Wikipedia ist hauptsächlich ein Todesanzeiger

Das PewResearchCenter hat gerade die Liste der jeweils 10 am häufigsten gelesenen Artikel auf Wikipedia veröffentlicht, und zwar nach Sprachen getrennt.

Auszählungen zum Leseverhalten sind immer aufschlussreich, lassen sie doch Schlüsse über die Wahrnehmung von Informationsquellen und über die Interessen derjenigen, die die entsprechenden Informationsquellen nachfragen, zu.

WischopediaUnd entsprechend wissen wir, dass Wikipedia für 20.264.610 englischsprachige, 5.694.946 deutschsprachige und 2.514.702 russischsprachige Nutzer ein Todesanzeiger ist. Sie lesen den Nekrolog für 2015 bzw. die Liste der Toten pro Jahr, interessieren sich also in erster Linie für Todesanzeigen. Entsprechend muss man schließen, dass für viele Wikipedia so etwas wie ein Zentralanzeiger der Verstorbenen ist, ein Ort, ein virtueller Friedhof, auf dem man zwar keine Grabsteine betrachten, aber doch die Namen der Toten bestaunen oder bewundern kann.

Ob sich die Online-Enzyklopädie ob dieser Entwicklung auch offiziell ein neues Image, sagen wir ein morbides oder nekrophiles Image gibt, wird abzuwarten bleiben.

Ein Blick auf die sonstigen Suchbegriffe bzw. die Kategorien, denen die einzelnen Artikel zugerechnet werden können, hat – unterschieden nach Sprachen, folgendes Aussehen:

  • Englischsprachige Leser:
    • Todesanzeigen
    • Film und Fernsehen
    • Soziale Medien
    • Islamischer Staat
    • Landeskunde
  • Spanischsprachige Leser:
    • Sport
    • Weltkriege
    • Chemie
    • Landeskunde
    • Film und Fernsehen
  • Deutschsprachige Leser:
    • Todesanzeigen
    • Landeskunde
    • Film und Fernsehen
    • Islamischer Staat
    • Computer IT
  • Russischsprachige Leser:
    • Soziale Netzwerke
    • Landeskunde
    • Todesanzeigen
    • Politik
    • Film und Fernsehen
  • Französischsprachige Leser:
    • Islamischer Staat
    • Soziale Medien
    • Film und Fernsehen
    • Französische Autoren
    • Landeskunde
  • Italienischsprachige Leser:
    • Film- und Fernsehen
    • Landeskunde
    • Politik
    • Islamischer Staat
    • Astronomie

Wikipedia ist neben Todesanzeiger also noch ein Blatt für Fernseh- und Filmnachrichten. Wissenschaftliche Themen schaffen es in den wenigsten Sprachen in die Top-10 der Beiträge, Themen der Politik ebenso selten. Lediglich der Islamische Staat hat es geschafft, intensiv genug auf sich aufmerksam zu machen, so dass er in die Phalanx aus Todesanzeigen, Film- und Fernsehnachrichten, die die Leser von Wikipedia dort nachfragen, einbrechen konnte.

Irgendwie stellt man sich unter einer Enzyklopädie etwas anderes als einen Todesanzeiger und ein Programmheft für Film- und Fernsehen vor…

Petition fordert Ende der Anonymität bei Wikipedia

Wer uns seit Jahren folgt, der weiß, dass wir uns vor einigen Jahren mit dem deutschen Versuch von Wikipedia beschäftigt haben, und zwar deshalb, weil unter dem Deckmantel der Online-Enzyklopädie eine Vielzahl von Ideologen ihr Unwesen treibt und versucht, die Einträge auf Wikipedia der eigenen Weltsicht anzupassen. Das führt soweit, dass lebende Personen diffamiert und denunziert werden, es führt dazu, dass Inhalte auf Wikipedia schlicht falsch sind, und es führt dazu, dass die deutschsprachige Wikipedia keine Online-Enzyklopädie ist, sondern eine Online-Möglichkeit der Verbreitung von ideologischem Unsinn aller Art.

In einem Offenen Brief, den Michael Klein und Arne Hoffmann gemeinsam an Jimmy Wales geschrieben haben, wurden vier Grundprobleme von Wikipedia identifiziert, die dazu geführt haben, dass Wikipedia zu einem Instrument in den Händen von Ideologen aller Art verkommen ist:

  • WischopediaDas Fehlen jeglicher Form von Kriterien, die das Auffinden von Information und das Schreiben von Artikeln strukturieren.
  • Die daraus resultierende Selektivität vieler, wenn nicht der meisten Artikel in Wikipedia.
  • Die feindliche Übernahme der Wikipedia durch Ideologen, die durch die zuvor beschriebenen Prozesse erleichtert wird.
  • Die negativen Anreize für bzw. das Abschrecken von fähigen, potentielle/n Autoren, die zur Wikipedia beitragen wollten, darauf aber aufgrund der ideologischen Infizierung der Wikipedia verzichten, sowie die Verschwendung von Humanressourcen und die Lähmung von Ressourcen in so genannten Editier-Schlachten.

Hinzu kommt ein Problem, das diese vier sich gegenseitig verstärkenden Probleme noch überschattet: Die Anonymität bei Wikipedia, die genutzt wird, um Nutzernamen als Tarnschild für Gruppen von Ideologen zu missbrauchen, die 24/7 darüber wachen, dass ihrer ideologischen Auslegung der Wirklichkeit keine Anpassung an dieselbe widerfährt, die Anonymität, die dazu führt, dass die Diskussionen über Beiträge auf Wikipedia unter den Wikipedianer in einer Rohheit und mit einer Aggression geführt wird, die kaum vermuten lässt, dass alle am selben Projekt arbeiten (wollen), und schließlich ist es die Anonymität von Pseudonymen wie Fiona B, Fiona Baines oder San Fran Famer, hinter der sich mehr oder weniger kleine Persönchen verstecken und ihr Mütchen dadurch kühlen können, dass sie die eigene Anonymität nutzen, um Personen, die mit ihrem Namen zu dem stehen, was sie sagen und tun, zu diffamieren und zu denunzieren.

