Aggressiv und unterwürfig: Was Links- und Rechtsextremisten auszeichnet

Teil 2 der ScienceFiles-Serie:

Eineiige Zwillinge: Was unterscheidet „Rechte“ von „Linken“?

Antworten aus neueren empirischen Studien

Systematische sozialwissenschaftliche Extremismusforschung gibt es seit den 1950er-Jahren und kann zu einem großen Teil als Reaktion auf das nationalsozialistische Regime in Deutschland bzw. den Zweiten Weltkrieg gelten. Sie war von Anfang an stark geprägt von der Beschreibung der sogenannten autoritären Persönichkeit, die Theodor W. Adorno et al. im Jahr 1950 vorgelegt hatten. Adorno hat über diese Studie später geschrieben:

Studien Adorno„Our intention, similar to that of psychoanalysis, was to determine present opinions and dispositions. We were interested in the fascist potential. In order to be able to work against that potential, we also incorporated into the investigation, as far as was possible, the genetic dimension, that is, the emerging of the authoritarian personality” (Adorno 1998: 235; Hervorhebungen im Original).

Die autoritäre bzw. faschistische Persönlichkeit wurde durch Adorno und Kollegen mit Hilfe der sogenannten F-Skala – das „F“ steht für „fascist“ oder „fascism“ bzw. „Faschismus“ – identifiziert, und sie zeichnet sich aus durch: Konventionalismus, Unterwerfung unter (idealisierte) Autoritäten, Aggression gegenüber Menschen, die konventionelle Normen überschreiten oder sich Autoritäten nicht unterwerfen (wollen), Anti-Intrazeption, soll heißen: die Abwehr alles Nach-Innen-Gewandten wie Sensibilität oder Phantasie, durch Aberglaube und stereotypes Denken, ein Denken in Dimensionen von Macht und Herrschaft und die Demonstration des Ichs als stark und robust, durch Destruktivität und Zynismus, durch Projektivität, d.h. die Projektion unbewusster, den Trieben entstammender Impulse auf die Außenwelt, und durch eine übertriebene Beschäftigung mit Sexualität (Adorno et al. 1950; eine kurze, aber informative, Zusammenfassung bietet Nelson 2007).

Obwohl es schon seit (und in) den 1950er-Jahren einzelne Forscher – allen voran Eysenck (1954) und Rokeach (1960) – gab, die darauf hinwiesen, dass es Extremisten auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums gab, die also eher „… ideological structure rather than content” (Rokeach 1960: 6) betonten, war die Extremismusforschung bis vor sehr kurzer Zeit in der Regel tatsächlich keine Extremismusforschung, sondern eine Forschung über Rechtsextremismus oder genauer: über rechtsextreme Einstellungen. Die Einstellungen, die als mit Rechtsextremismus verbunden betrachtet wurden, wurden gleichzeitig als Ausdruck problematischer Persönlichkeitsstrukturen oder als Ergebnisse mangelhafter oder problematischer psychologischer Prozesse angesehen, aber gewöhnlich wurde beides, politische Einstellungen oder Einstellungen zu gesellschaftspolitisch relevanten Fragen und Persönlichkeitsmerkmale, nicht unabhängig voneinander gemessen (ganz so, wie auch die F-Skala Adorno und Kollegen dazu diente, lediglich das „faschistische Potenzial“ zu messen, das sie aus dem Vorhandensein bestimmter Persönlichkeitsmerkmale (eben der autoritören Persönlichkeit) ableiteten).

Bis heute ist diese Praxis weit verbreitet. Was sich verändert hat, ist, dass immer mehr Forscher die Vorstellungen von Eysenck und Rokeach & Hanley aufnehmen und sich dementsprechend für die Vorstellung öffnen, dass rechts- und linksextreme Persönlichkeitsmerkmale teilen, die sie von Nicht-Extremen Personen (gleich, welcher politischer Orientierung) unterscheiden.

Drei dieser Forscher sind Alain Van Hiel, Bart Duriez und Malgorzata Kossowska, die im Jahr 2006 einen Bericht veröffentlicht haben, in dem sie über ihre Studienergebnisse zu der Frage „[…] are [there] any „true left-wing authoritarians‘ among the adherents of the various ideological groups [?]“ (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 785) und die Frage nach dem Verhältnis zwischen „left-wing authoritarianism (LWA)“ und „right-wing authoritarianism (RWA)“ (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 769) berichten.

Hitler in LandsbergZur Beantwortung dieser Fragen entwickelten die Autoren zunächst eine eigene Skala zur Messung von Linksextremismus mit insgesamt acht Aussagen, zu denen die Befragten auf einer Fünf-Punkte(-Likert-)Skala Stellung nehmen können. Vier der Aussagen sollten die Aggressionsdimension von (hier: Links-/)Extremismus messen, die anderen vier die Unterwerfungsdimension von (hier: Links-/)Extremismus. Zur Messung von Rechtsextemismus verwendeten die Autoren eine elf Aussagen umfassende Skala, der sie ihre Linksextremismus-Skala zugrundlegten, aber dort, wo sich Aussagen in der Linksextremismus-Skala auf „das Establishment“ bezogen, Substantive einsetzen, die für Rechtsextreme als typisch geltende Fremdgruppen bezeichnen, also „linke Revolutionäre“ oder „Anarchisten“. Auf diese Weise haben Van Hiel, Duriez und Kossowska eine für Links- und Rechtsextreme annähernd äquivalente Skala entworfen. Darüber hinaus haben die Autoren eine Skala zur Messung von „Right-wing Authoritarianism (RWA)” (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 777) verwendet, die von Altemeyer (1981) formuliert wurde und elf Aussagen umfasst.

Die Qualität der von den Autoren selbst entwickelten Skalen wurden anhand einer flämischen Stichprobe von 208 „ordinary voters” getestet, die von Studenten der Politikwissenschaft rekrutiert wurden, indem die Studenten Erwachsene in ihrer Nachbarschaft um Teilnahme an der Studie baten. Diese Stichprobe diente also allein dazu, die Reliabilität der neu entwickelten Skalen zu testen, d.h. zu testen, inwieweit die Skalen zuverlässige Messungen erbringen (weshalb mit Bezug auf die Zusammensetzung der Stichprobe lediglich sicherzustellen war, dass sie heterogen ist). Mit Werten für Cronbachs alpha von .77 und .76 erwies sich die Zuverlässigkeit der Skalen zur Messung von Links- und für Rechtsextremismus als akzeptabel.

Weil bei der Befragung der „ordinary voters“ auch die neu geschaffene Skala zur Messung von Rechtsextremismus Skala zur Messung von „Right-wing Authoritarianism von Altemeyer vorgelegt wurde, war es möglich, den Zusammenhang zwischen dieser Skala und der neu geschaffenene Skala zur Messung von Rechtsextremismus zu überprüfen. Im Ergebnis zeigte sich, dass diese beiden Skalen statistisch stark miteinander korrelierten, was wiederum die Vermutung nahelegt, dass „… our LWA items sufficiently tap the authoritarianism concept“ (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 780)“, also „Autoritarismus“ durch die von den Autoren neu geschaffenenen Skalen zur Messung von Links- und Rechtsextremismus mit den beiden Dimensionen „Aggression“ und „Unterwerfung“ erfasst wird.

Weil in der Stichprobe der „ordinary voters“ keine Personen gefunden werden konnten, die auf der Linksextremismus-Skala (bei einem Mittelpunkt von 3.0) einen höheren Testscore als 3.38 aufwiesen, und weil diese Skala nur als Gesamtskala zuverlässige Messergebnisse erbrachte, aber nicht für die Dimensionen „Aggression“ und „Unterwerfung“ getrennt betrachtet, führten Van Hiel, Duriez und Kossowska eine zweite Untersuchung anhand einer anderen Stichprobe durch. Wieder wurden „ordinary voters“ auf die oben beschriebene Weise rekrutiert – diesmal waren es 264 –, aber zusätzlich wurden nun 69 politische Aktivisten rekrutiert. Sie waren „… militants of various political movements“ (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 782): 20 Kommunisten, von denen vierzehn der stalinistischen “Partij Van De Arbeid” (PVDA) angehörten und sechs der neo-marxistischen Kommunistischen Partei, 21 Anarchisten, die sich selbst als solche bezeichneten und in der anarchistischen Bewegung aktiv waren, elf Unterstützer des als rechtsextrem eingestuften „Vlaams Blok“ und 17 „Moderate“, die verschiedenen Parteien (den Christdemokraten, Sozialisten, Gründen …) angehörten.

Es zeigte sich, dass „… the total LWA scale is internally consistent. However, the aggression and submission facet scales can be used as valid indicators in the political activist sample, but not in the voter sample”. Während in der Stichprobe der “ordinary voters” wieder keine Linksextremen identifiziert werden konnten, war das in der Stichprobe der politischen Aktivisten der Fall: die Kommunisten hatten statistisch signifikant höhere Testwerte auf der Linksextremismus-Skala als Anarchisten, die ihrerseits statistisch signifikant höhere Testwerte auf dieser Skala erreichten als die anderen Gruppen politischer Aktivisten (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 785). Bei getrennter Betrachtung der Dimensionen der Linksextremismus-Skala, „Aggression“ und „Unterwerfung“, zeigte sich, dass Kommunisten statistisch signifkant höhere Testwerte als Moderate und Rechtsextreme auf beiden Dimensionen erreichten.

Echte linksextreme Autoritäre konnten die Autoren unter den Kommunisten und den Anarchisten identifizieren: von den 20 Kommunisten waren es dreizehn, die Testwerte oberhalb des Mittelpunktes der Linksextremismus-Skala erreichten, von den 21 Anarchisten erreichten sechs Personen Testwerte oberhalb des Mittelpunktes der Linksextremismus-Skala. „In sharp contrast, not one single left-wing authoritarian was detected among the 16 moderates and the 11 right-wing extremists. However, rather surprisingly, six participants in these groups obtained a score equal to or higher than 3.00 for the submission facet scale” (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 785-786).

