Warum Deutschland einem Kindergarten gleicht

Oder einer ist?

Der Versuch, eine Demokratie zu leben, nimmt in Deutschland immer groteskere Formen an.

Heute: Eine Gesellschaft, gleich welchen politischen Systems, lebt davon, dass die Mitglieder miteinander kooperieren. Damit sie miteinander kooperieren, ist es notwendig, dass sie miteinander reden: Reden Sie nicht mehr miteinander, dann passiert, was im Kindergarten passiert: Rote Köpfe, gepresste Backen und Schreien, um die eigenen Interessen auch gegen den Willen der anderen durchsetzen zu können.

In seiner intellektualisierten Variante besteht die Verweigerung von Kooperation darin, mit „dem“ oder mit „denen“ nicht mehr zu sprechen. Entweder, weil es die Erhabenheit der eigenen moralischen Einbildung nicht zulässt oder weil es die Ärmlichkeit der Fähigkeit, die eigene Überzeugung zu begründen, nicht zulässt, sich ernsthaft mit Personen anderer Meinung auseinanderzusetzen.

Deshalb werden in Deutschland grundsätzlich diejenigen aus der Diskussion ausgeschlossen, deren Meinung anders ist. Wie im Kindergarten, so gibt es auch im vermeintlich erwachsenen Deutschland nur zwei Meinungen, die richtige, also die eigene, und die falsche, die andere. Wer eine andere Meinung hat, ist dementsprechend ein Nazi oder, umgekehrt, eine linke Zecke.

Auf der Strecke bleibt das, was Gesellschaften zusammenhält, das miteinander Sprechen. Die Väter der US-amerikanischen Verfassung haben das sehr klar gesehen und entsprechend jede Möglichkeit ausgeschlossen, dass irgend eine Meinung als nicht mehr salonfähig gebrandmarkt werden kann. Erlaubt ist jede Meinung. Wem eine Meinung nicht gefällt, der muss sich dennoch mit ihr arrangieren, sie aushalten lernen, sie verbal bekämpfen, aber er kann sie nicht unterdrücken oder gar verbieten.

In Deutschland ist das anders. Hier, im Kindergarten, spielen (sprechen) angeblich erwachsene Menschen, die von sich denken, sie seien intellektuell zu mehr als unartikuliertem Gebrabbel in der Lage, nicht mit anderen, die eine falsche politische Einstellung mitbringen.

Ein gefährliches Unterfangen, denn man soll nie ausschließen, in einer lebenswichtigen Situation auf die Hilfe von jemandem angewiesen zu sein, den man als Nazi gebrandmarkt hat und dessen Hand man nun fraglos erwartet, um aus dem Morast gezogen zu werden, in den man geraten ist. Die Ausgrenzung von Menschen mit anderer Meinung, sie blüht in Deutschland, und sie ist die dümmst-mögliche Form des gemeinsamen Umgangs.

BaukloetzeUnd es sind ausgerechnet diejenigen, die sofort freudig und willig skandieren, dass man Flüchtlinge integrieren müsse, ihnen helfen, mit ihnen sprechen müsse, die dieselbe Behandlung denen verweigern, die eine andere Meinung haben. Daran wird deutlich ersichtlich, dass nicht die andere Meinung das Problem ist. Die Interaktion und Freude über Flüchtlinge erfolgt aus einer überlegenen Position. Man gehört zu denen, die schon wissen, wie es in Deutschland läuft und kann dies den kleinen Brauen, die nach Deutschland kommen, zeigen. Es ist schlicht eine Form des gewendeten Rassismus, der sich in positiven Gefühlen ausdrückt, denn die negativen Gefühle, die werden in einer Art ideologischem Rassismus denen gegenüber gebracht, die nicht unterwürfig und nicht neu und nicht auf Hilfe angewiesen sind, die man als ebenbürtig ernst nehmen, mit denen man ebenbürtig reden und diskutieren müsste, und nichts fürchten die linken Herrenmenschen mehr als mit Menschen, die für sich in Anspruch nehmen, ebenbürtig zu sein und ein gleiches Recht auf freie Meinungsäußerung für sich reklamieren, reden zu müssen.

Wir sind eben im Kindergarten und mit „denen da“ spielt man nicht.

Ein besonderes Beispiel dieser Idiotie hat sich auf Twitter ereignet, dem sozialen Netzwerk, auf dem die Sicherheit von nicht mehr als 140 Zeichen auch noch den letzten Sprachgestörten zum Flüssigsprecher werden lässt. Hier kann man den institutionalisierten Fehlschluss ad hominem, der eine direkte Folge des: mit dem redet man nicht ist und in seiner Konsequenz zu einer Spaltung der Gesellschaft führt, beobachten.

Der Fehlschluss ad hominem, den vor allem diejenigen so gerne begehen, die sich selbst für intellektuell begabt halten, er beginnt damit, dass Kolja Bonke, der auf Twitter für seine klare Meinung bekannt ist und von manchen als rechts bezeichnet wird, als einer der ersten Informationen zum Attentat von Manchester verbreitet hat.

Die FAZ-Redaktion auf Twitter, die sich hier nicht hinter Presseagenturen verschanzen kann und auf Informationen von anderen angewiesen ist, hat den Tweet von Bonke, in dem nur Informationen zum Anschlag in Manchester enthalten waren, weiterverbreitet.

Das wiederum hat einigen Saubermännern, die lieber im Kindergarten leben, als dass sie sich wie Erwachsene mit anderen Erwachsenen sprachlich auseinandersetzen, mit Argumenten und Begründungen und so weiter, nicht gefallen:

Wer nun denkt, die FAZ-Redaktion stünde über derartigem Unsinn, der sieht sich getäuscht. Die Journalisten beteiligen sich am verordneten Sprachverbot. Mit „denen“ spricht man nicht. Nicht die Information zählt, sondern der, der die Information gibt. Bleibt nur noch zu klären, ob sich die Mitglieder der FAZ-Redaktion dann, wenn sie eine Meinungsverschiedenheit über z.B. die Setzung eines Kommas in einem ihrer Texte haben, mit Bauklötzen bewerfen, um herauszufinden, wer Recht hat. Jedenfalls haben die dort Beschäftigten die Hosen so voll, dass sie sich lieber intellektuell diskreditieren, als dass sie Stellung für die Rationalität und die Logik beziehen, als dass sie in die Welt der Erwachsenen wechseln.

Im Kindergarten herrscht übrigens eine Oligarchie aus Personen, die über die Selbstbestimmungsrechte der Insassen nach Lust und Laune verfügen und letztere zu Tätigkeiten anhalten und verpflichten, die nicht selten gegen deren ausgesprochene Interessen stehen. Im Kindergarten wissen die Großen, weiß die Obrigkeit, was für die Kindlein richtig ist. Im Rest von Deutschland scheint es genauso zu sein.

Keine intellektuelle Kanzlerdämmerung: Börsianer sind keine Menschen

Die meisten Politiker sind keine Logiker.
Das ist bekannt.

Logik fuer DummiesDie meisten Politiker wissen gar nicht, dass es eine formale, eine Aussagen-, eine Prädikatenlogik gibt.

Den wenigsten Politikern ist bewusst, dass Mathematik auf Logik beruht.

Kaum einem Politiker ist bekannt, dass auch Sprache auf Logik beruht, dass Sprache, ohne Logik zum bloßen Gebrabbel wird.

Die meisten Politiker sind nicht an Logik interessiert, weil ihre Sprache keine Argumente enthält, nicht auf Argumentation ausgelegt ist, sondern darauf, die Adressaten ihrer sprachlichen Ergüsse affektiv, also über den Bauch und nicht über das Gehirn, zu erreichen.

Etwa so:

Was sind Finanzmärkte?
Die Mehrzahl von Finanzmarkt.

Was ist ein Finanzmarkt?
„Finanzmarkt ist ein Oberbegriff für alle Märkte, auf denen ein Handel mit Kapital stattfindet“, so Wikipedia.
An Finanzmärkten wird also mit Kapital gehandelt.

Wer handelt mit Kapital?
Menschen handeln. Der Gütertausch, hier in Form von aktuellem Kapital gegen zukünftiges Kapital, ist eine Interkation, eine soziale Handlung, die nur zwischen Menschen erfolgen kann.

An Finanzmärkten handeln Menschen miteinander.

Handeln ist ein „bewusstes und willentliches menschliches Tun, das auf die Grundlage der Wirklichkeit gerichtet ist; der Handelnde verfolgt dabei bestimmte Ziele und hat dafür bestimmte Motive“ (Giesecke 2010: 21). Soziales Handeln zwischen Menschen ist „am vergangenen, gegenwärtigen oder für künftig erwarteten Verhalten anderer … [orientiert]“ (Weber 1988: 562)

nyse2Wenn nun Kanzler Merkel sagt:
„Bei Globalisierung geht es um Menschen und deren Lebenschancen, nicht um Interessen der Finanzmärkte“, dann stellt sie die Menge der Menschen, den Finanzmärkten gegenüber. Beide sind im Bezug zu einander exklusiv: Finanzmärkte haben zwar Interessen, wie Frau Merkel meint, aber dort gibt es keine Menschen, die handeln, denn die Menschen und ihre Lebenschancen sind inkompatibel zu Finanzmärkten, was zur logischen Konsequenz hat, dass es an Finanzmärkten keine Menschen geben kann.

Nun gibt es verlässliche Beobachtungen von z.B. Börsen in New York, London, ja selbst in Frankfurt, die berichten, sie hätten Menschen beim Handel an der Börse, am Finanzmarkt beobachtet. Diese Beobachtungen müssen nach der Logik von Kanzler Merkel falsch sein, denn an Börsen und Finanzmärkten gibt es keine Menschen. Folglich muss Frau Merkel der Ansicht sein, an Finanzmärkten handeln entweder Aliens oder Unmenschen. Beide Konsequenzen der Merkelschen Aussage muss man als menschenfeindlich ansehen.

Ist die Menschenfeindlichkeit von Merkel nun Ergebnis der Tatsache, dass sie Unsinn erzählt oder ist die Menschenfeindlichkeit ernstgemeint. Ist Frau Merkel also tatsächlich der Ansicht, Börsianer, Broker, Investmentbanker seien keine Menschen?

