Sprühender Witz: Kardinal will Gutmenschen rehabilitieren

Kardinal Woelki ist unter die Straßenkünstler, neudeutsch: die performance artists gegangen. Gemeinsam mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend und Mitarbeitern der Caritas will er im Erzbistum Köln das Wort „Gutmensch“ auf Plätze sprühen. Die Sprühkreide, die grüne Sprühkreide sei leicht zu entfernen, so hört man aus dem Erzbistum.

Die vergängliche Straßenkunst, die man wohl als Verbildlichung des Spruchs, nichts ist so vergänglich, wie ein Gutmensch (aus Sprühkreide) betrachten muss oder als modernisierte Variante der morbiden Erkenntnis: Asche zur Asche und Sprühkreide zur Sprühkreide, mit der Geistliche bei Begräbnissen glänzen, sie soll der Rehabilitation des Wortes „Gutmensch“ dienen, so erklärt der Kardinal.

“Eigentlich will doch jeder Mensch gut sein. Wir brauchen gerade das Gute, um unsere Gesellschaft zusammenzuhalten.“ Wenn Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen, als Gutmenschen beschimpft werden, dann sei das absurd. Das meint der Kardinal.

Bochenski LogikFrüher hatten katholische Geistliche eine Ausbildung in Logik. Joseph Maria Bochenski hat seine Logik und seinen katholischen Glauben unter einen Hut gebracht. Früher, da haben sich katholische Logiker über die Frage auseinandergesetzt, was ein Begriff wie „Gutmensch“ eigentlich aussagt.

Die zwei Lager, die es früher gab und die früher noch jeder katholische Geistliche aufsagen konnte, sie leiteten sich einmal von Plato ab und behaupteten, das begrifflich Beschriebene haben genau die reale Existenz, die der Begriff beschreibe. Wenn man so will, teilt sich das Beschriebene dem Beschreiber im Begriff mit. Diese etwas mystische Auffassung vom Wesen der Dinge in begrifflicher Fassung, wurde von einer nominalistischen Schule bekämpft, die darauf beharrt hat, dass Begriffe Konstruktionen sind, die von Menschen erdacht werden, um reale oder abstrakte Dinge zu beschreiben. Am deutlichsten kann man diesen Unterschied am Beispiel von Gut und Grumpf machen. Während ein Anhänger Platos der Ansicht ist, „gut“ sei eine Eigenschaft von Dingen, die begrifflich gefasst wird, was eine Äquivalenz von gut in Begriff und Realität zur Folge hat und keine andere Begrifflichkeit als „gut“ zulässt, sind die Nominalisten der Ansicht, dass dann, wenn man Grumpf als etwas definiert, das z.B. jemanden beschreibt, der in Mathematik immer alle Aufgaben zu lösen im Stande ist, man sagen kann, dass dieser jemand in Mathematik grumpf ist – denn man beschreibt ein empirisches Faktum mit einem mehr oder weniger willkürlichen Begriff, der seiner Willkür nur dadurch enthoben wird, dass er zur Konvention erklärt wird, was dem Verständnis und der Verständigung sehr zuträglich ist.

Kardinal Woelki ist im Gegensatz dazu der Ansicht, dass ein Begriff das ist, was er bezeichnet. Gut muss gut sein. Der gute Hirte kann sich für Woelki ebenso wenig als Schwein erweisen wie sich ein Gutmensch als missionarischer Eiferer, der dem eigenen Vorteil verpflichtet ist, erweisen kann. Kurz: Begriffe haben für Woelki eine wahre, keine konstruierte Existenz.

Nur so kann man es erklären, dass er meint, man könne dadurch, dass man das Wort „Gutmensch“ auf Plätze sprüht, nur eines bewirken: Die Rehabilitation von Gutmenschen.

Auf eine solche Idee kann man nur kommen, wenn man keinerlei Menschenkenntnis, keinerlei Erinnerung an die scholastische Tradition in der Katholische Kirche und keinerlei Verständnis des täglichen Lebens hat. Wir fürchten, dem Kardinal aus Köln steht ein Schock bevor.

Es beginnt schon damit, dass nicht „jeder Mensch gut sein“ will. Oder anders formuliert: Das, was manche Menschen für gut halten, wird von anderen für gar nicht gut gehalten. Nehmen wir Woelki kurz ernst und gestehen ihm zu, dass jeder Mensch gut sein will. Wenn jeder Mensch gut sein will, dann müssen zwangsläufig auch Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Mao, Idi Amin und Fidel Castro den Willen gehabt haben, gut zu sein.

 

Die Opfer der Genannten werden kaum zu dem Schluss kommen, dass den Genannten ein Wille zur Gutheit unterstellt werden kann. Der Kardinal erzählt hier also Unsinn. Es gibt ganz offensichtlich einen Unterschied zwischen Intention und Verhalten, so wie es einen Unterschied zwischen Auffassungen darüber gibt, was als „gut“ anzusehen ist. Die katholische Kirche hat es über Jahrhunderte für gut befunden, Menschen an Holzstäben zu verbrennen, um deren Seele zu befreien. Die damaligen Gutmenschen haben also zwangsläufig die posthume Segnung des Kölner Kardinals.

Oder ist Woelki gar nicht der Meinung, dass man Giordano Bruno Gutes getan habe, als man ihn verbrannt hat bzw. dass Adolf Hitler mit seinen Großdeutschen Phantasien eigentlich Gutes tun wollen, wem auch immer?

Wenn der Kardinal dieser Meinung nicht ist, dann muss er zwangsläufig zugestehen, dass Gutmenschen nicht unbedingt gut sein müssen, schon weil das, was der Begriff bezeichnet, nicht notwendig ein guter Mensch sein muss. Entsprechend sollte es den Kardinal nicht wundern, wenn seine Aktion von manchen als Unsinn von Gutmenschen bewertet wird, und zwar von denen, die es nicht mehr ertragen können, von anderen bevormundet und ständig auf das, was angeblich gut und richtig ist und regelmäßig denen nutzt, die sich so gerne als Gutmensch inszenieren, hingewiesen zu werden.

Manche werden gar in der Aktion einen Beleg dafür sehen, dass es auch anderen reicht. Denn: Wie man daran sehen kann, dass in Köln Plätze mit dem grünen Wort Gutmensch besprüht wurden und da jeder weiß, dass grün die Farbe von Ekel, Schlechtheit und Erbrechen ist, gibt es immer mehr, die der Missionierung durch Menschen, die vorgeben, besser als andere zu wissen, was gut und was für diese anderen gut ist, nichts mehr abgewinnen können, sie im wahrsten Sinne des Wortes zum Kotzen finden.

Das eben ist das Problem: Ob Gutmenschen alle gut sind oder jeder gut sein will, sind empirische Fragen, keine Fragen des Glaubens, wie der Kardinal meint.

Ob er es auch gut meint?

Flüchtlinge sind die besseren Deutschen: Gutmenschen-Rassismus

Wir nennen es Gutmenschen-Rassismus. Gutmenschen-Rassismus ist ein Konzept, das auf coercive isomorphism, also kollektiv ausgeübtem Zwang auf andere: Zwang zur Gleichheit beruht – Zwang, wie er gerade auf Flüchtlinge ausgeübt wird, die zu besseren Deutschen umfunktioniert werden sollen.Flüchtlinge teilen deutsche Werte“, so steht es bei heute. „Die zu uns kommenden Menschen sind gerade wegen unserer Werte und Bürger … nach Deutschland gekommen“, so schwadroniert Andrea Nahles, die derzeit den Minister für Arbeit und Soziales darstellen darf.

Flüchlinge haben demnach die besseren Deutschen zu sein, Menschen, die das deutsche Paradies jahrelang aus der Ferne und mit zunehmender Begeisterung beobachtet haben und die erste und beste Gelegenheit nutzen, um in dieses Paradies zu kommen und hier zu besseren Deutschen als Deutsche zu werden.

Wo ist eigentlich Multikulturalismus und Pluralismus hingekommen, wenn es um Einstellungen, Werte und Meinungen geht?

Werte sind übrigens etwas, was nach breitem Konsens der entsprechenden Forschung sozialsiert werden muss. Kinder lernen Werte von Eltern, Gleichaltrigen bzw. heute immer häufiger von ihrem Erziehungspersonal in Kindertagesstätten, Grundschulen und weiterführenden Schulen. Sie internalisieren die Werte im Verlauf ihrer formativen Jahre. Donald Sutherland hat diesen Umstand in seinem Konzept der differentiellen Assoziation als quantitatives Verhältnis gefasst und festgestellt, dass die Werte internalisiert werden, mit denen ein Kind oder ein Jugendlicher am häufigsten konfrontiert ist. Um deutsche Werte zu internalisieren oder zu haben, muss man entsprechend in Deutschland oder unter Deutschen aufgewachsen sein. Deshalb muss man sich als normaler Mensch fragen, wieso Flüchtlinge aus Afghanistan, dem Iran, dem Irak und Syrien, die nachweislich in einem völlig anderen kulturellen Umfeld aufgewachsen sind, die „deutschen Werte teilen“, wie dies von heute behauptet wird.

Die Antwort kommt aus einer Längsschnittstudie, die das IAB in Nürnberg, das Forschungszentrum der Bundesanstalt für Migration und Flüchtlinge und das DIW in Berlin gemeinsam unter Flüchtlingen derzeit durchführen. Die erste Welle dieser Längsschnittstudie, die demnach nur eine Querschnittstudie darstellt, war von Juni bis Oktober 2016 im Feld. In dieser Zeit wurden 2.349 Personen aus 1.756 Haushalten befragt, die in der Zeit von 1. Januar 2013 bis zum 31. Januar 2016 nach Deutschland eingereist sind und hier politisches Asyl beantragt haben. Die Idee, die wir auf ScienceFiles bereits vor Monaten entwickelt haben, hat also Nachahmer gefunden.

Natürlich handelt es sich um eine repräsentative Befragung. Was sonst sollte es sein? Alle Befragungen, die in Deutschland durchgeführt werden, um der Öffentlichkeit ein Bild vorzugaukeln, wie es in Deutschland um Meinung X oder um die Wahl der Partei Y steht, sind immer repräsentativ, etwa in dem selben Umfang, in dem sie falsch sind. Die Befragung der 2.349 Personen ist entsprechend repräsentativ für das Ausländerzentralregister, denn sie wurden aus dem entsprechenden Register gezogen. Flüchtlinge und Asylbewerber, die im Register nicht oder noch nicht erfasst sind, sind demnach in der Grundgesamtheit nicht enthalten. Aber natürlich ist alles ganz repräsentativ.

iab-fluechtlingeSo repräsentativ, dass sich niemand die Mühe gemacht hat, zu prüfen, ob die Stichprobe im Hinblick auf sozio-demographische Merkmale auch nur annähernd mit der Grundgesamtheit übereinstimmt. Derartige methodologische Normalitäten treten regelmäßig dann in den Hintergrund, wenn das politische Interesse überwiegt.

Damit sind wir wieder beim Gutmenschen-Rassismus und dem Zwang, Flüchtlinge als bessere Deutsche darzustellen, die natürlich die Werte teilen, die der normale Deutsche im Laufe seiner Sozialisation erlernt hat. Syrer können das selbst dann, wenn sie ein anderes kulturelles Umfeld haben, was abermals belegt, wie überlegen Flüchtlinge Deutschen sind.

So überlegen, dass 92% „für Gleichberechtigung“ sind und 96% für ein demokratisches System plädieren. So steht es in der ARD. Und 58% „zehn oder mehr Jahre Schule, Studium und Ausbildung“ hinter sich haben. So ist das Ergebnis der IAB-Studie bei der Tagesschau angekommen und bei Nahles ist angekommen, dass die Flüchtlinge in Deutschland ankommen, weil sie das deutsche Paradies schon immer gesucht haben.

Soweit die Propaganda.
Berichten wir, was tatsächlich bei der Studie herausgekommen ist.

Flüchtlinge kommen nicht nach Deutschland, weil sie die Werte der Deutschen so toll finden, sondern weil sie fliehen. Selbst einem Ministerdarsteller wie Nahles sollte es eingängig sein, dass Menschen deshalb als Flüchtlinge benannt werden, weil sie fliehen.

