Wikipedia ist hauptsächlich ein Todesanzeiger

Das PewResearchCenter hat gerade die Liste der jeweils 10 am häufigsten gelesenen Artikel auf Wikipedia veröffentlicht, und zwar nach Sprachen getrennt.

Auszählungen zum Leseverhalten sind immer aufschlussreich, lassen sie doch Schlüsse über die Wahrnehmung von Informationsquellen und über die Interessen derjenigen, die die entsprechenden Informationsquellen nachfragen, zu.

WischopediaUnd entsprechend wissen wir, dass Wikipedia für 20.264.610 englischsprachige, 5.694.946 deutschsprachige und 2.514.702 russischsprachige Nutzer ein Todesanzeiger ist. Sie lesen den Nekrolog für 2015 bzw. die Liste der Toten pro Jahr, interessieren sich also in erster Linie für Todesanzeigen. Entsprechend muss man schließen, dass für viele Wikipedia so etwas wie ein Zentralanzeiger der Verstorbenen ist, ein Ort, ein virtueller Friedhof, auf dem man zwar keine Grabsteine betrachten, aber doch die Namen der Toten bestaunen oder bewundern kann.

Ob sich die Online-Enzyklopädie ob dieser Entwicklung auch offiziell ein neues Image, sagen wir ein morbides oder nekrophiles Image gibt, wird abzuwarten bleiben.

Ein Blick auf die sonstigen Suchbegriffe bzw. die Kategorien, denen die einzelnen Artikel zugerechnet werden können, hat – unterschieden nach Sprachen, folgendes Aussehen:

  • Englischsprachige Leser:
    • Todesanzeigen
    • Film und Fernsehen
    • Soziale Medien
    • Islamischer Staat
    • Landeskunde
  • Spanischsprachige Leser:
    • Sport
    • Weltkriege
    • Chemie
    • Landeskunde
    • Film und Fernsehen
  • Deutschsprachige Leser:
    • Todesanzeigen
    • Landeskunde
    • Film und Fernsehen
    • Islamischer Staat
    • Computer IT
  • Russischsprachige Leser:
    • Soziale Netzwerke
    • Landeskunde
    • Todesanzeigen
    • Politik
    • Film und Fernsehen
  • Französischsprachige Leser:
    • Islamischer Staat
    • Soziale Medien
    • Film und Fernsehen
    • Französische Autoren
    • Landeskunde
  • Italienischsprachige Leser:
    • Film- und Fernsehen
    • Landeskunde
    • Politik
    • Islamischer Staat
    • Astronomie

Wikipedia ist neben Todesanzeiger also noch ein Blatt für Fernseh- und Filmnachrichten. Wissenschaftliche Themen schaffen es in den wenigsten Sprachen in die Top-10 der Beiträge, Themen der Politik ebenso selten. Lediglich der Islamische Staat hat es geschafft, intensiv genug auf sich aufmerksam zu machen, so dass er in die Phalanx aus Todesanzeigen, Film- und Fernsehnachrichten, die die Leser von Wikipedia dort nachfragen, einbrechen konnte.

Irgendwie stellt man sich unter einer Enzyklopädie etwas anderes als einen Todesanzeiger und ein Programmheft für Film- und Fernsehen vor…

Petition fordert Ende der Anonymität bei Wikipedia

Wer uns seit Jahren folgt, der weiß, dass wir uns vor einigen Jahren mit dem deutschen Versuch von Wikipedia beschäftigt haben, und zwar deshalb, weil unter dem Deckmantel der Online-Enzyklopädie eine Vielzahl von Ideologen ihr Unwesen treibt und versucht, die Einträge auf Wikipedia der eigenen Weltsicht anzupassen. Das führt soweit, dass lebende Personen diffamiert und denunziert werden, es führt dazu, dass Inhalte auf Wikipedia schlicht falsch sind, und es führt dazu, dass die deutschsprachige Wikipedia keine Online-Enzyklopädie ist, sondern eine Online-Möglichkeit der Verbreitung von ideologischem Unsinn aller Art.

In einem Offenen Brief, den Michael Klein und Arne Hoffmann gemeinsam an Jimmy Wales geschrieben haben, wurden vier Grundprobleme von Wikipedia identifiziert, die dazu geführt haben, dass Wikipedia zu einem Instrument in den Händen von Ideologen aller Art verkommen ist:

  • WischopediaDas Fehlen jeglicher Form von Kriterien, die das Auffinden von Information und das Schreiben von Artikeln strukturieren.
  • Die daraus resultierende Selektivität vieler, wenn nicht der meisten Artikel in Wikipedia.
  • Die feindliche Übernahme der Wikipedia durch Ideologen, die durch die zuvor beschriebenen Prozesse erleichtert wird.
  • Die negativen Anreize für bzw. das Abschrecken von fähigen, potentielle/n Autoren, die zur Wikipedia beitragen wollten, darauf aber aufgrund der ideologischen Infizierung der Wikipedia verzichten, sowie die Verschwendung von Humanressourcen und die Lähmung von Ressourcen in so genannten Editier-Schlachten.

Hinzu kommt ein Problem, das diese vier sich gegenseitig verstärkenden Probleme noch überschattet: Die Anonymität bei Wikipedia, die genutzt wird, um Nutzernamen als Tarnschild für Gruppen von Ideologen zu missbrauchen, die 24/7 darüber wachen, dass ihrer ideologischen Auslegung der Wirklichkeit keine Anpassung an dieselbe widerfährt, die Anonymität, die dazu führt, dass die Diskussionen über Beiträge auf Wikipedia unter den Wikipedianer in einer Rohheit und mit einer Aggression geführt wird, die kaum vermuten lässt, dass alle am selben Projekt arbeiten (wollen), und schließlich ist es die Anonymität von Pseudonymen wie Fiona B, Fiona Baines oder San Fran Famer, hinter der sich mehr oder weniger kleine Persönchen verstecken und ihr Mütchen dadurch kühlen können, dass sie die eigene Anonymität nutzen, um Personen, die mit ihrem Namen zu dem stehen, was sie sagen und tun, zu diffamieren und zu denunzieren.

Unsere entsprechenden Beiträge reichen in die Jahre 2012 und 2013 zurück. Der Offene Brief an Jimmy Wales stammt vom 29. Juli 2012.

Vor diesem Hintergrund freut es uns, dass wir auf eine aktuelle Petition aufmerksam gemacht wurden, die Daniel Hermsdorf gestartet hat, und deren Ziel es ist, mehr Transparenz auf Wikipedia herzustellen, und zwar dadurch, dass Texte auf Wikipedia nur noch von namentlich bekannten Personen editiert werden dürfen.

Damit greift Daniel Hermsdorf eine Forderung auf, die wir schon vor Jahren gestellt haben, und er begründet sie u.a. damit, dass die derzeitige Möglichkeit, anonym zu editieren, ein „Einfallstor für intransparente, undemokratische und manipulative Einwirkungen auf das Online-Lexikon“ ist. Um die „Möglichkeit einer Manipulation von Inhalten“ auf Wikipedia zu reduzieren, fordert Hermsdorft die „Aufhebung der Anonymität“.

Wikipedia Anonymitaet PetitionEine Forderung, der wir uns nur anschließen können, schon weil nicht erkennbar ist, welche Gründe diejenigen, die an einer öffentlichen Online-Enzyklopädie mitarbeiten, daran hindern sollten, ihre Identität bekannt zu machen. Die einzigen Gründe, die auf Anhieb einfallen, sind dieselben Gründe, die Mitarbeiter der Stasi gehindert haben, sich denen, die sie ausspioniert haben, zu erkennen zu geben, oder es sind Befürchtungen wie die, dass es nicht so gut angesehen ist, wenn herauskommt, dass z.B. von den politischen Vereinen der Parteien oder vom BMFSFJ finanzierte Organisationen ihre Ressourcen aus den Geldbörsen der Steuerzahler einsetzen, um eine kleine Armee von Agitateuren zu unterhalten, die auf Wikipedia dafür sorgen, dass Beiträge zu den Themen, die den entsprechenden Organisationen am Herzen liegen, auch in der politisch richtigen Ideologie abgefasst sind.

Alle, die reell und mit lauteren Motiven an Wikipedia mitarbeiten wollen, können eigentlich keinen Grund dafür haben, anonym bleiben zu wollen.

Die Petition von Damiel Hermsdort dümpelt derzeit bei rund 405 Unterzeichnern, was angesichts der angeführten Argumente unverständlich ist und unbedingt geändert werden muss.

Wir rufen deshalb unsere Leser auf, die Petition von Daniel Hermsdorf zu unterstützen.

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Kuddelmuddel der Geschlechter: Wikipedia hat Probleme mit Lann Hornscheidt

Nicht nur an der Humboldt-Universität zu Berlin hat man Probleme mit Lann Hornscheidt – auch bei Wikipedia.

Ja, bei Wikipedia!

Denn: Bei Wikipedia da hat alles seine Ordnung, seine Geschlechterordnung, und deshalb gibt es ein Problem mit dem Beitrag über Lann Hornscheidt:

Lann Hornscheidt (Kategorie:Mann oder Kategorie:Frau fehlt)“

Das ist jetzt dumm, für das Lann Hornscheidt, das doch weder das eine noch das andere sein will, sondern ein X, ein Lanx oder ein Profx oder ein Fraux oder ein Manx…

Wikipedia Lann Hornscheidt

Wikipedia Arbeitsliste – Personendatenwartung

Was also tun?

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Kategoriensystem erweitern oder
  • Kategoriensystem wegwerfen.

Prinzipiell, so schlägt einer derjenigen vor, die sich in der Diskussion um das Geschlecht von Lann Hornscheidt auf Wikipedia engagieren, und was gibt es schon wichtigeres als über das Geschlecht von Lann Hornscheidt zu diskutieren, sei es möglich, Lann Hornscheidt als intersexuell zu kategorisieren.

Intersexuell liegt, wie der Begriff schon sagt, in der Mitte zwischen männlich und weiblich, vielleicht auch nicht, vielleicht auch näher bei männlich oder bei weiblich. Wer weiß. Wo auf auf der Geschlechtsstrecke das Intersexuelle zu verorten ist, ist auch wurscht, denn wichtig ist nur: Die Verortung macht nur mit Bezug auf die Referenzgrößen männlich und weiblich Sinn. Der Dichotomie des Geschlechts, ihr ist nicht zu entkommen, nicht durch die Bezeichnung „intersexuell“.

Was also tun?

Gehen wir von Lann Hornscheidts Wunsch, als X angesprochen zu werden, aus, denn Hornscheidt will weder männlich noch weiblich sein, und des Menschen Wille ist ja bekanntlich sein Himmelreich, und zwar in- und außerhalb der Irrenanstalt.

Warum nicht neben männlich und weiblich sächlich als Kategorie einführen? Schließlich ist sächlich das dritte grammatische Geschlecht der deutschen Sprache, und wer weder männlich noch weiblich sein will, der ist dann eben sächlich: Das Lann Hornscheidt. Die Versachlichung von Lann Hornscheidt hat Vorteile, kann das Lann auf diese Weise doch der Vermaterialisierung als Geschlechtsträger entgehen.

Wikipedia Lann Hornscheidt Diskussion

Diskussion über das Geschlecht von Lann auf Wikipedia

Eine etwas radikalere Lösung greift auf die Einsicht zurück, die Jean Paul Satre hatte, als er von l’Etre et le Néant geschrieben hat, dem Sein und dem Nichts. Wer nicht geschlechtlich sein will, der wäre entsprechend nichts, was auch dem Lannschen Wunsch entgegenkommt, doch mit „X“ bezeichnet zu werden. X ist in der Mathematik zwar ein Platzhalter für ein Etwas, aber – eingedenkt der Tatsache, dass Genderisten nach wie vor mit Mathematik ein Problem haben – schlagen wir dennoch vor, das X für Nichts zu setzen und Lann Hornscheidt in die eigens geschaffene Kategorie der Nichtse einzuordnen.

Ob die entsprechenden Vorschläge bei Wikipedia aufgegriffen werden, wir werden es sehen.

Man kann natürlich auch die Fixierung auf Geschlechtsteile vollständig aufgeben und die Einordnung von Personen als Mann oder Frau komplett streichen, zumal sich die Frage stellt, wofür die entsprechende Einordnung überhaupt relevant sein soll.

Aber, wir leben in seltsamen Zeiten, und eine Grundaussage des Genderismus lautet ja, dass das Geschlecht essentiell für alles ist, selbst das Denken wird vom Geschlecht beeinflusst, so behaupten einige schwärmerische Genderisten. Entsprechend wird man sich besonders in Deutschland und ganz besonders bei Wikipedia schwer damit tun, die entsprechende Kategorie einfach zu streichen.

