Mainzer Studie: Vertrauen, von Medien belogen zu werden, steigt

Ein Beitrag zum Thema „Fake-Wissenschaft“

„Vertrauen in Medien steigt“ – das meldet die ZEIT„Studie: Vertrauen in die Medien steigt massiv an – das Misstrauen aber ebenso“ – so titelt MeediaUnd im Tagesspiegel dilettiert Joachim Huber unter der Schlagzeile „Vertrauen in die Medien deutlich gestiegen – und gefallen“.

contradictionAlle drei Schlagzeilen beziehen sich auf eine „Studie der Uni Mainz“, die „Kommunikationsforscher der Universität Mainz“ (ZEIT), der Kommunikationsforscher Tanjev Schultz und sein Kollege Oliver Quiring (Tagesspiel und Meedia) durchgeführt haben. Nein, nicht die beiden Kommunikationsforscher, von denen einer (Tanjev Schultz) unlängst von der Redaktion der Süddeutschen Zeitung auf einen Lehrstuhl für Journalistik an der Universität Mainz gewechselt ist und einer (Oliver Quiring) Leiter des Forschungsbereichs Kommunikationswissenschaft an der Gutenberg Universität Mainz ist, haben die „Studie“ durchgeführt, sondern Ifak.

Ifak, eines der vielen Meinungsforschungsinstitute, die den Glauben an die Repräsentativität hochhalten, weil sie damit ihr Geld verdienen, hat „bundesweit 1.200 Personen“ (Meedia) befragt, von Oktober bis November 2016. Herausgekommen ist dabei laut ZEIT, dass die „Zahl der Bürger, die den Medien vertrauen … in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist“. Denn: Heute sind 40 Prozent der Deutschen der Ansicht, man könne den Medien „in wichtigen Fragen eher oder voll und ganz vertrauen. 2008 hatte der Aussage nur knapp jeder Dritte zugestimmt“.

Hurra, das Vertrauen in die Medien ist gestiegen.

Allerdings ist auch das Misstrauen in die Medien gestiegen, denn laut derselben Studie des Mainzer Professoren und des ehemaligen Angestellten der Süddeutschen Zeitung, die Ifak durchgeführt hat, sagt etwa „jeder vierte Deutsche, dass man den Medien in wichtigen Fragen eher nicht oder überhaupt nicht vertrauen könne. 2008 waren das noch neun Prozent gewesen“ (ZEIT).

Prinzip 1 des Rationalen Widerstands besagt: Etwas ist nicht sein Gegenteil. Das Vertrauen in die Medien kann nicht gleichzeitig steigen und sinken. Dass dennoch behauptet wird, es steige und falle gleichzeitig, ist einem Trick geschuldet, den die Mainzer Universitätsangestellten anwenden: Normalerweise gibt man dann, wenn man Aussagen über die Antworttendenz machen will, ein zentrales Maß wie den Mittelwert an. Nur dann, wenn man ein Ergebnis schönreden will, zerlegt man eine zentrale Tendenz in zwei sich widersprechende Tendenzen, von denen aber nur eine wahr sein kann.

Gehen wir der Sache auf den Grund.

Zunächst das Argument dafür, die Studie des Kommunikationsforschers und des ehemaligen Journalisten von der Süddeutschen Zeitung in den Mülleimer zu werfen, denn da gehört die Junk-Studie hin.

Methoden eSEs ist nicht möglich, auf der Basis zweier Befragungen, zweier Querschnittsbefragungen, die im Abstand von 7 Jahren, einmal 2008 und einmal 2016 durchgeführt wurden, Aussagen über die Entwicklung zu machen. 2008 wurden völlig andere Personen befragt als 2016, Aussagen darüber, dass sich z.B. die Einstellung gegenüber den Medien verändert hat, kann man aber nur machen, wenn man dieselben Befragten zu unterschiedlichen Zeitpunkten befragt, wenn man die Daten einer Längsschnittsstudie zur Verfügung hat. Diese Daten haben die beiden in empirischer Sozialforschung Unbedarften aus Mainz nicht zur Verfügung. Ergo sind aussagen wie: „Vertrauen in Medien steigt“ oder „Vertrauen in die Medien steigt massiv an“ auf Basis der Daten von Schultz und Quiring nicht möglich.

Aber in der Zwischenzeit hat man sich daran gewöhnt, dass Verlaufsaussagen auf Grundlage diskreter Zeitpunkte, die wiederum von nicht vergleichbaren Populationen gewonnen wurden, gemacht werden. Warum sollen nicht auch Schultz und Quiring als Vertreter dieses Fehlers in empirischer Sozialforschung bekannt werden?

In jedem Fall werden sie bekannt werden als zwei Lehrstuhlbesetzer, die ihre Position an der Universität wohl dazu ausnutzen wollen, die Leser von ZEIT, Meedia, Tagesspiegel und all den anderen Mainstream-Medien, die die Meldung gerne und wortgetreu übernehmen werden, zu manipulieren und zu betrügen.

Die Manipulation steckt im Detail und ist denen, die in empirischer Sozialforschung nicht bewandert sind, schnell untergeschoben.

Wer hat bei den Formulierungen „eher oder voll und ganz“ bzw. „eher nicht und überhaupt nicht“ gestutzt?

Was meinen Sie, wie sehr kann man deutschen Medien in wichtigen Fragen vertrauen?“ Eher oder voll und ganz bzw. eher nicht und überhaupt nicht?

Ganz nebenbei werden den Lesern hier zusammengefasst Antwortkategorien untergeschoben, ohne dass ihnen das mitgeteilt wird, denn die Antwortmöglichkeiten auf die Fragen waren:
Voll und ganz vertrauen
Eher vertrauen
Eher nicht vertrauen
Überhaupt nicht vertrauen.

Wenn aus vier ursprünglichen Kategorien plötzlich zwei werden, dann ist Vorsicht geboten, denn dann wollen Forscher oft etwas verbergen. Es ist umso mehr Vorsicht geboten, wenn plötzlich der Usus, Kennzahlen der zentralen Tendenz zur Zusammenfassung der Antwortverteilung zu nutzen, fallengelassen wird, wie dies im vorliegenden Beispiel der Fall ist, in dem dieselbe Frage einmal mehr Vertrauen und einmal weniger Vertrauen für die Befragung in 2016 ergibt, als dies 2008 der Fall war. Warum ist Vorsicht geboten? Weil durch die Zusammenfassung die Daten manipuliert werden können, und zwar so, dass das Ergebnis geschönt wird.

Ausgangspunkt z.B. diese Verteilung für das Jahr 2008:

  • Voll und ganz vertrauen: 15%
  • Eher vertrauen: 14%
  • Eher nicht vertrauen: 6%
  • Überhaupt nicht vertrauen: 3%

So könnte die Verteilung, die zu dem zusammengefassten Ergebnis für 2008 (29% Vertrauen, 9% kein Vertrauen) geführt hat, ausgesehen haben. Die Verteilung für 2016 kann folgendes Aussehen haben:

  • Voll und ganz vertrauen: 15%
  • Eher vertrauen: 25%
  • Eher nicht vertrauen: 6%
  • Überhaupt nicht vertrauen: 19%

Oder

  • Voll und ganz vertrauen: 5%
  • Eher vertrauen: 35%
  • Eher nicht vertrauen: 10%
  • Überhaupt nicht vertrauen: 15%

Die Prozente, die zu 100% fehlen, lassen vermuten, dass es neben einer Kategorie „weiß nicht“ noch eine Mittelkategorie des „weder noch“, also derjenigen gibt, die nicht wissen, ob sie Mainstream Medien vertrauen oder nicht. Offensichtlich halten die Mainzer Universitätsangestellten diese Information für entbehrlich.

sciencefiles-rationaler-widerstand-3Beide oben dargestellte Verteilungen für das Jahr 2016 führen zu 40% zusammengefasstem Vertrauen und zu 25% zusammengefasstem Misstrauen an deutschen Medien. Dahinter verbergen sich jedoch gänzlich andere Verteilungen und gänzlich andere Zuschreibungen von Vertrauen. Das wissen Wissenschaftler natürlich und deshalb nutzen sie Maße der zentralen Tendenz. Dass dies der Komminkationslehrer und der Journalist aus Mainz nicht tun, kann daran liegen, dass sie keine Ahnung von wissenschaftlichen Gepflogenheiten haben oder daran, dass sie mit ihren Ergebnissen manipulieren und betrügen wollen.

Wie dem auch sei, selbst mit zusammengefassten Daten lässt sich noch ein Teil Wahrheit rekonstruieren und ein Maß der zentralen Tendenz berechnen. Wir berechnen den Mittelwert für die Verteilung von 29% Vertrauen und 9% Misstrauen in 2008 und den Mittelwert für die Verteilung von 40% Vertrauen und 24% Misstrauen in 2016 (unsere Werteskale reicht von 1 bis 2. Je höher der Mittelwert, desto weniger Vertrauen in Medien besteht).

Der Mittelwert für 2008 beträgt: 1,23, der Mittelwert für 2016 beträgt: 1,375. Mit anderen Worten, wenn man die Befragung von 2008 mit der Befragung von 2016 vergleicht, dann muss man feststellen, dass das Misstrauen in öffentliche Medien 2016 größer ist als 2008. Das sieht man auch daran, dass die Anzahl derjenigen, die kein Vertrauen zu Medien haben, 2016 um 15% höher liegt, als 2008. Dagegen liegt die Zahl derer, die vertrauen, im Jahr 2016 um 11% höher als 2008.

Aus den vorhandenen Daten herauslesen zu wollen, dass das Vertrauen in Medien steigen würde bzw. massiv gestiegen sei, grenzt an Datenfälschung. Es ist in jedem Fall ein Fall für die Ethikkommission der Universität Mainz, sofern es die dortige Ethikkommission als ihre Aufgabe betrachtet zu verhindern, dass Universitätsangestellte, von denen einer zugegebenermaßen mehr Erfahrung mit der Süddeutschen Zeitung als mit dem, was an Universitäten gefordert wird und Standard sein sollte, hat, versuchen, die Öffentlichkeit mit manipulierten Daten zum Narren zu halten.

Wissenschaftlichen Ansprüchen und Ansprüchen an Moral und Ehrlichkeit genügt die Darstellung der Daten durch Schultz und Quiring nicht. Aber vielleicht reicht es ja für einen Gastauftritt beim diesjährigen Mainzer Karneval, bei Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht…

Sozial Extra: Jungen fördern, kein „ganzer Junge“ zu sein

Sozial Extra: Eine ganze Zeitschrift voller Junk.

Wir konnten uns heute nicht für einen Titel entscheiden, und wir haben heute kein Erbarmen mit unseren Lesern!

sozial-extraEs gibt jetzt die volle Ladung „Sozial Extra“. Sozial Extra ist eine Zeitschrift aus dem Springer-Verlag, in der alles gedruck wird: jeder Junk.

Fünf Kostproben:

Harry Friebel schreibt in Heft 2 aus dem Jahre 2016 über „„Wir“ und „die“: Alltäglicher Rassismus in Schulbüchern“.

Hier das, was er für die wesentlichen Erkenntnis hält:

Rassismen werden immer gleichzeitig individuell und gesellschaftlich erzeugt (Komplexität der Frage) [,] und sie werden im historischen Prozess immer wieder neu bedingt und gestaltet (Kontext der Frage).

Was will der Mann uns sagen? Any ideas? Es kommt wohl auf die Gleichzeitigkeit an, mit der ein Rassismus individuell und gesellschaftlich erzeugt wird. Also wenn wir jetzt eine rassistische Äußerung tätigen, dann wird das zeitgleich zu einem gesellschaftlichen Rassismus und wenn in einer Gesellschaft ein Rassismus vom kollektiven Himmel fällt, dann haben ihn alle Individuen der Gesellschaft. Kein Wunder, dass Friebel meint, hier eine Komplexität der Frage beschrieben zu haben, angesichts dieses Unsinns kann man kaum anders als Komplexität reklamieren, wenn man nicht als gestört angesehen werden will. Besonders schön auch die Erkenntnis im letzten Satz: Die Welt verändert sich. Wer hätte das gedacht.

