Hilferuf: Frauenquote für Lkw-Fahrer dringend erforderlich

Es ist ein typischer Care-Beruf, in dem sich überraschender Weise kaum Frauen, denen doch von Genderisten so große Verdienste bei der Sorge um den Nächsten zugeschrieben werden, finden: Der Beruf des Berufskraftfahrers, des Lkw-Fahrers.

Niemand sorgt sich wie Berufskraftfahrer um seine Nächsten.

  • Sie sorgen für Grundnahrungsmittel. Ohne sie, wären die Regale im Supermarkt leer.
  • Sie sorgen für Materialsicherheit. Ohne sie stünden Produktionsanlagen still.
  • Sie sorgen für die medizinische Versorgung. Ohne sie müssten neue Behandlungsmethoden, die ohne Arzneimittel und ohne technische Geräte auskommen, erfunden werden.
  • Sie sorgen für Bildung, denn ohne sie gelangen viele Schüler nicht in die Schule und viele Studenten nicht an die Hochschule.
  • Sie transportieren Kranke und Verletze, retten Leben und Gesundheit.
  • Sie sind unerlässlich, wenn es um Ernährung, Wohlbefinden und Sicherheit in einer Gesellschaft geht.

Und sie sind vom Aussterben bedroht.

Der DSLV, der Deutsche Speditions- und Logistikverband warnt davor, dass es schon bald zu Engpässen in der Versorgung kommen könnte, weil bereits heute ein akuter Fahrermangel herrsche. Mathias Krage, Präsident des DSLV spricht bereits von einem Markt, der wie leergefegt sei. Betroffen seien vor allem Stückgut, Teilladungs- und Ladungsmarkt. Mit anderen Worten, wenn nicht bald etwas geschieht, geht es den vollen Regalen in Supermärkten an den Kragen. Wenn sich nicht bald mehr Berufskraftfahrer finden, dann stellen sich Venezuelanische Verhältnisse in Deutschland ein.

Ursächlich für das nicht vorhandene Angebot an Lkw-Fahrern sind laut der Pressemeldung des DSLV staatliche Regelungen, schlechte Arbeitsbedingungen und die immer höheren Anforderungen, die an die Fahrer gestellt werden. Der Beruf des Lkw-Fahrers und mit ihm unsere liebsten Gewohnheiten: Einfach einkaufen gehen und sich darauf verlassen, dass der Lkw-Fahrer mit dem Nachschub schon da war, sind davon bedroht. Versorgungsengpässe drohen, so Krage.

Aber was tun?
Wir haben uns den Kopf zerbrochen und sind mit der Lösung für das Kraftfahrgewerbe gekommen, die so nahe liegt, dass man sich fragt, warum sie nicht all den Feministen und Genderisten längst eingefallen ist.

Ein Blick in die Zahlen offenbart eine erschreckende Unterrepräsentation von Frauen, in diesen klassischsten aller Sorgeberufe: 85% der 80.933 bundesweit gemeldeten Berufskraftfahrer im Personentransport sind männlich. Gar 98% der 555.505 im Güterverkehr Tätigen Lkw-Fahrer sind männlich. 88% der Fahrer von Bussen und Straßenbahnen sind männlich (Die Zahlen entstammen der Erwerbstätigenstatistik der Bundesagentur für Arbeit).

Das sind klare Belege für die Nachteile von Frauen. Letztere sind von der Erfüllung der elementarsten Funktionen von Sorgearbeit ausgeschlossen und weder die Friedrich-Ebert noch die Heinrich-Böll-Stiftung haben es jemals zum Anlass genommen, um die Gleichstellung von Frauen in der Sorge um das Wohlergehen von uns allen, unsere Bildung, Gesundheit und Versorgung zu fordern.

Ein Skandal.
Als Ergebnis sehen wir eine Versorgungskrise aufziehen.
Aber es bleibt noch Zeit, die bevorstehende Krise abzuwenden.

Folgendes ist notwendig:

  • Ein Programm, das Mädchen schon in Schulen für den Sorgeberuf „Lkw-Fahrer“ begeistern soll.
  • Ein Mentorenprogramm, das Mädchen in eigens konzipierten Lkw-Schulen für den Sorgeberuf „Lkw-Fahrer“ fit machen soll.
  • Ein Schwerpunkt „Lkw-Fahrer“ bei zukünftigen Girls-Days.
  • Ein Bundesprogramm, das die Berufung von weiblichen Lkw-Fahrern auf offene Stellen mit einem Zuschuss von 25.000 Euro pro Stelle befördert.