Die Frage“… are [there] any „true left-wing authoritarians‘ among the adherents of the various ideological groups [?]“ (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 785) müssen die Autoren aufgrund ihrer Daten also positiv beantworten: „It has been shown that LWA does exist and should not be considered a myth, …” (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 789).

StalinZwar beeilen sich die Autoren zu betonen, dass „…these results also make it clear that the presence of LWA in Western societies seems to be limited to very specific political movements that do not elicit much support in the mass public. As such, LWA is a marginal phenomenon in political life that is not easily found in convenience samples. Moreover, some left-wing extremists (6 out of 20) did not obtain score higher than the neutral point indicating that even among left-wing extremists there are a number of nonauthoritarians” (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 787), aber inwieweit sich dasselbe auf der Basis ihrer Daten mit Bezug auf Rechtsextemismus sagen lässt, berichten die Autoren nicht. Und weil – wie die Autoren selbst festhalten – gilt: “… almost by definition, “extremists” are not that numerous and they have also been reported to be unwilling to participate in empirical studies as well …” (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 791), müsste man es als methodischen Fehler werten, wenn Rechtsextreme in den Stichproben der Autoren oder anderen Stichproben nicht ebenso selten wären wie Linksextreme.

Was die zweite Frage nach dem Zusammenhang zwischen Links- und Rechtsextremismus betrifft, so halten die Autoren fest: „One of the most disturbing findings in the present voter samples as well as in Altemeyer (1996) is the positive correlation between LWA and RWA“ (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 790; Hervorhebung d.d.A.), die mit r = .22 (p ˂ .001) statistisch betrachtet zwar als nur schwache Korrelation gelten kann, aber für all diejenigen bestürzend sein muss, die meinten, Links- und Rechtsextermismus hätten nichts gemeinsam, oder sogar, dass es unter „ganz normalen Wählern“ schlicht keinen Linksextremismus geben könne, sondern nur Rechtsextremismus, der angeblich in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei (und dann gar kein Extremismus im quantitativen Sinn wäre).

Die gleichzeitige Beobachtung der Autoren, nach der in der Stichprobe der politischen Aktivisten ein mittelstarker negativer Zusammenhang zwischen Links- und Rechtsextremismus (r = -.45, p ˂ .001) bestand, legt die Vermutung nahe, dass Links- wie Rechtsextremismus gleichermaßen auf eine autoritäre Persönlichkeit und auf vorhandene Aggressionsbereitschaft aufsetzen und erst in aktivistischen Netzwerken und durch entsprechende Schulung Inhaltlich (in mehr oder weniger entgegengesetzte Richtungen) geformt werden.

Dafür, dass diese Vermutung zutrifft, spricht auch, dass die Autoren feststellten, dass in der Aktivisten-Stichprobe eine starke Korrelation zwischen Linksextremismus und wirtschaftlicher Progressivität, die ebenfalls anhand einer Skala gemessen wurde, bestand, aber nicht in der Stichprobe der „ordinary voters“ (Van Hiel, Duriez & Kossowska 2006: 787).

Literatur:

Adorno, Theodor W., 1998: Critical Models: Interventions and Catchwords. New York: Columbia University Press.

Adorno, Theodor W., Frenkel-Brunswik, Else, Levinson, Daniel J. & Nevitt, Sanford, 1950: The Authoritarian Personality. New York: Harper & Brothers.

Altemeyer, Bob, 1981: Right-Wing Authoritarianism. Winnipeg: University of Manitoba Press.

Eysenck, Hans J., 1954: The Psychology of Politics. London: Routledge & Kegan Paul.

Nelson, Noelle M., 2007: Authoritarian Personality. In: Baumeister, Roy F. & Vohs, Kathleen D. (eds.): Encyclopedia of Social Psychology, Volume 1.Thousand Oaks: Sage, pp. 81-83.

Rokeach, Milton, 1960: The Open and Closed Mind: Investigations into the Nature of Belief Systems and Personality Systems. New York: Basic Books.

Van Hiel, Alain, Duriez, Bart & Kossowska, Malgorzata, 2006: The Presence of Left-Wing Authoritarianism in Western Europe and Its Relationship with Conservative Ideology. Political Psychology 27(5): 769-293.

Teil 1 der Reihe: Eineiige Zwillinge: Was unterscheidet „Rechte“ von „Linken“

©Heike Diefenbach, 2017; ScienceFiles


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

Studie: Universitätsangehörige – linksextrem, prekär-neidisch und Deutsche hassend

Um die Überzeugung zu bestätigen, dass die Angehörigen deutscher Universitäten, also diejenigen, die ihr Brot in öffentlichen Anstalten verdienen müssen, linksextrem sind, aufgrund der schlechten Bezahlung in prekären Verhältnissen leben und deshalb neidisch auf neoliberal Erfolgreiche blicken und ansonsten Deutsche, vor allem weiße Deutsche hassen, haben wir eine Studie konzipiert, die im Design exakt der Studie „Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland“ folgt.

Diese vom Institut für Demokratieforschung durchgeführte Studie war überaus erfolgreich im Versuch, die Überzeugungen der Wissenschaftler, die die Studie durchgeführt haben, anderen unterzuschieben und als deren Überzeugungen zu verkaufen, und zwar an die Bundesbeauftrage für die neuen Bundesländern, deren nicht vorhandene Kenntnisse in empirischer Sozialforschung sie zu einem lohnenden Ziel macht, wenn es um die Finanzierung von Überzeugungsfinder Studien geht.

Da wir einen Betrag in mehrstelliger Höhe vorgestreckt haben, um unsere Studie zu konzipieren, hoffen wir, von der Bundesbeauftragten refinanziert zu werden, denn unsere Studie produziert mit Sicherheit genauso wertvolle und weitreichende Ergebnisse wie die der Göttinger.

greenberg414Um die oben genannte Überzeugung zu bestätigen gehen wir wie die Göttinger von Überlegungen aus, die Quent (2015) einst angestellt hat. Die Überlegungen sind in die Unterscheidung von drei Analyseebenen gemündet, die so allgemein und nichtssagend sind, dass sie sich hervorragend für Studien eignen, deren Ziel darin besteht, die Überzeugung der Forscher zu bestätigen. Entsprechend unterscheiden wir mit Quent zwischen A) Kontextfaktoren, das ist alles, was um uns und alle anderen herum ist, B) Angebotsstrukturen des organisierten Linksextremismus, das ist alles, was es gibt, um Linksextremismus (be)lohnend zu machen, also z.B. Hartz IV, Bafög, Fördergelder vom BMFSFJ usw. und C) linksextreme Geländegewinne, worunter Manifestationen des Linksextremismus an Universitäten zu verstehen sind, also Manifestationen wie die Asten der Hochschulen, die Juso-Hochschulgruppen, Gender Studies Lehrstühle und dergleichen.

Als Kontextfaktoren erheben wir die Einstellung der Bevölkerung zu linksextremen Forschungsergebnissen, wie sie regelmäßig von Mitarbeitern der Hochschulen im Rahmen der Legitimationsforschung für Ministerien veröffentlicht werden. Als Angebotsstrukturen des Linksextremismus untersuchen wir die vielfältigen Möglichkeiten, den politisch-linksextremen Kampf an Universitäten auf Kosten von Steuerzahlern zu führen sowie die Verbreitung organisierter linksextremer Strukturen in AStA und politischen Hochschulgruppen, sowie deren Vernetzung ins linksextreme Unterstützerfeld der Parteien von Grünen und LINKE sowie in die Hausbesetzer und Molotowbauerszene. Schließlich analysieren wir die Geländegewinne als Provokationsgewinne und als Räumungsgewinne. Erstere sind gegeben, wenn Studenten (noch) nicht linksextreme Professoren überwachen, deren Veranstaltungen stören, die Professoren denunzieren und ihre Autos anzünden. Letztere sind gegeben, wenn die Angebote von wissenschaftlichen Veranstaltungen an Hochschulen verschwinden und von Ideologien wie Genderismus und Sozialismus ersetzt werden.

Um unsere Überzeugung zu bestätigen, wenden wir exakt dasselbe Forschungsdesign an, das auch die Forscher der Universität Göttingen angewendet haben. Da sie mit diesem Design eine öffentliche Finanzierung erreicht haben, rechnen wir uns auch gute Chancen aus, finanziert zu werden.

Demnach führen wir Experteninterviews mit Personen, die sich im Hinblick auf die Linksextreme Szene auskennen, wir führen Fokus-Gruppen Diskussionen durch, analysieren Material und nutzen das Mittel der teilnehmenden Beobachtung, um linksextreme Strukturen an Hochschulen aufzudecken.

Die Experteninterviews, also die, mit Personen, die sich in der Linksextremen Szene auskennen und sie gemäß unserer Überzeugungen, die wir – wie dies in der Göttinger Studie auch der Fall war – bestätigt haben wollen, bewerten, führen wir mit:

  • Abgeordneten der AfD im Abgeordnetenhaus von Berlin;
  • Mitgliedern der Identitären Bewegung;
  • Aussteigern aus der Linksextremen Szene;
  • Arbeitsberatern der Jobcenter;
  • Mitgliedern der NPD;
  • Polizeibeamten, die anonym bleiben wollen, weil sie befürchten, dass ihre Wohnungen von der Antifa zerstört werden;
  • Den Zeugen Jehovas;
  • Dem Verein für die Erhaltung der deutschen Sprache;
  • Experten, die beim Landeskriminalamt in führender Stellung sind;
  • Dem Kollegen im Zimmer nebenan, der schon einmal über Linksextremismus gearbeitet hat;
  • und Horst Mahler, der kein Problem hat, namentlich genannt zu werden

durch.

