Olympische Winterspiele in Sotchi gefährdet – Viviane Reding sagt Teilnahme ab

Ein Tweet von Viviane Reding, Vizepräsident der EU und Kommissar für Justiz, sorgt heute für Aufsehen nicht nur in den Medien:

Für alle, die bislang noch nicht wussten, dass Viviane Reding überhaupt an den Olympischen Winterspielen teilnehmen will, kommt diese Meldung wie ein Schock, dachte man doch, Winterspiele seinen etwas für die Jugend und nichts für Menschen in der zweiten Lebenshälfte, von denen man eigentlich erhofft hat, dass sie sich auf ihr Altenteil vorbereiten.

Nun, da diese Bombe in der Öffentlichkeit eingeschlagen ist, schießen die Spekulationen ins Feld, und da wollen wir aus der ScienceFiles-Redaktion natürlich nicht nachstehen, Spekulationen über die wirklichen Beweggründe, die hinter Redings Absage stehen und natürlich stellt sich die Frage, in welcher Disziplin sie vorhatte, an den Start zu gehen.

Nach Lektüre der zur Auswahl stehenden Wettbewerbe haben wir die folgenden drei Disziplinen in die nähere Wahl derjenigen genommen, bei denen ein Start von Reding am wahrscheinlichsten gewesen wäre:

  • Skispringen von der Normalschanze, denn runter kommen sie immer;
  • Curling, wobei Reding vor allem mit dem Besen unterwegs wäre;
  • Rodeln, solange andere den Schlitten anschieben;

ski jumpWir müssen zugeben, dass wir es für unser Leben gerne gesehen hätten, wie Reding im Eiskanal verschwindet oder über die Schanze geht. Aber: Daraus wird nichts, und schuld daran ist Putin und seine Menschenrechte bzw. seine nicht ausreichenden Menschenrechte – so jedenfalls die offizielle Begründung.

Uns ist es jedoch gelungen, die wahren Gründe, die Reding davon abhalten, an den Olympischen Winterspielen in Sotchi teilzunehmen, herauszufinden.

Es sind derer drei:

  • Angeblich wurde Viviane Reding nahegelegt, von einer Teilnahme an den Winterspielen abzusehen. Die Konsumenten der Berichterstattung fallen, soweit sie sich im Geltungsbereich europäischen Rechts befinden, unter die Charter of Fundamental Rights, die ihnen als Konsumenten zusichert, dass das Produkt, das sie konsumieren, akzeptable Standards erreicht. Die Veranstalter der Winterspiele hatten – wie es aus inoffiziellen Quellen heißt, ihre Zweifel, ob eine Teilnahme von Reding noch einen akzeptablen Standard der Winterspiele darstellen würde.
  • Angeblich soll sich Reding geweigert haben, den Olympischen Eid für sich leisten zu lassen. Derzeit lautet der Eid wie folgt: „Im Namen aller Athleten verspreche ich, dass wir an den Olympischen Spielen teilnehmen und dabei die gültigen Regeln respektieren und befolgen und uns dabei einem Sport ohne Doping und ohne Drogen verpflichten, im wahren Geist der Sportlichkeit, für den Ruhm des Sports und die Ehre unserer Mannschaft.“ Sie selbst, so Reding, spreche im Namen der Europäischen Kommission, ja aller Europäer, entsprechend gehe es nicht, dass ein nicht legitimierter Eidleister für sie, die nicht legitimierte Kommissarin für Justiz, die schon für ganz Europa spreche, einen Eid ablege. Zudem seien Ruhm und Ehre überkommene und vor allem hegemonial männliche Konzepte, die nicht mehr zeitgemäß seien, wie Reding wisse und für alle Europäer erklären könne. Da die Veranstalter der Olympischen Winterspiele dem Vorschlag Redings, Ruhm und Ehre durch Fürsorge und Gefühl zu ersetzen, nicht nachkommen wollten, hat Reding ihre Teilnahme zurückgezogen.
  • Trotz erheblicher Lobbyarbeit und einem unermütlichen Kampf für Ergebnisgleichheit, ist es Reding nicht gelungen, eine Reding-Quote zu erreichen, die ihr einen Platz auf dem Treppchen garantiert hätte. Diese Menschenrechtsverletzung, also diese Verletzung des Rechts auf gleichen Erfolg und gleiche Medaillen, wollte Reding nicht hinnehmen.

cymruIn jedem Fall ist die Entscheidung von Reding zu begrüßen, spart sie doch den europäischen Steuerzahlern erhebliche Kosten, wie sie durch den Flug erster Klasse und Redings Unterbringung, eben nicht im Olympischen Dorf, sondern in einem Fünf-Sterne-Hotel entstanden wären, nicht zu sprechen von all den Spesen, die entsprechende Völlereien in den ersten Restaurants in Sotchi produziert hätten.

Da numehr eine vermutlich fünfstellige Summe an Euros brach liegt, bieten die Redaktionsmitglieder von ScienceFiles an, in Sotchi das Recht und die Gerechtigkeit der EU zu repräsentieren. Wir sind ebenso wenig legitimiert wie Viviane Reding, aber wir kennen den Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Gleichheit und haben Reding insofern etwas voraus… Außerdem bringen wir die Waliser Fahne mit, und da seit Jahrzehnten niemand bei Olympischen Winterspielen daran Anstoß genommen hat, dass kein Waliser eine Goldmedaille errungen, ja, überhaupt konkurriert hat, wird es Zeit, diese Diskriminierung und fehlende Diversität wett zu machen!