Zur Finanzierung der Programme wird das Professorinnenprogramm beendet.
Lkw-Fahrer sind wichtiger als weibliche Professoren. Weibliche Professoren füllen Papier, Lkw-Fahrer füllen Regale. Papier kann man nicht essen.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Blödsinn mit Methode

Wir haben schon seit längeren einen Verweis auf Unsinn in unserer todo-Liste, den wir zunächst haben liegen lassen, weil der Unsinn, besser: Blödsinn, der Gender Studies Blödsinn, der es in unsere Mailbox geschafft hat, einen mit normalen Verstand begabten Menschen vor eine Herausforderung stellt, die man als Frage formulieren kann: Was macht man mit einem derartigen Blödsinn?

Die offensichtliche und naheliegende Antwort lautet: löschen und vergessen.

Aber der Blödsinn kommt von Hochschulen. Gender Studierte verbreiten ihre Leerformeln und ihre Phantasien von Hochschulen aus. Also haben wir uns gedacht: Selbst mit diesem Blödsinn müssen wir etwas machen, ihn zum Gegenstand machen, anhand dessen, man etwas zeigen kann. Und was kann man anhand von Blödsinn zeigen?

Einfach: Warum es Blödsinn ist und nichts an Hochschulen verloren hat.

Unser Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass ein Text, der mit Recht den Anspruch erhebt, wissenschaftlich zu sein, eine konkrete Fragestellung behandelt. Die Fragestellung wird in einen Forschungsstand eingeordnet, vor dem Hintergrund einer Theorie oder theoretischer Vorstellungen werden Hypothesen entwickelt und diese Hypothesen werden getestet. Oder es wird konzeptionelle Arbeit geleistet und Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten diskutiert und verdichtet, in ein theoretisches System integriert oder – weniger aufwändig: in ein theoretisches Modell.

Wissenschaftliche Texte der beschriebenen Art zeichnen sich dadurch aus, dass sie zielgerichtet und auf einen konkreten Gegenstand, eine konkrete Fragestellung bezogen sind. Entsprechend kann man den Gegenstand, auf den sich die konkrete Fragestellung, die beantwortet werden soll, nicht einfach austauschen, ohne den Sinn des gesamten wissenschaftlichen Textes zu entstellen.

Gender Studies T Shirt
Im Gegensatz dazu kann man in den Texte von Wortakrobaten, die lediglich den Anschein erwecken wollen, Wissenschaftler zu sein, und zwar durch die Verwendung von wichtig klingenden Begriffen wie „integrative Perspektive“ oder „sozialtheoretische Problemstellung“ oder „sozial-ökologische Regime“, kurz Texte, in denen ein oder mehrere Autoren versuchen, den Lesern durch die Verwendung möglichst vieler abstrakter Begriffe, so den Geist zu benebeln, dass die anfälligen unter ihnen denken, der Text müsse ein ganz gelehrter sein, schon weil so komplizierte Begrifflichkeiten verwendet werden, nach Herzenslust herumschreiben und Wort ersetzen, ohne dass es jemand bemerkt. Denn die anscheinend komplizierten Begrifflichkeiten werden in einer Weise in einen Reigen von Leerformeln eingewoben, die es dem kritischen Geist erlaubt, den Blödsinn, der hier zur Methode gemacht wurde, offenzulegen, einfach dadurch, dass er einige der Begriff austauscht und zeigt, dass man mit dem selben Text ganz unterschiedlichen Blödsinn schreiben kann.

Und genau das haben wir mit dem Text, der in unsere Mailbox gekommen ist, getan. Wir haben in dem Text nicht mehr als 10 Worte ausgetauscht und in einem Fall einen Satz umgestellt. Herausgekommen ist fünfmal Blödsinn und wir fragen unsere Leser, welcher Blödsinn ist der, der in einer Zeitschrift der Gender Studies veröffentlicht wurde?

