Gesetzes Grenze oder: Die Gedanken sind frei

Wir konnten uns nicht entscheiden, wie wir den vorliegenden Post einleiten sollen. Deshalb gibt es jetzt drei alternative Anfänge:

In der Kriminologie ist die Verdrängung von Kriminalität ein bekanntes Phänomen. Wenn durch z.B. verstärkten Polizeieinsatz in einem räumlich begrenzten Gebiet, z.B. der Taschendiebstahl schwieriger gemacht wird, dann wandern die Taschendiebe in angrenzende Gebiete ab und gehen dort ihrem Handwerk nach.

Oder Alternative 2:

DDR Grenze

Staatlich geförderte Wahl des Wohnsitzes

In der DDR herrschte eine offizielle Meinung, die Parteimeinung, und es war der eigenen Karriere nicht förderlich, wenn man den Genossen Honnecker als senilen Alten oder Genosse Stalin als pathologischen Mörder bezeichnet hat. Geschweige denn, dass es ratsam war, die aus Parteiräson entsprungene Planwirtschaft ob der Tatsache, dass kein Zement, dafür aber doppelt so viel Ziegelsteine wie notwendig, produziert wurden, zu kritisieren. Deshalb gab es in der DDR die private Meinung im Freundeskreis derer, die sich nachträglich häufig als IM – inoffizielle Mitarbeiter der Stasi entpuppt haben.

Oder Alternative 3:

Verträge, und Gesetze sind letztlich Verträge, sind notwendiger Weise unvollständig, da es einerseits Folgen der Gesetze gibt, die man bei Gesetzeslegung nicht gekannt hat, andererseits Reaktionen auf die Gesetze, die man nicht geplant hat, die sich unbeabsichtigt ergeben. Entsprechend sind Gesetze keine 100%tigen Regelungen, sondern Regelungsabsichten, die sich zum Teil ganz anders, als beabsichtigt, entwickeln.

Gesetzgebung, die das Ziel hat, eine Gleichstellung oder eine Gleichheit herzustellen, Gesetzgebung, die nicht Chancengleichheit, sondern Ergebnisgleichheit zum Ziel hat, Gesetzgebung, die bei Minderheiten mit affirmative action arbeitet, diesen also einen Vorteil einräumt oder Gesetzgebung, die Gleichstellung sicherstellen will, z.B. durch die bekannte, aber vollkommen leere Floskel: “Bei gleicher Eignung werden Frauen bevorzugt” oder wahlweise Behinderte, Gesetzgebung, die sich aufschwingt gegen Vorurteile und Diskriminierung vorzugehen und entsprechend Gender mainstreamed oder Diversity garantieren will, derart angeblich gut gemeinte Gesetzgebung war Gegenstand einer qualitativen Untersuchung, die an der University of Sheffield durchgeführt wurde.

30 Interviewte machen die Grundgesamtheit der Studie aus, die sich mit Gleichheits-Gesetzgebung, dem Equality Act (2010) im vorliegenden Fall, und vor allem mit den Konsequenzen dieser Gesetzgebung aus dem Vereinigten Königreich befasst hat. Die Ergebnisse dieser Studie sind ein herber Rückschlag für alle, die denken, sie könnten Menschen einfach das verordnen, was sie für richtig halten, könnten die Hearts and Minds derjenigen erobern, die sie aus ihrer Sicht richtigen Regelungen unterziehen.

Weit gefehlt. Man kann Menschen nicht per Gesetz zum angeblich Besseren bekehren.

Schlimmer noch. Derart vermeintlich gutgemeinte Gesetze verschlimmern die Situation, die zu verbessern sie angetreten sind.

Konsequenz einmal mehr: Sozialtechnologie funktioniert nicht.

Im Einzelnen hat die Untersuchung gezeigt, dass

  • Sheffield Universitydie Befragten keine Detailkenntnisse über den Equality Act (2010) hatten;
  • die Schaffung von Gleichheit per Gesetz als Form politischer Korrektheit angesehen wurde;
  • die Schaffung von Gleichheit als unfair und ungerechtfertigt angesehen wurde;
  • das Gesetz zur Schaffung von Gleichheit dazu geführt hat, dass die Befragten eine öffentliche und eine private Meinung entwickelt haben, d.h. in der Öffentlichkeit und vor allem am Arbeitsplatz haben sie gesagt, was politisch korrekt ist und von ihnen erwartet wurde, was aber in keiner Weise ihrer Meinung entsprochen hat. Im privaten Kontext haben sie ihrer wirklichen Meinung dann freien Lauf gelassen, wobei die Vorurteile gegen Minoritäten, die sie im öffentlichen Raum nicht mehr äußern dürfen, im privaten Raum um so deutlicher geäußert wurden.
  • die Schaffung von Gleichheit per Gesetz, die damit verbundene politische Korrektheit und das davon ausgehende Sprechverbot für die eigene, nicht politisch korrekte Meinung hat Ärger und Frustration und das Gefühl, zum Schweigen gebracht und aus dem öffentlichen Raum verdrängt worden zu sein, zur Folge.

Letztlich, so Gill Valentine, Autor des Berichts, habe man mit der Gesetzgebung eine Situation geschaffen, die keinem helfe, aber alle schlechter stelle. Diejenigen, denen geholfen werden sollte, sehen sich nunmehr Ressentiments gegenüber, die nicht mehr öffentlich diskutiert werden können, die sie vielmehr im Privaten treffen. Diejenigen, deren Meinung als nicht mehr politisch korrekt angesehen wird, fühlen sich aus dem öffentlichen Raum abgedrängt und reagieren mit Ärger und Frustration, was ihre Vorurteile intensiviert.