Unsere entsprechenden Beiträge reichen in die Jahre 2012 und 2013 zurück. Der Offene Brief an Jimmy Wales stammt vom 29. Juli 2012.

Vor diesem Hintergrund freut es uns, dass wir auf eine aktuelle Petition aufmerksam gemacht wurden, die Daniel Hermsdorf gestartet hat, und deren Ziel es ist, mehr Transparenz auf Wikipedia herzustellen, und zwar dadurch, dass Texte auf Wikipedia nur noch von namentlich bekannten Personen editiert werden dürfen.

Damit greift Daniel Hermsdorf eine Forderung auf, die wir schon vor Jahren gestellt haben, und er begründet sie u.a. damit, dass die derzeitige Möglichkeit, anonym zu editieren, ein “Einfallstor für intransparente, undemokratische und manipulative Einwirkungen auf das Online-Lexikon” ist. Um die “Möglichkeit einer Manipulation von Inhalten” auf Wikipedia zu reduzieren, fordert Hermsdorft die “Aufhebung der Anonymität”.

Wikipedia Anonymitaet PetitionEine Forderung, der wir uns nur anschließen können, schon weil nicht erkennbar ist, welche Gründe diejenigen, die an einer öffentlichen Online-Enzyklopädie mitarbeiten, daran hindern sollten, ihre Identität bekannt zu machen. Die einzigen Gründe, die auf Anhieb einfallen, sind dieselben Gründe, die Mitarbeiter der Stasi gehindert haben, sich denen, die sie ausspioniert haben, zu erkennen zu geben, oder es sind Befürchtungen wie die, dass es nicht so gut angesehen ist, wenn herauskommt, dass z.B. von den politischen Vereinen der Parteien oder vom BMFSFJ finanzierte Organisationen ihre Ressourcen aus den Geldbörsen der Steuerzahler einsetzen, um eine kleine Armee von Agitateuren zu unterhalten, die auf Wikipedia dafür sorgen, dass Beiträge zu den Themen, die den entsprechenden Organisationen am Herzen liegen, auch in der politisch richtigen Ideologie abgefasst sind.

Alle, die reell und mit lauteren Motiven an Wikipedia mitarbeiten wollen, können eigentlich keinen Grund dafür haben, anonym bleiben zu wollen.

Die Petition von Damiel Hermsdort dümpelt derzeit bei rund 405 Unterzeichnern, was angesichts der angeführten Argumente unverständlich ist und unbedingt geändert werden muss.

Wir rufen deshalb unsere Leser auf, die Petition von Daniel Hermsdorf zu unterstützen.

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Kuddelmuddel der Geschlechter: Wikipedia hat Probleme mit Lann Hornscheidt

Nicht nur an der Humboldt-Universität zu Berlin hat man Probleme mit Lann Hornscheidt – auch bei Wikipedia.

Ja, bei Wikipedia!

Denn: Bei Wikipedia da hat alles seine Ordnung, seine Geschlechterordnung, und deshalb gibt es ein Problem mit dem Beitrag über Lann Hornscheidt:

Lann Hornscheidt (Kategorie:Mann oder Kategorie:Frau fehlt)”

Das ist jetzt dumm, für das Lann Hornscheidt, das doch weder das eine noch das andere sein will, sondern ein X, ein Lanx oder ein Profx oder ein Fraux oder ein Manx…

Wikipedia Lann Hornscheidt

Wikipedia Arbeitsliste – Personendatenwartung

Was also tun?

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Kategoriensystem erweitern oder
  • Kategoriensystem wegwerfen.

Prinzipiell, so schlägt einer derjenigen vor, die sich in der Diskussion um das Geschlecht von Lann Hornscheidt auf Wikipedia engagieren, und was gibt es schon wichtigeres als über das Geschlecht von Lann Hornscheidt zu diskutieren, sei es möglich, Lann Hornscheidt als intersexuell zu kategorisieren.

Intersexuell liegt, wie der Begriff schon sagt, in der Mitte zwischen männlich und weiblich, vielleicht auch nicht, vielleicht auch näher bei männlich oder bei weiblich. Wer weiß. Wo auf auf der Geschlechtsstrecke das Intersexuelle zu verorten ist, ist auch wurscht, denn wichtig ist nur: Die Verortung macht nur mit Bezug auf die Referenzgrößen männlich und weiblich Sinn. Der Dichotomie des Geschlechts, ihr ist nicht zu entkommen, nicht durch die Bezeichnung “intersexuell”.

Was also tun?

Gehen wir von Lann Hornscheidts Wunsch, als X angesprochen zu werden, aus, denn Hornscheidt will weder männlich noch weiblich sein, und des Menschen Wille ist ja bekanntlich sein Himmelreich, und zwar in- und außerhalb der Irrenanstalt.

Warum nicht neben männlich und weiblich sächlich als Kategorie einführen? Schließlich ist sächlich das dritte grammatische Geschlecht der deutschen Sprache, und wer weder männlich noch weiblich sein will, der ist dann eben sächlich: Das Lann Hornscheidt. Die Versachlichung von Lann Hornscheidt hat Vorteile, kann das Lann auf diese Weise doch der Vermaterialisierung als Geschlechtsträger entgehen.

