Sind Grüne Politiker dümmer als der Rest der Republik?

Die Grünen sind, wie wir in unserer Wahlprognose berechnet haben, ein Auslaufmodell. Nach unserer Vorhersage sind Bündnis90/Grüne im nächsten Parlament nicht vertreten.

Dass die Grünen nicht nur ein Auslaufmodell sind, wenn es um die Gunst der Wähler geht, sondern auch ansonsten alle Anzeichen einer Organisation im Niedergang zeigen, von der moralischen bis zur intellektuellen Degeneration, wird derzeit u.a. im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen deutlich, in dem sich die Grünen mit Inhalten wie dem folgenden hervortun:

 

Nur wenig Text reicht den Grünen aus, um nicht nur ihre ideologische Degeneration, sondern auch ihre komplette Unkenntnis deutlich zu machen.

  • Weiblich zu sein ist nicht generell damit verbunden, intelligent und parlamentstauglich, nicht einmal damit, kandidierwillig zu sein. Wer dennoch meint, Listenplätze müssten zwischen Geschlechtern gleichverteilt sein, der macht drei implizite Annahmen:
    • Männer und Frauen haben die gleiche Motivation (zu haben) für eine Partei zu kandidieren.
    • Männer und Frauen haben die gleiche Motivation (zu haben) für jede Partei zu kandidieren.
    • Männer und Frauen haben die gleiche Motivation und die gleiche Fähigkeit (zu haben) für jede Partei zu kandidieren
  •  Zwangsläufig führen diese kollektiven Prämissen zu der Konklusion, dass nicht Fähigkeiten, sondern Geschlecht die Besetzung von Listenplätzen da bestimmt, wo eine Gleichverteilung nach Geschlecht herbeigeführt worden ist, wie z.B. bei den Grünen und zu der Konklusion, dass da, wo offensichtlich Listenplätze nicht nach Geschlecht gleichverteilt wurden, Kompetenzen für wichtiger gehalten wurden.

Dass bei den Grünen Listenplätze nicht nach Kompetenz (oder Intelligenz oder Fähigkeit) vergeben werden, dass die drei Kriterien nicht einmal dann eine Rolle spielen, wenn sich Grüne in der Öffentlichkeit äußern, macht das Beispiel oben deutlich, in dem die Grünen beklagen, dass bei der FDP 13% Frauen auf Listenplätzen zu finden seien, weniger als im Parlament von Saudi Arabien.

Nun muss man Folgendes wissen:

Saudi Arabien hat kein parlamentarisches Regierungssystem, sondern eine absolute Monarchie mit König Salman von Saudi Arabien an der Spitze.

Als König ernennt er nicht nur seine Minister, er ernennt auch die Mitglieder dessen, was die Grünen als Parlament ansehen, nämlich des Majlis Ash-Shura oder des Shura Rats, einem Gremium, dem beratende Funktion zukommt und das tatsächlich mit der Besetzung grüner Listen eine Gemeinsamkeit aufweist, denn seit Januar 2013 gilt ein Dekret des damaligen Königs Abdullah, nachdem 20% der Plätze im Majlis Ash-Shura mit Frauen besetzt werden. Doch das, was die Grünen gerne als Parlament verkaufen wollen, ist ein Rat, dessen Mitglieder alle vom König ernannt werden.

Offensichtlich sehen grüne Politiker eine gewisse Affinität zwischen ihrer Vorstellung darüber, was ein Parlament ist und der des Saudi-Arabischen Königs, was auch nicht verwunderlich ist, denn wie der König von Saudi Arabien, so besetzen auch die Grünen ihre Listen nicht durch Wahl, sondern durch Ernennung und durch Quoten.

Die Eingangsfrage kann sich nun jeder selbst beantworten.

„Faszination Verschwörung“: Die ARD versucht/vergeht sich an Wissenschaft

Meistens, wenn sich Journalisten in öffentlich-rechtlichen Medien mit Wissenschaft beschäftigen und ihre Leser über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse unterrichten wollen, wird es peinlich, für die Journalisten. Erinnert sei nur an die Berichte über den Beitrag in der „Spaß-Ausgabe“ des British Medical Journal, in dem britische Forscher um Dennis Lendrem eben einmal die „Male Idiot Theory“ erfunden und sehr erfolgreich vor allem deutschen Journalisten untergeschoben haben..

sheepr-conspiracy-tvNun hat die ARD, ausgerechnet die ARD, ein Portal eröffnet, auf dem sie über FakeNews aufklären will. Tobias Jaecker vom RBB ist einer, dem diese für öffentlich-rechtliche Medien scheinbar so wichtige Aufgabe zufällt. Jaeckers Aufgabe besteht darin, Verschwörungstheorien zu verarbeiten und das tut er dann auch, und zwar in einer Weise, die man nicht anders zusammenfassen kann, als dass Jaecker eine Verschwörungstheorie über Verschwörungstheorien aufstellt. Finstere Verlage wie der Kopp-Verlag, verschlagene Medien wie „Epoch Times“ oder ganz dunkle Vertreter eines alternativen Journalismus wie Ken FM und Compact-Magazin sind es, die hinter den Verschwörungstheorien stecken, so die Meta-Verschwörungstheorie von Jaecker.

Das besonders Peinliche an der Darstellung von Jaecker, er schreibt einen Text, der sich nach seinen eigenen Kriterien, die Jaecker zur Identifikation einer Verschwörungstheorie gibt, als eine Verschwörungstheorie darstellt.

Verschwörungstheorien zeichnen sich für Jaecker dadurch aus, dass (1) „willkürlich herausgegriffene Fakten … in kausale Zusammenhänge gestellt werden“, (2) dass sie ein Körnchen Wahrheit enthalten, dass sie (3) auf Vorurteilen oder Ressentiments aufbauen und (4) dass sie auf mächtige Gruppen abstellen, die im Hintergrund die Fäden ziehen.

