Parteiensterben und deutsches demokratisches Defizit (DDD)

Sag mir wo die Mitglieder sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag‘ mir wo die Mitglieder sind.
Was ist geschehen?
Sag‘ mir wo die Mitglieder sind.
Alle flüchten sie geschwind..
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?

Etliche Zeitungen haben sich in den letzten Wochen der Studie von Oskar Niedermayer angenommen, in der er zeigt, dass den Parteien die Mitglieder davonlaufen. Das zeigt Niedermayer nicht erst seit kurzem, sondern schon seit mehreren Jahren. Wir haben seine Analysen zum Anlass genommen, um schon vor einiger Zeit einen Beitrag mit dem Titel „Von der Volkspartei zur Schrumpfpartei“ zu veröffentlichen.

SPD-Schrumpfpartei

Die derzeitige mediale Aufmerksamkeit, die dem Mitgliederverlust der Parteien unter Titeln wie: „SPD verliert die meisten Mitglieder“ oder „Mitgliederschwund bei Parteien“ gewidmet ist, begnügt sich in der Regel damit, das Faktum zu benennen und u.a. die folgende Erklärung für den Mitgliederschwund anzuführen:

“Politische Beteiligung in Parteien macht Mühe, sie verlangt Zeit und kostet sogar Geld. Das wollen immer weniger auf sich nehmen. Außerdem gibt es heute viel mehr Möglichkeiten, sich außerhalb der Parteien politisch zu engagieren oder seine knappe Freizeit mit unpolitischen Aktivitäten zu verbringen.“

Das sagt Oskar Niedermayer zum Spiegel. Warum er von einer „knappen Freizeit“ spricht, wo die Zeit, die für Erwerbstätigkeit aufgewendet wird, seit Jahrzehnten sinkt, das sei einmal dahingestellt, dass er mit seiner Aussage deutlich, macht, das Parteien überflüssig geworden sind, weil sie nicht mehr in der Lage sind, ihrer Rekrutierungsfunktion gerecht zu werden und es entsprechend und im besten Fall Mittelmaß möglich ist, in den Schrumpfparteien auf Listen zu gelangen, das ist schon eher der Erwähnung wert.

Denn es beschreibt ein neues demokratisches Defizit: Politische Parteien, die über immer weniger Mitglieder verfügen, haben dennoch ein Quasi-Monopol auf die Erstellung von Landes- und Bundeslisten und somit die Vergabe von Plätzen in Parlamenten. Wenn immer weniger um die entsprechenden Plätze konkurrieren, weil immer weniger Mitglieder vorhanden sind und die vorhandenen Mitglieder immer älter werden, dann hat dies zur Folge, dass jeder Dahergelaufene, der gerne eine Karriere in der Politik machen will, eine solche machen kann. Das ist ein einfach nachvollziehbarer Prozess, den man als political race to the bottom bezeichnen könnte. Das Ergebnis dieses Prozesses kann man schon jetzt in den unterschiedlichsten Ministerien bestaunen.

Und die Konsequenzen der Tatsache, dass die Auswahl der politischen Eliten nicht mehr funktioniert, weil man, um die Fähigsten aus einer Reihe von Bewerbern um einen politischen Posten auszuwählen, erst einmal eine Reihe von Fähigen haben muss, die führen zur Fortsetzung unseres kleinen Liedes von oben:

Sag mir wo die Wähler sind,
Wo sind sie geblieben?
Sag‘ mir wo die Wähler sind,
was ist geschehen?
Sag‘ mir wo die Wähler sind,
Niemand kreuzt bei uns geschwind.
Wann wird man je verstehen?
Wann wird man je verstehen?

Immerhin führt der Wählerschwund zum Erwachen eines Bewusstseins bei manchen Politikern, ein Bewusstsein, das ihnen sagt: Etwas stimmt nicht. So fordert Niedersachsens Ministerpräsident Weil ein „schärferes SPD-Profil“ in der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Wir müssen uns klarmachen: Was sind unsere wichtigsten Themen? Was sind unsere wichtigsten Vorhaben für die nächsten Jahre? Diese Fragen müssen so schnell wie möglich beantwortet werden“, sagte der SPD-Politiker.

Es mag eine kausale Verbindung dazwischen bestehen, dass Sozialdemokraten in Regierungsämtern nicht wissen, was die wichtigsten Themen der SPD sind und was die wichtigsten SPD Vorhaben für die nächsten Jahre sind und dass ihnen die Mitglieder und Wähler davonlaufen. Wenn schon führende Genossen nicht wissen, was sie wollen und was für sie wichtig ist, dann darf man sich nicht wundern, wenn Mitglieder sich anderswo nach einem sinnvollen Zeitvertreib umsehen.