Kurz: Ein Gesetz zur Schaffung von Gleichheit mag diejenigen zufrieden stellen, die damit zufrieden sind, sich als vermeintliche Guttuer in der eigenen Gutheit suhlen zu können, diejenigen, die damit eine Veränderung herbeiführen wollten, können damit nicht zufrieden sein, denn sie haben das Gegenteil dessen erreicht, was sie erreichen wollten:

  • Sie haben Vorurteile gegen Minoritäten wo sie vorhanden waren, verschärft, wo sie nicht vorhanden waren, neu geschaffen.
  • Sie haben dafür gesorgt, dass die Gruppen, denen durch die gesetzliche Schaffung von Gleichheit geholfen werden sollte, im Rampenlicht stehen und Dank der größeren Sichtbarkeit und der mit dem Gleichheitsgesetz einhergehenden Wahrnehmung von Unfairness noch größere Resentiments hervorgerufen haben, als zuvor.
  • Und Sie haben es letztlich geschafft, dass eine öffentliche Auseinandersetzung darüber, ob Vorurteile gegen Schwarze, Asiaten, Deutsche oder Schotten eine empirische Basis haben oder schlicht nicht gerechtfertigt sind, verunmöglicht wurde.

Die Vorurteile sind nun privat und für die Sozialtechnologen nicht mehr erreichbar.

Somit kann man schließen:

Die Gedanken sind frei und nicht durch Gesetze veränderbar.

Wer dies dennoch versucht, wird eine vorhandene Situation nur verschlimmern.

Und was für den Equality Act im Vereinigten Königreich gilt, gilt für das Gender Mainstreaming und die Myriaden Programme zur Bevorteilung von Frauen in Deutschland. Am Ende wird sich eine Situation einstellen, die Bürger in öffentlichen Situationen die Versatzstücke aufsagen lässt, die sie auswendig und als politisch korrekt gelernt haben, und in privaten Situationen werden sie ihrem Frust und ihrem Ärger freien Lauf lassen. Wie lange es wohl dauert, bis diese explosive Mischung knallt … ?

Die politisch Korrekten sind die eigentlichen Rassisten

Yes Weiss Can! Weiss Nuss bleiben!

FerreroDas spricht eine Pralinenschachtel in einem Werbespot von Ferrero. Den Spot kennt zwischenzeitlich zumindest vom Hörensagen fast jedes Kind in Deutschland. Ferrero ist es also bestens gelungen, Markenbekanntheit für Ferrero Küsschen und Aufmerksamkeit für seine Produkte und das Unternehmen zu erzielen. Man fühlt sich unmittelbar an die Werbspots von Benetton erinnert, die in den 1990er Jahren Aufmerksamkeit für das Unternehmen geschaffen haben, in dem z.B. AIDS-Kranke Teil einer Werbekampagne waren.

Damals wie heute ist der Werbeerfolg der Unternehmen auf einen Haufen wild durcheinander laufender und vor allem schreiender politisch Korrekter zurückzuführen, die sich fast nach Belieben in Bewegung setzen lassen. Man muss Ihnen nur Anlass geben, sich aufregen zu können, z.B. über Rassismus, z.B. über die angebliche Kommerzialisierung von Kranken. Ferrero hat dies hervorragend in Szene gesetzt. Ob dies bei Ferrero beabsichtigt war, ist allerdings eine andere Frage.

Ferrero kuesschenDenn: einmal ehrlich – wie krank muss man eigentlich sein, wenn man die Aussagen einer Pralienschachtel “Yes, Weiss Can!” oder “Weiss Nuss bleiben” oder “Deutschland wählt Weiss” als Rassismus auffasst? Wer hätte je von Rassismus gehört, der sich auf eine Pralinenschachtel bezieht. Aber gut, nehmen wir den Rassismus-Vorwurf ernst, z.B. den, den ein Jean-Alexander Ntivyhabwa nach Angaben des Stern erhebt. Ntivyhabwa ist Organisator der Medien-Watch Organisation “der braune Mob” (ist das Rassismus?) und sagt: “Man kann ja nicht einmal von Satire sprechen, weil die weiße Firma einen Spot inszeniert, in dem fast ausschließlich weiße Menschen weiße Schokolade mit dem Spruch ‘Weiß Nuss bleiben” bejubeln”. Warum man nicht von Satire sprechen kann, habe ich nicht verstanden, aber wenn Herr Ntivyhabwa die Abwesenheit von nicht-weißen Menschen als Rassismus ansieht, dann gibt es in Deutschland eine Vielzahl rassistischer Ortschaften.

Die Taz setzt noch einen drauf: “Bislang gibt es keine schwarze Abgeordenten im Bundestag, obwohl etwa eine halbe Millionen schwarze Menschen in Deutschland leben. Dass Diskriminierung auf Grund von Hautfarbe oder Geschlecht in unserer Gesellschaft keine Rolle mehr spielen, ist nach wie vor Wunschdenken”. [man denke nur an das Redaktionsteam der Taz… Die Deklinationsfehler stammen übrigens von der Taz, scheinbar wirkt die Ver-Innung sich negativ auf die Deklinationsfähigkeit aus.)

Wie man so nebenbei untergeschoben bekommt, dass in Deutschland angeblich nach Hautfarbe und natürlich nach Geschlecht diskrimiert wird – bemerkenswert. Offensichtlich ist es das Ein und Alles von politisch Korrekten nachzuweisen, dass eine Diskriminierung stattfindet. Das ist ihr Lebenselixier. Gäbe es keine Diskriminierung, es wäre nicht auszudenken, denn womit sollte man seine Gutheit und moralische Integrität, seine politische Korrektheit anzeigen (anzeigen, nicht in Taten zeigen!), womit sein Geld verdienen, wenn man nicht die vermeintliche Diskriminierung anderer anprangern könnte?