Wenig verwunderlich sind die Motive, die Flüchtlinge zur Flucht veranlassen dann auch:

  • Angst vor gewaltsamen Konflikten, vor Krieg (70%);
  • Verfolgung (44%);
  • Schlechte persönliche Lebensbedingungen; (39%)

Wer flieht, so kann man die Ergebnisse wohl zusammenfassen hat mindestens Angst um seinen Lebensstandard und in den meisten Fällen Angst um sein Leben. Deshalb: Flüchtling und deshalb Fluchtmotiv: Angst.

Wenn man nun als Flüchtling vor Angst geflohen ist, erst einmal nur mit dem Wunsch, sich in Sicherheit zu bringen, dann stellt sich als nächstes die Frage, ob die eigene Flucht im Flüchtlingslager hinter der Grenze enden oder weitergehen soll. Diese Frage, und jetzt kommen wir zu dem Teil der Befragungsergebnisse, die man im BAMF und in den Medien lieber verschweigt, ist eine finanzielle Frage, denn im Durchschnitt kostet eine Flucht nach Deutschland 7.000 Euro. Dieser Durchschnitt wurde über die 2.349 befragten Flüchtlinge gebildet – er basiert also auf den Angaben der Flüchtlinge. Dahinter verbergen sich erhebliche Unterschiede, die zwischen 12.040 Euro bei Flüchtlingen aus Afghanistan und Pakistan, 11.363 Euro bei Flüchtlingen aus dem Irak, dem Iran, aus Libanon und Palästina und 5.556 Euro bei Flüchtlingen aus Syrien (hier gelten wohl economies of scale) liegen. Am billigsten flieht es sich aus Nordafrikanischen Staaten, also Tunesien oder Marokko: 1.398 Euro kostet die Flucht nach Deutschland im Durchschnitt.

Bis hier können wir also feststellen: Flucht ist durch Angst motiviert. Die Angst führt die Flüchtenden bis in Flüchtlingslager in den angrenzenden Staaten. Nunmehr benötigen die Flüchtlinge Geld, viel Geld um ihre Flucht in andere Länder fortzusetzen. Daher kann man schließen, dass es sich bei Flüchtlingen um mindestens Angehörige der Mittelschicht handelt, sofern ihre Flucht nicht von Organisationen, die ein Interesse daran haben, die entsprechenden Flüchtlinge in Westeuropäische Länder zu bringen, finanziert wird. Wer arabische oder afrikanische Kulturen kennt, der weiß, dass sie eine Tradition der Arbeitsmigration haben: Familienmitglieder legen Geld zusammen, um dem gesündesten und am besten zur Arbeit fähigen, also in der Regel einem jungen Mann, die Flucht nach Europa zu ermöglichen, unter der Bedingung, dass er einen Teil des Geldes, das er durch Arbeit erwirtschaften zurückschickt, um seine Familie zu unterhalten. Entsprechend gibt es wohl eine flüchtende Mittelschicht und flüchtende Arbeitsmigranten und fremdfinanzierte Flüchtlinge.

Sie alle kommen aus den unterschiedlichsten Motiven in den Westen und durch einen Streich des Schicksals in großer Zahl nach Deutschland. In Deutschland treffen sie dann u.a. auf einen Interviewer von TNS Infratest, der sie fragt, wie sehr sie den folgenden Aussagen zustimmen:

  • Man sollte ein demokratisches System haben.
  • Man sollte einen starken Führer haben, der sich nicht um ein Parlament und um Wahlen kümmern muss.
  • Experten und nicht die Regierung sollten darüber entscheiden, was für ein Land das Beste ist.

96% stimmen, so berichten gleichlautend alle Medien, der ersten Aussage zu – mehr oder weniger, denn die Antwortkategorien reichen von stimme überhaupt nicht zu (1), stimme nicht zu (2), stimme eher nicht zu (3), stimme weder zu noch nicht zu (4) bis stimme eher zu (5), stimme zu (6) und stimme voll und ganz zu (7).

Es hat sich uns nie erschlossen, warum man Befragten sieben Antwortkategorien anbietet, nur um aus den sieben Kategorien dann zwei zu machen und so zu tun, als sei die Abstufung von z.B. 5 bis 7 nicht der Rede wert, um dann behaupten zu können, dass 96% der Befragten für Demokratie sind, wie es bei heute heißt.

sinus-studieWenn 96% für Demokratie sind, dann stellt sich die Frage, wieso 21% und 55% nicht für Demokratie sind und eine Expertokratie bzw. einen starken Führer ohne demokratische Kontrolle wollen. Die 21% der Flüchtlinge, die der Aussage „Man sollte einen starken Führer haben, der sich nicht um ein Parlament und um Wahlen kümmert“, wären dann, wenn es sich um deutsche Befragte handeln würde, Anlass für einen Sturm des Entsetzens und der Entrüstung, denn es handelt sich bei dieser Frage, um eine Standardfrage zur Identifikation von Rechtsextremisten. Anstelle einer Meldung wie: 21% der Flüchtlinge haben eine rechtsextreme Einstellung, heißt es, 96% sind für die Demokratie. Gutmenschen-Rassismus und Datenfälschung durch Auslassung.

“5 Millionen Deutsche [damals rund 15%]: ‚Wir sollten wieder einen Führer haben …‘“ – Ältere werden sich noch an den Aufschrei errinnern, der Titel eines Rowohl-Büchleins war, in dem die Greifenhagens ihr Entsetzen über die vielen Rechtsextremen, die es im Deutschland zum Ende der 1970er und zum Anfang der 1980er Jahre gab.

Und weil Flüchtlinge bessere Deutsche sind, denen man auch ihre rechtsextremen Einstellungen nachsieht, schließlich sind sie „für Gleichberechtigung“, aber nur für „gleiche Rechte für Männer und Frauen“, deshalb sind sie auch viel gebildeter als erwartet: „58% der erwachsenen Flüchtlinge haben zehn oder mehr Jahre Schule, Studium und Ausbildung hinter sich“, so die entsprechende Falschaussage in der ARD.

Tatsächlich haben 10% der Flüchtlinge, die 18 Jahre oder älter sind, eine Grundschule, 31% eine Mittelschule, 37% eine weiterführende Schule, 5% eine sonstige Schule und 9% keine Schule besucht. Den Abschluss einer Schule haben 58% erreicht. 22% der Flüchtlinge haben nach 10 Schuljahren einen Schulabschluss erreicht, also einen Abschluss der dem Realschulabschluss entspricht, 32% haben den Abschluss einer weiterführenden Schule (vergleichbar einer Fachhochschulreife oder einer allgemeinen Hochschulreife) nach in der Regel 12 Schuljahren erreicht.

Woher man bei der ARD den Optimismus im Hinblick auf „Studium oder Ausbildung“ nimmt bzw. warum bei der ARD suggeriert werden soll, dass viele Flüchtlinge ein Studium oder eine Ausbildung hinter sich gebracht haben, ist eine Frage, die man abermals nur mit Verweis auf Gutmenschen-Rassismus beantworten kann: Flüchtlinge haben gefälligst gut ausgebildet und studiert zu sein. Sind sie aber nicht: Nur 6% haben einen Berufsabschluss, 13% den Abschluss einer Universität oder einer Fachhochschule erreicht. 69% haben keinerlei Berufsausbildung.

Die Realität stellt sich somit anders dar, als man es bei BAMF und in den Medien gerne erscheinen lassen würde, denn Flüchtlinge haben in Deutschland nicht das Recht, die Menschen zu sein, die sie nun einmal sind. Sie haben das zu sein, was deutsche Gutmenschen in ihrem Rassismus für sie vorgesehen haben: frauenfördernd, demokratisch, hochgebildet und gut: Der edle Wilde in Version 2016.

Wer die Menschen sind, die sie so begeister begrüßt haben, welche Bedürfnisse, Wünsche, Motive, Gründe, Ziele, welche Ausbildung und welche Einstellungn sie haben das interessiert deutsche Gutmenschen in ihrer rassistischen Traumwelt in der Flüchtlinge in das Prokrustesbett des edlen Wilden gepresst werden, nicht.


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

Die gruppenbezogenen Menschenfeinde der ARD

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rassimus ist eine Unterkategorie davon, kann man als Extrakt der Vielzahl unterschiedlicher Definitionen, die es derzeit gibt, wie folgt definieren:

  • Menschen werden aufgrund willkürlicher Merkmale wie Sprache, Rasse oder Alter in Gruppen eingeteilt.
  • Die Gruppeneinteilung wird dazu benutzt, den jeweiligen Gruppen aufgrund der die Gruppen definierenden Merkmale unterschiedliche Wertigkeiten zuzuschreiben.

Das ist die kürzeste Definition von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die wir kennen. Und für all diejenigen, die sie gerade abschreiben um sie z.B. in ihren studentischen Arbeiten zu verwenden, es ist unsere, die Definition von ScienceFiles. Also bitte die Definition mit einer Quellenangabe kenntlich machen. Es kommt sowieso wieder bei uns an, über Plagscan, das regelmäßig bei uns fündig wird. Zuletzt von der HU-Berlin aus benutzt (ausgerechnet).

Doch zurück zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.
Stellen wir uns vor, Homosexuellen wird generell der Zugang zu öffentlichen Schwimmbädern verweigert oder Frauen werden nicht mehr zu öffentlichen Veranstaltungen wie z.B. Fußballspielen zugelassen, die Ismen, die in den aufgebrachten Medien, die in der ARD dafür verwendet würden, man kann sie sich lebhaft vorstellen.

Stellen wir uns vor, die Tatsache, dass in Ludwigshafen gerade ein kleiner Teil der BASF in die Luft geflogen ist und entsprechender Rauch verbreitet wurde, wird zum Anlass genommen, um darauf hinzuweisen, dass die Nähe zur BASF die Hauspreise in Ludwigshafen senkt. Nicht auszudenken, das aufgeregte Gegacker, das auf die Kapitalisten- und Bonzenfreunde, die so etwas anmerken, einprasseln würde.

Und jetzt stellen wir uns nichts vor, jetzt lesen wir einen Text von der Tagesschauseite vom heutigen Tag:

ard-kinder-menschenfeinde“Sie sind den Emissionen ausgesetzt, die die Erwachsenen produzieren: Rund 300 Millionen Kinder weltweit müssen extrem verschmutzte Luft einatmen. Das UN-Kinderhilfswerk warnt: Die verschmutze Luft sei mit verantwortlich für den Tod von jährlich 600.000 Kindern.“

Ist man bei der ARD der Ansicht, dass es Luft gibt, die von Kindern eingeatmet wird, und Luft, die von Erwachsenen eingeatmet wird? Wohl kaum, so dumm sind nicht einmal Redakteure der ARD, obwohl man manchmal am Wahrheitsgehalt dieser gerade gemachten Aussage zweifeln kann.

Entsprechend bleibt nur die folgende Interpretation:

Wenn Kinder verschmutzte Luft einatmen, dann ist dies schlimmer als wenn Erwachsene verschmutzte Luft einatmen. Warum ist das schlimmer? Weil allen Kindern die verschmutzte Luft, die von (allen) Erwachsenen produziert wurde, zum Einatmen vorgesetzt wird, während alle Erwachsene sich zu Mitschuldigen an der verschmutzten Luft, die einige von Ihnen herstellen, gemacht haben.

Die Dummheit ist nicht auszuhalten.
Nicht nur, dass jedes logische Gesetz bei der ARD außer Kraft gesetzt wird, wenn es mit dem verantwortlichen Redakteur durchgeht (z.B. der Unterschied zwischen einige und alle im Bezug auf Erwachsene), nein, wenn die Dämme der marginale Vernunft, die in öffentlich-rechtlichen Medien noch zu finden ist, einmal gebrochen sind, dann schwappt hervor, was so mancher Redakteur dort denkt, vom reinen, vom unbefleckten Kindlein, dessen Leben soviel mehr wert ist als das Leben eines Erwachsenen.

