Funktionärs-Oligarchie: Gewerkschaften auf dem absteigenden Ast

Es mag eine Zeit gegeben haben, zu der es wichtig war, die Interessen von Arbeitern in konkreten Arbeitsumfeldern gegenüber Arbeitgebern zu bündeln. Diese Zeit ist jedoch lange vorbei. Vorbei ist auch die Zeit, in der Gewerkschaften mit Arbeitern und nicht mit Funktionären besetzt waren, die zumindest noch eine ansatzweise Ahnung von den Interessen derer hatten, die sie zu vertreten behaupteten.

Mal ehrlich: Glauben Sie ein Gewerkschaftsfunktionär, dem die zweifelhaften Freuden kalter Buffets vor allem in Fleisch (sichtbar), aber auch in Blut (nicht so sichtbar) übergegangen sind, der nach der Zeit, die er in Bildungsanstalten zugebracht hat, direkt in das Funktionärskorps einer Gewerkschaft gewechselt ist und mit schmutzigen Händen nichts anderes als Schmiergeldzahlungen verbinden kann, weiß noch, welche Interessen Produktionsarbeiter bei BASF oder die Beschäftigten einer beliebigen städtischen Müllabfuhr haben? Die Idee der Repräsentation, also die Vorstellung, man könne Interessen vertreten, die nicht die eigenen sind, sie ist an sich schon eine absurde Idee, aber im Zusammenhang mit Gewerkschaftsfunktionären ist selbst diese Absurdität noch gesteigert.

In dem Maße, in dem Gewerkschaftsfunktionäre zu einer Oligarchie geworden sind, ein Prozess, den Robert Michels in seinem ehernen Gesetze der Oligarchie am Beispiel der SPD sehr anschaulich beschrieben hat, sind den Gewerkschaften in Deutschland die Mitglieder davongelaufen. Aber obwohl Gewerkschaften und ihre Funktionäre die Interessen einer Minderheit von Arbeitnehmern vertreten, sind sie immer noch zentrale Akteure in Tarifverhandlungen, gesetzlich gesicherte Mitbestimmer und natürlich Speerspitzen im Kampf gegen rechtes Gedankengut …

Wir haben in der folgenden Abbildung den Mitgliederschwund der Teilgewerkschaften des DGB im Aggregat dargestellt und auf Grundlage der erwerbstätigen Bevölkerung den Anteil der Erwerbstätigen berechnet, den die Gewerkschaften 2017 noch vertreten haben.

Der Anteil, der zu Beginn der Bundesrepublik bei gut einem Viertel der Erwerbstätigen gelegen hat und durch den Zustrom der DDR-Arbeiter nach dem Anschluss der BRD an den Sozialismus auf gut 30% gestiegen ist, ist seitdem im freien Fall. Im Jahr 2017 vertreten die Funktionäre des DGB und seiner Teilgewerkschaften noch 13,5% der Erwerbstätigen. Also nicht einmal mehr ein Siebtel der Erwerbstätigen.

Zeit der Macht von Gewerkschaftsfunktionären und ihrem wissenschaftlich belegt, schädlichen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes (nicht zuletzt tragen Gewerkschaftsfunktionäre durch ihre Tarifpolitik die größte Verantwortung für die Anzahl der Arbeitslosen wie in zahllosen Untersuchungen belegt wurde) ein Ende zu bereiten.

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10 Responses to Funktionärs-Oligarchie: Gewerkschaften auf dem absteigenden Ast

  1. Als der Vater einer Familie noch in der Lage war, diese zu Versorgen, noch etwas auf die Seite zu legen, für Sonderwünsche wie Auto oder Fernseher oder auch noch für einen gemeinsamen Urlaub in Italien, dabei die Mutter (was diese auch wirklich war) sich noch um die Erziehung der “eigenen” Kinder kümmern konnte, nun diese Zeit wurde im Einvernehmen mit den Gewerkschaften und der Politik nach und nach abgeschafft !. Jeder kann selbst nachvollziehen, welche Schritte dazu notwendig gewesen sind, um den heutigen Zustand von “Familie” , deren Versorgung und die Möglichkeit als Mutter (?) sich noch um die Erziehung des eigenen Kindes kümmern zu können, abgeschafft wurden. Mutter zu sein und sich um das eigene Kind kümmern zu können, geht nur noch bei reichen, gut betuchten Familien oder bei den schwächsten dieser Gesellschaft, den Alleinerziehenden, mangels Finanzen, also Sozialhilfeempfängern. das ist Versagen der Gewerkschaften, der Politik und dem Gewinnstrebenden Unternehmen Deutschlands zu verdanken. Es sind rücksichtslose Eliten, die ihre Existenz auf dem Rücken der Arbeitenden Menschen austragen.

  2. oprantl says:

    Die Mitbestimmung war oder ist langfristig der Tod der Gewerkschaften.
    Die Bevorzugung des weiblichen Geschlechts ist ein gut sitzender Sargnagel und sie ist, da Frauen keine Familien ernähren, der Tod der Familie, wollen auch nicht alle.
    Links steht den Arbeitnehmerinteressen entgegen, hat gedauert, sich aber langsam durchgesetzt.
    Ich habe so meine Zweifel, ob es besonders schlau ist, Linke mit der Wahrnehmung seiner wirtschaftlichen Interessen zu beauftragen, nachdem diese das größte Scheitern der letzten Dekaden hingelegt haben.
    Vorwärts ist die Devise, die Richtung ist egal, der Erfolg wohl auch.

