Sprachwissenschaft und österreichische Juristinnen: Weil nicht zusammengeht, was nicht zusammenpasst

Seit Jahrzehnten nun, versuchen Genderisten, die Realität zu verändern. Denn: in der Realität gibt es nicht nur eine klare Vorstellung darüber, dass Geschlecht nicht nur sozial bestimmt ist, sondern auch irgend etwas mit Biologie zu tun hat, in der Realität gibt es auch eine klare Sprachkonvention, die den Genderist*_Innen, wie Sie gerne beschrieben werden wollen, nicht gefällt.

LMU GendersprechUnd deshalb versuchen sie Sprache zu gendern. Also normal verständliche Sätze: “Da steh’ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor. Heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr, herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum.” In: “Da steh’ ich nun, ich arme_*r Tor_*In, und bin so klug als wie zuvor. Heiße Magister*_In, heiße Doktor*_In gar, und ziehe schon an die zehen Jahr, herauf, herab und quer und krumm meine Schüler*_Innen an der Nase herum”, umzuformen.

Diese Form der Verballhornung von Sprache, so schreibt der Verein österreichischer Juristinnen in einer Stellungnahme, auf die uns ein Leser von ScienceFiles aufmerksam gemacht hat, diene der “Verständlichkeit und Präzision” und die dargestellte Schreibweise habe sich “im Alltagsgebrauch als eine wesentilche Variante der Sichtbarmachung der weiblichen und männlichen Form etabliert” (2).

Kennen Sie Beispiele aus dem Alltagsgebrauch, also außerhalb esoterischer Zirkel, die die entsprechende Verstümmelung von Sprache benutzen, um ihre Zusammengehörigkeit gegen die Fremden da draußen, die nicht Angehörigen des Sprachkults, zu dem sie sich zählen, deutlich machen? Wir nicht. Aber sei’s drum, eine Regel im psychiatrischen Umgang mit neurotischen Patienten besteht ja darin, sie langsam von ihrer Neurose zu entwöhnen und sie deshalb zunächst nicht mit der Absurdität ihrer Position zu konfrontieren.

Entsprechend wollten wir uns auch an diese Regel halten, aber die Stellungnahme der österreichischen Juristinnen ist einfach zu schön, als dass man sie an sich vorbeiziehen lassen kann.

Nuts in BedlamDie Stellungnahme wurde übrigens abgegeben, um gegen den Vorschlag des Österreichischen Normeninstituts Front zu machen, das im aktuellen Entwurf zur ÖNORM A 1080 vorschlägt, Texte so zu gestalten, dass sie auch vorlesbar sind, was sowohl den Schrägstrich als auch das BinnenI z.B. aus Titeln und Bezeichnungen auschließt. Dagegen laufen in Österreich Genderisten Sturm, die es vorziehen, einen Kollektivbegriff so zu interpretieren, dass damit nur männliche Bürger angesprochen seien. Um die aus dieser eigenen Interpretation resultierende eigene Minderwertigkeit und den zugehörigen Komplex zu überwinden, soll deshalb nicht von Bürgern, sondern von BürgerInnen die Rede sein, was wieder anderen nicht gefällt, die sich nur von Bürger_innen angesprochen fühlen, oder war es Bürger_Innen? Wie dem auch sei, hier fehlen wieder anderen die Transgender-Menschen, die ja bekannter Maßen an jeder Straßenecke stehen und sich über ihre sprachliche Nichtberücksichtigung beklagen, weshalb aus Bürger_Innen Bürger*_Innen werden soll, damit auch alle berücksichtigt sind, die derzeit als berücksichtigenswert angesehen werden.

Doch zurück zur Stellungnahme der österreichischen Juristinnen, die wirklich einige sprachliche Perlen enthält, deren Besprechung wir zwei Feststellungen vorausschicken wollen:

  • juristinnenLogo_endversionEs gibt in allen Sprachen Kollektivbegriffe und die Unterscheidung zwischen grammatikalischem und biologischem Geschlecht. Ein Trottel kann entsprechend weiblich oder männlich sein (biologisches Geschlecht) obwohl er im Singular ein männliches grammatikalisches Geschlecht aufweist. Dass die Trottel im Plural zu weiblich wechseln hat nun mit Transgender nichts zu tun und auch keinen Bezug zum österreichischen Verein der Juristinnenn, es liegt schlicht an der Sprachkonvention, die sich über Jahrhunderte herausgebildet hat (Oder wie ist es mit “die Person”, die in Singular und Plural weiblich ist und entsprechend Männer generell ausschließt, wenn man die verqueren Behauptungen von Genderisten einmal ernst nimmt.)
  • Sprachwissenschaft untersucht die Form, die Grammatik, die Etymologie und die Verwendung von Sprachen. Wenn, wie in der Stellungnahme der österreichischen Juristinnen, auf Studien Bezug genommen wird, die untersuchen, welche kognitiven Assoziationen sich mit Begriffen verbinden, dann ist dies eine psychologische, keine sprachwissenschaftliche Forschung. Zu den schrägen Studien, die die österreichischen Juristinnen hier anführen, werden wir uns in einem der nächsten Posts äußern, wenn wir genug Stamina entwickelt haben, um uns mit diesem wirklich sehr dunklen Kapitel angeblich wissenschaftlicher Forschung (in den USA nennt man diese Art der Forschung mittlerweile junk science) zu befassen.