Lassen wir Erwachsene also extrem verschmutzte Luft einatmen. Sie sind ja dafür verantwortlich (alle). Aber Kindlein, Kindlein die daran sterben, welche Grausamkeit, 600.000 pro Jahr sterben an extrem verschmutzter Luft wie das „Kinderhilfswerk der UN“ festgestellt haben will, auf Basis welcher Daten auch immer. Die Datenquelle interessiert niemanden bei der ARD, es reicht, den Titel des Berichts „Saubere Luft für Kinder“ zu berichten. Sicher ist richtig, so muss der Redakteur glauben, was die UNICEF schreibt, denn bei der UNICEF arbeiten nur gute Kinderfreunde, denen offensichtlich Erwachsene vollkommen egal sind, so wie sie dem Redakteur bei der ARD, den man entsprechend in die Gruppe der Kinder einordnen muss, egal sind (wir nehmen mit allen Philosophen an, dass Selbsterhalt die Triebkraft menschlichen Lebens ist, deshalb die Einordnung in die Gruppe der Kinder).

Dass die guten Kinderfreunde bei der UNICEF ein Auskommen, ein recht hoch dotiertes Auskommen damit verdienen, in regelmäßigen Abständen Berichte zu veröffentlichen, in denen das Leid von Kindern so dargestellt wird, als lebten diese Kinder in einer Welt für sich, in der Erwachsene nur als Umweltverschmutzung und –schmutzer vorkommen, dass diese Berichte, den Interessen der UNICEF-Angestellten und dem Zweck der UNICEF dienen, auf Kosten der Allgemeinheit ihr vermeintlich gutes Werk zu tun, das kommt bei der ARD niemandem in den Sinn.

Dort werden die wenigen Neuronen, die sich in den Gehirnen der entsprechenden Redakteure noch mit der Verbreitung kognitiver Inhalte beschäftigen, weggeschwemmt von einer affektiven Welle purer Menschenfeindlichkeit, denn (1) werden alle Kinder als Opfer von allen Erwachsenen fein säuberlich getrennt, (2) wird den Kindern ein höherer Wert beigemessen, denn dass Sie „extrem verschmutzte Luft“ einatmen, ist berichtens- und beklagenswert, dass Erwachsene unter der gleichen Luftverschmutzung leiden, ist keiner Erwähnung wert, da alle Erwachsene in den Augen der Redakteure nicht so viel wert sind, wie alle Kinder.

Das ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Reinkultur, in öffentlich-rechtlichen Sendern, mit GEZ-Gebühren finanziert.

Katastrophe mit Ansage: Wie Gutmenschen gegen Hass kämpfen und dadurch Hass schaffen

Seit 2013 forschen Wissenschaftler an der Universität in Cambridge darüber, wie Menschen der Welt, die sie umgibt, Sinn und Bedeutung verleihen. John Naughton, Sir Richard Evans und David Runciman sind die wissenschaftlichen Schwergewichte in diesem Projekt.

Evans_The Third Reich in PowerJohn Naughton hat nun einige Ergebnisse ausgeplaudert, die man in Deutschland sehr genau zur Kenntnis nehmen sollte, vor allem in den Kreisen derer, die es zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben, das aus ihrer Sicht Böse in der Welt zu bekämpfen, z.B. Hatespeech und die dunklen Seiten des Internets. Also Ihr Amadeu Antonios, No-Hate-Speech Aktivisten ihr Maase und wie ihr alle heißt, nehmt zur Kenntnis, was man als gesichertes wissenschaftliches Wissen ansehen kann. Damit hinterher keiner von Euch sagen kann, er habe das nicht gewusst oder das nicht gewollt:

Gutmenschen machen dadurch, dass sie Aktivismus gegen Dinge entwickeln, die ihnen nicht in den Kram passen, die Dinge, gegen die sie agieren, schlimmer, ja, man kann sagen: Sie führen direkt in die Katastrophe oder, um es etwas milder auszudrücken: Sie produzieren das in Menge, was sie gerne beseitigen wollen. Das ist ein Ergebnis der Forschung aus Cambridge

Naughton und seine Kollegen haben z.B. untersucht, wie sich das Internet auf die Verbreitung und die Wirkung von Conspiracy Theories auswirkt. Wenn man die Berufspaniker Heiko Maas oder die ganzen Stiftungen, die davon leben, dass sie Gefahren an die Wand malen, die es gar nicht gibt, danach befragt, wie sich das Internet auf die Verbreitung von Verschwörungstheorien oder Hass auswirkt, dann werden diese ihre Überzeugung zum Besten geben, dass mit dem Internet und vor allem mit Sozialen Netzwerken alles viel schlimmer geworden sei. In den Phantasien eines Heiko Maas wird das Internet zum Hort von Hasskommentaren, Unmengen davon, die Facebook nicht löscht oder zu spät löscht oder was auch immer, finden sich, überall, ständig: Man könne kaum eine Seite im Internet aufrufen, ohne dass man auf Hasskommentare stößt, so meint Heiko Maas.

political hypocracyDem widerspricht die Forschung der Mannen aus Cambridge: Sie können zeigen, dass es im Internet zugeht, wie im richtigen Leben: Wir umgeben und mit Menschen, die uns ähnlich sind, die unsere Werte, Meinungen und Überzeugungen teilen. Im Internet ist diese Homogenisierung der Umwelt sogar noch stärker als im richtigen Leben, weil Menschen mit der gleichen Meinung leichter zu finden sind und die Informationskosten geringer sind als in der physischen Welt, in der man nicht einfach einen Kommentar absetzen und bei Zustimmung Freundschaft schließen kann.

Wenn Heiko Maas also der Ansicht ist, im Internet, vor allem in sozialen Netzwerken wimmle es nur so von Hasskommentaren, dann kann man ihm nur raten, sich mit anderen Freunden zu umgeben, denn seine Freunde scheinen passionierte Hasskommentierer zu sein. Auch diese Vermutung ergibt sich direkt aus der Forschung aus Cambridge: Weil Informationskosten geringer sind und es leicht möglich ist, Menschen mit gleicher Überzeugung und Meinung im Internet zu finden, werden die Meinungszirkel inklusiver, d.h. es gibt kaum gegenteilige Meinungen im Freundeskreis auf Facebook, in der geschlossenen Gruppe oder wo auch immer. Widerspruch ist etwas, was kaum mehr vorkommt, denn die selegierte Gesellschaft, in der man sich im Internet oft wiederfindet, sie stellt das berühmte Echochamber, Echozimmer dar, in dem man seine Meinung ausrufen kann und anstelle von Widerspruch, Kritik oder Einwand, kommt diese Meinung in Reinform zurück.

Die Möglichkeit, im eigenen Meinungssaft zu braten, sie ist im Internet viel größer und besser verwirklich als in der wirklichen Welt, und deshalb, so Naughton, sei es auch keinerlei Problem, welche Inhalte und Meinungen und Überzeugungen und Verschwörungstheorien kursierten, denn alle Inhalte würden meist nur im engen Kreis der Gleichgläubigen verbreitet.

naughton-internetEs sei denn Gutmenschen kommen des Weges und wollen Inhalte ächten und verbieten. Bis die Gutmenschen kamen, waren z.B. die Hasser im Internet eine kleine Gruppe von Trollen, die sich selbst und andere gehasst hat. Seit Gutmenschen wie Heiko Maas oder die gesammelte Amadeu-Antonio-Stiftung Hass den Kampf angesagt haben, verbreitet sich der Hass über die entsprechenden Gruppen, die kaum jemand kannte, über die sozialen Netzwerke, nicht als Inhalt, nicht als tatsächlicher Hass, sondern als Gewissheit, dass es Hasser gibt, die bestimmte Ansichten z.B. über Juden, die man in Deutschland nicht hören will, vertreten. Allein das Wissen, dass man mit seinem Antisemitismus, wie es dann gewöhnlich heißt, nicht alleine ist, dass es ganz viele andere gibt, wie die Amadeu-Antonio-Stiftung und Heiko Maas so oft und gerne behaupten, senkt die Hemmschwelle bei denjenigen, die vielleicht latent einen Groll gegen Juden gehegt haben, aber keinerlei Grund dafür gesehen haben, diesen Groll auch in Worte, in Kommentare zu fassen. Durch die Arbeit der Stiftung und das Wirken von Heiko Maas ist das nun anders geworden: Die Hemmschwelle fällt, die entsprechenden Kommentare werden häufiger, immer noch nicht viel, aber häufiger. In den Sozialwissenschaften spricht man in diesem Zusammenhang von einem sich selbst verstärkenden Prozess. Mann kann sich das vorstellen, wie das Spielen kleiner Kinder mit Streichhölzern. Erst zündeln sie mit Streichhölzern, dann mit Papier, dann mit etwas mehr Papier und mit Holz, kleinem Holz, großem Holz, dann mit Brandbeschleuniger und dann stecken sie das Auto eines AfD-Politikers an. Um im Bild zu bleiben: die Kinder, die mit den Streichhölzern spielen, das sind Heiko Maas, weil er sich profilieren will und u.a. die Amadeus aus Berlin, die den Hass schüren, weil sie ihn zum Überleben brauchen, weil sie sonst nichts gelernt haben.

Da sage noch einer, Sozialwissenschaften würden keine guten und sinnvollen Ergebnisse erbringen!

Freiburger Säuberungen: Der Anti-Arierpass

Dass totalitäre Bewegungen versuchen, ihre Sicht der Welt als einzig mögliche Sicht der Welt durchzusetzen, ist eine Folge, die sich direkt daraus ableiten lässt, dass die entsprechenden Bewegungen eben totalitäre Bewegungen sind, die weder Widerspruch noch Abweichung dulden.

Arendt_totalitarismusDass totalitäre Bewegungen immer oder muss man sagen: gerade unter institutionalisierten Wissenschaftlern begeisterte Mitläufer gefunden haben, ist leider eine historische Tatsache, die ein wenig rühmliches Bild auf institutionalisierte Wissenschaft, Selbstverwaltung und die vermeintliche intellektuelle Reife der jeweiligen Wissenschaftler wirft.

Dass wir in einer Zeit leben, in der der Totalitarismus neue Höhe erlebt und neue Blüten treibt, ist eine Aussage, die vermutlich kaum jemand bestreiten wird.

Dass es vor allem die Grünen und die SPD sind, die derzeit einen Gesinnungstotalitarismus betreiben, ist eine Aussage, die wir schon mehrfach begründet haben und die in diesem Beitrag erneut eine Begründung erfahren wird, durch die Freiburger Säuberungen.

Im Zuge der Freiburger Säuberungen wurden 1.300 Straßennamen „wissenschaftlich“ untersucht, daraufhin ob die Straßen den Namen von Personen tragen, die in führender Position den Nationalsozialismus gefördert haben, die extremen Rassismus in Theorie und Praxis vertreten haben, die aggressiven Antisemitismus propagiert haben, die Militarismus als Glorifizierung des Ersten Weltkriegs (nicht des Zweiten) vertreten haben bzw. die sich durch „extreme unzeitgemäße Frauenfeindlichkeit“ auszeichnen.

Die Deliktspanne, derer man sich als verblichener Namensgeber einer Straße vor dem posthumen Expertentribunal der Stadt Freiburg schuldig machen kann, umfasst somit den Kanon der politischen Korrektheit, wie er den Kern der heute herrschenden totalen Ideologie ausmacht.

Die „Experten“, die sich dafür hergegeben haben oder die sich dem derzeit herrschenden ideologischen Kanon und den Machthabern, die ihn durchsetzen wollen, gegenüber Straßenamen zum Beispiel, angedient bzw. zur Verfügung gestellt haben, sind:

  • Dr. Nina Degele, Institut für Soziologie der Universität Freiburg. Degele schreibt zu Ausgrenzung im Fussball, führt in Gender oder Queer Studies ein, ist in Intersektionalität unterwegs und hat ansonsten ein Buch zum Thema „Sich schön machen“ verfasst.
  • Dr. Bernd-Stefan Grewe, Historiker an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg, der sich mit Kolonialismus, Geschichtsdidaktik und mit Ressourcenmangel in der bayerischen Pfalz beschäftigt, wenn er nicht für „eine kritische Auseinandersetzung mit umwelthistorischen Denkmustern“ wirbt.
  • Dr. Heinrich Schwendemann, Historiker an der Universität Freiburg, der sich mit deutscher Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts befasst, Nationalsozialismus, Judentum und die deutsch-polnischen Beziehungen besonders gut kennt und sich ansonsten mit dem Regierungsprogramm des Hitlernachfolgers von Dönitz unter der Überschrift „Deutsche Menschen vor der Vernichtung durch den Bolschewismus retten“ und als Beginn von – wie er schreibt: Legendenbildung auseinandersetzt.

