Vermeintlich rechte Eltern sind die neuen Juden – Deutsche Brandstifter

Die Nationalsozialisten hatten bekanntlich ein Problem damit, Juden als Juden zu erkennen. Denn man sieht es den wenigsten Juden an, dass sie Juden sind. Entsprechend mussten Juden einen Judenstern tragen, damit jeder weiß, dass sein gegenüber ein Jude oder jüdischer Abstammung ist. Denn Juden, Juden wurden von den Nazis als verschlagene Bösewichte aufgebaut, die eine dunkle Gesinnung hegen und pflegen und versuchen, die Welt, die sie umgibt, zu täuschen und zu zerstören.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges hat man eigentlich gedacht, dass derart primitive Vorurteile und Versuche, Menschen entlang von nicht beobachtbaren Eigenschaft zu klassifizieren, vorbei sind.

Wir schreiben das Jahr 2016 und lesen Folgendes:

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Sind Eltern dumm? Indoktrination gratis in Apotheken: Baby und Familie

„Kinder rechter Eltern sind nicht unbedingt anders als Kinder anderer Eltern. Sie fallen manchmal erst nach längerer Zeit auf, zum Beispiel weil sie sehr still oder sehr gehorsam sind“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Heike Radvan“ von der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Gelbe Sterne für Kinder rechter Eltern? Um die Gesinnung schneller zu erkennen? Wie wäre es damit?

Und weiter geht es:

“‘Es herrscht in den Familien [rechter Eltern] oft ein Klima der Ungleichwertigkeit. Andere Menschen werden in Freund und Feind unterteilt‘, erklärt Radvan. „Kinder von rechten Eltern sind meist von klein auf daran gewöhnt, ihr Familienleben und ihren Alltag geheim zu halten‘, sagt Köttig“ [zu der wir noch kommen].

In den Gehirnen von Amadeus Radvan und von Michaela Köttig, die man an der Fachhochschule in Frankfurt an der Oder auf Studenten loslässt, wurde die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung durch die rechtsextreme Weltverschwörung ersetzt. Letztere wird nicht mehr von Juden getragen, sondern von rechten Eltern, die konspirative Motive haben, die nicht mehr auf die Weltherrschaft zielen, sondern darauf, die örtliche Kita zu unterminieren und den örtlichen Kita-Erziehern ein rechtsextremes Ei ins heile Kindernest zu legen.

Nuts in BedlamWer denkt, er hat bereits die Spitze des Wahnsinns erklommen, der hat die Rechnung ohne Heike Radvan, Michaela Köttig und Eva Prausner gemacht. Letztere ist „Diplom-Sozialarbeiterin“ und wird vom Berliner Senat ausgehalten, damit sie Eltern darüber aufklärt, woran man die Kinder rechter Eltern erkennt, also die Kinder, die besonders still und gut erzogen sind, um aus dieser Deckung heraus und ab drei Jahren ihr rechtsterroristisches Zersetzungswerk in der Kindertagesstätte anzutreten und vor Ort die Ideologie der Ungleichwertigkeit zu verbreiten, von der Radvan so gerne redet, und zwar immer dann, wenn sie über Rechte, rechte Kinder oder rechte Eltern redet, denn Rechte, gleich welchen Alters, sind nicht gleichwertig, jedenfalls nicht für Radvan, die keinerlei Akzeptanz, Toleranz und keinerlei Respekt für diese aus ihrer Sicht wohl unwerte Lebensstilform hat.

Aber wir waren bei Eva Prausner, der Diplom-Sozialarbeiterin aus Berlin, die genau weiß, wie man die stille und gehorsame Maske der drei-, vier- oder fünfjährigen Schläfer durchbricht, wie man sie bloßstellt und verhindert, dass sie andere Kinder mit ihrer falschen, minderwertigen und nicht zu tolerierenden Gesinnung infizieren: Man erkennt die Kinder rechter Eltern, die sich in die heile Welt örtlicher Kindertagesstätten eingeschlichen haben, „zum Beispiel durch akkurat geflochtene Zöpfe und lange Röcke … Auch die Söhne sehen oft sehr traditionell aus und tragen zum Beispiel keine amerikanischen Schriftzüge auf ihrer Kleidung“.

Eigentlich müsste man an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens ist. Aber damit würden wir der Diplom-Sozialarbeiterin zu viel Ehre angedeihen lassen und anyway, sie würde es sowieso nicht verstehen. Wer einen derartigen Blödsinn öffentlich von sich gibt, bei dem ist der Damm, der den Wahnsinn von der Normalität trennt, offensichtlich gebrochen. [Wer es immer noch nicht versteht, soll im lokalen Supermarkt alle aussortieren, die Zöpfe haben oder lange Röcke tragen oder keine Kleidung mit amerikanischer Aufschrift. Das sind nämlich alles Rechte.]

Aber es geht noch dümmer. Ein weiterer Prausner:

“’Wenn die Gesinnung auffällig wird, haben viele dieser Eltern bereits so gute Beziehungen aufgebaut, dass sie dann trotz solcher Äußerungen nicht mehr ausgegrenzt werden und im schlimmsten Fall sogar Unterstützung bekommen‘, so Prausner.“

Ist Prausner nicht ein besonderer Gutmensch? Wer ihr nicht passt, wessen Gesinnung sie nicht toleriert, den will sie ausgrenzen, im Kindergarten, vermutlich im öffentlichen Leben, eigentlich überall. Denn Prausners Welt duldet keine andere Gesinnung als die eigene. In Prausners Welt herrscht eingebildete Toleranz und geheuchelte Akzeptanz und bodenlose Dummheit. Aber nicht nur das: Das Motiv des verschlagenen Juden, der sich hinter unverfänglicher Maske verbirgt und daherkommt, wie ein ganz normaler Mensch, ein ganz normaler Deutscher, der seine Opfer wie eine Spinne in sein Netz lockt, um sie darin gefangen zu halten und mit seinem Gesinnungsgift vollzuspritzen, es ist nur zu deutlich in der Beschreibung der rechten Eltern, wie sie Prausner von sich gibt. Ein derart faschistoider mit rechtsextremer Gesinnung gespickter Satz, aus dem die Ideologie der Ungleichwertigkeit nur so trieft, wie ihn Prausner hier fabriziert hat, muss einem erst einmal einfallen. Anscheinend wird Prausner vom Berliner Senat finanziert, um die Gesellschaft in „wir, die Guten“ und „ihr, die Bösen“ zu unterteilen. Ein weiterer Beleg dafür, dass Prausner rechtsextremes Gesinnungsgut mit sich führt.

Der Olymp der Dummheit ist jedoch immer noch nicht erklommen. Wer denkt, nach Prausner gäbe es keine Steigerung mehr, der hat seine Rechnung ohne „Prof. Dr. Michaela Köttig, Soziologin und Rechtsextremismus-Forscherin an der Frankfurter University of Applied Sciences“, also von der berüchtigten Fachhochschule Frankfurt/Oder gemacht.

Der einfache Köttig:

“So, wie wir unseren Kindern Werte vermitteln, fließen in die Erziehung dieser Kinder [der rechten Kinder] eben rechte Ideologien.“

Die guten Eltern vermitteln also Werte wie Toleranz, in deren Genuss nur gute Menschen kommen. Rechte Menschen, also böse Menschen, kommen nicht in den Genuss der Toleranz der Gutmenschen, schon weil sie ihren Kindern Ideologien vermitteln, Inhalte, die die guten Menschen in ihrer Ideologie für falsch halten, denn Werte vermitteln die guten Menschen auch nicht. Es sei Frau Köttig, deren soziologische Qualifikation wir hier ausdrücklich anzweifeln, ins Studienheft geschrieben, dass sich Werte durch eine individuelle Bindung auszeichnen. Nicht zu lügen und still zu sein, wenn andere reden, ist z.B. ein Wert, andere Menschen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden will, ist ein weiterer Wert und weil es ein Wert ist, gilt er für das eigene Verhalten, das Verhalten, das man anderen gegenüber zeigt, und zwar allen anderen gegenüber. Wer Toleranz und Akzeptanz, wie Köttig, an Bedingungen knüpft: Ich toleriere nur, wer denkt wie ich, der hat den Wert der Toleranz gerade zerstört und an seine Stelle eine Ideologie gesetzt. Ideologen wollen andere erziehen, Werte dienen dazu, sich selbst zu erziehen.

Aber das war nur der einfache Köttig. Der doppelte Köttig, den wir nicht mehr bewerten können, weil die deutsche Sprache für bestimmte Verwirrungen nur noch Klassifikationen bereit stellt, mit denen sich Psychiater besser auskennen als wir, der doppelte Köttig, er lautet wie folgt:

“Die Abgrenzung was extrem ist und was nicht, ist schwierig. Tatsache ist, dass diese Gesinnung [die rechte] in der Mitte der Gesellschaft ihren Ursprung hat.“

police-brutalityEines der Grundprinzipien des rationalen Widerstands lautet: Etwas ist nicht sein Gegenteil. Wir müssen dieses Grundprinzip erweitern, die Köttigsche Erweiterung, die einen Blick in den Abgrund kognitiver Tiefstleistung eröffnet, sie lautet, Etwas ist nicht etwas anderes. Wenn etwas aus der Mitte kommt, dann ist es qua definitionem nicht extrem, denn Extremwerte finden sich – ebenfalls qua definitionem – auf einer eindimensionalen Strecke an den Rändern, links wie rechts, dement wie hyperintelligent. Wenn also etwas, zum Beispiel eine Gesinnung, in der Mitte ihren Ursprung hat, dann kann sie qua definitionem nicht extrem sein und auch nicht rechts, denn rechts ist rechts der Mitte nicht in der Mitte. Man glaubt einfach nicht, was man heutzutage schreiben muss, um den Unsinn richtig zu stellen, den Personen von sich geben, die sich an Universitäten eingeschlichen haben. Wenn es so etwas wie einen Tiefpunkt der kognitiven Entwicklung an Hochschulen gibt, dann wurde er mit Michaela Köttig erreicht [Köttig ist übrigens nicht zum ersten Mal Thema auf ScienceFiles].

Das gesammelte Grauen, das jeden Intelligenzforscher den Hut nehmen und sich der Demenzforschung zuwenden sieht, hat seinen Niederschlag in „Baby und Familie“ gefunden. Es ist Teil einer Kampagne, auf die wir in der Vergangenheit bereits hingewiesen haben und die mit der Amadeu-Antonio-Stiftung eng verbandelt ist, d.h., dass die Eltern von Kindern in Kindertagesstätten in Deutschland offensichtlich auf ihre Gesinnung hin geprüft und überwacht werden, haben wir dem Bundesministerium für FSFJ, also Propaganda zu verdanken, in dem man nicht nur die Amadeu-Antonio-Stiftung finanziert, sondern offensichtlich einen besonderen Gefallen daran gefunden hat, als Brandstifter in der eigenen Gesellschaft unterwegs zu sein und die Gesellschaft in „Wir, die Guten“ und „Ihr, die Bösen“ zu unterteilen.