Die Behauptung, dass in Deutschland nach Hautfarbe und Geschlecht diskriminiert werden soll, wird durch eine Zahl zu belegen versucht.

Wahlkreise500.000 schwarze Menschen leben nach Erkenntnissen der Taz in Deutschland (woher die Erkenntnisse auch immer stammen mögen) und keiner davon sitzt im Bundestag. Deshalb werden schwarze Menschen und wird nach Geschlecht diskriminiert. Das ist eine so hanebüchene Ansammlung von Sätzen, dass ich nicht von Argumentation schreiben mag, sondern von Dummheit, denn wenn ein Sitz im Bundestag über DIskriminierung oder nicht entscheidet, dann gibt es ziemlich viele, die in Deutschland diskriminiert werden ….

Wenn es um die politische Korrektheit geht, dann spielen Fakten natürlich keine Rolle. Im Leben der chronisch aufgeregten, politisch Korrekten spielen Fakten keine Rolle. Sie sind eher hinderlich, wenn man sich aufregen will. Und so spielt auch die Tatsache, dass Pralinenschachteln, die Wahlkampfreden halten, selbst für Deutschland eher eine Seltenheit sind, und schon dieses Setting bei einem normalen Menschen den Verdacht auslösen sollte, dass es sich hier um etwas nicht Ernst-zu-Nehmendes handelt, keine Rolle. Wenn politische Korrekte im Aufregfieber sind, dann geht es mit ihnen ganz offensichtlich durch.

Dann wird die Farbe “Weiss” zum Essentialismus, der immer dann, wenn er und nichts anderes genannt wird, Rassismus bedeutet. Wie muss es im Gehirn von Menschen aussehen, die Weiss hören, die eine Parodie (ja, das, was im Werbespot von Ferrero gemacht wird, ist eine Parodie) sehen und Rassismus denken? Wie muss es um ihre geistige Verfassung bestellt sein, wenn sie hinter den Aussagen einer Pralinenschachtel Rassismus vermuten? Zur Erinnerung, Rassismus wird gewöhnlich definiert als:

“… an antipathy based upon a faulty and inflexible generalization. It may be felt or expressed. It may be directed towards a group as a whole or towards an individual because he is a member of that group” (Allport, 1954, S.9).

Die affektive Ladung (antipathy) ist der Knackpunkt, an der vorliegenden Angelegenheit, denn im Werbespot gibt es nichts, das nahelegen würde, dass mit der Betonung der Eigenschaft weiß(er Schokolade) Rassismus einhergeht (zumal die Mehrheit von Schokoladen schwarz oder braun ist). Der Rassismus ist demnach ein interpretierter, etwas, was an den Werbespot herangetragen wird, und zwar durch die vermeintlichen Anti-Rassisten, die durch ihre politische Korrektheit mittlerweile so beschränkt sind, dass sie nur noch reflexhaft reagieren können (z.B. deutlich bei der Taz am Reflex “Geschlecht”, der immer dann kommt, wenn Diskriminierung genannt wird, auch wenn es gerade um “schwarze Menschne” geht).

TaguieffUnd so entpuppen sich die politisch Korrekten einmal mehr als die eigentlichen Rassisten. SIe sind diejenigen, die bei der Farbe Weiß an überlegen und bei schwarz an unterlegen denken. Sie sind diejenigen, die, die Rede einer Pralinepackung als Rassismus interpretieren, weil sie davon überzeugt sind, dass weiß gar nicht anders gemeint sein kann, als überlegen. Es ist ihr eigener Essentialismus, der sie Rassismus sehen lässt, wenn Pralinenschachteln sagen “Yes Weiss can”.

Wie viel Interpretation ist eigentlich notwendig, um von dieser Aussage zum Vorwurf des Rassismus zu kommen? Und was sehen die entsprechenden Anti-Rassisten, wenn sie eine Tafel weiße Schokolade in Händen haben? Darf man in ihrer Welt noch von weißen Pferden sprechen ohne darauf hinzuweisen, dass Mitglieder des Ku-Klux-Klan gewöhnlich auf brauen Pferden sitzen? Eines steht jedenfalls fest, in ihrem Bemühen, Rassismen zu sehen, machen die Weißseher vor nichts halt, so dass sich die Frage stellt, wie lange es dauern wird, bis Musiker wie Puff Daddy oder Ice Cube von den entsprechenden politisch Korrekten als Rassisten ausgemacht werden, singen beide doch von nichts so häufig wie von im O-Ton: Niggern.

Mein Dank für Anregungen, Kritik und klärende Eingriffe gebührt Dr. habil. Heike Diefenbach.

Wer erzieht hier eigentlich wen? In Herne bestehen ernsthafte Zweifel an der Befähigung des Lehrpersonals

Die Schule am Hölkeskampring in Herne ist zwar derzeit nicht über das Internet zu erreichen, [derzeit, Samstag, 13 Uhr, ist die Homepage wieder zu erreichen] aber für den Fall, Hernedass sie es wäre, könnte man unter “Schulprogramm” eine große Zahl salbungsvoller und wichtiger Ziele, die “die Schule” erreichen will, nachlesen, z.B.:

“Schule hat die Aufgabe, sich einerseits mit der Vermittlung von Wissen auseinanderzusetzen und andererseits Charakter- und Persönlichkeitsbildung zu betreiben”.[Hervorhebungen sind von mir]

Grundlegende soziale Verhaltensweisen sollen den Schülern der Schule beigebracht werden, so heißt es weiter, und als Unterrichts- und Erziehungsziele wird eine ganze Reihe wohlklingender Floskeln angegeben: (1) Befähigung zum selbstkritischen Urteil, (2) eigenverantwortliches Handeln, (3) schöpferische Tätigkeit, (4) Erziehung zur Freiheit und Demokratie, (5) Erziehung zur Toleranz, (6) Achtung vor der Würde des anderen Menschen und Respekt vor Überzeugungen anderer uvm.