Denn: Wo kämen wir hin, wenn Geschlecht nicht mehr erfasst würde, wenn man Artikel über Albert Einstein ohne den erhellenden Hinweis, die erhellende Kategorisierung lesen könnte, dass Einstein männlich war? Oder Jane Austen weiblich? Oder Lann Hornscheidt nichts (davon)?

„It’s not a Man’s Wikipedia, stupid“: Bias in der Forschung führt zu Bias bei Wikipedia

Nachdem uns eine Reihe von Lesern auf einen Beitrag von Claudia Wagner, David Garcia, Mohsen Jadidi und Markus Strohmaier aufmerksam gemacht haben, wollen wir dem entsprechenden sozialen Druck heute nachgeben und uns einmal mehr mit einem Text befassen, dessen Gegenstand schon dazu führt, dass wir eigentlich keine Lust haben, uns damit zu befassen (Wir haben einen bias gegen Gender-Unsinn).

desolate spotAber, wir leben im 21. Jahrhundert, und im 21. Jahrhundert ist es für einige Sozialwissenschaftler nicht mehr das Ziel, interessante und neue Ideen in die Diskussion einzuführen, zu testen und Konsequenzen abzuleiten, im 21. Jahrhunderts zeichnen sich die Sozialwissenschaften durch eine unglaubliche Langeweile aus, die nur noch dadurch übertroffen wird, dass man sich einer intellektuellen Brache gegenübersieht, in der nicht einmal kleine Ideen sprießen (Sozialwissenschaftler haben einen Bias gegen innovative Ideen).

Nein, die Landschaft ist bar allen Grüns, trist und eintönig, eine wissenschaftliche Landschaft, nach dem der Besen des politisch Korrekten darüber gefegt ist. Entsprechend sind Texte aus den Sozialwissenschaften fast nur noch Jammertexte, die einerseits zum Jammern sind, ob ihrer unterirdischen Standards, andererseits etwas bejammern: Entweder werden die Herrschaft des Kapitalismus oder des Neo-Kapitalismus und die Verwerfungen, die den Armen daraus entstehen, bejammert, Verwerfungen, die man anscheinend am besten beobachten kann, wenn man  im beheizten Büro ein üppiges Einkommen verkonsumiert, von dem Arme nicht einmal träumen können und das letztlich durch einen erfolgreichen Kapitalismus möglich gemacht wurde. Oder es wird die Herrschaft des Patriarchats oder die Benachteiligung von Frauen bejammert, wie sie sich z.B. im Dritten Andental links findet, wenn man lange genug sucht.

Der Beitrag von Wagner et al. gehört in die letzte Kategorie. Untersucht werden soll, ob in Wikipedia-Beiträgen eine Ungleichheit der Geschlechter zu finden ist. Warum auch nicht? Die brennenden Probleme unserer Zeit beginnen und enden beim Geschlechterproporz in Wikipedia.

Die Suche nach „möglichen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in Beiträge auf Wikipedia“ erfolgt weitgehend als mathematische Spielerei, mit der „Ungleichheit zwischen den Geschlechtern“ auf drei Ebenen analyisert werden soll:

  • betting biasCovarage Bias: Finden sich in Wikipedia und im Vergleich zu Datenbanken, die wichtige Persönlichkeiten des täglichen Lebens und der Geschichte nennen, proportional weniger Beiträge über Frauen in der Wikipedia?
  • Structural Bias: Gibt es eine höhere Wahrscheinlichkeit dafür, dass von einem Beitrag über Männer oder Frauen auf einen Beitrag von Männern (oder Frauen) verlinkt wird?
  • Lexical Bias: Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen der Beschreibung männlicher oder weiblicher Personen in Wikipedia?

Es ist für eine Welt der Klone, in der sich niemand mehr von niemandem unterscheidet, natürlich von eminentem Interessen, die dargestellten Fragen zu analysieren und weil dies so wichtig ist, nein, weil unsere Leser uns darum gebeten haben, wollen wir auch berichten, was dabei herausgekommen ist:

Coverage Bias: Es gibt keinen! Anders als von den Autoren angenommen, gibt es keine Unterrepräsentation von Frauen in Wikipedia-Beiträgen, sondern eine Überrepräsentation (was angesichts der bezahlten feministischen Schergen auch kein Wunder ist). Dieses Ergebnis widerspricht daher dem Diskriminierungs-Bias der Autoren.

Structural Bias: Sowohl Beiträge über Männer als auch Beiträge über Frauen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit auf Beiträge über Männer zu verlinken, d.h. Beiträge über Männer sind auf Wikipedia zentraler. Das ist eigentlich kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es mehr Beiträge über Männer gibt, da Männer nun einmal in der Geschichte und Gegenwart häufiger mit etwas Berichtenswertem auffallen als Frauen (dass Emma B sich nunmehr um 10 Kinder als Tagesmutter kümmert, ist nun einmal nicht berichtenswert). Darüber hinaus kann man von Cluster-Bildungen in Wikipedia-Beiträgen ausgehen, so dass es nicht verwunderlich ist, dass z.B. ein Beitrag über Erwin Schrödinger auf Max Planck und Albert Einstein verlinkt. Man könnte natürlich den Zwang einführen, dass alle Beiträge, die mit Physik zu tun haben, auf gleichviel männliche wie weibliche Physiker verweisen. Was damit, außer einer Irrelevanz, gewonnen wäre, ist allerdings ebenso fraglich, wie der Nutzen der Ergebnisse, die Wagner et al. unter die Menschheit geworfen haben.

Lexical Bias: Die Ergebnisse hier sind besonders schön: „Our lexical analysis revealed that articles about women tend to emphasize the fact that they are about women (i.e. they contain words like ‚woman‘, ‚female‘ or ‚lady‘), while articles about men don’t contain words like ‚man‘, ‚masculine‘ or ‚gentleman'“. Die Frage bei solchen Ergebnissen ist immer: Was soll man damit anfangen? (Verwendbarkeits-Bias)

Zunächst einmal sind „female“ und „masculine“ keine Entsprechung, eher ein Beleg für einen Bias bei den Autoren, denn einem Normalsterblichen wird das Begriffspaar „männlich“ und „weiblich“ und nicht „maskulin“ und „weiblich“ einfallen.

Aus ihren Ergebnissen der „lexikalischen Analyse“ schließen die Autoren, dass „männlich“ das Basisgeschlecht ist, an dem weiblich gemessen wird. Wie man zu diesem Schluss kommt, wir haben keine Ahnung, es sei denn, es ist der Schluss, den man ziehen will. Glaube versetzt bekanntlich Berge, wobei die Berge in diesem Fall eher die Hürden sind, die ein methodisch sauberes Vorgehen vor eine Interpretation wie diejenige stellt, die die Autoren vornehmen.

toothpaste_personality_testMan hätte aus dem geringeren Vorkommen von „Mann“ und „maskulin“ auch schließen können, dass in Wikipedia vornehmlich männliche Personen vorkommen, die sich nicht in Body-Building-Studios finden lassen. Aber, aus derartigen nichtssagenden Ergebnissen quetscht halt jeder heraus, was ihm passt. So auch die Autoren, deren Bias es vorsieht, eine Benachteiligung von Frauen bei Wikipedia zu finden. Et voilá, da ist sie.

Wie gesagt, wir wissen nach wie vor nicht, welchen wissenschaftlichen Nutzen Forschung, wie die von Wagner et al. überhaupt haben soll, aber heute geht es auch nicht mehr um Nutzen, es geht um Beeinflussung, um Manipulation, ein Bemühen, dass in hanebüchenen Vorschlägen wie dem folgenden deutlich wird:

„…editors could pay particular attention to gender balance of links included in articles about men and women [also eine Link-Quote], and could adopt a more gender-balanced-vocabulary when writing articles about notable people“.

Arendt_totalitarismusDie Banalität des Alltäglichen, von der Hannah Arendt spricht und die Faschismus erst möglich macht, hier ist sie in Reinkultur zu sehen, und hier ist zu sehen, wie sie zu Lasten der Wirklichkeit geht. Wenn Erwin Schrödinger sich mit den Arbeiten von Max Planck und Albert Einstein auseinandergesetzt hat und mit Wolfgang Pauli befreundet war, wie sieht dann die vorgeschlagene Gender-Balance in den Links aus. Soll man Wolfgang Pauli tilgen und mit seiner Ehefrau ersetzen; die Arbeiten von Planck und Einstein, von denen Schrödinger losgegangen ist, unterschlagen oder ihn zum Leser von Gertrude Stein degradieren? Das Beste, was man den Autoren hier zu Gute halten kann ist, dass sie geistlose Schwätzer sind, schlicht nicht wissen, was sie daherbrabbeln.

Das gleiche gilt für das „gender-balanced vocabulary“. Nehmen wir den folgenden Auszug aus dem Beitrag über Marie Curie:

„Am 3. November schrieb sie sich als Marie Skłodowska für ein Studium der Physik an der Sorbonne ein. Unter den 9000 Studenten der Universität in diesem Jahr befanden sich 210 Frauen. Von den mehr als 1825 Studenten der Faculté des sciences waren 23 weiblich. Ihre wenigen Mitstudentinnen kamen meist aus dem Ausland, da an den französischen Mädchenschulen zu dieser Zeit die zur Baccalauréat-Prüfung notwendigen Fächer Physik, Biologie, Latein und Griechisch nicht gelehrt wurden“.

Um die Gender-Balance der Autoren herzustellen, deren Wichtigkeit sie aus dem häufigeren Vorkommen von z.B. dem Wort Frau in Beiträgen über Frauen ableiten zu können glauben, müsste man den Absatz wie folgt umschreiben:

„Am 3. November schrieb sie sich als Marie Skłodowska für ein Studium der Physik an der Sorbonne ein.“

Damit wäre nicht viel an Information verloren, aber das Gezeter der feministischen Mafia bei Wikipedia kann man sich schon gut vorstellen.

Kurz: Der Beitrag von Wagner et al. sollte schnellstens der Müllhalde der Geschichte überantwortet werden, auf dem nach unserer Beobachtung sich derzeit ein erhebliches Ungleichgewicht findet: Beiträge, die Gender zum Thema haben, finden sich überzufällig oft unter dem dort entsorgten Müll.

Wikipedia zum Gender Pay Gap: Ahnungslosigkeit trifft Ignoranz

Was fürchten Sozialwissenschaftler? de.Wikipedia. Warum fürchten Sozialwissenschaftler de.Wikipedia? Weil dort zuweilen ein Unsinn steht, der an Halbwissen und an assoziativ imaginierten Kenntnissen kaum zu überbieten ist. Nicht zuletzt deshalb reagieren die meisten Sozialwissenschaftler, die das „Wissenschaftler“ und nicht das „Sozial“ betonen, sehr gereizt darauf, wenn ihre Studenten de.Wikipedia zitieren, und nicht zuletzt deshalb steht in den meisten Merkblättern unterschiedlichster Hochschulen zur Art und Weise, in der eine studentische Seminar-, Bachelor- oder Magisterarbeit erstellt werden soll, in Variation immer derselbe Satz: Wikipedia ist keine wissenschaftliche Quelle!

WischopediaUnd wer für die Berechtigung der Warnung vor Wikipedia eine Begründung braucht, ein Anschauungsbeispiel, der sollte sich ansehen, was die deutsche Ausgabe der Online-Enzyklopädie, die mit einer richtigen Enzyklopädie vor allem im Bereich der Sozialwissenschaften so viel zu tun hat, wie ein Kaufladen für Kinder mit der Auslage von Edeka, zum Thema Gender Pay Gap zu sagen weiß.

Das Gender Pay Gap oder besser: das Gender Wage Gap, dazu gleich mehr, ist bekanntlich der prozentuale Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn aller männlichen und aller weiblichen Erwerbstätigen. Anders formuliert: Man wirft alle Bruttostundenlöhne der Männer in einen Topf, und zwar ohne Rücksicht auf die unterschiedliche Art und Weise, in der der jeweilige Bruttostundenlohn zu Stande kommt, tut dasselbe für die Bruttostundenlöhne der Frauen und dividiert die sich jeweils ergebende Summe durch die jeweilige Anzahl der Erwerbstätigen. Die resultierenden Werte kann man dann voneinander abziehen, um die nominale Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen zu erhalten, und man kann die Differenz auf den durschnittlichen Bruttostundenlohn der Männer prozentuieren, um den bekannten Prozentwert, der durch die Medien als unbereinigtes Gender Pay Gap geistert, zu erhalten.

Die Ausagekraft des unbereinigten Gender Pay Gaps ist gleich null, denn man vergleicht Äpfel mit Birnen, Vollzeiterwerbstätige mit Halbtagserwerbstätigen, Hochgebildete mit Niedriggebildeten und so weiter. Wer entsprechend das unbereinigte Gender Pay Gap, also die öminösen 22% für Deutschland, zitiert, der hat sich schon als Dilettant, der keine Ahnung hat, disqualifiziert. Um überhaupt etwas über ein Gender Wage Gap aussagen zu können, muss man seine Theoriengeschichte kennen und berücksichtigen, und hier beginnt die Geschichte der Ahnungslosigkeit und der Ignoranz, die sich zu einem Unsinnsartikel zum Gender Pay Gap bei Wikipedia verschworen haben.

rubbish„Die in der Analyse des Gender Wage Gap vorrangig zur Anwendung kommenden Verfahren sind die Regressionsanalyse und die Oaxaca-Blinder Zerlegung.

