Nur noch anständig bekleidet: Neue Kleiderordnung für Touristen

Während es in Europa derzeit nichts zu geben scheint, was mehr Erregung hervorruft als der Burkini, gibt es in Ägypten Überlegungen, die erhebliche Konsequenzen für Touristen und die Tourismusindustrie haben könnten.

Al-Mahkamah al-Dustūrīyah al-‘UlyāAl-Mahkamah al-Dustūrīyah al-‘Ulyā (المحكمة الدستورية العليا‎‎), das ist der Name des höchsten ägyptischen Gerichts in dessen Hallen nach Information von RP in den nächsten Tagen eine Frage entschieden werden wird, die für Urlauber in Ländern des südlichen Mittelmeerraumes und weiter Teile Nord- und Mittelafrikas erhebliche Konsequenzen haben wird.

Der als „maqbūl libās šahāda” bekannte Vorgang, den man wohl am besten mit anständige Bekleidungs-Gesetz übersetzen kann, zielt darauf, die lokalen Traditionen, die religiösen Gefühle, das sittliche Empfinden zu schützen und vor allem die ästhetische Verschmutzung arabischer Umwelten durch westeuropäische Touristen zu beenden und den Touristen eine anständige Bekleidung vorzuschreiben.

Muhammad ibn Zakariya al-Razi von der Ägyptischen Altertumsverwaltung, der den Gesetzentwurf ins Rollen gebracht hat, verteidigt sein Vorhaben damit, dass es eine Beleidigung nicht nur gegenüber denen sei, die im Schweiße ihres Angesichts die monumentalen Bauten Ägyptens errichtet haben, wenn Touristen aus Bussen quellen, ihrem Schweiß ungehinderten Lauf lassen und ihre Pickel und sonstigen Hautunreinheiten nur mäßig oder gar nicht verhüllt, der Allgemeinheit zumuten. Bereits aus hygienischen Gründen so al-Razi, sei ein Bekleidungszwang notwendig.

Abu Yaqub al-Sijistani vom Ägyptischen Ministerium für Tourismus hat die schwierigste Rolle zu spielen, muss er doch zwischen Touristen und Einheimischen vermitteln. Letztere fühlen sich zunehmend von schlecht angezogenen und heftig ausdünstenden Europäern belästigt, erstere wollen gerade in ihrem Urlaub keinerlei Rücksicht auf regionale Traditionen, Sitten und Gepflogenheiten nehmen. Wer zahlt, bestimmt, so die Mentalität der meisten Touristen. Die vorhersehbar hohen Wogen, die ein Richterspruch haben wird, der eine anständige Bekleidung auch für Touristen vorschreibt, versucht al-Sijistani schon im Vorfeld dadurch zu glätten, dass er die gesundheitlichen Risiken, die damit einhergehen, dass man seine Haut ungeschützt der ägyptischen Sonne aussetzt, hervorhebt. Die Kosten, die auf westeuropäische Krankenkassen zukommen, um Hautkrebs und andere Hautleiden, die sich unerfahrene, unbedachte und unbewusste Touristen dadurch einhandeln, dass sie halbnackt unter der ägyptischen Sonne wandeln, seien durch die neuen Regeln anständiger Bekleidung vermeidbar, so al-Sijistani.

Lawrence_AliWie so oft, kommen vom Ägyptischen Vordenker Abdel Rahman Badawi Argumente, die auf die Würde des Menschen abzielen und der existentiellen Philosophie gerecht werden, für die Badawi berühmt geworden ist. Badawi hat es schon immer irritiert, dass Menschen sich anpreisen und selbst zum Mittel des Exhibitionismus greifen, sich selbst objektivieren, um auf sich aufmerksam zu machen. Entsprechend hat er sich eingehend mit der Beziehung zwischen der von ihm gesehenen immer geringer werdenden Bedeutung, die Individuen ihrer eigenen Würde zuweisen und der Tendenz, immer weniger Kleidung auf dem Leib zu tragen, beschäftigt.

Dabei hat er nicht nur Holidayressorts mit Viehmärkten verglichen, sondern auch darauf hingewiesen, dass die bei Westeuropäern so beliebten Shorts in arabischen Ländern zur Kategorie der Unterwäsche zählen, weshalb sich Touristen generell der Lächerlichkeit preisgeben, wenn sie im entsprechenden Aufzug erscheinen. Fasziniert ist Badawi jedoch regelmäßig davon, dass Westeuropäer, die Toleranz und Offenheit für sich in Anspruch nehmen, nie auf die Idee kommen, sich den Sitten und Bräuchen der Gesellschaften gegenüber tolerant und offen zu zeigen, in denen sie als Touristen einfallen. Nicht einmal die Tatsache, dass die lokale Bevölkerung beim Anblick von kaum bekleideten Touristen letzteren keinerlei Würde mehr zuzusprechen im Stande ist, habe einen Effekt auf die vom exhibitionistischen Virus Befallenen. Das Gesetz anständiger Bekleidung sei deshalb ein Segen für die Menschheit. Es gebe Westeuropäern ihre Würde zurück, erhebe sie vom Status des Irren, der sich in Unterhosen in der Öffentlichkeit zeigt, auf die Stufe eines normalen Menschen und führe dazu, dass westeuropäische Touristen, die sich vielleicht fragen, warum sie sich anständig anziehen müssen, ein Gefühl dafür entwickeln, welche Toleranz und Akzeptanz ihnen jahrelang von der einheimischen Bevölkerung entgegen gebracht wurde.

Kulturelle Völkerverständigung per Gesetz!

So würde sich die Welt darstellen, wenn alle mit dem Anspruch auftreten würden, mit dem Europäer in der Regel auftreten. (ScienceFiles: Satiren eigener Art).


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Wir sind nicht gleichwertig: Wir sind mehrwertig!

Eigentlich sollte dies der erste Post in der Reihe über das Programm zur Verschwendung von Steuergeldern und Netzwerk-Finanzierung „Demokratie leben!“ werden. Wurde er aber nicht, denn wir sind nur soweit gekommen:

“Angriffe auf Demokratie, Freiheit und Rechtstaatlichkeit sowie Ideologien der Ungleichwertigkeit sind dauerhafte Herausforderungen für die gesamte Gesellschaft.“

Und jetzt reicht es. Wir können diesen Ungleichwertigkeits- bzw. Gleichwertigkeitsunsinn einfach nicht mehr hören.

Schon 1965 hat J. Stacy Adams seine Equity-Theorie veröffentlicht, die letztlich inhaltlich nicht viel gebracht hat, was nicht bereits bei Homans stand, aber in jedem Fall eine Strukturierung und Systematisierung der bei Homans verstreuten Ideen geleistet hat.

Equity, ist für Adams das Ergebnis eines Vergleichsprozesses: Wenn ich mich mit einem vergleiche, der genau dieselben Kompetenzen hat, genau dieselben Leistungen erbringen soll und auch erbringt, wie ich und der für die entsprechende Leistung auch genau denselben Output, sagen wir in Form von Lohn erhält, dann sind wir beide im Hinblick auf die Leistung und das Leistungsergebnis gleichwertig. In keinem anderen Fall.

Verkürzt man das Gesagte auf Einsatz (Input) und Ergebnis des Einsatzes (Output), dann kann man die Bedingung für Gleichwertigkeit und daraus resultiert, das Empfinden von Gerechtigkeit und das Vorliegen von Gerechtigkeit, auf Basis der normalmenschlichen Maßstäbe in eine Gleichung packen, die den eigenen Input ins Verhältnis zum eigenen Output setzt und mit dem entsprechenden Verhältnis eines Partners (z.B. eines Arbeitskollegen) vergleicht:

Input (A) / Output (A) = Input (B) / Output (B)

In allen Fällen, in denen der Vergleich Unterschiede im Input oder im Output zum Ergebnis hat, liegt keine Gleichwertigkeit vor und entsprechend wird eine Gleichbehandlung dahingehend, dass ungleichwertige Leistungen gleich behandelt werden, als Ungerechtigkeit bezeichnet:

“ The magnitude of the inequity experienced will be a monotonically increasing of the size of the discrepancy between the ratios of outcomes to inputs. The discrepancy will be zero, and equity will exist, under two circumstances: first, when Person’s and Other’s outcomes are equal and their inputs are equal. …” (Adams 1965: 281-282)

Und weil dem so ist, muss nun einmal und ein für alle Mal gesagt werden:
Wir sind nicht gleichwertig!

Wir sind mehrwertig im Vergleich zu denen, die ihre Qualifikationen fälschen oder bei anderen abgekupfert haben. Wir haben unsere Qualifikationen durch Arbeit und nicht durch Betrug erworben.

Philosophie for dummiesWir sind mehrwertig im Vergleich zu all denen, die es nötig haben, andere mit persönlichen Angriffen und unter Zuhilfenahme entsprechend konnotierter Begriffe abzuwerten, weil sie keine Argumente haben. Wir haben dann, wenn wir uns zu Themen äußern, Argumente und sind deshalb nicht gleichwertig, sondern mehrwertig.

Wir haben alles, was wir besitzen, erarbeitet. Keines der Mitglieder der ScienceFiles-Redaktion hat jemals staatliche Transferleistungen bezogen. Im Vergleich zu allen, die sich von ihrem Staat haben kaufen lassen, sind wir mehrwertig.

Wir leben davon, wissenschaftliche Leistungen zu verkaufen, die nachgefragt werden. Unsere Kunden kommen zu uns. Wir haben es nicht nötig, von staatlichen Programmen zu leben und uns als Lobbyisten zu verdingen, um unsere Finger an Steuermittel zu bekommen. Wir sind im Vergleich zu all denen, die sich als pseudo-wissenschaftliche Kostgänger an den Staat verkaufen, mehrwertig.