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Damit sind wir bei dem angekommen, was unerträglich ist. Täglich schwingen sich Personen mit zweifelhaften kognitiven Fähigkeiten dazu auf, Menschen zu bekämpfen, denen sie eine „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ unterstellen und denen sie vorwerfen, dass sie die Menschen in „wir“ und „ihr“ teilen. Das tun sie, indem sie die Menschen in „wir“ und „ihr“ unterteilen und denjenigen, die zu „ihr“ gehören, das Recht absprechen, ihre Kinder zu erziehen, wie sie das für richtig halten, ihren Kindern Werte zu vermitteln, die sie für richtig halten oder eine Meinung zu äußern, die sie für richtig halten. Wer anderen diese Rechte bestreitet, ist offensichtlich der Ansicht, auf einem moralischen Hügel zu sitzen, von dem aus er dem minderen Menschenmaterial, das ihn umgibt, die richtige Kindererziehung, Wertevermittlung und Meinung verpassen kann. Wer so handelt, hält sich offensichtlich für moralisch überlegen, während er die anderen, die „Ihrs“ als unterlegen, als minderwertig ansehen muss. Täte er es nicht, er hätte keine Berechtigung, die Meinungen und Handlungen anderer in Frage zu stellen, er hätte sie zu akzeptieren und zu tolerieren.

Radvan, Köttig und Prausner tun das nicht. Sie tolerieren und akzeptieren die Meinung anderer nicht. Sie bekämpfen die Meinung anderer, die ihre eigene Ideologie für falsch hält. Sie bestreiten das Recht dieser anderen, ihre Kinder zu erziehen und ihnen Werte zu vermitteln, und sie wollen ihnen die eigene Meinung verbieten und ihre eiegen Meiung aufdrängen. Sofern die Unterteilung in „Wir“ und „Ihr“ und die Ideologie der Ungleichwertigkeit, wie Radvan und die Amadeu-Antonio-Stiftung so gerne betonen, Indikatoren für eine rechtsextreme Gesinnung sind, muss man wohl feststellen, dass Heike Radvan, Michaela Köttig und Eva Prausner rechtsextrem sind.


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Moralisches Trittbrettfahren mit Gutmenschen: Verrohung bei Lehrerverbänden

Sozialwissenschaftler beobachten regelmäßig Phänomene, die manche, z.B. James Coleman als Trend oder Mode bezeichnen, andere (DiMaggio und Powell) sprechen von mimetischer Isomorphie, also von Nachahmung, wieder andere von einem Hype, der nach einem Tipping-Point einsetzt (Gladwell). Und schließlich gibt es diejenigen, die von moralischer Panik einerseits sprechen und diese moralische Panik mit ihrem Gegenteil ergänzen, nämlich der Gutmenschen-Hysterie (ScienceFiles).

Um Letztere hervorzubringen, sind ein paar Zutaten notwendig:

  • (1) Es muss ein Thema geben, mit dem man sich in bestimmten Kreisen als guter Mensch ausweisen kann, ein Thema, das seinen „warm glow“ auf diejenigen zu verbreiten verspricht, die sich ihm unterordnen.
  • (2) Es muss das geben, was Irving Janis „Groupthink“ genannt hat, eine intellektuelle Insel, die von Personen bewohnt wird, die der Ansicht sind, die Grenzen ihres intellektuellen Vorstellungsvermögens seien gleichzeitig die Grenzen der gesamten Welt.
  • (3) Die Gruppe der Inselbewohner muss zudem vom Gefühl der moralischen Überlegenheit getrieben sein, z.B. weil sie sich als Bewohner der jeweiligen intellektuellen Insel eine besondere Wichtigkeit oder einen besonderen Status zuweisen, der sie – ihrer Meinung nach – anderen überlegen macht.
  • (4) Es muss Verbreitungskanäle geben, deren Zugang von Gatekeepern überwacht wird, die vor allem Themen durchlassen, mit denen man die eigene moralische Überlegenheit über eine als Untermenschen erkannte Gruppe von Bösewichten demonstrieren kann, denen man jegliche Form von konstruktivem Beitrag für die Belange der Gesellschaft absprechen kann, ohne dass sich die Frage nach der eigenen Integrität und Menschlichkeit für diejenigen stellt, die sie anderen absprechen.

Sind die drei letzten Bedingungen erfüllt, dann steht dem Trittbrettfahren der intellektuellen Insulaner mit Themen, von denen sie erwarten, dass sie ihnen auch außerhalb ihrer eigenen intellektuellen Insel zu Ruhm und Ehre gereichen und von denen, die nicht so moralisch überlegen sind, wie die intellektuellen Insulaner, mit Begeisterung aufgenommen werden, nichts mehr im Weg.

Und damit kommen wir zum Bayerischen Lehrerverband, dessen Präsident Simone Fleischmann Folgendes zu sagen hat:

“Wir Lehrerinnen und Lehrer beobachten mit Sorge die zunehmende Aggressivität in der Sprache und in den Umgangsformen. Nicht nur in der Schule, sondern in vielen Bereichen des Lebens – in der Politik, den Medien, in den sozialen Netzwerken. Wir beobachten, wie extreme Gruppierungen und Personen den Boden bereiten für Zwietracht und Gewalt. Das gefährdet unsere Demokratie.“

Dem müssen wir Lehrerinnen und Lehrer entgegenwirken – und wir können das auch. Denn in der Schule sitzt die Gesellschaft von morgen. Wir Erwachsene sind ihre Vorbilder. Unser Verhalten färbt auf Kinder und Jugendliche ab. Zugleich dürfen wir nicht tatenlos zusehen, wenn wir destruktive Umgangsformen in der Schule erleben.“

Logisch betrachtet muss man nicht mehr lesen als diese wenigen Zeilen. Was ist von „Lehrerinnen und Lehrern“ zu halten, die nicht bemerken, dass dann, wenn sie behaupten, dass die „Gesellschaft von morgen“ in der Schule sitzt und von Lehrern und vor allem von Lehrerinnen, denn die meisten Lehrer sind weiblich, beeinflusst werden kann, weil die Lehrerinnen und ihr Verhalten als erwachsene Vorbilder auf die „Kinder und Jugendliche“ abfärben, letztlich für das verantwortlich sind, was sie gerade beklagen. Denn: die verrohte Gesellschaft, die die Lehrer heute beklagen, ist die noch nicht verrohte Gesellschaft, die einst in der Schule saß und sich die entsprechenden Lehrer und vor allem Lehrerinnen zum Vorbild genommen hat. Das müssen richtige Lehrerinnen-Rohlinge gewesen sein, deren Sprache unsagbare Worte umfasst hat, Worte, von denen die Lehrer in Bayern heute nichts mehr wissen wollen. Jetzt, da sie den Schaden angerichtet haben, suchen sie sich billig aus der Affäre zu stehlen und die Verantwortung für die von ihnen beklagte fiese Gesellschaft, die sie, bei denen gestern die „Gesellschaft von morgen“ saß zu verantworten haben, an andere abzuschieben.

Und zwar mit einem Manifest, das man zweimal betrachten muss, um festzustellen, dass es sich um Text und nicht um eine Übung in Wordclouding handelt.

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Das ist das Manifest!

Und damit sind wir wieder bei den Zutaten der Gutmenschen-Hysterie, die man auch als Versuch der moralischen Reinigung bezeichnen könnte, so eine Art öffentliche Beichte, bei der die bayerischen Lehrer der Welt mitteilen, das sie gute Lehrer, aufrechte, nein nicht aufrechte, politisch-korrekte Lehrer sind, die die Gunst der Gelegenheit, die den politisch-korrekten Guten die Rechtspopulisten als Personifikation des Bösen und Hassobjekt [was Othering, das von den Gutmenschen anderen immer vorgeworfen wird, also die Teilung der Welt in Wir, die Guten, und Ihr, die Bösen, voraussetzt], als Gegenstand jeglicher Form von Beschimpfung beschert hat, nutzen wollen, um ihre Verantwortung für die Verrohung der Gesellschaft, die sie beklagen, also jener Gesellschaft, die bei ihnen „in der Schule“ saß, loszuwerden.

Entsprechend sind es „insbesondere Repräsentanten der Rechtspopulisten und Rechtsextremen“, die zu der „Verrohung des Umgangs“ maßgeblich beitragen: Trittbrettfahren par excellence, vorgeführt vom Bayerischen Lehrerverband, bei dem man sich nun sicher sein kann, dass seine Mitglieder intellektuelle Insulaner mit dem Anspruch moralisch anderen überlegen zu sein. Und natürlich ist das Manifest aus Bayern in den Medien schon nach kurzer Zeit verbreitet, denn die Gatekeeper in den Redaktionsstuben warten nur darauf, sich ebenfalls als gute politisch-korrekte Anti-Rechtspopulisten outen zu können und mit auf dem Zug der Gutmenschen-Hysterie zu fahren.

Fragt sich nur, wer sonst noch mit ihnen fährt.

Es scheint, die Nachfrage nach denjenigen, die auf möglichst einfache Weise Zutritt zur gesalbten Welt der Gutmenschen erreichen wollen, die sich als moralische Unternehmer mit dem Produkt „anti-Rechtspopulismus“ bei den Moralkonsumenten einkaufen wollen, wird immer geringer. Der Trend, die Mode, „hau den Rechtspopuliten“, sie ist im Abklingen. Entsprechend muten Versuche, wie der des bayerischen Lehrerverbands, sich von Verantwortung zu entäußern, wie Anzeichen einer um sich greifenden Torschlusspanik an. In Zeiten, in denen Grüne aus Parlamenten gewählt werden, ist diese Art der Panik unter Lehrern, sorry: Lehrerinnen sicher angebracht.

Bleiben noch ein paar Feststellungen:

Gabriel Stinkefinger

Rechtspopulistischer Gesellschaftsverroher!?

(1) Ein weiteres Merkmal von Gutmenschen-Hysterien ist es, dass die Gegenstände der Hysterie immer negativ definiert sind. Gutmenschen-Hysteriker sind immer gegen etwas, können aber nie positiv formulieren, wie sie das, wogegen sie sind, ersetzen wollen. Sie treten immer entgegen, stemmen sich gegen etwas, wollen mit anderen Worten einen Status Quo gegen den Ansturm des Bösen verteidigen, von dem sie nicht einmal sagen können, wodurch er sich auszeichnet. Sie wissen nur, wodurch er sich ihrer Meinung nach nicht auszeichnet.

(2) Bayerische Lehrer schreiben: „Damit [mit der Verrohung des Umgangs] wird der Boden bereitet für Zwietracht, Verfolgung und physische Gewalt. Hass, Aggression und Angst aber zerstören Gemeinschaft – egal, ob im Klassenzimmer, in der Schule oder zwischen den Nationen Europas.“

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Von Menschen und Untermenschen…

Das ist nun eine erstaunliche Kausalkette, von der man annehmen muss, dass sie von bayerischen Lehrern auch als Erklärung an den Zweiten Weltkrieg herangetragen wird. Angefangen hat demnach alles in der Weimarer Republik mit der Verrohung des Umgangs. Daraus ist Zwietracht und Verfolgung und physische Gewalt entstanden. Irgendwie ist aus Zwietracht, Verfolgung und physischer Gewalt, dann Hass, Aggression und Angst geworden und die Gemeinschaft der Deutschen, sie wurde zerstört, im Klassenzimmer, in der Schule und in ganz Europa. Das Ergebnis: Der zweite Weltkrieg.

