Wie erklärt man Mord?

Ereignisse, wie die in Ansbach, München, Nizza oder nun in Rouen führen regelmäßig dazu, dass Experten aus allen Ecken auf die Bühne treten und die Früchte ihres bislang im Schatten geführten Experten-Daseins einem staunenden Auditorium verkünden.

Logik der ForschungDie Erklärungen dafür, dass ein Mörder Menschen tötet, die er ganz offensichtlich nicht kennt, sie sprießen schneller als Erbsenkraut: Da werden Killerspiele und der Koran verantwortlich gemacht, eine Jungenkrise als Ursache ausgemacht oder eine psychologische Störung, die gestörte Kindheit darf ebenso wenig fehlen wie die Einsamkeit des Täters. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Die Erklärungsversuche haben alle eines gemeinsam: Sie sind keine Erklärungen, nicht einmal zum Versuch taugen sie. Wir nehmen dies zum Anlass, um eine kleine Skizze der möglichen Erklärungen zu verfassen:

Wie erklärt man einen Mord, Morde, wie den Mörder?

Zunächst zur Erklärung: Eine Erklärung lebt davon, dass sie nachvollziehbar ist. Kann kein Adressat nachvollziehen, wieso eine bestimmte Ursache zu einem Mord führen soll, dann ist die Erklärung sinnlos. Entsprechend muss eine Erklärung eine rationale Abfolge von Ursache und Wirkung, eine Kausalität beschreiben. Denn rationale Erklärung ist etwas, was Menschen aufgrund ihrer Alltagserfahrung nachvollziehen können. Eine Ehefrau hat ihren Ehemann vergiftet, um dessen Vermögen zu erben. Das ist nachvollziehbar, entspricht der Alltagserfahrung, die besagt, dass Menschen töten um sich einen Vorteil zu verschaffen.

Offensichtlich ist die Forderung, nachvollziehbar zu sein, zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Anforderung an eine Erklärung. Es fehlt etwas Wesentliches: Die Prüfung der Erklärung. Im Falle der Ehefrau gibt es zwar ein Motiv, aber hatte sie auch die Gelegenheiten und die Kenntnis, um ihren Ehemann mit kleinen Gaben von Arsen langsam aber sicher ins Jenseits zu befördern? Kurz: Die Erklärung, sie muss prüfbar sein und sie muss so formuliert sein, dass sie sich auch als falsch erweisen kann.

Mit diesem Rüstzeug: Nachvollziehbarkeit, Prüfbarkeit. Falsifizierbarkeit, kann man nun zur Erklärung von Mord und Mörder schreiten.

Der einfachste Mörder, den es zu erklären gibt, ist der rationale Mörder. Er mordet, um sich einen Vorteil zu verschaffen, um vom Tod des Ermordeten zu profitieren, als Erbe, durch Bezahlung, wenn es sich um einen Auftragsmord handelt, durch eigenes Überleben, wenn es sich um einen Soldaten handelt, der tötet, um nicht seinerseits getötet zu werden (vom Feind oder vom eigenen Erschießungskommando bei Befehlsverweigerung).

Die Erklärung dafür, fremde oder bekannte Menschen zu ermorden, sie ist in den Fällen, in denen eine rationale Rekonstruktion von Motiv, Gelegenheit und Fähigkeit zum Mord möglich ist, relativ einfach. Die rationale Rekonstruktion beruht darauf, dass mit dem Mord ein wie auch immer gearteter Nutzen erreicht wird.

Aber wie ist das beim crime passionelle, mit dem Hercule Poirot häufig befasst ist?

Evil under the sun.jpgAuch hier gilt: rationale Rekonstruktion ist möglich. Wer aus Leidenschaft mordet, der mordet, um etwas zu erreichen, zu verhindern, um etwas vorzuenthalten oder um dem Ermordeten etwas zu verweigern. Entsprechend sind auch Morde aus Leidenschaft in einer Weise rational rekonstruierbar, die den Mörder als kalkulierend und einer Handlungslogik folgend darstellt.

Was aber ist mit Morden, bei denen man vor einem Rätsel steht, weil der Mörder offensichtlich keinen Vorteil von seinem Morden hat? Entsprechende Morde fallen in die Kategorie der irrationalen Handlungen und sind somit ein Gegenstand der Psychologie, deren Vertreter dem Explanandum, dem zu Erklärenden auch regelmäßig mit ihren Begrifflichkeiten zu Leibe rücken. Nur eines tun sie nicht: Sie erklären den Mord nicht, denn ihre Erklärungen sind nicht unabhängig und meist auch nicht falsifizierbar. Gleiches gilt für die vielen Ideologen, die die Behauptungen vorbringen, die sie immer vorbringen, in der Hoffnung, dass sie dieses Mal als Erklärungen durchgehen, obwohl sie keine Erklärungen sind.

Nehmen wir den Mehrfachmörder aus München. Eine Vielzahl von Behauptungen darüber, was seine Tat erklären könnte, sind aufgestellt worden:

Innenminister de Maizière hat Killerspiele als Ursache behauptet.
Andere glauben die Ursache darin gefunden zu haben, dass der Mörder ein Muslim ist.
Wieder andere haben behauptet, der Mörder sei schizophren.
Und ganz andere haben ihn als Spitze des Eisberges einer Jungenkrise ausgemacht.

Alle diese Behauptungen haben eines gemeinsam: Sie sind keine Erklärung.

Wenn man Killerspiele, Religion, Schizophrenie oder Jungenkrise zur Ursache für den Mord an 10 Menschen aufbauen will, dann muss man zunächst die Frage nach dem Warum beantworten:

Millionen Menschen spielen Killerspiele, Milliarden Menschen sind Muslime, Hundertausende sind in Deutschland schizophren und von der Jungenkrise sind wiederum Millionen in Deutschland erfasst.

Warum mordet genau einer von Hundertausenden, von Millionen oder von Milliarden?

Diese Frage ist eine Frage nach den Randbedingungen. Unter welchen Bedingungen wird ein Killerspiel-Spieler zu einem real-time Mörder? Unter welchen Bedingungen wird ein Muslim zum Mörder von 10 Menschen? Unter welchen Bedingungen führt die Schizophrenie eines Menschen dazu, dass er 10 Menschen ermordet? Unter welchen Bedingungen wirkt sich eine Jungenkrise auf Jungen so verheerend aus, dass einer von Ihnen 10 Menschen ermordet?

Die Antworten auf diese Fragen, sie müssen in jedem Fall eine Reihe von Bedingungen ergeben, die genau drei Kriterien erfüllen:

  • Die Bedingungen müssen nachvollziehbar sein.
  • Die Bedingungen müssen prüfbar sein.
  • Die Bedingungen müssen falsifizierbar sein.

Wer also behauptet, Killerspiele seien verantwortlich dafür, dass Ali David Sonboli 10 Menschen umgebracht hat, der muss zeigen, wie Killerspiele, die Sonboli gespielt hat, Bedingungen geschaffen haben, die Sonboli gegenüber allen anderen Spielern von Killerspielen, die nicht morden, auszeichnen. Er muss eine Hypothese aufstellen, wie diese Bedingungen dazu geführt haben, dass Sonboli seine Morde ein Jahr lang geplant hat und letztlich ausgeführt hat, und er muss diese Hypothese prüfen, er muss sie unabhängig prüfen.

tautology secretEs reicht nicht, die fehlenden Bedingungen durch Mutmaßungen der Art: Wer Killerspiele spielt, verroht oder hat weniger Achtung für menschliches Leben ersetzen zu wollen. Ebenso wenig wie es reicht zu behaupten, dass die Lektüre des Koran radikalisiert und dem Morden zuträglich ist. Derartige Behauptungen müssen in Hypothesen übersetzt und nochmals: unabhängig geprüft werden, d.h. unabhängig von der Tat die Ali David Sonboli ausgeführt hat.

Spätestens hier erweist sich für die meisten Behauptungen, dass sie nicht einmal in die Nähe einer Erklärung kommen, denn alle, die Computerspiel-Behauptung, die Religions-Behauptung, die Schizophrenie-Behauptung und die Jungenkrise-Behauptung sind Tautologien, die den Beleg für ihre Richtigkeit in den Morden von Sonboli sehen.

Ebenso wenig wie man Alkoholismus damit erklären kann, dass jemand Alkohol trinkt oder Dummheit damit, dass jemand zwei und zwei nicht zusammenzählen kann oder Kriminalität damit, dass jemand ein Stück Seife im Supermarkt stehlen will, ebenso wenig kann man Morde wie die in München von Sonboli begangenen, damit erklären, dass er schizophren war, dass er Muslim war, dass er Killerspiele gespielt hat. Denn wären die Morde nicht geschehen, seine Schizophrenie wäre Schizophrenie geblieben, seine Religion und seine Tätigkeit vor dem Computer hätte niemanden zum Erklären von was auch immer veranlasst. So wie dies für all die anderen Millionen und Milliarden der Fall ist, die seine Religion oder seine Passion für Killerspiele teilen oder die schizophren sind.

Und wie erklärt man, dass Muslime in Frankreich und Deutschland derzeit in kurzen Abständen Morde begehen? Das ist eine Frage, der wir uns in einem weiteren Post zuwenden werden. Nur so viel vorweg: Es hat etwas mit Salience, Trittbrettfahren, öffentlicher Hysterie und gesellschaftlicher Marginalisierung zu tun.