Aber vielleicht gibt es ja Leser von ScienceFiles, die den Genossen bei der Findung der Themen, die für die SPD wichtig sind und bei der Bestimmung der Vorhaben für die nächsten Jahre behilflich sein können.

 


Haben Sie Fragen oder Anregungen?
Kontaktieren Sie uns

ScienceFiles ist ein Non-Profit-Blog. Damit wir unser Angebot aufrechterhalten und vielleicht sogar ausbauen können, benötigen wir Ihre Unterstützung
durch eine Spende (via Paypal) durch eine Spende (via Banküberweisung) als ScienceFiles-Clubmitglied
  • Bank: Tescobank plc.
  • Accountname: ScienceFiles-Account
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40TPFG40642010588246
  • Kontoinhaber: Michael Klein
  • Bankgebühren umgehen mit Transferwise

Über Michael Klein
... concerned with and about science

14 Responses to Parteiensterben und deutsches demokratisches Defizit (DDD)

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Parteiensterben und deutsches demokratisches Defizit (DDD)

  2. corvusalbusberlin says:

    „Wann wird man je verstehen?“ Im Song von M.D. heißt es:“Wann wird man je versteh’n?
    Bin ich sofort drüber gestolpert.

      • corvusalbusberlin says:

        Was heißt: „bei uns nicht.“
        Das ist ein ehemals amerikanischer Text und diesen Text hat erstmals Max Kolpe ins Deutsche übersetzt.

        • Ehrlich, die Mitglieder und Wähler sind von Max Kolbe und gar nicht von uns?

          • corvusalbusberlin says:

            „Ehrlich, die Mitglieder und Wähler sind von Max Kolbe und gar nicht von uns?“

            Von Mietgliedern und Wählern war in meinem Kommentar nicht die Rede.

            Ich berief mich auf die letzten 2 Zeilen der jeweiligen Strophe, die sich wiederholt und diese Zeile ist „legendär“ mit dem Chanson: “ Sag mir , wo die Blumen sind…..“ – gesungen von Marlene Dietrich – verbunden.
            Sie hätten dies zu mindestens in Ihrem Beitrag anmerken können.

            Jetzt meinen Kommentar ins Lächerliche zu ziehen, kann ich nur als armselig bezeichnen.

  3. Sven Kuchary says:

    Die SPD hat keine Themen. Sie will einfach moralistisch opportun sein. Leider fällt der Unterschied zwischen gut gemeint und gut gemacht auf, häufig sogar innerhalb einer Wahlperiode.

  4. Samtrot says:

    Einem Funktionär (Ich möchte nicht „Amtswalter“ oder „Hoheitsträger“ formuliern) einer Partei, die ich nicht wähle, werde ich keine konkreten Vorschläge machen. Aber vielleicht findet der Genosse selber Anregungen im ersten Flugblatt der „Weißen Rose“:

    http://www.freiezeiten.net/flugblatt-1

    Zunächst sollte der SPD-Mann (Sozialdemokrat ist er ja wohl nicht) darüber nachdenken, warum das Flugblatt gerade jetzt wieder veröffentlicht wurde. Das wäre ein Anfang.

  5. Livia says:

    Da kommen mehrere Komponenten zusammen:
    Zum einen hat gerade die SPD ihr eigendliches Wählerklientel unter Schröder Verraten.
    Zum anderen hat sich die SPD, wie auch die Gewerkschaften, den neueren Entwicklungen nicht angepaßt. Während ganze Industriesparten verloren gehen, wird immer noch um Lohnerhöhungen „gekämpft“ – und das auch noch in Prozent, was dazu führt, daß die Schere zwischen den unteren Lohngruppen und den oberen Gehältern immer mehr auseinander geht. (Dreimal darf man raten, wo die Funktionäre da wohl angesiedelt sind?)
    Des Weiteren ist die jüngere Generation eher unpolitisch – und auch schon so erzogen worden (Spaßgeneration) Die gehen weder wählen und schon garnicht in eine Partei, es seie denn, sie wollen dort die Karriere machen, die sie in der Wirtschaft nicht bekommen.
    Auch durch 3 Generationen von Parteifunktionären, die in der Regel keinen hochkommen ließen, der besser sein könnte als sie selber und an seinem Stuhl sägen könnte, ist es heute möglich, daß solche Gestalten, die nie in der freien Wirtschaft ein Bein auf den Boden bekommen würden, nie „draußen“ gearbeitet hatten, ewige Studenten und andere ohne Berufsabschluß, in einer Partei nach ganz oben kommen, weil sie mittlerweile der einzigste weit und breit unter 60 ist, ist die ganze Parteienlandschaft zur Mittelmäßigkeit verkommen. Die Vita von Herrn Martin Schulz ist doch schon ein schönes Beispiel dafür.