Wir stehen zu Prinzipien und biegen sie nicht in einer Weise, die, wäre Scham vorhanden, Schamesröte entstehen lassen würde, wie dies z.B. bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes der Fall ist, wo die offene Diskriminierung von Männern befördert wird, während gleichzeitig behauptet wird, man sei gegen Diskriminierung.

Das soll genügen, um den Kern von Ungleichwertigkeit herauszuarbeiten: Leistung. Wer mehr leistet als andere, ist mit diesen nicht gleichwertig, sondern er ist mehr wert. Wie kognitiv geringwertig muss ein Gehirn sein, wenn der Inhaber tatsächlich denkt, Albert Einstein sei gleichwertig mit ihm, er sei für die Menschheit gleichviel wert wie Albert Einstein? Wie ideologisch verblendet muss man sein, wenn man denkt, ein Arbeitgeber, der einen Mitarbeiter, der mehr Erfahrung, bessere Referenzen und mehr Motivation hat, besser bezahlt als einen, der weniger Erfahrung, schlechtere Referenzen und weniger Motivation hat, würde Letzteren nicht gleichwertig behandelt, sondern diskriminieren?

Man muss in einem solchen Fall ein sozialistisch durchsetzes Gehirn haben, eines, das man als Indikator für die Stalinfeld-Josef-Krankheit ansehen muss, ein Gehirn, in dem Leistung nichts zählt, sondern bestenfalls das ist, was andere, an deren Leistung man sich gütlich tut, im Sozialismus bereitstellen, damit man selbst, der in seiner Leistung ungleichwertig ist, gleichwertig erscheinen kann ohne es weiterhin zu sein.

Wir sehen derzeit einen unglaublichen Anschlag auf soziale Vergleiche, dessen Ziel darin besteht, jede Form des Vergleichs zwischen Menschen als neoliberalistischen Anschlag auf die heile Kinderwelt des Sozialismus zu ächten und zu verunmöglichen. Lassen wir es nicht so weit kommen, damit wir auch morgen noch sagen können, ein Gerd Binnig ist mehr wert als ein Heiko Maas und eine Marie Curie mehr als eine Anetta Kahane.

Das Schöne an dieser Konzeption von (In)Equity: Sie ist empirisch. Gleichwertigkeit wird in der Empirie als Verhältnis der Relationen von Input und Output gemessen. Gleichwertigkeit ist somit bestimmbar, messbar, und wahrscheinlich ist es das, was diejenigen, die in ihrer transzendenten Vorstellungswelt der Gleichwertigkeit schwelgen, in der eine fixe Idee Gutheitsstatus besitzt, so fürchten, die Vorstellung, jemand könnte die in den Legionen von Projekten Beschäftigten, deren Haupttätigkeit darin besteht, sich auf Netzwerktreffen den Hintern plattsitzen, fragen, was das höhere Gehalt, das sie im Vergleich zur Putzfrau beziehen, deren Wirken man eindeutig anhand von Kriterien wie Sauberkeit und entsprechendem Geruch nachvollziehen kann, rechtfertigt. In einer empirischen Welt der Gleichwertigkeit ist das höhere Gehalt nur durch den im Vergleich zur Putzfrau höheren Input zu rechtfertigen. Und was ziehen die meisten Deutschen wohl vor, ein sauberes Gebäude oder eine mit 170.000 Euro vom Steuergeldverschwender Nr. 1, dem BMFSFJ, ausgehaltene Internetseite, die gegen Hatespeech agitiert, und zwar mit Hatespeech?

Unsere Gleichwertigkeit ist demnach eine empirische, keine essentielle Qualität, wie sie die Apostel der Gleichwertigkeit predigen, wenn sie tief im Innern noch des letzten Versagers den Kern der Gleichwertigkeit ausgraben wollen. Es mag sein, dass alle Menschen gleich geboren sind, was sie dann aus ihrem Leben machen, ist jedoch eine empirische, keine transzendente Frage.


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Ein echter Heiko: maaslose Unlogik

Heute vor 55 Jahren hat die DDR damit begonnen, die eigenen Bürger von der Versorgung mit u.a. Bananen abzuschneiden und – wie die Geschichte gezeigt hat – war das die Fehlentscheidung des Jahrhunderts. Mauern, so wissen wir heute, schützen nicht vor dem Anreiz, den Südfrüchte und Billigflieger darstellen, und weil die DDR beides nicht hatte, weder Bananen noch Billigflieger, deshalb ist sie untergangen – und noch wegen einiger kleinerer sonstiger Probleme, die sozialistische Mangelwirtschaften auszeichnen (z.B. kein Warenangabot, nur Einheitautos, keine Anreize für die Wirtschaft, innovative Technologien zu entwickeln, keine Meinungsfreiheit, dafür Gefängnis für Regimekritiker und eine Kugel für Systemflüchtlinge, bürokatischer Parteimistelkopf usw.).

Der Bau der Mauer, er ist, wie jedes Jahr, die Gelegenheit für Politiker aller Couleur, nein, für Politiker nicht zu roter Couleur, ihre Meinung, dass die Mauer echt nicht gut war, zum Ausdruck zu bringen.

Auch Heiko Maas, immerhin gibt er den Justizminister, muss also etwas zur Mauer sagen und, nun ja, er hat etwas nicht nur zur Berliner Mauer, sondern zu Mauern im Allgemein gesagt.

 

Für uns ist der 55 Jahrestag des Bananenentzugs der Anlass, um logische Fehler, die sich leider zu oft bei Politikern finden lassen, zu korrigieren. Heute: Die unzulässige Verallgemeinerung.

Politiker, vor allem wenn sie vollmundig unterwegs sind, streben stets danach, umfassende Aussagen, häufig auch Allaussagen, in jedem Fall aber weit über die Faktenbasis hinausschießende Aussagen zu machen.

Heiko Maas ist hier keine Ausnahme.

Alle Mauern sind für ihn Symbole der Unfreiheit.

Ausnahmslos alle.

Und natürlich hat er recht:
Stützmauern hindern z.B. Waldhänge oder andere schiefe Verteilungen von Erde daran, nachzurutschen, beschneiden die Freiheit des Hanges, auf die Fahrbahn zu stürzen. Klare Unfreiheit.

Die Chinesische Mauer, die Chinesische Mauer sie sollte die Chinesen auf der einen Seite der Mauer, vor den Chinesen, den Xiongnu, auf der anderen Seite der Mauer schützen. Entsprechend hat die Chinesische Mauer u.a. die Xiongnu der Freiheit beraubt, die Chinesen auf der anderen Seite so wirkungsvoll zu befehden, wie dies vor dem Bau der Mauer der Fall war. Mauern sind Symbole der Unfreiheit. Wo der Mann aus dem Saarland Recht hat, hat er Recht.

Logik f dummiesIrrenanstalten sind in der Regel von einer hohen Mauer umgeben und von Stacheldraht. Manche sind der Meinung, das sei notwendig, um diejenigen, die als Normal gelten, vor den Irren zu schützen. Das verkennt das Wesen der Mauer, die an und für sich, wie Heiko Maas weiß, ein Symbol der Unfreiheit ist, in diesem Fall der Unfreiheit der Irren, die Letztere einfach daran hindert, sich unter die Normalen zu mischen und Unfrieden zu stiften. Für Verbrecher in Gefängnissen, die ebenfalls von Mauern umgeben sind, gilt dasselbe. Nehmen wir z.B. Ede, den Serieneinbrecher. Ihm wird durch die Gefängnismauer einfach verwehrt, in das Privathaus von Heiko Maas, das seinerseits von einer die Freiheit von Ede beschränkenden Mauer umgeben ist, einzusteigen und alle Wertgegenstände, sofern sich welche darin finden, abzutransportieren.

Mauern sind also Symbole der Unfreiheit.

Und manche Politiker (man beachte das „Manche“) sind Indikatoren für einen gesellschaftlich-intellektuellen Niedergang.

Man kann nun drei Syllogismen bilden:

  • Manche Politiker sind Indikatoren des gesellschaftlich-intellektuellen Niedergangs.
  • Heiko Maas ist ein Politiker.
  • Heiko Maas ist ein Indikator des gesellschaftlich-intellektuellen Niedergangs.
  • Manche Politiker sind Indikatoren eines gesellschaftlich-intellektuellen Niedergangs.
  • Heiko Mass ist Indikator eines gesellschaftlich-intellektuellen Niedergangs.
  • Heiko Maas ist ein Politiker.
  • Manche Politiker sind Indikatoren eines gesellschatlich-intellktuellen Niedergangs.
  • Alle Politiker sind (wie) Heiko Maas.
  • Manche (Politiker, die wie) Heiko Maas (sind,) sind Indikatoren eines gesellschatlich-intellektuellen Niedergangs.

Nur einer der Syllogismen ist ein korrekter Syllogismus: ein Bocardo. On Heiko Maas ihn herausfinden kann?


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Sprachliche Aufräumarbeiten: Russell zum germanischen Hegel

“The fundamental cause of the trouble is that in the modern world the stupid are cocksure while the intelligent are full of doubt.” Bertrand Russell

Cleddon Hall in Wales, unweit von Tintern, dem Ort mit der berühmten Abbey, ist der Geburtsort von Bertrand Russell, und beide, Cleddon Hall wie Tintern Abbey waren die Ziele, die wir gestern angesteuert haben.

