Oh je: Göttinger Rechts-Forscher sind Opfer (einer Verschwörung), nicht Täter!

Vor einigen Tagen hat Franz Walter, der Chef des Göttinger Instituts für Demokratieforschung Folgendes geschrieben:

„„Doch ist „die Wirklichkeit“ natürlich eine höchst ambivalente Sache. Die Realität der einen entspricht keineswegs der Realität der anderen. Natürlich leben wir nicht in einer sozial und normativ unstrittigen „Realität“.“

Goettingen Stellungnahme 1Seltsamerweise beharrt er, der in diesem Zitat der Ambivalenz und Uneindeutigkeit der Realität das Wort geredet hat, nun, da in der WELT Vorwürfe gegen die von ihm (mit) zu verantwortende Studie „Rechtextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland“ erhoben werden, Vorwürfe, die auf Merkwürdigkeiten zurückgehen, die wir berichtet haben, nun darauf, dass es genau eine Realität gibt, nämlich die seine und die der Autoren der genannten Studie, die keine Studie, sondern Junk ist, wie wir bereits ausgeführt haben. Wenn Leute, die die Eindeutigkeit der Realität in Frage stellen, die keinerlei Wahrheitstheorie dem zugrunde legen, was sie tun, nun plötzlich der Ansicht sind, die Realität sei doch ganz eindeutig und gar nicht mehr konstruiert, dann hat dies ein, wie soll man sagen, ein bigottes Bouquet. 

„Natürlich ist nichts von diesen Unterstellungen richtig“, so lautet die Verteidigung gegen Ungereimtheiten wie diejenigen, dass die – wie in der Stellungnahme des Göttinger Instituts für Demokratieforschung geschrieben – „gängige Praxis qualitativer Forschung die Klarnamen unserer Interviewpartner mehrheitlich verfremdet bzw. anonymisiert“ zu haben, in einer Weise praktiziert ist, die man entweder einem Täuschungsversuch oder methodischer Ahnungslosigkeit zuschreiben muss.

Zunächst ist es in Experteninterviews gerade NICHT üblich, die Klarnamen zu anonymisieren, denn das Gewicht dessen, was im Interview geäußert wird, lebt vom Status des Experten, so dass es für andere Forscher wichtig ist, den Expertenstatus nachvollziehen zu können. Aber mit dem Nachvollziehen haben es die vermeintlichen Forscher in Göttingen nicht so. Deshalb haben sie keinerlei Kriterien offengelegt und den Lesern schlicht verheimlicht, wer warum und auf Grundlage welcher Auswahl interviewt wurde. Und nun wundern sich die Autoren der Junk-Studie, sind gar entrüstet darüber, dass die Frage auftaucht, warum die Göttinger so methodisch unbedarft an eine Studie herangehen, aus der sie so weitreichende Schlüsse ziehen wollen wie den folgenden:

„Dies nicht zuletzt deshalb, weil insbesondere in Sachsen eine spezifische, von der CDU dominierte politische Kultur wirkt, die das Eigene überhöht und Abwehrreflexe gegen das Fremde, Andere, Äußere kultiviert.“ (192)

„Dies“ bezieht sich übrigens auf Antipathien, die es bei den in Heidenau und Freital vermeintlich Befragten gegenüber der Antifa gibt.

Goettingen Stellungnahme 2Sie wollen also auf der eine Seite weitreichende Aussagen über Ursachen und Konsequenzen von Rechtsextremismus aus ihren Ergebnissen ableiten, sind auf der anderen Seite aber weder bereit, die Auswahlkriterien zu benennen, die zur Auswahl z.B. der Experten für die entsprechenden Interviews oder der Teilnehmer in den Fokusgruppen geführt haben. Statt die für wissenschaftliche Studien normale Transparenz, die eine Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse zur Folge hätte, an den Tag zu legen, vernebeln die Göttinger noch mehr und anonymisieren alles, was ihnen in den Weg kommt. Das ist, wenn es um Experteninterviews geht, eben nicht üblich.

Wenn es so sein sollte, wie die Göttinger behaupten, dass Interviewpartner nur bereit waren, unter dem Deckmantel der Anonymität ihr vermeintliches Expertenwissen preiszugeben, dann sind die entsprechenden Interviews sowieso wertlos, denn Experten, die im Dunkeln wirken, sind per se keine Experten. Sie sind durch eine Mischung aus Feigheit und Angst gekennzeichnet, die wohl kaum Garant dafür sein wird, dass von solchen Experten eine rationale und normale Einschätzung der Umstände erfolgen kann, die sie umgibt.

Ein weiteres Problem verbindet sich mit dem prätentiösen Bombast, den die Göttinger Unkundigen der empirischen Sozialforschung ausgerechnet aus rund 35 Interviews und 3 Fokusgruppen in drei ostdeutschen Städten ableiten: Konsequenzen und Ursachen für ganz Ostdeutschland, ja selbst Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschlang meinen die Göttinger auf Grundlage ihrer – wie sie nun schreiben in „sehr kleinräumlichen Orten durchgeführten Forschung“ ziehen zu können.

Das passt nicht, nicht hinten und nicht vorne.

Wer seine Forschung derart vernebelt, wie die Göttinger dies getan haben und sich anmaßt, weitreichende Schlussfolgerungen zu ziehen, die man auf Grundlage der Daten nur ziehen kann, wenn man einen gehörigen Schuss Ideologie und Phantasie hinzugibt, der muss damit rechnen, dass ganz genau hingesehen wird und z.B. die Frage gestellt wird, was eine Anonymisierung von Herrn Menke als „Mitglied der Fraktion SPD/Grüne im Stadtrat Freital und Mitglied der Fraktion der SPD/Grüne im Kreistag Sächsische Schweiz-Osterzgebirge“ soll, wenn man mit wenig Aufwand herausfinden kann, dass es sich bei Herrn Menke entweder um Harry Retz oder um Klaus Wolframm handeln muss. Keiner von beiden war gegenüber ScienceFiles bereit, eine Teilnahme an der Befragung der Göttinger zu bestätigen.

Das ist schlicht Humbug, und wie gesagt: Es ist unüblich. Es ist gerade die Grundlage von Experteninterviews, die Namen der Experten zu nennen. Wer es nicht tut, hat entweder keine Ahnung von den Gepflogenheiten empirischer Sozialforschung, ein Schluss, der Anbetracht der entsprechenden Ahnungslosigkeit der Göttinger, die wir in einem früheren Beitrag gezeigt haben, naheliegt, oder er hat etwas zu verbergen, ein Schluss, der sich fast noch mehr aufdrängt, wenn man die Tatsache in Rechnung stellt, dass es keinerlei Angaben dazu gibt, welche Experten aus welchen Gründen und nach welchen Kriterien wie ausgewählt wurden, um an dieser Pseudo-Studie teilzunehmen.

Derart konspirativ arbeitet nur jemand, der nicht will, dass seine Ergebnisse nachvollzogen werden können. Jemand, der etwas zu verheimlichen hat. Jemand, der Wissenschaft als Feigenblatt zur Verbreitung seiner politischen Ideologie missbraucht.

Logik der ForschungAber die Wissenschaft hat ja Regulative entwickelt, um Fälschungen und Täuschungsversuche aufzudecken. Diese scheinen den Göttingern nicht bekannt zu sein, denn sie sind der Ansicht: pikierte Hysterie und der Versuch, Kritik zur Gotteslästerung zu erklären, sei genug, um sich der Kritik zu entledigen, vor allem wenn man den entsprechenden Versuch, wie die Göttinger, noch mit ein wenig mitleidheischender Heuchelei verbindet und sich gleichzeitig zum Opfer einer „Kampagne“ (aus einem Zeitungsartikel) und zum Schutzpatron der ängstlichen Interviewpartner der eigenen Pseudo-Studie erklärt, die „nun aufgrund dieser Kampagne verunsichert sein könnten“, warum, weil sie wegen ihres Interviews einer „potenziellen Gefährdung … und künftigen Belastung in der politischen Auseinandersetzung“ ausgesetzt sein könnten.

Noch einmal: Wenn Experten zu feige sind, zu ihrem Expertenwissen zu stehen, dann sind sie als Experten nichts wert. Insofern ist die völlig unübliche Anonymisierung der Namen von Experten Grund genug, ihre Interviews zu vernichten. Und die Gefährdung, von der hier phantasiert wird, es gibt sie nur in der Phantasie der Göttinger. Sie sind von der Annahme, dass in Freital und Heidenau ein rechter Mob die rechtschaffenden Bürger, die sich vornehmlich in den Fraktionen von SPD, Grünen und LINKE finden, „natürlich“ nicht von der Antifa, ausgegangen, sie haben diese Phantasie in keiner Weise geprüft, sie statt dessen an ihre eigene Forschung herangetragen und selbst Interviewpartner anonymisiert, die das gar nicht wollten, wie Marcel Leubecher in der WELT schreibt. Wer derart voreingenommen, ja hysterisch an seine Forschung herangeht und im Verlauf dieser Forschung zeigt, dass er von Methoden der empirischen Sozialforschung so wenig weiß wie von den Gepflogenheiten derselben, der darf sich nicht wundern, wenn ihm genau auf die Finger geschaut wird.

Und damit sind wir wieder beim Thema Nachprüfbarkeit angelangt. Wissenschaft lebt davon, dass andere Forscher nachvollziehen können, was Primärforscher, die die Göttinger ja sein wollen, geforscht und als Ergebnisse gewonnen haben wollen. Deshalb ist es üblich, die Daten, auf deren Basis Ergebnisse gewonnen wurden, zu veröffentlichen. Beim Zentralarchiv in Köln kann man das z.B. tun, damit andere Forscher mit diesen Daten prüfen können, ob die Ergebnisse der Göttinger valide und reliabel sind.

  • Daher lautet die erste Forderung an die Göttinger das Daten-Material, auf dessen Grundlage sie ihre weitreichenden und himmelschreiend falschen Interpretationen „sehr kleinräumlicher“ Ereignisse und Erfahrungen getroffen haben, zu veröffentlichen und anderen Wissenschaftler zur Prüfung zugänglich zu machen.
  • Da die Zweifel daran, dass die Göttinger die Interviews, die sie behaupten, geführt zu haben, auch wirklich geführt haben, nicht dadurch ausgeräumt werden können, dass man sich aufplustert und die entsprechende Frage nach Ungereimtheiten als Gotteslästerung abtut, lautet die zweite Forderung an die Adresse der Göttinger die Aufzeichnungen aus den Interviews und aus den Fokus-Gruppen, nicht nur freizugeben, sondern mit den methodischen Erwägungen zu versehen, die in der Wissenschaft üblich sind: Wer wurde warum interviewt? Handelt es sich um den Teilnehmer an einer Fokusgruppe: Wie wurde der Teilnehmer ausgewählt – schließlich leben in Heidenau, Freital oder Erfurt jeweils mehr als 8 Personen. Handelt es sich um vermeintliche Experten, die interviewt wurden, dann sind zudem die Kriterien zu nennen, aus denen hervorgeht, welche Überlegungen dazu geführt haben, den entsprechenden Interviewpartner als Experten einzustufen und auszuwählen und welche Qualifikationen (politische Ideologie ist keine Qualifikation) der vermeintliche Experte mitbringt, um seinen Expertenstatus zu rechtfertigen.

