BMBF fördert angehende Geisterheiler mit Steuergeldern

Dass die Skepsis gegenüber der Schulmedizin mittlerweile soweit geht, dass man beim Bundesministerium für Bildung und Forschung auch die Weiterbildung [!sic] zum Geisterheiler oder Humanquantenenergetiker oder schlicht Geistigen Heiler fördert, das ist eine neue Entwicklung, die man auf Seiten der Ärzteverbände sicher mit Interesse zur Kenntnis nehmen wird.

MINTbmbf-logoMatthias Mala, Stammleser von ScienceFiles, hat uns auf diese Abkehr von der Schulmedizin hingewiesen, die im Rahmen der Bildungsprämie des Ministeriums für Bildung und Forschung erfolgt ist. Wer also an die Macht der heilenden Steine, die Kraftübertragung mit Händen an „energetische Licht-und Farbenfrequenzheiltechniken“, „Heiltechniken zur Selbstheilung“ und dergleichen einen Gefallen findet, der kann – wie es auf der Seite der „Deutschen Heilerschule“ heißt, „einen Zuschuss zur Ausbildung zum Geistigen Heiler an der Deutschen Heilerschule in Höhe von 1000 Euro beantragen“.

Die Ausbildung zum Geistigen Heiler wiederum findet an 10 Wochenenden in Seefeld, am Sitz der Deutschen Heilerschule statt. Pro Wochenende betragen die Gebühren 279 Euro. 2.790 Euro um Geistheiler zu werden. Fast geschenkt – oder? – vor allem, wenn man die Bildungsprämie einrechnet, also den Zuschuss der Steuerzahler.
Wenn Sie dann zum Geistheiler geworden sind, nach 10 Seminar-Wochenenden oder so, dann erhalten Sie ein Zertifikat, damit Sie auch nachweisen können, dass sie Geistheiler sind. Es gibt ja Zeitgenossen wie uns z.B. die ungläubig schauen, wenn einer behauptet, er sei Geistheiler. Aber falls sich jemand findet, der Ihre Dienste nachfragt, dann können Sie ihm zunächst das Zertifikat vor die Nase halten, dann Probleme der Wirbelsäule, Schmerzen, sogar den Wohnraum energetisch behandeln, und zwar mit der Zwei-Punkt Methode.

Die Zwei-Punkt-Methode ist zentrale Technik der Quantenheilung, die wiederum die Grundlage zum Geistheilen ist. Die Zwei-Punkt-Methode, so erfahren wir aus einer Broschüre der Deutschen Heilerschule, sie ist „eine sehr alte Heilmethode“, sie ist „denkbar einfach“, sie ist eine „revolutionär sehr einfache und vor allem wirksame Selbsthilfemethode, die von jedem erlernt werden kann. Bei der 2 Punkt Methode wird mit einer sanften Berührung gearbeitet, wobei das Nervensystem in einen Zustand versetzt wird, in welchem Heilprozesse stattfinden“.

Alles klar?

Es wird also Hand aufgelegt. Jeder kann das. Jeder ist ein Geistheiler in spe und einer mit Zertifikat, wenn er 2.790 Euro (minus 1000 Euro, die das BMBF übernimmt) einsetzt, um die Geheimnisse dieser denkbar einfachen, revolutionären, sehr alten und dennoch wirksamen Methode zu erlernen. Und das kann jeder, indem er sich „gedanklich frei macht, indem er mit dem höheren Bewusstsein Kontakt aufnimmt“.

stupendous yappi1Und wenn das mit dem Geistheilen durch Handauflegen nicht so klappt, dann hat die Kommunikation mit dem höheren Bewusstsein nicht funktioniert, weil Störquellen im Spiel waren: „I pick up negative energy“, sagt der Stupendous Yappi…

Und, wie gesagt, das BMBF bezahlt diesen Mumpitz. Das können Sie nicht glauben? Wir konnten es auch nicht glauben. Und Holm Gero Hümmler vom Blog Quantenquark, der konnte es auch nicht glauben. Deshalb hat er beim Ministerium nachgefragt. Ergebnis:

“… im Förderprogramm werde „nicht nach Inhalten der Weiterbildungen unterschieden“. In Fragen der Qualität setze das Programm „auf die Urteilskraft der Teilnehmenden“. Das steht tatsächlich mehr oder weniger so in der Richtlinie für das Förderprogramm, die das Ministerium festgelegt hat. Eine Ausbildung zum Geistheiler, Schamanen oder Quantenenergetiker kann eine Beratungsstelle, die die Bildungsgutscheine ausstellt, demnach offenbar kaum ablehnen. Was immer dem Fortkommen im aktuellen oder einem angestrebten Beruf dienlich ist, wird gefördert. Nur mit dem Bildungsgutschein einen Führerschein zu machen, wird in der Richtlinie ausdrücklich ausgeschlossen.

