Novum: Bundestagswahlkampf aus dem Hochsicherheitstrakt im Knast

Ist es möglich, dass ein Angeklagter, der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, dem der Prozess wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Beteiligung an Anschlägen gemacht wird, auf einer Landesliste für die Wahl zum Bundestag 2017 kandidiert?

Wer nein gesagt hat, der liegt falsch.

Es ist möglich.

Es ist gleich zweimal möglich.

Verantwortlich ist eine Auslassung im Bundeswahlgesetz (BWG). Letzteres regelt in seinem § 15 BWG die Wählbarkeit, Deutscher im Sinne des Artikels 116, Absatz 1 Grundgesetz muss man sein und mindestens 18 Jahre alt. Das zeigt, dass die Ansprüche an einen Bundestagsabgeordneten nicht hoch, wenn überhaupt vorhanden sind. Gleichzeitig regelt § 15 BWG in seinem 2 Absatz wann eine Person nicht wählbar ist. Das ist in erster Linie dann der Fall, wenn ein Richter die Wählbarkeit oder die Fähigkeit, zur Bekleidung öffentlicher Ämter verneint hat. Und es ist in den Fällen des § 13 BWG ausgeschlossen, im Wesentlich dann, wenn eine Vormundschaft (Betreuung) angeordnet ist oder der Möchtegern-Abgeordnete in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht ist.

Mit anderen Worten, Kriminelle sind nur dann von der Teilnahme an einer Bundestagswahl ausgeschlossen, wenn ihnen die Wählbarkeit durch einen Richter aberkannt wurde und geistig Gestörte sind nur dann ausgeschlossen, wenn man sie eingeschlossen hat, in einer entsprechenden Anstalt.

Und so kommt es, dass sich die Internationalistische Liste/MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) darüber freuen kann, in Hessen und Nordrhein-Westfalen zwei Kandidaten auf Platz 2 zu haben, gegen die ein Gerichtsverfahren läuft und die derzeit in Untersuchungshaft sitzen. Wer das deutsche Rechtssystem kennt, der weiß, dass ein Freispruch in einem Verfahren, in dem der/die Richter eine Untersuchungshaft aufrecht erhalten, sehr unwahrscheinlich ist, so dass man mit einiger Wahrscheinlichkeit folgern kann, dass auf der Internationalistischen Liste/MLPD nicht nur zwei derzeit Inhaftierte kandidieren, sondern zwei demnächst Verurteilte.

Nun besteht natürlich keine Gefahr, dass die beiden, Deniz Pektas und Erhan Aktürk auch nur in die Nähe eines Bundestagsmandats kommen, aber der Fall zeigt, dass es keinerlei Vorkehrungen gibt, die Kriminelle davon abhalten, erfolgreich für einen Sitz im Bundestag zu kandidieren.

Pektas und Aktürk gehören zu 10 Angeklagten, denen derzeit vor dem Oberlandesgericht München der Prozess wegen Zugehörigkeit zur Kommunistischen Partei der Türkei/Marxistisch-Leninistische Variante gemacht wird. Sie sollen das Auslandskomitee der Partei geführt haben. Zwar ist die TKP/ML in Deutschland nicht verboten, dennoch lautet die Anklage auf Mitgliedschaft in einer (ausländischen) terroristischen Vereinigung. Die TKP/ML wird für eine Reihe blutiger Anschläge in der Türkei verantwortlich gemacht. Die Angeklagten sollen in Deutschland Geld gesammelt und neue Mitglieder geworben haben, die zum Teil im Irak für den bewaffneten Kampf in der Türkei ausgebildet worden sein sollen. Die Anklage hat die Bundesanwaltschaft erhoben.

Wie man sieht, lebt die kommunistische Internationale noch, denn von der kommunistischen Partei der Türkei zur deutschen MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) ist es nur eine Landesliste weit. Und wie man zudem sieht, können nicht nur Kriminelle für den Bundestag kandidieren, auch – sofern sich die Anklage bestätigt – Terroristen können es.

