Politiker lieben mehr Risiko als Wähler – behauptet eine Studie

RISIKO!


Mit diesen Fragen wird im Sozioökonomischen Panel die Risikobereitschaft von Befragten gemessen. Risikobereitschaft ist hier als Einstellung konzipiert, d.h. ob sich die Befragten tatsächlich so verhalten, wie sie behaupten, also mit Risiko 6 beim Autofahren und Risiko 7 bei der beruflichen Karriere, das ist eine vollkommen andere Frage, wenngleich es die entscheidende Frage ist, denn wenn Einstellungen mit Verhalten nichts zu tun haben, dann sind sie im Leben irrelevant und muss man sie auch nicht messen.

Vier Mitarbeiter aus dem DIW in Berlin und ein Gerontologe aus Dortmund haben die oben dargestellten Fragen, d.h. die Antworten auf die entsprechenden Fragen, wie sie in den Jahren 2009 und 2012 von SOEP-Befragten gegeben wurden, genommen und mit den Antworten von Bundes- und Landtagsabgeordneten (letztere aus Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg und Niedersachsen) verglichen. Um die Risikobereitschaft von Bundes- und Landtagsabgeordneten zu erfragen, haben die fünf Autoren schriftliche Fragebögen an 1132 Bundes- und Landtagsabgeordnete verschickt. Ein Sample von 298 ausgefüllten Fragebögen (26,3% Rücklaufquote) ist dabei herausgekommen. Die Rücklaufquote, die vergleichsweise gut ist, ist jedoch mit einem Problem behaftet, wie die vier aus Berlin und der Gerontologe aus Dortmund eingestehen, denn sie wissen nicht, wer den schriftlichen Fragebogen tatsächlich ausgefüllt hat, der angeschriebene Abgeordnete in Bundes- oder Landtag oder einer seiner Mitarbeiter.

Eigentlich ist die Forschung hier beendet. Denn wenn man, wie Heß und die anderen eingestehen, nicht sicherstellen kann, dass Abgeordnete die Fragebögen ausgefüllt haben, dann kann man auch keine Angaben über Abgeordnete machen. Die fünf Autoren haben den entsprechenden Mut zur Lücke, eine sehr hohe Risikobereitschaft und machen die Angaben dennoch.

Die ganze Forschung ist natürlich dazu gedacht, die Risikobereitschaft von Abgeordneten und ihren Wählern zu vergleichen. Um dies zu tun, müsste man sicherstellen, dass die 298 Antworten, die eingegangen sind, eine so genannte Quotenstichprobe darstellen, d.h. den Parteiproporz abbilden. Leider haben die fünf vom DIW die Parteizugehörigkeit des Abgeordneten oder seines Mitarbeiters oder wer auch immer den Fragebogen ausgefüllt hat, nicht erfragt. Noch ein Grund, die Befragung in den Mülleimer zu werfen.

Auch das tun Heß und die anderen nicht. Sie beweisen eine unglaubliche Flexibilität, wenn es um Reliabilität von Ergebnissen geht. Wozu sich mit derartigen methodischen Standards belasten, wenn man gerade dabei ist, Geschichte zu schreiben, naja, die ersten Ergebnisse zur Risikobereitschaft von Abgeordneten zu präsentieren. Denn das tun Heß et al., obwohl sie nicht wissen, ob Abgeordnete ihren Fragebogen ausgefüllt haben und obwohl sie keine Idee davon haben, ob ihr Sample von Abgeordneten verzerrt oder sehr verzerrt ist. Heß und seine vier Mitstreiter beweisen das, was man als sozialwissenschaftliche Risikobereitschaft bezeichnen muss, sie sind fast schon quantitative Hazardeure, die das Risiko, Unsinn, weil Ergebnisse zu erzählen, die durch die Daten nicht gedeckt sind, freudig eingehen. „10“ auf der Skala nach der Frage. Wie risikobereit sind Sie im Bezug auf wissenschaftliche Lauterkeit?

Aufwendiges Matching, das sicherstellen soll, dass Abgeordnete mit einem bestimmten sozialen Profil (Einkommen, Alter, Geschlecht etc.) mit vergleichbaren Wahlberechtigten aus dem SOEP gepaart werden, wird sodann eingesetzt, um dem Leser vorzugaukeln, die im folgenden präsentierten Ergebnisse ließen einen Vergleich zwischen Bundes- und Landtagsabgeordneten auf der einen Seite und Wahlberechtigten auf der anderen Seite zu. Sie lassen es nicht zu, wie wir oben bereits ausgeführt haben. Heß et al., hoch risikobereit auch was den Fehlschluss der falschen Verallgemeinerung angeht, vergleichen die Ergebnisse dennoch.

Ergebnis in ihrer Diktion: Bundes- und Landtagsabgeordnete schätzen sich in allen Bereichen, aber vor allem bei „Karriere“ und „Vertrauen in andere Menschen“ als risikobereiter ein als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Die Formulierung der Ergebnisse, die mit dem Anspruch auf wissenschaftliche Lauterkeit erfolgt, lautet: Diejenigen, die die Fragebögen beantwortet haben, die an Bundestagsabgeordnete und Landtagsabgeordnete in vier Bundesländern verschickt wurden, schätzen ihre Risikobereitschaft in allen erfragten Bereichen höher ein als die SOEP-Befragten, mit denen sie gepaart wurden.

