Wenn kognitiv Deprivierte sich als “Gutmenschen” inszenieren
Ich gebe zu, Lauterbach gehört zu den Leuten, die mich triggern. Er hat ein unglaubliches Talent, seine nicht vorhandenen Kenntnisse in einer vor Hybris triefenden Weise kund zu tun, um sich als “besorgter Gutmensch” aufzubauen und anderen mit seinen ständigen Interventionen in ihr Leben die Ruhe zu stehlen.
Abgesehen davon ist Lauterbach ein Kollektivist und gehört somit in die Gruppe der Personen, die für die schlimmsten Verheerungen auf diesem Planeten verantwortlich sind:
Wenn Sie bislang nicht gewusst haben, dass der Zweck Ihres Daseins in der Zahlung von Steuern und Abgaben an “den Staat” besteht, dann haben Sie das hoffentlich dem Kommentar von Lauterbach entnommen. Die Normalität, mit der diese Leute eine Entität “den Staat” erfinden, um diese Entität dann mit Rechten und Ansprüchen auf die Leistungen von Bürgern auszustatten, ist das eigentlich Erschreckende. Sie, die Normalität zeigt, wie sehr es diese Leute gewohnt sind, an anderen zu schmarotzen, andere zum Spielball der eigenen Bedürfnisse zu machen.
Davon abgesehen hat Lauterbach bei der Schlagzeile, die er verbreitet, wieder einmal daneben gegriffen und sich den falschen Wert ausgesucht, um anderen vorzugaukeln, er habe die “UNICEF Studie” gelesen. UNICEF hat die Studie zwar bezahlt, aber nicht erstellt. Erstellt haben “die Studie” Axel Plünnecke und Wido Geis-Thöne (ich hoffe, ich habe die Worte in richtiger Reihenfolge), beide vom IW, dem Institut der deutschen Wirtschaft. Man findet sie unter dem Titel “Ökonomische Effekte der Deprivation von Kindern und Jugendlichen – Ökonomische Wirkungen und Fiskalbilanz der öffentlichen Hand”.
Ich habe an dieser Art von idealisierter Wissenschaft bei der “typische Lebensläufe”, also Lebensläufe, die niemand von uns lebt, mit Daten des Mikrozensus modelliert werden, was im Wesentlichen bedeutet, dass Datenlücken phantasievoll interpoliert werden, wie sie entstehen, weil Daten unvollständig oder schlicht so hoch aggregiert sind, dass man sie nicht dem “typischen Lebenslauf” zuordnen kann, erhebliche Probleme, schon deshalb, weil niemand das, was am Ende herauskommt, auf Reliabilität und externe Validität prüfen kann. Am Ende einer Rechnung wie sie Plünnecke und Geis-Thöne erstellt haben, stehen Zahlen für den “typischen Lebenslauf”, die dann von Nitwits wie Lauterbach aufgegriffen, mit der affektiven Ladung, die ihr ganzes Leben in eine Bewertung packt, versehen (hier: “ökonomisches, ethisches Versagen” als Ergebnis eines kognitiven Versagens) und verbreitet werden.
Dass Lauterbach überhaupt interessiert ist, das liegt am Begriff “depriviert”, denn Plünnecke und Geis-Thöne machen “Deprivation” zum Gegenstand ihrer Analyse. Nun gibt es Deprivation nicht. Es gibt nur bestimmte soziale Lagen mit entsprechender Ausstattung, die von Leuten wie Plünnecke und Geis-Thöne als “depriviert” bewertet werden. Übrigens eine Bewertung, von der sie selbst im Fazit ihres Beitrags Abstand nehmen:
“So wäre auch eine umfassende konzeptionelle Fassung der Deprivation von Kindern und Jugendlichen über den materiellen Bereich hinaus und darauf aufbauend ein entsprechendes Monitoring der Lage in Deutschland sehr wünschenswert.”
Man muss diesem Zitat entnehmen, dass es die gewünschte “umfassende konzeptionelle Fassung der Deprivation von Kindern und Jugendlichen über den materiellen Bereich hinaus” nicht gibt. Woraus sich die Frage ableitet, was Plünnecke und Geis-Thöne eigentlich meinen, wenn sie von “deprivierten Kindern” sprechen.
Was ist Deprivation?
Man denkt, das sei eine Frage an die Wissenschaft. Aber nein, es ist eine Frage an die EU, ausgerechnet die EU.