Gegen Fachidioten und Beliebigkeit: Sozialwissenschaftler wollen ihr Fach retten

Sozialwissenschaften haben nicht nur in Deutschland derzeit einen schlechten Ruf. Sie sind in manchen Teilen der Bevölkerung zum Synonym für Beliebigkeit – im besten Fall – und irrelevanten Blödsinn – im schlechtesten Fall, geworden. Letzteres ist das Verdienst von Personen, die die Sozialwissenschaften mit ihren Versuchen persönliche Störungen und Deprivationen oder persönliche Vorlieben als Wissenschaft zu verkaufen, zum Gespött derer gemacht haben, die für sich noch die Normalität des Geistes in Anspruch nehmen können.

Jenseits dieser Arbeiter am sozialwissenschaftlichen Ausschuss gibt es immer noch Sozialwissenschaftler, die an Phänomenen und deren Erklärung interessiert sind, die versuchen, Theorien aufzustellen und die entsprechenden Theorien an der Realität zu überprüfen. Duncan J. Watts, bekannt für seine Arbeiten zu „Small Worlds“, also zu großen Netzwerken von Personen, die man nur über wenige Links alle miteinander verbinden kann, hat den Letztgenannten, den Sozialwissenschaftlern, die diese Bezeichnung zurecht tragen, einen Vorschlag unterbreitet, wie man die Sozialwissenschaft davor bewahren kann, denen zum Opfer zu fallen, die sie zum Gespött der Menschheit machen, den Gender Studierten, Whiteness-Studierern, Postkolonialisten, Sozialisten und –Isten aller Couleur, die ideologischen Unrat in die Wissenschaft getragen haben, einen Vorschlag, wie man Sozialwissenschaften wieder einen guten Leumund vor der öffentlichen Wahrnehmung verschaffen kann.

Der Rubikon zwischen richtigen Sozialwissenschaftlern und denen, die die Sozialwissenschaften missbrauchen wollen, ist anhand von drei Begriffen, die prominent im Beitrag firmieren, den Watts in Nature „Human Behavior“ publiziert hat, gezogen:

  • Prüfbarkeit;
  • Replizierbarkeit;
  • Verwertbarkeit;

Diesen drei Kriterien müssen Sozialwissenschaften genügen, damit sie Anspruch erheben können, Sozialwissenschaft zu sein. Prüfbarkeit bezieht sich auf die Art der Aussagen: Sie müssen etwas über die Wirklichkeit aussagen und an dieser Wirklichkeit scheitern können. Aussagen, die nicht prüfbar sind, sind keine Aussagen, denen in den Sozialwissenschaften ein hoher Stellenwert zukommt.

Ergebnisse müssen darüber hinaus replizierbar sein, d.h. ein Test einer Aussage, der die Aussage bestätigt hat, muss unter anderen Bedingungen und von anderen Sozialwissenschaftlern wiederholbar sein. Das schließt diejenigen aus, die weitreichende Schlüsse auf einer Datenbasis, die nur ihnen bekannt oder zugänglich ist, gezogen haben wollen, es schließt Datenfälscher und Personen aus, deren Ziel darin besteht, magere Daten für wilde, aber der eigenen Ideologie entsprechende Schlussfolgerungen zu missbrauchen.

Ergebnisse müssen verwertbar sein, und zwar nicht nur in Form praktischer Verwendbarkeit in der Gesellschaft, sondern auch oder besonders im Hinblick auf deren praktische Verwendbarkeit in den Sozialwissenschaften.

Auf diesen Voraussetzungen basiert, was man als Watts‘ Projekt bezeichnen könnte.

Das Projekt beginnt mit der Beschreibung des Problems: Zu viele Theorien konkurrieren in den Sozialwissenschaften um die Erklärung des selben Phänomens: „… any representative cross-section of social scientists would have difficulty agreeing on almost any question at all, including which question were the most importat to be agreed upon“ (1). Mit anderen Worten, in den Sozialwissenschaften verderben zu viele Köche den Brei.

Unterschiedliche sozialwissenschaftliche Schulen, verpacken die unterschiedlichen Perspektiven auf die Wirklichkeit in unterschiedlichen Theorien und geben diese an ihre Schüler weiter. Diese, zum Fachidioten ausgebildet, wenden dann die erlernte Sichtweise auf die verschiedensten Aspekte der Wirklichkeit an. Als Folge erscheinen selbst die ernstzunehmenden Teile der Sozialwissenschaften (also die Teile, die um die Genderisten, die Sozialisten und die anderen ideologischen Extremisten bereinigt wurden) wie die Baustelle des Turm zu Babels, nur dass es Gottes Zorns nicht bedarf, um eine Verwirrung herbeizuführen, die eine Verständigung weitgehend unmöglich macht.