Zusammenhalt in Vielfalt: Die neueste Methode von Brainwashing

Eine Initiative „kulturelle Integration“, ist urplötzlich auf der Bildfläche aufgetaucht und wird von Ministerien protegiert. Mit 15 Thesen wollen die kulturellen Integrierer die deutsche Gesellschaft vor dem populistischen Supergau retten. Deshalb setzen sie ihre eigenen Vorstellungen absolut und versuchen sie den anderen Mitgliedern der deutschen Gesellschaft als kulturelle Vielfalt unterzuschieben.

Wir haben die 15 Thesen zur kulturellen Integration und die Präambel zum Machwerk gelesen und 15 Widersprüche zu den Thesen formuliert, 15 liberale Widersprüche zu totalitären Thesen.

Angesichts aktueller Debatten wollen die Mitglieder der Initiative „kulturelle Integration einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten“, so steht es gleich am Anfang einer Initiative, die die Annahme vertritt, Kultur führe zu sozialer Integration und sei nicht etwa das Ergebnis einer sozialen Integration. Eine seltsame Vorstellung, die die Frage provoziert: Wenn Kultur durch Integration in soziale Zusammenhänge zu gesellschaftlichem Zusammenhang führt, wo kommt dann die Kultur her, die diese Leistung vollbringt, die Kultur, die notwendig und unabhängig von Individuen bestehen muss, denn Letztere will sie ja erst integrieren?

Die Initiative geht von einem Menschenbild aus, das Menschen als Rezeptoren und nicht als Akteure ansieht, als Rezeptoren ihrer Kultur, die sie in was auch immer integriert. Das mag damit zusammenhängen, dass die Initiative einen seltsamen Kulturbegriff nutzt, den die UNESCO zu verantworten hat:

culture_more than sheep„Der UNESCO-Kulturbegriff stellt darauf ab, dass „die Kultur in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden kann, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen.“

Irgendwelche Aspekte kennzeichnen eine Gesellschaft und vermutlich verleihen sie der entsprechenden Gesellschaft eine Art Alleinstellungsmerkmal, so dass man die entsprechende Gesellschaft auch als solche erkennen und von anderen unterscheiden kann, aber die Konkretisierung der Aspekte kennt nur Kunst und Literatur und Lebensformen und Werte und Glaubensrichtungen. Kurz: Kultur in ihrer manifesten Form, in Unternehmen, Errungenschaften, Gebäuden, Artefakten, in den materiellen Belegen, die eine Kultur als solche handfest und nicht zur literarischen Kunstform machen, sie kommen gar nicht vor. Statt dessen wird Kultur zum intellektuellen Hirngespinnst der Schöngeister erklärt.

Alfred Kroeber und Clyde Kluckhohn, die sich im Gegensatz zur UNESCO jahrzehntelang mit wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Kultur befasst haben und in dieser Zeit knapp 200 verschiedene Bestimmungen von „Kultur“ gesammelt haben, definieren Kultur wie folgt:

„Culture consists of patterns, explicit and implicit, of and for behaviour acquired and transmitted by symbols, constituting the distinctive achievements of human groups, including their embodiment in artefacts; the essential core of culture consists of traditional (i.e. historically derived and selected) ideas and especially their attached values; culture systems may, on the one hand, be considered as products of action, on the other, as conditional elements of future action” (Kroeber & Kluckhohn, 1952, S.181).

Das Alleinstellungsmerkmal von Kulturen sind demnach ihre manifesten und sie von anderen Kulturen unterscheidenden Errungenschaften und Artefakte. Diese Errungenschaften und Artefakte wiederum gelten als Ausdruck der sie möglich machenden Werte, Traditionen und Normen. Letztere machen also an sich keine Kultur aus, sie müssen sich schon in etwas manifestieren, was eine Kultur unterscheidbar macht, sie von anderen Kulturen differenziert.

german-stereotypesDie 15 Thesen, die die Initiative in die Welt gesetzt hat, basieren somit auf einer ungenügenden, weil unvollständigen Basis bzw. Vorstellung von Kultur: Kultur hat erst dann Relevanz, wenn sie es aus den Köpfen der Menschen in die Wirklichkeit schafft, wenn sie Verhalten beeinflusst und sich in Artefakten, Bauwerken, Leistungen, Errungenschaften niederschlägt, die eine Kultur von einer anderen unterscheiden: Sauerkraut und Bratwurst, Richard Wagner und Konzentrationslager, Immanuel Kant und Autobahnen, Blasmusik und Schuhplattler, das sind Manifestationen deutscher Kultur, die wiederum ohne die sie tragenden Werte und Normen nicht denkbar gewesen wären. Wer denkt, wie dies die Mitglieder der Initiative zu tun scheinen, man könne die Manifestationen einer Kultur einfach auslassen und sich auf das, was man als Grundlage in Werten und Normen ansieht, beschränken, mehr noch, man könne diese Grundlagen und Werte auf das reduzieren, was man selbst als politisch-korrekte und richtige Werte ansieht, der versucht, ein Haus vom Dach aus zu bauen.

Als Konsequenz des Versuches, Kultur allein über Werte und Normen zu bestimmen, und zwar solche Werte und Normen, die die Verfasser der Thesen für politisch korrekt halten und wohl mögen, kommt eine Travestie von Kultur zum Vorschein, die schaudern macht und nicht unwidersprochen bleiben kann [Hier also die Thesen der kulturell Vielfältigen und unser Widerspruch] :

„These 1: Das Grundgesetz als Grundlage für das Zusammenleben der Menschen in Deutschland muss gelebt werden.“

Das ist eine Leerformel. Man kann das Grundgesetz nicht leben. Vielmehr ist das Grundgesetz ein Ordnungsrahmen, der in seinen ersten 20 Artikeln aus dem Leben der Bürger abgeleitet ist und bestimmte Verhaltensweisen, die wiederum auf der natürlichen Freiheit jedes Einzelnen basieren, vor einem Missbrauch bzw. einer Einschränkung durch den Staat schützt. Es sind Abwehrrechte gegen den Staat, keine Rechte, die der Staat großzügig wie er ist, bereit stellt, damit sie mit Leben gefüllt werden können.

„These 2: Das alltägliche Zusammenleben basiert auf kulturellen Gepflogenheiten, auf Werten … wie Solidarität und Mitmenschlichkeit.“

AntifaDas ist in jedem Fall strittig und vermutlich Unsinn. Menschen streben nicht danach, mit anderen solidarisch zu sein, warum sollten sie? Menschen streben danach, die Grundlagen ihres Lebens zu sichern und ein gutes Leben zu führen. Kooperation mit anderen hat sich dabei als nützliches Vehikel erwiesen. Anderen mit Anstand gegenüber zu treten, hat sich als Methode, Kooperation aufrecht zu erhalten, bewährt. Es gibt keine kulturellen Gepflogenheiten, die Zusammenleben anleiten, sondern nur menschliche Verhaltensweisen, die möglicherweise zu Gepflogenheiten werden. Solidarität gehört aber mit Sicherheit nicht zu diesen Gepflogenheiten, auch wenn es die politisch Korrekten gerne so hätten, um diejenigen, von denen sie Solidarität fordern, also diejenigen, die sich mit Leistung etwas erarbeitet haben, ausnutzen zu können.

„These 3: Geschlechtergerechtigkeit ist ein Eckpfeiler unseres Zusammenlebens.“

Das ist vollkommener Unsinn. Alle Menschen haben die gleichen Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten zu entfalten. Geschlecht spielt dabei keine Rolle.

„These 4: Religion gehört auch in den öffentlichen Raum.“

Religion ist Ausdruck einer privaten Überzeugung und hat im öffentlichen Raum nichts zu suchen. Religion beschreibt eine vom öffentlichen, gesellschaftlichen Leben getrennte Sphäre.

„These 5: Die Kunst ist frei.“

Und weil die Kunst frei ist, kann es keine öffentliche Förderung von Kunst geben.

„These 6: Demokratische Debatten- und Streitkultur stärkt die Meinungsbildung in einer pluralistischen Gesellschaft: […] Konstruktive Aushandlungsprozesse setzen Kompromissfähigkeit voraus. Sie sind das Gegenteil von Populismus, dessen […] Vertreter nur die eigene Ansicht gelten lassen.“

Logik f dummiesAm schönsten sind die Widersprüche innerhalb von wenigen Sätzen, denn wenn konstruktive Aushandlungsprozesse Kompromissfähigkeit voraussetzen und als Indikator einer pluralistischen Gesellschaft gelten sollen, dann kann man sich nicht vollkommen kompromisslos gegenüber „Populismus“ verhalten, zumal Populismus eine Bewertung darstellt, deren Richtigkeit man aushandeln muss, wozu es wiederum Kompromissfähigkeit benötigt, die die Thesensteller offensichtlich nicht haben, was sie, nach eigener Definition, zu Populisten macht, die nur ihre eigene Ansicht darüber, was Populisten sind, gelten lassen wollen.

„These 7: Einwanderung und Integration gehören zu unserer Geschichte.“

Wenn, wie es im Text heißt, „erfolgreiche historische Integrationsprozesse … Teil unseres kulturellen Erbes und unserer Identität“ sind, dann stellt sich die Frage, wer „wir“ sind und wann ein Integrationsprozess, ein erfolgreicher Integrationsprozess ist. Ist ein erfolgreicher Integrationsprozess dann vollzogen, wenn Zuwanderer vollständig assimiliert sind, wenn sie vom „Wir“ nicht mehr unterschieden werden können, dann kann man nicht von Integration sprechen. Anpassung ist dann das richtige Wort. Wenn eine erfolgreiche Integration ein Einbringen neuer kultureller Eigenheiten der Zuwanderer in die Aufnahmegesellschaft umfasst, dann ist nach Integration das „Wir“ nicht mehr vorhanden. Wie man es dreht und wendet: es bleibt eine Reductio ad absurdum.