    Die CDU war früher älter und hatte immer weniger Mitglieder als die SPD, hat aber wohl in den 80er Jahren verstärkt Mitgliederwerbung betrieben und die Ost-CDU hatte in der Wendezeit auch eine größere Rolle gespielt, während im Westen die Restprotestanten vorwiegend bei den Grünen gelandet waren. (Die Kirchenaustritte der letzten Jahrzehnte gehen da aber auch paralell.) Seit die CDU die SPD links überholen will, liegen die ehemaligen Volksparteien in etwa gleich auf, wobei auch interessant wäre, wer seine Mitglieder mehrheitlich durch Ableben verliert, und wer durch Austritte. Bei der SPD (und der Linkspartei) dürfte der Friedhof führen!
    Bewegung bekommt man nur durch völlig neue Parteien in die Bude, was aber durch undemokratische Prozenthürden (Bestandsschutz der Pfründe!) bisher fast immer so lange unterbunden werden konnte, bis daß die Gruppierungen entweder in das Establishment integriert wurden (Grüne), oder aufgaben und als Eintagsfliege landeten.
    Nun kann man nur hoffen, daß die AfD es tatsächlich schafft, frischen Wind in den korrupten und verfilzten Haufen zu bringen! Dann gehen auch wieder Leute zur Wahl, die vorher resigniert wegblieben!

    …. übrigens: Mögen die Arbeitszeiten kürzer geworden sein – dafür aber die Wege mehr und länger! Als der Großonkel noch von 6 bis 6 und Samstags bis 12 gearbeitet hatte, konnte er aber zu Fuß! zur Arbeit gehen und die Tante zu Fuß! ihre Einkäufe erledigen. Anstatt Grasflächen hatte man den Gemüsegarten hinter dem Haus. Außerdem hatten die damals – der langsamerern Technik geschuldet – viel geruhsameres Arbeiten und längere Pausen. In denen politisierte man auch und am Wochenende traf man sich in der Kneipe oder beim Sport (Sch… TV war noch nicht erfunden, bzw. verbreitet). Da war jeder 2. In einer Partei! (Mitgliederdiagramm ab 1948 wäre sicher interessant!)

  6. Gereon says:

    … ach, die feilen ja schon an neuen Konzepten.
    das Wahlalter wird auf Kindergartenalter herabgesetzt und das Wählen ab dem Alter von 40 verboten, damit nur noch leicht Indoktrinierbare das Richtige wählen, die sich nicht an bessere Zeiten erinnern können, ob 3 , 300.000 oder 3 Mio. wählen ist nach dem Wahl’recht‘ egal, und wenn man das Internet endlich durchzensiert hat und eine Zwangsfinanzierung der Printmedien durchgesetzt hat, gibt es nur noch erlaubte und wohlgefällige Wahrheiten. Die negroide Mischrasse, die man überall in Bild , Schrift und Ton propagiert, wird bei trendbewussten und beeinflussbaren Europäerinnen das Erstebenswerte sein und man wird nicht müde werden, die sexuellen Vorteile der unkontrollierten Einwanderung den von der Gesetzeslage verschreckten Männern vermiedenen Europäerinnen schmackhaft zu machen. Die Folge wird ein DurchschnittsIQ knapp überhalb der Körpertemperatur sein, von dem geringer Widerstand und keinerlei Hinterfragung zu befürchten ist. Alles wird gut. Vor allem für Parteimitglieder der inneren Partei.

    • Benjamin says:

      Mann Mann Mann, warum müsst ihr Nazis eigentlich jedes Thema kapern und eure Angst vor Einwanderern hineindrücken? Verrat mir mal was deine „negroide Mischrasse“ und die „sexuellen Vorteile der unkontrollierten Einwanderung“ mit der Überalterung der ehemaligen Volksparteien zu tun haben? Aber lass dir Zeit, mit IQ 88 dauert das Formulieren sicher länger.

  7. Pingback: SPD ohne Hirn und Verstand: Niedersachsens Ministerpräsident Weil (SPD) hat keine Ahnung wofür die SPD steht | LW-Freiheit

Bevor Sie hier kommentieren, lesen Sie bitte unser Grundsatzprogramm. Kommentare, die Beleidigungen enthalten oder lediglich gepostet wurden, um sich zu erleichtern, wandern direkt in den virtuellen Mülleimer

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s