Nach einem Bericht in der Westdeutschen Allgemeinen (WAZ), der sich heute zum vierten Mal jährt (12. Mai), frage ich mich allerdings, wer in der Hauptschule am Hölkeskampring erzogen werden soll und für wen die vielen wohlklingenden Ziele formuliert wurden, für die Schüler oder für die Lehrer? Die WAZ berichtet von einem Jungen, der die Hauptschule besucht. Er ist ein Absteiger, der vom Gymnasium auf die Hauptschule gewechselt ist, ein Quereinsteiger, wenn man so will. Er ist 15 Jahre alt und hat seinen Irokesenschnitt in gelb-grün auf Verlangen “der Schulleitung” beseitigt und in eine linksgescheitelte Frisur übertragen. Ja. Und außerdem trägt er Springerstiefel und sagt von sich, er sei “sehr links”.

AldibaskoennekeDie Schulleitung in Person von Rektorin Claudia Aldibas-Könneke sieht dies jedoch anders: Frisur und Springerstiefel seien eine eindeutige rechtsradikale Symbolik, und beides werde “offen zur Schau getragen [Ich frage mich, seit ich das gelesen habe, wie man Schuhe und Frisur anders als offen tragen kann, aber sei’s drum]. Nicht nur das: Im Linksscheitel erkennt die gestandene Rektorin eine “Person des Dritten Reiches”, deren Namen ihr nicht einmal über die Lippen kommt und in beidem, dem Scheitel, der an die Person des Dritten Reiches erinnert, also Adolf Hitler, in dem viele lieber eine Unperson sehen, aber gut, und den Springerstiefeln erkennt die Rektorin eine “verbotene Symbolik. Sie widerspricht der Verfassung“. Das hat die Rektorin allen Ernstes verkündet und den linksbescheitelten 15jährigen Springerstiefelträger vom Unterricht ausgeschlossen.

Wer nun denkt, das sei der Gipfel der Idiotie, der hat nicht mit dem Schulamt Herne in Person von Christel Dahmen gerechnet: “Die Schule verhält sich absolut korrekt”, so stellt die Christel vom Schulamt fast diktatorisch, zumindest aber apodiktisch fest (fast wie das ein bescheitelter Herr im Dritten Reich getan hätte, an den man sich hier erinnert fühlt). Und dann sagt die Frau Dahmen vom Schulamt noch, warum die Schule sich absolut korrekt verhält: “Ich bin mit den Maßnahmen voll einverstanden”. Ja dann. Wenn Christel Dahmen mit dem Maßnahmen voll einverstanden ist, dann kann niemand in diesem Land etwas gegen die Maßnahmen einzuwenden haben – oder? Gegen den linksbescheitelten Herrn aus dem Dritten Reich und seine Maßnahmen hatte ja auch niemand etwas einzuwenden, fast niemand.

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Rasta und Springerstiefel – auch ohne Linksscheitel vom Unterricht ausgeschlossen?

Um das wahre Ausmaß dieser Groteske überschauen zu können, muss man sich noch einmal an den Anfang dieses post und die Selbstbeschreibung der Schule am Hölkeskampring erinnern: Die Schule will Wissen vermitteln und Charakter- und Persönlichkeitsbildung betreiben. Bleiben wir zunächst bei der Wissensvermittlung. Würde bitte jemand der Rektorin der Schule das Wissen vermitteln, dass weder ein Linksscheitel noch Springerstiefel noch eine Kombination von beidem der Verfassung widersprechen! Im Gegenteil, wird beides doch durch die Verfassung ausdrücklich als freie Persönlichkeitsentfaltung geschützt (Art. 2 Abs. 1 GG). Wenn hier sich hier jemand verfassungswidrig verhält, dann die Frau mit dem Doppelnamen, die Rektorin spielt und die Christel im Schulamt, die apodiktisch erklärt, dass an Herner Schulen verfassungsrechtlich gewährte Persönlichkeitsrechte nicht gelten.

Nun zu den schönen Worten zur Charakter- und Persönlichkeitsbildung. Was will die Schule am Hölkeskampring alles erreichen:

  • Eigenverantwortliche und schöperische Tätigkeit – Nun, ein Linksscheitel ist aus meiner Sicht nicht so schöpferisch wie ein Irokesenschnitt in grün-gelb, aber gepaart mit Springerstiefel ist es zumindest ein Ausdruck eines Versuchs der Inszenierung einer Persönlichkeit. Und es ist
  • ein Akt von Freiheit und eine Wahrnehmung der demokratischen Grundrechte, seine Persönlichkeit in einer Weise, die nicht jeder Rektorin Geschmack sein mag, zu inszenieren.
  • Aber gerade weil die Inszenierung mit Springerstiefel und Linksscheitel nicht dem Geschmack der Rektorin Aldibas-Könneke entspricht, so hätte sie sich doch gleich selbst zu Toleranz und zur Achtung der Würde anderer Menschen erziehen können und für den Fall, dass ihr das nicht gelingt, den Schulpsychologen um Hilfe bitten können.
  • Der widerum hätte der Rektorin Hilfestellung zur Erlangung der Befähigung zum selbstkritischen Urteil geben können, etwa der Art: Nicht alles, was mich an Adolf Hitler erinnert, ist so gemeint und hat etwas mit dem Dritten Reich zu tun, und möglicherweise habe ich einen Hitler-Komplex oder eine sonstige Form nicht bewältigter Deprivation, wie die intime Kenntnis selbst der Richtung des Hitlerschen Scheitels vermuten lässt (Hätten Sie gewusst, in welche Richtung Hitler seinen Scheitel trug? Ich nicht!).
  • Und da Einsicht der Anfang aller Besserung ist, hätte Rektorin Claudia Aldibas-Könneke am Ende vielleicht sogar Fortschritte in ihrer Charakter- und Persönlichkeitsentwicklung verzeichnen können.