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Nonsense gegen Hatespeech: Anleitung zur Verblödung

Kontern, so kann man auf der Seite des deutschen Ablegerns von „NoHateSpeech“ lesen, sei wichtig. Man dürfe HateSpeakern nicht die Bühne überlassen, müsse sie in die Ecke argumentieren, Counterspeech heißt das Wundermittel, mit dem gegen HateSpeech vorgegangen werden soll. Counterspeech wird als hoch-intellektuelles Unterfangen verkauft, was gut ankommt, kann man sich als Counterspeaker doch für intelligent halten, ganz ohne eigenes Zutun.

So listet die Amadeu-Antonio-Stiftung, die auch federführend hinter dem deutschen Auftritt von no-hate-speech.de steht, folgende Strategien der Counterspeech gegen HateSpeech:

  • Nachfragen nach Fakten;
  • Diskriminierung benennen;
  • Gegenargumentieren und auf Fehler in der Argumentation hinweisen;

Offensichtlich geht mit dem Counterspeech ein gewisser kognitiver Anspruch einher. So sind das Argumentieren und das Aufdecken von Fehlern anspruchsvolle Tätigkeiten, die eine gewisse Kenntnis von Fakten und logischen Fehlern voraussetzen, eine Kenntnis, auf die hin, wir uns die „Konter“, die man auf der Seite von no-hate-speech.de finden kann und die dazu dienen sollen, Hatespeech zu bekämpfen, angesehen haben.

Und in der Tat, wird sind fündig geworden:

Logische Fehler, aber kein Argument:

NoHate 1

Eine reductio ad absurdum, denn: wer Leute, die andere nicht leiden können, nicht leiden kann, kann sich nicht leiden, weil er jemand ist, der andere nicht leiden kann. An diesem logischen Fehler ändert auch die Einschränkung „nicht sonderlich“ nichts.

Beleidigung, aber kein Argument:

NoHate3

Für alle, die es nicht verstehen: Du bringst den Arsch in den Hass, damit soll, da „ass“ im Englischen auch als Kurzform für Asshole gilt, gesagt werden, dass derjenige, gegen den sich diese Form der Nicht-Argumentation richtet, ein Arschloch ist.

Biologismus als genetischer Fehlschluss, aber kein Argument:

NoHate4

Hass wird hier zum Essentialismus erklärt, zur angeborenen Disposition, an der nichts geändert werden kann. Wer einmal hast, der hast immer. Die entsprechende Argumentation, die eine Beobachtung oder ein Merkmal in unzulässiger Weise verallgemeinert, gilt in der Wissenschaft als Totalitarismus, hinter dem in der Regel eine autoritäre Persönlichkeit steht.

Rassismus und Sexismus, aber kein Argument

NoHate5

Unter den Bekämpfern von Hatespeech ist der Irrtum verbreitet, dass es nicht möglich ist, weiße Männer zu beleidigen oder gar mit Hate Speech zu überziehen. Entsprechend muss man konstatieren, dass die Szene von Rassismus durchtränkt ist, denn Rassismus macht nicht an der Hautfarbe halt, er liegt dann vor, wenn ein Merkmal (weiße Haut), manchmal auch zwei (weiße Haut und männlich) zur Grundlage von Vorurteilen (sind nicht nicht beleidigungsfähig und somit generell Täter) gemacht werden.

Die Gegenrede, wie wir sie bislang zusammengetragen haben, besteht somit aus logischen Fehlern, aus Beleidigungen, aus Essentialismus und aus Rassismus. Es findet sich nicht einmal die Spur eines Arguments, nicht einmal der Versuch, ein Argument zu machen. Insgesamt vermittelt die Kampagne den Eindruck eines kognitiven Regresses, den man unter Kindern als „Ätsch“ kennt oder als Versuch, das Gegenüber mit Grimassen zu traktieren, weil das Maß an kognitiver Entwicklung, das allein Argumentation möglich macht, nicht vorhanden ist.

Wenn das Ziel von no-hate-speech.de darin besteht, die Diskussion in den vorschulischen Bereich zu verlagern und auf Kita-Niveau zu führen, dann ist dieses Ziel hiermit erreicht und es bleibt anzufügen, dass die Infantilisierung des öffentlichen Diskurses und der Feldzug gegen Vernunft und Argumentation aus einer bestimmten ideologischen Ecke kommt, in der ausgeschlossen ist, dass HateSpeech aus der eigenen Ecke kommen kann. Noch ein Beispiel dafür, dass hier Dummheit am Werk ist, wie man sie bei Kindern erwarten muss, die noch keinerlei Erziehung, geschweige denn Bildung genossen haben.

NoHateGroups

Wenn der Kampf gegen HateSpeech einen kognitiven Regress in der beschriebenen Art voraussetzt, dann scheint uns HateSpeech das geringere Übel zu sein. Wenn das Ziel der NoHateSpeech Kampagne in Deutschland darin besteht, die Aktivisten gegen HateSpeech lächerlich zu machen, dann ist dieses Ziel hiermit erreicht. Dass es dadurch zunehmend unmöglich wird, ernste Probleme ernsthaft zu diskutieren, ist quasi der Kollateralschaden, der daraus resultiert, dass kognitiv Defizitäre sich in der Öffentlichkeit ausleben dürfen.

Da es sich bei der Kampagne um eine Youth Campaign handelt, sollten sich Eltern gegen diese Art der Verdummung ihrer Kinder zur Wehr setzen.


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Zu viel Demokratie ist schlecht für das dumme Volk

Die Zeit der Rabulisten ist angebrochen. Rabulisten verdrehen Tatsachen, versuchen durch Spitzfindigkeiten und Sophismen aller Art und durch Fehlschlüsse die eigene Position durchzusetzen.

WELT SchusterJacques Schuster übt sich in Rabulistik. Er tut dies in der WELT, und er tut dies, um den Deutschen die direkte Demokratie madig zu machen. Soll bloß niemand auf die Idee kommen, eine Volksabstimmung in Deutschland zu fordern.

Denn: “Das Grundproblem der Demokratie besteht darin, dass das Volk die Quelle aller öffentlichen Gewalt ist, aber diese nicht selbst ausüben kann“.

Diese These von Schuster, sie steht im zweiten Teil seines Beitrags und sie ist quasi der Höhepunkt der Sophisterei, ein Sprachtrick, der Eindeutigkeit vorgaukeln soll: Der Trick beginnt mit dem Volk, von dem Schuster weiter feststellt: „Es gibt kein Volk, außerhalb der Verfassung“. Und obwohl es außerhalb der Verfassung kein Volk gibt, wie Schuster meint, setzt sich das Volk (das es nicht gibt), „aus dir und mir, ihm und ihr zusammen. Alle Staatsbürger gehören dazu“, wie er wenig später zum Besten gibt

Also gibt es ein Volk, das es gibt, und es gibt ein Volk, das es nicht gibt. Das Volk das es gibt, das ist das konstituierte Volk, das sind die Parlamentarier im Parlament. Das Volk, das es nicht gibt, das sind wir alle, die wir Fleisch geworden sind, denn wir sind nur wir, nicht das konstituierte Volk.

Man fühlt sich an Catweazle erinnert, der in einen Telefonhörer wispert: Spirits, are you there?

Catweazle magic boneWas Schuster sagen will ist schnell gesagt: Wir alle, wir sind nicht in der Lage zu regieren. Wir sind zwar alle irgendwie ein Volk (oder auch nicht), aber was wir alle sagen, mit einfacher Mehrheit am Ende noch, das ist uninformiert und falsch. Informierte und richtige Entscheidungen kann nur das konstituierte Volk treffen, jenes Volk, das es in unserem täglichen Leben nicht gibt, sondern nur in seiner Inkarnation als Parlament: Das Parlament, voller Kompetenz und Qualifikation und „von Experten beraten“, wie Schuster weiß, „es war stets ein Motor der Freiheit oder ist doch immer dazu geworden“.

Wenn ein Parlament doch immer zum Motor der Freiheit geworden ist, dann kann es nicht stets der Motor der Freiheit gewesen sein. Was zeigt, Schuster erzählt Unsinn, wie Leute gewöhnlich Unsinn erzählen, die partout darauf aus sind, ihr Heil anderen als deren Erkenntnis unterzuschieben. Die Erkenntnis, die Schuster uns unterschieben will: Gäbe es in Deutschland Volksabstimmungen, dann wären deutsche Gesetze absurd, es gäbe eine Mehrheitsdiktatur und Deutschland hätte nie Wohlstand gesehen. Denn nur die Hochintelligenten im Parlament sind in der Lage, die Geschicke des Vaterlands in die richtige Richtung zu leiten, z.B. mit einer Zwangsfrauenquote für Unternehmen oder mit der Finanzierung der eigenen Vasallen in Parteistiftungen. Mit Recht befürchtet Schuster, dass es beide Formen des Nepotismus nicht gäbe, würde darüber in einer Volksabstimmung abgestimmt.

Aber die Volksabstimmung, sie ist dem deutschen Wesen fremd, wie Schuster herausarbeitet, wenn er ruft, „Kommt nicht immer mit der Schweiz. Sie hat eine andere Tradition“. Es ist derselbe Schuster der sich wenige Absätze weiter fragt: „Warum kam keiner der britischen Vertreter für das Plebiszit auf die Idee, vorher eine Zwei-Drittel-Mehrheit festzuschreiben“. Schuster! Komm uns nicht damit. Das Vereinigte Königreich hat eine andere Tradition. Seit Jahrhunderten gilt hier das einfache Mehrheitswahlrecht. Hast Du das nicht gewusst, oh Schuster?