Tintern_Abbey-inside-2004.jpgZu Ehren von Bertrand Russell bringen wir heute einen kurzen Ausschnitt aus seiner Auseinandersetzung mit dem größten deutschen Schwätzer aller Zeiten, Georg Willhelm Friedrich Hegel. Eigentlich ist es keine Auseinandersetzung, sondern ein amüsiertes Zerlegen.

Viel Spaß! Und immer die Ironie, für die Russell so berühmt ist, mitlesen!

“Ich komme nun zu einem besonderen Charakteristikum der Hegelschen Philosophie, wodurch sie sich von Platos, Plotins oder Spinozas Philosophie unterscheidet [ab hier müsste die Übersetzung eigentlich im Konjunktiv erfolgen:]. Obwohl die letzte Wirklichkeit zeitlos und die Zeit nur eine Täuschung ist – hervorgerufen durch unser Unvermögen, das Ganze zu sehen -, besteht doch ein innerer Zusammenhang zwischen dem Fortschreiten der Zeit und dem rein logischen Prozess der Dialektik. Tatsächlich hat sich die Weltgeschichte durch die Kategorien vom reinen Sein in China (von dem Hegel nur wusste, dass es existierte) bis zur Absoluten Idee fortentwickelt, die sich nahezu, wenn auch nicht ganz, im preußischen Staat verwirklicht zu haben schien.

In Hegels eigener Metaphysik finde ich keine Rechtfertigung für diese Ansicht, dass die Weltgeschichte die Übergänge der Dialektik wiederholt, wiewohl das die These ist, die er in seiner Philosophie der Geschichte entwickelt hat. Es war eine interessante These, die den Umwälzungen in menschlichen Angelegenheiten Einheit und Sinn verlieh. Wie andere Geschichtsphilosophien bedingte auch diese, um plausibel wirken zu können, eine gewisse Verdrehung der Tatsachen und ein beträchtliches Maß an Unwissenheit. Beides finden wir bei Hegel und später bei Marx und Spengler. Es mutet seltsam an, dass ein Prozess, der für kosmisch gehalten wird, sich ausschließlich auf unserem Planeten und hauptsächlich in der Nähe des Mittelmeeres abgespielt haben soll. Wenn die Wirklichkeit zeitlos ist, liegt auch gar kein Grund vor, in den späteren Teilen dieses Prozesses die Verkörperung höherer Kategorien zu sehen als in den früheren – es sei denn, man hege die blasphemische Vermutung, das Universum habe sich allmählich Hegels Philosophie zu eigen gemacht.

[…]

Russell PhilosophieDer Geist und der Gang seiner Entwicklung ist die Substanz der Geschichtsphilosophie. Die Natur des Geistes lässt sich erkennen, wenn man ihn seinem Gegenteil, nämlich der Materie gegenüberstellt. Das Wesen der Materie ist Schwere; das Wesen des Geistes ist Freiheit. Die Materie ist außerhalb ihrer selbst, während der Geist seinen Mittelpunkt in sich selbst trägt. ‚Der Geist ist das Bei-sich-selbst-sein‘. Wenn das nicht klar ist, dann dürfte vielleicht die folgende Definition verständlicher sein: ‚Was ist aber der Geist? Er ist das Eine, sich selbst gleiche Unendliche, die reine Identität, welche zweitens sich von sich trennt, als das andere ihrer selbst, als das Für-sich- und In-sich-sein gegen das Allgemeine‘ [Dass Russell selbst nach dem Zitieren solcher Stellen, die an die Äußerungen eines Irren erinnern, ernst bleibt, höchstens etwas ironischer wird als gewöhnlich, ist eine der größten Leistungen in der Geschichte der Philosophie. Dass Hegel in die Klasse derer gehört, die den Nationalsozialismus vorbereitet haben, wird u.a. an seiner Lobhudelei über den „germanischen Geist“ deutlich:]

[…]

‚Die Weltgeschichte ist die Zucht von der Unbändigkeit des natürlichen Willens zum Allgemeinen und zur subjektiven Freiheit. Die Orientalen wussten und wissen auch heute nur, dass einer frei ist; die griechische und römische Welt wusste nur, dass einige frei sind; die germanische Welt weiß, dass alle frei sind‘. Man sollte annehmen, dass die Demokratie die geeignet Staatsform wäre, wo alle frei sind; aber dem ist nicht so. Die Demokratie wie die Aristokratie gehören zu dem Stadium. in dem manche frei sind; der Despotismus rechnet zu dem Stadium, in dem einer frei ist, und die Monarchie zu dem, in welchem alle frei sind. Das hängt damit zusammen, dass Hegel das Wort ‚Freiheit‘ in höchst sonderbarem Sinne gebraucht. Für ihn (…) gibt es keine Freiheit ohne Gesetze; er neigt jedoch dazu, diesen Satz umzukehren und zu behaupten, wo immer das Gesetz herrsche, da sei Freiheit. Und so sieht er in der ‚Freiheit‘ eigentlich nur das Recht, dem Gesetz gehorchen zu dürfen.

[…]

‘Der germanische Geist ist der Geist der neuen Welt, deren Zweck die Realisierung der absoluten Wahrheit als der unendlichen Selbstbestimmung der Freiheit ist, der Freiheit, die ihre absolute Form selbst zum Inhalte hat‘. Das ist eine Freiheit ganz exquisiter Art. Sie beinhaltet nicht, dass man etwa nicht in Konzentrationslager kommen könne. Sie begreift auch nicht die Demokratie, die Pressefreiheit oder sonst eine der üblichen liberalen Parolen ein, die Hegel verächtlich ablehnt.

[Fügt man nunmehr noch die Idealisierung des Staates, die sich bei Hegel findet und wie sie von Russell herausgearbeitet wird, hier an, dann hat man ein sehr ungutes und zugleich äußerst aktuelles Bild einer totalitären Gesellschaft entworfen, das zu sehr an die Jetztzeit erinnert, als dass man es als das Geschwätz eines irren deutschen Philosophen abtun könnte.]

Wir lesen in der Philosophie der Geschichte: ‚Der Staat ist das vorhandene, wirklich sittliche Leben‘, alle geistige Wirklichkeit, die ein Mensch besitzt, hat er allein durch den Staat. ‚Denn seine geistige Wirklichkeit ist, dass ihm sein Wesen – das Vernünftige – gegenständlich sei … Denn das Wahre ist die Einheit des allgemeinen und subjektiven Willens; und das Allgemeine ist im Staate in den Gesetzen, in allgemeinen und vernünftigen Bestimmungen. Das Göttliche des Staates ist die Idee, wie sie auf Erden vorhanden ist‘. Weiter: ‚So ist der Staat die vernünftige und sich objektiv wissende und für sich seiende Freiheit‘ … ‚ Der Staat ist die geistige Idee in der Äußerlichkeit des menschlichen Willens und seiner Freiheit‘.

[…]

Das ist Hegels Staatslehre, eine Lehre, die – sobald man sie gelten lässt – jegliche Tyrannei im eigenen Land und jede denkbare Aggression nach außen rechtfertigen würde. Seine große Voreingenommenheit in dieser Beziehung zeigt sich darin, dass seine Theorie in hohem Maße seiner eigenen Metaphysik widerspricht und dass all diese Widersprüche auf eine Rechtfertigung von Grausamkeit und internationalem Räubertum hinauslaufen. Es ist verzeihlich, wenn jemand zu seinem eigenen Bedauern durch die Logik zu Schlüssen gezwungen wird, die er selbst missbilligt; unentschuldbar aber ist es, wenn er von der Logik abweicht, um ungehindert Verbrechen befürworten zu können“. (Russell, 1999: 742-749)

Wer sich mit Hegel beschäftigt, sieht nicht nur in relativ kurzer Zeit, wo linke und rechte Extremisten zu einem ununterscheidbaren Konglomerat verschmelzen, er sieht auch, dass manche Linke bis heute nicht über Hegel und seinen ganz eigenen Totalitarismus hinausgekommen sind. Das wiederum ist ein Widerspruch zur Hegelschen Auffassung, wonach die Entwicklung vom Unvollkommeneren zum Vollkommeneren verläuft.


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Juden, Radfahrer oder öffentlich finanzierte Aktivisten: Wer verschwendet Steuergelder?

Weiß jemand, warum es unter denen, die so gierig darauf sind, andere zum Guten zu bekehren, so viele gibt, die logische Fehler und Manipulationsversuche zu kultivieren versuchen?

„Juden und Radfahrer beherrschen die Welt“, so lautet der Titel eines angeblichen Lernplakates, das in 25.000 Exemplaren in A0 und A1 von 3 Welt Saar vertrieben werden soll. Die Erstellung des vermeintlichen Lernplakates hat das Saarländische Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie finanziert und somit ein Ministerium, das die unproduktive Vernichtung von Steuergeldern bereits im Namen führt. Wissenschaftlich verantwortlich für das angebliche Lernplakat ist eine Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel Leiterin des Fachgebietes Allgemeine Linguistik, TU Berlin.

Lernplakat-gegen-Antisemitismus_Aktion-3-Welt

Für eine Welt ohne Idioten

Frau Schwarz-Friesel ist, trotz des Doppelnamens, der die Identifikation erleichtert, nicht unbedingt als Kapazität auf dem Gebiet des Antisemitismus bekannt, wir denken dabei eher an Leute wie Wolfgang Benz oder Leon Poliakov, aber die wären, selbst wenn sie nicht, wie Poliakov bereits verstorben wären, sicher nicht bereit, ihren Namen mit einem Projekt in Verbindung zu bringen, das derart alle wissenschaftlichen Erkenntnisse und alle logischen Errungenschaften seit Aristoteles mit Füßen tritt.

