Lob der Kritik am Genderismus [ #4genderstudies ]

Der Aktionstag der Genderista, der notwendig wurde, weil die Gender Studies immer häufiger hinterfragt werden, weil Fragen gestellt, aber nicht beantwortet werden und weil alte Strategie, Kritik dadurch erledigen zu wollen, dass man den, der kritisiert, persönlich angreift, er hat heute begonnen und scheint massiv in die Hose zu gehen. Die geplante Promotion-Tour wird immer mehr zum PR-Disaster, die Stimmen der Kritiker sind zahlreicher als die der Befürworter, die nach wie vor keinerlei positiven Nutzen ihres angeblich wissenschaftlichen Faches angeben können.

Aus dem wenigen, was wir an Inhalt gefunden haben, haben wir eine kleine Auswahl zusammengestellt, die zeigt, warum Kritik am Genderismus so wichtig ist, warum es notwendig ist, die Vertreter der Gender Studies, die eine Ideologie als Wissenschaft ausgeben zu können glauben, aus Universitäten zu beseitigen. Um dies zu zeigen, ist es ausreichend, die Vertreter, die doch angeblich Wissenschaftler sein wollen, selbst zu Wort kommen zu lassen.

Ein wiederkehrendes Motiv, das wir in unterschiedlichen Beiträgen gefunden haben, ist das Motiv des Opfers. Genderista, die doch eigentlich nur das Gute für sich und die Welt wollen, sehen sich plötzlich „Diffamierungen, Unterstellungen und Falschinformationen zu den Gender Studies“ ausgesetzt. Schuld daran sei eine unheilige Allianz aus den „Feuilletons angesehener Tages- und Wochenzeitungen“ mit der „Neuen Rechten“. Wenn es um Diffamierung und Unterstellung geht, dann kann natürlich auch die Amadeu-Antonio-Stiftung nicht fehlen. Dort ist man der Ansicht, dass die Kritik am Genderismus das sei, was den Rechtspopulismus zusammenhält, was kein Wunder ist, schließlich lebt die AAS-Stiftung davon, den Rechtspopulismus erst großzureden und dann zu bekämpfen.

Und während die AAS-Stiftungs-Mitarbeiter eine Verbindung von Kritik am Genderismus und Rechtspopulismus herstellen und die Gender Studies als wichtiges Mittel im politischen Kampf bezeichnen, beklagen sich andere, dass „Gender Mainstreaming mit empirischen und theoretischen wissenschaftlichen Erschließungen der Geschlechterverhältnisse“ vermengt werde, um die Gender Studies zu diskreditieren. Die AAS-Stiftung diskreditiert also die Gender Studies.

Was die empirischen und theoretischen Erschließungen angeht: Es gibt sie nicht. Im Lehrbuch „Methoden der Empirischen Sozialforschung“ werden die Gender Studies nicht umsonst als unwissenschaftlich beschrieben. Allgemeine Sätze müssen, damit man sie als Theorien bezeichnen kann, bestimmte Anforderungen erfüllen. Die allgemeinen Sätze, nein, die Allgemeinplätze, die die Gender Studies fabrizieren, erfüllen diese Anforderungen nicht.

Die Gender Studies erfüllen auch keinerlei methodischen und erkenntnistheoretischen Anforderungen, die eine Wissenschaft auszeichnen. Deshalb sind die Vertreter der Gender Studies nicht in der Lage, einfache Fragen zu beantworten, die sie beantworten könnten, wären sie Wissenschaftler.

Weil sie keine Wissenschaftler sind, aber sich doch so gerne an Universitäten und Fachhochschulen einnisten wollen, müssen sie alle, die mit Fragen nach der Wissenschaftlichkeit der Gender Studies kommen, diskreditieren. Das – wie es bei den Genderista wohl heißt – Narrativ des Rechtspopulistmus in seinen Spielarten der Neuen Rechten oder des Rechtsextremismus dient dazu, Gegner zu diskreditieren, zu diffamieren. So werden Kritiker zunächst als Anti-Genderisten oder Anti-Feministen bezeichnet, um dann beides mit dem Rechtspopulismus oder dem Rechtsextremismus gleichzusetzen. Das ist das Geschäftsmodell, mit dem z.B. die AAS-Stiftung Steuergelder einheimst und verdecken will, dass sie linksaußen, linkspopulistisch, vielleicht linksextremistisch ist, und es ist das Modell, mit dem die Genderista versucht, Kritiker mundtot zu machen.

Wie so oft, lässt man am besten die Genderista selbst sprechen, um diesen Punkt zu verdeutlichen. Wir zitieren aus dem Pamphlet einer Heike Mauer, die wohl in Wien ihr Gender-Unwesen treibt.

„Auch wenn weder ich noch Sie in die Zukunft blicken können, und wir alle die konkreten Folgen der U.S.-amerikanischen Wahlentscheidung derzeit weder kennen noch abschließend beurteilen können, so ist die politische Symbolik aus feministischer und antirassistischer Perspektive zutiefst beunruhigend, dass mit Hillary Clinton eine Frau bei der Wahl zur amerikanischen Präsidentin gescheitert ist – und zwar nicht gegen irgendeinen Kandidaten, sondern gegen einen, der Sexismus, Homophobie und Rassismus zu seinem ureigensten Programm erhoben hat.“

Wenige Zeilen weiter wirft Mauer den Kritikern der Gender Studies vor, sie würden die Geschlechterforschung delegitimieren, das dort produzierte “Wissen” in Abrede stellen. Zuvor wurden die Kritiker der Gender Studies zu Antifeministen erklärt und der Antifeminismus zu einem Bestandteil des Rechtspopulismus gemacht.

Das Muster der Diffamierung von Kritikern der Gender Studies, es wiederholt sich. Es ist so monoton, dass man fast Mitleid mit der überforderten Genderista haben muss, die offensichtlich nicht in der Lage ist, auf einem konstruktiven und argumentativen Niveau auf Kritik zu reagieren. Das ist auch kein Wunder, denn die Genderista ist auf „das Verhältnis zwischen wissenschaftlicher Praxis und gesellschaftlicher bzw. politischer Intervention“ fixiert.

Nun gibt es keine Verbindung zwischen wissenschaftlicher Praxis und gesellschaftlicher bzw. politischer Intervention. Wissenschaftler forschen, Politiker intervenieren (leider). Es gibt nicht einmal eine Rechtfertigung für gesellschaftliche Intervention, denn eine solche stellt einen Eingriff in die Freiheit der Bürger einer Gesellschaft dar. Freiheit ist keine Verhandlungsmasse und sicherlich kein Gegenstand der Intervention dessen, was die Genderista irrtümlich als wissenschaftliche Praxis ansieht. Dadurch, dass man ideologisches Geschwätz und hermeneutisches sich im Kreis drehen als wissenschaftliche Praxis bezeichnet, wird es nicht zur wissenschaftlichen Praxis. Wissenschaftliche Praxis hat konkrete Forschungsergebnisse zum Gegenstand, entwickelt Theorien über die Realität und prüft sie, modifiziert sie, wenn sie sich als falsch erweisen.

