Thüringer Politische Unkultur: Von der Stasi ins Ministerium

Kennen Sie Feliks Dzierżyński?

Feliks Dzierżyński war ein Getreuer Lenins, hat an der Seite Lenis für die Bolschewiki im Russischen Bürgerkrieg gekämpft, sich in dieser Zeit vor allem als Leiter der Tscheka, der Geheimpolizei Lenins, um die Beseitigung von Menschen, die als Konterrevolutionäre bezeichnet wurden, „verdient“ gemacht. Mit anderen Worten: Feliks Dzierżyński ist Organisator von Massenmorden, wie es sie im Verlauf von blutigen Revolutionen so häufig gibt. Auf sein und das Konto der Tscheka gehen tausende Tote.

Von Bundesarchiv, Bild 102-00032 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

Feliks Dzierżyński blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1926 der Leiter der Russischen Geheimpolizei.

Dzierżyński ist somit genau der Mann, den man zum Namensgeber eines Wachregiments machen kann, des Wachregiments „Feliks Dzierżyński“, einer Gruppe politischer Soldaten, die direkt Erich Mielke und seinem Ministerium für Staatssicherheit unterstanden, denen der Schutz der SED-Größen oblag und von denen sich Mielke besondere Treue und Loyalität gegenüber dem SED-Staat und seinen politischen Führern versprochen hat.

Und in der Tat, das Wachregiment war, bevor es den Namen von Feliks Dzierżyński angenommen hat, als ordinäres Wachbatallion A 1951 gegründet und bereits 1953 erfolgreich an der Niederschlagung des Aufstands der Arbeiter vom 17. Juni 1953 in Berlin beteiligt. Ab Mitte August 1961 konnten sich die Mitglieder das nunmehr Wachregiments „Feliks Dzierżyński“ damit auszeichnen, den Bau der Berliner Mauer zu überwachen und sicherzustellen, dass fortan kein Volksgenosse mehr aus dem Arbeiter- und Bauernparadies in die kapitalistische Kloake des damaligen Westberlin flüchtet.

Kurz: Das Wachregiment „Feliks Dzierżyński“ war eine SED-Eliteeinheit, wehrhafte Parteisoldaten, die aus Freiwilligen handverlesen wurden, die sich für mindestens drei Jahre zum Dienst an der Partei verpflichtet haben: die loyalsten unter den Loyalen des SED-Regimes. Bei seiner Auflösung im Jahre 1990 hatte das Wachregiment eine Mannschaftsstärke von 11.426 Mann, Beleg der Tatsache, dass es auch zum Ende der DDR eine große Zahl loyaler Genossen gegeben hat, die – hätte Egon Krenz den Befehl erteilt – sicher nicht gezögert hätten, die Grenze der DDR gegen ihre Landsleute und mit Waffengewalt zu sichern.

Aber Krenz hat diesen Befehl nicht erteilt und Mielke auch nicht, warum auch immer.

Indes: Die hartgesottenen Kommunisten die sich im Wachregiment „Feliks Dzierżyński“ eben wegen ihrer Treue zur SED und ihrer Loyalität zur DDR eingefunden haben, sie sind nach 1990 nicht einfach verschwunden. Sie sind in die politische Landschaft der Bundesrepublik diffundiert, wie Öl in Wasser diffundiert und tauchen nun, nachdem sie Wasser kontaminiert haben, an den unterschiedlichsten Ecken wieder auf.

Zum Beispiel im Kabinett von Plagiator in Chief, Mario Voigt, CDU.

Tilo Kummer, gerade zu Minister für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten ernannt, ist einer der Diffundierten, einer der Feliks Dzierżyńskis, die nach 1990 verschwunden sind.
Nun ist er wieder da.

Als Minister.

In einer CDU-Regierung als Minister für das BSW.
Eine interessante Wendung im Osten Deutschlands, in dem die Nationale Front der DDR nunmehr unter Führung der CDU wiederbelebt zu werden scheint.

Tilo Kummer;  Von Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0, Link

Kummer, 1968 in Dessau geboren, hat  im direkten Abschluss an sein Abitur im Jahre 1987 seinen Dienst beim Wachregiment „Feliks Dzierżyński“ angetreten, seinen Eid auf das Ministerium für Staatsicherheit geleistet und fortan und wohl bis Auflösung des Regiments als Unteroffizier gedient. Ein Getreuer des Regimes, der nun zum Minister einer vorgeblich demokratischen Regierung um den Chef-Plagiator Mario Voigt avanciert ist.

Dem Eid auf das Ministerium für Staatssicherheit folgt nunmehr der Amsteid auf die Verfassung des Landes Thüringen, zwischen beiden Eiden liegen etliche Jahre und offenkundig keinerlei kognitive Dissonanzen…

Aber was wundern wir uns.
In einer Welt, in der islamistische Terroristen kurz vor der Heiligsprechung durch westliche Politiker stehen, ist ein ehemaliger Stasi-Mitarbeiter, der nur aufgrund besonderer Loyalität und Treue zum SED-Regime in seine Position bei der Stasi gelangen konnte, der nunmehr den Demokraten gibt, auch nichts Besonderes. Demokrat, das müssen Sie wissen, wird man nicht, weil man eine entsprechende Überzeugung hat, Demokrat wird man, weil man in einer SED-Nachfolge-Splitterpartei gelandet ist, die den Mehrheitsbeschaffer für einen Dieb fremder Leute Ideen spielt.

