Ich denke also bin ich, so hat einst Descartes geschrieben, oder so ähnlich, in jedem Fall nicht in Deutsch und damit ein fundamentales Problem von Existenz und Bewusstsein nicht gelöst.
Was ist Bewusstsein?
Eine dumme Frage für diejenigen, die sich bewusst sind, wissen, dass sie denken, eine feste Vorstellung von sich haben, die Welt in bestimmter Weise wahrnehmen und vor allem bewerten, vielleicht sogar Entscheidungen treffen.
Eine relevante Frage für Fleischberge die in Supermärkten ganz Reihen absperren, offenkundig in vollständigem Unbewusstsein der eigenen Fülle.
Vor allem eine Frage, die Philosophen und Neuro-Wissenschaftler und nicht nur sie, seit langem beschäftigt.
Indes: Die Sache scheint klar. Da gibt es ein Gehirn, das mit Informationen, mit Wahrnehmungen gefüttert wird, auf der Grundlage von Wahrnehmungen Vorstellungen entwickelt, Empfindungen anfügt und das, irgendwo im Verlauf dieses Prozesses der Datenverarbeitung “sich seiner bewusst wird”. Irgendwie gibt es eine Transformation, einen Sprung vom Materiellem zu Bewusstsein, eine Schwelle, ab der man sich bewusst ist, aus eigenem Willen funktioniert, eine Schwelle, die AI bislang nicht genommen hat.
Die Wissenschaft spricht für diese Vorstellung.
Wir wissen, welche Bereiche im Gehirn für Wahrnehmung oder Urteilsvermögen zuständig sind. Wir wissen, dass Leute, die einen Schaden am Gehirn genommen haben, einen Unfall hatten, Einschränkungen ihrer Leistungsfähigkeit erfahren haben, erblindet sind, dass sie, wie Phineas Gage, der Eisenbahnarbeiter, dem eine Eisenstange den präfrontalen Kortex perforiert hat und der anschließend, wie sein Arzt , John Harlow, berichtet zu Kindlichkeit, Unkontrollierbarkeit und cholerischen Ausbrüchen, neigte, ganz im Gegensatz zu seinen Verhaltenweisen pre-Eisentstange, Persönlichkeits- und damit wohl auch Bewusstseinsveränderungen erlitten haben.
Irgendwie hat das Gehirn etwas mit Bewusstsein zu tun.
Aber wie?
Ist es das Organ, das Bewusstsein schafft, auf welche Weise auch immer und durch eine Form der Transzendenz vom Materiellen zum Imateriellen?
Auf der Suche nach einem Beleg für diese Hypothese in Frageform ist die Forschung nicht sonderlich weit gekommen, so dass es nicht verwunderlich ist, dass aus den USA von Christof Koch eine neue Idee popularisiert wird, die er im Rahmen des “analytischen Idealismus” ansiedelt (dazu gleich).
Koch ist der Ansicht, Bewusstsein sei eine Entität, die außerhalb von Menschen existiere, die einfach da sei, also nichts, was entwickelt werden müsste, vielmehr etwas, das man “anzapfen” muss. Hier kommt das Gehirn ins Spiel, das nach Ansicht von Leuten wie Koch eine Art Zapfsäule oder Interpretationshilfe für Bewusstsein, eine Art grundlegenden Stoff der Existenz (eine ontologische Kategorie), ist, die, je nachdem, wie entwickelt die “Gehirn-Zapfsäule” ist, zu bestimmtem Bewusstsein führt.
Auf diese Weise ist ein Problem gelöst, das David J. Chalmers (1995) wie folgt formuliert hat:
“The really hard problem of consciousness is the problem of experience. When we think and perceive, there is a whir of information-processing, but there is also a subjective aspect. … In this central sense of ‘consciousness’, an organism is conscious if there is something it is like to be that organism, and a mental state is conscious if there is something it is like to be in that state.”
(“Facing Up to the Problem of Consciousness,” Journal of Consciousness Studies 2:3.)