Wikipedia Lann Hornscheidt Diskussion

Diskussion über das Geschlecht von Lann auf Wikipedia

Eine etwas radikalere Lösung greift auf die Einsicht zurück, die Jean Paul Satre hatte, als er von l’Etre et le Néant geschrieben hat, dem Sein und dem Nichts. Wer nicht geschlechtlich sein will, der wäre entsprechend nichts, was auch dem Lannschen Wunsch entgegenkommt, doch mit “X” bezeichnet zu werden. X ist in der Mathematik zwar ein Platzhalter für ein Etwas, aber – eingedenkt der Tatsache, dass Genderisten nach wie vor mit Mathematik ein Problem haben – schlagen wir dennoch vor, das X für Nichts zu setzen und Lann Hornscheidt in die eigens geschaffene Kategorie der Nichtse einzuordnen.

Ob die entsprechenden Vorschläge bei Wikipedia aufgegriffen werden, wir werden es sehen.

Man kann natürlich auch die Fixierung auf Geschlechtsteile vollständig aufgeben und die Einordnung von Personen als Mann oder Frau komplett streichen, zumal sich die Frage stellt, wofür die entsprechende Einordnung überhaupt relevant sein soll.

Aber, wir leben in seltsamen Zeiten, und eine Grundaussage des Genderismus lautet ja, dass das Geschlecht essentiell für alles ist, selbst das Denken wird vom Geschlecht beeinflusst, so behaupten einige schwärmerische Genderisten. Entsprechend wird man sich besonders in Deutschland und ganz besonders bei Wikipedia schwer damit tun, die entsprechende Kategorie einfach zu streichen.

Denn: Wo kämen wir hin, wenn Geschlecht nicht mehr erfasst würde, wenn man Artikel über Albert Einstein ohne den erhellenden Hinweis, die erhellende Kategorisierung lesen könnte, dass Einstein männlich war? Oder Jane Austen weiblich? Oder Lann Hornscheidt nichts (davon)?

“It’s not a Man’s Wikipedia, stupid”: Bias in der Forschung führt zu Bias bei Wikipedia

Nachdem uns eine Reihe von Lesern auf einen Beitrag von Claudia Wagner, David Garcia, Mohsen Jadidi und Markus Strohmaier aufmerksam gemacht haben, wollen wir dem entsprechenden sozialen Druck heute nachgeben und uns einmal mehr mit einem Text befassen, dessen Gegenstand schon dazu führt, dass wir eigentlich keine Lust haben, uns damit zu befassen (Wir haben einen bias gegen Gender-Unsinn).

desolate spotAber, wir leben im 21. Jahrhundert, und im 21. Jahrhundert ist es für einige Sozialwissenschaftler nicht mehr das Ziel, interessante und neue Ideen in die Diskussion einzuführen, zu testen und Konsequenzen abzuleiten, im 21. Jahrhunderts zeichnen sich die Sozialwissenschaften durch eine unglaubliche Langeweile aus, die nur noch dadurch übertroffen wird, dass man sich einer intellektuellen Brache gegenübersieht, in der nicht einmal kleine Ideen sprießen (Sozialwissenschaftler haben einen Bias gegen innovative Ideen).

Nein, die Landschaft ist bar allen Grüns, trist und eintönig, eine wissenschaftliche Landschaft, nach dem der Besen des politisch Korrekten darüber gefegt ist. Entsprechend sind Texte aus den Sozialwissenschaften fast nur noch Jammertexte, die einerseits zum Jammern sind, ob ihrer unterirdischen Standards, andererseits etwas bejammern: Entweder werden die Herrschaft des Kapitalismus oder des Neo-Kapitalismus und die Verwerfungen, die den Armen daraus entstehen, bejammert, Verwerfungen, die man anscheinend am besten beobachten kann, wenn man  im beheizten Büro ein üppiges Einkommen verkonsumiert, von dem Arme nicht einmal träumen können und das letztlich durch einen erfolgreichen Kapitalismus möglich gemacht wurde. Oder es wird die Herrschaft des Patriarchats oder die Benachteiligung von Frauen bejammert, wie sie sich z.B. im Dritten Andental links findet, wenn man lange genug sucht.

Der Beitrag von Wagner et al. gehört in die letzte Kategorie. Untersucht werden soll, ob in Wikipedia-Beiträgen eine Ungleichheit der Geschlechter zu finden ist. Warum auch nicht? Die brennenden Probleme unserer Zeit beginnen und enden beim Geschlechterproporz in Wikipedia.

Die Suche nach “möglichen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in Beiträge auf Wikipedia” erfolgt weitgehend als mathematische Spielerei, mit der “Ungleichheit zwischen den Geschlechtern” auf drei Ebenen analyisert werden soll:

  • betting biasCovarage Bias: Finden sich in Wikipedia und im Vergleich zu Datenbanken, die wichtige Persönlichkeiten des täglichen Lebens und der Geschichte nennen, proportional weniger Beiträge über Frauen in der Wikipedia?
  • Structural Bias: Gibt es eine höhere Wahrscheinlichkeit dafür, dass von einem Beitrag über Männer oder Frauen auf einen Beitrag von Männern (oder Frauen) verlinkt wird?
  • Lexical Bias: Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen der Beschreibung männlicher oder weiblicher Personen in Wikipedia?

Es ist für eine Welt der Klone, in der sich niemand mehr von niemandem unterscheidet, natürlich von eminentem Interessen, die dargestellten Fragen zu analysieren und weil dies so wichtig ist, nein, weil unsere Leser uns darum gebeten haben, wollen wir auch berichten, was dabei herausgekommen ist:

Coverage Bias: Es gibt keinen! Anders als von den Autoren angenommen, gibt es keine Unterrepräsentation von Frauen in Wikipedia-Beiträgen, sondern eine Überrepräsentation (was angesichts der bezahlten feministischen Schergen auch kein Wunder ist). Dieses Ergebnis widerspricht daher dem Diskriminierungs-Bias der Autoren.