Vielleicht sollte man sich die Unterzeichner und Verantwortlichen für dieses Manifest etwas genauer ansehen und im Zweifelsfall sein Kind auf eine Schule schicken, an der Lehrer lehren, die mit dem Manifest nichts zu tun haben, schon weil sie mehr an Unterricht als an moralischer Selbsterhöhung interessiert sind.

(3) Nachdem wir die Welle des Homosexuellen-Outings hinter uns haben, steht nunmehr die Welle des Anti-Rechtspopulisten-Outings an. Der Versuch moralischer Selbsterhöhung ist für manche offensichtlich ein Substitut für Leistung und Erfolg.


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Pauschale Herabwürdigung von Flüchtlingen: Ist der Werberat noch logisch vertretbar?

Kennen Sie eigentlich den Roman „Berge des Wahnsinns“ von HP Lovecraft? Nein? Dann sollten Sie ihn lesen. Er ist nicht nur spannend, er enthält auch eine der besten Beschreibungen kultureller Degeneration einer Gesellschaft, die wir kennen und somit eine der besten Darstellungen des Zyklus von Gesellschaften, wie ihn Ibn Khaldun beschrieben hat.

Berge des WahnsinnsDas Bild, das Lovecraft für die Degeneration einer Gesellschaft findet, kann man am besten damit zusammenfassen, dass im Zeitverlauf die Mitglieder einer Gesellschaft nicht mehr in der Lage sind, die Leistungen, die ihre Vorgängergenerationen ganz selbstverständlich erbracht haben, zu erbringen. War es z.B. noch in den 1970er und 1980er Jahren an deutschen Hochschulen undenkbar, dass ein Student der Sozialwissenschaften nicht weiß, was Methode, Erkenntnisinteresse und wissenschaftstheoretische Grundlage seines Faches sind, so hat sich das mit dem Einzug der Gender Studies geändert. Nunmehr wird an Hochschulen etwas gemacht, das deshalb Wissenschaft sein soll, weil es an Hochschulen gemacht wird, wenn auch niemand weiß, warum und wozu es gemacht wird.

Das selbe Phänomen findet sich im Hinblick auf die deutsche Sprache, die eine Form der Bedeutungs-Entkernung erlebt. Im Ergebnis kennen Deutschsprecher, obwohl sie das deutsche Schulsystem durchlaufen haben, die Bedeutung von Worten nicht mehr (zeichnen eine Kurve in ein Koordinatenkreuz, obwohl die Aufgabe darin bestand, den ungefähren Verlauf der RegressionsGERADEN anzugeben) und sind insgesamt mit der Verwendung ihrer eigenen Sprache in Sätzen, die aus mehr als drei Worten bestehen (Ich will …, Ich habe… ) überfordert.

So überfordert wie der deutsche Werberat, der gerade eine Werbung der Sicherheitsfirma EEG Wermann aus Leipzig beanstandet hat. EEG Wermann wirbt für die eigenen Alarmanlagen unter anderen mit dem folgenden Hinweis:

EEG Wermann“Schützen Sie Ihr Heim! Ihre Sicherheit ist unser Anspruch! Viele neue Mitbürger reisen in unser Land und leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein, darum sollten auch Sie nicht zögern, ihr Eigentum, Gesundheit oder gar ihr Leben zu schützen. Wir bieten Ihnen eine preiswerte, komfortable und effiziente Alarmanlage“.

Deutsche Verbraucher sind ja, wie Sie vielleicht wissen, aus Sicht derer, die sich als Edel-Verbraucher oder Ober-Verbraucher oder besondere Verbraucher ansehen, ziemlich dumm, weshalb man sie schützen muss, vor „diskriminierender und angsterregender Werbung“ zum Beispiel. Und das haben die 15 Hanseln vom Werberat, der auf Denunziationsbasis tätigt wird, dann im Hinblick auf die soeben dargestellte Werbung aus Leipzig auch getan. Damit Leipziger nicht hinter den Flötentönen der Alarmanlagenkäufer-Fänger von EEG Wermann herlaufen, wurde die Werbung gerügt, und zwar mit folgendem Wortlaut:

“‘Die Werbung suggeriert absichtlich, dass Flüchtlinge kriminell und gefährlich sind. Solche Firmenpropaganda würdigt Flüchtlinge pauschal herab und stellt einen eklatanten Verstoß gegen die Standesregeln der Werbewirtschaft dar‘“, sagte eine Sprecherin des 15-köpfigen Expertengremiums, das als Beschwerdeinstanz für Bürger gegen unangemessene Werbung vorgeht.“

Offensichtlich sind weder die Sprecherin noch die 15-köpfige-Expertenhydra der deutschen Sprache mächtig. Denn im Werbetext heißt es ausdrücklich: „leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein“. Nicht alle sind nicht alle. Und weil nicht alle nicht alle sind, deshalb gibt es auch weder die Aussage, „dass Flüchtlinge kriminell und gefährlich sind“ noch werden „Flüchtlinge pauschal herab“gewürdigt, wie die Experten für logische Fehlschlüsse mit ihren 15 Köpfen behaupten.

Die Rüge des Werberates ist somit ein Beispiel für die Degeneration einer Gesellschaft in der es offensichtlich passieren kann, dass ein Stadion bis zum letzten Platz gefüllt ist und dennoch als halb leer bezeichnet wird, und es ist ein Beispiel für die Infantilität der 15-Köpfigen-Werbewächterhydra, die sich trotz ihrer 15 Köpfe nicht vorstellen kann, dass Flüchtlinge nicht die edlen Wilden sind, die schon Karl May verherrlicht hat, sondern ganz normale Menschen. Sie sind nicht besser und nicht schlechter als der Durchschnitt der Deutschen, und da es unter den Deutschen doch tatsächlich Kriminelle gibt, gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch unter Flüchtlingen Kriminelle oder wie EEG Wermann werbend schreibt: „leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein“. Nicht alle!

Das einzige rügenswerte Pauschalurteil, das Flüchtlinge dadurch herabwürdigt, dass es ihnen menschliche Normalität verweigert, in dem sie zu edlen Wilden, die gar nicht wissen, was Kriminalität ist, gemacht werden, stammt aus den 15-Köpfen der Werbewächter-Hydra, so dass man sagen kann: Nicht alle dieser 15 Köpfe haben nicht alle Tassen im Schrank. Ob das ein Kopf der Hydra versteht?

Ansonsten wird EEG Wermann vorgeworden, dass durch die Aussagen der Werbung „bei den Umworbenen Angst erzeugt“ werde. Die 15-köpfige Hydra des Werberats ist also der Meinung, wer das liest bekommt Angst. Einmal davon abgesehen, dass die Werbewirkungsforschung wenn es darum geht, die Wirkung von Werbung zu bestimmen, eher bescheidene Ergebnisse zu Tage fördert und gar keine Ergebnisse, die eine derartige Stimulus-Response-Wirkung zeigen würden, wie man sie beim Werberat phantasiert, ist die Aussage schlicht falsch, denn die Angst muss nicht erzeugt werden, sie ist bereits vorhanden. Das zeigt eine eine Umfrage von Infratest Dimap, bei der 59% der Befragten angeben, sie würden eine Zunahme der Kriminalität durch den Zuzug von Flüchtlingen befürchten und je 53% angeben, vor einem Taschendiebstahl oder einem Einbruch in ihre Wohnung Angst haben. Vielleicht sollte die 15-köpfige Werbewächter-Hydra sich etwas mit der Realität befassen und Nachhilfe in Deutsch und in Logik nehmen. Vielleicht führt dies ja in einem der 15 Köpfe zu einer nachhaltigen Einsicht.

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Rot-grüne Meinungsfreiheit: Willst Du nicht meiner Meinung sein …

… dann wirst Du versetzt.

Niedersächsischer Denunzianten-Stadl, so hat Dirk Maxeiner, seinen heutigen Beitrag für die Achse des Guten betitelt. Der Denunzianten-Stadl, er sieht die Verantwortlichen eines Landesministeriums einen Lehrer, der allseits wegen seiner Fähigkeiten und Kompetenzen geschätzt wird, versetzen, weil dieser Lehrer auf Facebook und als Privatmann AfD und Pegida und Hagida Seiten geliked hat.

Der niedersächsische Denunzianten-Stadl erinnert massiv an die Aufarbeitung der Akten der Würzburger Gestapo durch den Kanadischen Historiker Robert Gellatelys. Was Gellately gefunden hat, hat ihn wohl selbst überrascht: Nicht die Gestapo war es in erster Linie, die die Bevölkerung ausgeforscht und ausspioniert hat. Nein, die Gestapo in Würzburg, sie konnte sich gar nicht vor Hinweisen retten. Die Denunzianten, sie standen Schlange.

THe Nazis a warning„For the whole area there were precisely twenty-eight Gestapo officials. Twenty-two were allocated to Würzburg, and almost half of them were involved in administrative work. The idea that the Gastapo itself was constantly spying on the population is demonstrably a myth. So how was it possible that so few people exercised so much control? The simple answer is because the Gestapo received enormous help from ordinary Germans. […] The files also show that most of this unpaid cooperation came from people who were not members of the Nazi Party – they were ‚ordinary‘ citizens. Yet there was never a duty to denounce or inform. The mass of files in the Würzburg archive came into being because some non-party member voluntarily denounced a fellow German“ (Rees, 2005: 59-60).

Die Gestapo in Würzburg, die 22 Männlein, die die Gestapo in Würzburg waren, sie konnten sich nicht vor den Denunziationen der guten Würzburger Bürger retten, Denunziationen, in denen Nachbarn Nachbarn an die Gestapo verkauft haben, um sich selbst mit dem warm glow des guten Menschen zu umgeben, wobei das, was den guten Menschen, den Denunzianten in den Jahren 1933 bis 1945 ausgemacht hat, etwas anderes war, als das, was ihn heute ausmacht.

Damals hat der gute Denunziant Juden verraten, Verhalten angezeigt, das der Ideologie, die die NSDAP vorgegeben hat, zuwider gelaufen ist. Damals wurden Nachbarn angezeigt, die einen Juden über Nacht beherbergt haben, Menschen, die einen Witz über Hitler oder die NSDAP erzählt haben, ihren Häschern überantwortet.

Heute ist das anders. Heute wird niemand mehr denunziert, in der Hoffnung, der Denunzierte haben einen Schaden und der Denunzierer einen Nutzen davon.

Heute sind die guten Menschen besorgt, nicht darüber, dass ein Jude im Nachbarhaus übernachtet, Gott bewahre, nein, besorgt darüber, dass ein Lehrer eine private Facebookseite dazu nutzt, um einen Like bei der entsprechenden Facebook-Seite von Pegida, Hagida und AfD-Deutschland anzubringen.

