AfD-Wähler pessimistisch und ängstlich – Adenauerstiftung veröffentlicht jetzt auch Junk

Oft reichen schon die ersten Sätze einer angeblich wissenschaftlichen Studie, um zu wissen, dass man es mit Junk zu tun hat. Unter dem Titel „Von A wie Angst bis Z wie Zuversicht“ hat die Konrad-Adenauer-Stiftung die Ergebnisse einer natürlich „repräsentativen Untersuchung zu Emotionen und politischen Einstellungen“ veröffentlicht.

Die vermeintliche Untersuchung ist Junk, wie gleich zu Beginn deutlich wird:

„In der Wahl- und Parteienforschung herrschten lange Zeit Erklärungsansätze vor, die von rationalen Akteuren und Entscheidungen ausgingen. Die Bedeutung von Emotionen wurde hingegen vernachlässigt. Doch aus der Psychologie weiß man inzwischen, dass „[o]hne Emotionen […] alle Optionen gleich viel wert [wären], und es wäre uns egal, was wir präferieren, wählen und tun würden“. Inzwischen beschäftigt sich auch die Politikwissenschaft mit dem Einfluss von Emotionen.“

Diese Sätze stammen von Sabine Pokorny, die bei der KA-Stiftung (KA für Konrad Adenauer oder Keine Ahnung) „seit September 2011 Koordinator… Empirische Sozialforschung in der Hauptabteilung Politik und Beratung“ ist. Pokorny hat nie Politikwissenschaft studiert, insofern ist es nicht verwunderlich, dass sie Unsinn schreibt.

In der Wahl- und Parteienforschung herrscht das Problem vor, dass sich Wahlverhalten nicht als rationale Entscheidung erklären lässt. Die einzige Theorie der rationalen Wahlentscheidung (im doppelten Sinne) stammt von Anthony Downs und formuliert das Gegenteil, dass es für Wähler NICHT rational ist, wählen zu gehen, denn ihre Stimme ist nichts wert. Wer merkt es, ob Hans X die CDU gewählt hat? Niemand. Warum bleibt Hans X dennoch nicht zuhause, warum verhält er sich irrational und geht wählen?

Reichen wir die Frage weiter an Max Weber, dessen Handlungstypen sich in den Theorien, die tatsächlich die Wahl- und Parteienforschung lange Zeit beherrscht haben, wiederfinden.

Wähler wählen Parteien, weil sie einen irrationalen Glauben an deren „Mission“ teilen, eine Mission mit historischen Wurzeln in Konfliktlinien zwischen Stadt und Land, Arbeitern und Unternehmern, Religiösen und Atheisten. Die Cleavage-Theorie erklärt Wahlverhalten über eine Art der irrationalen Vasallentreue. Warum ist jemand heute noch der Überzeugung, die SPD sei eine Arbeiterpartei und wählt die Partei deshalb? Die Antwort von Stein Rokkan und Seymour Martin Lipset: Weil sie an den Gründungsmythos der Partei, der die SPD zum Kämpfer für Arbeiterinteressen stilisiert, glauben und sich in der Sozialstruktur ihrer Gesellschaft auf der Seite der Partei wähnen.

Tatsächlich sind die meisten Theorien, die versuchen, Wahlverhalten zu erklären, psychologische oder sozialpsychologische Erklärungen, wie Pokorny wüsste, wenn sie Ahnung hätte, was sie nachweislich nicht hat. Die „Parteidentifikation“ in den 1960er Jahren von Angus Campbell, Philip Converse und Warren Miller dem „American Voter“ auf den Leib geschrieben, geht von einer Sozialisation aus. Man wählt Parteien, weil man in ihre Wahl sozialisiert wurde, wählt was Großvater, Onkel und Bruder wählen, was die Peers für wählbar halten. Parteiidentifikation ist ein Sozialisationsergebnis, sie ist alles, nur rational ist sie nicht. Wahlverhalten ist traditionell oder affektiv, wenn gewählt wird, weil der Kandidat gefällt, bekannt als Theories of Candidate Attractiveness. Abermals stammen sie aus der Sozialpsychologie und rekurrieren nicht auf rationales Verhalten.

Lediglich der Median-Voter, den man vermutlich James N. Enelow und Melvin J. Hinich und ihrer Spatial Theory of Voting anlasten muss, rekurriert noch auf rationales Wahlverhalten. Er tut das unter Nutzung einer Kunstfigur, mit der sich erhebliche Zweifel verbinden, ob sie in der Wirklichkeit gefunden werden kann.

Lange Ausführung kurz gefasst: Theorien, die Wahlverhalten rational erklären wollen, herrschen nicht vor, sie führen bestenfalls eine Randexistenz und das schon seit Jahrzehnten. Was von den zitierten Erkenntnissen der „Psychologie“, nach denen ohne Emotionen alle Optionen gleich viel wert sein sollen, zu halten ist .. Machen wir ein Experiment. Entscheiden Sie sich zwischen Kartoffelchips und Schokolade. Wetten, Sie entscheiden nach Präferenz und Geschmack und ihre Liebe zur Kartoffel oder ihr Hass auf Schokoladenhersteller spielen keine Rolle?

Und weil Dilettantismus die Angewohnheit hat, zu einer Sucht zu werden, schreibt Pokorny weitere 14 Seiten voll, mit Ergebnissen, die natürlich repräsentative Befragungen erbracht haben sollen, Ergebnissen wie dem folgenden:

Ob Tabelle 1 auf schlechten Stil, vorsätzliche Irreführung oder Dilettantismus zurückzuführen ist, ist eigentlich egal, interessant ist nur, dass die Ergebnisse, die als Beleg für „Emotion“ angeführt werden, keinerlei Beleg für Emotion liefern, denn die Aussage, „wenn das so weitergeht, sehe ich schwarz für Deutschland“, hat nichts mit Angst und nichts mit “Emotionen vor Zukunft” (3) zu tun, wie Pokorny behauptet. Das kann man leicht feststellen, wenn man den Ärger, den der Schreiber dieses Textes angesichts von solchem Junk, der Sozialforschung sein will, empfindet, den Ergebnissen gegenüberstellt.

