Datenerfinden mit der ARD – Wenn Lügen zur Sucht wird

Das neueste Opus, mit dem im öffentlich-rechtlichen Schundfunk nicht nur Konkurrenz bekämpft, sondern der Boden für ein „Social Media Verbot für Kinder und Jugendliche“ nach Vorbild Dänemarks bereitet werden soll, sieht so aus:

Nichts, von dem, was in Über- und Subüberschrift von Hinz zu lesen ist, stimmt.
Alles, was zu lesen ist, ist entweder freie Erfindung oder Phantasie eines Schreibers, der es offenkundig mit der Wahrheit nicht so genau nimmt.

Weder gibt es irgend einen Beleg dafür, dass „Mediensucht bei Jugendlichen“ aktuell die „größte Sorge“ von Eltern ist, noch ist es so, das sich „immer mehr Jugendliche in Deutschland“ in sozialen Medien „verlieren“. Das einzige, was stimmt: Der Text wurde von Hinz weitgehend erfunden, um der Durchsetzung eines Verbots der Nutzung sozialer Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren den Weg zu bereiten. Hintenrum Erfinder wie Hinz, vermutlich der Bruder von Kunz, finden wir zum Kotzen.

Und Sie?

Schaffen wir den eigentlichen Zweck, zu dem die ARD einmal mehr zum Sprachrohr eines Interessenvereins reduziert wurde, gleich aus dem Weg:

„“Der Medienkonsum der eigenen Kinder ist die aktuell größte Sorge von allen Eltern in Deutschland“, sagt Verena Holler von der Elterninitiative „Smarter Start“. Mehr als 250.000 Unterschriften konnte sie für die Forderung „Social Media ab 16“ sammeln. Gemeinsam mit anderen Eltern diskutierte sie die Petition gestern im Ausschuss des Bundestages.

Konkret fordert die Initiative ein gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren für kommerzielle Social-Media-Plattformen wie Instagram, Snapchat oder TikTok. Als Vorbild gelten Länder wie Australien, das ab dem 10. Dezember 2025 soziale Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren komplett verbieten wird.“

Quelle: Tagesschau

Es geht also um ein Verbot, mit dem Leute, die sich vermutlich für gute Menschen halten, obschon es sich bei Ihnen eher um Sadisten handelt, die nicht zusehen können, wenn andere ihre noch vorhandene Freiheit in einer von ihnen missbilligten Weise nutzen, einmal mehr die Freiheit unter dem Vorwand „Jugendschutz“ einschränken wollen. Zur Erinnerung: Die Behauptung von ARD Schreiber Hinz lautete: „Mediensucht“ sei die „aktuell größte Sorge von Eltern“. 250.000 Hanseln haben die Petition von „Smarter Start“ unterschrieben. Nach letzter Zählung des Statistischen Bundesamts gibt es in Deutschland rund 8,4 Millionen Haushalte, in denen mindestens ein Kind lebt. Das übersetzt sich in rund 16,8 Millionen Eltern mit „größten Problemen“, die in vielen Fällen vermutlich nicht einmal entfernt etwas mit „Mediensucht“ zu tun haben. Einen Interessenverein zum Leumund für dessen ureigene Interessen machen zu wollen, kann auch nur einem ARD-Schreiber, der schreiben muss, was ihm aufgetragen wurde, einfallen.

Kurz: Die Behauptung, Mediensucht sei die größte Sorge von Eltern ist eine reine Erfindung.

Und die Daten, die es zu Sorgen, die sich Eltern im Hinblick auf die (soziale) Mediennutzung ihrer Kinder machen, zeigen in die andere Richtung, dahin, dass sich 70% der Eltern KEINE entsprechende Sorgen machen:

„Mit knapp jedem vierten Elternteil machen sich Eltern von Kindern in der Altersgruppe 13 bis 15 Jahren am häufigsten große Sorgen um die Mediennutzung ihrer Kinder, wobei der Anteil der Eltern in den anderen Altersgruppen nur geringfügig niedriger liegt. Diese Altersspanne markiert den Übergang in die Pubertät, in der Jugendliche sich neue Online-Welten erschließen und auch die Nutzung sozialer Medien stark ansteigt.“