Option 1: Nachhaltiger Gendertod

facepalm-GodzillaVielfalt im Tod. Chancengleichheit als Kriterium für eine nachhaltige Bestattungsgestaltung

Der Tod ereilt jeden, er ist für alle da – für die Sterbenden, aber auch für die Totengräber und Bestattungsunternehmer. Dieser Artikel beleuchtet die männerdominierte Bestattungsbranche und geht von einer Interdependenz zwischen Gesellschaft, Geschlecht und Tod aus. Denn die Gesellschaft-Tod-Beziehungen und deren Ausgestaltung sind mit Gender sowie mit Fragen der Chancengleichheit verknüpft. Ziel ist es, sich durch eine integrative Perspektive der beiden Forschungsfelder Gender Studies und Nachhaltigkeitsforschung sozialtheoretisch Problemstellungen von Nachhaltigkeit und Chancengleichheit zu nähern. Die theoretische Basis bilden dabei der Ansatz „sozial-ökologische Regime“ und die „Care“-Perspektive. Es wird argumentiert, dass nachhaltige Bestattungsgestaltung heißt, Chancengleichheit im Zusammenhang mit dem Tod auf allen Seiten zu gewährleisten. Zum Schluss wird die Frage gestellt: Ist nachhaltige Bestattungsarbeit Care-Arbeit und umgekehrt?

Option 2: Nachhaltiger Genderkaffee

Oh No!Vielfalt im Café. Chancengleichheit als Kriterium für nachhaltige Kaffeekränzchen

Cafes sind ist für alle da – auf Seiten der Nutzer_innen, aber auch auf Seiten der Gastronomieberufe. Dieser Artikel beleuchtet die frauendominierte Cafébranche und geht von einer Interdependenz zwischen Gesellschaft, Geschlecht und Kaffeetrinken aus. Denn die Gesellschaft-Café-Beziehungen und deren Ausgestaltung sind mit Gender sowie mit Fragen der Chancengleichheit verknüpft. Ziel ist es, sich durch eine integrative Perspektive der beiden Forschungsfelder Gender Studies und Nachhaltigkeitsforschung sozialtheoretisch Problemstellungen von Nachhaltigkeit und Chancengleichheit zu nähern. Die theoretische Basis bilden dabei der Ansatz „sozial-ökologische Regime“ und die „Care“-Perspektive. Es wird argumentiert, dass nachhaltige Kaffeekränzchen heißen, Chancengleichheit im Zusammenhang mit dem Kaffeetrinken auf allen Seiten zu gewährleisten. Zum Schluss wird die Frage gestellt: Ist nachhaltige Gastronomiearbeit Care-Arbeit und umgekehrt?

Option 3: Nachhaltiger Genderacker

scully facepalmVielfalt auf dem Acker. Chancengleichheit als Kriterium für eine nachhaltige Gestaltung der Agrarwirtschaft

Die Landschaft ist für alle da – auf Seiten der Nutzer_innen, aber auch auf Seiten der Agrarberufe. Dieser Artikel beleuchtet die männerdominierte Agrarbranche und geht von einer Interdependenz zwischen Gesellschaft, Geschlecht und Natur aus. Denn die Gesellschaft-Natur-Beziehungen und deren Ausgestaltung sind mit Gender sowie mit Fragen der Chancengleichheit verknüpft. Ziel ist es, sich durch eine integrative Perspektive der beiden Forschungsfelder Gender Studies und Nachhaltigkeitsforschung sozialtheoretisch Problemstellungen von Nachhaltigkeit und Chancengleichheit zu nähern. Die theoretische Basis bilden dabei der Ansatz „sozial-ökologische Regime“ und die „Care“-Perspektive. Es wird argumentiert, dass nachhaltige Agrarwirtschaft heißt, Chancengleichheit im Zusammenhang mit der Landschaftsnutzung auf allen Seiten zu gewährleisten. Zum Schluss wird die Frage gestellt: Ist nachhaltige Agrararbeit Care-Arbeit und umgekehrt?

