Wenn Bildung zur Freiheitsberaubung wird: Eugenik des Nachhaltigen Menschen

BNE ist gut.
BNE ist wichtig.
BNE muss man kennen.
BNE wird schon in der frühkindlichen Bildung verankert.
BNE ist die neustes Form der frühkindlichen Freiheitsberaubung.
BNE steht natürlich für Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Die Bundesregierung hat gerade ihre Stellungnahme zum nationalen Aktionsplan für nachhaltige Entwicklung vorgelegt. Der Aktionsplan ist im Wesentlichen eine Aufstellung darüber, wie Mensch zu leben hat. Er ist voller Ziele (130 davon), Maßnahmen (349 davon) , Absichtsbekundungen (Unmengen), die es erfordern, „ein Strategiepapier zu entwickeln“, „Fachveranstaltungen durchzuführen“, „Arbeitsgruppen einzusetzen“ und noch viel mehr zu veranstalten, was dem akademischen Präkariat, dessen Studium auf dem Freien Markt nicht nachgefragt wird, Lohn und Brot verschafft.

Im Gegenzug arbeitet das akademische Prekariat am neuen Menschen, wie er den Regierenden und der UN vorschweb. Der Aktionsplan für nachhaltige Entwicklung geht zu diesem Zweck alle Stationen durch, zu denen der Staat Zugriff auf die Bildungsanstrengungen von Individuen hat. Er reicht von der frühkindlichen Bildung über die schulische Bildung, die berufliche Bildung, bis zu Hochschulen, erfasst auch das non-formale „informelle Lernen“ und Kommunen. Das Prokrustesbett für den modernen Menschen, die Art und Weise, wie er zu leben hat, es nimmt Gestalt an, nachhaltige Gestalt.

Z.B. in der frühkindlichen Entwicklung:

„Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Kindertageseinrichtungen umzusetzen bedeutet, Kindern im Alter von null [!sic] bis sechs Jahren die Möglichkeit zu bieten, sich spielerisch mit zukunftsrelevanten Themen und Fragestellungen zu beschäftigen, ihnen den Raum zu geben, selbst Verantwortung zu übernehmen und ihr unmittelbares Lebensumfeld im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung mitzugestalten. Die konkreten Alltagserfahrungen, Bedürfnisse und Interessen der Kinder stellen hierbei primäre Bezugs- und Ansatzpunkte für die Bearbeitung und das Aufgreifen der vielfältigen Themen einer nachhaltigen Entwicklung dar (wie zum Beispiel Wasser, Ernährung, Energie, Gerechtigkeit). Abwechslungsreiche Lernzugänge und offene Lernarrangements wie Morgenkreise, Projektarbeit, Experimentieren, Philosophieren [mit Kindern von 0 bis 6 Jahren], Freispiel und viele andere Angebote prägen den Alltag in den Einrichtungen und bieten Gelegenheiten, nachhaltige Entwicklung erlebbar zu machen“ (11).

Haben Sie schon bemerkt, dass immer dann, wenn es darum geht, Kindern jede Möglichkeit, etwas Eigenes zu entdecken und etwas zu machen, an das kein Erwachsener bis dahin gedacht hat, zu nehmen, davon die Rede ist, dass man den Kindern „Möglichkeiten bieten wolle“. Diese Form des Angebots von Möglichkeiten erinnert doch stark an die Möglichkeit von Strafgefangenen zwischen 11 und 12 Uhr auf dem Hof der Haftanstalt zu tun und zu lassen, was innerhalb von Mauern und Stacheldraht möglich ist. Deutsche Schulen und nicht nur deutsche Schulen, denn treibende Kraft hinter der beabsichtigten perfiden Form von Freiheitsberaubung, die Kindern und Jugendlichen jede Möglichkeit nehmen will, sich autonom und ohne Richtungsvorgabe zu entwickeln, ist die UN, federführend die UNESCO, ähneln immer mehr Haftanstalten. Vielleicht treten die USA ja auch aus der UN aus?

Weil es nicht reicht, Kinder von 0 bis 6 Jahren damit zu penetrieren, dass für die Herstellung eines t-Shirts viel Wasser benötigt wird, wird die kontinuierliche Indoktrination, die Dauerberieselung mit dem, was Gutmenschen für gut halten, auch in der Schule vorgesetzt:

„Wenn es darum geht, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erfolgreich im Bildungswesen zu verankern, kommt der schulischen Bildung durch ihren prägenden Einfluss auf individuelle Bildungsbiografien eine besondere Bedeutung zu. BNE stellt dabei die handelnden Akteure im schulischen Bereich vor die Herausforderung, das orientierende Bildungskonzept BNE auf den unterschiedlichen Handlungsebenen (z.B. Bildungsverwaltung, Hochschule/Seminare, Schule) sinnvoll und vor allem wirksam zu verankern. Dabei gilt es, die wesentlichen Handlungsbereiche für diese Integration stärker in den Blick zu nehmen. Aus Sicht des Fachforums Schule wurden für den Bereich der schulischen Bildung zentrale Handlungsfelder, prioritäre Ziele und geeignete Maßnahmen formuliert, die eine zielgerichtete Implementierung von BNE im schulischen Bereich ermöglichen können. Hierbei geht es insbesondere darum, das Konzept der nachhaltigen Entwicklung als selbstverständliche Aufgabe der Bildungsverwaltung und des Bildungswesens zu verstehen, BNE in der Lehr- und (pädagogischen) Fachkräftebildung zu integrieren und strukturell in den Lehr- und Bildungsplänen sowie am Lernort und im Sozialraum Schule zu verankern und dabei die Partizipation von Kindern, Jugendlichen und Zivilgesellschaft als (Mit-)Gestaltungsinstrument sinnvoll zu berücksichtigen. Die hier formulierten Ziele gelten in gleichem Maße für allgemein- und berufsbildende Schulen” (23).