Bei der multiplen linearen Regressionsanalyse wird die geschlechtliche Zugehörigkeit als eine Variable unter vielen in die Analyse einbezogen und so der Beitrag einzelner Faktorengruppen zur Erklärung der Lohndifferenz untersucht.

Bei der (nach Ronald Oaxaca und Alan Blinder benannten) Oaxaca-Blinder Komponenten-Zerlegung werden empirische Untersuchungen zur Frage, welcher Anteil des Gender Wage Gap auf Diskriminierung zurückzuführen ist, vorrangig mit Hilfe dieses Verfahrens durchgeführt. Dieses Modell beruht auf der Annahme, dass sich der Entgeltunterschied additiv aus zwei Komponenten zusammensetze, von denen eine ausschließlich auf Unterschieden in bestimmten „erklärenden“ Variablen wie etwa Qualifikation und Branche (dem sogenannten Ausstattungseffekt) beruhe, die zweite hingegen ausschließlich auf einer unterschiedlichen Behandlung von Beschäftigtengruppen mit ansonsten gleichen Eigenschaften (den sogenannten Gruppeneffekt).“

Um sich zum Gender Wage Gap sinnvoll äußern zu können, muss man zunächst einmal wissen, was das Gender Wage Gap eigentlich ist. Wir haben hier die Bezeichnung Gender Wage Gap benutzt, weil es eine gute Möglichkeit darstellt, die Scharlatane unter den Gapern von den Ernsthaften zu unterscheiden. Und wenn wir bei den Ernsthaften, den Wage-Gapern, bleiben, dann müssen wir feststellen, dass zunächst ein paar theoretische Annahmen notwendig sind, um überhaupt zum Gender Wage Gap zu kommen und die theoretischen Annahmen entstammen der Humankapitaltheorie von Gary S. Becker. Das ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Feministen und andere Sozialisten, die nicht müde werden, das in ihrem Fall: Gender Pay Gap zu beschwören, auf der Humankapitaltheorie aufsetzen, denn ohne Beckers Arbeiten hätten sie nie von einem Gap erfahren, was man im Nachhinein als unglückliche Fügung der Geschichte ansehen muss.

Wie dem auch sei, Becker ist Neoklassischer Ökonom, d.h. er geht davon aus, dass man Fakten zu Darstellungszwecken vollständig im ökonomischen Modell erklären kann. Nehmen wir den Fakt der Höhe des Lohnes von Person X, dann kann dieses Gehalt nach Ansicht von Becker vollständig durch das Humankapital und die Produktivität von X erklärt werden. Person X investiert in Humankapital und kann seiner Investition entsprechend Humankapital an einen Arbeitgeber verkaufen, der wiederum das Humankapital in Produktivität umrechnet und entsprechend entlohnt, wobei mehr Humankapital mit mehr Produktivität und entsprechend höhererm Lohn einhergeht.

Diese Idee hat Jakob Mincer (1974) zu seiner berühmten Mincergleichung inspiriert, in der versucht wird, Humankapital, das man nicht direkt messen kann, in messbare Bestandteile zu zerlegen. Wenn man davon ausgeht, dass zwischen Humankapital und Gehalt eine je desto Beziehung besteht, je höher das Humankapital, desto höher das Gehalt, dann legt diese Annahme eine lineare Beziehung zwischen Humankapital und Gehalt nahe, und die einfachste Form eine solche Beziehung darzustellen, ist die Regressionsgleichung:

Gender Wage Gap

Im Fall der Mincergleichung wird das (logarithmierte – logarithmiert, um Ausreißerwerte einzuebnen) Gehalt als Funktion formaler Bildung (x1) und Arbeitserfahrung (x2) angenommen. Die Betas (ß) geben an, wie stark sich formale Bildung oder Arbeitserfahrung auf den Lohn auswirkt und z gibt an, wie groß der Anteil des Gehalts ist, der nicht über Arbeitserfahrung und formale Bildung erklärt werden kann. Entsprechend kann man auf Grundlage der Mincer-Gleichung erwarten, dass ein älterer Arbeitnehmer für eine vergleichbare Tätigkeit besser entlohnt wird, als ein jüngerer Arbeitnehmer, eben weil er über mehr Arbeitserfahrung verfügt und für ihn die Wahrscheinlichkeit, dass er Fehler macht, geringer ist als für einen jüngeren Arbeitnehmer. Dieses Alters-Gap hat bislang keinen medialen Aufruhr verursacht, im Gegensatz zum Gender-Gap, denn hier sind andere Interessen im Spiel.

Man kann die Mincergleichung nach Geschlecht zerlegen (siehe Abbildung), wobei das S hier angibt, dass mehrere persönliche Charakteristika (also Arbeitserfahrung und formale Bildung) in die Berechnung eingegangen sind. Diese Gleichung ist die Grundlage der Dekomposition, die Oaxaca vorgeschlagen hat. Oaxacas Vorschlag zerlegt die Regressionsgleichung in einen erklärten Teil, der sich in der Abbildung außerhalb der eckigen Klammern findet und einen unerklärten Teil (innerhalb der eckigen Klammern). Wer sich ein wenig mit den Gleichungen befasst, sieht, dass der ganze Zauber der Dekomposition darin besteht, für alle Charakteristika die Effektstärken (ß) für die Berechnung der Gehälter von Männern von denen der Berechnung von Frauen zu subtrahieren. Zudem subtrahiert Oaxaca die Konstanten (a) voneinander, was interessant ist, da „a“ den y-Achsenabschnitt angibt, an dem die Regressionsgerade die y-Achse schneidet. Den y-Achsenabschnitt kann man als eigenschaftsfreies Anfangsgehalt interpretieren, was zu dem Schluss führt, dass Oaxaca implizit anzunehmen scheint, dass ein unterschiedliches Anfangsgehalt bei Kontrolle der Charakteristika auf Diskriminierung zurückzuführen ist.

Wie man den Ausführungen entnehmen kann, basiert das Gender Wage Gap in seiner dekompostierten zerlegten Form auf einer linearen Regression und somit auf den idealen Annahmen, die bereits Becker in seinem Modell hat, d.h. dass es möglich ist, das Gehalt, das ein Mensch für seine Arbeit erhält, vollständig als Funktion seines Humankapitals, also seiner Bildung und seiner Arbeitserfahrung in Mincers Operationalisierung zu erklären. Die ideale Modellwelt und vor allem die Fähigkeit, sie empirisch zu finden, hängt nun davon ab, nach Möglichkeit alle relevanten Charakteristika zu erfassen, die Humankapital, d.h. Arbeitserfahrung und Bildung abbilden und Gehalt erklären. Und hier trennen sich die Pfade der Wisseschaftler:

linear regressionOaxaca (1973) nimmt an, dass Humankapital durch die folgenden Variablen abgebildet wird: Bildungsstand, Arbeitserfahrung, Beruf, Wirtschaftszweig, Gesundheitsprobleme, Teilzeitarbeit, Familienstand, Region, städtisches Wohngebiet. Blinder (1973), der unabhängig von Oaxaca zu einer ähnlichen Methode der Dekomposition gekommen ist, denkt, dass die folgenden Variablen zur Operationalisierung von Humankapital taugen: Alter, Region, Bildungsstand, Ausbildungsstand, Beruf, Gewerkschaftsmitgliedschaft, Gesundheit, lokaler Arbeitsmarkt, Mobilität, Verbleib auf dem derzeitigen Arbeitsplatz (Blinder, 1973). Die erheblichen Unterschiede in den Variablen, die man in die Analyse steckt, haben entsprechende Unterschiede in den Ergebnissen zur Folge.

Das ist misslich, denn die Validität der Idee von Oaxaca und von Blinder, die Unterschiede der linearen Erklärung des Gehalts von Frauen bzw. von Männern als Diskriminierung zu interpretieren, hängt natürlich massiv davon ab, wie vollständig die Variablen erfasst sind, die Humankapital und damit Produktivität und über Produktivität Gehalt erklären. Deshalb sind sich Ökonomen, die ernsthaft mit der Erklärung von Gehaltsunterschieden befasst sind, der Relativität der Erklärung bewusst und zudem zurückhaltend, ihr Ergebnis als Diskriminierung zu interpretieren. Dass die Höhe des Gender Wage Gaps von den Variablen, die im Modell berücksichtigt wurden, abhängig ist, hat Oaxaca selbst thematisiert:

„It is clear that the magnitude of the estimated effects of discrimination crucially depends upon the choice of control variables for the wage regression. A researcher’s choice of control variables implicitly reveals his … attitudes towards what constitutes discrimination in the labour market”(Oaxaca, 1973: 699).

Das ist eine sehr nette Umschreibung dafür, dass die von Oaxaca erdachte Methode für ideologischen Missbrauch sehr anfällig ist, denn die „attitude towards discrimination“ kann den einen vermeintlichen Forscher davon abhalten, eine Variable zu berücksichtigen, die ein anderer Forscher berücksichtigt hat. Wie dem auch sei: Die Werte, die am Ende der Dekomposition stehen, können nicht als nominale Werte interpretiert werden und schon gar nicht eignen sie sich, um Mythen über das Ausmaß des Gender Wage Gaps zu spinnen – es sei denn, man will die Gender Wage Forschung als Gender Pay Mythos für seine Zwecke missbrauchen.

Das bringt uns zurück zum Beitrag auf Wikipedia.

Wie die oben zitierte Passage aus Wikipedia vor dem Hintergrund der zugegebener Maßen ausführlichen Darstellung zeigt, sind die Autoren des Wikipedia Artikels weitgehend mit Ignoranz und Ahnungslosigkeit geschlagen.

Sie sind der Meinung, die Oaxaca Komponenten Zerlegung müsse von einer multiplen Regression unterschieden werden, obwohl die Methode von Oaxaca gerade auf den Ergebnissen einer multiplen Regression aufbaut.

Sowohl die Methode von Blinder als auch die Methode von Oaxaca beruhen, wie das Zitat von Oaxaca deutlich macht, nicht auf der simplen Zerlegung in erklärten Gehaltsunterschied und Diskriminierung, sondern auf einer Vielzahl von Annahmen, von denen die Annahme, es sei möglich, die Variablen, die einen Einfluss auf Humankapital und Produktivität haben, im Modell alle zu berücksichtigen, mitnichten die einfachste ist.

Darüber hinaus werden nicht Entgeltunterschiede „erklärt“, es wird Entgelt erklärt und in der Dekomposition werden die Effektstärken der jeweiligen Erklärung für Männer und Frauen voneinander substrahiert.

Die Ahnungslosigkeit darüber, was bei der Analyse des Gender Wage Gaps eigentlich geschieht, schlägt sich in einer Vielzahl von Fehlern im Beitrag zum Gender Pay Gap nieder, von denen hier nur einige angsprochen werden sollen:

