Die Zerstörung der Soziologie als Wissenschaft oder: Warum machen Soziologen nicht den Mund auf?

Seit der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie eine Solidaritätsadresse für Soziologen wie Gerhard Amendt, die Hasskampagnen ausgesetzt sind, veröffentlicht hat, gibt es in einigen Blogs eine Diskussion darüber, ob Soziologie überhaupt eine Wissenschaft darstellt oder nicht. Wir beziehen uns im Folgenden auf die Diskussion, die im Blog von Hadmut Danisch geführt wird.

Eine Anzahl von Kommentatoren, fühlt sich dazu berufen, der Soziologie als Ganzem den Wissenschaftsstatus abzusprechen. Andere kritisieren, dass sofern es Soziologen gibt, die noch Wissenschaftler sind, sich diese nicht zu Wort melden. Generell wird dabei Soziologie irrtümlicher Weise mit Geschlechterforschung und Geschlechterforschung mit Genderismus gleichgesetzt, d.h. in der Außenwahrnehmung vieler gibt es keine Soziologie ohne Genderismus mehr.

Dabei nimmt die nicht pöbelnde Kritik z.B. die folgende Form an:

Danisch„Ein zentraler Fehler der Soziologie ist dabei, dass sie gar nicht das Ziel hat, wissenschaftlich und beschreibend zu sein, sondern dass sie politisch ist, politische Ziele verfolgt, und sich nur darum dreht, wie sie die Gesellschaft gerne sehen und haben möchte. Keine andere Fakultät (außer noch den Juristen) ist so eng mit der Politik verflochten, ist so weit von Wissenschaft entfernt.“

oder:

„Jeder, der auch nur etwas Ahnung von Wissenschaft hat, merkt bei Lesen soziologischer Schriften sofort, dass das mit Wissenschaft nichts zu tun hat, dass es nur ein „so tun als ob”, eben das Nachäffen des Gehabes ist. Zentrales Kernmerkmal dafür ist, dass Soziologie nicht auf Wissen, sondern auf Autoritäten beruht. Nie wird etwas inhaltlich-wissenschaftlich begründet.“

oder:

„Denn wären diese Leute seriöse Wissenschaftler, hätten schon längst Selbstreinigungskräfte eingesetzt und die seriöse Soziologie hätte sich von dem ganzen Genderschwachsinn längst drastisch distanziert und die rausgeworfen.“

Beginnt man der Reihe nach, so muss zunächst ein Fehler beseitigt werden: Soziologen, wie alle Sozialwissenschaftler,  wollen nicht nur beschreiben, sie wollen auch erklären. Emile Durkheim, der Begründer der Soziologie, hat versucht, Selbstmord in seinen Formen zu erklären, er hat Methoden zur Erklärungen sozialer Tatbestände entwickelt. Insofern ist z.B. der Anspruch der Soziologie ein weitergehender als er hier gemutmaßt wird: Die berühmte Definition des Gegenstands von Soziologie, die Max Weber gegeben hat, lautet entsprechend: „Soziologie (im hier verstandenen Sinne dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will“ (Weber, 1988: 542).

Weber WissenschaftslehreDamit ist Soziologie eine Wissenschaft, deren Zweck darin besteht, soziale Fakten zu verstehen und zu erklären, z.B. zu erklären, wie es dazu kam, dass der Genderismus an deutschen Universitäten Fuss fassen konnte. Um dies erklären zu können, muss man zunächst den Genderismus als die Ideologie, das religiöse Gebäude, das auf der unbelegten Behauptung, Frauen seien benachteiligt, basiert, verstehen, den Genderismus als die religiöse Heilslehre sehen, das politische Programm, die/das er ist. Entsprechend stellt sich nunmehr die Frage: Wie konnte es sein, dass sich eine religiöse Heilslehre wie der Genderismus an Universitäten und u.a. in den Instituten der Soziologie ausbreiten konnte. Die Antwort auf diese Frage wäre entsprechend die von Weber eingeforderte Erklärung sozialer Phänomene.

Um soziale Tatsachen zu verstehen und zu erklären, gibt es einen methodischen Kanon, den wir in unserem Grundsatzprogramm zusammengestellt haben. Er sieht es vor, von allgemeinen Aussagen (Theorien) über soziale Fakten auszugehen und Hypothesen über konkrete soziale Gegenstände zu bilden, die prüfbar sein müssen und damit die Gefahr in sich tragen, an der Realität zu scheitern. Die wissenschaftstheoretischen Grundlagen von Soziologie im Besondern und Sozialwissenschaften im Allgemeinen hat Karl-Dieter Opp in seinem Buch „Methodologie der Sozialwissenschaften“ ausführlich dargestellt, so dass jeder, der von sich behauptet, Sozialwissenschaftler oder Soziologe zu sein, nicht gleichzeitig Unkenntnis über die wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Soziologie heucheln kann. Wenn er Unkenntnis kund tut, dann verfolgt er offensichtlich andere als sozialwissenschaftliche oder soziologische Zwecke.

Die zur empirischen Prüfung notwendigen Methoden in qualitativer wie quantitativer Form finden sich in unzähligen Bänden, die dem Thema der Methoden der empirischen Sozialforschung gewidmet sind. Sie finden sich in qualitativer und in quantitativer Form, sie finden sich als Technik zur Fragebogenkonstruktion, als Methoden zur Datenerfassung, als Methoden zur Vermeidung eines Befragungs-Bias, als Darstellung suggestiver Befragungstechniken, die mit einem ethischen Bann belegt sind, schließlich finden sich Legionen von Darstellungen einzelner statistischer Methoden, von univariaten Auszählungen über die Darstellung bivariater Zusammenhänge bis zu multivariaten Verfahren.

RityerDie Soziologie als Fach, ist somit eines der wenigen Fächer der Sozialwissenschaften, die über einen theoretischen Korpus verfügen, den Forscher wie Jeffrey Alexander, Herbert Blumer, Gary Becker, Peter Blau, James Coleman, Randall Collins, Ralf Dahrendorf, Emile Durkheim, Harold Garfinkel, Erving Goffman, Michael Hechter, George C. Homans, Talcott Parsons, Karl-Dieter Opp, Heinrich Popitz,  und viele mehr gelegt haben. Zudem verfügt die Soziologie über eine wissenschaftstheoretische Basis, die von Hans Albert, Karl Raimund Popper, Imre Lakatos oder Thomas Kuhn gelegt wurde und deren Tenor darin besteht, dass wissenschaftliche Aussage nachvollziehbar und vor allem nachprüfbar sein müssen. Aussagen, die nicht an der Realität scheitern können, sind entsprechend keine wissenschaftlichen Aussagen. Schließlich verfügt die Soziologie über eine Vielzahl von Methoden zur empirischen Prüfung, von der Datenerhebung bis zur Datenanalyse.