„These 8: Die freiheitliche Demokratie verlangt Toleranz und Respekt: Die freiheitliche Demokratie verlangt … Toleranz gegenüber Ansichten … oder Ausdrucksformen, die nicht von allen geteilt werden. … Die Gesellschaft darf Hass nicht mit Hass begegnen. Keine Nachsicht dürfen diejenigen erwarten, die die Grundlagen der freiheitlichen Demokratie bekämpfen.“

Das Dilemma dieser Formulierung besteht darin, dass die nicht vorhandene Toleranz gegenüber Aussagen, die als „Hass“ bewertet werden, dazu führt, dass diejenigen, die sich für tolerante Mitglieder ihrer angeblich toleranten Gesellschaft halten, mit Intoleranz und häufig auch Hass auf die reagieren, die nach ihrer Ansicht die „Grundlagen der freiheitlichen Demokratie bekämpfen“. Eine Gesellschaft kann man aber nicht auf Geschmack und daraus abgeleitete Bewertungen von Aussagen als falschen Hass und inakzeptabel oder richtigen Hass und akzeptabel gründen. Und eine Gesellschaft, die die paar Hanseln, die tatsächlich ihre Mitmenschen mit Hass und entsprechenden Aussagen penetrieren, nicht zu tolerieren im Stande ist, die hat keine Demokratie verdient.

„These 9: Die parlamentarische Demokratie lebt durch Engagement.“

Arnim Hebel der MachtFalsch. Die parlamentarische Demokratie lebt vom Parteiengeklüngel. Wer es nicht glaubt, möge versuchen, als unabhängiger Kandidat in den Bundestag einzuziehen. Engagement von Bürgern dient in der parlamentarischen Demokratie deutscher Version ausschließlich zur Legitimation der Amtsinhaber (und zur Selbstbefriedigung der Engagierten).

„These 10: Bürgerschaftliches Engagement ist gelebte Demokratie“

Engagement von Bürgern gibt es nicht nur im politischen Bereich. Man kann sich im Sport- oder Gesangverein engagieren, und das hat mit Demokratie überhaupt nichts zu tun. Wenn hier versucht wird, bürgerliches Engagement nur als politisches Engagement zuzulassen oder positiv zu bewerten, dann findet hier doch eine heftige Einschränkung der kulturellen Identität der Deutschen statt.

„These 11: Bildung schafft den Zugang zur Gesellschaft“

Wer die Bildungsrenditen, die mit einem Studium verbunden sind, kennt, hat allen Grund, diese Aussage anzuzweifeln. Abgesehen davon ist diese Aussage purer Faschismus, bedeutet sie doch im Umkehrschluss, dass alle, die über keine Bildung verfügen, die keinen Schulabschluss erreicht haben oder nur einen Haupt- oder Realsschulabschluss, ungebildeter gesellschaftlicher Ausschuss sind. Das ganze Bevölkerungsgruppen für kulturunfähig erklärt werden, ist … heftig!

„These 12: Deutsche Sprache ist Schlüssel zur Teilhabe.“

Das ist reiner Ethnozentrismus. Wer teilhaben will, muss der englischen Sprache mächtig sein, denn die Welt spricht englisch und die Thesensteller wollen ja wohl keiner sprachlichen und kulturellen Autarkie Deutschlands das Wort reden – oder? Abgesehen davon, kann man Mathematik auch ohne deutsche Sprachkenntnisse beherrschen und wenn man Mathematik beherrscht, dann stehen die Arbeitgeber Schlange, ganz unabhängig davon, ob der Beherrschende gebrochen oder gar kein Deutsch spricht.

„These 13: Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist nie abgeschlossen.“

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist nichts, was verordnet werden kann. Wenn eine Mehrheit der Deutschen der Meinung ist, die Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich oder dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation könne nun, da kaum noch jemand lebt, der erstes erlebt hat, und keiner mehr lebt, der Letzteres erlebt hat, ein Ende haben, dann hat die Auseinandersetzung mit der Geschichte damit ein Ende. Es erforderte natürlich Toleranz, eine solche Entscheidung zu respektieren.

„These 14: Erwerbsarbeit ist wichtig für Teilhabe, Identifikation und sozialen Zusammenhalt“

Bei solchen Thesen merkt man, dass die Thesensteller in ihrem Leben noch keinerlei Knappheit erlebt haben. Sie haben wohl immer auf Kosten von Steuerzahlern ein gutes Leben geführt, sonst wüssten sie, dass die erste und für viele die einzige Funktion von Erwerbsarbeit darin besteht, ein Einkommen zu erwirtschaften, das ein mehr oder weniger gutes und sorgenfreies Leben ermöglicht. Das soziale Brimborium, das um Erwerbsarbeit gebaut werden soll, dient manchen Mittelschichtlern dazu, ihre eigene Langeweile und gesellschaftliche Nutzlosigkeit kraft nicht vorhandener Produktivität zu überspielen.

„These 15: Kulturelle Vielfalt ist eine Stärke.“

Wir leben zwar in einer Zeit, in der Diversität als Allheilmittel für alles dient, ob Vielfalt aber ausschließlich positive Effekte zur Folge hat, ist eine ungeklärte Frage. Und selbst die Thesensteller zweifeln daran, denn würden sie kulturelle Vielfalt tatsächlich als Stärke ansehen, sie müssten weder die „deutsche Sprache zum Schlüssel“ der Teilhabe erklären (These 12) noch Integration von Einwanderern verlangen, denn Integration vernichtet zwangsläufig kulturelle Vielfalt.

15 Thesen, keine kann unwidersprochen bleiben, und alle zeigen, wie versucht wird, kulturelle Hegemonie, die Meinungen nur noch zulässt, wenn sie konform sind, als kulturelle Vielfalt zu verkaufen.

Welche Legitimation die Thesensteller haben, wie sie auf die Idee kommen, die Thesen zu stellen und was sie mit ihrer Anmaßung für „uns“ zu sprechen, bezwecken, ist eine Frage, die man der Vollständigkeit halber noch stellen muss.

Ursprung der Initiative ist der Deutsche Kulturrat:

Der Deutsche Kulturrat beschreibt sich wie folgt:

Kulturrat_Logo_72dpi-01„Der Deutsche Kulturrat e.V. ist der Spitzenverband der Bundeskulturverbände. Er ist der Ansprechpartner der Politik und Verwaltung des Bundes, der Länder und der Europäischen Union in allen die einzelnen Sparten (Sektionen) des Deutschen Kulturrates übergreifenden kulturpolitischen Angelegenheiten. Ziel des Deutschen Kulturrates ist es, kulturpolitische Diskussion auf allen politischen Ebenen anzuregen und für Kunst-, Publikations- und Informationsfreiheit einzutreten.“

und hängt am Tropf verschiedener Ministerien:

„Zweckgebundene Zuwendungen von Bundesbehörden im Rahmen von Projekten

Im Jahr 2014 hat der Deutsche Kulturrat folgende Projekte durchgeführt, für die er zweckgebunden eine Projektförderung des Bundes erhielt:

  • Projekt „Bündelung verbandlicher Kulturpolitik unter spartenübergreifendem Blickwinkel und Politikberatung durch den Deutschen Kulturrat e.V.“, Förderer: Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, Fördersumme: 260.000 Euro
  • Projekt „Dialogplattform Kulturelle Bildung“, Förderer: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Fördersumme: 70.662 Euro
  • Projekt „Arbeitsmarkt Kultur II“, Förderer: Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, Fördersumme: 100.000 Euro

Insgesamt beträgt die Summe an Projektförderungen 2014: 430.662 Euro.“


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Wie wirklich ist Verstand? Am Göttinger Institut für Demokratieforschung blüht die Esoterik

Franz Walter, Leiter des Göttinger Instituts für Demokratieforschung, hat einen skurrilen Text veröffentlicht, den man nicht unkommentiert stehen lassen kann, wirft er die Sozialwissenschaft doch weit hinter die Scholastik zurück in die Zeit als noch der religiöse Glaube an das, was sein soll, das, was wirklich ist, überlagert hat.

Der Text stellt in weiten Teilen eine Verschwörungstheorie vor, die so simpel ist, dass man sie in zwei Sätzen zusammenfassen kann: Finstere globale Finanzmächte haben die Interpretation der Wirklichkeit gekapert, um den harmlos dummen anderen Mitglieder der Gesellschaft eine falsche Wirklichkeit vorzugaukeln. Denn: Wirklichkeit gibt es nicht an sich, es gibt nur Interpretationen der Wirklichkeit.

Ob Franz Walter sein Gehalt für eine Interpretation von Wirklichkeit hält oder es ausgibt, ganz so als wäre es Wirklichkeit, ist eine Frage, die sein Vermieter beantworten muss.

Der Kern des Walterschen Unsinns ist in der folgenden Passage zu finden:

Franz Walter Goettingen Demokratieforschung„Doch ist „die Wirklichkeit“ natürlich eine höchst ambivalente Sache. Die Realität der einen entspricht keineswegs der Realität der anderen. Natürlich leben wir nicht in einer sozial und normativ unstrittigen „Realität“. Unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und unterschiedlichen Lebensgeschichten nehmen Wirklichkeit anders wahr. Wirklichkeit, auch Fakten werden durch Kommunikation und Normen konstruiert, dann subjektiv interpretiert und durch die Filter handfester Interessen zu einem Machtfaktor gerade in demokratischen Gesellschaften. Wer die Hegemonie über die Interpretation von „Wirklichkeit“ und der „Faktenlage“ innehat, besitzt einen Vorsprung in der geistig-politischen Auseinandersetzung.“

Die Erkenntnistheorie, die sich über nunmehr 200 Jahre entwickelt hat, hat Menschen wie Walter einfach nicht verdient; Jene Erkenntnistheorie, die z.B. in die Korrespondenztheorie der Wahrheit gemündet ist, die wiederum den Test an der Wirklichkeit als Kriterium ansieht, an dem die Korrektheit von Sätzen abgelesen werden kann. Ob der Satz: „Es regnet in Göttingen“ ein wahrer Satz ist, einer, der mit der Wirklichkeit übereinstimmt, ist insofern keine Frage normativer Interpretation oder von „hegemonialer Interpretation“. Er ist entscheidbar, der Satz. So wie die Wirklichkeit entscheidbar ist.