  • nonsense2de.Wikipedia: „Die Arbeitsmarktsegregation, d.h. Frauen und Männer arbeiten tendenziell in verschiedenen Wirtschaftssektoren oder Branchen, und die Unterbewertung der Arbeit von Frauen werden von der Europäischen Kommission als wichtige Gründe für den Gender Pay Gap angegeben. Untersuchungen zeigen, dass Berufe, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, im Durchschnitt schlechter bezahlt sind als von Männern dominierte Berufe.“
  • Tatsächlich: Die Berechnung des Gender Wage Gaps basiert auf dem theoretischen Gerüst der Humankapitaltheorie. Was hier auf Wikipedia wie eine Diskriminierung durch Strukturen, das Patriarchat oder einen sonstigen Bösewicht daherkommt, ist in der Humankapitaltheorie das Ergebnis individueller Entscheidungen: Weil die meisten Frauen damit rechnen, ihre berufliche Karriere an irgend einem Punkt zu unterbrechen, um der Pflege des Nachwuchses willen, investieren sie nicht im gleichen Ausmaß in ihre Karriere wie Männer. Sie wählen Berufe, für die allgemeines Humankapital, das leicht transferierbar ist, ausreicht und meiden Berufe, in denen spezielles Humankapital, das mit Arbeitserfahrung und Commitment erreicht wird, benötigt wird. Spezielles Humankapital ist für Unternehmen wertvoller als allgemeines Humankapital, da man einen BA für soziale Arbeit leicht mit einem anderen BA für soziale Arbeit ersetzen kann, es jedoch mit hohen Kosten verbunden ist, den Spezialisten im Unternehmen, der die Programmierung von CNC-Geräten beherrscht, zu ersetzen. Entsprechend wird spezielles Humankapital besser bezahlt als allgemeines Humankapital. Das ist nicht verwerflich und schon gar keine Diskriminierung, ergibt sich vielmehr daraus, dass spezifisches Humankapital einfach wertvoller ist. Spezifisches Humankapital findet sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Investitionsentscheidungen öfter bei Männern als bei Frauen.
  • de.Wikipedia: „Die unterschiedliche Bildungs- und Berufswahl von Frauen und Männern wird durch geschlechtsspezifische Stereotypen beeinflusst.“
  • In Deutsch: Frauen treffen Lebensentscheidungen, die manchen Autoren bei de.Wikipedia nicht passen. Mit Diskriminierung hat das überhaupt nichts zu tun, und die Stereotypisierung, so sie vorhanden ist, mag man beklagen, aber man wird akzeptieren müssen, dass manche Frauen, wie Catherine Hakim (2000) gezeigt hat, rund 20% der weiblichen Bevölkerung, es vorziehen, in Familie und nicht in Karriere zu investieren.
  • de.Wikipedia: „Der Einfluss des privaten Engagements für die Familie auf Leistung einerseits und auf berufliche Karriere und Einkommen andererseits ist Gegenstand zahlreicher Studien. Die Europäische Kommission führt als einen der wichtigsten Gründe für den Gender Wage Gap die ungleiche Verteilung der Aufgaben in der Familie und Pflege, die weitgehend von Frauen getragen werden, an. […] US-Forscher bezeichnen die durchschnittlichen, mit Kindern verbundenen Einkommensverluste als „Mutterschaftsstrafe“ („motherhood penalty“). Diese Einkommenverluste sind auch nach der statistischen Kontrolle anderer relevanter Faktoren wie z. B. Bildung, Erfahrung, Voll- oder Teilzeitarbeit und Ethnizität vorhanden“
  • Wenn die Europäische Kommission auf den Einfluss „des privaten Engagements“ für Kinder hinweist und US Forscher auf einen Einkommensverlust von Müttern, wenn sie denn wieder arbeiten, hinweisen, dann muss festgestellt werden, dass niemand gezwungen wird, Kinder in die Welt zu setzen. Wenn eine Entscheidung zur Mutterschaft getroffen wird, dann geht damit ein Verlust von Humankapital einher (U.a. Wikipedia gebührt das Verdienst darauf hingewiesen zu haben und Frauen darin zu ermutigen, nicht in spezielles Humankapital zu investieren), denn die Zeit außerhalb des Arbeitsmarktes ist eine Zeit, in der man sein Humankapital nicht erhöhen kann, insbesondere nicht das spezifische Humankapital, das Gehaltsvorteile verschafft und in das Mütter ohnehin nicht investieren. D.h. die arbeistlose Zeit, in der sich Mütter um den Nachwuchs kümmern, ist eine Zeit, in der sie relativ zurückfallen, denn ihr ohnehin nur allgemeines Humankapital verliert weiter an Wert, da Männer, die in der Zeit, in der Frauen Mutter sind, arbeiten, ihren Abstand zu den Müttern mit Blick auf das Gehalt vergrößern. Auch das hat nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern damit, dass man nicht alles gleichzeitig machen kann und entsprechend zu den Entscheidungen und den Konsequenzen, die damit einhergehen, stehen muss.

Nonsense on stiltsDer Beitrag zum Gender Pay Gap auf de.Wikipedia zeichnet sich also durch ein munteres Durcheinander aus, das mit einer Darstellung der Diskussion zum Gender Pay Gap nichts zu tun hat und nicht einmal dann, wenn man verquere Ansätze wie den Devaluations-Ansatz oder die feministische Geschlechtsrollentheorie berücksichtigt, die von nicht-Ökonomen ersonnen wurden, um eine ökonomische Variable zu erklären, dem Stand der Forschung enstprechen. Der Beitrag vermittelt vielmehr den Eindruck von nicht-Können, von Ahnungslosigkeit gepaart mit Ignoranz, ein Eindruck, der durch das zwanghafte zitierten von OECD, Europäischer Kommission und sonstiger offizieller Quellen, von denen man nicht gerade objektive und schon gar keine korrekten Darstellungen zu ideologischen Themen erwarten kann, noch verstärkt wird.

Das Bild des ideologischen Durcheinanders, das nicht nur der ökonomischen, sondern auch der soziologischen Forschung zum Thema Gender Wage Gap Gewalt antut, wird dadurch abgerundet, dass sich unter den Bearbeitern bezahlte Aktivisten wie Fiona B. (aka Fiona Baine, aka Fiona) finden, die ihre nicht vorhandenen Kenntnisse von Fakten (wir wissen ja seit einer in Mannheim preisgekrönten Publikation, dass Frauen genetisch an der Kenntnis von Fakten ge-, be- oder verhindert sind) durch ideologische Agitation auszugleichen versuchen. Was dabei herauskommt, ist ein Unsinn, der den Schluss nahe legt, dass das Projekt Wikipedia zumindest in Deutschland gescheitert ist.

Schließlich geht es um Aggregate, wenn von Männern und Frauen die Rede ist. Aggregate haben in der Regel die Angewohnheit sich innerhalb der Gruppen, die verglichen werden, stärker zu unterscheiden als zwischen den Gruppen. Mit anderen Worten: Der Gehalts-Gap zwischen einer Mausschubserin, die tagelang verzweifelt versucht, von einer Maske in die nächste zu kommen und der Putzfrau, die in der Zwischenzeit das Büro der Mausschubserin erkennbar reinigt, ist vermutilch höher als das Gap zwischen Männern und Frauen, nur thematisiert es niemand, weil Putzfrauen nicht einmal unter Staatsfeministen eine Lobby haben, die kennen nämlich nur sich und ihre eigenen Vorteile.

Literatur

Becker, Gary S. (1996). The Economics of Life. From Baseball to Affirmative Action, to Immigration. How Real-World Issues Affect our Everyday Life. New York: McGraw-Hill.

Becker, Gary S. (1976). The Economic Approach to Human Behavior. Chicago: University of Chicago Press.

Blinder, Alan S. (1973). Wage Discrimination: Reduced Form and Structural Estimates. Journal of Human Resources 8(4): 436-455.

Hakim, Catherine (2000). Work-Lifestyle Choices in the 21st Century. Oxford: Oxford University Press.

Mincer, Jacob (1974). Schooling, Experiences and Earnings. Cambridge: National Bureau of Economic Research.

Oaxaca, Ronald L. (1973). Male-female Wage Differentials in Urban Labour Markets. International Economic Review 14(3): 693-709.

Endlich: Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie ist mit Gerhard Amendt solidarisch

Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie ist solidarisch. Das hat die Deutsche Gesellschaft für Soziologie gerade in einer Erklärung des Vorstands verlautbart. Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie hat also entschieden, dass die Deutsche Gesellschaft für Soziologie solidarisch ist, und zwar mit Soziologen, was schon einmal sehr erfreulich ist, denn in der Vergangenheit hat sich die Deutsche Gesellschaft für Soziologie und ihr Vorstand nicht unbedingt dadurch ausgezeichnet, solidarisch mit Soziologen zu sein.

Amendt1Solidarisch ist der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, der für alle Soziologen spricht, mit Soziologen, die sich mit Themen der „Geschlechter- oder Sexualitätsforschung beschäftigen“ und die sich „immer öfter mit sogenannten Hasskampagnen konfrontiert sehen“. Derzeit, so heißt es weiter, „werden einzelne Kollegen und Kolleginnen in sozialen Medien wie Facebook, in Blogs und mit E-Mails persönlich attackiert, verunglimpft und z.T. sogar bedroht“.

Was der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, der für alle Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Soziologie hier seine Empörung und Solidarität zum Ausdruck bringen will, leider verschweigt, sind die Namen der Angegriffenen, was schade ist, denn die Solidarisierung hätte mehr Nutzen gebracht, wenn sie offen und nicht hinter einem Mantel aus Angst und Misstrauen erfolgt wäre. Also ist es wieder an uns, über Ross und Reiter zu spekulieren.

Aber lange spekulieren muss man nicht, denn: kein anderer Soziologe wird seit Jahren derart angefeindet, wie Gerhard Amendt. Die Solidarität des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie kann daher eigentlich gar keinem anderen als Gerhard Amendt gelten. Fast dass man sagen könnte, es wird langsam Zeit, denn kaum ein Soziologe hat sich im Verlauf der letzten Jahre mit giftigeren Hasstiraden, Verunglimpfungen oder Versuchen, ihn zu diskreditieren, konfrontiert gesehen, wie Gerhard Amendt, der von Feministen mit wüsten sexistischen Beschimpfungen und Hasskommentaren überzogen worden ist.

An der Technischen Universität Berlin hat man Gerhard Amendt zur unerwünschten Person erklärt, weil er es wagt, den Feminismus zu kritisieren. Gerhard Amendt ist Ziel einer Diffamierungskampagne, die ihn regelmäßig zum Hassobjekt in so genannten Studien macht, die von politischen Vereinen wie der Heinrich-Böll-Stiftung oder der Friedrich-Ebert-Stiftung finanziert werden und deren Inhalte regelmäßig und postwendend, von überraschend schnell informierten Mitarbeitern bei Wikipedia in die entsprechenden Hassbeiträge eingepflegt werden. Die Hasskampagne gegen Gerhard Amendt geht soweit, dass man ihn mit Anders Breivik und Akif Pirincci vermengt, um ihn zu diskreditieren. Die Liste derer, die sich Gerhard Amendt zur Zielscheibe auserkohren haben, ist zu lang für diesen post, weshalb wir es hier bei aus Steuergeldern bezahlte Reputations-Killer wie dem Bundesforum für Männer und die Friedrich-Ebert-Stiftung, die sich z.B. mit diffamierenden Behauptungen wie der folgenden hervortut, belassen wollen:

„Zumindest ein Teil der Beiträge treibt im Fahrwasser der Männerrechtler, die von der „Machtergreifung der Frau“ und einem „neuen Tugendstaat“ fabulieren. Autoren wie Arne Hoffmann, der in seinem Blog Genderama gegen alles Feministische hetzt, oder auch Gerhard Amendt, der Opfererfahrung von Frauen als „fantasiertes Leid“ denunziert und eine (weibliche!) „Sehnsucht nach traditioneller Männlichkeit“ ausmacht – was die kirchliche Männerstudie von Rainer Volz und Paul Zulehner gerade empirisch widerlegt hat – sind alles andere als geschlechterdialogisch orientiert“ (17).

Es freut uns, dass der Vorstand der DGS sich dazu entschlossen hat, nach Jahren der Tatenlosigkeit, Gerhard Amendt solidarisch zur Seite zu stehen, und wir können uns der Feststellung des Vorstandes der DGS, wonach „einzelne Wissenschaftler … in einer Weise attackiert werden, die völlig unsachgemäß ist und in ihrem mehr als fragwürdigen Stil letztlich auf die Urheber selbst zurückfällt“nur anschließen.

Wie gesagt, wir hätten uns gewünscht, dass der Vorstand der DGS den Mut hat, Gerhard Amendt beim Namen zu nennen, aber wir sind uns natürlich im Klaren darüber, dass sich der nämliche Vorstand damit zur Zielscheibe feministischer Hasstiraden gemacht hätte, am Ende in die nächste aus Steuergeldern finanzierte Studie über „den Maskulismus“ oder „den Antifeminismus“ aus, turnusmäßig dieses Mal wieder der Heinrich Böll Stiftung aufgenommen worden wäre und vielleicht sogar seine finanzielle Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung verloren hätte.

Dies muss man gewichten, wenn man den Schlusssatz der Solidaritätsadresse liest, der darauf verweist, dass „eine zivilisierte öffentliche Debatte über gesellschaftlich relevante Themen“ nicht möglich ist, wenn man die Debatte nicht zivilisiert führt. Man sieht, auch Solidarität ist in sich tautologisch und vielleicht sogar selbstreferentiell, denn, und damit kommen wir zu einer eigenen Sache, manche im Vorstand der DGS haben sich  selbst schon dadurch hervorgetan, dass sie „Hetze“ in die öffentliche Diskussion eingebracht und damit die zivilisierte Auseinandersetzung über gesellschaftliche relevante Themen wie die Frage, ob man Studenten die Möglichkeit geben sollte, ihren Studienort, an dem sie Soziologie studieren wollen, auf Grundlage einer bundesweiten Bewertung der enstprechenden Institute zu wählen, unmöglich gemacht hat.

Man kann sich daher fragen, ob wir es bei der Solidaritätsadresse des Vorstands der DGS in Teilen mit einer Form „Selbstkritik“ zu tun haben, auf einer Transformation vom Saulus zum Paulus und ob der Aufruf, eine zivilisierte öffentliche Debatte zu führen, sich auch auf Wissenschaftler erstreckt, die sich in der Vergangenheit dadurch hervorgetan haben, dass sie die Arbeiten anderer für ihre eigenen Zwecke entstellt und missbraucht haben.

