Richtig Leben: Machen Sie Ihre Existenz folgenlos!

Steril ist der, dem nichts einfällt;
langweilig ist, wer ein paar alte Gedanken hat,
die ihm alle Tage neu einfallen.
Marie von Ebner-Eschenbach

Dieses Zitat beschreibt die Bleischwere, die uns befällt, wenn wir wieder einem dieser langweiligen Hanseln begegnen, die ihren eigenen Intellekt und ihre Bedeutung so sehr überschätzen, dass sie das tun, was alle tun, dem Ganzen aber, eben weil es alle tun, einen – wie sie denken – besonderen Spin geben, vergleichbar der Innovation im Supermarkt, die die Gemüsesuppendose nun im oberen Regal platziert, nicht mehr im unteren.

Mit zwei Worten: Boah Ey.



Die innovative, kreative, herausragend neue und umwerfende Idee kommt aus Hamburg, von der dortigen Hochschule der Bildenden Künste. Kunst, seit sie von Aktivisten entdeckt wurde, um die eigene Biederkeit, zuweilen auch die eigene Boshaftigkeit, zu kaschieren, als Kunst auszugeben, leidet massiv unter dem Zustrom mediokrer Geister, großer und sehr großer Langweiler, die ihren Unterhalt mit der Verbreitung von second-hand Ideologie in abstrakter und gemeinhin nichtssagender Form oder Skulptur verdienen wollen. Was indes noch unerträglicher ist als die Künstler, die ihren Töpferkurs aus der Toscana zum Beruf gemacht haben, sind die Ideologen, die ihre Ladenhüter nun als „Professor“ an einer Hochschule verbreiten wollen. Bei Ihnen kommt die Anmaßung eigener Bedeutung mit dem Irrtum zusammen, die eingenommene Position belege die eigene Bedeutung.

Unter den Langweiligen ist Friedrich von Borries der König. Sein Trick besteht darin, den Mainstream dadurch herauszufordern, dass er den herrschenden Glauben neu formuliert. Er strebt nicht nach Nachhaltigkeit, sondern nach „Folgenlosigkeit“: „Welche Haltungen kann ich unterlassen, damit mein Leben keine negativen Folgen für das Leben anderer hat?“, so fragt er und man kann sich die Denkerstirn, der diese tiefsinnigste aller unsinnigen Fragen entkommen ist, sehr gut vorstellen. Die Antwort ist einfach: Bringen Sie sich um! Die Externalitäten ihrer Existenz sind damit vollständig beseitigt und sie dienen Generationen von Maden als Nahrung, sofern Sie sich nicht ihrer Verantwortung gegenüber Generationen von nachwachsenden Maden durch Verbrennung entziehen. Aber natürlich ist auch der Düngewert von menschlicher Asche nicht zu unterschätzen.



Quelle

„Folgenlosigkeit – Übungen für ein anderes Leben“ – das ist Kunst, man muss es anführen, weil es sich nicht aufdrängt. Sie findet in der gut finanzierten Enklave der Schule der Folgenlosigkeit an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg statt. Die Folgenlosigkeit der Hochschule ist indes alles andere als folgenlos für Hamburger Steuerzahler:

Mehr als 11 Millionen Euro kostet die Hamburger die Finanzierung der Folgenlosigkeit, die man sich mit Sicherheit billiger vorgestellt hat.
Nicht enthalten in diesen Kosten sind die Mittel, die derzeit verbraten werden, 4.800 Euro, um drei „Stipendien für das Nichtstun“ zu vergeben (siehe unten).

Interessiert?

Dann bewerben Sie sich hier und finden Sie eine besonderes langweilige Beschreibung dessen, was sie nicht tun wollen, z.B.: „Das kann ein Manager sein, der beschließt, ein Meeting lang nichts mehr zu sagen oder auch jemand, der einen Monat lang nicht mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren will.“

Sie sehen, das Geld für dieses Stipendium ist gut angelegt. Der Nutzen unüberschaubar. Die Ideen in ihrer Kreativität so bodenlos, dass man das Verrücken von Gemüsesuppendosen im Supermarkt ganz neu zu schätzen lernt. Die beiden Langweiler hat übrigens der Professor für Designtheorie, Friedrich von Borries beigetragen. Angsichts dieser Ideen weiß man doch, was in seiner „Schule der Folgenlosigkeit“ wartet.

Er sammelt „reale und fiktive Geschichten“, um zu zeigen, dass „‚Folgenlosigkeit‘ ein sinnvolleres Handlungsparadigma sein könnte“ als Nachhaltigkeit. Anhand fiktionaler Geschichten stellt er dann „mögliche Handlungsmodelle“ vor, die bei „mehreren Festessen mit ca. 10-20 Gästen“ gemeinsam diskutiert werden sollen. Sie sehen, das Durchfressen ist von der Folgelosigkeit nicht umfasst.

Wir hatten eine „Sneak Preview“ auf die „fiktiven Geschichten“, die von 10 bis 20 mehr oder weniger fetten Gästen, die auf beiden Backen kauen, begleitet von Gesöff, das sie für guten Wein halten, kein Zweifel, und zwischen dem unbeabsichtigten Ausspucken schlecht gekauter und vor allem ungeschluckter und unverdauter Essensbestandteile diskutiert werden sollen, während dem Festessen …



Was glauben Sie, was ist Gegenstand der „fiktiven Geschichten“?