Kein Schüler, kein Lehrer, keine Schule, kein Lehrplan, nichts, was mit Bildung auch nur entfernt in Zusammenhang steht, wird von BNE verschont. Es gibt eine einzige, richtige Art zu leben und jeder Schüler hat die Freiheit, diese richtige Art zu leben. Wer sich dem BNE-Heil in der Schule verweigert, der wird an der Hochschule, in der beruflichen Bildung, in der Weiterbildung, in der Kommune weiter verfolgt, mit BNE und der richtigen Art selig zu werden.

Einst lebte man in Monarchien, die aus heutiger Sicht als rückwärtsgewandt bezeichnet werden, und durfte nach seiner Fasson selig werden. Heute lebt man angeblich in einer Demokratie und hat genau eine Wahl, mit BNE selig zu werden. Die Freiheitsberaubung durch Gutmenschen geht weiter und sie setzt wie gewöhnlich bei denen an, die sich am wenigsten wehren können, bei „0 bis 6 jährigen Kindern“, bei Schülern und Jugendlichen. Die können zwar in immer größerer Zahl weder lesen noch schreiben noch rechnen, aber das brauchen sie auch nicht. Zu viel Wissen ist hinderlich, wenn die Vorgabe für das richtige Leben darin besteht, mit BNE selig zu werden.

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Osterburg ist wie Pyongyang: Gutmenschen missbrauchen Schüler

Wenn in Nordkorea ein Staatsakt ansteht oder eine Feierlichkeit durchgeführt werden soll, dann werden Kinder, Schüler, Jugendliche in Uniformen gesteckt, dürfen Gedichte zu Ehren von Kim Jong-un aufsagen, Theaterspiele über den Befreiungskampf der Nordkoreanischen Arbeiterklasse darbieten oder sich in Wehrertüchtigung auf den Endkampf gegen die USA vorbereiten.

Man blickt nach Nordkorea und ist erschreckt darüber, wie ein System seine Kinder indoktriniert, ihnen ihren freien Willen, ihre Fähigkeit, frei zu handeln, abtrainiert oder doch zumindest so kaserniert, dass sie sich nicht trauen, beides zu demonstrieren und man spricht von Unfreiheit, von einem Übergriff, von einer Manipulation, davon, dass ein totalitäres Regime die Freiheit seiner Bürger von Kindesbeinen an im Keim erstickt. Naja, die meisten sehen es so – bis auf ein paar ewiggestrige Linke.

Szenenwechsel.

Osterburg.

Marktgraf-Albrecht-Gymnasium
Die Allgemeine Zeitung berichtet:

„Gelungene Aktion gegen Rechts am Marktgraf-Albrecht-Gymnasium in Osterburg. Die Schule, seit drei Jahren Trägerin des Titels ‚Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage‘, setzte ein Zeichen gegen das Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl vor knapp einer Woche.“

Und weiter:

„Die Schüler [alle 700 Schüler des Gymnasiums] waren gestern aufgefordert, sich so bunt wie möglich zu kleiden. Das sollte die Vielfalt, das Bunte und auch die Offenheit des Gymnasiums symbolisieren.“

Wem dieser Unsinn noch nicht reicht, für den haben wir noch einen Schulleiter, von dem zu befürchten steht, dass er auch im Dritten Reich erfolgreich dabei gewesen wäre, seine Schüler auf Linie zu bringen:

„Oberstufenkoordinator Alexander Dankert: ‚Ihr Schüler und wir Lehrer sind eine Schulgemeinschaft ohne Rassismus und mit couragiertem Handeln‘ rief er den Schülern zu. … Das Wahlergebnis des vergangenen Wochenendes erfordere ein Zeichen gegen Ausgrenzung, gegen Rassismus und Extremismus. ‚Wir sind weltoffen und praktizieren an unserer Schule Akzeptanz und Toleranz‘, so Dankert.“

Die Akzeptanz und die Toleranz, die am Marktgraf-Albrecht Gymnasium in Osterburg praktiziert wird, ist eine bedingte Akzeptanz, die sich nicht auf die 16% Osterburger Wähler erstreckt, die bei der Bundestagswahl in Osterburg ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben. Diese 16% haben am Marktgraf-Albrecht Gymnasium ebenso wenig Toleranz zu erwarten, wie die Kinder unter den Schülern, deren Eltern die AfD gewählt haben, Kinder, die es mit Sicherheit gibt. Sie, die nicht akzeptierten und nicht tolerierten, denen gegenüber die Courage nicht ausreicht, um neben Aufmärschen und kollektiven Aktionen auch ein Gespräch zu führen, sie haben nichts Gutes am Gymnasium, das so tolerant ist, dass es Rassismus nur gegen die richtet, die die falsche politische Ideologie vertreten, zu erwarten.

Die Aktion am Osterburger Gymnasium hätte auch in Nordkorea stattfinden können, denn auch in Nordkorea sind die Lehrer angehalten, schädliche Gedanken, alternative, am Ende noch innovative Gedanken, die am Status Quo des Systems, das für sakrosankt und über jede Kritik erhaben erklärt wird, auszumerzen bzw. im Keim zu ersticken. Alexander Dankert wäre auch in Nordkorea gut aufgehoben und könnte sich mit noch größerer Berechtigung auf der Seite der Mehrheit, die auch die Seite der Guten sein muss, wähnen. Zudem wäre in Nordkorea auch ein Irrtum folgenlos, da die Übergriffe auf Schüler, deren Manipulation und Indoktrination durch das Regime nicht nur gedeckt, sondern auch gewünscht sind.