Da AfD-Wähler die AfD wählen, weil sie mit dem Zustand von Deutschland nicht zufrieden sind, wäre alles andere als ihre Zustimmung zu der Aussage, dass Sie schwarz sehen, wenn „das“ so weitergeht, überraschend. Überraschend wäre auch, wenn man diese Ergebnisse interpretieren könnte, wie Pokorny das tut, denn um die Ergebnisse als „Emotionen“ interpretieren zu können, müsste man zumindest wissen, was „das“ ist, das, wenn es weitergeht, schwarz sehen lässt. Aber was „das“ ist, weiß man nicht. Die Befragten so wenig wie die Auszähler der Ergebnisse. Und deshalb haben wir alle ein unterschiedliches Verständnis davon, was „das“ ist, das bei Weitergehen schwarz sehen lässt. Es kann alles und gar nichts sein. Deshalb verbietet sich jede Interpretation, wie Pokorny wüsste, wenn sie von empirischer Sozialforschung auch nur rudimentäre Kenntnisse erworben hätte. Hat sie aber offensichtlich nicht. Hätte sie es, sie wüsste, ein „eher Zustimmen“ zur Aussage, dass wenn „das“ so weitergeht, man schwarz für Deutschland sehe, keinen generellen Pessimismus oder „negativen Blick in die Zukunft“ darstellt, oder nur dann, wenn man eine Nationalistische Perspektive einnimmt, die davon ausgeht, dass „das“ die alleinige und generelle Determinante der Zukunft ist. Um das festzustellen, dass das für „das“ so ist, müsste man wiederum wissen, was „das“ ist, auf das nunmehr die Befragten geantwortet haben, was man dummerweise nicht weiß, weshalb man nicht wissen kann, ob „das“ das ist, was die Zukunft alleine determiniert.

Eigentlich ganz einfach. Aber dennoch zu schwierig für die Adenauer-Stiftung. Oder: wo ein Wille zur Produktion bestimmter Ergebnisse ist, da ist auch immer ein Weg. Lauterkeit und empirische Sozialforschung sind dann eben „das“, was dann auf der Strecke bleibt.

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Kunst in der Einwanderungsgesellschaft

Noch eine Studie.

Man kann sich gar nicht mehr retten vor Studien,  … vor Junk Studien.

Es gehört heute zum guten Ton unter denen, die sich für Multiplikatoren halten und von sich denken, sie würden die öffentliche Meinung beeinflussen, Geld für eine eigene Studie aus dem Fenster zu werfen. DiMaggio und Powell erklären dieses Herdenverhalten mit Isomorphie und Phantasiemangel. Weil man nicht weiß, was man als z.B. Manager (oder Funktionär) von z.B. UNESCO Deutschland so machen soll und weil man keine Phantasie hat, um sich etwas Eigenes auszudenken, deshalb schaut man, was andere Manager (Funktionäre) tun, die mit dem gleichen Phantasiemangel geschlagen sind und sich ebenfalls in der Notlage finden, ihre Existenz rechtfertigen zu müssen, weil niemand weiß, wozu es sie gibt. 

Und was tun andere Manager oder Funktionäre. 

Bei Bertelsmann?

Bei Ministerien?

Bei Gewerkschaften?

Bei Stiftungen?

Bei Kirchen?

Bei NGOs?

Sie geben Studien in Auftrag. Studien, von denen man hofft, dass Sie es in die Mainstream-Medien schaffen.

In den Mainstream-Medien arbeitet eine andere Art von phantasielosen Managern inhaltsleerer Meldungen, Spezialisten der Kommunikation von Null-Nachrichten, die ebenfalls von Isomorphie getrieben sind, und das voneinander kopieren, was sie für “In-Themen” halten.

Deshalb hat man vor Jahren überall von Frauen und Quoten lesen müssen. Gähn.

Deshalb muss man heute von Rechtextremismus, Rechtspopulismus, Rechten, von Rechtsradikalen, von Flüchtlingen, Ausländern, LSBTusw, AfD und Rassismus lesen, in verschiedenen Medien, im gleichen Tenor.

Wer in Medien gelangen will, muss diese Isomorphie bedienen, muss eine Studie in Auftrag geben, in der z.B. irgendwas mit Flüchtlingen geforscht wird, z.B. etwas das sie für etwas Positives halten: Flüchtlinge und Kunst. Dazu gehören dann Begriffe wie Vielfalt, Integration, Diversität …

Oder etwas, was ihnen negativ vorkommt: Wer sich Sorgen um Einwanderung macht, ist verbittert, ein Verlierer, ein armer Schlucker, ein soziales Wrack, ein AfD-Wähler, ein Alkoholiker, ein Trump-Anhänger, ein Rechter… Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

In der entstehenen Atmosphäre, deren Spannung nur noch durch den Eurovisions-Songkontest überboten wird, die sich nur dem Exitement geschlagen geben muss, das vom Beobachten von trocknender Farbe ausgeht, finden sich dann Ankündigungen wie die folgende, die dem Heer der lahmen Zeitungs-Enten Flügel verleiht, phantasierende phantastische Flügel, die aus dem Ladenhüter von Meldung einen durchstartenden Cliffhanger machen, der Deutschlands Bürger nicht mehr schlafen lässt.

Freuen Sie sich auf die schlaflosen Nächte, die Ihnen bevorstehen, nachdem Sie die folgende Meldung der UNESCO gelesen haben:

“Am Donnerstag, den 17. Mai 2018, veröffentlicht die Deutsche UNESCO-Kommission in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung ihre Studie „Kunst in der Einwanderungsgesellschaft“ zum diesjährigen Reinhard-Mohn-Preis 2018 zum Thema „Vielfalt leben – Gesellschaft gestalten“.

Die Bertelsmann Stiftung und die Deutsche UNESCO-Kommission haben untersucht, welchen Beitrag künstlerische Arbeit für das Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft leistet. Gerne lassen wir Ihnen die vorläufige Pressemitteilung und die Hintergrundinformationen für Ihre redaktionelle Vorbereitung vorab zukommen unter Beachtung der folgenden Sperrfristen:
 
Sperrfrist Nachrichten-Agenturen: Mittwoch, 16. Mai 2018, 19 Uhr
Sperrfrist: Donnerstag, 17. Mai 2018, 5:00 Uhr
Printsperrfrist: Frei für Ausgabe am Freitag, 18. Mai 2018
 
Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die

Deutsche UNESCO-Kommission
Projektkoordinator Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Peter Martin
Telefon: +49 228 60497-44
E-Mail: presse(at)unesco.de”

