Soft Power : Trump mischt den Mainstream auf

Sozialwissenschaftler müssten eigentlich den US-Präsidenten im Live-Stream verfolgen. Handlungstheoretiker müssten analysieren, wie er es schafft, den lahmen Haufen, der sich im Rahmen von G7 sonst noch versammelt, auf Trab zu bringen. Und Ethnomethodologen müssten sich zurücklehnen, eine zufriedene Miene auflegen und ein: „Es funktioniert immer noch“, als Erklärung zum kalten Bier geben.

Wer heute den Kommentar von Georg Schwarte bei „tagesschau.de“ liest, der kann nicht anders als sich genüsslich zurückzulehnen und ein leichtes Grinsen in den Mundwinkeln zu entwickeln, jedenfalls dann, wenn er Freude an Veränderung hat, Freude daran, dass verknöcherte Strukturen aufgebrochen, dass Heuchelei und Bigotterie angeprangert und neue Idee in einer Mischung von „soft“ und „hard“ power, um einmal Joseph Nye zu zitieren, einen U.S.-Amerikaner, versteht sich, durchgesetzt werden. Amüsant, die Hilflosigkeit der Staatschefs und Journalisten zu beobachten, die es gewohnt sind, sich zu Schautreffen zusammenzufinden, um dort gemeinsame Fototermine wahrzunehmen, kalte Buffets zu plündern und ein lange im Vorfeld ausgearbeitetes „Abschlusspapier“ mit viel Trara zu unterzeichnen.

Trump macht da nicht mit:

„42 Jahre G7, 42 Jahre Wertegemeinschaft. Für diesen amerikanischen Präsidenten ist die faktische Aufkündigung der Gemeinsamkeiten mit dieser Wertegemeinschaft ein Tweet wert“, so klagt Schwarte, weil Trump seine Unterschrift zum Abschlusskommuniqé zurückgezogen hat.

42 Jahre, in denen man zum Ende die gemeinsame Miene zum schlechten Spiel der vermeintlichen Staatsmänner, bewundern durfte, in denen über Differenzen der Mantel der Einigkeit geheuchelt wurde, sind vorbei. Ebenso vorbei ist die Heuchelei und die Feigheit, die angebliche Staatsmänner im Angesicht des US-Aggressors „meek and mild“, was man bei Trump wohl mit „unterwürfig“ übersetzen muss, sein lässt, um dann, wenn er endlich verschwunden ist, öffentlich nachzutreten in der Gewissheit, dass man seine Unterschrift unter das, was der Öffentlichkeit dann wieder als große Leistung verkauft werden soll, die zeige, dass G7-Staatsmänner ganz wichtig seien, in der Tasche hat.

Nicht mit Trump.
Trump macht die Inszenierung zunichte. Er zieht seine Unterschrift zurück, lässt die ganze, mühsam geschaffene Fassade einstürzen. Ein brilliantes Stück diplomatisches Brinkmanship, das zeigt, wie man sich gegen diejenigen verwahrt, deren diplomatische Kunst lediglich darin besteht, anderen ihre Erklärungen unterzuschieben. Hätte Trump seine Unterschrift nicht zurückgezogen, er wäre gebunden gewesen, er hätte die Definition, US-Tarife und Zölle sind alleine böse, stillschweigend akzeptiert, und er hätte die Chance verloren, die Heuchler aus Europa, Kanada und Japan, die wahre Kunstwerke von Einfuhrzöllen und Tarifen geschaffen haben, als das bloßzustellen was sie sind: Heuchler, die den freien Export ihrer Waren propagieren, während sie ihre eigenen Märkte abschirmen und ihre eigene Bevölkerung mit überteuerten Waren schröpfen.

Wer sich einen Eindruck vom Ausmaß der EU-Zölle und Tarife z.B. auf Milchprodukte aus den USA machen will, ein Thema, das Trump im Zusammenhang mit Kanada’s 270% Einfuhrtarif erregt hat, der kann dies hier in der Datenbank der EU tun [keine Hemmungen: einfach ein bischen mit den Produkt Codes spielen] und eine sehr beeindruckende Liste betrachten, die jede Phantasie darüber, was man alles mit Einfuhrzöllen und –tarifen belegen kann, übersteigt.

Doch zurück zu Schwarte, dessen Kommentar wie kein anderer zeigt, wie gut Trump darin ist, kultur-stereotype Erwartungen zu entkleiden und mit Füßen zu treten. Man kann die Aufgeregtheit von Schwarte richtig aus den Zeilen greifen, die er zu Papier bringt.