Ob dies in Deutschland auch so ist, muss sich erst noch herausstellen. Ob es z.B. am Osterburger Gymnasium Eltern gibt, die die Indoktrination ihrer Kinder, deren Instrumentalisierung durch einen Gut-Lehrer, deren Standardisierung und den Raub ihrer Handlungs- und Meinungsfreiheit opponieren und es sich verbieten, dass staatliche Bildungseinrichtungen, die zur politischen Neutralität verpflichtet sind, für die Parteizwecke derer, die hinter der Aktion „Schule gegen Rassismus“ stehen, missbraucht werden. Es gibt noch Hoffnung, dass das ein oder andere Elternteil Rückgrat bei sich entdeckt.

Bei der Suche, die dieser Entdeckung notwendig vorausgeht, mag es behilflich sein festzustellen, dass die Aktion am Osterburger Gymnasium nicht nur gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstößt, die im Grundgesetz formuliert ist, sie ist auch ein eklatanter Verstoß gegen das Neutralitätsgebot von Schulen, das eingerichtet wurde, um die Indoktrination von Schülern, wie sie in Nordkorea praktiziert wird bzw. im Dritten Reich in Deutschland praktiziert wurde, zu verhindern.

Lehrer wie Alexander Dankert, die sich als gut profilieren und Schüler dazu missbrauchen wollen, bekämpfen entsprechend das, was sie zu schützen vorgeben: Die Demokratie. Bleibt zu hoffen, dass Dankert Sportlehrer ist. Da kann er nicht noch mehr Schaden anrichten.

Das Gymnasium in Osterburg ist übrigens nach Marktgraf Albrecht dem Bären benannt, ein wichtiger der Teilnehmer des Wendenkreuzzugs von 1147 war. Kreuzzüge sind eine Form des religiösen Genozids, bei der es darum geht, Ungläubige, in diesem Fall Slawen, zu vertreiben oder zu töten oder zu versklaven. Die entsprechende Tätigkeit setzt eine Überzeugung über die heilige Berechtigung der eigenen Handlungen, die darin bestehen, Dritte mit Krieg, Verwüstung und Tod zu überziehen, voraus. Insofern ist das Gymnasium in Osterburg vermutlich korrekt benannt.

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Deutscher Irrsinn 2017: Der Glockenklang der Nazis

In den Wissenschaften, die sich mit den Ergebnissen einer menschlichen Gehirntätigkeit auseinandersetzen, wird der Strich zwischen der Normalität und der Abnormalität von Verhaltensweisen oder von Wahrnehmungen in der Regel da gezogen, wo Verhalten oder Wahrnehmungen nicht mehr rational nachvollziehbar sind. Wenn jemand überall Aliens, Geister oder CIA-Agenten sieht, dann ist dies für den Fall, dass niemand sonst die behaupteten Aliens, Geister oder CIA-Agenten sieht, bedenklich. Wenn jemand, weil er und nur er, Aliens, Geister oder CIA-Agenten sieht, der Ansicht ist, er müssen sich ständig unter Tischen verstecken und könne sein Wohnzimmer nicht mehr verlassen, dann ist das nicht nur bedenklich, sondern sehr bedenklich. Und er dann, unter seinem Tisch einen Computer aufbaut und Nachrichten in die Welt sendet, in denen er vor Aliens, Geistern oder CIA-Agenten warnt, die allgegenwärtig und derzeit dabei sind, die Welt zu übernehmen, dann ist es nicht nur sehr bedenklich, dann liegt eine geistige Krankheit vor, die man behandeln muss.

Da denkt man jahrelang, die Pfalz sei eine der Regionen in Deutschland, die von Irrsinn, Hysterie und Gutmenschen verschont geblieben sind, und jetzt das: In Herxheim am Berg gibt es Hysteriker, die sich einbilden, man könne einer Kirchenglocke anhören, was aufgedruckt ist, auf die Glocke.

Seit 1934 läutet in Herxheim am Berg eine Glocke. Jahrzehnte lang gab es nichts zu beanstanden. Weder der Klang noch die Lautstärke der Glocke gaben Anlass zu Klagen. Dann sickerte etwas durch, sickerte quasi aus der Höhe des Glockenturms in die Niederungen, die menschlichen Niederungen des Ortes.

Die Glocke ist keine normale Glocke.
Die Glocke ist eine Glocke des Teufels.
Die Glocke ist eine Nazi-Glocke.
Die Glocke ist eine Hitler-Glocke.
Die Glocke trägt die Aufschrift „Alles fuer’s Vaterland – Adolf Hitler“.
Und ein Hakenkreuz.
Die Aufschrift oder das Hakenkreuz sieht zwar niemand bzw. es sehen sie nur wenige.
Aber seit Aufschrift und Aufdruck bekannt sind, häufen sich die Klagen über die Nazi-Glocke.