Für die, die es einfach nicht so lange aushalten, hier der Spoiler: Welchen Beitrag leistet Kunst für das Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft: Vorhersehbar gar keinen. Das einzig Interessante an der Studie ist, wie die Autoren sich winden und biegen, um das Gegenteil in ihre Daten zu interpretieren. Wir vermuten, Sie haben Experteninterviews mit Künstlern geführt, und die entsprechenden Künstler danach gefragt, welchen Beitrag sie denken, für das Zusammenleben von Flüchtlingen und autochthoner Gesellschaft zu leisten und natürlich sind die Künstler davon überzeugt, dass sie einen großen, einen sehr großen Beitrag leisten, schon weil der Eintritt in die Berliner Brecht-Weigel Gedenkstätte für Flüchtlinge umsonst ist, oder so…

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Amadeu-Antonio und ARD: Manipulation in der ersten Reihe

Ausgangspunkt: FaktenERfinder unter sich

ARD-Faktenfinder bei der Arbeit

Eric Beres, SWR, berichtet heute im „FaktenErfinder“ der ARD von Forschern, die für das „Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft“ in Jena untersucht hätten, wie Islamisten und Rechtsextremisten zusammenhängen. 10.000 [Wow!] „islamistische und rechtsextreme Facebook-Inhalte“ seinen analysiert worden. Und mehr als „eine Million deutschsprachige muslimfeindliche Twitter-Inhalte“ [Doppel-Wow]. Ergebnis: „Sowohl Islamisten als auch Rechte [Rechte und Rechtsextremisten sind für Beres offensichtlich dasselbe] verwenden gezielt Schlüsselbegriffe, um ihre Narrative – also ihre Weltsicht – in der Bevölkerung zu verankern“ [noch ein Wow]. Die „Narrative“ würden dann gezielt in den Foren der Gegenseite platziert, um eine Reaktion zu provozieren. Dies sei kein Zufall, sondern Strategie, so will Beres nahelegen. Die “Strippenzieher” im Hintergrund würden geradezu auf die Provokation der Gegenseite setzen, so ein Ergebnis der „Studie“. Matthias Quent, den Beres als „Jenaer Politikwissenschaftler“ und einen der Studienautoren vorstellt, sagt gegenüber dem SWR: „Das zynische Spiel mit der Angst gibt den beiden antidemokratischen Lagern Legitimation und gesellschaftliche Relevanz. Die Angst – und damit das eigentliche Ziel der Terroristen – wird von den Rechten geschürt, verstärkt und auf ‚den Islam“ verallgemeinert. Diese Diskriminierung nutzen Islamisten wiederum, um eine muslimische Verteidigungspflicht zu behaupten“.

Der Verschwörungs-Junk, den Quent und Beres hier unter die Leute bringen wollen, lautet also: Islamisten und Rechtsextremisten (also Rechte, Konservative und all die, die von linksaußen eben Rechtextremisten sind) seien von geheimen grauen Eminenzen gesteuert, die gemeinsame Sache über die ideologische Grenzen hinweg machten, um Angst und Terror zu verbreiten.

Manche der Leute von Ancient Aliens, die hinter jeder menschlichen Errungenschaft ein Einwirken von Aliens sehen, werden gerade blass, ob der veritablen Verschwörungstheorie, die Quent hier ungehindert im öffentlich-rechtlichen Rundfunk platzieren darf (oder muss).

Warum: Na um zu manipulieren, Angst vor Rechten zu schüren, Terror zu verbreiten …

Lösen wir das Manipulations-Stück von Beres doch einmal auf.

Sachverhalt.

Forscher hätten für das „Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft“ etwas wissenschaftlich untersucht, so behauptet Beres. Einer dieser Forscher, der etwas für das „Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft“, also in dessen Auftrag untersucht haben soll, ist Matthias Quent. Matthias Quent ist der Leiter des „Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft“. Er hat sich wohl selbst beauftragt. Ein Fakt, über den FaktenErfinder Beres seine Leser im Unklaren lassen, über den er sie täuschen will.

Quent ist nicht nur Leiter des „Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft“, er ist auch als solcher der Angestellte der Amadeu-Antonio-Stiftung [nach unten scrollen], die wiederum und weitgehend vom Bundesministerium für alle außer Männer finanziert wird. So hat das BMFSFJ auch die Studie, die Quent bei sich bestellt hat, finanziert. Beres schreibt:

„Forscher haben das Phänomen nun für das “Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft” in Jena wissenschaftlich untersucht. “Hassliebe: Muslimfeindlichkeit und Islamismus im Tango” heißt ihre bisher unveröffentlichte Studie, die vom Bundesfamilienministerium gefördert wurde und dem SWR vorliegt.“

Eine der Unsitten, die in letzter Zeit um sich greifen, besteht darin, vermeintliche Studien (Auftrags- und Legitimationstexte, die von Ministerien in Auftrag gegeben wurden) schon durch die Medien zu prügeln noch bevor sie veröffentlicht sind. Auf diese Weise hoffen die Macher wohl den maximalen Manipulationsimpact erreichen zu können, bevor herauskommt, was für einen Junk sie da verbreitet haben. Dazu kommen wir noch. Zuvor ist der Hinweis notwendig, dass die angeblichen Studien, die im Auftrag des BMFSFJ erstellt werden, nicht ohne Zustimmung aus dem nämlichen Ministerium an die Presse lanciert werden können. Somit muss man sich fragen, warum das Ministerium unbedingt Berichte lancieren will, noch bevor ein unabhängiger Wissenschaftler die Chance gehabt hat, die angebliche Studie auf Herz und Nieren zu prüfen? Die Antwort ist klar: Wenn eine Studie erst als Junk-Studie bekannt ist, dann kann man sie nicht mehr zur Manipulation gebrauchen. Und Manipulation war doch der einzige Grund, warum diese angebliche Studie überhaupt in Auftrag gegeben wurde.

Fakten: Die angebliche Studie ist Junk

Was Pseudo-Wissenschaftler einfach nicht verstehen wollen: Man benötigt nicht die komplette Studie, um feststellen zu können, dass eine Studie Junk ist. Es reicht, wenn man den methodischen Ansatz rekonstruieren kann, um zeigen zu können, dass die vorliegende Studie ein Manipulations-Machwerk ist.

Und die angebliche Studie, die Quent bei sich selbst in Auftrag gegeben hat, sie ist Junk.

Fangen wir mit dem Untersuchungsgegenstand an.

Wer sich in Extremismusliteratur auskennt, z.B. weil er ScienceFiles und unsere Reihe über Links- und Rechtsextremismus gelesen hat, die Dr. habil. Heike Diefenbach erarbeitet hat, der weiß, dass es eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen, von guten Arbeiten gibt, die zeigen, dass Links- und Rechtsextreme mehr gemeinsam haben als sie trennt. Wenn man sich mit einem Forschungsfeld beschäftigen will, wie dies Quent in seinem eigenen Auftrag und mit Geldern aus dem BMFSFJ getan haben will, dann muss man dieses Forschungsfeld und die darin geleistete Arbeit zur Kenntnis nehmen. Wenn man beides zur Kenntnis genommen hat, dann kann man seine Forschung nicht auf Islamisten und Rechtsextremisten begrenzen, dann muss man mindestens Linksextremisten, wenn nicht Genderisten und andere Formen des Extremismus mitberücksichtigen.