Quelle: Ergebnisbericht 2024/2025: Problematische Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Das Zitat stammt aus einer regelmäßig von FORSA für die DAK und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) durchgeführten Studie, die von der DAK systematisch als Längsschnittstude ausgegeben wird. Eine grobe Lüge (Lügen scheint in diesen Kreisen ganz normal zu sein), wie ein einfacher Blick in die angebliche Längsschnittstudie zeigt. Dort geben sich die Autoren zwar alle Mühe, die Tatsache, dass es keine Längsschnittstudie ist, also in mehreren Wellen DIESELBEN PERSONEN zu UNTERSCHIEDLICHEN ZEITPUNKTEN befragt werden, zu verschleiern, erfinden dazu eigens die absurde Aussage man haben Quer- und Längsschnittstudie kombiniert. Aber das täuscht nicht darüber hinweg, dass es KEINE Längsschnittstudie ist:

„Ab der dritten Erhebungswelle wurde die Stichprobe mit neuen Familien aufgefüllt, um die Repräsentativität der Stichprobe für die 10- bis 17-Jährigen zu gewährleisten“,

so heißt es im Ergebnisbericht 2024/2025. Die eine nachfolgende Tabelle zeigt, dass das Panel schon in der dritten Welle verstorben ist, dem bekannten Phänomen der Panelmortalität zum Opfer gefallen ist. Ab der „3. Welle“ handelt es sich um eine Querschnittsbefragung, die keinerlei Anspruch auf Längsschnitt mehr erheben kann, da ab der 3. Welle rund 94% des jeweiligen angeblichen Panels NEU gezogene Befragte sind, die erstmals befragt werden.

Quelle. Ergebnisbericht 2024/2025

Warum man eine Querschnittstudie als Längsschnittstudie ausgeben muss, ist mir schleierhaft. Vielleicht denken diese Hirnis, die Ergebnisse würden dadurch valider und der Hoax, der darin besteht, unterschiedliche Stichproben als Darstellung der Veränderung von Einstellung und Verhalten derselben Personen auszugeben, würde damit nicht auffliegen.
Lügen, wie gesagt, ist in diesen Kreisen offenkundig die Normalität.

Wir hacken deshalb auf dieser Studie von DAK und UKE herum, weil der ARD-Schreiber, Herr Hinz, diese Studie kennt. Er verlinkt sie in seinem Opus, nachdem er die Herzschmerz-Geschichte von Toni Nolde erzählt hat, die „nicht aufhören konnte … acht Stunden“ zu scrollen. Man muss eher lachen als weinen, insofern hat die Herz-Schmerz-Geschichte ihren Zweck verfehlt.

„Bis heute bin ich fast sieben Monate clean.“ Clean – das sagt Toni Nolde ganz bewusst. Denn für sie war Social Media nicht nur ein Zeitvertreib, sondern eine Sucht. Die 25-jährige Berlinerin fühlte sich krank. „Ein Rückfall wäre, wenn ich in das Verhaltensmuster zurückkomme von: Ich kann nicht aufhören. Ich bin jeden Tag wieder acht Stunden am Scrollen.“

Toni begann mit 13 Jahren, viel Zeit auf YouTube und später auf Instagram zu verbringen. Online fand sie, was sie offline vermisste: Anerkennung, Ablenkung, Nähe. Über die Jahre wurde aus Gewohnheit eine Abhängigkeit.

Dabei ist sie längst kein Einzelfall. Laut einer Studie der Krankenkasse DAK und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ist mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland mediensuchtgefährdet. Ein Anstieg von 126 Prozent seit der Corona-Pandemie.

Quelle: Tagesschau

Wir haben den Link im Zitat aus dem Hinz-Text belassen, damit sich jeder das Ausmaß des Betrugs und der Lügen selbst zu Gemüte führen kann. In der Überschrift hat Hinz behauptet, dass Mediensucht zunehmen, IMMER MEHR JUGENDLICHE sich in Deutschland in Medien verlieren und den Ausstieg nicht mehr schaffen würden, und die Studie von DAK und UKE, die wir oben eingeführt haben, als Beleg dafür angegeben. Eine Studie, in der das Wort Mediensucht übrigens nicht vorkommt, die vielmehr das, was die Autoren als riskantes bzw. pathologisches Nutzungsverhalten bei Spielen, Sozialen Medien oder Streaming-Diensten ansehen, zum Gegenstand hat [Was man von dieser Pathologisierung des Medienkonsums von Jugendlichen zu halten hat, haben wir in einem älteren Post dargestellt, der sich hier findet].