Für die Fokusgruppen rekrutieren wir Dozenten der Alice-Solomon Hochschule und der Humboldt-Universität zu Berlin, sowie Dozenten von einem Lehrstuhl an der Hochschule Merseburg, der vom BMBF finanziert wird, aber ebenso wie alle anderen Teilnehmer anonym bleiben will. Insgesamt rekrutieren wir bis zu 8 Mitglieder pro Fokusgruppe. Die Kriterien, nach denen wir die Teilnehmer ausgewählt haben, bleiben ebenso anonym, wie sie das in der Göttinger Studie geblieben sind.

Teilnehmende Beobachtungen finden statt

  • in Szenekneipen in Berlin;
  • in Berlin Kreuzberg;
  • bei Veranstaltung der HU-Berlin;
  • bei Veranstaltungen an der Alice Solomon Hochschule;
  • bei Sitzungen der Fakultätsräte an beiden Hochschulen;
  • bei Studentenparlamenten beider Hochschulen;
  • auf Berliner Arbeitsämtern;
  • in der ewigen Studierberatung;
  • in Vorstandssitzungen der Unterbezirke der SPD;
  • in der Hausbesetzerszene;

Linksextremismus, prekariat, Neid und DeutschenhassWas wir von der teilnehmenden Beobachtung lernen, wissen wir ebenso wenig wie die Göttinger Forscher. Ob wir überhaupt etwas lernen, ist eine Frage, die wir nicht beantworten können und wollen. But, Hey, It’s fun.

Schließlich analysieren wir Material, irgendwelches Material, das wir u.a. auf Blogs wie Pi-News, Tichy’s Einblicke und in den Akten des Nationalsozialistischen Untergrunds finden werden, um unsere Überzeugung, nach der die Angehörigen deutscher Universitäten, also diejenigen, die ihr Brot in öffentlichen Anstalten verdienen müssen, linksextrem sind, aufgrund der schlechten Bezahlung in prekären Verhältnissen leben und deshalb neidisch auf neoliberal Erfolgreiche blicken und ansonsten Deutsche, vor allem weiße Deutsche hassen, zu bestätigen.

Die auf diese Weise gesammelten Daten werten wir mit dem Programm „Conviction-Finder“ nach der No-Methods Methode aus, um auf diese Weise sicherzustellen, dass am Ende auch die Überzeugung herauskommt, von der wir wissen, dass sie am Ende herauskommen wird. Die Ergebnisse, die durch die Interviews und Fokus-Gruppen-Diskussionen an den beiden Berliner Hochschulen und dem Lehrstuhl in Merseburg gewonnen werden, verbinden wir mit den Ergebnissen der teilnehmenden Beobachtung, und zwar irgendwie, da, wo es halt passt, und ergänzen das, was noch fehlt, mit dem, was wir aus der Materialanalyse entnommen haben. Dann verallgemeinern wir Ergebnisse unser Interviews mit 20 Personen und unserer Fokusgruppen mit 24 Personen von insgesamt drei Hochschulen und kommen zu dem Ergebnis, dass alle deutschen Universitätsangehörigen linksextrem sind, in prekären Umständen leben, weshalb sie neidisch auf erfolgreiche Neoliberale sind, was sich wiederum in einem latenten Deutschenhass entlädt.

Quod erat demonstrandum!
Eine solche Forschung muss die Bundesbeauftrage für die neuen Länder einfach fördern – oder?

Um diesen Text einordnen zu können, ist es sinnvoll, den Beitrag „Der rechtsextrem fremdenfeindliche Ossi: Junk Science trifft journalistische Ahnungslosigkeit“ zu kennen.

„Hurra, Hurra, die Schule brennt“: Brandstiftende Söhne Hamms

Die vielleicht wichtigste Methode im Arsenal von Sozialwissenschaftlern ist der Vergleich, der zwischen Gesellschaften, der über Zeit, der zwischen gesellschaftlichen Gruppen, der Vergleich, der in Methoden der Sozialwissenschaften immer seltener vorkommt. Am Ende kommt noch etwas zum Vorschein, was politisch nicht korrekt ist und die Karriere des Wissenschaftlers, der sein Heil an Institutionen sucht, gefährdet, z.B. dadurch, dass er Verantwortung übernehmen oder – fast schlimmer – Stellung beziehen muss.

Wir mögen Vergleiche zwischen Gesellschaften gerne, Vergleiche über Zeit aber fast noch lieber.

Z.B. Vergleiche mit den 1980er Jahren, die nach unserer Ansicht die goldenen Jahre der Freiheit und Demokratie waren, so wie es die Goldenen Zwanziger Jahre für die Weimarer Republik waren.

Es war genau im Jahr 1980, als eine Band mit dem Namen „Extrabreit“ ein Lied veröffentlicht hat, das man heute als sexistisch bezeichnen würde, in dem ein Aufruf zur Zerstörung öffentlichen Eigentums gesehen würde, das eine diskriminierende Komponente enthält, weil behauptet wird, es seien die sozial Benachteiligten, die kriminell sind und zerstören und von dem natürlich jeder Politiker mit Profilierungsbedürfnis behaupten würde, dass es dazu beitrage, Brandstiftung zu legitimieren und im Ende bliebe nichts anderes als zu konstatieren, dass Extrabreit eine rechtsextrem faschistische, Gewalt verherrlichende und sexistische Band weißer Männer ist, deren Lieder bei Radio Bremen mit Sicherheit nicht mehr ausgestrahlt würden.

Erst vor einem Vergleichshintergrund, wie ihn das Beispiel von Extrabreit darstellt, kann man den Irrsinn, die Hysterie und die abgrundtiefe Dummheit, die sich derzeit über den Söhnen Mannheims entlädt, so richtig einschätzen. Erst vor dem Hintergrund von „Hurra, Hurra, die Schule brennt“ kann man so richtig bewerten, welches Profilierungsbedürfnis und welche politisch korrekte Idiotie Bürgermeister, Mandatsträger und Amtsinhaber fast aller parteipolitischen Couleur dazu treibt, sich über den Text eines LIEDES zu echauffieren.

Die Langeweile und Sinnlosigkeit des Daseins muss von diesen Gestalten des angeblich politischen Lebens so sehr empfunden werden, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen, als mit Hysterie auf den Text eines Liedes zu reagieren und auf diese Weise zu versuchen, die eigene Existenz mit Sinn zu füllen.

Armseligkeit ist in diesem Zusammenhang ein wirkliches Understatement…

Noch so ein Phrasendrescher: UN-Generalsekretär Guterres

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat vor zunehmendem Populismus und Extremismus gewarnt. Beides seien „perverse Phänomene“, die sich durch „Rassismus, Fremdenhass, Hass gegen Juden und Muslime sowie andere Formen der Intoleranz“ gegenseitig verstärkten, sagte er zum Auftakt der jährlichen Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf.“

Warum halten Politiker nicht einfach den Mund und schweigen zu Dingen, von denen Sie keinerlei Ahnung haben?

„Perverse Effekte“ ist ein feststehender Begriff der Sozialwissenschaften. Da die Sozialwissenschaften mit sozialen Phänomenen beschäftigt sind, kann man „perverse Effekte“ als Ursache mancher sozialer Phänomene ansehen. Phänomene an sich sind Phänomene, weder pervers noch etwas anderes, einfach nur: Phänomene. Ein Haus ist ein Haus ist ein Haus. Und Populismus ist Populismus ist Populismus. Nichts anderes.

boudon-widersprueche-sozialen-handelns„Rassismus, Fremdenhass, Hass gegen Juden und Muslime und andere Formen der Intoleranz“, so behauptet Guterres würden sich gegenseitig verstärken und zu „perversen Phänomenen“ führen, nämlich Populismus und Extremismus. Guterres legt offensichtlich keinen Wert darauf, dass seine Aussichten weithin Unterstützung erfahren, von vielen geteilt werden, populär sind, denn das wäre Populismus, und er wäre somit nach eigener Aussage ein perverses Phänomen. Nur so ist es erklärlich, dass er einen derartigen unpopulären Unsinn erzählt, wie er ihn erzählt.

Wenn Rassismus, Fremdenhass, Hass gegen Juden und Muslime und andere Formen der Intoleranz zu perversen Phänomenen wie Populismus und Extremismus führen, dann ist dies schon deshalb Unsinn, weil Guterres Populismus und Extremismus ja als auf „Rassismus, Fremdenhass, Hass gegen Juden und Muslime und anderen Formen der Intoleranz“ basierend definiert hat. Insofern wäre Extremismus gerade kein „perverser Effekt“ von Rassismus, Fremdenhass und was Guterres sonst noch einfällt, sondern die logische Konsequenz der Tatsache, dass etwas mit sich selbst identisch ist, wie das bei Tautologien nun einmal so üblich ist.

Perverse Effekte zeichnen sich dadurch aus, dass das Gegenteil dessen, was beabsichtigt war, erreicht wird. Wenn also ein perverser Effekt vorläge, dann würden Rassismus; Fremdenhass und all die andere Hasse, die Guterres kennt, zu ihrem Gegenteil führen, sagen wir zur großen Verbrüderung, was dann, weil Guterres behauptet, Extremismus und Populismus seien die perversen Phänomene, die auf Rassismus usw. basieren, notwendig zur Folge hat, dass Populismus und Extremismus etwas Gutes sein müssen, jedenfalls dann, wenn man annimmt, dass Guterres der Ansicht ist, Rassismus und Hass auf Juden und Muslime sei etwas Schlechtes.