Alle vier Kriterien befriedigt Jaecker mit seinem eigenen Text

(1) Willkürlich herausgegriffene Fakten in kausalem Zusammenhang

Jaecker behauptet: Verschwörungstheorien seien in Krisenzeiten der Renner, wenn Menschen von politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen überrollt würden, lieferten solche Theorien „simple, scheinbar schlüssige Erklärungen“. Die offiziellen Erklärungen würden als Lug und Trug abgetan, die die Wahrheit verbergen sollen.

Alles, was Jaecker hier behauptet, trifft auf seine eigene „Theorie“ zu (und abgesehen davon ist es die reine Erfindung, da es keinerlei empirisch belastbare Daten gibt, die zeigen, was Jaecker hier behauptet). Er hat keinerlei Beleg dafür, dass Verschwörungstheorien in „Krisenzeiten der Renner“ sind, er hat nicht einmal einen Beleg dafür, dass wir derzeit in einer Krisenzeit leben, wie er suggerieren will. Er liefert vielmehr eine simple, aus seiner Sicht schlüssige Erklärung dafür, warum Verschwörungstheorien florierten und macht seine eigene Theorie somit zur Verschwörungstheorie, mit der alles, was nicht der offiziellen Erklärung genügt, als Lug und Trug abgetan und die Wahrheit offizieller Erklärungen in Abrede gestellt werden soll.

(2) Körnchen Wahrheit

Das Körnchen Wahrheit ist leicht zu finden, es muss ja nur ein Körnchen sein, im Fall von Jaecker besteht es in der Aussage, Verschwörungstheorien basierten darauf, einer kleinen Gruppe zu unterstellen, sie wolle das Volk täuschen. Da Verschwörungstheorien so definiert sind, wie es Jaecker hier schreibt, ist es nicht verwunderlich, dass man in seiner Aussage ein Körnchen Wahrheit findet.

(3) Vorurteile und Ressentiments

Conspiracy TheoriesVorurteile und Ressentiments finden sich im Text von Jaeckel, mit dem alles, was nicht offizielle Theorie ist, diskreditiert werden soll, zu Hauf: Triebkräfte hinter Verschwörungstheorien seien Hass, so befindet Jaeckel, im Fokus von Verschwörungstheorien seien immer „die gleichen Gruppen“, nämlich „Juden“, „Amis“ oder „Politiker“. Dem Herrn Jaeckel, der doch Journalist sein will, sei eine Recherche zum Thema Verschwörungstheorie empfohlen, um seine doch engstirnigen Vorurteile darüber, gegen wen sich Verschwörungstheorien richten, zu erweitern. Nur so viel: Verschwörungstheorien werden nicht nur von Rechten in die Welt gesetzt. Es gibt auch linke Verschwörungstheorien…

(4) Mächtige dunkle Mächte im Hintergrund

Eine regelrechte „Verschwörungsindustrie, … die auf die Verbreitung derartiger Gerüchte spezialisiert sei“, so weiß Jaecker zu berichten, habe sich in Deutschland etabliert. Warum? Um Geld zu verdienen, quasi eine anti-jüdisch-kapitalistische Weltverschwörung, die uns Jaecker hier nahebringen will. Insofern zeigt sich Jaecker als bestes Beispiel eines Verschwörungstheoretikers, der wie er schreibt – für ihn „undurchschaubare Ereignisse in ein geschlossenes Weltbild einordne[t] und alte Feindbilder bediene[t]“.

Bei/mit der ARD hat man, im Bemühen FakeNews und Verschwörungstheorien zu bekämpfen, wieder einmal den Bock zum Gärtner gemacht. Es ist, wie so oft, wenn man bei öffentlich-rechtlichen Anstalten in die erste Reihe gezwungen wird – in den Worten Jaeckers: alles „ein großer Bluff“.

Und der positive Teil zum Schluss:

Eine Verschwörungstheorie ist eine Theorie, die eine Verschwörung als Ursache einer Entwicklung oder eines Ereignisses behauptet.
Wie jede Theorie müssen sich auch Verschwörungstheorien an drei Kriterien, die Theorien auszeichnen, messen lassen:

  • Die Theorie muss einen empirischen Gehalt haben: Es muss möglich sein, aus der Theorie singuläre Aussagen abzuleiten, die an der Realität scheitern können.
  • Die Theorie muss in sich stimmig sein und darf keine logischen Widersprüche enthalten. Warum nicht? Weil man dann etwas und sein Gegenteil aus der Theorie ableiten kann (z.B.: Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.).
  • Singuläre Aussagen, die aus der Theorie abgeleitet, die an der Empirie getestet wurden und die sich als falsch erwiesen haben, müssen zu einer Veränderung der Theorie führen. Die Theorie muss entsprechend modifiziert werden, so dass die falsifizierende Beobachtung nicht mehr im Gegensatz zu den Aussagen der Theorie steht. Ist eine solche Modifikation nicht möglich, ist die Theorie zu verwerfen.

Wenig verwunderlich genügt der Text über Verschwörungstheorien, den Jaecker fabriziert hat, seine Theorie der Verschwörungstheorie keinem der drei Kriterien, womit seine Verschwörungstheorie der Verschwörungstheorie hinter einer Vielzahl von Verschwörungstheorien zurückbleibt.

Bayerischer Rundfunk (BR): Deutsche Fahnder sind Nullen

1) Wieso lassen Terroristen ihre Ausweise am Tatort zurück?

2) Und wieso finden die forensischen Spezialisten der Polizei, die den kompletten Tat-Lkw aus Berlin auf DNA-Spuren untersucht haben, erst mit erheblicher Verzögerung und nachdem sie den gesamten Lkw auf DNA-Spuren untersucht haben, die Duldungsbescheinigung von Anis Amri?