Kurz und mit Thomas Kuhn gesprochen: Die Soziologie ist eine der wenigen Sozialwissenschaften, die den Sprung aus dem, was Kuhn die vorwissenschaftliche Phase nennt, in die Phase der Normalwissenschaft vollzogen haben.

Und dann kam der Genderismus.

Dann kam die Unterminierung der Soziologie durch eine Religion, die keinerlei theoretische Grundlage hat, statt dessen auf der Verkündung, Frauen seien benachteiligt, aufbaut, wie jede Religion auf einem mystischen Schöpfungsakt aufbaut. Der Genderismus hat keinerlei wissenschaftstheoretische Basis, die den rudimentärsten Kriterien von Wissenschaftlichkeit gerecht wird, im Gegenteil: Nicht Nachvollziehbarkeit oder Nachprüfbarkeit ist das Credo des Genderismus, sondern politische Einflussnahme, so nachzulesen in dem, was prätentiös als feministische Wissenschaftstheorie benannt wird, ein Sammelsurium aus Versuchen, Werturteile, natürlich nur feministisch basierte Werturteile, zum Gegenstand von Wissenschaft zu machen. Werturteile im wissenschaftilchen Erkenntnisprozess waren schon für Max Weber (1988: 609) das Ende von Wissenschaft, und sie sind es bis heute geblieben.

Aber: Genderismus ist ja auch keine Wissenschaft, sondern eine Religion, die die eigenen Werturteile als richtige Werturteile verbreiten will. Da die Zielsetzung von Genderismus darin besteht, die eigenen Werturteile als richtig in der Gesellschaft zu etablieren, gibt es auch keine wissenschaftlichen Methoden und Techniken der Datenerhebung. Die Intuition, die auf der Basis des Gefühls, Recht zu haben, fusst, ersetzt das nachprüfbare und methodengeleitete Vorgehen, das Wissenschaft auszeichnet. Kurz: Genderismus ist eine Heilslehre, eine Religion, die mit Wissenschaft im Allgemeinen und Sozialwissenschaft im Besonderen nichts zu tun hat.

Wie konnte es dazu kommen, dass sich Genderismus dennoch an Universitäten und hier besonders im Bereich der Soziologie einnisten konnte? Die Antwort auf diese Frage ist nicht leicht zu geben. Es gibt bislang keine Forschung, die untersuchen und darstellen würde, wie es gelungen ist, eine Religion an Universitäten zu etablieren. Entsprechend muss man, ganz in soziologischer Tradition, Hypothesen bilden, Hypothesen, die von einem Rational-Choice-Ansatz ausgehen, der wiederum, um mit Max Weber zu sprechen, annimmt, dass Akteure zielgerichtet und zweckrational handeln.

Homo sociologicusDa Genderismus eine Religion ist, die nicht nur die Konsequenz hat, Wissenschaft zu zerstören, sondern auch die Konsequenz, eine Wissenschaft wie die Soziologie in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, ein Unterfangen, das wie die Zitate oben zeigen, schon recht erfolgreich gewesen ist, liegt es nahe anzunehmen, dass eben diese Diskreditierung der Soziologie das Ziel ist, das mit der Unterwanderung der Soziologie durch den Genderismus erreicht werden soll.

Die Frage nach dem Warum, ist leicht zu beantworten: Vor dem Einfall des Genderismus war Soziologie ein Fachbereich, in dem eine Mehrheit klare methodische Standards und wissenschaftstheoretische Grundlagen geteilt hat. Soziologie war eine kritische Wissenschaft (das hat nichts mit der Frankfurter Schule zu tun, eher im Gegenteil: Soziologie war trotz Habermas kritisch). eine Wissenschaft, die Ergebnisse auf geprüfter empirischer Basis erzielt hat, Ergebnisse, die im Gegensatz zu den Machtverhältnissen in der deutschen Gesellschaft und den Ideologien von Politikern standen.

So betrachtet, wäre die Zersetzung der Soziologie, ihre Zerstörung durch staatstreue Genderisten ein gezieltes Vorhaben, eine Hypothese, die nun der Prüfung harrt (Diese Hypothese ist prüfbar und das ist, was sie von einer Verschwörungstheorie unterscheidet).

Und warum haben die alten Soziologen, diejenigen, die dem wissenschaftlichen Korpus der Soziologie verpflichtet sind, dabei zugesehen, wie ihre Wissenschaft zerstört und durch feministischen Kauderwelsch ersetzt wurde, einen Kauderwelsch der die Soziologie, wie die Zitate oben zeigen, in der Außenwahrnehmung so sehr beherrscht, dass Soziologie mittlerweile mit Genderismus gleichgesetzt wird?

Diese Frage können nur die Betroffenen selbst beanwtorten. Vermutlich ist hier ein Prozess am Werk, wie ihn Soziologen beschreiben, die sich mit emergenten Effekten beschäftigen. Jeder Soziologie-Professor ist seine eigene Insel. Die Kosten für eine Organisation von Soziologie-Professoren, die Kosten für die Organisation von Widerstand sind zu hoch, als dass sie überwunden werden könnten. Also sehen sich die Einzelkämpfer-Professoren einem organisierten Auftrieb gegenüber, der als angeblicher politischer Wille, Genderismus in die Wissenschaft implementiert, und zwar ohne auf Widerstand zu treffen.

Dass Fächer per politischem Willen in Universitäten implementiert wurden und nicht aufgrund einer entsprechenden Entscheidung der scientific community ist recht selten: Neben dem Genderismus, gibt es wenige Beispiele, am bekanntesten ist der Marxismus-Leninismus, den die religiösen Herrscher des erfolgreichsten sozialistischen Staates auf deutschem Boden, der immerhin 40 Jahre den Mangel verwaltete, ehe ihm die Banane den Garaus machte, etabliert haben, und das ist übrigens nicht die einzige Gemeinsamkeit beider Religionen.

Damit sind wir zurück beim einem der drei Zitaten von oben:

„Denn wären diese Leute seriöse Wissenschaftler, hätten schon längst Selbstreinigungskräfte eingesetzt und die seriöse Soziologie hätte sich von dem ganzen Genderschwachsinn längst drastisch distanziert und die rausgeworfen.“

Das schreibt Hadmut Danisch und damit will er im Umkehrschluss belegen, dass es keine seriösen Wissenschaftler in der Soziologie gibt. Das ganze Argument krankt zwar daran, dass es auf einer Tautologie aufbaut, aber das Anliegen, das dieses Argument hervorgebracht hat, ist legitim, beschreibbar als Frage: Warum machen Soziologen, also die wenigen Wissenschaftler, die es in der institutionalisierten Soziologie noch gibt, nicht den Mund auf (freien Wissenschaftler, wie der Soziologin Dr. habil. Heike Diefenbach kann man sicher nicht den Vorwurf machen, sie würde nicht den Mund aufmachen)?