Dem US-Präsidenten fehle es nicht nur an Stil, sondern auch an moralischer Größe. Er teile aus, wie kein Zweiter und könne nicht einstecken. Man dürfte sich getrost fragen, ob der Mann im weißen Haus noch bei Trost sei. Ja, Schwarte legt eine Schwarte nach der nächsten, um deutlich zu machen, dass er die Welt, die sich gerade um ihn herum verändert, nicht mehr versteht. Da ist jemand, ein US-Präsident, der alle sorgsam zusammengezimmerten Inszenierungen platzen lässt, dem es um konkrete Ziele und nicht um Abschlusskommuniqués geht, einer, der angetreten ist, die Welt zu verändern, sehr zum Graus von Schwarte und wohl den verbleibenden G6.

Und wie klein die Welt und der Horizont dieser G6 und ihrer Schwartes ist, das zeigt die nächste Verfehlung, die Schwarte Trump vorhält und die zu einem wahren Ausbruch von Gelächter in unserer Redaktion geführt hat:

„Während die anderen artig an der Tagesordnung kleben und gerade über Geschlechtergerechtigkeit diskutieren, steht er flegelhaft draußen vor der Tür und sagt: Er fliegt jetzt weiter. Nach Singapur. Geschichte schreiben beim Nordkorea-Gipfel. Den Rest – das war die Botschaft – kriegen die anderen Regierungschefchen, des G6-Kindergartens jetzt auch allein ohne mich hin.“

Trump will nicht über Gendergerechtigkeit reden. Stellen Sie sich das nur vor. Er denkt, er habe wichtigere, nein wichtige Themen auf seiner Agenda. Sein Treffen mit Kim Jong-un zum Beispiel und die Abschaffung aller Zölle und Tarife in den Wirtschaftszonen der G7 bzw. G8. Und Trump will den russischen Präsidenten Putin wieder am Tisch sitzen haben. Auch hier treibt ihn politischer Realismus, denn Russland ist nun einmal ein großes, ein sehr großes und ein militärisch nach wie vor starkes Land. Was ist dagegen schon Deutschland? Ein Land, von dem berichtet wird, dass seine Luftwaffe keine flugtauglichen Hubschrauber und seine Marine keine seetauglichen U-Boote hat, aber gendergerechte Straßenschilder.

Was Trump besonders sympathisch macht, das ist seine Weigerung über den ideologischen Unfug zu reden, den die G6 offensichtlich für normal halten. Wer hätte je davon gehört, dass man mit Gendergerechtigkeit diplomatische Erfolge errungen hat?

Ja, Trump macht neue Politik. Ob ihn Joseph Nye berät?

Er macht so neue Politik, dass Journalisten in Deutschland um Worte ringen. Sie haben kein Muster für diese neue Politik, die an ihnen vorbei getweetet wird, weil dem Präsidenten der USA die Bürger wichtiger sind als die Journalisten darunter. Das macht ihnen Angst. Er macht so neue Politik, dass sich angebliche Staatsmänner wie Justin Trudeau nicht in der Öffentlichkeit als tough produzieren und darauf hoffen können, dass ihre nicht-öffentliche, unterwürfige Art nicht an die Öffentlichkeit gelangt (meek and mild). Die gute Miene zum bösen Spiel, Trump macht sie nicht.

Trump macht Realpolitik und treibt diejenigen, die schon seit Jahrzehnten für eine Politik der Einfallslosigkeit, der vorgefertigten Kommuniqués, der Heuchelei und der ideologischen (Gender-)Belanglosigkeit bekannt sind, vor sich her. Es macht Spaß, dabei zuzusehen.

Die letzte Bombe, die Donald Trump hat platzen lassen, zeigt, worum es ihm wirklich geht:

“Mr. Trump’s surprise proposal for a tariff-free G7 followed from a conversation the president had on Air Force One heading to Canada with Larry Kudlow, his national economic adviser. Mr. Kudlow, a self-described “lifelong free trader,” wrote an op-ed article in The Washington Post on Thursday saying that he did not prefer tariffs but that Mr. Trump’s actions were “a wake-up call to the dangers of a broken trading system that is increasingly unfree.”

