Der eindimensionale Mensch: Invasion linker Zombies

Als Herbert Marcuse 1964 sein Buch „Der eindimensionale Mensch“ [One Dimensional Man] veröffentlicht hat, war das Buch zunächst ein eindrückliches Zeugnis von Marcuses Fehlrezeption dessen, was er als Positivismus erkannt zu haben glaubte. Davon ausgehend bestand Marcuses Hauptanliegen darin, die Beschreibung oder Analyse empirischer Fakten mit der Bewertung der Fakten oder Analyse der Fakten zu verbinden. Viele, Wissenschaftler vor allem, so Marcuse, würden sich auf die Beschreibung und Analyse von Fakten beschränken und sich vor deren Bewertung drücken. Die vermeintlichen Drückeberger galten ihm als „eindimensional“ – wie gesagt, Marcuse hat einen imaginierten Gegner bekämpft, denn das, was er als Positivismus bezeichnet hat, gab es in der von ihm bezeichneten Weise nie.

Mehr als 50 Jahre nach Marcuse gibt es nun tatsächlich eine Eindimensionalität zu bewundern. Witziger Weise unter denen, die man als Jünger Marcuses ansehen kann, unter den Linken, die sich für intellektuell halten – warum? Das weiß außer ihnen zumeist niemand.

Die neue Eindimensionalität beschränkt sich auf die Bewertung. Die Verbindung von Fakten, Analyse der Fakten und deren Bewertung, sie ist nun wirklich abhanden gekommen. Das neue eindimensionale Denken zeichnet sich durch eine vollkommene Ignoranz gegenüber oder Ablehnung von Tatsachen aus. Entstanden ist eine Klasse linker Zombies, die ihre Bewertung von Dingen zum alleinigen und empirischen Fakten nicht zugänglichen Maßstab erhoben hat.

Die Invasion dieser neuen linken Zombies, sie hätte Marcuse entnervt, soviel steht fest, denn obwohl er nicht unbedingt ein Philosoph mit besonderem Hang zur Empirie war, so war ihm doch der Wert, die Bedeutung der Empirie, der Tatsachen, die uns umgeben, sehr wohl bekannt.

Die neuen linken Zombies gibt es auf allen Ebenen der Gesellschaft. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie gegen alle Realität anzuleben versuchen, keinerlei empirischen Fakten zugänglich sind, Entscheidungen nur auf Grundlage ihrer persönlichen Bewertung treffen, ohne dabei die Handlungsfolgen in Rechnung zu stellen. Sie sind, um einmal Leon Festinger zu bemühen, fleischgewordene kognitive Dissonanzen, deren ganzes Leben davon bestimmt wird, die Realität zu verleugnen.

Zum Beispiel die Realität von Handlungsfolgen:

Bernhard Rotheberger, der Wirt von Auerbachs Keller in Leipzig, gibt auf. Er hat keine Lust mehr. Das Arbeitsgesetz, das von linken Zombies gerade (2015) verschärft wurde, damit sie von sich behaupten können, sie hätten etwas für Arbeiter getan, ist die Ursache dafür. Wegen dieser Verschärfung muss Rothenberger Auerbachs Keller bereits um 22 Uhr (statt um 24 Uhr) schließen, denn seine Arbeitnehmer dürfen maximal 10 Stunden am Tag und 48 Stunden in der Woche arbeiten und maximal an 15 Sonntagen im Jahr. Ob die Arbeitnehmer diese gesetzliche Wohltat wollen, das hat niemanden der gesetzlichen Wohl-Täter interessiert. Deshalb ist Rothenberger seinen Barkeeper los. Der ging lieber in den Vorruhestand, weil er keine Dauerdienste mehr schieben kann, um dann mehrere Wochen am Stück Urlaub nehmen zu können. Sein Koch hat einen Nebenjob angenommen. Er zahl die Hypothek seines Hauses ab und würde liebend gerne 12 Stunden an 7 Tagen arbeiten. Er darf es nicht. Die linken Zombies in der Politik, denen die Behauptung, man habe anderen Gutes getan, wichtiger ist als die Realität, die sie mit ihren Entscheidungen geschaffen haben, sie haben es ihm verboten. Die Lebensplanung von Individuen muss zurückstehen, wenn linke Zombies sich als Wohl-Täter aufspielen wollen.

Die Liste der Entscheidungen, die ohne Rücksicht auf die Folgen getroffen wird, sie lässt sich unendlich fortsetzen. Mehr als 1.000.000 Flüchtlinge nach Deutschland zu lassen, ist eine Entscheidung, die man nur treffen kann, wenn man keinerlei Wert auf die Folgen dieser Entscheidung legt, wenn es egal ist, ob man den Flüchtlingen, den Opfern der Wohl-Täter einen Gefallen damit tut, sie in ihrer Mehrzahl zur Existenz eines Hartz-IV-Empfängers zu verdammen. Ob man denen, die die neuen Hartz-IV-Empfänger finanzieren müssen, durch die neuerliche Steuerlast, die sie zu schultern haben, gerecht wird, war auch keine Frage, die im Vorfeld erörtert wurde. Persönliche Eitelkeiten und eine robuste Verantwortungslosigkeit gegenüber den Folgen der eigenen Entscheidung und vielleicht die zwischenzeitlich enttäuschte Hoffnung auf den Friedensnobelpreis, sie waren wichtiger als die Realität derer, die nun keinen Fuß auf den deutschen Arbeitsmarkt bringen.