Nun ist es nicht offensichtlich, welche Likes ein Nutzer von Facebook verteilt. Wer es herausfinden will, der muss sich ein entsprechendes Tool besorgen und gezielt auf die Suche gehen, gezielt versuchen, ob er einem anderen etwas anhängen kann. Gute Menschen von heute, besorgte Kämpfer gegen Likes bei Pegida oder Hagida oder AfD, sie sind mindestens so motoviert, anderen etwas anzuhängen, wie dies für Gestapo-Informanten in den Würzburger Akten ersichtlich ist:

„The files teem with stories that do not reflect well on the motives of those who did the denouncing. … Ilse Sonja Totzke, who went to Würzburg as a music student in the 1930s … became an object of suspicion for those around her. The first person to denounce her was a distant relative, who said that she was inclined to be too friendly with Jews … One anonymous denouncer even hinted that Totzke might be a lesbian“ (Reece, 2005: 61).

Heute wird natürlich niemand mehr denunziert, weil er lesbisch oder schwul ist. Heute ist man besorgt, weil ein Lehrer an einer Gesamtschule in Niedersachsen in seiner freien Zeit ein Like bei AfD, Pegida und Hagida angebracht hat. Und mit brennender Sorge widmen sich Politiker und alle, die vor lauter Sorge um das Gute an deutschen Schulen nicht mehr schlafen können, dem Fall des likenden Lehrers, dessen Schüler zwar von keinerlei Fehlverhalten bei ihrem Lehrer berichten, aber Verhalten ist nebensächlich, wenn es um die richtige Gesinnung geht.

KGS SchwarmstedtWenn die richtige Gesinnung in Frage steht, dann wird der Lehrer zum Gespräch geladen, zum Gespräch mit dem „Vorsitzenden des Schulelternrates“, einem jener Besorgten, die ihrerseits natürlich nie ein Like bei Pegida oder AfD machen würden, schon weil ihnen vermutlich die Zivilcourage dazu fehlt. Dem ersten Gespräch, an dem auch Schulleiter und Mitglieder des Schulelternrates teilgenommen haben, folgt ein zweites Gespräch mit einem Vertreter der Niedersächsischen Schulbehörde, ein Dienstgespräch, denn auch bei der Niedersächsischen Schulbehörde teilt man die brennende Sorge darum, was der Lehrer in seiner Freizeit macht, die Sorge darüber, dass er von seinem Recht auf Meinungsfreiheit gar zu freien Gebrauch macht.

Dieser freie Gebrauch der Meinungsfreiheit, er hat sich nach Ansicht der Schulbehörden-Vertreter auf den Schulfrieden an der KGS in Schwarmstedt ungünstig ausgewirkt. Deshalb hat man den Lehrer versetzt. Wir sind heute ja zivilisiert und stecken niemand in ein Umerziehungs- oder sonstiges Lager, nur weil uns seine Gesinnung nicht passt.

Und jetzt, wo der Lehrer, der AfD-Liker, der Pegida-Versteher, der Hagida-Sympathisant versetzt ist, jetzt ist der Schulfrieden wirklich gestört. Die Schüler, sie wollen ihren Lehrer zurück, denn der Lehrer, er war zum einen beliebt, zum anderen kompetent. Und weil er kompetent war, deshalb sehen sich vor allem die Schüler der Abschlussklasse, deren Noten nun zählen, benachteiligt, geschädigt dadurch, dass ihnen der Lehrer versetzt wurde.

Das ist die große Unbekannte, mit der bei Schulbehörden regelmäßig nicht gerechnet wird: Schüler. An Schüler, die eigentlich der Grund der Existenz von nicht nur Schulen, sondern auch Schulbehörden sind, an sie und ihr schulisches Wohlergeben hat niemand gedacht. Man hatte wichtigere zu tun: Die Gesinnung eines Lehrers zu erschnüffeln und aus Likes zu erschließen und ihn wegen falscher Like-Verteilung zu versetzen.

Deutschland 2016. Denunziantentum ist wieder salonfähig und der Irrsinn endemisch.

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Volkserziehung: Deutsche sollen die richtige Zivilcourage lernen

Vor einigen Tagen haben wir über die neue Online-Stasi berichtet, deren Ziel darin besteht, Deutschen Zivilcourage und Counterspeech beizubringen. Bereits diese Beschreibung macht deutlich, dass es nur eine richtige Form von Zivilcourage gibt, die Zivilcourage, die von den Online-IMs als einzig richtige Zivilcourage vorgegeben werden soll, die Zivilcourage, die bestimmte ideologische Inhalte umfasst und andere geiselt. Ein Mensch, der in aller Öffentlichkeit Stellung gegen politisch-korrekten Unsinn bezieht, der sich z.B. namentlich bei seiner Universität darüber beschwert, dass Genderismus betrieben, Wissenschaft verunmöglicht und Männer benachteiligt werden, hat entsprechend keine Zivilcourage.

Online Civil CourageDieser Versuch, Zivilcourage vor einen ideologischen Karren zu spannen, rechtfertigt einen genaueren Blick darauf, was Zivilcourage eigentlich sein soll. Und wenn man diesen Blick in vermeintlich wissenschaftliche Texte richtet, dann landet man schnell bei Gerd Meyer und einer Gattung von Text, einem Genre, das man nicht mehr als wissenschaftlichen Text beschreiben kann, vielmehr dem Genre der Volkserziehung zurechnen muss, jenem Genre, zu dem Wissenschaft in Teilen verkommen ist.

So wie sich manche, die es auf wissenschaftliche Positionen geschafft haben, immer noch einbilden, sie hätten eine statushohe Position erreicht, so bilden sich manche ein, weil sie diese angeblich statushohe Position erreicht hätten, könnten sie andere belehren, erziehen, nudgen oder in welcher Form auch immer die Volkserziehung daherkommt.

Gerd Meyer gehört dazu. Er hat seine Bestimmung von „Zivilcourage“ in einem Sammelband veröffentlicht, der unter dem Titel „Demokratie-Kompetenz“ veröffentlicht wurde – ein Titel, der schon Schlimmes ahnen lässt. Man kann sich die Möchtegern Volkserzieher, wie sie dem dummen Mann von der Straße und seinen Kindern „Demokratie-Kompetenz“ beibringen wollen, richtig bildlich vorstellen. Sie, die keinerlei Toleranz dafür haben, dass in einem demokratischen System unterschiedliche Meinungen vorhanden sind (hätten sie diese Toleranz, sie müssten nicht von „Demokratie-Kompetenz“ reden). Die Erzieher zur Demokratie, sie entpuppen sich regelmäßig als Autokraten, die keinerlei Abweichung von ihrer Vorstellung davon, was Demokratie ist, zulassen – denn merke: Es gibt nur eine wahre Form von Demokratie, die Form, die ich vorgebe – wodurch Demokratie zu Totalitarismus wird, aber das nur nebenbei.

Gerd Meyer hat eine Definition von Zivilcourage vorgelegt, der man Anhaltspunkte dafür entnehmen kann, warum es Organisationen wie die neue Online-Stasi gibt, die von sich denken, sie könnten Menschen die einzig richtige Zivilcourage beibringen:

Für Meyer ist Zivilcourage ein „Typus sozialen Handelns“, aber „keine Eigenschaft einer Person“ (Meyer, 2005: 52).

Zivilcourage hat also für Meyer nichts mit Mut oder mit Engagement eines Einzelnen zu tun. Zivilcourage ist eine Form kollektiver Körperertüchtigung, die man im Zivilcourage-Studio erlernen kann, direkt von Big Brother mit den großen Zivilcourage-Muskeln.

Und so wie Zivilcourage keine Eigenschaft eines Individuums ist, sondern ein frei flottierendes Agens, das sich über Big Brother auch dem letzten Feigling mitteilt, so ist Zivilcourage inhaltlich sehr eng bestimmt und liegt nur dann vor, wenn – wie Meyer weiter ausführt – die folgende Bedingung erfüllt ist:

„Eine Person (oder seltener eine Gruppe) tritt – orientiert an humanen und demokratischen Prinzipien – ein für die legitimen, primär nicht-materiellen Interessen und die Integrität vor allem anderer Personen, aber auch des Handelnden selbst“ (Meyer, 2005: 52-53).

Ein vom frei flottierenden Agens der Zivilcourage (zuweilen auch gegen seinen Willen) besetzter Akteur, er ist nach der seltsamen Vorstellung von Meyer das wandelnde Gute, voller reiner Motive, voller demokratischer Absicht, er ist ein St.Martinesker Altruist, der mit gezogenem Mantel durch die Welt zieht, um Letzteren zu teilen und „humane und demokratische Prinzipien“ zu verteidigen – gegen Angreifer.

Die inhaltliche Bindung von Zivilcourage an demokratische und humane Prinzipien, die unbestimmt bleiben, sie macht es möglich, Zivilcourage als kollektive Eigenschaft, die sich dem korrekt lernenden Menschen mitteilt, als adelnden Agens der Richtigkeit und des Guten zu bestimmen, als Mittel, mit dem man – schwubs – einen Teil der Bevölkerung von der Tischkante stoßen kann.

Zivilcourage gibt es nur, wenn die Motive des Zivilcouragierten, die richtigen sind, wenn er human und demokratisch ist, wobei z.B. Online-Wächter bestimmen, was human und demokratisch und was nicht human und demokratisch ist, was von einem Monster gesprochene Hassrede ist. Und damit auch ganz klar ist, dass die so beschriebenen Zivilcouragierten die richtigen, die wahren, reinen und einzig demokratisch-humanen Zivilcouragierten sind, darf natürlich der Verweis auf die „nicht-materiellen Interessen“ nicht fehlen.

Willkommen im Kindergarten der Phantasie.

Zunächst: Zivilcourage ist natürlich eine individuelle Eigenschaft. Was sonst sollte es sein? Wer kann Courage haben und im täglichen Leben zeigen? Wer handelt, wenn nicht der Einzelne? Die Zivilcourage handelt sicher nicht.

Dann: Handeln gibt es nur als soziales Handeln, denn Handeln setzt voraus, dass es auf andere gerichtet ist. Ist es nicht auf andere gerichtet, dann ist es Verhalten und nicht Handeln. Von einem Sozialwissenschaftler sollte man verlangen können, dass ihm diese in der Soziologie verbreitete Unterscheidung bekannt ist – er sein Handwerkszeug also beherrscht.

Wenn Handeln immer auf andere gerichtet ist und nur Einzelne, nur Individuen handeln können, dann ist klar, dass die Motive des Handelns keine kollektiven, sondern nur individuelle Motive sein können. Man kann Menschen vielleicht einreden, dass sie zivilcouragiert sind und dass sie dann zivilcouragiert sind, wenn sie böse Rechte hauen und arme Linke beklatschen, aber man wird nicht für die entsprechenden Menschen zuhauen oder klatschen können. Das müssen diese schon selbst tun. Entsprechend ist die Vorstellung davon, dass Zivilcourage ein kollektives Agens sei, das sich denen mitteilt, die auf dem richtigen Pfad von Humanismus und Demokratie, also auf dem sind, den z.B. Online-Wächter wie Kahane und Konsorten weisen wollen, vollkommener Unsinn – vollkommener ideologisch motivierter Unsinn.