Watts findet eine sehr elegante Lösung, um sich der Teile der Sozialwissenschaften zu entledigen, deren Vertreter nicht an der Lösung von Problemen und der Erklärung von sozialen Phänomenen interessiert sind, sondern daran, sprachlichen Bombast zu produzieren, der sich dadurch auszeichnet, dass er keinerlei Niederschlag in der Realität findet: „… one possible reason why social sciences seems less ‚scientific‘ than we would like is simply that our ability to propose theories has for so long outstripped our ability to test them“ (2). Mit anderen Worten: Jetzt, da die Möglichkeiten vorhanden sind, durch Computertechnologie, Statistik oder mathematische Modelle, Theorien der Sozialwissenschaften auch zu testen, kann man die „Untestbaren“ beseitigen.

Watts‘ Projekt baut auf dieser Problemlage auf.

Die Lösung für die skizzierte Problemlage muss zunächst einmal darin bestehen, an einem einheitlichen Theoriekorpus der Sozialwissenschaften zu arbeiten, d.h. die vielen rivalisierenden Perspektiven zu vereinheitlichen. Dazu ist es notwendig, sozialwissenschaftliche Forschung nicht zum Bekenntnis der Zugehörigkeit zu einer sozialwissenschaftlichen Schule zu machen, sondern zu einem Vehikel, um Probleme zu lösen. Daher ist es für Watts notwendig, sozialwissenschaftliche Forschung lösungsorientierter zu machen. Nicht mehr die vielfältige Beschreibung von Zuständen, die in manchen Teilen der Sozialwissenschaft ganze Reihen in Bibliotheken füllt, ist das Ziel, sondern das Finden von Lösungen für die beschriebenen Zustände. Die Lösungen, die die drei oben benannten Kriterien (prüfbar, replizierbar und verwertbar) erfüllen müssen, bilden dann den Grundstock, auf dem eine einheitliche Theoriebildung in den Sozialwissenschaften erfolgen kann.

Die Vorteile liegen auf der Hand:
Forschung, die am Auffinden von Lösungen ausgerichtet ist, die den drei genannten Kriterien genügen, kann nur über eine allgemeine und geteilte Methodologie erfolgen: Willkür und Beliebigkeit werden somit ausgeschlossen.

Gelöste Probleme geben Zeugnis davon, dass es mit sozialwissenschaftlichen Theorien möglich ist, die Wirklichkeit akkurat zu beschreiben und Lösungen für Probleme zu finden. Das verbessert das Ansehen der Sozialwissenschaften und macht es denen unmöglich, die Sprachakte als Sozialwissenschaft verkaufen wollen, als Sozialwissenschaftler durchzugehen.

Eine gemeinsame Arbeit an der Lösung von Problemen, die sich einer geteilten Methodologie bedient, hat zudem den Effekt, dass die Sozialwissenschaften zu dem werden, was derzeit fast ausgeschlossen erscheint, einer kumulativen Wissenschaft, in der Einigkeit über das besteht, was bekannt ist, und klar angegeben werden kann, welche Lücken im sozialwissenschaftlichen Erkenntnisprogramm noch geschlossen werden müssen.

Soweit der amerikanische Traum, den wir auch träumen, nun zurück zur deutschen Wirklichkeit….

Junk Science erkennen – Feynman/ScienceFiles-Kurzanleitung

Wir haben ein Video mit Richard Feynman aus dem Jahre 1981 ausgegraben, in dem er in der kürzesten uns bekannten Weise darlegt, was für ihn Pseudo-Wissenschaft ist.

Wir sprechen in diesem Zusammenhang lieber von Junk Science, denn Pseudo-Science lässt die Möglichkeit zu, dass etwas noch zu Wissenschaft werden kann. Junk Science lässt diese Möglichkeit nicht. Was als Junk identifiziert ist, muss entsprechend entsorgt werden.

