Man kann den Unsinn gar nicht so schnell verarbeiten, wie er auf einen einprasselt

Unser Mailbox quillt derzeit über von Verweisen auf Unsinn, der an Universitäten betrieben wird. Wir können gar nicht alles abarbeiten, was sich derzeit ansammelt. Weil wir langsam Genickstarre vom Kopfschütteln bekommen, wäre es nett, wenn wir auch ab und zu Hinweise auf gute wissenschaftliche Studien erhalten würden (Ja, wir wissen, das ist nicht einfach. Aber es gibt sie doch!).

Wie dem auch sei, drei besonders frappante Beiträge aus der bunten Welt wissenschaftlichen Unsinns, wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten und zumuten. Beginnen wir doch mit dem hier:

HU-BerlinWas wir* und dixs Studierxs kritisieren, ist zum Beispiel die Re_produktion von problematischen Wörtern wie zwei Be_griffe die mit “W” und “S” beginnen, wir* aber nicht re_produzieren wollen, da diese kolonialrassistisch und somit diskriminierend für Schwarze und People of Color und gleichzeitig privilegierend für weiße Menschen sind. Sowohl Kant und Humboldt, als auch Rousseau benutzten diese Worte häufig und auch der Professor benutzte diese in der Vorlesung. Auf den Hinweis des rassistischen Hintergrunds dieser W_orte antwortete dieser mit Bagatellisierung und Verneinung des Sachverhalts.

Ein weiteres Beispiel ist das unkritische Re_produzieren von stereotypen Geschlechterbildern und “gesunden Körpern”- hier wurden die Autoren nicht innerhalb des problematischen historischen Kontextes betrachtet, sondern aus diesem herausgelöst. Diese Vorgehensweise führt unweigerlich zu dem problematischen Kontext der heutigen Gesellschaft.”

Diesen unlesbaren Unsinn, den Leute geschrieben zu haben scheinen, für die die deutsche Sprache nicht Muttersprache ist, und den wirklich niemand, der bei normalem Verstand ist, verstehen kann, hat uns jemand kommentarlos und anononym in die Mailbox geknallt. Wir können zwar verstehen, dass man, wenn man einen derartigen Unsinn gelesen hat, benommen ist, aber für eine Anrede sollte es dennoch reichen.

Wie dem auch sei, wir können aus der Ansammlung von Worten, durch spracharchäologische Anstrengungen rekonstruieren, dass es Begriffe gibt, die mit “W” und “S” beginnen, die so furchtbar sind, dass sie von denen, die den oben zitierten Unsinn zusammengeschrieben haben, nicht wiederholt werden, weil sie nämlich “kolonialrassistisch” und somit diskriminierend für “Schwarze und People of Color” sind (also offensichtlich kann man das “S”-Wort doch schreiben…).

Dieser triefende Paternalismus selbsternannter Schutzengel der Schwarzen und aller sonstigen “People of Color” ist an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten. Mehr haben wir dazu nicht zu schreiben. Nunmehr erteilenwir Puff Daddy and the Notorius B.I.G. das Wort:

[…]

Da gibt es also an der Humbold-Universität Berlin, von der dieser Unsinn stammt, Gören, die denken, sie müssten Schwarze vor Kolonialrassismus schützen. Man glaubt es nicht.

Und weiter im Text und mit einem Verweis auf ein Blog mit dem Namen “Ernstfall.org”. Und siehe da, die Humbold Universität beschäftigt derzeit nicht nur uns, nein, die Berliner Unsinnsfabrik liefert derzeit Unsinn in Mengen, die ausreichen, um die ganze deutsche Blogosphäre zu beschäftigen (naja, fast.). Von all dem Humbold-Universitäts-Unsinn, der im Post auf Ernstfall.org verarbeitet wird, haben wir uns für diese Passage entschieden:

ice cube“Der Begriff weiß ist kleingeschrieben und kursiv gesetzt (bzw. in kursiv gesetzten Abschnitten nicht-kursiv geschrieben), da es sich um eine analytische Kategorisierung von über (Kolonial)Rassismus privilegierten Personen und entsprechenden sozialen Positionierungen handelt. weiß ist also in dieser Lesart keine Identitätskategorie und auch keine mögliche kritische Verortung, sondern Resultat rassismuskritischer Analyse der durch Rassismus privilegierten Positionierung und Resultat antirassistischer Politiken”.

Mike Tyson“Die Großschreibung von Schwarz verweist auf die Strategie der Selbstermächtigung und zeigt das symbolische Kapital des Widerstandes gegen Rassismus an, welches rassistisch markierte Menschen und Kollektive sich gemeinsam erkämpft haben. …Über die Schwarze Position wird die Analysekategorie weiß hergestellt. Sie sind absolut asymmetrisch zu lesen.”