Es sei denn, man weiß schon, welche Ergebnisse man am Ende haben will.

Eine der wichtigsten Methoden, um in der Wissenschaft Erkenntnis zu gewinnen, ist der Vergleich. Der Vergleich ist auch gleichzeitig die Methode, die am schwierigsten zu nutzen ist, denn das, was verglichen werden soll, muss etwas über das Forschungsgebiet aussagen. Stellen Sie sich vor, sie wollten etwas über die Niederschlagsmenge in Deutschland herausfinden und würden zu diesem Zweck München mit Stuttgart vergleichen. Als Ergebnis finden Sie heraus, dass Deutschland ein sehr niederschlagsarmes Land ist, und dass es in München etwas mehr regnet als in Stuttgart. Hätte man in den Vergleich Kiel miteinbezogen, das Ergebnis wäre ein vollkommen anderes gewesen, eines, das der Realität deutlich näher kommt als der ursprüngliche Vergleich zwischen München und Stuttgart. Mit der angeblichen Studie von Quent verhält es sich ähnlich, wer Islamisten und Rechtsextreme miteinander vergleicht, hat offensichtlich die Prämisse, dass beide etwas außer Extremismus gemeinsam hätten, denn hätten sie nichts gemeinsam, dann könnte man sie nicht vergleichen. An einer solchen Prämisse ist nichts auszusetzen, so lange sie unabhängig geprüft wird, was voraussetzt, dass man nicht nur die ideologischen Gruppen betrachtet, die man gerade nicht mag, sondern auch die, die man mag, die Linksextremisten, die Genderisten, die ökologischen Sozialisten. Nur auf diese Weise kann man wissenschaftliche Ergebnisse erzielen.

Das hat Quent nicht getan. Ihm ging es offensichtlich nicht um Wissenschaft, sondern darum, eine Verbindung zwischen Rechtsextremisten und Islamisten zu finden. Wenig verwunderlich hat er diese Verbindung auch gefunden, denn man findet immer etwas, wenn man es darauf anlegt, etwas zu finden.

Noch mehr Junk

Aber damit lassen es Beres und Quent nicht gut sein. Sie wollen den Lesern ins Hirn hämmern, dass Rechtsextreme und Islamisten gemeinsam Tango tanzen. Deshalb instigieren sie eine Verschwörungstheorie, die sich gewaschen hat, die so dumm ist, dass man fast Mitleid haben könnte.

Beres beginnt seinen Beitrag damit festzustellen, dass der „Islam-Konvertit Sven Lau“ ein Buch geschrieben habe, das den Titel trägt: „Fremd im eigenen Land“. Der Publizist der „neuen Rechten“ Jürgen Elsässer habe „wenige Monate später“ seine Zeitschrift Compact mit „Fremd im eigenen Land“ überschrieben.

Damit will Beres seine Message vorbereiten, nach der Rechtsextreme und Islamisten konspirativ verbandelt sind.

Wir enthüllen, dass die Konspiration, die Beres imaginiert, viel weiter verbreitet ist, als er denkt:

„Fremd im eigenen Land“: Liedtitel von Advanced Chemistry, Hip-Hop Band aus Heidelberg, 1992 (die Urväter der Konspiration)

„Fremd im eigenen Land“: „Annette Simon und Jan Faktor versuchen die politischen und gesellschaftlichen Konflikte ihrer ostdeutschen bzw. osteuropäischen Vergangenheit zu reflektieren“ Buchtitel in der Edition „psychosozial“ aus dem Jahre 2000. Der Shrink-Teil der Konspiration.

„Fremd im eigenen Land“: Sammelband herausgegeben von Hendryk Broder und Michael Lang aus dem Jahre 1979. Darin geht es um Juden (in der Logik von Beres machten nun Juden mit Islamisten und Rechtsextremisten gemeinsame Sache!).

„Fremd im eigenen Land“: “Am Dienstag, 4. September, 16 Uhr, wird in der Rathaushalle die Ausstellung „Fremd im eigenen Land – Sinti und Roma in Niedersachsen nach dem Holocaust“ von Oberbürgermeister Kurt Machens eröffnet; Stadt Hildesheim.

Damit soll es sein Bewenden haben. Es reicht, um feststellen zu können, dass der Versuch von Eric Beres, eine Analogie zwischen Islamismus und Rechtsextremismus zu begründen, zu den dümmsten linksextremenen Manipulations-Versuchen gehört, die wir bislang gesehen haben.

Aber die Dummheit ist noch nicht am Ende. Wie immer, wenn ahnungslose Journalisten und Pseudo-Wissenschaftler miteinander zum Wohle des BMFSFJ konspirieren, bleiben Verstand und Vernunft auf der Strecke, weil sie sich in Rage schreiben.

Bei Beres liest sich das so:

„Zufall oder nicht – das Beispiel lässt erahnen, dass sich Islamisten und Rechtspopulisten gar nicht so fremd sind, wie man denkt. Zumindest in ihrer Strategie und in ihren Denkmustern: Die Betonung der eigenen Opferrolle, die Dämonisierung und Ausgrenzung von Fremdgruppen, das Schwarz-Weiß-Denken, das Verbreiten von Verschwörungstheorien. Also zwei Seiten der selben Medaille?”

Und wie nahe sich erst Rechstextremisten, Islamisten und Genderisten sind:

Die Betonung der eigenen Opferrolle ist das zentrale Motiv im Genderismus, deshalb werden Quoten und Maßnahmen gegen z.B. eine vermeintliche gläserne Decke gefordert. Die Dämonisierung und Ausgrenzung der „alten weißen Männer“ ist ein fester Bestandteil der Ingroup-Bildung von Genderisten. Das Schwarz-Weiß-Denken, in dem Männer immer Täter und Frauen immer Opfer sind, unterliegt dem Konzept von Frauenhäusern ebenso wie es Ausgangspunkt der vielen Programme ist, die Frauen gegenüber Männern besser stellen sollen, und die Verschwörungstheorie haben die Genderisten natürlich auch: Ein vermeintliches Patriarchat, das es nicht gibt, sei an allem schuld.