Wenn die Göttinger diese Voraussetzungen dafür, dass ein normaler Wissenschaftsprozess begonnen werden kann, erfüllt haben, dann kann auf prüfbarer Basis darüber entschieden werden, ob die Vorwürfe, dass Interviews nicht geführt worden sind, zurückgenommen werden müssen.

Ach ja, zuvor müssen die Göttinger natürlich noch erklären, was ein Vertreter der Landeszentrale für Politische Bildung gegenüber Marcel Leubecher von der WELT gesagt hat:

„Unser angeblicher leitender Angestellter Reese wird an fünf Stellen zitiert, mit Positionen, die Sie niemals aus unserem Haus hören würden.“ Der erfundene Demokratievermittler stellt etwa die schützende Wirkung der Mauer heraus. Auch lobt er: „Die Monarchiezeiten waren nicht die schlechtesten.“ Die Landeszentrale habe erfolglos versucht zu rekonstruieren, wer „Herr Reese“ sein könnte, und nun bei den Göttinger Forschern um Transparenz gebeten. Bisher ohne Antwort.”

Wenn Herr Leubecher von der WELT, diesen Text als Argumentationshilfe nutzen will, dann dieses Mal bitte nur mit Quellenangabe!

„Hurra, Hurra, die Schule brennt“: Brandstiftende Söhne Hamms

Die vielleicht wichtigste Methode im Arsenal von Sozialwissenschaftlern ist der Vergleich, der zwischen Gesellschaften, der über Zeit, der zwischen gesellschaftlichen Gruppen, der Vergleich, der in Methoden der Sozialwissenschaften immer seltener vorkommt. Am Ende kommt noch etwas zum Vorschein, was politisch nicht korrekt ist und die Karriere des Wissenschaftlers, der sein Heil an Institutionen sucht, gefährdet, z.B. dadurch, dass er Verantwortung übernehmen oder – fast schlimmer – Stellung beziehen muss.

Wir mögen Vergleiche zwischen Gesellschaften gerne, Vergleiche über Zeit aber fast noch lieber.

Z.B. Vergleiche mit den 1980er Jahren, die nach unserer Ansicht die goldenen Jahre der Freiheit und Demokratie waren, so wie es die Goldenen Zwanziger Jahre für die Weimarer Republik waren.

Es war genau im Jahr 1980, als eine Band mit dem Namen „Extrabreit“ ein Lied veröffentlicht hat, das man heute als sexistisch bezeichnen würde, in dem ein Aufruf zur Zerstörung öffentlichen Eigentums gesehen würde, das eine diskriminierende Komponente enthält, weil behauptet wird, es seien die sozial Benachteiligten, die kriminell sind und zerstören und von dem natürlich jeder Politiker mit Profilierungsbedürfnis behaupten würde, dass es dazu beitrage, Brandstiftung zu legitimieren und im Ende bliebe nichts anderes als zu konstatieren, dass Extrabreit eine rechtsextrem faschistische, Gewalt verherrlichende und sexistische Band weißer Männer ist, deren Lieder bei Radio Bremen mit Sicherheit nicht mehr ausgestrahlt würden.

Erst vor einem Vergleichshintergrund, wie ihn das Beispiel von Extrabreit darstellt, kann man den Irrsinn, die Hysterie und die abgrundtiefe Dummheit, die sich derzeit über den Söhnen Mannheims entlädt, so richtig einschätzen. Erst vor dem Hintergrund von „Hurra, Hurra, die Schule brennt“ kann man so richtig bewerten, welches Profilierungsbedürfnis und welche politisch korrekte Idiotie Bürgermeister, Mandatsträger und Amtsinhaber fast aller parteipolitischen Couleur dazu treibt, sich über den Text eines LIEDES zu echauffieren.

Die Langeweile und Sinnlosigkeit des Daseins muss von diesen Gestalten des angeblich politischen Lebens so sehr empfunden werden, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen, als mit Hysterie auf den Text eines Liedes zu reagieren und auf diese Weise zu versuchen, die eigene Existenz mit Sinn zu füllen.

Armseligkeit ist in diesem Zusammenhang ein wirkliches Understatement…

Mitläufereffekt: Plötzlich ist eine Mehrheit für Zensur

Schon 1975 hat Kurt Holm in seinem Standardwerk über die Befragung den Mitläufereffekt als Mittel der Meinungsmanipulation in Umfragen beschrieben. Den Befragten wird suggeriert, dass zu einer bestimmten Frage bereits eine Mehrheit oder eine Obrigkeit oder eine Autorität zu einem bestimmten Urteil gekommen ist und dann werden die Befragten gefragt, zu welchem Urteil sie denn kommen: „Dieser Appell an den Mitläufereffekt“, so schreibt Holm, hat „natürlich nur einen Sinn, wenn der Befragte auch tatsächlich unter dem Eindruck steht, dass so wie er denkt und handelt, auch viele andere denken und handeln, ohne offen darüber zu sprechen“ (Holm, 1983: 63).

Holm_Entsprechend kann der Mitläufereffekt auch als Variante sozialer Erwünschtheit angesehen werden, soziale Erwünschtheit, die darin besteht, mit seiner Meinung die Mehrheitsmeinung zu repräsentieren, sich als Mitglied der Mehrheit, der In-Group darzustellen, nicht als Außenseiter mit abweichender Meinung.

In jedem Fall führen Mitläufereffekt und soziale Erwünschtheit dazu, dass Befragte den Befragern nach dem Mund reden, was Letztere leidlich ausnutzen, wenn es darum geht, eine bestimmte Verteilung von Antworten in angeblich repräsentativen Befragungen herbei zu manipulieren.

YouGov leistet dies seit neuestem sogar in besonders innovativer Weise und in eigenen Worten dadurch, dass „1036 Personen ab 18 Jahren im Zeitraum vom 7. bis 11. April repräsentativ befragt“ wurden. Wie man repräsentativ befragt, ist eine Frage, die mit Sicherheit niemand bei YouGov beantworten kann, einfach deshalb nicht, weil die Formulierung vollkommener Unsinn ist.

Aber darum geht es auch nicht. Es geht darum, mit dem Wörtchen „repräsentativ“ jenen Köder zu legen, den Journalisten gerne fressen, so dass die Ergebnisse von YouGov ihren Weg in die Medien Deutschlands finden, sich dort in Schlagzeilen wie: „Mehrheit der Deutschen finden Gesetzentwurf gegen Hasskommentare sinnvoll“ niederschlagen.

Die Mehrheit der Deutschen hat mit Sicherheit keine Ahnung, was in dem Gesetzentwurf, den sie nach den Ergebnissen, die YouGov verkaufen will, „sinnvoll finden“, steht. Entsprechend muss diese Mehrheit, nicht der Deutschen, sondern der 1036 Befragten, die YouGOV zusammenbekommen hat, auf das Vertrauen, was YouGOV an Informationen über den Gesetzentwurf bereitstellt.

YouGov Stellt diese Informationen bereit:

You Gov Hasskomentare Grafik 1„Die Bundesregierung will stärker gegen Hasskommentare und Falschnachrichten im Internet vorgehen. Sie stimmte dem Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas zu. Dieser sieht vor, dass Betreiber sozialer Netzwerke innerhalb von 24 Stunden strafbare Inhalte löschen müssen. Sonst drohen im Extremfall bis zu 50 Millionen Euro Bußgeld. Sind Sie der Meinung, dass dieses Vorgehen sinnvoll ist, um gegen Hasskommentare und Falschnachrichten im Internet vorzugehen?“

Die Mehrheit der Befragten, die nicht wissen, was im Gesetzentwurf steht, erfährt von YouGov, dass das, was sie nicht kennen, von der Bundesregierung bereits abgesegnet wurde, dass Betreiber sozialer Netzwerke strafbare Inhalte löschen müssen, die zwar wenig mit Hasskommentaren und gar nichts mit FakeNews zu tun haben, aber dennoch mit beidem in Verbindung gebracht werden. Sie werden dann gebeten, anzugeben, ob das Gesetz, mit dem gegen strafbare Inhalte in sozialen Netzwerken vorgegangen werden soll, ein Vorgehen, von dem sie zwar nicht wissen, wie es aussieht, so dass sie es auch nicht beurteilen können, von dem ihnen aber gesagt wurde, dass es gegen strafbare Inhalte gerichtet sei, also gegen Kriminalität und dass es die Bundesregierung bereits abgesegnet habe, auf jeden Fall sinnvoll ist, eher sinnvoll ist, eher nicht sinnvoll ist oder auf keinen Fall sinnvoll ist.

Und als wäre der Aberwitz nicht bereits auf die Spitze getrieben, geben nunmehr die Befragten, zu dem, von dem sie nicht wissen, wie es funktionieren soll, weil es noch niemand weiß, nicht einmal Heiko Maas weiß es, eine Beurteilung darüber ab, ob das, von dem sie nicht wissen, wie es funktionieren soll, sinnvoll ist.

Letztlich misst die Frage von YouGov, die man nicht anders als als vollkommenen Blödsinn bezeichnen kann, Blödsinn, der mit Manipulationsabsicht in die Welt gesetzt wird, nichts, gar nichts.

Das hindert YouGov natürlich nicht daran, reißerische Schlagzeilen zu formulieren und das Ergebnis den Pressevertretern anzudienen, die gerne auf solche Ergebnisse zurückgreifen, um ihre eigene Ideologie bestätigt zu finden.

Fragt man nun, wie es dazu kommt, dass Meinungsforscher ihre Aufgabe vor allem darin sehen, Zustimmung zu dem herbei zu manipulieren, was als politisch Korrekt angesehen wird, dann bieten sich eine Reihe von Erklärungen an:

Die Erklärung durch Opportunismus: Meinungsforscher finden, was der, der die Meinungsforscher bezahlt, gerne erfunden hätte.