Der Anspruch des Lernplakates liest sich wie folgt:

“Das Plakat wirft Schlaglichter auf diese alte wie aktuelle Verschwörungstheorie und regt an, die antisemitischen Schleichwege im eigenen Kopf zu erkennen. Es entstand im Rahmen eines Projektes der Aktion 3.Welt Saar, das vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Saarlandes gefördert und von Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel (TU-Berlin) wissenschaftlich begleitet wurde. Das Plakat eignet sich für die (außer-) schulische Arbeit sowie für die politische Bildungsarbeit.“

Wie so oft, wenn Ideologie und Wirklichkeit aufeinander treffen, bleibt nichts, von dem so hehren Anspruch.

Kirche Staat NationEs beginnt damit, dass durchgehend Israel und Juden synonym gesetzt werden. Um es in der Sprache des Lernplakates auszudrücken: Wusstet Ihr schon, dass 17,5% der Einwohner Israels nicht dem jüdischen Glauben zuzurechnen sind, sondern dem Islam? Wusstet Ihr schon, dass 2% der Israelis Christen und 1,6% Drusen sind? Darüber hinaus leben viele Juden gar nicht in Israel, sondern in der Diaspora Frankreichs, Deutschlands und vor allem der USA: Was also soll die primitive Gleichsetzung von Israel und Judentum? Politikwissenschaftler im ersten Semester würden der Universität verwiesen, wüssten sie nicht zwischen Staat (Israel) und Religion (Judentum) zu unterscheiden. Im aufgeklärten 20. Jahrhundert gibt es an der TU Berlin eine Schwarz-Friesel, die den Unterschied nicht kennt. Erschreckend.

Derartige grobe Schnitzer leiten über zu einer Flut von logischen Fehlern, die man – wären sie intelligent angewendet, als Manipulationsversuche ansehen könnte – wären sie intelligent angewendet.

Hier eine willkürlich gezogene Stichprobe aus dem Lernplakat:

“Die Ablehnung von Juden mündet(e) in ihre Tötung. Dafür stehen zum Beispiel der Holocaust der Deutschen…)“.

Ob derartiger Unsinn dabei hilft, Antisemitismus zu bekämpfen? Wir zweifeln daran. Zunächst einmal: Es gibt auch Juden, die eines natürlichen Todes sterben sollen und keinerlei Erfahrung mit Ablehnung gemacht haben. Die Aussage oben ist somit ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens, und sie ist zudem ein Fehlschluss der Verneinung des Antezedens, denn nicht alle Juden, die Ablehnung erfahren, werden umgebracht. Zwei logische Fehler in einem Satz, das lässt massiv an der geistigen Verfassung der Verantwortlichen zweifeln.

Und weiter geht es:

“Man wird doch wohl noch Israel kritisieren dürfen. Darfst Du. Wir haben uns extra das OK der israelischen Regierung eingeholt. Aber warum ausgerechnet Israel-Kritik? Hast Du jemals etwas von Belgien-Kritik gehört oder wird hier mit zweierlei Maß gemessen.“

Schon Schopenhauer hat in seinem kleinen Brevier über die „Kunst, Recht zu behalten“ auf den oben benutzen Sophismus hingewiesen. Was bei Schopenhauer noch eine Kunst war, ist auf dem Lernplakat zu einem plumpen Manipulationsversuch verkommen, der auf der Prämisse basiert, diejenigen, die das angebliche Lernplakat zur Kenntnis nehmen, seien so dumm wie diejenigen, die es erstellt haben.

AntiamerikanismusHaben die Ersteller jemals etwas von Kritik an Russland oder den USA, von Anti-Amerikanismus gehört? Wenn ja, warum versuchen sie dann zu suggerieren, Kritik an Israel wäre eine Ausnahmebehandlung, da kein anderes Land als Kollektiv einer Kritik ausgesetzt ist? Abermals muss man feststellen, dass derartige dumm dreiste Versuche, den Intellekt der Leser zu manipulieren und zu beleidigen, eher das Gegenteil dessen erreichen, was die Macher des angeblichen Lernplakates wollen. Dies um so mehr, als die Prämisse die hinter der Verächtlichmachung von Kritik als solcher und Kritik an den Handlungen Israels als Staat, also an den Handlungen der Israelischen Regierung, aber nicht an Juden, eine generelle Unterdrückung solcher Kritik ist. Wusstet Ihr schon, Ihr Macher des Lernplakates, dass ihr Euch damit in ein Boot mit Kim Jong-un setzt, dem Herrscher in Nordkorea, der Kritik an seiner Regierung ebenfalls nicht duldet?

Ein ideologisches Intermezzo, wo wir gerade bei zweierlei Maß waren:

“Sogar die UNO verurteilt Israel. Stimmt. Sie hat zwar einen guten Namen, ist aber nicht neutral. In vielen UN-Gremien dominieren Staaten, die gegen Israel sind. Schon seltsam, wenn ausgerechnet Iran und Nordkorea im UN-Menschenrechtsrat Resolutionen gegen Israel verabschieden“.

Von 2006 bis 2015 ist Israel 61 Mal wegen Verletzung der Menschenrechte durch den UN-Menschenrechtsrat verurteilt worden. Kein einziges Mal war Nordkorea beteiligt, denn Nordkorea sitzt nicht im UN-Menschenrechtsrat. Vielmehr ist Nordkorea von 2006 bis 2015 selbst in 8 Fällen Gegenstand einer Resolution des nämlichen Rates gewesen und somit wegen Menschenrechtsverletzungen abgemahnt worden. Auch der Iran ist nicht Mitglied im UN-Menschenrechtsrat, seinerseits aber vier Mal am Ende entsprechender Resolutionen gewesen. Das Lernplakat verbreitet hier also die Unwahrheit. Warum hier explizite Lügen verbreitet werden, kann man nur vermuten. Dass ein Ministerium Steuergelder aufwendet, um Lügen zu finanzieren, sollte indes in einem demokratischen Staat Gegenstand entsprechender Anfragen der politischen Opposition und vielleicht auch entsprechender Ermittlungen des Landesrechnungshofes oder der Staatsanwaltschaft sein.

Und schließlich, das, worum es eigentlich geht:

“Israel boykottieren“. Klingt nach engagiertem Verbraucherverhalten. Ist aber eine dreckige Sache. Die Nazis warum ehrlicher und nannten es: „Kauf nicht bei Juden“.

Das kann man nur als dreckigen Versuch der Verhaltensbeeinflussung bezeichnen. Einmal davon abgesehen, dass es weder Schwarz-Friesel noch die Aktion 3 Welt Saar noch das Ministerium für die Verschwendung von Steuergeldern im Saarland auch nur das Geringste angeht, aus welchen Gründen Verbraucher Produkte aus Israel kaufen oder nicht kaufen, den Boykott israelischer Produkte mit dem Aufruf „Kauf nicht bei Juden“ in Zusammenhang zu bringen, erfüllt vermutlich den Tatbestand der Volksverhetzung, denn damit werden diejenigen, die aus guten Gründen einen solchen Boykott als individuelle Verbraucher ausüben, nicht nur verunglimpft und zu Nazis stilisiert, sie werden auch in ihrer Menschenwürde und ihrer Freiheit, eigenverantwortliche Handlungen auszuführen, beeinträchtigt und alles mit finanzieller Unterstützung des Saarländischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie. Und einmal mehr unter Gleichsetzung des Staates Israel mit der Religion des Judentums.

Und natürlich ist der volksverhetzende Unsinn ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens gepaart mit dem Versuch, durch die Vorgabe falscher Alternativen einen gewünschten Effekt bei denen, die damit traktiert werden, zu erreichen.

Was man vom Lernplakat also lernen kann ist, dass dessen Macher keine Ahnung von den wissenschaftlichen Konzepten haben, mit denen sie hantieren, dass sie bar jeder Kenntnis der Logik sind, und sie einzig ihr Bemühen auszeichnet, Propaganda zu machen und ihre Leser zu täuschen und zu belügen. Allein die falsche Behauptung, der Iran und Nordkorea würden im UM-Menschenrechtsrat gegen Israel stimmen und der Versuch, den Menschenrechtsrat dadurch verächtlich zu machen, sollte ausreichend sein, um den verantwortlichen Minister im Saarländischen Ministerium zum Rücktritt zu bewegen, und dazu führen, die 25.000 Plakate einzustampfen. In einer Demokratie wäre dieser Versuch, Menschen zu belügen und zu betrügen, dafür jedenfalls ausreichend.

Die Saarländer haben das mit ihren Steuergeldern finanziert.
Wieder gut, kein Saarländer zu sein.


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Wie erklärt man Mord?

Ereignisse, wie die in Ansbach, München, Nizza oder nun in Rouen führen regelmäßig dazu, dass Experten aus allen Ecken auf die Bühne treten und die Früchte ihres bislang im Schatten geführten Experten-Daseins einem staunenden Auditorium verkünden.

Logik der ForschungDie Erklärungen dafür, dass ein Mörder Menschen tötet, die er ganz offensichtlich nicht kennt, sie sprießen schneller als Erbsenkraut: Da werden Killerspiele und der Koran verantwortlich gemacht, eine Jungenkrise als Ursache ausgemacht oder eine psychologische Störung, die gestörte Kindheit darf ebenso wenig fehlen wie die Einsamkeit des Täters. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Erklärungsversuche haben alle eines gemeinsam: Sie sind keine Erklärungen, nicht einmal zum Versuch taugen sie. Wir nehmen dies zum Anlass, um eine kleine Skizze der möglichen Erklärungen zu verfassen:

Wie erklärt man einen Mord, Morde, wie den Mörder?