FestingerWir haben, ehrlich gesagt, keine Antwort auf diese Frage. Eine Hypothese, die wir anbieten können, basiert auf der Theorie kognitiver Dissonanz von Festinger, die bekanntlich vier mögliche Strategien der Verarbeitung kognitiver Dissonanzen sieht, kognitiver Dissonanzen, wie sie sich unwillkürlich einstellen, wenn ein Soziologe, der Wissenschaft betreiben will, mit Vertreter der Genderreligion konfrontiert ist:

(1) Der Soziologieprofessor kann sich einreden, die Gefahr, die von der Gender Sekte in seinem Fachbereich und für seine Wissenschaft ausgeht, sei nur gering, sei vernachlässigbar, die Soziologie als solche vom Genderglauben nicht tangiert.

(2) Er kann sein Verhalten ändern und seinen Beruf als Soziologe an den Nagel hängen.

(3) Er kann sein eigenes Verhalten neu einschätzen und sich sagen, dass er die Methodik und Wissenschaftlichkeit von Soziologie vielleicht zu eng sieht.

(4) Er kann seine Sicht auf Genderismus ändern und sich einreden, dass Genderismus gar keine Religion, sondern eine Wissenschaft ist.

Wir sehen Alternative (1) als die wahrscheinlichste Alternative an. Egal, welche der Alternativen das profunde Schweigen von Soziologen erklärt, mit dem sie der Zerstörung ihrer Wissenschaft zusehen, es bleibt die kognitive Dissonanz. Egal, welche Alternative einzelne Wissenschaftler für sich wählen, die Dissonanz geht davon nicht weg. Sie mag zeitweise in den Hintergrund treten, sie mag abgemildert werden, doch sie kehrt wieder, regelmäßig, und zwar so lange, so lange es noch Wissenschaftler unter den Soziologen gibt, wobei die Außenwahrnehmung der Soziologie, wie der Sozialwissenschaften insgesamt, den Eindruck vermittelt, als wäre es den Genderisten längst gelungen, beide, Soziologie wie Sozialwissenschaften, in der Meinung der Bürger gründlich zu diskreditieren.

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29 Responses to Die Zerstörung der Soziologie als Wissenschaft oder: Warum machen Soziologen nicht den Mund auf?

  1. patzer sagt:

    Sehr schade was mit dieser hochspannenden Geisteswissenschaft passiert ist .Ich erinnere mich voll Hochachtung an Prof.Scheuch hier aus Köln.Aber die Probleme der Soziologie betreffen z.B. auch(leicht anders geartet aber gut vergleichbar von der Politik missbraucht) die
    Geschichtswissenschaften.
    Mit frustriertem Gruß, patzer

    • und nicht zu vergessen die Politikwissenschaft, was mir wiederum sehr leid tut.

    • Dr. habil. Heike Diefenbach sagt:

      … ach ja, Herr Scheuch! Ich habe den zweiten Teil meines Studium auch in Köln absolviert und habe Herrn Scheuch noch erlebt, in allen seinen Höhen und Tiefen. Manchmal war das wirklich ein happening, wenn er einen seiner cholerischen Tage erwischt hat – das war nichts für Zartbesaitete und eine Form der unbeabsichtigen (!?) Studentenselektion. In jedem Fall hat man etwas bei ihm gelernt, womit man etwas anfangen konnte, etwas kennengelernt, was man vorher nicht kannte, ohne gleichzeitig gesagt zu bekommen, wie man das weltanschaulich zu bewerten hätte …

  2. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Die Zerstörung der Soziologie als Wissenschaft oder: Warum machen Soziologen nicht den Mund auf? | netzlesen.de

  3. kardamom sagt:

    Aus der Diskussionsseite des Wikipedia-Eintrages „Feministische Wissenschaftstheorie“:

    „Popper ist wissenschaftstheoretisch überholt. Ob die Feministische Wissenschaftstheorie angeblich „nicht einmal logisch und begrifflich widerspruchsfrei“ sei, das zu entscheiden sollten wir uns nicht anmaßen. “ Schwarze Feder am 20:13, 17. Mär. 2012 (CET)

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Diskussion:Feministische_Wissenschaftstheorie&oldid=125489484

    Schwarze Feder ist auch unter seinem Realnamen Andreas Kemper bekannt.

    • Es ist immer wieder schön, Akte verbaler Unterwürfigkeit zu sehen, wobei sich die Frage stellt, warum sich Schwarze Feder der Hegemonie feministischer Wissenschaftszerstörung unterwirft… vier Erklärungsmöglichkeiten: zweckrational, wertrational, affektiv oder traditional?

      • Meier, Hans (Kempten) sagt:

        Ich weiß nicht, ob Kemper Opportunist ist – er fühlt sich auf der RICHTIGEN Seite. Mein Eindruck ist jedenfalls NICHT, dass er sich UNTERWERFEN, sondern dass er TRIUMPHIEREN will.

        Soziogramm: da hat einer keine Chance im herkömmlichen Betrieb wg. Logik, Wissenschaft, Rationalität und all dem, also entwickelt er Hass darauf, geht Schleichwege am Gehassten vorbei und schlägt sich in die Büsche von Wikipedia, Stiftungen, unsaueberem Gedenke jeglicher Art. Da gehts nicht mehr um Wahrheit, da gehts um den Willen, TROTZDEM zu im Recht zu sein. Wer nicht Priester der Religion A werden kann, verzichtet oder wendet sich einer Religon B zu, die merkwürdiger Weise eher Anti-A als ein originäres B ist.

        So werden vom K, die Frauen gekapert und in deren Namen verkündet, dass Unsinn sei, was K., nie bewältigt hat.

        Erinnert an frustrierte Fabrkantensöhnchen wie Friedrich Engels, die sich an die Spitze der Revolte gegen ihre Väter stellen und sich zur „Elite des Proletariats“ erklären.

        Das Proletariat wurde nicht gefragt.

        K. UNTERWIRFT sich dem Genderismus nicht, er bedient sich seiner, GEBRAUCHT ihn.

        Aber genau zu solchen Zwecklen wurde die Gender-Ideologie ja entwickelt… sie bedarf derer, die sie zu gebrauchen wissen.

    • Naja, klar, dass Kemper es mit der Logik nicht so hat! Hätte er ein weniger gestörtes Verhältnis zur Logik, hätte ihm klar sein müssen, dass es widersprüchlich ist, sich anzumassen, Popper als „wissenschaftlich überholt“ zu bezeichnen, und dies anscheinend ohne jede Begründung – ich weiß nicht, ob das stimmt, ich lese Wikipedia nicht🙂 aber ich halte es aufgrund dessen, was ich über Herrn Kemper weiß, für sehr wahrscheinlich (jaja, ich weiß, das ist ein Induktionsschluss ….) -, aber sich gleichzeitig nicht anmassen zu wollen, die Feministische Wissenschaftskarikatur als unlogisch und widersprüchlich zu bezeichnen.