Wir fragen, der BR antwortet.

Zu 1):

Die Dokumente sind eine Visitenkarte, mit der sich die Täter „in der islamistischen Szene“ einen Mythos schaffen, die Behörden bloßstellen und Flüchtlinge unter Generalverdacht stellen wollen.

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Fahndungsfoto Anis Amri, Foto BKA

Das Problem mit dieser Antwort: Man kann sie nur dann geben, wenn man deutsche Fahnder für vollkommene Nullen hält, die ohne die zurückgelassenen Ausweispapiere nicht in der Lage wären, den Täter zu ermittelt. Das ist die Prämisse, die hinter der Antwort steht und an der kein Weg vorbeiführt.

Und weil sich diese Antwort nach Ansicht des BR besser anhört, wenn sie von einem Psychologieprofessor kommt, der an der „Dualen Hochschule Villingen-Schwenningen“ sein Unwesen treibt, kommt das ganze noch einmal, dieses Mal von Jan Kizilhan, dem Psychologieprofessor aus Villingen-Schwenningen (wie Villingen Schwenningen hat eine Hochschule?).

“ Der Tod eines Täter könne – so Kizilhan, der vor kurzem das Buch „Die Psychologie des IS“ veröffentlichte – gegenüber dem ARD-Politmagazin report München auch bei der Familie, den Bekannten und Kameraden einen „tiefen Eindruck hinterlassen, sie vielleicht sogar dadurch an die Terrororganisation über den Bund des Blutes verbinden“. Aus der Sicht des Täters wäre es eine Art Mahnung des „Märtyrers“, wonach „die nachfolgenden Generationen motiviert am gleichen Kampf teilnehmen“ sollten, so Kizilhan.“

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Anis Amri, Foto auf der Duldungsbescheinigung, Foto: BKA

 

Und weil alle Gesellschaften so bürokratisch sind, wie die deutsche, deshalb müssen der tiefe Eindruck und die Blutsbande mit der deutschen Duldungsbescheinigung hergestellt werden. Wer bislang vorhatte das Buch „Die Psychologie des IS“ von Kizilhan zu lesen: Sie können es lassen. Es kann nichts Relevantes drin stehen. Wer von Blutsbanden schwafelt, der ist nämlich um einige Jahrhunderte zu spät.

Es ist schon schlimm genug, wenn Zweifel an einer Darstellung auftauchen, es wird durch Blödsinn, wie in der BR gerade verbreitet, nur schlimmer. Zweifel an einer Version räumt man nicht dadurch aus, dass man der unglaubwürdigen Version noch eine unglaubwürdigere Version hinzugesellt, sondern dadurch, dass man erklärt: warum die Duldungsbescheinigung erst mit erheblicher Verspätung gefunden, d.h. tagelang übersehen wurde.

Damit wären wir bei der wichtigeren der beiden oben genannten Frage, der zweiten Frage.

Was hat der BR, was hat report München dazu herausgefunden oder verlautbart?

Nichts!

Das führt uns zur dritten Frage, die Dr. habil. Heike Diefenbach bewegt: Wenn sich der IS wie im vorliegenden Fall zum Attentat bekennt und den Namen des Attentäters veröffentlicht, wozu braucht es dann noch eine Duldungsbescheinigung am Tatort? Zumal diejenigen, die den Attentäter vieleicht als Helden feiern wollen, sowieso wissen, wer das Attentat begangen hat. Abgesehen davon ist der Trend, Ausweise am Tatort zurückzulassen, einen neuere post-Osama-bin-Laden Entwicklung, was die Frage aufwirft, ob frühere Terroristen weder Martyrer sein noch Blutsbande herstellen wollen. Schließlich: ein religiöser Fundamentalist handelt nicht für erdliche Güter, sondern für transzendente Güter, die er im Jenseits erhalten kann und was soll er im Jenseits mit Märtyrer-Ruhm im Diesseits?

Die Folgen sozialökologischer Romantik: Ohne Wachstum ist der Mensch des Menschen Wolf

Wohlstand hat einen Nachteil: Menschen werden träge und Ideen, die man nicht anders bezeichnen kann als als abgrundtiefen Unsinn, verbreiten sich und finden Anhänger, ganz einfach deshalb, weil die Langeweile einer satten Existenz dazu führt, dass man die Not, einer Existenz in Armut nicht mehr kennt und entsprechend die Mittel und Anstrengungen, die den Weg aus dem Elend von Armut ermöglichen, weder respektiert noch ihnen mit Wertschätzung begegnet.

Leviathan.hobbesDie satte Existenz, in der sich manche suhlen und die in der Regel von Arbeitenden subventioniert wird, hat diese Manchen dafür freigestellt, sich in in ihrer Oberflächlichkeit kaum mehr zu überbietende Gedanken über das Wachstum zu machen. Im Ergebnis sind sie zu dem Schluss gekommen, dass einePolitik ohne Wachstumals Weg in die „sozial-ökologische Gesellschaft“ notwendig sei.

Mit einer „Wirtschaftswende“, die dem Wachstum den Kampf ansagt, sollen „wachstumsunabhängige gesellschaftliche Strukturen und Institutionen geschaffen werden“. Was Grünen/Bündnis90 und anderen sozialökologischen Romantikern hier vorschwebt, das ist die Welt des Naturzustandes, den Thomas Hobbes beschrieben hat, die Welt, in der Verteilung ein Nullsummenspiel ist. Warum: Weil es kein Wachstum mehr gibt und ohne Wachstum kann man nur noch verteilen, was schon da ist, und zwar mit dem Ergebnis, dass immer weniger da ist, das verteilt werden kann und sich immer mehr um das Wenige streiten – gewalttätig.

Um den Irrsinn zu verstehen, der hinter der Phantasie der wachstumsfreien Gesellschaft steckt, muss man sich zunächst einmal klar machen, wo Wachstum herkommt. Das geht am einfachsten mit einem kleinen par force Ritt durch die Geschichte der Wachstumstheorien.