Wenn man den Eindruck, Chalmers versuche mit Formulierungen, wie ein Organismus sei sich bewusst, “wenn es etwas gibt, wie es ist, dieser Organismus zu sein” seine Leser um den Verstand zu bringen, dann wird hier ein grundlegendes Problem subjektiver Wahrnehmung beschrieben, das obschon subjektiv zu gleichen Erkenntnissen kommt: Wir alle können Einvernehmen darüber erzielen, wann es regnet, die Sonne scheint, es warm ist und wann jemand zu spät kommt, zumindest konnten wir es alle, bevor die woken Irren des Weges kamen. Und weil wir das können, kann man schließen, dass es eine von uns unabhängige Realität gibt, die so einheitlich erscheint, dass man sie mit vollkommen unterschiedlichen SUBJEKTIVEN Erkenntnisapparaten doch gleich wahrnehmen kann.
Wenn Bewusstsein etwas ist, was es “de facto” unabhängig von Menschen gibt und wenn Bewusstsein nichts ist, was irgendwie aus Materie entsteht, dann stellt sich das Problem, dass unterschiedliche Personen zu selben Ebenen des Bewusstseins fähig sind. Analytischer Idealismus, eine Idee, die auf den holländischen Philosophen Bernardo Kastrup zurückgeht, soll dieses Problem lösen.
Realität ist für Kastrup eine fundamentale geistige Erfahrung, die durch eine einzige ontologische Kategorie erschlossen wird, ein universelles Feld der Subjektivität, zu dem wir alle Zugang haben, aus dem wir alle subjektive, zuweilen intersubjektiv gleiche Inhalte entnehmen, ein Feld, auf dem das “mind at large” ist, der Geist herumstreift. Unsere physische Welt wird dadurch und für Kastrup zu einer extrinsischen Welt aus erfahrbaren Mustern, die zwar eine materielle Existenz hat, sich in dieser materiellen Existenz aber von dem unterscheidet, was wir an erfahrbaren Mustern aus ihr entnehmen.
Unser Bewusstsein ist somit eine Art “Armaturenbrett”, das externe Bedingungen misst und die Messung wiedergibt, unsere Erfahrung repräsentiert, ohne diese “externen Bedingungen” zu sein. Gleichzeitig ist das Gehrin keine physikalische Maschine die irgendwie Bewusstsein hervorbringt, sondern ein bestimmter Teil eines universalen Bewusstseins, quasi universales Bewusstsein in subjektiver Interpretation.
Eine auf ihre Weise fesselnde Idee, die z.B. den Blick auf AI verändert. Sollten Leute wie Koch oder Kastrup Recht haben, dann wäre es nicht ausreichend, KI mit Wissen vollzustopfen und materiell in eine Lage zu versetzen, die vielleicht eines Tages dazu führt, dass ein Sprung zum Bewusstsein unternommen wird, wie und warum auch immer. Dazu wäre ein Apparat notwendig, der es der KI ermöglicht, an der externen Welt, dem ontologisch vorhandenen universalen Bewusstsein teilzuhaben.
Auch Tod verändert sich in dieser Sichtweise. Wenn Bewusstsein nicht an Materie gebunden ist, subjektives Bewusstsein quasi universales Bewusstsein über das Gehirn anzapft ist, dann ist die Frage, was aus dem Bewusstsein nach dem Tod wird, gelöst: Es ist weg. Seine subjektive Ausprägung ist verschwunden, während es als universale Entität weiterbesteht, darauf wartet, von anderen auf andere Weise angezapft zu werden….
Letztlich ist es eine Frage des Glaubens, welche der beiden Varianten man sich zueigen machen will. Belegbar sind beide derzeit nicht. Letztlich ist es eine Frage des Bewusstseins: Ist man sich bewusst, weil man in dem materiellen Zustand existiert, in dem man existiert [bestimmt also das Sein das Bewusstsein] oder ist man auf eine bestimmte Art und Weise bewusst, weil man universales Bewusstsein auf eine bestimmte Art und Weise angezapft hat, was prinzipiell die Möglichkeit mit sich bringt, das eigene Bewusstsein zu erweitern?
Und davon abgesehen ist es schön, wieder einmal vor eine philosophische Herausforderung gestellt zu sein, bevor man im Stumpfsinn von “unserer Demokratie” erstickt.
Kastrup, Bernardo (2014). Why materialism is baloney: How true skeptics know there is no death and fathom answers to life, the universe, and everything. New York: Simon and Schuster.
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„Meine ganze Philosophie läßt sich zusammenfassen in dem einen Ausdruck: die Welt ist die Selbsterkenntnis des Willens.“ Arthur Schopenhauer, Neue Paralipomena „über sich selbst. εἰς ἑαυτόν“.