Kein Genderista ist jemals auf die Idee gekommen, seine wirren Annahmen über die Bedeutung von Gender in einer Gesellschaft oder gar seine ideologische Überzeugung von der Benachteiligung von Frauen zu prüfen oder gar in Frage zu stellen. Vielmehr wollen Genderista ihre Ideologie zur gesellschaftlichen Praxis fortentwickeln, anderen aufzwingen, was sie selbst zu ihrem Glaubensinhalt erkoren haben.

Deshalb sind Genderista keine Wissenschaftler. Ihr Gegenstand ist die Bevormundung anderer. Die Bevormundung baut auf ihrer Überzeugung, die Wahrheit mit Löffeln gefressen zu haben, auf. Alle Kritik an ihrer vermeintlichen Wahrheit wird entsprechend als Häresie aufgefasst und öffentlich diskreditiert. Die Diffamierung der Kritiker als Rechtspopulisten oder Rechtsextremisten soll Kritik im Keim ersticken. Öffentliche Pranger wie Agentin.org, den die Heinrich-Böll-Stiftung schnell wieder eingestampft hat, nachdem die Nähe dieses Dorf-Prangers mit den Methoden der Gestapo im Dritten Reich doch zu offenkundig geworden ist, sollen dazu beitragen, die Kritik an Gender Studies und Genderista im Allgemeinen zu stigmatisieren und zu unterdrücken.

Kritik ist aber das Lebenselixier der Wissenschaft. Wer sie unterbindet, wer Kritiker durch den Fehlschluss ad hominem zu diskreditieren sucht, wer sie mundtot machen und als Rechtspopulisten abkanzeln will, der ist kein Wissenschaftler, sondern ein kleiner Ideologe, der sein Auskommen damit verdient, u.a. Ministerien die Wichtigkeit von Genderismus anzuschwätzen, um auf diese Weise an das Geld von Steuerzahlern zu gelangen, die dieses Geld erarbeitet haben.

Die Kritik an den Gender Studies, die u.a. gezeigt hat, dass Gender Studies ein willkürliches Konglomerat wirrer und unbegründeter Prämissen sind [Wer es nicht glaubt, der lese bei New Peer Review mit], sie hat dazu geführt, dass die Genderista Existenzängste hat. Wie die Existenz der Mistel gefährdet ist, wenn er Ast, an dem sie hängt, abgesägt wird, so ist die Existenz der Genderista durch die Wiedereinführung von Rationalität und einem verantwortlichen Umgang mit dem Geld von Steuerzahlern bei öffentlichen Geldgebern gefährdet. Und wie immer, so plaudern die Genderista dieses eigentliche Problem, das sie umtreibt, selbst aus:

“Seit mehreren Jahren häufen sich Diffamierungen, Unterstellungen und Falschinformationen zu den Gender Studies […] Begannen diese Vorgänge in Kreisen der Neuen Rechten sind sie rasch auch in Feuilletons angesehener Tages- und Wochenzeitungen aufgegriffen worden. […]: Je kruder und provokanter, desto besser, so scheint es. Denn dies sichert mediale Aufmerksamkeit und zahlreiche Klicks[. – denn die Mehrheit der Menschen, so die Überzeugung de Genderista, ist dumm] Diese Entwicklungen hinterlassen ihre Wirkungen in den Praxisfeldern, aber auch in der Wissenschaftsdisziplin der Sozialen Arbeit. Bei Institutionen, Trägern und Verbänden und bei Drittmittelgebern, bei Studierenden und Fachkräften sind zunehmend Verunsicherung und Irritation zu Genderfragen zu registrieren. Erreichte Qualitätsstandards einer geschlechtsspezifischen Sozialen Arbeit werden neu in Frage gestellt.”

Man kann feststellen, dass Genderista den mündigen Bürger nicht kennen [wollen]. An seine Stelle ist der zu bevormundete Bürger getreten, der aus Sicht der Genderista zu dumm ist, um sein Bestes selbst zu erkennen und deshalb freiwillig zum wahren Genderglauben, der natürlich nicht hinterfragt werden darf, schon gar nicht von Geldgebern, zu konvertieren. Und reflexiv, das sind die Genderista mit Sicherheit auch nicht. Wären sie reflexiv, sie würden nicht einen solchen Unsinn schreiben.

Ein letztes Wort noch zu den angeblichen Forschungsinhalten der Gender Studies. Die Gender Studies sind ein parasitäres Fach, das Ergebnisse, die in den Sozialwissenschaften, in Ethnologie und Soziologie, vor Jahrzehnten erarbeitet wurden, nun als die ihren ausgeben wollen. Deshalb ist immer häufiger von Geschlechterforschung die Rede, in der Hoffnung, dass es auf diese Weise gelingen mag, z.B. die Arbeiten von Erving Goffman als Gender Studies auszugeben. Dr. habil. Heike Diefenbach hat schon vor einigen Jahren darauf hingewiesen, dass ein angebliches wissenschaftliches Fach, das ausschließlich die Ergebnisse wissenschaftlicher Fächer übernimmt, keine Existenzberechtigung hat, und es daher auch keinen Grund gibt, seine Vertreter aus öffentlichen Mitteln zu finanzieren.

Daran hat sich nichts geändert.

Bis heute haben Gender Studies keinerlei eigene Forschungsergebnisse vorzuweisen, wenn man einmal von Unsinn absieht, den man nicht als Forschungsergebnis bezeichnen kann, wie die Erkenntnis, dass Frauen anders kratzen. Bis heute haben Gender Studies keinerlei methodische oder epistemologische Basis. Beides ist für ein wissenschaftliches Fach unverzichtbar. Aber was soll man von Vertretern eines Faches halten, die nach Jahrzehnten eigener Existenz feststellen, dass eine Variable (Geschlecht) nicht ausreicht, um Zusammenhänge zu erfassen, entsprechend eine zweite Variable (Ethnie) entdecken und fortan von Intersektionalität faseln? Die Kreuztabelle haben schon die alten Ägypter gekannt. Aber sie hatten keine Ahnung, dass diese rudimentäre Einsicht, dass z.B. Körpergröße und Tragfähigkeit einander beeinflussen, Jahrtausende später als die zentrale Einsicht eines vorgeblich wissenschaftlichen Facher verkauft werden wird. Wüssten Sie es, Sie würden herzlich lachen. Was natürlich nur belegen würde, dass schon die alten Ägypter sexistische Rechtspopulisten waren.