Dieses bescheidene Ergebnis, das die wissenschaftliche Lauterkeit nahelegt, lässt natürlich keine umfangreichen und weitreichenden Schlüsse zu. Deshalb ignorieren Heß et al. die wissenschaftliche Lauterkeit und begeben sich auf den riskanten Pfad des sozialwissenschaftlichen Hazardeurtums, das darin besteht, Ergebnisse mit einer Mischung unterschiedlichster Fehlschlüsse, von falscher Verallgemeinerung bis zu genetischem Fehlschluss aufzubauschen und daraus die folgende, weitgehend erfundene Erzählung zu weben:

Politiker, so die fünf Auguren, seien häufig mit riskanten Entscheidungen konfrontiert, die sie unter Unsicherheit treffen müssen, nicht nur häufig, nein auch häufiger als Normalbürger, denn Normalbürger, die träfen seltener riskante Entscheidungen, so die Autoren. [Einschub: Deshalb gibt es in Deutschland kaum Unfälle auf den Straßen, niemanden, der Pleite macht oder ein Unternehmen begründet und auch ansonsten nur Sicherheitsapostel, die im grellgelben Hemdchen mit Blaulicht auf dem Sturzhelm auch bei gleisender Sonne durch die Straßen laufen, um in jedem Fall erkannt zu werden.] Politiker, wie gesagt, sind hier anders. Sie lieben das Risiko. Heß und die vier anderen sind gar der Meinung, Politiker seien eine eigene Spezies, die sich durch genetische Faktoren und ihre Sozialisation von der normalen Bevölkerung unterscheide (Seite 5). Sie gingen Risiken ein, wo der Normalbürger davor zurückschrecke. Und weil diese Risikobereitschaft im Blut der Politiker liege, deshalb würden die besonders Risikofreudigen vom Fach des Politikers angezogen.

Wir ergänzen hier die Tautologie zur Reihe der Fehlschlüsse.

Warum nun aber ist die Tätigkeit eines „Politikers“ so mit Risikofreude assoziiert? Auch hier sind Heß und die anderen nicht um eine Antwort verlegen, auch hier gehen sie das hohe Risiko, sich lächerlich zu machen, mit Freude ein. Politische Entscheidungen, so ihre Ansicht, seien mit viel mehr Unsicherheit verbunden als andere Entscheidungen. Politiker hätten, im Gegensatz zu anderen Werktätigen, ständig die Gefahr, im Beruf zu scheitern, vor Augen. Das Risiko, nicht gewählt zu werden, abgewählt zu werden, die Notwendigkeit mit Konkurrenten zu wetteifern, das zeichne Politiker aus, übe seine Anziehung auf die genetisch für Risiko Prädisponierten und für Risiko Sozialisierten, die dann, wenn sie erst einmal Politiker sind, auch eine höhere Bereitschaft haben, ein Risiko einzugehen.

Der Bundestag besteht derzeit in seiner Mehrheit aus Personen, die im Vorberuf Lehrer, Rechtsanwalt, Verwaltungsangestellter, Gewerkschaftssekretär, wissenschaftlicher Mitarbeiter usw. waren. Das sind kaum die Berufe, von denen man erwarten würde, dass sie von Menschen, denen Risiko im Blut liegt, wie Heß et al. behaupten, aufgenommen werden. Risiken gehen Selbständige ein, Freiberufler, die sich nicht an den Staat und die Beamtenhoffnung der sicheren Pension verkaufen.

Die ganze Geschichte der Politiker und des für sie angeblich gegebenen höheren Risikos, im Beruf „Politiker“ zu scheitern, trägt nicht weit, wie jeder weiß, der jemals anwesend war, wenn der Landeslistenproporz, der letztlich über den Einzug von Kandidat X in den Bundestag entscheidet, zwischen den Bezirken und Unterbezirken der SPD ausgekungelt wurde. Die Tätigkeit „Politiker“ zeichnet sich vielmehr dadurch aus, dass sie weitgehend ohne Risiko auskommt, denn Risiko, vor allem Risikobereitschaft ist etwas Individuelles. Risiko ist nur dann ein Risiko, wenn der, der es eingeht, auch die Folgen eines eventuellen Scheiterns zu tragen hat. Welcher Politiker ist in letzter Zeit mit den Folgen seiner Entscheidungen konfrontiert worden? Politiker zeichnen sich gerade dadurch aus, dass sie keinerlei Risiko eingehen. Sie gehen Risiken für andere ein, haben keine Kosten, wenn sich eine Entscheidung als falsch herausstellen sollte. Kein Wunder, dass sie oder ihre Mitarbeiter risikobereiter sind. Sie zocken mit dem Geld der Steuerzahler, nicht mit ihrem eigenen Geld.

Und sie treffen keine Entscheidungen. Fraktionen treffen Entscheidungen, wie hinlänglich bekannt sein dürfte. Die Zeiten, in denen Abgeordnete das Risiko einer von der Fraktionsrichtlinie abweichenden Meinung eingegangen sind, die sind lange vorbei. Der heutige Abgeordnete ist risikoavers und angepasst. Er stimmt mit der Meute und hat nicht den Mut, das Risiko einer eigenen Meinung einzugehen, die sich am Ende als nicht im Einklang mit der vorgegebenen Fraktions-Meinung herausstellen könnte.

Nein, die Geschichte von Heß und den vier anderen, die Politiker als risikobereite Entscheider, die über ihre Genetik von der Normalbevölkerung unterschieden werden können, stilisieren wollen, ist eben das: Eine Geschichte. Keine aus 1001 Nacht, aber eine aus Berlin.

Das ist fast so gut. Der Unterschied ist kaum vorhanden.

Heß, Moritz, von Scheve, Christian, Schupp, Jürgen, Wagner, Aiko & Wagner, Gerd G. (2018). Are Political Representatives More Risk-Loving Than the Electorate? Evidence From German Federal and State Parliaments. Palgrave Communications.

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Macht Luftverschmutzung kriminell?

Crime is in the air“.

Malvina Bondy, Sefi Roth und Lutz Sager von der London School of Economics sind auf eine nicht ganz neue, natürlich politisch korrekte Idee gekommen. Im Bemühen, innerhalb des politischen Mainstreams zu bleiben und keine Forschung zu betreiben, die politisch kontrovers werden könnte, haben sie untersucht, wie sich die Luftverschmutzung auf Kriminalität auswirkt. Daten aus 624 Londoner Polizeirevieren haben sie mit Daten von 96 über London verteilten Messstationen kombiniert. 455.520 erfasste Straftaten auf Revierebene werden von den drei Autoren mit Messwerten der Luftqualität aus den drei Messstationen kombiniert, die dem Zentrum des Reviers am nächsten liegen (Aus den drei Werten wurde ein Durchschnitt berechnet).

