LfM-Fake-News Studie: Fachkräfteportal für Kinder- und Jugendhilfe verbreitet Falschnachrichten

Es ist immer wieder erstaunlich, dass Menschen, die bar jeder Ahnung darüber sind, was empirische Sozialforschung ist und wie man die Ergebnisse, die im Rahmen von z.B. Meinungsumfragen gewonnen werden, interpretiert, sich dennoch auf diese Ergebnisse stürzen und eine phantasievolle Narration weben, die mit den Daten überhaupt nichts zu tun hat.

morons2Wir haben eine solche Narration beim Fachkräfteportal für Kinder- und Jugendhilfe gefunden, für das wir bislang nur feststellen können, dass sich dort keine Fachkräfte finden, wenn es um die Interpretation von Umfrageergebnisse geht. Statt dessen findet sich dort der Ausdruck dessen, was man im Englischen raving madness nennt.

Zunächst die Narration. Die Zahlen in Klammer beziehen sich auf unsere kostenfreie Überprüfung dieser Fake-News:

“Falschmeldungen im Internet sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dies hat eine Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfahlen (LfM) ergeben [1].

Fast 80% der Jugendlichen sind bereits mit Fake News in Berührung gekommen, erkennen diese aber häufiger als Erwachsene. [2]

Neben der Hassrede im Netz, deren steigende Brisanz erst vor zwei Wochen durch eine Studie der LfM belegt wurde, ist auch das Thema der verfälschten Information, der sogenannten Fake News oder auch “alternativen Wahrheit” inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das belegt eine weitere Studie der Landesanstalt für Medien NRW (LfM). [3]

Danach ist mehr als die Hälfte der deutschen Onlinenutzer (59%) schon einmal mit Fake News in Berührung gekommen. [4]

Jüngere Nutzer erkennen dabei eher als Ältere Falschmeldungen. In der Gruppe der 14- bis 24-jährigen haben bereits 77 Prozent Fake News im Internet gesehen. [5]

Kennzeichnungsmöglichkeiten und neue Löschgesetze werden von vielen Befragten befürwortet. [6]”

Und nun zur Berichtigung der Fake-News, die von keinerlei Fachkräften aus dem Fachkräfteportal für Kinder- und Jugendhilfe verbreitet werden.

[1]
Falschnachrichten im Internet sind nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Aussage ist zum einen Unsinn, zum anderen wurde in der Umfrage, auf die sich diese Behauptung bezieht, keinerlei Versuch unternommen, die gesellschaftliche Mitte zu bestimmen. Fake-News.

Frosa LfM Fake News 1[2] Fast 80% der Jugendlichen sind nicht mit Fake News in Berührung gekommen, weil in der Umfrage überhaupt nicht danach gefragt wurde, ob Jugendliche mit Fake-News in Berührung gekommen sind. Die Umfrage wurde von Forsa, dem Institut zur Forcierung gewünschter Ergebnisse durchgeführt, und deshalb muss man genau hinsehen. Wenn man genau hinsieht, dann liest man das Wörtchen „(vermutliche)“ vor Fake News. D.h. Forsa hat seine Befragten gefragt, ob sie „persönlich schon (vermutliche) Fake News bzw. Falschnachrichten im Internet bemerkt haben“. Was also erfragt wurde ist, ob die Befragten GLAUBEN, dass sie schon einmal eine Fake News gesehen haben. 13% der Jugendlichen, das sind 14 bis 24jährige für Forsa, weil das Institut zu wenige Befragte hat, um bei 18 Jahren einen Schnitt zu machen, sagen, dass sie häufig etwas, das sie für Falschnachrichten gehalten haben, gesehen haben (ob es sich dabei um Fake News gehandelt hat, ist eine ganz andere Frage), 35% sagen, sie haben ab und zu etwas gesehen, das sie für Falschnachrichten gehalten haben und 29% sagen, dass sie selten etwas gesehen haben, was sie für Falschnachrichten gehalten haben. Das macht in der Addition 77% der 15 bis 24jährigen. Daraus werden beim Fachkräfteportal für Kinder- und Jugendhilfe fast „80% der Jugendlichen“, die bereits mit Fake News in Berührung gekommen sein sollen. Ob derartige Phantasien unter dem Einfluss von Designerdrogen, Opiaten, Selbstüberschätzung oder Dummheit zu Stande kommen?

