Mailbox-Eintrag, Freitag, 23. Februar 2024:
Hallödele ScieneFiles, ich möchte euch gerne etwas zusenden, was mich soeben richtig wütend gemacht hat:
Man bekommt regelrecht Schnappatmung, wenn man so viel dummes lesen muss. Gefälligkeitsstudien sind ja euer Spezialgebiet und vielleicht wollt ihr euch die „repräsentative Erhebung“ von „1.000 Deutschen“ ja mal ansehen, die in der Headline der FR auch noch frech behauptet, die „Mehrheit der Deutschen“ (seit wann sind 1000 Befragte eine „Mehrheit der Deutschen“??), wäre von Rechtsextremismus konkret bedroht. Irre. Und einer „Expertin“, hier die „Beraterin“ der angeblichen Studie, wird für derartigen Stuss auch noch eine Plattform verliehen. Man kann gar nicht soviel essen, wie man……
Okay.
Die „Studie“, von der in der Frankfurter Rundschau [wer hält dieses bankrotte Käseblatt eigentlich mit wessen Geld am Leben?] die Rede ist, wurde von R+V Allgemeine Versicherungs AG durchgeführt. Nun ist R+V eine Versicherung, ein Unternehmen, von dem man annehmen kann, dass es über Mitarbeiter verfügt, die die Berechnung von Versicherungsprämien in entsprechenden Vorhersagemodellen zuwege bringen.
Aber empirische Sozialforschung…?
Gut, wir haben mit der R+V nichts zu tun und in wissenschaftlichen Beiträgen ist die R+V als Verfasser bislang nicht aufgetaucht; Lassen wir die Versicherungsgenossen somit in den Genuss eines Zweifels kommen und eruieren, ob die R+V neuerdings ein Unternehmen ist, das empirische Sozialforschung im Leistungsspektrum führt oder ob es sich bei der R+V Versicherung schlicht und ergreifend um einen weiteren Zeitgeistkriecher voller Personen, die sich als gut inszenieren wollen, handelt.
In solchen Fällen ist die Selbstbeschreibung immer ein guter Anfang.
Unter „Wofür wir stehen„, versucht sich der Versicherungsarm von Volksbanken und Raiffeisenbanken denjenigen, die sich auf die Seite verirren, als „zuverlässiger Partner“, mit „genossenschaftlichem Denken“ zu verkaufen, der das „Wir gegen den Egoismus“ setzt:
„Wir gegen den Egoismus
Egal was unseren Kunden widerfährt oder was sie bewegt, wir lassen sie nicht allein. In einer Gesellschaft, die von Egoismus, Abgrenzung und Silodenken geprägt ist, wollen wir die Stimme der Vernunft sein, die das Mit- und Füreinander unterstreicht. Dieses genossenschaftliche Credo manifestiert sich in unserem Markenclaim: Du bist nicht allein.“
What a whole lot of bullshit.
Aber halt: Du bist nicht allein. Da war doch was…
1965. Roy Black.
Offensichtlich hat der schwarze König vergessen, sich die Zeile patentieren zu lassen und ist seither mit Ideen-Diebstahl konfrontiert. Der „Markenclaim“ der R+V Versicherung, ein Plagiat.
Nun haben wir grundsätzlich keine Probleme mit englischen Begriffen in deutschen Sätzen, aber „Markenclaim“, zu Deutsch: Markenversprechen, das ist doch zu dämlich, als dass man diesen aus einem managerialen Junk-Buch übernommenen Versuch, „wow“ zu erscheinen, unkommentiert lassen könnte. Zumal, dieser Blödsinn unmittelbar der wilden Behauptung nachfolgt, die deutsche sei eine Gesellschaft, die „von Egoismus, Abgrenzung und Silodenken geprägt“ sei, was dann notwendigerweise auch auf die R+V Versicherung zutrifft, sofern die R+V Versicherung Teil der deutschen Gesellschaft ist. Aber vielleicht sind das auch Aliens, die sich einen Spaß machen.
Man könnte es denken, wenn man sich an Roy Black erinnert:
Roy Black hat den „Markenclaim“ der nicht egoistischen, nicht abgegrenzten und umfassend Denkenden der R+V Versicherung offenkundig bereits 1965 vorweggenommen. Weiter sind die R+Vs bis heute nicht gekommen. Was vermutlich daran liegt, dass sie keine Versicherungen UMSONST anbieten, also nicht altruistisch, sondern EGOISTISCH, auf den eigenen Umsatz bedacht sind. Daran, dass sie sich heftig abgerenzen, z.B. gegenüber Rechts und deshalb, weil sie Zeitgeistkriechen gegen Rechts betreiben, im Silo denken und sich am Echo der eigenen Auswürfe berauschen.