Ergänzt werden die Vertreter der Hochschulen im Säuberungstribunal durch

  • Dr. Christiane Pfanz-Sponagl vom Stadtarchiv Freiburg;
  • Dr. Beate Rosenzweig von Haus Wiesneck;
  • Dr. Christoph Schmider vom Erzbischöflichen Archiv;

Haus Wiesneck ist kein Gäste-, sondern ein Studienhaus, in dem man angeblich dem Beutelsbacher Konsens anhängt.

wappen_freiburg_im_breisgau-svgSechs Mitglieder machen somit das Säuberungstribunal der Stadt Freiburg aus, sechs Mitglieder, die sich nicht dumm dabei vorgekommen sind, in völlig ahistorischer Weise die oben zusammengestellte Bewertung an Personen anzulegen, die unter völlig anderen historischen Bedingungen gelebt haben, ein Vorgehen, das insbesondere im Hinblick auf die Beteiligung von angeblichen Historikern mehr als befremden muss, und sechs Mitglieder, die nichts dabei finden, die ideologischen Inhalte, die heute gerade en vogue sind, zu verabsolutieren und als neue Heilslehre denen gegenüber zu stellen, die z.B. der 1000jährigen Heilslehre des Dritten Reiches angehangen haben. Elche, die Elche bewerten wollen?

Als Ergebnis der Prüfung durch das Säuberungstribunal sind 12 Straßennamen identifiziert worden, die geändert werden sollen und weitere 17 Straßennamen, die man nur mit pädagogischer Erläuterung auf die Freiburger loslassen darf.

Umbenannt werden sollen u.a.:

  • Alban-Stolz-Straße (Stolz sei ein aggressiver Theologe gewesen);
  • Eckerstraße; Johann Alexander Ecker’s (1816-1887) Arbeiten wurden genutzt, um Rassismus zu begründen.
  • Gallwitzstraße; Max von Gallwitz (1852-1937) fehle der berufliche Bezug zu Freiburg, so der Vorwurf der Kommission, ein Vorwurf, der Simone de Beauvoir und ihrer gleichnamigen Straße in Freiburg übrigens nicht gemacht wird.
  • Alfred Hegar Straße (1830 – 1914): Hegar habe rassistisches und eugenisches Denken propagiert.
  • Hindenburgstraße; Paul von Hindenburg (1947 – 1934) ist ein ganz schlimmer: „Er nutzte mit Artikel 48 die Schwächen der Verfassung aus und löste 1930 den Reichstag auf, womit er erneut entscheidend zur Radikalisierung der Politik beitrug, weil die demokratischen Parteien nun zwischen den antidemokratischen Kräften von Kommunisten und Nationalsozialisten in der Minderheit waren.“ Das Säuberungstribunal macht ihm also den Vorwurf, die Verfassung von Weimar korrekt angewendet zu haben.
  • Julius-Brecht-Straße; Julius Brecht (1900 – 1962), SPD-Politiker, dem folgender Vorwurf gemacht wird: „Da Julius Brecht durch seine Tätigkeit als Reichsverbandsleiter eine aktive und verantwortliche Rolle im Nationalsozialismus spielte und damit einen direkten Anteil an der Verbreitung und Durchsetzung antisemitischer Ideologie hatte, schlägt die Kommission einstimmig vor, die Straße umzubenennen. Dafür spricht auch, dass sich Julius Brecht, trotz aller Verdienste für das gemeinnützige Wohnungswesen und sein aktives demokratisches Engagement in der Bundesrepublik, nie offen zu seiner nationalsozialistischen Vergangenheit geäußert hat.“In der Sowjetunion gab es die Institution der Kritik und Selbstkritik, bei der Parteigenossen ihre Schuld, also eine Abweichung von der Heilslehre des Stalinismus, vor versammelter Mannschaft eingestehen und sich erniedrigen mussten. Dem Freiburger Säuberungstribunal schwebt wohl etwas Ähnliches vor. Wollen wir nur hoffen, dass niemand jemals auf die Idee kommt, Tribunalsmitglied Degele auf ihre Verwicklung in die Queer-Szene anzusprechen, falls sich die ideologische Heilslehre wieder einmal ändern sollte und die neuen Heilsbringer Queere-Aktivisten ihre falsche ideologische Anbindung vorwerfen.

Und so geht es weiter. Penibel hat das Säuberungstribunal die Namensinhaber von Straßen darauf geprüft, ob sie auch den heute geltenden Regeln politischer Korrektheit, wie sie die neuen Heilsbringer durchsetzen wollen, entsprechen.

Dabei sind sie u.a. zu dem Schluss gekommen, dass Richard Strauss in seiner Straße ein Zusatzschild benötige, auf dem „Förderer der nationalsozialistischen Kulturpolitik“ zu lesen steht, denn Strauss habe „sich von den Nationalsozialisten hofieren und bereitwillig vereinnahmen lassen“. Woher die Experten wissen, dass Strauss sich hat bereitwillig „vereinnahmen lassen“, ist eine unbeantwortete Frage, die wir mit der Hoffnung, dass niemand den Tribunalmitgliedern in Zukunft vorwerfen möge, dass sie sich von einem grün-roten Stadtrat haben hofieren und bereitwillig vereinnahmen lassen, offenlassen wollen.

staudinger-chemieHermann Staudinger, Nobelpreisträger für Chemie, benötigt nach Ansicht des Säuberungstribunals den Hinweis: „starke Anpassung nach Denunziation an das nationalsozialistische Regime durch Diffamierung jüdischer Kollegen und Studierender“, denn Staudinger habe sich an die Nazis „angebiedert“. Starke Anbiederung kann man auch beim Säuberungstribunal unterstellen, wenn man das will, da die Mitglieder nichts dabei finden, ihnen vorgegebene ideologische Inhalte zu alleingültigen Kriterien zu erklären und an Personen anzulegen, die unter anderen historischen Bedingungen gelebt haben, als man noch mit Gewalt zur Anpassung gezwungen werden musste, wie z.B. Staudinger und nicht freiwillig bereit war, die ideologische Drecksarbeit zu machen, wie die Tribunalsmitglieder, die – wie man denken könnte – durch Diffamierung von Personen wie Staudinger ihre eigene Form der Anbiederung betreiben.

Gerhart-Hauptmann war dem Tribunal gegenüber dem Nationalsozialismus zu unkritisch, woraus sie schließen, dass er mit den Nazis sympathisiert habe. Der entsprechende Zusatz ist seinem Straßenschild wohl sicher.

Richard-Wagner, das wird die Bayreuther interessieren, wird in Freiburg als Antisemit angesehen, der den Antisemitismus im Bürgertum erst hoffähig gemacht habe – eine starke These, die man wohl in eine Schublade mit den magischen Augen von Hitler stecken muss.

Carl Nilsson Linné (1707 – 1778) hat sich der Vergehen des Rassismus und des Sexismus schuldig gemacht und zwar bereits zu einer Zeit, als es beides noch gar nicht gegeben hat, weil die Menschen nicht von Rassismus und Sexismus besessen waren, wie heutige Gutmenschen, sondern von Fragen, auf die sie Antworten im Rahmen ihrer damaligen kulturellen Umgebung gesucht haben, in der ganz zum Schrecken des Säuberungstribunals geschlechtliche Arbeitsteilung als natürlich angesehen wurde, was sie vielleicht auch ist, wenn man in Rechnung stellt, das Männer keine Kinder bekommen und Frauen mit durchschnittlich weniger Muskelmasse, damit mit mehr Fettgewebe ausgestattet sind. Das nutzt Linné nichts, seine Leistungen werden als Sexismus und Rassismus verunglimpft, von einem Säuberungstribunal aus sechs Mitgliedern, deren Namen man in naher Zukunft vergessen haben wird, während man den Namen Linné immer noch kennen wird.

Fichte, Johann Gottlieb (1762 – 1814) hat sich des Nationalismus schuldig gemacht, in dem er einen starken Nationalstaat zu einer Zeit gefordert hat, zu der die deutschen Kleinfürstereien von Napoleons Armeen überrannt wurden. Das wird im heute zum Vorwurf gemacht, von angeblichen Historikern, Queeren Forscherinnen und Stadtangestellten. Wir hätten nie gedacht, dass wir Fichte einmal verteidigen müssen. But there you are.

Damit wollen wir es bewenden lassen. Die generelle Meldung ist deutlich: In Freiburg wird versucht, die derzeit herrschende Ideologie in Totalität durchzusetzen und die Geschichte zu klittern, in dem Namen, deren Träger Freiburger Stadträten einmal so wichtig erschienen sind, dass sie ihnen einen Straßennahmen zugewiesen haben, beseitigt werden. Damit wird auch ein Stück Freiburger Geschichte beseitigt und vor allem werden die Belege beseitigt, die zeigen, dass Stadträte falsche Entscheidungen treffen können und damit sind wir am Kern dessen, worum es geht, denn totalitäre Ideologen sind der Überzeugung, dass sie sich im Gegensatz zu anderen, nicht irren können. Wenn sie Menschen sagen, was richtig ist, dann ist das so: Wenn sie eine Ideologie verbreiten und andere Ideologien beseitigen, dann deshalb, weil die eigene Ideologie die richtige ist. Wenn sie Menschen in Lager stecken oder vom Leben in den Tod befördern, dann nur deshalb, weil diese Menschen eine Gefahr für die heile Welt unter der richtigen Ideologie darstellen, weil es also richtig ist, sie zu töten. Derartige Ideologen sind gefährlich, denn sie kennen das, was Menschen auszeichnet nicht: Den Zweifel.

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Politisch korrektes Straßenschild aus Bonn

Bleibt noch anzumerken, dass das Säuberungstribunal aus Historikern zwar den General von Hindenburg aus dem Namensverzeichnis tilgt, nicht jedoch den Namen seines größten Erfolges. Die Tannenbergstraße (Schlacht bei Tannenberg; Hindenburg und Ludendorff führen die 8. Deutsche Armee zu einem Sieg gegen die Übermacht der 2. Russischen Armee) wurde ebenso übersehen, wie die Langemarck Straße. Langemarck ist ein Ort in Flandern, ganz in der Nähe von Ypres, ein Ort, an dem ein Mythos geboren wurde, der Langemarck-Mythos, den die Nationalsozialisten gerne aufgegriffen haben. Die Langemarck-Straße verstößt somit gegen „Militarismus in Form der Glorifizierung des Ersten Weltkrieges“, ein Faktum, das man nur dann erkennen kann, wenn man eine entsprechende historische Bildung hat. Bei Historikern kann man davon offensichtlich nicht mehr ausgehen.

Fast noch unerklärlicher ist, wie Hermann-Löns mit seiner Straße dem Säuberungstribunal entkommen konnte, der Heidedichter, der so viele nationalistische Anklänge in seinem Werk hat, dass ihn die Nazis zu einer Art Schutzheiligem der Schlacht um Großbritannien gemacht haben.

Wie alle Säuberungen, so wird auch die Freiburger-Säuberung unter der Ägide des neuen Kultursozialismus nicht erfolgreich sein, denn bislang gab es noch keinen Totalitarismus, der auf lange Sicht erfolgreich sein konnte. Der Grund dafür ist schnell benannt: Totalitarismus klappt nur, wenn die Machthaber umfassendes Wissen haben, umfassendes Wissen … man fängt schon beim Tippen der beiden Worte im Zusammenhang mit dem Säuberungstribunal aus Freiburg an zu lachen.

… und dann denkt man an die Prinz-Eugen-Straße in Freiburg. Prinz Eugen, Schlacht bei Peterwardein, Prinz Eugen, allgemein als Türkenschreck bekannt, er hat nach wie vor seine Straße in Freiburg, gegen Türkenschrecke hat man dort offensichtlich nichts … oder die Freiburger Bismarckalle, ausgerechnet Bismarck, der Ober-Nationalist, ohne den es kein Deutschland gegeben hätte, er wurde von Säuberungstribunal übersehen … und der Deutschorden, jener Muslime jagende und Osteuropa unsicher machende Räuberorden, er hat noch seine Straße in Freiburg und Admiral Spee, der Stolz der Flotte im Dritten Reich, er hat noch seine Straße ….