Structural Bias: Sowohl Beiträge über Männer als auch Beiträge über Frauen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit auf Beiträge über Männer zu verlinken, d.h. Beiträge über Männer sind auf Wikipedia zentraler. Das ist eigentlich kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es mehr Beiträge über Männer gibt, da Männer nun einmal in der Geschichte und Gegenwart häufiger mit etwas Berichtenswertem auffallen als Frauen (dass Emma B sich nunmehr um 10 Kinder als Tagesmutter kümmert, ist nun einmal nicht berichtenswert). Darüber hinaus kann man von Cluster-Bildungen in Wikipedia-Beiträgen ausgehen, so dass es nicht verwunderlich ist, dass z.B. ein Beitrag über Erwin Schrödinger auf Max Planck und Albert Einstein verlinkt. Man könnte natürlich den Zwang einführen, dass alle Beiträge, die mit Physik zu tun haben, auf gleichviel männliche wie weibliche Physiker verweisen. Was damit, außer einer Irrelevanz, gewonnen wäre, ist allerdings ebenso fraglich, wie der Nutzen der Ergebnisse, die Wagner et al. unter die Menschheit geworfen haben.

Lexical Bias: Die Ergebnisse hier sind besonders schön: “Our lexical analysis revealed that articles about women tend to emphasize the fact that they are about women (i.e. they contain words like ‘woman’, ‘female’ or ‘lady’), while articles about men don’t contain words like ‘man’, ‘masculine’ or ‘gentleman'”. Die Frage bei solchen Ergebnissen ist immer: Was soll man damit anfangen? (Verwendbarkeits-Bias)

Zunächst einmal sind “female” und “masculine” keine Entsprechung, eher ein Beleg für einen Bias bei den Autoren, denn einem Normalsterblichen wird das Begriffspaar “männlich” und “weiblich” und nicht “maskulin” und “weiblich” einfallen.

Aus ihren Ergebnissen der “lexikalischen Analyse” schließen die Autoren, dass “männlich” das Basisgeschlecht ist, an dem weiblich gemessen wird. Wie man zu diesem Schluss kommt, wir haben keine Ahnung, es sei denn, es ist der Schluss, den man ziehen will. Glaube versetzt bekanntlich Berge, wobei die Berge in diesem Fall eher die Hürden sind, die ein methodisch sauberes Vorgehen vor eine Interpretation wie diejenige stellt, die die Autoren vornehmen.

toothpaste_personality_testMan hätte aus dem geringeren Vorkommen von “Mann” und “maskulin” auch schließen können, dass in Wikipedia vornehmlich männliche Personen vorkommen, die sich nicht in Body-Building-Studios finden lassen. Aber, aus derartigen nichtssagenden Ergebnissen quetscht halt jeder heraus, was ihm passt. So auch die Autoren, deren Bias es vorsieht, eine Benachteiligung von Frauen bei Wikipedia zu finden. Et voilá, da ist sie.

Wie gesagt, wir wissen nach wie vor nicht, welchen wissenschaftlichen Nutzen Forschung, wie die von Wagner et al. überhaupt haben soll, aber heute geht es auch nicht mehr um Nutzen, es geht um Beeinflussung, um Manipulation, ein Bemühen, dass in hanebüchenen Vorschlägen wie dem folgenden deutlich wird:

“…editors could pay particular attention to gender balance of links included in articles about men and women [also eine Link-Quote], and could adopt a more gender-balanced-vocabulary when writing articles about notable people”.

Arendt_totalitarismusDie Banalität des Alltäglichen, von der Hannah Arendt spricht und die Faschismus erst möglich macht, hier ist sie in Reinkultur zu sehen, und hier ist zu sehen, wie sie zu Lasten der Wirklichkeit geht. Wenn Erwin Schrödinger sich mit den Arbeiten von Max Planck und Albert Einstein auseinandergesetzt hat und mit Wolfgang Pauli befreundet war, wie sieht dann die vorgeschlagene Gender-Balance in den Links aus. Soll man Wolfgang Pauli tilgen und mit seiner Ehefrau ersetzen; die Arbeiten von Planck und Einstein, von denen Schrödinger losgegangen ist, unterschlagen oder ihn zum Leser von Gertrude Stein degradieren? Das Beste, was man den Autoren hier zu Gute halten kann ist, dass sie geistlose Schwätzer sind, schlicht nicht wissen, was sie daherbrabbeln.

Das gleiche gilt für das “gender-balanced vocabulary”. Nehmen wir den folgenden Auszug aus dem Beitrag über Marie Curie:

“Am 3. November schrieb sie sich als Marie Skłodowska für ein Studium der Physik an der Sorbonne ein. Unter den 9000 Studenten der Universität in diesem Jahr befanden sich 210 Frauen. Von den mehr als 1825 Studenten der Faculté des sciences waren 23 weiblich. Ihre wenigen Mitstudentinnen kamen meist aus dem Ausland, da an den französischen Mädchenschulen zu dieser Zeit die zur Baccalauréat-Prüfung notwendigen Fächer Physik, Biologie, Latein und Griechisch nicht gelehrt wurden”.

Um die Gender-Balance der Autoren herzustellen, deren Wichtigkeit sie aus dem häufigeren Vorkommen von z.B. dem Wort Frau in Beiträgen über Frauen ableiten zu können glauben, müsste man den Absatz wie folgt umschreiben:

“Am 3. November schrieb sie sich als Marie Skłodowska für ein Studium der Physik an der Sorbonne ein.”

Damit wäre nicht viel an Information verloren, aber das Gezeter der feministischen Mafia bei Wikipedia kann man sich schon gut vorstellen.