Wer also gedacht hat, Unsinn könne man nicht steigern, der sieht sich durch Beres, der Unsinn zu völlig neuen Höhen steigert, eines Besseren belehrt.

Natürlich qualifizieren sich auch Sozialisten/Linksextremisten als Rechtsextremisten und Islamisten in der Logik von Beres:

Opferrolle: Produktivkräfte als Opfer der Bonzen;
Ausgrenzung von Fremdgruppen: z.B.: „Bullenschweine“ und Banker
Schwarz-Weiß-Denken: Die gute Plan- und die böse Marktwirtschaft, der gute Staat und der schlimme Markt;
Verschwörungstheorie: Das internationale Finanzkapital von Großunternehmen will aus Profitgier den Planeten zerstören oder – wahlweise – aus Profitgier die Menschen verarmen.

Wie gesagt, wenn es um Dummheit geht, dann sind bei der ARD keine Grenzen gesetzt, dann wird jeder Dilettantismus aus den Zwangs-Beiträgen finanziert und jeder Junk als Studie verkauft. Solange es ideologisch passt und zur Manipulation der öffentlich-rechtlichen Konsumenten taugen soll, ist anscheinend alles erlaubt.

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ARD-Faktenfinder-Echokammer: Junk Studien zu Fake News

Vorrede I
Wenn Journalisten Studien zitieren, die von Mitgliedern einer „Stiftung“ erstellt worden sind und sich auf Beiträge der Journalisten beziehen, die die vermeintlichen Studien zitieren, dann ist einerseits mehr als Vorsicht geboten, andererseits ein interessanter Einblick in das Echozimmer, in dem öffentlich-rechtliche Journalistendarsteller ihre Fakten zu finden pflegen, gewährt.

Vorrede II
Der Wert jeder Studie hängt davon ab, wie gut die Ergebnisse der Studie die Realität, über die sie berichten sollen, widerspiegeln.
Dabei gibt es zwei grundsätzliche Probleme, die sich mit der Grundgesamtheit verbinden. (1) Ist die Grundgesamtheit bekannt, will man z.B. Aussagen über alle Deutschen im Alter von 18 bis 75 Jahren machen, dann muss man sicherstellen, dass die Stichprobe, die man zieht, dies ermöglicht bzw. die Abweichung der Ergebnisse, die man auf Grundlage der Stichprobe produziert, von den „tatsächlichen Ergebnissen“, die man nicht kennt, nicht zu groß ist. Das beschriebene Spiel ist ein Spiel der Normalverteilung, der F- oder der t-Verteilung mit der Realität, das sich hinter dem Begriff „Repräsentativität“ verbirgt, von der Kritiker wie wir meinen, dass es sie nicht geben kann. (2) Ist eine Grundgesamtheit unbekannt, dann kann man KEINERLEI Aussagen über sie machen, weil man sie nicht kennt. Entsprechend ist jede Aussage, die über die eigene Stichprobe hinausreicht: JUNK.

Wir befinden uns mit der Studie, die heute die ARD-Faktenfinder beschäftigt, im Bereich des JUNK, knöcheltief im Junk. Die Studie „Fakten statt Fakes“, die die „Stiftung Neue Verantwortung“ zu verantworten hat, wird von Faktenfinder „Wolfgang Wichmann“, von dem wir nur wissen, dass er als @wollvieh auf Twitter firmiert, den Lesern des ARD-Faktenfinder als bare Münze verkauft. Die „umfangreiche Studie“ basiere auf einem „Methodenmix“, der „entsprechend detaillierte Erkenntnisse rund um relevante Fake-News-Meldungen aus den Wochen vor der Wahl im September 2017“ erlaube.

Merkposten: umfangreiche Studie, Methodenmix, detaillierte Erkenntnisse und relevante Fake-News.

Über die ausgewählten Beispielfälle von Fake-News, die in der Studie, nein der Junk-Studie (Begründung folgt) der Stiftung Neue Verantwortung besprochen werden, habe „auch der ARD-Faktenfinder seinerzeit berichtet“, so Wichmann, von dem wir hier nicht wissen, ob er absichtlich eine Falschmeldung streut oder unabsichtlich. Im ersteren Fall hätten wir es, gemessen an der irren Definition von Fake News, die die Nicht-Spezialisten für Sozialforschung der seltsamen Stiftung vornehmen, mit Fake News zu tun, im letzteren Fall mit einer Ente (Dazu kommen wir noch).

Tatsächlich steht schon weit vorne im viel zu langen Bericht zur Junk Studie der Stiftung „Neue Verantwortung“, was wohl anzeigen soll, dass alle Verantwortung für methodisch sauberes Arbeiten abgelehnt wird, die folgende Passage (genau auf Seite 14):

„Die Identifikation relevanter Fake-News-Fälle erfolgt zuvorderst über ein kontinuierliches ‚Monitoring der Monitorer‘ […] Dazu zählen der Faktenfinder der Tagesschau.de-Redaktion, die Redaktion des Recherchekollektivs Correctiv, Spezialseiten wie mimikama.at und nicht zuletzt klassische Nachrichtenseiten wie Spiegel Online, die es ebenfalls als eine ihrer Aufgaben ansehen, falsche Informationen zu widerlegen.“

Mit anderen Worten, dass die Studie über Fälle vermeintlicher Fake News berichtet, die auch der ARD-Faktenfinder aufgegriffen hat, ist kein Zufall, wie Wichmann suggerieren will, es ist zwangsläufig, weil die Pseudo-Sozialwissenschaftler der Stiftung ihre Fälle u.a. beim ARD-Faktenfinder gesammelt haben.

Wo wir das so schreiben. Eigentlich ist die Frage nach Fake News oder Ente entschieden: Wichmann versucht seine Leser hinters Licht zu führen. Er verbreitet Fake News.

Der ganze Täuschungszinnober und der ganze Aufwand dieser Junk Studie wurde betrieben um die folgende Meldung an die Leser der ARD-Faktenfinder zu bringen:

„Fake News, so wie sich das Phänomen in Deutschland empirisch darstellt, werden vor allem von Rechten, Rechtspopulisten… und Rechtsextremen verbreitet. Dabei bildet die AfD die Speerspitze der Verbreitung, in sieben von zehn von uns dokumentierten Fällen ist sie unter den Top-10 der reichweitenstärksten Verbreiter.“

So steht es im Bericht zur Junk Studie auf den Seiten 2 und 3. Die redaktionelle Bearbeitung von Wichmann liest sich wie folgt:

„Vielmehr seien die Quellen für Falschmeldungen hierzulande am rechten Rand zu suchen:

Fake News, so wie sich das Phänomen in Deutschland empirisch darstellt, werden vor allem von den Rechten, RechtspopulistInnen und Rechtsextremen verbreitet.
Besonders auffällig agierten demnach Vertreter der Alternative für Deutschland: Sieben der zehn untersuchten Fälle seien von AfD-Accounts verbreitet worden – darunter die reichweitenstarke Facebookseite der Bundespartei oder das Profil des Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen.“

Die Zielsetzung ist klar: AfD diskreditieren und behaupten, was man berichtet sei durch eine angebliche Studie belegt.