Mr. Trump and Mr. Kudlow discussed the article on the plane, but the president surprised even his own team by raising the idea with the other leaders. While some observers took it as more of a talking point, a senior administration official said the president was serious about it and wanted it given serious study. Other leaders, the official said, expressed interest.”

Donald Trump arbeitet also daran, alle Zölle und Tarife zwischen den G7(G8) ab- und wirklichen freien Handel zu schaffen. Das muss man in der New York Times lesen, denn deutsche Medien berichten nicht darüber. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, kein gutes Haar an dem Mann zu lassen, der ihre kulturellen Erwartungen wieder und wieder enttäuscht.

Auch das spricht für Trump: Er verfolgt seine Ziele ohne mit der Wimper zu zucken und ohne Kompromisse. Entweder die EU, Deutschland Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada und Japan schaffen ihre überkommenen Handelshemmnisse, die sie in Form von Zöllen und Abgaben gegeneinander aufgebaut haben, ab oder Trump zwingt sie seinerseits mit Zöllen und Steuern dazu, nachzugeben. Immerhin sind die USA nach wie vor der größte Markt. Soft Power, nennt Joseph Nye diese Art der Macht, die Trump nun einmal hat:

“It’s going to stop,” he said, “or we’ll stop trading with them. And that’s a very profitable answer, if we have to do it.” He added, “We’re like the piggy bank that everybody’s robbing — and that ends.”

Die G6 haben eine eindeutige Wahl: Entweder sie bauen Zölle und Tarife, die US-amerikanische Waren auf ihren Märkten verteuern oder von ihren Märkten fernhalten, ab und schaffen eine Freihandelszone, die den Namen verdient, eine ohne jede Form von Tarifen und Zöllen mit den USA oder sie lassen es.

Soft Power eben und ein Problem für alle, die nichts mehr lieben als neue Subventionen und neue Zölle und Abgaben zu erfinden und deren Journalisten sich immer noch wie Herr Schwarte auf der Höhe der Zeit wähnen:

„Merkel hatte am Freitag erklärt, sie halte nichts davon Meinungsverschiedenheiten zuzukleistern. Jetzt sollte sie und die anderen Mitglieder der ehemaligen G7 Wort halten. Sie, die neuen G6, können Trump beim nächsten Mal einladen. Als Gast. Und ihm dann sagen, wann er wieder gehen soll. Notfalls via Twitter. Die Sprache versteht der amerikanische Präsident.”

Noch so eine Schwarte und wir müssen wegen den Lachfolgen in ärztliche Behandlung. Sie wollen auch lachen? Kein Problem. Stellen Sie sich die Relevanz der Schwarte-G6 ohne die USA und Russland (und ohne China und Indien und die BRICs …) vor, mit Post-EU-Britannien in Verhandlungen mit den USA, um eine Freihandelszone zu schaffen. Sicher werden sich die Überreste der G7 auf ein gemeinsames Papier verständigen können, notfalls ohne Großbritannien und wieder mit zufriedener Miene für die Journalisten posieren. Aber wen interessiert diese Form der symbolischen Politik noch, nun, nachdem Trump die Inszenierung als ebensolche entlarvt hat? Was bleibt dann noch für die G6 oder G5?

Richtig: Die können über Gendergerechtigkeit diskutieren…,nein, natürlich nicht diskutieren: sprechen.

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17 Responses to Soft Power : Trump mischt den Mainstream auf

  1. MrAndystueve says:

    Er, der bei den Roten so verhasste, sehr unkonventionelle US-Präsident, macht mir immer mehr Hoffnung, dass es möglich sein wird, das sozialistische Unheil, das sich nicht nur in Deutschland wieder ausbreitet, noch abzuwenden.
    In diesem Land kümmern wir uns um die Befindlichkeiten von fragwürdigen Minderheiten oder total Bekloppten, mästen Millionen von Kulturfremden, zerstören unsere energetische, militärische und industrielle Basis, überwerfen uns mit fast allen Nachbarn und zahlen zum Überfluss die halbe Welt mit Rettungsschirmen, Entwicklungshilfe und anderen Wohltaten, die unseren Bürgern hier abgepreßt werden.

    Muss man sich da wundern, dass ein Unternehmer wie Donald Trump uns für völlig irre oder drogenabhängig hält?

    Ich hoffe, dass die desolate Politik in unserem Lande eines Tages auch für die USA gefährlich wird. Denn dann hat es sich ruckzuck ausgemerkelt. Und wir Bürger müssen nicht schon wieder wie 89 auf die Straße, um diese ganze Bande davonzujagen.