Dass sich die Welt verändert, ist eine Erkenntnis, die in Sozial Extra des Öfteren Autoren zu treffen scheint. Michael Cremers und Jens Krabel untersuchen „MEHR Männer in Kitas: Von der Wissenschaft entdeckt“. Die Öffentlichkeit, so die beiden Autoren, habe längst das Interesse an der männlichen Kita-Sau, die per Kampagne durchs Land getrieben wurde, verloren. Deshalb wurde die Kita-Sau nun in dem geparkt, was Cremers und Krabel als Wissenschaft ansehen. Das ist gut so, gibt es doch die Möglichkeit, Erkenntnisse wie die folgende zu gewinnen:

Oh No!“Ein Forschungsergebnis ist, dass männliche Fachkräfte zu einer Diversifizierung und Bereicherung der pädagogischen Arbeit beitragen können“.

Wer hätte das gedacht. Wenn man etwas anderes zu ansonsten Gleichem gesellt, dann erhöht das die „Diversifizierung“: Also ein Pferd unter 100 Eseln, ein Auto unter 100 Lkws, ein Mann unter 100 Frauen, ein roter Hut unter 100 schwarzen Hüten, ein Intelligenter unter 100 Idioten. Kein Wunder, dass von derart überraschender Diversifizierung eine Bereicherung selbst der pädagogischen Arbeit ausgehen „kann“.

Kira Gedik erntet Widerspruch und Widerstand. Oder sind es nicht näher spezifizierte Fachkräfte, die Widerspruch und Widerstand ernten, von Familien?

“Widerspruch und Widerstand stellen für Familien wie für Fachkräfte vor große Herausforderungen dar [Lektoriert wird bei Springer auch nicht]. Sie können aber – sowohl als Ausdruck von Autonomie und Selbstbehauptung als auch als Hinweis auf tieferliegende Konflikte – genutzt werden für eine gelingende Hilfeprozessgestaltung in der Demokratie.“

facepalm-GodzillaOb Sozial Extra ein Rehabilitationsprogramm für ehemalige oder aktuelle Drogensüchtige ist? Wir wissen es nicht. So wenig wie wir wissen, wo der Widerspruch und der Widerstand herkommt, der Familien und Fachkräfte in gleicher Weise zu ereilen scheint und auf Konflikte hinweist. Wer hätte das gedacht: Jemand, der Widerstand leistet, befindet sich im Konflikt mit dem, wogegen er Widerstand leistet. Gut, dass wir dank Kira Gedik und dem großzügigen Forum für Junk aller Art „Sozial Extra“ nun wissen, dass Konflikt die Mutter allen Widerstands ist – oder war es umgekehrt? Widerstand die Grundlage allen Konflikts? Wie dem auch sei, Widerstand ist immer auch Ausdruck von Autonomie (Der traut sich was) und von Selbstbehauptung (Mit mir nicht!). Konflikt eben: Und am Ende will jemand gar nicht Gegenstand von Hilfeprozessgestaltung sein? – Vor allem nicht in der Demokratie

Prof FacepalmJan-Wulf Schnabel verdanken wir die Erkenntnis, dass „Der breiten Männermehrheit … die Verhältnisse in der Sozialen Arbeit nicht attraktiv genug“ sind. Ja. Endlich einmal ein nachvollziehbares Ergebnis. Indes, wenn man bedenkt, dass soziale Arbeit schon seit Jahrzehnten kein Studienfach mit relevantem Männeranteil mehr ist, wäre man fast geneigt, den Schluss, dass soziale Arbeit für Männer nicht attraktiv ist, auch ohne Beihilfe von Sozial Extra zu ziehen. Zumal die einzig neue Erkenntnis, die Schnabel hat, die Wort-Schöpfung „breite Männermehrheit“ ist. Was, so fragen wir uns, unterscheidet die breite, von der schmalen Männermehrheit, die schmale Männermehrheit von der breiten Männerminderheit und die schmale Männerminderheit von der breiten oder schmalen Männermehrheit und von der breiten oder schmalen Frauenmehr- oder minderheit?

Safe the best for last.

Wie können wir Jungen fördern, kein “ganzer Junge” zu sein? Diese Frage stellt sich Fritjof Bönold, der wohl nur ein halber Mann ist, wenn er sich kompetent zur Frage der halben Jungen zu äußern können glaubt. Bönold hinterfragt vor „dem Hintergrund eines Verständnisses der aktuellen Geschlechterverhältnisse als spezifische Herrschaftsverhältnisse“ die „Zielformulierungen der Jungenarbeit“. Entsprechend muss Bönold für sich eine hierarchische Position reklamieren, die ihn zum Hinterfragen befähigt, die ihn höherstellt als diejenigen, die er mit seinem Hinterfragten zu konfrontieren gedenkt. Bönold selbst zeigt sich somit als Vertreter der „spezifischen Herrschaftsverhältnisse“, die er hinterfragen will.

Double facepalmAber eigentlich will er auch nicht hinterfragen, sondern „plädieren“: „für eine geschlechtskritische Bildungsarbeit, die auf einem konstruktivistischem und einem herrschaftskritischen Geschlechterverständnis aufbaut“, was insofern schwierig sein wird, als Bönold einen Satz weiter feststellt, dass sich beides, also das konstruktivistische und das herrschaftskritische Geschlechterverständnis widersprechen.

Kein Problem für einen Bönold. Aus dem Widerspruch macht er ein Dilemma und zeigt eben einmal, dass er auch keine Ahnung davon hat, was der wissenschaftliche Begriff des Dilemma zum Gegenstand hat (dass Bönold einer der Letzten ist, die dem Blödsinn eines Patriarchats aufsitzen, wollen wir einmal nicht annehmen), und wenn er schon einmal dabei ist, Unsinn zu steigern, dann gleich richtig, in dem er das Dilemma des Widerspruchs zwischen konstruktivistischem und herrschaftskritischem Geschlechterverständnis dadurch auflöst, dass sie in der Jungenarbeit nicht gleichzeitig, sondern nacheinander Anwendung finden sollen.

Also erst erzählt man den Jungen sie seien Machos und versorgt sie mit den Insignien von Machotum und dann erzählt man ihnen, nachdem sie sich Muskeln antrainiert und Boxsport erlernt haben, dass sie eigentlich keine Machos, sondern kleine Würmer sind, die auf Grund ihres Geschlechts Herrschaft über andere ausüben. Ein echter Bönold, und einer, bei dem man sich fragt, ob er im Krankenhaus endet.

Unsere Auswahl von Junk, Sozial Extra Junk macht deutlich, dass soziale Arbeit in weiten Teilen nichts mit Wissenschaft gemein hat. Statt Wissenschaftler finden wir Weltverbesserer, die für sie unverständlicherweise auf Widerstand stoßen. Anstelle von Forschungsergebnissen finden wir Versuche, die Welt so zu machen, wie sie die Sozialen Extras gerne hätten. Springer verlegt damit eine Zeitschrift, die man getrost als Junk Journal einordnen kann und jedem Studenten, der wissen will, was keine Wissenschaft ist, nur empfehlen kann.

Ist Blödsinn steigerbar? DIW erfindet das Gender Gap in der FinanzBildung

Wir haben ein paar Aufgaben für Sie:

„Sie leihen 10 000 EURO zu einem Zinssatz von zwei Prozent im Monat.
Wieviel schulden Sie nach drei Monaten?

  1. weniger als 10 200 EURO
  2. mehr als 10 200 EURO
  3. genau 10 200 EURO

Sie haben 10 000 EURO auf einem Konto, der Zinssatz für dieses Konto ist ein Prozent im Jahr. Der Preis für alle Güter und Dienstleistunden steigt um zwei Prozent im Jahr.
Wieviel können sie in einem Jahr kaufen?

  1. weniger als ich heute kaufen kann
  2. mehr als ich heute kaufen kann
  3. genau dasselbe was ich heute kaufen kann

Es ist sicherer, nur eine Aktie zu kaufen als einen Fond zu kaufen.

  1. wahr
  2. falsch

Das sind keine Fragen aus einer Arbeit in Wirtschaft in der 9. Klasse, nein, das sind Aufgaben aus einer Untersuchung, deren Ziel darin bestand, finanzielle Bildung zu messen (FinanzBildung). Man könnte es nun dabei belassen, darüber zu erschrecken, dass nicht 100% der Erwachsenen in Deutschland in der Lage sind, alle drei Fragen richtig zu beantworten.

Aber das wäre nicht dramatisch, nicht melodramatisch und vor allem würde es den Notwendigkeiten des modernen propagandistischen Zeitalters nicht gerecht. Sehen wir also, was man mit den Ergebnissen machen kann.

Man kann die Ergebnisse nach Geschlecht unterscheiden. Und siehe da: Frauen erweisen sich im Hinblick auf die oben dargestellten Aufgaben häufiger als Trottel als Männer: 83% der befragten Männer und 80% der befragten Frauen können Aufgabe 1 richtig lösen, 82% der Männer und 73% der Frauen Aufgabe 2 und 68% der Männer und 57% der Frauen Aufgabe 3. Abermals könnte man nun feststellen, dass Frauen im Hinblick auf die drei Fragen deutlich mehr Lernbedarf haben als Männer und es damit sein Bewenden haben lassen.

Aber… Sie wissen schon: Propaganda und so.

diw-wb-46Richtige Propaganda, die aus diesem Firlefanz ein soziales Problem macht, beherrscht man seit längerem im DIW in Berlin, das sich schon vor Jahren von der Realität verabschiedet hat und seither in politisch-korrektem Firlefanz macht. Aus der Tatsache, dass weniger Frauen als Männer die drei Fragen richtig beantworten können, wird entsprechend:

Mangelnde Gleichberechtigung bei Finanzentscheidungen trägt zu geringerer Finanzbildung von Frauen bei

So einfach geht das. Aus der Unfähigkeit, Aufgaben richtig zu lösen, wird eine Frage der Gleichberechtigung. Wenn Mädchen in der Schule schlechter in Mathematik abschneiden als Jungen, dann hat das entsprechend nichts damit zu tun, dass ihre Mathematikleistung anscheinend schlechter ist als die von Jungen, sondern damit, dass in der Schule keine Gleichberechtigung gegeben ist. Gleichberechtigung wäre folgerichtig mit Notengleichheit erreicht, nicht etwa mit Leistungsgleichheit.

Ticken die im DIW noch richtig?

Nein, denn mit dem Hinweis auf Gleichberechtigung hat es nicht sein Bewenden. Es geht noch weiter, es wird eine Kausalkette gezimmert: Mangelnde Gleichberechtigung bei Finanzentscheidungen ist die Ursache dafür, dass weniger Frauen als Männer die drei Aufgaben, die wir eingangs zitiert haben, zu lösen im Stande sind.

Das ist nun Irrsinn im fortgeschrittenen Stadium.

Nehmen wir z.B. die Entscheidung von NASA, eine bemannte Mission auf den Mars zu schicken. An dieser Entscheidung sind NASA-Mitarbeiter und vermutlich Vertreter der US-Regierung beteiligt. Kaum ein Astronom, der sich mit dem Mars beschäftigt, ist an der Entscheidung beteiligt – in der ideologischen Sprache, die beim DIW gepflegt wird, sind die Astronomen also nicht gleichberechtigt. Dennoch kann man wetten, dass die entsprechenden Astronomen in der Lage wären, rudimentäre Fragen zum Mars richtig zu beantworten.

Warum?

Weil sie sich mit dem Mars beschäftigen. Weil sie ein Interesse an der Erforschung des Mars und daran, sich mit dem Mars zu beschäftigen haben.

Nun machen wir etwas, was vielen Deutschen zunehmend schwer fällt: Einen Transfer. Wenn Interesse für einen Gegenstand dazu führt, dass man Kenntnisse und Wissen über diesen Gegenstand hat, dann muss man daraus schließen, dass mehr Männer als Frauen Interesse an Finanzbildung, wie es hochtrabend beim DIW heißt, haben, dass sich mehr Männer als Frauen mit Finanzfragen beschäftigen.

Entsprechend muss man schließen, dass Finanzfragen mehr Frauen als Männern schnuppe sind. Und weil sie kein Interesse haben, haben sie sich nicht damit beschäftigt, aus freiem Willen und eigener Entscheidung. Niemand hat sie behindert, niemand diskriminiert, niemand ihre Möglichkeit, sich zu beschäftigen, in Frage gestellt. Sie hatten schlicht keine Lust, sich damit zu beschäftigen. Das hat mit Gleichberechtigung nichts, mit anderen Interessen sehr viel zu tun.