Die Erklärung durch Inkompetenz: Mit dem Advent des Genderismus an Hochschulen sind Methoden der empirischen Sozialforschung und die dazu gehörigen Kenntnisse weitgehend verschwunden. Die meisten Absolventen haben keine Ahnung mehr von Reliabilität und Validität und kennen auch die Kunst des Frageformulierens nicht einmal mehr vom Hörensagen.

Die Erklärung durch Isomorphie: Meinungsforscher rekrutieren sich alle aus dem selben Meinungssumpf, zeichnen sich alle durch die selbe Unkenntnis im Hinblick auf die Methoden empirischer Sozialforschung aus und sind entsprechend darauf angewiesen, Fragen zu kopieren und zu verwenden, die andere Meinungsforscher, die genauso inkompetent sind, aber nicht so zögerlich, bereits formuliert haben.

Welche Erklärung zutrifft, ist anyones guess.


Hinweise für ScienceFiles?
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Fleischesser und Veganer: Noch eine gesellschaftliche Konfliktlinie

Seit einigen Monaten beobachten wir wie eine neue Konfliktlinie in Deutschland etabliert werden soll. Nachdem sich die Konfliktlinien zwischen Feministen versus Anti-Feministen, Homosexuellen versus Heterosexuellen, Kinderbesitzer versus Kinderlose, Anti-Rassisten versus alle anderen und Anti-Faschisten versus die gesellschaftliche Mitte abgenutzt haben und Fördergelder über immer mehr Mäuler, die zu füttern sind, verteilt werden müssen, gibt es einen neuen Versuch, die Gesellschaft entlang ideologischer Einbildung zu spalten und die Spaltung zu einem einträglichen (Förder-)Geschäft zu machen: Fleischesser gegen Veganer.

Singer Animal liberationSo als wären die Essgewohnheiten etwas, was der gegenseitigen Überwachung bedarf, wird versucht, Essgewohnheiten zu problematisieren und in Syndrome zu ordnen, die letztlich auf das alte Paar von gut und böse reduziert werden können. Wir stellen dies als Vegetarier fest, die u.a. aus moralischen und ethischen Gründen kein Fleisch essen. Und obwohl wir Vegetarier sind, haben wir einiges an der angeblichen Forschung, die in Mode kommt, auszusetzen, mit der die guten Veganer von den bösen Fleischessern getrennt werden sollen. Die Einwände, die wir haben, sind wissenschaftliche Einwände. Was die Frage angeht, ob Fleischkonsum ethisch und moralisch zu rechtfertigen ist, so muss diese Frage jeder für sich selbst beantworten. Wir wollen hier nur insofern ein Urteil abgegeben als wir zugeben, dass wir, angesichts mancher fleischfressender Exemplare, die sich selbst zur Gattung „Mensch“ zählen, wirklich traurig sind, dass andere Leben geopfert wurden.

Doch zurück zum Versuch, Fleischesser mit haarigen Methoden zu einer minderwertigen Ernährungsklasse zu reduzieren und sie zu schlechteren Menschen zu stilisieren, schlechteren Menschen, die sich dadurch auszeichnen sollen, dass sie mehrheitlich männlich sind, soziale Dominanz ausüben wollen, Sexisten sind, Rassisten und vieles mehr, was den entsprechenden Sozialforschern einfällt, Sozialforschern wie Christopher A. Monteiro, Tamara M. Pfeiler, Marcus D. Patterson oder Michael A. Milburn von den Universitäten Cornell in Ithaca, Johannes-Gutenberg in Mainz und Massachusetts.

Sie argumentieren, dass Fleischessen eine Ideologie darstellt, die über eine Skala, die sie Carnism Inventory nennen, messbar sein soll. Wie üblich, setzt sich die Skala aus unterschiedlichen Aussagen zusammen, z.B. „Menschen sollten auch weiterhin Fleisch essen, weil sie das schon seit Jahrtausenden tun“ oder „Fleisch zu essen ist gut für meine Gesundheit“ oder „Ich habe das Recht, Tiere zu töten, wenn ich das will“. Wie üblich gibt es abgestufte Möglichkeiten, um diesen Aussagen zuzustimmen oder sie abzulehnen. Im vorliegenden Fall reichen die Skalen von 1 starke Zustimmung bis 7 starke Ablehnung.

Und hier beginnt der Humbug. Denn obwohl sich die Antworten über sieben Kategorien verteilen und es einen Unterschied macht, ob ein Befragter seine starke Ablehnung kundtut, in dem er „7“ ankreuzt oder sich bei 4 einpendelt, was keiner Entscheidung, also weder einer Ablehnung noch einer Zustimmung entspricht, obwohl diese Unterschiede im Antwortverhalten vorhanden sind, wird den entsprechenden Mustern im Antwortverhalten keinerlei Bedeutung zumessen.

Warum? Weil es den angeblichen Forschern nicht darum zu gehen scheint, Erkenntnis zu gewinnen, sondern darum, ihre Ideologie zu bestätigen. Dass sie darauf aus sind, sieht man schon daran, dass die Skala, die die Fleischesser-Ideologie erheben soll, mit Skalen, die Sexismus oder soziale Dominanz oder Feindseligkeit messen sollen, in Verbindung gebracht wird und nicht z.B. mit Skalen, die Glück, subjektives Gesundheitsempfinden, Lebenszufriedenheit oder ziviles Engagement messen sollen. Der Bias in der Auswahl der Skalen, wie sie z.B. die oben benannten Autoren vorgenommen haben, ist vielsagend und zeigt bereits, dass hier nicht Wissenschaft betrieben werden soll, sondern Ideologie.

Doch zurück zur Tatsache, dass die Antwortmuster, also die Angaben, die mehrere Befragte zu unterschiedlichen Items gemacht haben, nicht mehr vorkommen, dass Standards empirischer Sozialforschung, wie sie z.B. die Angabe von Mittelwerten, der Streuung oder die Darstellung der Verteilung der Antworten aller Befragten auf eine Aussage darstellen, nicht eingehalten werden, dass die entsprechenden Informationen unterschlagen werden. Vielmehr wird korreliert, die Fleischesser-Skala mit z.B. der Feindseligkeits oder der soziale Dominanz-Skala.

Go veganGehen wir der Einfachheit halber davon aus, zwei Skalen bestünden nur aus einer Variable, für die sieben Antwortmöglichkeiten von 1 „starke Ablehnung“ bis 7 „starke Zustimmung“ vorhanden sind. Wenn Sozialforscher die Verteilung der Antworten nicht angeben und statt dessen nur Korrelationen zwischen den Variablen berichten, Marke: Fleischesser sind feindlicher, sozial-dominant, eher Männer und neigen abgesehen davon zum Rechtsextremismus, dann ist Vorsicht geboten, dann liegt der Verdacht nahe, dass hier manipuliert werden soll. Um dies zu zeigen, haben wir ein kleines Experiment gemacht, dessen Daten in der Tabelle unten zu finden sind.

Unser Experiment besteht aus vier Durchgängen und basiert auf 100 Befragten deren Antworten wir zufällig verteilt haben.

Wir korrelieren Fleischkonsum (x) mit politischer Orientierung (y)
Beide Skalen reichen von 1 bis 7. Für (x): der Wert 1 gibt an, dass kein Fleischkonsum vorliegt, während bei 7 hoher Fleischkonsum vorliegt; Für (y): Der Wert 1 gibt eine linke, der Wert 7 eine rechte politische Orientierung an.
Alle Daten, die wir generiert haben, finden sich unten.

In Durchgang 1 haben für beide Variablen zufällige Werte von 1 bis 7 generieren lassen und die beiden Variablen miteinander korreliert. Die Korrelation von r = .16 zeigt, dass mit zunehmendem Fleischkonsum die politische Orientierung nach rechts rückt.

In Durchgang 2 haben wir angenommen, das wir in unserem Datensatz nur Vielfleischesser und Rechte haben. Entsprechend haben wir für beide Variablen zufällige Werte, die den Bereich von 6 und 7 umfassen, generieren lassen. Unsere Korrelation beträgt dieses Mal r = .19. mit hohem und höchstem Fleischkonsum verbindet sich eine rechte Orientierung.

In Durchgang 3 haben wir angenommen, dass wir nur mittelmäßige Fleischesser haben, die allesamt eine linke politische Orientierung haben. Entsprechend haben wir den Fleischessern Werte von 3 bis 5 zufällig zuweisen lassen und der politischen Orientierung zufällig den Wert 1 oder 2. Abermals ergibt sich eine Korrelation. Dieses Mal ist sie mit .23 sogar höher als bei den vorherigen Durchgängen. Abermals muss man aus der Korrelation ablesen, dass mit einer zunehmend rechten Orientierung ein zunehmender Fleischkonsum einhergeht und das, obwohl wir nur Linke in der Analyse haben.

In Durchgang 4 haben wir den Ausgangspunkt verkehrt: Nun stehen Personen, die sich in der politischen Mitte verorten, Personen, die einen geringen Fleischkonsum angeben, gegenüber. Entsprechend variieren die zufällig zugewiesenen Werte zwischen 1 und 2 beim Fleischkonsum und zwischen 3 und 5 bei der politischen Orientierung. Dieses Mal beträgt die Korrelation r = .12. Abermals gibt die Korrelation an, dass der Fleischkonsum zunimmt, wenn die politische Orientierung nach rechts rückt.

Vier vollkommen unterschiedliche Szenarien, die auf grundverschiedenen Verteilungen der Antworten der Befragten basieren, kommen somit zum selben Ergebnis, nämlich, dass mit rechter Orientierung hoher Fleischkonsum einhergeht. Dieses Ergebnis erhalten wir, wenn wir Antworten auf beide Fragen für den gesamten Wertebereich zufällig generieren, wenn wir einen hohen Fleischkonsum mit ausschließlich rechter Orientierung vorgeben, wenn wir nur Personen, die sich in der politischen Mitte verorten mit geringem bzw. keinem Fleischkonsum korrelieren und selbst dann, wenn wir ausschließlich Personen, die sich dem linken politischen Spektrum zuordnen mit einem mittleren Fleischkonsum im Sample haben.

Dieses kleine Experiment zeigt, dass Studien, deren Autoren sich weigern, die Verteilung von Antworten auf ihre Aussagen anzugeben, Humbug sind und bis auf Weiteres als Versuch, ideologischer Einflussnahme betrachtet werden müssen, und es zeigt, dass man die eigene Ideologie immer mit entsprechend interpretierten Daten bestätigen kann. Das ist der Grund dafür, dass Sir Karl Raimund Popper gefordert hat, dass Versuche unternommen werden, die eigene Theorie zu widerlegen, nicht, sie zu bestätigen.