Und damit sind wir doch wieder beim BREXIT, bei jenem Fiasko der deutschen Außenpolitik, die seit Jahrzehnten darauf abzielt, International- statt Nationalstaat zu werden. Am BREXIT kann man sehen, was passiert, wenn man die eigenen Bürger fragt, und an dem, was Schuster zum BREXIT zu schreiben hat, kann man sehen, dass Rabulistik aus Verdrehungen, Falschaussagen und logischen Fehlern besteht:

Der BREXIT war die Stunde der Possenreißer und Hetzer, so schreibt Schuster, und recht hat er. Zum Glück sind die Briten nicht auf europäische Possenreißer und Remain-Hetzer hereingefallen und haben für den BREXIT gestimmt. So hat er das nicht gemeint? Stimmt vermutlich! Schuster versucht, seine Bewertung seinen Lesern unterzuschieben. Einer der eher plumpen rhetorischen Tricks, die man billigen Managementbüchern entnehmen kann.

BREXIT_Referendum„Ein Teil der Bevölkerung wiederum ging an die Urnen und zog hinterher an die heimischen Computer, um zu googlen, was ‚EU‘ eigentlich bedeutet“, schreibt Schuster. Ach, diese dumme Bevölkerung, diese dummen Briten. Da stimmen sie ab und wissen gar nicht worüber. Da sieht man, dass man dem Volk, also uns allen, die wir nach seiner Ansicht das Volk gar nicht sind, keine Volksbefragung anvertrauen kann. Wir Dilettanten stimmen ab und wissen gar nicht worüber. Oder ist etwa Jacques Schuster der Dilettant, der Dumme [Eine Vermutung, die naheliegt, denn Schuster ist ja gar nicht im Parlament], der Dinge behauptet, die er aufgeschnappt hat und die falsch sind, wie z.B. die absurde Behauptung, viele Wähler wären nach der Wahl bei Google vorbeigegangen, um sich nach der EU zu erkundigen. Diese Falschmeldung ist eigentlich zu dumm, als dass man sie tatsächlich glauben kann, sofern man bei normalem Verstand ist.

Und schließlich zeige der BREXIT, dass das Volk die öffentliche Gewalt nicht ausüben könne. Warum? Na, weil das britische Volk falsch (also das Volk, das es nach Schuster gar nicht gibt, nur als Parlamentarier gibt) gewählt hat. BREXIT eben. Das war falsch. Konklusion Schusters: Volksabstimmung nicht brauchbar. Bewertung von uns: Klassischer Fehlschluss der Bejahung des Konsequens und zudem Ergebnis, des abermaligen Schusterschen Versuchs, seine Bewertung seinen Lesern unterzuschieben.

Und die Moral von der Geschicht‘: Diejenigen, die sich für Intellektuelle halten, für die Avantgarde des Volkes, diesem dummen Haufen von ihr alle, der keine Ahnung von den komplizierten Entscheidungen hat, vor denen die hochintelligenten und umfassend gebildeten Vertreter dieses dummen Volkes, die von diesem dummen Volk gewählt wurden, im Parlament stehen: Sie wissen Bescheid. Der Heiligenschein der Intelligenz, er umkränzt die Parlamentarier ab ihrem Übertritt in das Parlament, trennt sie von der Dummheit des Volkes, zu dem sie, wie Schuster ja ausdrücklich feststellt, doch gehören.

Sind sie erst einmal im Parlament, dann wird aus dem Studenten der Theaterwissenschaft, der es zwei Monate ausgehalten hat, ein Intelligenzbolzen, der selbst Einstein in den Schatten stellt und aus dem, der nie etwas gearbeitet hat, der Studium, Partei, Parlament als Karriereweg vorzuweisen hat, wird der allumfassend Erfahrene, der seinen Senf zu jedem Bereich des täglichen Lebens geben kann, eben weil er so erfahren ist. Es ist ein wahres Tabernakel der Magie, jenes Parlament, das noch dem Dümmsten den Glauben vermittelt, er sei besser qualifiziert, „komplexe Entscheidungen“ zu treffen als ein Busfahrer aus Mühlheim an der Ruhr.

Gesetze wie z.B. das Kriegsermächtigungsgesetz von 1914, das im deutschen Reichstag mit großer Mehrheit beschlossen wurde oder das Ermächtigungsgesetz von 1933, das vom deutschen Reichstag mit großer Mehrheit beschlossen wurde, oder die vielen kleinen Gesetzen und Entscheidungen zur Selbstbegünstigung des konstituierten Volkes, in der Sprache von Schuster, also zur Selbstbereicherung der Parteien und Parteivertreter, die im Bundestag versammelt sind, sie zeugen von diesen Qualifikationen. Manche dieser Selbstbereicherungspraktiken waren so krass, dass sie vom Bundesverfassungsgericht kassiert wurden, z.B. im Jahre 1966 als die Richter entschieden, das es mit dem „Grundsatz der freien und offenen Meinungs- und Willensbildung vom Volk zu den Staatsorganen“ nicht vereinbar sei, „den Parteien Zuschüsse aus Haushaltsmitteln des Bundes für ihre gesamte Tätigkeit“ zu gewähren und die „dauernde finanzielle Fürsorge für die Parteien zu einer Staatsaufgabe zu machen“ (BVerfGE 20: 56).

Aber dem Volk, also uns, die wir nicht das konstituierte Volk im Parlament sind, uns kann man nicht trauen.

Auf welchem Planeten oder von welchen Auftraggebern lebt eigentlich Herr Schuster? Aber er hat die Prügel, die er für seinen unsäglichen Beitrag ernten wird, ja vorhergesehen. Wie schreibt er zu Beginn seines Beitrags: „Kaum einer wagt es, seine grundsätzlichen Zweifel an der Volksabstimmung in die Debatte zu werfen“. Der Zeitgeist verhindere dies, so hat es ein anderer Geist dem Schuster eingegeben. Aber Schuster ist unbeirrt: „Hört endlich auf, den Irrsinn der direkten Demokratie für eine ernsthafte demokratische Alternative zu halten“, so schreit er seine Leser an.

Die rhetorischen Tricks sind so verstaubt, dass wir jetzt noch husten. In welchen schlechten Managementbüchern stehen sie? Sie müssen in derartiger Beraterliteratur stehen. Das belegt ihre Häufigkeit. Bei uns im Blog kommen sie des Öfteren in der Form: „Wetten, dass Sie diesen Kommentar nicht veröffentlichen?“ an. Wette gewonnen, sagen wir dann immer, und löschen den Kommentar. Bei Schuster kommt der alte Trick mit der falschen Frontstellung als Glorifizierung der eigenen Position daher: Alle intelligenten Deutschen sind feige, sagen nicht, was sie wirklich von Volksabstimmungen halten! Alle? Nein. In der Redaktion der WELT, im letzten Zimmer, gleich vor der Kaffeemaschine, da sitzt ein Held, ein Held, der immer seine Meinung sagt, der sich gegen den Zeitgeist ins Zeug wirft und schreit: „Hört auf mit diesem Irrsinn der direkten Demokratie!“

Nebenbei bemerkt, es gibt gar keine nennenswerte direkte Demokratie in Deutschland. An welche Volksabstimmung erinnern Sie sich? Welchen Politiker in Amt, der die Idee einer Volksabstimmung ernsthaft erwägen würde, kennen Sie? Uns scheint, der glorreiche Ritter von der rabulistischen Gestalt, der Jacques Schuster, er stürmt mit seinem Kriegsross eine zeitgeistliche Festung, die es gar nicht gibt. Zu keinem Zeitpunkt wurde von den Deutschen mehr verlangt, als dass sie ein Kreuz im Kreis hinter einer Partei machen und ansonsten die Klappe halten und über sich ergehen lassen, was aus der Halle der Erleuchteten, die Schuster euphemistisch das Parlament nennt, auf die Menschen niederkommt. Was auch immer auf sie niederkommt: Es ist zu ihrem besten, denn eines muss sich das Volk ein für alle Mal merken: das konstituierte Volk, also die Merkels, die Steinmeiers, die Becks, sie sind das wahre Volk und wissen besser, was für uns alle, die wir das falsche Volk sind, richtig ist. Herr Schuster hat es gesagt. Und wer würde an Jacques Schusters Wort zweifeln, am Wort dessen, der schon einmal in die Nähe des Heiligenscheins des deutschen Bundestags gekommen ist und dort aus dem Füllhorn der Erkenntnis getrunken hat (oder war es die Akkreditierungsliste des bezahlten Bekenntnisses?).

Der Platz auf der Akkreditierungsliste würde zumindest erklären, warum Schuster die Trommel für Totalitarismus rührt. Denn Demokratie kann es nur als Volkherrschaft geben. Alles, was mehr oder weniger davon abweicht, ist etwas anderes: Parlamentarismus, die Herrschaft derer, die wie auch immer in einem Parlament gelandet sind, ist eine mehr oder weniger große Abweichung von Demokratie. Die Angst derer, die sich dem Parlament nahe wähnen oder ihm angehören, vor einer Volksbefragung, sie ist daher ein Maß dafür, wie groß die Abweichung von Demokratie schon ist.


