Warum soll man ein Geschäftsmodell, das national funktioniert, nicht internationalisieren?
Viel – aber nicht genug, so haben sich die Parteistrategen gedacht. Deshalb internationalisieren sie. Was auf nationaler Ebene geht, muss auch auf europäischer Ebene gehen, so dass man Steuerzahler doppelt zur Kasse bitten kann, einmal für die nationalen Parteien und ihre politischen Anhängsel und einmal für die neu erfundenden „europäischen Parteien“ und ihre europäischen Anhängsel. Die neu erfundenen „europäischen Parteien“ sind nichts anderes als die Parteibündnisse aus den nationalen Parteien – europäische Partei klingt schicker und vielleicht lässt sich ja der ein oder andere von der Benennung täuschen und denkt, dabei handle es sich tatsächlich um eine neue, eine europäische Partei.
Deshalb kursiert schon seit ein paar Jahren ein Vorschlag der Europäischen Kommission „über das Statut und die Finanzierung europäischer Parteien und europäischer politischer Stiftungen„.
Der Club derer, die aus den Taschen der europäischen Steuerzahler doppelt finanziert werden sollen, er ist entsprechend klein und der entsprechenden Werte-Prüfung durch die EU-Kommission unterworfen. Es kann also nicht jeder einfach kommen und behaupten, er sei eine fördernswerte europäische Partei oder deren fördernswerte Stiftung, er muss nachweisen und von der EU-Kommission bestätigt bekommen, dass er auch die richtige Gesinnung mitbringt.
Nur politisch mit dem Unbedenklichkeits-Siegel der EU-Kommission gestempelte Parteien und deren politische Versorgungsanstalten, die auch auf europäischer Ebene in einer Form internationalisierten Etikettenschwindels als Stiftung bezeichnet werden (sie hängen zu 85% am Tropf des Haushalts des Europäischen Parlaments), nur sie werden finanziell gefördert, damit sie die wichtige Aufgabe der „Überbrückung der Kluft zwischen der Politik auf nationaler und auf Unionsebene“ erfüllen können.
Diese Aufgabe ist so wichtig, also die Überbrückung der Kluft zwischen den nationalen und den europäischen Parteien (die sich aus den nationalen Parteivertretern zusammensetzen) und zwischen den nationalen Stiftungen, die den nationalen Parteien gehören, und den europäischen Stiftungen, die den Parteienbündnissen im Europaparlament gehören, die nunmehr europäische Parteien genannt werden und sich aus den nationalen Parteivertretern zusammensetzen, sie, die Überbrückung, ist so wichtig, dass das Geld nicht reicht. Vielmehr hat sich gezeigt, „dass der rechtliche und finanzielle Rahmen für europäische politische Parteien und die mit ihnen verbundenen europäischen Stiftungen verbessert werden muss“.
Dass er verbessert werden muss, bedeutet: Es gibt ihn bereits. Bereits heute fließen Mittel der Steuerzahler in die Taschen der Vertreter nationaler Parteien, und zwar in ihrer Mimikry als europäische Partei und natürlich erhalten auch die Anhängsel, die Tarnstiftungen, Steuergelder.
Wie viel?
Die folgende Tabelle, die wir mit Daten zusammengestellt haben, die wir beim Europäischen Parlament ausgegraben haben, gibt Auskunft über die Gelder, die 2015 in die Taschen der europäischen Parteien und ihrer Tarnstiftungen gewandert sind. Es zeigt sich, politische Geldwäsche funktioniert auch auf europäischer Ebene hervorragend:
| Europäische Partei | zugehörige Tarnstiftung | Finanzierung Partei (in Euro) | Finanzierung Tarnstiftung (in Euro) |
| Alliance for Direct Democracy in Europe | Initiative for Direct Democracy in Europe | 1.241.725 | 730.053 |
| Alliance of European Conservatives and Reformists | New Direction – Foundation vor European Reform | 1.951.521 | 1.147.367 |
| Alliance of Liberals and Democrats for Europe | European Liberal Forum | 2.093.480 | 984.981 |
| European Alliance for Freedom | European Foundation for Freedom | 496.440 | 269.956 |
| European Alliances of National Movements | Identities and Traditions Européennes | 354.480 | 208.411 |
| Europeans United for Democracy | Organisation for European Interstate Cooperation | 389.970 | 212.251 |
| European Christian Political Movement | Christian Political Foundation of Europe | 460.950 | 266.745 |
| European Democratic Party | Institute of European Democrats | 651.950 | 375.882 |
| European Free Alliance | Centrum Maurits Coppieters | 709.378 | 297.500 |
| European Green Party | Green European Foundation | 1.703.093 | 945.500 |
| European People’s Party | Wilfried Martens Center for European Studies | 8.091.256 | 4.757.131 |
| Mouvement pour une Europe des Nations et des Libertés | Foundation pour une Europe des Nations et des Libertés | 1.170.746 | 621.677 |
| Movement for a Europe of Liberties and Democracy | Foundation for a Europe of Liberty and Democracy | 425.600 | 249.331 |
| Party of European Socialists | Foundation for European Progressive Studies | 6.541.317 | 4.089.429 |
| Party of the European Left | Transform Europe | 1.632.113 | 904.485 |
| Alliance for Europe of the Nations | EUROPA Obersvatorio sulle politiche dell’unione | 577.150 | 322.150 |
| Alliance of Independent Democrats in Europe | Foundation Politique Européenne pour la Democratie | 413.900 | 190.746 |
| The Libertas Party Limited | 202.823 |
Das Europäische Parlament wird auf 5 Jahre gewählt. Die fünf Jahre kosten die Steuerzahler, abseits des fürstlichen Salärs, das Abgeordnete einstreichen, 222.198.810 Euro.
Wenn es darum geht, das Geld von Steuerzahlern in die eigenen Taschen umzuverteilen, dann sind Parteien weder zurückhaltend noch einfallslos, und sie sind alle gleich: Ob links oder rechts, liberal oder grün, anti-Europa oder pro-Europa, am Griff in die Tasche der Steuerzahler beteiligen sie sich alle.
Dass man sich am Geld der Steuerzahler bedient, das scheint ein Reflex zu sein, den Politiker sehr früh einüben. Er geht ihnen in Fleisch und Blut über – wie sich gerade wieder zeigt.
Warum muss der finanzielle Rahmen verbessert werden?
Ja, weil er nicht ausreicht.
Schließlich besteht der erste Daseinszweck europäischer politischer Parteien und ihrer europäischen Tarnstiftungen, wie der nationaler Parteien und entsprechender Tarnstiftungen darin, sich am Geld von Steuerzahlern zu bereichern.
Das ist Grund genung für die Verbesserung des finanziellen Rahmens – oder?
©ScienceFiles, 2015