      Ich weiß nicht, wie jemand, der ein solches Verhältnis zu Logik und Realität hat, es schafft, unverletzt durch jeden neuen Tag zu kommen – immerhin muss man sich anmassen, solche Zusammenhänge mit Bezug auf eine tatsächlich gegebene Realität herzustellen wie „da rauscht ein Zug in den U-Bahnhof“ und „ich stehe zu nah am Gleis“.

  4. kardamom sagt:

    „Wie konnte es dazu kommen, dass sich Genderismus dennoch an Universitäten und hier besonders im Bereich der Soziologie einnisten konnte?“

    Habe geschwind mal eine „Tour d’Horizon“ rund um Wissenschaftstheorie, Weber, Popper, Qualitative Sozialforschung vs. Quantitative Sozialforschung, Methodenstreit, Positivismusstreit etc. durchflogen.

    Ich habe den Eindruck, dass die Möglichkeit der „Einnistung“ schon in den 60er Jahren mit Habermas, Adorno, Marcuse ihren Ausgangspunkt hatte (sogenannte Frankfurter Schule).

    Ich selbst bin mir im unklaren. Zum einen neige ich dazu, die Popper’sche und Kuhn’sche Haltung einzunehmen, zum anderen sehe ich aber auch, wie das „Messergebnis“ allein schon durch die Messung selbst verändert werden kann. Und hier denke ich, liegt auch die gesellschaftliche Zerrissenheit, die Zweifel, ob „qualitativ“ oder „quantitativ“ richtig oder falsch sind.

    „Da steh ich nun, ich armer Tor…“.

    Und: Bei diesem erwähnten Rundflug fand ich auch http://www.paul-natterer.de/historische-geologie/wissenschaftstheorie – und da beschreibt ein GEOLOGE – ich zähle Geologie eigentlich zu den „knall-hart“-Wissenschaften – die Auseinandersetzung zur Wissenschaftstheorie, die ihn demzufolge auch in der ureigensten Forschung betrifft.

    • Ich selbst bin mir im unklaren. Zum einen neige ich dazu, die Popper’sche und Kuhn’sche Haltung einzunehmen, zum anderen sehe ich aber auch, wie das “Messergebnis” allein schon durch die Messung selbst verändert werden kann. Und hier denke ich, liegt auch die gesellschaftliche Zerrissenheit, die Zweifel, ob “qualitativ” oder “quantitativ” richtig oder falsch sind.

      Und genau deshalb gibt es keine Alternative zu Popper oder Kuhn, denn die Alternative wäre die blanke Willkür und somit etwas, was auch Heisenberg das kalte Grausen verursacht hätte. Ich bin kein Experte in Physik oder Quantenmechanik, aber ist es nicht so, dass man die Unschärferelation zumindest als Wahrscheinlichkeit mit einrechnen kann?

      • Dr. habil. Heike Diefenbach sagt:

        @Michael
        @kardamom

        … ja, natürlich ist es so, lieber Michael!

        Das genau macht Wissenschaft aus: logisch argumentieren, messen, Messfehler identifizieren, Methoden finden, mit den Messfehlern umzugehen oder sie möglichst zu minimieren…. Und Messfehler verschwinden nicht dadurch, dass man erzählt und das Erzählte interpretiert und sich irgendwie einbildet, dass diese Art der Messung das Messergebnis nicht verzerren würde. Messfehler sind nach ihrer Art und ihrem Umfang bei qualitativen Daten meist noch viel schwieriger festzustellen und zu korrigieren als bei quantitativen Daten.

        Ja, es gibt Messfehler. Ja, es gibt Unsicherheit. Und zur wissenschaftlichen Methode gehört es, Wege zu finden, mit diesen/ihr umzugehen. Wissenschaft ist der Versuch, in Anwesenheit von Fehlern und Unsicherheiten Erkenntnisst zu produzieren. Sie bedeutet NICHT die persönliche Erkenntnis, dass wir keine endgültig sicheren Erkenntnisse produzieren können, und schon gar nicht bedeutet sie, dass aus dieser grandiosen Erkenntnis der Schluss zu ziehen wäre, dass man dann auch machen kann, was man will bzw. behaupten kann, die Dinge seien so, wie sie einem vorkommen.

        Und deshalb, kardamom, besteht kein Grund zur methodischen Verzweiflung, und Sie sollten nicht zu leichtfertig Ansprüche aufgeben, nur, weil sie nicht perfekt zu erfüllen zu sein scheinen. Vielmehr könnte das doch auch für Sie ein Grund sein, am Dauerprojekt Wissenschaft weiter- und mitzuarbeiten, oder!?

  5. petpanther sagt:

    Bezüglich Wikipedia ist sehr auffällig wer da seit Längerem bewusst und mit viel Energie propagandistisch agitiert. Alles nicht ideologisch konforme, d.h. sich der eigennützigen ideologischen Verdrehung widersetzende Wirklichkeitsgetreue, verdrängen und alles mit totalitärem Neusprech versehen.

    Unfassbar, dass das geduldet wird. Neben dem offensichtlichen Schaden, zerstören diese Leute nicht nur Wikipedia, sondern auch die Soziologie. Und die Rechtswissenschaften (sog. „feministische Rechtswissenschaft“ – wir haben ja bereits zwei solche ideologischen Rechts- und Verfassungsbeuger im Bundesverfassungsgericht, korrupt und dubios hineingehievt)? Und wie steht’s denn mit der Psychologie? Oder anderen Geisteswissenschaften? Sie gehen ja sogar auch die Naturwissenschaften an.

    Dies und anderes Ähnliches sind ziemlich gewisse Anzeichen des Faschistischen, hier im Zuge von Genderismus und Feminismus.

    Es wird versucht so an Macht, Status und Funding zu kommen. Korrupt und unlauter, wie auch im Geiste rassistisch und totalitär, und das nicht nur in Bezug auf Gender, sondern auch mit Ausweitung auf alle Institutionen und Bereiche. Mit unschuldig und gutklingenden Heilsversprechen, immer für angeblich Benachteiligte, die aber genau dem entgegen instrumentalisiert werden (Beispiel Gleichberechtigung ggü. Neusprech bemäntelter „positiver“, aber echter Diskriminierung).

    Tatsächliche Diebe, die „Haltet den Dieb schreien“.

    Auf den geradezu pawlow’schen Reaktionen einer wahrscheinlich im instinktiven Sinne gynozentrischen Gesellschaft bzw. Menschheit beruhend.

    Clever.