Die grüne Forderung, beim Zuzug von Flüchtlingen keine Obergrenze festzulegen, ist ein weiteres Stück linker Verantwortungslosigkeit, mit dem affektive Zombies die Realität verleugnen. Was wäre wohl, wenn aufgrund einer fehlenden Obergrenze Jahr für Jahr 1.000.000 Flüchtlinge nach Deutschland kämen und deshalb die Finanzierung grüner Stiftungen und grüner Parteimitglieder und grüner Mitarbeiter von grünen Parteimitgliedern aus öffentlichen Kassen gestrichen werden würde? Ob dieser Einfall der Realität die Zombies dazu bewegen würde, ihre Eindimensionalität zu überwinden und neben den eigenen Bewertungen auch noch Fakten zu berücksichtigen? Wir haben unsere Zweifel. Wahrscheinlicher erscheint es uns, dass diese linken Zombies mit Molotowcocktails auf Polizeibeamte losgehen, die sie daran hindern wollen, LIDL und ALDI, die Speerspitzen des Kapitalismus, zu plündern und in Brand zu stecken.

Schließlich finden sich die linken Zombies im Alltag und in schöner Regelmäßigkeit da ein, wo sie Daten wittern, die sie in ihrer Eindimensionalität nicht verarbeiten können. Die Funktionslosigkeit der kognitiven Teile der Gehirne dieser Zombies kann man dann in verschiedenen Arten und Weise durch einen aversen Stimulus darstellen.

Man schreibt etwas, was eine Aussage, die linke Zombies für gut halten, in Frage stellt.

Als Reaktion wird man entweder zum Nazi erklärt oder man wird zum Rechtsextremen gemacht oder beleidigt, besonders hilflose Exemplare unter den linken Zombies wiederholen, was gesagt wurde, vermutlich in der irren Hoffnung, dass man auch schriftlich einen anklagenden Tonfall transportieren könne und ergänzen als einzige Eigenleistung ein Emoticon, dem es überlassen bleibt, die Ablehnung des Wiederholten deutlich zu machen. Nicht zuletzt wegen dieser Hilflosigkeit sprechen wir von Zombies. Letztere zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass sie der Fähigkeit zum Denken, verlustig gegangen sind, und sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie, einmal in die Spur gesetzt, nur noch in die vorgegebene Richtung laufen können. Immerhin, so muss man anerkennen, sind manche von ihnen noch dazu in der Lage, aus dem Repertoire der Emoticons, die Ablehnung ausdrücken, eines auszuwählen. Aber das macht es auch nicht wirklich besser.

Als Konsequenz des Zombiedaseins ist den Zombies alles verhasst, was eine Verbindung mit der Realität herstellt oder auf Rationalität hinweist. Ein besonders bedauernswerter Lukas hat Realitäten, die Hadmut Danisch berichtet hat, dadurch aus seiner guten Welt zu entfernen versucht, dass er die „selektive Anwendung von Logik“ als „boshaft“ bezeichnet hat. Wenn man eine Aussage als Widerspruch zu einer anderen Aussage aufzeigt, was zwangsläufig eine selektive Anwendung von Logik ist, schon weil jede Anwendung auf ein konkretes Beispiel selektiv sein muss, dann ist das für Lukas boshaft, denn Lukas lebt lieber mit Widerspruch als mit Logik.

Mehr Zombie geht nicht.
Tolstoi soll einmal gesagt haben, dass im Widerspruch zur eigenen Vernunft zu leben, der unerträglichste aller Zustände sei. Und so wie sich Marcuse nicht vorstellen konnte, dass ihm nachfolgende Linke, Eindimensionalität neu definieren und mit Freude, dieses Mal unter Ausschluss der Realität leben, so konnte sich Tolstoi wohl nicht vorstellen, dass es einmal Menschen geben würde, die den von ihm aufgezeigten unhaltbaren Zustand dadurch lösen, dass sie ihre Vernunft abschaffen.

Er kannte die linken Zombies eben nicht, die Teile Deutschlands bevölkern.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Vögel und Schmetterlinge: Artenverlust durch Umwelt- und Naturschutz

Ein Leser hat uns auf einen Artikel hingewiesen, den Werner Kunz, Professor für Biologie an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf in der Zeitschrift “Entomologie heute” veröffentlicht hat. Es ist u.a. deshalb ein bemerkenswerter Artikel, weil hier gegen den Mainstream gedacht wird, den Mainstream, der behauptet, wenn man die Natur und die Umwelt in eine natürliche Form bringe, wenn man aufforste, wenn man Kohle-Tagebaue schließe und re-naturiere, wenn man Naturschutzgebiete ausweise, die der Natur überlassen blieben, dann diene dies nicht zu letzt dem Tier-, dem Artenschutz, dann würden sich viele Schmetterlinge, Vögel und andere Tiere wieder ansiedeln, Bestände von Arten wieder wachsen, die zur Zeit auf roten Listen geführt werden.

Das Gegenteil ist der Fall, wie Kunz argumentiert und am Beispiel von Vögeln und Schmetterlingen zeigt.

Dazu trennt er zunächst zwischen Arten, die das offene Land als Lebensraum benötigen und solchen, die in Wäldern leben. Alle in Deutschland vom Aussterben bedrohten Schmetterlings- und Vogelarten, alle Schmetterlings- und Vogelarten, die bereits ausgestorben sind, finden sich unter Ersteren, keine unter Letzteren.

Im nächsten Schritt führt Kunz, der mit dem Begriff der „Art“ nicht glücklich ist, ihn aber wegen seiner Verbreitung beibehält, eine Trennung ein: Umweltschutz ist nicht gleich Artenschutz und Naturschutz ist schon gar nicht gleich Artenschutz.