Wie man es dreht und wendet, was Guterres von sich gegeben hat, ist Blödsinn und gerade an Montagen wünschte man sich, von derartigen sprachlichem Müll verschont zu bleiben.

Survival of the Fittest

Nur: Wer sind die Fittesten?

Für die Sozialisten waren die Fittesten die Arbeiter und Bauern, die sich im Klassenkampf gegen den Kapitalismus durchsetzen werden: Deshalb fand u.a. August Bebel den Darwinismus so praktisch, bot er doch angeblich eine theoretische Grundlage um sozialistische Phantasien auszuleben. Was Bebel nicht bedacht hat, Darwin hat eine biologische Theorie aufgestellt, keine soziale.

Für die Nationalsozialisten waren die Fittesten diejenigen, die arisches Blut in ihren Adern hatten, was auch immer arisches Blut sein mag: die reine Rasse der Deutschen. So findet sich in „Mein Kampf“ die folgende Darstellung des Werts der Rassenreinheit, die auf einer Hierarchie der Rassen aufbaut, die die deutsche Rasse an der Spitze sieht:

“Somit kann man folgenden gültigen Satz aufstellen: Jegliche Rassenkreuzung führt zwangsläufig früher oder später zum Untergang des Mischproduktes, solange der höherstehende Teil dieser Kreuzung selbst noch in einer reinen irgendwie rassenmäßigen Einheit vorhanden ist. Die Gefahr für das Mischprodukt ist erst beseitigt im Augenblick der Bastardierung des letzten höherstehenden Rassereinen. Darin liegt ein, wenn auch langsamer natürlicher Regenerationsprozeß begründet, der rassische Vergiftungen allmählich wieder ausscheidet, solange noch ein Grundstock rassisch reiner Elemente vorhanden ist und eine weitere Bastardierung nicht mehr stattfindet. (Hitler: Mein Kampf)

Dass Hitler hier Unsinn schreibt wird schon daran deutlich, dass er der Inzucht das Wort redet. Hitler ist eines der vielen Beispiele, die zeigen, was passiert, wenn sich Personen Ideen oder Theorien aneignen, die sie nicht ansatzweise verstanden haben und dann mit ihnen dilettieren.

darwin-origin-of-speciesDas Schicksal, von vielen Dilettanten aufgegriffen und entstellt zu werden, ist auch der Idee des „Survival of the Fittest“ widerfahren, die Charles Darwin entwickelt hat und die er in der fünften Auflage seiner „Origin of Species“ als zusätzliche Überschrift der schon vorhandenen „Natural Selection“ angefügt hat. Dazu schreibt Darwin: „This preservation of favorable variations and the rejection of injurious variations, I call Natural Selection or the Survival of the Fittest“ (Darwin, Origin of Species IV, 2).

Die Idee von Darwin sagt nicht mehr und nicht weniger, als dass sich auf lange Sicht und aufgrund biologischer Anpassung die Fittesten durchsetzen. Wie Thomas Huxley eigentlich schon zu Darwins Zeiten festgestellt hat, sind nicht notwendig die Besten oder die Größen oder die Stärksten die Fittesten, die Fittesten sind diejenigen, denen es am besten gelingt, sich an die Randbedingungen, die ihre biologische Umwelt setzt, anzupassen. Das müssen nicht diejenigen sein, die zu einem bestimmten Zeitpunkt als die „Besten“ angesehen werden, denn was Darwin formuliert, ist kein Gesetz der moralischen oder sozialen Entwicklung, sondern ein biologisches Entwicklungsgesetz.

Aber hier beginnt der Missbrauch der von Darwin formulierten Idee des „Survival oft he Fittest“: „For those who could not distinguish between biological and social evolution, Darwin’s theory offered the public authority of science by which they could attempt to legitimize their private version of human progress” (Rogers, 1972: 280).

Für sie, die die entsprechende Unterscheidung nicht treffen wollten oder konnten, wurde der Darwinismus zum Selbstbedienungsladen. Aus der Tatsache, dass die existierenden Spezies Beleg einer erfolgreichen Anpassung sind und von Darwin als Ergebnis eines evolutionären Prozesses beschrieben wurden, dass sie „the fittest“ sind, während die Spezies, die z.B. nur noch als Fossil vorhanden sind, offensichtlich eine Anpassung nicht geschafft haben, haben sie gefolgert, dass man den Spieß umdrehen könne und diejenigen, die auf Basis ihrer Bewertung als unfit anzusehen sind, ausmerzen könne oder solle oder müsse.

Wir treffen hier im Kern den selben sozialtechnologischen Machbarkeitsglauben, der sich heute im so genannten liberalen Paternalismus, der auch als Nudgen bekannt ist, findet: Die private Bewertung dessen, was das Beste, das Richtige, das Gute ist, wird verallgemeinert und genutzt, um all das, was gerade nicht als das Beste, Richtige und Gute angesehen wird, zu beseitigen (oder auszumerzen).

natural-selection3Nun gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen einer deskriptiven und post-hoc gewonnenen Theorie, wie sie Charles Darwin formuliert hat, einer Theorie die Zusammenhänge aufführt und Konsequenzen benennt und einer normativen Utopie, wie sie Sozialisten und Faschisten so gerne aufstellen: Erstere kann anhand von Fakten geprüft und notfalls modifiziert oder falsifiziert werden, Letztere ist Widersprüchen gegenüber immun, da die Vertreter der entsprechenden Utopie mit einem Wahrheitsanspruch auftreten. Sie versuchen nicht, ihre Überzeugung zu prüfen und zu modifizieren, wenn sie sich als falsch herausgestellt hat, sie suchen nach Belegen dafür, dass ihre Ansicht richtig ist und natürlich finden sie unzählige Belege dafür, wie der Missbrauch des Darwinismus belegt.

Weil dem so ist, ist es so schlimm, das sich an Universitäten wieder Personen einnisten können, die nach Verifikation streben bzw. deren einziger Beitrag darin besteht, eine religiöse Lehre zu verkünden und jeden, der sie kritisiert, als Häretiker zu verfolgen.

Menschen, sind an biologische Fakten gebunden, und sie sind sozialen Konventionen unterworfen. Erstere sind nicht verhandelbar, weshalb es so lächerlich ist, wenn Menschen herumtollen und der Ansicht sind, sie könnten sich ihr Geschlecht aussuchen. Letztere sind Ergebnis von Verhandlungen, von Verhandlungen, die zuweilen irrationale Ergebnisse zeitigen, z.B. dann, wenn Menschen auf Unisex-Toiletten gezwungen werden oder wenn die Abweichung zur Norm gemacht wird, auf die die Mehrheit Rücksicht nehmen muss oder wenn versucht wird, biologische Grundlagen in Frage zu stellen oder sozial zu überformen, wie dies z.B. im Rassenkonzept der Fall war, das den Nazis dazu gedient hat, Menschen in Über- oder Untermenschen zu unterscheiden.

Weil soziale Fakten verhandelbar sind, deshalb finden sich in menschlichen Gesellschaften Versuche, die Verhandlungen dazu zu nutzen, sich gegenüber anderen Vorteile zu verschaffen, z.B. dadurch, dass man anderen weiszumachen versucht, die Zukunft sei von Menschen planbar und eindeutig gestaltbar, ohne dass dabei unbeabsichtigte und negative Folgen entstünden und ohne dass der schöne Plan sich als nicht durchsetzbar erweisen könne.

Darwin hatte das Pech, eine Theorie zu formulieren, die denen, die so gerne über das Los und die Zukunft anderer bestimmen, die Grundlage geliefert hat, ihre Ideologie in die Tat umzusetzen, entweder in Form der historischen Überlegenheit der Arbeiterklasse oder der arischen Rasse oder in Versuchen, durch Programme der Euthanasie die Qualität der eigenen Bevölkerung zu erhöhen.

Nichts davon geht auf Darwin zurück oder kann mit seiner Theorie begründet werden, denn: Darwin hat eine deskriptive Theorie formuliert, die keinerlei Bewertung enthält. Dagegen ist die Frage, ob bestimmte Individuen aufgrund ihrer Eigenschaften fitter oder weniger fit oder gar nicht fit sind, um den menschlichen Bestand einer Gesellschaft und dessen Qualität zu befördern, eine moralische Frage und noch dazu eine Frage, wie sie sich nur in kollektiven Ideologien, in Faschismus, Sozialismus oder Nationalsozialismus stellen kann.

Wer nicht in Kollektiven, sondern in Individuen denkt, wird schnell bei der Erkenntnis ankommen, dass derjenige, der gerade aufgrund eines bestimmten Kriteriums als unfit angesehen wird (z.B. körperliche Stärke), seinerseits auf eine Vielzahl von Kriterien zurückgreifen kann, um die nicht vorhandene Fitness derjenigen zu beschreiben, die ihn als „unfit“ bezeichnet haben (z.B. einen IQ von mehr als 130).

Wer individuell denkt, ist immun gegenüber Faschismen aller Art. Nur wer in Gruppen und Kollektiven denkt, ist anfällig für Ideen der Rassenhygiene oder der Minderwertigkeit anderer Menschen, deren Bezug eine statische Eigenschaft ist, die entweder zugeschrieben ist wie Nationalität oder phantasiert, wie germanische Abstammung, und weder mit Leistung noch mit Strebsamkeit zu tun hat.

Und selbst wenn man am Kollektiv orientiert ist und kollektive Ziele erreichen will, ist die Konsequenz aus dem „survival of the fittest“ nicht der Eingriff in die menschliche und soziale Entwicklung: „Darwin himself opted for living with the bad consequences of the less capable outbreeding what he called ‚the better class of men‘. In the end, he could sanction neither a withdrawal of charity nor active intervention with human breeding“ (Paul 2003: 241).

Darwin, Charles (1859). On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or The Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life. London: John Murray.

