Kaum eine Woche, ohne neue Forschungsergebnisse zu Alzheimer. Der letzte Beitrag, der einen interessanten Blick auf Alzheimer wirft, ist dieser Beitrag:
Mehr oder weniger verantwortlich für diesen Beitrag ist Stuart Lipton, der im „et al.“ verschwunden ist. Lipton hat vor rund 30 Jahren einen Prozess entdeckt, der den Namen S-Nitrolysierung trägt, ein Prozess, in dessen Verlauf ein Stickstoffmonoxid-Molekül (NO) kovalent an die Thiol-Gruppe (-SH) eines Cystein-Rests in einem Protein bindet und dadurch dessen Struktur, Aktivität oder Lokalisierung verändert.
NO ist ein wichtiger Botenstoff im menschlichen Körper und ein Problem, wenn er zu aktiv ist, wenn es ein „zuviel“ an S-Nitrolysierung gibt, wie sie von NO ausgelöst wird, vor allem von nitrosativem Stress, wie er bei Alzheimer Patienten vorhanden ist.
Wie er zum Problem wird, das haben die oben genannten Forscher gezeigt.
Der zentrale Akteur in einr Kaskade der Probleme, die zu Alzheimer führen, ist STING – STIMULATOR OF INTERFERON GENES – ein wichtiges Protein im menschlichen Körper, eine Art schnelle Eingreiftruppe gegen Fremd-DNA, die Pathogene aufspürt und die Alarmglocke schlägt.
Dabei spielt das Enzym cGAS (zyklische GMP-AMP Synthase) eine wichtige Rolle, denn es ist in der Lage, doppelsträngige DNA im Zytosol, dem gelartigen Teil des Zytoplasma, in dem die Organellen schwimmen, zu entdecken.
Nach Entdeckung produziert cGAS 2′3′-cGAMP, einen Botenstoff, der an STING bindet (das sich in der Zelle findet).
Und mit STING beginnt die Signalkaskade.
Nachdem cGAMP angedockt hat, verändert sich STING zum Oligomer, d.h. es formt Klumpen und wandert zum Golgi-Apparat, einer Art Rekrutierungsstelle, in der man Kinase TBK1 (Tank Binding Kinase) bekommen kann, um den Transkriptionsfaktor IRF3 (Interferon Regulatory Factor 3) zu phosporylieren.
Phosphorylierter / aktiverter IRF3 wandert dann in den Zellkern und aktiviert dort die Produktion von Typ-I-Interferonen (IFN-α und IFN-β).
Damit nicht zufrieden wird zudem der NF-κB-Weg aktiviert, aus dem die Produktion pro-inflammatorischer Zytokine (z. B. TNF-α, IL-6) resultiert.
STING ist eine zentrale Instanz in der Immunabwehr des Körpers und eine gefährliche obendrein, denn wenn die Kaskade aus den Fugen gerät, die Inflammatorische Antwort auf den identifizierten Schädling zu intensiv ausfällt, dann kehrt sich die Immunantwort in das Gegenteil des beabsichtigten um, macht schwer krank anstatt die Gesundheit zu schützen. Ergo ist es wichtig, STING herunterzuregulieren, wenn es nicht mehr gebraucht wird bzw. eine zu intensive Aktivierung von STING zu verhindern.
Eine solchen aus dem Rahmen geratene Immunantwort, einen SNO-Storm (S-Nitrolysierung) haben Lipton und sein Team entdeckt, einen, der über STING verläuft und keinerlei Anregung von cGAS benötigt, denn STING wird durch ein zuviel an NO-Molküle ausgelöst, die direkt Cystein 148, eine Aminosäure, die Teil des STING-Proteins ist, anvisiert und Cystein 148 S-nitrosyliert und damit genau die nunmehr fatale Kaskade auslöst, die oben beschrieben wurde, quasi als Kurzschluss und unter Umgehung von cGAS.
Die Folgen sind erheblich, denn sie setzen einen sich selbst verstärkenden Prozess in Kraft.
Die S-Nitrolysierung von Cystein 148 verändert die Struktur von STING. Es oligomerisiert nun leichter auch dann, wenn das normalerweise die Oligomerisierung auslösende cGAMP nicht oder kaum vorhanden ist. Oligomerisiertes STING aktiviert die Kaskade, die oben bereits beschreiben wurde (TBK1 → IRF3). Die Folge ist eine massive Typ-I-Interferon-Produktion und eine Neuroinflammation in Mikroglia, den Immunzellen des Zentralen Nervensystems.
Tatsächlich haben die Forscher im Gehirngewebe von an Alzheimer Verstorbenen S-Nitrolysierung nachgewiesen und vor diesem Hintergrund getestet, ob es möglich ist, Einfuss auf neurodegenerative Prozesse im Gehirn zu nehmen, in dem der Zugang von NO-Botenstoffen zu Cystein 148 geblockt wird, einfach dadurch, dass ein STING-Protein geschaffen wurde, das kein Cystein 148 enthält. Die Ergebnisse entsprechen den Hypothesen:
In Alzheimer-Gewebe, das mit STING ohne Cystein 148 versetzt war, konnte Neuro-Entzündung reduziert werden und vor allem verhindert werden, dass die Synapsen, die Verbindungen zwischen Nervenzellen absterben. Ob aus den Ergebnissen der Studie eine Therapie werden wird, ist noch unklar. Dazu wird es zunächst notwendig sein sicherzustellen, dass eine Entfernung von Cystein 148 aus STING keine negativen Effekte mit sich bringt, die die positiven Effekte weit überragen.
Falls Sie unsere Arbeit unterstützen, und dafür sorgen wollen, dass bei ScienceFiles auch weiterhin das Rad rund läuft, dann kaufen Sie uns doch einen Kaffee:
Oder unterstützen Sie uns auf einem der folgenden Wege
Unser herzlicher Dank ist Ihnen sicher!
DENN: ScienceFiles lebt von Spenden.
Helfen Sie uns, ScienceFiles auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, damit Sie uns auch morgen noch lesen können!Wir haben drei sichere Spendenmöglichkeiten:
Wir sehen, dass du dich in folgendem Land befindest: Vereinigte Staaten von Amerika (USA). Wir haben unsere Preise entsprechend auf US-Dollar aktualisiert, um dir ein besseres Einkaufserlebnis zu bieten. Stattdessen Euro verwenden.Ausblenden
[…] Source : Lire l’article original […]