Und dann wird analysiert und siehe da: Kriminalität variiert mit Luftverschmutzung. Wo die Luftverschmutzung intensiver ist, ist auch die Kriminalität höher. Das ist gewöhnlich die Stelle, an der wir darauf hinweisen, dass man als Wissenschaftler dann, wenn man eine Korrelation gemessen hat, eine Theorie benötigt, um eine Kausalität zu begründen.

Und siehe da. Die drei aus London haben eine Theorie. Die Rational-Choice Theorie.

Hohe Luftverschmutzung, so hypothetisieren sie, führe zu gesundheitlichen Problemen, verkürzten Lebenserwartungen und relativiere auf diese Weise die individuelle Nutzenfunktion: Wer wegen Luftverschmutzung früher stirbt, der ist für Abschreckung durch Strafe nicht so empfindlich wie derjenige, dem wegen geringer Luftverschmutzung ein längeres Leben winkt – sofern ihn nicht ein Herzinfarkt beim Lesen unsinniger Studien dahinrafft. Wer wegen Luftverschmutzung früher stirbt, sofern er früher stirbt als jemand, der saubere Luft genießt, für den habe der kurzfristig durch Kriminalität erzielbare Gewinn einen höheren Nutzen, was Kriminalität wahrscheinlicher macht.

Die Argumentation ist eine individuelle, eine, die sich noch dazu durch eine Engstirnigkeit auszeichnet, die Kevin McConway, Professor für angewandte Statistik, in einer ersten Stellungnahme sehr vornehm in die Worte packt, dass die Autoren nicht sicher sein könnten, dass sie alle relevanten Variablen in ihrem Modell erfasst haben.

Das ist ein typisches britisches Understatement, denn natürlich gibt es viele Variablen, die einen Effekt auf Kriminalität ausüben, die Einzelne in bestimmten Situationen Straftaten begehen sehen, während andere in identischen Situationen nie auf die Idee kämen, sich kriminell zu verhalten. Bei atmosphärischen Variablen wie der Luftverschmutzung, die alle in einem Gebiet in gleicher Weise beeinträchtigen, ist dieses Problem noch verschärft: Warum verhalten sich nicht alle kriminell, wenn die Luftverschmutzung einen Effekt auf Kriminalität haben soll?

Warum nur manche?

Not even Dickens thought about pollution as cause of crime, Dickens, the author of the Pickwick Papers!

Derartige Fragen stellen sich die drei Londoner Autoren nicht. Sie sind so von ihren Ergebnissen eingenommen, dass sie nicht einmal bemerken, dass die Rational-Choice Theorie eine individualistische Theorie ist, die Annahmen über die Bedingungen individuellen Verhaltens macht, Annahmen darüber, wann welche individuellen Präferenzen zu welchen Handlungen führen. Ergo müsste man erklären, wann, wie und unter welchen Umständen ein Mensch in Gebiet X bemerkt, dass er höherer Luftverschmutzung ausgesetzt ist als ein Mensch in Gebiet Y, wie er diese Wahrnehmung mit seiner Disposition Straftaten, zu begehen, verbindet bzw. wie diese Wahrnehmung seine entsprechende Disposition beeinflusst und – vor allem – wie diese Disposition sich dann in Straftaten transformiert, wo die Gelegenheiten, Motive und Kenntnisse herkommen, die eine Straftat erst ermöglichen, denn wir wollen ja nicht annehmen, dass Luftverschmutzung nicht nur einen Kurzschluss in Gehirnen von manchen Menschen auslöst, der sie – motivlos – kriminell werden lässt, weil nämlich die selbe Luftverschmutzung Gelegenheiten zur Kriminalität gleich mitliefert, die Bank für den Überfall, den Passanten für den Raub, den Bekannten für die Prügelei und natürlich auch gleich die Kenntnisse, die notwendig sind, um Raub, Diebstahl oder Betrug zu begehen.

Aber genau das tun die drei aus London. Sie nehmen an, dass Luftverschmutzung auf all die genannten Variablen, Täter, Motiv, Gelegenheit und Fähigkeiten in gleicher Weise wirkt. Und mehr noch, sie rechnen mit Aggregatdaten. Sie haben nicht einmal Daten über individuelles Verhalten. Sie haben Kriminalitätsraten für ein Gebiet und Daten zur Luftverschmutzung für ein größeres Gebiet und auf dieser Grundlage wird nun wild spekuliert oder interpretiert:

“This paper investigates the potential link between ambient air pollution and crime.
Using two separate identification strategies, we find that daily variation in air pollution is positively linked to higher crime rates in London. We also find that pollution affects most crime types but appears to have larger effects on crimes which are less severe. Based on the rational choice model and our empirical results, we conclude that the underlying channel for our findings is likely to be higher discounting of future punishment on high pollution days. … Our results suggest that improving air quality in urban areas by tighter environmental policy may provide a cost effective way to reduce crime. … Finally, given the link between air pollution and crime, our results therefore suggest that examining the effects of air pollution on health impacts alone, may lead to a substantial underestimation of its societal costs.”

Was hier behauptet wird, ist ein direkter Effekt von Luftverschmutzung auf Kriminalität, der daraus geschlossen wird, dass Daten auf Ebene von regionalen Einheiten mit theoretischen Erwägungen über individuelle Präferenzen zusammen geworfen werden. Das ist methodischer Unsinn, der aus der Korrelation zwischen Luftverschmutzung und Kriminalität nichts anderes macht als eben diese Korrelation, von der nach wie vor zu zeigen wäre, dass sie sinnvoll ist. Natürlich wird man gesellschaftliche Kosten durch derart haltlose und blödsinnige Spekulationen nicht reduzieren, wie die Autoren meinen, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit erhöhen.

Es ist leicht, diesen Junk zum Einsturz zu bringen. Luftverschmutzung in Städten, zumal in Städten wie London, hat im Wesentlichen zwei Ursachen: Verkehr und Heizung. Je mehr Verkehr in einem Gebiet vorhanden ist und je mehr geheizt wird, desto höher die Luftverschmutzung und desto mehr Menschen halten sich in einem Gebiet auf. Je mehr Menschen sich aber in einem Gebiet aufhalten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit kriminellen Verhaltens, denn wo viele Menschen sind, sind auch viele Diebe, Räuber, Schläger… und viele Gelegenheiten. Höhere Luftverschmutzung und höhere Kriminalität in einem Gebiet und im Vergleich zu einem anderen, haben somit dieselbe Erklärung: Mehr Menschen. Weg ist er, der Zusammenhang zwischen Kriminalität und Luftverschmutzung.