Die Selbstermächtigung, die hinter dieser Begriffskonstruktion steckt, ist atemberaubend. Nicht nur, dass die Berliner Gören von der Humbold Universität, die diesen Unsinn schreiben, denken, sie müssten Schwarzen unter die Arme greifen, weil die nicht zum Selbtsschutz fähig sind und entsprechend der Unterstützung von ausgerechnet weißen Gören aus Berlin bedürfen, nein, sie sehen auch ihre Begriffsdeutung als einzig richtige Deutung an.

Manchmal hat man so Phantasien, z.B. die Phantasie, wir würden die weißen Gören in einem Raum sperren, und zwar zusammen mit Ice Cube, Mike Tyson und Admiral Tibet, und dann sollen die weißen Gören den Dreien einmal erzählen, dass sie von weißen Kolonialrassisten unterdrückt werden.

Und damit dieser Post nicht zur Unsinnsparade von der Humbold-Universität wird, obwohl wir natürlich nicht umhin kommen zu fragen, was derartiger Unsinn an Universitäten zu suchen hat, eine Frage, die im Hinblick auf die Humbold-Universität immer schwerer fällt, denn die Humbold-Universität ist derzeit offensichtlich eine geschlossene Anstalt, an der Sprachpsychosen und weiße Minderwertigkeitskonflikte aller Art ausgelebt werden können, und zwar auf Steuerzahlerkosten, deshalb haben wir noch einen Nicht-Humbold-Universitäts Unsinn.

Es handelt sich um einem Preis – ausgelobt von IPRI – International Performance Research Institute gGmbH. Seit 2009 verleiht IPRI den Peter Horváth Controlling Preis. Die Kriterien der Verleihung werden wie folgt angegeben:

“Der Péter Horváth-Controllingpreis ist mit 25.000 Euro dotiert. Für eine Auszeichnung kommen deutsch- und englischsprachige Dissertationsschriften in Frage, die von einer betriebswirtschaftlichen Fakultät in Deutschland, Österreich oder der Schweiz angenommen und mindestens mit der Note ‚Magna cum laude‘ abschließend bewertet wurden. Der Abschluss des Promotionsverfahrens darf zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht länger als 12 Monate zurückliegen.”

Also, wer eine Dissertation geschrieben hat, einreichen! Alles wird genommen, was “Magna cum laude” ist. Weitere Kriterien gibt es nicht. Und natürlich hat uns diese Ausschreibung an die unschätzbaren sprachlichen Beiträge erinnert, die Peter Horváth der wissenschaftlichen Gemeinde hat angedeihen lassen, Beiträge wie den folgenden:

Controlling ist: „funktional gesehen – ein Subsystem der Führung, das Planung und Kontrolle sowie Informationsversorgung systembildend und systemkoppelnd koordiniert und auf diese Weise die Adaption und Koordination des Gesamtsystems unterstützt. Controlling stellt damit eine Unterstützung der Führung dar: es ermöglicht ihr, das Gesamtsystem ergebniszielorientiert an Umweltveränderungen anzupassen und die Koordinationsaufgaben hinsichtlich des operativen Systems wahrzunehmen“ (Horváth, 1994: 151)

Wenn Sie also demnächst systembildend und systemkoppelnd einkaufen, also z.B. Spaghetti, Tomatensauce und Chillies, die systemgekoppelt, dann systembildend wirken und Spaghetti arrabiata ergeben, dann haben sie im Hinblick auf eben diese Spaghetti arrabiata, also im Hinblick auf das Gesamtsystem ergebniszielorientiert eingekauft. Vor allem ergebnis-, aber auch zielorientiert, aber vielleicht doch mehr ziel-, als ergebnisorientiert, wer weiß. Und wenn Sie noch das Sonderangebot von Aldi genutzt haben, muss man Ihnen sogar zugestehen, dass sie sich an Umweltveränderungen anpassen, ergebniszielorientiert natürlich.

Das wäre dann zumindest für uns preisersparnisverdächtig.

Horváth, Peter (1994). Controlling. München: Vahlen.

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16 Responses to Man kann den Unsinn gar nicht so schnell verarbeiten, wie er auf einen einprasselt

  1. Momo says:

    Bei Aldi gibt es leider keine Chillies, ein bisschen besser recherchieren, bitte!

