Kann man so dumm sein? Teil II: Generisches Maskulinum und Wikipedia

Seit einiger Zeit läuft bei Wikipedia eine Abstimmung darüber, ob Beiträge der Online-Enzyklopädie weiterhin in dem geschrieben werden sollen, was von manchen als generisches Maskulinum bezeichnet wird oder ob die entsprechenden Beiträge gendergerecht, wie es andere wollen, verfasst werden sollen.

Kurz zur Einführung und damit wir alle vom selben sprechen, eine wirklich verdienstvolle Bestimmung von Okamura Saburo [Man muss heutzutage schon nach Japan gehen, um Sprachwissenschaftler zu finden, die noch des Deutschen und vor allem seiner Grammatik mächtig sind]:

“Dabei sind noch zwei Begriffe zu klären, nämlich Genus und Sexus. Genus ist eine grammatische Kategorie. Übersetzt heißt es auf Deutsch das grammatische Geschlecht. In der deutschen Sprache hat man bekanntlich drei Unterklassen, nämlich: maskulin, feminin und neutral. Sexus ist das natürliche Geschlecht. Es gibt beim Menschen zwei Unterklassen: männlich und weiblich. Bei Personenbezeichnungen kommt es oft vor dass sich Genus und Sexus decken,  z.B. sind Vater, Bruder, Sohn, maskulin und zugleich männlich. Mutter, Schwester, Tochter sind feminin und zugleich weiblich. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Fräulein und Mädchen sind neutral, obwohl sie offensichtlich weiblich sind. Dasselbe gilt auch für das Wort Weib.Eine Tunte kann auch eine männliche Person bezeichnen hat aber das Genus feminin. Um Missverstandnisse zu vermeiden werde ich im folgenden von feminin, maskulin und neutral sprechen, wenn es um Genus gehen soll.Und wenn es um Sexus gehen soll, spreche ich dann von weiblich und männlich (48).”

Was hier ziemlich ausführlich beschrieben ist, ist nichts anderes als die Unterscheidung zwischen biologischem und grammatikalischen Geschlecht.

Kommen wir nunmehr zum generischen Maskulinum:

“Generisch“ heißt also die “Gattung betreffend“. Das Maskulinum Lehrer kann demnach bedeuten: – die Gattung betreffend. Es kann also sowohl männlich als auch weiblich interpretiert werden, also sowohl Lehrer als auch Lehrerin umfassend – nur männlich also ausschließlich Lehrer bedeutend (48).”

DudenDieses generische Maskulinum, das sich immer bei Kollektivbegriffen findet, wie z.B. Lehrer, Schüler, Student, Hundehalter, Katzenbesitzer und das im Deutschen und im Plural ausschließlich mit dem bestimmten Artikel “die” angeschlossen wird, was dazu führt, dass alle Kollektivbegriffe im Deutschen weiblichen grammatikalischen Geschlechts sind, ist seit langem zum Brennpunkt sprachfeministischer Intervention geworden, was uns zurückbringt, zur Abstimmung, die derzeit auf Wikipedia läuft und die dem Ziel dient, das generische Maskulinum als Standard für de.Wikipedia festzuschreiben und die gegenderte Sprache, die von Lehrer_innen oder LehrerInnnen oder Lehrerinnen und Lehrern schreibt, auszuschließen.

Diese Abstimmung hat nun wiederum Anatol Stefanowitsch auf den Plan gerufen. Stefanowitsch ist, Universitätsprofessor an der FU-Berlin und in der Sprachwissenschaft für die Struktur des heutigen Englisch zuständig. Zudem ist Stefanowitsch Blogger und Verantwortlicher des Sprachlog, und es ist eben hier, dass er einen bemerkenswerten Beitrag geschrieben hat, der uns Alte unter den Bloggern bereits im Titel an eine Kindersendung erinnern soll: “Wikipedia und die starken Männer”.