Solange es an deutschen Universitäten und Fachhochschulen öffentlich finanzierte Professuren für Gender Studies gibt, ist Kritik am Genderismus erste Bürgerpflicht.

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Lehrbuch der Sozialforschung: Gender Studies sind KEINE Wissenschaft

Am Montag wollen Genderista die „wissenschaftliche Bedeutung“ der Gender Studies demonstrieren und damit der Quadratur des Kreises das Wort reden, denn: Gender Studies haben keine positive Bedeutung für die Wissenschaft. Sie sind, wie wir nicht müde werden, zu betonen, politischer Aktionismus, keine Wissenschaft. Das sagen und begründen wir seit Jahren.

Heute hat uns ein Leser einen Ausschnitt aus einem Lehrbuch geschickt, in dem mit Bezug auf „feministische Ansätze“, also im Wesentlichen Gender Studies, dargelegt wird, dass Gender Studies keine Wissenschaft sind, dass ihnen jede Grundlage fehlt, um Wissenschaft zu sein. Wir geben den entsprechenden Abschnitt aus dem klassischen Lehrbuch „Methoden der empirischen Sozialforschung“ gerne an dieser Stelle wieder.

Das Lehrbuch wurde schon vor knapp 30 Jahren in seiner ersten Fassung erstellt. Dass wir nun aus der 2013er Ausgabe zitieren, ist fast so etwas, wie eine scientific reunion mit zwei der drei Autoren. Lieber Rainer, lieber Paul, wir hoffen, es geht Euch gut! Wir müssen gestehen, dass es zuweilen doch Sinn macht, die alten Lehrbücher zu aktualisieren, denn in unserer Ausgabe aus dem Jahr 1992 ist der Text, den wir nun zitieren, noch nicht enthalten:

„Bei ‚feministischen Ansätzen‘ handelt es sich zwar teilweise um empirische Beschreibungen gesellschaftlicher Verhältnisse, diese Beschreibungen werden aber mit Werturteilen und politischer Strategie vermischt. Da keine Trennung von Beschreibungen, Erklärungen, Werturteilen, Hoffnungen und Wünschen erfolgt, sind solche Aussagen einer systematischen empirischen und theoretischen Analyse und rationalen wissenschaftlichen Diskussion nur schwerlich zugänglich. Theoretische Aussagen im Sinne von ‚Wenn-Dann-Sätzen‘ oder Allsätzen sind jedoch selten zu identifizieren. Damit handelt es sich bei ‚feministischen Ansätzen‘ nicht um Theorien im Sinne der analytischen Wissenschaftstheorie“.

Zusammenfassung dieses Absatzes: Gender Studies als „feministischer Ansatz“ erfüllen die Anforderungen, die man an eine wissenschaftliche Disziplin stellt, nicht. Sie sind politischer Aktionismus, keine Wissenschaft.

„In der Soziologie werden Schlagworte wie z.B. ‚feministischer Ansatz‘ häufig auch als ‚Paradigmen‘ bezeichnet (…). Diese Bezeichnung ist falsch. Paradigmen beinhalten immer auch empirisch bewährte Theorien, die hier aber fehlen.

Die wissenschaftstheoretische Kritik ‚feministischer Ansätze‘ bezieht sich weiterhin auf die Vermischung von Entdeckungs- und Begründungszusammenhang: Aus der möglichen Tatsache, dass Wissenschaftler andere Themen als Wissenschaftlerinnen untersuchen, lässt sich nichts über die Gültigkeit der gewonnenen Ergebnisse folgern. Die Wahl des Forschungsthemas ist sicherlich von vielen Faktoren abhängig, so z.B. auch durch (sicherlich auch sozial definiertes) ‚Geschlecht‘. Aus dieser möglichen Tatsache lässt sich aber nicht die Forderung nach speziellen Forschungsthemen logisch herleiten: dies ist eine letztlich politische Forderung und aus empirischen Gegebenheiten nicht ableitbar.“

Zusammenfassung dieses Absatzes: Die Gender Studies basieren auf einem genetischen Fehlschluss und streben nach politischer Einflussnahme. Beides hat mit Wissenschaft nichts zu tun.

„Der dritte wissenschaftstheoretische Kritikpunkt bezieht sich auf die vorgebliche Verwendung spezieller Datenerhebungs- und Datenanalysemethoden. Die hierbei anzulegenden Gütekriterien sind aber in keiner Weise ‚geschlechtsabhängig‘. Gütekriterien wissenschaftlicher Forschung sind universell gültig. Möglicherweise eignen sich aber bestimmte Datenerhebungsmethoden nur für bestimmte Objektmengen oder Messfehler sind abhängig von bestimmten Eigenschaften der Untersuchungsobjekte. Solche Aussagen sind klassische Beispiele für Instrumenten Theorie. Sollten solche Aussagen im Rahmen ‚feministischer Ansätze‘ beabsichtigt sein, so kann die Wahrheit der Instrumententheorie nicht a priori vorausgesetzt werden, sondern bedarf der unabhängigen Prüfung durch andere Wissenschaftler“.

Zusammenfassung dieses Abschnittes: Ob ein Forschungsergebnis gültig ist, ist eine Frage, die nicht vom Geschlecht des Forschers abhängt, sondern davon, ob die Ergebnisse mit der Realität übereinstimmen, von anderen Forschern repliziert werden und gegebenenfalls falsifiziert werden können.

„Bei ‚feministischen Ansätzen‘ handelt es sich also weder um eine eigenständige wissenschaftstheoretische Position, noch um eine inhaltliche Theorie (also kein ‚Paradigma‘), noch um eigenständige methodische Erkenntnisse oder Verfahren“.

Zusammenfassung: Gender Studies sind keine Wissenschaft. Sie haben keinerlei positive Bedeutung für die Wissenschaft.

Bleibt abschließend noch die Frage, was politische Aktivisten an Universitäten und Fachhochschulen zu suchen haben. Als Antwort können wir den Versuch, die Wissenschaft zu zerstören, als Daseinszweck der Gender Studierten an Hochschulen erkennen. Vermutlich sind wir auch darin einer Meinung mit Rainer Schnell, Paul Hill und Elke Esser.

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„Alle Linken sind Schmarotzer“: Sind wilde Behauptungen von Wissenschaftsfreiheit gedeckt?