[3]
Fake News haben nichts mit alternativen Fakten zu tun. Alternative Fakten und Fake News sind auch immer noch nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Hier geht die Phantasie eines offensichtlich linken Schreibers mit ihm durch. Jedenfalls ist in keiner der Studien, auf die sich der Phantast bezieht, auch nur entfernt versucht worden, die Mitte der Gesellschaft zu operationalisieren.

[4]
Noch einmal zur Erinnerung: Forsa fragt danach ob man „persönlich schon (vermutliche) Fake News bzw. Falschnachrichten im Internet bemerkt“ hat.

Für die 59% der deutschen Onlinenutzer gilt deshalb, dass sie nicht mit Fake News in Berührung gekommen sind, sondern in 9% der Fälle angeben, häufig etwas, das sie für Fake News gehalten haben (unabhängig davon, ob es sich tatsächlich um Fake News gehandelt hat), bemerkt zu haben, 28% wollen ab und zu etwas, das hätte Fake News sein können, bemerkt haben und 22% selten. Deshalb ist die Aussage, dass 59% der deutschen Onlinenutzer mit Fake News in Berührung gekommen sind, schlicht falsch. Das sollte auch bei den Fachkräften für was auch immer ankommen.

[5]
Die 80 % aus der Unterüberschrift, die dort Jugendlichen zugeschrieben wurden, sind nun zu 77% in der Gruppe der 14 bis 24jährigen mutiert. Die Aussage ist dennoch falsch, denn die 77% der 14 bis 24jährigen, bei denen es sich nach aller Erfahrung um nicht mehr als 195 Befragte handeln dürfte, wurden nicht nach tatsächlichen Fake News befragt, sondern nach etwas, das ihnen wie Fake News vorgekommen ist. Wenn die Befragten ungefähr dasselbe Urteilsvermögen haben, wie die Fachkräfte des Fachportals, dann dürfte alles, was ihnen wie Fake News vorgekommen ist, keine Fake News gewesen sein.

[6]
Frosa LfM Fake News 2Die Behauptung haben wir anhand der Daten (Tabelle links) näher betrachtet. Auf den ersten Blick stimmen 86% der Befragten der Aussage zu „Es braucht neue Gesetze, damit Facebook und Co, Fake News schneller löschen müssen“. Auf den zweiten Blick sagen 35% der Befragten, dass sie die ganze Aufregung nicht verstehen, weil es Fake News schon immer gegeben habe, ebenso viele geben an, nicht an Fake News interessiert zu sein. Wenn sie nicht an Fake News interessiert sind, werden sie wohl kaum der Aussage zustimmen, dass es neue Gesetze braucht, um Facebook und Co zum schnelleren Löschen von Fake News zu zwingen, denn: Sie interessieren sich ja nicht für Fake News. Das lässt zwei Möglichkeiten: Die Daten von Forsa sind falsch oder die Befragten haben tatsächlich beidem zugestimmt, mehr Gesetzen gegen und keinem Interesse an Fake News. In beiden Fällen ist die Itembatterie Junk, im ersten Fall qua Datenfälschung im zweiten Fall qua Zustimmungs-Bias, denn offensichtlich haben eine Reihe von Befragten generell ihre Zustimmung erklärt und nicht darauf gehört, was ihnen am Telefon als Aussage präsentiert wurde.

Eine der wenigen Freiheiten, die in Deutschland noch zu bleiben scheinen, ist die Freiheit, in der Öffentlichkeit die eigene Unkenntnis zur Schau zu stellen. Die Verantwortlichen des Fachkräfteportals für Kinder und Jugendhilfe haben davon gerade ausgiebig Gebrauch gemacht.


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Sind Grüne Politiker dümmer als der Rest der Republik?

Die Grünen sind, wie wir in unserer Wahlprognose berechnet haben, ein Auslaufmodell. Nach unserer Vorhersage sind Bündnis90/Grüne im nächsten Parlament nicht vertreten.

Dass die Grünen nicht nur ein Auslaufmodell sind, wenn es um die Gunst der Wähler geht, sondern auch ansonsten alle Anzeichen einer Organisation im Niedergang zeigen, von der moralischen bis zur intellektuellen Degeneration, wird derzeit u.a. im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen deutlich, in dem sich die Grünen mit Inhalten wie dem folgenden hervortun:

 

Nur wenig Text reicht den Grünen aus, um nicht nur ihre ideologische Degeneration, sondern auch ihre komplette Unkenntnis deutlich zu machen.