  2. heureka47 says:

    Die Produktion von UNSINN wächst logischerweise ebenso exponentiell wie die zivilisationsgesellschaftliche geistige Störung, die in der Soziologie als (die) “Kollektive Neurose” bekannt ist. Allerdings können die allermeisten Soziologen (Wissenschaftler) das wahre Ausmaß der Störung nicht erkennen – aus eigener Befallenheit und Beeinträchtigung; denn es handelt sich bei dieser – sehr komplexen – Störung u.a. auch um eine “Erkenntnis-Störung”, die von Heinz von Förster in seinem Buch “Wissen und Gewissen” (1992) zutreffend unter dem Titel “Dysgnosie” beschrieben wurde.

    Das “Wurzelwerk” dieser Störung liegt – wie bei Pflanzen üblich – allermeist unsichtbar im Untergrund. Wo wir es mit “Bewußtsein” zu tun haben, nennen wir den “Untergrund” zumeist “Unter-Bewußtsein”.

    Oberhalb des “Untergrundes” sehen wir die “Auswirkung” der Wurzeln, die sichtbare Pflanze. Im Bereich von gesundheitlichen Störungen nennen wir das üblicherweise “Symptome”.

    Die Symptome der “Kollektiven (Zivilisations-)Neurose” sind sehr vielfältig:

    – indviduelle Krankheiten / Störungen / Fehlentwicklungen;
    – Störungen zwischenmenschlicher Beziehungen und der Kindererziehung;
    – die “Globale Krise”;
    – wiederholtes Ausbrechen “Kollektiver Psychosen” bis hin zur Intensität von Weltkriegen.

    Die GRUNDLEGENDE Heilung der “Kollektiven (Zivilisations-)Neurose” ist in jedem Einzelfall – und daher auch kollektiv – möglich, und zwar auf die völlig natürliche Weise: Durch den Prozeß der Bewußtseins-(WEITER- / HÖHER-)Entwicklung der INITIATION (incl. Ascension), dem “Übergangsritual”, in dem es darum geht, vom KIND zum (wahren) ERWACHSENEN zu werden.

  3. Meier, Hans (Kempten) says:

    Ich schlage vor einen neuen Zweig der Soziologie: Eine Soziologie der produzierten Ideen.
    Untersuchen muss Sie, was passiert, wenn Menschen dafür bezahlt werden, dauernd neue Ideen zu bestimmten Bereichen zu entwickeln. Das würde cdann umfassen:

    – wissenschaftliche Projekte im Zeitalter der Drittmittelbelohnung
    – wissenschaftliche Publikationen im Zeitalter des Publikationsdrucks.- Dabei geht es nicht mehr darum, etwas auf den Lesemarkt zu werfen, was Leser interessieren könnte, auch nicht mehr um Anerkennung in einer kleinen elitären Fachgemeinde, sondernm um Texte, die nur noch dazu da sind, einen weiteren Posten auf Publikationslisen zu bilden.
    – gender-Ideen und -Projekte
    – bürokratische Projekte aller Art
    – Gesetzesentwürfe von Parlamentariern, die stolz erzählen, an wievielen Gesetzesinitiativen sie mitgewirkt haben, als wäre die Zahl erlassener Gesetze ein Gütesiegel

  4. markus says:

    Herrlich dieser Schwarz-waiss-absolutasymmetrische Unsinn ! Allerdings steckt dahinter m.E. Etwas anderes: Berlin will Exzellenzuniversitaet sein, da erscheint es am einfachsten, einfach das Vorbild zu kopieren, insbesonderer Harvard. Dort kann man naemlich als Schwarzer mit dieserart Unsinn eine ganz anstaendige Karriere hinlegen. Da Deutschland (im Gegensatz etwa zu den sonst so vorbildlichen USA oder UK) keine nennensWerte Vergangenheitszubeweaeltigende” Kolonial- und Sklavereigeschichte hat wirkt dieser Text einfach nur. Laecherlich dEplatziert – v.a. dieser Ton hochgestimmten paedagogisch-soziologischen Bierernstes !

  5. Markus Väth says:

    Um mal rein bei der Sprache zu bleiben: Wer wissenschaftliche oder sachliche Texte schreiben will, der sollte lesen: 1. William Zinsser, “Non-Fictin schreiben” (ein absoluter Augenöffner) und 2. Wolf Schneider, “Deutsch für Profis”. Das würde schonmal den sprachlichen Quark, der so im Umlauf ist, deutlich reduzieren.

    Natürlich bleiben dann noch die geistigen Blindflüge. Aber denen ist leider nicht so einfach beizukommen.

  6. hllizi says:

    Mit “S” und “W” sind nicht “Schwarze” und “Weiße” sondern “Sklaven” und “Wilde” gemeint.