Zunächst zur Erklärung: Eine Erklärung lebt davon, dass sie nachvollziehbar ist. Kann kein Adressat nachvollziehen, wieso eine bestimmte Ursache zu einem Mord führen soll, dann ist die Erklärung sinnlos. Entsprechend muss eine Erklärung eine rationale Abfolge von Ursache und Wirkung, eine Kausalität beschreiben. Denn rationale Erklärung ist etwas, was Menschen aufgrund ihrer Alltagserfahrung nachvollziehen können. Eine Ehefrau hat ihren Ehemann vergiftet, um dessen Vermögen zu erben. Das ist nachvollziehbar, entspricht der Alltagserfahrung, die besagt, dass Menschen töten um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Offensichtlich ist die Forderung, nachvollziehbar zu sein, zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Anforderung an eine Erklärung. Es fehlt etwas Wesentliches: Die Prüfung der Erklärung. Im Falle der Ehefrau gibt es zwar ein Motiv, aber hatte sie auch die Gelegenheiten und die Kenntnis, um ihren Ehemann mit kleinen Gaben von Arsen langsam aber sicher ins Jenseits zu befördern? Kurz: Die Erklärung, sie muss prüfbar sein und sie muss so formuliert sein, dass sie sich auch als falsch erweisen kann.

Mit diesem Rüstzeug: Nachvollziehbarkeit, Prüfbarkeit. Falsifizierbarkeit, kann man nun zur Erklärung von Mord und Mörder schreiten.

Der einfachste Mörder, den es zu erklären gibt, ist der rationale Mörder. Er mordet, um sich einen Vorteil zu verschaffen, um vom Tod des Ermordeten zu profitieren, als Erbe, durch Bezahlung, wenn es sich um einen Auftragsmord handelt, durch eigenes Überleben, wenn es sich um einen Soldaten handelt, der tötet, um nicht seinerseits getötet zu werden (vom Feind oder vom eigenen Erschießungskommando bei Befehlsverweigerung).

Die Erklärung dafür, fremde oder bekannte Menschen zu ermorden, sie ist in den Fällen, in denen eine rationale Rekonstruktion von Motiv, Gelegenheit und Fähigkeit zum Mord möglich ist, relativ einfach. Die rationale Rekonstruktion beruht darauf, dass mit dem Mord ein wie auch immer gearteter Nutzen erreicht wird.

Aber wie ist das beim crime passionelle, mit dem Hercule Poirot häufig befasst ist?

Evil under the sun.jpgAuch hier gilt: rationale Rekonstruktion ist möglich. Wer aus Leidenschaft mordet, der mordet, um etwas zu erreichen, zu verhindern, um etwas vorzuenthalten oder um dem Ermordeten etwas zu verweigern. Entsprechend sind auch Morde aus Leidenschaft in einer Weise rational rekonstruierbar, die den Mörder als kalkulierend und einer Handlungslogik folgend darstellt.

Was aber ist mit Morden, bei denen man vor einem Rätsel steht, weil der Mörder offensichtlich keinen Vorteil von seinem Morden hat? Entsprechende Morde fallen in die Kategorie der irrationalen Handlungen und sind somit ein Gegenstand der Psychologie, deren Vertreter dem Explanandum, dem zu Erklärenden auch regelmäßig mit ihren Begrifflichkeiten zu Leibe rücken. Nur eines tun sie nicht: Sie erklären den Mord nicht, denn ihre Erklärungen sind nicht unabhängig und meist auch nicht falsifizierbar. Gleiches gilt für die vielen Ideologen, die die Behauptungen vorbringen, die sie immer vorbringen, in der Hoffnung, dass sie dieses Mal als Erklärungen durchgehen, obwohl sie keine Erklärungen sind.

Nehmen wir den Mehrfachmörder aus München. Eine Vielzahl von Behauptungen darüber, was seine Tat erklären könnte, sind aufgestellt worden:

Innenminister de Maizière hat Killerspiele als Ursache behauptet.
Andere glauben die Ursache darin gefunden zu haben, dass der Mörder ein Muslim ist.
Wieder andere haben behauptet, der Mörder sei schizophren.
Und ganz andere haben ihn als Spitze des Eisberges einer Jungenkrise ausgemacht.

Alle diese Behauptungen haben eines gemeinsam: Sie sind keine Erklärung.

Wenn man Killerspiele, Religion, Schizophrenie oder Jungenkrise zur Ursache für den Mord an 10 Menschen aufbauen will, dann muss man zunächst die Frage nach dem Warum beantworten:

Millionen Menschen spielen Killerspiele, Milliarden Menschen sind Muslime, Hundertausende sind in Deutschland schizophren und von der Jungenkrise sind wiederum Millionen in Deutschland erfasst.

Warum mordet genau einer von Hundertausenden, von Millionen oder von Milliarden?

Diese Frage ist eine Frage nach den Randbedingungen. Unter welchen Bedingungen wird ein Killerspiel-Spieler zu einem real-time Mörder? Unter welchen Bedingungen wird ein Muslim zum Mörder von 10 Menschen? Unter welchen Bedingungen führt die Schizophrenie eines Menschen dazu, dass er 10 Menschen ermordet? Unter welchen Bedingungen wirkt sich eine Jungenkrise auf Jungen so verheerend aus, dass einer von Ihnen 10 Menschen ermordet?

Die Antworten auf diese Fragen, sie müssen in jedem Fall eine Reihe von Bedingungen ergeben, die genau drei Kriterien erfüllen:

  • Die Bedingungen müssen nachvollziehbar sein.
  • Die Bedingungen müssen prüfbar sein.
  • Die Bedingungen müssen falsifizierbar sein.

Wer also behauptet, Killerspiele seien verantwortlich dafür, dass Ali David Sonboli 10 Menschen umgebracht hat, der muss zeigen, wie Killerspiele, die Sonboli gespielt hat, Bedingungen geschaffen haben, die Sonboli gegenüber allen anderen Spielern von Killerspielen, die nicht morden, auszeichnen. Er muss eine Hypothese aufstellen, wie diese Bedingungen dazu geführt haben, dass Sonboli seine Morde ein Jahr lang geplant hat und letztlich ausgeführt hat, und er muss diese Hypothese prüfen, er muss sie unabhängig prüfen.

tautology secretEs reicht nicht, die fehlenden Bedingungen durch Mutmaßungen der Art: Wer Killerspiele spielt, verroht oder hat weniger Achtung für menschliches Leben ersetzen zu wollen. Ebenso wenig wie es reicht zu behaupten, dass die Lektüre des Koran radikalisiert und dem Morden zuträglich ist. Derartige Behauptungen müssen in Hypothesen übersetzt und nochmals: unabhängig geprüft werden, d.h. unabhängig von der Tat die Ali David Sonboli ausgeführt hat.

Spätestens hier erweist sich für die meisten Behauptungen, dass sie nicht einmal in die Nähe einer Erklärung kommen, denn alle, die Computerspiel-Behauptung, die Religions-Behauptung, die Schizophrenie-Behauptung und die Jungenkrise-Behauptung sind Tautologien, die den Beleg für ihre Richtigkeit in den Morden von Sonboli sehen.

Ebenso wenig wie man Alkoholismus damit erklären kann, dass jemand Alkohol trinkt oder Dummheit damit, dass jemand zwei und zwei nicht zusammenzählen kann oder Kriminalität damit, dass jemand ein Stück Seife im Supermarkt stehlen will, ebenso wenig kann man Morde wie die in München von Sonboli begangenen, damit erklären, dass er schizophren war, dass er Muslim war, dass er Killerspiele gespielt hat. Denn wären die Morde nicht geschehen, seine Schizophrenie wäre Schizophrenie geblieben, seine Religion und seine Tätigkeit vor dem Computer hätte niemanden zum Erklären von was auch immer veranlasst. So wie dies für all die anderen Millionen und Milliarden der Fall ist, die seine Religion oder seine Passion für Killerspiele teilen oder die schizophren sind.

Und wie erklärt man, dass Muslime in Frankreich und Deutschland derzeit in kurzen Abständen Morde begehen? Das ist eine Frage, der wir uns in einem weiteren Post zuwenden werden. Nur so viel vorweg: Es hat etwas mit Salience, Trittbrettfahren, öffentlicher Hysterie und gesellschaftlicher Marginalisierung zu tun.


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Nonsense gegen Hatespeech: Anleitung zur Verblödung

Kontern, so kann man auf der Seite des deutschen Ablegerns von „NoHateSpeech“ lesen, sei wichtig. Man dürfe HateSpeakern nicht die Bühne überlassen, müsse sie in die Ecke argumentieren, Counterspeech heißt das Wundermittel, mit dem gegen HateSpeech vorgegangen werden soll. Counterspeech wird als hoch-intellektuelles Unterfangen verkauft, was gut ankommt, kann man sich als Counterspeaker doch für intelligent halten, ganz ohne eigenes Zutun.