Paul, Diane B. (2003). Darwin, Social Darwinism and Eugenics. In: Hodge, Jonathan & Radick, Gregory (Hrsg.): The Cambridge Companion to Darwin. Cambridge: Cambridge University Press, S. 214-239.

Rogers, James Allen (1972). Darwinism and Social Darwinism. Journal of the History of Ideas 33.2: 265-280.


Hinweise für ScienceFiles?
Schreiben Sie uns.

Spiegel = zeitgenössischer Stürmer?

Der Spiegel, Ausgabe 6 vom 4.2.2017 hat ein Cover, auf dem Donald Trump in cartoonierter Form dabei zu sehen ist, wie er in seiner linken Hand ein blutiges Messer hält, während er in der rechten Hand den Kopf der Freiheitsstatue hält, die er, wie das tropfende Blut zeigt, gerade geköpft hat.

Köpfen ist eine Tätigkeit, die heute mit dem Islamischen Staat in Verbindung gebracht wird, also mit muslimischen Fanatikern. Genau diese Verbindung will Edel Rordriguez, der das Cover des Spiegel geschaffen hat, herstellen, er will nach eigenen Angaben Trump dabei darstellen, wie er die Demokratie köpft.

Der Appell, der mit dem Cover ausgesandt werden soll, ist somit kein rationaler, sondern ein affektiver, denn die Belege dafür, dass Donald Trump als gewählter Präsident der USA, der mit den Mitteln, die ihm das präsidentielle System der USA an die Hand gibt, Entscheidungen trifft und durchsetzt, ausgerechnet diese Demokratie beseitigt, sind nicht vorhanden. 

Wäre Trump tatsächlich der autokratische Herrscher, zu dem ihn die deutschen Medien und die anti-amerikanischen Aktivisten, die in den letzten Jahren wieder aus ihren Löchern gekommen sind, stilisieren wollen, er würde sicherlich mit aller Gewalt, die ihm zur Verfügung steht – und dem US-Präsident steht ein ganzes Arsenal von gewaltsamen Mitteln zur Durchsetzung seines Willens zur Verfügung -, z.B. die Demonstrationen, die in den USA gegen ihn gehalten werden, verhindern bzw. bekämpfen.

Das tut er aber nicht. Keine National Guard marschiert auf, um Demonstranten in z.B. Berkeley daran zu hindern, die Gewalt, die sie für Demonstration halten, auszuüben und ein demokratisches Recht zu missbrauchen. 

Aus Mangel an empirischen Belegen müssen diejenigen, die Donald Trump diffamieren wollen, also zu Mitteln greifen, die an den Affekt derjenigen appellieren, deren Intellekt Gefühlen zugänglicher ist als rationalen Argumenten. Das scheint genau jenes Häufchen Leser zu sein, die beim Spiegel, dem seit Jahren die Leser davonlaufen, noch vorhanden ist, eine Gruppe anti-intellektuelle Konsumenten von Affekten.

Aktuelle Zahlen zeigen, dass der Spiegel weiter Leser verliert. Im Vergleich der IV.Quartale der Jahre 2015 und 2016 zeigt sich ein Rückgang von -2,7% verkaufter Spiegel und eine Auflage von nurmehr 584.602 Exemplaren.

Mit Affekten und nicht mit Argumenten wurde schon des Öfteren in Deutschland versucht, Politik zu machen und Meinung zu beeinflussen. Unter den Nazis hatten Publikationen, die nur mit Affekten und mit keinerlei rationalem Argument gearbeitet und damit den politischen Gegner und ganze Bevölkerungsgruppe der Juden diffamiert haben, Konjunktur. Julius Streicher und sein Stürmer ist vermutlich das bekannteste der Nazi-Pamphlete, die man im Dritten Reich in Kreisen der entsprechenden anti-intellektuellen Konsumenten von Affekten für journalistische Erzeugnisse gehalten hat.

Und da Spiegel und Stürmer aufgrund der Wahl der Mittel in die selbe formale Kategorie der Erzeugnisse gehört, die an den Affekt und nicht an die Ratio bei ihren Konsumenten appellieren, stellt sich die Frage, ob zwischen Stürmer und Spiegel ein Unterschied besteht.

Urteilen Sie selbst:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ist Donald Trump unser Unglück?

Diffamierungsspirale II: Wie Linke FakeNews produzieren und zum Diffamieren benutzen

Vor einiger Zeit haben wir die „Theorie der Diffamierungs-Spirale“ aufgestellt, die sich wie folgt zusammenfassen lässt.

  • black hole spiralEine falsche Behauptung wird in die Welt gesetzt.
  • Die falsche Behauptung wird von Mainstream-Medien aufgenommen und verbreitet. Die Mainstream-Medien haben sich mit viel Begeisterung auf die falsche Behauptung gestürzt, Stängele wollte mit seiner Petition Homosexualität aus dem Lehrplan von Schulen verbannen.
  • Die falsche Behauptung zeichnet sich dadurch aus, dass sie aus einer Bewertung besteht und sich gegen eine Person oder Personen richtet, die z.B. gegen den politischen Mainstream Stellung bezogen hat oder haben. Unser Beispiel, an dem entlang wir die Theorie der Diffamierungsspirale entwickelt haben, war die Petition von Gabriel Stängle, die sich gegen den Bildungsplan 2015 der Baden-Württembergischen Landesregierung gerichtet hat. Die falsche Behauptung, die anschließend durch die Medien ging, lautete: Die Petition fordere, Homosexualität solle aus dem Lehrplan gestrichen werden – eine nachweislich falsche Behauptung, die von der damaligen Landesregierung in Baden-Württemberg in die Welt gesetzt wurde.
  • Auf Basis der falschen Behauptung, die von Mainstream-Medien verbreitet wird, formiert sich Widerstand. Der Widerstand richtet sich gegen die Chimäre, die Mainstream-Medien verbreiten. Die nächste Schleife der Diffamierungs-Spirale ist erreicht. Aktivisten und sonstige Berufsaufgeregte machen gegen die falsche Behauptung mobil und drehen die Spirale durch Begriffe wie Homophobie und Homosexuellen-Hass eine Umdrehung weiter.
  • In der nächsten Schleife der Diffamierungs-Spirale können Mainstream-Medien nun wahre Berichte über z.B. eine Gegenpetition, die verlangt, dass Homosexualität im Lehrplan enthalten bleibt und die sich gegen die ursprüngliche Petition von Stängle richtet, verbreiten und damit die falsche Behauptung, die Grundlage aller nachfolgenden Aktivitäten ist, zementieren.

Mit jeder Schleife der Diffamierungs-Spirale wird eine weitere Aufregungsstufe genommen. Zwischen dem, was in der ursprünglichen Petition von Stängle steht und dem, was in Massenmedien, Gegenpetitionen, aktuellen Stunden und zu anderen Anlässen über diese Petition verbreitet wird, gibt es nicht einmal mehr eine Schnittmenge. Die Fronten zwischen denen, die mit der Petition ein ihnen wichtiges Anliegen kundgetan haben und denen, die auf Grundlage einer falschen Behauptung ein Feindbild errichtet haben und es nun geradezu liebevoll ausschmücken, sind verhärtet, es gibt keine Möglichkeit der Verständigung.

Das ist der Zweck von Diffamierungs-Spiralen: Verständigung zwischen Bürgern, die von sich denken, sie seien unterschiedlicher Ansicht, zu verunmöglichen. So, wie wir die Systematik der Diffamierungs-Spirale hier beschrieben haben, könnte man denken, die Technik stamme direkt aus dem Werkzeugkasten sozialistischer Diffamierungs-Spezialisten, wie sie in der Stasi (Stichwort: Zersetzung) am Werk gewesen sind (Wohin sind die entsprechenden Stasi-Experten eigentlich alle verschwunden?).

Und tatsächlich zeigt das, was Prof. Dr. Werner Patzelt wiederfahren ist, dass Linke sich sehr gerne der Technik der Diffamierungs-Spirale bedienen. Patzelt hat auf seinem eigenen Blog gerade seine Erfahrungen damit zusammengefasst, dass er die Pegida-Bewegung wissenschaftlich aufgearbeitet hat. Weil Patzelt an Erkenntnis und nicht an Ideologie interessiert ist, fehlen bei ihm die für Linke und Meinungsterroristen so wichtigen Stichworte, wie „Nazis“, „Rechtsextreme“, „Pack“. Patzelt untersucht, was Pegida ist, wie Pegida entstehen konnte und welchem Zweck, Pegida dient. Er tut dies, wie es Wissenschaftler tun, beschreibend und erklärend, nicht bewertend.