Und damit sind wir bei der „Studie“ angekommen, die unseren Leser so verärgert hat.
Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, dass fast jeder der Ansicht ist, er könne empirische Sozialforschung, selbst Verkäufer von Haftpflichtversicherungen, die ein Heer von Türklinkenputzern beschäftigen, sind dieser Ansicht. Eigentlich könnte man Hochschulen schon vor diesem Hintergrund schließen, wenn man die dort Einsitzenden nicht dazu benötigen würde, Pseudo-Legitimation für das eigene Tun zu liefern. In diesem Fall kommt die Pseudo-Legitimation von Isabelle Borucki, „die als Politikwissenschaftlerin an der Philipps-Universität Marburg“ bezeichnet wird und die „R+V-Studie als Beraterin“ begleitet haben soll. Lassen wir in diesem Fall die Stalinistisch Besetzte Zone in Marburg links liegen und widmen uns gleich dem, was Borucki zur Studie beiträgt:
„Die Menschen sind hoch verunsichert. Sie fühlen sich nicht gesehen und nicht gehört.“
Stellen Sie sich jemand vor, der einen Wurm mit ganz spitzen Fingern anpackt. Das kommt in der Formulierung „die Menschen“ zum Ausdruck. „Die Menschen sind hoch verunsichert“, meint Borucki, wenngleich es keinerlei Daten gibt, die das zeigen würden, schon gar nicht in der „Studie“, die Borucki von wo auch immer nach wo auch immer „begleitet“ hat. Und dass sich „die Menschen … nicht gesehen und nicht gehört fühlen“, ist eine weitere Behauptung ohne Datengrundlage. Offenkundig sind die Menschen [an den Wurm in den spitzen Fingern denken] Objekt der Phantasien von Borucki, man nimmt sie [mit spitzen Fingern] und unterstellt ihnen das, was man gerade politisch opportun unterstellen will, schließlich hat man die R+V Versicherung in ihrem Kampf gegen rechts gerade dabei begleitet, dem Zeitgeist in den Allerwerstesten zu kriechen.
Nun bleibt bei derartigen rektalen Verrenkungen gemeinhin die Aufrichtigkeit, aufrichtig, wie aufrichten oder aufrecht, auf der Strecke, weil das Bemühen, auf dem Trittbrett des Zuges, der die Zeitgeistkriecher in den Tunnel fährt, Platz zu finden, größer als die Wahrheitsliebe ist. Dies gepaart mit dem vollständigen Fehlen einer auch nur rudimentären Ahnung in empirischer Sozialforschung ist dann ein Konklomerat von Zutaten, das eine ungenießbare Brühe zum Ergebnis hat.
In der R+V Pressemeldung, die von der Frankfurter Rundschau durchgereicht wurde, steht:
„Berichte über rechtsextreme Verschwörungspläne, aufgeheizte politische Debatten und gleichzeitig auf den Straßen friedliche Großdemonstrationen für die Demokratie: Vor diesem Hintergrund hat die Studie „Die Ängste der Deutschen“ im Februar 2024 insgesamt 1.000 Bürgerinnen und Bürger online nach ihren politischen Sorgen gefragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ.“
DIE ERGEBNISSE SIND REPRÄSENTATIV.
Wir halten dagegen.
DIE ERGEBNISSE SIND NICHT REPRÄSENTATIV.
Wie könnten die Ergebnisse einer Online-Studie repräsentativ für die Bevölkerung sein? Wie viele, die im Knast sitzen, wurden befragt? Wie viele Insassen von Altenheimen finden sich unter den 1000 Befragten? Wie viele Online-Fragebögen wurden begonnen und nicht beendet? Wie wurden die Befragten online überhaupt ausgesucht, um Repräsentativität sicherzustellen?
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Repräsentativität ist die EIGENSCHAFT einer Stichprobe, die durch die Art der Auswahl, einer Zufallsauswahl, die sicherstellt, dass jedes Element der Grundgesamtheit DIESELBE Wahrscheinlichkeit hat, in der Auswahl zu landen, hergestellt wird. Wie stellt man eine Zufallsauswahl auf Basis einer Grundgesamtheit her, deren Umfang man nicht kennt, weil niemand weiß, wer wann wie lange zu welchem Zweck im Internet unterwegs ist und wer von denen, von denen man nicht weiß, warum sie wie lange im Internet unterwegs sind, überhaupt bereit ist, an einer Onlinebefragung teilzunehmen?
Man kann es schlicht nicht. Man kann versuchen, einen Fragebogen online zu stellen und Befragte, die man zuvor aus dem Telefonbuch zufällig gezogen hat, anzuschreiben und zur Teilnahme zu bitten. Indes, nicht alle werden teilnehmen und schon ist die „Repräsentativität“ zum Teufel.