Weiter berichtet Hümmler, Staatsekretär Müller, der ihm auf seine Fragen geantwortet hat, betone, dass es keine validen Abgrenzungskriterien für sinnvolle oder unsinnige Weiterbildungen gebe. Hauptsache, man erwartet, damit Geld verdienen zu können“.

Das ist fast noch erstaunlicher als die Teilfinanzierung der Weiterbildung zum Geistheiler durch das BMBF. Denn wenn man im Ministerium tatsächlich der Ansicht ist, es gebe keine validen Abgrenzungskriterien, um zwischen sinnvoller Tätigkeit und Mumpitz zu unterscheiden, dann muss man auch die Weiterbildung zum Geldeintreiber der Mafia oder die Weiterbildung zum Sozialbetrüger finanzieren, denn mit beidem kann man hinterher so richtig Kasse machen. Wenn man im Ministerium nun aus welchen Gründen auch immer, einen Rückzieher macht und sagt, Weiterbildungen zum Mafia-Geldeintreiber und Sozialbetrüger würden nicht gefördert, dann muss dieser Rückzieher wohl dadurch begründet werden, dass es doch valide Abgrenzungskriterien gibt, um sinnvolle Tätigkeit von Mumpitz oder die Gemeinschaft schädlicher Tätigkeit zu unterscheiden. Weil es diese Kriterien also doch gibt, dann stellt sich die Frage, warum sich das Ministerium weigert, sie auch auf Geistheiler Mumpitz anzuwenden. Anders formuliert: Warum geht man im BMBF so freigiebig mit dem Geld der Steuerzahler um und versucht sich so billig aus der Verantwortung zu stehlen?

 

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7 Responses to BMBF fördert angehende Geisterheiler mit Steuergeldern

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  2. rote_pille says:

    Liegt der “Nutzen für die Allgemeinheit” nicht auf der Hand? Personen mit einer Intelligenz die am linken Ende der Glockenkurve liegt, nehmen die Dienste der Geisterheiler in Anspruch, wodurch sich ihre Wahrscheinlichkeit erhöht an Krankheiten zu sterben. Ihre daraus folgende beschleunigte Entfernung aus dem Genpool steigert dann die durchschnittliche Intelligenz künftiger Generationen. Welch ein herber Verlust, wenn diese Ausbildung abgeschafft werden sollte.

  3. Lernender says:

    ..für mich ist die Finanzierung nur logisch, je mehr Geistheiler sich auf dem Markt tummeln, desto höher die Wahrscheinlichkeit dass wohlhabend geschiedenen und einsamen Frauen die Kohle rausgeleiert wird. Letztendlich gibts der Geistheiler für irgendwelche weltlichen Sachen wieder aus, was abzüglich der Subventionen, eine Steigerung des BIP nach sich zieht..

    Siehe auch Kanal Medial, Dipl. Geistheiler und primus inter pares aller Geistheiler in Deutschland Thomas Hornauer himself, der sich 9 Euro pro Minute bezahlen lässt um die Bezahlerin fortwährend für dumm zu verkaufen..



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  5. unbeliebter Patient says:

    Erst einmal im voraus gesagt auf die Notfallmedizin ist nicht zu verzichten!!!
    Jetzt kommt das große Aber. Wenn die Ärzte mal damit aufhören würden die Patienten nach der gefälschten Statistik von BigPharma, Vorurteilen und sonstigen dubiosen Überlieferungen zu behandeln, dann würden viele nicht auf die Idee kommen andere Arten der Heilung zu versuchen.
    Erzählt man dem Arzt was, was er nicht kennt, weil der Prof. krank war und die Vorlesung zu dem Thema ausgefallen ist, zweifelt der Dok. an das was der Patient erzählt. Er bastelt sich dann eine Diagnose zusammen und freut sich dann wenn er durch Zufall richtig lag. Was kommt dabei heraus, das der Patient erzählt was der Dok. hören will und der der die Wahrheit sagt wird vom Dok. garantiert falsch behandelt weil der Dok. immer davon ausgeht ihm wird was Falsches erzählt, weil es nicht in sein medizinisches Weltbild passt. Bei Fehlern der Ärzte werden dann die nahen Verwandten belogen was das Zeug hergibt, Ausnahmen sind selten.
    Eigene Erfahrungen und Vorfälle aus der nahen Verwandtschaft berechtigen mich zu solcher Einschätzung.
    Bei der Geburt meines Bruders wurde ihm der Arm abgerissen, auf dem Totenschein stand Totgeburt. Ein naher Verwandter hatte Jahrelang unerkannte TBC, zeitig gestorben weil falsch behandelt, Obduktionsbefund landete im Panzerschrank. Steckte sogar mein Freund an, was bei seiner Musterung festgestellt wurde.
    Ein Anderer, es wurde vergessen nach jahrelanger Medikamenten- Einnahme Kontrolluntersuchungen auf die bekannten Nebenwirkungen zu machen. Gelb am ganzen Körper, Diagnose wurde nicht gestellt weil die Technik nicht vor Ort war. Auf offensichtlich kaputter Leber wurde gegen Schmerzen, an anderer Stelle, Morphium gegeben was aber auf Nachfrage geleugnet wurde. Erst nach dem Tod kam dann zufällig die Wahrheit raus.
    Ein Anderer hatte mit 59 Jahren Leberzirrhose, erste Feststellung der Ärzte, totaler Alkoholiker, was aber aus meiner Ansicht seines Lebenswandels nicht stimmte. Nach einigermaßen guter Genesung wurde der dann noch 88 Jahre, was bei einem Alkoholiker nicht möglich gewesen währe.
    Jetzt mal was zum schmunzeln. Bei einer Kontrolluntersuchung im Krankenhaus wurde ich befragt beim Einchecken nach meiner Narbe an der rechten Seite am Bauch. Meine Antwort war, Blinddarm OP, der Arzt verdrehte die Augen, was er dachte war mir klar, ich würde ihm da einen Bären aufbinden. Aber auf die die Idee das die OP war als ich 5 Jahre alt war und die Narbe nun nach Jahrzehnten viel weiter oben war ist er nicht gekommen. Die anderen Dinge die dann noch so vorgekommen sind würden den Rahmen sprengen. Mein Vertrauen ist dahin und deshalb versuche ich es mit entsprechender Lebensweise hin zu bekommen um nicht wegen Sachen zum Arzt zu gehen wo man was selber machen kann. Allerdings ist es schwer seriöse Quellen zu finden. Bei einem Arzt, Dr. stand auch Naturheilverfahren dran, von Kräuter hatte der keine Ahnung, bei Trigeminusneuralgie? gab es nur einmal 5 Kügelchen, das wars. Ich würde sagen auch hier Etikettenschwindel bei einigen Ärzten. Deswegen haben andere Scharlatane immer mehr Zulauf.

  6. Jürg Rückert says:

    1. Kostenfrage: So lange die Kosten von den “Patienten” selbst zu tragen sind, limitiert sich das Handwerk von selber. Was, wenn nun aber in Sachen “gleichwertiger Lebensverhältnisse” die Kassen zur Kostenübernahme gezwungen werden? Müssten ärztliche Gutachter die Einzelfälle gegen gutes Honorar überprüfen?
    2. Gesundbeten darf jeder. Ansonsten gilt das Heilpraktikergesetz bzw. es ist eine Approbation als Arzt erforderlich. Diagnostizieren, behandeln oder heilen von Leiden ist anderen untersagt. Eine “Reflexzonenanwenderin” formulierte es einmal treffend so: Sollte bei meiner Wellnessvornahme eine Besserung der Gesundheit eintreten, so wäre dies nicht beabsichtigt. So bleibt man auf der sicheren Seite.
    3. Die finanzielle Förderung solchen Unsinns durch ein Ministerium spricht für eine enorme Zunahme der Entropie im System BRD. Dem Chaos entgegen!

  7. Pflitsch says:

    ” … Denn wenn man im Ministerium tatsächlich der Ansicht ist, es gebe keine validen Abgrenzungskriterien, um zwischen sinnvoller Tätigkeit und Mumpitz zu unterscheiden, dann muss man auch die Weiterbildung zum Geldeintreiber der Mafia oder die Weiterbildung zum Sozialbetrüger finanzieren, denn mit beidem kann man hinterher so richtig Kasse machen.”

    Wer sagt denn, dass die Ausbildung zum Geldeintrteiber der Mafia nicht schon längst und mehrfach vom BMBF finanziert wurde und noch immer wird? Diese Finanzierung läuft bestimmt über die Ausbildung zur Inkasso-Fachkraft oder einen Ausbildungsgang bei einem nicht verbandsgebundenen Security-Unternehmen.

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