Was sich nicht alles im Spam-Ordner findet! Heute das Angebot, die Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien (fzg) im kostenlosen Abo für zwei Monate zu lesen. „Sehr gerne“, so steht im Anschreiben, „machen wir Sie auf die neue Ausgabe der Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien Bildung – Erziehung – Geschlecht aufmerksam. … Für Interessierte gibt es dieses Mal die Möglichkeit, die fzg im online Abo für zwei Monate kostenlos zu lesen.“
Wir haben alle unsere Resilienz zusammengenommen, alle unsere geistigen Reserven, die zum Abbau von Unsinn vorhanden sind, gebündelt, und für unsere Leser eine Art freiwillige Unsinnskontrolle durchgeführt, wir wollen ja nicht, dass jemand geistigen Schaden nimmt…
Sechs Artikel und ein Interview sind in der fzg, wie die Zeitschrift von ihren Herausgebern liebevoll abgekürzt wird, „versammelt“. Fangen wir mit dem Ende, dem Interview an, das geht am schnellsten: „Christine Riegel und Bianca Baßler im Gespräch mit Carol Hagemann-White: „Meine Forschunug ist durch und durch politisch“. Ja. Das kann man sich komplett sparen, sofern man an Wissenschaft interessiert ist. Wissenschaft ist a-politisch und Forschung, die „durch und durch politisch“ ist, kann entsprechend keine Wissenschaft sein, eher, Betroffenheitsforschung oder Ideologie-Bestätigungs-Forschung oder Legitimations-Forschung, was auch immer: alles, nur keine Wissenschaft. Aufgrund vergangener Texte, die Hagemann-White veröffentlicht hat, muss man ein Lamento geschlechter-stereotyper Erziehung erwarten, das anti-liberal und pro-faschistisch daher kommt. Daher unsere Empfehlung: streichen. Lesen lohnt sich nicht.
Das Umsonst-Abo, das es online gibt, gibt es übrigens nur für registrierte Nutzer. Also haben wir ScienceFiles registriert. Allerdings hilft die Registrierung nichts. Das Umsonst-Online-Abo ändert nichts daran, dass man, um den vorhersehbaren Sermon von Hagemann-White zu lesen, noch 3 Euro zahlen soll. Wenn man 30 Euro bekäme, um Hagemann-White im Interview zu lesen, dann vielleicht, aber 3 Euro zahlen – perish the thought.
Weiter im Takt:
Der erste Artikel im Heft stammt von Christine Riegel und Elke Gramespacher, und zwar „Zur Relevanz einer geschlechterbezogenen Betrachtung von Bildung und Erziehung“. Ein solcher Titel würde, wäre man in einem wissenschaftlichen Kontext, erwarten lassen, dass argumentiert wird, warum eine geschlechterbezogene Betrachtung relevant ist, welchen Nutzen sie erbringt, welche Vorteile sich für diejenigen, die ihr unterzogen werden, ergeben. Nicht so im vorliegenden Fall:
„Soziale Geschlechterverhältnisse und Geschlechterkonstruktionen spielen im Kontext von Erziehung und Bildung eine bedeutsame Rolle“
Wir aber sagen Euch, wer Erziehung und Bildung ohne Rücksicht auf soziale Geschlechterverhältnisse und Geschlechterkonstruktionen durchführen will, der wird in der Hölle schmoren und dem wird der Platz an der Seite des Gendergottes verwehrt bleiben. Amen. Die apodiktische Formulierung des zitierten Satzes, lässt keinen anderen Schluss zu, als das hier Hohepriester einer Sekte zur Kongregation sprechen. Der zitierte Satz ist übrigens das komplette Abstract. Mehr gibt es offensichtlich nicht zusammenzufassen. Lesen muss man daher nicht mehr, die Heilsbotschaft ist klar.
Rosemarie Godel-Gaßner schreibt über die badische Mädchenschulpolitik im Kontext der ersten Koedukationsdebatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es ist dies ein „Beitrag zur Geschichte der Koedukation“. Wir sind Pfälzer. Entsprechend hätten wir gerne etwas über die rheinland-pfälzische Mädchenpolitik im Kontext der ersten Koedukationsdebatte erfahren. Der Text ist von wenig Interesse für uns.