Solidarität-der-UneinsichtigenBislang hat die Deutsche Gesellschaft für Soziologie ja beide Augen gegenüber Mitgliedern zugedrückt, die die Grundlage wissenschaftlicher Lauterkeit, nämlich das Zitieren(überhaupt) und das korrekte Zitieren nicht beherrschen oder nicht beherrschen wollen, so dass man hier eine Offensive nicht nur zur zivilisierten Debatte, sondern auch zur Rettung wissenschaftlicher Standards unter Soziologen sehen kann, vielleicht sogar ein sich entwickelndes Unwohlsein gegenüber öffentlichen Institutionen, die sich in der Vergangenheit allzu oft auf Soziologen verlassen konnten, wenn es darum ging, die eigene ideologische Suppe nicht nur anzurühren, sondern auch unter Studenten zu verteilen. Sehen wir also so etwas wie den Advent eines selbstreflexiven Kantschen Instrumentalisierungsverbots, das lautet: Du sollst Dich als Soziologe nicht vor den Karren ideologischer Indoktrinierer, wie Heinrich-Böll-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Attac oder BMBF spannen lassen?

Was abschließend die Frage aufwirft, was diese Veränderung im Denken des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie bewirkt hat. Hier können wir nur spekulieren und auf Beispiele verweisen, in der die Veränderung in einem Bereich mit personellen Veränderungen oder mit Veränderungen in den Umständen bestimmter Personen einhergehen, wie sie z.B. ein Umzug von einer roten an eine weiß-blaue Universität darstellt oder in den Worten von Stephan Lessenich, dem derzeitigen Vorsitzenden der DGS:

Mein Jenaer Jahrzehnt war wunderbar und ich danke allen, die dies ermöglicht und dazu beigetragen haben; die kommenden Jahre werden hoffentlich ähnlich schön – die Zeichen dafür stehen eindeutig gut. (Und um allfälligen Nachfragen vorzubeugen, darf ich hier einmal zustimmend zitieren: „Das will ich nur mal klarstelln, damit man mich richtig versteht: ich habe nichts gegen München, ich würde nur nie zu den Bayern gehn.“ Der Alarm ist also doch eher, wie einst bei Falco, rot.)

Wie heißt es doch: Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören und sich verändern, zum zivilisierten Debattierer, zum nicht-Hetzer, ja vielleicht sogar zum Wissenschaftler.

Nachtrag:

Arne Hoffmann weist darauf hin, „dass Professor Amendt, vermutlich als Folge der Hetze gegen ihn, auf Anraten der Kriminalpolizeit auf mehreren Veranstaltungen nur noch mit Leibwächtern erscheinen konnte“. Das darf an dieser Stelle natürlich nicht unerwähnt bleiben.

Kann man so dumm sein? Teil II: Generisches Maskulinum und Wikipedia

Seit einiger Zeit läuft bei Wikipedia eine Abstimmung darüber, ob Beiträge der Online-Enzyklopädie weiterhin in dem geschrieben werden sollen, was von manchen als generisches Maskulinum bezeichnet wird oder ob die entsprechenden Beiträge gendergerecht, wie es andere wollen, verfasst werden sollen.

Kurz zur Einführung und damit wir alle vom selben sprechen, eine wirklich verdienstvolle Bestimmung von Okamura Saburo [Man muss heutzutage schon nach Japan gehen, um Sprachwissenschaftler zu finden, die noch des Deutschen und vor allem seiner Grammatik mächtig sind]:

„Dabei sind noch zwei Begriffe zu klären, nämlich Genus und Sexus. Genus ist eine grammatische Kategorie. Übersetzt heißt es auf Deutsch das grammatische Geschlecht. In der deutschen Sprache hat man bekanntlich drei Unterklassen, nämlich: maskulin, feminin und neutral. Sexus ist das natürliche Geschlecht. Es gibt beim Menschen zwei Unterklassen: männlich und weiblich. Bei Personenbezeichnungen kommt es oft vor dass sich Genus und Sexus decken,  z.B. sind Vater, Bruder, Sohn, maskulin und zugleich männlich. Mutter, Schwester, Tochter sind feminin und zugleich weiblich. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Fräulein und Mädchen sind neutral, obwohl sie offensichtlich weiblich sind. Dasselbe gilt auch für das Wort Weib.Eine Tunte kann auch eine männliche Person bezeichnen hat aber das Genus feminin. Um Missverstandnisse zu vermeiden werde ich im folgenden von feminin, maskulin und neutral sprechen, wenn es um Genus gehen soll.Und wenn es um Sexus gehen soll, spreche ich dann von weiblich und männlich (48).“

Was hier ziemlich ausführlich beschrieben ist, ist nichts anderes als die Unterscheidung zwischen biologischem und grammatikalischen Geschlecht.

Kommen wir nunmehr zum generischen Maskulinum:

„Generisch“ heißt also die „Gattung betreffend“. Das Maskulinum Lehrer kann demnach bedeuten: – die Gattung betreffend. Es kann also sowohl männlich als auch weiblich interpretiert werden, also sowohl Lehrer als auch Lehrerin umfassend – nur männlich also ausschließlich Lehrer bedeutend (48).“

DudenDieses generische Maskulinum, das sich immer bei Kollektivbegriffen findet, wie z.B. Lehrer, Schüler, Student, Hundehalter, Katzenbesitzer und das im Deutschen und im Plural ausschließlich mit dem bestimmten Artikel „die“ angeschlossen wird, was dazu führt, dass alle Kollektivbegriffe im Deutschen weiblichen grammatikalischen Geschlechts sind, ist seit langem zum Brennpunkt sprachfeministischer Intervention geworden, was uns zurückbringt, zur Abstimmung, die derzeit auf Wikipedia läuft und die dem Ziel dient, das generische Maskulinum als Standard für de.Wikipedia festzuschreiben und die gegenderte Sprache, die von Lehrer_innen oder LehrerInnnen oder Lehrerinnen und Lehrern schreibt, auszuschließen.

Diese Abstimmung hat nun wiederum Anatol Stefanowitsch auf den Plan gerufen. Stefanowitsch ist, Universitätsprofessor an der FU-Berlin und in der Sprachwissenschaft für die Struktur des heutigen Englisch zuständig. Zudem ist Stefanowitsch Blogger und Verantwortlicher des Sprachlog, und es ist eben hier, dass er einen bemerkenswerten Beitrag geschrieben hat, der uns Alte unter den Bloggern bereits im Titel an eine Kindersendung erinnern soll: „Wikipedia und die starken Männer“.

Sefanowitsch„Wikipedia und die starken Männer“ ist der Versuch einer Satire auf die Abstimmung und vor allem die Initiatoren der Abstimmung, mit der auf Wikipedia derzeit darüber entschieden werden soll, ob Wikipedia nachdem die Online-Enzyklopädie bereits PR-Mitarbeitern und ideologischen Agitatoren übergeben wurde, nun auch der Lächerlichkeit überantwortet werden soll. Dass wir uns nunmehr auch in diese Abstimmung einmischen hat seine Ursache in diesem Post eines an der sprachwissenschaftlichen Fakultät einer deutschen Universität tätigen Professoren, der in seiner Unsinnigkeit kaum mehr zu überbieten ist.

Es beginnt bereits im ersten Satz:

„Dass die Wikipedia ein Frauenproblem hat (nämlich dass sie hauptsächlich, nämlich zu etwa neunzig Prozent von Männern editiert wird) ist seit Jahren Thema in den Medien.“

Ein Frauenproblem ist in der deutschen Sprache ein Problem der Frauen, das entsprechend nicht die Wikipedia haben kann. Vielmehr wäre dieser Satz in korrektes Deutsch als: „Frauen (und anscheinenden mindestens ein Mann) haben ein Problem mit der Wikipedia“ umzuformen. [Der Genitiv ist offensichtlich in den Sprachwissenschaften der FU-Berlin ausgestorben, so dass man sagen könnte: Manche Berliner Sprachwissenschaftler haben ein Problem mit dem Genitiv, aber wohlgemerkt kein Genitivproblem!] Das meint Anatol Stefanowitsch, Universitätsprofessor an der FU Berlin aber nicht. Und irgendwie scheint er eine Idee davon zu haben, dass die Nominalverbindung „Frauenproblem“ die Aussage, die er eigentlich machen will, nicht trägt. Entsprechend erläutert er seine falsche Verwendung in der Klammer und definiert Frauenproblem nunmehr als etwas, das darin besteht, dass überwiegend Männer bei de.Wikipedia editieren.

Es mag Stefanowitsch als Problem erscheinen, wenn 90% Männer bei Wikipedia editieren, in der Welt der Wissenschaft gelten Probleme jedoch erst dann als Problem, wenn sie außerhalb von Gehirnen gemessen werden können, wenn sie einen Niederschlag in der Realität finden. Es wäre also zu zeigen, worin das von Stefanowitsch vorgestellte Frauenproblem seinen empirischen Niederschlag findet. Und dann wäre zu zeigen, dass der entsprechende Niederschlag negative Externalitäten für Wikipedia, Deutschland, Europa, die Welt, das Universum oder alles hat.

Offensichtlich hat Stefanowitsch hier eine andere Meinung, sieht Probleme immer da, wo ihm etwas als ein Problem erscheint. Und offensichtlich hat er ein Problem mit 90% editierenden Männern bei Wikipedia, wenn wir auch nicht wissen, warum. Vielleicht ist er einfach nur Männerfeindlich, ein Männer-Hasser so zu sagen.

Es geht weiter in dem Blogpost von Stefanowitsch mit dem Versuch, die beiden Initiatoren der Abstimmung auf Wikipedia vorzuführen und sich über sie lustig zu machen. Und es ist hier, dass er einen alten Trick benutzt und Behauptungen als Stand der Forschung und völlig unbelegt ins Feld führt, um in diesem Fall die Initiatoren der Abstimmung zu diskreditieren, und zwar so:

„Das klingt doch erstmal gut. Vermutlich haben die beiden sich mit der umfassenden Forschungslage zur geschlechtergerechten Sprache auseinandergesetzt, die relativ einhellig zeigt, dass das generische Maskulinum in der Sprachverarbeitung nicht generisch, sondern eben als Maskulinum interpretiert wird.“

SprachlogOb Stefanowitsch mit seiner Behauptung Recht hat, nach der die Forschungslage zeigt, dass das generische Maskulinum „Lehrer“, bei denen, die es hören oder verwenden, vornehmlich einen männlichen Lehrer in die Vorstellung hebt, soll uns an dieser Stelle gar nicht interessieren, denn es ist aus dreierlei Gründen völlig unerheblich: Erstens sind die Gedanken frei, und wenn jemand bei Lehrer an seinen ehemaligen Mathematiklehrer denken will und nicht an seine Kunstlehrerin, dann ist das seine Sache. Zweitens leben wir in einer Demokratie und wenn die Mehrheit nun einmal in einer Demokratie mit mehrheitlich männlich vorgestellten Lehrern leben will, dann ist das zu akzeptieren, und drittens gibt es, wie Polenz schreibt, die seit dem römischen Reich die gültige Regel, nach der maskuline Personenbezeichnungen, die nicht durch den Kontext eindeutig als männlich ausgezeichnet sind, als „generische“ und somit geschlechtsneutrale „Benennungen zu verstehen“ sind. (Polenz, 1991, S.75).

Um etwas zu ändern, was seit langem funktioniert, braucht man einen Grund, der in diesem Fall nur darin bestehen kann, dass die Effizienz der deutschen Sprache verbessert wird. Angesichts der weitgehend unlesbaren Satzungetüme, die eine vermeintlich gendergerechte Sprache produziert, haben wir erhebliche Zweifel daran, dass die Abschaffung des generischen Maskulinums auch nur ansatzweise eine positive Auswirkung auf die Effizienz der Sprache hat.

Damit kommen wir zu dem Absatz, den Stefanowitsch besser nicht geschrieben hätte. Denn wenn man versucht, sich über Dritte lustig zu machen, muss man aufpassen, dass man nicht selbst zum Gespött wird, etwa so:

„Die beiden wollen also Personen durch Maskulina geschlechtsneutral benennen. Wenn man das tausend Mal hintereinander sagt, fängt das bestimmt an, plausibel zu klingen. Bis dahin ist es aber ungefähr so sinnvoll, wie die Idee, Hunde und Katzen speziesneutral unter dem Oberbegriff Hunde zusammenzufassen.“

AnalogieSchon Schopenhauer hat auf die Fallstricke hingewiesen, die sich mit Analogieschlüssen verbinden. Stefanowitsch behauptet hier mit seiner Analogie eben einmal, dass Männer und Frauen unterschiedlichen Spezies angehören, denn nur so, macht seine Unterscheidung Sinn. Als wäre dieser Hammer nicht ausreichend, zeigt der Universitätsprofessor in der Fakultät für Sprachwissenschaften an der FU-Berlin, dass er den Konzepten des Oberbegriffs und dem des Kollektivbegriffs vollständig hilflos gegenüber steht. Zunächst einmal sind Hunde und Katzen, ebenso wie Menschen Säugetiere, entsprechend wäre der gemeinsame Oberbegriff  „Säugetier“. Hunde kann der Gruppe der Hunde kein Oberbegriff sein. Hunde bezeichnet das Kollektiv der Hunde und ist somit kein Oberbegriff, jedenfalls nicht in einer Typologie. Und weil das alles noch nicht reicht, macht er sich mit seiner Behauptung, dass man, wenn man etwas tausend Mal hintereinander sagt, anfängt, dasselbe für plausibel zu halten, restlos lächerlich und provoziert schlicht unsere abschließende Frage: Wie oft, Herr Stefanowitsch, haben sie sich denn vorgesagt, dass im generischen Maskulinum generell das grammatische und das biologische Geschlecht zusammenfallen – tausend Mal?