Kunz (2013: 175)

Umweltschutz, wie er z.B. in erneuerbaren Energien seinen Niederschlag findet, hat mit Artenschutz nichts zu tun, wie die vielen Vögel und Fledermäuse, die Opfer von Windrädern werden, belegen. Gleichwohl, so Kunz, sei Umweltschutz erfolgreich. Die Luft sei sauberer als noch vor 50 Jahren, die Flüsse seien sauberer als vor 50 Jahren, Ortschaften und Straßen seien viel sauberer als noch vor 50 Jahren, dennoch sei die Artenvielfalt von Vögeln und Schmetterlingen in den letzten 50 Jahren zurückgegangen. Umweltschutz wirke sich offensichtlich nicht positiv auf die Artenvielfalt aus: „Viele Watvogelarten (Limicolae) finden mehr Nahrung in organisch ungereinigten Gewässern als in geklärten Gewässern“ (Kunz 2013: 168). Die Vorstellung von Umweltschutz, die Menschen haben, entspricht somit nicht den Bedürfnissen, die viele Vögel oder Schmetterlinge an ihre Umwelt stellen: 

“Viele artenreiche Biotope aber sind weder Natur noch sind sie besonders ästhetisch. Dazu gehören Müllplätze, Rieselfelder, Abgrabungsflächen und Truppenübungsplätze, die oft besonders reich an gefährdeten Arten sind” (Kunz 2013: 169)

Noch schädlicher als der Umweltschutz wirkt sich der Naturschutz auf die Artenvielfalt bei Vögeln und Schmetterlingen aus. Naturschutz frönt in Deutschland immer noch der romantischen Vorstellung, nach der die Natur und vor allem der Wald das organische Gegenstück zu einer Industrialisierung und anorganischen Zivilisation des Menschen ist. Die Vorstellung, dass Wald der Inbegriff organischer Freiheit sei und das Gegenstück zu künstlichen Eingriffen des Menschen in seine Umwelt, ist das Ergebnis dieser romantischen Schwärmerei, die in der Forderung nach Aufforstung vom stillgelegten Tagebau oder vom Kieswerk gipfelt. Aufforstung führt jedoch zur Verdrängung der Schmetterlings- und Vogelarten, die offenes Land benötigen, die an Abbruchkanten oder Abgrabungsflächen siedeln. Auch die romantische Vorstellung, dass Naturschutz darin bestehe, Flächen sich selbst zu überlassen, hat erhebliche Folgen gerade für die Schmetterlings- und Vogelarten, die auf roten Listen zu finden sind. Sie benötigen in der Regel den kargen Boden und die offene Fläche. Beides wird in Naturschutzgebieten, die sich selbst überlassen bleiben, schnell von der Natur zurückerobert, mit dem Ergebnis, dass Schmetterlinge und Vögel verdrängt werden: „Ebenso sind viele Schmetterlingsarten der mitteleuropäischen Wälder auf forstliche Eingriffe angewiesen. Sie können nicht in einem dichten, dunklen Wald leben. Die meisten Tagfalter Mitteleuropas sind Lichtwaldarten, die warme, offene Lebensräume im Wald besiedeln“ (Kunz 2013: 169).

Natur- und Umweltschutz verbindet sich in unheilvoller Weise mit Stickstoff, dem Element, das über Kunstdünger auf Äcker und über Abgasrohre in die Luft abgegeben wird. Als Ergebnis hat sich im Verlauf von 50 Jahren der Stickstoffeintrag durch Regen ver25facht. Staat 1-2 kg Stickstoff pro Jahr regnen nun mehr als 40 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr auf Böden. Als Konsequenz sind karge Flächen fast vollständig verschwunden und mit ihnen die Schmetterlinge und Vögel, die auf sie angewiesen sind: „Flächen mit kargem Bewuchs sind heute selten geworden. Durch die Düngung aus der Luft wurde eine Katastrophe eingeleitet, die nach Auffassung einiger Autoren mehr Pflanzenarten verdrängt hat und damit Insekten beseitigt hat als alle Insektizide“ (Kunz 2013: 179).

Die Vorstellung, dass die Ausweisung von Naturschutzgebieten, der Schutz der Umwelt, die Klärung von Abwässern oder die Aufforstung von Tagebau und Abraumhalden auch Tieren, der Artenvielfalt von Tieren zu Gute kommt, ist somit ein Mythos, der auf die romantische Verklärung vieler Natur- und Umweltschützer zurückzuführen ist. Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Truppenübungsplatz, der mit Bombentrichtern übersät und von Panzerspuren durchwühlt ist, ist der Artenvielfalt förderlicher als die meisten Naturschutzgebiete.

Kiunz (2013: 185)

Folglich schreibt Kunz: „Um den gegenwärtigen Artenschwund in Mitteleuropa zu verstehen, bedarf es der Einsicht, dass der Artenreichtum der Offenlandarten früherer Jahrhunderte nicht auf einem intakten Naturhaushalt beruht hat, sondern im Gegenteil auf dessen Zerstörung […] Die frühere Entwicklung der Kulturlandschaft war nicht dadurch bestimmt, dass der Mensch die Natur fördern wollte, sondern jeder Eingriff in die Landschaftsgestaltung erfolgte aus Eigeninteresse der Bewirtschafter. Trotzdem [besser: gerade deswegen] entstanden durch diese Eingriffe viele artenreiche Habitate, jedoch nicht als Ergebnis einer naturschützerischen Zielsetzung, sondern als unbeabsichtigtes Nebenprodukt wirtschaftlicher und verkehrspolitischer Zielsetzung. […] Keines dieser Habitate wurde mit dem Ziel geschaffen, den Artenreichtum in diesen Gebieten zu erhöhen. Aber alle diese artenreichen Biotope hatten eines gemeinsam: Es handelt sich um vom Menschen gemachte Habitate, nicht um Naturgebiete“ (Kunz 2013: .