Offensichtlich bestehen beim Lehrkörper der Schule am Hölkeskampring und insbesondere bei der Rektorin erhebliche Defizite und Nachholbedarfe, so dass sich tatsächlich die Frage stellt, wer hier eigentlich wen beschult. Wenn diese Frage irgendwann beantwortet ist, z.B. dann, wenn apodiktische Sätze aus dem Schulamt Der ewige JudeVergangenheit sind und die Ratio auch im Amt in Form von sprachlicher Mäßigung und verlässlicher Einschätzung Einzug gehalten hat, dann mag sich jemand bereit finden, um die Rektorin, den Lehrkörper und die Schüler der Schule am Hölkeskampring darüber zu unterrichten, dass die Art und Weise der Behandlung des linksgescheitelten Springerstiefelträgers in nichts von der Stigmatisierung, den Vorurteilen, von dem Rassismus abweicht, deren Opfer im Dritten Reich Juden geworden sind. Auch Juden wurden anhand von Eigenschaften ihres Aussehen stigmatisiert, auch ihnen wurden negative Konnotationen, also Vorurteile angeheftet. Und vom Zerrbild des ewigen Juden im Dritten Reiches, mit seiner Hakennase und der ihm unterstellten zersetzenden Wirkung auf die Deutschen bis zum Zerrbild des linksgescheitelten Springerstiefelträgers, der die Rektorin der Schule am Hölkeskampring an “eine Person des Dritten Reiches” erinnert, sowie dem ihm unterstellten rechtsradikalen Weltbild ist es wahrlich nicht weit. Bis zu ihrer entsprechenden Unterrichtung sei  der Rektorin Adorno et al. “Studien zum autoritären Charakter” und deren Fortführung durch Milton Rokeach in “The Open and Closed Mind” empfohlen – zur Erlangung von Wissen sowie zur Bildung von Charakter und Persönlichkeit.

Obwohl die Angelegenheit schon drei Jahre alt ist, gibt es keinen Anlass zu denken, das sei Schnee von gestern. Rektorin Aldibas-Könneke sitzt zwischenzeitlich im “Lenkungskreis des regionalen Bildungsnetzwerks Herne”. Derzeit sensibilisiert sie ihre Schüler für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet.

Dagegen ist Christel Dahmen aus der Schulaufsicht ausgeschieden.

ScienceFiles-Kommentar: Schwaben-Bashing – Darauf haben Hysteriker gewartet

Derzeit ist ein Teil von Polit-Deutschland empört. “Flugblatt weckt üble Erinnerungen”, heißt es im SWR und Klaus Sturm, seines Zeichens ein Berliner weiß: “Auch Schwaben sind Berliner”. Anlass für die üblen Erinnerungen Schwabenhassund den Sturm-Kommentar gegen “Schwabenhass”, ist ein Flugblatt, das nach Erkenntnissen des SWR “offenbar bereits seit Monaten … im Umlauf” ist, und zwar in Berlin.

Im Flugblatt werden Schwaben als “gierig, geldgeil und ohne Skrupel” beschrieben. Der Schwabe, so zitiert der SWR weiter, falle “wie Ungeziefer über unschuldige Berliner her”, zwinge sie unter seine Gewaltherrschaft, habe dabei seine Klauen im Weltmarkt und bedrohe nun die kulturelle Identität des Berliner Kiezes.

Nicht genug mit diesem Flugblatt. In der Nacht zum Samstag (4. Mai) haben Unbekannte im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg den Boykottaufruf “Kauft nicht bei Schwab’n” “mit Farbe an die Wand geschmiert”. Es ist dies wohl das erste Grafiti, das in kürzester Zeit republikweite Bekanntheit erreicht hat. Berlins Bürgermeister Wowereit hat das Grafiti als “unsägliche Aktion, für die es keine Begründung gibt”, bezeichnet, und Frank Henkel (CDU) brilliert in der SWR-Meldung mit seinen Ortskenntnissen und der davon ausgelösten besonderen ad-hoc Betroffenheit, steht doch ein anderer Anti-Schwaben-Spruch (Schwabe verpiss Dich!) in nur 200 Metern Entfernung zu einer Synagoge.

Bei so viel ad-hoc Hypothesen und Betroffenheit ist es richtig wohltuend, dass der Redakteur, der üble Erinnerungen angesichts des Anti-Schwaben-Flugblattes hatte, sich am Ende seines Textes noch zu zwei Sätzen durchringen kann, mit denen er versucht, eine rationale Erklärung für das Schwaben-Bashing zu geben:

Der anonyme Unmut regt sich gegen die Schwaben, weil sie angeblich die Besonderheiten des Stadtviertels [Prenzlauer Berg] verändern und die Preise auf dem Wohnungsmarkt in die Höhe treiben. In Berlin leben schätzungsweise 300.000 Schwaben.

Soweit, so gut.