  • Weiblich zu sein ist nicht generell damit verbunden, intelligent und parlamentstauglich, nicht einmal damit, kandidierwillig zu sein. Wer dennoch meint, Listenplätze müssten zwischen Geschlechtern gleichverteilt sein, der macht drei implizite Annahmen:
    • Männer und Frauen haben die gleiche Motivation (zu haben) für eine Partei zu kandidieren.
    • Männer und Frauen haben die gleiche Motivation (zu haben) für jede Partei zu kandidieren.
    • Männer und Frauen haben die gleiche Motivation und die gleiche Fähigkeit (zu haben) für jede Partei zu kandidieren
  •  Zwangsläufig führen diese kollektiven Prämissen zu der Konklusion, dass nicht Fähigkeiten, sondern Geschlecht die Besetzung von Listenplätzen da bestimmt, wo eine Gleichverteilung nach Geschlecht herbeigeführt worden ist, wie z.B. bei den Grünen und zu der Konklusion, dass da, wo offensichtlich Listenplätze nicht nach Geschlecht gleichverteilt wurden, Kompetenzen für wichtiger gehalten wurden.

Dass bei den Grünen Listenplätze nicht nach Kompetenz (oder Intelligenz oder Fähigkeit) vergeben werden, dass die drei Kriterien nicht einmal dann eine Rolle spielen, wenn sich Grüne in der Öffentlichkeit äußern, macht das Beispiel oben deutlich, in dem die Grünen beklagen, dass bei der FDP 13% Frauen auf Listenplätzen zu finden seien, weniger als im Parlament von Saudi Arabien.

Nun muss man Folgendes wissen:

Saudi Arabien hat kein parlamentarisches Regierungssystem, sondern eine absolute Monarchie mit König Salman von Saudi Arabien an der Spitze.

Als König ernennt er nicht nur seine Minister, er ernennt auch die Mitglieder dessen, was die Grünen als Parlament ansehen, nämlich des Majlis Ash-Shura oder des Shura Rats, einem Gremium, dem beratende Funktion zukommt und das tatsächlich mit der Besetzung grüner Listen eine Gemeinsamkeit aufweist, denn seit Januar 2013 gilt ein Dekret des damaligen Königs Abdullah, nachdem 20% der Plätze im Majlis Ash-Shura mit Frauen besetzt werden. Doch das, was die Grünen gerne als Parlament verkaufen wollen, ist ein Rat, dessen Mitglieder alle vom König ernannt werden.

Offensichtlich sehen grüne Politiker eine gewisse Affinität zwischen ihrer Vorstellung darüber, was ein Parlament ist und der des Saudi-Arabischen Königs, was auch nicht verwunderlich ist, denn wie der König von Saudi Arabien, so besetzen auch die Grünen ihre Listen nicht durch Wahl, sondern durch Ernennung und durch Quoten.

Die Eingangsfrage kann sich nun jeder selbst beantworten.

„Faszination Verschwörung“: Die ARD versucht/vergeht sich an Wissenschaft

Meistens, wenn sich Journalisten in öffentlich-rechtlichen Medien mit Wissenschaft beschäftigen und ihre Leser über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse unterrichten wollen, wird es peinlich, für die Journalisten. Erinnert sei nur an die Berichte über den Beitrag in der „Spaß-Ausgabe“ des British Medical Journal, in dem britische Forscher um Dennis Lendrem eben einmal die „Male Idiot Theory“ erfunden und sehr erfolgreich vor allem deutschen Journalisten untergeschoben haben..

sheepr-conspiracy-tvNun hat die ARD, ausgerechnet die ARD, ein Portal eröffnet, auf dem sie über FakeNews aufklären will. Tobias Jaecker vom RBB ist einer, dem diese für öffentlich-rechtliche Medien scheinbar so wichtige Aufgabe zufällt. Jaeckers Aufgabe besteht darin, Verschwörungstheorien zu verarbeiten und das tut er dann auch, und zwar in einer Weise, die man nicht anders zusammenfassen kann, als dass Jaecker eine Verschwörungstheorie über Verschwörungstheorien aufstellt. Finstere Verlage wie der Kopp-Verlag, verschlagene Medien wie „Epoch Times“ oder ganz dunkle Vertreter eines alternativen Journalismus wie Ken FM und Compact-Magazin sind es, die hinter den Verschwörungstheorien stecken, so die Meta-Verschwörungstheorie von Jaecker.