Deshalb stehen am Ende des Beitrags von Kunz die folgenden Erkenntnis:

Wenn man Tieren, Schmetterlingen, Vögel, die vom Aussterben bedroht sind, helfen will, dann ist es zunächst notwendig Artenschutz von Natur- und Umweltschutz zu trennen. Da die beiden Letzteren Ersteren verunmöglichen, das Artensterben beschleunigen. Auf dieser Grundlage können dann der Natur Habitate abgerungen werden, die die bedrohten Arten zum Leben brauchen: „Aus der Perspektive des Schutzes gefährdeter Arten können die Tagebauabgrabungen im Köln-Jülicher Raum und der Kiesabbau am Niederrhein nicht als Zerstörung eingestuft werden, wie das heute noch von den Naturschutzverbänden getan wird, die dem Schutz der Umwelt und der Natur höhere Priorität einräumen, als dem Schutz der Arten“ (Kunz 2013: 189) – woran sich die Frage anschließt, für wen die entsprechenden Verbände Naturschutz betreiben wollen.

Fazit:
Natur- und Umweltschutz sind verantwortlicher für den Rückgang der Schmetterlings- und Vogelarten als der Einsatz von Insektiziden oder dergleichen. Der Eintrag von Stickstoff in die Böden tut ein übriges, und die Unfähigkeit von Naturschützern einzusehen, dass für manche Arten von Schmetterlinge und Vögeln genau die Art von „Natur“ überlebenswichtig ist, die sie als künstlich und unerträglich ansehen, hat zu einer Vernichtung von Lebensraum geführt, und Schmetterlings- und Vogelarten auf rote Listen befördert.

Einmal mehr zeigt sich, dass Gutmenschen eine Spur der Zerstörung hinter sich herziehen und die beste Absicht nichts nutzt, wenn es am notwendigen Wissen und an der notwendigen Einsicht fehlt.

Kunz, Werner (2013). Artenförderung durch technische Gestaltung der Habitate – Neue Wege für den Artenschutz. Entomologie heute 25: 161-192.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Das miese Spiel mit der Kinderarmut

Kinderarmut ist wohl das Thema, mit dem zur Zeit am meisten Schindluder getrieben wird. Kaum eine Symbolik scheint so geeignet, um der Welt darzustellen, was für ein guter Mensch man doch ist, wie Kinderarmut. Jeder, der Kinderarmut anprangert, der gegen Kinderarmut anschreibt, der sie beklagt, der, nein etwas tun ist nicht das, was den wahren Kämpfer gegen die Kinderarmut auszeichnet, meint damit, sich als Guter zu inszenieren, seinen Wert, seine besondere Tugendhaftigkeit zu signalisieren. Deshalb spricht James Bartholomew im Hinblick auf diejenigen, die versuchen, sich als besonders wertvolle Teile der Spezies Mensch zu inszenieren, vom Virtue Signalling.

Die Meute der Guten, sie kommt regelmäßig dann in Wallung, wenn ein neuer Bericht zur Kinderarmut ansteht. Kinderarmt ist natürlich nicht die Armut von Kindern, sondern die Armut der Eltern, Eltern, die keine Arbeit, keine Einkommensquelle besitzen, die sich nicht aus Transferleistungen speist und dennoch Kinder haben, wobei die Tatsache, dass Kinder als solche eine Einkommensquelle, ein Mittel, um weitere Transferleistungen in Form von Vergünstigung und Zahlungen zu erhalten, sicher eine Rolle spielt.

Nun reichen Transferleistungen des Staates nicht dazu aus, ein Leben zu führen, wie es z.B. die Familie eines Facharbeiters, der bei der BASF Schicht arbeitet, auf Grundlage von dessen Einkommen führen kann. Entsprechend gibt es Unterschiede im Einkommen. Wenn diese Unterschiede im Einkommen das Einkommen des Facharbeiters, der Schicht arbeitet, um eine bestimmte Grenze unterschreiten, dann will es die Konvention, dass bei manchen Statistikern, die sich unter der staatlichen Fuchtel finden, von Armut gesprochen wird, eigentlich wird von relativer Armut gesprochen, also weniger haben als jemand anderes, aber dass „relativ“ wird regelmäßig weggelassen, denn es ist hinderlich. Wenn man sich als Guter inszenieren will, dann als absoluter, nicht als relativer Guter.