Es ist ganz sinnvoll, die Fakten einmal von der Bewertung zu trennen.

capitalistAnscheinend gibt es in Berlin Witzbolde, die ein Flugblatt verbreiten, das mit “Stoppt die Schwaben” überschrieben ist, und in dem “der Schwabe” als gierig, geldgeil, skrupellos, als Ungeziefer und den Berlinern überlegen dargestellt wird (sonst wäre er keine Gefahr und könnte sich nicht gegen Berliner durchsetzen), als internationaler Großkapitalist der dem Berliner Kiez wesen-, weil kulturfremd ist. Die Art der Stereotypisierung und die dazu verwendeten Symbole, lassen wenig Zweifel darüber zu, in welchem ideologischen Umfeld sich die/der Urheber dieses Flugblattes bewegen/bewegt. Und hätte es nicht “die Schwaben”, sondern “die Banker” getroffen, die allgemeine Aufgeregtheit, die nunmehr durch die öffentlichen Medien pulsiert, hätte sich in engen Grenzen bewegt, so es sie überhaupt gegeben hätte.

Aber: Dieses Flugblatt kursiert nach Erkenntnissen des SWR schon seit Monaten in Berlin. Bislang war es dem SWR nicht berichtenswert, oder seine Wirkung war so begrenzt, dass außerhalb des Prenzlauer Berges kaum jemand etwas davon wusste. Und mit einem Mal ist alles anders: Ein Grafiti macht es möglich: “Kauft nicht bei Schwab’n” hat geschafft, was “Stoppt die Schwaben” nicht geschafft hat, es hat öffentliche Aufmerksamkeit erreicht. Und quasi im Huckepack des Grafiti erfreut sich jetzt auch das “Stoppt die Schwaben”-Flugblatt einer erhöhten öffentlich-rechtlichen Nachfrage.

Und weil es von der öffentlichen Aufmerksamkeit bis zur öffentlichen Erregung und Hysterie nur ein kurzer Weg ist, finden sich nun alle chronisch sich-in-Öffentlichkeit-Aufregenden ein, um die “unsägliche Aktion” als “nicht begründbar” zu bezeichnen [Ich wette, die Aktion ist begründbar, und ich wette, Herr Wowereit kämpft hier mit der deutschen Sprache und meint “nicht zu rechtfertigen” oder so etwas. Es ist ja auch nicht leicht, die eigene Betroffenheit über ständig wechselnde Inhalte ständig in die richtigen, aber nicht immer selben Worte zu fassen. Das überfordert Kognition und das Betroffenheitszentrum im Gehirn, das manche zu haben scheinen.], die örtliche Nähe zu einer Synagoge [ich wusste gar nicht, dass Schwaben in Synagogen gehen] zu lamentieren und lauthals zu verkünden: Auch Schwaben sind Berliner … Schwaben mögen Schwaben sein, aber sie sind dennoch Berliner, so kann man diesen logischen Unfug weiterführen.

Und damit die richtige Ernsthaftigkeit beim Leser geweckt wird, das richtige Maß an Entrüstung und Hysterie erreicht wird, hat man beim SWR eine ganz besondere Wortwahl parat: “In Berlin ist nach SWR-Recherchen offenbar bereits seit Monaten ein Flugblatt im Umlauf, in dem Unbekannte gegen Schwaben hetzen. Der Aufruf mit dem Titel “Stoppt die Schwaben” überschreitet alle satirischen Grenzen und hinterlässt mehr als einen bitteren Beigeschmackt” [Die Karriere, die das Verb “hetzen” in den letzten Jahren gemacht hat, ist wirklich erstaunlich und die Nominalverbindungen, die “hetzen” eingeht, sind schier ohne Grenze, es soll sogar schon “Hetzblogs” geben.]

Was ist mehr als ein bitterer Beigeschmack? Wie steigert man bitteren Beigeschmack? Aber lassen wir das und kommen wir zu dem, was alle die sich jetzt aufregen, mit all jenen, über die sie sich aufregen, gemeinsam haben: Ihren Kollektivismus und ihre Lust zu stereotypisieren. Keiner der Aufgeregten stellt die Prämisse der Aufreger in Frage, nach der “Schwabe” eine zuordenbare Eigenschaft ist und “die Schwaben” eine homogene Gruppe konstituieren.. Niemand fragt sich, wer “die Schwaben”, die gestoppt werden sollen, eigentlich sind. Niemand untersucht,  ob der Verfasser des Flugblatts nicht eine private Fehde mit seinem Nachbarn aus Schwaben ausficht, so wie der Grafiti-Schreiber eine neue Methode ausprobiert, um sich lästige Konkurrenz vom Hals zu schaffen. Allen teilen die Auffassung, dass man “die Schwaben” identifizieren und ihr Verhalten homogenisieren könne.

StereotypeStereotypisierung, also die Bildung einer Gruppe und die Zuschreibung homogener Eigenschaften an alle Mitglieder der Gruppe, einigt Aufreger und Aufgeregte. Sie alle gehen davon aus, dass es die homogene Gruppe der Schwaben gibt. Sie unterscheiden sich lediglich in der Bewertung. Die Aufreger mögen wohl keine Schwaben, die Aufgeregten denken, sie müssten Schwaben jetzt mögen. Besonders skurril wird diese Gemeinsamkeit von SWR Redakteur Klaus Sturm ausgelebt, der von sich sagt: ich bin ein Berliner, weil er in Berlin geboren wurde, und weil er in Berlin geboren wurde, weiß er, was Berliner (alle Berliner) wirklich denken:

“Wir Berliner, also die, die wir in dieser Stadt geboren wurden und deren Eltern und vielleicht Großeltern auch schon dort geboren wurden, wir haben nun wirklich gar nichts gegen neue Leute in der Stadt, egal ob sie nun aus Schwaben, Bayern oder aus der Türkei kommen … Ich habe deshalb das ungute Gefühl, dass diejenigen, die am lautesten gegen die gerade aktuellen Neu-Berliner wettern und hetzen noch gar nicht ganz so lange dabei sind”.