Das war zu viel für einige Mitarbeiter und Studierende der Technischen Universität Dresden, von denen man sich fragen muss, was sie an einer Universität wollen. Wissenschaft wollen sie offensichtlich nicht betreiben. Ihr Bestreben war vielmehr darauf gerichtet, eine Diffamierungs-Spirale gegen Werner Patzelt zu starten:

  • Jamula IndoktrinationDie Diffamierungs-Spirale beginnt damit, dass die Mitarbeiter und Studenten der TU-Dresden, sich „tatsachenverdrehend-denunziatorisch“, wie Werner Patzelt schreibt, über Patzelt äußern. Dass man ihn vom Beobachter und Analytiker der Pegida zum Unterstützer und Anhänger der Pegida gemacht hat, erklärt sich Patzelt mit einerseits Ahnungslosigkeit, andererseits Böswilligkeit auf Seiten der entsprechenden Mitarbeiter und Studenten.
  • Die falsche Behauptung, Patzelt sei Unterstützer und Anhänger der Pegida wirkt auf mache Journalisten, wie Licht auf Mücken. Sie schwärmen, denn das journalistische Geschäft läuft besser mit denunziatorischen als mit deskriptiven Inhalten, wie sie glauben. Also verbreiten einige Zeitungen die böswillig falsche Behauptung der Mitarbeiter und Studenten aus Dresden.
  • Auf Grundlage dieser falschen Medienberichte inszenieren Studenten außerhalb von Dresden Widerstand gegen Werner Patzelt, wenn Patzelt z.B. an der HTWK in Leipzig einen Vortrag halten soll oder an die Universität Mainz eingeladen ist, um dort einen Vortrag zu halten.
  • Dieser Widerstand der Studenten, die böswilligen Falschaussagen nur zu willig auf den Leim gehen, vermutlich weil nicht wenige von ihnen die Böswilligkeit teilen, die die Triebkraft hinter den falschen Behauptungen ist, die Mitarbeiter und Studenten der TU-Dresden aufgestellt haben, wird wiederum Gegenstand von Berichten in den Mainstream-Medien. Das falsche Bild vom Pegida-Unterstützer Patzelt hat sich mittlerweile gesetzt und dazu geführt, dass im Hinblick auf Werner Patzelt zwei Lager von Feinden und Freunden entstanden sind, zwischen denen keine Verständigung mehr möglich ist.

Hier endet zunächst die Diffamierungs-Spirale, und für Wissenschaftler stellt sich hier die Frage, wie es dazu kommen kann, dass falsche Behauptungen aufgestellt werden, von Medien verbreitet werden und dazu genutzt werden, Personen des öffentlichen Lebens zu diffamieren. Das Stasi-Konzept der Zersetzung stellt eine Möglichkeit der Erklärung dar. Die Böswilligkeit, mit der falsche Behauptungen wissentlich in die Welt gesetzt werden, kann so erklärt werden, denn Ziel des Konzeptes der Zersetzung ist die „systematische Diskreditierung des öffentlichen Rufes, des Ansehens und des Prestiges auf der Grundlage miteinander verbundener wahrer, überprüfbarer und diskreditierender sowie unwahrer, glaubhafter, nicht widerlegbarer und damit ebenfalls diskreditierender Angaben“. So steht es nachzulesen in Richtlinie Nr. 1/76 zur Entwicklung und Bearbeitung Operativer Vorgänge (OV) des Ministeriums für Staatssicherheit.

Diese Erklärung geht von zielgerichtetem Verhalten, von absichtlicher Verleumdung und Diskreditierung derjenigen Menschen aus, die es wagen, von der Ideologie abzuweichen, die die Diffamierer als Wahrheit durchsetzen wollen. Dass diese Erklärung zutrifft, dafür spricht, dass Werner Patzelt sich von Anfang an sehr ausführlich mit den falschen Behauptungen, die über ihn in die Welt gesetzt wurden, auseinandergesetzt und jede falsche Behauptung widerlegt hat. Zudem hat er die falschen Behaupter regelmäßig zu Stellungnahmen aufgefordert und hat ebenso regelmäßig Schweigen geerntet.

Ein anständiger Mensch, der einsehen muss, dass er eine falsche Behauptung über z.B. Werner Patzelt in die Welt gesetzt hat, einfach deshalb, weil ihm klipp und klar nachgewiesen wird, dass seine Behauptung falsch ist, ein anständiger Mensch entschuldigt sich und stellte seine falsche Behauptung richtig. Schon das Schweigen derjenigen, die die falschen Behauptungen in die Welt gesetzt haben, zeigt: Bei ihnen handelt es sich nicht um anständige Menschen. Das spricht dafür, dass sie Patzelt böswillig und absichtlich diffamieren und verleumden wollten.

Nun gibt es noch eine zweite Erklärung, eine, auf die wir regelmäßig zurückkommen und die Patzelt mit dem Begriff „Ahnungslosigkeit“ beschreibt: Dummheit, die einem Realitätsverlust geschuldet ist.

Wir haben den Umstand, dass Dumme am öffentlichen Diskurs in Deutschland teilnehmen können, darauf zurückgeführt, dass es eine Reihe geschlossener Systeme gibt, wie Luhmann das genannt hat. Geschlossene Systeme (oder Echo-Chambers), Mainstream-Medien, politische Netzwerke, linke Studenten und Mitarbeiter an der TU-Dresden, sie zeichnen sich dadurch aus, dass die Mitglieder des Systems nur die Inhalte als korrekte Inhalte ansehen, die sie sich gegenseitig wieder und wieder als korrekte Inhalte bestätigt haben. Die gegenseitige Bestätigung und Beglaubigung der Richtigkeit der eigenen Position erfolgt dabei nicht über kognitive Mechanismen, die eine Prüfung dessen, was man glaubt, an dem was ist, zum Gegenstand hat. Die Mitglieder der geschlossenen Systeme tauschen vielmehr Affekte miteinander. Sie bestätigen sich gegenseitig, gute Menschen und würdige Angehörige der eigenen Gruppe zu sein, indem sie einen gemeinsamen Feind bekämpfen. Sie zetern über Rechte, wüten gegen Nazis, schimpfen über Anti-Feministen und stilisieren jeden zum Feind, der nicht ist, wie sie selbst. Die Mitglieder derartiger selbstreferentieller Gruppen müssen über kurz oder lang verdummen, weil sie zum einen nicht lernen können, denn lernen kann man nur aus Fehlern und im Austausch mit der Realität und beides kommt in der Welt der Abgeschlossenen nicht vor. Zum anderen verdummen die Mitglieder derartiger Gruppen, weil man durch den ausschließlichen Austausch von Affekten notwendig verdummen muss. Wer das nicht glaubt, der soll einmal den Test machen, wie lange er es durchhält, seinen Selbstwert und seine Identität einzig daraus zu beziehen, dass er über eine Gruppe (imaginierter) Feinde und von morgens bis abends herzieht. Weil die Mitglieder selbstreferentieller Gruppen als Folge ihrer Weigerung, sich mit Fakten in der wirklichen Welt auseinanderzusetzen, verdummen, deshalb sind sie nicht fähig einzusehen, wenn sie sich im Irrtum befinden, und sie sind nicht dazu in der Lage, Argumente entweder zu formulieren oder zur Kenntnis zu nehmen. Folglich müssen sie jeden Kontakt mit Widerspruch und Kritik vermeiden, was uns zurückführt zu der Kommunikationsverweigerung, die Patzelt regelmäßig begegnet ist, wenn er versucht hat, mit denen, die falsche Behauptungen über ihn in die Welt setzen, Kontakt aufzunehmen.

Welche der beiden Erklärungen richtig ist, ob sich beide Ergänzungen ergänzen, das sind empirische Fragen, die man im Rahmen eines entsprechenden Forschungsprojektes beantworten müsste.

fakenewsEs ist problemlos möglich, FakeNews als Begriff in die Diffamierungs-Spirale einzubauen, denn FakeNews, die nachweislich falschen Behauptungen über Stängeles Petition oder Patzelts Präferenzen, die es in die Mainstream-Medien geschafft haben, sind der Ausgangspunkt der Diffamierungs-Spirale, was zeigt, FakeNews sind nicht neu und wurden auch nicht von der Stasi erfunden, nur sehr wirkungsvoll eingesetzt. Das legt den Schluss nahe, dass FakeNews kein Problem sind, das sich ausschließlich auf der rechten Seite des ideologischen Spektrums findet, sondern ein Problem, das sich in gleichem Ausmaß, wie Patzelt meint auf der linken Seite des politischen Spektrums findet. Wir sind hier anderer Meinung, wir denken, dass FakeNews ihren Ausgangspunkt auf der linken Seite des politischen Spektrums haben, schon weil Linke affiner für böswillige Unterstellungen sind, wenn es darum geht, den politischen Gegner zu diskreditieren. Dennoch wollen wir Werner Patzelt das Schlusswort überlassen:

“(1) Fake News lassen sich wirkungsvoll als Kampfmittel einsetzen – was ja lange schon bekannt ist.

(2) Die einschlägigen Fake News über mich gingen von Mitarbeitern und Studierenden am Dresdner Institut für Politikwissenschaft aus. Dass diese Fake News weiterhin – und zwar ganz kontrafaktisch – wie korrekte Aussagen behandelt und kolportiert werden, geniert diese Leute nicht. Ich behandle das als ein verachtenswertes Verhalten.

(3) Es wurde in diesem Fallbeispiel nachgewiesen, dass mit Fake News zu arbeiten bzw. naiv mit ihnen umzugehen keine Eselei nur von Rechten ist. Vielmehr waren auch Linke – sowie Wissenschaftler – schon lange vor ihren heute bekundeten Sorgen über die Folgen von Fake News ihrerseits im „postfaktischen Zeitalter“ angekommen. Meine Meinung: Es wäre gut, wenn die Blüte des Post- oder Alternativfaktischen allmählich zu Ende ginge – und zwar ebenso wie inzwischen jene Zeit des „radikalen Konstruktivismus“ zu Ende gegangen ist, zu dessen absehbar missratenem Nachfolger die heutige „Post- und Alternativfaktik“ geworden ist.

Martin Schulz: Der Faschismus unter der Maske des SPD-Strahlemanns

Die Definitionen von Faschismus, wie man sie z.B. in Lexika der Soziologie oder der Politikwissenschaft findet, sind nicht umfassend. In der Regel wird Faschismus definiert als eine Regierungs- oder Herrschaftsform, die darauf gerichtet ist, die Herrschaft einer elitären Minderheit durch Propaganda oder Demagogie zu sichern und „die Volksmassen zum Gehorsam und zum unbedingten Glauben gegenüber den Führern“ (Hillmann, 1994: 217) zu bringen.