Bleibt festzustellen, dass an deutschen Universitäten etwas hochgradig nicht mehr in Ordnung ist, wenn bei Professoren an sprachwissenschaftlichen Fakultäten die Unkenntnis des Genitiv von der Selbstsuggestion des tausendmaligen Vorsagens ersetzt wird.

Wikipedia beschwört Diversity und meint ideologische Gleichschaltung

Die Wikipedia soll mehr als eine reine Online-Enzyklopädie sein. Die Wikipedia soll, geht es nach dem Willen der Wikipedianer zum Weltkulturerbe ernannt zu werden.  Und wie es sich für einen Aspiranten zum Titel des Weltkulturerbes gehört, so streben die Wikipedianer in Deutschland danach, zum Weltkulturerbe-Musterkind zu werden.

Wikimedia-diversityUnter dem Stichwort „Wikipedia Diversity“ müht sich die Wikipedia derzeit, vermeintliche Lücken in ihrem editorial team, also unter denen, die sich freiwilig in Wikipedia engagieren, zu schließen, Lücken, die, wie es in einem Bericht von der Beuth Hochschule für Technik in Berlin heißt, der wiederum, wenig divers von Ilona Buchem erstellt wurde, zu minderer Qualität des auf Wikipedia veröffentlichten Materials führen sollen. Welche Lücken? Gender-Lücken natürlich. Der Bericht der Beuth Hochschule für Technik ist übrigens Teil einer Kollaboration zwischen der Hochschule Beuth und Wikimedia Deutschland, der 80.000 Euro aus Spendengeldern für Wikipedia geopfert werden (In Worten: ACHTZIG TAUSEND Euro, siehe Abbildung).

Unter der Überschrift der Gender-Diversity stellt Buchem einige mehr oder weniger abstruse Behauptungen auf, warum der geringe Frauenanteil unter denen, die die Wikipedia gestalten, ernsthafte Konsequenzen haben, sich negativ auf die Qualität der Wikipedia auswirken soll, u.a.: Männer erstellten „umfangreichere und detailliertere Ausarbeitungen von Themen“ (12) als Frauen, Themen „wie Kunst, Philosophie und Religion, die von Frauen präferiert editiert“ (12) würden, blieben häufig unterrepräsentiert.

Die Wortwahl von Buchem macht dabei deutlich, dass alle vermeintlich negativen Folgen der Unterrepräsentation von Frauen unter den freiwilligen Wikipedianern vermutete Folgen sind. Wenn man die Ideologie der Genderisten teilt, nach der alles besser wird, wenn möglichst viele Frauen an etwas arbeiten, dann mag einem dies wie eine sinnvolle Annahme vorkommen. Wenn man jedoch mit Rationalität beschlagen ist, dann fragt man sich, welche Qualität, die für die Erstellung eines fachlich einwandfreien und kompetenten Textes notwendig ist, Frauen eher besitzen als Männer oder welche Exzellenz vom Geschlechterproporz abhängig ist. Anders formuliert, man fragt sich, ob Intelligenz nach Geschlecht selegiert und auch wenn man, nach Lektüre von Diversitäts-Literatur dazu neigen könnte, dem zuzustimmen, gibt es doch keinerlei Indizien, die auf eine entsprechende schiefe Verteilung von Intelligenz zwischen den Geschlechtern hinweisen würden.

Und so ist es kein Wunder, wenn Buchem in ihrem Beitrag die negativen Konsequenzen, die der geringe Frauenanteil bei den freiwilligen Editierern der Wikipedia angeblich haben soll, als gegeben voraussetzt, also nicht belegt und sich statt dessen den vermeintlichen Gründen zuwendet, aus denen sich Frauen nicht für Wikipedia engagieren: Wikipediabeiträge würden zumeist nachts geschrieben, und Frauen hätten auch nachts mehr familiäre Pflichten zu erledigen als Männer, die entsprechend Zeit hätten, in Wikipedia zu editieren, so schreibt sie (13). Darüber hinaus sei das Wikipedia-Klima einer Frauenbeteiligung nicht förderlich, der Umgang nicht sozial genug für Frauen, die Technik, die beherrscht werden müsse, um an Wikipedia mitarbeiten zu können, nicht frauenfreundlich genug und die Unterstützung für Frauen lasse auch zu wünschen übrig. Das alles soll sich irgendwie auf die Qualität der Beiträge auf Wikipedia auswirken.

Patriarchat_coverDie Qualität der Beiträge auf Wikipedia war bereits in der Vergangenheit Thema auf ScienceFiles. Stammleser von ScienceFiles werden sich noch daran erinnern, dass Dr. habil. Heike Diefenbach eingeladen wurde, um einen Beitrag über das Patriarchat für Wikipedia zu schreiben. Eigentlich wären mit diesem Beitrag alle Kriterien erfüllt, die die Wikipedianer heute unter der Überschrift „Diversity“ beschwören. Eigentlich, so sollte man denken, müssten die Wikipedianer den Beitrag eines weiblichen Wissenschaftlers, der allen Kriterien der Wissenschaftlichkeit entspricht, mit offenen Armen begrüßen, nicht nur, weil Diversität hergestellt ist, sondern auch weil die nachgewiesene fachliche Kompetenz von Dr. habil. Heike Diefenbach, die ihren Niederschlag in einer Vielzahl von Publikationen gefunden hat, den Status des Weltkulturerbe-Aspiranten erhöht hätte.

Doch manche Wikipedianer haben sich überhaupt nicht gefreut. Sie haben die Diversität, die Kompetenz und den Statusgewinn verschmäht. Der Text über das Patriarchat, den Dr. habil. Heike Diefenbach geschrieben hat, war wissenschaftlich, nicht ideologisch und hat dem staatsfeministischen Verständnis, das bei manchen Wikipedianern herrscht, Fakten entgegen gesetzt, und eines wollen Ideologen nicht, mit Fakten konfrontiert werden.

Ideologen verschanzen sich lieber in Wortgebäuden vorgeschützter guter Absicht, Wortgebäuden, die der „Förderung“ der Diversität gewidmet sind und auf der Prämisse der hilflosen Frau basieren, die bei Wikipedia alleingelassen, in ihrer technischen Illiteralität versinkt und keine Möglichkeit hat, auf die Dienste einer Online-Hilfsgruppe zurückzugreifen, um die eigenen Mängel zu bewältigen. In dieses Bild vom formbaren Dummchen, an dem sich hervorragend verdienen lässt, passt die scharf analysierende, kompetente Wissenschaftlerin nicht, sie passt schon dehalb nicht, weil sie keiner Mentoring- und Mediationskonzepte, keiner Lernangebote und Informationsmaterialien bedarf, und mit letzteren wollen die Wikipedianer doch ihren DIversitäts-Anspruch zementieren (und Spenden dafür zweckentfremden). 

beuth_logoGender-Diversität hat demnach und im Gegensatz zu dem, was Ilona Buchem von der Hochschule Beuth schreibt, keine fachliche, keine inhaltliche und keine qualitative Komponente, sondern eine Feigenblattfunktion. Gender-Diversity ist Teil einer ideologischen Landschaft voller psychologischer und materieller Selbstbereicherer. Wer sich in ihr bewegt, findet Gender-Diversity so lange gut, bis ein Gender-Diverser einen Text liefert, der nicht in die ideologische Landschaft passt, der die Gefahr mit sich bringt, Einnahmequellen, die sich auf dem Zerrbild der benachteiligten Frauen errichten lassen, zu beseitigen. Anders formuliert: Wer Gender- Diversity in seinen Hallen einführt, bei dem kann man sicher sein, wessen Geistes Kind er ist. Er ist mit Sicherheit nicht an fachlich kompetenten, qualitativ hochwertigen und entsprechend kritischen Texten interessiert, sondern an ideologischem Gleichklang, am Gegenteil dessen, was mit Diversität angeblich angestrebt wird.

Deshalb wird das Bild der hilflosen Frau bei Wikipedia verbreitet. Deshalb werden ernsthafte Frauen, werden weibliche Wissenschaftler wie Dr. habil Heike Diefenbach von Wikipedia ferngehalten. Denn: Sie stören die schöne ideologische Eintracht und das gegenseitige sich.Spenden-zu-Schustern. Sie fallen durch fachlich kompetente Beiträge auf, die mit dem Selbstverständnis von Wikipedia als Sprachrohr des Staatsfeminismus nicht konform gehen und statt dessen ideen vertetren, die z.B. Feminismus als emanzipative Bewegung sehen und nicht als Ideologie, deren Ziel darin besteht, Frauen auf Fertilität und Staatsnützlichkeit festzulegen und als minderbemittelt zu brandmarken. Frauen sind für diese Wissenschaftler Menschen eigener Individualität und eben nicht Mittel zum freien Missbrauch im Rahmen von „Gender-Diversity“-Selbstbereicherung.

Wikipedia SpendenaffaereUnd so verrät sich die Gender-Diversity-Gemeinde als das, was sie ist, ein Zusammenschluss ideologischer Kumpane, die aus finanziellem Eigennutz daran arbeiten, ein bestimmtes Weltbild zu verbreiten, ein kollektivistisches Weltbild, in dem kein Platz für Individualität ist. Dass dem so ist, sieht man schon daran, dass sie Frauen als Gruppe fördern wollen und individuellen Frauen, die mit Kompetenz und Fähigkeit beschlagen sind, ablehnend gegenüber stehen. Anders formuliert: Gender-Diversity ist nur ein Fetisch in der Welt der Ideologen, der spätestens dann fallengelassen wird, wenn diese Ideologen mit real existierenden Frauen, die sich nicht als hilfsbedürfig, sondern als kompetent erweisen, konfrontiert sind, denn es bedarf der Behauptung einer Hilflosigkeit von Frauen, um Spendengelder zweckentfremden zu können.

Mit 80.000 Euro finanziert Wikimedia Deutschland die Wikepedia-Diversity, die auf der behaupteten Hilflosigkeit von Frauen basiert, 80.000 Euro, die von Spendern aufgebracht wurden, von denen kaum einer an diese Verwendung gedacht haben dürfte, die seinen Spenden nun zuteil wird. Wer vor diesem Hintergrund noch für Wikipedia spendet, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

P.S.

Übrigens ist die Beuth Hochschule für Technik, an der Ilona Buchem lehrt, ein Musterschüler des Professorinnenprogramms II (Beitrag dazu folgt), mit dem Männer von Ausschreibungen an Universitäten ferngehalten werden sollen. Manchmal fügen sich die Dinge von ganz allein.