  2. reinikeup says:

    Trump ist mit seiner ungezügleten Stillosigkeit immer mehr mit dem unterwegs, was man im Kontext der Kreativität die positive Irritation nennt. Festgefahrene und scheinbar festzementierte Gewissheiten brechen auf und es zeigt sich eine neue Perspektive des Kreativen, die die konformistischen Regeln nicht mehr akzeptiert. Wichtig bleibt aber, was letztlich in Summe dabei rauskommt.

    Er macht auch klar, die Gesinnung reicht nicht, jedes Handel muss mit Macht hinterfüttert werden, wie bei Machiavelli. Das ist Gift für die unkreative bundesdeutsche Poltik, die Realität in eingefahrenen Szenarien in einem moralischen Käfig wahrnimmt, was die hiesigen Medien letztendlich wiederum als Realität und alleinige Wahrheit verkaufen. Das Wahrnehmungsgebäude bröckelt und es macht Spass dabei zuzuschauen.

  3. Eloman says:

    Da hat The Donald den ganzen whimps mal wieder gezeigt wo der Hammer hängt Jetzt kriegt Hannes Stein sicher nen erneuten Heulkrampf 🙂 )

  4. corvusalbusberlin says:

    Zu dieser Einsicht kommen die meisten Leute aber ziemlich langsam.
    Sehr , sehr langsam”
    Ich war vom ersten Moment an, als ich diesen Mann sah , ihm “zusah” und ihn hörte, wie er mit diesen Leuten “spielte”, fasziniert von ihm. “American first.”
    Das waren seine ersten Worte.
    Gefallen hat mir auch sein bewusst eingeplantes rüpelhaftes Verhalten, den Journalisten gegenüber. Er hat allen von Anfang an klar genug gesagt.

    “Seht her, so bin ich und so werde ich auch bleiben. ”

    Scheinbar hat das kaum einer kapiert – bis auf die “Unterschichten”
    die ihn gewählt haben.
    Die Briten, die sich für den Brexit entschieden haben, waren ja für “Die Zeit” auch alles Rechtspopulisten.

    Dieser Donald Trump war ein Mann ganz nach meinem ” Herzen” Er gefiel mir . Und es interessiert mich einen Scheiß, was andere über ihn denken. Dieser Pöbel, der nur über ihn gehetzt hat – vom ersten Moment an, war gar nicht in der Lage, diesen Mann auch nur annähern einzuschätzen, noch schlimmer, kaum einer hat sich der Mühe unterzogen.

    Die, die es getan haben, sind heute nicht von dem überrascht, was er tut.

    Wenn man sich (bis auf die wenigen, die es taten) mit der Person Trump auseinander gesetzt hätten dann wäre man zu mindestens drauf gekommen, dass man es hier mit einer höchst diffizilen und gleichzeitig sehr klaren, dieser Welt zugewandten Persönlichkeit zu tun hatte. Er sagt, was er tut. “American first”
    Nicht mit einem Traumtänzer, wie sie bei uns zuhauf herumlaufen.

    Und jetzt scheißen sich alle in die Hosen!

    Ein Beispiel von ganz anderer Art war auch Che Guevara.Schriftsteller Eduardo Galeano der auf Grund der wiederholten “Wiederauferstehung” von Che sagte: “Ist es nicht deshalb so, weil Che das sagte, was er dachte, und das machte , was er sagte.” Aus der rrr Monographie.

    Ein besonders mieser Hetzer war der damalige Aussenminister Steinmeier.

    Aber dazu hatten die Arschgeigen keine Zeit.

    Und sie waren sich ja so sicher, dass er es nicht lange machen würde. Einer von den “Zeit ” Mitarbeitern hat sich sogar in einer Moderation dazu hinreißen lassen, man wäre ihn los, wenn er ermordet wäre.

    Trump ist nicht blöd!

    Er weiss, mit was für Aasgeiern er es zu tun hat und ich wünsche ihm, dass er all diesen Leuten noch recht lange ein Dorn im Auge sein wird.

    Nach seiner Antrittsrede gab es hier im deutschen Fernsehen ARD und ZDF tatsächlich einige Tussis, die sagten – sinngemäß : Trump hat ja nichts neues gesagt, als das, was er nicht auch schon während seiner Wahl gesagt hat.
    Allein an dieser Aussage merkt man, wie behämmert unsere Journalisten und auch ein Teil unserer Bürger denkt. Sie wollen belogen werden. Einige Politiker haben sich ja auch bewusst zu diesen Lügen – vor der Wahl und nach der Wahl – bekannt.
    Alles wird reibungslos geschluckt.