Denn natürlich hat die Vorstellung, man könne Menschen zu bestimmten Handlungen manipulieren, sie zu Marionetten an der Schnur richtig vorgegebenen Humanismus‘ oder richtiger vermeintlich demokratischer Werte machen, etwas. Wer möchte nicht der Zampano sein, der sagt, was Zivilcourage ist und woran man sie erkennt. Wer möchte nicht Macht über andere ausüben, altruistische Macht natürlich, so wie sie die Mitarbeiter der Amadeu-Antonio-Stiftung jeden Tag auszuüben versuchen, wenn sie die Welt der Aussagen in richtige und falsche teilen und andere dazu bringen wollen, ihre Einteilung, ihre vollkommen undemokratische, weil totalitär verordnete, weil nicht begründete Einteilung zu teilen.

Es ist schon verständlich, dass Menschen, die sonst nichts haben, keine Zivilcourage z.B., um etwas anderes als Abhängiger von staatlichen Zuwendungen zu werden, davon träumen, Macht über Dritte ausüben zu können, ihnen den Mund verbieten zu können, sie zu Zombies der politischen Korrektheit machen zu können, die Zivilcourage unnötig macht. Es mag gelingen, manchen, vielleicht auch vielen einzureden, dass sie bessere Menschen und zivilcouragierte Menschen sind, wenn sie Büros der AfD beschädigen und die vorgegebene Bestimmung von Humanismus und Demokratie inhalieren.

Maehlert kleine GeschichteEs wird aber immer Menschen wie uns geben, die die Zivilcourage aufbringen darauf hinzuweisen, dass Online-Wächter die Totengräber von Demokratie sind, weil sie nämlich zerstören, was sie angeblich schützen wollen; die darauf hinweisen, dass ein materiell motivierter Zivilcouragierter, der sich gegen die Beseitigung von Meinungsfreiheit stellt, für der Erhalt einer Demokratie mehr wert ist als 1000 ideologische Zombies, die sich als Kämpfer für das zivilcouragierte Paradies fühlen und ihr Mütchen in so herausragenden Aktionen wie Denunziation und Verleumdung zur Schau stellen.

Versuche, wie der von uns vor einigen Tagen beschriebene Versuch, eine Online-Stasi zu etablieren, sind umsonst, denn sie ziehen nur die Claqueure an, diejenigen, die auf Führung gewartet haben und darauf angewiesen sind, von anderen bestätigt zu bekommen, dass sie gute Menschen sind, die auf der richtigen Seite stehen, Menschen also, denen jede Zivilcourage fehlt.

Zivilcourage erfordert es, eigenen Prinzipien zu folgen und zuweilen oder oft gegen den politisch-korrekten Mainstream zu kämpfen, weil der politisch-korrekte Mainstream intolerant ist, Andersdenkende nicht akzeptiert und weder human noch demokratisch ist. Er ist nicht demokratisch, weil er denen demokratische Rechte verweigern will, die von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen. Er ist nicht human, weil er die eigenen Anhänger enthumanisiert, sie zu Zombies macht, die hinter Vorgaben hertrotten, ihnen das Recht abspricht, eigene Entscheidungen zu treffen und alle, die von den Vorgaben abweichen, als Feinde zum zivilcouragierten Abschuss freigibt.

Der Versuch, den Begriff „Zivilcourage“ zu hijacken, er ist ein weiterer Versuch in der zwischenzeitlich schon längeren Reihe der Versuche, die Gesellschaft in zwei Teile zu spalten, in Wutbürger und Gutbürger, Problembürger und Bravbürger, in Fieslinge und Zivilcouragierte. Insofern der Versuch, eine Gesellschaft zu zerteilen und Teile von Ressourcen und Mitsprache auszuschließen, ein anti-demokratisches, totalitäres Unterfangen ist, erweisen sich die Prediger der Zivilcourage, die Online-Wächter als würdige Nachfolger des letzten deutschen Versuches, eine Gesellschaft in ein Gefängnis zu verwandeln und ihre Mitglieder mit gegenseitigem Misstrauen zu infizieren.

Insofern Pamphlete wie das von Gerd Meyer in wissenschaftlichen Verlagen erscheinen und in Büchern, die den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben, muss man zudem konstatieren, dass einmal mehr der Versuch, gesellschaftlichen Widerspruch durch eine Instrumentalisierung der Wissenschaft, dieses Mal nicht im Namen von Marx und Lenin, sondern im Namen von vermeintlich Humanismus und Demokratie zu unterbinden, im Gange ist. Ist am Ende Zivilcourage notwendig, Zivilcourage, zu der sich auch oder gerade Wissenschaftler aufraffen müssen?

 
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Nazi! Hoch-Zeit für ewiggestrige Beleidiger

Man könnte fast denken, Deutsche wären rückwärtsgewandt, lebten in der Vergangenheit, seien nie so richtig über das tausendjährige Reich hinweggekommen. Jedenfalls legt die Blüte des Begriffs „Nazi“, der sich auch im Jahre 71 nach dem Ende des Dritten Reiches in voller Blüte befindet, diesen Schluss nahe.

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Warum ist dem so?

Versuchen wir eine wissenschaftliche Erklärung, die auf den Ergebnissen von sozialpsychologischer, soziologischer und politikwissenschaftlicher Forschung basiert.

Zunächst fällt bei der Verwendung des Begriffs „Nazi“ auf, dass er undifferenziert verwendet wird. Jeder kann sich heute als Nazi qualifizieren. Für manche Schwule sind die, die Homosexuelle nicht mögen, Nazis. Nazis sind alle, die gegen die weitere Aufnahme von Flüchtlingen sind. Die NPD, das sind Nazis. Nazis sind welche, die Springerstiefel tragen. Nazis sind Antisemiten. Wer den Genderismus als großangelegten Versuch der Nutznießung entlarvt, hat gute Chancen, als Nazi, weißer, männlicher Nazi bezeichnet zu werden.

Nazi als Bezeichnung ist ein Sammelbegriff, ein Catch-all Begriff, der je nach Bedarf verwendet werden kann und verwendet wird. Trotz dieser vielen Verwendungen, die der Begriff „Nazi“ erfährt, haben alle Verwender eines gemeinsam: Sie wollen denjenigen oder diejenigen, die sie als Nazi oder Nazis bezeichnen, abwerten, beleidigen oder als Bodensatz der Menschheit disqualifizieren, mit dem sich richtige Menschen nicht abgeben.

Warum wollen sie das?

netz-gegen-nazis_largeUm diese Frage zu beantworten, ist es wichtig, die Einsamkeit des Begriffs „Nazi“ in Rechnung zu stellen. Manche wollen „Nazis auf die Fresse“ geben. Andere „Nazis keine Chance“ geben, wieder andere betreiben ein „Netz gegen Nazis“, und alle stellen sie Behauptungen darüber auf, dass sich bestimmte Personen als Nazis qualifizieren, sagen aber nicht, warum. Der Nazi er kommt ohne Begründung. Warum jemand ein Nazi ist, welche Handlungen er ausgeführt hat, um sich als Nazi zu qualifizieren, was er gesagt oder geäußert hat, es wird nicht im Hinblick auf eine genaue Bestimmung von Nazi bewertet, sondern an sich als Handeln eines „Nazi“ oder als Aussage eines „Nazi“ deklariert. Anders formuliert: Die meisten, die den Begriff Nazi benutzen, können nicht kognitiv begründen, warum sie ihn benutzen, noch weniger können sie z.B. begründen, warum das, was einer sagt, den sie als Nazi qualifizieren, falsch sein soll. Die Beschimpfung, sie scheint die Ersatzhandlung für nicht vorhandene kognitive Fähigkeiten zu sein.

Die meisten, die den Begriff „Nazi“ benutzen, können ihn nur affektiv begründen, denn sie haben eigentlich gar keine Ahnung, warum sie den Begriff benutzen.

Worin besteht dann der Wert der Benutzung des Begriffs „Nazi“?

Das Problem, vor dem Personen stehen, die es nicht schaffen, sich und ihre Einstellungen positiv zu definieren, also mittels einer Begründung, die z.B. in Werten basiert, ist: Sie haben keine Ahnung, warum sie das, was sie behaupten, behaupten, das was sie für richtig halten, für richtig halten, das, was sie tun, tun. Sie sind ein Identitätsvakuum. Ihre Existenz erfährt keine positive Begründung, denn eine positive Begründung setzt einen kognitiven Akt, eine Überlegung voraus.

Diejenigen, die den Begriff „Nazi“ in derogativer Absicht benutzen, sind häufig nicht in der Lage, jenen kognitiven Akt auszuführen, was leicht daran erkennbar ist, dass sie die Verwendung von „Nazi“ nicht begründen können. Diese Unfähigkeit macht es notwendig, die eigene Positionsbestimmung in Abgrenzung zu anderen vorzunehmen. Nicht: ich bin, sondern: ich bin nicht. Da die kognitiven Fähigkeiten nicht ausreichen, um dieses „ich bin nicht“ rational zu begründen, bleibt nur eine affektive Begründung, eine Zuordnung zu einer Gefühlsgemeinschaft, deren Mitglieder sich durch ein affektives „ich bin gegen“ verbunden sehen.

Und hier kommt der Begriff „Nazi“ ins Spiel.

Kaum ein Begriff hat eine derart eindeutige und weit geteilte, negative Konnotation wie Nazi. Selbst Hitler hat dies so gesehen und den Begriff gehasst (dazu unten mehr). Kaum ein Begriff bietet durch seine Verwendung bzw. Anwendung auf andere die Möglichkeit, sich selbst als Anti-Nazi und somit als Guter von anderen, den Bösen, den Nazis abzugrenzen und ein positives Wir-Gefühl unter den Anti-Nazis herzustellen, die zwar immer noch nicht wissen, warum sie Anti-Nazis sind, aber nun in der Lage sind, sich affektiv zugehörig zu fühlen. Sie sind die da, die, die gegen Nazis sind. Und weil Nazis schlecht sind, müssen diejenigen, die gegen Nazis sind, nicht nur gut sein, sondern auch in allem, was sie behaupten, aussagen und tun, gut sein.

Derartige logische Kurzschlüsse erklären einen Teil der Popularität von „Nazi“, aber sie erklären nur den nicht-kognitiven, den kognitiv armseligen, den affektiven Teil seiner Verwendung.

Opportunismus erklärt den Rest.

Nichts ist einfacher als Gläubige zu instrumentalisieren, vor allem dann, wenn am Glauben die ganze Person hängt, so wie das bei den nicht-kognitiven Verwendern des Begriffs „Nazi“ der Fall ist. Nimm‘ Ihnen den Begriff, konnotiere ihn positiv und sie verschwinden als Person, hören schlicht auf, sozial zu existieren, sind nun die kognitiven Vakuums in Realität und Vorstellung, die sie vorher nur in der Realität waren.