Die spinnen, die Freiburger!

Vermeintlich rechte Eltern sind die neuen Juden – Deutsche Brandstifter

Die Nationalsozialisten hatten bekanntlich ein Problem damit, Juden als Juden zu erkennen. Denn man sieht es den wenigsten Juden an, dass sie Juden sind. Entsprechend mussten Juden einen Judenstern tragen, damit jeder weiß, dass sein gegenüber ein Jude oder jüdischer Abstammung ist. Denn Juden, Juden wurden von den Nazis als verschlagene Bösewichte aufgebaut, die eine dunkle Gesinnung hegen und pflegen und versuchen, die Welt, die sie umgibt, zu täuschen und zu zerstören.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges hat man eigentlich gedacht, dass derart primitive Vorurteile und Versuche, Menschen entlang von nicht beobachtbaren Eigenschaft zu klassifizieren, vorbei sind.

Wir schreiben das Jahr 2016 und lesen Folgendes:

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Sind Eltern dumm? Indoktrination gratis in Apotheken: Baby und Familie

„Kinder rechter Eltern sind nicht unbedingt anders als Kinder anderer Eltern. Sie fallen manchmal erst nach längerer Zeit auf, zum Beispiel weil sie sehr still oder sehr gehorsam sind“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Heike Radvan“ von der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Gelbe Sterne für Kinder rechter Eltern? Um die Gesinnung schneller zu erkennen? Wie wäre es damit?

Und weiter geht es:

“‘Es herrscht in den Familien [rechter Eltern] oft ein Klima der Ungleichwertigkeit. Andere Menschen werden in Freund und Feind unterteilt‘, erklärt Radvan. „Kinder von rechten Eltern sind meist von klein auf daran gewöhnt, ihr Familienleben und ihren Alltag geheim zu halten‘, sagt Köttig“ [zu der wir noch kommen].

In den Gehirnen von Amadeus Radvan und von Michaela Köttig, die man an der Fachhochschule in Frankfurt an der Oder auf Studenten loslässt, wurde die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung durch die rechtsextreme Weltverschwörung ersetzt. Letztere wird nicht mehr von Juden getragen, sondern von rechten Eltern, die konspirative Motive haben, die nicht mehr auf die Weltherrschaft zielen, sondern darauf, die örtliche Kita zu unterminieren und den örtlichen Kita-Erziehern ein rechtsextremes Ei ins heile Kindernest zu legen.

Nuts in BedlamWer denkt, er hat bereits die Spitze des Wahnsinns erklommen, der hat die Rechnung ohne Heike Radvan, Michaela Köttig und Eva Prausner gemacht. Letztere ist „Diplom-Sozialarbeiterin“ und wird vom Berliner Senat ausgehalten, damit sie Eltern darüber aufklärt, woran man die Kinder rechter Eltern erkennt, also die Kinder, die besonders still und gut erzogen sind, um aus dieser Deckung heraus und ab drei Jahren ihr rechtsterroristisches Zersetzungswerk in der Kindertagesstätte anzutreten und vor Ort die Ideologie der Ungleichwertigkeit zu verbreiten, von der Radvan so gerne redet, und zwar immer dann, wenn sie über Rechte, rechte Kinder oder rechte Eltern redet, denn Rechte, gleich welchen Alters, sind nicht gleichwertig, jedenfalls nicht für Radvan, die keinerlei Akzeptanz, Toleranz und keinerlei Respekt für diese aus ihrer Sicht wohl unwerte Lebensstilform hat.

Aber wir waren bei Eva Prausner, der Diplom-Sozialarbeiterin aus Berlin, die genau weiß, wie man die stille und gehorsame Maske der drei-, vier- oder fünfjährigen Schläfer durchbricht, wie man sie bloßstellt und verhindert, dass sie andere Kinder mit ihrer falschen, minderwertigen und nicht zu tolerierenden Gesinnung infizieren: Man erkennt die Kinder rechter Eltern, die sich in die heile Welt örtlicher Kindertagesstätten eingeschlichen haben, „zum Beispiel durch akkurat geflochtene Zöpfe und lange Röcke … Auch die Söhne sehen oft sehr traditionell aus und tragen zum Beispiel keine amerikanischen Schriftzüge auf ihrer Kleidung“.

Eigentlich müsste man an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens ist. Aber damit würden wir der Diplom-Sozialarbeiterin zu viel Ehre angedeihen lassen und anyway, sie würde es sowieso nicht verstehen. Wer einen derartigen Blödsinn öffentlich von sich gibt, bei dem ist der Damm, der den Wahnsinn von der Normalität trennt, offensichtlich gebrochen. [Wer es immer noch nicht versteht, soll im lokalen Supermarkt alle aussortieren, die Zöpfe haben oder lange Röcke tragen oder keine Kleidung mit amerikanischer Aufschrift. Das sind nämlich alles Rechte.]

Aber es geht noch dümmer. Ein weiterer Prausner:

“’Wenn die Gesinnung auffällig wird, haben viele dieser Eltern bereits so gute Beziehungen aufgebaut, dass sie dann trotz solcher Äußerungen nicht mehr ausgegrenzt werden und im schlimmsten Fall sogar Unterstützung bekommen‘, so Prausner.“

Ist Prausner nicht ein besonderer Gutmensch? Wer ihr nicht passt, wessen Gesinnung sie nicht toleriert, den will sie ausgrenzen, im Kindergarten, vermutlich im öffentlichen Leben, eigentlich überall. Denn Prausners Welt duldet keine andere Gesinnung als die eigene. In Prausners Welt herrscht eingebildete Toleranz und geheuchelte Akzeptanz und bodenlose Dummheit. Aber nicht nur das: Das Motiv des verschlagenen Juden, der sich hinter unverfänglicher Maske verbirgt und daherkommt, wie ein ganz normaler Mensch, ein ganz normaler Deutscher, der seine Opfer wie eine Spinne in sein Netz lockt, um sie darin gefangen zu halten und mit seinem Gesinnungsgift vollzuspritzen, es ist nur zu deutlich in der Beschreibung der rechten Eltern, wie sie Prausner von sich gibt. Ein derart faschistoider mit rechtsextremer Gesinnung gespickter Satz, aus dem die Ideologie der Ungleichwertigkeit nur so trieft, wie ihn Prausner hier fabriziert hat, muss einem erst einmal einfallen. Anscheinend wird Prausner vom Berliner Senat finanziert, um die Gesellschaft in „wir, die Guten“ und „ihr, die Bösen“ zu unterteilen. Ein weiterer Beleg dafür, dass Prausner rechtsextremes Gesinnungsgut mit sich führt.

Der Olymp der Dummheit ist jedoch immer noch nicht erklommen. Wer denkt, nach Prausner gäbe es keine Steigerung mehr, der hat seine Rechnung ohne „Prof. Dr. Michaela Köttig, Soziologin und Rechtsextremismus-Forscherin an der Frankfurter University of Applied Sciences“, also von der berüchtigten Fachhochschule Frankfurt/Oder gemacht.

Der einfache Köttig:

“So, wie wir unseren Kindern Werte vermitteln, fließen in die Erziehung dieser Kinder [der rechten Kinder] eben rechte Ideologien.“

Die guten Eltern vermitteln also Werte wie Toleranz, in deren Genuss nur gute Menschen kommen. Rechte Menschen, also böse Menschen, kommen nicht in den Genuss der Toleranz der Gutmenschen, schon weil sie ihren Kindern Ideologien vermitteln, Inhalte, die die guten Menschen in ihrer Ideologie für falsch halten, denn Werte vermitteln die guten Menschen auch nicht. Es sei Frau Köttig, deren soziologische Qualifikation wir hier ausdrücklich anzweifeln, ins Studienheft geschrieben, dass sich Werte durch eine individuelle Bindung auszeichnen. Nicht zu lügen und still zu sein, wenn andere reden, ist z.B. ein Wert, andere Menschen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden will, ist ein weiterer Wert und weil es ein Wert ist, gilt er für das eigene Verhalten, das Verhalten, das man anderen gegenüber zeigt, und zwar allen anderen gegenüber. Wer Toleranz und Akzeptanz, wie Köttig, an Bedingungen knüpft: Ich toleriere nur, wer denkt wie ich, der hat den Wert der Toleranz gerade zerstört und an seine Stelle eine Ideologie gesetzt. Ideologen wollen andere erziehen, Werte dienen dazu, sich selbst zu erziehen.

Aber das war nur der einfache Köttig. Der doppelte Köttig, den wir nicht mehr bewerten können, weil die deutsche Sprache für bestimmte Verwirrungen nur noch Klassifikationen bereit stellt, mit denen sich Psychiater besser auskennen als wir, der doppelte Köttig, er lautet wie folgt:

“Die Abgrenzung was extrem ist und was nicht, ist schwierig. Tatsache ist, dass diese Gesinnung [die rechte] in der Mitte der Gesellschaft ihren Ursprung hat.“

police-brutalityEines der Grundprinzipien des rationalen Widerstands lautet: Etwas ist nicht sein Gegenteil. Wir müssen dieses Grundprinzip erweitern, die Köttigsche Erweiterung, die einen Blick in den Abgrund kognitiver Tiefstleistung eröffnet, sie lautet, Etwas ist nicht etwas anderes. Wenn etwas aus der Mitte kommt, dann ist es qua definitionem nicht extrem, denn Extremwerte finden sich – ebenfalls qua definitionem – auf einer eindimensionalen Strecke an den Rändern, links wie rechts, dement wie hyperintelligent. Wenn also etwas, zum Beispiel eine Gesinnung, in der Mitte ihren Ursprung hat, dann kann sie qua definitionem nicht extrem sein und auch nicht rechts, denn rechts ist rechts der Mitte nicht in der Mitte. Man glaubt einfach nicht, was man heutzutage schreiben muss, um den Unsinn richtig zu stellen, den Personen von sich geben, die sich an Universitäten eingeschlichen haben. Wenn es so etwas wie einen Tiefpunkt der kognitiven Entwicklung an Hochschulen gibt, dann wurde er mit Michaela Köttig erreicht [Köttig ist übrigens nicht zum ersten Mal Thema auf ScienceFiles].

Das gesammelte Grauen, das jeden Intelligenzforscher den Hut nehmen und sich der Demenzforschung zuwenden sieht, hat seinen Niederschlag in „Baby und Familie“ gefunden. Es ist Teil einer Kampagne, auf die wir in der Vergangenheit bereits hingewiesen haben und die mit der Amadeu-Antonio-Stiftung eng verbandelt ist, d.h., dass die Eltern von Kindern in Kindertagesstätten in Deutschland offensichtlich auf ihre Gesinnung hin geprüft und überwacht werden, haben wir dem Bundesministerium für FSFJ, also Propaganda zu verdanken, in dem man nicht nur die Amadeu-Antonio-Stiftung finanziert, sondern offensichtlich einen besonderen Gefallen daran gefunden hat, als Brandstifter in der eigenen Gesellschaft unterwegs zu sein und die Gesellschaft in „Wir, die Guten“ und „Ihr, die Bösen“ zu unterteilen.

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Damit sind wir bei dem angekommen, was unerträglich ist. Täglich schwingen sich Personen mit zweifelhaften kognitiven Fähigkeiten dazu auf, Menschen zu bekämpfen, denen sie eine „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ unterstellen und denen sie vorwerfen, dass sie die Menschen in „wir“ und „ihr“ teilen. Das tun sie, indem sie die Menschen in „wir“ und „ihr“ unterteilen und denjenigen, die zu „ihr“ gehören, das Recht absprechen, ihre Kinder zu erziehen, wie sie das für richtig halten, ihren Kindern Werte zu vermitteln, die sie für richtig halten oder eine Meinung zu äußern, die sie für richtig halten. Wer anderen diese Rechte bestreitet, ist offensichtlich der Ansicht, auf einem moralischen Hügel zu sitzen, von dem aus er dem minderen Menschenmaterial, das ihn umgibt, die richtige Kindererziehung, Wertevermittlung und Meinung verpassen kann. Wer so handelt, hält sich offensichtlich für moralisch überlegen, während er die anderen, die „Ihrs“ als unterlegen, als minderwertig ansehen muss. Täte er es nicht, er hätte keine Berechtigung, die Meinungen und Handlungen anderer in Frage zu stellen, er hätte sie zu akzeptieren und zu tolerieren.