Unsere Daten:

Durchgang 1 Durchgang 2 Durchgang 3 Durchgang 4
1 2 6 6 4 2 2 5
4 2 7 7 3 1 2 5
7 7 6 6 3 2 1 3
3 4 7 6 4 1 2 5
5 5 7 6 3 2 2 4
6 4 6 7 5 1 2 4
3 4 6 6 4 1 1 5
2 5 6 7 5 2 1 3
5 7 6 6 5 1 1 4
4 1 7 7 4 2 1 3
2 6 6 6 3 1 2 4
6 7 7 6 4 2 1 3
7 3 6 6 5 2 2 4
2 5 7 7 5 2 1 3
3 5 7 7 4 1 1 4
2 3 7 7 3 2 1 5
2 7 7 6 4 2 2 3
7 7 7 6 3 1 2 4
3 6 6 7 4 2 1 5
3 1 7 6 3 2 1 5
2 4 6 6 5 1 1 3
7 2 7 7 3 1 1 5
4 7 6 7 5 2 1 3
5 7 7 7 4 2 2 4
4 4 7 7 3 2 1 3
3 7 7 7 5 1 1 5
3 1 7 7 3 2 1 3
1 3 6 7 3 1 1 3
7 4 6 7 5 2 1 3
3 3 7 6 5 1 1 4
1 3 6 7 5 2 1 3
4 2 7 7 3 1 2 3
1 3 6 7 5 1 2 3
5 4 6 7 4 1 1 5
2 2 6 6 4 2 2 3
4 5 7 6 4 1 2 5
4 1 6 7 5 1 2 4
7 1 7 6 3 1 2 4
5 2 7 7 4 1 1 4
7 4 6 6 5 1 2 5
5 2 6 6 5 1 2 3
5 6 7 7 4 2 1 5
2 1 7 7 5 1 2 3
5 4 7 6 3 2 1 3
3 3 7 7 3 1 1 3
4 2 6 7 5 2 1 4
2 2 6 6 4 1 1 3
4 2 6 6 4 2 2 3
2 2 7 6 3 1 1 3
2 3 7 6 4 1 2 5
6 4 7 6 3 1 2 5
2 3 7 6 3 1 1 4
1 3 7 7 3 2 1 3
5 1 6 6 4 2 1 3
1 2 7 6 4 2 1 3
4 6 6 6 5 2 1 4
5 5 6 7 3 2 2 3
3 6 6 6 3 2 1 4
1 5 6 6 3 1 1 3
5 6 7 7 5 1 2 3
5 6 7 6 3 2 2 5
3 6 7 6 5 1 1 3
1 6 7 7 3 1 1 4
3 2 7 7 5 2 1 4
5 3 6 6 3 1 2 5
2 3 6 7 4 2 1 4
3 2 7 6 5 1 1 3
7 3 6 6 5 1 1 3
4 3 7 7 5 1 2 5
5 6 7 6 4 1 2 5
4 3 7 7 5 1 1 3
2 1 6 6 5 2 1 4
7 5 6 6 3 2 2 3
1 5 7 7 4 1 1 5
2 5 6 7 3 1 2 5
3 4 7 6 4 2 1 3
6 7 6 7 3 1 1 5
3 4 7 7 4 1 2 5
6 3 6 6 4 1 1 5
2 1 6 6 5 1 2 4
5 7 6 6 4 2 2 4
7 2 7 7 4 1 1 5
5 6 6 7 5 2 2 4
1 5 6 7 5 2 1 5
4 6 7 7 4 1 2 3
2 3 6 6 4 2 2 4
5 7 6 6 3 2 2 4
5 1 7 6 5 2 1 5
5 1 7 7 3 1 2 4
5 7 6 6 5 1 2 5
5 4 7 7 5 1 1 5
1 3 7 7 5 2 1 3
3 1 6 7 5 1 2 5
7 3 6 6 5 2 1 4
6 7 6 6 5 2 2 4
4 1 7 7 5 2 2 4
4 5 7 6 5 1 2 4
4 7 7 7 5 2 2 4
4 1 7 7 3 1 1 4
4 4 7 7 3 2 2 4
4 4 7 6 4 1 2 3
r 0,16555 0,18976 0,23364 0,11657

Literatur

Monteiro, Christopher A., Pfeiler, Tamara M., Patterson, Marcus D. & Milburn, Michael A. (2017). The Carnism Inventory: Measuring the Ideology of Eating Animals. Appetite 113(1): 51-62.

Haters gonna hate und Spinners gonna spin

Beim Gunda-Werner-Institut, dem Feminismus- und Geschlechter-Ableger der Heinrich-Böll-Stiftung hat die Technik Einzug gehalten. Scheinbar gibt es einen Praktikanten, der von HTML und Java-Script ein wenig versteht und deshalb gibt es bei der Stiftung eine Online-Umfrage, eine Online-Umfrage zum Thema „Hasskommentare“.

Welch‘ anderes Thema als „Hasskommentare“ könnte man bei der Gunda-Werner-Stiftung schon bearbeiten wollen?

Schnell hill esserWo früher Studenten in Methodenvorlesungen geschwitzt und versucht haben, die Kunst der empirischen Sozialforschung zu erlernen, da denkt heute jeder dahergelaufene Hempel, er könne selbst eine Umfrage machen, eben einmal drauflos fragen, so wie beim Gunda-Werner-Institut, bei dem man die Umfrage zu Hasskommentaren offensichtlich benötigt, um das zu bestätigen, was die Gundas sowieso schon wissen:

“Hasskommentare sind in Deutschland ein Tatbestand des Strafrechts, auch im Internet. Trotzdem werden sie kaum geahndet. Allzu oft antworten Polizei oder Staatsanwaltschaft auf Anzeigen mit „Täter*innen nicht ermittelbar“. Betroffen sind diejenigen, die ohnehin Diskriminierungserfahrungen machen: Frauen* und/oder rassifizierte Menschen, Menschen mit Behinderung, jüdische Menschen, LGBTIQ…“

Das ist der erste Absatz auf der Umfrage-Seite der Gundas. Der Absatz erweckt den Eindruck, dass längst bekannt sei, wer Opfer und Täter von Hasskommentaren sind, wie viele davon es gibt, was Hasskommentare überhaupt sein sollen usw. Drei Absätze weiter sind die Gundas dann plötzlich auf dem Boden der Realität, sie, die eben noch genau wussten, dass es „Frauen* und/oder rassifizierte Menschen, Menschen mit Behinderung, jüdische Menschen, LGBTIQ…“ sind, die Opfer von Hasskommentaren werden, sie schreiben nun in einem beispiellosen Akt des Selbst-Widerspruchs innerhalb von zwei Absätzen:

“Bislang mangelt es an verlässlichen Daten zu Täter*innenprofil, den betroffenen Diskussionsteilnehmer*innen und den Auswirkungen auf das Verhalten im Netz.“

Es gibt eben Dumme und die Gundas. Die Gundas, die wissen alles über etwas, von dem sie selbst sagen, dass sie nichts davon wissen. Besser kann man die eigene Beschränktheit eigentlich nicht auf den Punkt bringen. Aber weil das noch nicht reicht, demonstrieren die Dilettanten in empirischer Sozialforschung gleich noch mit einer einzigen Abbildung, dass sie zu den absoluten Ahnungslosen auf dem Gebiet der empirischen Sozialforschung gehören.

Gunda spins

Die Abbildung ist vollkommen wertlos, denn es fehlt jede Angabe zur Grundgesamtheit. Ohne diese Angabe machen Prozentangaben aber keinen Sinn. Besonders lustig ist die Überschrift „repräsentative Ergebnisse“. Wir halten zwar nicht viel von Repräsentativität, aber diejenigen, die sich seit Jahren bemühen, mit Auswahlverfahren, Gewichtungsverfahren und allerlei mathematischen Verrenkungen sicherzustellen, dass die Befragten, die sie zusammen bekommen haben, repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sein sollen, nicht einmal sie haben verdient, dass die Gundas auf ihrem Zug Trittbrett fahren, die Gundas, die denken, man macht eine Umfrage, sammelt die Antworten, prozentuiert und schreibt „repräsentatives Ergebnis“ darüber.

Und natürlich, daran haben wir keinen Zweifel, wird es eine ganze Reihe von Journalisten, die so ungefähr dasselbe intellektuelle Niveau erreicht haben, wie die Gundas, geben, die die Ergebnisse für bare Münze, für repräsentative bare Münze nehmen.

Schuster, bleib‘ bei Deinen Leisten, können wir nur sagen und die Gundas zurückschicken, zu dem, was sie können. Was war das noch einmal? Kochen? Nein, kochen war es wahrscheinlich auch nicht?

Hofberichterstatter oder Hofnarr? Minnesang auf die Amadeu Antonio Stiftung

Oder vom Versuch, Kritiker zu diskreditieren.

Samuel Salzborn erstellt „wissenschaftliche Gutachten“, die er mit „Prof. Dr. Samuel Salzborn“ unterzeichnet, was alleine schon ausreicht, um ihn von der Universität Göttingen zu verweisen. Denn: Professor ist eine Position an einer Universität. Professor ist kein akademischer Titel. Als Professor hat ein Akademiker, der auf einen Lehrstuhl berufen wurde, bestimmte Lehrverpflichtungen zu erledigen und zu forschen. Das Erstellen wissenschaftlicher Gutachten gehört nicht zur Dienstbeschreibung eines Professors.

Zudem ist Samuel Salzborn als Professor gerade abgewickelt worden. 2017 ist für ihn an der Universität Göttingen Schluss, so dass er bestenfalls als Professor temp. oder bald-ex gelten kann. Aber die Positionsbezeichnung „Professor“ ist für Samuel Salzborn sehr wichtig. Nicht dass er die Füße hätte um professorale Schuhe zu füllen, wie wir auf ScienceFiles schon mehrfach aufgezeigt haben, aber er ist wohl der Ansicht, dass der Zusatz „Professor“ die Behauptung, er würde wissenschaftliche Gutachten erstellen, glaubwürdiger macht, so dass man erst in schallendes Gelächter ausbricht, wenn man die ersten Seiten des angeblichen wissenschaftlichen Gutachtens gelesen hat.

minnesangDas vermeintliche „wissenschaftliche Gutachten“ von Samuel Salzborn, dem Noch-Professor aus Göttingen, das hat sich die Amadeu-Antonio-Stiftung 2.500 Euro kosten lassen. Dafür hat sie einen knapp 40seitigen Minnesang erhalten, kein wissenschaftliches Gutachten, schon weil niemand, der nicht verzweifelt ist, ein wissenschaftliches Gutachten für einen Seitenpreis von 62,50 Euro schreiben würde. Aber Professoren, deren Lehrstuhl gerade gestrichen wurde, sind scheinbar verzweifelt, so verzweifelt, dass sie selbst Minnegesänge als wissenschaftliches Gutachten verkaufen und unvorsichtig genug sind, den Minnesang auch noch zu veröffentlichen.