AntifaEntsprechend ist es wichtig, Nazis und ihre Verderbtheit, vorrätig zu halten, denn gäbe es keine Nazis, die der eigenen eingebildeten Persönlichkeit Existenz verleihen, sie wäre in Gefahr. Das machen sich Opportunisten vom Typ 1 zunutze, indem sie die Werbetrommel für den Kampf gegen Nazis rühren und einerseits mit Verweis auf die vielen Anti-Nazis, denen mindestens ebenso viele Nazis gegenüberstehen müssen, die eigenen Taschen mit Steuermitteln für Projekte und Workshops und allerlei unnötigen Firlefanz füllen, andererseits durch ihre Betonung von Nazis und der Gefahr, die von Nazis ausgeht, nicht nur dafür sorgen, dass der kleine Haufen von Rechten zu einem Millionenheer der Nazis aufgeblasen wird, sie sorgen auch dafür, dass es für Personen, die sich negativ von anderen absetzen und daraus ihre Persönlichkeit gewinnen wollen, schick wird, sich als Nazi zu gerieren.

Mit anderen Worten, diese Opportunisten schaffen und vermehren, was sie vorgeblich bekämpfen und beseitigen wollen, und sie tragen eine nicht geringe Mitschuld daran, dass öffentlicher Diskurs und öffentlicher Umgang miteinander fast schon unmöglich geworden ist.

Schließlich gibt es noch die Opportunisten vom Typ II, die versuchen, politisches Kapital daraus zu schlagen, das sie den nicht-kognitiven Anti-Nazis anbieten, politische Legitimation für ihren Kampf gegen Nazis zu verschaffen. Damit geht das Versprechen einher, den Kampf gegen Nazis auf eine gesellschaftlich beachtete und mit Status versehene Position zu stellen und alle, die gegen Nazis kämpfen, nicht nur der Existenz der Nazis und der Berechtigung des Kampfes zu versichern, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, sich als besonders wertvolle Mitglieder der Gesellschaft zu fühlen.

Das ist schon ein Angebot, vom kognitiven Vakuum zum Vorkämpfer einer friedlichen, demokratischen oder wie auch immer die Begriffe, mit denen man sie fängt, lauten mögen, befördert zu werden, und all dies ohne Anstrengung und ohne die Notwendigkeit, sich zu überlegen, warum man eine Meinung für falsch ansieht, warum man die Meinung hat, die man hat, sofern man eine hat, warum man der Mensch ist, der man ist. Es reicht, andere als Nazi zu bezeichnen, auf die affektive Ladung, die mit dem Begriff transportiert werden soll, zu vertrauen und sich geadelt zu fühlen.

Der Begriff „Nazi“ unbegründet und in derogativer Absicht verwendet, er ist deshalb so beliebt, weil er die Einbildung einer Persönlichkeit ermöglicht, weil er sich eignet, um Steuergelder einzuheimsen und weil man politisches Kapital daraus schlagen kann.

GegenNazis„Nazi“ ist übrigens ein Begriff, der lange vor es die Nationalsozialisten gab, genutzt wurde, um eine bäuerliche Rückständigkeit in derogativer Weise zu beschreiben. Vorbild waren die bayerischen Ignatiuse. Nazi ist die Kurzform von Ignatius und meinte: Du bist ein rückständiger bayerischer Bauer! Mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten wurde Nazi auf die Mitglieder der NSDAP übertragen, um deren Rückständigkeit deutlich zu machen (u.a. deshalb hat Hitler den Begriff gehasst). Und er hat sich gehalten, der Begriff, bis heute, allerdings unter Verlust seiner kognitiven und Reduzierung auf seine affektiven Komponenten.

Es ist diese inhaltliche Leere vereint mit einer großen negativen affektiven Ladung, die den Begriff „Nazi“ so geeignet macht, um als Kampfmittel im politischen Prozess und aus den oben genannten Motiven eingesetzt und genutzt zu werden. Der Erfolg, der damit einhergeht, macht Liberale wie uns nachdenklich, und zwar deshalb, weil wir annehmen, dass Menschen mit einem eigenen Willen ausgestattete Wesen sind,  deren kognitive Fähigkeiten es ihnen erlauben, eigene Entscheidungen zu treffen. Viele Verwender des Begriffs Nazi bleiben deutlich hinter dieser Annahme zurück.

 
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Professionelle Betroffenheit: „Wir weinen“ um einen erfundenen Toten

Der Tod eines 24jährigen Syrers, der als Folge des Anstehens am Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales am 27. Januar verstorben sein soll, hat Wellen geschlagen. Die SMS-Mitteilung des Todes liest sich im Dialog zweier Helfer von „Moabit hilft“ wie folgt:

„Was hat er?
ich weiß es nicht, er hat 39,4 Fieber, SChüttelfrost und kann nicht mehr sprechen. Ich denke, ich rufe einen Krankenwagen jetzt
>>Mach das definitiv!!!
Sag Bescheid wenn Du Hilfe brauchst! Ich komm auch vorbei danke, hab angerufen

Ok, sitze im krankenwagen herzstillstand
>>ich glaubs nicht F***!!!!!!!! (…) Brauchst DU dort support??? Ich komm vorbei und halt Deine Hand das kann doch nicht sein Du bist doch selbst noch krank
Geht Arabisch – Englisch – Übersetzung auch??? Hasan ist noch wach

Mein Freund Matthias ist Arzt, er bringt wen mit. zum übersetzen
meld mich gleich
>>Ich geb Khaled deine No per Telefon sofort möglich
Er hat versucht dich anzurufen, er macht das fantastisch – Muttersprachler und liebster Mensch – geht das per Telefon und hilft bis der von Matthias kommt?

Danke Reyna, bin in Klinik Matthias ist jetzt hier. Kann ich Khaled noch etwas anrufen?
Kann er mich adden, bitte?
>>Ja!
Ich sag’s ihm
Hab dir seine nr auch geschickt – du hast ihn grade scheint’s weggedrückt

bin in klinik
>>Kannst nicht trl.?
Der hält sich grade für euch noch wach

Nein, er stirbt. kann nicht telenieren
>>Dirk du darfst in der Situation nicht allein sein. Schnips mit dem Finger und ich komm.
Name Klinik reicht

Er ist gerade verstorben Ich melde mich hiermit offiziell ab
>>Ich bin mit allem, was ich habe an Geist und Herz bei dir. Jetzt, den Rest der Nacht und morgen und immer. Tränen“

Die Geschichte ist tragisch, sehr tragisch, wenn sie wahr ist und wenn es stimmt, dass Flüchtlinge stundenlang in der Kälte zubringen müssen, um sich bei einem Amt einen Stempel unter einem Formular abzuholen, das man problemlos über das Internet verbreiten könnte. Und weil der Tod des 24jährigen Syrers so tragisch ist, muss er gleich per Todesanzeige genutzt werden, und zwar so:

Fluechtlinge gestorben.jpg

Auch die deutsche Presse ist betroffen und formuliert Schlagzeilen wie:

24jähriger Syrer: „Moabit hilft“ meldet Tod von Flüchtling am LaGeSo.

oder

Flüchtling nach tagelangem Anstehen in Berlin gestorben

oder

Flüchtling nach tagelangem Anstehen in Kälte gestorben

oder

Betroffenheit nach Tod eines jungen Syrers

Und jetzt kommt es:

Der 24jährige Syrer, der in Berlin nach langem Anstehen gestorben sein soll, es gibt ihn nicht.

Die Geschichte ist frei erfunden.

Uns interessiert hier nicht in erster Linie, wieso Dirk, der Helfer von „Moabit hilft“ meint, den Tod eines Menschen frei erfinden zu müssen. Diese Frage sollen Psychiater beantworten. Man kann nur erschreckt annehmen, dass Helfer Tote herbeizusehen scheinen, um das Marketing dafür anzukurbeln, die mit Sicherheit schlechten Zustände zu verbessern wie sie z.B. vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales herrschen.

Tagesspiegel toter FluechtlingDie Stimmung unter den Helfern muss entsprechend hysterisch und aufgeladen sein, die ideologische Ladung geradezu explosiv, so dass man die Freude darüber, dass trotz aller schlechter Bedingungen, nichts passiert, in die Hoffnung umkehrt, ein Opfertod möge die schlechten Bedingungen anprangern, wenn schon nicht verändern. Man fühlt sich an die Homosexuellen-Aktivisten erinnert, die partout darauf bestehen, dass Homosexuelle sich öfter das Leben nehmen als Heterosexuelle, und anstatt freudig darüber zu sein, dass die Daten den häufigeren Suizid von Homosexuellen nicht belegen, sind sie verärgert und verbiestert und bezeichnen jeden, der es wagt, an ihrer Todessehnsucht für andere zu sägen, als homophob. Flüchtlingshelfer in Berlin scheinen dieses Syndrom zu teilen.

Die erfundene Geschichte vom Tod des 24jährigen Syrers hat eine Welle der Betroffenheit und einen Berg von Grabkerzen nach sich gezogen. Professionell Betroffene sind zum Ort des Geschehens gepilgert, um sich dort als betroffen, betroffen über den Tod eines Menschen, den sie nicht kannten, zu zeigen.

Das Betroffenheitshappening zeigt deutlich, wozu Flüchtlinge manchen in Deutschland dienen: Aus ihnen lässt sich moralisches Kapital schlagen. Syrer, syrische Flüchtlinge und am besten noch, syrische Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen und sterben, das sind derzeit die besten Mittel, die man instrumentalisieren kann, um die eigene Gutheit und die eigene moralische Überlegenheit zu inszenieren, um sich selbst als Krone der deutschen Schöpfung darzustellen.

Man muss entsprechend entsetzt über die Art und Weise sein, in der Flüchtlinge in Deutschland instrumentalisiert werden. Dies gilt nicht in erster Linie für Dirk, den Helfer, der den Tod des 24jährigen Syrers frei erfunden hat, sondern vor allem für die professionellen Betroffenen, die mit ihren Grabkerzen bereits in den Startklötzen gekauert haben, um endlich ihre moralische Entrüstung loswerden zu können und sich selbst als richtig betroffen und vor allem richtig gut inszenieren zu können.

Derartige moralische Inszenierungen müssen betroffen machen, wenn man die Meldung des toten Syrers als Erschütterungsexperiment auffasst, wie es in der Ethnomethodologie angewendet wird, um kulturelle Überzeugungen zum Vorschein zu bringen. Was die Falschmeldung über den Tod eines 24jährigen Syrers in Berlin zum Vorschein gebracht hat, sind kulturelle Überzeugungen, die in egozentrischen Zirkeln um die eigene Person kreisen und nur dann Kontakt zur Außenwelt aufnehmen, wenn man andere instrumentalisieren kann, um auf ihrem Rücken oder auf ihrer Leiche, eigene Ziele zu erreichen.

Wem dieses Urteil zu harsch erscheint, der kann leicht den Gegenbeweis antreten, in dem er uns die Freudengesänge und Bilder und Happenings der Freude all derer zeigt, die eben noch betroffen und bestürzt, nun erleichtert und erfreut darüber sind, dass kein 24jähriger Syrer in Berlin gestorben ist.