Aber wir haben keinen Zweifel, dass die Londoner Studie, die den Zeitgeistnerv in den meisten Redaktionen der sogenannten deutschen Qualitätsmedien treffen wird, dort eifrig aufgenommen wird.

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Erzeugergemeinschaften: DIW-Studie bereitet Entmündigung von Eltern vor

Wir beobachten schon seit längerer Zeit eine Form der Arbeitsteilung, von der selbstverständlich nur Verschwörungstheoretiker denken, dass sie abgesprochen ist.

Sie geht wie folgt.

Ein Minister wird vorgeschickt, um eine Gesetzesänderung anzuregen. Er verlautbart z.B., dass es sinnvoll wäre, Kinder bereits ab dem dritten Lebensjahr in staatliche Verwaltung zu überstellen, oder er merkt an, dass man der Hatespeech im Internet langsam begegnen müssen. Ein anderer ist der Überzeugung man müsse den Einsatz von Glyphosat nach mehreren erfolgreichen Jahrzehnten nunmehr überdenken.

Davon auf den ersten Blick unabhängig tauchen so genannte Studien auf, in denen z.B. gezeigt worden sein soll, dass Hatespeech in Ostdeutschland weit verbreitet ist. Wie es der Zufall so will, gibt es in Ostdeutschland auch viele Nazis, wie eine andere Studie herausgefunden haben will, die – wie eine weitere Studie zu zeigen versucht, organisiert und gefährlich sind… Sie kennen das. Oder es gibt, purer Zufall natürlich, eine Studie, in der Insektensterben hochgerechnet, im wahrsten und wissenschaftlich unlautersten Sinne des Wortes hochgerechnet wird, in der Glyphosat zwar nicht als Datum vorkommt, aber als Begriff erwähnt wird. Die Studie entwickelt ein Eigenleben im Imperium gerunzelter Stirne, hinter denen ein Katastrophenszenario das nächste jagt.

Und dann gibt es Zufälle wie den, dass in Frankreich gerade eine Pflicht für Eltern beschlossen wurde, ihre Kinder ab 3 Jahren in staatliche Verwaltung zu überstellen.

Und noch ein Zufall: Das DIW veröffentlicht eine, na? Richtig, eine Studie, in der gezeigt wird, wie die Autoren der Studie behaupten, dass Kinder, die mit drei Jahren bereits in Kindertagesstätten abgeschoben wurden, in der neunten, nicht in der achten, auch nicht in der zwölften, nein in der neunten Klasse „kommunikativer und durchsetzungsfähiger“ sind als Kinder, die das Los, eine Kita besuchen zu müssen, „ungefähr“ ein Jahr später getroffen hat.

Wer wettet mit uns, dass diese „Studie“, diese JUNK-Studie in Kleinen Anfragen, Redebeiträgen im Parlament und allerlei Materialien, in denen der Vorteil einer frühkindlichen Verwaltung mit einhergehender Entmündigung der Eltern beschri(eb)en wird, Eingang findet?

Eigentlich ist JUNK-Studie für das Machwerk von Maximilian Bach, Josefine Koebe und Frauke Peter, das im neuesten DIW-Wochenbericht mit dem Titel „Früher Kita-Besuch beeinflusst Persönlichkeitseigenschaften bis ins Jugendalter“ veröffentlicht wurde, ein Lob. Besser wäre Trash-Studie oder JUNK-Trash-Kollaboration…

Die Autoren gehören zu dem, was man früher Datenfuzzis genannt hat. In Mannheim gibt es einen Datenfuzzi, der vermutlich immer noch schmollt, weil er von einem ScienceFiles-Redaktionsmitglied einmal (vor 20 Jahren) so bezeichnet und damit in fortwährendes Schweigen versetzt wurde. Aber: Datenfuzzis von früher, die konnten noch rechnen und haben nicht jeden Unsinn korreliert. Das ist heute anders.

Wir leben im Zeitalter der Bachs, Koebes und Peters, in dem man schon einmal auf die Idee kommt, dass das Alter bei Eintritt in den Kindergarten, nein, die Kindertagesstätte, die „Kita“ und nur das Alter bei Eintritt (und gar nichts anderes) dafür verantwortlich ist, dass Schüler im Alter von 15 oder 16 Jahren auf einer Skala von 5 bis 1 (trifft voll und ganz zu bis trifft überhaupt nicht zu) von sich sagen, dass sie aus sich herausgehen, gesellig und nicht zurückhaltend sind.

Wenn moderne Datenfuzzis wie Bach, Koebe und Peters Aussagen wie diese beiden in die Finger bekommen, dann wird daraus… Achtung: EXTRAVERSION. Hat man Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren erst einmal von solchen, die von sich sagen, dass sie mehr oder weniger aus sich herausgehen bzw. gesellig sind und mehr oder weniger nicht zurückhaltend sind, zu EXTRAVERTIERTEN Jugendlichen konvertiert: all hell breaks loose.

Nun werden die Jugendlichen, die faktisch gesagt haben, und zwar auf einer Skala von 5 bis 1 (trifft voll und ganz bis überhaupt nicht zu) von sich gesagt haben, dass sie aus sich herausgehen und/oder gesellig sind bzw. nicht zurückhaltend sind: „kommunikativer“ und „durchsetzungsfähiger“ als andere Jugendliche. Wohlgemerkt, niemand hat das gemessen. Die Datenfuzzis bilden sich das ein.

