Wer erzieht hier eigentlich wen? In Herne bestehen ernsthafte Zweifel an der Befähigung des Lehrpersonals

Die Schule am Hölkeskampring in Herne ist zwar derzeit nicht über das Internet zu erreichen, [derzeit, Samstag, 13 Uhr, ist die Homepage wieder zu erreichen] aber für den Fall, Hernedass sie es wäre, könnte man unter “Schulprogramm” eine große Zahl salbungsvoller und wichtiger Ziele, die “die Schule” erreichen will, nachlesen, z.B.:

“Schule hat die Aufgabe, sich einerseits mit der Vermittlung von Wissen auseinanderzusetzen und andererseits Charakter- und Persönlichkeitsbildung zu betreiben”.[Hervorhebungen sind von mir]

Grundlegende soziale Verhaltensweisen sollen den Schülern der Schule beigebracht werden, so heißt es weiter, und als Unterrichts- und Erziehungsziele wird eine ganze Reihe wohlklingender Floskeln angegeben: (1) Befähigung zum selbstkritischen Urteil, (2) eigenverantwortliches Handeln, (3) schöpferische Tätigkeit, (4) Erziehung zur Freiheit und Demokratie, (5) Erziehung zur Toleranz, (6) Achtung vor der Würde des anderen Menschen und Respekt vor Überzeugungen anderer uvm.

Nach einem Bericht in der Westdeutschen Allgemeinen (WAZ), der sich heute zum vierten Mal jährt (12. Mai), frage ich mich allerdings, wer in der Hauptschule am Hölkeskampring erzogen werden soll und für wen die vielen wohlklingenden Ziele formuliert wurden, für die Schüler oder für die Lehrer? Die WAZ berichtet von einem Jungen, der die Hauptschule besucht. Er ist ein Absteiger, der vom Gymnasium auf die Hauptschule gewechselt ist, ein Quereinsteiger, wenn man so will. Er ist 15 Jahre alt und hat seinen Irokesenschnitt in gelb-grün auf Verlangen “der Schulleitung” beseitigt und in eine linksgescheitelte Frisur übertragen. Ja. Und außerdem trägt er Springerstiefel und sagt von sich, er sei “sehr links”.

AldibaskoennekeDie Schulleitung in Person von Rektorin Claudia Aldibas-Könneke sieht dies jedoch anders: Frisur und Springerstiefel seien eine eindeutige rechtsradikale Symbolik, und beides werde “offen zur Schau getragen [Ich frage mich, seit ich das gelesen habe, wie man Schuhe und Frisur anders als offen tragen kann, aber sei’s drum]. Nicht nur das: Im Linksscheitel erkennt die gestandene Rektorin eine “Person des Dritten Reiches”, deren Namen ihr nicht einmal über die Lippen kommt und in beidem, dem Scheitel, der an die Person des Dritten Reiches erinnert, also Adolf Hitler, in dem viele lieber eine Unperson sehen, aber gut, und den Springerstiefeln erkennt die Rektorin eine “verbotene Symbolik. Sie widerspricht der Verfassung“. Das hat die Rektorin allen Ernstes verkündet und den linksbescheitelten 15jährigen Springerstiefelträger vom Unterricht ausgeschlossen.

Wer nun denkt, das sei der Gipfel der Idiotie, der hat nicht mit dem Schulamt Herne in Person von Christel Dahmen gerechnet: “Die Schule verhält sich absolut korrekt”, so stellt die Christel vom Schulamt fast diktatorisch, zumindest aber apodiktisch fest (fast wie das ein bescheitelter Herr im Dritten Reich getan hätte, an den man sich hier erinnert fühlt). Und dann sagt die Frau Dahmen vom Schulamt noch, warum die Schule sich absolut korrekt verhält: “Ich bin mit den Maßnahmen voll einverstanden”. Ja dann. Wenn Christel Dahmen mit dem Maßnahmen voll einverstanden ist, dann kann niemand in diesem Land etwas gegen die Maßnahmen einzuwenden haben – oder? Gegen den linksbescheitelten Herrn aus dem Dritten Reich und seine Maßnahmen hatte ja auch niemand etwas einzuwenden, fast niemand.