In Zahlen gilt als relativ arm, wer 60% des Nettoäquivalenzeinkommens zur Verfügung hat. Das Nettoäquivalenzeinkommen ist als der Median der Einkommensverteilung definiert. D.h. es teilt die Einkommen in Deutschland in zwei gleichgroße Teile. Den Median benutzt man deshalb, weil er regelmäßig und deutlich unter dem Mittelwert liegt. So beträgt das Nettoäquivalenzeinkommen gemessen am Median im Jahr 2016 21.275 Euro, während der Mittelwert der Einkommensverteilung bei 24.020 Euro im Jahr 2016 liegt. Es macht sich einfach besser zu behaupten, jemand der im Monat ein Einkommen von 1.064 Euro (60% vom Median) zur Verfügung hat, sei relativ arm, als jemand, der 1.201 Euro (60% vom Mittelwert) hat. Tatsächlich fallen eine große Zahl von Rentnern in die Kategorie derer, die als relativ arm gelten, denn die durchschnittliche Rentenzahlung beträgt derzeit 1.003 Euro monatlich, die durchschnittliche Altersrente 1.078 Euro. Aber wir reden natürlich nicht von armen Alten, die man nach einem Erwerbsleben in relativer Armut geparkt hat, wir reden von Kindern, die in Familien von Hartz IV aufwachsen, entweder bei Alleinerziehenden oder in einer Familie in jedem Fall aber bei Eltern, die keinerlei Arbeit nachgehen, wie auf Seite 24 des Berichts der Bertelsmann-Stiftung nachzulesen.

Deren Kinder gelten als arm, über sie wird medial mit großer Aufregung berichtet, nicht etwa über die Alten, die nach einem Arbeitsleben in relativer Armut versinken oder die Gründe, warum die Eltern Kinder trotz Arbeitslosigkeit produzieren oder keine Arbeit finden, um ihren Kindern den Lebensstandard bieten zu können, den z.B. ein Facharbeiter der BASF, der Schicht arbeitet, seinen Kindern bieten kann. Denn, wie gesagt, mit Kindern und deren vermeintlicher Armut kann man sich gut produzieren, während Alte, die in Armut leben, in Deutschland keinen Medienhund hinter dem Ofen hervorlocken.

Nun enthält die Studie der Bertelsmann-Stiftung unvorsichtiger Weise ein Liste von Gütern, auf die Kinder, die jahrelang in Armut leben, wie es bei der Tagesschau heißt, obwohl relative Armut gemessen wurde, verzichten müssen. Etwas nicht haben, was andere haben, gilt heute als Armut, das muss man sich einmal vorstellen.

Wir haben uns die Liste der Güter, auf die die armen Kinder wegen Armut nach Ansicht von Bertelsmann verzichten müssen, genauer angesehen und auf Grundlage von Tabelle 11 in der Bertelsmann-Studie rekonstruiert, was die Bertelsmann-Stiftung verschweigen will, um die Schlagzeile: Kinder von Eltern, die dauerhaft nicht gesichert sind (also dauerhaft Hartz-IV beziehen und in der Regel alleinerziehend sind), müssen in Deutschland auf 7,3 der 23 „abgefragten Güter“ verzichten: „Armut bedeutet laut Bertelsmann-Stiftung für die Kinder Verzicht“.

Verzicht worauf?

7,3 Güter sind es, auf die die entsprechenden Kinder durchschnittlich verzichten müssen.
Rekonstruieren wir, worauf (auf Grundlage von Tabelle 11, Seite 50).
Sie müssen auf die eines der folgenden Güter verzichten:

  • Eine Wohnung ohne feuchte Wände oder Fußböden
  • Eine Wohnung, die mindestens so viele Zimmer hat, wie dort Personen wohnen.
  • Ein separates Badezimmer mit Badewanne oder Dusche in der Wohnung.
  • Eine Toilette innerhalb der Wohnung.
  • Ein Garten, ein Balkon oder eine Terrasse.
  • Sich ab und zu neue Kleidung kaufen können, auch wenn die alte noch nicht abgetragen ist.
  • Mindestens einmal täglich eine warme Mahlzeit haben.

Auf eines der oben genannten acht Güter müssen Kinder, die als arm verkauft werden sollen, damit sich Gutmenschen inszenieren können, verzichten. Verzichten müssen Sie auch auf 3 der folgenden vier Güter:

  • Einmal im Monat Freunde zum Essen zu sich nach Hause einladen können.
  • Einmal im Monat zum Essen in ein Restaurant gehen können.
  • Mindestens einmal im Monat ins Kino, Theater oder Konzert gehen können.
  • Eine mindestens einwöchige Urlaubsreise pro Jahr.

Schlimm, wenn man nicht mindestens einmal im Monat ins Kino oder ins Restaurant gehen kann. Das ist Armut!

Damit nicht genug, denn für die Kinder von Eltern, die sich seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten auf Basis von Hartz-IV, Kindergeld und sonstigen Transferzahlungen durchschlagen (müssen), gibt es noch mehr Verzicht. Nicht nur das monatliche Essen im Restaurant ist in Frage gestellt, auch drei der folgenden 11 Güter können nicht konsumiert werden bzw. sind nicht vorhanden:

  • Eine Waschmaschine
  • Ein Fernseher
  • Ein Auto
  • Ein Computer mit Internetanschluss
  • Ein Videorekorder mit DVD-Player
  • Die Miete für die Wohnung bzw. die Zinsen für das Wohneigentum immer pünktlich zahlen können
  • Die Gas-, Wasser-, Heizungs- und Stromrechnung immer pünktlich zahlen können;
  • Einen festen Betrag im Monat sparen können;
  • Behandlungen in Anspruch nehmen können, die von der Krankenkasse nicht vollständig bezahlt werden, wie z.B. Zahnersatz oder Brille
  • Unerwartet anfallende Ausgaben mit eigenem Geld bezahlen können, z.B. eine kaputte Waschmaschine ersetzen;
  • Abgenutzte, aber sonst noch brauchbare Möbel durch neue ersetzen.