Radvan, Köttig und Prausner tun das nicht. Sie tolerieren und akzeptieren die Meinung anderer nicht. Sie bekämpfen die Meinung anderer, die ihre eigene Ideologie für falsch hält. Sie bestreiten das Recht dieser anderen, ihre Kinder zu erziehen und ihnen Werte zu vermitteln, und sie wollen ihnen die eigene Meinung verbieten und ihre eiegen Meiung aufdrängen. Sofern die Unterteilung in „Wir“ und „Ihr“ und die Ideologie der Ungleichwertigkeit, wie Radvan und die Amadeu-Antonio-Stiftung so gerne betonen, Indikatoren für eine rechtsextreme Gesinnung sind, muss man wohl feststellen, dass Heike Radvan, Michaela Köttig und Eva Prausner rechtsextrem sind.


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Moralisches Trittbrettfahren mit Gutmenschen: Verrohung bei Lehrerverbänden

Sozialwissenschaftler beobachten regelmäßig Phänomene, die manche, z.B. James Coleman als Trend oder Mode bezeichnen, andere (DiMaggio und Powell) sprechen von mimetischer Isomorphie, also von Nachahmung, wieder andere von einem Hype, der nach einem Tipping-Point einsetzt (Gladwell). Und schließlich gibt es diejenigen, die von moralischer Panik einerseits sprechen und diese moralische Panik mit ihrem Gegenteil ergänzen, nämlich der Gutmenschen-Hysterie (ScienceFiles).

Um Letztere hervorzubringen, sind ein paar Zutaten notwendig:

  • (1) Es muss ein Thema geben, mit dem man sich in bestimmten Kreisen als guter Mensch ausweisen kann, ein Thema, das seinen „warm glow“ auf diejenigen zu verbreiten verspricht, die sich ihm unterordnen.
  • (2) Es muss das geben, was Irving Janis „Groupthink“ genannt hat, eine intellektuelle Insel, die von Personen bewohnt wird, die der Ansicht sind, die Grenzen ihres intellektuellen Vorstellungsvermögens seien gleichzeitig die Grenzen der gesamten Welt.
  • (3) Die Gruppe der Inselbewohner muss zudem vom Gefühl der moralischen Überlegenheit getrieben sein, z.B. weil sie sich als Bewohner der jeweiligen intellektuellen Insel eine besondere Wichtigkeit oder einen besonderen Status zuweisen, der sie – ihrer Meinung nach – anderen überlegen macht.
  • (4) Es muss Verbreitungskanäle geben, deren Zugang von Gatekeepern überwacht wird, die vor allem Themen durchlassen, mit denen man die eigene moralische Überlegenheit über eine als Untermenschen erkannte Gruppe von Bösewichten demonstrieren kann, denen man jegliche Form von konstruktivem Beitrag für die Belange der Gesellschaft absprechen kann, ohne dass sich die Frage nach der eigenen Integrität und Menschlichkeit für diejenigen stellt, die sie anderen absprechen.

Sind die drei letzten Bedingungen erfüllt, dann steht dem Trittbrettfahren der intellektuellen Insulaner mit Themen, von denen sie erwarten, dass sie ihnen auch außerhalb ihrer eigenen intellektuellen Insel zu Ruhm und Ehre gereichen und von denen, die nicht so moralisch überlegen sind, wie die intellektuellen Insulaner, mit Begeisterung aufgenommen werden, nichts mehr im Weg.

Und damit kommen wir zum Bayerischen Lehrerverband, dessen Präsident Simone Fleischmann Folgendes zu sagen hat:

“Wir Lehrerinnen und Lehrer beobachten mit Sorge die zunehmende Aggressivität in der Sprache und in den Umgangsformen. Nicht nur in der Schule, sondern in vielen Bereichen des Lebens – in der Politik, den Medien, in den sozialen Netzwerken. Wir beobachten, wie extreme Gruppierungen und Personen den Boden bereiten für Zwietracht und Gewalt. Das gefährdet unsere Demokratie.“

Dem müssen wir Lehrerinnen und Lehrer entgegenwirken – und wir können das auch. Denn in der Schule sitzt die Gesellschaft von morgen. Wir Erwachsene sind ihre Vorbilder. Unser Verhalten färbt auf Kinder und Jugendliche ab. Zugleich dürfen wir nicht tatenlos zusehen, wenn wir destruktive Umgangsformen in der Schule erleben.“

Logisch betrachtet muss man nicht mehr lesen als diese wenigen Zeilen. Was ist von „Lehrerinnen und Lehrern“ zu halten, die nicht bemerken, dass dann, wenn sie behaupten, dass die „Gesellschaft von morgen“ in der Schule sitzt und von Lehrern und vor allem von Lehrerinnen, denn die meisten Lehrer sind weiblich, beeinflusst werden kann, weil die Lehrerinnen und ihr Verhalten als erwachsene Vorbilder auf die „Kinder und Jugendliche“ abfärben, letztlich für das verantwortlich sind, was sie gerade beklagen. Denn: die verrohte Gesellschaft, die die Lehrer heute beklagen, ist die noch nicht verrohte Gesellschaft, die einst in der Schule saß und sich die entsprechenden Lehrer und vor allem Lehrerinnen zum Vorbild genommen hat. Das müssen richtige Lehrerinnen-Rohlinge gewesen sein, deren Sprache unsagbare Worte umfasst hat, Worte, von denen die Lehrer in Bayern heute nichts mehr wissen wollen. Jetzt, da sie den Schaden angerichtet haben, suchen sie sich billig aus der Affäre zu stehlen und die Verantwortung für die von ihnen beklagte fiese Gesellschaft, die sie, bei denen gestern die „Gesellschaft von morgen“ saß zu verantworten haben, an andere abzuschieben.

Und zwar mit einem Manifest, das man zweimal betrachten muss, um festzustellen, dass es sich um Text und nicht um eine Übung in Wordclouding handelt.

blv-manifest

Das ist das Manifest!

Und damit sind wir wieder bei den Zutaten der Gutmenschen-Hysterie, die man auch als Versuch der moralischen Reinigung bezeichnen könnte, so eine Art öffentliche Beichte, bei der die bayerischen Lehrer der Welt mitteilen, das sie gute Lehrer, aufrechte, nein nicht aufrechte, politisch-korrekte Lehrer sind, die die Gunst der Gelegenheit, die den politisch-korrekten Guten die Rechtspopulisten als Personifikation des Bösen und Hassobjekt [was Othering, das von den Gutmenschen anderen immer vorgeworfen wird, also die Teilung der Welt in Wir, die Guten, und Ihr, die Bösen, voraussetzt], als Gegenstand jeglicher Form von Beschimpfung beschert hat, nutzen wollen, um ihre Verantwortung für die Verrohung der Gesellschaft, die sie beklagen, also jener Gesellschaft, die bei ihnen „in der Schule“ saß, loszuwerden.

Entsprechend sind es „insbesondere Repräsentanten der Rechtspopulisten und Rechtsextremen“, die zu der „Verrohung des Umgangs“ maßgeblich beitragen: Trittbrettfahren par excellence, vorgeführt vom Bayerischen Lehrerverband, bei dem man sich nun sicher sein kann, dass seine Mitglieder intellektuelle Insulaner mit dem Anspruch moralisch anderen überlegen zu sein. Und natürlich ist das Manifest aus Bayern in den Medien schon nach kurzer Zeit verbreitet, denn die Gatekeeper in den Redaktionsstuben warten nur darauf, sich ebenfalls als gute politisch-korrekte Anti-Rechtspopulisten outen zu können und mit auf dem Zug der Gutmenschen-Hysterie zu fahren.

Fragt sich nur, wer sonst noch mit ihnen fährt.

Es scheint, die Nachfrage nach denjenigen, die auf möglichst einfache Weise Zutritt zur gesalbten Welt der Gutmenschen erreichen wollen, die sich als moralische Unternehmer mit dem Produkt „anti-Rechtspopulismus“ bei den Moralkonsumenten einkaufen wollen, wird immer geringer. Der Trend, die Mode, „hau den Rechtspopuliten“, sie ist im Abklingen. Entsprechend muten Versuche, wie der des bayerischen Lehrerverbands, sich von Verantwortung zu entäußern, wie Anzeichen einer um sich greifenden Torschlusspanik an. In Zeiten, in denen Grüne aus Parlamenten gewählt werden, ist diese Art der Panik unter Lehrern, sorry: Lehrerinnen sicher angebracht.

Bleiben noch ein paar Feststellungen:

Gabriel Stinkefinger

Rechtspopulistischer Gesellschaftsverroher!?

(1) Ein weiteres Merkmal von Gutmenschen-Hysterien ist es, dass die Gegenstände der Hysterie immer negativ definiert sind. Gutmenschen-Hysteriker sind immer gegen etwas, können aber nie positiv formulieren, wie sie das, wogegen sie sind, ersetzen wollen. Sie treten immer entgegen, stemmen sich gegen etwas, wollen mit anderen Worten einen Status Quo gegen den Ansturm des Bösen verteidigen, von dem sie nicht einmal sagen können, wodurch er sich auszeichnet. Sie wissen nur, wodurch er sich ihrer Meinung nach nicht auszeichnet.

(2) Bayerische Lehrer schreiben: „Damit [mit der Verrohung des Umgangs] wird der Boden bereitet für Zwietracht, Verfolgung und physische Gewalt. Hass, Aggression und Angst aber zerstören Gemeinschaft – egal, ob im Klassenzimmer, in der Schule oder zwischen den Nationen Europas.“

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Von Menschen und Untermenschen…

Das ist nun eine erstaunliche Kausalkette, von der man annehmen muss, dass sie von bayerischen Lehrern auch als Erklärung an den Zweiten Weltkrieg herangetragen wird. Angefangen hat demnach alles in der Weimarer Republik mit der Verrohung des Umgangs. Daraus ist Zwietracht und Verfolgung und physische Gewalt entstanden. Irgendwie ist aus Zwietracht, Verfolgung und physischer Gewalt, dann Hass, Aggression und Angst geworden und die Gemeinschaft der Deutschen, sie wurde zerstört, im Klassenzimmer, in der Schule und in ganz Europa. Das Ergebnis: Der zweite Weltkrieg.

Vielleicht sollte man sich die Unterzeichner und Verantwortlichen für dieses Manifest etwas genauer ansehen und im Zweifelsfall sein Kind auf eine Schule schicken, an der Lehrer lehren, die mit dem Manifest nichts zu tun haben, schon weil sie mehr an Unterricht als an moralischer Selbsterhöhung interessiert sind.

(3) Nachdem wir die Welle des Homosexuellen-Outings hinter uns haben, steht nunmehr die Welle des Anti-Rechtspopulisten-Outings an. Der Versuch moralischer Selbsterhöhung ist für manche offensichtlich ein Substitut für Leistung und Erfolg.


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Pauschale Herabwürdigung von Flüchtlingen: Ist der Werberat noch logisch vertretbar?

Kennen Sie eigentlich den Roman „Berge des Wahnsinns“ von HP Lovecraft? Nein? Dann sollten Sie ihn lesen. Er ist nicht nur spannend, er enthält auch eine der besten Beschreibungen kultureller Degeneration einer Gesellschaft, die wir kennen und somit eine der besten Darstellungen des Zyklus von Gesellschaften, wie ihn Ibn Khaldun beschrieben hat.

Berge des WahnsinnsDas Bild, das Lovecraft für die Degeneration einer Gesellschaft findet, kann man am besten damit zusammenfassen, dass im Zeitverlauf die Mitglieder einer Gesellschaft nicht mehr in der Lage sind, die Leistungen, die ihre Vorgängergenerationen ganz selbstverständlich erbracht haben, zu erbringen. War es z.B. noch in den 1970er und 1980er Jahren an deutschen Hochschulen undenkbar, dass ein Student der Sozialwissenschaften nicht weiß, was Methode, Erkenntnisinteresse und wissenschaftstheoretische Grundlage seines Faches sind, so hat sich das mit dem Einzug der Gender Studies geändert. Nunmehr wird an Hochschulen etwas gemacht, das deshalb Wissenschaft sein soll, weil es an Hochschulen gemacht wird, wenn auch niemand weiß, warum und wozu es gemacht wird.