Kurz: Der Beitrag von Wagner et al. sollte schnellstens der Müllhalde der Geschichte überantwortet werden, auf dem nach unserer Beobachtung sich derzeit ein erhebliches Ungleichgewicht findet: Beiträge, die Gender zum Thema haben, finden sich überzufällig oft unter dem dort entsorgten Müll.

Wikipedia zum Gender Pay Gap: Ahnungslosigkeit trifft Ignoranz

Was fürchten Sozialwissenschaftler? de.Wikipedia. Warum fürchten Sozialwissenschaftler de.Wikipedia? Weil dort zuweilen ein Unsinn steht, der an Halbwissen und an assoziativ imaginierten Kenntnissen kaum zu überbieten ist. Nicht zuletzt deshalb reagieren die meisten Sozialwissenschaftler, die das “Wissenschaftler” und nicht das “Sozial” betonen, sehr gereizt darauf, wenn ihre Studenten de.Wikipedia zitieren, und nicht zuletzt deshalb steht in den meisten Merkblättern unterschiedlichster Hochschulen zur Art und Weise, in der eine studentische Seminar-, Bachelor- oder Magisterarbeit erstellt werden soll, in Variation immer derselbe Satz: Wikipedia ist keine wissenschaftliche Quelle!

WischopediaUnd wer für die Berechtigung der Warnung vor Wikipedia eine Begründung braucht, ein Anschauungsbeispiel, der sollte sich ansehen, was die deutsche Ausgabe der Online-Enzyklopädie, die mit einer richtigen Enzyklopädie vor allem im Bereich der Sozialwissenschaften so viel zu tun hat, wie ein Kaufladen für Kinder mit der Auslage von Edeka, zum Thema Gender Pay Gap zu sagen weiß.

Das Gender Pay Gap oder besser: das Gender Wage Gap, dazu gleich mehr, ist bekanntlich der prozentuale Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn aller männlichen und aller weiblichen Erwerbstätigen. Anders formuliert: Man wirft alle Bruttostundenlöhne der Männer in einen Topf, und zwar ohne Rücksicht auf die unterschiedliche Art und Weise, in der der jeweilige Bruttostundenlohn zu Stande kommt, tut dasselbe für die Bruttostundenlöhne der Frauen und dividiert die sich jeweils ergebende Summe durch die jeweilige Anzahl der Erwerbstätigen. Die resultierenden Werte kann man dann voneinander abziehen, um die nominale Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen zu erhalten, und man kann die Differenz auf den durschnittlichen Bruttostundenlohn der Männer prozentuieren, um den bekannten Prozentwert, der durch die Medien als unbereinigtes Gender Pay Gap geistert, zu erhalten.

Die Ausagekraft des unbereinigten Gender Pay Gaps ist gleich null, denn man vergleicht Äpfel mit Birnen, Vollzeiterwerbstätige mit Halbtagserwerbstätigen, Hochgebildete mit Niedriggebildeten und so weiter. Wer entsprechend das unbereinigte Gender Pay Gap, also die öminösen 22% für Deutschland, zitiert, der hat sich schon als Dilettant, der keine Ahnung hat, disqualifiziert. Um überhaupt etwas über ein Gender Wage Gap aussagen zu können, muss man seine Theoriengeschichte kennen und berücksichtigen, und hier beginnt die Geschichte der Ahnungslosigkeit und der Ignoranz, die sich zu einem Unsinnsartikel zum Gender Pay Gap bei Wikipedia verschworen haben.

rubbish“Die in der Analyse des Gender Wage Gap vorrangig zur Anwendung kommenden Verfahren sind die Regressionsanalyse und die Oaxaca-Blinder Zerlegung.

Bei der multiplen linearen Regressionsanalyse wird die geschlechtliche Zugehörigkeit als eine Variable unter vielen in die Analyse einbezogen und so der Beitrag einzelner Faktorengruppen zur Erklärung der Lohndifferenz untersucht.

Bei der (nach Ronald Oaxaca und Alan Blinder benannten) Oaxaca-Blinder Komponenten-Zerlegung werden empirische Untersuchungen zur Frage, welcher Anteil des Gender Wage Gap auf Diskriminierung zurückzuführen ist, vorrangig mit Hilfe dieses Verfahrens durchgeführt. Dieses Modell beruht auf der Annahme, dass sich der Entgeltunterschied additiv aus zwei Komponenten zusammensetze, von denen eine ausschließlich auf Unterschieden in bestimmten „erklärenden“ Variablen wie etwa Qualifikation und Branche (dem sogenannten Ausstattungseffekt) beruhe, die zweite hingegen ausschließlich auf einer unterschiedlichen Behandlung von Beschäftigtengruppen mit ansonsten gleichen Eigenschaften (den sogenannten Gruppeneffekt).”

Um sich zum Gender Wage Gap sinnvoll äußern zu können, muss man zunächst einmal wissen, was das Gender Wage Gap eigentlich ist. Wir haben hier die Bezeichnung Gender Wage Gap benutzt, weil es eine gute Möglichkeit darstellt, die Scharlatane unter den Gapern von den Ernsthaften zu unterscheiden. Und wenn wir bei den Ernsthaften, den Wage-Gapern, bleiben, dann müssen wir feststellen, dass zunächst ein paar theoretische Annahmen notwendig sind, um überhaupt zum Gender Wage Gap zu kommen und die theoretischen Annahmen entstammen der Humankapitaltheorie von Gary S. Becker. Das ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Feministen und andere Sozialisten, die nicht müde werden, das in ihrem Fall: Gender Pay Gap zu beschwören, auf der Humankapitaltheorie aufsetzen, denn ohne Beckers Arbeiten hätten sie nie von einem Gap erfahren, was man im Nachhinein als unglückliche Fügung der Geschichte ansehen muss.

