Linksunten: Antifa Dresden bekennt sich zu Sprengstoffanschlägen

Ein Leser von ScienceFiles hat uns auf ein Bekennerschreiben hingewiesen, das auf den nicht-öffentlichen Seiten von indymedia zu finden ist, d.h. das nur für Personen lesbar ist, die ein Passwort oder einen Zugangscode haben.

Hat man den entsprechenden Zugang, dann kann man das folgende Bekennerschreiben der Antifa Dresden lesen:

linksunten_bekennerschreiben„Verfasst von: Antifa Dresden. Verfasst am: 27.09.2016 – 16:24. Geschehen am: Montag, 26. September 2016. (unmoderiert)
Wir haben das Feuerwerk zum „Tag der Deutschen Einheit“ etwas vorverlegt und damit zum einen das ICC aber auch ein islamistisches „Gottes“haus beglückt. Wit protestieren damit zum einen gegen Standortnationalismus, Partypatriotismus und Nützlichkeitsrassismus, aber auch gegen eine frauen- und israelfeindliche faschistische und antisemitische Ideologie, die sich hinter einem angeblichen „Gott“ versteckt. Vor allem Dresden kann man sehen, wohin das dauernde Wegsehen führt. Regelmäßig marschieren hier Nazis und Rassisten zusammen mit Bullen durch die Stadt und unweit in Bauzen werden aktuell unschuldige Menschen, die hier nur Schutz suchen durch die Stadt gejagd und fast getötet und als ob das noch nicht reichen würde, werden die Opfer auch noch zu Tätern stilisiert. Doch die Rassisten sitzen auch in der Politik. Gauck, der zu den Feierlichkeiten kommen will, fordert beispielsweise eine Höchstgrenze für die Aufnahme von Refugees und will damit noch mehr Menschen sterben lassen. Doch nicht mit uns! Daher fordern wir weitere Aktionen, um den Alltagsrassismus und die Deutschtümelei zu stören. Seit kreativ! Solidarity without limits Nationalismus ist keine Alternative Antifa heisst Angriff! 3oct.net“

Die Sprache, in der das Bekennerschreiben abgefasst ist, entspricht im Wesentlichen dem Jargon, den man von der Antifa gewohnt ist. Die wirren Verbindungen von antisemitistischer Ideologie, Muslimen und Nazis, die in dieser Weise nur Linke zu Wege bringen, spricht ebenso dafür, dass dieses Bekennerschreiben echt ist. Hinzu kommt, dass es im nicht-öffentlichen Bereich von indymedia (linksunten) veröffentlicht wurde, zu dem nur registrierte Nutzer Zugang haben.

linksunten_bekennerschreiben-2Wir sind schon gespannt darauf, ob sich all diejenigen, die – wie es scheint vorschnell und auf Grundlage eines logischen Fehlschlusses, den sie nur allzu gerne zu machen bereit sind, auf den: „die Nazis haben eine Moschee und das ICC-Dresden angesteckt“ Zug aufgesprungen sind, die geforderte kognitive Flexibilität aufweisen, um den Fakten ins Auge zu sehen. Fremdenfeindlichkeit, so zeigt das Bekennerschreiben, ist kein ur-rechtes, sondern ein ebenso linkes Phänomen. Eine weitere Nuss, die den vielen Pseudo-Rechtsextremismus-Experten, die von der Mitte ab nach rechts denken und links komplett aussparen, weil es sakrosankt ist, zu knacken haben werden.

Da wir gestern bereits einen Beitrag verfasst haben, in dem wir darauf hingewiesen haben, dass es einen Fehlschluss darstellt, vom Anschlag auf eine Moschee auf Täter aus dem rechtsextremen Milieu zu schließen, können wir uns nun zurücklehnen und feststellen: We told you so!


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Heiko Maas und Philosophie: Zwei Welten, nichts Gemeinsames

Heiko Maas twittert wieder. Dieses Mal hat er eine philosophische Erkenntnis getwittert, die ihm wohl auf der Toilette gekommen ist:

 

Wir sind zwar nicht alle gleich.
Aber wir sind alle gleich viel wert.

Wir haben schon die mannigfaltigsten Verwirrungen über Gleichheit gelesen, aber Heiko Maas schafft es, noch die letzte Normalität aus dem Fenster zu werfen, denn: Wir sind alle gleich, aber wir sind nicht alle gleich viel wert: Das ist die Crux der philosophischen Geschichte des Abendlandes, die mehrere tausend Jahre zurückreicht. Nein, das war die Crux, denn jetzt gibt es ja Heiko Maas, den Philosophen aus dem Saarland.

Halten wir uns dennoch an den Standard, der vorhanden war, bevor die Maassche Verwirrung eine Verständigung über Grundlegendes zerstört hat.

sciencefiles-rationaler-widerstand-vorlageEntsprechend sind wir alle bei Geburt gleich. Liest man z.B. bei Thomas Hobbes nach, dann geht die Gleichheit noch weiter und erstreckt sich auf alle Rechte, die man als Mensch von Natur aus so haben kann. Von Naturrechten ist entsprechend die Rede. Die umfassen z.B. das Recht auf Freiheit und finden bei Hobbes gar kein Ende, denn bei ihm gibt es keine Instanz außer dem jeweiligen Menschen selbst, die das Recht auf alles, das ein Mensch hat (und das umfasst ausdrücklich das Recht, Leben und Besitz eines anderen zu nehmen) einschränken kann. Und weil Menschen neben Rechten auch mit Verstand ausgestattet sind, vertraut Hobbes darauf, dass sie zu einer Übereinkunft dahingehend kommen, dass es besser ist, sein Recht auf alles, einzuschränken, weil man, wenn man z.B. das Recht, anderer Leben zu nehmen, abgibt und einen Leviathan einsetzt, um zu überwachen, dass auch andere das entsprechende Recht nicht mehr nutzen, zwar nicht mehr Leben nehmen kann, aber in der Gewissheit Leben kann, das eigene Leben nicht genommen zu bekommen. An dieser Übereinkunft sind alle Menschen in gleicher Weise beteiligt, mit den gleichen Rechten, denn von Natur aus sind alle Menschen gleich.

Da kommt so ein Mensch also auf die Welt, wächst und entwickelt sich, und ein anderer Mensch kommt auf die Welt, wächst und entwickelt sich anders. Der eine wird Erfinder, der nächste wird Maurer, wieder ein anderer wird Politiker und alle drei sind sie nicht dasselbe wert, denn der Wert, den Heiko Maas im Munde führt, er ist nicht von Geburt an vorhanden, wie die Gleichheit, von der oben die Rede war, der Wert wird zugewiesen.

In einem Markt erfolgt die Zuweisung durch die Nachfrage. Wir alle wollen ein Dach über dem Kopf. Der Maurer wird entsprechend gewertschätzt, hat einen angegbaren Wert. Der Erfinder, der den Mörtel und die Ytongsteine erfunden hat, ohne ihn hätte der Maurer nichts zu mauern oder nichts so Schönes zu mauern, entsprechend hat der Erfinder auch einen Wert, einen, der vielleicht höher geschätzt wird, als der des Maurers. In Kriegszeiten wird der Wert von Soldaten hoch geschätzt. Wer einen Unfall hat, kann den Wert des Feuerwehrmannes, der ihn aus dem Auto schneidet, gar nicht hoch genug einschätzen.

Je nach Situation und Motiv der Zuschreibung von Wert, variiert der Wert von Menschen. Für die Gesellschaft sind Menschen, die arbeiten und einen Nutzen erwirtschaften, mehr wert als Menschen, die nur konsumieren und keinen Finger krumm machen. Wir sind entsprechend nicht alle dasselbe Wert. Um das zu sehen, muss man sich einfach nur überlegen, was passieren würde, wenn man einen bestimmten Menschen einfach streichen würde. Streichen wir Howard W. Florey, Ernst B. Chain und Norman Heatley aus der Geschichte und wir haben damit Penicillin gestrichen, Antibiotika ade, denn Florey, Chain und Heatley sind für die Erfindung des Penicillin verantwortlich (und Ian Fleming war später auch dabei). Der Beitrag, den Florey, Chain und Heatley zur Wohlfahrt der Menschheit geleistet haben ist viel mehr wert als z.B. der Beitrag von Wladimir Iljitsch Lenin, der hauptsächlich darin bestand, Marxens Ausgangspunkt zu einer totalitären Philosophie weiter zu entwickeln und einen blutigen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen. Oder nehmen wir Heiko Maas, wer würde, wenn er sich entscheiden müsste, zwischen seinem Müllfahrer und Heiko Maas, auf den Müllfahrer verzichten und Heiko Maas wählen?

Eben.
Deshalb sind wir nicht alle gleich viel wert.

P.S.