Menschen, die Jahrzehntelang nicht gehört haben, dass die Glocke eine Nazi-Glocke ist, die behaupten, sie hörten es jetzt. Sie hörten jetzt, dass eine rechte Glocke im Glockenturm hängt, eine, auf der sich ein Hakenkreuz befindet, eine, die nach Hakenkreuz klingt:

Das interessante an dieser Form der Hysterie ist, dass man sie gar nicht als Hysterie fassen muss. Man kann sie auch als Opportunismus fassen, als Opportunismus, der an Glocken ausgelebt wird. Dazu benötigt man nur eine Person, die allen anderen zeigen will, dass sie eine politisch-korrekte und gute Person ist. Im Dritten Reich hat man das dadurch gezeigt, dass man andere denunziert hat oder die Läden von Juden geplündert hat, heute macht man das anders. Heute zeigt man, dass man auf der richtigen Seite steht, in dem man sich einbildet, man hörte es einer Glocke an, welcher Aufdruck und welche Aufschrift sich darauf befindet. Virtue Signalling nennt dies James Bartholomew. Virtue Signalling hat bereits Charles Dickens beschrieben, und zwar in der Person von Mrs. Jellyby, der Dickens eine telescopic philantropy attestiert. Voller Sorge darüber, einem afrikanischen Stamm (damals musste man seine Gutheit dadurch zur Schau stellen, dass man sich um vermeintlich benachteiligte Menschen in Afrika kümmert oder sich zu kümmern vorgibt) Gutes in Form von Pamphleten und Aufrufen zu tun, schadet sie all denen in ihrer direkten Umgebung. Charles Dickens hat den Busybody, den Do-Gooder vorgezeichnet.

Für die Glocken-Kritiker, die im Klang die Aufschrift mithören, folgt daraus: Sie ergreifen die Gelegenheit beim Schopfe und versuchen, sich als gut und korrekt und voller virtue zu inszenieren.

Die Erklärung durch Hysterie ist nicht weniger „bleak“. Bildet man sich erst ein, dass man einer Glocke die Aufschrift anhört, dann folgen daraus eine ganze Reihe weiterer Einbildungen, von den Nazis, die durch den Glockenklang aus ihrem tausendjährigen Schlaf geweckt werden, bis zum bösen Ohmen, das die Glocke für Hochzeiten darstellt (Wie ist eigentlich die Scheidungsquote in Herxheim am Berg?). Eine derartige Vorstellung vom verderblichen Einfluss des Nazi-Klangs, den sie jahrelang nicht als solchen erkannt haben, scheint diejenigen zu treiben, die sich einem Bericht der Rheinpfalz zur Folge darüber ärgern, dass man unter der Nazi-Glocke gar Ehen schließen könne.

Rationalität und Vernunft haben es derzeit in Deutschland sehr schwer, fasst dass es den Anschein hat, als wären beide aus Deutschland weggelaufen, denn etwas Besseres als Irrationale, die nach Jahrzehnten etwas hören wollen, was sie jahrzehntelang nicht gehört haben, findet man überall.

Die Glocke wird übrigens abgeschaltet.
Bevor sich der Volkszorn gegen die Glocke und diejenigen, die sie, die aus Bronze gegossen nichts dafür kann, welchen Aufdruck und welche Aufschrift man ihr verpasst hat, verteidigen, richtet, hat man die Glocke zum Verstummen gebracht. Es hat übrigens noch nie etwas genutzt, Irrationalität, Unvernunft und Wahnsinn zu hofieren, ihnen gefügig zu sein. Damit erreicht man nur mehr Unvernunft, Wahnsinn und Irrationalität. Man kann sie schon sehen, die guten Menschen, die Kirchtürme erklimmen, die sie Jahrzehnte mit Ignoranz gestraft haben, die aber nun versprechen, etwas ganz Besonderes zum Vorschein zu bringen: Eine Nazi-Glocke, dies höchste Gutmenschenglück auf Erden, an dem man demonstrieren kann, was man doch für ein toller Mensch ist, einer, der die Welt verändert, einer, der Glocken zum Verstummen bringt.

Die Nationalsozialisten haben übrigens auch Wasserrohre verlegt. Es steht zu befürchten, dass Deutsche, vor allem Deutsche in Städten, auf einem wahren Labyrinth nationalsozialistischer Embleme und Widmungen leben, täglich darauf laufen, darauf fahren, daraus trinken… Na, wem schmeckt sein Wasser nicht mehr? Wasser, das durch nationalsozialistische Rohre geleitet wurde, schmeckt nämlich anders – oder?

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Nazis im Kindergarten: Amoklauf von Gutmenschen

Aus dem Bericht zu einer angeblichen „Fachtagung ‚Rechtspopulismus in der Kita? Umgang mit Rassismus und Diskriminierung.“

Wir sind zwar der Meinung, dass Menschen, die bereits in der Benennung von Fachtagungen infantile Sprache benutzen, nicht ernst zu nehmen sind, aber bei uns hat jeder eine Chance, deshalb haben wir den Bericht zur vermeintlichen Fachtagung gelesen:

„KOBLENZ/MAINZ. Kein Kind wird mit Vorurteilen geboren. Aber wie gehen Erzieherinnen und Erzieher in einer Kindertagesstätte beispielsweise damit um, wenn ein Kind plötzlich Hakenkreuze in seinen Bildern malt? Wenn Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder Umgang mit geflüchteten Kindern haben? Die Ursachen und Motive, aber auch konkrete Fälle von Rechtspopulismus, Rassismus und Diskriminierung in Kindertagesstätten standen im Zentrum der Fachtagung „Rechtspopulismus in der Kita?“

Vermutlich müsste man es bewundern, dass es gelungen ist, eine Fachtagung an Lifeboat-Beispielen aufzuziehen, also an der Vermutung, dass etwas, das man sich gerade vorstellt, in der Realität irgendwo zu finden ist. Kinder, die im Alter von drei bis sechs Jahren Hakenkreuze in ihre Bilder malen, sind in jedem Fall normaler als die Erwachsenen, die das kindliche Hakenkreuz zu einer frühkindlichen Bejahung des Holocaust aufbauschen und auf diese Weise die entsprechenden Kinder, sofern es sie überhaupt gibt, woran wir unsere Zweifel haben, in der Weise stereotypisieren, die in der Sozialpsychologie als bedenklich angesehen wird. Aber dazu kommen wir noch.