Fangen wir bei David Ricardo an: Wachstum kommt bei ihm aus Spezialisierungsgewinnen, daraus, dass man, wenn man sich auf die Produktion von Etwas spezialisiert, dieses Etwas immer besser, schneller und effizienter produziert werden kann. Economies of Scale sagen Ökonomen dazu, und der Preisverfall bei Computern und Smartphones und Soundbars ist ein Ergebnis davon (nur deshalb haben heute fast alle Zugang zu Computern).

Wenn Kapital eingesetzt wird um Waren zu produzieren und diese Waren konsumiert werden, dann stellt sich im Modell von Robert Solow automatisch Wachstum ein, weil Kapital über Konsum eine Rendite erwirtschaftet. Technologie, neue Technologie, hat Paul Romer hinzugefügt und gezeigt, wie neue Technologie notwendig Wachstum nach sich zieht. Eli Heckscher und Bertil Ohlin haben den internationalen Handel ergänzt und gezeigt: Internationaler Handel hat notwendig Wachstum zur Folge, schon wegen der Spezialisierungsgewinne, die Ricardo bereits beschrieben hat. Gene Grossman und Elhanan Helpman haben die Direktinvestitionen in anderen Ländern als weitere Größe eingeführt, die Wachstum zur Folge hat.

Und mit all dem Wachstum ist es in nur wenigen Jahrhunderten gelungen, nicht nur ein Bevölkerungswachstum ungeahnten Ausmaßes zu verkraften, sondern auch dafür zu sorgen, dass der größte Teil der Menschheit nicht mehr weiß, was Armut tatsächlich ist, nicht mehr weiß, welches Problem ein zusätzliches Maul, das gestopft werden mus, darstellen kann.

Manche sind gar so satt und so bar jeder Kenntnis davon, wie sich Armut anfühlt, dass sie ihre gelangweilte Blasiertheit mit einem unsinnigen Gedankenallerlei anfüllen, dessen Ziel darin besteht, eine Gesellschaft ohne Wachstum zu schaffen, also eine Gesellschaft, die nicht wächst, auch nicht in Bevölkerung, eine eingefrorene Gesellschaft, die notwendig gegenüber Investitionen aus dem gesellschaflichen Ausland geschlossen ist, die nicht mit anderen Gesellschaften handelt, in der kein Kapital investiert werden darf, keine Spezialisierung stattfindet, keine neuen Technologien entwickelt werden, kurz: Eine Gesellschaft, in der die Verbliebenen sich um die Verteilung des Wenigen streiten müssen, das noch zur Verteilung vorhanden ist.

Wenn man linke oder grüne und ihre utopischen Wirtschaftskonzepte betrachtet, dann muss man bedauern, dass es heute möglich ist, auf Transfer und von der Arbeit anderer in Stiftungen sein Dasein zu fristen und unsinnige Ideen zu entwickeln, deren Externalitäten nicht nur die Grundlage der eigenen gemütlichen Existenz beseitigen, sondern die derjenigen, von denen man bislang lebt, gleich mit.

Entsprechend kann man es gar nicht oft genug sagen: Eine Gesellschaft ohne Wachstum ist eine Gesellschaft, in der notwendig der Krieg aller gegen alle stattfindet, homo homini lupus, wie Thomas Hobbes geschrieben hat oder in den Worten von Karl-Heinz Paqué, einem der letzten aufrechten deutschen Wissenschaftler, die die rationale Welt gegen den Ansturm der Irrationalen verteidigen:

wachstum-1-format2403“Mit der Zunahme der Skepsis gegenüber dem Wachstum nahm der Glaube an den Fortschritt der Gesellschaft ab. Das kann nicht überraschen, denn ohne Wachstum reduziert sich Politik auf ein Nullsummenspiel, in dem jemand nur gewinnen kann, wenn er jemand anderem etwas wegnimmt. Dies verschärft den Verteilungskonflikt ungemein, und es macht eigentlich dadurch die Vorstellung eines gesellschaftlichen Fortschritts schon konzeptionell schwierig: Denn wie sollen wir von Fortschritt sprechen können, wenn es den einen nur auf die Kosten der anderen besser gehen kann? Ein gesellschaftlicher Fortschritt ist dann zumindest auf Dauer kaum zu erreichen, denn irgendwann stößt die Umverteilung gedanklich an Grenzen – und zwar spätestens dann, wenn eine perfekte Gleichheit erreicht ist, nach welchem Kriterium auch immer.

Ohne Wachstum ist also letztlich Fortschritt sehr schwer möglich, es sei denn, man überzeugt die Menschen, dass sie tatsächlich gerne und freiwillig verzichten” (Paqué, 2009: 250).

Heiko Maas und Philosophie: Zwei Welten, nichts Gemeinsames

Heiko Maas twittert wieder. Dieses Mal hat er eine philosophische Erkenntnis getwittert, die ihm wohl auf der Toilette gekommen ist:

 

Wir sind zwar nicht alle gleich.
Aber wir sind alle gleich viel wert.

Wir haben schon die mannigfaltigsten Verwirrungen über Gleichheit gelesen, aber Heiko Maas schafft es, noch die letzte Normalität aus dem Fenster zu werfen, denn: Wir sind alle gleich, aber wir sind nicht alle gleich viel wert: Das ist die Crux der philosophischen Geschichte des Abendlandes, die mehrere tausend Jahre zurückreicht. Nein, das war die Crux, denn jetzt gibt es ja Heiko Maas, den Philosophen aus dem Saarland.

