Kinderlähmung ist zurück: RKI findet Poliomyelitis-WILD-Viren in Hamburgs Abwasser

Offiziell ist Polio mehr oder minder ausgerottet – jedenfalls, was die Wildtypen 2 und 3 betrifft. Die letzte Erkrankung an Kinderlähmung in Deutschland, die einen Wildtyp von Poliomyelitis zum Ausgangspunkt hatte, stammt aus dem Jahr 1990. Die letzte importierte Erkrankung an Kinderlähmung, verursacht durch Wildtyp 1 aus dem Jahre 1992. Seither sind alle Wildtypen aus Deutschland und nicht nur aus Deutschland verschwunden. Aktuell gibt es nur 2 Länder, in denen der Wildtyp 1 von Poliomyelitis überhaupt (wenn man so will: endemisch) vorhanden ist: Afghanistan und Pakistan.

Quelle: WHO

Seit 2021 werden in Deutschland im Rahmen des RKI-Forschungsprojekts „PIA“ Abwasserproben systematisch nach Viren durchsucht. In der Vergangenheit wurden wiederholt Poliomyelitis-Viren in Frankfurt am Main, Mainz, München oder Köln nachegwiesen. Indes, all die vergangenen Nachweise betreffen nicht den Wild-Typ von Poliomyelitis sondern CDVDP2 -circulating vaccine-derived poliovirus 2 – das Poliovirus, das einst Impfstoff war, das von Geimpften ausgeschieden wurde und sich nun munter in einer für diese Variante von Polio anregenden Umgebung repliziert.

Der Fund von Poliomyelitis im Abwasser von Hamburg am 25. Oktober 2025 ist davon verschieden.

Denn er betrifft den Wild-Typ 1 von Polio, den ursprünglichen Erreger, der eigentlich als ausgerottet gelten könnte, wäre er nicht weiterhin in Afghanistan und Pakistan virulent und von dort  in mindestens drei weitere Länder diffundiert worden: den Iran (2019), Malawi (2021) und Mosambik (2022). Deutschland hat nun die Auszeichnung, Teil dieser illustren Runde von Ländern zu sein, in denen der Wildtyp 1, der ursprüngliche Erreger, der Kinderlähmung zur Folge hat, wieder heimisch zu werden scheint.

Die Suche nach dem Ursprung des in Hamburg nachgewiesenen Polio Wildtyps 1 ist schnell beendet, denn da es den Wildtyp von Poliomyelitis nur noch in Afghanistan oder Pakistan in hinreichender Menge zum Export zu finden gibt, muss er von dort importiert worden sein, am wahrscheinlichsten durch Asylbewerber.

Das führt uns zur folgenden kryptischen Beschreibung der Relevanz des Funds, die wir im Epidemiologischen Bulletin des RKI 46/2025 vom 13. November 2025 gefunden haben:

„Der aktuelle Nachweis spricht dafür, dass die Viren von mindestens einer Person ausgeschieden wurden, die sich um den Zeitpunkt der Abwasserprobenahme in Hamburg aufgehalten hat.“

Der geübte Leser erkennt das Gaslighting sofort.

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Natürlich muss mindestens eine infizierte Person vorhanden sein, um Poliomyelitis Viren in Abwasser finden zu können.

Aber das ist nicht die Frage.

Die Frage, die man hier stellen muss, lautet: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man in einer Wasserprobe von einem Liter in einer Stadt der Größe von Hamburg Viren von GENAU EINEM Träger nachweisen kann bzw. wie wahrscheinlich ist es, dass man überhaupt Poliovirus in einer ABWASSERPROBE nachweisen kann? Wie verbreitet muss Poliomyelitis sein, um in Abwasser fündig werden zu können?

Die Antwort auf diese Frage hängt, man kann es vermuten, mit der Bevölkerungsdichte zusammen, sie hängt mit der sonstigen Verunreinigung im Abwasser, der Lösung im Abwasser und vielen weiteren Faktoren zusammen, die dazu führen, dass die Wahrscheinlichkeit in einer durchschnittlichen Abwasserprobe den Nachweis für Poliomyelitis führen zu können, eine Prävalenz von mindestens 1% voraussetzt. D.h. man benötigt 10 Virenträger unter 1000 Bevölkerung oder 1000 Virenträger und 100.000 Bevölkerung oder 10.000 unter 1 Million Bevölkerung, um überhaupt fündig werden zu können.

Grass.

Quelle: Khaama Press: Polio in Pakistan

Die Frage, wie viele jenseits der RKI-„Schätzung“ von „mindestens einer Person“ in Hamburg als Träger von Poliomyelitis-Viren vom Wildtyp 1 unterwegs sind, hängt also mit dem Eintrag an der Stelle zu sammen, an der die Wasserprobe entnommen wurde: Das Abwasser von wie vielen Personen fließt an dieser Stelle zusammen? Sind es 100.000 (dann hätten wir rund 1000 Träger), sind es 750.000 (dann hätten wir 7.500 Träger)? In jedem Fall wird die Zahl derjenigen, die in Hamburg mit Poliomyelitis Wild-Typ 1 Viren unterwegs sind, deutlich über der Zahl von „einer Person“ liegen.

Kinderlähmung ist wieder da.

Wer sich in die Berechnung der Entdeckungswahrscheinlichkeit für Viren in Abwasser einlesen will, der kann das mit den folgenden Arbeiten tun:

Godinez, Alejandro, Mohammed Alazawi, Milagros Neyra, Brianna Hanson, Dana Neigel, Kirsten St George, Dan Lang, and David A. Larsen (2025). Lessons learned from upstream wastewater sampling in response to poliovirus in New York State. Science of the Total Environment 997: 180216.

Larsen, David A., Dustin Hill, Yifan Zhu, Mohammed Alazawi, Dana Chatila, Christopher Dunham, Catherine Faruolo et al. (2024). Non-detection of emerging and re-emerging pathogens in wastewater surveillance to confirm absence of transmission risk: A case study of polio in New York. PLOS global public health 4(12): e0002381.

WHO (2023). Field guidance for the implementation of environmental surveillance for poliovirus. Geneva: WHO.


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2Comments

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  1. 2
    ERINNERUNG

    Einfach mal aus diesem inszenierten Info-Trommelfeuer auftauchen und sich umsehen:
    „Corona war nur Phase 1“ Dr. M. Nehls
    Literatur: „Das indoktrinierte Gehirn“

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