So listet die Amadeu-Antonio-Stiftung, die auch federführend hinter dem deutschen Auftritt von no-hate-speech.de steht, folgende Strategien der Counterspeech gegen HateSpeech:

  • Nachfragen nach Fakten;
  • Diskriminierung benennen;
  • Gegenargumentieren und auf Fehler in der Argumentation hinweisen;

Offensichtlich geht mit dem Counterspeech ein gewisser kognitiver Anspruch einher. So sind das Argumentieren und das Aufdecken von Fehlern anspruchsvolle Tätigkeiten, die eine gewisse Kenntnis von Fakten und logischen Fehlern voraussetzen, eine Kenntnis, auf die hin, wir uns die „Konter“, die man auf der Seite von no-hate-speech.de finden kann und die dazu dienen sollen, Hatespeech zu bekämpfen, angesehen haben.

Und in der Tat, wird sind fündig geworden:

Logische Fehler, aber kein Argument:

NoHate 1

Eine reductio ad absurdum, denn: wer Leute, die andere nicht leiden können, nicht leiden kann, kann sich nicht leiden, weil er jemand ist, der andere nicht leiden kann. An diesem logischen Fehler ändert auch die Einschränkung „nicht sonderlich“ nichts.

Beleidigung, aber kein Argument:

NoHate3

Für alle, die es nicht verstehen: Du bringst den Arsch in den Hass, damit soll, da „ass“ im Englischen auch als Kurzform für Asshole gilt, gesagt werden, dass derjenige, gegen den sich diese Form der Nicht-Argumentation richtet, ein Arschloch ist.

Biologismus als genetischer Fehlschluss, aber kein Argument:

NoHate4

Hass wird hier zum Essentialismus erklärt, zur angeborenen Disposition, an der nichts geändert werden kann. Wer einmal hast, der hast immer. Die entsprechende Argumentation, die eine Beobachtung oder ein Merkmal in unzulässiger Weise verallgemeinert, gilt in der Wissenschaft als Totalitarismus, hinter dem in der Regel eine autoritäre Persönlichkeit steht.

Rassismus und Sexismus, aber kein Argument

NoHate5

Unter den Bekämpfern von Hatespeech ist der Irrtum verbreitet, dass es nicht möglich ist, weiße Männer zu beleidigen oder gar mit Hate Speech zu überziehen. Entsprechend muss man konstatieren, dass die Szene von Rassismus durchtränkt ist, denn Rassismus macht nicht an der Hautfarbe halt, er liegt dann vor, wenn ein Merkmal (weiße Haut), manchmal auch zwei (weiße Haut und männlich) zur Grundlage von Vorurteilen (sind nicht nicht beleidigungsfähig und somit generell Täter) gemacht werden.

Die Gegenrede, wie wir sie bislang zusammengetragen haben, besteht somit aus logischen Fehlern, aus Beleidigungen, aus Essentialismus und aus Rassismus. Es findet sich nicht einmal die Spur eines Arguments, nicht einmal der Versuch, ein Argument zu machen. Insgesamt vermittelt die Kampagne den Eindruck eines kognitiven Regresses, den man unter Kindern als „Ätsch“ kennt oder als Versuch, das Gegenüber mit Grimassen zu traktieren, weil das Maß an kognitiver Entwicklung, das allein Argumentation möglich macht, nicht vorhanden ist.

Wenn das Ziel von no-hate-speech.de darin besteht, die Diskussion in den vorschulischen Bereich zu verlagern und auf Kita-Niveau zu führen, dann ist dieses Ziel hiermit erreicht und es bleibt anzufügen, dass die Infantilisierung des öffentlichen Diskurses und der Feldzug gegen Vernunft und Argumentation aus einer bestimmten ideologischen Ecke kommt, in der ausgeschlossen ist, dass HateSpeech aus der eigenen Ecke kommen kann. Noch ein Beispiel dafür, dass hier Dummheit am Werk ist, wie man sie bei Kindern erwarten muss, die noch keinerlei Erziehung, geschweige denn Bildung genossen haben.

NoHateGroups

Wenn der Kampf gegen HateSpeech einen kognitiven Regress in der beschriebenen Art voraussetzt, dann scheint uns HateSpeech das geringere Übel zu sein. Wenn das Ziel der NoHateSpeech Kampagne in Deutschland darin besteht, die Aktivisten gegen HateSpeech lächerlich zu machen, dann ist dieses Ziel hiermit erreicht. Dass es dadurch zunehmend unmöglich wird, ernste Probleme ernsthaft zu diskutieren, ist quasi der Kollateralschaden, der daraus resultiert, dass kognitiv Defizitäre sich in der Öffentlichkeit ausleben dürfen.

Da es sich bei der Kampagne um eine Youth Campaign handelt, sollten sich Eltern gegen diese Art der Verdummung ihrer Kinder zur Wehr setzen.


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Zu viel Demokratie ist schlecht für das dumme Volk

Die Zeit der Rabulisten ist angebrochen. Rabulisten verdrehen Tatsachen, versuchen durch Spitzfindigkeiten und Sophismen aller Art und durch Fehlschlüsse die eigene Position durchzusetzen.

WELT SchusterJacques Schuster übt sich in Rabulistik. Er tut dies in der WELT, und er tut dies, um den Deutschen die direkte Demokratie madig zu machen. Soll bloß niemand auf die Idee kommen, eine Volksabstimmung in Deutschland zu fordern.

Denn: “Das Grundproblem der Demokratie besteht darin, dass das Volk die Quelle aller öffentlichen Gewalt ist, aber diese nicht selbst ausüben kann“.

Diese These von Schuster, sie steht im zweiten Teil seines Beitrags und sie ist quasi der Höhepunkt der Sophisterei, ein Sprachtrick, der Eindeutigkeit vorgaukeln soll: Der Trick beginnt mit dem Volk, von dem Schuster weiter feststellt: „Es gibt kein Volk, außerhalb der Verfassung“. Und obwohl es außerhalb der Verfassung kein Volk gibt, wie Schuster meint, setzt sich das Volk (das es nicht gibt), „aus dir und mir, ihm und ihr zusammen. Alle Staatsbürger gehören dazu“, wie er wenig später zum Besten gibt

Also gibt es ein Volk, das es gibt, und es gibt ein Volk, das es nicht gibt. Das Volk das es gibt, das ist das konstituierte Volk, das sind die Parlamentarier im Parlament. Das Volk, das es nicht gibt, das sind wir alle, die wir Fleisch geworden sind, denn wir sind nur wir, nicht das konstituierte Volk.

Man fühlt sich an Catweazle erinnert, der in einen Telefonhörer wispert: Spirits, are you there?

Catweazle magic boneWas Schuster sagen will ist schnell gesagt: Wir alle, wir sind nicht in der Lage zu regieren. Wir sind zwar alle irgendwie ein Volk (oder auch nicht), aber was wir alle sagen, mit einfacher Mehrheit am Ende noch, das ist uninformiert und falsch. Informierte und richtige Entscheidungen kann nur das konstituierte Volk treffen, jenes Volk, das es in unserem täglichen Leben nicht gibt, sondern nur in seiner Inkarnation als Parlament: Das Parlament, voller Kompetenz und Qualifikation und „von Experten beraten“, wie Schuster weiß, „es war stets ein Motor der Freiheit oder ist doch immer dazu geworden“.

Wenn ein Parlament doch immer zum Motor der Freiheit geworden ist, dann kann es nicht stets der Motor der Freiheit gewesen sein. Was zeigt, Schuster erzählt Unsinn, wie Leute gewöhnlich Unsinn erzählen, die partout darauf aus sind, ihr Heil anderen als deren Erkenntnis unterzuschieben. Die Erkenntnis, die Schuster uns unterschieben will: Gäbe es in Deutschland Volksabstimmungen, dann wären deutsche Gesetze absurd, es gäbe eine Mehrheitsdiktatur und Deutschland hätte nie Wohlstand gesehen. Denn nur die Hochintelligenten im Parlament sind in der Lage, die Geschicke des Vaterlands in die richtige Richtung zu leiten, z.B. mit einer Zwangsfrauenquote für Unternehmen oder mit der Finanzierung der eigenen Vasallen in Parteistiftungen. Mit Recht befürchtet Schuster, dass es beide Formen des Nepotismus nicht gäbe, würde darüber in einer Volksabstimmung abgestimmt.

Aber die Volksabstimmung, sie ist dem deutschen Wesen fremd, wie Schuster herausarbeitet, wenn er ruft, „Kommt nicht immer mit der Schweiz. Sie hat eine andere Tradition“. Es ist derselbe Schuster der sich wenige Absätze weiter fragt: „Warum kam keiner der britischen Vertreter für das Plebiszit auf die Idee, vorher eine Zwei-Drittel-Mehrheit festzuschreiben“. Schuster! Komm uns nicht damit. Das Vereinigte Königreich hat eine andere Tradition. Seit Jahrhunderten gilt hier das einfache Mehrheitswahlrecht. Hast Du das nicht gewusst, oh Schuster?

Und damit sind wir doch wieder beim BREXIT, bei jenem Fiasko der deutschen Außenpolitik, die seit Jahrzehnten darauf abzielt, International- statt Nationalstaat zu werden. Am BREXIT kann man sehen, was passiert, wenn man die eigenen Bürger fragt, und an dem, was Schuster zum BREXIT zu schreiben hat, kann man sehen, dass Rabulistik aus Verdrehungen, Falschaussagen und logischen Fehlern besteht:

Der BREXIT war die Stunde der Possenreißer und Hetzer, so schreibt Schuster, und recht hat er. Zum Glück sind die Briten nicht auf europäische Possenreißer und Remain-Hetzer hereingefallen und haben für den BREXIT gestimmt. So hat er das nicht gemeint? Stimmt vermutlich! Schuster versucht, seine Bewertung seinen Lesern unterzuschieben. Einer der eher plumpen rhetorischen Tricks, die man billigen Managementbüchern entnehmen kann.