Die von Hinz verlinkte Studie zeigt in allen Bereichen keine Zunahme, sondern das Gegenteil dessen, was Hinz behauptet: eine Abnahme. Wir zitieren:

„Im Herbst 2024 erfüllten 8,6 % der Kinder und Jugendlichen die ICD-11-Kriterien für riskantes Computerspielverhalten (vgl. Abb. 2). Im Vergleich zur vorangegangen Erhebungswelle ist dies ein Rückgang um 22,5 % …“
[…]
Im Herbst 2024 zeigte die Prävalenz der riskanten Nutzung sozialer Medien mit 21,1 % erstmals seit Beginn der Pandemie einen leichten Rückgang [von 24,5% auf 21,1%].“

Quelle: Ergebnisbericht 2024/2025: Problematische Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Es werden also nicht immer mehr, wie Hinz behauptet, es werden weniger.

Zudem ist die Behauptung, mit den Daten von DAK und UKE könnte ein Verlauf über Zeit gemessen werden, falsch, denn die dazu notwendigen Längsschnittdaten sind NICHT vorhanden.
Mediensucht ist auch nicht „die größte Sorge der Eltern“, also aller Eltern, sie ist EINE Sorge, die rund 30% der Eltern umtreibt, 70% nicht.

Enno Hinz hat die Daten, die er in seinem Beitrag verbreitet, erfunden.
Warum?
In boshafter Absicht?

Hinz schreibt:

„Dabei ist sie längst kein Einzelfall. Laut einer Studie der Krankenkasse DAK und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ist mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland mediensuchtgefährdet. Ein Anstieg von 126 Prozent seit der Corona-Pandemie.“

Quelle: Tagesschau

Die Daten, die er hier vertextet, sehen so aus:

Quelle: Ergebnisbericht 2024/2025

Riskante Nutzung von Sozialen Medien wird mit der Social Media Disorder Scale for Adolescents erhoben, die aus den folgenden 10 Fragen besteht:

  1. Ich bin in sozialen Medien häufig länger online, als ich mir vornehme.
  2. Ich kann oft nicht aufhören, obwohl ich es sollte (z. B. auf Anweisung von Eltern).
  3. Ich verfolge keine Hobbys mehr, weil ich lieber in Social Media bin.
  4. Ich vernachlässige Aufgaben wie Hausaufgaben oder Aufräumen.
  5. Ich nutze weiter, obwohl es zu Konflikten mit Familie/Freunden führt.
  6. Meine Schule/Ausbildung leidet darunter (z. B. schlechtere Noten).
  7. Ich vernachlässige Pflege/Gesundheit (z. B. zu wenig Schlaf).
  8. Ich verliere wichtige Kontakte durch die Nutzung.
  9. Es gibt Nachteile in Schule/Job (z. B. Abmahnung).
  10. Wie oft traten diese Probleme auf? (z. B. einzelne Tage, Wochen/Monate, täglich).

Die Aussagen 1 bis 9 erheben die Symptome der vermeintlichen „Soziale Medien Sucht“, Aussage 10 misst die Ausprägung. Eine riskante Mediennutzung soll derjenige zeigen, der mindestens 5 dieser Aussagen zustimmt und diese „Probleme“ als mindestens einmal wöchentlich auftretend beschreibt. Wer also häufiger online ist, als er sich vorgenommen hat, nicht aufhören kann, obwohl er es sollte, Social Media zu seinem Hobby gemacht hat, Aufräumen vernachlässigt und Nachteile in der Schule sieht, und diese Probleme als wöchentlich oder seltener einstuft, der gilt als „riskant“, wer sagt, „die Probleme“ seien täglich, erhält das Etikett „pathologisch“.

