Renaissance der Volksgemeinschaft als Bienenvolk: Nationalsozialistische Lehren vom Deutschlandfunk verbreitet

Wer sich etwas näher mit den Schauprozessen, die unter anderem gegen Björn Höcke geführt wurden und werden, beschäftigt hat, dem ist vermutlich die zentrale Rolle, die darin dem Begriff der „Volksgemeinschaft“ zugewiesen wird: ein quasi Wahrzeichen der Ausgrenzung und Bollwerk gegen Diversität, das von „Rechten“ angeblich zu Diskriminierung, Ausgrenzung und natürlich Rassismus genutzt werde, aufgefallen..

Bei steuergeldkonsumierenden Near Government Organisations (NGOs) wie der Amadeu-Antonio-Stiftung (AAS) nimmt das die folgende sprachliche Gestalt an:

„Deutschland nur für „Deutsche?“ Das war in den 80er und 90er Jahren die beliebteste neonazistische Parole und hat zu Mord und Totschlag geführt. Jetzt grölen sie AfD-Mitglieder nach Parteitagen – ohne Hemmungen, öffentlich in der Disco. Und wer deutsch ist, bestimmen sie. Große Teile der AfD streben eine weitestgehend ethnisch homogene Volksgemeinschaft an. In der Wissenschaft wird dies als völkischer Nationalismus bezeichnet.“

Quelle: AAS-Stiftung

Die „Volksgemeinschaft“ ist, obschon im Kern eine durch und durch linke Idee, wie wir hier ausführlich gezeigt haben, zum Fixpunkt, zum Fetisch derer geworden, die sich für die Guten halten, die Demokratie dadurch retten wollen, dass sie alles, was Demokratie auszeichnet, zerstören.

Um den Sprengstoff, der mit dem Begriff der Volksgemeinschaft verbunden ist, genau zu verstehen, ist es sinnvoll, eine kleine und recht kurze Reise durch die Ideengeschichte zu unternehmen, die in diesem Post bei Oswald Spengler beginnt, der dem „ausschließend Organischen“, das eine „Volksgemeinschaft“, wie sie von Sozialisten und Nationalsozialisten beschworen wurde, sprachliche Gestalt gibt, zuerst 1918 in seinem Bestseller: „Untergang des Abendlandes“:

„Kulturen sind Organismen. Weltgeschichte ist ihre Gesamtbiographie. Die ungeheure Geschichte der chinesischen oder antiken Kultur ist morphologisch das Gegenstück zur Geschichte der einzelnen Pflanze, des Tieres, des Menschen. Es gibt ein Wachsen, Reifen, Welken und Absterben. Jede Kultur durchläuft die Alterstufen des Individuums. Sie hat ihre Kindheit, ihre Jugend, ihr Mannesalter und ihr Greisentum.“

Individuen sind „nichts“, wie es später unter anderem Himmler auf den kollektivistischen Punkt gebracht hat. Sie werden nur zu „etwas“, durch ihre Einbindung in eine KULTUR, die sich wiederum die Gestalt eines Volkes oder einer Nation gegeben hat. In dieser KULTUR ist der Platz jedes Einzelnen vorbestimmt, als Teil eines Organismus, der ohne den Einzelnen leben kann. Aber der Einzelne kann nicht ohne Anbindung an den Organismus sein.

1919 hat Spengler seine Gedanken noch etwas präziser und deren Anbindung an den Sozialismus noch deutlicher gemacht, und zwar in seiner Schrift: Preußentum und Sozialismus, in der sich Spengler zunächst darin gefällt, Sozialismus und Preußentum als zwei Bezeichnungen des selben einzuführen, denn beide seien Ausdruck des menschlichen Triebes, sich unter-, sich einzuordnen:

„Preußentum und Sozialismus sind eins. […] Der preußische Instinkt war immer sozialistisch. Sozialistisch ist der Trieb, sich in eine Gemeinschaft einzufügen, sich einem Ganzen unterzuordnen, für etwas Größeres zu leben und zu sterben. Der Engländer ist Individualist, der Preuße ist Sozialist, ohne es zu wissen.“

Die Frontstellung von Sozialismus, von Gemeinschaft als Gegenstück zu Gesellschaft ist eine Frontstellung einer kollektivistischen Ideologie gegenüber dem Liberalismus, der von vielen in Deutschland als Kultur der Engländer angesehen wird bzw. wurde, also als etwas, das dem deutschen Wesen fremd sei.