Sefanowitsch“Wikipedia und die starken Männer” ist der Versuch einer Satire auf die Abstimmung und vor allem die Initiatoren der Abstimmung, mit der auf Wikipedia derzeit darüber entschieden werden soll, ob Wikipedia nachdem die Online-Enzyklopädie bereits PR-Mitarbeitern und ideologischen Agitatoren übergeben wurde, nun auch der Lächerlichkeit überantwortet werden soll. Dass wir uns nunmehr auch in diese Abstimmung einmischen hat seine Ursache in diesem Post eines an der sprachwissenschaftlichen Fakultät einer deutschen Universität tätigen Professoren, der in seiner Unsinnigkeit kaum mehr zu überbieten ist.

Es beginnt bereits im ersten Satz:

“Dass die Wikipedia ein Frauenproblem hat (nämlich dass sie hauptsächlich, nämlich zu etwa neunzig Prozent von Männern editiert wird) ist seit Jahren Thema in den Medien.”

Ein Frauenproblem ist in der deutschen Sprache ein Problem der Frauen, das entsprechend nicht die Wikipedia haben kann. Vielmehr wäre dieser Satz in korrektes Deutsch als: “Frauen (und anscheinenden mindestens ein Mann) haben ein Problem mit der Wikipedia” umzuformen. [Der Genitiv ist offensichtlich in den Sprachwissenschaften der FU-Berlin ausgestorben, so dass man sagen könnte: Manche Berliner Sprachwissenschaftler haben ein Problem mit dem Genitiv, aber wohlgemerkt kein Genitivproblem!] Das meint Anatol Stefanowitsch, Universitätsprofessor an der FU Berlin aber nicht. Und irgendwie scheint er eine Idee davon zu haben, dass die Nominalverbindung “Frauenproblem” die Aussage, die er eigentlich machen will, nicht trägt. Entsprechend erläutert er seine falsche Verwendung in der Klammer und definiert Frauenproblem nunmehr als etwas, das darin besteht, dass überwiegend Männer bei de.Wikipedia editieren.

Es mag Stefanowitsch als Problem erscheinen, wenn 90% Männer bei Wikipedia editieren, in der Welt der Wissenschaft gelten Probleme jedoch erst dann als Problem, wenn sie außerhalb von Gehirnen gemessen werden können, wenn sie einen Niederschlag in der Realität finden. Es wäre also zu zeigen, worin das von Stefanowitsch vorgestellte Frauenproblem seinen empirischen Niederschlag findet. Und dann wäre zu zeigen, dass der entsprechende Niederschlag negative Externalitäten für Wikipedia, Deutschland, Europa, die Welt, das Universum oder alles hat.

Offensichtlich hat Stefanowitsch hier eine andere Meinung, sieht Probleme immer da, wo ihm etwas als ein Problem erscheint. Und offensichtlich hat er ein Problem mit 90% editierenden Männern bei Wikipedia, wenn wir auch nicht wissen, warum. Vielleicht ist er einfach nur Männerfeindlich, ein Männer-Hasser so zu sagen.

Es geht weiter in dem Blogpost von Stefanowitsch mit dem Versuch, die beiden Initiatoren der Abstimmung auf Wikipedia vorzuführen und sich über sie lustig zu machen. Und es ist hier, dass er einen alten Trick benutzt und Behauptungen als Stand der Forschung und völlig unbelegt ins Feld führt, um in diesem Fall die Initiatoren der Abstimmung zu diskreditieren, und zwar so:

“Das klingt doch erstmal gut. Vermutlich haben die beiden sich mit der umfassenden Forschungslage zur geschlechtergerechten Sprache auseinandergesetzt, die relativ einhellig zeigt, dass das generische Maskulinum in der Sprachverarbeitung nicht generisch, sondern eben als Maskulinum interpretiert wird.”