Dass der Besuch des Theaters, der nicht gemacht werden kann, oder die Einladung eines Freundes zum Essen für jedes Kind einen Verzicht darstellt, das ist natürlich die Phantasie der Bertelsmann-Stiftung. Niemand hat die Kinder gefragt, ob sie überhaupt ein gemeinsames Essen mit Freuden UND ELTERN oder einen monatlichen Theaterbesuch wollen. Hier scheint ihre Mittelschichtssozialisation mit den Bertelsmännern durchgegangen zu sein. Mit ihrem Ergebnis bestätigen sie entsprechend das, was die andere Stiftung aus Berlin herausgefunden haben will: Man findet immer, was man sucht, was nicht unbedingt das ist, was ist oder relevant ist. [Wenn man schon nach Theaterbesuchen und Computern mit Internetanschluss fragt: Um wie viel plausibler ist es, dass sich Rentner keinen Theaterbesuch leisten können (von dem sie etwas hätten im Gegensatz zu z.B. achtjährigen Kindern, die nicht ruhig sitzen bleiben) und wie viele Rentner leben wohl ohne Balkon und Terrasse, ohne Auto, Computer mit Internetanschluss, ohne monatlichen Restaurantbesuch und Sparvertrag, mit abgenutzten Möbeln und in feuchten alten Wohnungen und gelten dennoch nicht als arm, weil sie bekommen ja Rente?]

Tatsächliche Armut

Und für Deutschland 2017 hat dies folgende Konsequenz: Arm soll sein, wer nicht einmal im Monat ins Restaurant gehen kann, wer nicht monatlich mindestens einmal ins Kino oder Theater gehen kann, nicht mindestens eine Woche in Urlaub fahren kann, kein Auto hat, zwar Hauseigentum hat, aber die Zinsen darauf nicht zahlen kann, in einer feuchten Wohnung lebt und keinen festen Betrag im Monat sparen kann.

Arm soll auch sein, wer neben den Verzichten auf Restaurant, Kino und Urlaub, noch brauchbare Möbel nicht ersetzen kann, keinen Computer mit Internetanschluss, kein Auto, keinen Balkon, keinen Garten und keine Terrasse hat.

Wie man sieht, schrecken gute Menschen in ihrem Kampf gegen die Kinderarmut auch nicht davor zurück, sich lächerlich zu machen und das Konzept von Armut von jedem Sinn zu entleeren.

Wo sich inszeniert wird, da fallen eben Späne.

Eigentlich müssten die Ergebnisse der Bertelsmann-Stiftung dazu führen, dass man es feiert, dass nicht einmal Kinder von dauerhaften Hartz-IV-Beziehern in Armut leben und ihnen deshalb nichts Wesentliches zu einer gesunden und unbeeinträchtigten Entwicklung fehlt. Aber das ist natürlich nicht das, was guten Menschen wie den Bertelsmännern den Warm Glow verschafft, gegen die furchtbare Kinderarmut, die monatliche Theaterbesuche verhindert, vorgegangen zu sein, bloß verbal versteht sich.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Wenn Bildung zur Freiheitsberaubung wird: Eugenik des Nachhaltigen Menschen

BNE ist gut.
BNE ist wichtig.
BNE muss man kennen.
BNE wird schon in der frühkindlichen Bildung verankert.
BNE ist die neustes Form der frühkindlichen Freiheitsberaubung.
BNE steht natürlich für Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Die Bundesregierung hat gerade ihre Stellungnahme zum nationalen Aktionsplan für nachhaltige Entwicklung vorgelegt. Der Aktionsplan ist im Wesentlichen eine Aufstellung darüber, wie Mensch zu leben hat. Er ist voller Ziele (130 davon), Maßnahmen (349 davon) , Absichtsbekundungen (Unmengen), die es erfordern, „ein Strategiepapier zu entwickeln“, „Fachveranstaltungen durchzuführen“, „Arbeitsgruppen einzusetzen“ und noch viel mehr zu veranstalten, was dem akademischen Präkariat, dessen Studium auf dem Freien Markt nicht nachgefragt wird, Lohn und Brot verschafft.

Im Gegenzug arbeitet das akademische Prekariat am neuen Menschen, wie er den Regierenden und der UN vorschweb. Der Aktionsplan für nachhaltige Entwicklung geht zu diesem Zweck alle Stationen durch, zu denen der Staat Zugriff auf die Bildungsanstrengungen von Individuen hat. Er reicht von der frühkindlichen Bildung über die schulische Bildung, die berufliche Bildung, bis zu Hochschulen, erfasst auch das non-formale „informelle Lernen“ und Kommunen. Das Prokrustesbett für den modernen Menschen, die Art und Weise, wie er zu leben hat, es nimmt Gestalt an, nachhaltige Gestalt.

Z.B. in der frühkindlichen Entwicklung:

„Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in Kindertageseinrichtungen umzusetzen bedeutet, Kindern im Alter von null [!sic] bis sechs Jahren die Möglichkeit zu bieten, sich spielerisch mit zukunftsrelevanten Themen und Fragestellungen zu beschäftigen, ihnen den Raum zu geben, selbst Verantwortung zu übernehmen und ihr unmittelbares Lebensumfeld im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung mitzugestalten. Die konkreten Alltagserfahrungen, Bedürfnisse und Interessen der Kinder stellen hierbei primäre Bezugs- und Ansatzpunkte für die Bearbeitung und das Aufgreifen der vielfältigen Themen einer nachhaltigen Entwicklung dar (wie zum Beispiel Wasser, Ernährung, Energie, Gerechtigkeit). Abwechslungsreiche Lernzugänge und offene Lernarrangements wie Morgenkreise, Projektarbeit, Experimentieren, Philosophieren [mit Kindern von 0 bis 6 Jahren], Freispiel und viele andere Angebote prägen den Alltag in den Einrichtungen und bieten Gelegenheiten, nachhaltige Entwicklung erlebbar zu machen“ (11).