Wikipedia und Moral

Über die letzten Tage  haben sich erfreulicherweise wieder eine Reihe von Unterstützern für den Offenen Brief, den Arne Hoffmann und ich nun schon vor einiger Zeit an Jimmy Wales geschrieben haben, gemeldet. Die Wikipedia-Debatte, die wir wohl ausgelöst haben, ist offensichtlich nicht mehr zu unterdrücken, sie kommt aus den unterschiedlichsten Richtungen und die verschiedensten Organisationen sind zwischenzeitlich darauf aufmerksam geworden, dass bei Wikipedia Ideologen unter dem Deckmantel der Anonymität versuchen, ihre ideologische Sicht der Dinge zu verbreiten und lebende Personen zu diffamieren. Das: die Diffamierung lebender Personen auf den Seiten und in den Beiträgen von Wikipedia Deutschland, und die in niedriger Absicht getätigten Versuche, Organisationen, die man als politischen Feind ausgemacht hat, zu diskreditieren war der Anlass für den Offenen Brief an Jimmy Wales. Es war der Anlass für Beiträge, die zwischenzeitlich in Focus, Handelsblatt, eigentümlich frei und auf der Achse des Guten. Und es ist der Anlass für eine ganze Reihe von Personen, unseren Offenen Brief an Jimmy Wales zu unterstützen. So hat Gabi Auth, deren Unterstützungsemail mich gerade erreicht hat, ihre Unterstützung wie folgt begründet:

„Ich unterstütze den offenen Brief an Jimmy Wales. Ich habe selbst einige Zeit dort geschrieben und Texte geprüft und mich aus den im Brief genannten Gründen von Wikipedia zurückgezogen. Leider bin ich seitdem mehr als skeptisch, was den Informationsgehalt der Enzyklopädie angeht.“

Nun müsste man eigentlich denken, dass eine immer größere Zahl von Personen, die sich darüber beklagt, dass in Wikipedia Deutschland diffamiert und diskreditiert wird, führe dazu, dass sich die Wikipedianer an die menschliche Qualität erinnern, von der alle großen Philosophen ausgegangen sind, dass Menschen sie haben: Moral, Moral in Form von Empathie für andere. Die Anwendung der entsprechenden Empathie wäre denkbar einfach und bestünde, legte man Kants Imperativ zu Grunde, darin, sich zu fragen, wie man selbst es wohl finden würde, wenn man in der Wikipedia diffamiert würde. Nun, ich sehe zwar ein, dass dieser Gedanke für anonyme Autoren schwierig ist und von ihnen nicht nur verlangt, die Position eines anderen einzunehmen, sich vorzustellen, wie sich etwas für diesen anderen darstellt, die Fähigkeit des „looking glass self“ zu benutzen, wie George Herbert Mead das genannt hat, sondern auch verlangt, dass sie über ihren Schatten springen und die Feigheit, die sie zum anonymen Diffamieren veranlasst, überwinden, aber ich hätte dennoch erwartet, dass der ein oder andere der aktiven Ideologen zumindest kurz innehält mit seinem ideologischen Aktivismus.

Diese Erwartung stützt sich auf die Ansicht, die viele Philosophen in ihren Werken vertreten haben: Kant hat in der Vernunft die Voraussetzung von Moral gesehen und Vernunft und zwangsläufig dann auch Moral als die Eigenschaften betrachtet, die Menschen erst zu Menschen machen. Thomas Hobbes hat seinen Rechtspositivismus gar auf der Überlegung aufgebaut, dass nur Vernunft Moral hervorbringen kann, dass Moral sich aus der Einsicht ergibt, dass wer austeilt, gewöhnlich mit Gegenwehr zu rechnen hat und dass daraus entstehende Streitereien ineffizient sind und die menschliche Entwicklung behindern. Die Idee der menschlichen Entwicklkung schließlich war für Adam Smith das A und O, die Grundlage der Entwicklung für ihn die „Sympathy“, also die Fähigkeit, sich in den Kopf des Gegenüber zu versetzen, eine moralische Verbindung zu dem Gegenüber, dem Handelspartner im Werk von Smith, aufzubauen.

Das ist kein Spendenaufruf für Wikipedia!

Diese Grundlagen des Menschseins, wie sie von Philosophen über Jahrtausende verteilt beschrieben und gelegt wurden, scheinen bei ideologischen Wikipedianern außer Kraft gesetzt zu sein. Diese Ideologen scheinen aus dem Projekt „Mensch“ ausgeschieden zu sein und keinerlei Idee davon zu haben, dass ihre Diffamierungen menschlichen Schaden anrichten, und zwar bei denen, die als Zielscheibe missbraucht werden. In allen Diskussionen unter Wikipedianern, in allen Äußerungen, die ich verfolgt habe, ob im Wikipedia-Kurier oder auf den verschiedensten Diskussionsseiten ist mir nie ein Beitrag aufgefallen, in dem der jeweilige Wikipedianer sich gefragt hätte, wie es sich für die Opfer der Wikipedia-Kampagnen wohl anfühlt, diffamiert zu werden. Niemand hat sich auch nur ansatzweise gefragt, wo das Recht herkommen soll, das anonyme Wikipedianer für sich in Anspruch nehmen, wenn sie andere – aus dem Schutz der eigenen Anonymität heraus – diffamieren und diskreditieren. Mit anderen Worten, manchen Wikipedianern fehlt jeder Sinn für moralische Verantwortung, sie sind ihr jeweils eigenes moralisches Vakuum, dessen Vernunft nicht hinreicht, um sich an die Stelle des Diffamierten zu setzen und sich zu fragen, wie man es wohl fände, wenn man an dessen Stelle stünde. Damit fehlen Ihnen die Grundlagen, die z.B. Kant als Voraussetzung gesehen hat, um überhaupt von „Mensch“ zu sprechen.

Dies ist inbesondere bei denen so, die ohne mit der Wimper zu zucken und obwohl sie, wie Fiona Baine lauthals erklärt haben, sich aus der Wikipedia zurückzuziehen, weitergemacht haben, als sei nichts gewesen, als sei man nicht gerade als anonymer Autor zu besonderer Sorgfalt im Umgang mit anderen aufgerufen. Nein, eine solche Frage der „Sorgfalt“, der „Verantwortung“ stellt sich für diese „Wikipedia-Autoren“ nicht. Sie opfern ihre Menschlichkeit, ihre vielleicht vorhandene Restvernunft den eigenen niederen Motiven und freuen sich, wenn ihnen Gleichgesinnte Unterstützung anbieten, etwa in der Form, wie dies Andreas Kemper (alias Schwarze Feder) gerade im Wikipedia-Kurier getan hat.

Kemper berichtet – wären da nicht die gelegentlichen Einsprengsel der ideologischen Fiesheit, die ihn zu besetzen scheint,  in der Form: „nicht so gut weg kommt, wie sie es sich wohl wünschen“ mit Blick auf eigentümlich frei – fast nüchterner Weise von fast all den zwischenzeitlich erschienen Beiträgen, in denen sich die Autoren gegen die ideologische Unterwanderung der Wikipedia und ihre Nutzung als Plattform zur Diffamierung wenden. Aber es ist eben nur fast eine nüchterne Betrachtung. Es ist Kemper nämlich nicht möglich, sein Lagerdenken, das die Welt in rechts und links bzw. böse und gut einteilt, zu überwinden, sich davon zu emanzipieren. Noch bezeichnender ist es, dass es ihm nicht einmal in den Sinn kommt, sich zu fragen, warum die verschiedensten Autoren, die Wikipedia kritisieren, das tun. Das, so mutmaßt er am Ende seines Beitrags, könne nur der Ausdruck einer Kampagne der Rechten sein, seiner Gegner, die verlangen, in der Wikipedia „besser weg zu kommem“.

Das ist entlarvend, so entlarvend, dass man es gar nicht weiter zu kommentieren braucht, denn, wir erinnern uns an den alten Herrn Mead und sein looking glass self: Wann unterstelle ich anderen, dass sie eine Kampagne angezettelt haben, um in der Wikipedia besser weg zu kommen? Genau, dann wenn es mir als Gedanke naheliegt, wenn ich eine eigene Kampagne angezettelt habe, um z.B. andere in der Wikipedia zu verleumden und zu diskreditieren. Etwa in der plumpen Weise, in der Kemper zum Ende seines Beitrags versucht, mich und Arne Hoffmann zu diskreditieren, in dem er Aussagen, die Arne und ich getroffen haben, aus dem Zusammenhang reißt und mich mit „bezahlte“ und „mental gestörte Extremisten“ zitiert, während Arne irgendwo einmal „Faschisten“ geschrieben hat.

Wikipedia – Truth based on who edits last

Das summiert den schlechten Stil, der bei Wikipedia herrscht, in hervorragender Weise, denn belegen will Kemper, wie fies, Arne und ich doch sind, denn, wie er behauptet will, geht es uns darum, Wikipedianer zu beleidigen. Nun, ich habe zwar wenig Hoffnung, aber ich will doch auch etwas zur Aufklärung von Herrn Kemper beitragen. Wenn „bezahlt“ eine Beleidigung ist, dann können wir unsere Ökonomie zumachen, denn ich fürchte z.B. bei Aldi besteht man an der Kasse darauf, dass „bezahlt“ wird. Und da bei Aldi an der Kasse meistens Frauen sitzen, Herr Kemper, die darauf bestehen, dass „bezahlt“ wird, werden Sie ihren entsprechenden Vorwurf sicher nicht aufrecht erhalten. – oder? Gleiches gilt für „mental gestörten Extremisten“. Das ist eine Diagnose. Wollte man den Ausdruck „mental gestört“ verbieten, Psychiater und Psychologen hätten vermutlich etwas dagegen. Und da mental gestörte Personen sich nach wie vor in der Minderzahl befinden und daher nicht die Normalität ausmachen, müssen sie, wenn man eine Normalverteilung unterstellt, an den Rändern der Normalverteilung, also den Extremen zu finden sein – jeder Statistiker weiß das. Und weil nun klar ist, dass das, was Kemper als „Beleidigungen wie beim Fußvolk“ (also Arne und ich) einordnet, keine Beleidigungen sind, habe ich zum Abschluss eine Aufgabe für Herrn Kemper, die darin besteht, die folgenden drei Fragen zu beantworten:

  1. Warum haben sich wohl die unterschiedlichsten Leute gegen die Praxis bei Wikipedia gewendet, Personen und Organisationen zu diffamieren? Hinweis: Die Antwort hat nichts mit politischer Kampagne zu tun.
  2. Stellen Sie sich vor, Herr Kemper, jemand behauptet und verweist auf jemand anderen, der das gesagt haben soll, ihre Arbeit sei eine Anammlung von Unsinn, strotze nur so von inhaltlichen und methodischen Fehlern und außerdem seien Sie homophob und das Ganze stünde für jeden an 24 Stunden und sieben Tage die Woche zum Lesen bereit auf Wikipedia, wie würden Sie sich wohl fühlen? Hinweis, ich habe das, was über Gerhard Amendt auf Wikipedia steht, als Grundlage für diese Frage genutzt.
  3. Jetzt kommt die schwierigste Frage: Finden Sie es moralisch vertretbar bzw. integer, dass man unter Ausnutzung von Anonymität über lebende Personen herzieht und ihnen, ohne den Kontakt mit ihnen zu suchen (obwohl sie noch leben und man sich mit ihnen unterhalten könnte), die übelsten Dinge unterstellt, um sie zu diskreditieren?

Ich weiß,  das ist viel verlangt. Ich weiß, Empathie und Transfer, beides wird hier verlangt, sind seltene Güter in Deutschland. Aber an schwierigen Aufgaben kann man wachsen und am Ende doch tatsächlich so etwas erzielen wie moralische Integrität. Es ist nie zu spät – versuchen Sie es!