    Die Soziologie könnte und ist eigentlich aufgerufen hier Einhalt zu gebieten, ist aber nun mit ein Einfallstor geworden. Und echte Wissenschaft ist schon immer Feind jeder ideologischen Verdrehung gewesen. Der Legitimation des bemäntelten Knebelns von zur eigennützigen Hinwegsetzung und Ausbeutung stigamtisierten Sündenbockgruppen steht sie naturgemäß entgegen.

    Top-down im Schutze der Verborgenheit, des Lobbyismus und des Fundings über die Superstrukturen (dort ist es besonders intensiv und leicht unhinterfragt zu bewerkstelligen) und die Regierungen bevormundend in das individuell Private und Persönliche hinein, bis hin zur Identitätsbrechung. Notfalls mit …

    Wir kennen das doch eigentlich. Dennoch passiert es.

  6. A. Behrens sagt:

    Hallo,

    ich möchte mich an einem Widerspruch versuchen:

    Wenn ich den Sciencefiles-Text versuche zu komprimieren, käme etwas in dieser Art raus:

    Wissenschaft ist, wenn 1. empirisch geforscht wird und 2. eine mögliche Erklärung der Realität geliefert wird, die 3. an zukünftigen empirischen Messungen scheitern können muss.

    Dem würde ich gern Ludwig von Mises entgegenhalten. Zitat aus Wikipedia (*) According to Mises, deductive economic thought experiment can yield conclusions which follow irrefutably from the underlying assumptions and could not be inferred from empirical observation or statistical analysis.

    Soweit ich die Gedankengänge von Ludwig von Mises verstehe, ist das grundsätzliche Problem empirischer Daten, dass sie Vergangenheit beschreiben, Volkswirtschaft (und IMO auch Soziologie) aber hyperkomplexe, selbstreferenzielle Systeme beschreiben, deren zukünftiges Verhalten nicht genau beschrieben werden kann.

    Es kann kein Computermodell geben, welches den morgigen Börsenkurs vorhersagt (da dieses Computermodell den morgigen Börsenkurs verändern würde). Und IMO würde ich erwarten, dass auch ein soziologisches Modell für den perfekten Kandidaten für eine Bundeskanzler-Kandidatur scheitern muss, da völlig egal wen dieses Modell als Kandidaten entdeckt, die Umwelt (Wähler und andere Parteien) auf das Modell reagieren.

    Ausgehend von Sciencefiles-Anspruch kann somit weder die VWL noch die Soziologie Wissenschaft sein.

    Und nun?

    (*) http://en.wikipedia.org/wiki/Austrian_School

    • Sie sitzen hier einem Missverständnis auf. Deduktives Vorgehen ist in der Logik eine Methode, um den Wahrheitsgehalt von Prämissen auf eine Konklusion zu übertragen. In der Philosophie ist das als Rationalismus bekannt. Das Problem mit der Deduktion besteht darin, dass man in Konklusionen nicht mehr haben kann, als bereits in den Prämissen steckt. Das provoziert die Frage, wie man Wissensfortschritt erlangen kann, wenn Deduktion es nur erlaubt, sichere Schlüsse aus Bekannten zu ziehen. Einen Ausweg schien hier die Induktion zu weisen. Wenn man aus z.B. Beobachtung Zusammenhänge erschließt, und immer wieder dieselbe Beobachtung über einen Zusammenhang macht, dann kann man daraus ein allgemeines Gesetz folgern, so die Überlegung. Die Voraussetzung für einen gültigen Induktionsschluss ist die Möglichkeit, gehaltserweiternd zu schließen, denn in der Konklusion wird eine Allgemeinheit ausgesagt, die in den Beobachtungen nicht steckt. 500 Personen mit IQ < 75, die Gender Studies betreiben, lassen nicht den Schluss zu "alle, die Gender Studies betreiben hätten einen IQ < 75. Zudem hat David Hume den Induktionsschluss höchst wirksam zertrümmert, indem er gezeigt hat, dass alle Abstraktionen, alles, was den gehaltserweiternden Schluss aus Beobachtung ausmacht, ein Hirngespinst ist, das wir in der Realität nicht finden, sondern nur in unseren Gehirnen. Induktion war also auch Essig.

      Das Patt zwischen Rationalisten und Induktivisten hat den Wiener Kreis beschäftigt, und ein Mitglied des Wiener Kreises, K.R. Popper hat das Problem gelöst. Er startet mit einer generellen Annahme, die über Randbedingungen in eine prüfbare singuläre Aussage übersetzt werden muss, die dann geprüft wird. Erweist sich die singuläre Aussage durch Prüfung als richtig, dann kann geschlossen werden, dass die generelle Annahme nicht widerlegt wurde, sich entsprechend bewährt hat. Erweist sich die singuläre Aussage durch Prüfung als falsch, dann muss die generelle Annahme modifiziert werden.

      Popper nennt dieses Vorghen Falsifikationismus und dieses Vorgehen ist u.a. in der Soziologie der 1980er und auch noch 1990er Jahre weit verbreitet gewesen. Es ist die einzige wissenschaftliche Methode, die einen Erkenntnisgewinn nachvollziehbar und wieder prüfbar sicherstellt und entsprechend der Rubikon, der Wissenschaft von Metaphysik scheidet, wobei Soziologie auf der Seite der Wissenschaft ist.

      Was Aussagen über die Zukunft angeht. Sie sind Gegenstand von Unsicherheit und somit Gegenstand von Modellen, die Risiko schätzen. Der Unterschied zwischen Unsicherheit und Risiko besteht darin, dass man Risiko abschätzen kann, während Unsicherheit immer bleibt, egal, was man macht. Wenn man Risiko abschätzen will, gibt es dazu nur eine, eine probabilistische Möglichkeit, die darin besteht, auf Grundlage von Erfahrungsdaten die Zukunft zu extrapolieren. Damit verbindet sich ein Fehler-Risiko, das man quantifizieren kann und außerdem gibt es in allen entsprechenden Modellen ein Residuum, das man als unerklärte Unsicherheit ansehen kann, solange die Residuen sich über Zeit als nicht miteinander korreliert zeigen. Für die Frage, ob Soziologie oder VWL Wissenschaften sind, ist dies ebenso unerheblich wie für die Frage, ob Astronomie eine Wissenschaft ist. Ausschlaggebend für die Einordnung ist das Vorhandensein einer wissenschaftlichen Methode.

      • A. Behrens sagt:

        Zitat „Sie sitzen hier einem Missverständnis auf.“

        Sehr geehrter Herr Klein,

        Vielen Dank für Ihre Korrektur.

        Mit freundlichen Grüßen

      • @Michael

        wow! Das ist die kürzeste und prägnanteste Zusammenfassung des kritischen Rationalismus und Falsifikationismus, die sich in den deutschsprachigen Weiten des Internets finden lässt.

        Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass die Kraft Deiner Darstellung (auch) ein Ergebnis der Tatsache ist, dass Du Dich in ihr nun schon seit ein paar Jahrzehnten übst; man kann’s halt nicht oft genug erklären oder wiederholen …🙂

  7. Stuergel sagt:

    Hat jemand eine Idee, wie eine Wikipedia frei von solchen Manipulationversuchen aussehen könnte? Die ganzen vergraulten Autoren sind sicherlich zurückzugewinnen, sobald man glaubwürdig machen kann, daß dieser Scheiß nicht von vorne anfängt.

    • kardamom sagt:

      Ich denke, dass Wikipedia in diesem Sinne hoffnungslos am Ende ist. Meine Begründung:
      Bei sämtlichen Artikeln in der Wiki, die ich nachschlage, schaue ich grundsätzlich auf die Diskussions-Seiten (den kleinen Reiter über dem Artikel selbst anklicken). Was sich dort zuweilen an Abgründen offenbart, die Diskussions(un)kultur, das Fehlen von menschlichen Anstand im miteinander, war mir zuvor unvorstellbar. Da ist eine Kampf-Scheidung ja noch human dagegen. Je weltanschaulicher der Artikel, umso schlimmer. Und wem das Grauen nicht genügt, der schaue sich dann auch noch die „Versionsgeschichte“ der Diskussionsseite an. Die Diskutanten haben sogar keine Hemmungen, sich gegenseitig die Diskussionsbeiträge wegzulöschen. Und wieder sind es die Platzhirsche, die bestimmen, was gelöscht werden darf und was nicht, und da wird auch schnell mal gesperrt. Diese fein verwobene Struktur von Platzhirschen, Admins und Beifallklatschern ist stabiler als Kevlar-Faserstoff.

      Nein, in meinen Augen ist die deutsche Wikipedia ein verlorenes Projekt, so wie Somalia als ein verlorener Staat gilt. Ja, ich glaub, das ist ein gelungener Vergleich: Somalia, Libyen, Irak.
      Yoghurt, Eichhörnchen und Shetland-Pony kann man noch nachschlagen. Alles andere ist mit Vorsicht zu geniessen.

      • Stuergel sagt:

        Die Mißstände sind ja offensichtlich. Ich frage mich nur, wie man das beim „nächsten Mal“ besser machen könnte. Denn die destruktiven Elemente draußen zu halten, ist sehr schwierig. Wahrscheinlich wird es Form der „benevolent dictatorship“ wie in vielen freien Softwareprojekten brauchen.

  8. zrwd sagt:

    eine Einmischung:
    ————————

    der lesenswerte Artikel schildert ein einstmals blühendes Paradies, in dem die Soziologie insgesamt oder zumindest in beträchtlichen Zahlen der Logik der Forschung des kritischen Rationalismus folgte. Dann geschah der Sündenfall in Gestalt des Genderismus und seitdem befindet sich die Soziologie auf dem unwissenschaftlichen Holzweg.

    Dem ist nicht der Fall in dem Sinne, das die frevelhafte Sünde weitaus älter ist!

    Bereits im Gefolge der Studentenbewegung der 60er wandelten sehr viele soziologische Fakultäten auf unwissenschaftlichen marxistischen Pfaden, mit dem Effekt, das bereits Mitte der 70er mehr und mehr soziologische Schriften aus den Sortimenten der Buchverkäufer genommen wurden. Die Nachfrage nach der marxistischen Ideologieproduktion war nun einmal denkbar gering.

    Mit Hinweis auf die Studentenbewegung ist das Problem ursächlich noch längst nicht erschlossen!

    Um diese zu ergründen müssen wir weit in die Geschichte bis zur Romantik absteigen. Aus dem Bewusstsein, sich gegenüber der in jeder Hinsicht überlegenen angelsächsischen Zivilisation nicht behaupten zu können, welches sich mit den Ängsten der sich fälschlicherweise als Elite dünkenden Geisteswissenschaftler kombinierte, die ahnten, dass in Zeiten der Technik und des Kapitalismus ihre Todesglocken ertönen, entwickelte sich ein Technologie-feindliches, irrationales anti-szien­ti­fisches und amit anti-westliches und anti-modernes Bewusstsein, welches seitdem immer und immer wieder in dieser oder jener Gestalt zum Vorschein kommt; insbesondere im Hass deutscher Philosophen auf ihre angeblich ‚jüdisch-szi­en­ti­fische‘ Konkurrenz im eigenen philosophischen Lager in Gestalt angelsächsischer Empiriker und des deutschen Metaphysikers Hauptfeind des ‚Positivisten‘.

    Wir erinnern uns an den Naziphilosophen und erwiesenen Antisemiten Heidegger und dessen Aufstand gegen das ‚Gestell‘ und das ebenfalls angeblich ‚jüdische‘ ‚Rechenhafte‘. Die ‚rechenhaften Juden‘ sollten also mit ihrem Blut die Zeche dafür zahlen, das der untalentierte Bauernlümmel Heidegger, der zunächst Mathematik studierte und mangels Intelligenz am angeblich ‚jüdischen‘ ‚Rechenhaften‘ versagte und genau deshalb zur Geisteswissenschaft wechselte.

    Auch der Naziphilosoph Gadamer ist in dem Kontext zu nennen. 1933 unterschrieb er das Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat. Ferner war er Mitglied des nationalsozialistischen Lehrerbundes, hielt Vorträge im Dienste der NS-Auslandspropaganda und erhielt seinen Leipziger Lehrstuhl von der SS. Sein ‚Denken‘ floss nicht unwesentlich über den aus einer Nazifamilie stammenden Hitler-jungen Habermas und seines ebenfalls umfassend Heidegger/Gadamer geschulten Kumpanen Apel in das Nachkriegsdeutschland ein. Und zwar primär in Gestalt der angeblichen ‚Erklären versus Verstehen Dichotomie‘ und die damit ursächlich verbundene angebliche (behavioristische) ‚Verhalten versus Handeln Dichotomie‘, wobei weder das eine noch das andere in dem ansonsten vorzüglichen Artikel leider noch nicht einmal erwähnt wird. Der Hinweis auf das Elektron, welches nicht ‚intentional‘ handelt, während Karl der Große durchaus, war das Kernargument des Jürgen Habermas im ‚Positivismusstreit‘.

    Zwar haben weder Heidegger, Gadamer, noch Habermas und Apel jemals die ‚Intentionen‘ Julius Gaius Cäsars, Karls des Großen oder gar Napoleon Bonapartes ‚verstehend‘ und ‚handlungsorientiert‘ erforscht; aber darum ging es ihnen auch nicht, sondern einzig um der Spekulation und Metaphysik und damit der Politik und damit dem Werturteil in Philosophie und Soziologie einen Weg zu bahnen.