Weil sie das ist, haben sich Wissenschaftler vor langer Zeit darauf geeinigt, die Wirklichkeit als Maßstab dafür zu Rate zu ziehen, ob ihre Theorien über die Wirklichkeit zutreffen. Wohlgemerkt ihre Theorien, nicht ihre Interpretationen. Denn im Gegensatz zu Interpretationen enthält der Begriff „Theorie“ kein Element der Willkür. Theorie ist Ordnung und Methode und nur dann etwas wert, wenn feststellbar ist, ob eine Theorie zutrifft, sich bewähren kann oder nicht. Interpretationen haben es da leichter. Sie wollen nur subjektiv sein und reklamieren keinerlei Bedeutung im täglichen Leben. Interpretationen sind u.a. der Zeitvertreib dessen, der es auf wissenschaftliche Positionen geschafft hat ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben, was Wissenschaft bedeutet, was Wissenschaft „wirklich“ ist.

Und weil sie es nicht wissen, deshalb interpretieren sie Wirklichkeit, nein, deshalb interpretieren sie eine der vielen Wirklichkeiten, die sie behaupten zu sehen. Globale, neoliberale und andere Wirklichkeiten. Es gibt sie zuhauf für Menschen wie Walter, der nie auf die Idee gekommen ist, das naheliegende zu tun: Wirklichkeit als Regulativ einzuführen, an dem man die eigenen Aussagen überprüfen kann. Er ist schon deshalb nicht auf die Idee gekommen, weil es das Ende seiner Interpretationen wäre. Derzeit kann er noch wild fabulieren, interpretieren, behaupten, insinuieren und verkünden. Missbrauchte er Wirklichkeit nicht als Interpretationsobjekt sondern benutze Wirklichkeit als Regulativ, er könnte nur noch behaupten, was er auch belegen kann. Herzlich wenig wäre das. Entsprechend interpretiert er lieber, der Herr Walter, und behauptet, es gäbe mehr als eine Wirklichkeit und vor allem sei die Wirklichkeit ambivalent.

Sie ist es nicht, Herr Walter. Die Wirklichkeit ist erschreckend eindeutig. Interpretieren Sie Kartoffeln als Zahlungsmittel und gehen Sie in den nächsten Supermarkt. Die Wirklichkeit wird sie belehren. Interpretieren sie das Eigentum anderer als das ihre und bedienen sie sich. Auch hier wird Sie die Wirklichkeit schnell davon überzeugen, dass ihre Interpretation falsch ist.

farsideislandAber das weiß auch Herr Walter. Deshalb geht er nicht mit Kartoffeln in den Supermarkt und klaut nicht wie ein Rabe. Deshalb kassiert er sein Gehalt auf Euro und Cent genau und lässt keinerlei Zweifel an der Höhe der Wirklichkeit seines Gehaltes zu. Dass er dennoch die Wirklichkeit bezweifel und behauptet, es gebe derer viele, je nach Erfahrung oder normativer Bewertung durch den Interpretatoren, hat einen einfachen Grund: Gelderwerb. Die Apologeten der subjektiv konstruierten Wirklichkeiten haben keinerlei Nutzen, den sie für sich ins Feld führen könnten, keinerlei Beitrag zu leisten, der gesellschaftlicher Mehrwert wäre. Aber bevor jemand feststellt, dass Interpretationen Marke Walter, dass seine Verschwörungstheorien nichts sind, was einen wissenschaftlichen oder praktischen Wert hätte, einen Wert, der über die subjektive Deutung eines Herrn Walter hinausweist, bevor ihm solches entgegengehalten wird, behauptet er lieber, die Wirklichkeit und mit ihr jede Kritik sei subjektiv und normativ und an Erfahrung gebunden und könne der Komplexität seiner Gedanken entsprechend nicht gerecht werden.

Hans Albert spricht hier von Kritikimmunisierung und wundert sich vermutlich bis heute, dass es funktioniert. Es ist in Deutschland möglich, zu behaupten, die Wirklichkeit sei nichts, was fassbar sei, ihre Beschaffenheit sei vielmehr von subjektiver Interpretation, normativer Vorliebe und individueller Erfahrung abhängig. Und es ist möglich, mit solchen Behauptungen, die zur Konsequenz haben, dass alles, was der Behauptende von sich gibt, subjektiv, von seinen normativen Vorlieben und seiner Erfahrung geprägt ist und so einzigartig, dass es Dritten nicht mitteilbar und verständlich ist, Geld zu verdienen und bei besonders einfachen Gemütern als gelehrt zu erscheinen.

Uns scheint, Herr Walter hat es geschafft, seine subjektiven Interpretationen und Deutungen der Wirklichkeit in hegemonialer und egoistischer Weise zu kapitalisieren und am Markt für Subjektives und gesellschaftlich Nutzloses zu verkaufen.

Die Frage, ob Wirklichkeit wirklich ist, ist natürlich eine metaphysische Frage, über die es sich nur bedingt diskutieren lässt, etwa so bedingt, wie es sinnvoll ist, dauerhaft mit einer Mauer darüber zu diskutieren, ob die Mauer oder der eigene Kopf den längeren Atem hat.

Karl Raimund Popper, der zeitlebens an der Dummheit jener Zeitgenossen gelitten hat, die die Wirklichkeit der Wirklichkeit in Zweifel ziehen und Deutung an die Stelle von Messung, Interpretation an die Stelle von Methode setzen wollen, gleichzeitig ihre Deutungen aber für so relevant halten, dass sie sie anderen mitteilen zu müssen glauben, hat in seinem Plädoyer für den Realismus des Alltagsverstandes und gegen die Erkenntnistheorie des Alltagsverstandes ein Beispiel zitiert, das Winston Churchills Antwort auf diejenigen darstellt, die die Eindeutigkeit von Wirklichkeit anzweifeln, sie deuten und interpretieren wollen:

Popper objektive Erkenntnis„Winston Churchills Ansichten sind sehr ausgeprägt und ich halte sie für einen sehr gerechten Kommentar zu einer Philosophie, die sich seitdem vielleicht vom Idealismus zum Realismus gewandelt hat, aber immer noch gleich nichtssagend ist: ‚Einige meiner Vettern, die den großen Vorzug einer Universitätsausbildung genossen‘, schreibt Churchill, ‚zogen mich gern mit Argumenten auf, die beweisen sollten, dass nichts existiert außer in Form unserer Gedanken …‘. Er fährt fort: ‚Ich berief mich immer auf folgendes Argument, das ich mir selbst viele Jahre früher einmal klargemacht hatte … [Da] ist die riesige Sonne, die augenscheinlich auf keiner festeren Grundlage steht als unseren Sinneswahrnehmungen. Doch glücklicherweise gibt es eine Methode zur Nachprüfung der Wirklichkeit der Sonne, die überhaupt nichts mit unseren Sinnen zu tun hat. … Die Astronomen sagen mittels [der Mathematik und] des reinen Verstandes voraus, dass an einem bestimmten Tag ein dunkler Fleck vor der Sonne vorüberziehen wird. Man … schaut nach, und der Gesichtssinn sagt dir unmittelbar, dass die Berechnung richtig war. … Wir haben etwas gemacht, was in der militärischen Kartographie Kontrollpeilung heißt. Wir haben uns ein unabhängiges Zeugnis für die Wirklichkeit der Sonne erschaffen. Wenn mir meine metaphysischen Freunde sagen, die Daten, die in die Berechnungen der Astronomie eingingen, beruhten notwendigerweise ursprünglich auf Sinneswahrnehmungen, so sage ich ‚nein‘. Sie könnten, jedenfalls theoretisch, aus automatischen Rechenmaschinen stammen, die vom drauffallenden Licht in Gang gesetzt werden, ohne dass die menschliche Sinneswahrnehmung irgendwo eingeschaltet wäre. … Ich … sage noch einmal mit allem Nachdruck … die Sonne ist wirklich, auch heiß, heiß wie die Hölle, und wenn die Metaphysiker das anzweifeln, sollten sie hingehen und sich überzeugen“ (Popper 1973: 58-59).

Marxens Vermächtnis: Anti-Intellektualismus für nicht Konkurrenzfähige

Wer Kritik am Genderismus übt, ist ein Maskulist oder ein Anti-Feminist.

Wer Kritik am Sozialismus übt, ist ein Kapitalist, ein Neoliberaler oder ein Rechter.

Wer Kritik an der Flüchtlingspolitik übt, ist ein Rechtsextremist.

Wer Kritik Marke „Naidoo“ übt, ist ein Reichsbürger.

Wer Kritik am Vielfaltswahn übt, ist ein Rassist.

In jedem Fall ist die Kritik damit am Ende.
Eine Diskussion findet nicht statt. Das soll sie auch nicht, denn das Ziel besteht ja gerade darin, jede Diskussion, jede Kritik abzuwürgen.

Karl MarxDas ist Marxens Vermächtnis.

Beschrieben bereits von Ludwig von Mises in „Die Gemeinwirtschaft – eine Untersuchung über den Sozialismus“ aus dem Jahre 1922.

In seinem kleinen Brevier „Marxism Unmasked“ schreibt Ludwig von Mises:

“Socialism was already defeated intellectually at the time Marx wrote. Marx answered his critics by saying that those who were in opposition were only “bourgeois.” He said there was no need to defeat his opponents’ arguments, but only to unmask their bourgeois background. And as their doctrine was only bourgeois ideology, it was not necessary to deal with it.”

Marxens Antwort auf Kritik bestand also darin, den Kritiker als “Bourgeois” zu diskreditieren und auf Basis dieser Diskreditierung der Kritik aus dem Weg zu gehen [Fehlschluss ad hominem].

Das ist die Blaupause, nach der viele Linke bis heute funktionieren: Sie setzen sich nicht mit Argumenten auseinander, sondern mit denen, die die Argumente vortragen. Handelt es sich um Kritik, dann wird versucht, den Kritisierenden zu diskreditieren, ihn als Rechten, Rechtsextremen, Rassisten usw. zu beschimpfen ganz so, wie es der Großmeister der Diskreditierung, Karl Marx, aufgezeigt hat.