Und der Landesverfassungsschutz beobachtet die AfD.


Falls Sie unsere Arbeit unterstützen, und dafür sorgen wollen, dass bei ScienceFiles auch weiterhin das Rad rund läuft, dann kaufen Sie uns doch einen Kaffee: Oder unterstützen Sie uns auf einem der folgenden Wege Unser herzlicher Dank ist Ihnen sicher! DENN: ScienceFiles lebt von Spenden. Helfen Sie uns, ScienceFiles auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, damit Sie uns auch morgen noch lesen können!
Wir haben drei sichere Spendenmöglichkeiten:

Donorbox

Unterstützen Sie ScienceFiles


Unsere eigene ScienceFiles-Spendenfunktion

Zum Spenden einfach klicken

Unser Spendenkonto bei Halifax:

ScienceFiles Spendenkonto: HALIFAX (Konto-Inhaber: Michael Klein):
  • IBAN: GB15 HLFX 1100 3311 0902 67
  • BIC: HLFXGB21B24

Folgen Sie uns auf Telegram.
Anregungen, Hinweise, Kontakt? -> Redaktion @ Sciencefiles.org

9Comments

Add yours
  1. 3
    Heimreisender

    Der Taschenspielertrick mit der scheinoppositionellen und kommunistischen Wagenknecht hat doch erstklassig funktioniert, um den Wählerwillen auszuhebeln. Natürlich hat die Demokratiefassade dabei einen weiteren Riss bekommen. Aber das interessiert doch einen Voigt oder eine Wagenknecht nicht die Bohne. Ob sich diese Gaunerei bei den anstehenden Bundestagswahlen wiederholen läßt? Möglicherweise holt man noch schnell die scheinoppositionelle Partei von Maaßen aus der Kiste, um auf Bundesebene den Wählerwillen auszuhebeln. Oder die Dunkelflaute verhindert einfach eine Neuwahl. Der Letzte macht dann bitte sehr das Licht aus:-)

  2. 4
    Heimreisender

    Übrigens hat diese demokratische Brummbär-Koalition beschlossen, die parlamentarische Kontrolle über den Verfassungsschutz (Kramer ist Chef desselben!!!) auszusetzen, damit die AFD keine Kontrollmöglichkeit via Kontrollausschuss über den Verfassungsschutz bekommt. -So geht echte Demokratie mit Frau Wagenknecht, nicht wahr.

  3. 5
    pantau

    Fällt dann in Zukunft die Aussage, es fände eine rote Unterwanderung statt, unter gesichert extrem rechtsextreme Merkmale? „Sie haben nachweislich „rote Unterwanderung“ gesagt, sie sind ein rote-Unterwanderungs-Sager! Verlassen Sie das Podium!“

  4. 6
    Libkon

    Die andere Sichtweise: zuletzt wurde bei den Wachregiment alles genommen was wollte und mind.3 Jahre ging – clevere erkannten die gute Alternative zur Grenze. Dazu kamen Vergünstigungen ( Ausgang etc) . OK einen Ausreiseantrag sollte man nicht gerade gestellt haben. Fakt ist aber – wieviel Abfragen bei der Unterlagsbehörde gab’s? Wie lange will man noch darauf rumhacken? Gibt’s auch hier eine generelle Schuldfrage für die nächsten Generationen? Ihr regt euch über die Brandmauer auf – baut aber hier mit. Gilt diese auch für mich als ex Falli – und wir fühlen uns wie die Taucher wirklich als Elite – noch heute.
    Für mich genauso scheinheilig diese Diskussion wie andere…
    Sorry

    • 7
      pantau

      Sorry, an Ihrem Beitrag ist praktisch alles krumm.
      1. liegt hier keine Schuldübertragung vor, sie liegt bei dem Kramer wie bei Kahane in ihrer Biografie und nicht in der vorigen oder vorvorigen Generation.
      2. ich habe nichts gegen eine Brandmauer gegen Überzeugungstäter, die ihre Taten schon geleistet haben. Solche Leute haben in Ämtern nichts zu suchen, sie sind charakterlich nicht geeignet.
      3. in der afd sind keine ehemaligen SS-Leute und das „Alles für Deutschland“ von Höcke oder der Fliegenschiss von Gauland sind eben keine spezifisch nationalsozialistischen Merkmale, weder faktisch noch sinngemäß.

    • 8
      pantau

      Ergänzend: das Prinzip meiner Argumentation ist das berühmte „andersrum wird ein Schuh raus“. Nur weil eine Zuschreibung zu Gruppe A unzulässig ist, muss sie nicht für alle andern Gruppen unzulässig sein. Besonders nicht, wenn die unzulässige Zuschreibung gegenüber Gruppe A von Gruppe B Projektion ist, dann muss man die Zuschreibung halt nur umkehren. Wenn der Lügner einem Nichtlügner vorwirft, ein Lügner zu sein, fallen gerne Friedensstifter ein, die den Vorwurf von Lüge jedwedem gegenüber verdammen wollen, weil der Vorwurf der Lüge doch so pöse sei und man so friedliebend erscheinen möchte. Ich bin z.B. auch grundsätzlich nicht gegen Hass, kommt immer drauf an, es findet sich immer ein Topf, auf den selbst der unappetitlichste Deckel passt.

  5. 9
    Nachdenklicher

    Die Brandmauer erinnert mich immer mehr an den Antifaschistischen Schutzwall. In diesem Fall verhindert er das Verlassen des sozialistischen Sektors durch die CDU/CSU.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.