Die Behauptunug, wir seien alle gleich viel wert, ist Ergebnis eines Essentialismus, der sich aus der Maaschen Formel der Ungleicheit ableitet: Wir sind nicht alle gleich, was bedeutet: schon bei Geburt verschieden. Diese Aussage macht nur Sinn, wenn man Menschen Eigenschaften unterstellt, die sie definierren, und zwar so, dass sie nicht gleich sein können, Eigenschafen wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, ethnische Abstammung usw. Diese Eigenschaften müssen für Heiko Maas essentiell, also unveränderlich sein, und sie müssen auf alles durchschlagen, was den entsprechenden Menschen ausmacht. Damit löst Maas die Gemeinsamkeit zwischen Menschen auf, ersetzt sie durch essentielle Unterschiede und stellt sich auf eine Stufe mit den Nationalsozialisten, die auch der Meinung waren, es gäbe Eigenschaften, die Menschen qua Geburt und unwiderruflich so definieren, dass sie nicht gleich sind, dass die einen zu Unter-, die anderen zu Herrenmenschen geboren sind. Ob Heiko Maas diese Konsequenz seiner Philosophie bedacht hat?


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Und hier über den traditionellen Weg:

Wenn Ermittlungen mit Fehlschlüssen anfangen: Zwei Anschläge in Dresden

Die Tür einer Moschee im Dresdener Stadtteil Cotta, die man nur dann als Moschee erkennen kann, wenn man weiß, dass es sich um eine Moschee handelt, und ein Glasquader auf der Terrasse des Internationalen Congress Centrums in Dresden (ICC) sind die Opfer zweier Sprengstoffanschläge in Dresden. Der Anschlag auf die Moschee hat Leib und Leben von zwei Personen, die sich darin aufhielten, gefährdet. Beim Anschlag auf das ICC war niemand gefährdet.

Bislang ermittelt die Polizei in Dresden noch in alle Richtungen, ein Euphemismus für „Wir haben keine Ahnung, wer für die Taten verantwortlich ist.“ Und bislang liegt der Polizei auch kein Bekennerschreiben vor. Eine Umschreibung für „Und es sagt uns auch niemand, dass er es war“.

Kurz. Die Polizei weiß nicht viel bis gar nichts.

Dennoch ist Horst Kretzschmar, der Polizeipräsident von Dresden, sicher: die Anschläge sind fremdenfeindliche Anschläge:

„Beide Anschläge stehen zeitlich im Zusammenhang. Auch wenn uns bislang kein Bekennerschreiben vorliegt, müssen wir von einem fremdenfeindlichen Motiv ausgehen. Gleichzeitig sehen wir auch eine Verbindung zu den Feierlichkeiten anlässlich des Tages der Deutschen Einheit am kommenden Wochenende.
Horst Kretzschmar Polizeipräsident Dresden“

sciencefiles-rationaler-widerstand-vorlage

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Tatsächlich scheinen die Indizien im Fall der Moschee, Kretzschmar Recht zu geben. Indes: Prinzip II des Rationalen Widerstands lautet: Manche sind nicht alle. Es soll schon vorgekommen sein, dass ein Anschlag auf eine Moschee oder ein Gebäude, das von Muslimen genutzt wurde, nicht auf fremdenfeindlichen Motiven, sondern auf anderen Motiven beruht hat (Sunniten gegen Schiiten, Salafisten gegen andere Sunniten oder Schiiten, oder Agent Provocateur – also bezahlte Unruhestifter, die Geheimdienste bekannterweise in der realen Welt und Stiftungen im Internet unterhalten).

Eine Äquivalenz zwischen dem Ort des Anschlages und den Motiven des Anschlags herzustellen, ist somit ein logischer Fehler (Fehlschluss der Bejahung des Konsequens) und so lange nicht angezeigt, wie der Polizei keine eindeutigen Beweise vorliegen, dass es sich um einen fremdenfeindlichen Anschlag handelt. Gerade in einer Zeit, in der die Stimmung sowieso schon aufgeheizt ist, ist es nicht sonderlich sinnvoll, die Ermittlungen auf eine Szene zu beschränken. Auch für Rechte gilt, dass sie unschuldig sind, bis das Gegenteil erwiesen ist.

Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass Polizeichef Kretzschmar seinen logischen Fehlschluss nur in eine bestimmte Richtung macht. Anders formuliert: Was ist am Anschlag auf das Internationale Congress Center in Dresden fremdenfeindlich? In der Logik von Kretzschmar, die von der Personengruppe, die die Moschee in Cotta nutzt, Muslime, die auch nach mehreren Generationen in Deutschland noch Fremde sind und somit Gegenstand fremdenfeindlicher Gewalt werden können, auf das Motiv der Täter schließt, müsste der Anschlag auf das ICC als Tat mit einem kapitalismusfeindlichen Hintergrund gewertet werden, ist das ICC doch Teil des weltweiten Imperiums von Maritim Hotels und somit eines Multinationalen Unternehmens, das seit 1969 stetig gewachsen ist. Genau das Ziel, das Linke avisieren und sicher keines, das man als Gegenstand fremdenfeindlicher Aktivitäten ansehen kann.

Wenn man die beiden Anschläge in Dresden aufgrund ihrer zeitlichen Nähe in einen Topf werfen will, dann kann man mit gleichem Recht einen fremdenfeindlichen Hintergrund und einen kapitalismusfeindlichen Hintergrund annehmen. Beide Annahmen ändern nichts daran, dass es sich um Fehlschlüsse der Bejahung des Konsequens handelt, aber die Bevorzugung eines der beiden Fehlschlüsse sagt etwas, über die Motivation der Ermittlungs-Anstrengungen, die die Polizei unternimmt, aus.

Und welcher Fehlschluss bevorzugt wird, sagt viel, über das gesellschaftliche Klima in Deutschland aus, in dem viele nur zu gerne auf den nächstliegenden Fehlschluss springen, weil er ihre Vorurteile oder ihr Bedürfnis danach, sich als guter Mensch zu erweisen, befriedigt. Beides ist nicht nur hinderlich, sondern widerlich und trägt nicht dazu bei, einen offenen Diskurs in Deutschland zu führen. Denn wie sollte man über etwas diskutieren, bei dem das Gegenüber schon per Fehlschluss und ohne die Ermittlungen abzuwarten, weiß, wie es sich verhält.

Diese Bereitschaft, auf Fehlschlüsse zu springen, um sein eigenes Mütchen zu kühlen, macht Deutsche so leicht manipulierbar. Wollte man in Deutschland Bürger gegeneinander aufbringen und in einen Bürgerkrieg manövrieren, nichts scheint leichter als das. Der richtige Reiz genügt. Die Reaktion folgt von selbst.


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Der Konflikt zwischen Freiheit und Gleichheit oder: Umverteilung ist Freiheitsberaubung

Umverteilung ist gerecht! Wer sich gegen diese Prämisse stellt, hat in Wohlfahrtsstaaten schlechte Karten, denn die Umverteilung von den Reichen zu den Armen ist zur Frage der sozialen Gerechtigkeit stilisiert worden. Stilisiert deshalb, weil Umverteilung nicht an sich gut ist und schon gar nicht gerecht. Wenn einem genommen wird, der erfolgreich ist und seinen Erfolg mit harter Arbeit verdient hat, um einem, der in seinem Leben noch keinen Finger krumm gemacht hat, zu geben, dann kann man dies kaum als irgendeine Form von Gerechtigkeit ansehen. Es sei denn, man steht auf die Perversion von Werten wie Gerechtigkeit.

Entsprechend wird man zu dem Ergebnis kommen, dass Umverteilung dann, wenn sie als Gerechtigkeit ausgegeben wird, notwendig in eine unfreie, eine totalitäre Gesellschaft führen muss, schon weil über die Köpfe derer hinweg, denen genommen wird, entschieden wird, wie viel ihnen genommen wird, sie also einer Zwangsmaßnahme unterzogen werden.

Entsprechend ist Umverteilung immer ein Angriff auf die individuelle Freiheit und muss folglich mit Bedacht und mit Maß eingesetzt werden, sofern man überhaupt auf dieses Mittel der Freiheitsberaubung zurückgreifen will.

Milton Friedman hat diese Notwendigkeit schon vor Jahrzehnten formuliert und die Position, die Liberale gegenüber Gleichheit und Umverteilung einnehmen, formuliert, die bis heute gilt.

Friedman Capitalism and Freedom„The heart of the liberal philosophy is a belief in the dignity of the individual, in his freedom to make the most of his capacities and opportunities according to his own lights, subject only to the proviso that he not interfere with the freedom of other individuals to do the same. This implies a belief in the equality of men in one sense; in their inequality in another. Each man has a equal right to freedom. This is an important and fundamental right precisely because men are different, because one man will want to do different things with his freedom than another, and in the process can contribute more than another to the general culture of the society in which many men live.

The liberal will therefore distinguish sharply between equality of rights and equality of opportunity, on the one hand, and material equality or equality of outcome on the other. He may welcome the fact that a free society in fact tends toward greater material equality than any other yet tried. But he will regard this as a desirable by-product of a free society, not its major justification. He will welcome measures that promote both freedom and equality – such as measures to eliminate monopoly power and to improve the operation of the market. He will regard private charity directed at helping the less fortunate as an example of the proper use of freedom. And he may approve state action toward ameliorating poverty as a more effective way in which the great bulk of the community can achieve a common objective. He will do so with regret, however, at having to substitute compulsory for voluntary action.