Die politischen Konsequenzen dieses Vermächtnisses der argumentlosen Bekämpfung aller Andersdenkenden hat Thomas Sowell wie kein anderer beschrieben:

Sowell 1985 marxism„Much of the intellectual legacy of Marx is an anti-intellectual legacy. It has been said that you cannot refute a sneer. Marxism has taught many – inside and outside its ranks – to sneer at capitalism, at inconvenient facts or contrary interpretations and thus to sneer at the intellectual process itself. This has been one of the sources of its enduring strength as a political doctrine, and as a means of acquiring and using political power in unbridled ways” (Thomas Sowell (1985). Marxism: Philosophy and Economics. New York: William Morrow).

Sozialistische Parteien und die sozialistische Ideologie, sie üben ihre Anziehungskraft somit auf schlichte Gemüter aus, auf diejenigen, denen es lieber ist, Kritiker zu denunzieren und zu verspotten als sich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen. Der politische Erfolg des Sozialismus resultiert entsprechend nicht daraus, dass die sozialistische Ideologie Lösungen für Probleme anzubieten hätte, sondern daraus, dass sie Denunziation und Diffamierung Andersdenkender aus der Warte derer anzubieten hat, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen. Der Sozialismus ist im wahrsten Sinne eine Ideologie der Verlierer und (intellektuell) nicht Konkurrenzfähigen.

Essentieller Quatsch oder: Dein SWR-Kollege – ein Idiot?

Das Blog Fisch und Fleisch berichtet heute von einer SWR-internen Information „Zum Umgang mit Fremdenfeindlichkeit am Arbeitsplatz“, die den Titel trägt: „Dein Kollege – ein Rassist?“. Verantwortlich für diesen Beitrag sind nach Recherchen von Fisch und Fleisch die „Stuttgarter Personalräte des Südwestrundfunks, Peter Beck und Stefan Tiyavorabun gemeinsam mit der Integrationsbeauftragten Anna Koktsidou.

SWR1Offensichtlich, erstrecken sich die Integrationsbemühungen der Integrationsbeauftragten und der Personalräte nicht auf Personen, die aus ihrer Sicht Falsches denken. Vielmehr liefern sie eine Steilvorlage zur Bespitzelung und Ausgrenzung der entsprechenden verdächtigen Mitarbeiter beim SWR, sofern es sie überhaupt gibt.

Der Ablauf der Gesinnungssäuberungen beim SWR ist auf Fisch und Fleisch beschrieben. Dass die Ähnlichkeiten mit der Handreichung zu Gesinnungssäuberungen, die ver.di geliefert hat, nicht zufällig sind, ist ebenfalls nachzulesen.

Uns geht es weniger darum, dass mit dem internen Dokument des SWR abermals einen Beleg dafür gibt, dass Meinungsfreiheit in Deutschland längst nicht mehr vorhanden ist, dass sie vielmehr aktiv bekämpft und ein Klima der Bespitzelung der Kollegen gefördert wird, auf das Erich Mielke sicher stolz gewesen wäre, nein, uns geht es darum, dass diejenigen, die sich als Retter der politischen Korrektheit und Ausgrenzer der Falschdenker aufspielen wollen, dies aus einer intellektuellen Position heraus tun, die für Fehlschlüsse, Verkürzungen, Denkfehler und Dummheiten aller Art anfällig ist, so dass man im Hinblick auf die Macher von „Dein Kollege – ein Rassist?“ mit der Frage antworten muss: „Dein Kollege – ein Idiot?“

Zwei Beispiele unterirdischer kognitiver Leistung mögen als Demonstration genügen.

Die Macher von „Dein Kollege – ein Rassist“ wehren sich dagegen, dass Merkmale Einzelner aufgrund eines gemeinsamen Merkmals auf eine Gruppe übertragen werden. Ein syrischer Flüchtling begeht Straftaten. Alle syrischen Flüchtlinge sind Straftäter. Die zwei Sätze beschreiben einen solchen Fehlschluss, denn natürlich kann von einer Beobachtung nicht auf viele Beobachtungen geschlossen werden. Das ist in der Logik als induktiver Fehlschluss bekannt.

SWR2Diese scheinbare Einsicht in logische Zusammenhänge, hindert die Macher von „Dein Kollege – ein Rassist?“ aber nicht daran, denselben Fehlschluss nun ihrerseits zu begehen, wenn Sie schreiben: „Auch und trotz der Vorfälle von Köln: Wer nach dem Profil der Täter fragt, kann sehen, dass es keine Hinweise darauf gibt, wonach Flüchtlinge öfter straffällig werden als andere Menschen. Auch nicht, dass Menschen nichtdeutscher Herkunft krimineller sind als die Durchschnittsbevölkerung“.

Man muss sich gar nicht inhaltlich mit der Frage beschäftigen, ob richtig ist, was hier behauptet wird, denn es ist logischer Unsinn in Gestalt eines induktiven Fehlschlusses, gewürzt mit einem gehörigen Schuss romantischen Orientalismus‘.

Denn:

(1) Man kann Flüchtlinge nicht mit der Menge „anderer Menschen“ vergleichen und Menschen nichtdeutscher Herkunft nicht mit der Durchschnittsbevölkerung. Flüchtlinge sind eine selegierte Gruppe von Menschen. Der Opa aus Aleppo flieht nicht nach Deutschland. Aber sein Enkel. Alle Berichterstattung zeigt, dass es vornehmlich junge Männer sind, die nach Deutschland fliehen. Nur ein kriminologisch Kenntnisloser nimmt an, junge Männer zeigten dieselben Neigung zu Straftaten wie die Durchschnittsbevölkerung. Wenn eines in Jahrzehnten kriminologischer Forschung klar geworden ist und in jeder Polizeilichen Kriminalstatistik nachgelesen werden kann, dann dass junge Männer die höchste Wahrscheinlichkeit haben, Opfer wie Täter zu sein.

(2) Der Zweck eines Vergleichs einer selegierten Gruppe wie der der Flüchtlinge mit der Durchschnittsbevölkerung besteht darin, Abweichungen vom Durchschnitt sichtbar zu machen. Ansonsten wäre ein solcher Vergleich blanker Unsinn.

Logik f dummies(3) Er wäre nicht nur blanker Unsinn, er wäre auch Ausdruck einer ganz besondere Art von Rassismus, nämlich des romantischen Orientalismus, der in der Figur des edlen Wilden gipfelt. Die Macher von „Dein Kollege – ein Rassist?“ sind also offensichtlich nicht über ihre Winnetou-Periode hinausgekommen und denken immer noch, Menschen aus anderen Kulturen seien die besseren Menschen. Wenn man es Angehörigen anderer Gruppen verweigert, dieselben Eigenschaften zu haben zu dürfen, wie sie die Angehörigen der eigenen Gruppe zugeschrieben werden, dann erfüllt dies alle Kriterien von Rassismus. Insofern muss man schließen, dass die Macher von „Dein Kollege – ein Rassist?“ selbst Rassisten sind, Rassisten, die an essentielle Wahrheiten glauben, die Flüchtlinge zu besseren Menschen machen.

Ein Schmankerl haben wir noch zum Schluss, eines, der besonderen Art:

Die Macher vom SWR-Rassismus Test schreiben:
„Sollte es sich wiederholen oder wenn Beschäftigte gar unaufgefordert derartige fremdenfeindliche Perspektiven am Arbeitsplatz verbreiten, kann das ein Kündigungsgrund sein. Denn mit einer solchen Hetze wird der Betriebsfrieden insbesondere auch in der Zusammenarbeit mit den … Kollegen anderer Herkunft nachhaltig gestört“.

Diese Formulierung setzt logisch voraus, dass fremdenfeindliche Perspektiven beim SWR verbreitet werden dürfen, und zwar dann, wenn man dazu – von wem auch immer – aufgefordert wird.

Wir kommen also zu dem Schluss, dass die Macher des SWR-Rassismus Tests (1) Essentialisten sind, die einem romantischen Orientalismus huldigen, (2) selbst Rassismus verbreiten, (3) alle Kollegen unter Generalverdacht stellen, denn gäbe es keinen Generalverdacht gegen alle SWR-Mitarbeiter, es bedürfte des SWR-Rassismustests nicht. Alle Kollegen unter Generalverdacht zu stellen, ist eine Form von Hetze, die den Betriebsfrieden in erheblichem Umfang stört. Darunter leiden alle Kollegen in gleicher Weise, also unabhängig von ihrer Herkunft. Entsprechend sollten die Macher beim Wort genommen und ihnen gekündigt werden.

Angesichts von essentiellem Quatsch wie diesem SWR-Test „Dein Kollege – ein Rassist?“ muss man sich über die Qualität der Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, belegt, was den SWR betrifft, nicht wundern. Es hat vielmehr den Anschein, dass sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in den letzten Jahren zu einem Market for Lemons entwickelt hat, auf dem sich nur die einfinden, die nichts Besseres finden konnten, nicht einmal in Bremen.

P.S.

Die Unfähigkeit zum logischen Denken zeigt sich auch in der folgenden Formulierung, die in den entsprechenden Netzwerken wohl so penetrant transportiert wird, dass sie Hinz und Kunz nachplappern:

„Solche Äußerungen verletzten die Menschenwürde von Minderheiten. Sie sind daher nicht vom außerordentlich wichtigen Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt“.

Scheinbar denken die Macher des Rassismus-Tests, wenn man das Recht auf Meinungsfreiheit als „außerordentlich wichtig“ bezeichnet, dann fällt es nicht auf, wenn man es de facto abschaffen will. Das Recht, jede Meinung zu äußern, die er äußern will, kann man keinem Menschen absprechen. Insofern muss man damit leben, dass auch „Äußerungen, die die Menschenwürde verletzten“ durch Meinungsfreiheit gedeckt sind. Wer seine Meinungsfreiheit in Anspruch nimmt, um die Menschenwürde anderer zu verletzten, tut dies in dem Bewusstsein, dass er sich damit einer juristischen Verfolgung aussetzen kann, die wiederum strafrechtliche Folgen zeitigen kann. Das hat mit dem Recht auf Meinungsfreiheit überhaupt nichts zu tun. Schließlich haben Minderheiten keine Menschenwürde, denn Menschenwürde ist ein individuelles Merkmal, das nur Individuen, nicht aber Gruppen haben können. Jeder Satz von „Dein Kollege – ein Rassist“ stellt ein weiteres Indiz zur Beantwortung der Frage, „Dein Kollege .- ein Idiot?“ bereit.