    Trump brauchte doch um keine Gunst buhlen.

    Wenn’s nicht geklappt hätte, hätte er in New York oder sonst wo das nächste Hotel gebaut. Was konnte er verlieren?
    Die Wahl! ich bin gar nicht einmal sicher, ob er die nicht aus reiner “Spielerei ” angetreten ist.

    Auf jeden Fall, es wäre für ihn kein Erdrutsch gewesen, wie er es dann für Killary wurde.
    Wie gesagt, ich war von Anfang an für diesen Mann und habe mich in mehreren Blocks zu ihm, über ihn, et cetera et cetera geäußert.

    Und ich habe vorausgesagt, was kommen wird. Genau das ist inzwischen eingetreten.

    Er lässt dies ganze Gesocks zum Schwanzluschen antreten! Das freut mich ungemein.

    Denn eins haben diese “Intelligenzbestien” vergessen.

    Trum, der heutige amerikanische Präsident der USA ist ein Elefant.
    Er vergisst nichts !

  5. Hans Dampf says:

    Das lustige ist ja: Die EU Mitglieder der G7 können die Zölle gar nicht abbauen, da das in die Zuständigkeit von Brüssel fällt. Und für Brüssel sind Einfuhrzölle die einzige autonome Einnahmequelle jenseits der Mitgliedsbeiträge, über die sie verfügen. Daher würden die EU Granden das nie zulassen. Ich denke, der Laden würde vorher auseinanderbrechen, da die komplette Spitze mit brüsselfernen Leuten ersetzt werden müsste, um die Zollfreiheit umzusetzen und damit riskieren, dass EU Kritiker an die Schalthebel kommen (also nachdem sie merken, wie der Laden dort läuft). Etwas, das die G7 EU Mitglieder ebenfalls nicht wollen können.

    Unterm Strich ist das Zollthema ein unmögliches für Merkel und Co.

    • Die Gefährderin says:

      Genau das isses!
      Trump will einfach sowohl Zollfreiheit als auch völligen Abbau der oft versteckten EU-/BRD- u.s.w.-Subventionen, die den Fleißigen, Sparern & Arbeitern das Geld aus der Tasche ziehen.
      Nun mästet sich die EU (und eben nicht Europa!) mit ihren hochbestallten Bürokraten-Massen
      im Außenverhältnis an den Zöllen und im Innenverhältnis an der enormen Subventionspolitik (z.B. Agrar und Klimawahn, Gender-Irrsinn und migration replacement-Industrie).
      Ohne Zölle wären die putzeblank und diese Art der versteckten Finanzierung müßte sich dann dem Bürgen (kein Schreibfehler!) in nachvollziehbaren Beitragserhöhungen zeigen – was verheerende Auswirkungen für diesen nicht-eingetragenen Verein haben könnte.
      Und staatliche Subventionen sind (bis auf wenige Ausnahmen einer Anschubfinanzierung) keine volkswirtschaftliche sondern eine machtpolitische Sache. Wer Subventionen vergibt, der hat Macht, dem wird der Subventionen wegen artig aus der Hand gefressen, der bekommt Zustimmung selbst zu katastrophaler Politik und der bekommt – ganz wichtig! – als ein Dankeschön in die private eigene bzw. Parteien-Schatulle über eine Spende dann einen kleinen Teil der verpulverten Steuergelder übereignet.
      Oder noch einen Frühstücks-Direktor-Job nach politischer Entsorgung.
      Und jetzt macht der Kerl da einfach nicht mehr mit und schafft Panik in Brüssel, weil denen die Felle davon schwimmen. Und auch der große weiße Zonenmast-Vogel kann da nichts machen
      und die Schimpfkanoniere & Steinewerfer – z.B. im Schloß Bellami – wundern sich, wenn sie dann abgesoffen werden. Wie köstlich, wie erfrischend, wie entlarvend.
      Es wird Zeit, daß ich “meinem Präsidenten” ein T-Shirt verehre, ganz einfach weil ich seine Werte und seine Bewertung teile.

  6. corvusalbusberlin says:

    Und das hat Trump bestimmt gewusst. Merkel & Co dagegen nicht.
    Freut mich mich immer wieder, wenn die Frau auf die Schnauze fällt. Leider ist sie ein richtiges Stehaufweibchen.