The egalitarian will go this far, too. But he will want to go further. He will defend taking from some to give to others, not as a more efficient means whereby the ‘some’ can achieve an objective they want to achieve, but on grounds of ‘justice’. At this point, equality comes sharply into conflict with freedom; one must choose. One cannot be both an egalitarian, in this sense, and a liberal.“
(Milton Friedman; Capitalism and Freedom, p.195).

[Unsere Übersetzung] Der Kern einer liberalen Philosophie ist der Glaube an die Würde des Einzelnen, der Glaube an die Freiheit eines jeden, seine Fähigkeiten nach eigenem Gutdünken so einzusetzen, und die sich im bietenden Möglichkeiten so zu nutzen, wie es ihm am besten erscheint, immer vorausgesetzt, dass er mit seinen Handlungen nicht die Freiheit anderer einschränkt. Das impliziert die Überzeugung, dass Menschen in einer Hinsicht gleich sind, in einer anderen Hinsicht ungleich. Jeder Mensch hat das selbe Recht auf Freiheit. Freiheit ist ein wichtiges und grundlegendes Recht, genau deshalb, weil Menschen verschieden sind, weil ein Mensch seine Freiheit zu anderen Handlungen nutzen wird als ein anderer und damit mehr als ein anderer zur Kultur der Gesellschaft beitragen kann, in der viele Menschen leben.

Deshalb wird ein Liberaler scharf zwischen Gleichheit in Recht und Chancen auf der einen Seite und materieller Gleichheit oder Ergebnisgleichheit auf der anderen Seite unterscheiden. Ein Liberaler wird die Tatsache begrüßen, dass eine freie Gesellschaft dazu tendiert, größere materielle Gleichheit zu erreichen, als jede andere Gesellschaftsform, die bislang probiert wurde. Aber er wird dies als wünschenswerten Nebeneffekt einer freien Gesellschaft ansehen, nicht als ihre Legitimation. Er wird Maßnahmen begrüßen, die sowohl Freiheit als auch Gleichheit fördern – zum Beispiel Maßnahmen die auf die Beseitigung von Monopolen zielen oder darauf, die Funktionsfähigkeit des Marktes zu verbessern. Er wird Mildtätigkeit, die darauf abzielt, denen zu helfen, die in einer freien Gesellschaft weniger erfolgreich sind, als angemessene Nutzung von Freiheit ansehen. Und er mag sogar staatliches Handeln, das darauf zielt, Armut zu reduzieren, als einen effektiven Weg betrachten, auf dem die Mehrheit der Gesellschaft ein gemeinsames Ziel erreichen kann. Er wird dies jedoch mit Bedauern tun, weil er Freiwilligkeit mit Verpflichtung ersetzen muss.

Ein Sozialist wird dies ebenfalls alles wollen. Aber er wird weiter gehen wollen. Er wird das Nehmen von einigen, um es anderen zu geben, nicht als ein effizientes Mittel ansehen, das es den anderen ermöglicht, bestimmte Ziele zu erreichen, sondern als Gerechtigkeit verteidigen. Und hier tritt Gleichheit in Konflikt mit Freiheit: Man muss sich entscheiden. Man kann nicht beides gleichzeitig sein, ein Sozialist in diesem Sinne oder ein Liberaler.


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RaW – Manifest des Rationalen Widerstands

Ein Geist verschwindet aus Deutschland. Der Geist der Rationalität. Ausgetrieben von Irrationalität, Infantilismus und affektivem Exhibitionismus verschwindet die Rationalität und mit ihr die Instrumente, die notwendig sind, um Hirngespinst und Wahnvorstellung von Realität, Hysterie und moralische Panik von Emotion, richtige von falschen Behauptungen und wilde Assoziationen von empirisch begründeten Folgerungen zu trennen. Teile Deutschlands befinden sich im freien Fall in eine kollektive Mania, die durch keinerlei Intervention von Realität, Logik oder Verstand beeinflusst werden kann.

Zeit für rationalen Widerstand.

Zeit für ein Manifest des Rationalen Widerstands.

Mehr als fünf Jahre, die wir im Kampf gegen Irrationalität, Scharlatanerie, Missbrauch von Wissenschaft, Manipulation und Indoktrination zugebracht haben, haben uns gestählt, um den Entwicklungen, deren Ausdruck man eher in einem Kindergarten als in der Welt der Erwachsenen erwarten würde, entgegen zu treten.

Manifest des Rationalen Widerstands

sciencefiles-rationaler-widerstand-2

Rationaler Widerstand beruht auf drei Prinzipien:

  • Etwas, ist nicht sein Gegenteil.
  • Manches ist nicht alles (Fehlschluss der Bejahung des Konsequens)
  • Eine Aussage ist genau dann und so lange richtig, wenn/wie sie mit den Fakten übereinstimmt.

Etwas ist nicht sein Gegenteil

Meinungsfreiheit bedeutet: Meinungsfreiheit, Freiheit der Meinung. Jeder hat das Recht, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen. Es gibt keine Meinung, die von Meinungsfreiheit nicht umfasst ist, denn sonst gibt es keine Meinungsfreiheit. Wenn jemand der Meinung ist, dass Gabriel S. ein Arschloch ist, dann ist das seine Meinung, an deren Äußerung ihn niemand hindern darf. Dass diese Meinung eine strafrechtliche Konsequenz haben kann, weil es einen gesellschaftlichen Konsens gibt, der bestimmte Aussagen als Beleidigung wertet und unter Strafe stellt, ist eine nachfolgende Sanktion von Meinungen, die keinerlei Einfluss auf das Recht freier Meinungsäußerung hat. Eine nachträgliche Sanktion zeigt lediglich die Verantwortung auf, die derjenige, der eine Meinung äußert, für diese geäußerte Meinung übernehmen muss.

Toleranz ist wie Meinungsfreiheit ein unbeschränktes Gut bzw. im Fall von Toleranz besser: eine unbeschränkte Akzeptanz von z.B. anderen Meinungen. Wer andere Meinungen gleich welchen Inhalts ohne fundierte Begründung nicht akzeptiert ist intolerant. Aussagen wie „Keine Toleranz den Intoleranten“ sind entsprechend selbstwidersprüchlicher Unsinn, da derjenige, der Intolerante nicht toleriert, kaum für sich in Anspruch nehmen kann, selbst tolerant zu sein, da er Intoleranz anderen gegenüber fordert, deren Meinung er nicht tolerieren will.

Im Gegensatz zu Meinungsfreiheit ist Toleranz eine First-Mover-Norm, eine Form von Goodwill, mit der man anderen gegenüber tritt. Toleranz sorgt in Teilen einer Gesellschaft dafür, dass soziale Interaktionen und Kommunikation zwischen unterschiedlichen Gruppen möglich sind. Dagegen ist Meinungsfreiheit ein individuelles Grundrecht, das jeder Mensch hat. Eine Einschränkung dieses individuellen Grundrechts durch Dritte setzt demnach voraus, die Individualität und Autonomie dessen, dessen Meinungsfreiheit eingeschränkt werden soll, zu zerstören. Entsprechend erhöhen sich diejenigen, die die Meinung Dritter einschränken wollen, automatisch zu Obermenschen, die für sich ein größeres Recht auf Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen als sie es denen, deren Recht auf Meinungsfreiheit sie einschränken wollen, zugestehen. Letztere werden dadurch automatisch zu Untermenschen (euphemistisch: Bürger zweiter Klasse).

Daher ist es demokratisches Erbe, individuelle Grundrechte und Freiheiten zu garantieren, nicht sie einzuschränken, denn – wie die Väter der US-amerikanischen Verfassung klar gesehen haben -, setzt ein Recht auf Einschränkung der Freiheiten anderer eine Zwei-Klassen-Gesellschaft voraus, in der die Herren die Rechte und Freiheiten der Diener einschränken. Deshalb haben die Väter der US-Verfassung die Einschränkung individueller Freiheitsrechte unmöglich gemacht. Die Einschränkung der Grundfreiheiten anderer, kann auch deshalb kein demokratisches Recht sein, weil die Position des Herren Lobbyisten und Interessengruppen aller Art anheim fallen wird, die dann wahlweise die Rechte der Diener ihr Geld für Fernsehsender ihrer Wahl auszugeben oder deren Recht auf Nahrungsaufnahme in welcher Form und Menge auch immer, einschränken, um sich selbst damit einen Vorteil zu verschaffen. Zwangsläufig wird eine Demokratie so zu einer totalitären Vetternwirtschaft.