Nun macht die unsinnige Behauptung, Schüler, die sagen, die Aussage, sie seien gesellig oder gingen aus sich heraus treffe voll und ganz zu, eher zu, weder noch, treffe eher nicht zu, treffe überhaupt nicht zu, mit einem Mittelwert bei 3,47 also bei trifft eher zu, seien kommunikativer und durchsetzungsfähiger als andere, nur dann Spaß, wenn man die unsinnige Behauptung mit einer wilden Assoziation verbinden kann. Jugendliche, die im Alter von drei Jahren in die Kita eingeliefert wurden, seien wenn sie in der neunten Klasse angekommen sind, kommunikativer und durchsetzungsfähiger als Jugendliche, die erst mit „ungefähr“ vier Jahren in die Kita überstellt wurden.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Bach, Koebe und Peter behaupten hier nicht mehr und nicht weniger als eine Kausalität: Der frühere Kita-Eintritt sei ursächlich dafür, dass die dreijährigen Kita-Eintreter 12 oder 13 Jahre später durchsetzungsfähiger und kommunikativer sind als die „ungefähr“ vierjährigen Kita-Eintreter dies 12 oder 13 Jahre später sind, wobei – um es noch einmal zu wiederholen – die drei aus dem DIW keine Daten haben, die Aussagen über Durchsetzungsfähigkeit oder Kommunikationsfrequenz zulassen.

Das macht für manche unmittelbar Sinn. Was könnte zwischen dem Alter von 3 bzw. 4 und 15 bzw. 16 Jahren schon geschehen, das den (politisch gewünschten) Effekt eines früheren Eintritts in die Kindertagesstätte vergessen lässt? Jenen Effekt, den die drei vom DIW mit dem Instrumentalvariablenansatz gemessen haben, um damit den „längerfristigen kausalen Effekt des Kita-Besuchs ab dem dritten Geburtstag … zu identifizieren“? (Das war das Zitat für all diejenigen, die nicht glauben wollten, dass Bach, Koebe, und Peter tatsächlich denken, das Alter des Kita-Eintritts sei kausal für das, was man 12/13 Jahre später als Persönlichkeitsfaktor „Extraversion“ messen kann).

Nun wird der Instrumentalvariablenansatz nicht nur deshalb von richtigen Datenfuzzis mit Argwohn betrachtet, weil er recht große Standardfehler produziert, die das Ergebnis im besten Fall insignifikant im schlechtesten Fall zu Quatsch werden lassen, er ist auch ein sehr deterministisches Verfahren, das im Gegensatz zu anderen Varianten der Regressionsanalyse davon ausgeht, dass ein Modell alle exogenen Variablen beinhaltet. Das ist eine heftige Annahme, die nur Unbedarfte machen, die denken, man könne Persönlichkeitsmerkmale, die man im Alter von 15 oder 16 Jahren misst mit ausschließlich einer Variablen, nämlich dem Alter bei Überstellung in die Kita erklären.

Dagegen sind Forscher eher vorsichtig und immer der Ansicht, ihr Modell könnte nicht vollständig sein, es könnte noch andere Variablen als das Kita-Eintrittsalter geben, die einen Effekt auf die Persönlichkeit von Kindern haben, Eltern zum Beispiel, Erfolge in der Schule, im Sport, Hobbies, Peers, VNV-Nation, der 1. FC Kaiserslautern, Kartoffelpfannkuchen und Ritterfiguren, die in Rohren verloren wurden … Nein, die haben keinen Einfluss. Bach, Koebe und Peter haben es verkündet und mit dem Instrumentalvariablenansatz nachgewiesen, was kein Problem ist, da der IV-Ansatz, wie er bei Bach, Koebe und Peter kenntnisreich abgekürzt wird, keinen Fehlerterm in seinen Modellen duldet. Alles wird erklärt. Alles wird mit dem erklärt, was im Modell ist. Und wenn im Modell nur das Eintrittsalter in die Kita enthalten ist, um Persönlichkeitsmerkmale 12/13 Jahre später zu erklären, dann erklärt auch nur das Kita-Eintrittsalter.

Aber, man ist vor Irrem und Wahnsinnigem nicht gefeit, wenn moderne Datenfuzzis, also nicht die alten, die noch wussten, was sie tun, zumindest mathematisch, wüten: Bach, Koebe und Peter erklären in ihren Modellen nicht die Persönlichkeitsmerkmale von Jugendlichen im Alter von 15 oder 16 Jahren mit deren Eintrittsalter in die Kindertagesstätte, sondern das Eintrittsalter in die Kindertagesstätte im Alter von drei oder vier Jahren mit den Persönlichkeitsmerkmalen im Alter von 15 bzw. 16 Jahren, eben zum Zeitpunkt der Befragung. Moderne Datenfuzzis halten nichts mehr von Chronologie und einer konsequenten Trennung zwischen abhängigen und unabhängigen Variablen: anything goes, nothing works und alles wird interpretiert.

Und noch ein Lesebeispiel: „Jugendliche, die ungefähr ein Jahr früher als andere erstmals eine Kita besuchten, sind um 0,23 Punkte kommunikativer“.

Um 0,23 Punkte, das muss man sich einmal vorstellen.
Und alles, wegen eines um ein Jahr längeren Kita-Besuchs. 0,23 Punkte. Phänomenal. Zumal die Kommunikationsintensität gar nicht gemessen wurde. Eine wirkliche Eingebung dieses Ergebnis. 

Wenn es darum geht, politische Zuarbeit zu leisten, dann gibt es für JUNK/TRASH-Studien keinen Boden, dann ist der Boden mindestens 0,23 Punkte tiefer als beim letzten Mal, das DIW hat Junk/Trash-Studien auf ein um den Faktor 0,23 tieferes Niveau abgesenkt – oder so!


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ARD-Faktenfinder-Echokammer: Junk Studien zu Fake News

Vorrede I
Wenn Journalisten Studien zitieren, die von Mitgliedern einer „Stiftung“ erstellt worden sind und sich auf Beiträge der Journalisten beziehen, die die vermeintlichen Studien zitieren, dann ist einerseits mehr als Vorsicht geboten, andererseits ein interessanter Einblick in das Echozimmer, in dem öffentlich-rechtliche Journalistendarsteller ihre Fakten zu finden pflegen, gewährt.