Das besonders Peinliche an der Darstellung von Jaecker, er schreibt einen Text, der sich nach seinen eigenen Kriterien, die Jaecker zur Identifikation einer Verschwörungstheorie gibt, als eine Verschwörungstheorie darstellt.

Verschwörungstheorien zeichnen sich für Jaecker dadurch aus, dass (1) „willkürlich herausgegriffene Fakten … in kausale Zusammenhänge gestellt werden“, (2) dass sie ein Körnchen Wahrheit enthalten, dass sie (3) auf Vorurteilen oder Ressentiments aufbauen und (4) dass sie auf mächtige Gruppen abstellen, die im Hintergrund die Fäden ziehen.

Alle vier Kriterien befriedigt Jaecker mit seinem eigenen Text

(1) Willkürlich herausgegriffene Fakten in kausalem Zusammenhang

Jaecker behauptet: Verschwörungstheorien seien in Krisenzeiten der Renner, wenn Menschen von politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen überrollt würden, lieferten solche Theorien „simple, scheinbar schlüssige Erklärungen“. Die offiziellen Erklärungen würden als Lug und Trug abgetan, die die Wahrheit verbergen sollen.

Alles, was Jaecker hier behauptet, trifft auf seine eigene „Theorie“ zu (und abgesehen davon ist es die reine Erfindung, da es keinerlei empirisch belastbare Daten gibt, die zeigen, was Jaecker hier behauptet). Er hat keinerlei Beleg dafür, dass Verschwörungstheorien in „Krisenzeiten der Renner“ sind, er hat nicht einmal einen Beleg dafür, dass wir derzeit in einer Krisenzeit leben, wie er suggerieren will. Er liefert vielmehr eine simple, aus seiner Sicht schlüssige Erklärung dafür, warum Verschwörungstheorien florierten und macht seine eigene Theorie somit zur Verschwörungstheorie, mit der alles, was nicht der offiziellen Erklärung genügt, als Lug und Trug abgetan und die Wahrheit offizieller Erklärungen in Abrede gestellt werden soll.

(2) Körnchen Wahrheit

Das Körnchen Wahrheit ist leicht zu finden, es muss ja nur ein Körnchen sein, im Fall von Jaecker besteht es in der Aussage, Verschwörungstheorien basierten darauf, einer kleinen Gruppe zu unterstellen, sie wolle das Volk täuschen. Da Verschwörungstheorien so definiert sind, wie es Jaecker hier schreibt, ist es nicht verwunderlich, dass man in seiner Aussage ein Körnchen Wahrheit findet.

(3) Vorurteile und Ressentiments

Conspiracy TheoriesVorurteile und Ressentiments finden sich im Text von Jaeckel, mit dem alles, was nicht offizielle Theorie ist, diskreditiert werden soll, zu Hauf: Triebkräfte hinter Verschwörungstheorien seien Hass, so befindet Jaeckel, im Fokus von Verschwörungstheorien seien immer „die gleichen Gruppen“, nämlich „Juden“, „Amis“ oder „Politiker“. Dem Herrn Jaeckel, der doch Journalist sein will, sei eine Recherche zum Thema Verschwörungstheorie empfohlen, um seine doch engstirnigen Vorurteile darüber, gegen wen sich Verschwörungstheorien richten, zu erweitern. Nur so viel: Verschwörungstheorien werden nicht nur von Rechten in die Welt gesetzt. Es gibt auch linke Verschwörungstheorien…

(4) Mächtige dunkle Mächte im Hintergrund

Eine regelrechte „Verschwörungsindustrie, … die auf die Verbreitung derartiger Gerüchte spezialisiert sei“, so weiß Jaecker zu berichten, habe sich in Deutschland etabliert. Warum? Um Geld zu verdienen, quasi eine anti-jüdisch-kapitalistische Weltverschwörung, die uns Jaecker hier nahebringen will. Insofern zeigt sich Jaecker als bestes Beispiel eines Verschwörungstheoretikers, der wie er schreibt – für ihn „undurchschaubare Ereignisse in ein geschlossenes Weltbild einordne[t] und alte Feindbilder bediene[t]“.