Dies zeigt sich an den vielfältigen Formen der Beschimpfung, die angebliche Verteidiger der Demokratie erfunden haben, um ihre Intoleranz und Nichtakzeptanz von Andersdenkenden deutlich zu machen. So werden Deutsche, die nicht die Meinung teilen, die politische Gatekeeper in den Medien für die Richtige ausgeben, als Wut- oder Problembürger, als Rassisten oder Nazis, Antifeministen oder Maskus gebrandmarkt. Dass es ausgerechnet diejenigen sind, die von sich behaupten, sie würden die Demokratie gegen ihre Feinde verteidigen, die durch ihre Intoleranz und Beschimpfung derer, die lediglich ihre Meinung zum Ausdruck bringen, zu Totengräbern der Demokratie werden, die sie angeblich verteidigen wollen, ist einerseits ein Ergebnis des in Deutschland grassierenden Irrationalismus, andererseits die Folge eines affektiven Exhibitionismus, der moralische Entblößung zum Zwecke der Selbsterhöhung, oft über den Weg der Fremderniedrigung zur neuen Mode gemacht hat.

 

Manches ist nicht alles

Unzulässige Verallgemeinerungen oder Fehlschlüsse der Bejahung des Konsequens, deren Gemeinsames darin besteht, abweichende Fälle auszuschließen und von einer Beobachtung auf das Gesamt zu schließen, sind ein Mittel der Indoktrination, das in Deutschland endemisch gebraucht wird.

Ganze Zweige der Sozialwirtschaft, wie der Genderismus bzw. der Staatsfeminismus bauen auf diesen Fehlschlüssen. So wird regelmäßig behauptet, dass Frauen benachteiligt würden. Die Logik der Behauptung sieht einen konstruierten Einzelfall, von dem niemand weiß, ob es ihn in der Realität überhaupt gibt, also z.B. die Aussage, dass Männer für gleiche Arbeit mehr Geld erhalten als Frauen, generalisiert werden und auf die Gesellschaft als Ganzes übertragen, so dass letztlich dann, wenn ein beliebiger Mann mehr Gehalt erhält als eine beliebige Frau und beide in der selben Branche oder im selben Unternehmen beschäftigt sind, ein Fall von Benachteiligung vorliegen muss. Letzteres ist natürlich Unsinn, der nicht nur zeigt, dass Genderisten mit Logik auf Kriegsfuß stehen, er zeigt auch, dass es ihnen ausschließlich um ideologische Infiltration und Vorteilsnahme geht.

Ebenso liegt der Fehlschluss der Bejahung des Konsequens der Behauptung zu Grunde, Frauen wären in Vorständen von Unternehmen unterrepräsentiert, weil sie diskriminiert würden. Falls es eine Frau gibt, die aufgrund von Diskriminierung nicht in einen Vorstand gelangt ist, dann wäre sie noch zu finden, und selbst wenn sie gefunden würde, würde dieser Einzelfall die generelle Aussage nicht begründen, sondern die Aussage, dass eine Frau diskriminiert wird, der Fehlschluss bliebe bestehen.

Unzulässige Verallgemeinerungen jeglicher Art sind der Honig der Ideologen und entsprechend findet man diesen Fehlschluss in den verschiedensten Varianten, etwa so:

“Israel boykottieren“. Klingt nach engagiertem Verbraucherverhalten. Ist aber eine dreckige Sache. Die Nazis waren ehrlicher und nannten es: „Kauf nicht bei Juden“.

Wie sich an diesem Beispiel zeigt, wird der Fehlschluss der Bejahung zuweilen mit einer kruden Manipulation verbunden, die in diesem Fall Israel und Juden gleichsetzt. Dies macht nicht nur deutlich, dass diejenigen, die mit dem Fehlschluss arbeiten, zum logischen Denken nicht in der Lage sind oder es nicht sein wollen, es zeigt auch, dass sie ihre Adressaten für dumm halten.

Die bislang plumpste Art eines Fehlschluss der Bejahung des Konsequens haben wir bei Gotelind Alber gefunden. Sie schafft es, in fünf Worten gleich zwei Fehlschlüsse unterzubringen:

„Klimakonferenz: Der Mann als Klimarisiko„, so der Titel eines Beitrags, den man bereits nach diesem Titel aus der Hand legen kann: Fehlschluss der unzulässigen Generalisierung; Fehlschluss der Bejahung des Konsequens: Ein Satz, zwei Fehlschlüsse: Gotelind Alber.

Alle Beispiele machen deutlich, dass es den Ideologen darum geht, einen Einzelfall oder einen Fall, in dem es vielleicht manche gibt, die sich in bestimmter Weise verhalten oder einen behaupteten Fall als generelle Verhaltensweise derer, die sie gerade nicht mögen oder besonders mögen, je nach Intention, zu stilisieren, um daraus für sich ideologisches Kapitel schlagen zu können. Ob dieses Vorgehen sich mit minderer Intelligenz oder mit Verschlagenheit bei gleichzeitiger Verachtung seiner Mitmenschen erklären lässt, ist eine offene Frage, die im Rahmen eines Manifests nicht beantwortet werden kann oder muss.

 

Eine Aussage ist genau dann und so lange richtig, wenn/wie sie mit den Fakten übereinstimmt

Die meisten Beiträge auf ScienceFiles befassen sich mit pseudo-wissenschaftlichen Texten oder mit Aussagen politischer Akteure, in denen etwas behauptet wird, was schlicht logisch nicht richtig ist oder so eklatant im Gegensatz zur Realität steht, dass man sich fragen muss, wie es überhaupt von einem rationalen Akteur geäußert werden konnte. Die Antwort auf diese Frage lautet: Der entsprechende Unsinn wurde nicht von einem rationalen Akteur geäußert, sondern entweder von einem affektiven Exhibitionisten, einem Gutmenschen, der denkt, Gutsein habe nichts mit Fakten zu tun (man denke halt mit dem Herzen) oder von einem Ideologen, der versucht, diejenigen, die seine Aussagen zur Kenntnis nehmen (müssen) zu täuschen.

Also wird behauptet, dass sich die Balken biegen: Kinderbücher, die seit Jahrzehnten zur Freude von Kindern beigetragen haben, werden plötzlich bedenklich, weil das Wort „Neger“ darin vorkommt, es wird behauptet, dass in Guinea Bissau weniger Mädchen als Jungen eingeschult werden, weil es keine Mädchentoiletten gibt– und keine Jungentoiletten, so muss man ergänzen, denn in Schulen in Guinea-Bissau gibt es einfach nur Toiletten, sofern überhaupt welche vorhanden sind. Andere packen ihre Vorliebe für den Sozialismus in Märchen über die Ankunft der Schlange K, mit der die Vertreibung der guten Menschen aus dem sozialistischen Paradies in das Unwetter des Kapitalismus begonnen hat und behaupten, sie hätten damit Wissenschaftliches geleistet. Wieder andere kämpfen mit der Realität und versuchen, ihre Phantasie, nach der in Deutschland Armut grassiert, herbei zu rechnen. Schließlich gibt es diejenigen, die ihren Vorurteilen freien Lauf lassen und behaupten, ihre akademisierte Form von Beleidigung, bei der z.B. von ostdeutschem Pack die Rede ist, habe auch nur entfernt etwas mit Wissenschaft zu tun.

Es ist derzeit möglich, jeden Unsinn als Wissenschaft auszugeben, weil kaum jemand auf die Idee kommt, danach zu fragen, ob das, was behauptet wird, auch prüfbar ist, und wenn es prüfbar ist, ob es je geprüft wurde, und wenn es geprüft wurde, ob es sich bestätigt hat oder falsifiziert wurde – kurz, ob es sich um Wissenschaft handelt oder nicht. Das deutsche Publikum zerfällt in der Mehrheit in zwei Gruppen. Die eine Gruppe nimmt begeistert auf, was behauptet wird, weil es (ideologisch oder affektiv) gefällt. Die andere Gruppen lehnt ab, was behauptet wird, weil es (ideologisch oder affektiv) nicht gefällt. Gegen beide hat die Gruppe derer, die fragt, ob Aussagen mit Fakten übereinstimmen, kaum eine Chance, sich Gehör zu verschaffen.

 

Infantilisierung

Dass die Irrationalität in Deutschland Feste feiert, die selbst der blonde Eckbert nicht für möglich gehalten hätte, ist ein Resultat der Infantilisierung der Gesellschaft. Die Infantilisierung durchzieht alle Bereiche und schlägt sich u.a. in einer Unfähigkeit, die soziale Welt in ihrer Komplexität, Veränderlichkeit und ihrer Abhängigkeit vom historischen Kontext anzuerkennen, nieder. Dadurch sind psychologische Störungsbilder, die Sozialpsychologen ein experimentelles Echtzeit-Design bescheren, weit verbreitet: Die einen können nicht akzeptieren, dass die Vielfalt, die sie in Verzückung versetzt, wenn sie mit einem brauhäutigen Menschen, den sie für unterlegen halten, die gleiche Vielfalt ist, der sie mit Verachtung begegnen, wenn sie im Zusammenhang mit einem weißen Menschen steht, der anderer Meinung ist. Die nächsten sind der Ansicht, man müsse einen Sprachkodex durchsetzen, weil sie, Mimosen, die sie nun einmal sind, nicht mit dem realen Leben konfrontiert werden wollen. Statt Hassreden wollen sie Schalmeienklänge hören, statt Hinweisen auf soziale Notlagen bei der falschen Zielgruppe wollen sie Hinweise auf die Wohltaten, die Menschen, die von sich behaupten, engagiert zu sein, zumindest verbal behaupten, erbracht zu haben.