Wie dem auch sei, Becker ist Neoklassischer Ökonom, d.h. er geht davon aus, dass man Fakten zu Darstellungszwecken vollständig im ökonomischen Modell erklären kann. Nehmen wir den Fakt der Höhe des Lohnes von Person X, dann kann dieses Gehalt nach Ansicht von Becker vollständig durch das Humankapital und die Produktivität von X erklärt werden. Person X investiert in Humankapital und kann seiner Investition entsprechend Humankapital an einen Arbeitgeber verkaufen, der wiederum das Humankapital in Produktivität umrechnet und entsprechend entlohnt, wobei mehr Humankapital mit mehr Produktivität und entsprechend höhererm Lohn einhergeht.

Diese Idee hat Jakob Mincer (1974) zu seiner berühmten Mincergleichung inspiriert, in der versucht wird, Humankapital, das man nicht direkt messen kann, in messbare Bestandteile zu zerlegen. Wenn man davon ausgeht, dass zwischen Humankapital und Gehalt eine je desto Beziehung besteht, je höher das Humankapital, desto höher das Gehalt, dann legt diese Annahme eine lineare Beziehung zwischen Humankapital und Gehalt nahe, und die einfachste Form eine solche Beziehung darzustellen, ist die Regressionsgleichung:

Gender Wage Gap

Im Fall der Mincergleichung wird das (logarithmierte – logarithmiert, um Ausreißerwerte einzuebnen) Gehalt als Funktion formaler Bildung (x1) und Arbeitserfahrung (x2) angenommen. Die Betas (ß) geben an, wie stark sich formale Bildung oder Arbeitserfahrung auf den Lohn auswirkt und z gibt an, wie groß der Anteil des Gehalts ist, der nicht über Arbeitserfahrung und formale Bildung erklärt werden kann. Entsprechend kann man auf Grundlage der Mincer-Gleichung erwarten, dass ein älterer Arbeitnehmer für eine vergleichbare Tätigkeit besser entlohnt wird, als ein jüngerer Arbeitnehmer, eben weil er über mehr Arbeitserfahrung verfügt und für ihn die Wahrscheinlichkeit, dass er Fehler macht, geringer ist als für einen jüngeren Arbeitnehmer. Dieses Alters-Gap hat bislang keinen medialen Aufruhr verursacht, im Gegensatz zum Gender-Gap, denn hier sind andere Interessen im Spiel.

Man kann die Mincergleichung nach Geschlecht zerlegen (siehe Abbildung), wobei das S hier angibt, dass mehrere persönliche Charakteristika (also Arbeitserfahrung und formale Bildung) in die Berechnung eingegangen sind. Diese Gleichung ist die Grundlage der Dekomposition, die Oaxaca vorgeschlagen hat. Oaxacas Vorschlag zerlegt die Regressionsgleichung in einen erklärten Teil, der sich in der Abbildung außerhalb der eckigen Klammern findet und einen unerklärten Teil (innerhalb der eckigen Klammern). Wer sich ein wenig mit den Gleichungen befasst, sieht, dass der ganze Zauber der Dekomposition darin besteht, für alle Charakteristika die Effektstärken (ß) für die Berechnung der Gehälter von Männern von denen der Berechnung von Frauen zu subtrahieren. Zudem subtrahiert Oaxaca die Konstanten (a) voneinander, was interessant ist, da “a” den y-Achsenabschnitt angibt, an dem die Regressionsgerade die y-Achse schneidet. Den y-Achsenabschnitt kann man als eigenschaftsfreies Anfangsgehalt interpretieren, was zu dem Schluss führt, dass Oaxaca implizit anzunehmen scheint, dass ein unterschiedliches Anfangsgehalt bei Kontrolle der Charakteristika auf Diskriminierung zurückzuführen ist.

Wie man den Ausführungen entnehmen kann, basiert das Gender Wage Gap in seiner dekompostierten zerlegten Form auf einer linearen Regression und somit auf den idealen Annahmen, die bereits Becker in seinem Modell hat, d.h. dass es möglich ist, das Gehalt, das ein Mensch für seine Arbeit erhält, vollständig als Funktion seines Humankapitals, also seiner Bildung und seiner Arbeitserfahrung in Mincers Operationalisierung zu erklären. Die ideale Modellwelt und vor allem die Fähigkeit, sie empirisch zu finden, hängt nun davon ab, nach Möglichkeit alle relevanten Charakteristika zu erfassen, die Humankapital, d.h. Arbeitserfahrung und Bildung abbilden und Gehalt erklären. Und hier trennen sich die Pfade der Wisseschaftler:

linear regressionOaxaca (1973) nimmt an, dass Humankapital durch die folgenden Variablen abgebildet wird: Bildungsstand, Arbeitserfahrung, Beruf, Wirtschaftszweig, Gesundheitsprobleme, Teilzeitarbeit, Familienstand, Region, städtisches Wohngebiet. Blinder (1973), der unabhängig von Oaxaca zu einer ähnlichen Methode der Dekomposition gekommen ist, denkt, dass die folgenden Variablen zur Operationalisierung von Humankapital taugen: Alter, Region, Bildungsstand, Ausbildungsstand, Beruf, Gewerkschaftsmitgliedschaft, Gesundheit, lokaler Arbeitsmarkt, Mobilität, Verbleib auf dem derzeitigen Arbeitsplatz (Blinder, 1973). Die erheblichen Unterschiede in den Variablen, die man in die Analyse steckt, haben entsprechende Unterschiede in den Ergebnissen zur Folge.