Nun endlich zur Stellungnahme.

Gleich zu Beginn steht der folgende Satz:

“Bevor auf die einzelnen Punkte des og. Entwurfs eingegangen wird, ist grundsätzlich anzumerken, dass der im Entwurf an mehreren Stellen erfolgte Vorschlag, die männliche Formulierung für die Bezeichnung aller Geschlechter als „allgemeingültige Form“ zu verwenden, aus Sicht des VöJ klar abzulehnen ist. Die dadurch erfolgte – nicht neue, aber definitiv mit der modernen Realität nicht mehr konforme – Konstruktion von „männlich“ als Norm (und damit Gleichsetzung von Mann = Mensch) macht die Notwendigkeit einer tatsächlich geschlechtergerechten Sprache einmal mehr deutlich” (1).

Logik f dummiesWer es also schriftlich gebraucht hat, dass Mann und Mensch nicht gleichzusetzen ist, dem haben es die österreichischen Juristinnen gerade geliefert. Männer sind demnach keine Menschen, und wer als Mann gerade eine österreichische Juristin als Verteidiger oder Vertreter in einem Zivilprozeß engagiert hat, sollte sich das noch einmal gründlich überlegen. Da nach der queeren Logik der Genderisten Männer keine Person (die Person und die Personen) sein können, ist diese Aussage eigentlich nicht verwunderlich, macht aber deutlich, dass Juristen sich der Frage widmen sollten, welchen Status im Hinblick auf “Personenrechte” Männer eigentlich noch einnehmen.

Es ist schon erstaunlich, wie wenig mit Sprache gerade diejenigen umgehen können, die wie die österreichischen Juristinnen am lautesten schreien, wenn es darum geht, anderen vorzuschreiben, wie sie zu schreiben und sprechen haben (vermulich war “Mensch = Mann” und nicht “Mann = Mensch” gemein). Soll hier die eigene Behinderung zur Norm erhoben werden, damit sie nicht mehr auffällt? Das würde zum oben angesprochenen Minderwertigkeitskomplex derer passen, die der Ansicht sind, sie seien aus Kollektivbegriffen ausgeschlossen.

Dass die österreichischen Juristinnen auch mit der Sprachlogik, noch so ein Ding, mit dem sich Sprachwissenschaftler befassen sollten, ein Problem haben, wird deutlich, wenn man zwei Textstellen, zwischen denen einige Textpassagen liegen, mit einander in Verbindung bringt. So heißt es an einer Stelle im Text:

Sprache soll Realität abbilden und daher verständlich sein. Eine Sprache, die lediglich männliche Formulierungen verwendet, wenn es tatsächlich um Männer und Frauen geht, bildet weder die Realität ab, noch ist sie verständlich: zahlreiche sprachwissenschaftliche Studien belegen, dass Texte, die ausschließlich die männliche Sprachform verwenden, bei Rezipienten und Rezipientinnen eine kognitive Überrepräsentanz von Männern bei gleichzeitiger gedanklicher Nichteinbeziehung von Frauen erzeugen. Frauen werden daher eben nicht „mitgemeint“ (2).

Einige Zeilen später liest man:

Im Zusammenhang mit geschlechtersensibler Formulierung ist darauf zu verweisen, dass weibliche Sprachformen, obwohl der männlichen Form ja angeblich „allgemeine Bedeutung“ zukommt, ja durchaus allgegenwärtig verwendet werden – und zwar vor allem in jenen Konstellationen, wo es geschlechterstereotyp „passend“ erscheint, also beispielsweise „Kindergärtnerinnen“ oder „Putzfrauen“. (3)

Was nun? Soll Sprache Realität abbilden und verständlich sein oder nicht? Vielleicht können sich die österreichischen Juristinnen, die sich aus welchen Gründen auch immer “Juristinnen” und nicht Jurist*_innen nennen, entscheiden. In der Realität ist es nun einmal so, dass Kindergärtnerinnen rund 90% der Beschäftigten in Kindergärten ausmachen. Entsprechend sprechen Menschen, die mit der Realität konfrontiert sind und denen es nicht darum geht, eigene Phantasien auszuleben, die mit der Realität nicht stimmig zu bekommen sind, ganz selbstverständlich von Kindergärtnerinnen.