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Die Schule der Unaufrichtigkeit

Dr. habil. Heike Diefenbach liest derzeit Robert Spaemann, mit viel Spass und der Konsequenz, dass in der Redaktion von ScienceFiles oft über Spaemann und seine Philosophie gesprochen wird, denn: Seine Ideen sind bemerkenswert und seine Philosophie ist eine faszinierende, stringent argumentierte Philosophie.

Robert Spaemann ist ein deutscher Philosoph, der in den wissenschaftlichen Anstalten Deutschlands kaum rezipiert wird, jedenfalls nicht in dem Ausmaß, das seiner Philosophie und seiner Arbeit gerecht werden würde. Dagegen sind die Arbeiten von Spaemann ins Englische übersetzt und Spaemann gewinnt international die Anerkennung, die ihm in Deutschland bislang versagt bleibt.

Der Grund dafür, dass Spaemann’s Werk in Deutschland nur selten rezipiert oder bearbeitet wird, liegt wohl in der Geradlinigkeit seiner Argumentation und den Inhalten seiner Argumentation, die Gutmenschen und allen, die sich als gut inszenieren wollen, und davon gibt es in Deutschland wahrlich Legionen, nicht gefallen können.

Spaemann_moralische GrundbegriffeSo ist Spaemann der Ansicht, dass Handlungen, Einzelhandlungen, zwar in einem Kontext erfolgen, immer aber für sich stehen und als solche „diskrete Entitäten“ alleine die Möglichkeit eröffnen, ethische Urteile über die Handlungen anderer Menschen, über die Sittlichkeit von deren Handlung zu sprechen.

Dies kann Leuten nicht in den Kram passen, die Dritte z.B. dazu zwingen wollen, etwas zu tun, was diese Dritten nicht tun wollen und dies damit rechtfertigen, dass die Handlung das Beste für diese Dritten sei. Als Einzelhandlung betrachtet, stellt der Handlungszwang, dem Dritte unterworfen werden, eine unmoralische Handlung dar und führt dazu, wie Spaemann stringent argumentiert, dass das entsprechende ethische Urteil über den Zwingenden oder den Gutmenschen in unserer Diktion negativ ausfallen muss, mehr noch: die Behauptung eine schlechte Handlung sei im Rahmen eines größeren guten Kontextes notwendig, wird von Spaemann im Anschluss an Pascal als „Schule der Unaufrichtigkeit“ offengelegt.

Wir geben im Folgenden Teile seines Beitrags über Einzelhandlungen wider, in dem Spaemann diese Argumentation ausbreitet.

„Wir fragen uns nicht ganz allgemein ‚Wohin soll mein Leben gehen?‘, sondern: ‚Was soll ich jetzt tun?‘. Und diese Frage beantworten wir durch Benennung eines bestimmten Inhalts, der eine bestimmte Handlung zu dem macht, was sie ist, eines bestimmten ‚Objekts‘, wie es in der Sprache der Scholastik hieß. Dieser Inhalt der Handlung ist es, der sie zu einer solchen Handlung macht, und nur indem sie eine solche Handlung ist, ist sie überhaupt eine identifizierbare Handlung.
Nur über solche, durch Universalien bestimmte und identifizierbare Handlungen können wir uns miteinander verständigen. Und nur solche Handlungen können wir voreinander rechtfertigen. Rechtfertigung aber ist jedenfalls dort unverzichtbar, wo andere von den Folgen meines Handelns betroffen sind. Wäre nur das Ganze einer Lebenspraxis beurteilbar, und dies zudem nur unter dem Gesichtspunkt einer universellen Optimierungsstrategie, dann wäre ein die Praxis begleitender sittlicher Diskurs, dann wären auch sittliche Äußerungen wie Lob und Tadel gar nicht möglich. Wir könnten einander nicht in die Karten schauen, und auch jede Mitteilung über den Sinn unseres Handelns, ja jede Kommunikation stünde, statt unter dem Wahrheitsanspruch, unter dem Gebot der Weltoptimierung, also unter einer strategischen Absicht.
[…]
Die menschliche Lebenspraxis aber ist eine Form von Sprache. Handelnd geben wir einander etwas zu verstehen. Ja, handelnd lernen wir erst, uns selbst zu verstehen.
[…]
Im übrigen herrscht eine eigentümliche Asymmetrie zwischen Wahrheit und Falschheit. Für die Wahrheit komplexer Sätze gilt: Eine Konjunktion von Teilsätzen wird durch die Falschheit eines Teilsatzes als Ganze falsch, durch die Wahrheit eines Teilsatzes aber nicht wahr.
[…]
Eine ihrem Typus nach schlechte Einzelhandlung kann nicht durch einen übergreifenden Kontext gutgemacht werden, wohl aber die übergreifende, von einer guten Absicht geleitete Handlungssequenz durch eine schlechte Einzelhandlung schlecht. Mit – ihrem Typus nach – guten Einzelhandlungen verhält es sich umgekehrt: Sie werden durch den schlechten Charakter der Handlungssequenz – also durch deren schlechten ‚Zweck‘ – selbst korrumpiert, statt umgekehrt den sittlichen Charakter des Komplexes zu sanieren. Mit anderen Worten, der schlechte Zweck verdirbt das gute Mittel, aber der gute Zweck heiligt nicht das schlechte.
[…]
Es gibt Handlungen, deren moralische Verwerflichkeit deshalb ohne Ansehung des Kontextes von außen beurteilbar ist, ohne dass deshalb über die Gesinnung, also die moralische Qualität der handelnden Person, ein definitives Urteil gefällt werden muss. Über die Lobwürdigkeit einer Handlung kann – aufgrund des Handlungstypus – häufig ebenfalls von außen geurteilt werden, allerdings nur im Sinne eines prima facie Urteils, das durch die Aufdeckung eines korrumpierenden Kontextes revisionsbedürftig werden kann. Worauf es mir ankommt ist, zu zeigen, dass die Annahme von Einzelhandlungen als diskreten Entitäten die Bedingung eines die Lebenspraxis begleitenden ethischen Diskurses ist.
[…]
Fast jede Handlung steht in einer Anzahl verschiedener Kontexte. […] Jeder dieser Kontexte kann dazu dienen, die Handlung zu beschreiben. Komplexe Handlungen sind Handlungen, die wir beschreiben, indem wir sagen, dass jemand etwas tut, indem er etwas anderes tut oder unterlässt.
[…]
Spaemann personenWichtig ist hier, dass es sich nicht um eine zeitliche Folge von Ursachen und Wirkungen, von Mitteln und Zwecken handelt, sondern um eine Integration von Bedeutung. Das Gelingen des Lebens verhält sich zu den Handlungen, die diesem telos dienen, nicht wie der Zweck zu den Mitteln, sondern wie das Ganze zu den Teilen. Die Teile erfüllen eine Funktion für das Ganze, aber sie bilden zusammen selbst dieses Ganze. Die einzelne Handlung aber ist nur dadurch Teil des Ganzen eines gelungenen Lebens, dass sie selbst bereits ein Ganzes ist, indem sie zu einem bestimmten Zeitpunkt die handelnde Person zur Erscheinung bringt. Der Mensch ist der, der dies – und das heißt, der ’so etwas‘ – tut.
Die Beschreibung der Handlung, also die Definition des ’so etwas‘ kann, wie wir sahen, verschieden sein, aber sie ist nicht beliebig. Ich kann, …, von jemandem sagen: ‚Er hat Peter eine Mitteilung gemacht‘ oder ‚er hat Hans beleidigt‘ oder ‚er hat sich gerächt‘. Aber diese Beschreibungen stehen in einem eindeutigen Verhältnis der Über- und Unterordnung zueinander. Er hat sich gerächt, indem er Hans beleidigte, und er hat Hans beleidigt, indem er gegenüber Peter bestimmte Äußerungen tat. Diese Reihenfolge ist nicht umkehrbar. Vor allem aber: die jeweils spätere Beschreibung hebt die jeweils frühere, grundlegendere nicht auf. Man kann mit Bezug auf sie nicht, wie es der amerikanische Moraltheologe McCormick tut, von einem ‚expanded object‘ sprechen, das es erlaubt, eine an sich unsittliche Handlung umzudefinieren und in eine sittliche zu verwandeln: so also zum Beispiel die Handlung der Tötung von zehn unschuldigen Menschen in die Handlung der Rettung von 100 anderen, die, wenn diese Tötung verweigert worden wäre, hätten sterben müssen. Diese konsequentialistische oder ‚proportionalistische‘ Sicht läßt nicht nur die identifizierbaren Einzelhandlungen in einem Bedeutungskontinuum untergehen, sie ist auch, worauf schon Pascal hinwies, eine Schule der Unaufrichtigkeit. Die Kunst, die sie lehrt ist: ‚diriger l’intention‘. Wem es am besten gelingt, dem, was er tun will, eine gute Absicht zu unterlegen und alles andere zu verdrängen, der hat einen Freibrief, zu tun, was er will. Die einzelne Handlung hat als solche gar keine Identität und daher auch keine sittliche Qualität.“

Aus: Spaemann, Robert (2000). Einzelhandlungen. Zeitschrift für philosophische Forschung 54(4): 514-531.

Die Gutmenschen des Jahres 2015

Kennen Sie:

Prof. Dr. Nina Janich (Sprecherin); Stephan Hebel, Dr. Kersten Sven Roth, Prof. Dr. Jürgen Schiewe und Prof. Dr. Martin Wengeler?

Nein?

Dann wird es Zeit, denn die fünf Mitglieder der Unwort-Jury wurden von den Jurymitgliedern der eigens ins Leben gerufenen ScienceFiles „Gutmensch-des-Jahres-Jury“ zu Gutmenschen des Jahres 2015 gewählt.

Die fünf Mitglieder der Jury „Unwort des Jahres“, so lautet es in der Begründung der ScienceFiles-Jury, setzen sich seit Jahren und vollkommen wirkungslos dafür ein, Sprachhygiene zu betreiben und Worte, die der Jury nicht gefallen, zu ächten und aus dem Wortschatz des guten, braven und politisch-korrekten Deutschen zu streichen.

So hat sich die Unwort-Jury bereits im Jahre 2011 bemüht, das Wort „Gutmensch“ aus dem deutschen Sprachschatz zu tilgen, damals mit der folgenden Begründung:

darwin-great„Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des „guten Menschen“ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Ähnlich wie der meist ebenfalls in diffamierender Absicht gebrauchte Ausdruck Wutbürger widerspricht der abwertend verwendete Ausdruck Gutmensch Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationale Diskussionen gehören. Der Ausdruck wird zwar schon seit 20 Jahren in der hier gerügten Weise benutzt. Im Jahr 2011 ist er aber in unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Kontexten einflussreich geworden und hat somit sein Diffamierungspotential als Kampfbegriff gegen Andersdenkende verstärkt entfaltet.“

Die gerügte Weise der deskriptiven Beschreibung einer bestimmten Gattung Mensch, nämlich solcher, die andere mit ihrem guten Tunwollen verfolgen und zum richtigen politisch-korrekten Dasein reformieren oder missionieren wollen, hat natürlich nichts mit einer Abqualifizierung zu tun, denn der deskriptive Gebrauch des Begriffs „Gutmensch“ zur Bezeichnung derer, die sich im warm glow ihrer eigenen Gutheit sonnen wollen, hat mit Bewertung nichts zu tun.