Kapitalismuskritik – sehr gut. Der Talisman der Einfallslosen war zu erwarten.
Kritik an Industriekonzernen – ja, auch dieser Ladenhüter ist dem innovativen Hirn in Hamburg eingefallen.
Verzicht und radikale Entsagung – Ey, Sie sind gut. Sie kennen das Credo derer, die sich links im politischen Spektrum finden, und deren Selbstüberschätzung nur von ihrer Phantasielosigkeit übertroffen wird!
Respekt.

Die jeweiligen fiktiven Geschichten lassen wir unkommentiert. Man kann derartigen Blödsinn nicht kommentiere, man kann nur darauf verweisen, dass Steuerzahler für diesen Schrott bezahlen, über den sich satte Gestalten, während sie auf einem Leichenteil kauen, dann auslassen.

Widerlichkeit findet in dem, was heute Kunst sein will, auch eine ganz neue Bestimmung.

„Die kapitalistische Gesellschaft basiert auf Folgenhaftigkeit, lebt vom „Erfolg“. Wie sähe ein Leben aus, in dem wir auf Erfolg verzichten – und welchen Preis müssen wir dafür zahlen? Die fiktive Geschichte erzählt von einem Liebespaar, einem Aussteiger und einer erfolgreichen Werberin. Er lebt in einer Hütte im Wald, sie versucht, ihren CO2-Verbrauch durch Baumpflanzungen zu kompensieren. Fast scheint es, als könnten sie die Widersprüche unserer Ökonomie überwinden – bis ihr Idyll, der Wald, der ihre Sünden speichert, in Flammen aufgeht.“


„Kunst ist frei und darf deshalb auch folgenlos bleiben. Wie geht Kunst mit den zunehmenden Instrumentalisierungsanforderungen um? Die fiktive Geschichte stellt einen Kurator vor, der vor einer wichtigen Lebensentscheidung steht. Ihm wird angeboten, im Auftrag eines großen Industriekonzerns ein „Museum für ökologische Kunst“ einzurichten. Was ist stärker: der Versuch der Instrumentalisierung, das „Greenwashing“ oder die der Kunst eigenen Freiheit, über gesellschaftliche Probleme und Herausforderung auf ganz eigene Art nachzudenken?“


„Ein Ausweg aus dem Handlungsdruck der Gegenwartsgesellschaft ist die Verweigerung. Nichtstun kann aber auch produktiv sein, weil sie überflüssiges vermeidet. Wie sähe eine künstlerische und gestalterische Praxis der absichtlichen Unterlassung aus? Die fiktive Geschichte erzählt von einem Architekten, der sein Büro schließt, um in Zukunft Bauherren bei der Vermeidung von Neubauten zu beraten.“


„Verzicht fällt schwer. Aber ohne Verzicht wird es keine nachhaltige Zukunft geben. Wie sieht eine Kultur des Verzichts aus – und wo liegt die Grenze der Entsagung?
Die fiktive Geschichte erzählt von einer Frau, die eine neue Bewegung der Gebärverweigerinnen gründen will, aber versehentlich schwanger wird.“

Würde uns derartiger Stumpfsinn einfallen, wir dächten ernsthaft an Suizid, weniger wegen der anschließenden Folgelosigkeit der eigenen Existenz, als aus Scham.

Falls es sie interessiert, wessen verschwenderischem Umgang mit finanziellen Ressourcen Sie diesen Junk zu verdanken haben:



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9Comments

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  1. 1
    Nick Mott

    „…“ *

    *man besehe sich die formvollendete Kunst der Einlassung durch völlige Auslassung jeglicher Erlassung in die Entlassung artifizieller Idiotie!

    • 3
      Dr. habil. Heike Diefenbach

      … das ist genau die Stelle, über die ich auch am meisten lachen musste.

      Aber naja, die Frau war halt auch Verhütungsverweigerin und Abstinenzverweigerin. Bei all dem, was „frau“ politisch korrekterweise verweigern soll, kann sie schon ‚mal den Überblick verlieren und verweigern, was sie besser nicht verweigert hätte, um etwas anderes verweigern zu können.

      Ach, die reale Welt mit all ihren komplexen Zusammenhängen überfordert manche eben geistig ganz und gar. Da hilft nur eines: Die-Realität-Verweigern! Und darin üben sich Feministen/Genderisten und Linksextreme aller Sorten ja nun wirklich ständig; das muss man ihnen lassen!

  2. 4
    Lars Molderson

    Ich bin wahrscheinlich längst schon mit dem Virus der Dekadenz angesteckt und kurz vor dem Verscheiden, aber mich regt das nicht auf, vermittelt mir nicht das Gefühl, Geld wäre verschwendet. Wenn sich im Ausscheidungsverfahren herausstellen sollte, es gäbe einen begabten Probanden, der über die Faulheit der Überversorgung Weiterungen zeitigen könnte, so geht das in Ordnung.