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Totalität von Fähigkeiten: Marxens Träume erleben eine Renaissance

Karl Marx„Sowie nämlich die Arbeit verteilt zu werden anfängt, hat jeder einen bestimmten, ausschließlichen Kreis der Tätigkeit, der im aufgedrängt wird, aus dem er nicht herauskann; er ist Jäger, Fischer, oder Hirt oder kritischer Kritiker, und muss es bleiben, wenn er nicht die Mittel zum Leben verlieren will – während in der kommunistischen Gesellschaft, wo jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und mir eben dadurch möglich macht, heut dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, auch das Essen zu kritisieren, ohne je Jäger, Fischer oder Hirt oder Kritiker zu werden, wie ich gerade Lust habe. Dieses Sichfestsetzen der sozialen Tätigkeit, diese Konsolidation unseres eigenen Produkts zu einer sachlichen Gewalt über uns, die unserer Kontrolle entwächst, unsere Erwartungen durchkreuzt, unsere Berechnungen zunichte macht, ist eines der Hauptmomente in der bisherigen geschichtlichen Entwicklung“ (Karl Marx; Deutsche Ideologie)

Die zitierte Stelle ist dem Teil des Manuskripts der Deutschen Ideologie entnommen, der Karl Marx zurechenbar ist. In ihm entwickelt Marx nicht nur in Fortführung einer Idee Fichtes – sein Konzept der Entfremdung. Er führt sie es auch zu Ende. Von Fichte stammt die Idee, dass dann, wenn Menschen miteinander agieren, sie etwas produzieren, das ein Eigenleben annimmt, das wiederum Herrschaft über die einzelnen erwirkt. Das Erzeugte unterjocht den Menschen, nimmt ihm seine Freiheit. Ein echter Fichte.

Doch zurück zum Zitat von Karl Marx. Das „Sichfestsetzen der sozialen Tätigkeit“, also der Arbeit, zu einer „sachlichen Gewalt“ über uns, wer nicht arbeiten geht, der hat nichts zu beißen, jedenfalls zu Marxens Zeiten war das so, mit einem Wort: die Entfremdung, sie muss durch die kommunistische Gesellschaft überwunden werden, in der keine Spezialisierung mehr stattfindet, keine Arbeitsteilung, in der alle alles tun oder lassen können, wonach ihnen gerade ist. Das nennt Marx die Totalität der Fähigkeiten. Betrachtet man die Materialisierungen dieses kommunistischen Hirngespinsts, dann muss man allerdings feststellen, dass es eher das „lassen können“ ist, das sich durchgesetzt hat: Die Erhöhung der Untätigkeit und Trägheit zur kollektiven Faulheit.

Unter Pfälzern gibt es ein geflügeltes Wort, das Aspiranten wie die, die im Kommunismus gebraucht werden, bezeichnet: Der kann alles, aber nix richtig.

Das Zitat von Marx hat nichts von seiner romantischen Wirkung, die es auf einfältige Gemüter ausübt, verloren. Beispiele dafür, wie Spezialisierung beseitigt, die Entfremdung durch Arbeit aufgehoben und eine glückliche, wenngleich verarmte Gesellschaft herbeigeführt werden soll, gibt es zuhauf: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, also die Work-Life-Balance, der Versuch, Teilzeitarbeit zu einem Ersatz für vollen Einsatz zu stilisieren, das bedingungslose Grundeinkommen, der Einzug von pädagogischen Konzepten, die nicht der Bildung oder Erziehung von Kindern dienen, sondern der ideologischen Selbstverwirklichung von Lehrern oder Erziehern, das sind alles Beispiele dafür, wie Marxens idealistische Spinnerei die Jahrhunderte überlebt hat und neue Höhen erklimmt.

„Idealismus,“ so hat Arnold Gehlen (1952: 350) geschrieben, „ist einer der tiefsten und am schwersten aufzudeckenden Irrtümer und er besteht zuletzt in dem Glauben, die Idealität, die allerdings im Menschen liegt, sei in der unmittelbaren Subjektivität lebbar“.

Sie ist es nicht. Und weil sie es nicht ist, scheitern kommunistische Systeme und gehen Gesellschaften zu Grunde, deren Mitglieder glauben, sie könnten Arbeitsteilung und Spezialisierung durch idealistische Spinnereien von Work-Life-Balance oder Teilzeitarbeit ersetzen.

Warum?

Gesellschaften leben von der Arbeitsteilung, wie man leicht feststellen kann, wenn man versucht, einen Tag ohne das Zutun Dritter zu überleben, also ohne den Lkw-Fahrer, der die Waren des Supermarktes ankarrt, ohne die Aushilfskraft, die die Waren einsortiert, ohne den Tankwart, der das Benzin bereitstellt, mit dem man das Auto, das vieler Hände Ergebnis ist, zum Supermarkt bewegt. Arbeitsteilung erhöht nicht nur die Effizienz und den Wohlstand einer Gesellschaft, sie erlaubt auch Spezialisierung. Manche können dies besser, andere jenes. Wer dies besser kann, erreicht durch Verfeinerung seiner Technik eine höhere Stückzahl und bessere Qualität, und vielleicht kann derjenige, der auf viel Erfahrung in der Herstellung von „dies“ zurückblicken kann, es sich irgendwann leisten, nur einen Teil des Tages für den Broterwerb aufzuwenden. Das kann er aber erst, wenn er sich die entsprechende Erfahrung angeeignet, sich erarbeitet hat. So ist das eben, ohne Fleiß kein Preis. So wie es ohne erfolgreichen Kapitalismus keinen Kommunismus geben kann, wie Marx wusste. Denn Träumerei kann man nur (für eine gewisse  Zeit) umsetzen, wenn es andere durch ihre Arbeit ermöglicht haben.


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AfD, Hitlergruß, Lügenpresse – Funkes Kausalkette

Ein Beispiel für Hauruck-Suggestion aus dem Tagesspiegel:

facepalm-Godzilla„Angebliche Fußballfans, die den Hitlergruß zeigen, die erste Strophe der Nationalhymne singen und „Lügenpresse“ rufen: Die fremdenfeindlichen Gesten von mutmaßlich Rechtsextremen auf der Fanmeile am Brandenburger Tor am Sonntag haben nach dem Sieg der DFB-Elf gegen die Ukraine einen faden Beigeschmack hinterlassen.

Nach Einschätzung von Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke sind die Vorfälle ohne Zweifel auf die rechten und islamfeindlichen Parolen von AfD und Pegida zurückzuführen. „Wir erleben seit knapp zwei Jahren eine Entfesselung der Ressentiments“, sagte der Politikwissenschaftler von der Freien Universität Berlin dem Tagesspiegel. Der radikale Flügel der AfD um Alexander Gauland und Björn Höcke sowie die Pegida-Bewegung hätten einen „ethnozentrischen und rassistischen Nährboden geschaffen“, der Fremdenfeindlichkeit ein stückweit salonfähig gemacht habe, so Funke weiter.“

Zunächst die Haurucksuggestion zur instrumentellen Konditierung der Empörungsbereiten:

  • Logik f dummiesKonditionierter Stimulus: Rechte zeigen Hitlergruß. Konditionierte Reaktion: Das macht man nicht. Das ist böse.
  • Konditionierter Stimulus: Rechte singen die erste Strophe der Nationalhymne. Konditionierte Reaktion: Das macht man nicht. Das ist böse.
  • Instrumenteller Stimulus: Rechte rufen: Lügenpresse.
  • Reaktion, die konditioniert werden soll: Das macht man nicht. Das ist böse.

Nach dem Stück Dachlatten-Behaviorismus dessen Abschluss aus einem satten Fehlschluss der Bejahung des Konsequens besteht, denn nicht jeder, der den Begriff Lügenpresse benutzt, ist ein Nazi, wäre dem so, der Tagesspiegel wäre ein Nazi-Blatt, kommt der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke mit seinem Anschlag auf alles, was Wissenschaftlichkeit darstellt, zu Wort.

Wissenschaft, das zur Erinnerung, hat zum Ziel fundiertes Wissen zu erreichen. Fundiertes Wissen besteht aus Aussagen über die Empirie, die empirisch geprüft wurden und sich dabei bestätigt haben. In der Wissenschaft unterscheidet man zwischen Aussagen, die einen Zusammenhang ausdrücken und solchen, die eine Kausalität beschreiben. Eine Zusammenhangsaussage wäre z.B.: Zwischen einem Interview von Hajo Funk im Tagesspiegel und einem Herzinfarkt bei einem Wissenschaftstheoretiker besteht ein Zusammenhang von r = .65. Ob Funke für den Herzinfrakt kausal ist, kann posthum nicht mehr festgestellt werden.

Um die Annahme einer Kausalität zwischen dem Interview von Funke und dem Herzinfarkt des Wissenschaftstheoretikers zu rechtfertigen, benötigt man eine theoretische Grundlage, z.B.: Der Wissenschaftstheoretiker hat sich immer sehr stark über angebliche Wissenschaftler, die in aller Öffentlichkeit ihre Ahnungslosigkeit über wissenschaftliche Methoden blosstellen, aufgeregt. Zuletzt hat er sich über Hajo Funke, der bar jeder methodischen Kenntnisse zu sein scheint, aufgeregt. Das war zuviel. Bestätigt sich die Kausalkette, dann hat Funke den Herzinfarkt zu verantworten, aber nur dann.

Schauen wir uns nun an, was Funke behauptet.

In Berlin haben Personen, die Funke nicht kennt, von denen er nichts weiß und von denen er nichts wissen kann und will, den Hitlergruß gezeigt, die falsche Strophe der Nationalhymne gesungen und Lügenpresse gesagt.