Das ist misslich, denn die Validität der Idee von Oaxaca und von Blinder, die Unterschiede der linearen Erklärung des Gehalts von Frauen bzw. von Männern als Diskriminierung zu interpretieren, hängt natürlich massiv davon ab, wie vollständig die Variablen erfasst sind, die Humankapital und damit Produktivität und über Produktivität Gehalt erklären. Deshalb sind sich Ökonomen, die ernsthaft mit der Erklärung von Gehaltsunterschieden befasst sind, der Relativität der Erklärung bewusst und zudem zurückhaltend, ihr Ergebnis als Diskriminierung zu interpretieren. Dass die Höhe des Gender Wage Gaps von den Variablen, die im Modell berücksichtigt wurden, abhängig ist, hat Oaxaca selbst thematisiert:

„It is clear that the magnitude of the estimated effects of discrimination crucially depends upon the choice of control variables for the wage regression. A researcher’s choice of control variables implicitly reveals his … attitudes towards what constitutes discrimination in the labour market”(Oaxaca, 1973: 699).

Das ist eine sehr nette Umschreibung dafür, dass die von Oaxaca erdachte Methode für ideologischen Missbrauch sehr anfällig ist, denn die “attitude towards discrimination” kann den einen vermeintlichen Forscher davon abhalten, eine Variable zu berücksichtigen, die ein anderer Forscher berücksichtigt hat. Wie dem auch sei: Die Werte, die am Ende der Dekomposition stehen, können nicht als nominale Werte interpretiert werden und schon gar nicht eignen sie sich, um Mythen über das Ausmaß des Gender Wage Gaps zu spinnen – es sei denn, man will die Gender Wage Forschung als Gender Pay Mythos für seine Zwecke missbrauchen.

Das bringt uns zurück zum Beitrag auf Wikipedia.

Wie die oben zitierte Passage aus Wikipedia vor dem Hintergrund der zugegebener Maßen ausführlichen Darstellung zeigt, sind die Autoren des Wikipedia Artikels weitgehend mit Ignoranz und Ahnungslosigkeit geschlagen.

Sie sind der Meinung, die Oaxaca Komponenten Zerlegung müsse von einer multiplen Regression unterschieden werden, obwohl die Methode von Oaxaca gerade auf den Ergebnissen einer multiplen Regression aufbaut.

Sowohl die Methode von Blinder als auch die Methode von Oaxaca beruhen, wie das Zitat von Oaxaca deutlich macht, nicht auf der simplen Zerlegung in erklärten Gehaltsunterschied und Diskriminierung, sondern auf einer Vielzahl von Annahmen, von denen die Annahme, es sei möglich, die Variablen, die einen Einfluss auf Humankapital und Produktivität haben, im Modell alle zu berücksichtigen, mitnichten die einfachste ist.

Darüber hinaus werden nicht Entgeltunterschiede “erklärt”, es wird Entgelt erklärt und in der Dekomposition werden die Effektstärken der jeweiligen Erklärung für Männer und Frauen voneinander substrahiert.

Die Ahnungslosigkeit darüber, was bei der Analyse des Gender Wage Gaps eigentlich geschieht, schlägt sich in einer Vielzahl von Fehlern im Beitrag zum Gender Pay Gap nieder, von denen hier nur einige angsprochen werden sollen:

  • nonsense2de.Wikipedia: “Die Arbeitsmarktsegregation, d.h. Frauen und Männer arbeiten tendenziell in verschiedenen Wirtschaftssektoren oder Branchen, und die Unterbewertung der Arbeit von Frauen werden von der Europäischen Kommission als wichtige Gründe für den Gender Pay Gap angegeben. Untersuchungen zeigen, dass Berufe, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, im Durchschnitt schlechter bezahlt sind als von Männern dominierte Berufe.”
  • Tatsächlich: Die Berechnung des Gender Wage Gaps basiert auf dem theoretischen Gerüst der Humankapitaltheorie. Was hier auf Wikipedia wie eine Diskriminierung durch Strukturen, das Patriarchat oder einen sonstigen Bösewicht daherkommt, ist in der Humankapitaltheorie das Ergebnis individueller Entscheidungen: Weil die meisten Frauen damit rechnen, ihre berufliche Karriere an irgend einem Punkt zu unterbrechen, um der Pflege des Nachwuchses willen, investieren sie nicht im gleichen Ausmaß in ihre Karriere wie Männer. Sie wählen Berufe, für die allgemeines Humankapital, das leicht transferierbar ist, ausreicht und meiden Berufe, in denen spezielles Humankapital, das mit Arbeitserfahrung und Commitment erreicht wird, benötigt wird. Spezielles Humankapital ist für Unternehmen wertvoller als allgemeines Humankapital, da man einen BA für soziale Arbeit leicht mit einem anderen BA für soziale Arbeit ersetzen kann, es jedoch mit hohen Kosten verbunden ist, den Spezialisten im Unternehmen, der die Programmierung von CNC-Geräten beherrscht, zu ersetzen. Entsprechend wird spezielles Humankapital besser bezahlt als allgemeines Humankapital. Das ist nicht verwerflich und schon gar keine Diskriminierung, ergibt sich vielmehr daraus, dass spezifisches Humankapital einfach wertvoller ist. Spezifisches Humankapital findet sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Investitionsentscheidungen öfter bei Männern als bei Frauen.
  • de.Wikipedia: “Die unterschiedliche Bildungs- und Berufswahl von Frauen und Männern wird durch geschlechtsspezifische Stereotypen beeinflusst.”
  • In Deutsch: Frauen treffen Lebensentscheidungen, die manchen Autoren bei de.Wikipedia nicht passen. Mit Diskriminierung hat das überhaupt nichts zu tun, und die Stereotypisierung, so sie vorhanden ist, mag man beklagen, aber man wird akzeptieren müssen, dass manche Frauen, wie Catherine Hakim (2000) gezeigt hat, rund 20% der weiblichen Bevölkerung, es vorziehen, in Familie und nicht in Karriere zu investieren.
  • de.Wikipedia: “Der Einfluss des privaten Engagements für die Familie auf Leistung einerseits und auf berufliche Karriere und Einkommen andererseits ist Gegenstand zahlreicher Studien. Die Europäische Kommission führt als einen der wichtigsten Gründe für den Gender Wage Gap die ungleiche Verteilung der Aufgaben in der Familie und Pflege, die weitgehend von Frauen getragen werden, an. […] US-Forscher bezeichnen die durchschnittlichen, mit Kindern verbundenen Einkommensverluste als „Mutterschaftsstrafe“ („motherhood penalty“). Diese Einkommenverluste sind auch nach der statistischen Kontrolle anderer relevanter Faktoren wie z. B. Bildung, Erfahrung, Voll- oder Teilzeitarbeit und Ethnizität vorhanden”
  • Wenn die Europäische Kommission auf den Einfluss “des privaten Engagements” für Kinder hinweist und US Forscher auf einen Einkommensverlust von Müttern, wenn sie denn wieder arbeiten, hinweisen, dann muss festgestellt werden, dass niemand gezwungen wird, Kinder in die Welt zu setzen. Wenn eine Entscheidung zur Mutterschaft getroffen wird, dann geht damit ein Verlust von Humankapital einher (U.a. Wikipedia gebührt das Verdienst darauf hingewiesen zu haben und Frauen darin zu ermutigen, nicht in spezielles Humankapital zu investieren), denn die Zeit außerhalb des Arbeitsmarktes ist eine Zeit, in der man sein Humankapital nicht erhöhen kann, insbesondere nicht das spezifische Humankapital, das Gehaltsvorteile verschafft und in das Mütter ohnehin nicht investieren. D.h. die arbeistlose Zeit, in der sich Mütter um den Nachwuchs kümmern, ist eine Zeit, in der sie relativ zurückfallen, denn ihr ohnehin nur allgemeines Humankapital verliert weiter an Wert, da Männer, die in der Zeit, in der Frauen Mutter sind, arbeiten, ihren Abstand zu den Müttern mit Blick auf das Gehalt vergrößern. Auch das hat nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern damit, dass man nicht alles gleichzeitig machen kann und entsprechend zu den Entscheidungen und den Konsequenzen, die damit einhergehen, stehen muss.