  7. BeFree says:

    Controlling ist – ich will da mal eine Lanze für Horváth und einen kleinen Bereich der BWL brechen – ebenso wichtig wie strunzlangweilig. Auch Rechnungshöfe der Länder oder des Bundes machen ja nichts anderes, als denen, die das Geld – fremdes Geld, anderer Leute Geld, Steuergeld – mit vollen Händen für meist den letzten Unsinn raushauen, Grenzen zu setzen durch Kontrolle/Controlling – hier viel zu wenige übrigens.
    Gesetze sind so kompliziert verquast, weil sie nicht den Bürgern oder gar dem Recht dienen, sondern dem Staat als Schutz vor seinen eigenen Bürgern und den Gesetzeslobbyisten zum Vorteil ihrer jeweiligen Auftraggeber.
    Controlling dient der Unternehmensführung zum Schutz vor den eigenen Mitarbeitern, auch Führungskräften, die Budgetmittel – wie z. B. Werbeausgaben – aus gutem und eben manchmal nicht so guten Grund, so sieht das nämlich der Controller – und zum Unternehmenszweck aus dem Fester hauen. Deshalb macht es – Controlling – sich definitionsgemäß fast als Gesetzeshüter wichtig. Kann der mit einfachen Selbstdefinitionen im Unternehmen Eindruck schinden? Nein, weil das systembedingt ist. Systeme, sprich hier Unternehmen, sind erst gut, wenn sie kompliziert sind, einfach geht gar nicht.
    Und weil Controlling eigentlich nichts ist als Erbsenzählerei, die in der BWL wissenschaftlich angesiedelt ist, kommt diese natürlich auch entsprechend wissenschaftlich verquast daher. Welcher ernsthaft ambitionierte Studiosus – es könnte sie ja noch geben – würde denn gerne einen Hauptseminarschein in Erbsenzählerei beim Prüfungsamt einreichen und welcher Prof. wollte dafür mit seinem honorigen Titel einstehen? Professor für angewandte, praktische Erbsenzählerei an der heiligen XY Alma Mater zu Z.?? Und was Horváth da schreibt, ist eben die Verwichtigung von Erbsenzählerei, um im Reigen der anderen Wissenschaftszweige auch ein Licht und nicht ein Lichtlein zu sein. Es gilt leider allzuhäufig als universitär/akademisch, aus Banalitäten durch Bananabegriffsreihungen Wissenschaft zu definieren.

    • heureka47 says:

      Es scheint, Sie haben den eigentlichen Sinn von “Controlling” gar nicht verstanden.

      Ich habe 1964 den Beruf des Außenhandelskaufmannes gelernt und eine berufsbegleitende Weiterbildung zum staatl. gepr. Betriebswirt absolviert.

      “to control” heißt “steuern”, und also ist Controlling das Steuern eines Betriebes / Unternehmens – mit Hilfe von Zahlen.

      Was Sie schreiben, wie es von einigen (falsch) verstanden bzw. praktiziert wird, mag wahr sein, aber es ist nicht die Absicht von Controlling.
      Wenn sie auf dem falschen Verständnis ihre Kritik zu stützen, ist dies(e) also zu kritisieren.

      Herzlichen Gruß!

      • BeFree says:

        Wenn Sie meinen Kommentar richtig lesen, werden Sie erkennen, dass ich den Sinn von Controlling durchaus verstanden habe und den Text auch gegen den Urautor des Artikels und seinen Kannitverstahn-Ansatz verteidigt habe.
        Ich habe offensichtlich nur vergessen, an manchen Stellen die modernistisch-dümmlichen Smileys ((((((::::::)))))) für geneigte Missversteher anzubringen.
        Fakt ist, ‘der Horváth’ erscheint bei Vahlen im Reigen der Standardliteratur der Wirtschaftswissenschaften: “Der Klassiker zum Controlling: umfassend und bewährt. Auch nach über dreißig Jahren …………” usw., usw..
        Als Verkäufer steuere ich mein Auto zum Kunden zunächst nicht mit Zahlen, sondern mit dem Lenkrad und Gelassenheit wenn möglich – und zum erfolgreichen Verkauf/Abschluss mit der Überzeugung für mein Produkt. Die Zahlen kommen später.
        Und wenn ich dann bspw. mit dem Controller diskutieren muss, ob der zeitlich und kostenmäßig etwas überdehnte Brunch mit dem Kunden, bei dem ich 50 Paletten oder den Gegenwert hineinverkauft habe, sinnvoll war oder sinnlos verplemperte Zeit, nenne ich ihn einen praxisfernen Erbsenzähler vom Schreibtisch und seine ‘kleine Pseudowissenschaft’ entsprechend.

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