Das selbe Phänomen findet sich im Hinblick auf die deutsche Sprache, die eine Form der Bedeutungs-Entkernung erlebt. Im Ergebnis kennen Deutschsprecher, obwohl sie das deutsche Schulsystem durchlaufen haben, die Bedeutung von Worten nicht mehr (zeichnen eine Kurve in ein Koordinatenkreuz, obwohl die Aufgabe darin bestand, den ungefähren Verlauf der RegressionsGERADEN anzugeben) und sind insgesamt mit der Verwendung ihrer eigenen Sprache in Sätzen, die aus mehr als drei Worten bestehen (Ich will …, Ich habe… ) überfordert.

So überfordert wie der deutsche Werberat, der gerade eine Werbung der Sicherheitsfirma EEG Wermann aus Leipzig beanstandet hat. EEG Wermann wirbt für die eigenen Alarmanlagen unter anderen mit dem folgenden Hinweis:

EEG Wermann“Schützen Sie Ihr Heim! Ihre Sicherheit ist unser Anspruch! Viele neue Mitbürger reisen in unser Land und leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein, darum sollten auch Sie nicht zögern, ihr Eigentum, Gesundheit oder gar ihr Leben zu schützen. Wir bieten Ihnen eine preiswerte, komfortable und effiziente Alarmanlage“.

Deutsche Verbraucher sind ja, wie Sie vielleicht wissen, aus Sicht derer, die sich als Edel-Verbraucher oder Ober-Verbraucher oder besondere Verbraucher ansehen, ziemlich dumm, weshalb man sie schützen muss, vor „diskriminierender und angsterregender Werbung“ zum Beispiel. Und das haben die 15 Hanseln vom Werberat, der auf Denunziationsbasis tätigt wird, dann im Hinblick auf die soeben dargestellte Werbung aus Leipzig auch getan. Damit Leipziger nicht hinter den Flötentönen der Alarmanlagenkäufer-Fänger von EEG Wermann herlaufen, wurde die Werbung gerügt, und zwar mit folgendem Wortlaut:

“‘Die Werbung suggeriert absichtlich, dass Flüchtlinge kriminell und gefährlich sind. Solche Firmenpropaganda würdigt Flüchtlinge pauschal herab und stellt einen eklatanten Verstoß gegen die Standesregeln der Werbewirtschaft dar‘“, sagte eine Sprecherin des 15-köpfigen Expertengremiums, das als Beschwerdeinstanz für Bürger gegen unangemessene Werbung vorgeht.“

Offensichtlich sind weder die Sprecherin noch die 15-köpfige-Expertenhydra der deutschen Sprache mächtig. Denn im Werbetext heißt es ausdrücklich: „leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein“. Nicht alle sind nicht alle. Und weil nicht alle nicht alle sind, deshalb gibt es auch weder die Aussage, „dass Flüchtlinge kriminell und gefährlich sind“ noch werden „Flüchtlinge pauschal herab“gewürdigt, wie die Experten für logische Fehlschlüsse mit ihren 15 Köpfen behaupten.

Die Rüge des Werberates ist somit ein Beispiel für die Degeneration einer Gesellschaft in der es offensichtlich passieren kann, dass ein Stadion bis zum letzten Platz gefüllt ist und dennoch als halb leer bezeichnet wird, und es ist ein Beispiel für die Infantilität der 15-Köpfigen-Werbewächterhydra, die sich trotz ihrer 15 Köpfe nicht vorstellen kann, dass Flüchtlinge nicht die edlen Wilden sind, die schon Karl May verherrlicht hat, sondern ganz normale Menschen. Sie sind nicht besser und nicht schlechter als der Durchschnitt der Deutschen, und da es unter den Deutschen doch tatsächlich Kriminelle gibt, gibt es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch unter Flüchtlingen Kriminelle oder wie EEG Wermann werbend schreibt: „leider werden uns nicht alle wohlgesonnen sein“. Nicht alle!

Das einzige rügenswerte Pauschalurteil, das Flüchtlinge dadurch herabwürdigt, dass es ihnen menschliche Normalität verweigert, in dem sie zu edlen Wilden, die gar nicht wissen, was Kriminalität ist, gemacht werden, stammt aus den 15-Köpfen der Werbewächter-Hydra, so dass man sagen kann: Nicht alle dieser 15 Köpfe haben nicht alle Tassen im Schrank. Ob das ein Kopf der Hydra versteht?

Ansonsten wird EEG Wermann vorgeworden, dass durch die Aussagen der Werbung „bei den Umworbenen Angst erzeugt“ werde. Die 15-köpfige Hydra des Werberats ist also der Meinung, wer das liest bekommt Angst. Einmal davon abgesehen, dass die Werbewirkungsforschung wenn es darum geht, die Wirkung von Werbung zu bestimmen, eher bescheidene Ergebnisse zu Tage fördert und gar keine Ergebnisse, die eine derartige Stimulus-Response-Wirkung zeigen würden, wie man sie beim Werberat phantasiert, ist die Aussage schlicht falsch, denn die Angst muss nicht erzeugt werden, sie ist bereits vorhanden. Das zeigt eine eine Umfrage von Infratest Dimap, bei der 59% der Befragten angeben, sie würden eine Zunahme der Kriminalität durch den Zuzug von Flüchtlingen befürchten und je 53% angeben, vor einem Taschendiebstahl oder einem Einbruch in ihre Wohnung Angst haben. Vielleicht sollte die 15-köpfige Werbewächter-Hydra sich etwas mit der Realität befassen und Nachhilfe in Deutsch und in Logik nehmen. Vielleicht führt dies ja in einem der 15 Köpfe zu einer nachhaltigen Einsicht.

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Rot-grüne Meinungsfreiheit: Willst Du nicht meiner Meinung sein …

… dann wirst Du versetzt.

Niedersächsischer Denunzianten-Stadl, so hat Dirk Maxeiner, seinen heutigen Beitrag für die Achse des Guten betitelt. Der Denunzianten-Stadl, er sieht die Verantwortlichen eines Landesministeriums einen Lehrer, der allseits wegen seiner Fähigkeiten und Kompetenzen geschätzt wird, versetzen, weil dieser Lehrer auf Facebook und als Privatmann AfD und Pegida und Hagida Seiten geliked hat.

Der niedersächsische Denunzianten-Stadl erinnert massiv an die Aufarbeitung der Akten der Würzburger Gestapo durch den Kanadischen Historiker Robert Gellatelys. Was Gellately gefunden hat, hat ihn wohl selbst überrascht: Nicht die Gestapo war es in erster Linie, die die Bevölkerung ausgeforscht und ausspioniert hat. Nein, die Gestapo in Würzburg, sie konnte sich gar nicht vor Hinweisen retten. Die Denunzianten, sie standen Schlange.

THe Nazis a warning„For the whole area there were precisely twenty-eight Gestapo officials. Twenty-two were allocated to Würzburg, and almost half of them were involved in administrative work. The idea that the Gastapo itself was constantly spying on the population is demonstrably a myth. So how was it possible that so few people exercised so much control? The simple answer is because the Gestapo received enormous help from ordinary Germans. […] The files also show that most of this unpaid cooperation came from people who were not members of the Nazi Party – they were ‚ordinary‘ citizens. Yet there was never a duty to denounce or inform. The mass of files in the Würzburg archive came into being because some non-party member voluntarily denounced a fellow German“ (Rees, 2005: 59-60).

Die Gestapo in Würzburg, die 22 Männlein, die die Gestapo in Würzburg waren, sie konnten sich nicht vor den Denunziationen der guten Würzburger Bürger retten, Denunziationen, in denen Nachbarn Nachbarn an die Gestapo verkauft haben, um sich selbst mit dem warm glow des guten Menschen zu umgeben, wobei das, was den guten Menschen, den Denunzianten in den Jahren 1933 bis 1945 ausgemacht hat, etwas anderes war, als das, was ihn heute ausmacht.

Damals hat der gute Denunziant Juden verraten, Verhalten angezeigt, das der Ideologie, die die NSDAP vorgegeben hat, zuwider gelaufen ist. Damals wurden Nachbarn angezeigt, die einen Juden über Nacht beherbergt haben, Menschen, die einen Witz über Hitler oder die NSDAP erzählt haben, ihren Häschern überantwortet.

Heute ist das anders. Heute wird niemand mehr denunziert, in der Hoffnung, der Denunzierte haben einen Schaden und der Denunzierer einen Nutzen davon.

Heute sind die guten Menschen besorgt, nicht darüber, dass ein Jude im Nachbarhaus übernachtet, Gott bewahre, nein, besorgt darüber, dass ein Lehrer eine private Facebookseite dazu nutzt, um einen Like bei der entsprechenden Facebook-Seite von Pegida, Hagida und AfD-Deutschland anzubringen.

Nun ist es nicht offensichtlich, welche Likes ein Nutzer von Facebook verteilt. Wer es herausfinden will, der muss sich ein entsprechendes Tool besorgen und gezielt auf die Suche gehen, gezielt versuchen, ob er einem anderen etwas anhängen kann. Gute Menschen von heute, besorgte Kämpfer gegen Likes bei Pegida oder Hagida oder AfD, sie sind mindestens so motoviert, anderen etwas anzuhängen, wie dies für Gestapo-Informanten in den Würzburger Akten ersichtlich ist:

„The files teem with stories that do not reflect well on the motives of those who did the denouncing. … Ilse Sonja Totzke, who went to Würzburg as a music student in the 1930s … became an object of suspicion for those around her. The first person to denounce her was a distant relative, who said that she was inclined to be too friendly with Jews … One anonymous denouncer even hinted that Totzke might be a lesbian“ (Reece, 2005: 61).

Heute wird natürlich niemand mehr denunziert, weil er lesbisch oder schwul ist. Heute ist man besorgt, weil ein Lehrer an einer Gesamtschule in Niedersachsen in seiner freien Zeit ein Like bei AfD, Pegida und Hagida angebracht hat. Und mit brennender Sorge widmen sich Politiker und alle, die vor lauter Sorge um das Gute an deutschen Schulen nicht mehr schlafen können, dem Fall des likenden Lehrers, dessen Schüler zwar von keinerlei Fehlverhalten bei ihrem Lehrer berichten, aber Verhalten ist nebensächlich, wenn es um die richtige Gesinnung geht.

KGS SchwarmstedtWenn die richtige Gesinnung in Frage steht, dann wird der Lehrer zum Gespräch geladen, zum Gespräch mit dem „Vorsitzenden des Schulelternrates“, einem jener Besorgten, die ihrerseits natürlich nie ein Like bei Pegida oder AfD machen würden, schon weil ihnen vermutlich die Zivilcourage dazu fehlt. Dem ersten Gespräch, an dem auch Schulleiter und Mitglieder des Schulelternrates teilgenommen haben, folgt ein zweites Gespräch mit einem Vertreter der Niedersächsischen Schulbehörde, ein Dienstgespräch, denn auch bei der Niedersächsischen Schulbehörde teilt man die brennende Sorge darum, was der Lehrer in seiner Freizeit macht, die Sorge darüber, dass er von seinem Recht auf Meinungsfreiheit gar zu freien Gebrauch macht.

Dieser freie Gebrauch der Meinungsfreiheit, er hat sich nach Ansicht der Schulbehörden-Vertreter auf den Schulfrieden an der KGS in Schwarmstedt ungünstig ausgewirkt. Deshalb hat man den Lehrer versetzt. Wir sind heute ja zivilisiert und stecken niemand in ein Umerziehungs- oder sonstiges Lager, nur weil uns seine Gesinnung nicht passt.

Und jetzt, wo der Lehrer, der AfD-Liker, der Pegida-Versteher, der Hagida-Sympathisant versetzt ist, jetzt ist der Schulfrieden wirklich gestört. Die Schüler, sie wollen ihren Lehrer zurück, denn der Lehrer, er war zum einen beliebt, zum anderen kompetent. Und weil er kompetent war, deshalb sehen sich vor allem die Schüler der Abschlussklasse, deren Noten nun zählen, benachteiligt, geschädigt dadurch, dass ihnen der Lehrer versetzt wurde.