100 Personen haben sich zu dieser angeblichen Fachtagung getroffen und dazu den Campus der Hochschule Koblenz benutzt. Bezahlt hat das rheinland-pfälzische Ministerium für Bildung diese angebliche Fachtagung, das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung hat noch ein paar Steuereuro draufgelegt und das Institut für Lehrerfortbildung dafür gesorgt, dass die Indoktrination auch die richtige Zielgruppe erreicht.

100 Hanseln finden sich also ein, um über die Phantasie, es gebe im Pfälzer Hinterwald einen Kindergarten, in dem ein vierjährigens Kind gesichtet wurde, das etwas in eine Zeichnung gemalt hat, das von hysterischen Kindergärtnerinnen als Hakenkreuz interpretiert wurde., zu tagen. Nicht zu vergessen die Eltern, die den Umgang ihrer Kinder mit Flüchtlingskindern nicht gerne sehen. Eine weitere Episode der Stereotypisierung, die von hysterischen Kindergärtnerinnen und Besuchern einer angeblichen Fachtagung in Koblenz durchgeführt wird.

Da Kinder ja, wie zumindest in der Einleitung geschrieben wird, nicht mit Vorurteilen auf die Welt kommen, soll es das Hakenkreuz, das eine eifrige Kindergärtnerin in einem ansonsten kaum erkennbaren Gewirr von Strichen, wie es Vierjährige nun einmal zu Stande bringen, erkannt haben will, rechtfertigen, die Eltern des entsprechenden Kindes unter Generalverdacht zu stellen. So macht man aus einer Kinderzeichnung einen Verdachtsfall, der sich zu einer sozialen Isolierung und Stereotypisierung von Kind und Eltern entwickeln kann und letztlich nur einen positiven Effekt haben wird, die Phantasten, die eine Kinderzeichnung zum Beitrag im Stürmer stilisieren wollen, fühlen sich auch noch als hätten sie etwas Gutes geleistet.

Das haben sie aber nicht. Sie haben sich als von niedrigen Motiven getrieben ausgezeichnet. Sie wollen in Kinderzeichnungen Nazisymbole entdecken. Und Sie sind es, die eine Scheu im Umgang mit Flüchtlingskindern auf den Status „Flüchtling“ der Kinder beziehen, nicht etwa darauf, dass es Antipathien zwischen Menschen geben könnte, die völlig unabhängig vom Status „Flüchtling“ sind. Für die Gutmenschen, die so viel Unheil auf die Welt bringen, steht fest: Wenn Ahmed abgelehnt wird, dann weil er Syrer ist, nicht, weil er sich in einer a-sozialen Weise verhält. Denn es ist für diese Gutmenschen ausgeschlossen, dass ein Flüchtling sich anders als vorbildlich verhält. Sie huldigen einer Form von Neo-Orientalismus. Der gute Wilde der Karl Mays Romane bevölkert, er hat für Gutmenschen die Gestalt von Flüchtlingen angenommen: Hilflose, immer gute und in jedem Fall unschuldige Menschen, die quasi in die deutsche Gesellschaft geboren werden. Entpuppen sie sich anschließend als gar nicht so gut, verüben gar Straftaten, dann ist natürlich die Aufnahmegesellschaft schuld, die ihnen nicht die notwendige Unterstützung gewährt hat. Dann sind die Eltern Schuld, die Vorsicht zur Grundlage der Auswahl des Umgangs ihrer Kinder machen.

Der Amoklauf der Gutmenschen, den man derzeit beobachten kann, er ist der Prototyp für Diskriminierung und Rassismus, denn:

Finden Sie das Hakenkreuz?

  • Phantasien, die an Gekritzel von Kleinkindern herangetragen werden, dienen dazu, Erwachsene zu stereotypisieren, sie mit den eigenen Vorurteilen zu überladen.
  • Flüchtlinge werden reduziert auf ihren Status als Flüchlinge.
  • Als solche sind Flüchtlinge gut. Es wird ihnen schlicht die menschliche Eigenschaft verweigert, sich schlecht zu verhalten. Sie werden zu Kastraten der Phantasien der Gutmenschen, die sich auf Fachtagungen einfinden, um sich dort gegenseitig zu feiern, gemeinsam gegen einen imaginären Feind zu kämpfen, Steuergelder zu verschleudern und am Ende des Tages für genau diesen einen Tag den Sinn ihrer ansonsten so unnützen Existenz benennen zu können glauben.

Ein paar Splitter von dieser Fachtagung der Intoleranten und Vorurteilsbeladenenen:

Hans Beckmann, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Bildung: „Demokratieerziehung beginnt schon in der Kita. In Kinderkonferenzen oder beim Aufstellen von Gruppenregeln tauschen die Kinder Meinungen aus und kommen zu einer Entscheidung“.