Bildnachweis
Henze & Partner
Wikipedia – „Truth based on who edits last“

Sinnstiftung für Ideologen: verbale Aufstände fragiler Persönlichkeiten

Die Frage, warum sich Menschen wie verhalten, hat Philosophen und Sozialpsychologen seit Jahrhunderten fasziniert. Unter den Antworten stechen nach meiner Ansicht insbesondere die von Leon Festinger und Stanley Milgram hervor. Milgram hat mit seinen Experimenten gezeigt, dass sich manche Menschen lieber einer Autorität unterordnen, für die sie dann alles zu tun bereit sind (die Betonung liegt auf alles, denn die Testpersonen von Milgram waren sogar bereit, im Dienste einer höheren Macht zu töten). Man könnte zugespitzt sagen, dass Milgram die Disposition mancher Menschen, ihrem Leben durch Gehorsam und Unterordnung unter eine Autorität erst einen Sinn zu geben, offengelegt hat. Leon Festinger hat gezeigt, dass es bei manchen Personen eine Prädisposition dahingehend gibt, die Realität dann, wenn sie nicht zur eigenen Vorstellung passt, zu verbiegen, um die notwendig mit einer richtigen Realitätswahrnehmung verbundenen kognitiven Dissonanzen wirkungsvoll auszuschließen beziehungsweise zu bekämpfen. Nimmt man beider Ergebnisse zusammen, dann hat man, wie ich finde, eine perfekte Beschreibung von Ideologen. Ideologen lieben die Autorität ihrer eigenen Ideologie, unter die sie sich bereitwillig ordnen, und die sie als Legitimation für das eigene „Tun“ anführen. Nun ist es heutzutage nicht mehr „In“, sich bedingungslos einem Herrn und Meister, einer Ideologie zu verschreiben. Von „modernen“ Menschen verlangt die offizielle Verlautbarung, dass sie eigenständig und verantwortungsbewusst sind. Diese Forderungen sind mit einer Ideologie gar nicht in Einklang zu bringen. Ideologen sind deshalb Ideologen, weil sie keine Verantwortung übernehmen wollen. Sie sind Ideologen, weil sie Angst davor haben, für sich selbst zu stehen. Sie sind ideologische aktiv, weil es für sie die einzige Form von sinnstiftender Handlung ist. Die ideologische Agitation gegen andere, erlaubt es, ihre inhaltliche Leere und die Tatsache, dass sie keinerlei Verantwortung übernehmen wollen, hinter dem Banner der Ideologie, der sie sich verschrieben haben, zu verstecken, und die Not, die ihr Handeln antreibt, erlaubt es ihnen, sich als Handelnder zu begreifen, obwohl sie bestenfalls ein von den eigenen Gefühlen Vertriebener sind. Mit anderen Worten: Ideologie ist eine Form der Sinnstiftung für fragile Persönlichkeiten, eine Form geliehener oder Surrogat-Existenz für Lebewesen, die sich aus eigener Kraft nicht als Person verstehen können. Ideologie ist ein großes Problem für Wikipedia, denn Wikipedia ist ein Tummelplatz für Ideologen geworden. Das haben Arne Hoffmann und ich bereits in einem offenen Brief an Jimmy Wales, der bislang ohne Reaktion von „Jimbo“ Wales geblieben ist, beklagt. Mehr noch: Wir haben die Mechanismen beschrieben, die Wikipedia zum El-Dorado für Ideologen machen, der wichtigste darunter: Anonymität. Anonymität ist das, was Ideologen suchen, denn sie wollen bestenfalls in Massenaufläufen gesehen werden, ansonsten scheuen sie sich, persönlich für ihre Ideologie einzustehen, denn sie haben sich die Ideologie ja zu eigen gemacht, um der Verantwortung zu entgehen. Das Wirken und Brüten im Verborgenen ist gerade die Voraussetzung, die sie benötigen, um ihre Illusion aufrecht zu erhalten, nach der sie wichtige Persönlichkeiten im Kampf gegen den einen politischen Gegner sind, den sie sich selbst herbeiphantasieren. Demgemäß sammeln sich bei Wikipedia Ideologen hinter den Pseudonymen ihrer virtuellen Existenz, die es ihnen erlaubt, Personen und Organisationen, die ihnen nicht passen, zu diskreditieren. Ich habe die Strktur der ideologischen Agitation bei Wikipedia bereits an anderer Stelle analysiert und damals gehofft, dass Jimmy Wales die strukturellen Probleme, die das deutschsprachige Unterfangen von Wikipedia langsam aber sicher scheitern lassen werden, ernst nimmt und etwas dagegen tut. Aber entweder habe ich ihn oder seinen Einfluss überschätzt. Jedenfalls hat er sich nicht gerührt, und die deutsche Wikimedia sieht offensichtlich keinen Anlass, etwas gegen den ideologischen Befall der deutschsprachigen Wikipedia zu unternehmen. Das neueste Tummelfeld der Pseudonym-Ideologen von Wikipedia scheinen die Artikel über eigentümlich frei und André Lichtschlag zu sein. Allein der Beitrag zu eigentümlich frei wurde am 23. Oktober mehr als 100 Mal verändert. Ich will dieses neueste Zeugnis ideologischen Wirkens bei Wikipedia zum Anlass nehmen, um den offensichtlich überforderten Wikipedia-Kämpen drei Regeln zur Vermeidung von Ideologie und zur Vermeidung der Diskreditierung von Personen zu geben.

  • Regel 1: Gleiche Behandlung aller Personen und Organisationen, die auf Wikipedia besprochen werden. Diese Regel dient dem Schutz von Persönlichkeitsrechten und ist insbesondere wirksam, weil Ideologen natürlich die eigenen Helden nicht beleidigen wollen, was sie müssten, würden auf Wikipedia alle gleichbehandelt
  • Regel 2: Keine wertenden Adjektive und Begriffe in den Beiträgen auf Wikipedia und vor allem: keine Formulierungen, die es dem Schreiber erlauben, sich von etwas zu distanzieren, ohne dabei die Verwantwortung für die getroffene Distanzierung übernehmen zu müssen.
  • Regel 3: Keine willkürliche Auswahl von Autoren als Beleg für die eigene Meinung. Vielmehr ist nach Autoren zu suchen, die der eigenen Meinung widersprechen. Diese Regel schützt davor, dass Ideologen andere Ideologen oder willkürlich zusammengeklaubtes Material nutzen, um Dritte zu diskreditieren.

Eigentlich sind die drei Regeln ganz einfach und leicht umsetzbar. Aber die Erfahrung lehrt, dass Ideologen und solche, die sich bei Wikipedia tummeln im Besonderen, begriffsstutzig sind oder doch zumindest gerne so erscheinen. Daher hier die Anwendung der entsprechenden Regeln.

Regel 1

Gleiche Behandlung von Personen und Organisationen auf Wikipedia kann man am besten dadurch sichern, dass man den Aufbau der Artikel standardisiert. Z.B. bestehen die Artikel über Karin Priester und Albrecht von Lucke neben „Weblinks“, „Einzelnachweisen“ oder „Schriften“ aus den Punkten „Werke (Auswahl)“ bei Priester und „Leben“ (diesmal keine Auswahl) bei von Lucke. Dagegen umfasst der Beitrag über André F. Lichtschlag, die Punkte, „Leben“, „Wirken“ und „politische Einordnung“, neben „Auszeichnungen“, „Veröffentlichungen“ und „Einzelnachweisen“. Warum ist es notwendig, André F. Lichtschlag politisch einzuordnen? Warum werden Karin Priester, emeritierte Professorin für Soziologie, und Albrecht von Lucke, Redakteur der Gewerkschaftszeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“ nicht politische eingeordnet? Auf welcher Wissensgrundlage maßen sich anonyme Autoren von Wikipedia überhaupt an, eine politische Einordnung vorzunehmen, eine Aufgabe, die viele Biographen scheuen, die bei weitem besser informiert über die Personen sind, über die sie schreiben, als die Hobbytexter von Wikipedia? Wieso denken Wikipedia-Autoren, eine politische Einordnung sie für irgendjemand anderes als für sie selsbt interessant und relevant? Die einzige Antwort, die mir auf diese Fragen einfällt, lautet: es handelt sich bei den entsprechenden Wikipedia-Autoren um Ideologen, die die Wikipedia zur Agitation missbrauchen, in diesem Fall zur Diskreditierung Andersdenkener. Es ist ganz einfach, diesen Missbrauch abzustellen, in dem man die „politische Einordnung“, die sowieso nichts in einer Enzyklopädie zu suchen hat, ersatzlos streicht.

Regel 2

Wenn die „politische Einordnung“ gestrichen wird, muss man natürlich dafür Sorge tragen, dass die Ideologie nicht an anderer Stelle ins Spiel kommt. Dies kann in einem ersten Schritt dadurch gewährleistet werden, dass wertende Adjektive durch beschreibende Adjektive ersetzt werden und dass zudem die Praxis, die Wertung, die man gerne treffen würde, anderen Autoren zu überlassen, die man zitieren kann, unterbunden wird. Also, Wikipedia-Autoren und im Klartext: Nemmt Euch den Text über „eigentümlich frei“ zur Hand: „Eigendarstellung“, gleich der erste Satz und hier die Formulierung „nach eigenen Angaben“. Zum einen müssen Tatsachenbehauptungen in Wikipedia belegt werden, insofern kann jeder, der wissen will, woher Angaben sind, dies nachprüfen. Zum anderen legt die Formulierung gleich nahe, dass die Angaben mit Vorsicht zu genießen sind, und diese Wertung wollen wir doch nicht. Kurz: Streichen! Gleiches gilt für die Nominalisierung „Eigenangaben“. Wer wissen will, woher die Angaben stammen, kann dies nachprüfen und sich ein eigenes Bild von der Zuverlässigkeit der Angaben machen. Hilfestellung von anonymen Aktivisten ist nicht notwendig. Nun zum mit „Rezeption“ überschriebenen Absatz: Wenn Karen Horn (Wer ist das überhaupt, und wieso hat Karen Horn hier etwas zu sagen?) von „radikalliberal“ schreibt, dann ist das eine Wertung, die dadurch, dass Karen Horn sie von sich gegeben hat, nichts anderes wird und bestenfalls Aufschluss auf die politische Gesinnung von Karen Horn zu geben vermag, die wiederum nicht Gegenstand des Artikels ist. Und ob Karen Horn denkt, dass „seriöse Leserkreise“ eigentümlich frei lesen oder nicht, interessiert wirklich niemanden außer vielleicht Karen Horn. Also: ebenfalls streichen. Wenn Wertungen weder durch Wikipedia-Autoren noch durch von ihnen zitierte Autoren vorgenommen werden dürfen, dann ergänzt sich Regel 2 in diesem Punkt hervorragend mit der folgenden Regel 3.

Regel 3

Im Artikel über eigentümlich frei werden unter „Rezeption“ sechs Personen zitiert: Karen Horn, Heribert Seifert, Karin Priester, Angelika Strubbe, Thomas Gesterkamp und Albrecht von Lucke. Warum gerade diese sechs? Und wie erklärt es sich, dass die meisten dieser sechs Autoren (bei der einen Ausnahme kann man sich darüber streiten, ob sie eine Ausnahme ist) ausschließlich Negatives über eigentümlich frei zu sagen haben? Ist hier gezielt nach Negativem gesucht worden? Ganz offensichtlich, denn anders ist dieses Patchwork weitgehend unbekannter Autoren und Redakteure kaum zu erklären. Also: In Zukunft wird es in Wikipedia unterlassen, Dritte heranzuziehen, um die Arbeit der Organisationen oder der Personen, die gerade Gegenstand des Artikels sind, zu bewerten. Und schon ist die Wikipedia um einiges sauberer, und außerdem gelingt es auf diese Weise, die peinlichsten Fehler, die andere machen, nicht auf Wikipedia zu verbreiten. Wenn jemand, der in einer Zeitschrift schreibt, die von einem Autoren als z.B. „rechts“ angesehen wird, in einer anderen Zeitschrift schreibt, die nicht als „rechts“ angesehen wird, dann ist dem nichts anderes zu entnehmen, als dass beide Zeitschriften das, was dieser jemand zu schreiben weiß, abgedruckt haben. Daraus den Schluss zu ziehen, die nicht rechte Zeitung sei eigentlich auch rechts, denn sonst hätte sie den jemand nicht abgedruckt, wie es im Artikel über eigentümlich frei geschieht, ist nicht nur ein logischer Fehler (argumentum ad hominem), es ist absoluter Unsinn und trägt alle Indizien des Faschismus in sich, eines Faschismus, der Gedankenkontrolle betreiben will und der kontrollieren will, wer wo was druckt. Aber das ist nicht verwunderlich, denn bislang sind noch alle Ideologien in Faschismus geendet.

Diese drei Regeln sind einfach anzuwenden und mit ihnen ist es in relativ kurzer Zeit möglich, Wikipedia vom Spielball für Ideologen zu einer anähernd als Informationsquelle tauglichen Plattform zu gestalten. Wer also etwas ändern will, der kann das tun, wer aber nichts ändert, der stellt sich damit auf die Seite von Ideologen und zeigt, dass es ihm nicht um Information, sondern um Desinformation, nicht um das Projekt Wikipedia, sondern bestenfalls um die damit zu erzielenden Spendeneinnahmen geht. Ganz davon abgesehen, ist es ein Bestandteil kritischen Denkens, wie wir in unserem Grundsatzprogramm zeigen, denjenigen, den man kritisieren will, fair zu behandeln. Wer andere nicht in der Weise behandeln will, wie er bereit ist, sich selbst behandeln zu lassen, sollte seine Finger von Kritik lassen. Entsprechend sollte es in Wikipedia Personen, die anonym bleiben wollen, um andere öffentlich zu kritisieren, generell und aus Gründen der Fairness untersagt sein, Kritik zu üben.

Post Scriptum

Ich habe keine Lust mich unnötig zu wiederholen, daher noch einmal der Hinweis mit Link zum Nachlesen: Thomas Gesterkamp und Hinrich Rosenbrock (als Beleg im Artikel über eigentümlich frei angeführt) haben keine Arbeiten verfasst, die man als tauglich zum Beleg von was auch immer ansehen kann. Wenn man schon jemanden negativ kritisieren will oder eine Kritik seiner Arbeit vornehmen will, dann muss man sich auf Personen beziehen, die in ihrem Gebiet eine Kapazität darstellen, die auf Wissen und Kenntnissen zurückgreifen können, die sie dokumentiert haben und für die sie von anderen Mitgliedern ihres Gebietes anerkannt und geschätzt werden. Personen, die sich von politischen Organisationen als Auftragsschreiber instrumentalisieren lassen, scheiden hier automatisch aus: weder die Friedrich-Ebert Stiftung noch die Heinrich-Böll Stiftung verfügen über irgend eine andere Reputation als die politischer Agitation und das ist nun einmal das Gegenteil einer Reputation, die man für Fähigkeiten, Kenntnisse, Wissen oder Leistungen in einem Feld erzielen kann.

PPS

Meine Darstellung basiert auf einer Wikipedia-Version, die zwischenzeitlich im Zuge des stattfindenden Edit-Wars verändert, wiederhergestellt, wieder verändert und so weiter wurde. Daher verweise ich die Leser auf die Diskussion des Beitrags, um sich ein Bild von der Version zu machen.