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Rasta und Springerstiefel – auch ohne Linksscheitel vom Unterricht ausgeschlossen?

Um das wahre Ausmaß dieser Groteske überschauen zu können, muss man sich noch einmal an den Anfang dieses post und die Selbstbeschreibung der Schule am Hölkeskampring erinnern: Die Schule will Wissen vermitteln und Charakter- und Persönlichkeitsbildung betreiben. Bleiben wir zunächst bei der Wissensvermittlung. Würde bitte jemand der Rektorin der Schule das Wissen vermitteln, dass weder ein Linksscheitel noch Springerstiefel noch eine Kombination von beidem der Verfassung widersprechen! Im Gegenteil, wird beides doch durch die Verfassung ausdrücklich als freie Persönlichkeitsentfaltung geschützt (Art. 2 Abs. 1 GG). Wenn hier sich hier jemand verfassungswidrig verhält, dann die Frau mit dem Doppelnamen, die Rektorin spielt und die Christel im Schulamt, die apodiktisch erklärt, dass an Herner Schulen verfassungsrechtlich gewährte Persönlichkeitsrechte nicht gelten.

Nun zu den schönen Worten zur Charakter- und Persönlichkeitsbildung. Was will die Schule am Hölkeskampring alles erreichen:

  • Eigenverantwortliche und schöperische Tätigkeit – Nun, ein Linksscheitel ist aus meiner Sicht nicht so schöpferisch wie ein Irokesenschnitt in grün-gelb, aber gepaart mit Springerstiefel ist es zumindest ein Ausdruck eines Versuchs der Inszenierung einer Persönlichkeit. Und es ist
  • ein Akt von Freiheit und eine Wahrnehmung der demokratischen Grundrechte, seine Persönlichkeit in einer Weise, die nicht jeder Rektorin Geschmack sein mag, zu inszenieren.
  • Aber gerade weil die Inszenierung mit Springerstiefel und Linksscheitel nicht dem Geschmack der Rektorin Aldibas-Könneke entspricht, so hätte sie sich doch gleich selbst zu Toleranz und zur Achtung der Würde anderer Menschen erziehen können und für den Fall, dass ihr das nicht gelingt, den Schulpsychologen um Hilfe bitten können.
  • Der widerum hätte der Rektorin Hilfestellung zur Erlangung der Befähigung zum selbstkritischen Urteil geben können, etwa der Art: Nicht alles, was mich an Adolf Hitler erinnert, ist so gemeint und hat etwas mit dem Dritten Reich zu tun, und möglicherweise habe ich einen Hitler-Komplex oder eine sonstige Form nicht bewältigter Deprivation, wie die intime Kenntnis selbst der Richtung des Hitlerschen Scheitels vermuten lässt (Hätten Sie gewusst, in welche Richtung Hitler seinen Scheitel trug? Ich nicht!).
  • Und da Einsicht der Anfang aller Besserung ist, hätte Rektorin Claudia Aldibas-Könneke am Ende vielleicht sogar Fortschritte in ihrer Charakter- und Persönlichkeitsentwicklung verzeichnen können.

Offensichtlich bestehen beim Lehrkörper der Schule am Hölkeskampring und insbesondere bei der Rektorin erhebliche Defizite und Nachholbedarfe, so dass sich tatsächlich die Frage stellt, wer hier eigentlich wen beschult. Wenn diese Frage irgendwann beantwortet ist, z.B. dann, wenn apodiktische Sätze aus dem Schulamt Der ewige JudeVergangenheit sind und die Ratio auch im Amt in Form von sprachlicher Mäßigung und verlässlicher Einschätzung Einzug gehalten hat, dann mag sich jemand bereit finden, um die Rektorin, den Lehrkörper und die Schüler der Schule am Hölkeskampring darüber zu unterrichten, dass die Art und Weise der Behandlung des linksgescheitelten Springerstiefelträgers in nichts von der Stigmatisierung, den Vorurteilen, von dem Rassismus abweicht, deren Opfer im Dritten Reich Juden geworden sind. Auch Juden wurden anhand von Eigenschaften ihres Aussehen stigmatisiert, auch ihnen wurden negative Konnotationen, also Vorurteile angeheftet. Und vom Zerrbild des ewigen Juden im Dritten Reiches, mit seiner Hakennase und der ihm unterstellten zersetzenden Wirkung auf die Deutschen bis zum Zerrbild des linksgescheitelten Springerstiefelträgers, der die Rektorin der Schule am Hölkeskampring an “eine Person des Dritten Reiches” erinnert, sowie dem ihm unterstellten rechtsradikalen Weltbild ist es wahrlich nicht weit. Bis zu ihrer entsprechenden Unterrichtung sei  der Rektorin Adorno et al. “Studien zum autoritären Charakter” und deren Fortführung durch Milton Rokeach in “The Open and Closed Mind” empfohlen – zur Erlangung von Wissen sowie zur Bildung von Charakter und Persönlichkeit.