Was tut man eigentlich als harmloser Mitarbeiter des SWR, wenn man mit Idioten als Kollegen konfrontiert ist, die sich penetrant in die Abläufe des täglichen SWR-Daseins einmischen? Zeit für eine Handreichung.

Automaten,die zu Höflichkeit, Anstand und Moral erziehen

Kommen Sie bitte etwas näher. 

Wir verraten ein Geheimnis.

Es gibt in Deutschland noch institutionalisierte Wissenschaftler, die Wissenschaftler sind!

Männer mit Ideen, mit witzigen Ideen. Männer, die Ideen zu Ende denken, Spaß daran haben, einem Gedanken zu folgen, ihn voranzutreiben und zu sehen, wohin er führt. 

Zumindest einen gibt es nachweislich: Dr. Birger Priddat von der Universität Witten-Herdecke. Er hat einen wohltuend witzigen und intelligenten Text zum Thema KI verfasst und ist zu dem Schluss gekommen, dass eine Automatisierung für den sprachlichen Umgang, den die Mitglieder z.B. der deutschen Gesellschaft pflegen, wohltuend und förderlich sein kann. Denn: Automaten akzeptieren keine gehässige, schludrige, falsche oder fiese Rede. Sie geben sie einfach zurück, lassen sie nicht passieren (z.B. als Filter bei eMails) und wirken durch den Zwang, sich (logisch) korrekt, anständig und freundlich auszudrücken, kulturbildend und zivilisierend.

Träumen wir ein wenig: Die Ruhe, die entsteht, weil Automaten jeden sprachlichen Unsinn, jede Beleidigung und jeden Fehlschluss aus Politikerreden ausfiltern, weil sie die Rede nicht weitergeben, sondern dem Redner zurückgeben, weil sich das Mikrophon weigert, die sprachliche Katastrophe zu transportieren. Himmlisch. Noch besser: ideologische Hassorgien von Antifa oder den Stiftungen, die so besorgt um der Deutschen korrekte Einstellung sind, dass sie sie mit gleichgeschaltetem und falschem Denken traktieren, sie werden einfach ausgeschaltet, mutet, bleiben stumm. Niemand hört, was sie sprechen, niemand liest, was sie schreiben, Automaten filtern es aus, bewahren Anstand und Moral vor den entsprechenden sprachlichen Tiefschlägen.

KI, in dieser Weise verwendet, wäre in der Tat ein Kulturbringer, witziger Weise einer, der aus der Mitte derer kommt, die erzogen und zivilisiert werden und damit ein Beleg dafür, dass es keine Aliens benötigt und keine kulturelle Diffusion, um Anstand und Moral zu entwickeln. 

Genug der Vorrede. 
Lassen wir Birger Priddat zu Wort kommen:

Plötzlich machen sich alle Gedanken über Roboter und Automaten. Vor allem über die künstliche Intelligenz (KI), die zunehmend in die Automaten eingebaut und ständig weiterentwickelt wird. Wird ihre Intelligenz unsere bald überflügeln?

Birger PriddatDass Algorithmen vieles, was wir uns mühsam zusammenreimen, extrem schnell und komplex berechnen können, ist eine nützliche Eigenschaft der Digitalisierung. Dass aber die Roboter die Macht übernehmen, ist eher der Nachtschatten schlechter amerikanischer Filme. Aber etwas anderes wird passieren: dass wir uns daran gewöhnen, mit Automaten zusammenzuleben. Wir werden sie vielfach gar nicht mehr als Automaten empfinden, sondern als gleichsam natürliche Gesprächs- und Arbeitspartner (so wie heute schon Siri oder die Stimme des Navigationsgerätes). Spätestens dann, wenn die Maschinen reden werden. Denn alle Automaten, die mit uns oder für uns arbeiten, werden kommunizieren: untereinander, aber auch mit uns. Dass sie mit uns andere Dinge kommunizieren, ist klar: Alexa oder Siri sind die ersten Erprobungen.

Wenn sich die Automaten sprachlich in unsere Kommunikationswelten einklinken, sind wir nicht mehr darauf angewiesen, mit Texten, SMS’en, Mails, Bildern etc. zu operieren. Sondern wir kommunizieren mit den Maschinen gleichsam auf ‚Ohrenhöhe’. Aber das ist der trivialere Teil der Aussage; der weniger triviale ist der, dass uns die Maschinen durchgehend vernünftig gegenübertreten. Sie sind – zumindest erst einmal – emotionslos (ohne kühl zu sein. Das Timbre der Stimmen von Siri und Alexa erleben manche sogar als proto-erotisch). Aber sie kommunizieren letztlich in einer Dimension: streng vernünftig.

Bevor wir nicken und sagen, das sei doch klar, sollten wir bedenken, dass sich daran unsere Kommunikationsstile neu formieren. Mit emotionalem, gehässigem, aufbrausendem, oder aber auch nöligem, wischi-waschi- und labernden Aussagen werden wir den Maschinen nicht kommen können. Sanft werden die Algorithmen unsere Stimmungen korrigieren, nachfragen, unnachgiebig vernünftig. Oder aber [oder aber würde kein Automat durchlassen] die Sache auf später verschieben, weil man von uns gerade keine vernünftige Antwort bekommt etc. Mit unseren schlampigen Kommunikationen, unklarem Entscheiden bzw. Nicht-Entscheiden-Können werden diese Maschinen nichts anfangen können, außer uns leise ‚zur Vernunft’ zu bringen. Wir werden – mehr oder minder – genötigt, vernünftig zu fragen und vernünftig zu antworten – eine Qualität der Kommunikation, die wir im Alltag durchschnittlich weder beherrschen noch hinreichend üben.

tweet controlEs kann also sein, dass die Automaten uns zivilisieren. Nicht weil sie so programmiert sind (auch darauf kann man achten), sondern schlicht, weil sie logische Automaten sind, die nichts anderes können, als einigermaßen vernünftig zu sein. Es wäre ein miserabler Automat, wenn er schlampig, uneindeutig, fahrig antworten würde. Die Automaten können eine kulturbildende Aufgabe bekommen. Diesen Aspekt findet man in der euphorischen Sorge über Roboter und Algorithmen äußerst selten.

Natürlich können dann semantische Algorithmen jede gehässige Äußerung – von Aussagen wage ich gar nicht zu reden – zurückweisen; nicht gleich löschen, sondern an den Absender zurückgehen lassen mit der Bitte, sie in ein einigermaßen zivilisiertes Deutsch zur übersetzen. Überhaupt könnte jeder Text – in Facebook, Twitter, aber auch in den Mails – zurückgegeben werden (back to sender), der in schlechtem Deutsch, grammatikalisch falsch und in brüchigem Satzbau verfasst ist. Wahrscheinlich würden 50 Prozent der aktuell gesendeten Textchen nicht durch den sprachbildenden Filter gehen.

Eine absurde Idee? Warum? Warum lassen wir es zu, dass ein Großteil der Kommunikation in der Gesellschaft in schlechtem Deutsch geschieht? Wenn man privat seine Sprache verschludern lassen will, ist das eine Sache, aber nicht in der Öffentlichkeit. Mit dem Internet und seiner zivilisatorischen Vernunft hätten wir eine erstmalige Chance, in eine neue Sprachkultur einzutreten. Wer mit den Automaten unhöflich oder sprachlich barbarisch umgeht, den bedienen sie nicht.

Massentierhaltung: Gewinn für wenige, Kosten für alle

Heute laufen Wissenschaftler durch die Straßen von Städten und fordern u.a., dass politische Entscheidungen auf Grundlage von Fakten getroffen werden. Nun, Scott Weathers und Sophie Hermanns haben eine Reihe von Fakten zusammengestellt, von denen wir annehmen, dass sie nicht nur von denjenigen, die für die Wissenschaft marschiert sind, unterschrieben werden:

Massentierhaltung_huehnerDie Resistenz gegen Antibiotika wächst weltweit in dramatischem Ausmaß. Derzeit sterben jährlich rund 700.000 Menschen, weil Antibiotika bei ihnen nicht mehr wirken (Cecchini et al. 2015). Im Jahre 2050 werden rund 9,5 Millionen Menschen jährlich aufgrund einer Antibiotika-Resistenz sterben, mehr als derzeit an Krebs (OECD 2015).

Die Resistenz gegen Antibiotika ist in erster Linie eine Folge des Einsatzes von Antibiotika in der Massentierhaltung. Die industrielle Produktion von z.B. Fleisch, die Tiere nicht mehr als Lebewesen, sondern als Produkte ansieht, kommt ohne den Einsatz von Antibiotika nicht mehr aus. 75% der Antibiotika, die in der EU zum Einsatz kommen, werden derzeit in der Massentierhaltung eingesetzt (OECD 2016).

Die Massentierhaltung, die industrielle Ausbeutung von Tieren, ist in erster Linie dafür verantwortlich, dass Menschen eine Resistenz gegen Antibiotika entwickeln. Mehrere Studien haben gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind, in Menschen und Tieren besteht (Vieira et al. 2005) und dass eine Reduktion des Einsatzes von Antibiotika in der Massentierhaltung mit einer Reduzierung der Antibiotika-Resistenz von Menschen einhergeht (Aarestrup 2005). U.a. Gülle ist ein hervorragender Träger, auf dem Bakterien eine Antibiotika-Resistenz enzwickeln können (Economou & Gousia 2015).

Die WHO hat rotes Fleisch und industriell verarbeitetes Fleisch als krebserregend eingestuft. Eine Vielzahl von Studien hat gezeigt, dass hoher Fleischkonsum das Risiko für Krebs, Übergewicht, Herzkreislauferkrankungen mit Todesfolge, Lungenerkrankungen, Diabetes und für Herzinfarkt erhöhen (Bouvard 2015, Micha et al. 2010, Pan et al. 2011, Rouhani et al. 2014, Varraso & Camargo 2015, Wang et al. 2016, Wolk 2017, Yang et al. 2016).