Halten wir uns dennoch an den Standard, der vorhanden war, bevor die Maassche Verwirrung eine Verständigung über Grundlegendes zerstört hat.

sciencefiles-rationaler-widerstand-vorlageEntsprechend sind wir alle bei Geburt gleich. Liest man z.B. bei Thomas Hobbes nach, dann geht die Gleichheit noch weiter und erstreckt sich auf alle Rechte, die man als Mensch von Natur aus so haben kann. Von Naturrechten ist entsprechend die Rede. Die umfassen z.B. das Recht auf Freiheit und finden bei Hobbes gar kein Ende, denn bei ihm gibt es keine Instanz außer dem jeweiligen Menschen selbst, die das Recht auf alles, das ein Mensch hat (und das umfasst ausdrücklich das Recht, Leben und Besitz eines anderen zu nehmen) einschränken kann. Und weil Menschen neben Rechten auch mit Verstand ausgestattet sind, vertraut Hobbes darauf, dass sie zu einer Übereinkunft dahingehend kommen, dass es besser ist, sein Recht auf alles, einzuschränken, weil man, wenn man z.B. das Recht, anderer Leben zu nehmen, abgibt und einen Leviathan einsetzt, um zu überwachen, dass auch andere das entsprechende Recht nicht mehr nutzen, zwar nicht mehr Leben nehmen kann, aber in der Gewissheit Leben kann, das eigene Leben nicht genommen zu bekommen. An dieser Übereinkunft sind alle Menschen in gleicher Weise beteiligt, mit den gleichen Rechten, denn von Natur aus sind alle Menschen gleich.

Da kommt so ein Mensch also auf die Welt, wächst und entwickelt sich, und ein anderer Mensch kommt auf die Welt, wächst und entwickelt sich anders. Der eine wird Erfinder, der nächste wird Maurer, wieder ein anderer wird Politiker und alle drei sind sie nicht dasselbe wert, denn der Wert, den Heiko Maas im Munde führt, er ist nicht von Geburt an vorhanden, wie die Gleichheit, von der oben die Rede war, der Wert wird zugewiesen.

In einem Markt erfolgt die Zuweisung durch die Nachfrage. Wir alle wollen ein Dach über dem Kopf. Der Maurer wird entsprechend gewertschätzt, hat einen angegbaren Wert. Der Erfinder, der den Mörtel und die Ytongsteine erfunden hat, ohne ihn hätte der Maurer nichts zu mauern oder nichts so Schönes zu mauern, entsprechend hat der Erfinder auch einen Wert, einen, der vielleicht höher geschätzt wird, als der des Maurers. In Kriegszeiten wird der Wert von Soldaten hoch geschätzt. Wer einen Unfall hat, kann den Wert des Feuerwehrmannes, der ihn aus dem Auto schneidet, gar nicht hoch genug einschätzen.

Je nach Situation und Motiv der Zuschreibung von Wert, variiert der Wert von Menschen. Für die Gesellschaft sind Menschen, die arbeiten und einen Nutzen erwirtschaften, mehr wert als Menschen, die nur konsumieren und keinen Finger krumm machen. Wir sind entsprechend nicht alle dasselbe Wert. Um das zu sehen, muss man sich einfach nur überlegen, was passieren würde, wenn man einen bestimmten Menschen einfach streichen würde. Streichen wir Howard W. Florey, Ernst B. Chain und Norman Heatley aus der Geschichte und wir haben damit Penicillin gestrichen, Antibiotika ade, denn Florey, Chain und Heatley sind für die Erfindung des Penicillin verantwortlich (und Ian Fleming war später auch dabei). Der Beitrag, den Florey, Chain und Heatley zur Wohlfahrt der Menschheit geleistet haben ist viel mehr wert als z.B. der Beitrag von Wladimir Iljitsch Lenin, der hauptsächlich darin bestand, Marxens Ausgangspunkt zu einer totalitären Philosophie weiter zu entwickeln und einen blutigen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen. Oder nehmen wir Heiko Maas, wer würde, wenn er sich entscheiden müsste, zwischen seinem Müllfahrer und Heiko Maas, auf den Müllfahrer verzichten und Heiko Maas wählen?

Eben.
Deshalb sind wir nicht alle gleich viel wert.

P.S.

Die Behauptunug, wir seien alle gleich viel wert, ist Ergebnis eines Essentialismus, der sich aus der Maaschen Formel der Ungleicheit ableitet: Wir sind nicht alle gleich, was bedeutet: schon bei Geburt verschieden. Diese Aussage macht nur Sinn, wenn man Menschen Eigenschaften unterstellt, die sie definierren, und zwar so, dass sie nicht gleich sein können, Eigenschafen wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, ethnische Abstammung usw. Diese Eigenschaften müssen für Heiko Maas essentiell, also unveränderlich sein, und sie müssen auf alles durchschlagen, was den entsprechenden Menschen ausmacht. Damit löst Maas die Gemeinsamkeit zwischen Menschen auf, ersetzt sie durch essentielle Unterschiede und stellt sich auf eine Stufe mit den Nationalsozialisten, die auch der Meinung waren, es gäbe Eigenschaften, die Menschen qua Geburt und unwiderruflich so definieren, dass sie nicht gleich sind, dass die einen zu Unter-, die anderen zu Herrenmenschen geboren sind. Ob Heiko Maas diese Konsequenz seiner Philosophie bedacht hat?


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Und hier über den traditionellen Weg:

Wo all die rechtsextremen Straftaten herkommen: SPD und Linke fälschen Statistik

Ein Leser von ScienceFiles hat uns auf Folgendes hingewiesen:

In Bezug auf die Statistik erklärte Woidke [Ministerpräsident des Landes „Brandenburg“] im Inforadio des rbb, in Brandenburg habe es hinsichtlich der Erhebung rechtsextremer Straftaten Änderungen gegeben. „Bei der Polizei wird jeder Übergriff, bei dem nicht erwiesen ist, dass er keine rechtsextreme Motivation hat, in die Statistik hineingezählt.“ [Hervorhebung durch SF]

So berichtet es der rbb.