Und weil er veröffentlicht wurde, deshalb haben wir ihn gelesen.

Titel: „salzborn-gutachten-aas-als-meinungsfreiheit-getarnter-hass Wissenschaftliches Gutachten. Prof. Dr. Samuel Salzborn. Göttingen, 05. Oktober 2016“.

Stammleser von ScienceFiles werden es mittlerweile aufsagen können: Wissenschaft ist eine Methode, deren Ziel die Gewinnung von Erkenntnis ist. Erkenntnis liegt in Form allgemeiner Sätze vor, aus denen man wiederum singuläre Sätze ableiten kann, die etwas über die Wirklichkeit aussagen und die an der Wirklichkeit scheitern können.

Weil dem so ist, deshalb schauen wir, wenn wir z.B. ein „wissenschaftliches Gutachten“ zu einer „rechten Kampagne gegen die Amadeu Antonio Stiftung“ vor uns haben, zunächst in den Methodenteil, um zu sehen, ob wir es mit einem Wissenschaftler zu tun haben.

Das „wissenschaftliche Gutachten“ von Samuel Salzborn, es enthält keinerlei Methodenteil. Wie er zu seinen Aussagen gekommen ist? Wie er das Material, auf dem er seine Aussagen begründen will, ausgewählt hat? Mit welchen Methoden er die Analyse des Materials, das er ausgewählt hat, durchgeführt hat? Das sind böhmische Dörfer aus einem Feld, das sich empirische Sozialforschung nennt und von dem Salzborn nach aller Offensichtlichkeit noch nie etwas gehört hat.

Entsprechend kann man sein „wissenschaftliches Gutachten“ bereits an dieser Stelle in den Mülleimer stopfen, denn es ist kein wissenschaftliches Gutachten. Es ist eine Ansammlung von Worten, von denen nicht klar ist, ob und wenn ja, welchen Teil der Realität sie beschreiben, so wenig wie die Zielsetzung, die Salzborn mit seinem Gutachten verfolgt, klar ist. Aber dazu kommen wir gleich noch.

Anstelle eines Methodenteils, in dem all die Fragen beantwortet werden, die wir oben gestellt haben und die fundamental wichtig für eine wissenschaftliche Arbeit sind, gibt es ein Kapitel, das mit „3. Datenbasis des Gutachtes“ überschrieben ist. Dort steht Folgendes zu lesen:

Prof Facepalm“Grundlage dieses Gutachtens ist öffentliches und nicht-öffentliches Material, sowohl dem Verfasser dieses Gutachtens von der AAS [also der AAS-Stiftung] gestellte Dokumente, wie vom Verfasser selbst erhobene Quellen. Dieses Material umfasst sowohl Veröffentlichungen in Medienorganen (Print und Online), Blogbeiträge, Postings aus öffentlichen und nicht-öffentlichen Gruppen bei Facebook und im VK-Netzwerk, die Auswertung von Twitter-Tweets, Foto-, Video- und Bildmaterial einschließlich Bildcollagen bzw. manipulierten Fotographien sowie Zeitschriften, die (unverlangt) an die AAS gesandt wurden“ (8).

Salzborn hat also Material benutzt, irgendwelches Material aus irgendwelchen Quellen, das er irgendwie ausgesucht hat oder das ihm irgendwie von irgendwem zugeschickt oder gegeben wurde. Man kann die Beliebigkeit kaum mehr steigern und kaum eindrücklicher darstellen, dass Salzborn von wissenschaftlicher Methode so gar keine Ahnung hat. Hätte er Ahnung, er hätte hier beschrieben, wie er relevantes Material ausgewählt hat, was überhaupt als relevantes Material für die Beantwortung seiner Fragestellung in Frage kommt, wie das Material aufbereitet und wie es analysiert wurde und vieles mehr. Davon findet sich nichts. Deshalb ist das „wissenschaftliche Gutachten“ weder wissenschaftlich noch ein Gutachten.

Denn um sich als Gutachten zu qualifizieren, muss ein Text eine Fragestellung, etwas zum Begutachten haben. Salzborn hat keinerlei Fragestellung und entsprechend auch nichts zu begutachten. Das zeigt sich bereits im Titel seines Textes, in dem von einer rechten Kampagne die Rede ist.

Was ist eine rechte Kampagne?
Anhand welcher Kriterien kann man belegen, dass es eine Kampagne, also von einer Zentrale aus gesteuerte Aktionen gegen die AAS-Stiftung gab?
Was macht die Kampagne zu einer rechten Kampagne?

Das sind nur drei von etlichen Fragen, die sich Samuel Salzborn, den wir der Ökonomie der Darstellung halber jetzt als SS abkürzen, gar nicht stellen. Für SS steht fest, dass es eine Kampagne gegen die AAS Stiftung gegeben hat und dass diese Kampagne nur eine rechte Kampagne gewesen sein kann. Er braucht keine Kriterien, um seine Behauptung zu belegen oder gar zu prüfen. Er weiß das. Denn in seinem Weltbild ist die AAS-Stiftung links, alle, die die AAS-Stiftung kritisieren müssen entsprechend rechts sein. SS ist kein Wissenschaftler, er ist ein Prediger.

Er ist ein Hofprediger, etwa in der Art, wie es sie am Hof von Philip dem Schönen gegeben hat, Hofprediger, die einzig dazu da sind, die Leistungen, Errungenschaften, die Gutheit und die Erhabenheit ihres Königs all denen zu verkünden, die es nicht wissen wollen, etwa so:

sycophant“Die Amadeu Antonio Stiftung (AAS) ist ein wichtiger zivilgesellschaftlicher Akteur in der bundesdeutschen Demokratie, der sich seit fast zwei Jahrzehnten in umfangreichem Maße … engagiert hat.“(2)

Jeder Hofnarr am Hofe von Philip dem Schönen wäre neidisch auf diese Form des Sykophantentums, die man in Deutschland im Jahre 2016 für 2.500 Euro kaufen und als wissenschaftliches Gutachten ausgeben kann, ohne dass die Profession aufheult. Der deutschen Wissenschaftler beste Rolle scheint das Schweigen und Wegsehen zu sein.

Aber kommen wir zurück zum Lobgesang, den SS auf AAS singt. Man kann die Strophen des langen Liedes relativ kurz zusammenfassen: Es beginnt mit der Einleitung, der man weder Fragestellung noch Gegenstand der Begutachtung entnehmen kann. Es folgt ein Kapitel über Pluralismus, Meinungsfreiheit und Internet, das seinen Weg in das Gutachten gefunden hat, um SS die Möglichkeit zu geben, seine Ablehnung von Meinungsfreiheit darlegen zu können. Das kurze Kapitel zur Datenbasis haben wir bereits besungen. Das lange Kapitel 4 „Verlauf und Inhalt der Kampagne“ stellt eine Nacherzählung von all den Gräueltaten dar, die am AAS verübt wurden, von all dem Unrecht, das der AAS geschehen ist, denn siehe, die AAS und Philip der Schöne, sie sind über jede Kritik erhaben.

Fragen wie: Kann man aufgrund der Zusammenstellung der Ereignisse,( von der wir nicht wissen, wie die ausgewählten Ereignisse ausgewählt wurden und welche Kriterien an die Auswahl angelegt wurden), überhaupt sagen, dass es eine Kampagne gegen die AAS gab? Wenn ja, warum gab es die Kampagne gegen die AAS? Da Kampagnen nicht vom Himmel fallen, fragt sich ein Wissenschaftler, welche verletzenden Handlungen die AAS durchgeführt hat, um heftigen Widerstand und entsprechende Gegenwehr zu erfahren? Wie gesagt, ein Wissenschaftler fragt sich das, SS fragt sich das nicht. Er ist kein Wissenschaftler. Er ist Hofnarr am Hof von, sagen wir Anetta der Hässlichen und singt dessen Lob, dessen Steuergelder er zugeschustert bekommt.

campaignEntsprechend weiß er, dass er es mit einer Kampagne, einer rechten Kampagne zu tun hat. Es folgt ein Exkurs zur Neuen Rechte, der sich durch eine Deutschzentriertheit auszeichnet, die dem Thema „Neue Rechte“; das in Frankreich und eben nicht in Deutschland erfunden wurde, in keiner Weise gerecht wird. Der Exkurs dient ausschließlich dazu, zu behaupten, dass die Kritiker des neue Rechte Wiki die Komplexität des Wiki und der dort verfolgten Fragestellungen nicht nachvollziehen konnten. Offensichtlich kann SS das auch nicht, denn er ist an keiner Stelle in der Lage auch nur einen Hinweis darauf zu geben, welche komplexen Ziele mit dem Wiki, das eben einmal Ernst Nolte zum rechtsextremen Gewaltfreund erklärt hat, verfolgt wurden. Arthur Schopenhauer hat in seinem Brevier, das vom Verlag den dümmlichen Titel erhalten hat „Die Kunst, Recht zu behalten“, die Kunstgriffe 30 bis 33 als Formen der Sophisterei beschrieben, die SS hier versucht.

Und dann folgt die Schande jeder studentischen Arbeit, der Moment, an dem man sich an den Kopf fasst und an das Mantra aus eigenen studentischen Tagen denkt, in dem es heißt: Es gibt entweder zwei Unterkapitel oder keines. Es gibt nicht 4., 4.1, 5., es gibt nur, 4., 4.1, 4.2 und 5.

SS hat nicht einmal die rudimentärsten Fähigkeiten wissenschaftlichen Arbeitens erlernt. Aber wissenschaftliche Gutachten will er schreiben. Lächerlich.

Kapitel 5 behandelt Varianten des Hasses, ohne dass jemals eine Definition dessen erfolgt wäre, was unter Hass zu verstehen ist, ohne dass SS jemals dargelegt hätte, welche Äußerungen sich für ihn als Hass qualifizieren und warum sie das tun, ohne dass eine Operationalisierung von Hass erfolgt wäre und diese Operationalisierung genutzt worden wäre, um eine einheitliche Kodierung von Aussagen im Material zu finden, die als Ausdruck von Hass angesehen werden können. So ginge ein Wissenschaftler vor. Aber lassen wir das, SS ist kein Wissenschaftler.