Jeder Leser mag sich seine eigene Vorstellung davon machen, wie die Meinung aussieht, zu der Vierjährige am Ende einer Kinderkonferenz in der „Kita“ gekommen sind. Wenn Beckmann die Begriffe „Konferenz“ und „Meinung“ im Hinblick auf drei,-vier-oder fünfjährige Kinder angemessen findet, dann sagt das einiges über die Qualität der Konferenzen (oder Fachtagungen) aus, die er besucht. Wenn man Kinder zur Demokratie erziehen muss, dann ist wohl auch Demokratie nicht angeboren, so wenig wie Vorurteile. Also müsste man argumentieren, warum Demokratie besser ist als Vorurteile. Das wird schwierig, da die Argumentation notwendig normativ wird und nur bei denen erfolgreich ist, die die Werte teilen, die man selbst hoch schätzt. Demokratie wäre dann erreicht, wenn man die Werte und Meinungen anderer auch dann respektiert, wenn sie von den eigenen abweichen. Entsprechend muss man nicht zur Demokratie erziehen, man muss andere und ihre Meinungen und Werte nur achten. Schon gar nicht muss man in Kindergärten zur Demokratie erziehen. Wäre das notwendig, gäbe es keine Demokratie, denn alle demokratischen Systeme sind ohne eine vorausgehende entsprechende Indoktrination in Kindergärten entstanden.

Prof. Dr. Bosselmann-Cyran: „Als Historiker weiß ich, wie sehr Populismus und in seiner Folge Rassismus eine Gesellschaft ins Verderben ziehen kann“.

Als Logiker ohne Doppelnamen wissen wir, dass diese Aussage inhaltsleer ist, da Populismus und in seiner Folge heftige Debatten das Lebenselixier einer offenen Gesellschaft sind“.

Weihbischof Jörg Michael Peters: „Die christliche Botschaft gibt die Linie vor und spricht von der Würde des Menschen, woher dieser auch kommen mag.“

Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst, sagt die christliche Botschaft (wenn sie spricht), also liebe die AfD und die Kinder, die Hakenkreuze malen, wie Dich selbst und lass‘ sie ansonsten in Ruhe.

Am besten gefällt uns der folgende Splitter aus einem “Impulsreferat” (das sind Referate, bei denen man ständig den Impuls, zu lachen unterdrücken muss) von Prof. Dr. Stephan Bundschuh, einem „Experten für Kinder- und Jugendhilfe im Kontext von Rechtsextremismus und Migrationspädagogik“. Er fragt: „Warum denken und handeln Menschen rassistisch?“ Seine Antwort: „Sich rassismuskritisch zu verhalten, muss gelernt werden. Kritische Sensibilität gegenüber Anderen … ist die allererste Aufgabe der Erziehung“.

Hear! Hear!

Wenn man lernen muss, nicht rassistisch zu sein, dann bedeutet dies, dass man es nicht lernen muss, rassistisch zu sein, was notwendig zu der Annahme führt, dass Kinder als Rassisten geboren werden, so dass sich in Kindergärten lauter drei- und vierjährige Nazis einfinden, die von den Gärtnerinnen zum rechten rassismuskritischen Dasein bekehrt werden müssen. Diese Aufgabe macht natürlich auch die Anwesenheit eines Weihbischofs bei Fachtagungen notwendig. Wenn nun aber Rassismus vererblich ist, und Kinder als Rassisten auf die Welt kommen, dann beruht die ganze Fachtagung auf einem Irrtum, wurde doch angenommen, dass „Kein Kind … mit Vorurteilen geboren“ wird. Rassismus ist aber unzweifelhaft ein Vorurteil.

Man sieht, viele Worte sind dann, wenn sie ohne Beteiligung der Mindestzahl von Neuronen, die für eine intelligente Äußerung notwendig sind, gesprochen werden, der Tod jeder Fachtagung. An die Stelle von Erkenntnis tritt der Populismus der Gutmenschen. Der Populismus der Gutmenschen hat die Stereotypisierung Andersdenkender und die Bildung von Vorurteilen über Andersdenkende zum Ergebnis. Dieses negative Ergebnis der Koblenzer Fachtagung kann wiederum nur mit einer weiteren Fachtagung behandelt werden. Wir schlagen vor, alle Anwesenden treffen sich in zwei Wochen zu einem Tag der Betätigung in einem Altenheim ihrer Wahl und gehen den dort lebenden Insassen zur Hand, erledigen deren Wäsche, gehen Einkaufen, sorgen für Unterhaltung und machen zumindest an diesem Tag einmal etwas Sinnvolles, das Steuerzahler noch dazu überhaupt nichts kostet.

Stereotype: Einer gängigen Definition zufolge sind Stereotype kognitive Shortcuts, die Orientierung und Handlungsentscheidungen im täglichen Leben erleichtern. Sie sind also nützlich. Sie werden dann zum Problem, wenn sie keiner empirischen Korrektur mehr zugänglich sind, wenn stereotype Aussagen über z.B. Weihbischöfe selbst dann nicht revidiert werden, wenn sie sich als falsch erweisen. Weigern sich Akteure, ihre Vorstellung, Meinung oder Überzeugung von einem Objekt selbst dann zu ändern, wenn sie sich als falsch erwiesen haben, dann sprechen Sozialpsychologen von einem Vorurteil.

Vorurteil ist auch ein Begriff der Alltagssprache, weshalb die Annahme zum Vorurteil geworden ist, dass an Fachtagungen Fachkräfte oder Personen mit besonderer kognitiver Distinktion teilnehmen. Dies ist offensichtlich nicht der Fall. Aber dennoch wird von Fachtagungen gesprochen.

