
Wenn es aber nach Greenpeace Österreich geht, dann ist damit Schluss! Nicht das gute Leben, sondern die Umwelt wird von Greenpeace bekanntlich geheiligt, und entsprechend bin ich vor einigen Tagen auf den „Klimaratgeber Lebensmittel“ gestoßen, der einem wirklich den Mund offen stehen lässt.
„Warten Sie noch ein paar Tage, wenn eine Obst- oder Gemüsesorte neu im Regal auftaucht: Die Früchte stammen erfahrungsgemäß aus dem Glashaus oder haben eine weite Reise hinter sich“. Und: „Durch die hohen Klimakosten von mitteleuropäischen Obst- und Gemüsesorten, die durch die Einlagerung und die Erzeugung in Glashäusern entstehen, sind von Jänner bis Mai auch jene tropischen Obstsorten kaufbar, die vorwiegend mit dem Schiff transportiert werden: Ananas, Avocados, Bananen, Limetten, Papayas. Fragen Sie im Geschäft nach, denn der Transport mit dem Flugzeug wird als Beweis besonderer Frische gesehen. Vermeiden Sie alles, was jetzt schon „frisch“ angeboten wird. Es kommt aus dem dauergeheizten Glashaus“.
Österreicher erst mehr Sauerkraut!
Es ist ziemlich mühsam, durch dieses Dickicht der moralischen Entrüstung aus Greenepeace Österreich zu blicken, aber ich habe durch mehrfaches Lesen die folgenden Imperative extrahiert:
- Erdbeeren und sonstiges heimisches Obst wird nur gegessen, wenn es bei uns wächst (also in Österreich)!
- Früchte und Gemüse aus dauerbeheizten Glashäusern sind zu meiden! Wer im Dezember eine Kirsche essen will, soll gefälligst mit Amarenakirschen zufrieden sein!
- Früchte, von denen behauptet wird, sie seien frisch, sind in jedem Fall zu vermeiden, denn sie sind mit dem Flugzeug importiert, und das schadet der Umwelt! (Im Gegensatz dazu schadet das Anreisen von Greenpeace Aktivisten zum Klimagipfel in Durban <b>nicht</b> der Umwelt!)
- Überwintert wird mit lagerungsfähigem Obst (und Gemüse), das nicht aus beheizten Lagerhäusern stammt: Äpfel, Karotten, Erdäpfel, Kürbis und Pastinaken. Unsere Vorväter haben davon überlebt, warum nicht auch wir?
Doch nicht genug. Das beste aus Greenpeace 2012 habe ich mir bis zum Schluss aufbewahrt. Es ist im Original fett gedruckt und liegt den Greenpeaclern offensichtlich ganz besonders am Herzen:
„Vermeiden Sie aber Früchte aus Gegenden, die mit großer Wasserknappheit kämpfen. Greenepeace ist grundsätzlich der Meinung, dass in Regionen mit Wasserknappheit (z.B. Südspanien, gesamte Mittelmeerküste, naher Osten und Afrika) der Anbau von Obst und Gemüse zum Export nicht sinnvoll ist“.
Na dann. Nun wissen wir also, worum es eigentlich geht, um Armutsbeschaffung für z.B. diejenigen Bauern in Afrika, die für sich ein Auskommen in der Landwirtschaft geschaffen haben. Wahrscheinlich leben sie durch den Export ihrer Agrar-Güter heute erheblich komfortabler als noch vor einigen Jahrzehnten, aber sie leben auf Kosten des Klimas. Was denken sich diese Afrikaner eigentlich? Versuchen einfach ein gutes Leben zu leben. Am Ende wollen die auch noch ein Auto und einen Fernseher und Elektrizität aus Atomkraft, um beides zu betreiben. Alles schlecht für die Umwelt. Deshalb müssen wir die Afrikaner in Armut halten bzw. dahin zurückbefördern. Und deshalb fordern die Engstirnigen von Greenpeace einen Boykott von Obst und Gemüse aus u.a. Afrika. Nebenbei bemerkt, Afrika ist mehr als die Sahara. Es gibt durchaus Gegenden in Afrika, die nicht wissen, wohin mit ihrem Wasser. Aber wenn es um den Schutz des Klimas geht, dann können die Greenpeacler auf derartige lokale Unterschiede ebenso wenig Rücksicht nehmen wie darauf, dass vor Ort Menschen versuchen, durch die Produktion von Agrarprodukten ein gutes Auskommen zu haben, um ein gutes Leben leben zu können. Das darf nicht sein, und deshalb kann man den Inhalt des langen Textes von Greenpeace auch kurz und bündig zusammenfassen: Österreicher kauft nicht bei Afrikanern … (und nicht bei Südspanieren und nicht bei Mittelmeeranreinern, darunter Nordspanier und nicht bei Arabern und Israelis und, am besten kauft ihr gar nichts von auswärts)!
P.S.
Mir reichts. Ich gehe jetzt erst einmal Trauben aus Südafrika und Blaubeeren aus Ägypten essen!
Literatur
Granatstein, David (o.J.). How Big is the Fruit Growing Footprint?
Bildnachweis:
Uncyclopedia
The Macho Response