“Alle Gesellschaften haben Probleme mit Trittbrettfahrern, denjenigen, die sich auf Kosten von anderen durchmogeln wollen. Durchmogler finden sich vor allem im linken ideologischen Spektrum. Zuweilen tarnen sie sich als Antifaschistische Kämpfer, zuweilen als Rassismusgegner oder als Verteidiger der Demokratie, immer leben sie vom Geld, das andere durch ihre Arbeit erwirtschaftet haben. Aufgrund meiner jahrelangen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Linken komme ich zu diesen Aussagen.“

Handelt es sich bei diesen fiktiven Aussagen um Wissenschaft? Wenn es nach der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft geht, ja. Denn die jahrelange wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem Thema ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Politische Wissenschaft ausreichend, um derart wilde Behauptungen zu begründen. Wissenschaft besteht also für die Deutsche Vereinigung für politische Wissenschaft nicht darin, dass mit einer Methode, mit einer nachvollziehbaren Methode prüfbare Ergebnisse produziert werden. Nein. Wissenschaft besteht darin, dass man sich mit einem Phänomen beschäftigt, tage-, monate- oder jahrelang. Und auf dieser Grundlage kann man dann alles behaupten.

DVPW 2016Zum Beispiel kann man behaupten, dass „die NPD ‚rassistisch motivierte Staatsverbrechen‘ plane und ‚acht bis elf Millionen Menschen aus Deutschland vertreiben‘ wolle“. Diese Aussagen, die sich nur dem erschließt, der sich quasi hermeneutisch in die Innereien jener unappetitlichen Partei gefressen hat, der sich so mit der NPD identifiziert, dass im Dinge ersichtlich sind, die einem normalen Menschen beim Betrachten des Parteiprogramms der NPD überhaupt nicht ersichtlich sind, sie sind nach Ansicht der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft gerechtfertigt. Denn: „Forschungsergebnisse öffentlich darzustellen, gehört zu den zentralen Aufgaben von … Wissenschaftlern“, so steht es in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Politische Wissenschaft, die ein F. Wurm eingestellt hat, zu lesen.

Die Stellungnahme hat – wie könnte es anders sein – Steffen Kailitz und die Einstweilige Verfügung des Landgerichts Dresden zum Gegenstand, eine Verfügung, über die man bei der Deutschen Gesellschaft für Politische Wissenschaft befremdet ist, vermutlich deshalb weil die Kenntnis darüber, wie es zu einer Einstweiligen Verfügung kommt und was der Stellenwert einer Einstweiligen Verfügung ist, nicht weit verbreitet ist, unter den Mitgliedern von Vorstand und Beirat der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft.

Vermutlich wird die Unkenntnis über juristische Prozesse nur von der Unkenntnis darüber übertroffen, was Wissenschaft ausmacht und was der Kern von Wissenschaft ist: nachprüfbare Aussagen über die Wirklichkeit, Faktenaussagen, die sich als falsch erweisen können. Wenn die Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft der Meinung ist, nicht die Tatsache, dass Aussagen mit der Realität übereinstimmen, prüfbar sind und in einen theoretischen Korpus eingeordnet werden können, entscheide über deren Wissenschaftlichkeit, sondern die „wissenschaftliche Auseinandersetzung“ mit einem bestimmten Gegenstand, z.B. mit politischem Extremismus, dann hat sich die Vereinigung für Politische Wissenschaft gerade aus der Wissenschaft verabschiedet und ist in die Zeit zurückgekehrt, die Hans Albert in seinem Traktat über kritische Vernunft als Zeit der Offenbarungslehre beschrieben hat, die Zeit, in der eingeweihte Besserwisser aufgrund einer „wissenschaftlichen Auseinandersetzung“ mit einem Gegenstand wilde Behauptungen als Wissenschaft verkaufen konnten. Tatsächlich handelt es sich dabei um Ideologie oder Religion, nicht jedoch um Wissenschaft. Denn: Wissenschaft umfasst, um es noch einmal zu sagen, aus prüfbaren Aussagen. Wer nicht in der Lage ist, seine angeblichen Forschungsergebnisse so darzustellen, dass sie nachvollziehbar und prüfbar sind, der hat den Beruf verfehlt und sollte bei der Kirche anheuern – dort werden Schriftgelehrte mit einem direkten Draht zur göttlichen Wahrheit händeringend gesucht.

Oh No!Dass man bei Vorstand und Beirat der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft den Unterschied zwischen Ideologie, Religion und Wissenschaft nicht kennt, ist auf den ersten Blick bedenklich, auf den zweiten Blick nennt sich die Vereinigung eine Vereinigung für politische Wissenschaft nicht Politikwissenschaft. Da es eine politische Wissenschaft nicht geben kann, ist die Stellungnahme vielleicht doch nicht so überraschend, überraschend ist nur, dass die politischen …schaftler denken, sie könnten etwas darüber aussagen, wie Wissenschaft funktioniert und auf dieser Grundlage nach Wissenschaftsfreiheit rufen – es sei denn, man versteht den Ruf nach Wissenschaftsfreiheit als einen Ruf nach „anything goes“. Dann ist zwar nicht mehr unterscheidbar, was Wissenschaft von Humbug trennt, aber dieses Problem lösen wir dadurch, dass jeder, der von sich behauptet, er habe sich mit einem Problem wissenschaftlich auseinandergesetzt, Wissenschaft betrieben hat, und so haben wir im Handumdrehen ein Land voller Wissenschaftler, politischer Wissenschaftler.

P.S.
Die Stellungnahme der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft macht eindrücklich deutlich, wie politisiert die entsprechende Vereinigung ist. Wie fernab von aller Normalität muss man eigentlich mit seinem Gehirn angesiedelt sein, wenn man denkt, die Behauptung: die NPD plane „rassistisch motivierte Staatsverbrechen“ sei eine wissenschaftliche Aussage und wer sie als Diffamierung verbiete, vernichte die Wissenschaftsfreiheit? Wie elitär muss man eigentlich sein, wenn man denkt, die eigenen Aussagen seien durch den Stallgeruch einer Hochschule so vom Plebs abgehoben, dass unabhängig vom Inhalt keinerlei Diffamierung vorliegen könne, da allein Angehörige der unteren Schichten, die nicht nach Hochschulanbindung riechen, zu Hassrede und Diffamierung im Stande sind? Und wie naiv muss man sein, wenn man denkt, eine Diffamierung der NPD führe dazu, dass die entsprechende Partei verschwinden wird? Es wäre sicher von Nutzen, wenn so genannte Extremismusforscher, die ihrerseits sehr zu extremen Behauptungen zu neigen scheinen, sich mit den Forschungsergebnissen der Sozialpsychologie zum Thema Renitenz und mit denen der Soziologie zum Thema „unbeabsichtigte Folgen“ beschäftigen würden.


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Was macht den Professor zum Wissenschaftler? Wissenschaft als Beruf

An Universitäten wird gedacht, so eine Behauptung, die uns nun schon mehrfach begegnet ist und: das Denken ist es, was den Professor vom Kanalarbeiter unterscheidet. Ersterer denk, Letzterer macht, wie man es in aller Einfachheit umschreiben könnte.