SprachlogOb Stefanowitsch mit seiner Behauptung Recht hat, nach der die Forschungslage zeigt, dass das generische Maskulinum “Lehrer”, bei denen, die es hören oder verwenden, vornehmlich einen männlichen Lehrer in die Vorstellung hebt, soll uns an dieser Stelle gar nicht interessieren, denn es ist aus dreierlei Gründen völlig unerheblich: Erstens sind die Gedanken frei, und wenn jemand bei Lehrer an seinen ehemaligen Mathematiklehrer denken will und nicht an seine Kunstlehrerin, dann ist das seine Sache. Zweitens leben wir in einer Demokratie und wenn die Mehrheit nun einmal in einer Demokratie mit mehrheitlich männlich vorgestellten Lehrern leben will, dann ist das zu akzeptieren, und drittens gibt es, wie Polenz schreibt, die seit dem römischen Reich die gültige Regel, nach der maskuline Personenbezeichnungen, die nicht durch den Kontext eindeutig als männlich ausgezeichnet sind, als “generische” und somit geschlechtsneutrale “Benennungen zu verstehen” sind. (Polenz, 1991, S.75).

Um etwas zu ändern, was seit langem funktioniert, braucht man einen Grund, der in diesem Fall nur darin bestehen kann, dass die Effizienz der deutschen Sprache verbessert wird. Angesichts der weitgehend unlesbaren Satzungetüme, die eine vermeintlich gendergerechte Sprache produziert, haben wir erhebliche Zweifel daran, dass die Abschaffung des generischen Maskulinums auch nur ansatzweise eine positive Auswirkung auf die Effizienz der Sprache hat.

Damit kommen wir zu dem Absatz, den Stefanowitsch besser nicht geschrieben hätte. Denn wenn man versucht, sich über Dritte lustig zu machen, muss man aufpassen, dass man nicht selbst zum Gespött wird, etwa so:

“Die beiden wollen also Personen durch Maskulina geschlechtsneutral benennen. Wenn man das tausend Mal hintereinander sagt, fängt das bestimmt an, plausibel zu klingen. Bis dahin ist es aber ungefähr so sinnvoll, wie die Idee, Hunde und Katzen speziesneutral unter dem Oberbegriff Hunde zusammenzufassen.”

AnalogieSchon Schopenhauer hat auf die Fallstricke hingewiesen, die sich mit Analogieschlüssen verbinden. Stefanowitsch behauptet hier mit seiner Analogie eben einmal, dass Männer und Frauen unterschiedlichen Spezies angehören, denn nur so, macht seine Unterscheidung Sinn. Als wäre dieser Hammer nicht ausreichend, zeigt der Universitätsprofessor in der Fakultät für Sprachwissenschaften an der FU-Berlin, dass er den Konzepten des Oberbegriffs und dem des Kollektivbegriffs vollständig hilflos gegenüber steht. Zunächst einmal sind Hunde und Katzen, ebenso wie Menschen Säugetiere, entsprechend wäre der gemeinsame Oberbegriff  “Säugetier”. Hunde kann der Gruppe der Hunde kein Oberbegriff sein. Hunde bezeichnet das Kollektiv der Hunde und ist somit kein Oberbegriff, jedenfalls nicht in einer Typologie. Und weil das alles noch nicht reicht, macht er sich mit seiner Behauptung, dass man, wenn man etwas tausend Mal hintereinander sagt, anfängt, dasselbe für plausibel zu halten, restlos lächerlich und provoziert schlicht unsere abschließende Frage: Wie oft, Herr Stefanowitsch, haben sie sich denn vorgesagt, dass im generischen Maskulinum generell das grammatische und das biologische Geschlecht zusammenfallen – tausend Mal?

Bleibt festzustellen, dass an deutschen Universitäten etwas hochgradig nicht mehr in Ordnung ist, wenn bei Professoren an sprachwissenschaftlichen Fakultäten die Unkenntnis des Genitiv von der Selbstsuggestion des tausendmaligen Vorsagens ersetzt wird.

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34 Responses to Kann man so dumm sein? Teil II: Generisches Maskulinum und Wikipedia

  1. jck5000 says:

    Ist das nicht auch ein Beispiel dafür, wie sich die Nutznießerspirale selbst erhält? Man erzählt so lange, dass mit “die Lehrer” keine Frauen gemeint sind, bis die Mehrheit der Meinung ist, dass mit “die Lehrer” keine Frauen gemeint sind, und dann sagt man: Seht ihr, wir hatten Recht?