Dass sie das getan haben, hat seine Ursache nach Funke darin, dass es in Deutschland die AfD, Alexander Gauland, Björn Höcke und Pegida gibt. Sie alle haben mit „rechten und islamfeindlichen Parolen“ einen „ethnozentristischen und rassistischen Nährboden geschaffen.“

Die Kausalkette, die Funke da allen Erstes behauptet, sie lautet:

Gauland, Höcke, die AfD und Pegida skandieren rechte und islamfeindliche Parolen. Wenn Gauland, Höcke, die AfD und Pegida rechte und islamfeindliche Parolen skandieren, dann fallen die Parolen zu Boden und schaffen einen ethnozentrischen und rassistischen Nährboden, an dem sich wiederum Dritte gütlich tun, die Funke nicht kennt und nicht kennen will, die aber in Berlin den Hitlergruß zeigen und die falsche Strophe der deutschen Nationalhymne singen. Ach ja, und vor allem: Lügenpresse rufen.

Wer diesen Unsinn glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Und unserem Wissenschaftstheoretiker ist auch nicht mehr zu helfen, er ist am Unsinn verendet.

Er hat den Funke hinter sich.

Vielleicht sogar die bessere Option.


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Ungerechtigkeit in Deutschland – Der neue Klassenkampf

Gestern haben wir dargelegt, dass sich westliche Parteiensysteme derzeit wandeln. Es gibt eine neue Konfliktlinie, die zwischen denen verläuft, die Mehrwert produzieren und denen, die den produzierten Mehrwert verbrauchen. Um die Dimensionen dieser neuen Konfliktlinie, die man pointiert auch als neuen Klassenkampf zwischen Produktivkräften und der unproduktiven Mittelschicht bezeichnen könnte, deutlich zu machen, bringen wir in losen Abständen Beispiele für den neuen Gerechtigkeitskonflikt, der sich nicht nur in Deutschland findet.

Beginnen wir heute mit Andreas Büttner, einem Gas- und Wasserinstallateur in Berlin, dessen Namen wir erfunden haben. Die Ausbildung zum Anlagenmechaniker, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, sie dauert dreieinhalb Jahre. Die nachfolgende Tätigkeit ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, denn niemand will, dass ihm die neu installierte Heizungsanlage um die Ohren fliegt. Gleichzeitig ist der Nutzen der Ausbildung zum Anlagenmechaniker schnell zu sehen und zu spüren, vor allem im Winter.

Ein Gas- und Wasserinstallateur, der eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker hinter sich gebracht hat, verdient im Durchschnitt 2.480 Euro. Davon bleiben ihm nach Abzug von Steuern und Abgaben 1.641,45 Euro (Unser Anlagenmechaniker ist 31 Jahre alt und ledig). Rund 840 Euro werden Büttner abgezogen: 232 Euro Rentenversicherung, von denen er im Alter wenig haben wird (weil die Rentenversicherung eine negative Rendite für ihn erwirtschaftet), 209 Euro Krankenversicherung, mit denen er u.a. die Mitversicherung von Müttern und Kindern finanziert, und 308 Euro Lohnsteuer, die genutzt werden, um staatliche Bedienstete zu finanzieren.

Fritz Markus (fiktiver Name) ist ein solcher staatlicher Bediensteter. Er ist Hochschulabsolvent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Berliner Hochschule und verdient als lediger, 31-Jähriger rund 3.243,92 Euro brutto. Davon bleiben ihm nach Abzug der Steuern 1.971,79 Euro netto. Markus, der Hochschuldozent, verdient 331 Euro und somit 20% mehr als der Gas- und Wasserinstallateur Büttner, von dem wir bereits wissen, welcher Nutzen durch seine Tätigkeit entsteht.

Welcher Nutzen entsteht nun durch die Tätigkeit von Markus der an seiner Hochschule Seminare wie das folgende, bei dem es sich um ein Seminar handelt, das tatsächlich stattgefunden hat, hält?

weisse maenner„Die Geschichte der europäischen Ideen wurde von weißen Männern geschrieben. In ihr drückt sich nicht nur eine Abwertung und die Rechtfertigung der Unterdrückung von Frauen und Nichteuropäer*innen aus, sondern vor allem auch ein spezifisches Selbstbild, das untrennbar mit dem jeweiligen Begriff von Politik und Wissenschaft verbunden ist; der europäische Mann versteht sich als Einziger, der zu beidem wirklich fähig ist. So scheinen Politik und Wissenschaft wie für den europäischen Mann gemacht – und umgekehrt. Das Bild, das weiße Männer von sich selber gezeichnet haben, diente somit immer der Legitimation ihrer Herrschaft, von der Antike bis heute. Eine besondere Wendung erfuhr es während der Aufklärung: hier entwickelte sich die Vorstellung bürgerlicher autonomer Subjektivität, welche in ihrer Abstraktheit zunächst sowohl universell wie auch geschlechtslos erscheint. Die in der modernen Subjektvorstellung enthaltene männliche und weiße Norm bleibt durch diesen Schein verdeckt und unthematisiert – vielfach noch heute. Das Seminar will diese unsichtbare Norm europäischer Männlichkeit zum Thema machen. Dazu sollen ideengeschichtliche Texte von Platon bis Nietzsche auf die in ihnen enthaltenen Männlichkeits- und Europakonstruktionen hin gelesen und befragt werden, um die Wandlungen und Kontinuitäten dieser Selbstbilder herauszuarbeiten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Epoche der Aufklärung. Ebenso sollen auch postkoloniale und feministische Kritiken dieser Vorstellungen behandelt werden. Ein gleichzeitiger oder bereits abgeschlossener Besuch der Vorlesung ‚Politische Ideengeschichte‘ wird für eine gewinnbringende Teilnahme am Seminar empfohlen.“

Nach der Diktion, die sich unter Ideologen an Hochschulen durchgesetzt hat, handelt es sich bei Gas- und Wasserinstallateur Büttner um einen Bildungsfernen, denn er hat lediglich den Abschluss einer Hauptschule vorzuweisen. Dagegen ist Markus ein Bildungsnaher, der von Hochschulen aus eine intellektuelle Überlegenheit gegenüber Bürgern wie Büttner, die, wenn sie aus deren Sicht falsch wählen von akademisierten Beleidigern, zu Wutbürgern oder bösartigen Kleinbürgern erklärt werden, empfindet.

Wer von beiden, Büttner oder Markus produziert einen größeren gesellschaftlichen Nutzen? Wer von beiden wäre verzichtbar? Wer von beiden hat eigentlich keinerlei Grund, auf den jeweils anderen herunterzuschauen? Und wer von beiden, lebt prekär? Das sind Fragen an unsere Leser und Fragen, die sich auf den Gerechtigkeitskonflikt, der die Basis des neuen Klassenkampfes ist, beziehen.

Der neue Klassenkampf, er kann am Beispiel von Büttner und Markus personifiziert werden, denn Ersterer verdient nicht nur weniger als Letzterer, er zahlt auch Steuern, die genutzt werden, um Letzteren zu finanzieren. Der Nutzen der geringer entgoltenen Tätigkeit von Büttner ist – gemessen an allen denkbaren Größen – größer als der Nutzen der Tätigkeit von Markus. Dennoch wird das höhere Gehalt von Letzterem über die Steuern von Ersterem finanziert. Ist das gerecht? Deshalb gibt es einen neuen Klassenkampf in Deutschland, der sich in den letzten Wahlergebnissen niedergeschlagen hat.

Die Einkommensdaten stammen von Lohnspiegel.de bzw. aus den Gehaltstabellen für den öffentlichen Dienst des Landes Berlin.


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Recht auf Dummheit? Gender Studies Tag bei ScienceFiles

Manchmal traut man sich gar nicht, nach ein paar lazy days die Mailbox aufzurufen. Wir haben sehr viele aktive Leser… Ganz zu schweigen von unseren Korrespondenten, die sich mit Themen ihrer Vorliebe befassen, wie z.B. unser Peter Trier, der sich zum Professorinnenprogramm-Spezialisten entwickelt hat (dazu bald mehr). Allen, die uns regelmäßig oder ab und zu mit Informationen versorgen, gilt einmal mehr unser herzliches Dankeschön.

Ein Hinweis, der schon seit ein paar Tagen etwas Schimmel angesetzt hat, hat einen Beitrag in der taz zum Gegenstand. Eine Katja Sabisch, die an der Ruhr-Universität einen Le(e)(h)rstuhl [Unzutreffendes streichen] für Gender Studies besetzt, hat einen Beitrag unter der Überschrift „Hier wird Stimmung gemacht“ für die taz geschrieben. Wir haben den Beitrag gelesen und: Von Stimmung keine Spur. Von wegen, hier wird Stimmung gemacht. Ein leeres Versprechen. Statt Stimmung gibt es Gejammer. Statt dass etwas gemacht wird, wird etwas beklagt. Gendersita wie sie eben so sind, immer passiv, immer weinerlich, immer Opfer und immer an nichts schuld. Woran auch? Die machen ja nichts.

Nichts?

Fast nichts!

Denn: Sie machen Wissenschaft lächerlich. Z.B. nach der Methode Sabisch. Die Methode Sabisch besteht darin, gelehrt daher zu schwätzen, Worte zu gebrauchen, die gut und gelehrt klingen, Worte wie „Erkenntnistheorie“. Gender Studies so behauptet Sabisch, Gender Studies seien eine Erkenntnistheorie und als solche „mindestens so voraussetzungsvoll wie Astrophysik“. Voraussetzungsvoll soll bedeuten, dass nicht jeder Trottel Gender Studies betreiben kann, sondern nur wenige Eingeweihte, die die hohen Anforderungen, die mindestens so hoch sind, wie die für Astrophysik erfüllen. Er muss die Gender Studies Erkenntnistheorie beherrschen.

Die kennen Sie nicht, die Gender Studies Erkenntnistheorie?