Es ist erschreckend, dass ein Unsinn, wie der, dass das bloße Denken, jeder Firlefanz, der einem menschlichen Gehirn einfallen kann, Wissenschaft sei, wenn er einem Positionsträger an einer Universität eingefallen ist, dass eine solche Travestie auf Wissenschaft im 21. Jahrhundert in Zeitungen stehen kann, dass sie von Studenten vorgetragen wird, und zwar in einem Brustton der Überzeugung, der schon von sich aus mit Wissenschaft nicht vereinbar ist, denn Wissenschaft ist ständiger Zweifel, ständiges Problemlösen, wie Thomas Kuhn es genannt hat, dass diese Irrungen von an Universitäten Gesammelten von denselben vorgetragen werden können, ohne dass sie vor Scham im Boden versinken, das ist eine der größten Katastrophen der universitären Ausbildung.

reductio ad absurdumEs ist zudem eine reductio ad absurdum, denn die, die behaupten, universitär sei es, zu denken, sind die ersten, die durch Nicht-Denken auffallen, denn würden sie denken, sie kämen sehr schnell zu der Feststellung, dass Denken als solches nicht die Qualität sein kann, die Wissenschaft konstituiert. Da sie zu diesem Denkergebnis nicht vordringen, können sie also nicht gedacht haben, und da sie selbst an Universitäten studieren oder gar lehren, kann an Universitäten, zumindest in Teilen der Universitäten nicht gedacht werden.

Doch zurück zur Frage: Was ist Wissenschaft bzw. was ist Wissenschaft, wenn es nicht nur Denken ist?

  • Wissenschaft ist die Suche nach Erkenntnis.
  • Damit man etwas als Erkenntnis ansehen kann, muss die entsprechende Erkenntnis mitteilbar sein.
  • Damit Erkenntnis mitteilbar ist, muss sie in einer verständlichen Sprache Aussagen machen, die von anderen nachvollzogen werden können.
  • Damit die Aussagen von anderen nachvollzogen werden können, ist es notwendig, prüfbare Aussagen zu machen, Aussagen, die einen Bezug zur Realität haben, die in der Realität verankert werden können, denn die Realität ist die einzige Variable, die zwei Menschen außerhalb ihres Gehirns gemeinsam haben (sollten).
    • Das kann man leicht demonstrieren: Die Aussage, “Je weniger Ahnung ein Dozent von seinem Fachgebiet hat, desto eher wird er seine Studenten mit formaler Erbsenzählerei traktieren”, ist eine Aussage, die prüfbar ist. Formale Erbsenzählerrei könnte man als Behauptung operationalisieren, dass nur eine bestimmte Art, zu zitieren, die wahre und richtige Art, zu zitieren ist (z.B. nur mit Vornamenakronymen). Die Ahnung, die ein Dozent von seinem Fachbereich hat, wäre über einen Wissenstest erhebbar, in dem z.B. die Grundlagen seines Fachs abgefragt werden.
    • Dagegen ist die folgende Aussage in keiner Weise prüfbar und entsprechend keine wissenschaftliche Aussage: “intersektionalität ist in dieser lesart dann ein akademisch privilegierter, strategischer versuch, eine komplexe gesellschaftliche realität struktureller interdependenter diskriminierungen, die durch große teile vor allem weißer statisierter ableisierter akademisierter feministischer forschung im deutschsprachigen raum in den letzten 40 jahren mehr oder weniger systematisch vereinfacht worden sind, durch eine monolithisierung der kategorie ‚frau‘ (und ‚mann‘), als auch eine ent_wahrnehmung struktureller diskriminierungen gegenüber einer setzung sozialer kategorien, jetzt als theoretischen und methodologischen und damit auch politischen komplexitätsgewinn zu verstehen.” Nur wer denkt, man schaffe Wissenschaft, wenn man einfache Sätze durch die Einführung struktureller Sachverhalte, die der systematischen Vereinfachung durch ableistierte, statisierte, interdepente und vor allem weiße Frauen zwecks Reduzierung der inhärenten Komplexität entzogen sind, kann in solchen Ansammlungen von Worten Wissenschaft sehen. Für alle anderen, die mit Wissenschaft als nachvollziehbarer und prüfbarer Methode zum Erkenntnisgewinn beschäftigt sind, ist es dagegen schlichtes, unwissenschaftliches Geschwätz.
  • Wissenschaft setzt also voraus, dass ein intersubjektives Einverständnis über Inhalt, Bedeutung und Gegenstand einer Aussage erzielt werden kann und dass dieses Einverständnis dazu genutzt werden kann, die Aussage einem empirischen Test zu unterziehen.
  • Damit Aussagen von unterschiedlichen Wissenschaftler auf ihre Übereinstimmung mit der Wirklichkeit geprüft werden können und diese Prüfung auch relevant ist, muss Einverständnis über die Art und Weise reliabler und valider Prüfungen bestehen, und es muss eine Methode vorhanden sein, die gewährleistet, dass die entsprechenden Aussagen auch die Anforderungen an eine prüfbare Aussage erfüllen.
  • Wissenschaft ist demnach eine Methode des Erkenntnisgewinns, wobei Erkenntnis als nachvollziehbare Aussagen gefasst ist, die prüfbar sind und für die entsprechend ein Bewährungsgrad für ihre Übereinstimmung mit der Realität angegeben werden kann.
  • Deshalb kann Wissenschaft nur eine empirische Erfahrungswissenschaft sein, die sich mit einem Gegenstand befasst, der den menschlichen Sinnen und über sie der Prüfung zugänglich ist.

Alles andere ist Humbug und gehört nicht an Universitäten, wie Max Weber bereits festgestellt hat:

Wissenschaft als Beruf“Politik gehört nicht in den Hörsaal. Sie gehört nicht dahin von seiten der Studenten. Ich würde es z.B. ganz ebenso beklagen, wenn etwa im Hörsaal meines früheren Kollegen Dietrich Schäfer in Berlin pazifistische Studenten sich um das Katheder stellen und Lärm von der Art machen, wie es anti-pazifistische Studenten gegenüber dem Professor Foerster, dem ich in meinen Anschauungen in vielem so fern wie möglich stehe, getan haben sollen.
Aber Politik gehört allerdings auch nicht dahin von seiten des Dozenten. Gerade dann nicht, wenn er sich wissenschaftlich mit Politik befasst. Denn praktisch-politische Stellungnahme und wissenschaftliche Analyse politischer Gebilde und Parteistellung ist zweierlei. Wenn man in einer Volksversammlung über Demokratie spricht, so macht man aus seiner persönlichen Stellungnahme kein Hehl: gerade das: deutlich erkennbar Partei zu nehmen, ist ja die verdammte Pflicht und Schuldigkeit. Die Worte, die man braucht, sind dann nicht Mittel wissenschaftlicher Analyse, sondern politischen Werbens um die Stellungnahme der Anderen. Sie sind nicht Pflugscharen zur Lockerung des Erdreiches des kontemplativen Denkens, sondern Schwerter gegen die Gegner: Kampfmittel.