  2. Holger Oeft says:

    Der Typ ist Professor? Er sollte sein Lehrgeld zurückgeben und sich einen neuen Job suchen. Selbst der Kollektivbegriff Hunde und Katzen umfasst männliche und weibliche Tiere, geschweige den, wie oben sehr schön erläutert, die fehlerhafte Analogie zu Männern und Frauen.
    Wo leben wir denn?

  3. Andreas H. says:

    Das eigentliche Problem ist, dass durch den sprachwissenschaftlichen Ausdruck -generisches “Maskulinum”- der Eindruck ensteht, die Zuweisung des Genus liege an der Männlichkeit oder Männlichkeitsvorstellungen (der klassische Aufhänger für alle Feministinnen). Das ist völlig falsch. Man kann die drei Genera im Deutschen auch mit 1, 2 und 3 bezeichnen, wobei 1 das Default- oder Standardgenus im Deutschen ist (also das Maskulinum). Dies resultiert aus der Entwicklung des Urindogermanischen, welches zwei Genera kannte, eines für Dinge und eines für lebendige, belebte Dinge, wobei auch Frauen mitgemeint waren. Später spezifizierte sich das Genussystem weiter. Hierzu ist dieses fundierte, sprachhistorische Video von Daniel Scholten auf dessen Sprachblog “Belleslettres” zu empfehlen, bei dem es auch konkret um Ad-hoc Erklärungen zur Genusbildung von Prof. Stefanowitsch geht.

  4. m says:

    Wer den Genderunsinn nicht lesen will — nichts einfacher als das: http://binnenibegone.awardspace.com/ 🙂

  5. Striesen says:

    Die Wikipedia der starken Männer verrät noch ein nicht unwesentliches Detail über den Professor und Blogger.

    Er ist Pirat.

    Das sagt heute (leider!) alles. Ende der Denunziation.

  6. karstenmende says:

    Ich wäre, an euerer Stelle, langsam vorsichtig mit der Redewendung, dass etwas “an Unsinnigkeit kaum mehr zu überbieten” ist. Da wird es wohl immer Spielraum geben. Siehe dazu auch:
    https://twitter.com/SocImages/status/428264365943316480

    Man liest es und kann es kaum fassen, dass diese Propaganda-Inszenierung gefressen wird.

    • Lieber Karsten Mende,

      “kaum mehr zu überbieten” lässt ja Spielraum nach oben, der gefüllt werden kann und offensichtlich auch gefüllt wird.

    • Lernender says:

      ..natürlich, eine Siebenjährige schreibt an LEGO warum es keine Lego_innen gibt, die auch mal was cooles erleben dürfen. Aha.

      Ich habe eine Ahnung bzw. ein Bauchgefühl, dass diese Art von Indoktrierung feministischen Gleichstellungswahnes ähnlich den Durchhalteparolen eines Diktators in einem Bunker anno `45 gleich zu setzen ist. Eine Art letztes Aufgebot im Endkampf. Homo zieht nicht mehr, Bunt auch nicht mehr.. und jetzt Kinder voraus..

      Armselig und entlarvend.

      • karstenmende says:

        Mein Bauchgefühl sagt mir, dass dieses Gekrakel auch ein Fake sein kann, der weder aus Kinderhand, noch aus Kinderverstand gekommen ist. Die Form der Schrift ist so bemüht chaotisch, weist aber doch an einigen Stellen auf eine geprägte Handschrift hin. Dem gegenüber steht die absolut ideologisch korrekt formulierte Botschaft. Bei einem Kind von 7 Jahren würde ich es eher genau anders herum vermuten. Das heißt: etwas ordentlicher (besonders bei einem Mädchen), weniger geprägte Schriftzüge. Aber eben auf keinen Fall derartig scharfe, zielführende Formulierungen. Es ist nur eine Vermutung. Aber bei allem, was im Zusammenhang mit “Gender-Mainstreaming” schon an Lug und Betrug geboten wurde, durchaus eine berechtigte.