Hier kommt Sie: „… der wissenschaftliche Blick [darf] nicht vor dem vermeintlich Natürlichen Halt machen“, denn: „alle Phänomene sind kulturell situiert“. Na, wie klingt das? Mehr? Sie haben es nicht anders gewollt: „Vielmehr werden sie [also alle Phänomene] mit bestimmten Bedeutungen aufgeladen, die historisch zwar variabel, aber sozial wirksam sind. Geschlecht ist daher immer noch ein gesellschaftlicher Platzanweiser“.

Das also ist die Erkenntnistheorie der Gender Studies: Phänomenen wird eine gesellschaftliche Bedeutung zugewiesen, die sich über Zeit ändert, aber [Warum aber?] sozial wirksam ist, und Geschlecht ist ein solcher gesellschaftlicher Platzanweiser, wie es z.B. Professor war, bevor es Gender Studies gab. Seither muss man differenzieren, zwischen richtigem Professor und Gender-Professor. Die Differenzierung beschreibt den Wandel und der Wandel, er ist sozial wirksam. Früher konnte man sagen: „Ich bin Professor“. Heute muss man sagen: „Ich bin Professor für Astrophysik“, um Mutmaßungen zuvor zukommen, Mutmaßungen, wie der, dass heute jeder Knilch Professor für irgendetwas Belangloses werden kann, etwas so Belangloses z.B. wie die Gender Studies, deren Erkenntnistheorie darin besteht, dass Begriffe soziale Konventionen sind, die eine soziale Bedeutung an Objekte und Phänomene herantragen.

Die Wissenschaft hat, nachdem es nur wenige Tausend Jahre her ist, dass u.a. Aristophanes auf diese Bedingtheit der Erkenntnis hingewiesen hat, geradezu darauf gewartet, dass Gender Studierte entdecken: „Hey, Begriffe haben eine Bedeutung und zuweilen eine soziale Bedeutung.“

Nun mag diese Erkenntnis im Einzelfall als großer intellektueller Durchbruch gefeiert werden, aber das macht aus der nachholenden Erkenntnis wissenschaftlicher Gemeinplätze keine Erkenntnistheorie. Warum nicht? Weil eine Erkenntnistheorie mehr ist, als eine Behauptung über etwas, wie Sabisch meint. Erkenntnistheorie beginnt da, wo eine Methode ersonnen wird, um für andere nachvollziehbar und überprüfbar zu begründen, warum Begriffe soziale Bedeutung tragen, woran man die soziale Bedeutung erkennt, wie man sie misst, wie man sie erklärt, wo sie relevant ist, und vor allem beginnt die Erkenntnistheorie da, wo der Gegenstand des Interesses von der Theorie über die Erkenntnismöglichkeiten getrennt wird. Zu behaupten, dass Begriffe sozial überformt sind, ist also keine Erkenntnistheorie, nicht einmal eine tiefgreifende Erkenntnis, sondern eine Trivialität:

Damit Katja Sabisch eine Idee davon erhält, was eine Erkenntnistheorie ist und was der Gegenstand einer Erkenntnistheorie ist, hier ein kurzer Beitrag, in dem Karl Raimund Popper seine Erkenntnistheorie beschreibt:

 

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An der Uni Jena werden „Objektivitäten“ bekämpft

„Look what I found!“, so der Anfang von ziemlich viel Hallo in der Redaktion, denn es ist uns ein Veranstaltungshinweis vom StuRa (wohl Studentenrat) der Uni Jena ins Postfach geweht:

“ Der Arbeitskreis Wissenschaftskritik & kritische Wissenschaft des StuRa der Uni Jena organisiert vom 03.-05.06.2016 eine studentische Tagung, um die Möglichkeiten kritischer Perspektiven in der Wissenschaft auszuloten.“

Kritische Wissenschaft und Kritik an der Praxis dessen, was Wissenschaft sein will, das ist unser Metier, und das nun auch schon seit etlichen Jahrzehnten. Ergo fühlen wir uns angesprochen.

Uni jenaInteresse ist geweckt, und was lesen wir weiter? Von einer „auf Leistung und Konkurrenz ausgerichteten Bologna-Universität“ lesen wir weiter. Welches Problem können Studenten vom StuRa wohl mit Leistung und Konkurrenz haben? Dass Studenten in die Lage versetzt werden, in einem bestimmten Fach etwas zu leisten, und zwar auf Grundlage ihrer Kenntnisse und ihres Wissens, das ist der Zweck einer Universität. Ginge es nicht um Leistung, man könnte die Universität schließen. Und Konkurrenz, nun, das ist ein Bestandteil der Conditio Humana: Wer Konkurrenz ablehnt, der hat wenig Menschliches vorzuweisen.

Was also stört die StuRas (klingt wie Stuka, die akademisierte Variante von Stuka, quasi ein intellektueller Stuka) daran, dass an Universitäten Leistung und Konkurrenz gefördert werden? Es stört sie, wie weiteres Lesen ergibt:

“die naturalisierenden, androzentristischen, eurozentristischen, verdinglichenden und affirmativen Tendenzen“ der herrschenden wissenschaftlichen Diskurse.

Bei so viel Kauderwelsch in Form von Adjektiven ist es immer sinnvoll, die Lateinizismen ins Deutsche zu übersetzen. Was die StuRas stört ist demnach die Verankerung von Diskursen in Behauptungen über deren Entsprechung mit der Realität (naturalisierend), der empirische Mann, der das Zentrum dieser Diskurse bildet (androzentristisch), der empirische Mann der in Europa wohnt, der das Zentrum dieser Diskurse bildet (eurozentristisch), der empirische Mann, der in Europa wohnt und verdinglicht wird und das Zentrum dieser Diskurse bildet, und die Zustimmung dazu, dass der empirische Mann, der in Europa wohnt, und verdinglicht wird, das Zentrum dieser Diskurse bildet (affirmativ).

Das also ist der Kern dessen, was die StuRas unter Wissenschaftskritik und kritischer Wissenschaft verstehen.

Uns scheint, die StuRas verstehen weder, was unter Wissenschaftskritik noch was unter kritischer Wissenschaft zu verstehen ist. Wissenschaftskritik hat nichts mit eingebildeten Entitäten wie dem hegemonialen weißen Mann, der den wissenschaftlichen Diskurs beherrscht, der auf Europa begrenzt, zu tun (dass die StuRas keine chinesischen oder arabischen Fachartikel lesen können, ist ihr Problem. Es hält sie kein weißer Mann davon ab, Chinesisch oder Arabisch zu lernen). Wissenschaftskritik hat etwas damit zu tun, dass ideologische Behauptungen, wie die, dass der hegemoniale weiße Mann den wissenschaftlichen Diskurs beherrscht und auf Europa begrenzen will, es an Universitäten schaffen konnten, wo Universitäten doch der Ort sein sollen, an dem Erkenntnis gewonnen und als Wissen gesammelt wird.

Logik der ForschungErkenntnis wiederum liegt dann vor, wenn Aussagen über die Wirklichkeit mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Wenn diese Aussagen in so allgemeiner Form vorliegen, dass daraus Vorhersagen über die Wirklichkeit gemacht werden können, die wiederum an dieser Wirklichkeit scheitern oder sich bewähren können, dann liegt Wissen, und zwar in Form einer Theorie vor. Das alles hat weder etwas mit dem Objekt von Wissenschaft, noch etwas mit dem, der Wissenschaft betreibt und schon gar nicht hat es etwas mit dem Ort, an dem Wissenschaft betrieben wird, zu tun.

Entsprechend hat das, was von den StuRas als Wissenschaftskritik oder gar als kritische Wissenschaft verkauft werden soll, absolut nichts mit dem einen oder dem anderen zu tun. Vielmehr sitzen die StuRas dem alten Missverständnis auf, die Kritische Schule aus Frankfurt, die Linke, weil sie in der Regel nicht wissen, was geschrieben wurde, bevor Habermas die Unverständlichkeit als Kriterium eingeführt hat, für sich in Anspruch nehmen, sei links und habe etwas mit Kritik zu tun. Hat sie nicht und ist sie nicht. Was kritische Wissenschaft ist, damit haben wir uns ausführlich in unserem Grundsatzprogramm auseinandergesetzt. Es sei den StuRas in der Hoffnung, dass man noch die ein oder andere graue Zelle erreichen kann, zur Lektüre empfohlen.

Triggerwarnung: Kritische Wissenschaft hat nichts mit hegemonialen, weißen Männern zu tun. Dafür viel mit einer Methode, und zwar der Methode, die Wissenschaft von Glauben und Mystik oder Metaphysik, wie Karl Raimund Popper gesagt hat, trennt. Insofern müssen wir noch eine Warnung nachschicken: Das Lesen unseres Grundsatzprogramms kann bei eingefleischten Ideologen zu Verärgerung und Verstörung führen und bei Personen, die nicht fest in ihrer Ideologie verankert sind, zu Zweifel. Gegen Zweifel, so weiß jeder Ideologe, ist kein Kraut gewachsen, weshalb wir jedem, der Ideologe bleiben will, von der Lektüre unseres Grundsatzprogramms abraten. In keinem Fall tragen wir die Folgen eines nachfolgenden Abfalls vom Glauben.