Kommen wir zurück auf Problem 2 von oben, das die Frage, welche Aussagen man aus einer Stichprobe ableiten kann, zum Gegenstand hat.

Wie viele Fake News es im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 gegeben hat, das weiß niemand. Entsprechend haben wir es mit einer unbekannten Grundgesamtheit zu tun. Aussagen über Fake News als solche sind deshalb nicht möglich. Wer sie dennoch macht ist dumm oder verlogen.

Die Stichprobe, die die sozialwissenschaftlich Unkundigen der Stiftung „Neue Verantwortung“ gezogen haben, besteht aus 10, in Worten: ZEHN Fake News. Diese 10 Fälle haben sie untersucht und auf Grundlage dieser 10 Fälle wollen sie generelle Aussagen über die Menge von Fake News, die Reichweite von Fake News und diejenigen, die Fake News verbreitet haben, machen. Wir haben es nicht nur mit einer Stiftung zu tun, die Verantwortung neu definiert, auch Lauterkeit wird hier neu definiert als unlauter, verlogen, haltlos, …

Wir haben es also mit einer Grundgesamtheit von Fake News zu tun, die niemand kennt und mit einer Junk Studie, deren Urheber aus 10 Fallstudien Schlüsse auf die unbekannte Grundgesamtheit der Fake News ziehen wollen. Das allein reicht schon, um festzustellen, dass die Autoren dieser Junk Studie entweder bar jeglicher methodischen Kenntnis sind oder den ganzen Zinnober nur betreiben, um die AfD diskreditieren zu können. Aber wir sind noch nicht am Ende.

Was passiert wohl, wenn man eine Umfrage unter Mitgliedern der Mafia zum Thema Schutzgelderpressung macht? Etwa: „Wie finden Sie Schultzgelderpressung?“ Antwortmöglichkeiten: super, Ganz super, XXL super? Das klingt lustig und niemand würde derartigen Blödsinn forschen wollen? Doch. Denn genau das haben die – uns fehlen die Worte – Neu Verantwortlichen getan. Wie oben zitiert haben sie Fake News ausschließlich aus Quellen bezogen, die jenseits jeden Verdachts stehen, sie könnten auch Fake News von Personen verarbeiten, die sie nicht für rechts halten oder die von links kommen. Dieses methodisch indiskutable Vorgehen, das in einer verzerrten Stichprobe ohne jeden Wert selbst dann resultiert hätte, wenn man die Grundgesamtheit kennen würde, schlägt sich in den 10 Beispielen von Fake News nieder: 8 der 10 Fake News betreffen Flüchtlinge, in einem Fall geht es um die Gleichsetzung von Deutschen und Nazis, in einem weiteren um die Folgen von Antifa Ausschreitungen.

Diese 10 Fälle wollen die Neu Verantwortlichen und die Faktenfinder, die mit ihnen eine Echokammer teilen, in die die Kunde von sozialwissenschaftlichen Methoden und Standards noch nicht vorgedrungen ist, als Grundlage nutzen, um auf die Verbreitung und die Verbreiter von FAKE NEWS als solcher zu schließen.
Zu sagen, das ist unseriös ist eine Untertreibung. Bewusste Täuschung durch eine Fake Studie, denn der Junk ist nicht einmal als Junk Studie geeignet, trifft es schon eher.

Die Merkposten von oben, die im Werbetext von Wichmann, mit dem er die Fake Studie anpreisen will, zu finden sind, sie lauten: umfangreiche Studie, Methodenmix, detaillierte Erkenntnisse und relevante Fake-News. Weder ist die Studie umfangreich noch ist der Methodenmix auch nur ansatzweise sinnvoll. Detaillierte Erkenntnisse lassen sich bestenfalls für 10 Einzelfälle von Fake News, aber nicht darüber hinaus finden und auch das nur, wenn man das Problem ignoriert, dass man nicht weiß, warum gerade diese Fake News ausgewählt wurden, also bereit ist, willkürliches Geschwätz abzusondern. Das bringt uns zum letzten Punkt: Dass die betrachteten Fake News relevante Fake News sind, bedarf der Begründung. Diese Begründung wiederum bedarf der Kenntnis der Grundgesamtheit. Die Grundgesamtheit ist unbekannt. Selbst wenn die Grundgesamtheit bekannt wäre, ist eine Analyse, die relevante Fake News ausschließlich im rechten Lager sucht, sicher keine Analyse, die relevante Fake News untersucht, denn die Feststellung, dass relevante Fake News untersucht worden sind, bedarf des Vergleichs, mit Fake News aus anderen Quellen. Dieser Vergleich fehlt vollständig.

Somit ist es auch kein Wunder, dass die Unkundigen sozialwissenschaftlicher Methoden Fake News vornehmlich bei Rechten, Rechtspopulisten oder Rechtsextremen finden. Wer vornehmlich bei denen sucht, die er für Rechte, Rechtspopulisten oder Rechtsextreme hält, der wird auch vornehmlich bei Rechten, Rechtspopulisten oder Rechtsextremen fündig. Daran ist nichts verwunderlich, höchstens, dass ARD-Faktenfinder und Neu Verantwortliche denken, ihre Leser wären so dumm, diesen offenkundigen Schwindel nicht zu durchschauen. In ihrer Echokammer herrschen sehr geringe intellektuelle Standards. Wir warnen davor, diese Standards zu verallgemeinern …

Bleibt noch der größte Unsinn nachzutragen. Die Definition von Fake News.
Fake News liegt für die Neu Verantwortlichen dann vor, wenn „falsche oder irreführende Informationen, die jemandem (Personen, Gruppe, oder Organisation) Schaden zufügen soll“, gezielt verbreitet wird, wenn eine Intention nachgewiesen werden kann.

