Unsinn der Woche: Schutz vor der Verbraucher-Nanny-Zentrale

Staatliche Versuche, unter den Siegeln von Schutz und Fürsorge „die Bürger“ auch noch vom letzten Rest an Eigenverantwortung für ihr Leben zu entmündigen, sind weit verbreitet. Der Nanny-State, dessen Ziel darin besteht, ein menschliches Leben von der Wiege bis zur Bahre in Abhängigkeit von staatlichen Regulationen und Vorgaben zu gestalten, anders formuliert, dessen Ziel darin besteht, Entscheidungsfreiheit für Menschen zu beseitigen und Leben zu standardisieren, interveniert in alle Teile des privaten Lebens, nicht etwa weil er ein Freind der individuellen Freiheit wäre, nein, weil er seine Bürger umhegen, pflegen und vor allem vor sich selbst schützen will. Bürgern ist nicht zu trauen, entsprechend muss man sie zum richtigen Leben und den richtigen Entscheidungen führen und die Möglichkeiten zur Abweichung beseitigen – oder?.

Da Staaten nicht nur Arbeit- sondern auch Geldgeber sind, gibt es eine große Zahl von Institutionen, die staatliche Bestrebungen, Eigenverantwortung auszurotten und den Nanny-State zu implementieren, tatkräftig unterstützen. So auch die Verbraucherzentrale.

Die Verbraucherzentrale sieht ihre Aufgabe nicht etwa darin, Verbraucher vor staatlicher Gängelung zu schützen, sondern darin, auch noch den letzten Hort von Eigenverantwortung aufzuspüren und die staatliche Reglementierung dafür zu fordern. Dass die entsprechenden Forderungen nicht ohne eine stattliche Anzahl von Beschäftigungsverhältnissen, die dafür notwendig sind, auskommen, versteht sich von selbst. Aber, wo es um den Schutz der Bürger und die Beseitigung ihrer Eigenverantwortung geht, da ist kein Posten zu wenig und keine Schutz-Anstrengung zu billig.

Entsprechend beschäftigt die Verbraucherzentrale bereits eine Anzahl von Mitarbeitern, die im Internet surfen, um die dort lauernden Gefahren zu katalogisieren, vor ihnen zu warnen, den individuellen Internetsurfern die Verantwortung für ihr Tun abzunehmen und, fast hätte ich es vergessen, nach Regulationen und Regulierern (Stellen!) zu rufen. Damit dieser Ruf auch seine Wirkung nicht verfehlt, erfolgt er unter erschreckender Überschrift:

Gefährliche Lebensmittel im Internet,

so lautet die Überschrift einer Pressemeldung der Verbraucherzentrale, in der die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner aufgefordert wird, „die Zügel bei der Neuordnung der Lebensmittelüberwachung anzuziehen“, weil man überall, aber vor allem im Internet Kontrolldefizite finde. So seien viele der „online erhältlichen Nahrungsergänzungsmittel“ gesundheitsschädlich. (Man beachte, dass sich die gefährlichen Lebensmittel aus der Überschrift zwischenzeitlich in Nahrungsergänzungsmittel verwandelt haben.)

Bildquelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Dieses „erschreckende“ Ergebnis, nachdem viele online erhältliche Nahrungsergänzungsmittel gesundheitsschädlich sind, stammt aus der Prüfung von 70 Produkten durch die Verbraucherzentrale, 70 Produkte, die „schlank, fit und potent machen sollen“. (Die Lebensmittel aus der Überschrift, die zwischenzeitlich zu Nahrungsergänzungsmitteln mutiert sind, haben sich nunmehr in Fitness-, Schlankheits- und Potenzmittelchen transformiert!) „Jedes dritte exotische Power-, Potenz- und Schlankheitsmittel enthielt illegale und hochgradig gesundheitsschädliche Substanzen. Bei vier von fünf Präparaten fehlten die vorgeschriebenen Warnhinweise“.

Deutsche kauft nur deutsches Viagra, möchte man nun ausrufen, um die Gefahr für den deutschen Volkskörper, wie sie aus „exotischen“ und gesundheitsgefährdenden Mittelchen entspringt, zu bannen. Denn: nicht vom Brot allein lebt der deutsche Mensch, er braucht seine Nahrung ergänzende, seine Potenz steigernde kontrollierte Lebensmittel, aber natürlich nicht ohne Warnhinweis: „Der Gebrauch dieses Potenzmittels kann zu Unterhaltszahlungen führen“, oder: „Personen mit Bluthochdruck sollten dieses Präparat nur im Beisein eines Arztes oder qualifizierten Personals einnehmen“. Aber vor lauter Potenz will ich die Warnhinweise für Schlankheitsmittel nicht unterschlagen: „Abnehmen kann zum Tod führen“, scheint der angemessene Hinweis.

Nun stellt sich natürlich die Frage nach der Relevanz dessen, was uns die Verbraucherzentrale hier präsentiert. 70 Potenz- und Fitness-Präparate, scheinen kein besonders repräsentativer Querschnitt dessen zu sein, was im Internet angeboten wird. Sicherlich zu wenig, um eine Forderung nach mehr Überwachung und mehr Überwacherstellen aufzustellen. Das haben die Gesellen der Verbraucherzentrale auch gemerkt. Deshalb beharren sie darauf, dass Potenz-, Fitness- und Schlankheitsmittel Lebensmittel sind. Von Lebensmitteln zu Nahrungsmitteln ist es nicht weit und Nahrungsmittel kaufen Bundesbürger per Jahr in der Größenordnung von rund 170 Millionen Euro im Internet – wie man der Pressemitteilung entnehmen kann. Das trägt als Begründung für mehr Kontrolleure schon weiter und zeigt, warum es so wichtig ist, Potenzmittel als Nahrungsmittel zu klassifizieren.

Nun kann man die Besorgnis der Verbraucherzentrale um die Potenz der Bundesbürger vielleicht noch als Resultat des Geburtenrückgangs in Deutschland und die eigene Hingabe an staatliche Vorgaben erklären, was hingegen nicht erklärbar und nicht tolerabel ist, ist die Ansicht der Verbraucherzentralen-Potenzmittel-Wächter, sie hätten es bei ihrer Bevölkerung mit einem Haufen zur Eigenverantwortung unfähiger Deppen zu tun, denen man jede Entscheidungsfreiheit nehmen müsse. Vielleicht ist es an der Zeit zur Gegenwehr. Lasst und eine Organisation gründen (als e.V. zur steuerlich begünstigten Förderung der Selbstverantwortlichkeit der Bevölkerung), deren Zweck darin besteht, Bürger vor Institutionen zu schützen, die Bürger schützen wollen. Angesichts der Vielzahl bürgerschützender Institutionen denke ich, 1000 Institutionenkrontolleure, die wir als Freiheitskämpfer bezeichnen sollten, dürften für den Anfang genügen.

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