    • Orwell says:

      Wir haben diese Story etwas anders gelesen:

      “Siebenjähriger Kevin Justin Mohamed Müller schreibt Beschwerdebrief an Mattel”

      http://goo.gl/mHHJgx

  7. Pat Murphy says:

    Ich bin Stefanowitschs Blog eine Weile gefolgt. Aber der Mann haut ständig solche Dinge raus: Erst die eigene Weltsicht, dann die “Wissenschaft” dazu. Und zwar penetranter als so manch ein üblicher Verdächtiger.
    Fairerweise will ich auch sagen, daß er damit viel Erfolg und sich einen beachtlichen Fan-Kreis zugelegt hat. Und gerade wenn man viel mit Studentinnen “arbeitet”, zumal in Berlin, ist eine solche “Street-Cred” sicher nicht das Schlechteste…

  8. Momo says:

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Am Ende geht es doch wohl wieder mal um den unseligen Gerechtigkeitswahn, oder?

    Haben denn alle den Plural vergessen? Der ist im Deutschen IMMER weiblich, nee, ist das ungerecht! Ich finde, das sollten sich DIE Männer nicht mehr gefallen lassen. DER Männer sind an dieser Stelle doch wirklich benachteiligt!

    • rjb says:

      Wenn das grammatikalische Maskulinum für rein männliche wie auch gemischtgeschlechtliche Kollektive verwendet wird, das grammatikalische Femininum hingegen für rein weibliche Kollektive, dann hat das zur Konsequenz, daß es ein grammatikalisches Geschlecht zur Benennung rein männlicher Kollektive nicht gibt. Darin kann man auch eine Benachteiligung “der Männer” sehen. Wären die Verhältnisse spiegelverkehrt, kämmen sicherlich über kurz oder lang irgendwelche Feministinnen darauf, daß dadurch Frauen benachteiligt würden, und irgendein Stefanowitsch würde das “wissenschaftlich” belegen.

    • karstenmende says:

      “Haben denn alle den Plural vergessen? Der ist im Deutschen IMMER weiblich, nee, ist das ungerecht!”

      Wie mir scheint, sehr zur Freude DER Feministinnen! 😉

  9. Hosea says:

    Man muss sich an die Vorstellung gewöhnen, dass es in Deutschland keine nennenswerte Sozial- oder andere ‘weiche’ Wissenschaft gibt. Nichts als pure Idologieproduktion. Und es wird immer schlimmer, denn es ist eine sich selbst reproduzierende Kaste.

  10. Bill says:

    ich bin aus gutem Grund immer sehr vorsichtig, wenn ich jemanden online orthographischer oder grammatikalischer Fehler zeihe, aber manchmal mache ich eine Ausnahme. Der Satz:
    “Vielmehr wäre dieser Satz in korrektes Deutsch als: “Frauen (und anscheinenden mindestens ein Mann) haben ein Problem mit der Wikipedia” umzuformen”
    sollte doch eher lauten:
    “Vielmehr wäre dieser Satz in korrektes Deutsch in: “Frauen (und anscheinend mindestens ein Mann) haben ein Problem mit der Wikipedia” umzuformen.”

    SCNR

  11. HansG says:

    Man stelle sich nur einmal vor, Jemand käme auf die Idee Keiler und Bachen als Wildsäue zu bezeichnen. Oh wait…

    Der Duden sagt:
    Substantiv, feminin – 1. [weibliches] Wildschwein; 2. Schwein

    Natürlich ist die Sau weiblich. Dennoch ist Wildsau ein gebräuchliches Synonym für Wildschwein.

    Über die gendertheoretischen Zusammenhänge von Bachen mit Frischlingen und Gewaltpotential möchte ich an dieser Stelle lieber schweigen.

