Joshua Kimmich will abwarten, bevor er sich gegen COVID-19 impfen lässt.
Eine sehr rationale Haltung. Kimmich ist jung. Von COVID-19 droht ihm keine Gefahr. Kimmich gehört vielmehr in die Altersgruppe, von der man annehmen muss, dass die Nebenwirkungen, die nach Impfung eintreten, zum Teil ziemlich sicher eintreten wie Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen usw. zum Teil mit Wahrscheinlichkeit eintreten, wie Myokarditis, ein Herzleiden, das der Karriere von Kimmich ein abruptes Ende bereiten würde, den durch die Impfung verursachten Nutzen übersteigen.
Damit ist alles gesagt.
Nun muss natürlich nur ein Regime, das in der Schwebe hängt, das in den Augen seiner Adepten in der Gefahr steht, vom Klassenfeind überrannt zu werden, jede kleine Abweichung vom verkündeten Wahrheits-Katechismus mit der Todesstrafe, oder heute eher: öffentlicher Hinrichtung im reputationalen Sinne beantworten, denn ein Regime, das fest im Sattel sitzt, kann Larmoyanz üben, nachsichtig sein, Kritik zulassen.
In Deutschland ist das derzeit nicht möglich.
Wer nicht geimpft ist, ist des Teufels, wird von einer Meute „Gottesanbeter“ sofort konfrontiert und bekämpft, sieht sich einem Tsunami der öffentlichen Beurteilung seiner falschen Meinung bzw. Entscheidung gegenüber, ganz so, als ginge es den Hanswurst im öffentlichen Sender etwas an. Auch das ist ein Zeichen totalitärer Regime. Es gibt keine privaten Entscheidungen mehr. Das Individuum soll öffentlich gemacht werden. Die Invasion der Privatheit durch staatliche Schnüffler soll größtmögliche Unsicherheit und Kontrolle verbreiten. Und – wenig verwunderlich – die Meute der NEO-IMs der Impf-Stasi, sie ist wieder zahlreich. Sowas hat in Deutschland Tradition.
Damit letztere Reaktion auf kognitive Dissonanz die vorherrschende ist, betreibt der Systemfunk seit Wochen ein Trommelfeuer gegen Ungeimpfte, das jede Grenze von Ethik und Anstand um Lichtjahre hinter sich gelassen und per Zeitreise rund 80 Jahre in die Vergangenheit zurückgekehrt ist. Einen dieser Beiträge findet man heute bei der ARD-Tagesschau und in diesem Beitrag verbreitet der „Immunologe Carsten Watzl“ eine offenkundige Lüge:
„Nebenwirkungen treten direkt nach der Impfung auf“
Ähnlich äußerte sich der Immunologe Carsten Watzl im ARD-Morgenmagazin. Er sprach von einem „Missverständnis“, das nach wie vor in den Köpfen vieler Menschen „herumgeistere“:Sprich: Ich lasse mich jetzt impfen und habe vielleicht nächstes Jahr irgendwelche schweren Nebenwirkungen. Das gibt es so nicht. Die Nebenwirkungen der Impfung treten immer direkt nach der Impfung auf, innerhalb von wenigen Wochen.
Wer erinnert sich noch an Thalidomid?
Thalidomid ist ein Wirkstoff, der beruhigend wirkt und als Schlafmittel Einsatz fand. Thalidomid hat sich in Tierversuchen als „ungefährlich“ erwiesen. Und wurde von seinem Hersteller, dem Stolberger Unternehmen „Chemie Grünethal“ im Jahre 1954 auf den Markt gebracht. Das Medikament wurde unter dem Namen „Contergan“ zunächst rezeptfrei in deutschen Apotheken feilgeboten. Zum Ende der 1950er Jahre haben sich Berichte über Missbildungen bei Neugeborenen gehäuft. Auch damals gab es bereits gute Menschen, die immer sofort den Schuldigen parat haben: Atomwaffentests, so hat ein Kinderarzt in einem recht prominent werdenden Beitrag in der Schwäbischen Landeszeitung behauptet, seien der Grund dafür. Die Bundesregierung, schon damals „gut informiert“, hat eine Zunahme von Fehlbildungen bei Neugeborenen zurückgewiesen. Es gebe in der Statistik keinen Hinweis auf dergleichen.
Dazu eine sehr gute Lektüre: Thomann, Klaus Dieter (2007). Die trügerische Sicherheit der harten Daten. Ärzteblatt.