Die Propaganda aus dem DIW will es jedoch so erscheinen lassen, als würden Frauen von furchtbaren Mächten, vermutlich furchtbaren männlichen Mächten daran gehindert, sich Kenntnisse in rudimentären Fragen der Zinsrechnung und des Aktienhandels zu beschaffen. Und anstatt festzustellen, dass Frauen eben seltener bereit sind als Männer, sich diese rudimentären Kenntnisse zu beschaffen, werden sie zu Opfern einer nicht vorhandenen Gleichberechtigung erklärt. Frauen können keine Defizite aufweisen, keine Trottel sein, aber Opfer nicht vorhandener Gleichberechtigung.

Wenn es nicht so selten dämlich wäre, man müsste sich darüber aufregen.

Der ganze Blödsinn hindert Antonia Grohmann, die dafür verantwortlich ist, übrigens nicht daran zu fordern, dass die „allgemeine Bildung und die Rechenfertigkeit von Mädchen und Frauen verbessert“ wird.

Was ist noch einmal die Steigerung von Blödsinn?

Uns fällt nichts mehr ein. Außer vielleicht: Frauen sterben im Vergleich zu Männern zu spät. Wie wäre es, ein Sterbetraining für Mädchen und Frauen einzuführen, aus Gründen der Gleichberechtigung.


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Gleichschaltung auf evangelisch: Die EKD hat Toleranzprobleme

Das ganze Elend der heutigen religiösen Funktionäre hat im 16. Jahrhundert damit begonnen, dass Francis Bacon den Empirismus als Grundlage eines rationalen Denkens durchgesetzt hat. Die Aufklärung, die daraus entstanden ist, sie hat das Offenbarungsmodell der Erkenntnis, wie es Hans Albert nennt, einfach vom Tisch gewischt.

Albert TraktatDer Frust der religiösen Funktionäre muss entsprechend gewesen sein. Man muss sich das in der Realität vorstellen: Bis gestern waren Sie noch der einzige in der Gemeinde, der lateinisch lesen konnte und der die Bibel mit Blick auf die Realität so auslegen konnte, wie es (für sie) richtig ist. Und dann kommen dieser Bacon und seine Anhänger und behaupten, jeder Mensch sei selbst in der Lage, zu erkennen, was in der Realität richtig ist. Man könne Theorien über die Wirklichkeit unabhängig von der Bibel und durch Wahrnehmung, nicht durch Auslegung der heiligen Schrift aufstellen. Vom damit einhergehenden Bedeutungsverlust haben sich religiöse Funktionäre bis heute nicht erholt.

Bis heute kämpfen religiöse Funktionäre damit, dass es „vielfältige Interpretationsmöglichkeiten und Auslegungen der Bibel“ (154) gibt und gläubige Menschen die Bibel einfach vor dem Hintergrund ihrer eigenen „religiösen Überzeugungen“ (154) also selbst auslegen. Was dadurch passieren kann hat die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) gerade durch eine qualitative Studie herausgefunden: Die evangelischen Christen vor Ort, sie kommen zu anderen Schlüssen und Ergebnissen, wenn sie die Bibel auslegen, als die EKD.

Man muss sich das einmal vorstellen: Die EKD verkündet Positionen, die Synode der EKD segnet sie ab und die Gläubigen vor Ort, sie glauben sie nicht. Sie denken selbst, übernehmen nicht, was ihnen vorgegeben ist. Alles wegen dieser sch… Aufklärung und diesem elendiglichen britischen Empiristen, der den Menschen eingeredet hat, sie könnten unabhängig von der EKD und nur auf Grundlage ihrer eigenen Erfahrung zu Erkenntnissen über die Welt gelangen.

Diese erschreckenden Ergebnisse einer missglückten Gleichschaltung, hat eine qualitative Studie zum Vorschein gebracht, aus der die Zitate von oben stammen.

Die qualitative Studie wurde von Olaf Lobermeier, Jana Klemm und Rainer Strobl im Auftrag der EKD durchgeführt. Die drei gehören zur Gesellschaft für sozialwissenschaftliche Analyse, Beratung und Evaluation (proVal). Dass eine qualitative Studie durchgeführt wird, bedeutet in der Regel, dass die Autoren die Absicht haben, weitreichende Behauptungen auf dünner Basis aufzustellen und vor allem keine Lust haben, sich der Fachkontrolle zu stellen, der man sich stellen müsste, wäre die Studie auf Basis quantitativer Daten erstellt worden. Jedoch haben qualitative Studien den Vorteil, dass man viel Geld für viel Text und wenig Erkenntnis verlangen kann, wobei die Erkenntnis, dass der christliche Glaube nicht „per se vor Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Homophobie schützt“ (151), der absolute Brüller ist. Hat das jemand geglaubt?

Wie dem auch sei, wir sind beim Thema der teuren Studie (wir schätzen die Kosten im sechsstelligen Bereich), die zeigt, auch die EKD hat keine anderen Sorgen als die drei genannten: Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Homophobie, das sind die Themen, die den bestbezahlten Funktionären der evangelischen Kirche besonders am Herzen liegen.

Und um herauszufinden, ob Mitglieder der evangelischen Kirche in Dorf, Kleinstadt und Großstadt und auf Basis ihres gelebten Glaubens anfällig sind, anfällig für Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Homophobie, deshalb haben die EKD-Funktionäre wohl einen sechsstelligen Betrag locker gemacht und die drei von proVal beauftragt, die wiederum 25 (!sic) Interviews durchgeführt und in drei Fokusgruppen insgesamt 48 Hanseln zusammengetrommelt haben. Selbstverständlich kann man auf Grundlage von drei Fokusgruppen und 25 Interviews keinerlei Aussagen machen, die Unterschiede zwischen Dorf, Kleinstadt und Großstadt generalisieren, aber man kann es den EKD-Funktionären dennoch verkaufen.

Fokusgruppen sind der Schrei in der qualitativen Forschung, denn dafür kann man so richtig viel Geld verlangen. 18 Mitglieder aus einer evangelischen Gemeinde einer Großstadt müssen z.B. an einen Ort gekarrt werden, dort verpflegt werden, sie müssen mit intelligenten Fragen wie „Was halten Sie vom Islam?“ traktiert werden, ihre Antworten gefilmt, anschließend transkribiert und das ganze dann ausgewertet werden, viel Zeit, viel Text, viel Geld. Da wird so mancher Sozialforscher zum Dagobert Duck mit Eurozeichen in den Augen.

Die Ergebnisse, die am Ende stehen, sind zwar in der Regel sehr dürftig, denn was will man auf Grundlage von drei Fokusgruppen und 25 qualitativen Interviews groß aussagen und vor allem erschließen, aber es geht ja nicht um Ergebnisse, sondern um Aufwand, denn nur Aufwand kann abgerechnet werden.

Grounded TheoryDie Show derart qualitativer Sozialforschung verlangt dann noch einen methodischen Popanz, der im vorliegenden Fall mit der Grounded Theory geliefert wird, einer Methode, die – wäre sie von den Autoren angewendet worden, mit Sicherheit 10Mal so viel Papier gefüllt hätte, als sie mit ihrem Abschlussbericht gefüllt haben. Die Grounded Theory ist vermutlich die am häufigsten missbrauchte und verbogene Methode, einfach deshalb, weil sich nicht einmal ihre beiden Erfinder Barney Glaser und Anselm Strauss mehr darüber einig sind, was damit eigentlich gemacht wird und wie es gemacht wird. Allerdings wären beide entsetzt, wenn man ihnen erklären würde, dass das Herz der Grounded Theory „der ständige Vergleich“ sei, eine Meinung, der die drei von proVal anhängen.

Wie dem auch sei, die drei von proVal haben den religiösen Funktionären der EKD erzählt, sie hätten die Grounded Theory zur Anwendung gebracht und Letztere haben es geschluckt. Klingt auch gut. Grounded Theory. Wieso eigentlich Theory? Nun, das hat damit zu tun, dass die Methode eigentlich entwickelt wurde, um von qualitativen Interviews, also von viel Text, durch ständige Abstraktion und auf induktivem Wege zu einer Theorie zu gelangen, die man dann am eigenen Material und durch ständigen Vergleich testen kann. Nun ja, bei proVal ist die Theorie eben unten durchgefallen.

Herausgekommen ist eine qualitative Untersuchung über die 25 Gemeindemitglieder der evangelischen Kirche und 48 Gemeindemitglieder, die sich in drei Fokusgruppen eingefunden haben, mit der sich die Autoren ihre eigenen Vorurteile bestätigt haben, nämlich dahingehend, dass in evangelischen Gemeinden Antisemiten und Homophobe sitzen, die auch den Islam nicht gut finden. Letzteres ist nützlich für Nachfolgeaufträge, mit denen die evangelischen Christen „fachlich“ dabei unterstützt werden, die richtige Meinung, also die der EKD-Funktionäre zu erlernen, denn die evangelischen Christen haben Meinungen, die man nicht tolerieren kann.

So haben die angeblichen Sozialforscher festgestellt, dass die 25 Interviewten und 48 Fokusgegruppten nicht nur die Informationen der EKD, die dazu da sind, die richtige Position festzulegen, ignorieren und sich statt dessen eine eigene Meinung bilden, nein, sie haben auch festgestellt, dass die Interviewten dies auf Basis von keinen eigenen Erfahrungen und auf Grundlage einer geringen Informiertheit tun.

Es ist eine häufig anzutreffende Tendenz in qualitativen Studien, dass die angeblichen Forscher ihre Befragten nur dazu benötigen, um ihnen allerlei Gemeinheiten zu unterstellen und im vorliegenden Fall letztlich zu homophoben, islamhassenden und antisemitischen Fundamentalchristen zu stilisieren. Es ist nur selten so einfach, dieses Ansinnen zu entlarven, wie im vorliegenden Fall.

Nehmen wir z.B. den Befragten 7 aus der Fokusgruppe „Dorf“, den proVal im Namen der EKD befragt hat, als Beispiel für die geringe Informiertheit und nicht vorhandene eigene Erfahrung, die sein Urteil so idiotisch macht. B7 sagt:

„Also als Deutscher ist man ja so ein bisschen drauf erzogen, sage ich mal in Anführungszeichen, nicht so israelkritisch zu sein. Aber … Vielleicht war ich das auch mal ein bisschen so und habe das immer so auch eher so betrachtet: ’Die haben den Holocaust erlebt‘ und so. Bis ich mal unten war und das selber erlebt habe. Also muss ich das sehr negativ beurteilen, wie Israel das macht. Die machen ja im Prinzip mehr oder weniger jetzt das, was ihnen angetan wurde“ (121).

Man fragt sich, ob die drei proValer, die B7 als Antisemitien abstempeln, der die Häresie begangen hat, einen Verbindung zwischen der Art und Weise, wie Juden im Dritten Reich behandelt wurden und der Art und Weise, wie der Staat Israel heute Palästinenser behandelt, herzustellen, ihre Urteil „B7 sei Antisemit“ auch mit eigener Erfahrung, die sie vor Ort gesammelt haben, begründen können. Tatsächlich macht B7 eine empirische Aussage auf Grundlage eigener Beobachtung und Erfahrung, eine Aussage, die man prüfen kann. Und da ist er wieder, dieser britische Empirismus, der davon ausgeht, dass jeder Mensch in der Lage ist, sich ein eigenes Urteil auf empirischer Grundlage zu bilden, so dass man, wenn man zu unterschiedlichen Urteilen kommt, erst einmal prüfen müsste, ob die empirische Basis dieselbe ist, bevor man das Gegenüber als Antisemit beschimpft. Mit Prüfen haben es die drei proValer nicht so. Sie stigmatisieren lieber: Antisemit lautet das Etikett im vorliegenden Fall.

Den am besten bezahlten religiösen Funktionären der EKD gefällt derartiges natürlich nicht. Sie haben nicht nur die Maxime ausgegeben, dass der evangelische Christ sich jeglicher Wertung dessen, was Israel in Palästina tut, enthält, sie haben auch erklärt, dass der evangelische Christ nicht antisemitisch und homophob ist.

Ist er aber, der evangelische Christ, jedenfalls einer, der die Fokusgruppe einer Kleinstadt bestückt hat, ist es nach Ansicht der proValer. Hat sich der evangelische Christ doch darüber beklagt, dass man mit seiner Meinung, nach der Homosexualität grundlegenden Werten von Familie und Zusammenleben widerspricht, gleich als „intolerant und … abgestempelt wird“ (99). Und wo wir gerade beim Abstempeln sind, natürlich wird der Fokusgruppenteilnehmer von den drei angeblichen Forschern als intolerant abgestempelt, äußert er doch Kritik, und zwar wertrationale Kritik, die die Folgen homosexueller Ehe für die Familie zum Gegenstand hat.