„Wir sind Sozialisten, weil wir das Ganze sehen, das Volk, den Staat, die Gemeinschaft – nicht die Summe der Individuen. Der Liberalismus ist die Lehre vom Ich, der Sozialismus die Lehre vom Wir.“

Liberalismus ist auf individueller Autonomie gegründet. Philosophen wie Thomas Hobbes oder David Hume oder Adam Smith sehen den Ausgangspunkt aller Agency beim Individuum, das alleiniger Träger von Rechten ist, die auf einen kollektiven Dienstleister übertragbar sind. Indes gewinnt der „kollektive Dienstleister“ seine Existenz aus individueller Entscheidung, anders als im deutschen Kollektivismus, in dem der Einzelne nur Existenz als Teil des Ganzen erreichen kann, oder wie Spengler schreibt:

„Der preußische Sozialismus kennt keine ‚Rechte‘ des Individuums, sondern nur Pflichten gegen das Ganze. Jeder hat seinen Platz, seine Aufgabe, seine Verantwortung – und weicht nicht davon ab. Der Einzelne ist nichts, das Ganze ist alles.

Die Frontstellung des deutschen Kollektivismus, in seiner Ausprägung von Preußentum, Sozialismus, Kommunismus oder Nationalsozialismus zum englischen Liberalismus wird in den Schriften von Arthur Moeller van den Bruck, den Linke heute wieder als Wegbereiter recht(sextrem)er Ideologie entdeckt zu haben scheinen, besonders deutlich:

„Liberalismus hat die Völker in Individuen aufgelöst. Wir wollen die Individuen wieder zu einem Volk zusammenschließen.“

Das Mechanische, das für Leute wie van den Bruck im Begriff der Gesellschaft zum Ausdruck kommt, wird explizit mit dem Organischen der Gemeinschaft, dem natürlichen Hort des Einzelnen kontrastiert, das Schaffen von Ganzheiten, die Bindung des Individuums an „das Ganze“ von Volk, Staat und Gemeinschaft zur konservativen Aufgabe erklärt oder wie van den Bruck im „Dritten Reich“ schreibt:

„Konservativ sein heißt, Ganzheiten schaffen. […] Wir wollen nicht die Freiheit des Individuums, sondern die Bindung des Individuums an das Ganze: an Volk, Staat, Gemeinschaft.“
[…]
„Junge Völker sind Organismen, alte Völker sind Organisationen.“

In den zitierten Stellen wird die Bedeutung der „Gemeinschaft“, der „Volksgemeinschaft“ als der Gemeinschaft, auf die Individuen verpflichtet sind, aus der sie ihren Lebenssinn, ihre Existenz erhalten, sehr deutlich, Kurt Sontheimer hat derartige Aussagen, die in der Weimarer Republik und im Dritten Reich nahezu epidemische Ausmaße angenommen haben, wie folgt zusammengefasst:

„Gemeinschaft war das magische Wort der Weimarer Zeit. Von der Gemeinschaft der kleinen Gruppen (= Bund) aufwärts bis zum Volk als letzter und höchster Gemeinschaft aller Deutschen reichte die Ausstrahlung eines Begriffes, über dessen Grenzen man sich nicht im klaren war. Im Bereich des Politischen vermochte der Gemeinschaftsgedanke eine so nachhaltige Wirkung zu entfalten, weil Gemeinschaft Einheit, Stärke, und innere Geschlossenheit verhieß, alles Dinge, an denen die Weimarer Republik gebrach; aber auch weil der Gemeinschaftsgedanke dem in der Gesellschaft zum Massenpartikel gewordenen einzelnen wieder Geborgenheit, Sicherheit und einen festen Ort im sozialen Gefüge und eine warme heimelige Atmosphäre versprach.“

Kurt Sontheimer (1968). Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik.