Option 4: Nachhaltiger Genderwald

Prof FacepalmVielfalt im Wald. Chancengleichheit als Kriterium für eine nachhaltige Waldgestaltung

Der Wald ist für alle da – auf Seiten der Nutzer_innen, aber auch auf Seiten der Waldberufe. Dieser Artikel beleuchtet die männerdominierte Waldbranche und geht von einer Interdependenz zwischen Gesellschaft, Geschlecht und Natur aus. Denn die Gesellschaft-Natur-Beziehungen und deren Ausgestaltung sind mit Gender sowie mit Fragen der Chancengleichheit verknüpft. Ziel ist es, sich durch eine integrative Perspektive der beiden Forschungsfelder Gender Studies und Nachhaltigkeitsforschung sozialtheoretisch Problemstellungen von Nachhaltigkeit und Chancengleichheit zu nähern. Die theoretische Basis bilden dabei der Ansatz „sozial-ökologische Regime“ und die „Care“-Perspektive. Es wird argumentiert, dass nachhaltige Waldgestaltung heißt, Chancengleichheit im Zusammenhang mit der Waldnutzung auf allen Seiten zu gewährleisten. Zum Schluss wird die Frage gestellt: Ist nachhaltige Waldarbeit Care-Arbeit und umgekehrt?

Option 5: Nachhaltige Genderfreizeit

Double facepalmVielfalt im Freizeitpark. Chancengleichheit als Kriterium für eine nachhaltige Freizeitgestaltung

Freizeit ist für alle da – auf Seiten der Nutzer_innen, aber auch auf Seiten der Freizeitberufe. Dieser Artikel beleuchtet die frauendominierte Freizeitbranche und geht von einer Interdependenz zwischen Gesellschaft, Geschlecht und Freizeit aus. Denn die Gesellschaft-Freizeit-Beziehungen und deren Ausgestaltung sind mit Gender sowie mit Fragen der Chancengleichheit verknüpft. Ziel ist es, sich durch eine integrative Perspektive der beiden Forschungsfelder Gender Studies und Nachhaltigkeitsforschung sozialtheoretisch Problemstellungen von Nachhaltigkeit und Chancengleichheit zu nähern. Die theoretische Basis bilden dabei der Ansatz „sozial-ökologische Regime“ und die „Care“-Perspektive. Es wird argumentiert, dass nachhaltige Freizeitgestaltung heißt, Chancengleichheit im Zusammenhang mit der Freizeitgestaltung auf allen Seiten zu gewährleisten. Zum Schluss wird die Frage gestellt: Ist nachhaltige Freizeitarbeit Care-Arbeit und umgekehrt?

Na, welche sozialtheoretische Gender-Care-Nachhaltigkeits-Chancengleichheits-Perspektive ist der Blödsinn, der veröffentlicht wurde? Oder sind es gar mehrere, die veröffentlicht wurden?

Gender Blödsinn

Unsinn der Woche: Caring für Barbara Stiegler

Ich sitze hier vor meinem Computer, nachdem ich einen Teil meiner täglichen Care-Arbeit bereits hinter mich gebracht habe: Angefangen beim Zähneputzen (health caring) und Frühstück für mich und meine Frau machen (caring for others), frühstücken (noch healt caring), über das Versorgen der Katzen, (social caring) den kurzen Plausch mit dem Postboten (social relationship management/caring) bis hin zur Beantwortung von Emails (social network caring) . Mit dieser Care-Arbeit gibt es jedoch ein Problem: Sie ist unbezahlt. Barbara Stiegler ist angetreten, dies zu ändern. Als Care-Arbeit gilt ihr dabei im Wesentlichen, die Fürsorge-Arbeit, die “verborgen und überwiegend weiblich” ist, für die es “wenig präzise Daten” gibt, über die man aber dennoch seitenweise schwadronnieren kann, wenn man Barbara Stiegler ist.

Trotz dem wenigen, das über die weibliche Care-Arbeit bekannt ist, gelingt es Stiegler, die (der Götter sei Dank) nur 5 Seiten eines bemerkenswert schlechten Beitrags für einen bemerkenswert schlechten Reader der Friedrich-Ebert Stiftung mit dem Titel “Antworten aus der feministischen Ökonomie auf die globale Wirtschafts- und Finanzkrise” mit einer Vielzahl doch recht apodiktischer Behauptungen zu füllen, deren Berechtigung man angesichts der Stieglerschen Aussage, dass doch so wenig über die Care-Arbeit bekannt ist, nicht so recht nachvollziehen kann. Doch der Reihe nach.