Logik f dummiesDie Art und Weise, Straftaten in der Statistik als bestimmte Fälle zu erfassen, die die SPD geführte Landesregierung in Brandburg praktizieren lässt, kann zwar eine gewisse Originalität für sich reklamieren, stellt aber dennoch Datenfälschung dar. Warum wird leicht deutlich, wenn man zunächst einmal abstrahiert und sagt:

Straftaten, die nicht eindeutig als nicht rechtsextrem eingeordnet werden können, werden ab sofort als rechtsextrem gezählt.

Abstrahieren wir noch etwas:

Wenn eine Straftat nicht nicht rechtsextrem ist, dann ist sie rechtsextrem.

Machen wir daraus eine logische Regel:

Wenn X nicht nicht-Y ist, dann ist X Y.

Das ist die generalisierte Form eines Fehlschlusses, der in der Logik als Fehlschluss der Bejahung des Konsequens bekannt ist. In Brandenburg ist er die Grundlage der Erfassung statistischer Daten. Kein Wunder, dass manche von einer flächendeckenden Verblödung in Deutschland reden und schreiben.

Um deutlich zu machen, wo der Fehlschluss liegt, hier ein paar Anwendungen der logischen Regel:

Ab sofort werden bei Wahlen in Brandenburg alle Stimmzettel, auf denen nicht eindeutig nicht die SPD gewählt wurde, als Stimme für die SPD gezählt, also alle ungültigen Stimmzettel und alle Stimmzettel, auf denen einer der beiden Kreise für Erst- oder Zweitstimme leer geblieben ist.

Ab sofort werden alle Angeklagten denen vor Gericht nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte, dass sie die Straftat(en) nicht begangen haben, die ihnen zur Last gelegt wurden, verurteilt.

Ab sofort werden alle Autofahrer, für die nicht eindeutig nicht bestimmt werden konnte, dass sie am 21. September auf der A9 zwischen Ingolstadt und München nicht nicht zu schnell gefahren sind, wegen Geschwindigkeitsüberschreitung verwarnt und erhalten drei Punkte in Flensburg.

Ab sofort werden alle Linken, für die nicht eindeutig nicht bestimmt werden kann, dass sie Steine auf Polizisten geworfen haben, in Gewahrsam genommen.

Ab sofort werden alle Politiker, für die nicht eindeutig nicht bestimmt werden kann, dass ihr IQ unterhalb des Durchschnitts der Normalverteilung liegt, generell zu Ministerpräsidenten erklärt und sofort verrentet – wegen Demenz.


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Das hat die Soziologie nicht verdient: Ilse Lenz trägt vor

Das dritte ISA-Forum of Sociology, ein Treffen der International Sociological Association, es findet dieses Jahr in Wien statt. Mit Ilse Lenz. Dieses Highlight wollte uns ein Leser nicht ersparen. Deshalb hat er uns die entsprechende Ankündigung geschickt.

Ilse Lenz, für alle die es nicht wissen, hat Probleme mit gerichtlichen Freisprüchen, hat, als sie noch an der Universität Bochum einen Lehrstuhl besetzte, akademische Abschlüsse wohl ohne Anspruch auf wissenschaftliche Methoden und Standards vergeben und tingelt seitdem sie emeritiert wurde, mit dem von Steuerzahlern finanzierten Wanderzirkus der Anti-Feminismus-Lamentierer durch Deutschland und weigert sich ansonsten, einfache Fragen zur Wissenschaftlichkeit der Gender Studies zu beantworten (vermutlich weil Sie sie nicht beantworten kann, denn Gender Studies und Wissenschaft sind inkompatibel).

Lenz UnsinnDenn eines ist Ilse Lenz ganz besonders: Ein alter Gender-Studies-Kämpfer für die Gleich … -stellung, -macherei, -heit, -strömung, -bürstung, irgendwas solange es nur gleich ist. Als solche hält sie einen Vortrag in englischer Sprache, in Wien, beim dritten ISA Forum, im Hörsaal II des Neuen Institutsgebäudes, am Mittwoch den 13. Juli, 15 Uhr.

Und damit auch keine Zweifel mehr darüber bleiben, dass es sich bei Gender Studies nicht um Wissenschaft und bei Vertretern derselben nicht um Wissenschaftler handelt, haben wir uns der Mühe unterzogen, das Abstract zum Vortrag ins Deutsche zu übersetzen.

Links findet sich der Lenzsche Versuch (besser das Lenzsche Vergehen) am Englischen, in der Mitte die wörtliche Übrsetzung und rechts unsere Übertragung ins Deutsche.