  12. A.S. says:

    Zu allen Zeiten haben Ideologen versucht sich in eine Autoritätsposition zu bringen. Wenn man seine Haltung nicht mehr begründen wollte ging man früher in die Kirche, heute in die Wissenschaft. Und in der Wissenschaft sucht man sich Disziplinen in denen man durch rege Kommunikation weiter kommt als durch Fachkenntnis, Sprachwissenschaftler gehören dazu. Es hat ja einen Grund warum solche Typen i.d.R. nie an einer Mathematikfakultät auftauchen.

  13. Werner says:

    Hier ein Literaturhinweis zum Thema:
    Christoph Zimmer: Geschlecht und Menge. Gleichschaltung durch Genderpolitik. 2010.
    http://www.zmm.cc/Geschlecht.pdf
    Der Autor, wahrscheinlich ein Logiker, erklärt, worin die Fehler bestehen und warum das grammatisches Geschlecht nicht das biologische Geschlecht bezeichnet.

  14. heureka47 says:

    Ich habe den Eindruck, die Angelsachsen waren / sind in der Sprachentwicklung der Realität noch am nächsten – da sie kein Geschlecht kennen. Da gibt’s kein der oder die, sonder nur das “the”, analalog zum niederdeutschen “de”. Und die Angeln sind ja ein germanisches Volk, aus dem Land Angeln (Schleswig-Holstein) stammend.

    Warum auch sollte man einem “Ding”, einer “Sache”, die “sächlich” ist und weder weiblich noch männlich, ein Geschlecht künstlich zuordnen?
    Wenn “der Tisch” männlich ist: Wo ist dann die Tischin dazu??
    Wo gibt es die Stuhlinnen, Schränkinnen, Herdinnen?

    Grausam, daß der Tisch kein weibliches Gegenstück hat!
    Ähnlich geht es den Kommoden, Truhen, Liegen, denen das männliche Ergänzende fehlt!

    Warum DIE Hose, DER Mantel, DAS Hemd? Tragen solche Kleidungsstücke nicht Männer wie Frauen? Wo bleibt die Logik?

    Welchen Sinn macht es, daß es an WEIBLICHEN Körpern MÄNNLICHE Dinge gibt?
    DER Po? DER Kitzler? DER Busen?

    Und umgekehrt ist es ähnlich.

    Eine wirklich vernünftige, ja WEISE, Sprachreform würde diese – man ist geneigt zu sagen: schizophren anmutenden – Widersprüche, beseitigen und die Verwirrung stiftenden überflüssigen Artikel entfernen, um z.B. nur ein einheitliches, ökonomisch kurzes, “de” übrig zu lassen.

    Wer dafür ist, hebe de Hand!

    • o-c-d says:

      Es hilft im Englischen ein bischen, aber auch nur insofern, als dass sich sich die Irren halt was weniger offensichtliches wie xyInnen suchen muessen, und daher etwas leichter als Irre erkennbar sind: Feministinnen sagen/schreiben lieber womyn statt women, weil da boeserweise men drin ist/sind…
      Das das voellig irre ist, belustigt zwar halbwegs normaldenkende, aber die Irren haben trotzdem Vorrang im medialen und sonstigen PC-Diskurs.

      Andereseits aber kann man den Leuten nicht wie im dt. (mit den unauspechlichen -Innen) einen Schnuller geben: Es wird erklaert, dass viele Begriffe (speziell “Maennerberufe”, also engineer, scientist) gedanklich per default als maennlich angesehen werden, und dass dieser Sexismus tiefgreifend und effektvoll ist – und nur die Entschuldigung/Selbstbestrafung/Bestrafung du jour kann dass ueberkommen (oder auch gar nichts, je nach Beschwerer).
      D.h. jede Person kann jederzeit des Sexismus angeklagt werden, und nur voller Beifall fuer die jeweilige Neuerung/Aenderung ist erlaubt, und/oder jedes ungewollte Resultat kann jederzeit mit “patriarchy” erklaert werden. Deshalb ist der Netscape-Erfinder bei Mozilla raus (weil Toleranz so wichtig ist), und deshalb ist alles, was Feministinnen nicht gefaellt (z.B. eine Stelle nicht zu kriegen), sexistisch.