Da haben wir den Salat. Weil Sturm sich im Grunde mit den Flugblatt-Verfassern einig ist, kann er sie nur inhaltlich, nicht formal verurteilen, und entsprechend fährt er die alte Abstammungslehre auf, die bereits die Nazis aufgefahren haben (galt nicht als Arier, wer mindestens in dritter Generation Deutscher ist?). Sind die “richtigen Berliner” auf diese Weise erst einmal bestimmt, dann weiß uns Sturm mitzuteilen, dass die “richtigen Berliner” selbst Schwaben, Bayern und Türken in ihrer Stadt begrüßen. Wer das nicht tut, ist kein richtiger Berliner (und wird es wohl auch nie). Berlin, so lernen wir weiter, ist nicht nur eine Abstammungs-, sondern eine verschworene Gemeinschaft, bei der man “dabei” ist (, wenn man lange genug in Berlin lebt) und in der eine Zuzugshierarchie herrscht, die Schwaben, Bayern und Türken am unteren Ende sieht, aber selbst Schwaben, Bayern und Türken werden von richtigen Berlinern akzeptiert. Wie nett.

Es ist in der Sozialpsychologie seit Jahrzehnten bekannt, dass Stereotype und Vorurteile sich besonders häufig bei bestimmten Persönlichkeitstypen finden. In dieser Hinsicht kann man nur feststellen, dass die Flugblatt-Verfasser und der Grafiti-Ersteller sich mit denjenigen, die nun öffentlich ihre Stereotype und Vorurteile sowie ihre Erregung bloßstellen, gesucht und gefunden haben.

Beta-Blocker gegen Hysterie – Zur Möglichkeit, Gutmenschen und Staatsfeministen ruhig zu stellen

Eine Analyse von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein

Propanolol

Ein Forschungsergebnis aus Oxford hat uns aufhorchen lassen. Eine Forschergruppe um Sylvia Terbeck hat herausgefunden, dass Versuchspersonen, denen der Beta-Blocker Propranolol verabreicht wurde, deutlich geringere “unterbewusste rassistische Abwehrprozesse” aufwiesen, als Versuchspersonen, denen ein Placebo verabreicht wurde. Das Ergebnis der Oxforder Forscher ist u.a. interessant weil Beta-Blocker dafür bekannt sind, dass sie nicht nur zur Behandlung von koronaren Herzkrankheiten und Bluthochdruck nützlich sind, sondern auch dafür, auf einen Bereich des Gehirns zu wirken, in dem der Quell von Angstreaktionen vermutet wird, d.h. Angst zu unterdrücken (Terbeck et al., 2012).

Damit können die Forscher einen Kreis schließen, der Sozialpsychologen seit mehreren Jahrzehnten beschäftigt: Vorurteile, ob rassistische Vorurteile oder ob in Form von Sexismus oder Genderismus, werden als affektive Komponente eines Syndroms angesehen, das man als “Abwehrhaltung gegen Fremdes” bezeichnen könnte und dessen Zweck darin besteht, die eigenen Überzeugungen vor konfligierenden Informationen zu schützen und das eigene Leben ganz generell von Informationen frei zu halten, die den eigenen Überzeugungen widersprechen und somit gefährlich werden können. Menschen, die ihre eigenen Überzeugungen vor Falisifikation oder konfligierenden Informationen schützen wollen, leben notwendiger Weise in einer Traumwelt. Da die Realität ihren Erwartungen nur in den seltensten Fällen gerecht wird, müssen Sie sich in eine Vorstellungswelt flüchten, die sie nach eigenen affektiven Vorlieben gestalten und gegen die Außenwelt abschotten können.

Gutmenschen, z.B. leben in einer “guten” Traumwelt. Sie sehen die Außenwelt durch eine große Zahl von Problemen gekennzeichnet, die nur durch ihre Hilfe und durch genau die von ihnen vorgesehene Hilfe gelöst werden kann. Paternalismen aller Provenienz entstehen somit aus der Einbildung, man sei dazu berufen, am (eingebildet) furchtbaren Los anderer etwas zu ändern. Ein Beispiel dafür ist ein Antrag der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, der sich um die Anerkennung von und Wiedergutmachung an “Trostfrauen” bemüht. “Trostfrauen”, so lernt der interessierte Leser, sind “Mädchen und Frauen, die während des Zweiten Weltkreiges in japanischen Kriegsbordellen … zur Prostitution gezwungen wurden”. Sie stammten “überwiegend aus Korea, China, Taiwan …”. Allerdings ist das Wissen um die Trostfrauen, das die SPD-Fraktion akkumuliert hat, doch recht spärlich:

“Die Anzahl der entführten und in die Prostitution gezwungenen Frauen ist noch heute schwer zu bemessen, u.a. weil nicht alle Dokumente von Japan freigegeben sind. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass die größte Betroffenengruppe mit 200 000 Zwangsprostituierten aus Korea kommt. Diese Zahl beruht auf einer koreanischen Schätzung; nach einer chinesischen Schätzung sind es 140 000 Frauen”.

Die SPD-Fraktion fühlt sich somit dazu berufen, rund 66 Jahre nachdem der Zweite Weltkrieg in Asien ein Ende gefunden hat, für eine nicht näher bekannte, aber “vorsichtig” geschätzte Gruppe von Frauen, die heute alle miteinander mindestens 82 Jahre alt sein sollten, in die Bresche zu springen und der Gruppe von Frauen Gutes antun zu wollen. Da stellt sich zum einen die Frage nach dem Motiv, das derartig hysterischen Aktionismus befördert, zum anderen stellt sich die Frage danach, ob die SPD-Fraktion auch nur mit einer der ehemaligen Zwangsprostituierten gesprochen hat, um sich quasi eine Legitimation für den eigenen Aktionismus zu holen.