Übrigens sind „Student*innen aller Fachrichtungen (auch Naturwissenschaften)“ aufgerufen, an der studentischen Tagung teilzunehmen. Vor allem das „auch“ in der Klammer sagt eigentlich alles. Und schließlich ist die Tagung mit „Umkämpfte Objektivitäten“ überschrieben und das ist nun wirklich die größte Unsinn, denn Objektivitäten heißen deshalb Objektivitäten, weil sie objektiv gegeben sind (sonst sind es keine Objektivitäten). Entsprechend kann sie nur bekämpfen, wer nicht ganz dicht oder in der Wahrnehmung gestört ist.

 

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Rechte sind die neuen Juden: In der FAZ stürmert’s

Doktortitel für Juden. Wenn der Professor das arische Auge zudrückt. An der Universität Greifswald wurde ein Jude promoviert. Wusste der Professor davon? Seine eigene Vita lässt an einem Versehen zweifeln, hatte der Professor doch schon in der Vergangenheit Kontakt mit Juden.

So kann man sich Zeitungstexte vorstellen, die nach der Machtergreifung der Nazis in den Zeitungen des Deutschen Reiches erschienen sind, in denen sich die Journalisten gegenseitig mit Bücklingen und Anbiederungsversuchen an die neuen Machthaber überboten haben. Wer es nicht glaubt, der kann sich jederzeit in dem umfangreichen Werk von Ian Kershaw und vor allem in dessen Auswertungen der entsprechenden Gestapo-Dokumente für Würzburg kundig machen.

Heute sind bei Zeitungen natürlich keine Anbiederer und Bücklinge zu finden, denn heute leben wir in einer Demokratie. Deshalb liest sich Faschismus heute wie folgt:

„Doktortitel für Nazi. Wenn der Professor das rechte Auge zudrückt. An der Universität Greifswald wurde ein Jurist promoviert, der zuvor Sänger einer rechtsradikalen Band war. Wusste der Professor davon? Seine eigene Vita lässt an einem Versehen zweifeln.“

Jochen Zenthöfer ist für diesen Text in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verantwortlich, der sich nur graduell von Texten unterscheiden, die man auch im Stürmer von Julius Streicher hätte finden können. In diesem bemerkenswerten Dokument der in Deutschland immer weiter um sich greifenden Rechtsphobie, die mit einem Verlust rudimentärer kognitiver Funktionen einhergeht, reiht Zenthöfer nicht nur einen logischen Fehlschluss an den nächsten, er denunziert den von ihm namentlich genannten Professor Ralph Weber als zumindest Freund, wenn nicht Förderer von Nazis (früher wäre Weber wohl als Judenfreund beschimpft worden) und legt Universitäten nahe, Doktortitel nur noch nach einer Prüfung der Gesinnung des Doktoranden zu vergeben.

Deutschland 2016 oder Deutschland 1933?

Der Reihe nach.

Zenthöfer echauffiert sich darüber, dass ein 1984 geborener Promovend an der Universität Greifswald einen Doktortitel erhalten hat, der einst bei „Hassgesang“ Texte von sich gegeben hat, die, was den Sinn der darin verbreiteten Inhalte angeht, von dem, was man ansonsten aus Radios zugemutet bekommt, wenig abweichen. Aber Hassgesang zählt als Neonazi-Band, und deshalb ist der Unsinn in Textform von Hassgesang ein anderer Unsinn als z.B. der Unsinn, den „die Siffer“ so von sich geben.

Überhaupt scheint der Rechten-Hype, den Parteien, Politiker und von Steuerzahlern finanzierte Institutionen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung verbreiten, in Deutschland eine geistige Pogrom-Stimmung geschaffen zu haben, die es Journalisten, die gerne ihr Fähnchen in den Wind hängen, angeraten erscheinen lässt, sich auf die Seite der vermeintlich Guten zu schlagen und sich als Kämpfer gegen die bösen Rechten zu profilieren.

Die bösen Rechten, die Jochen Zenthöfer bekämpft, sie finden sich in Person des bereits genannten „Mannes“, von dem Zenthöfer nicht weiß, ob er das Gedankengut, das den Text seiner Lieder ausgemacht hat, noch teilt. Der Mann ist natürlich Maik Bunzel, der schon vor Jahren durch linke Netzwerke getrieben wurde, weil er eine Stelle als Proberichter am Amtsgericht Lichtenfels angetreten hatte.

Promoviert wurde Bunzel im Februar 2016:

Bunzel, Maik
Thema: Der privatärztliche Vergütungsanspruch gemäß der GOÄ im Spannungsfeld des medizinischen Fortschritts
Gutachter: Prof. Dr. jur. Ralph Weber, Prof. Dr. jur. Hans-Werner Eckert
Tag der mündlichen Prüfung: 23. Februar 2016

Ihm gilt jedoch nicht die Aufmerksamkeit von Zenthöfer. Er ist vielmehr damit beschäftigt, den Professor, der Bunzel promoviert hat, öffentlich zu diffamieren, namentlich. Die Verfehlungen des Professor Ralph Weber von der Universität Greifswald, die Zenthöfer auflistet, sind die folgenden:

  1. Weber hat gegen den Ausschluss von zwei NPD-Kandidaten von der Landratswahl 2008 protestiert – auf den Briefbögen der Universität Greifswald.
  2. Weber hat gegen das Verbot der Kleidung der Marke „Thor Steinar“ auf dem Campus der Uni Greifswald protestiert.
  3. Weber hat der ‚Jungen Freiheit‘ ein Interview gegeben.
  4. Weber hat vor Deutschen Burschenschaftlern einen Vortrag gehalten.
  5. Weber kandidiert für die AfD bei den Landtageswahlen in Mecklenburg-Vorpommern.
  6. Und natürlich: Weber hat Maik Bunzel, ehemals bei Hassgesang, promoviert.

Das sind gravierende Verfehlungen, wenn man die sehr enge Weltsicht von Zenthöfer teilt. Es ist mit Ausnahme des unter 1 genannten Vorfalls nicht der Rede wert, wenn man sich demokratischen Verfahrensweisen verpflichtet fühlt. Dass der Professor eine private Stellungnahme auf Papier der Universität Greifswald schreibt, vermutlich, um im titelgläubigen Deutschland seinen Ausführungen mit dem Briefkopf mehr Gewicht zu verleihen. ist ein Missbrauch seines Amtes, aber nichts Ungewöhnliches. Gerade in linken Netzwerken sollte das bekannt sein, da entsprechende Professoren regelmäßig mit ihrer Dienstbezeichnung offene Briefe unterschreiben.

Ansonsten sind die Anklagepunkte nur ein Zeugnis für die intellektuelle Öde, in der Zenthöfer leben muss. In dieser Öde gibt es nicht einmal eine Vorstellung davon, was ein Fehlschluss ad hominem ist. Dieser Fehlschluss liegt vor, wenn man das, was jemand sagt oder schreibt, wegen eines Merkmals, das in dessen Person begründet ist, ablehnt, sich also mit dem Gesagten gar nicht auseinandersetzt. Man kann den heute so beliebten Fehlschluss ad hominem auch als Rassismus der Gutmenschen bezeichnen, denken doch Personen wie Zenthöfer, es reiche aus, Nazi zu schreien, um Argumente vom Tisch zu wischen.

Das tut es aber nicht. Schon gar nicht an Universitäten. An Universitäten zählt die Leistung eines Studenten oder Promovenden, nicht seine Gesinnung. Bei Zeitungen, bei der FAZ mag dies anders sein, dort mag ein Journalist wegen seiner Gesinnung eingestellt oder entlassen werden. An Universitäten zählen nur Kenntnisse, Wissen und Fähigkeiten dessen, der sich z.B. als Doktor der Rechtswissenschaft qualifizieren will.

Insofern müsste man Ralph Weber eigentlich ein Denkmal setzen, denn er hält die Rationalität in einem Sumpf von Unsinn und Idiotie hoch und besteht darauf, dass die Leistung und nicht die Gesinnung an Universitäten bewertet wird. Das wiederum findet Zenthöfer nicht in Ordnung, und er wirbt ganz offen dafür, dass Universitäten ihre Promovenden nach Gesinnung aussuchen und Doktoranden, die zwar fachlich geeignet sind, die aber die falsche Gesinnung mitbringen, ablehnen, so wie das schon im Dritten Reich und in der DDR praktiziert wurde. Auf einen solchen Vorschlag muss man erst einmal kommen. Er ist nicht unbedingt naheliegend, macht aber deutlich, warum der Journalismus in Deutschland derzeit einen Niedergang erlebt: Offensichtlich wird nach Gesinnung ausgewählt und nicht nach Fähigkeit.

Logo Uni GreifswaldDas jämmerlichste Bild in dieser Geschichte aus 1933 oder 2016 liefert jedoch die Universität Greifswald ab, die sich – wohl auf Anfrage von Zenthöfer, „entsetzt zeigt“, dass sie (wer auch immer) „nun im Zuge einer Presseanfrage zur Kenntnis nehmen muss, dass kürzlich an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät ein medizinrechtliches Promotionsverfahren von einer Person abgeschlossen wurde, der laut Medienberichten rechtsextreme Äußerungen zugeschrieben werden …“. So ähnlich müssen sich Universitäten bzw. deren Verantwortliche im Jahre 1933 an die NSDAP angebiedert haben und so ähnlich werden sie im Dritten Reich die Sache der Wissenschaft verraten haben.

Hannah Arendts Banalität des Bösen, sie ist hier in Aktion zu bestaunen und dabei wird klar, dass es nicht Druck oder Zwang durch die Nazis waren, die z.B. deutsche Hochschulen in den Gleichschritt mit SA und SS gebracht haben, sondern deren Lust sich anzubiedern, die wiederum aus einer Rückgratlosigkeit gepaart mit intellektuellen Defiziten gespeist wird, die die Idee von Wissenschaft und den Zweck von Hochschulen hinter das eigene Bemühen, sich an die Machthaber anzubiedern, um dann, wenn der Lynchmob wieder gegen diejenigen loszieht, die gerade als falsch angesehen werden, gegen die heutigen Juden, auf der richtigen Seite zu stehen.