Bei/mit der ARD hat man, im Bemühen FakeNews und Verschwörungstheorien zu bekämpfen, wieder einmal den Bock zum Gärtner gemacht. Es ist, wie so oft, wenn man bei öffentlich-rechtlichen Anstalten in die erste Reihe gezwungen wird – in den Worten Jaeckers: alles „ein großer Bluff“.

Und der positive Teil zum Schluss:

Eine Verschwörungstheorie ist eine Theorie, die eine Verschwörung als Ursache einer Entwicklung oder eines Ereignisses behauptet.
Wie jede Theorie müssen sich auch Verschwörungstheorien an drei Kriterien, die Theorien auszeichnen, messen lassen:

  • Die Theorie muss einen empirischen Gehalt haben: Es muss möglich sein, aus der Theorie singuläre Aussagen abzuleiten, die an der Realität scheitern können.
  • Die Theorie muss in sich stimmig sein und darf keine logischen Widersprüche enthalten. Warum nicht? Weil man dann etwas und sein Gegenteil aus der Theorie ableiten kann (z.B.: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.).
  • Singuläre Aussagen, die aus der Theorie abgeleitet, die an der Empirie getestet wurden und die sich als falsch erwiesen haben, müssen zu einer Veränderung der Theorie führen. Die Theorie muss entsprechend modifiziert werden, so dass die falsifizierende Beobachtung nicht mehr im Gegensatz zu den Aussagen der Theorie steht. Ist eine solche Modifikation nicht möglich, ist die Theorie zu verwerfen.

Wenig verwunderlich genügt der Text über Verschwörungstheorien, den Jaecker fabriziert hat, seine Theorie der Verschwörungstheorie keinem der drei Kriterien, womit seine Verschwörungstheorie der Verschwörungstheorie hinter einer Vielzahl von Verschwörungstheorien zurückbleibt.

Bayerischer Rundfunk (BR): Deutsche Fahnder sind Nullen

1) Wieso lassen Terroristen ihre Ausweise am Tatort zurück?

2) Und wieso finden die forensischen Spezialisten der Polizei, die den kompletten Tat-Lkw aus Berlin auf DNA-Spuren untersucht haben, erst mit erheblicher Verzögerung und nachdem sie den gesamten Lkw auf DNA-Spuren untersucht haben, die Duldungsbescheinigung von Anis Amri?

Wir fragen, der BR antwortet.

Zu 1):

Die Dokumente sind eine Visitenkarte, mit der sich die Täter „in der islamistischen Szene“ einen Mythos schaffen, die Behörden bloßstellen und Flüchtlinge unter Generalverdacht stellen wollen.

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Fahndungsfoto Anis Amri, Foto BKA

Das Problem mit dieser Antwort: Man kann sie nur dann geben, wenn man deutsche Fahnder für vollkommene Nullen hält, die ohne die zurückgelassenen Ausweispapiere nicht in der Lage wären, den Täter zu ermittelt. Das ist die Prämisse, die hinter der Antwort steht und an der kein Weg vorbeiführt.

Und weil sich diese Antwort nach Ansicht des BR besser anhört, wenn sie von einem Psychologieprofessor kommt, der an der „Dualen Hochschule Villingen-Schwenningen“ sein Unwesen treibt, kommt das ganze noch einmal, dieses Mal von Jan Kizilhan, dem Psychologieprofessor aus Villingen-Schwenningen (wie Villingen Schwenningen hat eine Hochschule?).

“ Der Tod eines Täter könne – so Kizilhan, der vor kurzem das Buch “Die Psychologie des IS” veröffentlichte – gegenüber dem ARD-Politmagazin report München auch bei der Familie, den Bekannten und Kameraden einen “tiefen Eindruck hinterlassen, sie vielleicht sogar dadurch an die Terrororganisation über den Bund des Blutes verbinden”. Aus der Sicht des Täters wäre es eine Art Mahnung des “Märtyrers”, wonach “die nachfolgenden Generationen motiviert am gleichen Kampf teilnehmen” sollten, so Kizilhan.”

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Anis Amri, Foto auf der Duldungsbescheinigung, Foto: BKA

 

Und weil alle Gesellschaften so bürokratisch sind, wie die deutsche, deshalb müssen der tiefe Eindruck und die Blutsbande mit der deutschen Duldungsbescheinigung hergestellt werden. Wer bislang vorhatte das Buch „Die Psychologie des IS“ von Kizilhan zu lesen: Sie können es lassen. Es kann nichts Relevantes drin stehen. Wer von Blutsbanden schwafelt, der ist nämlich um einige Jahrhunderte zu spät.