Obwohl die Angelegenheit schon drei Jahre alt ist, gibt es keinen Anlass zu denken, das sei Schnee von gestern. Rektorin Aldibas-Könneke sitzt zwischenzeitlich im “Lenkungskreis des regionalen Bildungsnetzwerks Herne”. Derzeit sensibilisiert sie ihre Schüler für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet.

Dagegen ist Christel Dahmen aus der Schulaufsicht ausgeschieden.

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7 Responses to Wer erzieht hier eigentlich wen? In Herne bestehen ernsthafte Zweifel an der Befähigung des Lehrpersonals

  1. Paule Panzer says:

    Da bleibt eigentlich nur eine Frage beim geneigtem oder doch zu mindestens verständigen Leser: Was ist aus diesem sehr klugen und menschlich reifen 15-jährigen Panker geworden der es mit einer Änderung der Frisur geschafft hat die Dummheit und Borniertheit dieser Damen vom Erziehungsgrill bloß zu stellen und auch noch „Bildungsfrei“ zu bekommen.
    Unser eins wurde für lange Haare und Jeans 14 Tage in die Braunkohle geschickt aber das wahr in einer anderen deutschen Diktatur (schulfrei gab es aber dafür nicht).

  2. Ich habe mir gerade Hitlerbildchen angesehen. Er trägt den Scheitel eindeutig auf der rechten Seite des Schädels, ist also ein Rechtsscheitelträger gewesen.
    Servus M. M.

  3. Thomas says:

    Diese Schule ist kein Einzelfall.

    “Schulprogramm” ist eine Modeerscheinung, die es schon seit einigen Jahren gibt. Die Schulen sind verpflichtet, ein “Schulprogramm” zu erstellen, die dann in aller Regel in eine Vielzahl von Floskeln mündet.

    Dies dient einmal der reinen Selbstdarstellung, zum anderen als Rechtfertigung, die Kernaufgabe Wissensvermittlung zu vernachlässigen.
    Die Schwächung der Wissensvermittlung ist der wesentliche Punkt der linken Schulzerstörungspolitik. Man propagiert, Wissensvermittlung sei nur eine unwesentliche Aufgabe unter vielen, die Schule hätte eigentlich andere Ziele. So wird die Wissensvermittlung zurückgefahren, das Volk dumm gehalten. Was dabei herausgekommen ist, können wir heute überall sehen.

    Zu dem Fall: Das dürfte wohl eine Auswirkung der Gehirnwäsche sein. Wenn man nur noch vermittelt bekommt, überall lauere der “böse Nazi”, dann kann es durchaus zu solchen Auswüchsen kommen. Schulleiterin und Schulaufsichtsbeamtin wissen es wahrscheinlich nicht besser, und glauben wirklich, so handeln zu müssen.

    Solche Vorfälle können in allen Bundesländern passieren, in denen rot-grün längere Zeit das Sagen hatte. Die betreiben ein Gehirnwäscheprogramm, das selbst vor leitenden Beamtinnen nicht halt macht.