  7. Brockenteufel says:

    Ich kann dazu nur sagen: “Merkel muß weg”!

  8. Bernhard Freiling says:

    Die bisherige “Welthandelsordnung der G7-Länder”, bestand darin, Amerika die Hauptlast für die Verteidigung Europas aufzubürden. Als Ausgleich durfte Europa dann unbegrenzt Waren nach Amerika exportieren, da dessen Einfuhrzölle lachhaft gering waren. Damit Amerika bei diesem Geschäft nicht zu kurz kam, beschlossen die Europäer, daß die eigenen Einfuhrzölle im Schnitt nur 50% über denen Amerikas liegen sollten, von Autos mal abgesehen. Da beträgt die Differenz bescheidene 400%. Mal im ernst? Wer braucht schon Straßenkreuzer?

    So machte es sich Europa in seiner schönen Welthandelsordnungshängematte richtig gemütlich. Und wird jetzt brutal aus seiner Lethargie gerissen. Durch einen amerikanischen Präsidenten, der die völlig aberwitzige Meinung vertritt, daß Verträge ausgewogen sein sollten und der sich nicht entblödet, Verträge, die dieser Ausgewogenheit nicht entsprechen, auch tatsächlich aufzukündigen. Das kann ein Herr “wenn’s ernst wird muß man lügen” Juncker, gar nicht verstehen. Und die anderen Europatraumtänzer erst recht nicht.

    Chancengleichheit für die amerikanische Wirtschaft? Nee, ne – da hört die Freundschaft der Europäer aber auf.

    Wer Ironie findet darf sie behalten.

  9. B E A N says:

    Mal zum Mitschreiben: Der Präsident der weltweit größten Wirtschaftsmacht stellt klar, dass er sich an keine Verabredungen hält, die er nur Stunden zuvor selbst getroffen hat, und hier bricht man darüber in Triumphgeheul aus? Darüber, dass es aktuell unmöglich ist, mit den USA bindende Vereinbarungen zu treffen?

    Liebes Lieschen. Völliges Schweigen über die möglichen Konsequenzen solchen Verhaltens und statt dessen Freude, dass Politiker, die man nicht mag, jetzt eine reingewürgt bekommen haben. Was hat das denn noch mit Kritischer Wissenschaft zu tun?

    • Michael Klein says:

      Kommen Sie doch von Ihrem moralischen Aussichtspunkt herunter. Wenn man eine Unterschrift unter ein Kommuniqué setzt, das mit Verträgen so viel zu tun hat, wie die Sonne mit dem Nordpol, dann tut man das in good faith. Wenn sich nachträglich herausstellt, dass dieser good faith nicht angebracht war, dann muss man schon schon massiv bescheuert sein, wenn man seine Unterschrift nicht zurückzieht. Trump ist der erste Politiker seit langem, der opportunistisches Verhalten und Heuchelei nicht toleriert. Aber Sie scheinen Opportunismus und Heuchelei ja gut zu finden.

      • B E A N says:

        Mit Moralität hat es nicht viel zu tun, wenn man Verlässlichkeit und Solidität gut findet. Welcher Eindruck entsteht denn hier? Der US-Präsident ist bereit, für einen seinem inneramerikanischen Image förderlichen Coup sechs seiner außenpolitischen Verbündeten vor den Kopf zu stoßen und zugleich diesen Verbündeten nicht zuzugestehen, einen nicht besonders erfolgreichen Gipfel bei der eigenen Wählerschaft auch “verkaufen” zu müssen. Als Geschäftsmann weiß er, wie wichtig es ist, dass bei einem Deal am Ende beide sagen können, das bessere Geschäft gemacht zu haben, und das verweigert er seinen G7-Partnern im vollen Bewusstsein der Außenwirkung.

        Und die Begründung an sich! Der zweite Teil – “die Tatsache, dass Kanada unseren US-Landwirten, Arbeitern und Unternehmen massive Zölle auferlegt” – war schon vor dem G7-Treffen so, so dass eigentlich nur noch der erste Teil seiner Aussage relevant ´scheint: “Justins falsche Aussagen auf seiner Pressekonferenz”. Weil ein Politiker auf einer Pressekonferenz etwas Falsches sagt, zieht Trump seine Unterschrift zur Abschlusserklärung der Konferenz zurück, auf der noch fünf andere Staaten vertreten waren? Seit wann bestehen die G7 nur noch aus USA und Kanada?