MassentierhaltungObwohl Massentierhaltung erhebliche Schäden anrichtet, die von allen getragen werden müssen, namentlich die Resistenz gegen Antibiotika und die Kosten für die Behandlung von Krankheiten, die sich aus dem Konsum von prozessiertem und rotem Fleisch ergeben, obwohl Massentierhaltung für den Eintrag von Methan in die Atmosphäre verantwortlich ist, einen hohen Anteil daran trägt, dass das Grundwasser mit Phosphaten und Nitraten belastet wird, werden Massentierhalter nicht für die von ihnen verursachten Kosten in Haftung genommen. Vielmehr können sie auf Kosten der Gesundheit von Menschen und auf Kosten der Massen von Tieren, die sie täglich prozessieren, ihren Gewinn einstreichen, ohne auch nur einen Cent für die Beseitigung der Kosten, die von Massentierhaltung verursacht werden, beizutragen. Mit anderen Worten: Massentierhalter machen nicht nur auf Kosten aller ihren Gewinn, sie sorgen auch bei denen für gesundheitliche Kosten, die kein Fleisch essen, aber dennoch Opfer der von Massentierhaltung verursachten Antibiotika-Resistenz werden.

Aus diesem Grund haben Scott Weathers und Sophie Hermanns einen offenen Brief geschrieben, aus dem wir die aufgelisteten Fakten entnommen haben. Mit diesem Brief fordern die Autoren vom nächsten Generaldirektor der WHO, dass er die erheblichen gesundheitlichen Kosten, die von Massentierhaltung verursacht werden, in derselben Weise zum Gegenstand von WHO-Maßnahmen macht, wie dies z.B. im Hinblick auf die gesundheitlichen Folgen, die durch Tabakkonsum verursacht werden, getan wurde. Die Forderung ist einfach: Diejenigen, die Tiere wie Objekte behandeln, sie in Massen in Ställe zwängen und mit Antibiotika füttern, sie müssen die Kosten dafür, dass immer mehr Menschen an den Folgen einer durch Massentierhaltung verursachten Antibiotika-Resistenz sterben, tragen oder zumindest an den Kosten beteiligt werden. Das gleiche gilt für die Behandlungskosten, die durch Krankheiten, die auf Fleischkonsum zurückzuführen sind, verursacht werden.

Wir leben in einer Zeit, in der moralische Appelle an diejenigen, die ihr Geld auf dem Rücken anderer Lebewesen verdienen, nicht mehr helfen, weil die Massentierhaltung ein Unternehmen darstellt, das jede von Moral gezogene Grenze weit überschritten hat. Wenn man Menschen nicht mehr mit einem Appell an Anstand und Empathie erreichen kann, muss man ihnen Kosten verursachen bzw. sie die Kosten tragen lassen, die sie selbst verursachen. U.a. deshalb unterstützen wir den offenen Brief von Weathers und Hermanns.

Hier kann der offene Brief unterschrieben werden.

Literatur

Aarestrup, Frank M. 2005. “Veterinary Drug Usage and Antimicrobial Resistance in Bacteria of Animal Origin.” Basic & Clinical Pharmacology & Toxicology 96 (4): 271–81. doi:10.1111/j.1742-7843.2005.pto960401.x.

Bouvard, Véronique, Dana Loomis, Kathryn Z Guyton, Yann Grosse, Fatiha El Ghissassi, Lamia Benbrahim-Tallaa, Neela Guha, Heidi Mattock, and Kurt Straif. 2015. “Carcinogenicity of Consumption of Red and Processed Meat.” The Lancet Oncology 16 (16): 1599–1600. doi:10.1016/S1470-2045(15)00444-1.

Cecchini, Michele, Julia Langer, and Luke Slawomirski. 2015. “Antimicrobial Resistance in G7 Countries and beyond: Economic Issues, Policies and Options for Action.” OECD. https://www.oecd.org/els/health-systems/Antimicrobial-Resistance-in-G7-Countries-and-Beyond.pdf.

Economou, Vangelis, and Panagiota Gousia. 2015. “Agriculture and Food Animals as a Source of Antimicrobial-Resistant Bacteria.” Infection and Drug Resistance 8 (April): 49–61. doi:10.2147/IDR.S55778.

Micha, Renata, Sarah K. Wallace, and Dariush Mozaffarian. 2010. “Red and Processed Meat Consumption and Risk of Incident Coronary Heart Disease, Stroke, and Diabetes Mellitus: A Systematic Review and Meta-Analysis.” Circulation 121 (21): 2271–83. doi:10.1161/CIRCULATIONAHA.109.924977.

OECD. 2016. “Antimicrobial Resistance: Policy Insights.” https://www.oecd.org/health/health-systems/AMR-Policy-Insights-November2016.pdf.

Pan, An, Qi Sun, Adam M. Bernstein, Matthias B. Schulze, JoAnn E. Manson, Meir J. Stampfer, Walter C. Willett, and Frank B. Hu. 2012. “Red Meat Consumption and Mortality: Results from Two Prospective Cohort Studies.” Archives of Internal Medicine 172 (7): 555–63. doi:10.1001/archinternmed.2011.2287.

Rouhani, M. H., A. Salehi-Abargouei, P. J. Surkan, and L. Azadbakht. 2014. “Is There a Relationship between Red or Processed Meat Intake and Obesity? A Systematic Review and Meta-Analysis of Observational Studies.” Obesity Reviews: An Official Journal of the International Association for the Study of Obesity 15 (9): 740–48. doi:10.1111/obr.12172.

Varraso, Raphaëlle, and Carlos A. Camargo. 2015. “The Influence of Processed Meat Consumption on Chronic Obstructive Pulmonary Disease.” Expert Review of Respiratory Medicine 9 (6): 703–10. doi:10.1586/17476348.2015.1105743.

Vieira, Antonio R., Peter Collignon, Frank M. Aarestrup, Scott A. McEwen, Rene S. Hendriksen, Tine Hald, and Henrik C. Wegener. 2011. “Association between Antimicrobial Resistance in Escherichia Coli Isolates from Food Animals and Blood Stream Isolates from Humans in Europe: An Ecological Study.” Foodborne Pathogens and Disease 8 (12): 1295–1301. doi:10.1089/fpd.2011.0950.

Wang, Xia, Xinying Lin, Ying Y. Ouyang, Jun Liu, Gang Zhao, An Pan, and Frank B. Hu. 2016. “Red and Processed Meat Consumption and Mortality: Dose-Response Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies.” Public Health Nutrition 19 (5): 893–905. doi:10.1017/S1368980015002062.

Wolk, A. 2017. “Potential Health Hazards of Eating Red Meat.” Journal of Internal Medicine 281 (2): 106–22. doi:10.1111/joim.12543.

Yang, Cuili, Lei Pan, Chengcao Sun, Yongyong Xi, Liang Wang, and Dejia Li. 2016. “Red Meat Consumption and the Risk of Stroke: A Dose-Response Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies.” Journal of Stroke and Cerebrovascular Diseases: The Official Journal of National Stroke Association 25 (5): 1177–86. doi:10.1016/j.jstrokecerebrovasdis.2016.01.040.

Für ARD-Faktenfinder sind Diffamierungsversuche offenbar Fakten

Die ARD tut etwas.

Sie geht gegen FakeNews vor.

Die Faktenfinder sollen Fakten finden und damit FakeNews entlarven.

Nicht bei der ARD.

Nein, bei anderen, bei den Nachdenkseiten zum Beispiel.

nds_logo_neuLinke Medien machen mobil gegen linke Medien, so könnte man formulieren und sich zurücklehnen, wäre es nicht so, dass der ARD-Faktenfinder Patrick Gensing, der eine gewisse Geschichte hat, wenn es darum geht, Problembürger, worunter wohl auch Albrecht Müller, der Betreiber der Nachdenkseiten für ihn fällt, zu bekämpfen, in seinem Versuch, mit der Zurückhaltung eines Schlagbohrers subtile Hinweise darauf zu verbreiten, dass alternative Medien generell schlecht sind und täte er dies nicht auf eine so unterirdisch dumme Art und Weise.

Nämlich so:

(1) Die NachDenkSeiten bezeichnen sich selbst als „Die kritische Website“. Es handelt sich dabei um ein Projekt, das 2003 von dem ehemaligen SPD-Politiker Albrecht Müller gegründet wurde. (2) Mitherausgeber Wolfgang Lieb, ebenfalls Ex-SPD-Politiker, zog sich 2015 von dem Projekt zurück. Er kritisierte in einer Erklärung die Methoden der Kritik und die Art der Auseinandersetzung auf der Seite. (3) Die „Frankfurter Rundschau“ zählte die NachDenkSeiten zu einer neuen Gegenöffentlichkeit, die gegen eine vermeintliche Gleichschaltung der deutschen Medien anschreibe und dabei (4) keine Berührungsängste mit rechten Personen und Positionen und Verschwörungstheorien habe.

Soll das subtile Diffamierung sein? Es wirkt eher, wie der müde Versuch eines in schlechter Management-Literatur (Wie man seinen Gegner fertig macht Oder: Sich auch ohne jedes Argument durchsetzen) Belesenen, seinen Lesern Unvermögen als herausragende Leistung zu verkaufen.

Wir haben den Diffamierungs-Versuch von Gensing aus Sicht von Manipulation und Logik analysiert und die wichtigsten Absätze nummeriert.

(1) und (2): Holzhammermanipulationsversuche:

DilbertClichesSpitze Finger zeichnen den Diffamator aus der Mittelschicht aus. Der ehemalige SPD-Politiker, Albrecht Müller, der das übrigens immer noch ist, SPD-Politiker, er betreibe seit 2003 eine Seite, die sich selbst als „kritische Website“ bezeichne. Man selbst, also Gensing, käme natürlich nie auf die Idee, diese Seite als „kritische Website“ zu bezeichnen, schon weil Personen wie Gensing keine Ahnung haben, was Kritik eigentlich ist. Als öffentlich-rechtlicher Jasager hat Gensing schon bei Eintritt in den Claqueur-Dienst das Kritik-Zölibat, das allein zum öffentlich-rechtlichen Journalismus qualifiziert, abgelegt.