Dazu haben die drei proVals zu sagen:

ekd“Die Akzeptanz gegenüber Menschen mit homosexuellen Orientierungen wird hier sehr kritisch beurteilt. Ein nachfolgender Redner schließt sich dem an und verstärkt den ablehnenden Rahmen noch, indem er vor dem „Zerfall der Familie“ warnt. Darin wird er von einem anschließenden Sprecher bestätigt. Einer solchen Auffassung wird im weiteren Verlauf der Diskussion auch nicht widersprochen. Einem weiteren Teilnehmer zufolge bekommt das Thema „Homosexualität“ in den Medien zu viel Aufmerksamkeit. Beide Auffassungen, die einen ablehnenden Rahmen mit Blick auf Homosexualität unterstützen, werden in der eigentlichen Diskussionssequenz zum Umgang mit Homosexualität wieder aufgegriffen. Neben Homosexualität als Gegensatz zu einem „natürlichen Bild von Familie“ findet sich in ablehnender Weise der Verweis auf das Alte bzw. Neue Testament sowie die Auffassung, dass es sich um eine nicht gottgewollte sexuelle Orientierung handelt.“

Offensichtlich verbindet sich für gläubige Christen, selbst wenn sie evangelisch sind, ein Wertproblem mit der Heirat von Homosexuellen bzw. Homosexualität als solcher. Indes sagt keiner der Interviewten, er wolle Homosexualität verbieten. Die Befragten haben lediglich moralische Überzeugungen und hängen Werten an, die sich mit Homosexualität nicht vereinbaren lassen, und das ist offensichtlich falsch. Das kann nicht akzeptiert und vor allem nicht toleriert werden, da die EKD anscheinend das Ziel verfolgt, ihre Schäfchen in Lemminge zu transformieren und eine Gleichschaltung der Meinungen durchzuführen, die an die Zeit erinnert als es noch Priestern oblag, die Bibel auszulegen und das Leben der Menschen in ihrer Gemeinde zu strukturieren und zu bestimmen. Wahrlich, wir sagen Euch, wie Ihr zu denken habt, welche Meinungen ihr zu haben habt und welche Überzeugungen ihr zu vertreten habt.

Wir leben im 21. Jahrhundert, und im 21. Jahrhundert gilt ein Mensch, dessen Wertgerüst es ausschließt, christliche Institutionen wie die Ehe für Homosexuelle zu öffnen, als homophob und einer, der in den mittleren Osten gereist ist und vor Ort gesehen hat, wie der Staat Israel mit Palästinensern umgeht und deshalb eine kritische Sicht auf Israel einnimmt, gilt als Antisemit. Wir nähern uns in Windeseile der geistigen Haltung des Zeitalters der Kreuzzüge.


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Die neue Lust am Schwafeln: Knallköpfe unter sich

Entschuldigung für den Titel. Ja, er ist überhaupt nicht wissenschaftlich, aber er kommt aus tiefster Seele (sofern es eine gibt), also besser aus tiefstem Herzen und jetzt begründen wir, warum:

Junk Science!

Dieses Mal nicht als Beitrag in einer wissenschaftlichen Zeitschrift, sondern als „Podiumsdiskussion zum Thema ‚Strafen und Neoliberalismus‘“ der „Nachwuchsgruppe [klingt wie Krabbelgruppe] ‚Jenseits einer Politik des Strafens‘ der Universität Kassel. Irgendwie scheint sich in Kassel Unsinn zu massieren, eine wahre Agglomeration von Unsinn, die wohl über entsprechende Nachzugsprozesse erklärt werden kann.

Doch zurück zur Podiumsdiskussion, die sich mit demTrend einer neuen Lust am Strafenbeschäftigen soll:

junk-science-strafen-und-neoliberalismus“International stellen Rechtssoziologen eine neue Lust am Strafen in neoliberalen Gesellschaften fest. Punitivität als Regierungstechnik zielt darauf ab, Armut und soziale Desintegration kontrollierbar zu machen und den durch die flexibilisierte Ökonomie verursachten Ängsten breiter Schichten durch härtere Bestrafung entgegenzuwirken. Zugleich bewirkt sie eine Spirale des sozialen Abstiegs bei Inhaftierten: Der Verlust der Wohnung, der vorherigen Lohnarbeit und bestehender sozialer Netzwerke führt generell zu hohen Rückfallquoten, sozialer Desintegration und Altersarmut. Strafende „Gerechtigkeit“ produziert demzufolge paradoxerweise soziale Ungerechtigkeit.”

Merke: Wenn in Deutschland mehr Diebstähle und mehr Einbrüche verübt werden, wenn die Rauschgift- und die organisierte Kriminalität zunehmen und wenn sich das in der Folge in den Verurteiltenziffern niederschlägt, dann ist das nicht das Ergebnis individueller Entscheidungen, nicht das Ergebnis von organisierten Banden, von z.B. Jugendlichen, die Einbrüche in der Weise betreiben, wie andere ihr Shopping, also generell nicht darauf, dass ein Akteur denkt, wenn er sich delinquent verhält, dann ist er besser dran, als wenn er sich nicht strafbar verhält, nein: An steigender Kriminalität ist der Neoliberalismus schuld. Steigender Wohlstand und die Tatsache, dass in Deutschland und in weiten Teilen von Europa niemand mehr mit gutem Gewissen als arm bezeichnet werden kann (höchstens der ein oder andere Scheidungsvater, der obdachlos geworden ist, aber nach dem kräht nicht einmal eine Nachwuchsgruppe) sind daran schuld, dass die Kriminalität steigt.

Und außerdem sind Gefängnisse daran schuld, dass es Kriminalität, steigende Kriminalität gibt. Denn, so die Nachwuchsgruppenlogik [das ist eine Krabbelgruppe!], wenn jemand tatsächlich und nach einer Vielzahl von Straftaten, wenn er unter das Jugendstrafrecht fällt und nach etwas weniger, wenn er als erwachsen gilt, tatsächlich eingesperrt wird, dann kann er in der Regel nicht mehr arbeiten gehen, dann verliert er seine sozialen Bezüge und ist ganz unten und wenn er dann entlassen wird, dann zwingt in der Neoliberalismus, weil er schon ganz unten und ganz arm ist, dazu, sich weiter kriminell zu verhalten. Also müssen wir das Strafen lassen und den Neoliberalismus beseitigen und schon haben wir das sozialistische Paradies, das den Mitgliedern der Krabbelgruppe [oder Nachwuchsgruppe] vorschwebt.

Wir haben selten so einen Unsinn gelesen.

Die Kriterien für Junk Science sind alle erfüllt:

  • junk_scienceNachvollziehbarkeit: Da Handlungen von Akteuren ausgeführt werden und der Neoliberalismus nachweislich kein Akteur ist, stellt sich die Frage, wie es dem Neoliberalismus, den wir einmal als Idee bezeichnen wollen, gelingt Akteure dazu zu zwingen, sich kriminell zu verhalten. Wie gelingt es dem Neoliberalismus, die Entscheidung, bestehle ich meinen Chef um und mache ich mich mit der Tageskasse aus dem Staub, zu beeinflussen? Wie schafft es der Neoliberalismus, aus dem netten Jungen von nebenan, den Taschendieb zu machen, den die Polizei ermittelt, und wie schafft es der Neoliberalismus, die unscheinbare Hausfrau zur Gatten-Giftmörderin zu transformieren. Fragen über Fragen, die nicht beantwortet werden können, da sie Zusammenhänge formulieren, die nicht nachvollziehbar sind, jedenfalls nicht, für Menschen, die mit einem normalen Verstand begabt sind.
  • Prüfbarkeit/Falsifizierbarkeit; Um zu prüfen und zu falsifizieren, ob sich Neoliberalismus, so es ihn denn gibt, auf die Kriminalität in einem Land wie Deutschland auswirkt, müsste man zunächst einmal bestimmen, was der Neoliberalismus eigentlich ist. Dann müsste man Hypothesen darüber formulieren, wie sich der so bestimmte Neoliberalismus auf die Handlungsentscheidungen derer, die sich kriminell verhalten (wollen), auswirkt und zu guter Letzt müsste man untersuchen, ob Personen, die in einem nicht-neoliberalistischen Land leben, sagen wir im Irak oder in Syrien, sich weniger kriminell verhalten als Personen, die in Deutschland oder im Vereinigten Königreich leben. Wenn man das so schreibt, wird einem die ganze Armseligkeit derer, die doch tatsächlich denken, ein Ismus sei in der Lage, individuelles Verhalten zu beeinflussen, erst richtig deutlich.
  • Erkenntnisgewinn/Anschlussfähigkeit; Schließlich liegt keinerlei Erkenntnisgewinn und entsprechend auch keinerlei Anschlussfähigkeit vor. Da die Nachwuchskrabbler aus Kassel bereits wissen, dass der Neoliberalismus an der steigenden Kriminalität schuld ist, also voraussetzen, was es eigentlich zu zeigen gölte, muss man in ihrem Glauben geschult sein, ein Eingeweihter im anti-neoliberalen Glauben mit entsprechender Ehrfurchtsbezeugung vor der Monstranz des Nicht-Neoliberalismus, um mit dem Gegenstand der Podiumsdiskussion etwas anfangen zu können. So wie Kirchgänger nicht in die Kirche gehen, um dort vom Teufel überzeugt zu werden und so wie Terroristen nicht in ihren jeweiligen Zellen wandern, um sich dort zum Pazifisten ausbilden zu lassen, so wollen auch die Podiumsdiskutierer nicht hören, dass ihre gesamte Fragestellung Unsinn ist, sich entsprechend nicht in ihrem Glauben erschüttern lassen. Kirchen und Glaubensgemeinschaften haben mit Wissenschaft nichts zu tun.

Zusammenfassend können wir feststellen, dass alle drei Kriterien zur Ermittlung von Junk Science erfüllt sind. Wer entsprechend Junk Science in Aktion erleben will, kann dies am 3. und 4. November in Kassel tun.


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Sexinos und Sexonen: Die Junk Science ist in der Physik angekommen

Eleganter Unsinn.jpgWir rufen auf ScienceFiles eine neue Reihe ins Leben und nennen sie schlicht „Junk Science“. Die Reihe ist Alan Sokal und Jean Bricmont gewidmet, die sich mit ihren Buch „Eleganter Unsinn“, das vielleicht besser „schreiender Blödsinn“ betitelt worden wäre, um die Wissenschaft verdient gemacht haben, und zwar dadurch, dass sie den Unsinn, wie ihn z.B. Jacques Lacan, Jean Baudrillard oder Julia Kristeva schreiben, also ebensolchen postmodernen Unsinn bloßgestellt haben. Zygmund Baumann hat die Postmoderne in der Wissenschaft in der ihm eigenen Weise als Willkürlichkeit beschrieben, die Wissenschaft durch persönliche Vorlieben ersetzt und die Methoden, die Wissenschaft zusammenhalten, durch Selbstbetrachtungen, Reflexionen oder Hinterfragung ersetzt:

“Postmoderne ist ein Freibrief, zu tun, wozu man Lust hat, und eine Empfehlung, nichts von dem, was man selbst tut oder was andere tun, allzu ernst zu nehmen.“

Die Motivation, die hinter der Aufweichung wissenschaftlicher Standards und dem Versuch, Willkür und Idiosynkrasie als wissenschaftliche Methode zu etablieren, steht, ist offenkundig: Wer sich an Methoden und Standards hält, macht seine Arbeit und sich selbst zum Gegenstand von Prüfung und gegebenenfalls von Kritik. Entsprechend kann es passieren, dass Personen, die Wissenschaftler darstellen wollen, als Spruchbeutel entlarvt und als kompetenz- und zumeist geistlose Imitationen eines Wissenschaftlers bloßgestellt werden. Allerdings ist eine derartige Bloßstellung und Entlarvung nur möglich, so lange es noch eine Mehrzahl von Personen im institutionalisierten Wissenschaftsbetrieb gibt, die die Standards und Methoden der Wissenschaft kennen und beherrschen.

Uns scheint, dass das Pendel an deutschen Hochschulen derzeit heftig in Richtung der Willkür ausschwingt, dass Wissenschafts-Imitatoren mittlerweile zu einem gewohnten Bild geworden sind und dass sich etablierte Wissenschaftler – wie gewöhnlich – zu fein sind, dem auf die Finger zu schlagen, der an ihrem Ast sägt.