Am gebrechlichsten ist die deutsche Demokratie, jenes politische Gebilde, das vom Streit lebt, wie u.a. die bereits benannten Väter der US-amerikanischen Verfassung wussten. In Deutschland ist dies anders. Hier lebt die Demokratie angeblich nicht vom Streit, sondern vom Konsens. Deshalb müssen abweichende Meinungen eingeebnet oder verboten werden, denn der deutsche demokratische Versuch, er hat ein zerbrechliches Gebilde geschaffen, das schon durch die Erwähnung von Hitler oder das Zeigen eine Hakenkreuzes gefährdet ist, ganz zu schweigen von zu weit abweichenden Meinungen, die als extrem klassifiziert werden. Mit extremen Meinungen kann man sich nicht auseinandersetzen, die Demokratie würde es nicht aushalten, sie ist zu ärmlich und zu zerbrechlich, um sich gegen ihre Kritiker durchzusetzen. Dass eine Demokratie am Streit wächst und mit jedem durchgefochtenen Streit stärker wird, dass es mit der Zeit immer weniger gibt, die eine Demokratie in Frage stellen, weil es immer mehr gibt, die die Vorzüge sehen, die darin bestehen, in manchen Dingen seinen Willen nicht zu bekommen, dafür aber in anderen Dingen, ist vielen Deutschen nicht nachvollziehbar. Sie wollen die reine, die pure Demokratie, in der die Gedanken gleichgeschaltet und alle Akteure wie kleine Kinder miteinander tanzen, sich freuen und glücklich sind, sie wollen natürliche Harmonie nicht durch Streit erfochtene Übereinkunft. Wenn sich aber alle liebhaben, mit einander übereinstimmen, ob ihrer geteilten Gutheit und im Paradies leben, ist keine Demokratie notwendig, Klone brauchen keine Regierungsform!

Was in diesem Manifest nur kurz angerissen werden konnte, findet sich in vielen Facetten in den mehr als 2000 Beiträgen auf ScienceFiles. Wer sich entsprechend einlesen will, findet ausreichend Stoff.

Die Bestandsaufnahme ist somit abgeschlossen. Die Konsequenzen, die aus dieser Bestandsaufnahme folgen, sind Gegenstand eines der nächsten Posts auf ScienceFiles.


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Süddeutsche Rechenakrobaten: Die Verblödung nimmt Form an

Vorrede 1: Wir diskutieren in der Redaktion regelmäßig darüber, ob es notwendig und wissenschaftlich ist, Fakten mit Begriffen wie „Unsinn“ oder „Verblödung“ zu beschreiben. Das Ergebnis dieser Diskussion ist regelmäßig, dass wir nicht wissen, wie wir die Fakten anders beschreiben sollen, insofern z.B. Blödsinn das deskriptive Konzept ist, das die Fakten treffend beschreibt.

Vorrede 2: Das rationale und vor allem formale Denken ist in Deutschland auf dem Rückzug. An seine Stelle ist der naive Konstruktivismus getreten, dessen Anhänger denken, wenn sie alles zur Disposition stellen und über alles die Willkür der subjektiven Konstruktion stülpen, dann würden sie nicht selbst dem Wahnsinn anheim fallen und – was schlimmer ist – nicht die Basis für eine Verständigung und einen rationalen Diskurs beseitigen. Die konstruktivistische Verwirrung ist mittlerweile soweit vorangeschritten, dass nicht einmal mehr Paradoxe, die die Logik seit mehr als 2000 Jahren kennt, von subjektiver Willkür verschont bleiben. Das Zivilisationserbe des Westens, auf das viele so stolz sind (obwohl sie keine Ahnung davon und keinen Anteil daran haben), wird gerade mit beiden Händen aus dem Fenster geworfen.

Noch was zum Kauen, für alle, die das Kreter Paradox immer noch nicht verstanden haben:

Dieser Satz ist falsch.

Astreines Kreter-Paradox und die kürzeste Form, die uns einfällt.

Und nun zu Detlef Esslinger, einem Redakteur der Süddeutschen Zeitung, der angetreten ist, einen weiteren Nagel in den Sarg des rationalen Denkens in Deutschland zu schlagen. „Der Verlust, der keiner ist„, so lautet der Titel seines Anschlages auf das rationale Denken.

stupidity_thumbEsslinger arbeitet auf Basis der Prämisse, dass es wichtig ist, die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern zu einem Erfolg für die SPD umzudeuten. Und in seinem Bemühen hat er Wählerstimmen entdeckt. 246.393 davon hat die SPD bei der Landtagswahl am Sonntag erhalten, 242.251 waren es bei der letzten Landtagswahl am 4. September 2011. Jucheisa, frohlockt der Süddeutsche Journalist: Die SPD hat gar nicht verloren, denn sie hat in Wahrheit Stimmen gewonnen. Und weil er gerade in Fahrt ist, erklärt er Prozentanteile zu Wahlfälschern, suggerieren doch die Prozentanteile, dass der Anteil der SPD von 35,6% der gültigen Stimmen auf 30,6% der gültigen Stimmen geschmolzen ist. Man könne, so sein Schluss, der SPD aber keine „‘Verluste‘“ attestieren, weil die SPD in „Wahrheit Stimmen gewonnen hat“.

Bei so viel Blödsinn weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.
Fangen wir bei der Vergleichsbasis an.
Esslinger vergleicht die Anzahl der Stimmen, die die SPD im Jahr 2016 erhalten hat, mit den Stimmen für die SPD im Jahr 2011 und stellt fest, es sind mehr gewonnen. Dieses Mehr stellt also einen Gewinn dar und könnte auch als solcher gefeiert werden, wäre (1) die SPD die SED und damit die einzige Partei, die zur Wahl stünde und wäre (2) die Anzahl der Wahlberechtigten konstant geblieben.

Nun steht aber nicht nur nicht nur die SPD zur Wahl, es hat sich auch die Anzahl derjenigen, die gewählt haben, verändert. Entsprechend muss man das Ergebnis der SPD 2016 nicht nur mit dem Ergebnis der SPD 2011 ins Verhältnis setzen, man muss es auch mit dem Ergebnis der anderen Parteien zu beiden Zeitpunkten ins Verhältnis setzen. Die Mathematik stellt dafür mehrere sinnvolle Mittel bereit. Prozentrechnung ist eines davon, aber relative Anteile, Prozentanteile, lehnt Detlef Esslinger ja ab und meint statt dessen, man können auf Basis des Vergleichs der SPD-Stimmen 2016 mit denen aus dem Jahre 2011 behaupten, die SPD habe eigentlich Wahl und Stimmen gewonnen.

Faktisch kann man aus dem Vergleich der Stimmen für die SPD 2016 mit den Stimmen für die SPD 2011 nur schließen, dass die SPD 2016 mehr Stimmen erhalten hat. Mehr nicht. Man kann in keinem Fall auf das Wahlergebnis bzw. den Wahlerfolg schließen.

Ein Beispiel mag dies auch dem Redakteur der Süddeutschen Zeitung deutlich machen:
In der letzten Saison hat der 1. FC Kaiserslautern im Heimspiel gegen den FC Nürnberg kein Tor geschossen. Im Auswärtsspiel dagegen einmal getroffen. Die Ausbeute ist also um ein Tor höher ausgefallen und die Lauterer könnten sich über ihren Sieg in etwa so freuen, wie Detlef Esslinger sich über seinen Versuch, sich selbst um den Verstand zu schreiben, freuen könnte, hätten nicht die Nürnberger in Kaiserslautern 3 und in Nürnberg 2 Bälle im Netz des Kaiserslauterer Tores versenkt.

Ein anderes Beispiel, etwas komplizierter: Wenn die Gewerkschaft eine Lohnerhöhung von 30 Euro im Jahr für angestellte Journalisten wie Detlef Esslinger durchgesetzt hat, dann werden Letztere sich freuen und in ihrer Freude vergessen, dass allein die Mietkosten um 25 Euro pro Monat gestiegen sind und dass von der Lohnerhöhung nichts bleibt, wenn man noch die sonstigen Teuerungen hinzurechnet. Menschen wie Detlef Esslinger, die in der Welt der absoluten Werte leben, sie freuen sich über die Krumen, die ihnen hingeworfen werden.

Es sollte deutlich geworden sein, dass es nicht möglich ist, das Wahlergebnis der Landtagswahl 2016 angemessen zu beschreiben, wenn man sich weigert, eine angemessene Vergleichsbasis zu wählen und die Veränderungen für alle anderen Parteien ebenfalls in Rechnung zu stellen, nicht nur die, die einem passen.