Eine ausführliche Kritik des Antirassismus (inklusive des positiven Teils, den Hans Albert als wichtigsten Bestandteil der Kritik ansieht), findet sich im Beitrag von Dr. habil. Heike Diefenbach mit dem TitelRassismus und Rassismuskritik

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“Jugend rettet” zum Glück keine Flüchtlinge mehr: Die Schäden, die Gutmenschen anrichten

Kennen Sie Tanaland? „Tanaland ist ein Gebiet irgendwo in Ostafrika. Mitten durch Tanaland fließt der Owanga-Fluss, der sich zum Mukwa-See verbreitert. Am Mukwa-See liegt Lamu, umgeben von Obstplantagen und Gärten und von einer Waldregion. In und um Lamu wohnen die Tupi, ein Stamm, der von Ackerbau und Gartenwirtschaft legt. Im Norden und im Süden gibt es Steppengebiete. Im Norden, in der Gegend um den kleinen Ort Kiwa leben die Moros. Die Moros sind Hirtennomaden, die von Rinder- und Schafzucht leben“ (Dörner, 1996: 22). Bislang leben die Tupi und die Moros ein gutes, wenngleich kein luxuriöses Leben. Aber das soll sich ändern. Dietrich Dörner, der Tanaland für ein psychologisches Experiment erfunden hat, ist dabei, eine Horde wohlmeinender Probanden auf die Tupi und die Moros loszulassen. Die 12 Probanden haben diktatorische Vollmacht und sollen die Lebenssituation der Tupi und der Moros verbessern.

Alle 12 Probanden haben sich voll motiviert und voller guter Absichten ans Werk gemacht und fast alle 12 Probanden haben Tanaland in Windeseile ruiniert: Sie haben das Land versteppt, die Bevölkerung explodieren lassen und eine Hungerkatastrophe als logisches Ende produziert. Alle haben ein Tanaland zurückgelassen, das nicht mehr bewohnbar war.

Sechs Ursachen für die verursachte Katastrophe, hat Dietrich Dörner bei seinen Probanden identifiziert, darunter die folgenden drei:

Drauflos handeln; Die gute Absicht lässt eine umfassende Situationsanalyse überflüssig erscheinen;

Nichtberücksichtigung von Fern- und Nebenwirkungen; Die gute Absicht, kann nach Ansicht der Probanden gar nicht in negative Fern- und Nebenwirkungen münden;

Nichtberücksichtigung der Tatsache, dass Veränderungsprozesse nicht immer so verlaufen, wie man sie geplant hat;

Wir bezeichnen die drei Mechanismen als Gutmenschen-Überheblichkeit. Beseelt von der Vorstellung, anderen gutes zu tun, kommen Gutmenschen überhaupt nicht auf die Idee, ihre Handlungen könnten der Situation, die sie vorfinden, unangemessen sein, schließlich sind es gute Handlungen. Sie kommen überhaupt nicht auf die Idee, dass sie mit ihren Handlungen Schäden anrichten könnten, dass sie Neben- und Fernwirkungen auslösen könnten, die unbeabsichtigt und destruktiv sind. Und sie kommen nicht auf die Idee, dass sie mit ihrem Handeln in einen laufenden Prozess eingreifen, dass sie die Systematik eines vorhandenen Prozesses verändern. Man könnte Gutmenschen vor diesem Hintergrund als naive Beseelte bezeichnen. Das wird ihnen, wie Tanaland belegt, aber nicht gerecht: Sie sind gefährliche Autokraten, die keinen Zweifel an ihrer Gutheit dulden.

Die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer durch die guten Menschen von NGOs, deren Finanzierung nicht so offen ist, wie sie sein sollte, ist ein hervorragendes Beispiel für eine Neuauflage von Tanaland. Vermutlich wohlmeinende Mitarbeiter von NGOs oder solche, die in der Öffentlichkeit als wohlmeinend und gut erscheinen wollen, schwärmen ins Mittelmeer um dort Menschen in Seenot zu retten: Flüchtlinge, die auf Schiffen unterwegs sind, die kaum seetauglich zu nennen sind.

Ein Mitglied der NGO „Jugend rettet“, Julian Pahlke, hat die Naivität oder die boshafte Lust, sich auf Kosten von Menschen, die man in der Hierarchie unter sich wähnt, zu profilieren, gerade in Worte gepackt. „Jugend rettet“ ist die NGO, deren Schiff Iuventa von italienischen Behörden sichergestellt wurde und denen ein italienischer Staatsanwalt vorwirft, mit Schleppern zusammen zu arbeiten.

Pahlke (von „Jugend rettet“), dem die ARD gerade einen sehr mitfühlenden und positiven Beitrag gewidmet hat, hat es geschafft, in nur wenigen Sätzen all das zu verpacken, was letztlich die Ursache für die Katastrophe ist, die Dörners Probanden in Tanaland angerichtet haben oder NGOs heute im Mittelmeer anrichten:

„Pahlke von “Jugend rettet” hält diesen Einsatz auch nach wie vor für wichtig, denn es geht um Menschen in Seenot: “Diese Boote sind einfach unfassbar seeuntauglich, völlig überladen und untermotorisiert. Die Menschen befinden sich in desaströsem Zustand – ohne Essen, ohne Wasser.” Seine Organisation könne sich nur wundern, wie diese Situation nicht als Seenotfall beschrieben werden könne.“

Julian Pahlke ist sicherlich noch nie auf die Idee gekommen, die eigene Rolle im Spiel mit Flüchtlingen zu reflektieren. Die NGOs, die im Mittelmeer Flüchtlinge aufnehmen, sie verändern den Prozess der Flüchtlingshilfe, sie produzieren Neben- und Fernwirkungen, aber sie haben sich dennoch nie dafür interessiert, auf welche Situation sie im Mittelmeer eigentlich treffen.