In einer Vorlesung oder im Hörsaal dagegen wäre es Frevel, das Wort in dieser Art zu gebrauchen. Da wird man, wenn etwa von ‘Demokratie’ die Rede ist, deren verschiedene Formen vornehmen, sie analysieren in der Art, wie sie funktionieren, feststellen, welche einzelnen Folgen für die Lebensverhältnisse die eine oder andere hat, dann die anderen nicht demokratischen Formen der politischen Ordnung ihnen gegenüberstellen und versuchen, so weit zu gelangen, dass der Hörer in der Lage ist, den Punkt zu finden, von dem aus er von s e i n e n  letzten Idealen aus Stellung dazu nehmen kann. Aber der echte Lehrer wird sich sehr hüten, vom Katheder herunter ihm irgendeine Stellungnahme, sei es ausdrücklich, sei es durch Suggestion – denn das ist natürlich die illoyalste Art, wenn man ‘die Tatsachen sprechen läßt’ – aufzudrängen.

Warum sollen wir das nun eigentlich nicht tun? Ich schicke voraus, dass manche sehr geschätzte Kollegen der Meinung sind, diese Selbstbeschneidung durchzuführen, ginge überhaupt nicht, und wenn es ginge, wäre es eine Marotte, das zu vermeiden. Nun kann man niemandem wissenschaftlich vordemonstrieren, was seine Pflicht als akademischer Lehrer sei. Verlangen kann man von ihm nur die intellektuelle Rechtschaffenheit: einzusehen, dass Tatsachenfeststellung, Feststellung mathematischer oder logischer Sachverhalte oder der inneren Struktur von Kulturgütern einerseits, und andererseits die Beantwortung der Frage nach dem W e r t  der Kultur und ihrer einzelnen Inhalte und danach: wie man innerhalb der Kulturgemeinschaft und der politischen Verbände h a n d e l n  solle – daß dies beides ganz und gar h e t e r o g e n e  Probleme sind. Fragt er dann weiter, warum er nicht beide im Hörsaal behandeln solle, so ist darauf zu antworten: weil der Prophet und der Demgagoge nicht auf das Katheder eines Hörsaals gehören. Dem Propheten wie dem Demagogen ist gesagt: ‘Gehe hinaus auf die Gassen und rede öffentlich.’ Da, heißt das, wo Kritik möglich ist. Im Hörsaal, wo man seinen Zuhörern gegenübersitzt, haben sie zu schweigen und der Lehrer zu reden, und ich halte es für unverantwortlich, diesen Umstand, daß die Studenten um ihres Fortkommens willen das Kolleg eines Lehrers besuchen müssen, und daß dort niemand zugegen ist, der diesem mit Kritik entgegentritt, auszunützen, um den Hörern nicht, wie es seine Aufgabe ist, mit seinen Kenntnissen und wissenschaftlichen Erfahrungen nützlich zu sein, sondern sie zu stempeln nach seiner persönlichen politischen Anschauung.” (Weber, 1988: 600-602).

Die zitierte Passage stammt von Max Weber. Sie entstammt dem Vortrag: “Wissenschaft als Beruf”, den Weber im Jahre 1919 gehalten hat. Das Thema ist nach wie vor aktuell, denn die Scharlatane, die sich als Wissenschaftler ausgeben und ihren Studenten das Heil verkünden, sind nicht weniger geworden, eher im Gegenteil: Das weitgehende Vergessen, dem die wissenschaftliche Methode an vielen sozialwissenschaftliche Fakultäten anheim gefallen ist, macht deutlich, dass es derzeit darum gehen muss, “Wissenschaft” in SozialWissenschaft zu retten. Die Zeit dazu läuft aus, denn die Demagogen und Propheten, wie sie Weber nennt oder die Scharlatane, wie wir sie bezeichnen, jene, die Studenten ideologisieren und mit einer Sendung segnen, stören den wissenschaftlichen Betrieb und der Gefolgs-Mob, den sie anziehen, macht die Durchsetzung wissenschaftlicher Standards an sozialwissenschaftlichen Instituten und Fakultäten immer schwieriger.

Die Zerstörung der Soziologie als Wissenschaft oder: Warum machen Soziologen nicht den Mund auf?

Seit der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie eine Solidaritätsadresse für Soziologen wie Gerhard Amendt, die Hasskampagnen ausgesetzt sind, veröffentlicht hat, gibt es in einigen Blogs eine Diskussion darüber, ob Soziologie überhaupt eine Wissenschaft darstellt oder nicht. Wir beziehen uns im Folgenden auf die Diskussion, die im Blog von Hadmut Danisch geführt wird.

Eine Anzahl von Kommentatoren, fühlt sich dazu berufen, der Soziologie als Ganzem den Wissenschaftsstatus abzusprechen. Andere kritisieren, dass sofern es Soziologen gibt, die noch Wissenschaftler sind, sich diese nicht zu Wort melden. Generell wird dabei Soziologie irrtümlicher Weise mit Geschlechterforschung und Geschlechterforschung mit Genderismus gleichgesetzt, d.h. in der Außenwahrnehmung vieler gibt es keine Soziologie ohne Genderismus mehr.

Dabei nimmt die nicht pöbelnde Kritik z.B. die folgende Form an:

Danisch“Ein zentraler Fehler der Soziologie ist dabei, dass sie gar nicht das Ziel hat, wissenschaftlich und beschreibend zu sein, sondern dass sie politisch ist, politische Ziele verfolgt, und sich nur darum dreht, wie sie die Gesellschaft gerne sehen und haben möchte. Keine andere Fakultät (außer noch den Juristen) ist so eng mit der Politik verflochten, ist so weit von Wissenschaft entfernt.”

oder:

“Jeder, der auch nur etwas Ahnung von Wissenschaft hat, merkt bei Lesen soziologischer Schriften sofort, dass das mit Wissenschaft nichts zu tun hat, dass es nur ein „so tun als ob”, eben das Nachäffen des Gehabes ist. Zentrales Kernmerkmal dafür ist, dass Soziologie nicht auf Wissen, sondern auf Autoritäten beruht. Nie wird etwas inhaltlich-wissenschaftlich begründet.”

oder:

“Denn wären diese Leute seriöse Wissenschaftler, hätten schon längst Selbstreinigungskräfte eingesetzt und die seriöse Soziologie hätte sich von dem ganzen Genderschwachsinn längst drastisch distanziert und die rausgeworfen.”