Entsprechend sammeln wir in dieser Reihe Beispiele dafür, wie Junk Science als Wissenschaft ausgegeben und in Zeitschriften und Verlagen, die für sich in Anspruch nehmen „wissenschaftlich“ zu sein, veröffentlicht werden. Die Grundlage zur Beurteilung von Junk Science stellt unser Grundsatzprogramm und in vielen Fällen der gesunde Menschenverstand dar.

Wir beginnen unser Reihe mit Helene Götschel, die auf Kosten der niedersächsischen Steuerzahler als „Maria-Goeppert-Mayer Professorin für Gender in Ingenieurwissenschaften und Informatik an der Fakultät für Maschinenbau und Bioverfahrenstechnik der Hochschule Hannover ihr Auskommen gefunden hat.

Die Welt der Elementarteilchen. Geschlechterforschung in der Physik„, so lautet der Beitrag von Götschel, der auf den Seiten 169 bis 187 im von Smilla Ebeling und Sigrid Schmitz herausgegebenen Buch „Geschlechterforschung und Naturwissenschaften
Einführung in ein komplexes Wechselspiel“ zu finden ist.

Ihren Beitrag fasst Götschel wie folgt zusammen:

junk_science„Die Welt der kleinsten Teilchen wird physikalisch durch ein Standardmodell beschrieben. Dieses physikalische Konzept unserer materiellen Welt wird zunächst aus der Sicht der Teilchenphysik vorgestellt. In diesem Modell scheint Geschlecht keine Rolle zu spielen. Um Geschlechterverhältnisse sichtbar werden zu lassen, wechseln wir daher zu einer transdisziplinären1 Perspektive und betrachten zunächst drei Beispiele, die sich auf der Ebene der Menschen in der Teilchenphysik mit Diskriminierungen im Arbeitsalltag, dem männlichen Erbe der Physik und der an männlichen Tugenden orientierten Fachsozialisation beschäftigen.“

Wir lernen, Atome, Neutrinos, Quarks, sie alle haben ein Geschlecht, ein Geschlecht, das erst sichtbar wird, wenn von der Ebene der physikalischen Phänomene auf eine transdisziplinäre Ebene übergewechselt wird. Auf die transdisziplinäre Ebene von Soziologie, Philosophie, Geschichte und Linguistik muss Götschel wohl wechseln, weil sie von Physik nicht allzu viel Ahnung hat oder weil man auf der Ebene physikalischer Phänomene keine Geschlechterverhältnisse zwischen Protonen, Neutronen und Elektronen sichtbar werden lassen kann.

Die Frage, ob es sich bei einem Beitrag um Junk Science handelt, kann anhand von mindestens drei Kriterien beantwortet werden:

  • Nachvollziehbarkeit,
  • Prüfbarkeit/Falsifizierbarkeit,
  • Erkenntnisgewinn/Anschlussfähigkeit

Nachvollziehbarkeit bezieht sich auf die Frage, ob außer dem Autoren noch jemand auch nur eine Chance hat, die Gedankengänge nachzuvollziehen, ob es möglich ist, eine intersubjektive Ebene der Verständigung zu erreichen. Prüfbarkeit/Falsifizierbarkeit fordert, dass wissenschaftliche Aussagen etwas über die Realität aussagen, an dieser geprüft und falsifiziert werden können. Erkenntnisgewinn/Anschlussfähigkeit fragt danach, ob von der Erkenntnis, die der Autor nach seiner Ansicht hat, ein Gewinn für andere resultiert und ob die Erkenntnis anschlussfähig in der Weise ist, dass wissenschaftliche Theorien weiterentwickelt werden können (Wissenschaft ist ein kumulativer Prozess!) und ein gesellschaftlicher Nutzen gewonnen werden kann.

Götschel erhält von uns drei Mal die Note mangelhaft:

  • Nachvollziehbarkeit: Warum eine soziologische, linguistische oder philosophische Betrachtung von atomaren Teilchen einen Einfluss auf das Verhalten der entsprechenden Teilchen, ihre Beschreibung oder ihre Einbindung in physikalische Theorien haben soll, ist in keiner Weise nachvollziehbar, zumal es z.B. keine soziologische Theorie gibt, die sich mit z.B. der Interaktion von Neutrinos beschäftigt. Dies ist Gegenstand der Physik. Eine soziologische, linguistische oder philosophische Sichtweise ist hier belanglos.
  • Prüfbarkeit/Falsifizierbarkeit: Die Relevanz von Geschlechterverhältnissen in „der Welt der kleinsten Teile“ wäre durch einen Satz zu beschreiben, der das Verhalten der entsprechenden Teile unter der Annahme, dass sie ein Geschlecht haben, darstellt, etwa in der Weise. Ein männliches Neutrino wird dann, wenn … x tun, während ein weibliches Neutrino y tun wird. Da es bislang noch nicht gelungen ist, männliche und weibliche „kleine Teilchen“ in der Welt der Physik zu finden, ist die transdisziplinäre Sichtweise auf die Welt der kleinen Teilchen belanglos.
  • Die transdisziplinäre Sicht auf Neutrinos oder Quarks, deren Ziel darin besteht, Geschlechterverhältnisse erkennbar zu machen, ist auch nicht anschlussfähig, denn der Essentialismus, den Götschel z.B. mit dem Begriff „männliche Tugenden“ beschreibt, ist aus den empirischen Wissenschaften ungefähr seit Francis Bacon verschwunden.

Diese Junk Science wurde von Springer verlegt.

Götschel ist würdiger Anfang für unsere neue Reihe „Junk Science“, wie wir finden.

Wer andere deutschsprachige Beispiele derartiger Junk Science kennt, der kann uns die entsprechenden Hinweise gerne zuschicken.


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Universität Duisburg-Essen: Letzte Zuckungen eines kümmerlichen Genderismus

Bei uns häuft sich die Junk-Science von der Universität Duisburg-Essen. Scheinbar wird dort rausgehauen, was geht, eine richtige fiesta bobada. Das neueste Beispiel kommt von Kümmerling, von Dr. Angelika Kümmerling und bejammert das Gender Time Gap. Ja, das gibt es auch. Das Gender Time Gap. Es besteht darin, dass Frauen seit Jahrzenten deutlich weniger arbeiten als Männer: 8,2 Arbeitsstunden weniger in der Woche und im Durchschnitt waren es 2015, so hat Kümmerling in ihrer Arbeitszeit herausgefunden.

Damit haben wir ein deskriptives Ergebnis: „abhängig beschäftigte Frauen arbeiteten im Jahr 2016 durchschnittlich 30,1 Stunden in der Woche“, während „abhängig beschäftigte Männer im Durchschnitt 38,3 Stunden pro Woche“ gearbeitet haben. Der Unterschied ergibt sich daraus, dass Männer in der Regel Vollzeit arbeiten, während viele Frauen Teilzeit arbeiten.

Was macht man mit einem solchen deskriptiven Ergebnis?
Man kann versuchen, es zu erklären.
Das jedenfalls würde man tun, wenn man ein Wissenschaftler wäre.
Kümmerling ist kein Wissenschaftler, denn sie versucht nicht, das deskriptive Ergebnis zu erklären.
Kümmerling ist Ideologe. Und im Gegensatz zu Wissenschaftlern bewerten Ideologen alles Deskriptive. Ideologen sind nicht glücklich, wenn sie nicht bewerten können, sie sind getrieben von einer Bewertungs-Manie. Die Manie äußert sich wie folgt:

facepalm-Godzilla“Männer sind nach wie vor nahezu ausschließlich in Vollzeit erwerbstätig, während Frauen zumindest in bestimmten Lebensphasen auf Beschäftigungsverhältnisse mit einer geringeren Stundenanzahl setzen, z.B. um sich verstärkt der Kinderbetreuung widmen zu können. Diese Teilzeitstrategie, mit den bekannten Auswirkungen eines geringeren Einkommens und schlechteren Karriereaussichten, führt zu einer nicht ausreichenden eigenständigen sozialen Absicherung der Frauen sowohl in der Erwerbsphase als auch bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder im Alter. Damit wird der Preis für eine bessere Vereinbarkeit und ein entspannteres Familienleben von den Frauen gezahlt, indem sie nicht über die Rolle der Hinzuverdienerinnen im Haushalt hinaus kommen.“

Wenn man den ideologischen Unsinn, den wir gerade zitiert haben, auf seine Prämissen reduziert, dann ergibt sich ein Terrorgebilde. Der Terror wird von der Fortpflanzung ausgeübt. Sie zwingt Frauen gleich zu zwei Opfern. Einmal müssen sie ihre Karriere, ihr Einkommen und ihre Rente ihrer Funktion des Kindergebärens opfern, um die Familie, wie sie sich Kümmerling vorstellt, ins Leben zu rufen. Ist die Familie erst einmal ins Leben gerufen, dann folgt auch gleich das zweite Frauenopfer, dieses Mal in Form von Teilzeit, die Frauen auf sich nehmen, um ein „entspanntes Familienleben“ zu garantieren.

Eigentlich ist das nicht nur ideologischer Unsinn, eigentlich ist es mehr als kümmerlich, schon weil es kümmerlich ist, anzunehmen, dass Frauen Wesen ohne einen eigenen Willen sind, der sie Beruf vor Familie und Kindern wählen lässt. Man könnte fast sagen, dass niemand, nicht einmal Frauen, dazu gezwungen werden, Kinder in die Welt zu setzen. Ja die philosophische Tradition der Willensfreiheit geht geradezu davon aus, dass auch Frauen, sofern man sie in der Klasse des homo sapiens verortet, das tun können, was Menschen auszeichnen soll: Eine Wahl treffen und im vorliegenden Fall z.B. nein sagen. Das nun wieder, dass Frauen nein sagen könnten, sich gegen Kinder und für Beruf entscheiden könnten, kann sich Kümmerling in ihrer kümmerlichen Welt gar nicht vorstellen. Sie ist der Ansicht, dass Frauen keinen eigenen Willen haben und entsprechend auch nicht zur Gattung des homo sapiens zu rechnen sind.

junk_scienceUnd wegen dieses kümmerlichen Blicks auf Frauen, entgeht Kümmerling auch, dass Frauen, würde man ihnen ein eigenes Urteil oder gar eine eigene Entscheidungsfähigkeit zugestehen, tatsächlich Kinder einem Beruf vorziehen können und Kinder dazu nutzen können, um der Vollzeit zu entgehen und über die Elternzeit in die Teilzeit oder gleich ganz in die Freizeit zu flüchten. Eine Arbeitsminimierungsstrategie kann man das nennen, oder besser könnte man das nennen, wenn man denken würde, auch Frauen können denken. Aber so lange es die Universität Duisburg-Essen und die dortige Kaderschmiede, die kognitiv doch arg kümmerliche Wesen hervorbringt, gibt, scheint es von dort keine Zugeständnisse an die Ratio von Frauen zu geben.

Entsprechend raten wir Frau Kümmerling, einen weiten Bogen um Wales zu machen, denn die Frauen in Wales, wie im Vereinigten Königreich im Allgemeinen, aber in Wales im ganz Besonderen, nehmen es nicht locker, wenn man ihnen die eigene Fähigkeit zu Entscheidungen abspricht, auch oder besonders die Frauen in der ScienceFiles-Redaktion nicht, die über schlagfertige Argumente in jeder Form verfügen, um kümmerliches Denken aus der Welt der normalen Menschen zu entsorgen.

P.S.

Kann jemand diese Kümmerlinge ruhig stellen, denn sie sind nur noch mit Kümmerling zu ertragen und wir fürchten, angesichts der kümmerlichen Qualität der Kümmerlingschen Elaborate, dass wir unsere recommended daily allowance an Kümmerling überschreiten.


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Anschlag auf den Intellekt: Wird an der Universität Duisburg-Essen Unsinn gelehrt?

Nachdem wir gestern von der Ludwig-Maximilians-Universität die Kunde verdauen mussten, dass eine wissenschaftliche Angestellte denkt, Freiheit sei gefährlich und uns kaum von diesem intellektuellen Tiefschlag erholt haben, hat uns heute ein Beitrag aus der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KfZSS) getroffen.

Gut, dass René König schon vor Jahren verstorben ist. Wenn er mitbekäme, was aus seiner Kölner Zeitschrift geworden ist, dass sie zum Organ der Junk Science zu degenerieren scheint, es triebe ihn dahin, wo er jetzt ist.