Vielmehr werden Bewertungen wie „in hämischer Weise“, „abzuqualifizieren“ oder „in diffamierender Absicht“ von der Unwort-Juri in hämischer Weise an die Benutzer des Begriffs „Gutmensch“ herangetragen, um diese in diffamierender Absicht abzuqualifizieren. Hätte die Unwort-Jury nicht diese Absicht, sie hätte die Definitionen, die dem Begriff „Gutmensch“ und damit auch seinem Gebrauch zu Grunde liegen, sicher gewürdigt und nicht in Bausch und Bogen alle, die den Begriff benutzen, über den ihr genehmen Kamm geschoren.

Entsprechend ist sich die ScienceFiles-Jury darin einig, dass dem Gutmenschentum der Unwort-Jury in all seiner Selbstprofilierung und Selbstbeweihräucherung Rechnung getragen werden muss, wenngleich wir erst durch die neuerliche Unwort-Wahl der Unwort-Jury zu dem Schluss gekommen sind, dass die Unwort-Jury nun den Titel Gutmenschen des Jahres 2015 redlich verdient hat, denn: Die Unwort-Jury hat sich nicht vom vollkommenen Misserfolg des Jahres 2011 entmutigen lassen und ist weiter den Weg der Sprachmissionierung sprachlicher Unwort-Verwender geschritten.

Gutmensch des JahresNun im Jahr 2015 hat die Jury die einmalige Möglichkeit, den Begriff „Gutmensch“ abermals zum Unwort zu erklären und ihn nunmehr mit Flüchtlingen in Verbindung zu bringen und ihn auf die Unterstellung, er sei nur dazu da, „Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd“ zu „beschimpfen“, reduziert, und zwar ohne sich mit den Argumenten derer, die von Gutmenschen sprechen, auseinanderzusetzen. Diese Form der Pauschalisierung einer Begriffsverwendung, die einerseits im Widerspruch zur Pauschalisierung des Wortes durch die Unwort-Jury aus dem Jahre 2011 steht, anderseits zeigt, dass die Unwort-Jury es wirklich mit ihrem Missionarstum ernst meint und, wenn der Begriff „Gutmenschen“ nun nach dem neuerlichen Unwort-Angriff weiterhin Verwendung findet, vermutlich im Jahre 2019 abermals auf das Wort „Gutmensch“ zugreifen wird, um abermals mit neuer und widersprüchlicher Begründung ihr immerselbes Anliegen durchzusetzen.

Warum ist die Unwort-Jury so akribisch damit beschäftigt, eine Diskussion über den Begriff „Gutmensch“, seine Definition und Verwendung zu verhindern und will ihn statt dessen aus dem Sprachgebrauch tilgen?

Wir wissen es nicht. Es sind halt Gutmenschen, die gutes tun wollen, wenn sie auch nicht wissen, warum und wozu. Und deshalb gebührt ihnen der Titel:

Gutmenschen des Jahres 2015!

Denn nur an solchen Gutmenschen wie der Unwort-Jury kann eine Demokratie wirkungsvoll (und natürlich nachhaltig) zu Grunde gehen.

 

Forschung zu Gutmenschen:

 

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Bücherverbrennung heißt jetzt Bücherentfernung

Kennen Sie den Bandwagon-Effekt?

Die Bezeichnung geht auf einen reich dekorierten Wagen zurück, der im Rahmen einer Parade eine Musikkapelle beherbergt hat.

Im Verlauf der Zeit hat sich der Bandwagon zu einer Metapher für Erfolg entwickelt, was nicht zuletzt darauf zurückgeführt werden kann, dass ein Bandwagon im US-amerikanischen Vor-Wahlkampf genutzt wurde, um den Sieger einer Vorwahl zu verkünden und zu zeigen. Insofern will jeder Kandidat auf den Bandwagon.

Abstrahiert man etwas mehr, dann wird der Bandwagon zu etwas, das für Erfolg oder die Insignien von Erfolg steht, das Dritte gerne hätten und entsprechend imitieren wollen. Das ist so etwas, wie die inoffizielle Bedeutung, die Ökonomen dem Bandwagon-Effekt zuweisen:

„Bandwagons are also used to characterize ‚irrational exuberance‘ of investors in the stock market. According to this view, investors observe that others have recently been highly successful in the market. They then follow their example, regardless of market fundamentals. Bandwagon effects in this context are a type of herd behavior“ (Rohlfs, 2003: 1).

Der Bandwagon-Effekt beschreibt also ein nachahmendes, imitierendes Verhalten, das mit dem Ziel ausgeführt wird, einen Nutzen, einen Gewinn, in jedem Fall etwas Positives zu erreichen, das andere mit dem entsprechenden Verhalten bereits erreicht haben.

Nun verändern wir den Markt.

Nicht mehr der Aktienmarkt ist Gegenstand der Betrachtung, sondern der Markt für politische Korrektheit. Der Markt für politische Korrektheit ist ein symbolischer Markt auf dem Korrektheitsbekundungen zum Tausch angeboten werden. Die Marktteilnehmer sind Personen, deren Bemühen darin besteht, sich als politisch korrekt und damit in ihren Augen als gut und in jedem Fall als getreuer Vasall einer moralischen Obrigkeit zu zeigen.

In Ermangelung eigener Ideen leben die Anbieter von Korrektheitsbekundungen ständig in einer fast schon ekstatischen Vorahnung ihrer kommenden Gut-Handlungen. Sie antizipieren die eigene Gutheit, deren adäquates Ausdrucksmittel durch moralische Hypes und Paniken geliefert wird, wie sie Gesellschaften regelmäßig heimsuchen, wenn ein Anbieter von politisch-korrekter Führung z.B. zum Boykott oder zur Aufregung über Personen oder Organisationen aufruft, die sich aus seiner Sicht eines Übertritts gegen die politische Korrektheit schuldig gemacht haben.

Dann strömen die Korrektheitsbekunder auf den Markt des politisch Korrekten, um dort ihre Zugehörigkeit zur Gilde der Besseren zu bekunden, um sich moralisch zu reinigen und als verlässliches Mitglied einer gemeinsam eingebildeten Kultur des Besseren zu erscheinen.

Wie gesagt: Sie brauchen einen Anlass, die Korrekten, aber Passiven. Sie brauchen eine Verfehlung, um in Schwung zu kommen, um gegen den Verfehler vorzugehen und sich in die Reihe derer einzureihen, die man vielleicht als politisch-korrekten Lynchmob bezeichnen kann, denn bei politisch-korrekten Feldzügen geht es nicht nur darum, die eigene Korrektheit zu bekunden, sondern auch darum, das als unkorrekt Erkannte auszumerzen.

Felidae

Amazon.co.uk hat sie noch! In deutscher Sprache

Früher hat man das z.B. damit getan, dass man öffentlich Bücher verbrannt hat. Jeder, der ein Buch ins Feuer geworfen hat, der hat sich damit quasi selbst gereinigt und zudem gezeigt: Ich bin einer von Euch. Ich werfe diesen vermeintlichen Schund ins Feuer, bringe ihn als Opfer für die eigene Zugehörigkeit und die damit verbundene Einbildung, ein guter Mensch zu sein.

Heute werden Bücher nicht mehr verbrannt. Das ist out. Heute werden sie entfernt – aus Büchereien zum Beispiel.

Damit kommen wir zu einem eMail-Wechsel, den ein Leser von ScienceFiles geführt und uns zur Verfügung gestellt hat.

Der Leser nutzt die Stadtbibliothek in Nürnberg und hat dabei Folgendes festgestellt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Sommer konnte ich mehrere Katzenkrimis des deutsch-türkischen Schriftstellers Akif Pirincci im Bestand der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg finden.

Diese Bücher sind jetzt nicht mehr in der Stadtbibliothek zu finden.

Können Sie mir mitteilen, warum die Katzenkrimis nicht mehr im Bestand der Stadtbibliothek sind?
Sind die ausgemusterten Exemplare käuflich zu erwerben?

Mit freundlichen Grüßen

Zur Antwort hat er die folgende eMail erhalten:

Schandtat[…]

aufgrund einer Entscheidung der Bibliotheks-Leitung wurden sämtliche Bücher, welche von Herrn Pirincci verfasst wurden, aus dem Bestand entfernt.

Diese Entscheidung wurde mit Hinblick auf seine Äußerungen bei einer Pegida-Veranstaltung in Dresden getroffen. Eine käufliche Erwerbung der Medien ist leider nicht möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Ob die Bibliotheks-Leitung der Stadtbibliothek Nürnberg sich nun besonders gut fühlt? Ob man dort denkt, dadurch, dass man auf den bundesweiten Bandwagon derjenigen aufgesprungen ist, die die Gelegenheit von Pirinccis Rede in Dresden nutzen wollen, um sich als gute Menschen, als moralische Herrenmenschen zu inszenieren, deren Überlegenheit jedoch so fragil ist, dass sie alle Erzeugnisse des dann wohl Untermenschen Pirincci aus dem Verkehr ziehen müssen?

Stadtbibliothek NuernbergDass Angestellte der Stadt Nürnberg, die eine aus Steuermitteln finanzierte Bibliothek am Laufen halten sollen und damit sie dies tun ebenfalls aus Steuermitteln bezahlt werden, überhaupt auf die Idee kommen, sie könnten die Frage, ob ein Buch eines Autors im Bestand der Bibliothek bleiben soll, kann oder muss oder nicht, eigenständig und in allumfassender Selbstüberschätzung treffen und nur mit dem Motiv, sich selbst als moralischer Herrenmensch zu gerieren, erscheint uns nicht ganz normal.

Dass darüber hinaus, etwas, was ein Autor in einem Zusammenhang gesagt hat, auf Bücher, auf Katzenkrimis übertragen wird, die mit dem, was der Autor im nämlichen Zusammenhang gesagt hat, überhaupt nichts zu tun haben, muss man dann wohl als moralischen Herrenmenschen-Fehlschluss bezeichnen.

Aber: Nehmen wir die Korrektheitsbekunder aus der Stadtbibliothek Nürnberg, die dadurch Brownie-Points verdienen wollen, dass sie besonders politisch korrekt, sogar so korrekt sind, dass sie selbst Bücher, die nicht zu beanstanden sind, aus dem Regal nehmen, beim Wort. Wir erwarten, dass die moralischen Herrenmenschen auch Bücher von Karl Marx, von Georg Friedrich Wilhelm Hegel und von Martin Heidegger aus den Regalen nehmen –  drei veritable Antisemiten oder Rassisten.

Oder beschränkt sich die Kundgebung politischer Korrektheit darauf, auf den Bandwagon zu springen, der Brownie-Punkte und eingebildete Zugehörigkeit zur Gruppe moralischer Herrenmenschen verspricht, auf Bücher von Akif Pirincci?

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