Versuchen wir zunächst, der weiblichen Care-Arbeit (schminken, Haare waschen, Zähne putzen, …? Meine Frau sagt gerade, die Reihenfolge ist falsch!) in der Stieglerschen Diktion auf die Spur zu kommen. Care-Arbeit ist Versorgung der Kinder und Hausarbeit (auf Seite 28), zwischenmenschliche Arbeit, ohne Geschlechtsrollenstereotype und wird zur Fürsorgetätigkeit für Kinder, alte Menschen und Kranke (auf Seite 30), die einer “anderen Rationalität folgt, als die Arbeit, die der Herstellung von Dingen und Sachen dient” (auf Seite 28). Und: Care-Arbeit ist eine Arbeit, deren Merkmal gerade nicht darin besteht, dass man dafür Geld bekommt (auf Seite 27). Wieder fällt mir nur das Wort bemerkenswert ein, um die erstaunliche Diffusität eines doch recht simplen Begriffes zu bewerten, aber lassen wir uns auf die “Gedankenwelt” von Barbara Stiegler ein, folgen wir den Irrungen und Wirrungen ihrer “Argumente”, betreiben wir unentgeltliche Care-Arbeit in der Hoffnung, etwas Produktives möge für Stiegler dabei herauskommen.

Obwohl es ein Merkmal der “Care-Arbeit” ist, wie Stiegler zu Beginn ihres Textes (28) verkündet, dass sie nicht bezahlt wird, geht es im Rest des Textes ausschließlich um die Bezahlung der Care-Arbeit, deren Hauptproblem auf Seite 30 wie folgt beschrieben wird: “Wenn eine Hausfrau und Mutter nach jahrelanger Fürsorgetätigkeit für Kinder, alte Menschen und Kranke auf den Arbeitsmarkt kommt, so gilt diese ihre bislang geleistete Fürsorgearbeit im Rahmen der betrieblichen Qualifikationssysteme nichts”. Diese abermals bemerkenswerte Aussage lässt sich auf die Frage verdichten: Würden Sie Mutter Theresa die Leitung ihres Aufsichtsrats anvertrauen? Anders formuliert: Würden Sie Barbara Stiegler nach jahrelanger ideologischer Tätigkeit für die Friedrich Ebert Stiftung die Betreuung alter Männer mit Alzheimer im Altenheim anvertrauen? Oder ist nicht vielleicht doch ein wenig “Erfahrung” um nicht zu sagen “Kompetenz” notwendig, wenn man sich um andere kümmern will? Warum wohl, werden Alte und Kranke spätestens dann zum Gegenstand von Pflegeheimen oder ambulanter Pflege, wenn sie fachmännisch aufgerichtet und behandelt werden müssen? Braucht man vielleicht doch etwas Kenntnis, bevor man Patienten behandelt, oder kann die “Frau und Mutter” aufgrund ihrer vielfältigen Erfahrung mit Grippeerkrankungen bei Ihren Kindern, als Chefarzt im Transplantationszentrum fungieren? Ich weiß nicht in welcher Welt Barabara Stiegler lebt, aber nicht einmal ich wünsche ihr Pflege durch eine Pflegerin, deren Befähigung darin besteht, Frau und Mutter zu sein.

Neben diesem bemerkenswerten Biologismus, der die Gründungsmütter der Frauenbewegung in Höchstgeschwindigkeit rotieren lassen dürfte (in ihren Gräbern), zeichnet sich der Text von Stiegler durch logischen Unsinn aus, der seinesgleichen sucht, der bemerkenswert ist. So liest man auf Seite 28:

“Die Annahme, das Individuum sei unabhängig und autonom, wird ergänzt durch die Anerkennung, dass zum Menschen Abhängigkeit und Verfall gehören.”

Das ist ein bemerkenswerter Fall von Gehirnkrebs, der unbedingt der Aufmerksamkeit eines Mental-Health-Caring Professionals bedarf, denn bereits die alten Griechen kannten das tertium non datur des Mittelalters, den Satz des ausgeschlossenen Dritten. Anders formuliert, etwas kann nicht es selbst und sein Gegenteil sein. So wenig wie Barbara Stiegler dumm und nicht-dumm zugleich sein kann, kann ein Individuum unabhängig und abhängig zugleich sein. Es geht nur entweder oder – jedenfalls in einer Welt aus Logik und Rationalität (offensichtlich nicht die Welt von Stiegler).