Lenzsche Beschwörungsformeln Wörtliche Übersetzung Tatsächlicher Inhalt
The paper will argue that presently the gender order in postindustrial welfare states is in a process of transformation with open end. Im Text wird argumentiert, dass die Geschlechterordnung in postindustriellen Wohlfahrtsstaaten derzeit einem Prozess der Transformation unterworfen ist, dessen Ende nicht absehbar ist. Die Geschlechterordnung ändert sich.
This is not only a result of the current crisis but of internal structural and institutional changes and global influences and interchanges. Das ist nicht nur ein Ergebnis der momentanen Krise, sondern auch von internen Strukturen und institutionellen Veränderungen und globalen Einflüssen und Wechselwirkungen. Alles hängt irgendwie mit irgendwas zusammen, innen und außen; Veränderung führt zu Wandel
Main actors driving this transformation are global capitalism with its increasing economisation and flexibilisation of workforces, gender movements mobilising for equality and diversity of gender and sexualities, internet communities propelling international and transnational discourses and communications and political actors on the global and national level in the global multilevel system. Die wichtigsten Akteure, die diese Transformation hervorbringen sind der globale Kapitalismus, der eine zunehmende Ökonomisierung und Flexibilisierung der Arbeitskräfte zur Folge hat, Gender Bewegungen, die für Diversität, Gleichheit der Geschlechter und Sexualitäten mobilisieren, Internetgemeinschaften, die internationale und nochmal internationale Diskurse und Kommunikationen antreiben und politische Akteure auf der globalen und nationalen Ebene und im globalen Multiebenensystem. Uff. Also: Kommunikation ist nicht gleich Diskurs, politische Akteure sind auf allen Ebenen und zwischen allen Ebenen gleichzeitig, Genderbewegte mobilisieren für Geschlecht und Sexualität und der Kapitalismus ökonomisiert und flexibilisiert und alles zusammen transformiert. Was? Keine Ahnung. Es transformiert halt irgendwas, nach irgendwo zu irgendwas, was wieder ein offenes Ende hat und global, vor allem global ist und sich verändert – oder so.
Thus, I will argue for an action-oriented perspective and theorising the interconnections between actors effecting institutional change on the mesolevel and structural transformation at the macro-level. Deshalb werde ich für eine handlungsorientierte Perspektive argumentieren, und die Verbindung zwischen Akteuren, die instutionellen Wandel auf der Meso-Ebene und strukturelle Transformationen auf der Makro-Ebene beeinflussen, theoretisieren. Akteure agieren miteinander und aus handlungstheoretischer Sicht hat die Interaktion zuweilen ein Ergebnis, zuweilen auch nicht. Manchmal gründen Akteure eine Institution, dann wandelt sich etwas auf der Meso-Ebene. Manchmal gibt es eine Revolution, dann ändert sich etwas auf der Makro-Ebene. Was das Ganze mit der Geschlechterordnung zu tun hat? Keine Ahnung.
But the transformation on the macro level and the institutional changes are interlinked with a deep going cultural change in the understanding of gender: Its meaning is shifting internationally from dualistic biologistic gender dualism to gender diversity embracing diverse social gender and sexual representations and practices. Aber die Transformation auf der Makro-Ebene und auf der institutionellen Ebene sind mit einem tiefgehenden kulturellen Wandel im Verständnis von Geschlecht verbunden: Die Bedeutung von Geschlecht verändert sich international von einem dualen Geschlechtsdualismus zu einer Geschlechts-Diversität, die diverse soziale Geschlechter und sexuelle Repräsentationen und Praktiken umfasst. Alles Leben ist Geschlecht. Geschlecht, nicht männlich und weiblich, sondern alles, was man sich so an Geschlecht einbilden kann, es treibt die Transformation und den Wandel, auf allen Ebenen und international.
I will argue that theorising on macro transformation and institutional change on the meso level should be related to cultural change. Ich werde argumentieren, dass Makro-Transformationen und institutioneller Wandel auf der Meso-Ebene auf kulturellen Wandel bezogen werden sollten. Die Trivialität des Jahrtausends von Lenz neu entdeckt: Weil Menschen handeln und Menschen, dann wenn sie anders handeln als bislang, Wandel hervorbringen, deshalb muss man den Wandel auf die handelnden Menschen und das die handelnden Menschen verbindende einer gemeinsamen Kultur zurückbinden.

Man kann Genderisten wirklich nicht nachsagen, sie würden sich nicht alle Mühe geben, jeden Zweifel dahingehend, ob Gender Studies zur Wissenschaft gehören oder nicht, zu zerstreuen und eindeutig Position zu beziehen und einmal mehr deutlich zu machen: Mit Wissenschaft haben Gender Studies gar nichts zu tun.

Und wenn Sie bis eben noch Lust hatten, am Dritten ISA Forum of Sociology in Wien teilzunehmen, dann sollte sie Ihnen nach dieser geballten Lenzschen Ladung an Unsinn eindeutig vergangen sein, und wir sind einmal mehr genötigt feszustellen, dass wissenschaftliche Freiheit nicht bedeutet, jeden Unsinn auf wissenschaftlichen Kongressen zuzulassen, sondern sich auf jede ernstgemeinte Forschung bezieht.

Wenngleich es natürlich eine gewisse Würze hat, sich vorzustellen, Lenz reicht ihre Erkenntnisse über das nicht-duale Geschlecht als Beitrag zu einer Tagung des Bundesverbands Deutscher Urologen zur Diskussion ein. Der Unterschied zwischen ernstzunehmender Wissenschaft und der immer mehr unter dem Einfluss von politischer Korrektheit und Genderunsinn leidenden Soziologie, er wird daran ganz schnell deutlich werden.


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Einfältigkeit ist kein Schicksal! Wochenend und Sonnenschein und Bonmots

Ein Tag in den Brecon Beacons reicht, um die Normalität, die durch eine Vielzahl von Pressemeldungen regelmäßig in Frage gestellt wird, zurückzugewinnen.

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

Deshalb und zum Schmunzeln für unsere Leser, ein paar Bonmots, die bei uns aufgelaufen sind und über die wir nicht viele Worte verlieren wollen, denn sie sprechen für sich.

„Ansätze rationaler Beweisführung im Strafrecht„, so der Titel einer Pressemeldung, die uns erleichtert hat, haben wir doch befürchtet, dass es im Strafrecht bislang nicht einmal Ansätze rationaler Beweisführung gibt.

Die Ansätze sind in Bielefeld entdeckt und gleich zum Gegenstand eines Workshops gemacht worden, eines Workshops über „Argumente, Statistiken und Erzählungen“. Mindestens zwei dieser drei Punkte lassen uns dann doch wieder an der vermeintlich in Ansätzen vorhandenen rationalen Beweisführung im Strafrecht zweifeln.

Wer es genau wissen will, der Workshop findet vom 28. September bis zum 30. September diesen Jahres am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld statt. Die „Zielgruppe“ sind „Journalisten“ (also keine Qualitätsjournalisten) und „Wissenschaftler.