Wer das Buch von Richard J. Evans, „The Third Reich in Power“ und darin Kapitel 3 „Struggle Against the Intellect“ kennt, der hat ein Deja vu und weiß wirklich nicht mehr zu sagen, ob er 1933 oder 2016 lebt.

Die Herrschaft von Faschisten zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass Gesinnung ein Kriterium des gesellschaftlichen Aufstiegs ist. Wenn Zenthöfer fordert, den Zugang zu akademischen Titeln von der Gesinnung abhängig zu machen, offenbart er sich in gleicher Weise als Faschist, wie all diejenigen, die denken, man könne fachliche Qualifikation durch den Ruf „Nazi“ in Abrede stellen.

 

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Forscher der Uni Bonn: Wir züchten den neuen, nein: den richtigen Menschen

Falls Sie es noch nicht gewusst haben: Der moderne, der richtige Mensch ist prosozial. Prosozial zu sein ist wichtig, gut, richtig, denn: „[p]rosociality is a particularly important aspect of human personality and affects a wide range of economic decisions and outcomes“ (Kosse et al. 2015: 1). Prosozialität ist also richtig und wichtig. Warum? Ja, weil Prosozialität eben richtig und wichtig ist, Prosozialität, Sozialität eben – verstanden?

white mouseDie Erforschung von „Prosozialität“ ist das neueste Steckenpferd des Bonner Professors Armin Falk, der ansonsten dadurch auffällt, dass er hilflose Mäuschen im Namen der Sozialforschung ermordet (wohl eher ermorden lässt). Mit der Prosozialität hat er nun noch eine Schippe draufgelegt: Die Anleitung zur Züchtung des richtigen Menschen.

Und so geht’s (Im Folgenden stellen wir die Methode „Falk“ zur Bestimmung der Prosozialität vor. Sie kann hier nachgelesen werden.):

Schritt 1:

Also Liebe Leser, stellen Sie sich vor, sie haben sechs Goldbarren und müssen sich nunmehr dreimal hintereinander entscheiden, ob sie zwei Goldbarren für sich behalten oder einen Goldbarren behalten und einen an einen armen Menschen in Köln oder Stuttgart oder in Lome, Togo abgeben.

Wenn Sie sich dreimal hintereinander entscheiden, alle Goldbarren für sich selbst zu behalten, dann schreiben Sie sich jetzt bitte sechs Punkte gut. Wenn Sie sich entscheiden, dreimal zu teilen, dann schreiben Sie sich bitte keinen Punkt gut, und wenn Sie einmal so und zweimal anders entscheiden, egal wie, dann schreiben Sie sich 100 Punkte gut

Schritt 2:
Das ist einfach. Stimmen Sie den folgenden Aussagen zu oder nicht:

    • Anderen Menschen kann man trauen.
    • Andere Menschen haben gute Absichten mir gegenüber.
    • Man kann sich auf andere Menschen verlassen, auch wenn man sie nicht gut kennt.

Wenn Sie alle drei Fragen verneint haben, dann schreiben Sie sich bitte 6 Punkte gut, wenn sie alle drei Fragen bejaht haben, dann schreiben Sie sich 0 Punkte gut, und wenn Sie alterniert haben, wie auch immer, dann schreiben Sie sich 3000 Punkte gut.

Schritt 3:
Noch ein paar Fragen. Was meinen Sie, wie andere Sie einschätzen. Auch dieses Mal können sie einfach mit ja oder nein antworten:

        Wie werden Sie von anderen eingeschätzt?

      • Geht rücksichtsvoll mit den Gefühlen anderer um.
      • Teilt bereitwillig mit anderen.
      • Hilft, wenn jemand verletzt oder verärgert ist oder sich schlecht fühlt.
      • Ist nett zu anderen.
      • Bietet sich freiwillig an, um anderen zu helfen.

Wenn Sie fünfmal mit nein geantwortet haben, schreiben Sie sich bitte wieder 6 Punkte zu, wenn sie fünfmal mit ja geantwortet haben, dann schreiben Sie sich bitte 0 Punkte gut und wenn sie alterniert haben, dann schreiben sie sich dieses Mal 50000 Punkte zu.

Und nun addieren Sie die Punkte aus den drei Runden.

Ethik fuer dummiesDer korrekte, der neue Mensch, den die Bonner züchten wollen, er ist die glatte Null. Alle, die insgesamt 0 Punkte erreicht haben, sind optimal und dürfen sich freuen, denn ihnen bleibt die Umerziehung erspart. Alle, die 18 Punkte erreicht haben, sind asoziale Schweine, die den Zweck des Lebens nicht verstanden haben, denn der Zweck des Lebens, er besteht darin, sich wie Schritt 1 zeigt, als irrationaler Akteur zu erweisen, der mit Leuten teilt, die er nicht kennt, von denen er nichts weiß und die er anhand keiner Kriterien von anderen differenziert.

Als ein solcher irrationaler Akteur legen Sie keinen Wert auf Leistung, gehen davon aus, dass jeder Mensch gleichviel Anspruch auf ihren Goldbarren hat und machen entsprechend keinerlei Unterschiede. Sie sind ein wahrer Heiliger, der mit dem Raubmörder in gleicher Weise teilt, wie mit dem netten Typen von nebenan, der ihnen immer den Wasserkasten schleppt.

In Schritt zwei haben sie sich darüber hinaus als vertrauensseliger Naivi erwiesen, den man perfekt ausnehmen kann, von dem in keiner Weise Widerspruch oder gar Widerstand zu erwarten ist, wenn ihn sein Staat zum Teilen der Wohnung oder des Autos oder zur Abgabe seines kompletten Eigentums auffordert. Sie sind voller Vertrauen, dass es damit schon seine Richtigkeit haben wird. Bürger wie sie braucht das Land.

Schließlich haben Sie sich im dritten Schritt als wirklich Heiliger erwiesen, der kein ich kennt und dessen ganzes Leben aus dem Opfer des eigenen Daseins für andere besteht. Egal, welches Leiden die anderen haben, egal, welche Probleme andere drücken, Sie sind da und helfen, umsonst natürlich, in freiwilliger Selbstverpflichtung und im ehrenamtlichen Engagement. Sie sind nützlich, heilig und naiv.

Kurz: Der neue Mensch ist ein irrationaler, naiver Heiliger, der von anderen optimal ausgenutzt werden kann und sich perfekt instrumentalisieren lässt, weil er in seiner Heiligkeit nicht merkt, wenn man den Affen mit ihm macht. Das also ist er, der neue Mensch.

beakerUnd es gibt ihn bereits häufiger in den mittleren und höheren sozialen Schichten, so haben Falk und seine Kumpane herausgefunden. Nur in der Unterschicht, da hat man noch den eigenen Vorteil im Blick, ist rational und denkt man müsse Unterschiede zwischen Menschen machen, denn nicht alle Menschen sind gut und entsprechend kann man nicht allen Menschen trauen. Und zudem denken Unterschichtler, dass nicht jeder es verdient, geholfen zu bekommen, dass es Ausnutzer und Faulenzer gibt, die sich auf Kosten anderer, anderer Naiver ein gutes Leben verschaffen wollen, am besten ohne Arbeit und hinter einem Schreibtisch in einem Amt, in dem man über die Unterschicht wachen kann.

Aber, auch das haben Falk und seine Kumpane herausgefunden, der Unterschicht kann geholfen werden. Werden Kinder bereits in der Grundschule in ein Mentorenprogramm gesteckt, dann entwickeln sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit zum richtigen Menschen, zum neuen Menschen, den Falk und Kumpane gerne züchten wollen: Sie erinnern sich, der irrationale, vertrauensselige, heilige Depp, den man so trefflich ausnutzen kann.

Entsprechend lautet die Auflösung unseres kleinen Experiments:

    • 0 Punkte – Bei Ihnen ist jede Hoffnung verloren. Sie sind schon der richtige Mensch, der Zombie der Moderne.
    • 18 Punkte – Sie gehören zum rationalen Widerstand, zum Kreis derer, die noch wissen, dass es Unterschiede zwischen Menschen gibt.
    • mehr als 100, 3000 oder 50000 Punkte, es besteht noch Hoffnung für Sie, aber die Hoffnung sie schwindet mit der Höhe der Punktzahl.

Es wird niemanden verwundern, dass die Mitglieder der ScienceFiles-Redaktion, wohl geprägt von ihrer Herkunft aus der Arbeiterschicht, alle zu denen gehören, für die keine Hoffnung mehr besteht, zum richtigen Menschen wie Armin Falk ihn will, zu werden. Prosozialität ist bei uns dem Realismus gewichen: Wir sind der rationale Widerstand!

Wer sich dafür interessiert, wie Armin Falk und seine Kumpane Grundschulkinder manipulieren und für ihre politisch-korrekte Anbiederungsforschung missbrauchen, der kann sich hier davon überzeugen, dass es keine Ethikkommission gegeben hat, die dem Missbrauch an Grundschulkindern einen wie auch immer gearteten Riegel vorgeschoben hätte.

Kosse, Fabian, Deckers, Thomas, Schildberg-Hörisch, Hannah & Falk, Armin (2015). The Formation of Prosociality: Causal Evidence on the Role of Social Environment.

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