Nun stellen Sie sich einen Aktivisten von Fridays for Future vor, der seine ganze Nachschulzeit in Klimaaktivismus steckt, der seine Freunde vernachlässigt, alle Hobbies zugunsten der Planetenrettung aufgegeben hat, der seine Körperpflege vernachlässigt, schulische Probleme akkumuliert, schon weil er seine Hausaufgaben nicht mehr anfertigt, Probleme, die ihn täglich heimsuchen. Ist es nicht an der Zeit, die DAK und das UKE erfinden die pathologische Planetenrettungssucht, damit der Herr Hinz bei der ARD darüber schreiben und ein Verbot von Klimaaktivismus bis 16 Jahren fordern kann?

Das wird er natürlich nicht tun.

Schon weil allein zur Erkenntnis der Analogie zwischen der Planetenrettungssucht und der Mediensucht mehr Grips notwendig ist, als Hinz und Kunz gewöhnlich haben, aber es macht sehr deutlich, was man von diesem Junk, der nur erfunden wurde, um über angeblichen Jugendschutz weiter Möglichkeiten zu haben, um Bürger zu gängeln und dem Willen von Gutmenschen zu unterwerfen, zu halten hat.


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5Comments

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  1. 1
    ERINNERUNG

    Das ist wieder einmal ein ARD Nebenkriegsschauplatz.

    Könnte es sein, daß sich die Eltern viel mehr Sorgen machen um so
    etwas: (Man achte auf die Worte des ehemaligen Nato Generalsekretärs Stoltenberg).

  2. 2
    Fisial

    Mir wird immer kotzübel wenn ich diese EU Fanatikerin sehe und höre- ihre Aktionen erinnern mich immer mehr an Gestalten wie Stalin, AH, Pol Pot, Kim Jong Un, Honecker, u.a. despoten , Tyrannen, die über Leichen gehen um ihre Ideologie durchzusetzen— abartig, soziopathisch

  3. 3
    Sabine Römer

    Vielen Dank für den Artikel. Die verzerrende Darstellung der Studie ist sehr gut ausgearbeitet. Doch die Überschrift ist nicht „frei erfunden“. Es gibt eine Umfrage von Forsa, die genau das Ergebnis hat. Auf Seite 12 der Ergebnisse der Umfrage steht, dass 50 % der Eltern als größte Sorge den Medienkonsum der Kinder anführen. Es folgen mit 29 % die mangelnde Motivation des Kindes und mit 23 % die schulischen Leistungen. Interessant ist, dass laut der Studie zwischen 83 und 85 % der Eltern andererseits sagen, sie fühlten sich in der Lage, ihre Kinder bezüglich Medienkonsum gut anzuleiten. Hier der Link zur Forsa-Umfrage: https://koerber-stiftung.de/site/assets/files/48626/bericht_eltern_unter_druck_2025_forsa.pdf

    • 4
      Michael Klein

      Es gibt sicher noch mehr als diese Studie von Forsa.
      Aber das ist nicht der Punkt, denn der Autor des Beitrags auf Tagesschau.de verlinkt nicht die von Ihnen gefundene Studie, sondern eine andere, mit einem anderen Ergebnis. Medienkonsum hat zudem nichts mit Mediensucht zu tun.
      Insofern ist die Überschrift korrekt.
      Was in auf tagesschau.de steht, ist frei erfunden, denn wenn Herr Hinz die von Ihnen verlinkte Studie gekannt hätte, er hätte sie sicher zitiert.

  4. 5
    Klaus

    Dabei geht es doch gar nicht um das Wohlergehen der Jugendlichen. Das ist der Politik genau so egal wie das unsere. Es geht einzig und allein um Macht und deren Erhalt. Genau letzterer wird durch das freie Internet zunehmend gefährdet, deshalb es bekämpft werden muss. Und was wäre dazu ein erster großer Schritt? Genau, die Abschaffung der Anonymität. Und wie erreicht man dies? Genau, mit einer Altersverifikation, die Ausweisdaten mit einem evtl vorhandenen Pseudonym verknüpft.
    Ist ja nicht der erste Versuch, das Internet zu kontrollieren ( Stichwort Chatkontrolle gegen Kinderpornografie) wegen angeblichem Jugendschutz.

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