BREXIT_Referendum„Ein Teil der Bevölkerung wiederum ging an die Urnen und zog hinterher an die heimischen Computer, um zu googlen, was ‚EU‘ eigentlich bedeutet“, schreibt Schuster. Ach, diese dumme Bevölkerung, diese dummen Briten. Da stimmen sie ab und wissen gar nicht worüber. Da sieht man, dass man dem Volk, also uns allen, die wir nach seiner Ansicht das Volk gar nicht sind, keine Volksbefragung anvertrauen kann. Wir Dilettanten stimmen ab und wissen gar nicht worüber. Oder ist etwa Jacques Schuster der Dilettant, der Dumme [Eine Vermutung, die naheliegt, denn Schuster ist ja gar nicht im Parlament], der Dinge behauptet, die er aufgeschnappt hat und die falsch sind, wie z.B. die absurde Behauptung, viele Wähler wären nach der Wahl bei Google vorbeigegangen, um sich nach der EU zu erkundigen. Diese Falschmeldung ist eigentlich zu dumm, als dass man sie tatsächlich glauben kann, sofern man bei normalem Verstand ist.

Und schließlich zeige der BREXIT, dass das Volk die öffentliche Gewalt nicht ausüben könne. Warum? Na, weil das britische Volk falsch (also das Volk, das es nach Schuster gar nicht gibt, nur als Parlamentarier gibt) gewählt hat. BREXIT eben. Das war falsch. Konklusion Schusters: Volksabstimmung nicht brauchbar. Bewertung von uns: Klassischer Fehlschluss der Bejahung des Konsequens und zudem Ergebnis, des abermaligen Schusterschen Versuchs, seine Bewertung seinen Lesern unterzuschieben.

Und die Moral von der Geschicht‘: Diejenigen, die sich für Intellektuelle halten, für die Avantgarde des Volkes, diesem dummen Haufen von ihr alle, der keine Ahnung von den komplizierten Entscheidungen hat, vor denen die hochintelligenten und umfassend gebildeten Vertreter dieses dummen Volkes, die von diesem dummen Volk gewählt wurden, im Parlament stehen: Sie wissen Bescheid. Der Heiligenschein der Intelligenz, er umkränzt die Parlamentarier ab ihrem Übertritt in das Parlament, trennt sie von der Dummheit des Volkes, zu dem sie, wie Schuster ja ausdrücklich feststellt, doch gehören.

Sind sie erst einmal im Parlament, dann wird aus dem Studenten der Theaterwissenschaft, der es zwei Monate ausgehalten hat, ein Intelligenzbolzen, der selbst Einstein in den Schatten stellt und aus dem, der nie etwas gearbeitet hat, der Studium, Partei, Parlament als Karriereweg vorzuweisen hat, wird der allumfassend Erfahrene, der seinen Senf zu jedem Bereich des täglichen Lebens geben kann, eben weil er so erfahren ist. Es ist ein wahres Tabernakel der Magie, jenes Parlament, das noch dem Dümmsten den Glauben vermittelt, er sei besser qualifiziert, „komplexe Entscheidungen“ zu treffen als ein Busfahrer aus Mühlheim an der Ruhr.

Gesetze wie z.B. das Kriegsermächtigungsgesetz von 1914, das im deutschen Reichstag mit großer Mehrheit beschlossen wurde oder das Ermächtigungsgesetz von 1933, das vom deutschen Reichstag mit großer Mehrheit beschlossen wurde, oder die vielen kleinen Gesetzen und Entscheidungen zur Selbstbegünstigung des konstituierten Volkes, in der Sprache von Schuster, also zur Selbstbereicherung der Parteien und Parteivertreter, die im Bundestag versammelt sind, sie zeugen von diesen Qualifikationen. Manche dieser Selbstbereicherungspraktiken waren so krass, dass sie vom Bundesverfassungsgericht kassiert wurden, z.B. im Jahre 1966 als die Richter entschieden, das es mit dem „Grundsatz der freien und offenen Meinungs- und Willensbildung vom Volk zu den Staatsorganen“ nicht vereinbar sei, „den Parteien Zuschüsse aus Haushaltsmitteln des Bundes für ihre gesamte Tätigkeit“ zu gewähren und die „dauernde finanzielle Fürsorge für die Parteien zu einer Staatsaufgabe zu machen“ (BVerfGE 20: 56).

Aber dem Volk, also uns, die wir nicht das konstituierte Volk im Parlament sind, uns kann man nicht trauen.

Auf welchem Planeten oder von welchen Auftraggebern lebt eigentlich Herr Schuster? Aber er hat die Prügel, die er für seinen unsäglichen Beitrag ernten wird, ja vorhergesehen. Wie schreibt er zu Beginn seines Beitrags: „Kaum einer wagt es, seine grundsätzlichen Zweifel an der Volksabstimmung in die Debatte zu werfen“. Der Zeitgeist verhindere dies, so hat es ein anderer Geist dem Schuster eingegeben. Aber Schuster ist unbeirrt: „Hört endlich auf, den Irrsinn der direkten Demokratie für eine ernsthafte demokratische Alternative zu halten“, so schreit er seine Leser an.

Die rhetorischen Tricks sind so verstaubt, dass wir jetzt noch husten. In welchen schlechten Managementbüchern stehen sie? Sie müssen in derartiger Beraterliteratur stehen. Das belegt ihre Häufigkeit. Bei uns im Blog kommen sie des Öfteren in der Form: „Wetten, dass Sie diesen Kommentar nicht veröffentlichen?“ an. Wette gewonnen, sagen wir dann immer, und löschen den Kommentar. Bei Schuster kommt der alte Trick mit der falschen Frontstellung als Glorifizierung der eigenen Position daher: Alle intelligenten Deutschen sind feige, sagen nicht, was sie wirklich von Volksabstimmungen halten! Alle? Nein. In der Redaktion der WELT, im letzten Zimmer, gleich vor der Kaffeemaschine, da sitzt ein Held, ein Held, der immer seine Meinung sagt, der sich gegen den Zeitgeist ins Zeug wirft und schreit: „Hört auf mit diesem Irrsinn der direkten Demokratie!“

Nebenbei bemerkt, es gibt gar keine nennenswerte direkte Demokratie in Deutschland. An welche Volksabstimmung erinnern Sie sich? Welchen Politiker in Amt, der die Idee einer Volksabstimmung ernsthaft erwägen würde, kennen Sie? Uns scheint, der glorreiche Ritter von der rabulistischen Gestalt, der Jacques Schuster, er stürmt mit seinem Kriegsross eine zeitgeistliche Festung, die es gar nicht gibt. Zu keinem Zeitpunkt wurde von den Deutschen mehr verlangt, als dass sie ein Kreuz im Kreis hinter einer Partei machen und ansonsten die Klappe halten und über sich ergehen lassen, was aus der Halle der Erleuchteten, die Schuster euphemistisch das Parlament nennt, auf die Menschen niederkommt. Was auch immer auf sie niederkommt: Es ist zu ihrem besten, denn eines muss sich das Volk ein für alle Mal merken: das konstituierte Volk, also die Merkels, die Steinmeiers, die Becks, sie sind das wahre Volk und wissen besser, was für uns alle, die wir das falsche Volk sind, richtig ist. Herr Schuster hat es gesagt. Und wer würde an Jacques Schusters Wort zweifeln, am Wort dessen, der schon einmal in die Nähe des Heiligenscheins des deutschen Bundestags gekommen ist und dort aus dem Füllhorn der Erkenntnis getrunken hat (oder war es die Akkreditierungsliste des bezahlten Bekenntnisses?).

Der Platz auf der Akkreditierungsliste würde zumindest erklären, warum Schuster die Trommel für Totalitarismus rührt. Denn Demokratie kann es nur als Volkherrschaft geben. Alles, was mehr oder weniger davon abweicht, ist etwas anderes: Parlamentarismus, die Herrschaft derer, die wie auch immer in einem Parlament gelandet sind, ist eine mehr oder weniger große Abweichung von Demokratie. Die Angst derer, die sich dem Parlament nahe wähnen oder ihm angehören, vor einer Volksbefragung, sie ist daher ein Maß dafür, wie groß die Abweichung von Demokratie schon ist.


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Totalität von Fähigkeiten: Marxens Träume erleben eine Renaissance

Karl Marx„Sowie nämlich die Arbeit verteilt zu werden anfängt, hat jeder einen bestimmten, ausschließlichen Kreis der Tätigkeit, der im aufgedrängt wird, aus dem er nicht herauskann; er ist Jäger, Fischer, oder Hirt oder kritischer Kritiker, und muss es bleiben, wenn er nicht die Mittel zum Leben verlieren will – während in der kommunistischen Gesellschaft, wo jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heut dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, auch das Essen zu kritisieren, ohne je Jäger, Fischer oder Hirt oder Kritiker zu werden, wie ich gerade Lust habe. Dieses Sichfestsetzen der sozialen Tätigkeit, diese Konsolidation unseres eigenen Produkts zu einer sachlichen Gewalt über uns, die unserer Kontrolle entwächst, unsere Erwartungen durchkreuzt, unsere Berechnungen zunichte macht, ist eines der Hauptmomente in der bisherigen geschichtlichen Entwicklung“ (Karl Marx; Deutsche Ideologie)

Die zitierte Stelle ist dem Teil des Manuskripts der Deutschen Ideologie entnommen, der Karl Marx zurechenbar ist. In ihm entwickelt Marx nicht nur in Fortführung einer Idee Fichtes – sein Konzept der Entfremdung. Er führt sie es auch zu Ende. Von Fichte stammt die Idee, dass dann, wenn Menschen miteinander agieren, sie etwas produzieren, das ein Eigenleben annimmt, das wiederum Herrschaft über die einzelnen erwirkt. Das Erzeugte unterjocht den Menschen, nimmt ihm seine Freiheit. Ein echter Fichte.