Um diese Ideen zu popularisieren, haben die meisten Ideologen dieser kollektiven Idee eine Analogie mit Bienenvölkern hergestellt. Der Vergleich einer Volksgemeinschaft mit einem Bienenvolk, war einer der beliebtesten Vergleiche, die in Weimarer Republik und Drittem Reich vorgenommen wurden, um dem „lumpigen Individuum“, wie es einst Friedrich Engels, der Dämliche, formuliert hat, seinen Platz in der Gemeinschaft zuzuweisen und jedes individualistische Freiheitsbestreben, das im Liberalismus begründet ist, zu beseitigen.

Nicht von ungefähr sind liberale Parteien, die zu Beginn der Weimarer Republik noch rund 30% der Stimmen erhalten hatten, in Bedeutungslosigkeit versunken. Weder in der Weimarer Republik noch im nachfolgenden Dritten Reich gab es einen Bedarf für Individualismus, denn nahezu alle, die die politische Arena bevölkert haben, waren sich darin einig, dem Individuum jedes eigenständige Recht auf Existenz und daraus abzuleitende Freiheitsrechte abzusprechen und die Bienen-Erzählung war der metaphorische Ausdruck, den diese Individuenfeindlichkeit gefunden hat.

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„In der Natur siehet der Weise das Vorbild: Das Bienenvolk ist keine Summe von Atomen, sondern ein Leib, in dem jede Zelle dient. Die Biene, die sich absondern will, stirbt; nur im Stock, gebunden an Blut und Ordnung, lebt sie. So muss die arische Gemeinschaft sein – ein Mythos des Blutes, wo der Einzelne sein Ich opfert für das Ewige.““

oder bei Richard Walther Darré

„Das Bienenvolk lehrt uns den Sozialismus der Natur: Eine einzelne Biene ist hilflos und stirbt allein, aber im Stock, als Organismus, blüht sie auf. Jede hat ihre vorbestimmte Aufgabe – die Arbeiterin sammelt, die Königin zeugt, der Drohn opfert sich. So soll unser Volk sein: Der Bauer am Boden, der Arbeiter in der Fabrik, alle im Dienst der Gemeinschaft, ohne das falsche Ich des Liberalismus.“

oder bei Heinrich Himmler

„Die SS ist wie ein Bienenstock. Die einzelne Biene ist nichts, der Stock ist alles. Jede Biene hat ihre Aufgabe, und weicht sie ab, stirbt der Stock. So muss es im Volk sein: Jeder Mann, jede Frau hat seinen Platz, und nur im Dienst am Ganzen lebt das Volk.“

Und weil dem so ist, und weil jeder auch nur ansatzweise gebildete Mensch um die Verbindung individuenverachtender Ideologien wie Kommunismus, Nationalsozialismus oder Sozialismus und Bienenvolk-Metapher weiß, deshalb sind Aussagen wie die folgende, die am 5. Oktober 2025 in einer Sendung des Deutschlandfunks mit dem Titel „Zwischentöne“ gemacht wurde, nicht entschuldbar und Ausdruck einer erschreckenden Renaissance kollektivistisch, individuenfeindlicher, faschistischer Ideologie:

„Das Bienenvolk nacht es ja eigentlich vor, wie wir Menschen uns zu verhalten haben. Also das Individuum stellt sich in den Dienst der Gemeinschaft. Eine einzelne Biene ist nichts, aber im großen Ganzen als ganzer Organismus, da funktioniert das, da hat jeder seine Aufgabe, jeder weiß, was zu tun ist, man unterstützt sich und das machen uns die Honigbienen vor und das glaube ich, das färbt schon ein stückweit auf die … Schüler ab.“

Fritz Höfler, Zwischentöne, Deutschlandfunk

Die Tatsache, dass Moderator Anna Seibt überhaupt nichts zu der Verwendung nationalsozialistischer Symbolik einfällt, ist noch erschreckender als der frank und freie Gebrauch der Symbolik durch Fritz Höfler. Beides zeigt, wie weit vorangeschritten Deutschland auf dem Weg in die nächste 1000jährige Episode des Kollektivismus und wie normal die entsprechende Indoktrination in Schulen, in der Gesellschaft bereits ist.