Dazu kommen wir gleich. Zuvor noch zwei logische Fehler, die Esslinger in seinem Text macht und die, weil sie so verbreitet sind, wir kurz darstellen wollen:

1. Esslinger schreibt: „Aber nur exakt 3868 ihrer bislang 156 969 Wähler haben der Partei [der CDU] das Vertrauen entzogen“.

kraemer-statistik-iDas nennen Wissenschaftler einen ökologischen Fehlschluss. Esslinger vergleicht die Stimmen die die CDU bei der Landtagswahl 2011 erhalten hat: 156.939, mit denen, die sie 2016 erhalten hat: 153.101. Ein Minus von 3838 Stimmen, das nicht einmal Esslinger wegrechnen kann. Der Fehlschluss liegt nun in dem Wörtchen „exakt“, denn die Zahlen, die Esslinger vergleicht, sagen nichts darüber aus, wie viele individuelle Wähler der CDU das Vertrauen entzogen haben: Im Extrem mögen der CDU alle 156.939 Wähler, die sie 2011 gewählt haben, abhanden gekommen sein und von 153.101 ehemaligen Wählern anderer Parteien oder Nichtwähler ersetzt worden sein. Oder es haben 19.617 Wähler der CDU den Rücken gekehrt und nur 15.779 haben sich dazu entschlossen, die CDU zu wählen. Was davon richtig ist, kann man den Zahlen, die Esslinger als Beleg anführt, nicht entnehmen. Man kann es sich nur einbilden, dass man es entnehmen kann, wie Esslinger das tut.

2. Esslinger schreibt weiter, dass die AfD viele „Bürger mobilisieren konnte, die bisher weder CDU noch sonst eine Partei gewählt haben“ und führt als Beleg an, dass 2016 806.000 Wahlberechtigte zur Urne gingen, während es 2011 nur 680.000 gewesen seien. (Tatsächlich haben 2011 nach Angaben des Landeswahlleiters 681.375 Wahlberechtigte eine gültige Stimme abgegeben und 708.111 Mecklenburger haben sich an der Wahl beteiligt, während sich 2016 821.645 Wahlberechtigte an der Wahl beteiligt haben und 806.396 eine gültige Stimme abgegeben haben). Neben dem bereits bekannte ökologischen Fehlschluss begeht Esslinger hier einen weiteren, den wir einmal als Fehlschluss der eigenen Phantasie bezeichnen wollen. Tatsächlich kann man über die Wähler, die 2016 gewählt haben und 2011 nicht, sagen, dass sie 2011 nicht gewählt haben. Mehr nicht. Vor allem kann man nicht über sie sagen, ob sie nicht 2006 oder 2002 bei einer Landtagswahl CDU oder SPD oder sonst eine Partei gewählt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass viele der Nichtwähler aus dem Jahre 2011 im Jahre 2002 eine sonstige Partei, also nicht die AfD, gewählt haben, ist tatsächlich sehr hoch, denn 2002 haben sich 993 822 Wahlberechtigte an der Wahl beteiligt –  mehr als 2016. Vielleicht sollten wir hier auch nicht von einem Fehlschluss, sondern von Blödsinn reden.

Letztlich kann man am Beispiel von Detlef Esslinger nur das hermetische Denken derer begutachten, die in ihrer ideologischen Verbohrtheit versuchen, sich die Welt nach ihren Vorstellungen zu konstruieren und dabei keinerlei Rücksicht auf die Logik, die Mathematik oder all die Gesetze nehmen, die Rationalität erst möglich machen. Journalisten wie Esslinger sind offensichtlich angetreten, dem Wahnsinn das Wort zu reden und Blödsinn zum Gegenstand von Kommunikation zu machen. Wie man auf die Idee kommt, eine Konstruktion der Realität, die sofort implodieren muss, wenn sie auf eben diese Realität z.B. in Form eines Lesers oder in Form von ScienceFiles trifft, ist eine Frage, die man vermutlich nur psychologisch beantworten kann, so wie man die Frage, ob es jemanden gibt der die Rechenschiebereien von Esslinger glaubt, eine Frage ist, die wir, die noch an die Rationalität von Menschen als dem Merkmal glauben, dass Menschen am ehesten aus der Reihe anderer Tiere hervorzuheben vermag, einfach nicht mit ja beantworten können.

Vielleicht sind derartige Versuche, die Realität anders darzustellen als sie ist, wie der von Detlef Esslinger, auch nur ein Ausdruck für die Verzweiflung, die all diejenigen ergriffen hat, die bislang ein gutes Leben auf Basis nepotistischer Strukturen, wie sie das Berliner Parteiensystem geschaffen hat, gelebt haben und Letzteres durch die AfD gefährdet sehen.

Bleibt noch die Ehrrettung der relativen Anteile als einziger Möglichkeit, die Frage, wer eine Wahl gewonnen hat und wer nicht, zu leisten.

Was Herr Esslinger einfach nicht einsehen will ist Folgendes:

  • kraemer-statistik-2Zwischen zwei Zeitpunkten (2011 und 2016) vergeht Zeit.
  • Wenn Zeit vergeht, dann ändert sich zumeist etwas.
  • Z.B. kann sich die Anzahl der Wahlberechtigten ändern (1,33 Millionen in Mecklenburg-Vorpommern im Jahre 2016, 1,37 Millionen im Jahre 2011).
  • Auch die Anzahl von Parteien, die zur Wahl stehen, kann sich zwischen zwei Zeitpunkten verändert haben (einmal AfD, einmal keine AfD);
  • Schließlich kann sich auch die Anzahl derer, die zur Wahl gehen und als Konsequenz die Anzahl der Stimmen, die für eine Partei abgegeben werden, verändern.

Um all diese Veränderungen, die Esslinger offensichtlich nicht mag, unter einen Hut zu bekommen und eine Maßzahl zu finden, die den Veränderungen so Rechnung trägt, dass man die Ergebnisse von 2011 und 2016 VERGLEICHEN kann, hat es sich eingebürgert, die Anteile der Parteien an allen abgegebenen Stimmen zu berechnen und miteinander zu vergleichen, sowohl zwischen den Zeitpunkten als auch zwischen den Parteien.

Das ist eine Konvention.
Man könnte auch andere Konventionen einführen.
Z.B. könnte man das Abschneiden von Parteien auf der Grundlage des Stimmenzugewinns bewerten:
Dann ergäben sich für den Vergleich von 2016 mit 2011 folgende Ergebnisse:
SPD: ein Zugewinn von 1.7% an Wählerstimmen.
CDU: ein Verlust von 2,5% der Wählerstimmen.
LINKE: ein Verlust von 15,4% der Wählerstimmen.
Grüne/Bündnis90: ein Verlust von 34,2% der Wählerstimmen.
AfD: ein Gewinn von 100% an Wählerstimmen.

Zwangsläufig wäre die AfD der Wahlgewinner, was Detlef Esslinger nicht gefällt.
Also versuchen wir eine andere Prozentuierungsbasis und stellen die Anzahl der Wahlberechtigten in Rechnung, die eine gültige Stimme zu beiden Wahlen, 2011 wie 2016 anbgegeben haben. Die folgende Tabelle zeigt das Ergebnis:

Partei Anteil 2011 Anteil 2016 Gewinn/Verlust
SPD 35,6% 30,6% -5,0%
CDU 23,0% 19,0% -4,0%
Die LINKE 18,4% 13,2% -5,2%
Grüne/B90 8,7% 4,8% -3,9%
AfD 0% 20,8% +20,8%

Eingeweihte werden die Tabelle als Gegenüberstellung der Wahlergebnisse von 2011 und 2016 erkennen. Wenn man Aussagen über die Bedeutung einer Partei im Hinblick auf die Anzahl der Stimmen, die sie im Vergleich zur Zahl der abgegebenen Stimmen erhalten hat, machen will, dann führt kein Weg daran vorbei, die entsprechenden Prozentwerte zu berechnen.

Ob man das in der Redaktion der Süddeutschen versteht oder sich in eine Blödsinnenklave entwickeln will, ist eine Frage, die die Zeit beantworten wird.

Übrigens findet man in der Süddeutschen Zeitung regelmäßig Texte, in denen u.a. die Verblödung der Bevölkerung beklagt wird.


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Kreter Paradox

Epimenides wird gewöhnlich das Paradoxon zugeschrieben, das die Kreter (nicht) verunglimpft. Es geht wie folgt:

  • Alle Kreter sind Lügner.
  • Ich bin ein Kreter.

Das besondere am Kreter-Paradox, das es unauflöslich macht, liegt darin, dass dann, wenn alle Kreter Lügner sind und ich ein Lügner bin, beide Aussagen falsch sein müssen, wobei die Wahrheit der ersten Aussage benötigt wird, um die Falschheit beider Aussagen zu begründen.

Ein Paradox eben.