Beginnt man der Reihe nach, so muss zunächst ein Fehler beseitigt werden: Soziologen, wie alle Sozialwissenschaftler,  wollen nicht nur beschreiben, sie wollen auch erklären. Emile Durkheim, der Begründer der Soziologie, hat versucht, Selbstmord in seinen Formen zu erklären, er hat Methoden zur Erklärungen sozialer Tatbestände entwickelt. Insofern ist z.B. der Anspruch der Soziologie ein weitergehender als er hier gemutmaßt wird: Die berühmte Definition des Gegenstands von Soziologie, die Max Weber gegeben hat, lautet entsprechend: “Soziologie (im hier verstandenen Sinne dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will” (Weber, 1988: 542).

Weber WissenschaftslehreDamit ist Soziologie eine Wissenschaft, deren Zweck darin besteht, soziale Fakten zu verstehen und zu erklären, z.B. zu erklären, wie es dazu kam, dass der Genderismus an deutschen Universitäten Fuss fassen konnte. Um dies erklären zu können, muss man zunächst den Genderismus als die Ideologie, das religiöse Gebäude, das auf der unbelegten Behauptung, Frauen seien benachteiligt, basiert, verstehen, den Genderismus als die religiöse Heilslehre sehen, das politische Programm, die/das er ist. Entsprechend stellt sich nunmehr die Frage: Wie konnte es sein, dass sich eine religiöse Heilslehre wie der Genderismus an Universitäten und u.a. in den Instituten der Soziologie ausbreiten konnte. Die Antwort auf diese Frage wäre entsprechend die von Weber eingeforderte Erklärung sozialer Phänomene.

Um soziale Tatsachen zu verstehen und zu erklären, gibt es einen methodischen Kanon, den wir in unserem Grundsatzprogramm zusammengestellt haben. Er sieht es vor, von allgemeinen Aussagen (Theorien) über soziale Fakten auszugehen und Hypothesen über konkrete soziale Gegenstände zu bilden, die prüfbar sein müssen und damit die Gefahr in sich tragen, an der Realität zu scheitern. Die wissenschaftstheoretischen Grundlagen von Soziologie im Besondern und Sozialwissenschaften im Allgemeinen hat Karl-Dieter Opp in seinem Buch “Methodologie der Sozialwissenschaften” ausführlich dargestellt, so dass jeder, der von sich behauptet, Sozialwissenschaftler oder Soziologe zu sein, nicht gleichzeitig Unkenntnis über die wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Soziologie heucheln kann. Wenn er Unkenntnis kund tut, dann verfolgt er offensichtlich andere als sozialwissenschaftliche oder soziologische Zwecke.

Die zur empirischen Prüfung notwendigen Methoden in qualitativer wie quantitativer Form finden sich in unzähligen Bänden, die dem Thema der Methoden der empirischen Sozialforschung gewidmet sind. Sie finden sich in qualitativer und in quantitativer Form, sie finden sich als Technik zur Fragebogenkonstruktion, als Methoden zur Datenerfassung, als Methoden zur Vermeidung eines Befragungs-Bias, als Darstellung suggestiver Befragungstechniken, die mit einem ethischen Bann belegt sind, schließlich finden sich Legionen von Darstellungen einzelner statistischer Methoden, von univariaten Auszählungen über die Darstellung bivariater Zusammenhänge bis zu multivariaten Verfahren.

RityerDie Soziologie als Fach, ist somit eines der wenigen Fächer der Sozialwissenschaften, die über einen theoretischen Korpus verfügen, den Forscher wie Jeffrey Alexander, Herbert Blumer, Gary Becker, Peter Blau, James Coleman, Randall Collins, Ralf Dahrendorf, Emile Durkheim, Harold Garfinkel, Erving Goffman, Michael Hechter, George C. Homans, Talcott Parsons, Karl-Dieter Opp, Heinrich Popitz,  und viele mehr gelegt haben. Zudem verfügt die Soziologie über eine wissenschaftstheoretische Basis, die von Hans Albert, Karl Raimund Popper, Imre Lakatos oder Thomas Kuhn gelegt wurde und deren Tenor darin besteht, dass wissenschaftliche Aussage nachvollziehbar und vor allem nachprüfbar sein müssen. Aussagen, die nicht an der Realität scheitern können, sind entsprechend keine wissenschaftlichen Aussagen. Schließlich verfügt die Soziologie über eine Vielzahl von Methoden zur empirischen Prüfung, von der Datenerhebung bis zur Datenanalyse.

Kurz und mit Thomas Kuhn gesprochen: Die Soziologie ist eine der wenigen Sozialwissenschaften, die den Sprung aus dem, was Kuhn die vorwissenschaftliche Phase nennt, in die Phase der Normalwissenschaft vollzogen haben.

Und dann kam der Genderismus.

Dann kam die Unterminierung der Soziologie durch eine Religion, die keinerlei theoretische Grundlage hat, statt dessen auf der Verkündung, Frauen seien benachteiligt, aufbaut, wie jede Religion auf einem mystischen Schöpfungsakt aufbaut. Der Genderismus hat keinerlei wissenschaftstheoretische Basis, die den rudimentärsten Kriterien von Wissenschaftlichkeit gerecht wird, im Gegenteil: Nicht Nachvollziehbarkeit oder Nachprüfbarkeit ist das Credo des Genderismus, sondern politische Einflussnahme, so nachzulesen in dem, was prätentiös als feministische Wissenschaftstheorie benannt wird, ein Sammelsurium aus Versuchen, Werturteile, natürlich nur feministisch basierte Werturteile, zum Gegenstand von Wissenschaft zu machen. Werturteile im wissenschaftilchen Erkenntnisprozess waren schon für Max Weber (1988: 609) das Ende von Wissenschaft, und sie sind es bis heute geblieben.

Aber: Genderismus ist ja auch keine Wissenschaft, sondern eine Religion, die die eigenen Werturteile als richtige Werturteile verbreiten will. Da die Zielsetzung von Genderismus darin besteht, die eigenen Werturteile als richtig in der Gesellschaft zu etablieren, gibt es auch keine wissenschaftlichen Methoden und Techniken der Datenerhebung. Die Intuition, die auf der Basis des Gefühls, Recht zu haben, fusst, ersetzt das nachprüfbare und methodengeleitete Vorgehen, das Wissenschaft auszeichnet. Kurz: Genderismus ist eine Heilslehre, eine Religion, die mit Wissenschaft im Allgemeinen und Sozialwissenschaft im Besonderen nichts zu tun hat.