Es folgen zwei Unterkapitel in denen SS sich in Sachen Bewertung auslebt. Da er keinerlei Begründung für seine Bewertungen abgibt und wir keine Voyeure sind, die anderen dabei zusehen, wie sie onanieren, haben wir die entsprechenden Kapitel angelesen und vergessen. Bleibt die Zusammenfassung, in der ausgerechnet SS denen, die er irgendwie ausgewählt, deren Aussagen er irgendwie analysiert und auf Basis von irgendwas bewertet hat, vorwirft, sie hätten nur einen rudimentären Wissensstand und mangelhafte Kompetenz. Das kann man sich nicht ausdenken und zeigt, dass Realsatire immer noch die beste Satire ist. Wir fragen jetzt absichtlich nicht, auf welcher Grundlage und mit welcher Methode SS zu dieser Bewertung gekommen ist…

Methoden emp soz forschungWir stellen statt dessen fest, dass das angebliche wissenschaftliche Gutachten eine Travestie auf Wissenschaft ist. Nichts von dem, was wissenschaftliches Arbeiten auszeichnet, was ein Gutachten qualifiziert, findet sich bei SS. SS gefällt sich darin, willkürlich Material zusammen zu sammeln oder sich von der AAS Stiftung bereitstellen zu lassen, weil man ja immer Angeklagte danach fragt, welche belastenden Indizien es gibt, um sie zu verurteilen. Er gefällt sich darin, willkürlich zu bewerten, zu behaupten, sich zu echauffieren und hält nicht einmal die rudimentärsten Regeln wissenschaftlichen Arbeitens ein. Keine Frage, die begutachtet werden soll, keine Kriterien, anhand derer die Daten ausgewählt wurden, auf deren Basis die zu begutachtende Frage entschieden werden soll. Keine Abwägung von für und wider. Keine Darstellung gegensätzlicher Positionen. Nein, SS ist wirklich kein Wissenschaftler. Er ist schon richtig, im Nutznießernetzwerk der AAS, im Speckgürtel des BMFSFJ, in dem man von Steuergeldern lebt und sich ansonsten darin gefällt, wilde Bewertungen all derer vorzunehmen, die nicht dem Gott huldigen, den man selbst als Groß-Gott auserkoren hat.

Es ist schlicht erbärmlich.

Und es ist gut, dass die Karriere von SS an der Universität Göttingen beendet ist. Es gibt schon zu viele Besetzer von Universitätspositionen, die keinerlei Ahnung haben, was Wissenschaft eigentlich auszeichnet.

Es wirkt nachgerade ironisch, wenn SS, der Seite um Seite belegt hat, dass er die AAS ganz toll findet und dass alle, die die AAS kritisieren Mitglieder einer Kampagne sind (lassen wir jetzt die Frage, was eine Kampagne auszeichnet, woran man sie erkennt und ob auf dieser Grundlage überhaupt von einer Kampagne gegen die AAS gesprochen werden kann), deren Ziel darin besteht, die AAS von öffentlicher Förderung zu entfernen, denn wie heißt es auf Seite 20 des Textes von SS: „Zum anderen hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Feist aber sogar gefordert, die Förderung der AAS einzustellen“.

Ist ein größerer Frevel vorstellbar? Die öffentliche Förderung der AAS einstellen? Die AAS, der „wichtige zivilgesellschaftliche Akteur“, ohne den Deutschland einstürzen würde, ohne dessen öffentliche Förderung sich die vielen Mitarbeiter von AAS nach einer ordentlichen Arbeit umsehen müssten? Nein, ein größerer Frevel ist nicht vorstellbar. Unter Philip dem Schönen wäre der Frevler verbrannt worden. Im Regime von Anetta der Hässlichen wird SS auf die Frevler angesetzt.

Und wie alle nützlichen Bediensteten, so hat auch SS die eigentliche Meldung bis zum Ende seiner Lobeshymne aufgespart. Dort verrät er allen Lesern, dass nach all den Seiten der Willkür und der nicht nachvollziehbaren Bewertungen und nach all den Seiten nicht wissenschaftlicher Betätigung, SS sich nun in der Lage sieht, die Verschärfung von Rechtsregeln zu fordern, um das, was er nicht definiert hat, nur als Bewertung kennt, von dem er nicht angeben kann, wie er dazu gekommen ist und von dem er nicht einmal sagen kann, in welchem Ausmaß es vorhanden ist, zu verhindern, am besten mit der Drohung, Übeltäter, die die AAS kritisieren, zukünftig einzusperren.

Ja, er ist schon nützlich der SS, so wie SS schon einmal nützlich war, um die Meinungsfreiheit in Deutschland nicht nur einzuschränken, sondern abzuschaffen. Und das alles für 2.500 Euro. Was wohl Judas Iscariot verlangt hätte, um die Wissenschaft zu verraten?

Die AAS erhält Steuergelder für ihren wertvollen Einsatz für die Zivilgesellschaft und nutzt diese Steuergelder um Noch-Professoren damit zu beauftragen, Lobesgesänge auf die eigene Stiftung zu singen, damit die öffentliche Förderung, die wohl bedroht ist, nicht versiegt. Wenn noch ein Beleg dafür notwendig war zu zeigen, dass die AAS Steuergelder veruntreut und dazu nutzt, ein Netzwerk von Kostgängern zu versorgen: Hier ist er!


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Test: Wie leicht lassen Sie sich vom BMFSFJ manipulieren?

Soziale Netzwerke liegen Politikern und Ministerien ja bekanntlich besonders am Herzen (oder im Magen). In sozialen Netzwerken, so hört man, gibt es Hate Speech, es werden Lügen verbreitet, Gerüchte hochgekocht, es wird manipuliert und getäuscht, dass sich die Balgen bieten. So jedenfalls die Folklore, die Politiker verbreiten. Und weil sie die ersten zu sein scheinen, die an ihre eigene Folklore glauben, deshalb treten manche von ihnen, allen voran das Propaganda-Ministerium, das angeblich auch etwas für Familie, Senioren und Jugendliche tut, in sozialen Netzwerken an, um deren Nutzer zu täuschen und zu indoktrinieren.

Testen Sie sich: Wie schnell gehen Sie dem BMFSFJ auf den Leim? Wie leicht sind Sie zu indoktrinieren und zu manipulieren?

Derzeit verbreitet man aus den Hallen des Ministeriums die folgende Meldung:

 

Nun, was haben Sie gedacht, was die Meldung aussagt? Dass 89% der Deutschen der Ansicht sind, dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer? Wenn ja, dann hat die Indoktrination bei Ihnen geklappt, und die Manipulation gleich mit, denn die Abbildung basiert auf der folgenden Frage, die Infratest Dimap im Rahmen einer Befragung gestellt hat, die bislang noch nicht veröffentlicht wurde, vermutlich damit niemand derjenigen, die den Suggestiv- bzw. Falschmeldungen des Ministeriums auf den Leim gegangen sind, merken, dass sie dem Ministerium auf den Leim gegangen sind.

Die Frage, auf der die Meldung oben basiert, lautet:

“Bekommen in Deutschland Frauen und Männer alles in allem den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit?“

framingScheinbar teilt man bei Infratest dimap nicht den Hang des Ministeriums, Bürger zu manipulieren und hat eine Frage gestellt, die aus methodischen Gesichtspunkten unsinnig ist und die entsprechend nur nutzbar ist, wenn man eine Ideologie an die Frage heranträgt. Denn: Als Forscher, der diese Frage vor sich hat, weiß man nicht, was die Antworten auf diese Frage aussagen: Bedeutet eine Zustimmung zu dieser Aussage, dass der Zustimmende der Ansicht ist, Männer werden nicht entsprechend ihren Leistungen bezahlt, was angesichts der Bevorzugung von Frauen im Rahmen des Staatsfeminismus eine Möglichkeit ist? Oder bedeutet die Zustimmung zu dieser Aussage, dass Befragte der vergangenen Indoktrination des BMFSFJ so auf den Leim gegangen sind, dass sie denken, Frauen würden für die gleiche Arbeit mit einem geringeren Lohn entlohnt?

Wir werden es nicht erfahren, denn die Befragten können nicht nachträglich befragt werden, was sie eigentlich gemeint haben, als sie die Frage beantwortet haben. Entsprechend können 88% der 89% der Meinung sein, Männer erhalten für die gleiche Arbeit nicht den gleichen Lohn wie Frauen. Es kann auch sein, dass 45,67% denken, Frauen würden bei gleicher Arbeit mit weniger Lohn nach Hause geschickt.

Die Frage ist absoluter Junk. Sie ist nicht verwendbar. Es sei denn, man ist gar nicht an der Frage und dem Ergebnis der Befragung interessiert, sondern lediglich daran, Material zu haben, um die eigene Ideologie zu verbreiten und andere zu manipulieren. Da das BMFSFJ munter verbreitet, kann man davon ausgehen, dass dort Letzteres der Fall ist und die Bezeichnung „Propagandaministerium“ eine sehr passende Bezeichnung ist.


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Nationalismus: infantiler Kampfbegriff

Plastikwörter nennt Uwe Pörksen jene Bestandteile der deutschen Sprache, die allgegenwärtig zu sein scheinen, ständig benutzt werden und von denen dennoch kaum bekannt ist, was sie eigentlich bezeichnen. Solidarität ist ein solches Wort. Nationalismus ein anderes.

Poerksen PlastikwoerterNationalismus und Solidarität, sie wirken nicht über ihren Inhalt, sondern über die Vorstellung, die man damit verbindet. Solidarität, der Begriff, den Linke so gerne im Mund führen, er zeigt an, dass man gut ist, solidarisch eben. Solidarisch sein ist kein Problem. Es bedarf einer verbalen Bekundung, zuweilen auch eines kleinen Spaziergangs durch ein paar Straßenzüge. Mehr nicht. Solidarisch kann man anstrengungslos sein.

Nationalismus wirkt auf der affektiven Ebene ähnlich, jedoch ist sein affektiver Gehalt umstritten, d.h. eigentlich ist er nicht umstritten, denn Nationalismus ist böse. Das scheint die Losung zu sein, die für den öffentlichen Diskurs an Medien aller Art ausgegeben wurde. Die entsprechende Umsetzung reicht von dem Motto „Deutschland, Du mieses Stück Scheiße“, über die absurde Verbindung von Deutschlandfahnen und Nationalismus bis zur Bezeichnung der AfD als nationalistische Partei.

Jenseits des Versuches, Worte nicht mehr über ihren semantischen Gehalt, sondern über ihre affektive Ladung zu definieren, stellen wir hier einmal die Frage: Wir wird Nationalismus definiert?