KfzssFührungspositionen im Ehrenamt – ein weiterer Bereich der Benachteiligung von Frauen?, so ist das Corpus Delikti überschrieben, in dem versucht wird, die soziologische Forschung unter Anwendung statistischer Methoden und auch nach „Heckman-Korrektur“ noch statistisch signifikant in die Zeit zu versetzen, als die Erde noch von den grunzenden Lauten erfüllt wurde, die man heute in schriftlicher Form über sich ergehen lassen muss. Aneinanderreihungen von Worten, die vorgeben Sätze zu sein und dennoch nichts anderes als schriftliches Grunzen darstellen.

Marcel Erlinghagen, Belit Saka und Ina Steffentorweihen, alle von der Universität Duisburg-Essen, von der wir langsam eine bedenklich Häufung intellektueller Tiefschläge ausgehen sehen, statistisch signifikant auch nach Heckman-Korrektur, sie sind die Täter, die sich an Soziologie und statistischer Datenanalyse vergangen haben, in Probit-Regressionen, für die sie eigens eine „zentrale abhängige Variable“ konstruiert haben, „die den Wert ‚1‘ annimmt, wenn die Frage [ob der Befragte im Rahmen seines ehrenamtlichen Engagements eine Leitungs- oder Vorstandsposition“ innehat] mit Ja beantwortet wurde (ansonsten 0)“.

Die so konstruierte „zentrale abhängige Variable“ [ob es eine dezentrale abhängige Variable gibt und wenn ja, wie sie aussieht, das wissen wir leider nicht, weil es aus dem Text nicht hervorgeht…] dient dazu, die Frage zu beantworten, „ob es auch im Bereich unbezahlter, ehrenamtlicher Arbeit Hinweise auf eine Benachteiligung von Frauen gibt“.

Haben Sie bemerkt, wie Ihnen hier ein „auch“ untergeschoben wurde, durch die Autoren. Wir haben es bemerkt und hätten eigentlich an dieser Stelle die Lektüre schon beenden können, denn offensichtlich gehören die Autoren zu den Gläubigen, die denken, wenn sie eine Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft behaupten, dann würde ihnen dies die Tür zu öffentlicher Förderung öffnen. Das hat nun mit Wissenschaft nichts zu tun und wir sind ein Wissenschaftsblog.

Aber: Die drei aus Duisburg-Essen haben ihren Text in der KfZSS veröffentlicht und die hatte einmal etwas mit Wissenschaft zu tun. Also lesen wir weiter und klären zunächst einmal ein Missverständnis, auf das Dr. habil. Heike Diefenbach, wir denken, es war 1995, kann aber auch 1990 gewesen sein, erstmals in einem Text darauf hingewiesen hat, dass nämlich die deutsche Sprache zwischen Nachteil und Benachteiligung unterscheidet.

Einen Nachteil kann man haben, z.B. weil man als Kind von Eltern aus der Mittelschicht geboren wurde und deshalb ständig deren Vorstellungen einer erfolgreichen Bildungskarriere gerecht werden muss. Einen Nachteil kann man auch haben, wenn man als kleiner Mensch versucht mit großen Menschen im Basketball zu konkurrieren. Ein Nachteil hat aber nichts mit einer Benachteiligung zu tun, denn eine Benachteiligung wird einem Menschen aktiv von anderen Menschen zugefügt, um ihm eine schlechtere Ausgangsposition zu verschaffen. Wenn Jungen in deutschen Schulen nachweislich eine bessere Leistung erbringen müssen als Mädchen, um dieselbe Bewertung zu erhalten (Diefenbach, 2007), dann ist dies eine Benachteiligung. Wenn sich Autoren, die sinnvolle wissenschaftliche Beiträge an die KfZSS einreichen, in einem Band mit Erlinghagen, Saka und Steffentorweihen wiederfinden, dann ist dies eine besonders ärgerliche Form der Benachteiligung.

Auf eine verständliche Formel gebracht: Nachteile hat man, eine Benachteiligung wird einem zugefügt.

Diese einfache Formel ist für Erlinghagen, Saka und Steffentorweihen offensichtlich noch zu kompliziert, denn sie denken, wenn sie zeigen, dass Frauen seltener „eine Leitungsposition im Ehrenamt“ innehaben, dann zeige dies Benachteiligung. Das tut es nicht. Es zeigt, dass Frauen seltener „eine Leitungsposition im Ehrenamt“ innehaben.

Damit kommen wir zur nächsten intellektuellen Unfähigkeit der Autoren, die offensichtlich nicht in der Lage sind, deskriptive Daten als deskriptive Daten zu erkennen. Dass Ideologie sie an dieser einfachen Erkenntnis hindert, zeigt ihre Interpretation von Tabelle 1. Dort interpretieren sie den geringeren Anteil von Frauen „in Leitungspositionen im Ehrenamt“ als Benachteiligung, während sie den geringeren Anteil von Männern an Befragten, die in ihrer Stichprobe vorhanden sind, nicht als Benachteiligung der Männer im Zugang zur Stichprobe [Man kann es auch als Verzerrung ansehen] interpretieren.

Derartige ideologische Dummheit in einem wissenschaftlichen Artikel, die den Intellekt der Leser verärgern muss, ist höchst unerfreulich und der Grund, warum wir uns entschlossen haben, die KfZSS jetzt endgültig als der Verbreitung und in Verkehrbringung von Junk Science, also dem schlechten Fälschen oder Nachmachen wissenschaftlicher Erzeugnisse für schuldig zu erklären.

Die Stichprobe der drei Dusiburg-Essener umfasst übrigens 19.955 Personen, 57% davon sind weiblich – was die Frage aufwirft, wo diese massiv verzerrte Stichprobe gezogen wurde. Die Antwort: Die Daten stammen aus der dritten Welle des Freiwilligensurvey aus dem Jahre 2009, dessen Daten im Auftrag der Bundesregierung gesammelt wurden (für wen sonst?). Wir haben es hier also mit ideologisch motivierten und vermutlich auch verzerrten Daten zu tun, die von den drei aus Duisburg-Essen auch noch ideologisch interpretiert werden. Und die KfZSS druckt das.

junk_scienceDie Probit-Regressionen, wegen derer die „zentrale abhängige Variable“ konstruiert wurde, sie beinhalten eine Unmenge Variablen und erklären irgendwo um die 9% der Varianz, d.h. 81% der Varianz werden nicht erklärt [Die Autoren haben ein Pseudo R-Quadrat berechnet, was in manchen Kreisen als Garant dafür gilt, dass man seinen Wert nicht als erklärte Varianz interpretieren kann. Diese Ansicht ist falsch. Man kann es. Wer also bislang versucht hat, die Armseligkeit seiner Analysen hinter einem Pseudo R-Quadrat zu verstecken: Es funktioniert nicht.]. Ein schneller Blick über die Tabelle 2 des Textes, zeigt, dass die meisten unabhängigen Variablen keinen Erklärungsbeitrag zur Frage, „Leitungsposition: Ja oder nein?“ leisten.

Kürzen wir den ermüdenden Beitrag, der so zu Fuß ist, dass man bereits vom Lesen Muskelkater in den Füßen bekommt, ab und wenden uns der Diskussion der Ergebnisse zu.

Die Autoren haben gezeigt, dass Frauen in ihrer Stichprobe anteilig seltener in „Leitungspositionen im Ehrenamt“ zu finden sind und dass die Variable Geschlecht mit ihrer „zentralen abhängigen Variablen“ einen statistischen Zusammenhang von -0,091 aufweist. In der Probit Regression zeigt sich demnach, was wir schon wissen: Frauen sind seltener in „Leitungspositionen im Ehrenamt“ zu finden. Das ist beruhigend. Arbeitslose, Rentner, 25 bis 34jährige und 35 bis 44jährige haben wie Frauen eine geringere Wahrscheinlichkeit, eine „Leitungsposition im Ehrenamt“ inne zu haben.

Was man, wenn man in ideologischer Verblendung schwelgt, in der man vollständig vergessen kann (oder es erst gar nicht weiß), dass man, um eine Leitungsposition in einem Verein oder einer Partei oder in einer Kirche einzunehmen (das sind weitgehend die ehrenamtlichen Tätigkeiten, die berücksichtigt sind), sich erstens bereiterklären muss, diese Position mit ihrer Verantwortung zu übernehmen und zweitens in der Regel auch in diese Position gewählt werden muss, was man aus diesem deskriptiven Befunden machen kann, dass zeigen die Autoren unter der Überschrift „Zusammenfassung und Diskussion“.

Ihre Analyse, so behaupten sie steif und fest, habe „eine Benachteiligung von Frauen hinsichtlich der Übernahme ehrenamtlicher Leitungsfunktionen“ gezeigt. Sie behaupten das unter völliger Ignoranz ihrer Daten und Ergebnisse. Wir fragen uns deshalb, ob es an deutschen Hochschulen eine Art Verdummungsvirus gibt, der dazu führt, dass man deskriptive Zusammenhänge ausschließlich normativ wahrnehmen kann. Unseren Verdacht, dass dieser Gehirnzellen zersetzende und neuronale Prozesse störende oder hemmende Virus in einem Zusammenhang zum Genderismus steht, konnten wir bislang nicht prüfen – aber es erscheint uns als plausible Arbeitshypothese.

Und nun zum besten Teil des Beitrags der zeigt, wie man seiner Phantasie freien Lauf lassen kann und die Frage aufwirft, warum die Autoren nicht nur ihre Zusammenfassung und Diskussion veröffentlicht haben, denn was sie hier erzählen hat mit den Daten und ihren Ergebnissen sowieso nichts zu tun.

Prof Facepalm“Denkbar wäre nämlich darüber hinaus, dass Führungspositionen in Ehrenämtern von jenen Personen übernommen werden, die auch im Erwerbsleben solche herausgehobenen Positionen bekleiden (Spill-over-Effekt). Hier scheinen Männer durch ihre Überrepräsentanz in den Führungsetagen in Unternehmen bevorteilt zu sein, weil sie ihre schon geübte und vertraute Rolle aus dem Erwerbsleben in den Bereich des Ehrenamts übertragen können. Nicht zuletzt deutet die nur für Frauen nachweisbare verringerte Wahrscheinlichkeit, beim Einstieg in die ehrenamtliche Tätigkeit sofort eine Führungsaufgabe zu übernehmen, auf mögliche strukturelle und ideologische Barrieren hin. Frauen müssen sich insofern auch im Ehrenamt erst einmal „beweisen“ oder „bewähren“, während Männern eine Führungsaufgabe sofort zugetraut wird.“

Haben die Autoren geprüft, ob männliche Ehrenamtliche in Leitungsposition auch eine Leitungsfunktion in einem Unternehmen oder einer Verwaltung bekleiden? Nein. Haben Sie geprüft, ob es überhaupt – außer ihnen – in Vereinen oder bei Kirchen jemanden gibt, der die Frage, mit wem eine Leitungsposition besetzt werden soll, mit einem Blick zwischen die Beine beantwortet? Nein. Was die Autoren hier verlautbaren, ist vermutlich das Ergebnis ihrer Tagträume. Wissenschaft ist es nicht. Was es in der KfZSS zu suchen hat? Wir wissen es nicht.

Und weiter geht es:

“Jedoch ist als weitere Begründung durchaus denkbar, dass die seltenere Übernahme von ehrenamtlichen Leitungsfunktionen durch Frauen nicht (allein) auf strukturelle Diskriminierung „von außen“ zurückzuführen ist, sondern zu einem mehr oder weniger großen Teil auch durch einen freiwilligen Verzicht von Frauen auf Führungspositionen erklärt werden könnte; hierbei wäre dann auch die Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf einerseits und leitendem Ehrenamt andererseits zu berücksichtigen“

Agin Junk scienceSelbstverständlich teilt jeder den Fetisch der Autoren, der offensichtlich in der Bekleidung einer Leitungsfunktion Status und Wichtigkeit erblickt. Nun, manche Menschen sind auf das stolz, was sie geleistet haben und benötigen keine Position, um aus der Position das abzuleiten, was sie selbst nicht leisten konnten. Aber natürlich ist das bei Frauen ausgeschlossen. Wie irre diese Annahme der Autoren ist, zeigt sich daran, dass in ihren probit-Modellen auch nach Heckman-Korrektur keinerlei Zusammenhang zwischen Kinderbesitz und Leitungsposition vorhanden ist, vor allem kein negativer, d.h. es ist für die Frage der Leitungsposition vollkommen unerheblich, ob Kinder vorhanden sind oder nicht.