    Die Überlegung und Festlegung, man müsse für ein Stipendium durchgängig produktiv sein, gilt nicht weniger als das Gegenteil. Selbstverständlich ist es die Sorglosigkeit, die Unabhängigkeit, die Aufforderung unproduktiv zu sein, die in der Folge zu besonderen Ergebnissen führen kann. Man kann übrigens nicht nichts tun.

    Es gibt also bekanntermaßen gerade in der Kunst medizinisch uneingrenzbare Hirn-Mechanismen, die sich von der Wertschöpfung in den üblichen Berufen unterscheiden.

    Um das verständlicher zu machen: Es gibt viele Sänger mit überragenden Stimmen, die im Werdensprozess, trotz fachlicher Unterstützung und Ausbildung, versagen, weil noch und/oder die Auftrittserfahrung fehlt, welche reziprok das Ergebnis einer künstlerischen Darstellung des Talents vegetativ verunmöglichen. Profi-Golfer (sicher auch andere Sportler) kennen eine individuell-psycho-reflektive Erkrankung, langjährig erfolgreiche Pianisten, kennen ein Versagen, längst eindimensionierte Fähigkeiten urplötzlich zu verlieren.

    Das wäre eine Erklärung.

    Eine weitere Hinreichung bliebe, dass gesellschaftliche Mittel individualisiert werden, obwohl die Rendite nie zu zeitigen ist. Das aber gilt für viele Mittel, welche der Staat streut. In Relation gesetzt, sind die Peanuts, die diese Hochschule topdown verteilt, völlig nebensächlich. Normalerweise werden Milliarden veruntreut, das ist das Tagesgeschäft, ob national, EU- oder weltweit.

    Sollte man sich also wirklich ärgern wollen, dass das Geld der Steuerzahler verschwendet wird, wenn der Steuerzahler längst nicht mehr den Staatsetat trägt, sondern nur eine der vielen Einnahmequellen bleibt, während die Finanzierung längst über 750-Milliarden-Kredite läuft oder die Staatsverschuldung Deutschland die Multi-Billionen-Grenze überschritten hat?

    Keiner von uns kleinen bis großen Steuerzahler finanziert noch tatsächlich die Armen, die Hartzler oder die Zuwanderung. Die Nummer ist längst größer geworden; so groß, dass sich das System jeglicher Geldschöpfung verselbständigt hat. Und insofern wird auch keinem Steuerzahler etwas weggenommen. Im Gegenteil: Es reicht sogar für die, die ihren Lebensunterhalt mit Arbeit verdienen.

  3. 5
    dopaa

    Wäre das Ende der öffentlichen Finanzierung nicht die künstlerische Form von Folgenlosigkeit ? Allerdings scheint Sinnlosigkeit dort mit hohen Anspruch produziert zu werden.

  4. 6
    user0815

    Haben die Typen eigentlich mal einen Gedanken daran verschwendet, wo das (Steuer-) Geld herkommen soll, dass sie hemmungslos verbraten, wenn Nichtstun erstrebenswert ist?

    • 7
      Dr. habil. Heike Diefenbach

      … nein, natürlich nicht! Die Frage danach zu stellen, ist doch schon als solches ganz und gar un-künstlerisch und erweist einen ganz schnell als „einfachen Menschen“ materieller Gesinnung, der doch tatsächlich Brote über Bilder und seltsame Zusammenfügungen von recycleten Blech-Teilen partout nicht als „Kunstwerke“ erkennen kann.

      Aber natürlich ändert das nichts daran, dass der „künsterlische“ Mensch, wenn er Nichtstun hochhält, konsequenterweise auch Nicht-Essen, Nicht-Schlafen und – zu unser aller Erleichterung – Nicht-Dumm-Herumlabern kultivieren sollte.

      • 8
        user0815

        Nicht-Essen ??? So ist das auch wieder nicht gemeint – immerhin bekommt dieser „künstlerische“ Mensch 1600€ p.M – letztendlich bezahlt vom Kapitalismus, der dafür auch die entsprechenden Waren und Dienstleistungen erarbeitet (sonst wäre das Geld ja wertlos).

  5. 9
    Jürg Rückert

    Wenn also so ein von Borries auf einen Friedhof kommt auf der Suche nach entschlafenen Gedanken, ziehen sich die Würmer gleich die Servietten an. Aber keine Spur zu hinterlassen ist schwierig. Gerade in der Kunst sollen Borkenkäfer und Maiszünsler ihr so verborgenes wie herausforderndes Leben entfalten, ganze Wälder wie Sozialhaushalte entnadeln oder Biogasanlagen sprich Kommunen auf kleine Flamme bringen.
    Folgenlosigkeit steht vermutlich für Klimaneutralität, ein Gott unserer Zeit. Die Gedanken des von Borries sind sicherlich recycelbar und halten somit das Rad des Lebens in Schwung. Der Weg ins Nirwana ist eben weit! Und wer weiß, wer da nicht als Friedhofsmade wiedergeboren wird? Das Schicksal ist grausam!

Antworte auf den Kommentar von Dr. habil. Heike DiefenbachAntwort abbrechen

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