Und dann finden sich auch männliche Putzfrauen, ein Unding für die österreichischen Juristinnen, und dennoch eine ganz einfache sprachliche Sache, denn Putzfrau sagt nicht, dass alle Putzfrauen weiblich sind, Putzfrau ist ein Kollektivbegriff, der etwas über die Funktion desjenigen aussagt, der die Position “Putzfrau” ausfüllt, und rein gar nichts über sein Geschlechtsteil.

Um es einmal wieder zu wiederholen: Nur Manische sehen überall Geschlechtsteile.

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Schließlich, um die Sache rund zu machen, gibt es noch ein logisches Problem, das die österreichischen Juristinnen lösen sollten: Wenn, wie sie behaupten, Frauen in Bürger, Gärtner oder Hauswart nicht mitgemeint sind, da die Begriffe sich durch ein männliches grammatikalisches Geschlecht auszeichnen und angeblich die Assoziation “männliches Geschlecht” auslösen sollen, dann ist die logische Konsequenz dieser Behauptung, dass Männer sich in weiblichen Pluralen wie “die Bürger”, “die Österreicher”, “die Römer” nicht “mitgemeint” fühlen können und entsprechend eine männliche Ergänzung zum weiblichen Plural notwendig wäre.

Vielleicht sollte man langsam darüber nachdenken, Sprachneurotiker in geschlossene Anstalten zu stecken, wo sie sich so lange gegenseitig in _innen, der/die und mit so vielen * wie sie wollen ansprechen können, bis sie der verbliebene Verstand auch noch verlassen hat und sie vielleicht das Zeitliche segnen. In jedem Fall lautet unser Vorschlag an österreichische Menschen (Männer ausdrücklich eingeschlossen), die einen Anwalt brauchen, Fragen Sie, ob Ihr Anwalt Mitglied im Verein österreichischer Juristinnen ist. Wenn ja, suchen Sie sich einen anderen, denn entweder, sie verstehen nicht, was die entsprechende Juristin da schreibt, weil es schlicht unlesbar ist oder weil sie nicht logisch denken kann oder weil sie sie nicht als Mensch ansehen kann.

Noch ein paar Punkte zum Abschluss:

  • Wenn irgendwelche Unnormalen ihre unnormale Interpretation von Sprachbedeutung nutzen wollen, dann dürfen Sie das gerne tun, so lange sie nicht anfangen, andere damit zu penetrieren.
  • Wenn die Unnormalen aber damit anfangen, Dritten vorschreiben zu wollen, wie sie Sprache benutzen, wenn sie diesen Dritten vorgeben wollen, was sie bei Kollektivbegriffen zu denken haben, dann ist die Grenze zum Faschismus überschritten , und das ist nicht hinnehmbar.
  • Wenn jemand bei Gärtner lieber an männliche Gärtner denkt, dann ist das seine Freiheit und seine Angelegenheit und kein Dritter hat das Recht, sich hier einzumischen.
  • Wieso nehmen sich eigentlich österreichische Juristinnen das Recht, Dritten vorschreiben zu wollen, was sie zu denken und wie sie zu sprechen haben?
  • Was haben Juristinnen überhaupt mit Sprachkonventionen zu tun? Sie werden dafür bezahlt, Recht auszulegen, nicht dafür, sich zu Dingen zu äußern, von denen sie nachweislich keine Ahnung haben.
  • Was gedenken österreichische Juristinnen mit Menschen zu tun, die sich weigern, ihre Sprachverballhornung mitzumachen?

Schließlich: Dieser alte Hut, der bereits in den 1970er Jahre niemanden interessiert hat, sollte nun wirklich ad acta gelegt werden. Aber anscheinend denken Genderisten, wenn sie alle 10 Jahre denselben Unsinn aufwärmen, würde das Gelächter über ihre Sprachunkenntnis irgendwann verstummen. Da die Fälle von Alzheimer derzeit zunehmen, stellt sich uns die Frage, ob die Zunahme einen Zusammenhang aufweist mit den zyklisch wiederkehrenden Versuchen von Genderisten, die Sprach-Realität zu etwas anderem zu verbiegen oder ob Alzheimer am Ende gar kein Krankheitsbild ist, sondern Ergebnis der gesellschaftspolitischen Entwicklung in einer bestimmten Generation.

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