Damit nicht genug. Ebenfalls auf Seite 28 steht für jedermann zu lesen:

“Die Annahme, Austausch und Beziehungsformen sollen ausschließlich reziprok sein, wird ergänzt durch die Anerkennung von Beziehungsformen, die die Selbstachtung des Empfangenden und die Nichtausbeutung des Gebenden sichern”.

Was, Frau Stiegler, kann eine Austauschbeziehung anderes sein als reziprok? Das Wörtchen reziprok stellt einen bemerkenswerten Fall dar, in dem sich der Duden und das Philosophische Wörterbuch über die Wortbedeutung einmal einig sind: “reziprok: wechselseitig sich bedingend”. Als nicht-reziproke Beziehungen bleiben dann nur Herrschafts- oder Machtbeziehungen übrig, bei denen der eine etwas geben MUSS, der andere auf das GEGEBENE ein Anrecht HAT. Die Transferzahlungen im Sozialsystem sind ein entsprechendes Beispiel von Herrschaftsbeziehung, bei der Steuerzahler geben MÜSSEN, damit Mütter für ihre “Care-Arbeit” mit Elterngeld vergütet werden. Hier findet kein Austausch statt, denn der Steuerzahler hat nichts davon, dass er Mütter finanziert, außer vielleicht Lärm und Geschrei in Nachbars Garten, was ihn zum erzwungenen Altruisten qualifiziert.

Die nicht-reziproke Herrschaftsbeziehung scheint genau das zu sein, was Barbara Stiegler bei ihrer Forderung nach einer Bezahlung von “Care-Arbeit” vorschwebt, denn die Care-Arbeit in Familie X (lassen wir das romantische Bild der Familienmitglieder, die füreinander sorgen, einmal bestehen, gegen all die empirischen Evidenzen von vernachlässigten Kindern und in ihrem Urin liegenden Alten) bringt nur Familie X etwas, sonst niemandem. Und dies ist dann auch der Punkt, wo das archaische Bild von Ökonomie, das Barbara Stiegler auszeichnet, deutlich zum Vorschein kommt, wenn sie schreibt: “Fürsorgearbeit ist zwischenmenschliche Arbeit, die nicht automatisiert werden kann”. Dieser verkappte Glaube an das Paradies im Pleistozän als die Urhorde noch durch die Wälder streifte, wilden kommunalen Sex hatte und ansonsten sich gegenseitig die Backen gestreichelt hat (Care-Arbeit), macht einem schaudern.

Marie Curie

Wo wäre wohl Pflegearbeit ohne all die modernen Hilfsmittel, die dabei zum Einsatz kommen? Als in erster Linie Frau, Frau Stiegler, sollten sie eigentlich um die endemischen Rückenschmerzen der hauptberuflichen Pflegekräfte wissen, die ausschließlich durch moderne Hebehilfen gemildert werden können; darum, dass weiblich-fürsorglicher Zuspruch vielleicht nicht unbedingt das Mittel ist, um Krebs zu behandeln oder Alzheimer zu lindern. Es ist auch keine “andere Rationalität” diesen Unsinn zu behaupten. Es ist Irrationalität und bleibt Unsinn, nicht mehr und nicht weniger.

Somit bleibt nur noch ein loses Ende in diesem Text wieder aufzunehmen: Die rotierenden Frauenrechtlerinnen, ein Punkt, der Dr. habil. Heike Diefenbach besonders wichtig ist. Frauenrechtlerinnen des späten 18. und des 19. Jahrhunderts haben dafür gekämpft, Zugang zu Erwerbsarbeit zu erreichen und ihre Begrenztheit auf den eigenen Haushalt zu überwinden. Sie wollten in der “Männerwelt” arbeiten. Frauen, wie Barbara Stiegler, im 21. Jahrhundert, wollen zuhause sitzen, Hausfrauenfernsehen schauen, sich um die Kinder kümmern, die in der Schule sind und die Eltern versorgen, die im Altenheim untergebracht sind, und sie wollen dafür bezahlt werden, sich dafür zwar nicht in Abhängigkeit von Männern, dafür in die Abhängigkeit des Staates begeben. Mir scheint, Barbara Stiegler sollte noch einmal über die Bedeutung des Wortes “Emanzipation” nachdenken.

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