      Da wuerde ich fast lieber bloedsinnige Sprachverhunzungen lesen.

      Aehnlich: Jede Kritik an Obama ist Rassismus. Das er nur 55 zu 45 gewaehlt wurde, ist dem Rassismus der weissen Republikaner zuzuschreiben (die wohl irgendwie, wenn er weisser waere, ihn als Demokraten gewaehlt haetten – haeh?). (Die Tatsache, dass ein riesiger Prozentsatz Schwarzer ihn gewaehlt hat, ist natuerlich kein Rassismus. Wie Unis nur fuer Frauen.)

  15. Pingback: Das große I mitten im Wort | Basedow1764's Weblog

  16. Sarah H. says:

    Hallo Herr Klein,
    ich bin derzeit auch in einer Diskussion über das generische Maskulinum verwickelt und wollte sie mal fragen, was sie dazu und zu dem Wikipedia-Artikel und den dort aufgezählten Studien sagen:

    http://www.unternehmer.de/marketing-vertrieb/152957-geschlechtergerechte-sprache-texten-ist-die-kritik-daran-berechtigt

    http://de.wikipedia.org/wiki/Generisches_Maskulinum

    Vor allem würde mich die Erkenntnisse von Josef Klein interessieren und ihre Bewertung dazu. Weiter unten im Wikipedia-Artikel wird ja sogar gesagt, dass sich Frauen auf Berufsausschreibungen mit spezifisch weiblichen oder geschlechtsneutralen Ausdrücken eher melden, als wenn das generische Maskulinum verwendet worden war und somit die Verwendung sogar praktische Auswirkungen hat.

    Siehe: Sandra L. Bem, Daryl J. Bem: Does Sex-biased Job Advertising “Aid and Abet” Sex Discrimination? In: Journal of Applied Social Psychology. 3, Nr. 1, 1973, S. 6–18.

    Hier habe ich im Übrigen interessante Gegenargumente gefunden:

    http://www.vds-münchen.de/fileadmin/galerie/2009-08-01__Artikel_Sprachfeminismus.pdf

    Ihre Meinung dazu würde mich interessieren!

    Liebe Grüße

  17. Pingback: Über Unsinn kann man nicht diskutieren | Kritische Wissenschaft - critical science

  18. Gebi says:

    Die Genderisten haben die Linguistik nahezu vollständig unterwandert, und verbreiten ihren Nonsens als “Wissenschaft”. So verhindern sie, dass ideologiefreihes “zitierfähiges” Material überhaupt noch entstehen kann und versuchen ihre aberwitzige Denke als Norm durchzudrücken.

    Nichtideologen haben kaum die Möglichkeit, Bücher zu publizieren und Quellen zu akkumulieren – weil sie in den Pseudowissenschaftsbetrieb gar nicht mehr reinkommen. Das ginge nur mit Geld – die entsprechenden Pfründen haben aber die Genderisten inne.

  19. Pingback: GeisteswissenschaftlerInnen? Muss das sein? | Geisteswirtschaft

  20. dingosaar says:

    Ganz eng an einem Grundproblem vorbeigeschrammt: Der Feminismus deutscher Prägung mit seiner brechstangenhafter Zusammenfassung von Genus und Sexus ERZEUGT eben eine geistige Segregation der Geschlechter, weil plötzlich “Männer” und “Frauen” zwei disjunkte Gruppen (wie Hunde und Katzen, oder Marsianer und Venusianer) werden – von daher hat Stefanowitsch in seiner Denkweise sogar recht. Der Skandal ist eben nicht seine Fehlanalogie – sondern der “systemische Sexismus”, der dafür sorgt, daß es in kaum einem anderen Land so viel Einfluß auf die Berufs-etc – Wahl hat, welchen Sexus jemand hat.

    “Tausendmal” sollte man den Abschnitt von Okomura Saburo lesen; Genus und Sexus haben eben keinen zwangsläufigen Zusammenhang, “der Morgen” oder “die Sonne” sind nicht männlich oder weiblich, sondern haben nur grammatikalisch unterschiedliche Formen.