        Ginge es Trump ernsthaft um eine komplette G7-Freihandelszone ohne Zölle, wäre es an ihm, dafür Verbündete zu finden. Es wäre in diesem Fall vollkommen legitim, diejenigen bloßzustellen, welche den Plan blockieren und bei den anderen um Zustimmung zu werben. Niemand kann ernsthaft glauben, dass das mit einem derart undiplomatischen Verhalten funktioniert. Klar: Trumps Anhänger feiern ihn für seine unkonventionelle Art des Politikmachens. Aber mit ständigem Vor-den-Kopf-Stoßen gewinnt er keine Verbündeten außerhalb der USA. Und ich habe den Eindruck, die will er auch gar nicht.

        • Michael Klein says:

          Worüber wollen Sie diskutieren? Ich sehe keinen Sinn darin, nun meine Auffassung zu wiederholen. Ich teile Ihre Ansicht nicht und sehe auch keinerlei Argument, das begründen könnte, warum man sich opportunistisches Verhalten von einem kanadischen Leichtgewicht bieten lassen und sich auf die Anklagebank setzen lassen soll, wenn man anmerkt, dass die Handelsbeziehungen asymmetrisch und zu ungunsten der USA sind. Das ist nun einmal so, wie man jeder Handelsstatistik, selbst der, die destatis führt, entnehmen kann. Sich aufzuplustern und plötzlich zum Vertreter einer freien Handelszone zu erklären, etwas Lächerlicheres ausgerechnet von Merkel, Trudeau oder Tusk habe ich noch nicht gehört. Aber – wie sie so schön und entlarvend schreiben, geht es ja nicht darum, etwas in der Realität zum Guten zu verändern, sondern darum, etwa seiner Bevölkerung zu verkaufen. Das ist genau die Art von Scheinheiligkeit, die immer mehr Menschen zum Kotzen finden.

          • B E A N says:

            In den allermeisten Fällen machen Politiker – in demokratischen Staaten – eine Politik, mit der sie hoffen, von ihrem Volk bei der nächsten Wahl wieder mit der Führung des Staates betraut zu werden. Sie setzen keine Politik durch, die tatsächlich einem objektiven Besten zur Geltung verhilft, sondern von der sie glauben, dass ihr Souverän sie gut findet. Und wenn sie einmal in Verhandlungen einstecken müssen und ihre Ziele nicht durchsetzen können, versuchen sie, das Ergebnis in Worte zu kleiden, die ihren Misserfolg verschleiern.

            Das ist kein schönes System, und schon gar kein ehrliches. Aber es funktioniert mehr oder minder, und es auf Risikominimierung ausgelegt. In der Außenpolitik nennt es sich Diplomatie. Niemand soll sein Gesicht verlieren, egal ob er gewonnen oder verloren hat.

            Man kann es jetzt durchaus gut finden, wenn es Politiker gibt, die sich diesem Mechanismus offen verweigern. Es ist ehrlicher. Nur: Es ist zugleich ungleich riskanter. Es riskiert Instabilität. Es riskiert, Partner zu verlieren. Es riskiert, Kräften in anderen Staaten in die Hände zu spielen, welche politische Ziele verfolgen, die den eigenen Interessen noch stärker entgegenlaufen als die der aktuellen Regierungen.

            Trumps Art, Politik zu machen, wird oft als Populismus bezeichnet. Ich würde das nicht unterschreiben. Trump macht echte amerikanische Interessenpolitik, da bin ich ganz auf Ihrer Seite. Er macht sie allerdings unter Missachtung diplomatischer Umgangsformen und will sich damit als volksnah inszenieren. Diese Inszenierung geht zu Lasten internationaler Stabilität. Und das macht mir Sorgen.

  10. r.fischer says:

    in solchen Momenten fehlt mir jemand mit Chuzpe und Selbstbewußtsein wie Gerhard Schröder, der einfach mit Trump aushandelt, was beide wollen und was sie brauchen, um daheim gut dazustehn – und gut wärs.

    • B E A N says:

      Angesichts der jüngsten Schlagzeilen kommt es mir so vor, als wäre Kim Jong Un genau so ein Mann.

  11. Roland says:

    Auf Produkt 290110 Organische Chemikalien sind keine Zölle belegt. Na immer hin! 😀

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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