedung am 15. Juni 2018 vergangen.

Wenn es um Selbstbereicherung geht, dann werden die müden Gesellen von CDU/CSU und SPD, die ansonsten ihren trägen Körper nur höchst unwillig und selten in den Bundestag schleppen, munter: 371 von 399 Abgeordneten von CDU/CSU und SPD haben sich eingefunden, um den Bundestagsparteien 25 Extra-Steuermillionen pro Jahr zu genehmigen, weil die Bundestagsparteien wegen der Digitalisierung, wie es in der Begründung des Gesetzentwurfes heißt, jener Digitalisierung, die sie völlig überraschend und unvorbereitet getroffen haben muss und mit der nicht schon seit Ende der 1980er Jahre zu rechnen war, mehr Geld benötigen.

Wenn es darum geht, Gründe für Selbstbereicherung zu finden, dann ist den Abgeordneten von CDU/CSU und SPD kein Blödsinn dumm genug. Erst kommt das Fressen, dann die Moral, wie Bertold Brecht es formuliert hat.

Also fressen die Bundestagsparteien ab 2019 und dann jährlich 25 Millionen Steuereuros mehr als derzeit, und pro Jahr genehmigen sie sich noch einen Inflationsausgleich, so dass aus den 25 Millionen Euro mehr im Jahre 2019 2020 bereits 28,8 Millionen Steuereuro mehr geworden sein werden usw. Wir haben in einer Reihe von Beiträgen gezeigt, dass die Bundestagsparteien bereits jetzt im Geld, im Bargeld, im Grund- und Hausbesitz und im Anlagevermögen schwimmen (siehe rechts).

Die neuerliche Wohltat auf Kosten der Steuerzahler gleicht daher der Fütterung des Adipösen und der einzige Trost, der bleibt, den haben Monty Python in das unappetitliche Ende ihres Films „Der Sinn des Lebens“ gepackt. Letztlich führt Überfressen zum Platzen. Die Frage ist nur: Wie lange können Parteien noch Steuergelder fressen, ehe sie platzen?

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Je kompetenter / intelligenter die Lehrer, desto besser die Schüler [Forschungsergebnis]

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Was fast niemand außer ScienceFiles sich zu sagen getraut hat, das haben Eric A. Hanushek (Stanford University), Marc Piopiunik (ifo München) und Simon Wiederhold (Universität Eichstätt) nun in einer gut gemachten und umfangreichen Untersuchung gezeigt: Lehrer haben nicht alle die gleiche Qualifikation, die gleichen Kompetenzen. Es gibt gute, und es gibt schlechte Lehrer und es gilt: Je intelligenter, kompetenter, qualifizierter ein Lehrer ist, desto besser sind seine Schüler.

Welch‘ Überraschung.

Die Daten, die dieses Ergebnis ermöglichen, stammen aus PISA und PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies). An PISA und PIAAC hat Deutschland teilgenommen.

Noch eine Überraschung: ver.di hat nicht aufgepasst.

Vermutlich hat in Deutschland niemand auf der Rechnung gehabt, dass man unter den 215.000 befragten Erwachsenen, aus denen sich der internationale PIAAC-Datensatz konstituiert, diejenigen herausfischen kann, die Lehrer als ihren Beruf, vom Grundschul- bis zum Gymnasiallehrer in Deutschland, angeben. Und noch weniger haben die offiziellen Hüter des Bildungsmythos in Deutschland auf der Rechnung gehabt, dass man die Daten aus PISA und PIAAC auf Ebene von Ländern kombinieren und mit einander korrelieren kann.

Erstes Ergebnis: Lehrer in Deutschland haben in der Regel ein Bildungs- bzw. Kompetenzniveau in Mathematik und Lesen/Schreiben, das dem Niveau eines Bachelorabsolventen in Kanada entspricht.

Hanushek, Piopiunik & Wiederhold (2018)

Zweites Ergebnis: Es besteht ein (sehr) enger Zusammenhang zwischen dem Kompetenzniveau, das Schüler eines Landes in der PISA-Studie aufweisen, und dem Kompetenzniveau, das Lehrer desselben Landes aufweisen. Je höher die Kompetenzen der Lehrer, desto besser die PISA-Leistungen der Schüler.

Hanushek, Piopiunik & Wiederhold (2018)

Anders formuliert: Die Qualifikation und Kompetenz von Lehrern hat einen Effekt auf die Leistungen der Schüler: Je kompetenter die Lehrer, desto besser die Schüler.

Die Katze ist damit aus dem Sack, und man muss vermuten, dass die schlechten schulischen Leistungen, die es turnusmäßig aus Berlin oder Bremen zu berichten gibt, eine mittelbare Folge der Qualität und entsprechend der Kompetenzen der Lehrer sind, die an dortigen Schulen beschäftigt werden. Zwar weist nicht jeder schlechte Schüler auf einen schlechten Lehrer als Ursache hin (Fehlschluss der Bejahung des Konsequens), aber ein schlechter Lehrer ist regelmäßig die Ursache schlechter Schüler.

Die Qualität und die Kompetenzen von Lehrern wiederum sind in erster Linie ein Ergebnis von Entgelt und Arbeitsbedingungen, die Lehrern geboten werden. Schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen haben geringqualifizierte Lehrer zur Folge.

Damit kann festgestellt werden, dass der erste wissenschaftlich fundierte Beleg für den Zusammenhang zwischen den Kompetenzen von Lehrern und den Leistungen von Schülern erbracht worden ist. Wem die Bildung von Kindern am Herzen liegt, der muss auf Grundlage dieser Ergebnisse dafür sorgen, dass (1) die Anreize für kompetente Lehrer, den Lehrerberuf auch aufzunehmen, erhöht werden; (2) Wettbewerb zwischen Lehrern ermöglicht wird, so dass gute Lehrer auch die Möglichkeit haben, sich von schlechten Lehrern zu differenzieren. Schließlich muss sich (3) ihre überlegende Kompetenz auch in einer entsprechend höheren Bezahlung im Vergleich zu weniger kompetenten Lehrern niederschlagen. Sind erst einmal Strukturen geschaffen, die Wettbewerb zwischen Lehrern ermöglichen und ist eine gerechte Bezahlung anhand der Kompetenzen des Lehrers, wie sie sich u.a. in Schülerleistungen niederschlagen, geschaffen, dann werden schlechte oder geringqualifizierte Lehrer das Feld räumen, was letztlich eine Verbesserung der Leistungen von Schülern zur Folge haben wird.

Hanushek, Eric A., Piopiunik, Marc & Widerhold, Simon (2018). The Value of Smarter Teachers: International Evidence on Teacher Cognitive Skills and Student Performance.

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