Die Studie der R+V mag alles sein, aber sie ist SICHER nicht repräsentativ.
Übrigens beginnt das Zitat aus der Pressemeldung mit dem Begriff „Berichte“. Bitte in Erinnerung behalten.
Das sind die Top-10 der Ängste der Deutschen, die die R+V pseudo-wissenschaftlich begleitet oder unbegleitet im Jahre 2023 erfragt hat. Wie man sieht, kommt Extremismus unter den ersten 10 nicht vor. Politischer Extremismus folgt auf Platz 18 einer Liste von „Ängsten“, die recht umfassend ist.
Aus all den Vorgaben hat sich die R+V für die eigene Pressemeldung genau eine ausgesucht: politischen Extremismus. Warum wohl? Richtig: Zeitgeistkriechen. Es geht hier nicht darum, Forschungsergebnisse zu präsentieren, es geht darum, sich als „gut“ zu inszenieren.
Widerlich.
Wenn Sie die Liste der Aussagen (Items) durchgehen, dann werden Sie feststellen, dass alle Vorgaben in die gleiche Richtung weisen: es wird schlechter. Die Befragten haben nun die Möglichkeit, zu jeder Aussage ihre Angst von 1 „gar keine Angst“ bis 7 „sehr große Angst“ abzustufen, und die R+V-„Experten“ fassen diese Antworten dann von 5 bis 7 als „große Angst“ zusammen. Einer dieser miesen Tricks aus schlechten Befragungen, die sich eingebürgert haben: Den Befragten vorgaukeln, ihre Antwort könnte abgestuft vorgenommen werden, um die Abstufungen dann anschließen einzuebnen. 5 dürfte zudem mit „eher große Angst“ umschrieben worden sein, was den Betrug am Befragten noch größer macht, denn „eher“ große Angst ist KEINE große Angst.
Aber auf solche Kleinigkeiten kann man keine Rücksicht nehmen, wenn man auf dem Trittbrett des Zugs der Sykophanten-Lemminge mitfahren will.
Indes, die ganze Erzählung, die man bei der R+V gewoben hat, um sich gegen rechts zu inszenieren [wie wäre es, wenn alle Wähler der AfD ihre Versicherungen bei der R+V kündigen?] basiert auf dem Vergleich: Die Angst vor dem politischen Extremismus, vor allem dem Rechtsextremismus, sie sei VIEL, GANZ VIEL, SUPER GANZ VIEL größer geworden seit 2023.
In der Tat:
Indes, 2023 haben die R+Vs begleitet oder unbegleitet 2.000 Personen per Quotenstichprobe gezogen und MÜNDLICH befragt. Die Angaben dieser 2.000 Leute aus dem Jahr 2023, deren Auswahl über sozialstrukturelle Merkmale erfolgt ist, die naiven Gemütern den Anschein von „Repräsentativität“ vermitteln, obschon davon keine Rede sein kann, vergleichen sie nun mit dem, was 1000 GANZ ANDERE LEUTE 2024 in einer online-Befragung geantwortet haben. Ein Vergleich zwischen Himalaya und Bodensee. Unlauter, nicht statthaft und noch dadurch ins Betrugsextrem gesteigert, dass eine Zeitreihe, die ein longitudinales Studiendesign erfordert, suggeriert wird.
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Und bei all der Mühe, die sich die Beteiligten damit geben, ihren Kriechgang gegen rechts zu exerzieren, übersehen sie das eigentliche Ergebnis, das in der Abbildung oben enthalten ist: Offenkundig ist das Ausmaß von „Angst“ eine Funktion von Berichterstattung, keine Funktion von realer Angst oder Bedrohung. Das ist was Sozialforscher „soziale Erwünschtheit“ nennen, ein Ergebnis das zeigt, was Befragte denken, dass Befrager als Antwort von ihnen erwarten, kein Ergebnis, das Aufschlüsse über ihre Ängste gibt. Das sieht ein Sozialforscher, jemand, der Ahnung von empirischer Sozialforschung hat, mit einem Blick. Nur die Zeitgeistkriecher aus der Versicherung und ihre pseudo-wissenschaftliche Begleitung haben es übersehen.
Empirische Sozialforschung ist ein wichtiges Mittel des wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts. Dilettanten und Missbraucher wie die R+V und ihre wissenschaftliche Eskorte aus der stalinistisch besetzten Zone, die auch als Philipps-Universität Marburg bekannt ist, zerstören dieses wichtige Mittel aus egoistischen Gründen, dem Bemühen, sich mit anderen Sykophanten gegen einen Teil ihrer Mitbürger abzugrenzen und daraus resultierendem „Silo-Denken“.
Mutwillige Junk Science.