Die erste Antwort, die noch wenig über den Inhalt von Nationalismus aussagt, sie lautet: Nationalismus ist eine latente Variable. Denn: offensichtlich gibt es Nationalismus nicht bei Lidl zu kaufen, man kann ihn nicht trinken, nicht verdauen, man kann ihn nicht abwiegen oder als Ablagerung im Herzen eines Menschen feststellen. Nationalismus ist schlicht nicht existent in der materiellen Welt. Nationalismus ist ein ideelles Konzept, das, wie Gott oder die Wirkung von heilenden Steinen davon lebt, dass man daran glaubt.

Nun gibt es Sozialwissenschaftler, die angetreten sind, Nationalismus dingfest zu machen, also den Glauben an Nationalismus, wie ihn ein Teil der Bevölkerung haben mag. Zu diesem Zweck wird Nationalismus zunächst einmal als Verbundenheitsgefühl mit der eigenen Nation bestimmt. Das macht ihn nicht greifbarer, aber es macht ihn operationalisierbar, denn von einem Verbundenheitsgefühl kann man sich überlegen, wie es sich äußert und auf welche Objekte es sich richtet. Matthias Mader hat sich dies in einem Beitrag für die Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie überlegt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine Reihe von Objekten und Verbundenheit auslösenden bzw. ausdrückenden Indikatoren gibt.

Diese hier:

  1. Stolz auf die Art und Weise, wie die Demokratie funktioniert.
  2. Stolz auf die sozialstaatlichen Leistungen in Deutschland.
  3. Stolz auf die gerechte und gleiche Behandlung gesellschaftlicher Gruppen.
  4. Wichtig für Deutschsein: In Deutschland geboren.
  5. Wichtig für Deutschsein: Kenntnis der Sitten und Gebräuche.
  6. Wichtig für Deutschsein: Vorzug für deutsche Filme im Fernsehen.
  7. Wären Menschen in anderen Ländern wie Deutsche, die Welt wäre besser.
  8. Deutschland ist ein besseres Land als andere Länder.

Finden Sie sich wieder, als Nationalist?

Tatsächlich finden sich oben drei Dimensionen von Nationalismus: 1-3 stellen die Operationalisierung von patriotischem Nationalstolz dar. Da sich dieser Nationalstolt auf die Demokratie richtet oder den Sozialstaat, wird er von Mader positiv bewertet. Anders die folgenden beiden Dimensionen. 4-6 sind Ausdruck einer völkisch-kulturalistischen Haltung und entsprechend … Na? Negativ. Richtig. Das Adjektiv „völkisch“ bringt das Negative deutlich zum Ausdruck. Schließlich findet sich in 7 und 8 reiner Chauvisnismus, wie Mader befindet, denn wer denkt, ein deutsches Wesen ist anderen überlegen, ist ein Chauvinist, ein deutscher Chauvinist.

Die drei Dimensionen von Nationalismus machen mehrerlei deutlich: Zum einen ist Stolz nur im Hinblick auf das erlaubt, was unter Leuten, die einer bestimmten ideologischen Ausrichtung angehören, positiv besetzt ist: Demokratie, Sozialsysteme und Gleichheit, zum anderen ist es aus dieser ideologischen Ecke heraus undenkbar, dass man aus anderen als niederen Motiven der Ansicht sein könnte, in Deutschland geboren zu sein, deutsche Sitten und Gebräuche zu kennen oder wertzuschätzen, sei für die Bestimmung „deutsch“ wichtig oder dass es tatsächlich jemanden geben könnte, der deutschen Filmen im Fernsehen den Vorzug geben will (so unwahrscheinlich es auch ist). Entsprechend steht die Bewertung dessen, was man messen will, am Anfang der Messung, was deutlich zeigt: Hier wird nicht das Konzept des Nationalismus operationalisiert, hier werden die eigenen Stereotype und Bewertungen davon, was Nationalismus sein soll, operationalisiert – damit Nationalismus aus der eigenen ideologischen Ecke heraus negativ bewertet werden kann.

Hätte ein Angehöriger eines anderen ideologischen Lagers versucht, Nationalismus zu operationalisieren und messbar zu machen, er wäre zu gänzlich anderen Indikatoren gelangt und zu einer gänzlich anderen Bewertung der entsprechenden Indikatoren.

Ergo ist Nationalismus ein Konzept, das man nicht (mehr) deskriptiv fassen kann. Sofern es jemals ein deskriptives und damit ein nützliches Konzept war, hat es in der öffentlichen Diskussion der letzten Jahre solchen Schaden genommen, dass man es nicht mehr verwenden kann, es sei denn, man verfolgt als Wissenschaftler keine deskriptive, sondern eine normative Zielsetzung, will also nicht Forschen was ist, sondern entweder beklagen, was ist oder vorgeben, was sein soll. Weder das Beklagen von Zuständen noch die Normierung dessen, was sein soll, ist Wissenschaft. Ersteres gehört in den Bereich von Ideologie und Politik und, Letzteres ist reine Ideologie.

Entsprechend kann man zu keinem anderen Urteil als dem kommen, dass Nationalismus, wie viele andere Begriffe, z.B. der Begriff der Solidarität oder der Begriff der sozialen Gerechtigkeit, nurmehr politischer Kampfbegriff ist, der keinerlei sinnvolle inhaltliche Bestimmung mehr erfahren kann. Er gehöret in den Bereich der Wortmagie, denn diejenigen, die sie verwenden, hoffen, bei den Adressaten entweder panisches Erschrecken oder verbale Liebkosung auszulösen. Da die Kommunikation unter Erwachsenen eine Argumentation bzw. den Austausch von Begriffen mit einem kognitivem Gehalt voraussetzt, ist die weite mediale und vermeintlich wissenschaftliche Verwendung der entsprechenden Plastikwörter oder Kampfbegriffe – wie Nationalismus oder Solidarität – nichts anderes als ein neuerlicher Beleg für die Infantilisierung der deutschen Gesellschaft.

Mader, Matthias (2016). Stabilität und Wandel der nationalen Identität in der deutschen Bevölkerung. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Online Publication.


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N24-EMNID-Junk-Umfrage: 56% wollen mit Linksautonomen verhandeln -> Papierkorb

Derzeit wird von N24 das Ergebnis einer Umfrage, einer N24-Emnid-Umfrage verbreitet, die sich mit „den gewalttätigen Ausschreitungen rund um das linksautonome Wohnprojekt Rigaer Straße in Berlin“ beschäftigt.

Die N24-Emnid-Umfrage ist ein Lehrstück in versuchter Manipulation.

1000 Personen will Emnid am 12. Juli befragt haben, per Telefon wie zu vermuten steht und natürlich ist die Umfrage repräsentativ. Was sonst sollte sie sein? Sie muss repräsentativ sein, denn wer interessiert sich für die Meinung von 1000 Insassen des Irrenhauses in Fallingbostel? Aber natürlich wurden keine 1000 Insassen eines Irrenhauses befragt. Zumindest hoffen wir, dass sie nicht befragt wurden. Wir müssen hoffen, denn wer die 1000 Befragten sind, die Emnid da am 12. Juli angerufen haben will – wir wissen es nicht.

Statt dessen wird eine Pressemeldung verbreitet, für die Leichtgläubigen in den Redaktionen, die voller Auslassungen und Manipulationsversuche steckt.

framingEs beginnt bereits mit der Überschrift Umfrage „zu den gewalttätigen Ausschreitungen rund um das linksautonome Wohnprojekt Rigaer Straße“, eine Meisterleistung in Sachen Euphemismus, mit dem die Tatsache verwischt wird, dass es sich um Gewalttaten, um Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper handelt, die von den Bewohnern der Rigaer Straße und ihren Fans auf Polizisten geworfen wurden. Bei N24 und Emnid werden daraus Ausschreitungen „rund um [ein] Wohnprojekt“, die nicht weiter zuordenbar sind.

Was soll man, angesichts eines solche Rahmens von den Antworten auf die folgenden Fragen erwarten, die Befragte innerhalb eines suggestiven Rahmen geben, der gaukelt, die Ausschreitungen hingen irgendwie mit einem Wohnprojekt zusammen, wo doch die Bewohner des nämlichen Projekts und ihre Fans diejenigen sind, die die Ausschreitungen begonnen und zu verantworten haben. [Ob es ein Zufall ist, dass mit dem Begriff der Ausschreitungen ein Begriff gewählt wurde, der im Zusammenhang mit Fußballspielen Verwendung findet, sei einmal daher gestellt.]

Wenn man Befragten suggeriert, dass die Schuldfrage nicht eindeutig geklärt werden kann, weil die Ausschreitungen eben nicht auf bestimmte Verursacher zurückführbar seien, sondern nur einem „Umfeld“ „rund um ein Wohnprohjekt“ zuordenbar seien, dann folgt daraus ein positiver Bias, eine positive Programmierung der meisten Befragten. Dieser bias wirkt sich so aus, dass mehr Befragte einem Dialog zustimmen, als ihn ablehnen. Wie man Befragte mit positiven oder negativen Suggestionen und Rahmen perfekt leiten kann, das haben Amos Tversky und Daniel Kahneman in einer Vielzahl von Studien meisterhaft gezeigt.

N24Emnid-ManipulationIm vorliegenden Fall führt die Manipulation dazu, dass 56% mit „gewaltbereiten Linksautonomen Gespräche führen wollen“ und 34% dafür votieren, dass mit „polizeilicher Härte gegen Linksradikale“ vorgegangen wird. Man fragt sich, angesichts solcher Ergebnisse, was die bei Emnid da eigentlich gefragt haben, ob sie tatsächlich einmal von Linksautonomen und einmal von Linksradikalen gesprochen haben. Was auch immer Emnid gefragt hat, es war Unsinn, denn 6% sind dafür, mit den Linksradikalen Gespräche zu führen und gleichzeitig mit polizeilicher Härte gegen sie vorzugehen. Warum auch nicht.

Die vielfältigen Manipulationsversuche, die sich derzeit in Medien finden, wenn es um die Rigaer Straße 94 in Berlin geht, lassen nur den Schluss zu, dass

Kriminalität, dann, wenn sie von Linksradikalen, Linksautonomen oder Links- was auch immer ausgeht, geadelte und zu rechtfertigende Kriminalität ist.

So wie man im Dritten Reich Verständnis für die kleinen Eskapaden der SA (1933-1934) hatte, so hat man sie heute, für die kleinen Eskapaden der Linksautonomen, Linksradikalen … – man kann richtig nachvollziehen, wie sich bei Journalisten die Finger sträuben, von Linksextremen zu schreiben und damit die Kriminellen aus Berlin als das zu bezeichnen, was sie sind.