Aber Daten müssen eben da zurückstehen, wo die Ideologie einbricht.
Wir wissen jetzt nicht, ob Junk Science, wie der Beitrag von Erlinghagen, Saka und Steffentorweihen, das ist, was man aus Dusiburg-Essen generell zu erwarten hat, ob es der Ausdruck dessen ist, was man in Duisburg-Essen lernt oder einfach nur ein Zeichen dafür, dass die KfZSS mittlerweile Illiteraten beschäftigt, um eine Peer-Review durchzuführen, in jedem Fall würden wir, wären wir in der misslichen Lage, Soziologie an der Universität Duisburg-Essen zu studieren zu müssen, ernsthaft über einen Wechsel des Studienortes nachdenken.

Duisburg-Essen tut dem Intellekt nämlich offensichtlich nicht gut.


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Forscher fordern: Benzinpreis erhöhen!

Dass wir das noch erleben müssen.
Es ist, als wären wir in der Zeit zurück gebeamt worden.

Montreal, 1998: 13. Weltkongress der International Sociological Association.
Sektion soziologische Theorie; Vortrag aus Deutschland; Ergebnis der Anwendung der Rational Choice Theorie; Wenn es regnet, dann fahren weniger Studenten mit dem Rad zur Universität, vielmehr nutzen Sie den Bus oder die Straßenbahn.

Wow. Wer hätte das gedacht?

Und warum tun sie das?

Damit sie nicht nasswerden.

ISANun verpacken wir die ganze Trivialität noch in eine entsprechende Sprache und sehen, dass die Entscheidung, mit dem Rad zur Universität zu fahren, von Randbedingungen beeinflusst wird, die die Kosten für die Verwendung des Rades bei gleichzeitigem Konstanthalten des Nutzens steigen lassen. Das Prinzip der Nutzenmaximierung besagt, dass man die Alternative wählt, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit den größten Nutzen erbringt. Eh voilá. Ein perfektes Beispiel dafür, wie man Trivialitäten unter Missbrauch von Theorien zu einem Popanz stilisiert, der die Augen derer tränen lässt, die tatsächlich an wissenschaftlicher Erkenntnis interessiert sind und die entsprechenden Theorien zur Erklärung von sozialen Tatsachen benutzen, nicht dazu, die eigene Einfallslosigkeit zu kaschieren.

Reisen wir wieder in die Jetzt-Zeit.
Informationsdienst Wissenschaft; 3. August 2016: Höhere Benzinpreise animieren zum Umstieg auf das Rad – aber nur in Städten!

Wow. Wer hätte das gedacht.

Aber eine Trivialität bleibt selten allein:

„Ein Anstieg der Benzinpreise um einen Euro würde die Nutzung von Fahrrädern in privaten Haushalten um 14,4 Prozentpunkte erhöhen, allerdings nur in urbanen Räumen. In ländlichen Räumen ist dagegen kein signifikanter Effekt zu erwarten. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer aktuellen RWI-Studie, der rund 16 300 Beobachtungen zum Mobilitätsverhalten deutscher Haushalte für die Jahre 1999 bis 2013 zugrunde liegen“.

Und deshalb:

Prof Facepalm„Auf Basis dieser Ergebnisse schlagen wir vor, die Kraftstoffpreise weiter zu erhöhen“, so die Autoren der Studie, Prof. Manuel Frondel und Prof. Colin Vance. Dies würde nicht nur die Autofahrer zum Umstieg auf das Rad bewegen, sondern auch zu zusätzlichen Steuereinnahmen führen. „Diese Einnahmen könnte die Politik dazu benutzen, das Radfahren sicherer und angenehmer zu machen, indem sie zum Beispiel in zusätzliche, gut markierte Radspuren auf den Fahrbahnen investiert, die die Radfahrer deutlich von den Autofahrern trennen.“

So einfach geht das. Und die Radfahrerlobby reibt sich natürlich die Hände ob dieses Coup der angeblichen Forscher des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V.

Natürlich ist diese Form des politisch-korrekten Nudgings, dessen Zweck darin besteht, Bürgern vorzuschreiben, was sie zu tun haben und sich selbst bzw. seinen Auftraggebern oder Kumpanen ein nettes Nebenverdienst zu verschaffen, mit einigen Problemen behaftet, deren Übersehen man früher mit dem Elfenbeinturm, in dem Wissenschaftler vermutet wurden, erklärt hat. Eine Erklärung, die dem Tunnelblick, der heutige angebliche Wissenschaftler auszeichnet, nicht mehr gerecht wird.

Der Tunnel, an dessen Ende Radfahren als einzig erstrebenswertes Ziel zu finden ist, das mit keinerlei Nachteilen verbunden ist, er scheint sich in einem entsprechenden Kurzschluss von Neuronen in den Forschergehirnen wiederzuspiegeln, der sich daraus erklärt, dass Forscher in der Regel in Städten wohnen, sich für links halten, die entsprechende politisch-korrekte Etikette herbeten können und deshalb denken, wenn sie der Etikette entsprechen, erhalten sie Brownepunkte.

Nun ist Radfahren im universitären Umfeld sehr verbreitet und auch im städtischem Umfeld recht einfach zu bewerkstelligen, da die Entfernungen meist nicht der Rede wert und die Geländeverhältnisse in der Regel die Steigungen vermissen lassen, die für viele ländlichen Gebiete Normalität sind. Immerhin gestehen die Forscher den ländlichen Miesepetern, die das Rad trotz höherer Benzinpreise nicht in gleicher Weise mehr nutzen würden, wie die städtische Vorhut der Radfahrerschicht, zu, dass auf dem Land die „Entfernungen größer sind“. Mehr nicht.

Ein weiteres Denken findet nicht statt. Und so fragt sich niemand, wie der Arbeiter auf dem Land in seine Fabrik gelangt, wie der Bauer auf sein Feld, wie die Materialien, die man außerhalb von Universitäten für die Ausübung des eigenen Berufes benötigt, auf das Mountainbike geschnallt werden können, und wie man es bewerkstelligen kann, als Lehrer auf dem Land mit dem eigenen Rad und über teilweise von landwirtschaftlichem Verkehr eingeschlämmte Straßen in einem Zustand zur Schule zu gelangen, der einem nicht zum Gespött der eigenen Schüler werden lässt.

Derartig komplexe Gedanken daran, dass die Umwelt auf dem Land nicht der der Stadt entsprechen könnte, noch komplexere Gedanken daran, dass es selbst in einer Stadt Menschen geben soll, die anders als Universitätsangestellte nicht das Privileg genießen, in Freizeitklamotten am Arbeitsort erscheinen zu können, sie sind den beiden Professoren, ohne jeden akademischen Titel, Frondel und Vance, nicht nachvollziehbar [Früher war zum Professor eine akademische Qualifikation, die man in Form einer Dissertation und einer Habilitation nachgewiesen hat, notwendig. Heute kann offensichtlich jeder … [Beliebiges einsetzen] zum Professor ernannt werden.]

LandstrasseDenken wir an Montreal, dann werden wir heute reumütig, denn die damals Vortragenden, sie haben sich immerhin noch die Mühe gemacht, ihre Einfallslosigkeit mit dem Versuch, einer theoretischen Ummäntelung zu versehen. Die heutigen Ideologen, die sich bei Interessenverbänden und Regierungen andienen und für andere eben einmal einen höheren Benzinpreis beschließen wollen, machen sich nicht einmal diese Mühe, vermutlich einfach deshalb, weil sie es nicht können, sie sind ja schon mit dem Gedanken überfordert, dass es Menschen geben könnte, die nicht die Vorteile von Universitätsangestellten genießen.

In welcher Zeit leben wir eigentlich, in der sich angebliche Wissenschaftler dadurch hervortun, dass sie überlegen, wie man seine Mitmenschen politisch-korrekt schädigen könnte, in der es ihr Wichtigstes zu sein scheint, sich als politisch-korrekte Langweiler bei den Lobby- und Politikergruppen anzudienen, denen sie politisch nahe stehen und oft genug finanziert werden?


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Junk Science: Enthemmte Mitte oder enthemmte Akademiker?

Alle zwei Jahre wieder, kommt sie auf uns nieder: die Mitte-Studie, in der sich Medizin- und Patchworksoziologen der Universität Leipzig, um Elmar Brähler an empirischer Sozialforschung versuchen. Die Mitte-Studie des Jahres 2012 haben wir bereits unter der Überschrift „Die Konstruktion des Rechtsextremismus“ analysiert. Die 2014-Auflage der Mitte-Studie haben wir uns erspart. Die 2016-Auflage müssen wir wieder zur Kenntnis nehmen, als Reaktion auf sozialen Druck, der über unsere Mailbox ausgeübt wird. Ok. Wir analysieren die Mitte-Studie!

junk_scienceEine Veränderung vorweg: Nicht mehr die Friedrich-Ebert-Stiftung, sondern ein Konglomerat aus Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne), Otto-Brenner-Stiftung (Gewerkschaft) und Rosa-Luxemburg-Stiftung (LINKE) hat sich dieses Jahr bereiterklärt, die Kosten der Mitte-Studie zu übernehmen. Die Kosten allein für die Durchführung der Befragung, die zu 2.420 verwertbaren Interviews geführt hat, dürften bereits mehrere 100.000 Euro betragen. Es ist also auch 2016 wieder sichergestellt, dass Steuermittel in großem Umfang für die Mitte-Studie verbrannt werden, verbrannt deshalb, weil mit der Studie keinerlei wissenschaftlicher, sondern ausschließlich ideologischer Nutzen verbunden ist (Sofern man im Zusammenhang mit Ideologien überhaupt von Nutzen sprechen kann). Ideologischer Nutzen muss damit verbunden sein, sonst würden ihn nicht die drei linken Vereine von Parteien und Gewerkschaft mit den Steuergeldern bezahlen, die ihnen zugeschustert werden – oder handelt es sich hier nur um eine schlechte Angewohnheit?

Erhebungsmethoden

Die Mitte-Studie ist eine der Studien, die von sich behaupten, sie seien repräsentativ. Das an sich, ist bereits Unsinn, wie wir an anderer Stelle gezeigt haben. Im vorliegenden Fall kommen noch einige Irrtümer hinzu, die die Autoren wie folgt darlegen:

“Je größer die Stichprobe, desto geringer ist die Fehlerwahrscheinlichkeit. Das wichtigste Merkmal einer repräsentativen Erhebung ist allerdings, dass jedes relevante Merkmal in der Bevölkerung die gleiche Chance hat, in die Stichprobe einzugehen.“ (Decker et al., 2016: 25).

Enthemmte AkademikerZwei Sätze, zwei Fehler. Mit zunehmender Größe einer Stichprobe sinkt die Fehlerwahrscheinlichkeit nicht, denn die Fehlerwahrscheinlichkeit hat zunächst einmal nichts mit dem Umfang der Stichprobe, sondern mit der Qualität der Stichprobe zu tun: Wenn es gelingt, drei Deutsche zu finden, die so mittelmäßig sind, dass sie regelmäßig genau die Angaben zu Fragen machen, die die Mehrheit der Bevölkerung macht, dann ist die Fehlerwahrscheinlichkeit, also die Wahrscheinlichkeit, dass die Stichprobe die zugrundeliegende Population nicht abbildet, sehr gering. Wenn ich dagegen 5000 Mitglieder der Antifa zu Fragen des Anstands und der Moral befrage, werden am Ende der Befragung Ergebnisse stehen, die sehr weit von dem abweichen, was in der Mehrheit der Bevölkerung mit Anstand und Moral verbunden wird. Die Fehlerwahrscheinlichkeit ist also hoch. Kurz: Die Leipziger Mediziner haben nicht viel Ahnung von empirischer Sozialforschung.

Das macht auch der Folgesatz deutlich, der von „relevanten soziodemographischen Merkmalen“ spricht. Dummerweise weiß man immer erst hinterher, welche Merkmale relevant für eine bestimmte Fragestellung sind. Wüsste man es bereits vorher, man müsste gar keine Befragungen durchführen. Abermals erzählen die Autoren Unsinn. Die Mär der Repräsentativität, sie behauptet, dass jedes Element der Grundgesamtheit, also im vorliegenden Fall, jeder, der in Deutschland lebt, die gleiche Wahrscheinlichkeit hat, in die Mitte-Befragung zu gelangen.