    “Mädchen” (von magedîn – ja, der Suffix -in ist ein Diminutiv!!!, siehe Konrad – Konradin) ist – neben einer justiziablen Beleidigung – ein Diminutiv von die Maid, die Magd. Das wäre ein guter Sprachänderungsvorschlag, hier wieder zum deutschen Wort “die Maid” zurückzufinden statt überall aus “Fachkräften” “Fachpersonen” zu machen, “Studenten” zu “Studierenden” und “Autoren” zu “Autorinnen” – “Knaben und Maiden” oder “Maiden und Knaben” ist mal sinnvoll, richtiges Deutsch, und die durch die Ungebräuchlichkeit der Stammform “Maid” in der Alltagssprache ausgebliebenen Lautverschiebungen kommen schnell genug.

    Es wird Zeit, dem “Genderismus”, der de facto eine – im Englischen und Französischen niemals auch nur ansatzweise angestrebte – Segregation der Geschlechter vorantreibt einen “Postgender” entgegenzusetzen, der ganz klar auf diminutive Endungen verzichtet, von (und mit) den “Damen und Herren Bürgern” (zwei UNTERgruppen EINER Gruppe – der Bürger) statt “Bürgerinnen und Bürger” (zwei disjunkte Gruppen – Sexismus) redet und akzeptiert, daß “Ämterbezeichnungen” (der Metzger, der Bäcker, aber: die Hebamme) in der Regel maskulin sind. Und: Daß “der Mann” auch eine Zweitbedeutung “der Mensch” hat, z.B. “die Mannschaft”, “etwas am Mann haben”, “man” (und nicht: “wîp und man”), also eine Frau Amtmann oder Frau Kaufmann absolut korrekte Anreden sind.

    Wie es ja auch als sehr unhöflich gilt, eine “Frau Professorin” statt korrekt “Frau Professor” anzusprechen oder statt “Frau Doctor” von “Frau Doctrix” zu reden.

  21. Jürgen Köster says:

    Die Vermischung von genus und sexus kann meiner Meinung nach sogar zu einer ungewollten Diskriminierung von Frauen führen. Angenommen, es geht in einem Artikel über Lehrer um Inhalte, bei denen die Unterscheidung von männlichen und weiblichen Lehrern nicht sinnvoll ist, dann liegt die Verwendung des Begriffes “Lehrer” als generisches Maskulinum nahe. Wird in einem solchen Zusammenhang nun aber die Formulierung “Lehrerinnen und Lehrer” benutzt, dann kommt dieser Formulierung die gleiche sprachliche Logik zu wie der Formulierung “Frauen und Menschen”, die von Feministen mit Sicherheit als diskriminierend empfunden werden würde.

  22. Julian Apostata says:

    Noch eine Anmerkung zum semantisch falschen Ersatz von z.B. “Student”/”Studentin” durch den Begriff “Studierende”:
    Der Unterschied entspricht jenem zwischen “Sänger” und “Singender”. Ein Sänger ist u.a. jemand, der beruflich singt; ein Singender ist jemand, der gerade in diesem Augenblick singt (im Englischen heißt das ‘present progressive’).
    Ebensowenig, wie ein Sänger pausenlos singt, studieren Studenten ununterbrochen. Wer also von Studierenden spricht, schließt alle Studenten aus, die zum Zeitpunkt jenes Sprechens gerade nicht nicht studieren (weil sie etwa essen oder schlafen) – und alle nicht Inskribierten, die gerade etwas studieren, mit ein.
    Wie üblich führt hier der ideologisch motivierte Änderungswille einer Minderheit zu Unordnung im System. Derlei muß, historisch betrachtet, nicht immer negativ sein. Konkret führt es aber zum Verlust sprachlicher Präzision. Und da die Sprache nun einmal ein essentieller Kulturträger ist, sollten Ungeschulte m.E. besser die Finger davon lassen.

  23. Pingback: Kinder und Kinderinnen: Hannover erliegt dem Gendervirus | ScienceFiles

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