Für (griechisch) θέλημα und βουλή ist im Deutchen nur das Wort „Wille“ vorhanden. Schopenhauer bezieht sich auf θέλημα, nicht βουλή .
„Consciousness is a much smaller part of our mental life than we are conscious of, because we cannot be conscious of what we are not conscious of.“
„The origin of consciousness in the breakdown of the bicameral mind“ – Julian Jaynes
Die Menschen unterscheiden sich nicht so sehr durch Hautfarbe und Geschlecht voneinander, sondern viel mehr ob sie Seele und Bewusstsein haben oder nicht. Menschen, die das nicht haben, haben keinen kreativen Schaffensdrang, Neugier und Empathie. Sie sind NPCs, Backdrop People oder Background People und machen den Großteil der Menschen aus. Sie stützen das System, sind sehr stolz auf ihre Haltung, lieben Unseredemokratie, und verdrängen die Konsequenzen ihrer Wahlentscheidung. Meistens haben sie auch keine innere Stimme, keinen inneren Monolog und sind in der Regel sehr gewöhnliche und uninteressante Menschen. Erzähl ihnen z.B., dass die BBC schon 30min vor dem Einsturz des WTC7 von eben jenem Einsturz berichtet hat. Oder dass der Mann im Monopolylogo keinen Monokel mehr hat. Es wird ihnen egal sein und sie werden auch nicht weiter recherchieren. Dennoch gründen sie Familien, gehen arbeiten, und zahlen Steuern. Sie leben ihr Leben auf Autopilot. Sie glauben an den Urknall und Darwins Evolutionstheorie, aber nicht an die Möglichkeit eines Schöpfers für all das intelligente Design, das uns umgibt. Für sie ist alles reiner Zufall. Sie haben keine Ahnung, wie spannend die Welt abseits ihrer langweiligen Tagesschauwelt ist. Machen Sie den Selbsttest: Recherchieren Sie Tartaria, Erdställe und den Mandela Effekt. Lässt Sie das alles kalt, dann sind Sie wahrscheinlich auch ein seelenloser NPC.
Die Hälfte Ihrer Kriterien für einen NPC trifft auf mich zu, die andere Hälfte nicht. Was mache ich armer NPC jetzt mit meinem inneren Dialog, der mir sagt, dass die Sicht auf die Welt sehr unterschiedlich sein kann, Hauptsache sie ist in sich schlüssig? Für das nicht-Ausbrechen des NPCs kann es viele Gründe geben, nicht nur dass er ein Schlafschaf ist…
Kochs Essay im Science Alert habe ich gerade gelesen und finde es außerst schwach. Weil er auf die falsch formulierte Frage keine für ihn befriedigende Antwort erhält, postuliert er einfach, die Metaphysik könnte die Antwort enthalten. Indem er den Problemraum ins Unermessliche vergrößert, ist die Antwort zwar ganz sicher enthalten, aber noch viel schwieriger zu finden.
Anscheinend sucht er nach einer Hirnregion, ähnlich dem Hipocampus oder dem Sehzentrum, in dem das gesamte Bewusstsein konzentriert ist. So wie in den Kinderbüchern „wie funktioniert ein Mensch“ mit einem Bild des Gehirns, in dem viele kleine Männchen mit Brille Entscheidungen treffen, während im Bild des Armes kleine Männchen im Blaumann an Seilen ziehen. Er möchte wissen, welches Männchen im Gehirn der Chef ist und die Entscheidungen trifft, während die anderen Männchen die Signale von Augen, Ohren,… auswerten.
Bewusstsein ist der evolutionär geschaffene Mechanismus, mit dem ein Wesen seine eigenen freien Entscheidungen in die Modelierung des Verhaltens anderer Akteure in seinem Weltmodell einarbeitet. Da das Weltmodell über alle Hirnzentren verstreut ist (sein muss, sonst kann es nicht funktionieren), muss das Bewusstsein ebenfalls verstreut sein. Ein Bewusstseinszentrum im Hirnscan zu suchen ist also von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Es in der Metaphysik zu suchen ist Zeitverschwendung, ausser es gibt dafür Forschungsgelder oder Publikationsmöglichkeiten, dann ist es allerdings Selbstzweck und nicht auf Erkenntnisgewinn gerichtet.