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12Comments

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  1. 1
    Bill Miller

    Kollektivismus für die Masse als willfährige Arbeiter:innen. Aber immer unter Kontrolle und zum Nutzen der Elite. Eventuell noch Soldaten zur Verteidigung (der Elite).
    Das war schon der Traum von Plato.
    Und davon träumen die sich als Elite wähnenden Schwätzperten noch heute.

  2. 2
    ERINNERUNG

    Menschen sind keine Insekten, und Vergleiche hinken; der Nachfolgende, den mir vor Jahrzehnten ein alter Amtsgerichtsrat erzählte, trifft den Kern:
    Auf dem Land habe ein Parteigenosse vor Publikum am Beispiel des Adlers so geredet: Die Flügel seien die Luftwaffe, Schnabel, Krallen das Heer, die Augen… u.s.f.
    Schließlich habe ein alter Landwirt zu dem PG gesagt: „Und das Arseluck von den Adlär, das bist du.“

  3. 3
    Peter Zinga

    Individualismus oder Egoismus?!
    Niemand kann absolut frei sein (willkürlich), sonst würden wir aufhören, Menschen zu sein. Freiheit innerhalb der Regeln – ohne sie geht es nicht. Alles auf der Welt ist von Regeln bestimmt, und wer sich nicht daran hält, wird bestraft – es sei denn, er kann mit Gewalt neue schaffen (zum Beispiel der Jagrevier des Tigers).
    Wenn Sie die Volksgemeinschaft nicht mőgen, warum argumentieren Sie dann hier gegen Migration?!
    Oder habe ich den Aufsatz falsch verstanden?!

    • 5
      pantau

      Diese Freiheit innerhalb von Regeln, die man wiederum in Freiheit bewertet und sich freiwillig an sie bindet, weil sie vernünftig sind, IST doch gar nicht denkbar ohne Individualismus. Er ist die Basis jeder sach- und wertegelenkten Entscheidung. Das blinde Befolgen von Regeln, weil sie nun mal gelten, egal wie schwachsinnig, das hatten wir doch in der Coronazeit. Dagegen opponieren konnten nur INDIVIDUEN.

  4. 7
    Fisial

    Die meisten Diktatoren und Tyrannen von AH über Stalin Lenin Mussolini Pol Pot Idi Amin uvm – haben selbst keine Person umgebracht- das haben die eifrigen Helfer für sie erledigt- millionenfach – das ist Kollektivismus -Sozialismus – Kommunismus- Fasciismus

  5. 8
    pantau

    Mir scheint es dass, zumindest unter Deutschen, der Kollektivismus die Regel ist. Er ist im Vereinsmeiertum quasi im idle Modus. Und im Enthusiasmus, sich den schwachsinnigen und betont widersinnigen Corona Regeln zu unterwerfen und auch andere auf Spur zu bringen, zeigte er noch mal in aller synchronisierten Breite sein dumm-gefährliches Schafsgesicht.

  6. 9
    Andreas_Sch.

    Interessant ist immer wieder, wie schnell „Kollektivlisten“ den Wert des Individuellen erkennen, wenn es um den eigenen A …, pardon, Bürzel geht.

  7. 12
    zargel

    Hm, dieses Bienenvolk-Analogon stammt doch mW aus der französischen Monarchie des 19. Jhdts, als die Biene als Quasi-Staatswappen überall eingestickt wurde. Jedenfalls ist mir das so als Muster erinnerlich. Was dort und damals für eine Ideologie im Schwange war, weiß ich nicht, nur daß das Bienenmuster dort aufkam, die Bienenvolk-Metapher also älter ist wie Weimarer Republik.

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