Vorrede II
Der Wert jeder Studie hängt davon ab, wie gut die Ergebnisse der Studie die Realität, über die sie berichten sollen, widerspiegeln.
Dabei gibt es zwei grundsätzliche Probleme, die sich mit der Grundgesamtheit verbinden. (1) Ist die Grundgesamtheit bekannt, will man z.B. Aussagen über alle Deutschen im Alter von 18 bis 75 Jahren machen, dann muss man sicherstellen, dass die Stichprobe, die man zieht, dies ermöglicht bzw. die Abweichung der Ergebnisse, die man auf Grundlage der Stichprobe produziert, von den „tatsächlichen Ergebnissen“, die man nicht kennt, nicht zu groß ist. Das beschriebene Spiel ist ein Spiel der Normalverteilung, der F- oder der t-Verteilung mit der Realität, das sich hinter dem Begriff „Repräsentativität“ verbirgt, von der Kritiker wie wir meinen, dass es sie nicht geben kann. (2) Ist eine Grundgesamtheit unbekannt, dann kann man KEINERLEI Aussagen über sie machen, weil man sie nicht kennt. Entsprechend ist jede Aussage, die über die eigene Stichprobe hinausreicht: JUNK.

Wir befinden uns mit der Studie, die heute die ARD-Faktenfinder beschäftigt, im Bereich des JUNK, knöcheltief im Junk. Die Studie „Fakten statt Fakes“, die die „Stiftung Neue Verantwortung“ zu verantworten hat, wird von Faktenfinder „Wolfgang Wichmann“, von dem wir nur wissen, dass er als @wollvieh auf Twitter firmiert, den Lesern des ARD-Faktenfinder als bare Münze verkauft. Die „umfangreiche Studie“ basiere auf einem „Methodenmix“, der „entsprechend detaillierte Erkenntnisse rund um relevante Fake-News-Meldungen aus den Wochen vor der Wahl im September 2017“ erlaube.

Merkposten: umfangreiche Studie, Methodenmix, detaillierte Erkenntnisse und relevante Fake-News.

Über die ausgewählten Beispielfälle von Fake-News, die in der Studie, nein der Junk-Studie (Begründung folgt) der Stiftung Neue Verantwortung besprochen werden, habe „auch der ARD-Faktenfinder seinerzeit berichtet“, so Wichmann, von dem wir hier nicht wissen, ob er absichtlich eine Falschmeldung streut oder unabsichtlich. Im ersteren Fall hätten wir es, gemessen an der irren Definition von Fake News, die die Nicht-Spezialisten für Sozialforschung der seltsamen Stiftung vornehmen, mit Fake News zu tun, im letzteren Fall mit einer Ente (Dazu kommen wir noch).

Tatsächlich steht schon weit vorne im viel zu langen Bericht zur Junk Studie der Stiftung „Neue Verantwortung“, was wohl anzeigen soll, dass alle Verantwortung für methodisch sauberes Arbeiten abgelehnt wird, die folgende Passage (genau auf Seite 14):

„Die Identifikation relevanter Fake-News-Fälle erfolgt zuvorderst über ein kontinuierliches ‚Monitoring der Monitorer‘ […] Dazu zählen der Faktenfinder der Tagesschau.de-Redaktion, die Redaktion des Recherchekollektivs Correctiv, Spezialseiten wie mimikama.at und nicht zuletzt klassische Nachrichtenseiten wie Spiegel Online, die es ebenfalls als eine ihrer Aufgaben ansehen, falsche Informationen zu widerlegen.“

Mit anderen Worten, dass die Studie über Fälle vermeintlicher Fake News berichtet, die auch der ARD-Faktenfinder aufgegriffen hat, ist kein Zufall, wie Wichmann suggerieren will, es ist zwangsläufig, weil die Pseudo-Sozialwissenschaftler der Stiftung ihre Fälle u.a. beim ARD-Faktenfinder gesammelt haben.

Wo wir das so schreiben. Eigentlich ist die Frage nach Fake News oder Ente entschieden: Wichmann versucht seine Leser hinters Licht zu führen. Er verbreitet Fake News.

Der ganze Täuschungszinnober und der ganze Aufwand dieser Junk Studie wurde betrieben um die folgende Meldung an die Leser der ARD-Faktenfinder zu bringen:

„Fake News, so wie sich das Phänomen in Deutschland empirisch darstellt, werden vor allem von Rechten, Rechtspopulisten… und Rechtsextremen verbreitet. Dabei bildet die AfD die Speerspitze der Verbreitung, in sieben von zehn von uns dokumentierten Fällen ist sie unter den Top-10 der reichweitenstärksten Verbreiter.“

So steht es im Bericht zur Junk Studie auf den Seiten 2 und 3. Die redaktionelle Bearbeitung von Wichmann liest sich wie folgt:

„Vielmehr seien die Quellen für Falschmeldungen hierzulande am rechten Rand zu suchen:

Fake News, so wie sich das Phänomen in Deutschland empirisch darstellt, werden vor allem von den Rechten, RechtspopulistInnen und Rechtsextremen verbreitet.
Besonders auffällig agierten demnach Vertreter der Alternative für Deutschland: Sieben der zehn untersuchten Fälle seien von AfD-Accounts verbreitet worden – darunter die reichweitenstarke Facebookseite der Bundespartei oder das Profil des Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen.“

Die Zielsetzung ist klar: AfD diskreditieren und behaupten, was man berichtet sei durch eine angebliche Studie belegt.

Kommen wir zurück auf Problem 2 von oben, das die Frage, welche Aussagen man aus einer Stichprobe ableiten kann, zum Gegenstand hat.

Wie viele Fake News es im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 gegeben hat, das weiß niemand. Entsprechend haben wir es mit einer unbekannten Grundgesamtheit zu tun. Aussagen über Fake News als solche sind deshalb nicht möglich. Wer sie dennoch macht ist dumm oder verlogen.