Haben Sie schon bemerkt, dass immer dann, wenn es darum geht, Kindern jede Möglichkeit, etwas Eigenes zu entdecken und etwas zu machen, an das kein Erwachsener bis dahin gedacht hat, zu nehmen, davon die Rede ist, dass man den Kindern „Möglichkeiten bieten wolle“. Diese Form des Angebots von Möglichkeiten erinnert doch stark an die Möglichkeit von Strafgefangenen zwischen 11 und 12 Uhr auf dem Hof der Haftanstalt zu tun und zu lassen, was innerhalb von Mauern und Stacheldraht möglich ist. Deutsche Schulen und nicht nur deutsche Schulen, denn treibende Kraft hinter der beabsichtigten perfiden Form von Freiheitsberaubung, die Kindern und Jugendlichen jede Möglichkeit nehmen will, sich autonom und ohne Richtungsvorgabe zu entwickeln, ist die UN, federführend die UNESCO, ähneln immer mehr Haftanstalten. Vielleicht treten die USA ja auch aus der UN aus?

Weil es nicht reicht, Kinder von 0 bis 6 Jahren damit zu penetrieren, dass für die Herstellung eines t-Shirts viel Wasser benötigt wird, wird die kontinuierliche Indoktrination, die Dauerberieselung mit dem, was Gutmenschen für gut halten, auch in der Schule vorgesetzt:

„Wenn es darum geht, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) erfolgreich im Bildungswesen zu verankern, kommt der schulischen Bildung durch ihren prägenden Einfluss auf individuelle Bildungsbiografien eine besondere Bedeutung zu. BNE stellt dabei die handelnden Akteure im schulischen Bereich vor die Herausforderung, das orientierende Bildungskonzept BNE auf den unterschiedlichen Handlungsebenen (z.B. Bildungsverwaltung, Hochschule/Seminare, Schule) sinnvoll und vor allem wirksam zu verankern. Dabei gilt es, die wesentlichen Handlungsbereiche für diese Integration stärker in den Blick zu nehmen. Aus Sicht des Fachforums Schule wurden für den Bereich der schulischen Bildung zentrale Handlungsfelder, prioritäre Ziele und geeignete Maßnahmen formuliert, die eine zielgerichtete Implementierung von BNE im schulischen Bereich ermöglichen können. Hierbei geht es insbesondere darum, das Konzept der nachhaltigen Entwicklung als selbstverständliche Aufgabe der Bildungsverwaltung und des Bildungswesens zu verstehen, BNE in der Lehr- und (pädagogischen) Fachkräftebildung zu integrieren und strukturell in den Lehr- und Bildungsplänen sowie am Lernort und im Sozialraum Schule zu verankern und dabei die Partizipation von Kindern, Jugendlichen und Zivilgesellschaft als (Mit-)Gestaltungsinstrument sinnvoll zu berücksichtigen. Die hier formulierten Ziele gelten in gleichem Maße für allgemein- und berufsbildende Schulen” (23).

Kein Schüler, kein Lehrer, keine Schule, kein Lehrplan, nichts, was mit Bildung auch nur entfernt in Zusammenhang steht, wird von BNE verschont. Es gibt eine einzige, richtige Art zu leben und jeder Schüler hat die Freiheit, diese richtige Art zu leben. Wer sich dem BNE-Heil in der Schule verweigert, der wird an der Hochschule, in der beruflichen Bildung, in der Weiterbildung, in der Kommune weiter verfolgt, mit BNE und der richtigen Art selig zu werden.

Einst lebte man in Monarchien, die aus heutiger Sicht als rückwärtsgewandt bezeichnet werden, und durfte nach seiner Fasson selig werden. Heute lebt man angeblich in einer Demokratie und hat genau eine Wahl, mit BNE selig zu werden. Die Freiheitsberaubung durch Gutmenschen geht weiter und sie setzt wie gewöhnlich bei denen an, die sich am wenigsten wehren können, bei „0 bis 6 jährigen Kindern“, bei Schülern und Jugendlichen. Die können zwar in immer größerer Zahl weder lesen noch schreiben noch rechnen, aber das brauchen sie auch nicht. Zu viel Wissen ist hinderlich, wenn die Vorgabe für das richtige Leben darin besteht, mit BNE selig zu werden.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Osterburg ist wie Pyongyang: Gutmenschen missbrauchen Schüler

Wenn in Nordkorea ein Staatsakt ansteht oder eine Feierlichkeit durchgeführt werden soll, dann werden Kinder, Schüler, Jugendliche in Uniformen gesteckt, dürfen Gedichte zu Ehren von Kim Jong-un aufsagen, Theaterspiele über den Befreiungskampf der Nordkoreanischen Arbeiterklasse darbieten oder sich in Wehrertüchtigung auf den Endkampf gegen die USA vorbereiten.

Man blickt nach Nordkorea und ist erschreckt darüber, wie ein System seine Kinder indoktriniert, ihnen ihren freien Willen, ihre Fähigkeit, frei zu handeln, abtrainiert oder doch zumindest so kaserniert, dass sie sich nicht trauen, beides zu demonstrieren und man spricht von Unfreiheit, von einem Übergriff, von einer Manipulation, davon, dass ein totalitäres Regime die Freiheit seiner Bürger von Kindesbeinen an im Keim erstickt. Naja, die meisten sehen es so – bis auf ein paar ewiggestrige Linke.

