Wer denkt, dass es sich bei diesem Beitrag um eine Satire handelt, der irrt. Wir tauchen heute ein, in die Welt derjenigen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, andere mit Gesundheitstipps zu stalken, deren Essgewohnheiten genau zu untersuchen und dabei regelmäßig das Ziel zu verfolgen, die entsprechenden Essgewohnheiten zu problematisieren, damit man daraus einen Gewinn schlagen kann, z.B. durch das Loseisen von Steuergeldern für die Behandlung der gerade entdeckten oder erfundenen Störung, z.B. durch das Anbieten von Therapien für die neuentdeckten gestörten Esser.
In der Liste der gestörten Esser finden sich, mit abnehmendem Gewicht zunächst die Adipösen, also diejenigen, deren Umfang im Vergleich zu ihrer Höhe heraussteht, es folgen die ungesunden Esser, die zu viel Zucker, zu viel Fett, zu viel Protein, zu viel Koffein, zu viel, was auch immer, eben zu viel essen (oder zuweilen auch trinken) und die Reihe wird von denjenigen beendet, die zu wenig essen oder zu wenig von dem Gegessenen bei sich behalten, als Schlankheitsmaßnahme in Form von Anorexia Nervosa oder Bulimie.
Und Fördermittel sind dann auch immer wieder der Ausgangspunkt, der zur Entdeckung einer neuen Störung führt, für die man dann wiederum neue Fördermittel beantragen kann oder bereitstellen muss, ein perpetuum mobile des Nutznießens.
Nehmen wir z.B. die Europäische Union, bei der man entdeckt hat, dass nicht nur der Konsum von Milch, sondern auch der von Obst unter Kindern zurückgeht. Wie man zu dieser Entdeckung gelangt ist, welche Rolle die Europäischen Milchseen und Obstberge spielen, die die EU-Kommission mit hohen Subventionen produzieren lässt, ist bislang nicht geklärt, aber geklärt ist, dass die EU-Kommission etwas gegen den zurückgehenden Konsum von Obst und Milch unter Kindern tun muss.
Letzteres sagt Dacian Ciolos, den man dazu angeleitet hat, bei der EU-Kommission eine Zuständigkeit für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung vorzutäuschen. Nein, wir wollen jetzt nicht die Frage stellen, was die EU-Kommission dazu legitimiert, sich in die Ernährungsgewohnheiten von Kindern einzumischen und Vorgaben über „gesundes Essen“ zu machen. Und wir wollen auch nicht fragen, was wohl die wichtigen Herausforderungen sind, denen sich Gesellschaften gegenübersehen und die man mit dem Konsum von Milch und Obst bei Schulkindern meistern kann. Nehmen wir diese Äußerungen des EU-Kommissars als das, was sie sind, Äußerungen, die mit keinerlei Inhalt geschlagen sind.
Stattdessen wollen wir auf die Gefahren und Möglichkeiten hinweisen, die sich mit den „Schemes“ der EU-Kommission verbinden: Die Hauptgefahr heißt „Orthorexia Nervosa“. Sie wurde bereits 1997 erfunden oder gefunden. Die Möglichkeit, die sich daraus ergibt, lautet: Förderung von Aufklärungskursen und von Therapien für Orthorexia Nervosa.
Was ist Orthorexia Nervosa?
Und es wird noch besser, wenn man die Beschreibung dieser „Obsession“ oder Besessenheit genauer liest. Es beginnt damit, dass Menschen, die sich gesund ernähren wollen, z.B. in der Weise, wie die EU-Kommission das empfiehlt und wie es Politiker auf ihrem Kreuzzug gegen das Übergewicht und deren Hauptverursacher nahe legen, Fett und Zucker aus ihrer Diät streichen. Sie verzichten also auf Schokoriegel, Zucker und Fett in allen Formen und erreichen damit, dass die Nährstoffe, die in „gesunden Nahrungsmitteln“ enthalten sind, nicht mehr aus denselben und aufgrund des Fehlens von z.B. Fett herausgelöst werden können. (Fett ist z.B. notwendig, um fettlösliche Nährstoffe aufnehmen zu können).
Wenn sich dann die ersten Anzeichen einer Mangelernährung einstellen, dann würde man normalerweise erwarten, dass die davon Betroffenen ihre „Obsession“ mit gesunder oder „reiner“ Nahrung aufgeben und sich wieder einer gesunden, weil abwechslungsreichen Ernährung zuwenden. Nicht so bei Orthorexia Nervosa. Hier regiert die Besessenheit, ähnlich wie dies bei Staatsfeministen der Fall ist. Ersterer Opfer sehen nicht ein, dass eine Ernährung nur mit vermeintlich gesunden Nahrungsmitteln ungesund ist und ignorieren die entsprechenden Warnsignale, die ihnen ihr Körper in ausreichender Menge sendet. Letztere sehen nicht ein, dass nicht jeder im gleichen Maße von Geschlecht besessen ist wie sie und ignorieren alle Meldungen, die die Realität ihnen entsprechend sendet.
Dies zeigt, die Behandlungs- bzw. Therapierungs-Industrie ist bereits angelaufen. Der Gang der Dinge wird Orthorexia über kurz oder lang in den DSM aufgenommen und unter die Essstörungen eingeordnet sehen. Dies ist der Startschuss für deutsche Rentseeker, sich auf den Zug zu schwingen und die Heilfahrt mitzumachen, deren Passagiere aus Leuten besteht, die vor lauter gesunder Nahrung krank werden, angeblich. Der nächste Schritt wird die EU-Kommission und andere, der Gesundheit zumindest verbal verpflichtete Institutionen Fördergelder für die Untersuchung der als neue Volkskrankheit vor allem unter türkischen Performanzkünstlern diagnostizierten Krankheit bereitstellen sehen, die wiederum genutzt werden, um den Krankheitsstatus der Orthorexia für Europa zu zementieren, was dazu führen wird, dass entsprechende Behandlungen und Therapien durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen getragen werden.