Eines, das man im täglichen Leben immer wieder findet, in den unterschiedlichsten Varianten.

z.B.

  • Die deutsche Bevölkerung ist nicht urteilsfähig.
  • Ich bin ein Deutscher.

oder:

  • Die Bürger müssen verstehen lernen, was wir ihnen sagen.
  • Wir sind alle Bürger und sitzen im selben Boot.

Und hier in der Variante, die wir gerade bei Google Books gefunden haben:

Kreter Paradox

 

Formen der Dummheit (- die besonders in Deutschland endemisch sind)

Ein Leser von ScienceFiles hat uns gebeten, unser Konzept der Dummheit erster, zweiter und dritter Ordnung noch einmal in allgemeiner Form darzustellen. Wir haben es bislang nur am Beispiel des Gender Pay Gaps, als einem Beispiel besonderer Dummheit durchgespielt.

Wir kommen diesem Wunsch gerne nach und hoffen, dass unser Konzept weite Verbreitung und Anwendung in entsprechenden Diskussionen findet.

Hier also unser Konzept der Dummheit:

Dummheit erster Ordnung

Dummheit erster Ordnung liegt dann vor, wenn ein deskriptives Faktum nicht als deskriptives Faktum angesehen wird, sondern als Ausdruck für etwas normativ Dahinterliegendes. Die Wahrnehmung deskriptiver Fakten ist in diesen Fällen durch die Interessen des Wahrnehmenden so gestört, dass er nicht mehr richtig wahrzunehmen im Stande ist. Das, was ist, wird in den Fällen von Dummheit erster Ordnung von dem überlagert, was der Wahrnehmende gerne wahrnehmen würde.

Ein Beispiel ist der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen (Männer verdienen durchschnittlich mehr). Wer nicht mit Dummheit erster Ordnung geschlagen ist, sieht einen Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen. Wer das Handicap einer Dummheit erster Ordnung mit sich herumträgt, bewertet und kann entsprechend nur eine Benachteiligung von Frauen erkennen.

Dummheit erster Ordnung geht häufig mit der Unfähigkeit einher, differenzierte Aussagen zu treffen. Diese Unfähigkeit schlägt sich z.B. darin nieder, dass ein Einzelfall zu einer Aussage über eine ganze Gruppe umformuliert wird. So etwa, wie dies Marc Dietzschkau gerade getan hat, in dem er die Aussage von Sebastian Wippel im sächsischen Landtag dem, was er für #Pack hält, zugeschrieben hat, also der gesamten AfD-Fraktion. Neben der falschen Verallgemeinerung, die man auch als induktiven Fehlschluss bezeichnet, findet sich häufig der Fehlschluss der Bejahung des Konsequens als Ausdruck von Dummheit erster Ordnung, etwa dann, wenn man denkt, die Aussage „Leider hat es nicht die Verantwortlichen der Politik getroffen“, sei eine Aussage über alle Politiker, was natürlich blanker Unsinn ist. Die Aussage ist nicht einmal eine Aussage darüber, dass sich der Aussagende wünscht, in Zukunft würde es die Verantwortlichen der Politik treffen. Der einzige Schluss, der möglich ist, lautet: Der Aussagende bedauert, dass es nicht die Verantwortlichen der Politik getroffen hat. Darüber hinausführende Schlüsse stammen aus der Phantasie des Schließenden und stellen einen Fehlschluss der Bejahung des Konsequens dar.

Der einzige plausible Schluss, der auf  Grundlage der Aussage von Wippel getroffen werden kann ist, dass dann, wenn man schon einen Terroranschlag nicht verhindern kann, er sich wenigsten nicht gegen Unschuldige, also nicht Verantwortliche richten soll.

Dummheit zweiter Ordnung

Dummheit zweiter Ordnung liegt dann vor, wenn ein deskriptives Faktum nicht nur durch eine Bewertung entstellt wird, sondern die Bewertung zum Anlass genommen wird, um eine Vielzahl von Gründen anzuführen, die die Bewertung erklären sollen.

So macht Dummheit erster Ordnung aus der deskriptiven Tatsache eines Verdienstunterschieds eine Benachteiligung. Dummheit zweiter Ordnung setzt hier an und versucht, die behauptete Benachteiligung zu erklären. Da die Bewertung der deskriptiven Fakten bereits interessengeleitet war, ist natürlich auch die Erklärung der eigenen Bewertung interessegeleitet, weshalb die versuchte Argumentation als Zirkelschluss in sich zusammenfällt. Abermals kann das Gender Pay Gap als besondere Form der Dummheit hier als Beispiel dienen: Die Bewertung eines Verdienstunterschieds zwischen Männern und Frauen als Benachteiligung, erfolgt auf Grundlage der eigenen Ideologie, die z.B. ein Patriarchat phantasiert, das Frauen seit Jahrhunderten unterdrückt. Die Erklärung der eigenen Bewertung basiert abermals auf dieser Phantasie des Patriarchats, das Frauen unterdrückt. All is one, wie man im Englischen diese besondere Form der geistigen Verwirrung nennt.

stupidity_thumbIn gleicher Weise fallen Personen, die z.B. in Menschen nur Pack zu sehen im Stande sind, zumeist auf ihre eigenen Prämissen herein. Weil sie wie die Aasgeier auf Ästen sitzen und hoffen, über einen ihrer selbsterwählten Feinde herfallen zu können, stürzen sie sich auf jeden Brocken, der ihnen hingeworfen wird und merken dabei gar nicht, dass sie sich und ihre Prämissen zur Schau stellen. Die Dummheit zweiter Ordnung hat, weil sie unweigerlich in einer Tautologie endet, einen offenlegenden Charakter: Wer Dummheit zweiter Ordnung zur Schau stellt, zeigt sich in der Regel als das, was er angeblich bekämpft. Er basiert seine Aussagen z.B. auf der versteckten Prämisse, dass Terroropfer, sofern es sich nicht um Politiker handelt, schon ok sind. Er präsentiert sich als Menschenfreund, der andere Menschen zum Pack erklärt und merkt nicht, dass er sich gerade als Menschenfreund deklassiert hat. Oder er kämpft für Toleranz, in dem er die Aussagen Dritter, die ihm nicht passen, unterdrücken will, also intolerant ist. Dummheit zweiter Ordnung hat viele Gesichter. Ein Blick durch manche Landtagsfraktionen macht das deutlich.

Dummheit dritter Ordnung

Dummheit dritter Ordnung besteht darin, dass behauptet wird, die deskriptiven Fakten, die durch die eigene Bewertung entstellt und auf Grundlage der selben Interessen, die bereits die Grundlage der Bewertung sind, zu erklären versucht wurden, seien das Ergebnis einer aktiven Einflussnahme durch Dritte. Wenn man so will, ist Dummheit dritter Ordnung eine Form der Verschwörungstheorie, die im Fall des Gender Pay Gap darin besteht, dass fiese Arbeitgeber Frauen benachteiligen, was dazu führt, dass die armen Frauen für gleiche Arbeit weniger Lohn erhalten als Männer. Ein besonders krasses Beispiel für Dummheit dritter Ordnung haben wir vor einigen Tagen besprochen. Es bestand in der Behauptung, dass der Herzinfarkt von Frauen dann, wenn es keine Gender Studies mehr gibt, nicht mehr erkannt werden wird. Wer also Gender Studies abschaffen wolle, der bringe Frauen um. Wir haben diese Form der Dummheit hier besprochen.

Man muss schon mit einem gerüttelten Maß an kognitiver Leere ausgestattet sein, um auf solchen Unsinn zu kommen oder mit einem unglaublichen Maß ideologischer Verblendung, wobei wir uns derzeit nicht im Klaren darüber sind, ob ideologische Verblendung in diesem Fall nur ein Synonym für kognitive Leere ist.

Alles noch einmal in Kürze:

Dummheit erster Ordnung:

Fakten können nicht deskriptiv, sondern nur normativ wahrgenommen und entsprechend interpretiert werden.

Dummheit zweiter Ordnung:

Fakten werden in ihrer bereits bewerteten Form zu erklären versucht, wobei Erklärungsversuch und Bewertung auf denselben Prämissen basieren, was folgerichtig zu einer Tautologie führt.

Dummheit dritter Ordnung:

Die tautologische Erklärung bewerteter Fakten wird durch eine Verschwörungstheorie oder einen sonstigen Verweis auf das Wirken geheimer Mächte qualifiziert, deren Motivation über einen genetischen Fehlschluss oder einen anderen Essentialismus herbeigebogen wird, z.B. die essentiell bösen Männer, die nichts lieber wollen, als Frauen zu benachteiligen.


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SPD-Logik: Terroranschläge in Deutschland haben schon die Richtigen getroffen

Aufregung ist ein schlechter Berater. Wer aufgeregt ist, macht Fehler, denkt oft nicht logisch und schüttet gar zu oft, das Kind mit dem Bade aus. Wenn sich ein Aufgeregter im Recht sieht, dann ist es besonders schlimm. Dann wird die eigene Aufregung zum Immunitätsschild, das seinem Träger vormacht, er könne gar nichts schreiben, was falsch ist, habe die Fraktion der moralisch Aufgeregten auf seiner Seite, egal, was er sagt oder schreibt oder twittert.