Das war auch 1960 nicht anders. Grünenthal als Hersteller von Contergan hat jeden Zusammenhang zwischen Medikament und Nebenwirkung bestritten, vorsichtshalber aber die Rezeptpflicht für Contergan beantragt (bis Ende 1961 war Contergan dann in allen Bundesländern rezeptpflichtig: Geprüft und für harmlos, was die Nebenwirkungen angeht, befunden.). Gleichzeitig mit der Rezeptpflicht und weiteren Verbreitung von Contergan, nun eben nach Verschreibung durch Ärzte, wurden in Fachzeitschriften die ersten wissenschaftlichen Beiträge veröffentlicht, die einen Zusammenhang zwischen der Gabe Contergan und den Symptomen, die als Nebenwirkungen berichtet wurden, aufgezeigt haben. Etwas, das im Zusammenhang mit den COVID-19 Impfstoffen nicht passieren kann, denn für den Fall, dass es tatsächlich einen Mediziner gibt, der mutig genug ist, auf Nebenwirkungen hinzuweisen, wird sein Beitrag entweder nicht gedruckt werden, unterliegt also der freiwilligen Selbstzensur angeblich wissenschaftlicher Zeitschriften oder, falls ein Herausgeber so kühn ist, einen solchen Beitrag zu drucken, wird der übliche Mob der Wissenschaftsfeinde über Autoren und Herausgeber herfallen und keine Ruhe geben, bis der Beitrag zurückgezogen ist (Suchen Sie nach Walach auf ScienceFiles und sie finden eines der Beispiel dazu).
Frenkel, Horst (1961). Contergan-Nebenwirkungen. Medizinische Welt vom 6. Mai 1961.
Scheid, Hans-Werner et al. (1961). Polyneuritische Syndrome nach längerer Thalidomid-Medikation. Deutsche Medizinische Wochenschrift vom 12. Mai 1961.
Raffauf. Joachim (1961). Bewirkt Thalidomid (Contergan) keine Schäden? In: Deutsche Medizinische Wochenschrift. 12. Mai 1961.
Zwischenzeitlich häuften sich die Missbildungen bei Neugeborenen in den Kliniken. Es hat bis Ende 1961 gedauert, bis der britische Arzt William McBride in einem Brief an die Herausgeber des Lancet einen direkten Zusammenhang zwischen Thalidomid und Fehlbildungen bei Neugeborenen hergestellt hat:
„SIR,—Congenital abnormalities are present in approximately 15% of babies. In recent months I have observed that the incidence of multiple severe abnormalities in babies delivered of women who were given the drug thalidomide (‘Distaval’) during pregnancy, as an anti-emetic or as a sedative, to be almost 20%.“
McBride, William Griffith (1961). „Thalidomide and congenital abnormalities.“ Lancet 2(1358): 90927-8.
Ende November erschien in der Welt am Sonntag ein Beitrag mit dem Titel „Missgeburten durch Tabletten?“
Wie man sieht, gab es damals bei der Welt am Sonntag noch Journalisten. Am nächsten Tag hat das Unternehmen Grünenthal „Contergan“ aus dem Handel genommen, schon um den Regreß-Ansprüchem, die mit einem Verbot des Medikaments automatisch ausgelöst worden wären, zuvor zu kommen.
Es hat also von 1954 bis Ende 1961, mehr als sieben Jahre gedauert, bis die Nebenwirkungen von Thalidomid bekannt und als solche AKZEPTIERT wurden. Was Walzl in der ARD behauptet „Die Nebenwirkungen der Impfung treten immer direkt nach der Impfung auf, innerhalb von wenigen Wochen“, ist nicht nur fahrlässig, es ist fast schon kriminell. Aber natürlich hat er gesagt, dass die Nebenwirkungen bei „Impfung“ innerhalb von wenigen Wochen auftreten würden. Indes, das hilft nicht wirklich weiter, denn bei Impfstoffen gilt, wie bei allen Medikamenten, dass das, was sich in Zukunft ereignen wird, in der Gegenwart nicht bekannt ist, die Unsicherheit, die sich notwendig mit der Verabreichung in ihren Langzeitfolgen unbekannter Substanzen verbindet, also psychologisch durch Behauptungen über die Sicherheit der Medikamente, wie sie sich in Versuchen gezeigt habe (wie bei Contergan), beseitigt werden muss. Welche Mittel dabei zum Einsatz kommen, das kann man hier nachlesen, in einem Beitrag, der Skandale, die sich mit Impfstoffen verbinden, zusammenstellt, ziemlich viele im übrigen.
Es ist vor diesem Hintergrund und vor dem Hintergrund der Geschichte der Medizin, die voller Beispiele für harmlose Medikamente ist, die sich – wie das im 19. Jahrhundert so beliebte Laudanum urplötzlich als ganz und gar nicht harmlos erweisen, unglaublich, was Walzl in der ARD behauptet. Leute, die sich hinstellen und ohne dass sie wissen können, ob das, was sie gerade mit der Inbrunst der Überzeugung behaupten, tatsächlich wahr ist, sind dann, wenn sie die Folgen ihrer Behauptungen zu tragen haben, ein Ärgerniss, dann, wenn andere die Folgen ihrer Behauptungen zu tragen haben, eine öffentliche Gefahr.
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