Die zweite Frage ist schnell zu beantworten, denn der SPD-Antrag wird ausschließlich durch Verweise auf Trostfrauenverbände und zeitgeschichtliche Beschreibungen der aus Sicht der SPD-Fraktion falschen und unzureichenden Weise, in der die Japanische Regierung sich der Trostfrauen angenommen hat, beantwortet. Dass ein Empfang für ehemalige Trostfrauen im Willy-Brandt Haus stattgefunden hat, kann also ausgeschlossen werden.

Damit bleibt die Frage, woraus sich die Motivation der deutschen Sozialdemokraten ergibt, das vermeintliche Leid der Trostfrauen aus Korea, China etc. zu lindern, und woher sie ihre Überzeugung nehmen, dass die entsprechenden Trostfrauen in ihrer Gesamtheit eine entsprechende Einmischung durch die SPD wünschen und dass auch nicht eine darunter ist, die lieber in Ruhe gelassen werden will, nachdem sie mehr als 60 Jahre Zeit hatte, ein Leid zu vergessen, das für sie physisch erfahrbar war, während es für die SPD-Fraktion im Reich der Einbildung stattfindet?

Gehirnbereiche, die an Angstreaktionen beteiligt sind

Hier schließt sich dann der Kreis zur Forschung von Terbeck et al.. Offensichtlich gibt es Zeitgenossen, mit Sicherheit gibt es solche in der SPD-Fraktion, die Spass, Freude oder einen anderen Nutzen daran finden, sich das Leid anderer auszumalen, sich Missbrauch und Terror vorzustellen, die dann vor dem Hintergrund ihrer Einbildung in Aktivismus verfallen, entweder, um die eigenen Vorstellungen zu kompensieren (schlechtes Gewissen) oder um die sich in ihnen aufbauende Hysterie zu kanalisieren. Der Aktivismus, wiederum, spielt sich abermals ausschließlich in der Vorstellung der Gutmensch-Aktivisten ab. Sie wissen, was für andere gut ist, und entsprechend gilt der Einspruch, dass man vielleicht mit seinem Leid alleine gelassen werden will und schon gar nicht von der SPD-Fraktion geholfen bekommen will, nichts. Hier muss geholfen werden. Vermutlich hat man sich die Hilfswütigkeit von derartigen Gutmenschen, die so entfremdet von sich sind, dass ihr Leben ausschließlich daraus besteht, sich Vorstellungen über andere zu machen, als eskallierenden Prozess der Hysterie vorzustellen, der nur durch eine “gute Tat”, natürlich keine Tat, sondern eine (Gesetzes-)Initiative, die wiederum von anderen umgesetzt werden muss, gestoppt werden kann.

Es ist in dieser Hinsicht ein Markenzeichen von Gutmenschen, dass sie ihre eigenen guten Handlungsentwürfe von anderen in die Tat umsetzen lassen. Sie weigern sich nicht nur in der Entstehungsphase ihrer “guten Tat”, mit den Menschen in Kontakt zu treten, die sie für ihre guten Zwecke objektivieren (oder missbrauchen), sie wollen auch in der Umsetzungsphase nicht mit den entsprechenden Menschen in Kontakt kommen. Diese Realitätsverweigerung dient einem einfachen Zweck: der Vermeidung widersprüchlicher Informationen. Gutmenschen, die davon leben, sich in andere Menschen zu denken, können keinen Widerspruch durch eben diese anderen Menschen ertragen. Widerspruch bringt das Wolkenkuckucksheim ihrer Gutheit zum Einsturz. Nein, Gutmenschen leben in der Abgeschiedenheit ihrer eigenen Gedanken. Ihre sozialen Kontakte reduzieren sich auf Gesinnungsgleiche, die handverlesen sind, mit denen sie einen Gutmenschen-Kult gründen können, der eine geschlossene Gesellschaft darstellt, deren Mitglieder sich gegenseitig aufschaukeln und mit der Zeit jeden Kontakt zur Außenwelt verlieren. Die Außenwelt ist dann nur noch Gegenstand von Vorurteilen (böse Bonzen, böse Männer, böse … [Passendes bitte einfügen]) und Hilfsbedürftigen (arme Arme, arme Frauen, arme … [Passendes bitte einfügen]). Mit anderen Worten, diese Gutmensch-Kultmitglieder strukturieren die Außenwelt entlang ihrer eigenen Vorurteile, ihrer eigenen Rassismen, Sexismen und …ismen. Die Forschung von Terbeck et al. zeigt nun, dass durch die Gabe von Propranolol der Bereich des Gehirns geblockt werden kann, der für emotionale Reaktionen auf Andere, vor deren wirklichem Ich man Angst hat, zuständig ist.

Angst, als Grundingredienz von Rassismus, Sexismus, Genderismus usw. scheint dafür verantwortlich zu sein, dass die entsprechend Angstgetriebenen sich gegen die Außenwelt abschotten, keine Informationen mehr an sich heranlassen, sich in Gruppen Gleichgesinnter zusammenschließen, sich darin selbst bestätigen und gegenseitig in ihrem gemeinsamen Definitionsmerkmal der Gutheit und des sich-Gutes-für-andere-Vorstellens aufschaukeln, so dass der Irrsinn mit Methode konsequenter Weise am Ende stehen muss. Wie die Forschung von Terbeck et al. (2012) zeigt, kann diesen armen Gutmenschen geholfen werden: Propranolol morgens, mittags und abends sollte zumindest die schlimmsten Auswüchse verhindern helfen.

Literatur

Terbeck, Sylvia, Kahane, Guy, McTavish, Sarah, Savulescu, Julian, Cowen, Philp J. & Hewstone, Miles (2012). Propanolol Reduces Implicit Negative Racial Bias. Psychopharmacology doi:110.1007/s00213-012-2657-5

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