Als Sozialwissenschaftler sind wir mit dem Rundumschlag zu beginn des Videos nicht einverstanden. Nicht die Sozialwissenschaften als Ganze sind Junk Science, einzelne, vielleicht auch viele Sozialwissenschaftler oder Personen, die sich in die Sozialwissenschaften eingeschlichen oder von Regierungen eingeschleust wurden, produzieren Junk Science. Und weil wir hier differenzieren, deshalb sind uns auch die Kriterien, die Feynman angibt, um Pseudo-Science für ihn und Junk-Science für uns zu identifizieren, nicht zufrieden.

Für Feynman ist Pseudo-Wissenschaft dadurch ausgezeichnet, dass sich jemand an eine Schreibmaschine setzt und Behauptungen aufstellt, Behauptungen, die er nicht prüft. Behauptungen, die nicht über sich hinausweisen, die nicht in einer Weise generalisierbar sind, die es ermöglicht, neues Wissen zu generieren.

Seine drei Kriterien zur Identifikation von Pseudo-Wissenschaft sind demnach:

  • Es wird etwas behauptet;
  • Das was behauptet wird, wird nicht geprüft.
  • Das was behauptet wird, ist nicht generalisierbar, so dass auch keine neuen Erkenntnisse daraus ableitbar sind.

Wir würden Feynmans drei Kriterien um einige detailliertere Kriterien ergänzen:
Junk Science liegt vor, wenn:

  • Behauptungen aufgestellt werden, die nicht prüfbar sind;
  • Behauptungen als normative Doktrin präsentiert werden, die nicht hinterfragt werden darf, z.B.: Linksextreme sind nicht gewalttätig;
  • mehrere Behauptungen aufgestellt werden, die im Widerspruch zueinander stehen;
  • Behauptungen aufgestellt werden, die zwar prüfbar sind, die aber mit völlig ungeeigneten Methoden geprüft werden;
  • Behauptungen aufgestellt werden, die voraussetzen, was erst gezeigt werden soll, z.B. Rechtsextremisten sind gewalttätig;
  • Behauptungen wertende Bestandteile aufweisen, die in wissenschaftlichen Aussagen nichts zu suchen haben, z.B. Feministen sind für Emanzipation, deshalb leben Anti-Feministen im 18. Jahrhundert;
  • aus der Beobachtung eines Eremiten im dritten Andental links auf die allgemeinen Verhaltensweisen von Bergbewohnern geschlossen wird, wenn also aus empirischen Aussagen über einen Miniaturbereich, weitreichende Schlussfolgerungen abgeleitet werden, die nicht belegt werden;

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Die Opfer der Gleichstellung schlagen zurück

Unsinn muss man sich leisten können.

Wenn es brennt, dann wird es das Feuer wenig beeindrucken, dass eine Gleichstellungsbeauftrage über die männlichen Rollenbilder fabuliert, die weibliche Feuerwehrmänner, die es natürlich in Hülle und Fülle gibt, daran hindern, mit Wasser und anderen Löschmitteln, dem Feuer zu Leibe zu rücken. Und während die Gleichstellungsbeauftragte fabuliert, löschen die männlichen Rollenbilder das Feuer.

Geschwätz und entsprechende Schwätzer muss man sich leisten können.

Solange eine Gesellschaft wächst und genug zum Verteilen vorhanden ist, fällt es nicht in der Weise auf, wie es auffallen müsste, dass unproduktive Teile der Gesellschaft sich mit Geschwätz einen Lebensunterhalt verschaffen. Solange es in Unternehmen rund läuft  und Motoren immer noch in der Stückzahl produziert werden, die notwendig ist, um die Nachfrage zu befriedigen, so lange der Ertrag aus dem Absatz immer noch ausreicht, um unproduktive Gleichstellungsbeauftragte und weibliche Dabeisitzer in Aufsichtsräten mit durchzufüttern, so lange regt sich niemand wirklich darüber auf. So lange niemand an eine Wissenschaft, eine Sozialwissenschaft, den Anspruch richtet, Steuergelder produktiv einzusetzen und einen Nutzen für die Gesellschaft zu erbringen, so lange können Fächer wie Gender Studies, Whitenessstudies und andere Blüten gelangweilter und undisziplinierter Geister, die sich vormachen, der Unsinn, den sie verbreiten, sei ein Gedanke, sei das Ergebnis von Denken, ihr Dasein mit eben diesem Unsinn und auf Kosten der Steuerzahler fristen.