Lena Eckert sorgt sich ebenfalls um die Wirkung der Indoktrination mit Gender, vor allem, so weiß sie, sei die Integration von Gender als „Struktur- und Analysekategorie“ selbst für „interessierte Lehrende“ ein Problem. Deshalb hat sie „diversity und gendersensible Lehreinheiten entworfen“, die in Geistes- und Sozialwissenschaften und Informatik eingesetzt werden sollen. Wie gut, dass die Zeiten von Pascal weitgehend vorbei sind, sonst müsste die Programmsprache nunmehr eingegenderte werden, z.B. in Hildegard oder Annalena.
Wolfram Schneider, der auch bei kontinuierlicher Geschlechtsbetrachtung wohl als männlich gelten muss und Susanne Ihsen berichten von einem Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das die Vielfalt der Studierenden in der ingenieurwissenschaftlichen Lehre berücksichtigen will. Projekte des Ministeriums zur Beseitigung von Bildung und Verhinderung von Forschung machen uns immer neugierig, also haben wir uns angesehen, worum es in „LeWI – Lehre, Wirksamkeit und Intervention“ geht:
„Im Projektverbund „LeWI“ wird in zwei Phasen untersucht, welche Einstellungen Lehrende zur Lehre haben und wie diese Einstellung von persönlichen und strukturellen Rahmenbedingungen, von der Studienstrukturreform sowie von Gender- und Diversity-Aspekten beeinflusst wird. Ziel ist es, wissenschaftlich fundiertes Wissen über die Tiefenstrukturen des universitären Lehralltags und ihre Einflussfaktoren zu ermitteln. In der ersten Untersuchungsphase werden Instrumente für die empirischen Erhebungen zur Erforschung der Lehrhaltungen entwickelt und eingesetzt, hierzu gehören eine bundesweite Online-Befragung von Lehrenden, leitfadengestützte Interviews mit Lehrenden und Dokumentenanalysen. Auf der Basis dieser Befunde sollen u.a. hochschuldidaktische Weiterbildungen für Lehrende konzipiert werden.
In kurz: Zuerst wird untersucht, ob Lehrende der Ingenieurswissenschaften das offenbaren, was unter Genderisten als traditionelle Rollenvorstellung bezeichnet wird, dann wird versucht, eine „hochschuldidaktische Weiterbildung“ zu konzipieren, die dazu dienen soll, Lehrenden der Ingenieurswissenschaften ihre traditionellen Rollenvorstellungen auszutreiben und sie offen zu machen, für inter-, trans-, quer-, zwischen- und intra-Sexualität, damit man sie als Multiplikatoren der Gender-Ideologie missbrauchen kann. Es wäre auch wirklich verwunderlich gewesen, wenn das BMBF etwas finanziert hätte, was nicht dazu genutzt werden soll, die eigene Bevölkerung zu indoktrinieren und umzuerziehen.
Hildegard Macha und Hildrun Brendler sind im „quartären Sektor“ unterwegs und wollen zum Abbau „hierarchischer Geschlechterverhältnisse in Wirtschaftsorganisationen beitragen“, und zwar auf „theoretischer Grundlage der Intersektionalitätsforschung“ und der „pädagogischen Organisationsforschung“. Dazu haben sie ein „Interventions- und Evaluationsdesign“ umgesetzt und „forschungsmethodisch“ begleitet. Und so weiter. Der Unsinn ist spätestens ab hier nicht mehr zu ertragen. Die großspurig als Theorie bezeichnete Intersektionalität bezieht sich auf die Banalität, dass Menschen nicht nur ein, sondern viele Merkmale besitzen. Diese Banalität feiern Genderisten als besondere Erkenntnis, die es ihnen ermöglich, neben dem Geschlechtsteil (Gender) auch noch die Hautfarbe oder Nasenkrümmung (Migrant) wahrzunehmen. An Sozialtechnologen, die intervenieren wollen, weil ihnen ideologisch nicht passt, was sie vorfinden, hat man sich fast schon gewöhnt, das ändert aber nichts daran, dass „forschungsmethodisch“ eine nette Aneinanderreihung von Adjektiven darstellt, aber dennoch Unsinn im Quadrat ist. Forschung ist entweder methodisch oder sie ist keine Forschung. Wer denkt, er müsse zwischen methodischer und nicht-methodischer Forschung unterscheiden, der zeigt damit, dass er von Forschung soviel Ahnung hat, wie von Tuten und Blasen.
Dabei wollen wir es belassen. Unser Resilienz-Potential gegen Unsinn ist weitgehend aufgebraucht. Bleibt nur noch festzustellen, dass man langsam aber sicher an die Dürrenmattsche Lösung denken soll: Wenn die Irren frei herumlaufen, ist es das Beste, sich in den Schutz von Irrenhäusern zu begeben.