Die Stichprobe, die die sozialwissenschaftlich Unkundigen der Stiftung „Neue Verantwortung“ gezogen haben, besteht aus 10, in Worten: ZEHN Fake News. Diese 10 Fälle haben sie untersucht und auf Grundlage dieser 10 Fälle wollen sie generelle Aussagen über die Menge von Fake News, die Reichweite von Fake News und diejenigen, die Fake News verbreitet haben, machen. Wir haben es nicht nur mit einer Stiftung zu tun, die Verantwortung neu definiert, auch Lauterkeit wird hier neu definiert als unlauter, verlogen, haltlos, …

Wir haben es also mit einer Grundgesamtheit von Fake News zu tun, die niemand kennt und mit einer Junk Studie, deren Urheber aus 10 Fallstudien Schlüsse auf die unbekannte Grundgesamtheit der Fake News ziehen wollen. Das allein reicht schon, um festzustellen, dass die Autoren dieser Junk Studie entweder bar jeglicher methodischen Kenntnis sind oder den ganzen Zinnober nur betreiben, um die AfD diskreditieren zu können. Aber wir sind noch nicht am Ende.

Was passiert wohl, wenn man eine Umfrage unter Mitgliedern der Mafia zum Thema Schutzgelderpressung macht? Etwa: „Wie finden Sie Schultzgelderpressung?“ Antwortmöglichkeiten: super, Ganz super, XXL super? Das klingt lustig und niemand würde derartigen Blödsinn forschen wollen? Doch. Denn genau das haben die – uns fehlen die Worte – Neu Verantwortlichen getan. Wie oben zitiert haben sie Fake News ausschließlich aus Quellen bezogen, die jenseits jeden Verdachts stehen, sie könnten auch Fake News von Personen verarbeiten, die sie nicht für rechts halten oder die von links kommen. Dieses methodisch indiskutable Vorgehen, das in einer verzerrten Stichprobe ohne jeden Wert selbst dann resultiert hätte, wenn man die Grundgesamtheit kennen würde, schlägt sich in den 10 Beispielen von Fake News nieder: 8 der 10 Fake News betreffen Flüchtlinge, in einem Fall geht es um die Gleichsetzung von Deutschen und Nazis, in einem weiteren um die Folgen von Antifa Ausschreitungen.

Diese 10 Fälle wollen die Neu Verantwortlichen und die Faktenfinder, die mit ihnen eine Echokammer teilen, in die die Kunde von sozialwissenschaftlichen Methoden und Standards noch nicht vorgedrungen ist, als Grundlage nutzen, um auf die Verbreitung und die Verbreiter von FAKE NEWS als solcher zu schließen.
Zu sagen, das ist unseriös ist eine Untertreibung. Bewusste Täuschung durch eine Fake Studie, denn der Junk ist nicht einmal als Junk Studie geeignet, trifft es schon eher.

Die Merkposten von oben, die im Werbetext von Wichmann, mit dem er die Fake Studie anpreisen will, zu finden sind, sie lauten: umfangreiche Studie, Methodenmix, detaillierte Erkenntnisse und relevante Fake-News. Weder ist die Studie umfangreich noch ist der Methodenmix auch nur ansatzweise sinnvoll. Detaillierte Erkenntnisse lassen sich bestenfalls für 10 Einzelfälle von Fake News, aber nicht darüber hinaus finden und auch das nur, wenn man das Problem ignoriert, dass man nicht weiß, warum gerade diese Fake News ausgewählt wurden, also bereit ist, willkürliches Geschwätz abzusondern. Das bringt uns zum letzten Punkt: Dass die betrachteten Fake News relevante Fake News sind, bedarf der Begründung. Diese Begründung wiederum bedarf der Kenntnis der Grundgesamtheit. Die Grundgesamtheit ist unbekannt. Selbst wenn die Grundgesamtheit bekannt wäre, ist eine Analyse, die relevante Fake News ausschließlich im rechten Lager sucht, sicher keine Analyse, die relevante Fake News untersucht, denn die Feststellung, dass relevante Fake News untersucht worden sind, bedarf des Vergleichs, mit Fake News aus anderen Quellen. Dieser Vergleich fehlt vollständig.

Somit ist es auch kein Wunder, dass die Unkundigen sozialwissenschaftlicher Methoden Fake News vornehmlich bei Rechten, Rechtspopulisten oder Rechtsextremen finden. Wer vornehmlich bei denen sucht, die er für Rechte, Rechtspopulisten oder Rechtsextreme hält, der wird auch vornehmlich bei Rechten, Rechtspopulisten oder Rechtsextremen fündig. Daran ist nichts verwunderlich, höchstens, dass ARD-Faktenfinder und Neu Verantwortliche denken, ihre Leser wären so dumm, diesen offenkundigen Schwindel nicht zu durchschauen. In ihrer Echokammer herrschen sehr geringe intellektuelle Standards. Wir warnen davor, diese Standards zu verallgemeinern …

Bleibt noch der größte Unsinn nachzutragen. Die Definition von Fake News.
Fake News liegt für die Neu Verantwortlichen dann vor, wenn „falsche oder irreführende Informationen, die jemandem (Personen, Gruppe, oder Organisation) Schaden zufügen soll“, gezielt verbreitet wird, wenn eine Intention nachgewiesen werden kann.

Witzigerweise qualifiziert sich nicht eines der 10 Fallbeispiele nach dieser Definition als Fake News. Es sei denn, man geht davon aus, dass z.B. in acht der 10 Fällen Flüchtlinge geschädigt werden sollen, was Unsinn ist, denn man kann nur konkrete Personen, keine Gruppen schädigen oder davon, dass die Antifa geschädigt werden soll, was weitgehend unnötig ist, denn die Antifa schädigt sich durch das Verhalten ihrer Mitglieder besser als es jede Fake News je könnte. Die Definition ist tautologisch, denn es ist nicht möglich, die Schadensintention von der angeblichen Nachricht zu trennen. Ebenso ist es unmöglich, die Intention überhaupt zu bestimmen. Dazu müsste man wissen, wer Fake News in erster Linie in die Welt setzt, was man nicht weiß, man weiß lediglich, wer sie verbreitet.

Damit sind wir beim nächsten Problem. Die Verbreitung von Fake News sagt nichts darüber aus, ob die Fake News im Glauben, sie sei echt, verbreitet wird, oder mit dem entsprechenden Vorsatz, dass es sich dabei um Fake News handelt. Letztlich kann man auf Basis dessen, was die Neu Verantwortlichen da geforscht haben wollen, nur sagen, dass sie von Sozialforschung so viel Ahnung haben, wie ein Tauber von Beethovens Fünfter Symphonie.