Wenn aber der Absatz zurückgeht, wenn das, was verteilt werden soll, knapp wird, wenn Wissenschaftler mit Bürgern konfrontiert sind, die einen Nutzen für das viele Steuergeld, das in die Wissenschaft fließt, erwarten, dann wird es eng für die Schwätzer und all die Unproduktiven, die nicht einmal selbst wissen, wofür sie eigentlich gut sind, welchen Nutzen sie der Gesellschaft je gebracht haben, bringen könnten oder je bringen werden.

Seit Jahren werden Programme aufgelegt, die angeblich dazu dienen, Frauen zu fördern. Als Ergebnis der Logik dieser Programme, werden Männer benachteiligt und Positionen mit weiblichen Bewerbern besetzt, die in vielen Fällen eben nicht der beste Bewerber, sondern der Bewerber mit dem richtigen Geschlecht waren. Das Ergebnis kann man z.B. am Niedergang der deutschen Sozialwissenschaften ablesen, die zu einer Schwatzbude verkommen sind, mit nur wenigen „pockets of rational resistance“.

Die angesprochene Logik funktioniert einfach:

  • Hochschulen werden finanziell immer kürzer gehalten.
  • Viele Hochschulen kommen gerade so über die Runden.
  • Den Hochschulen, die nach finanziellen Mitteln dürsten, wedeln Politiker mit finanziellen Mitteln vor der Nase. Es gibt nur eine Bedingung: Es müssen weibliche Bewerber eingestellt werden.
  • Also werden weibliche Bewerber eingestellt, egal, ob männliche Bewerber besser geeignet wären, denn männliche Bewerber bringen den Hochschulen nicht das ersehnte Geld.
  • Das Ergebnis ist eine Degeneration der Wissenschaft im Allgemeinen und der Sozialwissenschaften im Besonderen.
    Sozialwissenschaften können immer weniger die rudimentären Leistungen erfüllen, die von einer Wissenschaft als Triebkraft gesellschaftlicher Entwicklung erwartet werden.

Vor zwei Tagen hatten wir ein Beispiel für solch’ nutzlose Sozialwissenschaft:

“Nicht nur ´Frau´ zu sein, sondern auch ´Schwarz´ zu sein und aus der ´Arbeiterklasse´ – Mit diesem Hinweis auf mehrfache Diskriminierung kritisierte der black feminism eine allzu weiße westliche Frauenbewegung aber auch eine männliche blackpower-Bewegung. In der daran anknüpfende Intersektionalitätsdebatte wird nicht nur Ungleichheit aufgrund von Gender bearbeitet, sondern in der Thematisierung von Ungleichheiten werden die verschiedenen Differenzachsen entlang von Ethnizität/“Rasse“, Gender, Klasse/Schicht, Sexualität, Nationalität, Alter berücksichtigt und zusammen gedacht. In den letzten Jahren ist „Intersektionalität“ auch in Deutschland zu einer zentralen heuristischen und methodologischen sozialwissenschaftlichen Perspektive avanciert.
Im Seminar werden wir der transatlantischen Reise von race-class-gender nachgehen und uns den aktuellen Herausforderungen und Forschungsfeldern (u.a. den Gender-Studies, den media-studies, der kritischen Migrationsforschung) der Intersektionalitätsdebatten widmen. Das Seminar baut auf deutsch- und wenigen englischsprachigen Texten auf und ist als Lektürekurs konzipiert.” (Beschreibung des Seminars „race-gender-class: Intersektionale Ungleichheiten” von Elisabeth Tuider an der Universität Kassel.

Was soll ein Student durch den Besuch dieses Seminars an Wissen erwerben, das einen gesellschaftlichen Nutzen nach sich zieht? Welcher gesellschaftliche Nutzen könnte aus einem solchen Seminar entstehen?