Witzigerweise qualifiziert sich nicht eines der 10 Fallbeispiele nach dieser Definition als Fake News. Es sei denn, man geht davon aus, dass z.B. in acht der 10 Fällen Flüchtlinge geschädigt werden sollen, was Unsinn ist, denn man kann nur konkrete Personen, keine Gruppen schädigen oder davon, dass die Antifa geschädigt werden soll, was weitgehend unnötig ist, denn die Antifa schädigt sich durch das Verhalten ihrer Mitglieder besser als es jede Fake News je könnte. Die Definition ist tautologisch, denn es ist nicht möglich, die Schadensintention von der angeblichen Nachricht zu trennen. Ebenso ist es unmöglich, die Intention überhaupt zu bestimmen. Dazu müsste man wissen, wer Fake News in erster Linie in die Welt setzt, was man nicht weiß, man weiß lediglich, wer sie verbreitet.

Damit sind wir beim nächsten Problem. Die Verbreitung von Fake News sagt nichts darüber aus, ob die Fake News im Glauben, sie sei echt, verbreitet wird, oder mit dem entsprechenden Vorsatz, dass es sich dabei um Fake News handelt. Letztlich kann man auf Basis dessen, was die Neu Verantwortlichen da geforscht haben wollen, nur sagen, dass sie von Sozialforschung so viel Ahnung haben, wie ein Tauber von Beethovens Fünfter Symphonie.

Wir könnten noch Seiten lang Unsinn aus der Fake Studie anführen. Okay, einen haben wir noch: Satire kann keine Fake News sein, so steht es auf Seite 12, denn Satire werde nicht in böser Absicht gemacht. Die Neu Verantwortlichen sind nicht nur im Hinblick auf Methoden der empirischen Sozialforschung ahnungslos. Die sind in einer Weise naiv, die Mitleid erweckt.

Wir haben noch einen (aber dann ist Schluss):
Die böse Absicht als sinnloses Kriterium zur Identifikation von Fake News ist notwendig, um Enten, als Falschmeldungen von Journalisten von der Boshaftigkeit zu befreien, die z.B. mit der wiederkehrenden Falschmeldung, dass es zwischen Männer und Frauen in Deutschland ein Pay Gap von 21 Prozent gäbe, verbunden ist. Wie einfältig und ideologisch motiviert eine solche unbrauchbare Abgrenzung ist, wird spätestens dann deutlich, wenn man weiß, dass die Neu Verantwortlichen dann keine Absicht unterstellen, wenn eine Falschmeldung korrigiert wird. Diese Naivität ist wirklich nicht zu steigern. Wer also nicht in den Ruch kommen will, Fake News zu verbreiten, der muss Fake News verbreiten und nach zwei, drei Tagen, länger, so haben die Neu Verantwortlichen herausgefunden, wirke Fake News nicht, sagen: „Ey, ich habe mich geirrt“. Schon ist er ein ehrlicher Journalist, der sich mit seiner Berichterstattung Mühe gibt.

Kann man so dumm sein wie die Neu Verantwortlichen und ihre Faktenfinder-Freunde?
Man kann es.
Offensichtlich.


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Die neue Hass-ologie: Wirrer Aluhut-Journalismus und die rechtsextreme Weltverschwörung

Hass als Strategie“, so lautet der selten dämliche Titel (leider fällt uns keine andere Beschreibung ein) eines Beitrags von Jan-Christoph Kitzler in der ARD, der unter der Rubrik „Faktenfinder“ veröffentlicht wurde. Die Faktenfinder der ARD zeichnen sich immer häufiger dadurch aus, dass sie den Aluhut aufsetzen und Verschwörungstheorien verbreiten, wobei sie Letzteres gerne mit Bezug auf das ISD (Institute for Strategic Dialogue) tun, das zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten zitiert wird, ebenso wie Amnesty International. Beide, ISD und Amnesty beschäftigen neuerdings die wissenschaftlichen Koryphäen, die die Belege dafür, dass rechter Hass Wahlergebnisse hervorbringt, wie es Kitzler mutmaßt, liefern.

Bei den Faktenfindern werden die Brötchen, die gebacken werden, immer kleiner. Scheinbar will sich kein Wissenschaftler mehr von den Hobby-Scientologen bei der ARD missbrauchen lassen. Also bleiben sie immer häufiger bei den Hobby-Wissenschaftlern des ISD oder von Amnesty International hängen und preisen deren seltsame „Studien“ als heiligen Gral der politisch Korrekten an.

Die Studien sind es jedoch nicht einmal wert, genauer gelesen zu werden. Warum? Weil Wissenschaft auf einer Erkenntnisidee basiert. Vermeintliche Studien, in denen eben einmal von einer interessierten Organisation wie Amnesty International behauptet wird, dass es im italienischen Wahlkampf 500 belegte Fälle gäbe, in denen Wahlkreis-Kandidaten „rassistische, diskriminierende oder auch islamfeindliche Propaganda verbreitet“ hätten, sind nutzlose ideologische Onanie, denn (1) weiß niemand, nach welchen Kriterien, die Herrschaften bei AN Aussagen als rassistisch, diskriminierend oder auch islamfeindlich klassifizieren, (2) selbst wenn man das wüsste, wäre die Frage der Wirkung offen, denn damit aus einer rassistischen Aussage etwas anderes wird als eine rassistische Aussage, muss sie eine Wirkung entfalten. Belege für solche Wirkungen gibt es nicht. Schließlich (3): Selbst wenn eine rassistische Aussage von Matteo Salvini eine Wirkung bei Claudio Detesti ausgelöst hat, so wäre noch zu belegen, dass diese Wirkung irgend etwas mit dem Wahlausgang in Italien zu tun hat. Aber derartige Probleme, die Wissenschaftler haben, haben Kitzler und seine Lieferanten natürlich nicht. Ihnen geht es darum, eine Verschwörungstheorie zu zimmern und als Studie zu präsentieren.

Auch die angebliche Studie vom ISD ist nicht besser. Dort wurden rechte Netzwerke in den sozialen Netzwerken untersucht, und es wird beschrieben, wie sich rechte Aktivisten miteinander vernetzen, und wie sie versuchen, die Deutungshoheit zu gewinnen. Versuche, die Deutungshoheit zu gewinnen, sind das, was Politik ausmacht. Wäre dem nicht so, Kandidaten würden keine Reden halten, Parteien keine Wahlprogramme schreiben und keine Veranstaltungen vor Ort durchführen. Es ist also überhaupt nichts Bemerkenswertes daran, dass sich die Anhänger der Parteien, die von links außen rechts sind, im Internet zusammentun und dort versuchen, ihr Vorgehen zu koordinieren. Deshalb ist eine angebliche Studie, die lediglich die Strukturen rechter Netzwerke untersucht und sie nicht z.B. mit denen, linker Netzwerke vergleicht, die die Aussagen einer Seite im politischen Spektrum akribisch analysiert ohne die Aussagen der anderen Seite im politischen Spektrum zu berücksichtigen, ideologischer Junk, den man nur den sogenannten Faktenfindern von der ARD unterschieben kann.