Nonsense on stiltsDer Beitrag zum Gender Pay Gap auf de.Wikipedia zeichnet sich also durch ein munteres Durcheinander aus, das mit einer Darstellung der Diskussion zum Gender Pay Gap nichts zu tun hat und nicht einmal dann, wenn man verquere Ansätze wie den Devaluations-Ansatz oder die feministische Geschlechtsrollentheorie berücksichtigt, die von nicht-Ökonomen ersonnen wurden, um eine ökonomische Variable zu erklären, dem Stand der Forschung enstprechen. Der Beitrag vermittelt vielmehr den Eindruck von nicht-Können, von Ahnungslosigkeit gepaart mit Ignoranz, ein Eindruck, der durch das zwanghafte zitierten von OECD, Europäischer Kommission und sonstiger offizieller Quellen, von denen man nicht gerade objektive und schon gar keine korrekten Darstellungen zu ideologischen Themen erwarten kann, noch verstärkt wird.

Das Bild des ideologischen Durcheinanders, das nicht nur der ökonomischen, sondern auch der soziologischen Forschung zum Thema Gender Wage Gap Gewalt antut, wird dadurch abgerundet, dass sich unter den Bearbeitern bezahlte Aktivisten wie Fiona B. (aka Fiona Baine, aka Fiona) finden, die ihre nicht vorhandenen Kenntnisse von Fakten (wir wissen ja seit einer in Mannheim preisgekrönten Publikation, dass Frauen genetisch an der Kenntnis von Fakten ge-, be- oder verhindert sind) durch ideologische Agitation auszugleichen versuchen. Was dabei herauskommt, ist ein Unsinn, der den Schluss nahe legt, dass das Projekt Wikipedia zumindest in Deutschland gescheitert ist.

Schließlich geht es um Aggregate, wenn von Männern und Frauen die Rede ist. Aggregate haben in der Regel die Angewohnheit sich innerhalb der Gruppen, die verglichen werden, stärker zu unterscheiden als zwischen den Gruppen. Mit anderen Worten: Der Gehalts-Gap zwischen einer Mausschubserin, die tagelang verzweifelt versucht, von einer Maske in die nächste zu kommen und der Putzfrau, die in der Zwischenzeit das Büro der Mausschubserin erkennbar reinigt, ist vermutilch höher als das Gap zwischen Männern und Frauen, nur thematisiert es niemand, weil Putzfrauen nicht einmal unter Staatsfeministen eine Lobby haben, die kennen nämlich nur sich und ihre eigenen Vorteile.

Literatur

Becker, Gary S. (1996). The Economics of Life. From Baseball to Affirmative Action, to Immigration. How Real-World Issues Affect our Everyday Life. New York: McGraw-Hill.

Becker, Gary S. (1976). The Economic Approach to Human Behavior. Chicago: University of Chicago Press.

Blinder, Alan S. (1973). Wage Discrimination: Reduced Form and Structural Estimates. Journal of Human Resources 8(4): 436-455.

Hakim, Catherine (2000). Work-Lifestyle Choices in the 21st Century. Oxford: Oxford University Press.

Mincer, Jacob (1974). Schooling, Experiences and Earnings. Cambridge: National Bureau of Economic Research.

Oaxaca, Ronald L. (1973). Male-female Wage Differentials in Urban Labour Markets. International Economic Review 14(3): 693-709.

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