Das beschriebene Seminar ist eines von vielen, die es landauf landab an deutschen Hochschulen gibt und die in der Regel mit einem Verweis auf die Wissenschaftsfreiheit und die Freiheit von Forschung und Lehre, die nach dieser Lesart offensichtlich die Produktion von Unsinn umfasst, legitimiert werden. Seminare wie das beschriebene sind Ergebnis der Zuwanderung von Quotenfrauen, die über Programme wie das Professorinnenprogramm oder über Klauseln wie „bei gleicher Eignung werden Frauen bevorzugt“ und unter direkter Benachteiligung von männlichen Bewerbern in Positionen gelangt sind.

Doch mittlerweile scheint das Fass überzulaufen. Offensichtlich gibt es immer mehr Positionen, für die diejenigen, die sie zu besetzen haben, versuchen, um das Diktat des Gleichstellungskommissars herumzukommen und eben den besten Bewerber nicht den weiblichen Bewerber einstellen zu können. Die Not vor Ort muss entsprechend groß sein. Die Phantasie, mit der versucht wird, dem Gleichstellungs-Totalitarismus, den das BMFSFJ und das BMBF ausüben, zu entkommen, ist ebenfalls beachtlich. Ein schönes Beispiel haben wir bei der Universität Koblenz-Landau entdeckt. Es hat die folgende sprachliche Form angenommen:

„Schwerbehinderte Bewerberinnen/Bewerber werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt. Frauen werden bei Einstellungen bei gleichwertiger Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt berücksichtigt, soweit und solange eine Unterrepräsentanz vorliegt. Dies gilt nicht, wenn in der Person eines Bewerbers so schwerwiegende Gründe vorliegen, dass sie auch unter Beachtung des Gebotes zur Gleichstellung der Frauen überwiegen.“

Frauen werden bevorzugt, nicht nur wenn sie schwerbehindert sind, sondern auch bei gleicher Eignung. Das ist die Standardfloskel die der Gleichstellungstotalitarismus vorsieht. Neu sind die Versuche, um das Bevorzugungsdiktat herumzukommen und sich Luft zu verschaffen, um eben den besten, nicht den weiblichen Bewerber berufen zu können.

Bevorzugte Berücksichtigung, nicht mehr Einstellung von weiblichen Bewerbern erfolgt nur noch, wenn keine Überrepräsentation vorliegt, denn irgend jemand muss ja die Arbeit machen und männliche Bewerber haben eine lange Geschichte, die zeigt, dass sie die Arbeit machen. Und: weibliche Bewerber werden nur solange bevorzugt, so lange nicht „in der Person eines Bewerbers so schwerwiegende Gründe vorliegen, dass sie auch unter Beachtung des Gebotes zur Gleichstellung der Frauen überwiegen“.

Damit haben die Koblenz-Landauer eine geniale Formulierung gefunden, um das Gleichstellungsdiktat und den Bevorzugungstotalitarismus der Genderisten auszuhebeln, denn ein „schwerwiegender Grund in der Person des Bewerbers“ (man bedachte die fehlende weibliche Form: keine schlafenden Hunde wecken!), der genutzt werden kann, um die an der Auswahl der Bewerber beteiligte Gleichstellungskommissarin und vermutlich den Vertreter der Gewerkschaft ruhig zu stellen, ist leicht und schnell gefunden. Allein die Tatsache, dass eine derartige Klausel in Bewerbungen aufgenommen wird, zeigt das Ausmaß der Not, das vor Ort zu herrschen scheint und Hochschulen dazu veranlasst, Ausschreibungen nun so zu formulieren, dass die Berufung weiblicher Bewerber nur dann möglich ist, wenn sie tatsächlich und in jeder Hinsicht und vollkommen unabhängig von ihrem Geschlecht der beste Bewerber sind.

Wir sind also zurück in der Normalität. Allerdings sind dazu Umwege notwendig, da das Gleichstellungsdiktat bestimmte Floskeln vorgibt, die man nun mit Gegenfloskeln bekämpfen muss. 

Die Opfer der Gleichstellung, sie schlagen zurück.