    Anzumerken ist nur noch, dass selbst die Volkswirtschaftslehre vor 1948 sich ‚verstehend‘ in politisch verzerrten rein textuellen Ausführungen erschöpfte. Man stellte 1929 Schumpeter eine Professur zur Verfügung, einzig um den Anschluss an die vollkommen überlegenen stark mathematisch orientierten Angelsächsischen und Schweizer Schulen zu bewirken. Allein, Schumpeter erschöpfte sich ebenfalls im Textuellen und scheiterte nicht zufällig später in den USA an der Mathematik. Ja, es gibt heutzutage starke Tendenzen auch das volkswirtschaftliche Rad der Geschichte anti-szi­en­ti­fisch und anti-Rechenhafte der Zeiten vor 1948 zurück zudrehen. Man lausche dazu lediglich den Ausführungen Peukerts, eines grössenwahnsinnigen Soziologen, der auf Ökonom macht, im Staatsfernsehen. Frei verfügbar in youtube.

    Fazit:
    ——

    gleich wie abstrus die Genderideologie auf heutige Menschen mit IQ > 80 wirkt, die deutsche Romantik, Heidegger und Gadamer sind auf andere Weise ähnlich abstrus, nicht zu sagen haarsträubend. Das gilt auch für die an den Haaren herbei gezogene, vom Nazi Heidegger nicht weit entfernte, ‚Kapitalismuskritik‘ Horkheimers und Adornos, welche in den 50ern und 60ern die Feuilletons der BRD, sogar ganz ohne -Phobie Knüppel und strafrechtlichen Verfolgung der Heidegger, Gadamer, Adorno, Horkheimer und Habermasophoben, beherrschten. Das einstmals blühendes Paradies der dem kritischen Rationalismus Poppers folgenden Soziologie gab es nun einmal nicht. Das Nachdenken über die Einstellung jeglicher staatlicher Förderung der Sozial- und Geisteswissenschaften und damit ihre im Sinne des vom Staat ausgebeuteten Steuerzahlers sozial gerechte Abschiebung in Kostenpflichtige privatwirtschaftliche Unternehmen steht auf der Tagesordnung!

    • Vielen Dank für die pointierte Darlegung der Geschichte der Sozialwissenschaften, der Philosophie und in Teilen der Soziologie. Übrigens ist im Text nicht die Rede davon, dass in der Soziologie alles ein reines Paradies war. Ich gehöre noch zu denjenigen, die Hans Alberts „Einführung in die Soziologie“ gelauscht haben, so dass mir die Kämpfe kritischer Rationalisten mit den selbsterklärt kritischen Frankfurter-Gesellschaftsphlilosophen (eben nicht Soziologen) durchaus in Erinnerung sind. Aber, was man nicht von der Hand weisen kann, ist die Tatsache, dass nach dem 2. WK aus den USA eine Welle der rationalen Forschung in Form empirischer Sozialforschung nach Deutschland geschwappt ist, die in der Soziologie Fuss fassen konnte, von Rene König, über Opp, Hummell, Esser, Nauck, bis zu heute Diefenbach und Becker, es gibt und gab Soziologen, die ihr Fach als Wissenschaft betrieben haben. Ebenso muss man feststellen, dass der Stand, den rationale und empirisch tätige Soziologen insgesamt in der Soziologie hatten und haben, durch Legitimationswissenschaftler, deren Hauptarbeit darin besteht, ideologische Armutskriege als Nachfolger marxistischer Vorkämpfer zu führen, erschwert wurde. Entscheidend ist jedoch nach meiner Ansicht, dass durch den Genderismus, der im Kern eine marxistische Ideologie ist, die Machtverhältnisse entscheidend und vor allem die Außenwirkung der Soziologie verändert wurde. Nunmehr nehmen viele Soziologie als Laberfach wahr, in dem sich Phobiker und Paranoide aller Art treffen, um gemeinsam den nächsten Anschlag auf den gesunden Menschenverstand zu planen und zu führen. Ich denke, das werden Sie auch nicht bestreiten, ebenso wenig, so hoffe ich, wie Sie bestreiten würden, dass die prä-Genderismus Soziologie in Teilen (und wir sind der Ansicht, in überwiegenden Teilen) empirische Wissenschaft war, die über eine Methodologie und eine Methode verfügt hat, die sie zur Wissenschaft qualifiziert.

    • kardamom sagt:

      @ zrwd:
      Danke für die Ausführungen – die Situation vor den 60er Jahren habe ich bislang nicht Betracht, Ihre Darstellung ergibt für mich aber durchaus einen Sinn.

      Was mich in diesem Kontext nun Wunder nimmt (Mist, habe mich mit dem Ausdruck als alemannisch-sprechender verraten), was mich also Wunder nimmt:

      Wie sieht das denn mit der Soziologie drüben in den USA aus – die hatten keine Romantik und keinen Heidegger und in denen ihren Fakultäten treiben trotzdem so Gestalten wie Judith Butler ihr Unwesen?

  9. diegrafenburger sagt:

    Ich denke, es ist sehr weit herunter gekommen mit einer Wissenschaft, wenn „seriöse Astrologen“ kritisieren das die Benutzer (http://de.wikipedia.org/wiki/Gender-Symbol) ihrer Symbole ins irrationale abgleiten.

  10. twojuxta sagt:

    Ich hätte eine Frage zum Thema.

    Der „Genderismus“, wie sie ihn nennen, hat sich ja auch entwickelt. Es gibt bereits zuvor und auch jetzt noch Forschung zum Thema „Geschlecht“ usw., die eben nicht genderistitsch ist. Wo ziehen sie hier die Grenzlinie? Historisch wie inhaltlich? Ist etwa die Agnes Studie von Garfinkel genderistisch? Die Studien von Goffman zu Werbedarstellungen? Oder weitere Sozialwissenschaftliche klassiche Studien in denen Geschlecht eine Rolle spielt? Ich wäre interessiert sie hier genauer zu verstehen.
    Ab wann und mit wem kommt Genderismus ins Spiel. Können sie das identifizieren?

    • Ja, der Genderismus ist nicht vom Himmel gefallen. Seine Wurzeln hat Dr. habil. Heike Diefenbach in ihrer Darstellung des Patriarchats nachgezeichnet, sie reichen zu Engels u.a. also in die sozialistische Ideologie. Und das genau ist es, was Genderismus von Geschlechterforschung, wie sie im Rahmen von Soziologie betrieben wird, unterscheidet. Wenn Sie die Studie von Garfinkel kennen, dann wissen Sie, welches Erkenntnisinteresse dahinter steht, Sie wissen, dass die Studie der Ethnomethodologie entstammt, also einem Bereich der Soziologie, der im Gegensatz zum Genderismus über eine gute und von vielen Autoren gezimmerte theoretische Basis verfügt, zu der auch Goffman beigetragen hat. Genderismus ist in dieser Hinsicht eine Schmarotzer-Ideologie, die Ergebnisse, die andere produziert haben, aus dem Kontext der Forschung löst und politisch einzusetzen versucht. Entsprechend kommt Genderismus genau da ins Spiel, wo versucht wird, Forschung aus ideologischen Motiven heraus zu betreiben, Forschung aus ideologischen Motiven heraus zu missbrauchen und alles zu dem Zweck, sich selbst ein Auskommen zu schaffen, Zugang zu Ressourcen zu haben.