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Für (griechisch) θέλημα und βουλή ist im Deutchen nur das Wort „Wille“ vorhanden. Schopenhauer bezieht sich auf θέλημα, nicht βουλή .
„Consciousness is a much smaller part of our mental life than we are conscious of, because we cannot be conscious of what we are not conscious of.“
„The origin of consciousness in the breakdown of the bicameral mind“ – Julian Jaynes
Die Menschen unterscheiden sich nicht so sehr durch Hautfarbe und Geschlecht voneinander, sondern viel mehr ob sie Seele und Bewusstsein haben oder nicht. Menschen, die das nicht haben, haben keinen kreativen Schaffensdrang, Neugier und Empathie. Sie sind NPCs, Backdrop People oder Background People und machen den Großteil der Menschen aus. Sie stützen das System, sind sehr stolz auf ihre Haltung, lieben Unseredemokratie, und verdrängen die Konsequenzen ihrer Wahlentscheidung. Meistens haben sie auch keine innere Stimme, keinen inneren Monolog und sind in der Regel sehr gewöhnliche und uninteressante Menschen. Erzähl ihnen z.B., dass die BBC schon 30min vor dem Einsturz des WTC7 von eben jenem Einsturz berichtet hat. Oder dass der Mann im Monopolylogo keinen Monokel mehr hat. Es wird ihnen egal sein und sie werden auch nicht weiter recherchieren. Dennoch gründen sie Familien, gehen arbeiten, und zahlen Steuern. Sie leben ihr Leben auf Autopilot. Sie glauben an den Urknall und Darwins Evolutionstheorie, aber nicht an die Möglichkeit eines Schöpfers für all das intelligente Design, das uns umgibt. Für sie ist alles reiner Zufall. Sie haben keine Ahnung, wie spannend die Welt abseits ihrer langweiligen Tagesschauwelt ist. Machen Sie den Selbsttest: Recherchieren Sie Tartaria, Erdställe und den Mandela Effekt. Lässt Sie das alles kalt, dann sind Sie wahrscheinlich auch ein seelenloser NPC.
Die Hälfte Ihrer Kriterien für einen NPC trifft auf mich zu, die andere Hälfte nicht. Was mache ich armer NPC jetzt mit meinem inneren Dialog, der mir sagt, dass die Sicht auf die Welt sehr unterschiedlich sein kann, Hauptsache sie ist in sich schlüssig? Für das nicht-Ausbrechen des NPCs kann es viele Gründe geben, nicht nur dass er ein Schlafschaf ist…
Kochs Essay im Science Alert habe ich gerade gelesen und finde es außerst schwach. Weil er auf die falsch formulierte Frage keine für ihn befriedigende Antwort erhält, postuliert er einfach, die Metaphysik könnte die Antwort enthalten. Indem er den Problemraum ins Unermessliche vergrößert, ist die Antwort zwar ganz sicher enthalten, aber noch viel schwieriger zu finden.
Anscheinend sucht er nach einer Hirnregion, ähnlich dem Hipocampus oder dem Sehzentrum, in dem das gesamte Bewusstsein konzentriert ist. So wie in den Kinderbüchern „wie funktioniert ein Mensch“ mit einem Bild des Gehirns, in dem viele kleine Männchen mit Brille Entscheidungen treffen, während im Bild des Armes kleine Männchen im Blaumann an Seilen ziehen. Er möchte wissen, welches Männchen im Gehirn der Chef ist und die Entscheidungen trifft, während die anderen Männchen die Signale von Augen, Ohren,… auswerten.
Bewusstsein ist der evolutionär geschaffene Mechanismus, mit dem ein Wesen seine eigenen freien Entscheidungen in die Modelierung des Verhaltens anderer Akteure in seinem Weltmodell einarbeitet. Da das Weltmodell über alle Hirnzentren verstreut ist (sein muss, sonst kann es nicht funktionieren), muss das Bewusstsein ebenfalls verstreut sein. Ein Bewusstseinszentrum im Hirnscan zu suchen ist also von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Es in der Metaphysik zu suchen ist Zeitverschwendung, ausser es gibt dafür Forschungsgelder oder Publikationsmöglichkeiten, dann ist es allerdings Selbstzweck und nicht auf Erkenntnisgewinn gerichtet.