Print Friendly, PDF & Email

About Michael Klein
... concerned with and about science

12 Responses to Olympische Winterspiele in Sotchi gefährdet – Viviane Reding sagt Teilnahme ab

  1. Zante says:

    Reding weiss mehr als Ihr
    möglicherweise weiss Sie, dass ein Terroranschlag droht?????
    da sie so wertvoll für die Gemeinschaft ist, darf ihr natürlich nichts passieren, also bleibt sie zuhause

  2. Bergische Löwin says:

    Gute Idee, ich könnte mir so zwei Waliser sehr gut beim Eiskunstlauf vorstellen, als Kontrast zu russicher Perfektion, versteht sich:)

    Ob wir da bald auch Homopaare sehen werden? Nach Sotchi, meine ich natürlich…….
    Alles andere wäre doch wieder mal unerträglich diskriminierend, oder?

    Dass es überhaupt Unterschiede zwischen Staaten, Kulturen, ja, sogar den Geschlechtern gibt, ist sowieso grundsätzlich nicht mehr hinzunehmen.

  3. karstenmende says:

    Als ob jemals irgend ein Zuschauer auf die Anwesenheit einer EU-Funktionsperson geachtet hätte. Aber diese Absage hat immerhin klargestellt, dass diese von keinem Menschen legitimierten, undemokratischen und verschwenderischen Bürokraten sich normalerweise die Frechheit herausnehmen auf unsere Kosten derartige Veranstaltungen zu besuchen. Da internationale Sportveranstaltungen immer noch Wettkämpfe unter verschiedenen Nationen darstellen, muss die Frage erlaubt sein, welche Repräsentanz diese EU-Schranze in Sotchi überhaupt stellen wollte, wenn sie denn anreisen würde. Bei Herrn Gauck ist diese Frage jedenfalls relativ eindeutig zu beantworten. Daher hat seine Absage eine gewisse Relevanz. Aber selbst bei ihm fällt mir nur eine einzige Frage dazu ein: “So what?”

  4. dentix07 says:

    Ich bezweifle die oben angegebenen Gründe! Vielmehr nehme ich an, Vivi konnte/wollte sich die Chance die Frauenquote der “Sotchi-Boykotteure in gehobener Position” (fast so was wie Aufsichtsräte!?) auf 50% (die anderen 50% stellt der Mann Gauck!) nicht entgehen lassen! 🙂

    Oder war es vielleicht doch die Enttäuschung darüber, daß Sie in Sotchi nichts zu sagen hat und niemand eine Frauenquote für Besucher und/oder Teilnehmer auch nur erwägt!?

    Wie dem auch sei, mit Frauenquote hat es bestimmt zu tun! 🙂

  5. Sven says:

    Diese EU-Frau ist unwichtig. Wahrscheinlich hat sie das noch nicht begriffen. Und wenn Herr Gauck auf Grund von Menschenrechtsverletzungen der Russen nicht fährt, dann muss man ihn fragen, was er vom Fall “Horst Arnold” und “Gustl Mollath” im eigenenen Lande hält und ob er die zivilen Opfer amerikanischer Drohnenangriffe auch kritisiert. Sicher nicht.

  6. qed says:

    Ob ein Sack Reis in China umfällt
    oder solche Schimären des Zeitgeistes wie der Polit- Pharisäer, Evangelenpfaffe und Rechtsbrecher Gauck und seine Muse, die stalinistische Politkommissarin Dingens sich dort nicht wieder vor den Kameras drängeln, ist eher egal, jedoch eigentlich zu begrüßen.
    Zu solchen Schießbudenfiguren hat PPQ alles gesagt:

    http://www.politplatschquatsch.com/2013/12/gauck-tritt-nicht-beim-skifliegen-an.html

    http://www.politplatschquatsch.com/2013/12/olympia-boykott-gewinnt-breite.html

    Wir sollten allerdings bedenken, daß derlei welkes Fleisch mit seinen fauligen Bregen unsere Geschicke dominiert.

    Oh Herr, setze endlich ein Zeichen und laß Blitze herniederfahren!

  7. Lockez says:

    “Olympische Winterspiele in Sotchi gefährdet – Viviane Reding sagt Teilnahme ab”

    Boah, und Herr Gerd Spechterbrink aus Klein Mumpitz hat seine Teilnahme am Politschranzenspringen auch abgesagt !

  8. Hosea says:

    Bin jetzt schon gespannt wer alles die Fußball-WM in Katar boykottiert.

    Sicher auch wird Volker Beck die Gay Pride Parade in Dohar anführen und Pussy al Islami für den europäischen Menschenrechtspreis nominiert.

    Ich freu mich drauf..

  9. Pingback: Gauck, Roth und die Meinungsfreiheit « FemokratieBlog

  10. Martin says:

    Zielscheibe beim Biathlon wäre auch eine schöne Teilnahmemöglichkeit für Frau Reding. 🙂

Translate »
error: Content is protected !!
Skip to toolbar