Das ist die große Unbekannte, mit der bei Schulbehörden regelmäßig nicht gerechnet wird: Schüler. An Schüler, die eigentlich der Grund der Existenz von nicht nur Schulen, sondern auch Schulbehörden sind, an sie und ihr schulisches Wohlergeben hat niemand gedacht. Man hatte wichtigere zu tun: Die Gesinnung eines Lehrers zu erschnüffeln und aus Likes zu erschließen und ihn wegen falscher Like-Verteilung zu versetzen.

Deutschland 2016. Denunziantentum ist wieder salonfähig und der Irrsinn endemisch.

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Volkserziehung: Deutsche sollen die richtige Zivilcourage lernen

Vor einigen Tagen haben wir über die neue Online-Stasi berichtet, deren Ziel darin besteht, Deutschen Zivilcourage und Counterspeech beizubringen. Bereits diese Beschreibung macht deutlich, dass es nur eine richtige Form von Zivilcourage gibt, die Zivilcourage, die von den Online-IMs als einzig richtige Zivilcourage vorgegeben werden soll, die Zivilcourage, die bestimmte ideologische Inhalte umfasst und andere geiselt. Ein Mensch, der in aller Öffentlichkeit Stellung gegen politisch-korrekten Unsinn bezieht, der sich z.B. namentlich bei seiner Universität darüber beschwert, dass Genderismus betrieben, Wissenschaft verunmöglicht und Männer benachteiligt werden, hat entsprechend keine Zivilcourage.

Online Civil CourageDieser Versuch, Zivilcourage vor einen ideologischen Karren zu spannen, rechtfertigt einen genaueren Blick darauf, was Zivilcourage eigentlich sein soll. Und wenn man diesen Blick in vermeintlich wissenschaftliche Texte richtet, dann landet man schnell bei Gerd Meyer und einer Gattung von Text, einem Genre, das man nicht mehr als wissenschaftlichen Text beschreiben kann, vielmehr dem Genre der Volkserziehung zurechnen muss, jenem Genre, zu dem Wissenschaft in Teilen verkommen ist.

So wie sich manche, die es auf wissenschaftliche Positionen geschafft haben, immer noch einbilden, sie hätten eine statushohe Position erreicht, so bilden sich manche ein, weil sie diese angeblich statushohe Position erreicht hätten, könnten sie andere belehren, erziehen, nudgen oder in welcher Form auch immer die Volkserziehung daherkommt.

Gerd Meyer gehört dazu. Er hat seine Bestimmung von „Zivilcourage“ in einem Sammelband veröffentlicht, der unter dem Titel „Demokratie-Kompetenz“ veröffentlicht wurde – ein Titel, der schon Schlimmes ahnen lässt. Man kann sich die Möchtegern Volkserzieher, wie sie dem dummen Mann von der Straße und seinen Kindern „Demokratie-Kompetenz“ beibringen wollen, richtig bildlich vorstellen. Sie, die keinerlei Toleranz dafür haben, dass in einem demokratischen System unterschiedliche Meinungen vorhanden sind (hätten sie diese Toleranz, sie müssten nicht von „Demokratie-Kompetenz“ reden). Die Erzieher zur Demokratie, sie entpuppen sich regelmäßig als Autokraten, die keinerlei Abweichung von ihrer Vorstellung davon, was Demokratie ist, zulassen – denn merke: Es gibt nur eine wahre Form von Demokratie, die Form, die ich vorgebe – wodurch Demokratie zu Totalitarismus wird, aber das nur nebenbei.

Gerd Meyer hat eine Definition von Zivilcourage vorgelegt, der man Anhaltspunkte dafür entnehmen kann, warum es Organisationen wie die neue Online-Stasi gibt, die von sich denken, sie könnten Menschen die einzig richtige Zivilcourage beibringen:

Für Meyer ist Zivilcourage ein „Typus sozialen Handelns“, aber „keine Eigenschaft einer Person“ (Meyer, 2005: 52).

Zivilcourage hat also für Meyer nichts mit Mut oder mit Engagement eines Einzelnen zu tun. Zivilcourage ist eine Form kollektiver Körperertüchtigung, die man im Zivilcourage-Studio erlernen kann, direkt von Big Brother mit den großen Zivilcourage-Muskeln.

Und so wie Zivilcourage keine Eigenschaft eines Individuums ist, sondern ein frei flottierendes Agens, das sich über Big Brother auch dem letzten Feigling mitteilt, so ist Zivilcourage inhaltlich sehr eng bestimmt und liegt nur dann vor, wenn – wie Meyer weiter ausführt – die folgende Bedingung erfüllt ist:

„Eine Person (oder seltener eine Gruppe) tritt – orientiert an humanen und demokratischen Prinzipien – ein für die legitimen, primär nicht-materiellen Interessen und die Integrität vor allem anderer Personen, aber auch des Handelnden selbst“ (Meyer, 2005: 52-53).

Ein vom frei flottierenden Agens der Zivilcourage (zuweilen auch gegen seinen Willen) besetzter Akteur, er ist nach der seltsamen Vorstellung von Meyer das wandelnde Gute, voller reiner Motive, voller demokratischer Absicht, er ist ein St.Martinesker Altruist, der mit gezogenem Mantel durch die Welt zieht, um Letzteren zu teilen und „humane und demokratische Prinzipien“ zu verteidigen – gegen Angreifer.

Die inhaltliche Bindung von Zivilcourage an demokratische und humane Prinzipien, die unbestimmt bleiben, sie macht es möglich, Zivilcourage als kollektive Eigenschaft, die sich dem korrekt lernenden Menschen mitteilt, als adelnden Agens der Richtigkeit und des Guten zu bestimmen, als Mittel, mit dem man – schwubs – einen Teil der Bevölkerung von der Tischkante stoßen kann.

Zivilcourage gibt es nur, wenn die Motive des Zivilcouragierten, die richtigen sind, wenn er human und demokratisch ist, wobei z.B. Online-Wächter bestimmen, was human und demokratisch und was nicht human und demokratisch ist, was von einem Monster gesprochene Hassrede ist. Und damit auch ganz klar ist, dass die so beschriebenen Zivilcouragierten die richtigen, die wahren, reinen und einzig demokratisch-humanen Zivilcouragierten sind, darf natürlich der Verweis auf die „nicht-materiellen Interessen“ nicht fehlen.

Willkommen im Kindergarten der Phantasie.

Zunächst: Zivilcourage ist natürlich eine individuelle Eigenschaft. Was sonst sollte es sein? Wer kann Courage haben und im täglichen Leben zeigen? Wer handelt, wenn nicht der Einzelne? Die Zivilcourage handelt sicher nicht.

Dann: Handeln gibt es nur als soziales Handeln, denn Handeln setzt voraus, dass es auf andere gerichtet ist. Ist es nicht auf andere gerichtet, dann ist es Verhalten und nicht Handeln. Von einem Sozialwissenschaftler sollte man verlangen können, dass ihm diese in der Soziologie verbreitete Unterscheidung bekannt ist – er sein Handwerkszeug also beherrscht.

Wenn Handeln immer auf andere gerichtet ist und nur Einzelne, nur Individuen handeln können, dann ist klar, dass die Motive des Handelns keine kollektiven, sondern nur individuelle Motive sein können. Man kann Menschen vielleicht einreden, dass sie zivilcouragiert sind und dass sie dann zivilcouragiert sind, wenn sie böse Rechte hauen und arme Linke beklatschen, aber man wird nicht für die entsprechenden Menschen zuhauen oder klatschen können. Das müssen diese schon selbst tun. Entsprechend ist die Vorstellung davon, dass Zivilcourage ein kollektives Agens sei, das sich denen mitteilt, die auf dem richtigen Pfad von Humanismus und Demokratie, also auf dem sind, den z.B. Online-Wächter wie Kahane und Konsorten weisen wollen, vollkommener Unsinn – vollkommener ideologisch motivierter Unsinn.

Denn natürlich hat die Vorstellung, man könne Menschen zu bestimmten Handlungen manipulieren, sie zu Marionetten an der Schnur richtig vorgegebenen Humanismus‘ oder richtiger vermeintlich demokratischer Werte machen, etwas. Wer möchte nicht der Zampano sein, der sagt, was Zivilcourage ist und woran man sie erkennt. Wer möchte nicht Macht über andere ausüben, altruistische Macht natürlich, so wie sie die Mitarbeiter der Amadeu-Antonio-Stiftung jeden Tag auszuüben versuchen, wenn sie die Welt der Aussagen in richtige und falsche teilen und andere dazu bringen wollen, ihre Einteilung, ihre vollkommen undemokratische, weil totalitär verordnete, weil nicht begründete Einteilung zu teilen.

Es ist schon verständlich, dass Menschen, die sonst nichts haben, keine Zivilcourage z.B., um etwas anderes als Abhängiger von staatlichen Zuwendungen zu werden, davon träumen, Macht über Dritte ausüben zu können, ihnen den Mund verbieten zu können, sie zu Zombies der politischen Korrektheit machen zu können, die Zivilcourage unnötig macht. Es mag gelingen, manchen, vielleicht auch vielen einzureden, dass sie bessere Menschen und zivilcouragierte Menschen sind, wenn sie Büros der AfD beschädigen und die vorgegebene Bestimmung von Humanismus und Demokratie inhalieren.

Maehlert kleine GeschichteEs wird aber immer Menschen wie uns geben, die die Zivilcourage aufbringen darauf hinzuweisen, dass Online-Wächter die Totengräber von Demokratie sind, weil sie nämlich zerstören, was sie angeblich schützen wollen; die darauf hinweisen, dass ein materiell motivierter Zivilcouragierter, der sich gegen die Beseitigung von Meinungsfreiheit stellt, für der Erhalt einer Demokratie mehr wert ist als 1000 ideologische Zombies, die sich als Kämpfer für das zivilcouragierte Paradies fühlen und ihr Mütchen in so herausragenden Aktionen wie Denunziation und Verleumdung zur Schau stellen.

Versuche, wie der von uns vor einigen Tagen beschriebene Versuch, eine Online-Stasi zu etablieren, sind umsonst, denn sie ziehen nur die Claqueure an, diejenigen, die auf Führung gewartet haben und darauf angewiesen sind, von anderen bestätigt zu bekommen, dass sie gute Menschen sind, die auf der richtigen Seite stehen, Menschen also, denen jede Zivilcourage fehlt.

Zivilcourage erfordert es, eigenen Prinzipien zu folgen und zuweilen oder oft gegen den politisch-korrekten Mainstream zu kämpfen, weil der politisch-korrekte Mainstream intolerant ist, Andersdenkende nicht akzeptiert und weder human noch demokratisch ist. Er ist nicht demokratisch, weil er denen demokratische Rechte verweigern will, die von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen. Er ist nicht human, weil er die eigenen Anhänger enthumanisiert, sie zu Zombies macht, die hinter Vorgaben hertrotten, ihnen das Recht abspricht, eigene Entscheidungen zu treffen und alle, die von den Vorgaben abweichen, als Feinde zum zivilcouragierten Abschuss freigibt.

Der Versuch, den Begriff „Zivilcourage“ zu hijacken, er ist ein weiterer Versuch in der zwischenzeitlich schon längeren Reihe der Versuche, die Gesellschaft in zwei Teile zu spalten, in Wutbürger und Gutbürger, Problembürger und Bravbürger, in Fieslinge und Zivilcouragierte. Insofern der Versuch, eine Gesellschaft zu zerteilen und Teile von Ressourcen und Mitsprache auszuschließen, ein anti-demokratisches, totalitäres Unterfangen ist, erweisen sich die Prediger der Zivilcourage, die Online-Wächter als würdige Nachfolger des letzten deutschen Versuches, eine Gesellschaft in ein Gefängnis zu verwandeln und ihre Mitglieder mit gegenseitigem Misstrauen zu infizieren.

Insofern Pamphlete wie das von Gerd Meyer in wissenschaftlichen Verlagen erscheinen und in Büchern, die den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben, muss man zudem konstatieren, dass einmal mehr der Versuch, gesellschaftlichen Widerspruch durch eine Instrumentalisierung der Wissenschaft, dieses Mal nicht im Namen von Marx und Lenin, sondern im Namen von vermeintlich Humanismus und Demokratie zu unterbinden, im Gange ist. Ist am Ende Zivilcourage notwendig, Zivilcourage, zu der sich auch oder gerade Wissenschaftler aufraffen müssen?

 
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