Es ist schon schlimm genug, wenn Zweifel an einer Darstellung auftauchen, es wird durch Blödsinn, wie in der BR gerade verbreitet, nur schlimmer. Zweifel an einer Version räumt man nicht dadurch aus, dass man der unglaubwürdigen Version noch eine unglaubwürdigere Version hinzugesellt, sondern dadurch, dass man erklärt: warum die Duldungsbescheinigung erst mit erheblicher Verspätung gefunden, d.h. tagelang übersehen wurde.

Damit wären wir bei der wichtigeren der beiden oben genannten Frage, der zweiten Frage.

Was hat der BR, was hat report München dazu herausgefunden oder verlautbart?

Nichts!

Das führt uns zur dritten Frage, die Dr. habil. Heike Diefenbach bewegt: Wenn sich der IS wie im vorliegenden Fall zum Attentat bekennt und den Namen des Attentäters veröffentlicht, wozu braucht es dann noch eine Duldungsbescheinigung am Tatort? Zumal diejenigen, die den Attentäter vieleicht als Helden feiern wollen, sowieso wissen, wer das Attentat begangen hat. Abgesehen davon ist der Trend, Ausweise am Tatort zurückzulassen, einen neuere post-Osama-bin-Laden Entwicklung, was die Frage aufwirft, ob frühere Terroristen weder Martyrer sein noch Blutsbande herstellen wollen. Schließlich: ein religiöser Fundamentalist handelt nicht für erdliche Güter, sondern für transzendente Güter, die er im Jenseits erhalten kann und was soll er im Jenseits mit Märtyrer-Ruhm im Diesseits?

Die Folgen sozialökologischer Romantik: Ohne Wachstum ist der Mensch des Menschen Wolf

Wohlstand hat einen Nachteil: Menschen werden träge und Ideen, die man nicht anders bezeichnen kann als als abgrundtiefen Unsinn, verbreiten sich und finden Anhänger, ganz einfach deshalb, weil die Langeweile einer satten Existenz dazu führt, dass man die Not, einer Existenz in Armut nicht mehr kennt und entsprechend die Mittel und Anstrengungen, die den Weg aus dem Elend von Armut ermöglichen, weder respektiert noch ihnen mit Wertschätzung begegnet.

Leviathan.hobbesDie satte Existenz, in der sich manche suhlen und die in der Regel von Arbeitenden subventioniert wird, hat diese Manchen dafür freigestellt, sich in in ihrer Oberflächlichkeit kaum mehr zu überbietende Gedanken über das Wachstum zu machen. Im Ergebnis sind sie zu dem Schluss gekommen, dass einePolitik ohne Wachstumals Weg in die “sozial-ökologische Gesellschaft” notwendig sei.

Mit einer „Wirtschaftswende“, die dem Wachstum den Kampf ansagt, sollen „wachstumsunabhängige gesellschaftliche Strukturen und Institutionen geschaffen werden“. Was Grünen/Bündnis90 und anderen sozialökologischen Romantikern hier vorschwebt, das ist die Welt des Naturzustandes, den Thomas Hobbes beschrieben hat, die Welt, in der Verteilung ein Nullsummenspiel ist. Warum: Weil es kein Wachstum mehr gibt und ohne Wachstum kann man nur noch verteilen, was schon da ist, und zwar mit dem Ergebnis, dass immer weniger da ist, das verteilt werden kann und sich immer mehr um das Wenige streiten – gewalttätig.

Um den Irrsinn zu verstehen, der hinter der Phantasie der wachstumsfreien Gesellschaft steckt, muss man sich zunächst einmal klar machen, wo Wachstum herkommt. Das geht am einfachsten mit einem kleinen par force Ritt durch die Geschichte der Wachstumstheorien.

Fangen wir bei David Ricardo an: Wachstum kommt bei ihm aus Spezialisierungsgewinnen, daraus, dass man, wenn man sich auf die Produktion von Etwas spezialisiert, dieses Etwas immer besser, schneller und effizienter produziert werden kann. Economies of Scale sagen Ökonomen dazu, und der Preisverfall bei Computern und Smartphones und Soundbars ist ein Ergebnis davon (nur deshalb haben heute fast alle Zugang zu Computern).