Was die Umfrage von N24-Emnid angeht, so ist sie nicht nur wegen der suggestiven Art und Weise, in der die Umfrage geführt wurde, ein Fall für den Mülleimer, sie ist es auch wegen einer Reihe von Auslassungen, die man anhand der folgenden Fragen darstellen kann:

  • Auf welche Basis beziehen sich die Prozentangaben?
  • Welche Fragen wurden den Befragten genau vorgelegt?
  • Welche Antwortalternativen wurden den Befragten gegeben?
  • Von wann bis wann fand die Befragung statt?
  • Welche sozio-demographischen Merkmale haben die Befragten, die an der Befragung teilgenommen haben?

Die Auslassungen sind erheblich und man muss sich fragen, warum die Ergebnisse von N24-Emnid verbreitet werden, ohne diese grundlegenden Fragen zu beantworten. Als Antwort bieten sich zwei Möglichkeiten an: (1) Unkenntnis der Methoden empirischer Sozialforschung, (2) Versuch, die Öffentlichkeit mit Ergebnissen einer suggestiven Befragung zu manipulieren. In beiden Fällen handelt es sich um eine Junk-Umfrage, die in den Papierkorb geworfen werden muss.

Das wird sie natürlich nicht. Vielmehr kann man vorhersagen, dass sich Mainstream-Medien auf die Ergebnisse der Umfrage stürzen werden. Sie werden sich deshalb drauf stürzen, weil (1) die Unkenntnis über die Methoden empirischer Sozialforschung in den Redaktionen weit verbreitet ist, (2) die Unkenntnis darüber, was ein Prozentwert ausdrückt, in den Redaktionen fast noch weiter verbreitet ist und (3) die ideologische Passung des Ergebnisses mit dem ideologischen Klima der meisten Redaktionen einfach zu groß ist, als dass man auf Kleinigkeiten wie Manipulation und Auslassung bei der Umfrage oder Zweifel an deren Reliabilität und Validität Rücksicht nehmen müsste.


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Forcierte Hass-Umfrage: Opportunistische Meinungsforschung

Die Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen vermeldet auf Ihrer Internetseite, den neuesten Coup in Sachen Hate Speech: Die Ergebnisse einer forcierten Hass-Umfrage:

“Das Internet ist längst zu einer der wichtigsten Quellen für die Meinungsbildung geworden. Gegenwärtig ist allerdings zu beobachten, dass sich im Netz zunehmend Hetze und Diskriminierung verbreiten.“

Es sei angemerkt, dass es keine Daten gibt, die zeigen, dass wir gegenwärtig eine „zunehmende Hetze und Diskriminierung“ im Internet beobachten. Das einzige was sich beobachten lässt, ist dass die politische Agitation gegen vermeintliche Hetze und Diskriminierung im Internet ständig zunimmt und dass die Geldsummen die finanzmittelaufsaugenden Schwämmen wie der Amadeu-Antonio-Stiftung geschenkt werden, immer größer werden.

Umfragemissbrauch“Eine aktuelle Forsa-Umfrage, die von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) in Auftrag gegeben wurde, zeigt nun die große Tragweite, die Hasskommentare im Netz mittlerweile aufweisen.

So geben rund zwei Drittel aller befragten Personen an, bereits mit Hassbotschaften in sozialen Netzwerken, Internetforen oder Blogs konfrontiert worden zu sein. In der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen haben sogar 91 Prozent schon Erfahrungen mit Hass im Netz gemacht.

Hate Speech ist damit zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem geworden. Und das, obwohl die Gruppe derjenigen, die im Netz bereits schon hasserfüllte Kommentare geschrieben hat, laut den Umfragedaten lediglich ein Prozent umfasst.“

Viel Geld aus den Taschen von Bürgern hat die Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen an Forsa weitergereicht, um eine Umfrage zu Hasskommentaren zu bekommen, die sich gewaschen hat, mit der man Stimmung machen kann, Aktionen lostreten kann, Steuergelder umwidmen kann, damit noch mehr noch häufiger lamentieren können, wie viel Hass es doch im Internet gibt, und sich selbst als diejenigen anpreisen können, die den Hass im Internet bekämpfen. Indes fragt man sich, wie die Korrelation, die zwischen der steigenden Zweckentfremdung von Steuergeldern für den Kampf gegen Hate Speech und der behaupteten Zunahme von Hate Speech besteht, anders zu erklären ist als damit, dass die vielen Mittel, die zur Bekämpfung von Hate Speech eingesetzt werden, entweder dazu führen, dass Hate Speech zunimmt oder vollkommen wirkungslos verpuffen in jedem Fall also aus dem Fenster geworfen sind?

So wie die Gelder für die Forsa-Umfrage aus dem Fenster geworfen sind.
2.044 Personen hat man bei Forsa befragt; ab 14 Jahren, in einer Befragung, die man jedem Erstsemester der die Methoden der empirischen Sozialforschung studiert, um die Ohren hauen würde.

Beginnen wir mit der ersten Frage, die Forsa seinem Publikum präsentiert. „Wie häufig haben Sie persönlich schon Hate Speech bzw. Hasskommentare im Internet gesehen – z.B. auf Webseiten, in Blogs, in sozialen Netzwerken oder in Internetforen?“
Die Antworten auf diese Frage geben die Grundlage für den Alarmismus der Landesanstalt, der Eingang zitiert wurde:

„In der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen haben sogar 91 Prozent schon Erfahrungen mit Hass im Netz gemacht“, so lamentiert die Pressemeldung der Landesmanipulationsanstalt, in der Unterschlagen wird, dass die Frage abgestufte Antworten vorsieht: sehr häufig, häufig, weniger häufig und noch nie. Die Abstufung und die damit einhergehende zeitliche Dimension, bei der Landesanstalt wird darauf gepfiffen und es wird von „Erfahrungen mit Hass im Netz“ fabuliert, wo danach gefragt wurde, ob schon einmal ein Hasskommentar gesehen wurde.

Offensichtlich verbindet man bei der Landesanstalt für Medien in NRW ein ganz konkretes Ziel, ein ganz konkretes Interesse mit dieser Befragung, die dazu benutzt werden soll, Maßnahmen gegen den angeblichen Hass im Netz und Maßnahmen zur Stasiisierung des Netzes unter tätiger Mithilfe ehemaliger innoffizieller Mitarbeiter der Stasi zu legitimieren.

Die forcierte Umfrage von Forsa, sie lässt dies jedoch nicht zu. Zwei grundlegende Handwerksfehler verhindern das:

Eine Aussage über die Häufigkeit eines Hasskommentars im Internet ist weitgehend nutzlos, wenn nicht bekannt ist, wie häufig der entsprechende Befragte das Internet und entsprechende Internetseiten nutzt. Man hätte bei Forsa also fragen müssen: Wie häufig die entsprechenden Befragten überhaupt im Internet unterwegs sind, um eine Basis für die Angabe, man sehe „sehr häufig“, „häufig“, „weniger häufig“ oder „nie“ Hasskommentare im Internet. Es macht einen Unterschied, ob jemand, der täglich mehrere Stunden im Internet unterwegs ist, angibt, er sehe „sehr häufig“ Hasskommentare oder jemand, der einmal im Monat eine Verbindung zum Internet herstellt. Das war Handwerksfehler 1, der die gesamte Umfrage bereits in Frage stellt.

Handwerksfehler 2 stellt die gesamte Umfrage nicht in Frage, vielmehr sorgt Handwerksfahler 2 dafür, dass man jetzt genau weiß, dass die Umfrage eine Umfrage für den Mülleimer ist. Im Hinblick auf die Häufigkeit, mit der Hasskommentare wahrgenommen werden, präsentieren die Antworteintreiber von Forsa eine Abbildung, die zeigt, dass 14- bis 24-jährige angeben, häufiger Hasskommentare zu sehen als 25- bis 44-jährige, 45- bis 59-jährige und Befragte, die mehr als 59 Jahre alt sind.

Hass-umfrage forsa

Ein Sozialforscher, der eine solche Verteilung sieht, dem drängt sich förmlich die Hypothese auf, dass die Epidemie von Hasskommentaren bei 14- bis 24-jährigen darauf zurückzuführen ist, dass sie ein vollkommen anderes Verständnis davon haben, was ein Hasskommentar ist, als ältere Personen. Entsprechend würde ein Sozialforscher, der seine Methoden beherrscht, sicherstellen, dass alle Befragten ein ungefähr gleiches Verständnis davon haben, wonach er eigentlich fragt. Er würde sie entweder in einer offenen Frage bitten, ein oder zwei Beispiele für Hasskommentare anzugeben oder er würde ihnen eine Definition von Hasskommentar in der Frage vorgeben.

forsa forcierenNicht so Forsa. Dort werden Ergebnisse insofern forciert, als völlig offengelassen wird, was Befragte unter Hasskommentaren verstehen. Das zeigt deutlich, dass es nicht darum geht, Hasskommentare und ihre Verbreitung im Internet zu untersuchen. Es geht darum, möglichst viele zusammenzubekommen, die der Ansicht sind, sie hätten „sehr häufig“, „häufig“ oder „weniger häufig“ einen Hasskommentar gesehen. Ob es sich bei den Hasskommentaren, die die Befragten gesehen haben wollen, um einen Hasskommentar handelt, den auch andere als einen solchen bezeichnen würden, oder ob sie es mit hysterischen oder angeberischen Befragten oder mit Befragten zu tun haben, für die alles ein Hasskommentar ist, was nicht ihrer Meinung entspricht, das ist den Forcierern von Forsa egal. Sie sollen zeigen, dass es ganz viele Hasskommentare im Internet gibt, dafür werden sie bezahlt und genau das ist das Ergebnis, das sie präsentieren.

Bei der Landesanstalt für Medien in NRW ist man entsprechend hoch erfreut darüber, dass bestätigt wurde, was bestätigt werden sollte: Die Legitimation dafür, noch mehr Geld in die Netzwerke zu gießen, die Steuergelder aufsaugen wie Schwämme, damit sie noch lauter darüber klagen können, dass trotz aller Gelder, die sie für die Bekämpfung von Hate Speech erhalten, Letztere immer häufiger wird.

Einen Erfolg haben die Bekämpfer der von ihnen geschaffenen Hysteriefolgen, 14- bis 24jährige geben häufiger an als alle anderen Altersgruppen, „einen Hasskommentar bzw. dessen Verfasser bei dem entsprechenden Portal gemeldet“ zu haben. Wenn es darum geht, die Kultur der Denunziation, die in der DDR oder im Dritten Reich so blühende Landschaften hinterlassen hat, wiederherzustellen, dann scheinen die Kämpfer gegen irgendwelche Hasskommentare zumindest bei denen, die man noch leicht indoktrinieren kann, erfolgreich zu sein.

Noch ein Grund, froh über den BREXIT zu sein.


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