Und damit sind wir beim Hass.

Der Hass ist für Kitzler eine Strategie.

Hass ist für ihn ein Mittel, das Rechte benutzen, Rechte, von denen man irgendwie den Eindruck hat, Kitzler würde sie hassen. Diese Rechten, sie nutzten Hass, so das verquere Bild im Kopf des angeblichen Faktenfinders, um Menschen zu manipulieren, einen neuronalen Kurzschluss zu erzeugen, der dann dazu führt, dass diese Menschen, die eigentlich ihr Kreuz bei einer der Parteien machen wollten, die Kitzler nicht hasst, nunmehr und von der Hass-Verbindung zu Matteo Salvini und seiner Lega oder zu Front National und Le Pen oder Strache und FPÖ oder Gauland und AfD oder Wilders und seiner Partei für Freiheit oder Vanhecke und sein Vlaams Belang oder Orban und seine Fidesz Partei oder … gesteuert, ihr Kreuz bei einer hassenswerten Partei zu machen, also kurz: selbst hassen.

Das nennt man eine Verschwörungstheorie. Die Faktenfinder verbreiten diese Verschwörungstheorie. Sie sind also keine Faktenfinder, sondern Aluhut-träger, deren Theorie über das Wahlverhalten von Menschen auf einer Ebene mit der Theorie derjenigen steht, die denken, Menschen würden durch Chemikalien, die dem Treibstoff von Flugzeugen beigemischt werden, manipuliert.

Wir haben über die letzten Jahrzehnte beobachtet, wie Teildisziplin der Sozialwissenschaften nach Teildisziplin zerstört wurde. Erst war es die Genderista, die ihre Irrationalität in die Sozialwissenschaften getragen hat und damit das Bild einer ernstzunehmenden Sozialwissenschaft, wie es die theoretischen Ansätze der Konflikttheorie und des Rational Choice, wie es Wissenschaftler von James S. Coleman, Robert K. Merton über Harold Garfinkel bis zu Michael Hechter systematisch aufgebaut haben, in der Öffentlichkeit zu zerstören. Dann kamen die sozialistischen Spinner aus ihren Löchern und haben ihre Versuche, die eigene prekäre Situation dadurch zu stabilisieren, dass sie sich um Bevölkerungsgruppen zu kümmern vorgeben, die sie sozial unter sich verorten und dort auch halten wollen, zu verbreiten gesucht. Und nun kommt der Psycho-Junk noch dazu, die Aluhut-Träger aus den öffentlich-rechtlichen Anstalten, die ihre Verschwörungstheorien darüber, wie Wahlentscheidungen bei Menschen zustande kommen unter denen verbreiten wollen, die dumm genug sind, sie zu glauben.

Es gibt, das sei nur am Rande vermerkt, eine lange Tradition politikwissenschaftlicher Wahlforschung. Die Erklärung von Wahlverhalten spielt darin eine zentrale Rolle, die sich in rund 5 verschiedenen Theorien zur Erklärung von Wahlverhalten niederschlägt. Eine Art Äther, der durch Worte des Hasses geschaffen werden kann, der ein Band zu empfänglichen Wählern herstellt und diese quasi hypnotisiert und sie an einem Band, vor allem ihre Hand, an einem Band in die Wahlkabine und zum Kreuz bei rechten Parteien veranlasst, ein solcher Junk ist nicht dabei. Den findet man nur in öffentlich-rechtlichen Anstalten, die diesen Namen, Anstalt, zurecht tragen.

Hass ist übrigens eine Emotion. Und während sich der Begriff anbietet, um von einfältigen Menschen, die sich für Journalisten oder Gutmenschen halten, auf die angewendet zu werden, die etwas tun bzw. sagen, was wiederum die Journalisten und Gutmenschen gar nicht gut finden, eignet sich das Konzept, das, was Hass als Begriff bezeichnen soll, überhaupt nicht dazu, um als Erklärung für Wahlverhalten angeführt zu werden. Allein wenn man das tippt und gezwungen ist einzusehen, dass es Personen gibt, die denken, man wähle die Partei, die man wähle, aus Hass, weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.

[…]
Ein paar Minuten später.
Wir haben uns aus Gründen des Sebstschutzes für Lachen entschieden.
Zurück zum Hass.
Hass, dieser Meinung sind die Psychologen, die Emotionen wie Hass erforschen, Hass, „ist das Gegenteil von Liebe. Hass entsteht als Reaktion auf emotional sehr verletzende (z.B. Abbruch einer Liebesbeziehung, Hassliebe) oder existenzbedrohende Erlebnisse. Angestrebt wird stets Vernichtung des Hassobjekts“ (Arnold, Eysenck und Meile: Lexikon der Psychologie, S.849).

Damit man hasst, benötigt man somit „emotional sehr verletzende Erlebnisse“. Die Reden von Matteo Salvini mögen für manche derart verletzende Erlebnisse sein, für Schreiber wie Kitzler zum Beispiel. Aber sie sind nicht die Art von Erlebnis, die benötigt wird, um die Wahl von Salvinis Partei zu erklären. Wer hasst, der strebt eine Vernichtung des Hassobjektes an, etwa so, wie die Faktenfinder um Gensing und Kitzler, die ihres Kreuzzuges gegen das, was sie für rechte Parteien halten, nicht müde werden (im Gegensatz zu all den anderen um sie herum). Fast dass man denken könnte, Gensing und Kitzler sehen ihre Existenz als Journalisten-darsteller durch die entsprechenden Parteien gefährdet. Wähler von Salvini, die nach Ansicht von Kitzler ein Band des Hasses mit Salvini teilen, gehen aber gerade nicht hin und versuchen, dessen Partei zu vernichten, nein, sie wählen diese Partei. Das muss Liebe sein.

Man kann die Wähler, die Parteien wählen, die Kitzler, Gensing und den anderen Faktenfinder mit Aluhut nicht gefallen, also nicht über Hass erklären, bestenfalls über Liebe. Aber halt, ganz nebenbei haben wir die Motivation der Aluhut-Faktenfinder erklärt: Hass! Die Aluhut-Faktenfinder sind damit ein Fall für Freud und seine Projektion.


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