Wenn Kapital eingesetzt wird um Waren zu produzieren und diese Waren konsumiert werden, dann stellt sich im Modell von Robert Solow automatisch Wachstum ein, weil Kapital über Konsum eine Rendite erwirtschaftet. Technologie, neue Technologie, hat Paul Romer hinzugefügt und gezeigt, wie neue Technologie notwendig Wachstum nach sich zieht. Eli Heckscher und Bertil Ohlin haben den internationalen Handel ergänzt und gezeigt: Internationaler Handel hat notwendig Wachstum zur Folge, schon wegen der Spezialisierungsgewinne, die Ricardo bereits beschrieben hat. Gene Grossman und Elhanan Helpman haben die Direktinvestitionen in anderen Ländern als weitere Größe eingeführt, die Wachstum zur Folge hat.

Und mit all dem Wachstum ist es in nur wenigen Jahrhunderten gelungen, nicht nur ein Bevölkerungswachstum ungeahnten Ausmaßes zu verkraften, sondern auch dafür zu sorgen, dass der größte Teil der Menschheit nicht mehr weiß, was Armut tatsächlich ist, nicht mehr weiß, welches Problem ein zusätzliches Maul, das gestopft werden mus, darstellen kann.

Manche sind gar so satt und so bar jeder Kenntnis davon, wie sich Armut anfühlt, dass sie ihre gelangweilte Blasiertheit mit einem unsinnigen Gedankenallerlei anfüllen, dessen Ziel darin besteht, eine Gesellschaft ohne Wachstum zu schaffen, also eine Gesellschaft, die nicht wächst, auch nicht in Bevölkerung, eine eingefrorene Gesellschaft, die notwendig gegenüber Investitionen aus dem gesellschaflichen Ausland geschlossen ist, die nicht mit anderen Gesellschaften handelt, in der kein Kapital investiert werden darf, keine Spezialisierung stattfindet, keine neuen Technologien entwickelt werden, kurz: Eine Gesellschaft, in der die Verbliebenen sich um die Verteilung des Wenigen streiten müssen, das noch zur Verteilung vorhanden ist.

Wenn man linke oder grüne und ihre utopischen Wirtschaftskonzepte betrachtet, dann muss man bedauern, dass es heute möglich ist, auf Transfer und von der Arbeit anderer in Stiftungen sein Dasein zu fristen und unsinnige Ideen zu entwickeln, deren Externalitäten nicht nur die Grundlage der eigenen gemütlichen Existenz beseitigen, sondern die derjenigen, von denen man bislang lebt, gleich mit.

Entsprechend kann man es gar nicht oft genug sagen: Eine Gesellschaft ohne Wachstum ist eine Gesellschaft, in der notwendig der Krieg aller gegen alle stattfindet, homo homini lupus, wie Thomas Hobbes geschrieben hat oder in den Worten von Karl-Heinz Paqué, einem der letzten aufrechten deutschen Wissenschaftler, die die rationale Welt gegen den Ansturm der Irrationalen verteidigen:

wachstum-1-format2403“Mit der Zunahme der Skepsis gegenüber dem Wachstum nahm der Glaube an den Fortschritt der Gesellschaft ab. Das kann nicht überraschen, denn ohne Wachstum reduziert sich Politik auf ein Nullsummenspiel, in dem jemand nur gewinnen kann, wenn er jemand anderem etwas wegnimmt. Dies verschärft den Verteilungskonflikt ungemein, und es macht eigentlich dadurch die Vorstellung eines gesellschaftlichen Fortschritts schon konzeptionell schwierig: Denn wie sollen wir von Fortschritt sprechen können, wenn es den einen nur auf die Kosten der anderen besser gehen kann? Ein gesellschaftlicher Fortschritt ist dann zumindest auf Dauer kaum zu erreichen, denn irgendwann stößt die Umverteilung gedanklich an Grenzen – und zwar spätestens dann, wenn eine perfekte Gleichheit erreicht ist, nach welchem Kriterium auch immer.

Ohne Wachstum ist also letztlich Fortschritt sehr schwer möglich, es sei denn, man überzeugt die Menschen, dass sie tatsächlich gerne und freiwillig verzichten” (Paqué, 2009: 250).

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