Kind hat einige neue Kleidungsstücke;
zwei paar Schuhe für den täglichen Bedarf;
isst täglich Obst und Gemüse;
hat altersgerechte Bücher;
mindestens ein Sport-/Freizeitgerät für draußen;
Spielzeug für drinnen;
übt regelmäßig Freizeitaktivitäten aus, die mit Kosten verbunden sind;
feiert Feste zu besonderen Anlässen;
verbringt mindestens eine Woche pro Jahr in Urlaub;
nimmt an Schulausflügen teil
Im Haushalt
werden abgenutzte Möbel ersetzt;
gibt es einen Internetzugang für den persönlichen Bedarf;
gibt es ein Auto;
gab es in den letzten 12 Monaten keine Zahlungsrückstände;
kann ausreichend geheizt werden;
15 Items aus Brüssel, mit denen die EU Deprivation misst, drei davon negativ beantwortet und Sie sind depriviert. Sie haben kein Auto, sparen beim Möbel und feiern ihren Geburtstag nicht: DEPRIVIERT. Ihr Kind hat keine Lust auf Urlaub, sitzt lieber vor der Spielekonsole als mit dem Fahrrad oder überhaupt draußen zu spielen und liest archäologische Fachbücher, weil ihm der altersgerechte Mist zu blöd ist: DEPRIVIERT.
Die Items kommen von der EU. Das erklärt, warum sie so schlecht sind, es erklärt nicht, warum Plünnecke und Geis-Thöne sie benutzen, um eine Auftragsarbeit zu erstellen, von der sie genau wissen, dass sie von Lobbyisten benutzt werden wird, um Steuerzahler moralisch zur Zahlung zu erpressen bzw. dazu, sich wie Lauterbach als “besorgter Gutmensch” zu inszenieren.
Wie ich das verachte…
Um den Einwänden zuvor zu kommen. Es ist kein Wuder, dass das, was als “Deprivation” zusammengebastelt wird, mit dem formalen Schulabschluss korreliert. Die Indikatoren bestehen aus dem, was der gewöhnliche Mittelschichtler bei sich zuhause als Standard setzt. Sie haben nichts mit der Lebenswirklichkeit von Arbeitern oder denen zu tun, die man, nachdem man sie bereits zu “sozial Benachteiligten” gestempelt hat, nun noch zu “Deprivierten” macht, um sich auf ihrem Rücken abzuarbeiten und zu bereichern, als Nutznieder sozialer “Förderprorgramme”, die lediglich die Kontoeingänge der “Projektnehmer” fördern, nicht die der Objekte der entsprechenden Projekte.
Und natürlich geht mit einem höheren formalen Bildungsabschluss ein höheres Gehalt einher (noch). Ob dadurch, dass ein Mittelmanager, der sich von morgens bis abends überlegt, mit welchem Unfug er seinen “Mitarbeitern”, die weniger verdienen als er, weil sie nicht in BWL-Floskeln schwätzen können, das Arbeitsleben erschwert, auch “mehr Wert” mit dem “mehr Gehalt” einhergeht, das ist eine ganz andere Frage. Eine, die im vorliegenden Fall irrelevant ist, denn im vorliegenden Fall soll für UNICEF Material beschafft werden, das in das Lamento der deprivierten Kinder münden wird, ein Lamento, auf dessen Grundlage sich UNICEF finanziert und eines, das die Legitimation für Legionen von Leuten, die mit sich so wenig anzufangen wissen, dass sie in die Leben anderer intervenieren müssen, abgeben wird, um “den armen Menschen” Hilfe zu leisten, um die diese armen Menschen nie gebeten haben.
Bleibt noch der Irrtum aufzuklären, der Lauterbach bei seinem Kommentar begleitet. Die Kosten “für den Staat” betragen nicht 300.000 Euro, sondern 216.500, wenn man dem Modell von Plünnecke und Geis-Thöne Glauben schenken will:
Ich bin, wie gesagt, kein Freund solcher Rechnungen, zumal die angeblichen Kosten, die “dem Staat” durch diese ungebildeten, nicht akademisch verbildeten Fehlesser entstehen, nie gegengerechnet werden, etwa mit den Kosten, die “dem Staat” durch akademisch Verbildete wie Spahn oder Lauterbach entstehen, die auf Basis von wenig bis keinem Wissen Entscheidungen treffen, die Steuerzahler Milliarden Euro für nicht benötigte COVID-19 Spritzbrühen (Lauterbach) oder Masken (Spahn) aufbürden.
Ich behaupte, dass jeder akademisch Verbildete, der es in politische Positionen schafft oder nach einem der Leerstudiengänge den Arbeitsablauf in einem Betrieb behindert, mehr Kosten verursacht als es die vermeintliche Deprivation je könnte. Aber damit lässt sich natürlich kein Geld verdienen, kein Hilfeprogramm aufstellen.
Obschon: Psychologen in Unternehmen, die die Profilneurose von BWL-Absolventen behandeln, Menschen mit Alltagsverstand in Regierungen, die die dort in Überheblichkeit versammelten kognitiven Leichtgewichte auf den Boden der Realität zurückholen, … wäre vielleicht doch ein Markt, geistige Deprivation am Rande zur Degeneration im Kontext selbstverliebter Hybris sein Gegenstand …
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