Auch hinter dem eigenen Anspruch, eine repräsentative Stichprobe der Gesamtbevölkerung gezogen zu haben, bleiben die Autoren und USUMA, ihr Umfrageinstitut aus alter Verbundenheit, zurück: Ihre Stichprobe hat verhältnismäßig zu viele junge (unter 45 Jahre) und alte (über 65 Jahre) Befragte, zu viele Frauen (55,3%), zu viele Geschiedene und zu wenige Befragte ohne einen Schulabschluss, gemessen an der Verteilung der entsprechenden Gruppen in der Gesamtbevölkerung. Und dies ist nur das Ergebnis einer kursorischen Prüfung.

Fazit zu den Erhebungsmethoden: Dilettantismus.

Befragungsmethoden

Die Mitte-Studie will vornehmlich „Rechtsextremismus“ messen. Rechtsextremismus ist der Verkaufsanker, der Köder, an dem sich die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten mit Sicherheit festbeißen, und der Köder, der öffentlich-rechtliche Medienanstalten wie die ARD, die Ergebnisse der Mitte-Studie nur zu gerne und ohne Prüfung übernehmen sieht (immer vorausgesetzt, Journalisten bei öffentlich-rechtlichen Medien stellen keine Negativauswahl dar, die zur Prüfung der entsprechenden Ergebnisse gar nicht in der Lage sind.).

Rechtsextremismus wird in der Mitte-Studie völlig ungewöhnlich und wie folgt definiert:

“Der Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen darstellen. Diese äußern sich im politischen Bereich in der Affinität zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische
Einstellungen. (Decker & Brähler, 2006)“(Decker et al., 2016: 29)

Die angeblichen Wissenschaftler sind nicht einmal in der Lage, sich selbst korrekt zu zitieren. Da es sich um ein wörtliches Zitat handelt, ist eine Seitenangabe aus Decker und Brähler zwingend notwendig. In jedem Einführungskurs in die Quellenkunde wären die Autoren durchgefallen, und Friedrich Kahlenberg würde in seinem Bundesarchiv rotieren, wenn er noch in seinem Bundesarchiv wäre.

Abgesehen davon wird Rechtsextremismus also als Oberismus einer Reihe von Unterismen definiert. Jeder der Unterismen wird sodann gemessen, und zwar anhand von je drei Items.

Die hohe Kunst der Befragung, sie hat eine Reihe von No-Goes definiert, d.h. von Arten und Weisen des Vorgehens und der Formulierung von Fragen, die ein lauterer Wissenschaftler vermeidet. Decker et al. meiden die entsprechenden Vorgehensweisen nicht. Man findet sie fast alle versammelt.

Holm_Alle Aussagen, denen die Befragten zustimmen können oder nicht, werden mit fünf Antwortoptionen präsentiert: „lehne völlig ab“, „lehne überwiegend ab“, „stimme teils zu teils nicht zu“, „stimme überwiegend zu“, „stimme voll und ganz zu“. Sobald es an die Auswertung geht, sind drei der fünf Antwortoptionen verschwunden, die Ergebnisdarstellung beschränkt sich weitgehend auf die Optionen „stimme überwiegend zu“ und „stimme voll und ganz zu“ und beide Optionen werden der Einfachheit halber zusammengefasst. Das ist eine der Unsitten der empirischen Sozialforschung, die häufig durch zu geringe Fallzahlen bedingt ist. Warum, so muss man fragen, wird mit „Likert-Skalen“ erhoben, wenn das erste, was bei der Auswertung verschwindet, eben jene Likert-Skala ist? Zur Erinnerung: Likert-Skalen sind mit Blick auf die Auswertung der Daten entwickelt worden, nicht mit Blick auf die Erhebung der Daten. Aber das wissen die Mannen um Brählert offensichtlich nicht.

Grundsätzlich ist das Zusammenfassen von Antwortkategorien ein zulässiges Verfahren, jedenfalls dann, wenn die Aussagen, denen Befragte zustimmen oder die sie ablehnen sollen, entsprechend eindeutig formuliert sind. Das sind sie im vorliegenden Fall aber nicht.

  • „Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.“
    „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.“

Beide Aussagen sollen Ausländerfeindlichkeit messen. Wenn ein Befragter nun „stimme überwiegend zu“ zur ersten Aussagen als seine Antwortoption angibt, dann kann hinter dieser Angabe die Überlegung stehen, dass nicht alle Ausländer nach Deutschland kommen, um „unseren Sozialstaat auszunutzen“. Der entsprechende Befragte hätte sich somit an dem Wörtchen „nur“ gestört und mit Recht so, denn das Wörtchen „nur“ macht aus der Frage eine eine unzulässige Suggestivfrage, die darauf abzielt, entsprechende „affektuelle Reaktionen hervorzurufen“, wie Kurt Holm (1986: 64) das nennt. Man muss also annehmen, dass Befragte, die „überwiegend zustimmen“, die suggestive Ladung der Frage erkannt haben und ablehnen. Sie mit Befragten, die affektuell im vollen Umfang und damit so, wie suggeriert reagieren und „voll und ganz zustimmen“ zusammenzuwerfen, ist eine Manipulation der Ergebnisse, die den Ethikkrat der Profession beschäftigen müsste, wenn der entsprechende Ethikrat ein Ethikrat und kein Feigenblatt wäre.

Die selbe Argumentation kann im Hinblick auf die zweite Aussage anhand der Qualifikation „gefährlich“ vorgenommen werden. Wieder kommt man zu dem Ergebnis, dass die Daten von Decker et al. mit ihrer Zusammenfassung in einem nicht zulässigen Maß manipuliert wurden.

Noch ein paar Beispiele aus dem Schattenreich der suggestiven Fragen:

  • „Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß“:
    Setzt voraus, dass der Einfluss der Juden einst zu groß war.
  • “Es gibt wertvolles und unwertes Leben.“Formuliert eine Bigotterie, wie sich nicht zuletzt daran zeigt, dass viele Menschen kein Problem damit haben, Tiere zu fressen und damit tierisches Leben zu vernichten, das sie wohl als unwert zu weiterem Leben angesehen haben.
  • “Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen sich nicht an“: Aus der Trickkiste der mehrfachen Stimuli, aus denen sich der Forscher aussuchen kann, was er gerne hätte. Sind die Befragten, die hier zustimmen, nun der Ansicht, Juden hätten etwas Besonderes an sich oder etwas Eigentümliches oder etwas Besonderes und etwas Eigentümliches? Sind die Befragten der Ansicht, sie würden sich wegen diesem Besonderen oder wegen diesem Eigentümlichen oder wegen beiden nicht anpassen oder der Ansicht, dass sich Juden unabhängig von Besonderem und Eigentümlichem nicht anpassen?

Jedem Methodenlehrer an einer Universität, der sich mit Frageformulierungen befasst, müssen angesichts dieser kategorialen Fehler bzw. dieser angewendeten Manipulationstechniken die Haare zu Berge stehen. Bei Decker et al. stehen die Haare sicher nicht zu Berge, nicht einmal die Schamesröte wird sie ereilen – das ist eine Prognose mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit von weniger als 5% (auf eine F-Verteilung bezogen).

Der größte Hammer, der letztlich ganz deutlich zeigt, dass es bei der sogenannten Mitte-Studie einzig darum geht, Daten zur ideologischen Verwendung zusammenzustellen und damit die Befragten, die bereitwillig an der Befragung teilgenommen haben, zu missbrauchen, findet sich in den Tabellen 3 bis 8. Sie alle stellen Ergebnisse für Ost und West, für Abitur oder kein Abitur, für Altersgruppen oder letzte Partiwahl etc. dar, und zwar für „Befürwortung Diktatur“, „Chauvinismus“, „Ausländerfeindlichkeit“, „Antisemitismus“, „Sozialdarwinismus“, „Verharmlosung Nationalsozialismus“.

Wie sich vielleicht der ein oder andere Leser noch erinnert, definieren Decker und Brähler Rechtsextremismus als Oberismus über den hier genannten Unterismen. Rechtsextremismus setzt sich also nach ihrer eigenen Definition aus den sechs Unterismen zusammen, ist eine Kombination aus ihnen.

Ihre eigene Definition haben sie offensichtlich vergessen, wenn es darum geht, die Ergebnisse mit dem, was man wissenschaftliche Lauterkeit nennt, darzustellen. Statt Rechtsextremismus als Kombination der sechs Unterismen darzustellen, erwecken die Autoren den Eindruck, Rechtsextremismus ergebe sich schlicht durch Addition der sechs Ismen. Sie suggerieren ihren Lesern, es seien im Kern immer die gleichen Befragten, die den Unterismen von Rechtsextremismus zustimmen (oder schlimmer noch, man könne die Unterismen addieren, um zum Ausmaß an Rechtsextremismu zu gelangen). In Tabelle 3 wird z.B. von 2.1% der Befragten behauptet, dass sie den Nationalsozialismus verharmlosen würden. Die Darstellung suggeriert, dass sich diese 2.1% auch unter denen finden, die Sozialdarwinismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Chauvinismus und Diktatur befürworten. Und das ist falsch. Würden die Autoren ihren eigenen Anspruch einlösen und die sechs Unterismen zu Rechtsextremismus zusammenfassen, es gingen Ihnen reihenweise Befragte verloren, d.h., sie stünden am Ende mit vielleicht 2% Rechtsextremen nach ihrer eigenen Definition da und mit vielleicht 5%, die man mit viel gutem Willen als dem, was Decker et al. als Rechtsextremismus gemessen zu haben glauben, nahe stehend ansehen könnte. Immer vorausgesetzt, man kann die Zusammenfassung der Antwortkategorien und die Art und Weise der Formulierung der Aussagen rechtfertigen. Das kann man aber nicht, wie wir bereits dargelegt haben.

Ganz nebenbei ist es in der empirischen Sozialforschung ein Muss, für die Skalen, von denen man behauptet, man habe sie gemessen, auch zu prüfen, ob man sie tatsächlich gemessen hat. Entsprechende Methoden finden sich unter dem Stichwort „Reliabilität“. Wenig verwunderlich finden sich in der Mitte-Studie, der anscheinend völlig enthemmten Leipziger Akademiker, keinerlei Hinweise darauf, dass ein Reliabilitätstest durchgeführt worden wäre, so dass man davon ausgehen muss, dass die Autoren zwar behaupten, z.B. Chauvinismus gemessen zu haben, ihre Operationalisierung der latenten Variable „Chauvinismus“ aber nicht reliabel ist, d.h. sie haben irgend etwas gemessen.

Schnell hill esserDie neue Mitte-Studie ist somit ein weiteres Beispiel dafür, dass angebliche Wissenschaftler gerne bereit sind, die ideologische Schmutzarbeit für ihre Auftraggeber zu erledigen bzw. dass sie so mit Ideologie angefüllt sind, dass sie gar nicht merken, wem sie freudig zu Willen sind. Es finden sich so ziemlich alle Techniken der suggestiven und manipulativen Befragung, die lautere Wissenschaftler meiden wie die Pest, es findet sich eine unlautere Zusammenfassung der Antworten, die Befragte gegeben haben und somit ein Missbrauch der Befragten und es finden sich suggestive Darstellungsweisen, die das Phänomen, das man angeblich gemessen haben will, aufblasen wie einen Luftballon auf dem Jahrmarkt. Nur eines findet sich in der gesamten „Mitte-Studie“ nicht: Eine Operationalisierung von Mitte und eine enthemmte Mitte findet sich auch nicht. Der Begriff, ist wohl dazu gedacht, die Naiven in den Redaktionen der Medien zu ködern. Mit Erfolg wie sich zeigt. Auf den gesamten mehr als 200 Seiten des Machwerks findet sich der Begriff der „enthemmten Mitte“ nicht ein einziges Mal. Er findet sich ausschließlich in der Überschrift des Machwerks und in den Medien.

In der DDR war es üblich, Wissenschaft daran zu identifizieren, dass sie im ideologischen Einklang mit dem herrschenden Marxismus-Leninismus steht. Da einige der Autoren der Mitte Studie eine DDR-Sozialisation erfahren haben, hat sich bei Ihnen offensichtilch noch nicht der mit dem Ende der DDR verbundene soziale Wandel in der Wissenschaft herumgesprochen, der es unnötig macht, die eigenen Ergebnisse anhand von ideologischen Vorgaben aufzubügeln, um dann ein Fleißkärtchen von seinen Auftraggebern zu erhalten.

Der Alte Mann hat sich in seinem Blog auch zum Thema geäußert.

 


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