Die Situation ist einfach beschrieben. Es gibt Schlepper, die an Migranten verdienen. Es gibt Migranten, die in die EU gelangen wollen. Es gibt Boote, mit denen das bewerkstelligt werden soll. Und es gibt die NGOs, die angelockt, vom desaströsen Zustand der Menschen, ohne Essen, ohne Wasser und voller guter Absichten (wenn wir es einfach einmal glauben, dass es den NGOs natürlich nur um die Menschen und nicht um die eigenen Spendeneinnahmen und die Publicity geht) „die Menschen“ aus den „unfassbar seeuntauglichen“ Booten retten wollen.

Man weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll, angesichts von solcher Naivität oder solchem Zynismus, wie ihn Pahlke hier zur Schau stellt.

Versetzen wir uns in die Lage eines Migranten.
Wir haben ein paar Tausend US-Dollar an Schlepper bezahlt, um nach Europa zu gelangen. Nun stehen wir vor dem Mittelmeer und sehen: Wasser. Im Wasser dümpelt ein Boot, das nicht den Eindruck macht, die paar Hundert Seemeilen nach Italien durchzuhalten, denn es ist „unfassbar seeuntauglich“. Wir sind nicht, wie Pahlke denkt, Vollidioten, die auch in ein Boot steigen würden, das schon zur Hälfte mit Wasser vollgelaufen ist. Wir sind nicht bis Libyen geflohen, um hier das sichere Schicksal, im Mittelmeer zu ertrinken, in Kauf zu nehmen. Wieso um aller Götter willen gehen wir auf dieses Boot? Wieso drehen wir dem Schlepper nicht den Hals um, angesichts des Betrugs in Form eines „unfassbar seeuntauglichen“ Boots? Wieso bemängeln wir nicht die schlechte Versorgung mit Wasser und Nahrung?

Was kann einen rationalen und mit allen Sinnen ausgestatteten Menschen dazu veranlassen, ein „unfassbar seeuntaugliches“ Schiff zu besteigen und sich diesem „unfassbar seeuntauglichen“ Schiff mehrere Hundert Seemeilen anzuvertrauen? Was kann einen Schlepper, der ja die finanziellen Früchte seiner Arbeit genießen will, dazu veranlassen, ein solches „unfassbar seeuntaugliches“ Boot zu besteigen und zumindest vorzugeben, es nach Italien zu navigieren?

Rationale Menschen wählen keine Handlungsalternative, die den sicheren Tod zum Ergebnis hat. Wenn die Wahl zwischen Ertrinken im Mittelmeer und Festsitzen in Libyen besteht, was wählen Sie?

Sie wählen Libyen. Es sei denn, es gibt eine Variable, die die Wahrscheinlichkeit, im „unfassbar seeuntauglichen“ Boot dem sicheren Ende entgegen zu schippern, verändert. Die Wahrscheinlichkeit, von einer NGO aus dem „unfassbar seeuntauglichen“ Boot gerettet zu werden. Wenn Ihr Schlepper Ihnen mitteilt, dass nur wenige Seemeilen vor der Libyschen Küste die NGOs darauf warten, Sie zu retten, dann ändert das ihre Bereitschaft auf das „unfassbar seeuntaugliche“ Boot zu steigen und lässt sie zudem die Reklamation wegen der ausbleibenden Nahrung aufschieben.

NGOs sind somit die Ursache dafür, dass Lybische Schlepper dauerhaft nicht in seetaugliche Boote investieren müssen, und es sich leisten können, „unfassbar seeuntaugliche“ Boote einzusetzen. Gäbe es keine NGOs, würden die „unfassbar seeuntauglichen“ Boote untergehen, die Menge der Flüchtlinge, die bereit sind, in den sicheren Tod zu schippern, sie würde immer kleiner werden. Die Schlepper ständen vor dem Ruin.

Aber die NGOs sind nicht nur daran schuld, dass die Schlepper nicht in seetaugliche Boote investieren. Sie sind nicht nur daran schuld, dass Flüchtlinge in „unfassbar seeuntaugliche“ Boote steigen, sie sind auch daran schuld, dass der Strom der Flüchtlinge nicht geringer wird, denn die Kunde, dass man kurz vor der Lybischen Küste gerettet und in einigem Komfort nach Italien befördert wird, dass man, recht gut über das Mittelmeer in die EU einreisen kann, diese Kunde verbreitet sich natürlich. Die Fernwirkung der NGOs und ihrer guten Absichten besteht also darin, immer mehr Flüchtlinge zur Flucht über das Mittelmeer anzureizen.

Und als Nebenwirkung ihres Einsatzes erhöhen NGOs den Umsatz von Schleppern, einmal dadurch, dass sie für Nachfrage nach Schlepperleistungen sorgen, einmal dadurch, dass sie die Fixkosten für Schlepper, wie sie für z.B. seetaugliches Gefährt oder Nahrung für die Flüchtlinge anfallen würden, gering halten.

Kurz: NGOs sind der Hauptgrund dafür, dass Flüchtlinge in „unfassbar seeuntaugliche“ Boote steigen, Schlepper „unfassbar seeuntaugliche“ Boote einsetzen, dafür, dass Flüchtlinge in großer Zahl die Reise über das Mittelmeer antreten und dafür, dass der Strom von Flüchtlingen nicht abreißt. Sie schaffen also das Problem, das sie angeblich lösen wollen, erst. Aber vielleicht wollen sie ja auch kein Problem lösen, sondern eines schaffen.

Um diesen beschriebenen Prozess zu unterbrechen, ist es notwendig, die NGOs daran zu hindern, Flüchtlinge, wie sie meinen, zu retten. Deshalb ist es gut, dass „Jugend“ nicht mehr „rettet“.

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