Szenenwechsel.

Osterburg.

Marktgraf-Albrecht-Gymnasium
Die Allgemeine Zeitung berichtet:

„Gelungene Aktion gegen Rechts am Marktgraf-Albrecht-Gymnasium in Osterburg. Die Schule, seit drei Jahren Trägerin des Titels ‚Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage‘, setzte ein Zeichen gegen das Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl vor knapp einer Woche.“

Und weiter:

„Die Schüler [alle 700 Schüler des Gymnasiums] waren gestern aufgefordert, sich so bunt wie möglich zu kleiden. Das sollte die Vielfalt, das Bunte und auch die Offenheit des Gymnasiums symbolisieren.“

Wem dieser Unsinn noch nicht reicht, für den haben wir noch einen Schulleiter, von dem zu befürchten steht, dass er auch im Dritten Reich erfolgreich dabei gewesen wäre, seine Schüler auf Linie zu bringen:

„Oberstufenkoordinator Alexander Dankert: ‚Ihr Schüler und wir Lehrer sind eine Schulgemeinschaft ohne Rassismus und mit couragiertem Handeln‘ rief er den Schülern zu. … Das Wahlergebnis des vergangenen Wochenendes erfordere ein Zeichen gegen Ausgrenzung, gegen Rassismus und Extremismus. ‚Wir sind weltoffen und praktizieren an unserer Schule Akzeptanz und Toleranz‘, so Dankert.“

Die Akzeptanz und die Toleranz, die am Marktgraf-Albrecht Gymnasium in Osterburg praktiziert wird, ist eine bedingte Akzeptanz, die sich nicht auf die 16% Osterburger Wähler erstreckt, die bei der Bundestagswahl in Osterburg ihr Kreuz bei der AfD gemacht haben. Diese 16% haben am Marktgraf-Albrecht Gymnasium ebenso wenig Toleranz zu erwarten, wie die Kinder unter den Schülern, deren Eltern die AfD gewählt haben, Kinder, die es mit Sicherheit gibt. Sie, die nicht akzeptierten und nicht tolerierten, denen gegenüber die Courage nicht ausreicht, um neben Aufmärschen und kollektiven Aktionen auch ein Gespräch zu führen, sie haben nichts Gutes am Gymnasium, das so tolerant ist, dass es Rassismus nur gegen die richtet, die die falsche politische Ideologie vertreten, zu erwarten.

Die Aktion am Osterburger Gymnasium hätte auch in Nordkorea stattfinden können, denn auch in Nordkorea sind die Lehrer angehalten, schädliche Gedanken, alternative, am Ende noch innovative Gedanken, die am Status Quo des Systems, das für sakrosankt und über jede Kritik erhaben erklärt wird, auszumerzen bzw. im Keim zu ersticken. Alexander Dankert wäre auch in Nordkorea gut aufgehoben und könnte sich mit noch größerer Berechtigung auf der Seite der Mehrheit, die auch die Seite der Guten sein muss, wähnen. Zudem wäre in Nordkorea auch ein Irrtum folgenlos, da die Übergriffe auf Schüler, deren Manipulation und Indoktrination durch das Regime nicht nur gedeckt, sondern auch gewünscht sind.

Ob dies in Deutschland auch so ist, muss sich erst noch herausstellen. Ob es z.B. am Osterburger Gymnasium Eltern gibt, die die Indoktrination ihrer Kinder, deren Instrumentalisierung durch einen Gut-Lehrer, deren Standardisierung und den Raub ihrer Handlungs- und Meinungsfreiheit opponieren und es sich verbieten, dass staatliche Bildungseinrichtungen, die zur politischen Neutralität verpflichtet sind, für die Parteizwecke derer, die hinter der Aktion „Schule gegen Rassismus“ stehen, missbraucht werden. Es gibt noch Hoffnung, dass das ein oder andere Elternteil Rückgrat bei sich entdeckt.

Bei der Suche, die dieser Entdeckung notwendig vorausgeht, mag es behilflich sein festzustellen, dass die Aktion am Osterburger Gymnasium nicht nur gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstößt, die im Grundgesetz formuliert ist, sie ist auch ein eklatanter Verstoß gegen das Neutralitätsgebot von Schulen, das eingerichtet wurde, um die Indoktrination von Schülern, wie sie in Nordkorea praktiziert wird bzw. im Dritten Reich in Deutschland praktiziert wurde, zu verhindern.

Lehrer wie Alexander Dankert, die sich als gut profilieren und Schüler dazu missbrauchen wollen, bekämpfen entsprechend das, was sie zu schützen vorgeben: Die Demokratie. Bleibt zu hoffen, dass Dankert Sportlehrer ist. Da kann er nicht noch mehr Schaden anrichten.

Das Gymnasium in Osterburg ist übrigens nach Marktgraf Albrecht dem Bären benannt, ein wichtiger der Teilnehmer des Wendenkreuzzugs von 1147 war. Kreuzzüge sind eine Form des religiösen Genozids, bei der es darum geht, Ungläubige, in diesem Fall Slawen, zu vertreiben oder zu töten oder zu versklaven. Die entsprechende Tätigkeit setzt eine Überzeugung über die heilige Berechtigung der eigenen Handlungen, die darin bestehen, Dritte mit Krieg, Verwüstung und Tod zu überziehen, voraus. Insofern ist das Gymnasium in Osterburg vermutlich korrekt benannt.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Translate »
error: Content is protected !!
Skip to toolbar