Wie konnte es dazu kommen, dass sich Genderismus dennoch an Universitäten und hier besonders im Bereich der Soziologie einnisten konnte? Die Antwort auf diese Frage ist nicht leicht zu geben. Es gibt bislang keine Forschung, die untersuchen und darstellen würde, wie es gelungen ist, eine Religion an Universitäten zu etablieren. Entsprechend muss man, ganz in soziologischer Tradition, Hypothesen bilden, Hypothesen, die von einem Rational-Choice-Ansatz ausgehen, der wiederum, um mit Max Weber zu sprechen, annimmt, dass Akteure zielgerichtet und zweckrational handeln.

Homo sociologicusDa Genderismus eine Religion ist, die nicht nur die Konsequenz hat, Wissenschaft zu zerstören, sondern auch die Konsequenz, eine Wissenschaft wie die Soziologie in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, ein Unterfangen, das wie die Zitate oben zeigen, schon recht erfolgreich gewesen ist, liegt es nahe anzunehmen, dass eben diese Diskreditierung der Soziologie das Ziel ist, das mit der Unterwanderung der Soziologie durch den Genderismus erreicht werden soll.

Die Frage nach dem Warum, ist leicht zu beantworten: Vor dem Einfall des Genderismus war Soziologie ein Fachbereich, in dem eine Mehrheit klare methodische Standards und wissenschaftstheoretische Grundlagen geteilt hat. Soziologie war eine kritische Wissenschaft (das hat nichts mit der Frankfurter Schule zu tun, eher im Gegenteil: Soziologie war trotz Habermas kritisch). eine Wissenschaft, die Ergebnisse auf geprüfter empirischer Basis erzielt hat, Ergebnisse, die im Gegensatz zu den Machtverhältnissen in der deutschen Gesellschaft und den Ideologien von Politikern standen.

So betrachtet, wäre die Zersetzung der Soziologie, ihre Zerstörung durch staatstreue Genderisten ein gezieltes Vorhaben, eine Hypothese, die nun der Prüfung harrt (Diese Hypothese ist prüfbar und das ist, was sie von einer Verschwörungstheorie unterscheidet).

Und warum haben die alten Soziologen, diejenigen, die dem wissenschaftlichen Korpus der Soziologie verpflichtet sind, dabei zugesehen, wie ihre Wissenschaft zerstört und durch feministischen Kauderwelsch ersetzt wurde, einen Kauderwelsch der die Soziologie, wie die Zitate oben zeigen, in der Außenwahrnehmung so sehr beherrscht, dass Soziologie mittlerweile mit Genderismus gleichgesetzt wird?

Diese Frage können nur die Betroffenen selbst beanwtorten. Vermutlich ist hier ein Prozess am Werk, wie ihn Soziologen beschreiben, die sich mit emergenten Effekten beschäftigen. Jeder Soziologie-Professor ist seine eigene Insel. Die Kosten für eine Organisation von Soziologie-Professoren, die Kosten für die Organisation von Widerstand sind zu hoch, als dass sie überwunden werden könnten. Also sehen sich die Einzelkämpfer-Professoren einem organisierten Auftrieb gegenüber, der als angeblicher politischer Wille, Genderismus in die Wissenschaft implementiert, und zwar ohne auf Widerstand zu treffen.

Dass Fächer per politischem Willen in Universitäten implementiert wurden und nicht aufgrund einer entsprechenden Entscheidung der scientific community ist recht selten: Neben dem Genderismus, gibt es wenige Beispiele, am bekanntesten ist der Marxismus-Leninismus, den die religiösen Herrscher des erfolgreichsten sozialistischen Staates auf deutschem Boden, der immerhin 40 Jahre den Mangel verwaltete, ehe ihm die Banane den Garaus machte, etabliert haben, und das ist übrigens nicht die einzige Gemeinsamkeit beider Religionen.

Damit sind wir zurück beim einem der drei Zitaten von oben:

“Denn wären diese Leute seriöse Wissenschaftler, hätten schon längst Selbstreinigungskräfte eingesetzt und die seriöse Soziologie hätte sich von dem ganzen Genderschwachsinn längst drastisch distanziert und die rausgeworfen.”

Das schreibt Hadmut Danisch und damit will er im Umkehrschluss belegen, dass es keine seriösen Wissenschaftler in der Soziologie gibt. Das ganze Argument krankt zwar daran, dass es auf einer Tautologie aufbaut, aber das Anliegen, das dieses Argument hervorgebracht hat, ist legitim, beschreibbar als Frage: Warum machen Soziologen, also die wenigen Wissenschaftler, die es in der institutionalisierten Soziologie noch gibt, nicht den Mund auf (freien Wissenschaftler, wie der Soziologin Dr. habil. Heike Diefenbach kann man sicher nicht den Vorwurf machen, sie würde nicht den Mund aufmachen)?

FestingerWir haben, ehrlich gesagt, keine Antwort auf diese Frage. Eine Hypothese, die wir anbieten können, basiert auf der Theorie kognitiver Dissonanz von Festinger, die bekanntlich vier mögliche Strategien der Verarbeitung kognitiver Dissonanzen sieht, kognitiver Dissonanzen, wie sie sich unwillkürlich einstellen, wenn ein Soziologe, der Wissenschaft betreiben will, mit Vertreter der Genderreligion konfrontiert ist:

(1) Der Soziologieprofessor kann sich einreden, die Gefahr, die von der Gender Sekte in seinem Fachbereich und für seine Wissenschaft ausgeht, sei nur gering, sei vernachlässigbar, die Soziologie als solche vom Genderglauben nicht tangiert.

(2) Er kann sein Verhalten ändern und seinen Beruf als Soziologe an den Nagel hängen.

(3) Er kann sein eigenes Verhalten neu einschätzen und sich sagen, dass er die Methodik und Wissenschaftlichkeit von Soziologie vielleicht zu eng sieht.

(4) Er kann seine Sicht auf Genderismus ändern und sich einreden, dass Genderismus gar keine Religion, sondern eine Wissenschaft ist.

Wir sehen Alternative (1) als die wahrscheinlichste Alternative an. Egal, welche der Alternativen das profunde Schweigen von Soziologen erklärt, mit dem sie der Zerstörung ihrer Wissenschaft zusehen, es bleibt die kognitive Dissonanz. Egal, welche Alternative einzelne Wissenschaftler für sich wählen, die Dissonanz geht davon nicht weg. Sie mag zeitweise in den Hintergrund treten, sie mag abgemildert werden, doch sie kehrt wieder, regelmäßig, und zwar so lange, so lange es noch Wissenschaftler unter den Soziologen gibt, wobei die Außenwahrnehmung der Soziologie, wie der Sozialwissenschaften insgesamt, den Eindruck vermittelt, als wäre es den Genderisten längst gelungen, beide, Soziologie wie Sozialwissenschaften, in der Meinung der Bürger gründlich zu diskreditieren.

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