      Der folgende Text von Dr. habil. Heike Diefenbach dürfte Sie auch interessieren:
      https://sciencefiles.org/2013/08/09/brauchen-wir-professuren-fur-genderforschung-an-universitaten-und-hochschulen/

    • Dr. habil. Heike Diefenbach sagt:

      @twojuxta

      … vielleicht darf ich Michael Kleins Antwort auf Ihre Frage noch ergänzen bzw. anders auf den Punkt bringen:

      Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Variable „Geschlecht“ ist niemals Selbstzweck, sondern dient der Prüfung allgemeiner Theorien oder Annahmen im weiteren Sinn, ganz so, wie Garfinkel seine breeching-Experimente durchgeführt hat, um zu zeigen, wie schnell das Gebäude aus Normen und Konventionen, auf das wir unsere Kommunikation aufbauen, erschüttert werden kann, aber auch, wie viele Mittel es gibt, diese Brüche zuzukitten und wie virtuos wir alle im Umgang mit diesen Mitteln sind. Ob diese breeching-Experimente Ärzte, Polizisten oder sonst jemanden oder etwas zum Gegenstand hatten, war inhaltlich nicht wichtig. Es waren also keine Ärzte- oder Polizisten-Studien, sondern Experimente, die etwas über Normen und Konventionen lehren/zeigen sollten.

      Und genau in diesem Sinn gibt es keine wissenschaftlichen Frauen- oder Männerstudien, sondern nur Studien z.B. zu Mechanismen institutioneller Diskriminierung sagen wir, im Bildungssystem oder am Arbeitsmarkt. Wenn man diesbezüglich Frauen, Männer, ethnische Minderheiten und Einheimische oder sonst etwas vergleicht, dann deshalb, weil man eine theoretisch begründete Erwartung darüber hat, dass anhand dieser Gruppen die Mechanismen der institutionellen Diskriminierung erkennbar werden, sofern es sie gibt. Und weil es um diese Mechanismen geht, ist man auch bereit anzuerkennen, wenn sie sich in einer konkreten Untersuchung nicht feststellen lassen; das ist dann eben so. Oder sie lassen sich feststellen, aber immer geht es darum, wie das Zusammenleben von Menschen funktioniert bzw. Gesellschaften funktionieren. Das ist es, was Soziologie (und übrigens auch Ethnologie) ausmacht, und als Wissenschaft muss sie dieses Funktionieren zunächst wertfrei erforschen.

      Genderismus/Frauenforschung postulieren ganz einfach, das gesamte soziale Zusammenleben sei von nichts so sehr geprägt wie von der Größe „Geschlecht“, und betrachten dann munter drauflos, und tatsächlich kann man alles aus der Geschlechterperspektive betrachten oder aus der Perspektive von der prinzipiellen Unterdrückung „der“ Frau, oder aus der Klassenkampf-Perspektive oder aus der Perspektive, die sich ergibt, wenn man der Überzeugung ist, dass die Erdbevölkerung im Verfall begriffen ist und am 1. Januar 2020 in einer Sintflut von der Erde getilgt wird. Das kann man natürlich machen, aber die Frage ist, wie sinnvoll das ist, und vor allem stellt sich die Frage, warum der Steuerzahler eine Wissenschaftsbetrieb bezahlen sollte, der sich hiermit beschäftigt, statt die Regeln des menschlichen Zusammenlebens und die eines möglichst produktiven Zusammenlebens für uns alle zu erforschen.

      Auch dann, wenn man als Wissenschaftler seine Ergebnisse bewertet und z.B. als problematisch oder nicht wünschenswert darstellt, dann erfordert das eine Begründung, und diese Begründung ist nicht die eigene Ideologie, sondern gewöhnlich erfolgt die Bewertung anhand eines gesellschaftlichen Maßstabs. Z.B. widerspricht institutionelle Diskriminierung dem meritokraitschen Prinzip, das nach wie vor offiziell im Bildungssystem verwendet wird. Soziologen müssen auf solche Widersprüche hinweisen, egal, ob sie Meritokratie persönlich mögen oder nicht mögen oder was auch immer. Sie übernehmen als Fachleute für das Zusammenleben eine „watchdog“-Funktion, wenn sie so wollen.

      Für Wissenschaftler inakzeptabel ist, die eigene Weltanschauung seinem Tun zugrundezulegen und zu versuchen, das, was man per Ideologie schon vorher „wusste“, wenn möglich, aus Daten herauszuquetschen oder sich eine passende Begründung aus den Fingern zu saugen, oder angeblich wissenschaftliche Texte zu verfassen, in denen zitiert wird, was die eigene vorgefasste Meinung unterstützt, aber nicht das, was mit ihr nicht vereinbar ist, was derzeit sehr weit verbreitet ist, frei nach dem Motto: man liest „den Feind“ nicht“!

      Und nun werfen Sie einen Blick in die Literatur, in der Geschlecht vorkommt, und ich bin sicher, dass Sie sehr schnell feststellen werden, ob es sich um Soziologie oder irgendeine Frauen- oder Geschlechter“forschung“ ist.

      Und schließlich: Soziologie ist eine Wissenschaft genau wie die „harten“ Wissenschaften, weil sie sich eine Methodologie erarbeitet hat, die man kennen und beherrschen muss. Wer nicht einmal diese Handwerkszeug und grundlegende wissenschaftliche Konventionen kennt, und deshalb zumindest einen Teil der Arbeiten von Kollegen gar nicht rezipieren KANN (auch, wenn er es wollte.), der ist eben kein Kollege, kein Soziologie, kein Wissenschaftler. Und dies beginnt bei den Regeln des sauberen Zitierens, zu dem auch gehört, nicht aus dem Kontext herauszureißen, was zitiert wird, oder sich herauszupicken, was zu passen scheint, und anderes zu unterschlagen.

      Eigentlich ist es wirklich recht einfach, wissenschaftliche Arbeiten von Gelaber zu unterscheiden….

  11. es fehlt alternative 4: der professor hat angst, von den gutmenschenmedien als rääächtsradikal diffamiert zu werden, wenn er die genderreligion ablehnt.

  12. Pingback: Diskreditierung der Soziologie durch den Genderismus | Kreidfeuer

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