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De Tocqueville: Demokratie und Sozialismus sind unvereinbar

Heute vor 212 Jahren, am 29. Juli 1805, wurde Alexis de Tocqueville geboren. Bekannt wurde er vor allem für seine Verteidigung der Freiheit und der Demokratie, wie er sie auf seinen Reisen durch die USA und das Vereinigte Königreich kennen gelernt hat. De Tocqueville ist für einige der besten Zitate verantwortlich, aus denen die Unvereinbarkeit von Demokratie und Sozialismus hervorgeht. Er war ein kompromissloser Kämpfer für die Freiheit, wie sich in den folgenden Zitaten auch zeigt und einer, der an der Bereitschaft mancher, lieber in Unterwürfigkeit zu dienen als in Freiheit zu leben, zeit Lebens gelitten hat.

Hier einige Stellen aus Arbeiten von de Tocqueville (vornehmlich aus „Democracy in America“ und aus „Correspondence & Conversations of Alexis de Tocqueville with Nassau William“)

Für die Leser, die des Englischen nicht mächtig sind, haben wir die Zitate übersetzt.

“As for me, I am deeply a democrat; this is why I am in no way a socialist. Democracy and socialism cannot go together. You can’t have it both ways.”

Was mich betrifft, so bin ich ein überzeugter Demokrat. Deshalb bin ich kein Sozialist. Demokratie und Sozialismus sind unvereinbar. Sie können nicht beides haben.

“Democracy extends the sphere of individual freedom, socialism restricts it. Democracy attaches all possible value to each man; socialism makes each man a mere agent, a mere instrument, a mere number. Democracy and socialism have nothing in common but one word: equality. But notice the difference: while democracy seeks equality in liberty, socialism seeks equality in restraint and servitude.”

Demokratie erweitert den Bereich individueller Freiheit, Sozialismus schränkt ihn ein. Demokratie weist jedem einzelnen den höcht-möglichen Wert zu, Sozialismus macht jeden einzelnen zum bloßen Abhängigen, zum bloßen Instrument, zur Nummer. Demokratie und Sozialismus haben nichts Gemeinsames mit Ausnahmen eines einzigen Wortes: Gleichheit. Der Unterschied ist beträchtlich: Während Demokratie Gleichheit in Freiheit such, sucht Sozialismus Gleichheit in Einschränkung und Unterwürfigkeit.

“Egalité is an expression of envy. It means, in the real heart of every Republican, ” No one shall be better off than I am;” and while this is preferred to good government, good government is impossible.”

Gleichheit ist ein Ausdruck von Neid. Republikaner meinen damit in Wirklichkeit: Niemand soll es besser haben als ich. Und so lange sie dies guter Regierung vorziehen ist gute Regierung nicht möglich.

“There is in fact a manly and legitimate passion for equality that spurs all men to wish to be strong and esteemed. This passion tends to elevate the lesser to the rank of the greater. But one also finds in the human heart a depraved taste for equality, which impels the weak to want to bring the strong down to their level, and which reduces men to preferring equality in servitude to inequality in freedom.”

Tatsächlich existiert eine Leidenschaft für Gleichheit, die in allen Menschen den Wunsch, stark zu sein und geschätzt zu werden, weckt. Diese Leidenschaft tendiert dazu, die Geringeren in den Rang des Höheren zu bringen. Aber in menschlichen Herzen findet sich auch ein verkommener Geschmack für Gleichheit, der die Schwachen danach streben lässt, die Starken auf ihr Niveau herunterzuziehen und der die Menschen dazu führt, Gleichheit in Unterwürfigkeit, Ungleichheit in Freiheit vorzuziehen.

“The last thing abandoned by a party is its phraseology, because among political parties, as elsewhere, the vulgar make the language, and the vulgar abandon more easily the ideas that have been instilled into it than the words that it has learnt.”

Das Letzte, was eine Partei aufgibt sind ihre (Kampf-)Begriffe. Denn: unter politischen Parteien, wie auch anderswo, prägen die Vulgären [gemeint ist wohl eine Mischung aus vulgär und dumm) die Sprache, und die Vulgären geben die Ideen, die mit den Begriffen ausgedrückt werden sollen, eher auf als die Begriffe, die sie auswendig gelernt haben.

Vor allem mit dem letzten Zitat hat de Tocqueville das Zeitalter des Berufspolitikers vorhergesehen. Das Zeitalter, in dem die Phrasen immer hohler, die Inhalte immer seltener und die Mäuler immer weiter aufgerissen werden, um immer weniger an Gehalt in die Umwelt zu emittieren.

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