Entsprechend hat ein Marc Dietzschkau, der laut MDR Pressesprecher der SPD in Sachsen sein soll, getwittert: „Das #Pack im #saxlt wünscht sich, den Terrortod von Politikern“. Das ist demnach als Pressemeldung der SPD aus dem sächsischen Landtag (saxlt) zu werten. #Pack steht für die AfD, und ist bereits der erste logische Fehler, den Dietzschkau begeht, denn das, was er beanstandet, hat nicht die AfD, sondern Sebastian Wippel, der nachweislich nicht die AfD ist, gesagt. Tatsächlich hat Wippel Folgendes gesagt:

„Und nun haben wir die Quittung bekommen, jetzt auch in Deutschland erstmalig mit den Anschlägen in Bayern und Baden-Württemberg. Leider hat es nicht die Verantwortlichen dieser Politik getroffen.“

Formen wir den Satz ein wenig um. Wenn es nicht die Verantwortlichen getroffen hat, dann hat es vermutlich diejenigen getroffen, die nicht verantwortlich sind. Wenn es die getroffen hat, die nicht verantwortlich sind, dann kann man auch sagen, es hat die Falschen getroffen.

Wenn sich nun Politiker allen Ortes darüber echauffieren, dass sich „das #Pack im #saxlt“ den „Terrortod von Politikern“ wünsche, dann ist dies nicht nur ein Fehlschluss, sondern eine Aussage, die nur den Schluss zulässt, dass der SPD-Pressesprecher, von dem dieser bemerkenswerte Tweet stammt, der Ansicht ist, die Terroranschläge in Bayern und Baden-Württemberg hätten schon die Richtigen getroffen.

Das folgt logisch aus seiner Aufregung.

Logik f dummiesDenn logisch betrachtet impliziert „Leider hat es nicht die Verantwortlichen getroffen“nicht den Wunsch, dass Politiker Opfer von Terroranschlägen werden sollen. Aus der Aussage lässt sich nur schließen, dass derjenige, der sie trifft, es bedauert, dass nicht Verantwortliche bei Terroranschlägen zu schaden gekommen sind. Logisch zwingend ist jedoch, dass derjenige, der sich darüber aufregt, dass ein Terroranschlag „leider“ die getroffen habe, die nicht verantwortlich sind, damit implizit aussagt, dass er der Ansicht ist, es habe die Richtigen getroffen.

Wie so oft, sind diejenigen, die sich über die angeblich moralisch so verwerflichen Wünsche anderer echauffieren, diejenigen, deren Wünsche man besser nicht thematisiert. Was sich ein Marc Dietzschkau wünscht, der kein Problem hat, Menschen, Abgeordnete, Politiker als Pack zu bezeichnen (gleich der nächste logische Fehler, denn hätte Dietzschau mit seinem Tweet Recht, dann müsste sich Wippel zwangsläufig seinen eigenen Tod wünschen), das kann man sich lebhaft vorstellen.

Merke: Moralischer Hochmut, insbesondere wenn er mit kleinen Geistern einhergeht, kommt regelmäßig vor dem Fall.


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Nur noch anständig bekleidet: Neue Kleiderordnung für Touristen

Während es in Europa derzeit nichts zu geben scheint, was mehr Erregung hervorruft als der Burkini, gibt es in Ägypten Überlegungen, die erhebliche Konsequenzen für Touristen und die Tourismusindustrie haben könnten.

Al-Mahkamah al-Dustūrīyah al-‘UlyāAl-Mahkamah al-Dustūrīyah al-‘Ulyā (المحكمة الدستورية العليا‎‎), das ist der Name des höchsten ägyptischen Gerichts in dessen Hallen nach Information von RP in den nächsten Tagen eine Frage entschieden werden wird, die für Urlauber in Ländern des südlichen Mittelmeerraumes und weiter Teile Nord- und Mittelafrikas erhebliche Konsequenzen haben wird.

Der als „maqbūl libās šahāda” bekannte Vorgang, den man wohl am besten mit anständige Bekleidungs-Gesetz übersetzen kann, zielt darauf, die lokalen Traditionen, die religiösen Gefühle, das sittliche Empfinden zu schützen und vor allem die ästhetische Verschmutzung arabischer Umwelten durch westeuropäische Touristen zu beenden und den Touristen eine anständige Bekleidung vorzuschreiben.

Muhammad ibn Zakariya al-Razi von der Ägyptischen Altertumsverwaltung, der den Gesetzentwurf ins Rollen gebracht hat, verteidigt sein Vorhaben damit, dass es eine Beleidigung nicht nur gegenüber denen sei, die im Schweiße ihres Angesichts die monumentalen Bauten Ägyptens errichtet haben, wenn Touristen aus Bussen quellen, ihrem Schweiß ungehinderten Lauf lassen und ihre Pickel und sonstigen Hautunreinheiten nur mäßig oder gar nicht verhüllt, der Allgemeinheit zumuten. Bereits aus hygienischen Gründen so al-Razi, sei ein Bekleidungszwang notwendig.

Abu Yaqub al-Sijistani vom Ägyptischen Ministerium für Tourismus hat die schwierigste Rolle zu spielen, muss er doch zwischen Touristen und Einheimischen vermitteln. Letztere fühlen sich zunehmend von schlecht angezogenen und heftig ausdünstenden Europäern belästigt, erstere wollen gerade in ihrem Urlaub keinerlei Rücksicht auf regionale Traditionen, Sitten und Gepflogenheiten nehmen. Wer zahlt, bestimmt, so die Mentalität der meisten Touristen. Die vorhersehbar hohen Wogen, die ein Richterspruch haben wird, der eine anständige Bekleidung auch für Touristen vorschreibt, versucht al-Sijistani schon im Vorfeld dadurch zu glätten, dass er die gesundheitlichen Risiken, die damit einhergehen, dass man seine Haut ungeschützt der ägyptischen Sonne aussetzt, hervorhebt. Die Kosten, die auf westeuropäische Krankenkassen zukommen, um Hautkrebs und andere Hautleiden, die sich unerfahrene, unbedachte und unbewusste Touristen dadurch einhandeln, dass sie halbnackt unter der ägyptischen Sonne wandeln, seien durch die neuen Regeln anständiger Bekleidung vermeidbar, so al-Sijistani.

Lawrence_AliWie so oft, kommen vom Ägyptischen Vordenker Abdel Rahman Badawi Argumente, die auf die Würde des Menschen abzielen und der existentiellen Philosophie gerecht werden, für die Badawi berühmt geworden ist. Badawi hat es schon immer irritiert, dass Menschen sich anpreisen und selbst zum Mittel des Exhibitionismus greifen, sich selbst objektivieren, um auf sich aufmerksam zu machen. Entsprechend hat er sich eingehend mit der Beziehung zwischen der von ihm gesehenen immer geringer werdenden Bedeutung, die Individuen ihrer eigenen Würde zuweisen und der Tendenz, immer weniger Kleidung auf dem Leib zu tragen, beschäftigt.

Dabei hat er nicht nur Holidayressorts mit Viehmärkten verglichen, sondern auch darauf hingewiesen, dass die bei Westeuropäern so beliebten Shorts in arabischen Ländern zur Kategorie der Unterwäsche zählen, weshalb sich Touristen generell der Lächerlichkeit preisgeben, wenn sie im entsprechenden Aufzug erscheinen. Fasziniert ist Badawi jedoch regelmäßig davon, dass Westeuropäer, die Toleranz und Offenheit für sich in Anspruch nehmen, nie auf die Idee kommen, sich den Sitten und Bräuchen der Gesellschaften gegenüber tolerant und offen zu zeigen, in denen sie als Touristen einfallen. Nicht einmal die Tatsache, dass die lokale Bevölkerung beim Anblick von kaum bekleideten Touristen letzteren keinerlei Würde mehr zuzusprechen im Stande ist, habe einen Effekt auf die vom exhibitionistischen Virus Befallenen. Das Gesetz anständiger Bekleidung sei deshalb ein Segen für die Menschheit. Es gebe Westeuropäern ihre Würde zurück, erhebe sie vom Status des Irren, der sich in Unterhosen in der Öffentlichkeit zeigt, auf die Stufe eines normalen Menschen und führe dazu, dass westeuropäische Touristen, die sich vielleicht fragen, warum sie sich anständig anziehen müssen, ein Gefühl dafür entwickeln, welche Toleranz und Akzeptanz ihnen jahrelang von der einheimischen Bevölkerung entgegen gebracht wurde.

Kulturelle Völkerverständigung per Gesetz!

So würde sich die Welt darstellen, wenn alle mit dem Anspruch auftreten würden, mit dem Europäer in der Regel auftreten. (ScienceFiles: Satiren eigener Art).


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