Doch zurück zum Zitat von Karl Marx. Das „Sichfestsetzen der sozialen Tätigkeit“, also der Arbeit, zu einer „sachlichen Gewalt“ über uns, wer nicht arbeiten geht, der hat nichts zu beißen, jedenfalls zu Marxens Zeiten war das so, mit einem Wort: die Entfremdung, sie muss durch die kommunistische Gesellschaft überwunden werden, in der keine Spezialisierung mehr stattfindet, keine Arbeitsteilung, in der alle alles tun oder lassen können, wonach ihnen gerade ist. Das nennt Marx die Totalität der Fähigkeiten. Betrachtet man die Materialisierungen dieses kommunistischen Hirngespinsts, dann muss man allerdings feststellen, dass es eher das „lassen können“ ist, das sich durchgesetzt hat: Die Erhöhung der Untätigkeit und Trägheit zur kollektiven Faulheit.

Unter Pfälzern gibt es ein geflügeltes Wort, das Aspiranten wie die, die im Kommunismus gebraucht werden, bezeichnet: Der kann alles, aber nix richtig.

Das Zitat von Marx hat nichts von seiner romantischen Wirkung, die es auf einfältige Gemüter ausübt, verloren. Beispiele dafür, wie Spezialisierung beseitigt, die Entfremdung durch Arbeit aufgehoben und eine glückliche, wenngleich verarmte Gesellschaft herbeigeführt werden soll, gibt es zuhauf: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, also die Work-Life-Balance, der Versuch, Teilzeitarbeit zu einem Ersatz für vollen Einsatz zu stilisieren, das bedingungslose Grundeinkommen, der Einzug von pädagogischen Konzepten, die nicht der Bildung oder Erziehung von Kindern dienen, sondern der ideologischen Selbstverwirklichung von Lehrern oder Erziehern, das sind alles Beispiele dafür, wie Marxens idealistische Spinnerei die Jahrhunderte überlebt hat und neue Höhen erklimmt.

„Idealismus,“ so hat Arnold Gehlen (1952: 350) geschrieben, „ist einer der tiefsten und am schwersten aufzudeckenden Irrtümer und er besteht zuletzt in dem Glauben, die Idealität, die allerdings im Menschen liegt, sei in der unmittelbaren Subjektivität lebbar“.

Sie ist es nicht. Und weil sie es nicht ist, scheitern kommunistische Systeme und gehen Gesellschaften zu Grunde, deren Mitglieder glauben, sie könnten Arbeitsteilung und Spezialisierung durch idealistische Spinnereien von Work-Life-Balance oder Teilzeitarbeit ersetzen.

Warum?

Gesellschaften leben von der Arbeitsteilung, wie man leicht feststellen kann, wenn man versucht, einen Tag ohne das Zutun Dritter zu überleben, also ohne den Lkw-Fahrer, der die Waren des Supermarktes ankarrt, ohne die Aushilfskraft, die die Waren einsortiert, ohne den Tankwart, der das Benzin bereitstellt, mit dem man das Auto, das vieler Hände Ergebnis ist, zum Supermarkt bewegt. Arbeitsteilung erhöht nicht nur die Effizienz und den Wohlstand einer Gesellschaft, sie erlaubt auch Spezialisierung. Manche können dies besser, andere jenes. Wer dies besser kann, erreicht durch Verfeinerung seiner Technik eine höhere Stückzahl und bessere Qualität, und vielleicht kann derjenige, der auf viel Erfahrung in der Herstellung von „dies“ zurückblicken kann, es sich irgendwann leisten, nur einen Teil des Tages für den Broterwerb aufzuwenden. Das kann er aber erst, wenn er sich die entsprechende Erfahrung angeeignet, sich erarbeitet hat. So ist das eben, ohne Fleiß kein Preis. So wie es ohne erfolgreichen Kapitalismus keinen Kommunismus geben kann, wie Marx wusste. Denn Träumerei kann man nur (für eine gewisse  Zeit) umsetzen, wenn es andere durch ihre Arbeit ermöglicht haben.


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AfD, Hitlergruß, Lügenpresse – Funkes Kausalkette

Ein Beispiel für Hauruck-Suggestion aus dem Tagesspiegel:

facepalm-Godzilla„Angebliche Fußballfans, die den Hitlergruß zeigen, die erste Strophe der Nationalhymne singen und „Lügenpresse“ rufen: Die fremdenfeindlichen Gesten von mutmaßlich Rechtsextremen auf der Fanmeile am Brandenburger Tor am Sonntag haben nach dem Sieg der DFB-Elf gegen die Ukraine einen faden Beigeschmack hinterlassen.

Nach Einschätzung von Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke sind die Vorfälle ohne Zweifel auf die rechten und islamfeindlichen Parolen von AfD und Pegida zurückzuführen. „Wir erleben seit knapp zwei Jahren eine Entfesselung der Ressentiments“, sagte der Politikwissenschaftler von der Freien Universität Berlin dem Tagesspiegel. Der radikale Flügel der AfD um Alexander Gauland und Björn Höcke sowie die Pegida-Bewegung hätten einen „ethnozentrischen und rassistischen Nährboden geschaffen“, der Fremdenfeindlichkeit ein stückweit salonfähig gemacht habe, so Funke weiter.“

Zunächst die Haurucksuggestion zur instrumentellen Konditierung der Empörungsbereiten:

  • Logik f dummiesKonditionierter Stimulus: Rechte zeigen Hitlergruß. Konditionierte Reaktion: Das macht man nicht. Das ist böse.
  • Konditionierter Stimulus: Rechte singen die erste Strophe der Nationalhymne. Konditionierte Reaktion: Das macht man nicht. Das ist böse.
  • Instrumenteller Stimulus: Rechte rufen: Lügenpresse.
  • Reaktion, die konditioniert werden soll: Das macht man nicht. Das ist böse.

Nach dem Stück Dachlatten-Behaviorismus dessen Abschluss aus einem satten Fehlschluss der Bejahung des Konsequens besteht, denn nicht jeder, der den Begriff Lügenpresse benutzt, ist ein Nazi, wäre dem so, der Tagesspiegel wäre ein Nazi-Blatt, kommt der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke mit seinem Anschlag auf alles, was Wissenschaftlichkeit darstellt, zu Wort.

Wissenschaft, das zur Erinnerung, hat zum Ziel fundiertes Wissen zu erreichen. Fundiertes Wissen besteht aus Aussagen über die Empirie, die empirisch geprüft wurden und sich dabei bestätigt haben. In der Wissenschaft unterscheidet man zwischen Aussagen, die einen Zusammenhang ausdrücken und solchen, die eine Kausalität beschreiben. Eine Zusammenhangsaussage wäre z.B.: Zwischen einem Interview von Hajo Funk im Tagesspiegel und einem Herzinfarkt bei einem Wissenschaftstheoretiker besteht ein Zusammenhang von r = .65. Ob Funke für den Herzinfrakt kausal ist, kann posthum nicht mehr festgestellt werden.

Um die Annahme einer Kausalität zwischen dem Interview von Funke und dem Herzinfarkt des Wissenschaftstheoretikers zu rechtfertigen, benötigt man eine theoretische Grundlage, z.B.: Der Wissenschaftstheoretiker hat sich immer sehr stark über angebliche Wissenschaftler, die in aller Öffentlichkeit ihre Ahnungslosigkeit über wissenschaftliche Methoden blosstellen, aufgeregt. Zuletzt hat er sich über Hajo Funke, der bar jeder methodischen Kenntnisse zu sein scheint, aufgeregt. Das war zuviel. Bestätigt sich die Kausalkette, dann hat Funke den Herzinfarkt zu verantworten, aber nur dann.

Schauen wir uns nun an, was Funke behauptet.

In Berlin haben Personen, die Funke nicht kennt, von denen er nichts weiß und von denen er nichts wissen kann und will, den Hitlergruß gezeigt, die falsche Strophe der Nationalhymne gesungen und Lügenpresse gesagt.

Dass sie das getan haben, hat seine Ursache nach Funke darin, dass es in Deutschland die AfD, Alexander Gauland, Björn Höcke und Pegida gibt. Sie alle haben mit „rechten und islamfeindlichen Parolen“ einen „ethnozentristischen und rassistischen Nährboden geschaffen.“

Die Kausalkette, die Funke da allen Erstes behauptet, sie lautet:

Gauland, Höcke, die AfD und Pegida skandieren rechte und islamfeindliche Parolen. Wenn Gauland, Höcke, die AfD und Pegida rechte und islamfeindliche Parolen skandieren, dann fallen die Parolen zu Boden und schaffen einen ethnozentrischen und rassistischen Nährboden, an dem sich wiederum Dritte gütlich tun, die Funke nicht kennt und nicht kennen will, die aber in Berlin den Hitlergruß zeigen und die falsche Strophe der deutschen Nationalhymne singen. Ach ja, und vor allem: Lügenpresse rufen.

Wer diesen Unsinn glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Und unserem Wissenschaftstheoretiker ist auch nicht mehr zu helfen, er ist am Unsinn verendet.

Er hat den Funke hinter sich.

Vielleicht sogar die bessere Option.


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