  4. Infoliner says:

    Lieber Verfasser,

    Ist es nicht viel schlimmer, daß es tatsächlich Behörden gibt, die sich anmaßen, über die Erziehung zu urteilen, die natürlich Sache von Eltern und Lehrern wäre?
    Seit wann gibt es sowas, ja, seit wann gibt es überhaupt den Schulzwang im Sinne der Schulanwesenheitspflicht? Genau, das gibt es seit dem Herrn mit dem Scheitel (1938). Dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, wie vom Vorkommentator behauptet, welche Farbe die politischen Kasperles gerade haben, die setzen sich alle für dasselbe, nämlich die Vernichtung unserer Kinder, ein. Ich empfehle in dem Zusammenhang sich einmal die “Volksverdummung” von G. Schramm auf Youtube anzuschauen. Solange es dermaßen wenig Verständnis dafür gibt, was überhaupt ein Mensch ist und wie die Entwicklungsgesetzmäßigkeiten sind, wäre der Bildung und Entwicklung unserer Kinder die Schließung aller Schulen (insbesondere der staatlichen) das Förderlichste, was passieren könnte. Ich möchte in dem Zusammenhang kurz auf die englische Studie verweisen, wo Kinder aus gesunden Elternhäusern absichtlich unbeschult blieben und im Alter von 14 Jahren dann in eine Schulklasse mit gleichaltrigen Schulkindern integriert werden sollten. Das schlug fehl, weil die unbeschulten (kein Hausunterricht!) Kinder den Schulkindern auf allen Gebieten zu weit überlegen waren.
    Also: Nicht der Austausch mißliebiger Köpfe in irgendwelchen Positionen der Systeme wendet das Elend, sondern ein grundlegendes Verständnis für die kindliche und jugendliche Entwicklung. Wie man das bekommt? Durch jangjähriges, unvoreingenommenes Wahrnehmen.
    Der Scheitel, würde er sich die Lage hier betrachten, wäre hoch erfreut. Er hat seine Aufträge erfolgreich ausgeführt. Wenn wir heute etwas anderes wollen, weil die Not zum Himmel schreit und auch der Letzte langsam etwas merken müßte, dann sollte auch klar sein, daß ein Herumschrauben am Bestehenden nicht zum Ziel führen wird, sondern nur die Arbeit an sich selbst. “Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entzündet werden wollen” (Rabelais).
    Ich bin übrigens auch Lehrer, auch Vater und auch jemand, der seine Kinder jahrelang Zuhause unterrichtet hat, weil er an diesem Zerstörungswerk nicht teilnehmen will.

    • A. Behrens says:

      Hallo Infoliner,

      Zitat “Ich möchte in dem Zusammenhang kurz auf die englische Studie verweisen, wo Kinder aus gesunden Elternhäusern absichtlich unbeschult blieben und im Alter von 14 Jahren dann in eine Schulklasse mit gleichaltrigen Schulkindern integriert werden sollten. Das schlug fehl, weil die unbeschulten (kein Hausunterricht!) Kinder den Schulkindern auf allen Gebieten zu weit überlegen waren.”

      Mich würde die Quelle interessieren.

  5. Steht doch auch im Grundgesetz: Jeder darf die Fallrichtung seiner Haare im Falle eines Seitenscheitels frei wählen. Dass der junge Mann nun gerade einen schlechten Frisör hat (meine persönliche Meinung, andere mögen andere Meinungen haben) …

    Selbst hier kann ich nichts über Haare finden: http://www.schule-am-hoelkeskampring.herne.de/index.php/ueber-uns/schulordnung Hmm: “Die Schüler haben zum Unterricht und allen Schulveranstaltungen in schulangemessener Bekleidung zu erscheinen.” .. vielleicht sind Haare dort Bekleidung … was macht die Schule wenn der Schüler sich für 0mm entscheidet? … Fragen über Fragen. Muß der Schüler dann vll. eine Perücke tragen? Was ist wenn er allergisch auf Perücken reagiert? Gibt es dann eine Ausnahme? ….

    Ich bin versucht zu sagen, auf so einen “bullshit” können nur Sesselpuper kommen. Sorry an die Sesselpuper.

  6. landbewohner says:

    warum nur bin ich über solche vorkommnisse kein bißchen verwundert?

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