Nachdem Gensing seinen Lesern also nahegelegt hat, die Seite, die sich als „kritische Website“ bezeichnet, nicht als „kritische Website“ zu sehen, legt er noch nach, dass Mitherausgeber Wolfgang Lieb sich 2015 zurückgezogen habe: Mit Kritik an der Art der Auseinandersetzung auf der Seite habe er das getan (das ist offensichtlich alles, was es für die Zeit von 2003 bis 2015 über die Nachdenkseiten zu sagen gibt – in der Sozialforschung spricht man hier von einem Selektionsbias, ein Euphemismus für krude Manipulation).

Aus dem, was Gensing hier zusammenklaubt, kann man schließen, dass die kritische Website, erst als Lieb sich mit Kritik zurückgezogen hat, nicht mehr kritisch war und dem Teufel verfallen ist (zu dem wir unten noch kommen und der natürlich rechts wohnt). Man kann daraus auch schließen, dass die kritische Website schon immer „Methoden der Kritik und der Auseinandersetzung“ verwendet hat, die Lieb kritisierbar gesehen hat. Man muss daraus schließen, dass die Seite Kritik benutzt und entsprechend „kritisch“ ist.

Das ist gewöhnlich das Problem von insinuativer Manipulation: Man muss sie anwenden können. Wer dilettiert wie Gensing, der widerspricht sich innerhalb von nur weniger Zeilen, und bestätigt der „kritischen Website“, von der er seinen Lesern suggerieren wollte, dass sie keine „kritische Website“ ist, ein kritische Website zu sein, auf der sogar die Herausgeber miteinander streiten. Demokratie live, wie man sagen könnte.

(3) und (4): logische Fehler/Fehlschlüsse

Logik f dummiesArgumentum ad auctoritatem: Ausgerechnet die Frankfurter Rundschau, von der nun wirklich nicht bekannt ist, dass sie ein Monolith der Wahrheit sei, wird als Autorität von Gensing angeführt, um die Nachdenkseite als Seite zu charakterisieren, die Affinität zur politischen Rechten hat. Das hat schon etwas von einem argumentum ad ridiculum, denn aus Sicht der Frankfurter Rundschau haben vermutlich 90% der Bundesbürger eine Affinität nach Rechts, einfach deshalb, weil von Linksaußen so ziemlich alles rechts ist. In jedem Fall zeigt sich schon eine gewisse Verzweiflung, wenn man den eigenen Versuch der Diffamierung auf die Autorität der Frankfurter Rundschau stützen muss. Es ist, als hätte Osama Bin Laden Carlos als sein Alibi dafür anführen wollen, dass er mit Terrorismus nichts am Hut hat oder als wollte Patrick Gensing Konrad Kujau dafür ins Feld führen, dass Berichte in den Medien immer richtig und wahr sind.

Schließlich findet sich das, was wir zwischenzeitlich als den Fehlschluss durch Assoziation bezeichnen. Er ist eine Variante des genetischen Fehlschlusses und unterstellt eine Art Bazillus, das sich über Kontakt verbreitet. Wer demnach „keine Berührungsängste mit rechten Personen und Positionen“ hat, der ist infiziert, so will uns Gensing mitteilen, der offensichtlich Berührungsängste hat, was misslich ist.

Warum? Nun, Demokratien basieren auf dem Wettstreit von Ideen. Um diesen Wettstreit abhalten zu können, muss man neue Ideen, andere Ideen, selbst radikale Ideen und solche, die aus dem anderen politischen Lager kommen, zulassen. Denn Demokratie ist als Gegenteil zu intellektueller Inzucht konzipiert, wie sie heute in öffentlich-rechtlichen Medien und in weiten Teilen der politische Kaste praktiziert zu werden scheint. Der frische Wind in Demokratien kommt von den neuen Ideen und deshalb kann man dann, wenn man Demokrat sein will, weder Ideen ausschließen noch Berührungsängste mit ihnen haben. Also hat sich Gensing hier zum Opfer seiner Reductio ad absurdum gemacht: Er ist es, der Berührungsängste hat. Er ist es, der sich in seinem Echozimmer einschließt und sich die Ohren verstopft, um nichts hören zu müssen, was er nicht hören mag. Und damit macht er sich zu einem totalitären Geist, der alles niederschreiben will, was nicht seiner ideologischen Vorstellung entspricht. Er ist eben kein Demokrat. Er ist ein ARD-Faktenfinder, der nur dort nach vermeintlichen Fakten sucht, wo er mit Sicherheit keine Fakten findet, die seiner Ideologie widersprechen.

Auf uns machen die Faktenfinder der ARD den Eindruck als hätten sich hier Analphabeten zusammengetan, um den Duden neu zu schreiben.

Das sagen die Nachdenker auf ihren Seiten zu den Diffamierungsversuchen der ARD.

Annalen des Gutmenschen-Dummdeutsch – heute: Chancenungerechtigkeit

Die Wortschöpfungen, mit denen sich immer mehr als Gutmenschen outen wollen, sie werden immer abenteuerlicher. Offensichtlich führt die neue Mode, sich als guter Mensch, der sich um das Schicksal von denen sorgt, die er sozial unter sich verortet, zu einer gewissen begrifflichen Armut, die durch innovative Schöpfungen, die sich regelmäßig als Blödsinn erweisen, bekämpft werden muss.

Heute ist es „Minister a.D, Walter Hirche“, auf den die Zeit als Minister so prägend gewirkt hat, dass er den sprachlichen Unsinn, der sein Amt ausgezeichnet haben muss, bis heute nicht los wird, der sich in die Annalen des Gutmenschen-Dummdeutsch einträgt.

Nachdem die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz die Chancengerechtigkeit erfunden hat, einen Begriff ohne Inhalt, kann die UNESCO nicht zurückstehen. Da man bei der UNESCO lamentieren und nicht fordern will, wird nicht von Chancengerechtigkeit, sondern von Chancenungerechtigkeit fabuliert. Hier ein Teil des Dummdeutschen, das aus den Hallen der UNESCO kommt, und zwar unter der irrsinnigen Überschrift: “UNESCO-Studie fordert: Chancenungerechtigkeit in der tertiären Bildung beseitigen“.

Studien fordern bekanntlich nichts, und wenn diejenigen, die eine Studie erstellt haben, etwas fordern, dann belegen sie damit, dass sie keine Studie ausgeführt haben, in der es um Wissenschaft geht, sondern eine Auftragsarbeit, in der es darum geht, Politiker oder Gutmenschen-Organisationen mit Material zu versorgen, an dem sie ihr Dummdeutsch ausprobieren können, etwa so:

facepalm orang utan“Im Einklang mit dem weltweiten Trend studieren auch in Deutschland immer mehr junge Erwachsene. Über eine halbe Million junger Menschen haben im vergangenen Jahr ein Studium begonnen. Doch trotz dieser deutlichen Expansion wirken auch bei der Studienaufnahme soziale Herkunftseffekte. Diese Chancenungerechtigkeit müssen wir beseitigen. Chancengerechtigkeit beginnt bei der frühkindlichen Bildung und kann auch im Hochschulwesen nur durch systematische Maßnahmen entlang der gesamten Bildungsbiografie geschaffen werden. Nur so kann das Potenzial von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung voll genutzt werden“, betont Walter Hirche, Minister a.D., Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission.

Chancenungerechtigkeit ist ein ebensolches sprachliches Unding wie Chancengerechtigkeit. Es kann Chancengleichheit geben, aber keine Chancengerechtigkeit.

Und jetzt alle:

Gerechtigkeit ist ein relationales Konzept, das sich auf die Bewertung prozeduraler Erträge bezieht. Wenn Kinder in der Schule für die gleiche Leistung die gleiche Note bekommen, dann ist das (verfahrens-)gerecht. Wenn sie, wie es in deutschen Schulen der Fall ist, mehr leisten müssen, weil sie männlich sind, um die selben Noten zu erhalten, wie weibliche Schüler oder wenn sie, weil sie aus Familien kommen, die die Mittelschichts-Lehrer als Schicht unterhalb ihrer eigenen ansehen, selbst bei gleicher Leistung schlechtere Grundschulempfehlungen bekommen als die Kinder der Mittelschicht, dann ist das ungerecht. In keinem Fall hat es etwas mit Chancen zu tun.

Wollte man Sinn aus dem Begriff „Chancenungerechtigkeit“ machen, dann müsste man annehmen, dass Chancen nicht gleich verteilt sind, aber dafür gibt es schon die Begriffe der Chancengleichheit bzw. -ungleichheit. Chancengerechtigkeit ist schlichter Blödsinn, den man nur im Mund führen kann, wenn man nichts sagen, nichts kommunizieren will oder kann, was Sinn und Bedeutung hat, sondern affektive Ladungen transportieren will: Seht her, wie gut ich bin, ich sorge mich um die Kinder der Unterschicht. Ich habe zwar keine Ahnung, warum die Unterschichtskinder aus dem Bildungssystem ausscheiden und noch weniger Ahnung habe ich, warum ich den Trend, nachdem immer mehr studieren, gut finde, aber das macht nichts, ich will mich produzieren, als guter Mensch, als einer, der keine Ahnung, aber viel Empathie mit was oder wem auch immer hat.

In der Pfalz nennt man derartige Produzenten kurz und knapp: Dummbabbler.

Zum Verteilen und Auswendig lernen, besonders Ministern, Ministern a.D. und Politikern empfohlen: Unser Idiotentest für Verteilungsfragen.

Unser Häupling Seattle meint (an Genderisten und Politiker gewandt): „Erst wenn der letzte Begriff sinnentleert, das letzte Wort bedeutungslos, der letzte Satz entstellt und das letzte Konzept verballhornt ist, werdet ihr feststellen, dass Blödsinn weder sprachlich noch praktisch brauchbar ist.“