Wir könnten noch Seiten lang Unsinn aus der Fake Studie anführen. Okay, einen haben wir noch: Satire kann keine Fake News sein, so steht es auf Seite 12, denn Satire werde nicht in böser Absicht gemacht. Die Neu Verantwortlichen sind nicht nur im Hinblick auf Methoden der empirischen Sozialforschung ahnungslos. Die sind in einer Weise naiv, die Mitleid erweckt.

Wir haben noch einen (aber dann ist Schluss):
Die böse Absicht als sinnloses Kriterium zur Identifikation von Fake News ist notwendig, um Enten, als Falschmeldungen von Journalisten von der Boshaftigkeit zu befreien, die z.B. mit der wiederkehrenden Falschmeldung, dass es zwischen Männer und Frauen in Deutschland ein Pay Gap von 21 Prozent gäbe, verbunden ist. Wie einfältig und ideologisch motiviert eine solche unbrauchbare Abgrenzung ist, wird spätestens dann deutlich, wenn man weiß, dass die Neu Verantwortlichen dann keine Absicht unterstellen, wenn eine Falschmeldung korrigiert wird. Diese Naivität ist wirklich nicht zu steigern. Wer also nicht in den Ruch kommen will, Fake News zu verbreiten, der muss Fake News verbreiten und nach zwei, drei Tagen, länger, so haben die Neu Verantwortlichen herausgefunden, wirke Fake News nicht, sagen: „Ey, ich habe mich geirrt“. Schon ist er ein ehrlicher Journalist, der sich mit seiner Berichterstattung Mühe gibt.

Kann man so dumm sein wie die Neu Verantwortlichen und ihre Faktenfinder-Freunde?
Man kann es.
Offensichtlich.


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Forschung, die die Welt verändert: Vorbildliches Händewaschen

Aus der Rubrik: Kriechen, aber richtig.

Hände weg von Männerhänden“, so steht es kursiv über einer Pressemeldung der SRH Hochschule Heidelberg.

„Die SRH-Studentinnen schauten 1.000 Toilettenbesuchern auf die Finger: Rund 7% verzichteten gänzlich auf das Händewaschen. 27% wuschen ihre Hände nur mit Wasser und rund 58% benutzten Wasser und Seife, allerdings nicht mit der erforderlichen Gründlichkeit. Lediglich rund 8% reinigten ihre Hände vorbildlich. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt hierfür eine mindestens 20 Sekunden dauernde Reinigung mit Wasser und Seife nicht nur der Handflächen, sondern auch der Fingerzwischenräume.“

Gehören Sie auch zu den Schweinen, die ihre Hände abweichend von dem waschen, was die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt, die sich einfach über diese Empfehlung hinwegsetzen? Sind sie auch, wie diese 920 Toilettenbesucher ein öffentliches Gesundheitsrisiko, das Keime und Bakterien überträgt, obwohl man diese Keime durch „vorbildliches Reinigen der Hände in der von der Bundesgesundheitszentrale empfohlenen Weise“ einfach beseitigen kann? Gehören sie auch zu denen, die daran arbeiten, dass die Pharmaindustrie, die schon jetzt, wie die Presseerklärung lamentiert, 700 Millionen Euro Umsatz mit Erkältungsmitteln macht, noch reicher wird?

Dann schämen sie sich!

Schämen sie sich besonders, wenn sie ein Mann sind: 11% der Männer, die von den „SRH-Studentinnen“ in der Toilette beobachtet wurden, haben „auf das Reinigungsritual gänzlich verzichtet“, aber nur 3% der Frauen. „‘Dieser Unterschied hat uns schon schockiert‘“, gesteht die SRH-Studentin Jana Zeeb, von der man annehmen darf, dass sie die Hände immer in der von der Bundesgesundheitszentrale empfohlenen vorbildlichen und mindestens 20 Sekunden dauernden, auch die Fingerzwischenräume berücksichtigenden Weise reinigt.

Und weil die SRH-Studentinnen so schockiert sind, empfehlen sie, wegen der 11% „Hände weg von Männerhänden“. Dass bei 11% immer noch 89% zu 100% Männerhänden fehlen, ist egal. Wenn schon fehlgeschlossen wird, dann richtig. Und wenn es darum geht, etwas Negatives über alle Männer in die Welt setzen zu können, dann sind SRH-Studentinnen ganz vorbildlich, auch ohne Empfehlung der Bundesgesundheitszentrale. Misandrie ist in Deutschland und an deutschen Hochschulen das Normalste der Welt.

Wären die SRH-Studentinnen und ihr Professor Frank Musolesi etwas weniger schockiert und dafür etwas mehr gebildet, dann würden sie vielleicht auf die Idee kommen, dass man als Mann, wenn man in der Männertoilette eine SRH-Studentin vorfindet, Zweifel daran bekommt, an dem Ort zu sein, an dem man denkt, zu sein und weil man in nichts hineinkommen will, verzichtet man auf das Waschen der Hände in der von der Bundesgesundheitszentrale empfohlenen Weise, die man sonst – wenn man unbeobachtet ist – natürlich immer anwendet.

Und so kommt es, dass diese weltbewegende und wichtige Forschung aus deutschen Toiletten, die das Potential hat, die Pharmaindustrie im Mark zu erschüttern, leider und wegen unüberwindbarer methodischer Mängel in den Orkus gekippt werden muss. Wären wir veranlagt, wie die SRH-Studentinnen, die 11% Männerhände aus einer Toilette in Heidelberg für alle Männerhände halten, dann würden wir sagen: Studentinnen sind generell ohne methodischen Schimmer und gerne bereit, sich bei der Ordnungsmacht anzudienen, ihr in den Allerwertesten zu kriechen.

Aber wir sind nicht wie die SRH-Studentinnen, deshalb beschränken wir diese Aussage ganz korrekt auf die SRH-Studentinnen von Frank Musolesi.

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