Studien AdornoFaschismus ist jedoch nicht nur eine Regierungsform, er ist auch eine Geisteshaltung, denn das faschistische Angebot von Führern muss ja auf eine entsprechende Haltung bei den Mitläufern und Anhängern treffen, damit Faschismus erfolgreich sein kann. Entsprechend bietet es sich an, Faschismus als eine Geisteshaltung zu konzipieren, wie das Adorno et al. in den Studien zum Autoritären Charakter getan haben.

Demnach setzt sich Faschismus aus einer ganzen Reihe von Einzel-Charakteristika zusammen, denen gemeinsam ist, dass sie keinerlei Abweichung von einem als richtig vorgegebenen oder verkündeten Weg zulassen. Eines dieser Charakteristika, das Adorno et al. beschreiben, ist die anti-Intrazeption, mit der die Dominanz von Gefühlen beschrieben wird, also der Umstand, dass Akteure nicht an die Vernunft appellieren und Entscheidungen nicht auf Basis rationaler Überlegung, sondern auf Basis affektiver Hingebung an ein entsprechendes Angebot treffen.

Auf der Grundlage dieser Zutaten definieren wir Faschismus als eine rigide Geisteshaltung, die dadurch gekennzeichnet ist, dass Abweichungen von dem, was als richtig vorgegeben oder vorgesehen ist, nicht toleriert werden. Inhaber einer faschistischen Geisteshaltung haben keinerlei Ambiguitätstoleranz und zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur über einen Appell an Emotionen erreichbar sind und nicht auf rationale Argumente oder Begründungen reagieren. Derart faschistoide Existenzen sind durch eine Schließung des Geistes charakterisiert, wie sie Milton Rokeach beschrieben hat. Diese Schließung hat zur Folge, dass dem eigenen Glauben widersprechende Informationen ignoriert werden und Personen, die die eigene faschistische Geisteshaltung nicht teilen, als Feinde identifiziert und in der Folge beschimpf und diffamiert werden. Letzteres ist eine Konsequenz der Unfähigkeit, rational zu argumentieren, die durch extrem-emotionalisierte Ausbrüche überdeckt bzw. kompensiert werden soll.

Nun zu Martin Schulz:

Martin Schulz hat dem Spiegel ein Interview gegeben.

Das, was vorab auf Spiegel Online zum Interview, das Martin Schulz gegeben hat, berichtet wird, reicht aus, um die latent vorhandene faschistoide Geisteshaltung von Martin Schulz zu erschließen.

Die entsprechende Analyse erfolgt in zwei Schritten.

Zunächst gilt es darzustellen, dass Schulz die Kriterien faschistoider Geisteshaltung „anti-Introspektion“ und Dominanz affektiver Appelle über rationaler Argumentation erfüllt. Dazu haben wir einige seiner Aussagen, die er im Interview macht, gesammelt.

Im zweiten Schritt suchen wir nach Indikatoren für die rigide und dogmatische Geisteshaltung, die den Faschisten auszeichnet.

Schulzens Zitate:

  • martin-schulz-hitlergrussTrump ist „hochgradig demokratiegefährdend“.
  • Trump spielt „mit der Sicherheit der westlichen Welt“.
  • „Was die US-Regierung gerade beginnt „ist ein Kulturkampf“.
  • Das Einreiseverbot ist „unerträglich“.
  • Leider hat das einst tolerante Einwanderungsland USA mit Trump „einen Präsidenten, der im kleinsten Karo Politik macht“.
  • Merkel dürfe gegenüber Washington „nicht schweigen zu Handlungen, die wir nicht akzeptieren können“.
  • „Wenn Trump mit der Abrissbirne durch unsere Weltordnung läuft, muss man klar sagen: Das ist nicht unsere Politik“.
  • Aus Trumps Wahlkampf kann Schulz nur eines lernen: „Dass man auf keinen Fall einen solchen Wahlkampf führen darf. Solch eine Niedertracht. Solch ein Einreißen aller Grenzen, die man als Grundkonsens in der Demokratie braucht. Das verschlägt den Atem“.

Die zitierten Passagen aus dem Interview von Schulz zeichnen sich durch die folgenden Charakteriska aus:

  1. Es gibt keinerlei Argument.
  2. Die Äußerungen von Schulz bestehen ausschließlich aus negativen Bewertungen, aus Abwertungen und Derogationen.
  3. Die Äußerungen von Schulz appellieren ausschließlich an Affekte und Emotionen.

Kurz: Schulz ist ein negativer Typ, der wie derzeit die meisten Politiker nichts eigenes zu sagen hat. Er lebt davon, dass er das, was andere tun, bewertet, dass er andere bewertet, und zwar negativ. Das Fehlen eigener Argumente soll auf diese Weise überdeckt, und es soll an diejenigen appelliert werden, deren Weltsicht ebenfalls aus Bewertungen besteht und vollständig ohne Argumente und den Bezug auf Fakten auskommt. Damit erfüllt Schulz das erste Kriterium zum Faschismus: Er nutzt keinerlei Argumente, stellt ausschließlich wertende Behauptungen auf und appelliert entsprechend an die von ihm bei den Konsumenten des Interviews vermuteten niederen Instinkte. Die Brücke, die Schulz zu diesen Konsumenten bauen will, ist rein affektiv. Wer den Hass auf Trump teilt, wird sie willig aufbauen, wer Argumente erwartet, wenn er überzeugt werden soll, wird sich abwenden, denn Argumente hat Schulz nicht zu bieten.

Die Krönung im Interview von Schulz findet sich jedoch nicht mit Bezug auf Donald Trump, sondern mit Bezug auf Horst Seehofer, der sich erdreistet hat, die Tatsache, dass Trump seine Wahlversprechen umsetzt, dass er also das tut, wofür er gewählt wurde, zu loben. Ein Unding für Schulz, der wohl nie auf die Idee käme, das, was er verspricht, auch zu tun. Jedenfalls liegt dieser Schluss nahe. Entsprechend sagt er zur Feststellung von Seehofer:

“Das hat mich sehr erstaunt. Wenn wir, wie Horst Seehofer, nicht mehr die Handlungen von Menschen in der Sache bewerten, sondern nur noch die Form, dann gehen wir gefährlichen Zeiten entgegen“.

Das ist starker Tobak und damit ist das zur Klassifikation „Faschismus“ noch fehlende Kriterium erfüllt: Seine rigide Geisteshaltung wird von Schulz unverhohlen der Öffentlichkeit zur Schau gestellt. Denn: Schulz sagt hier nicht mehr und nicht weniger, als dass man Handlungen nicht nach der Form, sondern nach dem Inhalt beurteilen soll.

Wenn jemand ehrlich ist, dann ist dies für Herrn Schulz nur dann von Bedeutung, wenn er den richtigen Menschen gegenüber ehrlich ist.

Wenn jemand versucht, seine Mitmenschen gerecht zu behandeln, dann hat Schulz offenkundig einzuwenden, dass Gerechtigkeit nicht formal, sondern nur inhaltlich und somit nur denen gegenüber walten zu lassen ist, die Herr Schulz für gut bewertet. Entsprechend hat er vermutlich kein Problem damit, Männer im Rahmen staatlicher Programme und im Namen des Feminismus zu benachteiligen.

Schulz will ein faschistoides Weltbild durchsetzen, das nicht die Sache an sich beurteilt, sondern die Sache bewertet: Wenn ein Passant ein Kind, das unachtsam über die Straße geht, vor einem herannahenden Auto rettet, dann ist der Passant dafür wohl nach Ansicht von Herrn Schulz, der „in der Sache“, also inhaltlich bewerten will, nur dann zu loben, wenn das Kind kein Kind rechter Eltern ist, denn „in der Sache“ bewertet, sind rechte Eltern, die z.B. die AfD, jene „Schande für die Bundesrepublik wählen“, dem Herrn Schulz wohl weniger wert als linke Eltern, die die SPD oder die SED-Nachfolgepartei wählen, mit der die SPD wieder einmal paktiert.

Wenn man liest, was Martin Schulz von sich gibt, dann kann man begründet fürchten, dass er vorhat „mit der Abrissbirne durch“ unsere demokratische Grundordnung zu pflügen.

WOW: Nazis bei der Amadeu-Antonio-Stiftung

Fragezeichen als Mittel der Suggestion, erfreuen sich übrigens einer zunehmenden Beliebtheit.

Nazis bei der Amadeu-Antonio-Stiftung?

Urteilen Sie selbst:

Der verlinkte Text berichtet darüber, dass Unbekannte versucht haben, zwei Obdachlose anzuzünden und zu ermorden. Von Sozialdarwinismus ist im Artikel keine Rede. Vielmehr wird sachlich berichtet, dass die Polizei zum Tathergang wenig und zum Täter, zu den Tätern bislang nichts ermitteln konnte. Im verlinkten Text gibt es keinerlei Mutmaßung darüber, welche Ursachen die versuchte Tötung zweier Obdachloser haben könnte.

Die Mutmaßung kommt von der Amadeu-Antonio-Stiftung und zeigt, bei der Stiftung sitzen die eigentlichen Nazis, denn die Erklärung, die die Stiftung suggerieren will, sie lautet: Die Täter, die rechten Täter versteht sich, waren von sozialdarwinistischen Säuberungsphantasien besessen.

Um auf dieses Erklärungsangebot zu kommen, muss man mehrere Prämissen haben:

  1. Man muss der Ansicht sein, dass obdachlose Männer lebensunwerter sind als andere Menschen.
  2. Man muss der Ansicht sein, dass durch die Beseitigung obdachloser Männer der menschlichen Spezies ein Dienst dahingehend erwiesen wird, dass die Unfitten ausgemerzt werden.
  3. Man muss der Ansicht sein, das Ziel menschlicher Gesellschaft bestehe darin, dass sich die Fitten gegenüber den Unfitten durchsetzen.