  3. etschy says:

    “Die Idee der Repräsentation, also die Vorstellung, man könne Interessen vertreten, die nicht die eigenen sind, sie ist an sich schon eine absurde Idee”

    Das klingt aber unplausibel. Ein Rechtsanwalt tut doch genau dies.

    • Michael Klein says:

      Und weil es ein Rechtsanwalt tut, deshalb finden Sie das unplausibel?
      You really made my day.

      • etschy says:

        Ja finde ich, genau aus dem Grund. Oder noch deutlicher gesagt: Die Behauptung, man könne nicht Interessen vertreten, die nicht die eigenen sind, ist absurd. Gesteigert wird die Absurdität allerdings doch noch durch die Behauptung, dass es sich um eine “an sich” absurde Idee handelt.

        Nochmals zu dem Argument: Ihre Behauptung wird durch Die tagtägliche Praxis in allen bekannten Kulturen widerlegt: Was nicht heißt, dass Interessen durch andere vertreten werden können (deren eigene Interessen es nicht sind), aber dass es zumindest einen sehr stark verankerten Glauben daran gibt, dass dies geht.
        Wenn Sie schon mit so einer Behauptung aufmarschieren, die mit einem Handstreich all dies beiseite wischt – und sogar noch behauptet, es handle sich um eine logische (“an sich” nicht vorstellbar) Unmöglichkeit, dann müssen Sie schon etwas mehr an Begründung und Explikation liefern, als mich Kommentatoren zu verhöhnen.

        • Michael Klein says:

          Sie gehören also auch zu denen, die denken, wenn man behauptet, dass man etwas tut, dann tut man das auch. Ich empfehle Ihnen mit Richtern zu sprechen, um ein wenig dazu desillusioniert zu werden, was die Interessenvertretung der Mandanten durch Anwälte angeht. Fragen Sie nach dem beliebten “Gebühren-Maximieren” durch unsinnige Klagen oder dem Pflichtverteidiger-Honorar Strecken durch sinnlose Beweisanträge.
          Dann reden wir weiter.

          • etschy says:

            Nein, zu denen gehöre ich nicht. Ich gehöre zu denen, die behaupten, dass es möglich ist, Interessen zu vertreten, die nicht die eigenen sind. Und dass es Anwälte gibt, die das tun.
            Sie unterstellen mir fälschlich, dass ich glaube alle Anwälte hätten saubere Westen. Wie Sie wissen, folgt das nicht aus meiner Haltung, dass zumindest einige Anwälte sauber sind. Und diese wiederum ist nicht dadurch widerlegt, dass es Anwälte (seien es auch viele) gibt, die “korrupt” im o. g. Sinne sind. Zu der These, dass ALLE Anwälte sich so verhalten (als Allsatz), wie Sie es oben beschreiben, werden Sie wohl nicht neigen?

            Damit die Diskussion nicht weiter ins Aggressive abgleitet, möchte ich diese Verständnisfrage stellen: Wie ist die These zu verstehen: “Die Idee der Repräsentation, also die Vorstellung, man könne Interessen vertreten, die nicht die eigenen sind, sie ist an sich schon eine absurde Idee” ?

            Mich interessiert also, warum Sie dies für eine an sich absurde Idee halten. Vielleicht hängt es noch an den Begriffen “Interessen” und “vertreten”.

            • Michael Klein says:

              Um es einmal philosophisch auszudrücken, damit Sie meine Interessen vertreten können, müssen Sie ICH sein. Das ist offensichtlich unmöglich. Näherungsweise: Wenn Sie meine Interessen vertreten wollen, müssen Sie meine Interessen sehr gut kennen und so umsetzem, wie ich sie umsetzen würde (in konkreten Situationen). Wäre vielleicht möglich. Aber. Damit Sie meine Interessen vertreten können, müssen Sie nicht nur meine Interessen sehr gut kennen und so umsetzen, wie ich sie umsetzen würde, sie müssen meine Interessen auch über Ihre Interessen stellen. Damit hat es sich dann.

              • etsch says:

                Jetzt verstehe ich Ihr Argument.
                Ihr letztes Argument hängt allerdings wohl daran, dass die Interessen des Vertreters und des Vertretenen konfligieren und Ersterer daher seine eigenen zurückstellen muss. Das scheint mir nicht notwendigerweise der Fall zu sein. Was Gewerkschaftsbonzen und Politiker angeht, stimme ich Ihnen ja zu. Aber es scheint mir folgendes nicht unmöglich:
                A ist Interessenvertreter für B.
                Das alleinige Interesse von A liegt darin, von B Geld zu bekommen.
                B gibt A nur dann Geld, wenn A die Interessen von A angemessen vertritt.

                Hier müsste man halt dann weiter über die Semantik von “Interesse”, “angemessen”, “vertreten” usw. diskutieren. Dürfte aber unnötig sein, da ich jetzt verstehe und annehme, dass Ihr Verständnis dieser Begriffe eben etwas enger ist, als meines

                • Michael Klein says:

                  Jetzt müssen sie nur noch das Problem asymmetrischer Beziehungen lösen und die Gefahr opportunistischen Verhaltens beseitigen und sie haben ein sozialwissenschaftliches Miteinander-Paradies geschaffen. :))

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