Logik f dummiesDiese Prämissen, die gemeinhin für Sozialdarwinismus stehen, werden durch den verlinkten Zeitungsartikel in keiner Weise nahegelegt. Es müssen also die Prämissen desjenigen sein, der für den Tweet der Amadeu-Antonio-Stiftung verantwortlich ist, denn niemand außer dem Tweeter ist auf die Idee gekommen, die Tat mit Sozialdarwinismus zu begründen. Da bislang niemand eine Idee von Motiven und Gründen für den versuchten Mord an Obdachlosen hat, ist die Idee, das Motiv und die Gründe seien in Sozialdarwinismus zu suchen, einzig und allein die Idee dessen, der sie getweetet hat (daran ändert auch das Fragezeichen nichts): Er ist wohl der Ansicht, Obdachlose seinen human trash. Er ist wohl der Ansicht, Obdachlose könnte man ohne Kosten für die Gesellschaft beseitigen. Und er ist wohl der Meinung, dass damit dem gesellschaftlichen Fortkommen gedient ist.

Nun ist es seit August Bebel eigentlich kein Geheimnis, dass sich Linke auf die Lehre von Darwin gestürzt und sie auf soziale Fragen übertragen haben. Dabei haben sie sich u.a. bei Ernst Haeckel bedient, einem Biologen, der Darwinismus zu jener, für den deutschen Sprachraum so eigenen Variante des Sozialdarwinismus weiterentwickelt hat. Die Attraktion von Sozialdarwinismus für Linke wie Bebel ist leicht zu erklären: Der Marxismus verkündet in seinem historischen Materialismus die Sukzession der Gesellschaftsformationen, von der Sklavenhaltergesellschaft bis in die Freiheit des Kommunismus. Der Sozialdarwinismus hat denselben Linken, die an die letztendliche Freiheit im Kommunismus glaubten, die Methode an die Hand gegeben, mit der sich die Sukzession der Gesellschaften vollzogen hat, nämlich dadurch, dass die fitte Gesellschaftsformation des Kommunismus z.B. die unfitte Gesellschaftsformation des Feudalismus (in Rußland) oder des Kapitalismus (bislang nirgends) ausmerzt. Rudimente dieser verqueeren Interpretation von Darwinismus, die Charles Darwin amüsiert, irritiert und verärgert hat, scheinen sich heute noch bei der Amadeu-Antonio-Stiftung zu finden. Dort scheint man der Ansicht zu sein, dass mit dem kommunistischen Paradies, der bürgerliche Nazi und der Human Trash bürgerlicher Gesellschaften ausgemerzt würden. Im Paradies, in dem alle bis auf die Schweine gleich sind, hat sich nämlich das Gute durchgesetzt.

Insofern Sozialdarwinismus den meisten Extremismusforschern trotz aller Belege für dessen Ursprung und Adaption im linken ideologischen Lager als Indikator rechtsextremen Gedankenguts, also für Nazis gilt, muss man feststellen: In der Amadeu Antonio Stiftung arbeitet mindestens ein Nazi, aber vermutlich mehrere.

Volksverräter und Kartoffelkäfer: Von der Relevanz des Irrelevanten

Es ist wissenschaftlich wirklich interessant. Jährlich seit 1991 trifft sich ein Häuflein von angeblichen Sprachwissenschaftlern, nennt sich Jury und kürt das Unwort des Jahres. Und jährlich wiederholt sich der Auftrieb in den Medien. Kein Medium, das sich nicht mit den in Darmstadt ansässigen Unwort-Umtriebigen gemein macht und deren Mahnung über der Deutschen Wortgebrauch an die versammelte Lesegemeinde und zumeist ohne redaktionelle Mehrarbeit weitergibt.

Welche Theorie man bemühen muss, um zu erklären, wie ein kleines Häuflein von Sprachwissenschaftlern, das sich Jury nennt, es jedes Jahr aufs Neue in die Medien schafft, ist eine Frage, die man nicht einfach beantworten kann. Zunächst fällt uns dazu die alte Theorie des Gatekeepings ein, deren Vertreter der Ansicht sind, Medien hätten eine Auswahlfunktion, d.h. sie würden aus dem Meer der Meldungen, das ihnen täglich auf den Tisch kommt, diejenigen auswählen, von denen sie annehmen, sie würden die Mehrheit der Leser/Seher interessieren.

Das ist eine sehr naive Theorie nimmt sie doch an, Medienvertreter hätten keine eigenen Interessen, die sie bevorzugt Meldungen verbreiten lässt, die diesen eigenen Interessen dienlich sind.

Der Agenda Setting Ansatz, der auf McCombs und Shaw zurückgeht und letztlich je nach Vertreter mehr oder weniger deutlich besagt, dass Medien aus Informationen auswählen und den ausgewählten Informationen durch die Auswahl Aufmerksamkeit und Bedeutung, also Salience zuweisen, scheint hier etwas passender, jedenfalls dann, wenn man annimmt, dass die Auswahl der Informationen durch Medienvertreter auf Basis des Interesses der entsprechenden Medienvertreter getroffen wird.

potthoff-medienwirkungsforschungNehmen wir daher an, dass Interesse und Motivation, die die Unwort-Jury treiben, mit denen der Medienschaffenden übereinstimmen, dass also beide: „sprachkritisch“ sein wollen, allerdings nur gegenüber „Pegida, AfD oder ähnlichen Initiativen“, wie es dieses Jahr in der Unwort-Wahlbegründung der Jury heißt. Ein Blick auf die Unworte der Jahre seit 1991 zeigt, dass die Feinde der Sprachkritik auf drei Begriffe gebracht werden können: Kapitalismus, Rechte und Eigentümer.

Kurz: Die Agenda, die die Jury mit ihrer Unwortwahl setzen will, ist eine sozialistische Agenda. Hier treffen sich die Unwort-Setzer wohl mit den Medienvertretern, deren Agenda eine ähnlich sozialistische zu sein scheint. Zudem wollen die Unwort-Juroren die „Grenzen des öffentlich Sagbaren“ anmahnen. Sie wollen nicht zensieren, nein, nur mahnen und dafür sorgen, dass bestimmte Begriffe nicht mehr verwendet werden oder ein öffentliches Klima schaffen, das die Nutzung der entsprechenden Begriffe nicht mehr erlaubt. Das ist natürlich keine Zensur, eher Sprachdiktatur. Auch hier treffen sich die Unwort-Geber mit den Unwort-Nehmern in den Mainstream Medien, die mit dem Advent des Internets ihre Deutungshoheit haben dahinschwinden sehen und sich mittlerweile mit so garstigen Dingen wie Kritik an ihrer Berichterstattung und Richtigstellung von öffentlich-rechtlichen Falschmeldungen, ganz zu schweigen von Begriffen wie Lügenpresse konfrontiert sehen. Wie gut, dass man mit Hilfe der Unwort-Geber einen Moment der moralischen Hoheit wiedererlangen und sich zum Opfer rechter Gesinnung stilisieren kann. Auch hier treffen die Unwort-Juroren mit ihrer Motivation den Kern dessen, was Medienschaffende zu motivieren scheint.

Und natürlich stehen Medienvertreter immer in der ersten Reihe, wenn es darum geht, „faschistischen und fremdenfeindlichen Hintergrund“, wie er sich z.B. in der Geschichte der deutschen Autobahnen, die Aufmarschrouten für den Zweiten Weltkrieg waren, darstellt, aufzuzeigen. Und so bekommen wir dieses Jahr das Wort „Volksverräter“ aufgetischt, ein wahrhaft faschistisches und fremdenfeindliches Wort, wenn man der essentialistischen Ansicht ist, der sich die Unwort-Jury angeschlossen hat, dass das Wort Volk nur Blutsverwandte und seit der Schlacht im Teutoburger Wald auch keinerlei Neuankömmlinge mehr umfasst und umfassen kann, dass Volk einmal und immer dasselbe Volk bezeichnet und deshalb alle, die nicht in 10ter Generation einen reindeutschen Vorfahren haben, ausschließt.

Es ist schon erstaunlich, welche Nachwirkungen die Nürnberger Rassengesetze in den Köpfen mancher auch noch im Jahre 2017 haben.

Volksverräter ist also das Unwort des Jahres 2016.

Wir haben es in der Redaktion vernommen und uns zunächst einmal betroffen angeblickt. Denn: In welchen Teilen der Unterwelt sind die Unwort-Geber nur unterwegs, um ausgerechnet auf den Begriff des Volksverräters zu kommen? Um die Irrelevanz des zum Unwort aufgebauschten Begriffs, der im Darmstädter Unwort-Echozimmer wohl hallt und hallt und hallt, aber außerhalb halt nicht, einmal deutlich zu machen, haben wir auf Google Trends nach der Häufigkeit von Suchen nach „Volksverräter“ (blau) gesucht und die entsprechende Häufigkeit mit der Häufigkeit von Suchen nach „Kartoffelkäfer“ (rot) verglichen.

kartoffelkafer

Das Ergebnis ist eindeutig und zeigt: Die Unwort-Geber zeichnen sich durch eine ungesunde Fixierung auf Begriffe aus, die außer ihnen kaum jemand zu benutzen scheint. Insofern sich die Medienschaffenden der öffentlich-rechtlichen und privaten Mainstream-Medien brav in den Dienst der unguten Unwort-Sache gestellt haben, haben sie dazu beigetragen, dass ein Begriff aus den verstaubten Archiven des tausendjährigen Reiches, der ansonsten nur im Echozimmer der Unwort-Geber hallt, eine bundesweite Verbreitung und entsprechende Normalisierung gefunden hat. Wenn es das Ziel war, den Begriff „Volksverräter“ wieder salonfähig zu machen, dann haben die Unwort-Juroren dieses Ziel mit Bravour erreicht.