Wichtig: „Die Tagungssprache ist Englisch sein“. Wer’s versteht, sollte sich entsprechend einrichten.

In der FAZ vom 25. September findet sich ein Beitrag zum großen Streit „über den kleinen Unterschied„.

Nuts in BedlamHaben Sie schon von diesem großen Streit gehört? Wir nicht. Vielleicht bewegen sich die entsprechenden Journalisten (nicht: Qualitätsjournalisten) der FAZ in den falschen Zirkeln und setzen die darin gewonnene Konstruktion der Realität absolut. Die Mehrzahl der Menschen in der wirklichen Welt, das sagen wir, weil der „große Streit“ keinerlei Eindruck in der Wirklichkeit hinterlassen hat, die streitet nicht um Banalitäten, Normalitäten und Gegebenheiten.

Darüber streiten nur Personen, die sich nicht in der Normalität befinden.

In der Normalität befindet sich der Professor für Biologie Hans Peter Klein, und dort macht der die Beobachtung, dass seine Studentinnen und jüngeren Uni-Wissenschaftlerinnen „die Nase voll“ haben, vom Gender-Unsinn.

Dieselbe Normalität beschreibt Ulrich Kutschera, wenn er es als den größten „bildungspolitischen Skandal der Nachkriegszeit“ benennt, dass „pseudowissenschaftliche Theorien“ wie der Gender-Unsinn „Eingang in Lehrpläne finden“.

Damit verlassen wir die normale Welt.

Helma Lutz, die in Frankfurt einen Lehrstuhl besetzt, der sich Frauen- und Geschlechterforschung widmet und somit ein Niederschlag dessen ist, was für Kutschera und uns ein bildungspolitischer Skandal ist, Helma Lutz sorgt gerade dafür, dass der Kampf gegen die Normalität, den die Rosinanten von der Genderfraktion führen, auch in Frankfurt geführt werden kann, im gerade neu geschaffenen Nebenfach „Gender Studies“.

Bildungspolitischer Skandal: nächste Runde.

Dass Lutz gar nicht einmal im Entferntesten eine Ahnung davon hat, was Professoren wie Hans Peter Klein und Ulrich Kutschera, die Gender Studies für pseudowissenschaftlichen Kreationismus halten, von ihr wollen, dass ein intellektueller Grand Canyon zwischen diesen Angestellten des Staates liegt, die nach der selben Gehaltstabelle bezahlt werden, das macht die folgende Aussage deutlich, mit der wir unsere Leser ins Wochenende entlassen wollen.

Helma Lutz, von Steuerzahlern finanzierter Besetzer eines Lehrstuhls in Frankfurt, im Originalton:

„Biologie ist kein Schicksal!“

Nicht mit dem Kopf auf die Tischplatte aufschlagen. Nein, es ist Wochenende und sie finden sich in der Realität, in der Normalität, nicht in der Welt von Lutz, jener Welt, die von Kleinwüchsigen bevölkert ist, die sich für Detlef Schrempf halten, die Welt, in der die Hässlichen von sich sagen, sie seien der David von Michelangelo, die Welt der Eingebildeten, die ihre Demenz in vielen Worten und Phantasien zur Intelligenz erklären, die Welt der Drachen, die unbedingt Feuerwehrmänner werden wollen …

Den kennen Sie doch, den kleinen Drachen Grisu, der sich in vielen Folgen eingebildet hat, dass selbst ein feuerspeiender Drache ein Feuerwehrmann sein kann?

Grisu ist eine Kindergeschichte, ist oder war Bestandteil des Kinderfernsehen. Und heute gibt es Grisus an Universitäten.

Bleibt zu hoffen, dass Einfältigkeit kein biologisch determiniertes Merkmal (nicht Schicksal wie Frau Lutz meint) ist. Dann kann sie z.B. durch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Fach der Biologie behoben werden.

„It’s not a Man’s Wikipedia, stupid“: Bias in der Forschung führt zu Bias bei Wikipedia

Nachdem uns eine Reihe von Lesern auf einen Beitrag von Claudia Wagner, David Garcia, Mohsen Jadidi und Markus Strohmaier aufmerksam gemacht haben, wollen wir dem entsprechenden sozialen Druck heute nachgeben und uns einmal mehr mit einem Text befassen, dessen Gegenstand schon dazu führt, dass wir eigentlich keine Lust haben, uns damit zu befassen (Wir haben einen bias gegen Gender-Unsinn).

desolate spotAber, wir leben im 21. Jahrhundert, und im 21. Jahrhundert ist es für einige Sozialwissenschaftler nicht mehr das Ziel, interessante und neue Ideen in die Diskussion einzuführen, zu testen und Konsequenzen abzuleiten, im 21. Jahrhunderts zeichnen sich die Sozialwissenschaften durch eine unglaubliche Langeweile aus, die nur noch dadurch übertroffen wird, dass man sich einer intellektuellen Brache gegenübersieht, in der nicht einmal kleine Ideen sprießen (Sozialwissenschaftler haben einen Bias gegen innovative Ideen).

Nein, die Landschaft ist bar allen Grüns, trist und eintönig, eine wissenschaftliche Landschaft, nach dem der Besen des politisch Korrekten darüber gefegt ist. Entsprechend sind Texte aus den Sozialwissenschaften fast nur noch Jammertexte, die einerseits zum Jammern sind, ob ihrer unterirdischen Standards, andererseits etwas bejammern: Entweder werden die Herrschaft des Kapitalismus oder des Neo-Kapitalismus und die Verwerfungen, die den Armen daraus entstehen, bejammert, Verwerfungen, die man anscheinend am besten beobachten kann, wenn man  im beheizten Büro ein üppiges Einkommen verkonsumiert, von dem Arme nicht einmal träumen können und das letztlich durch einen erfolgreichen Kapitalismus möglich gemacht wurde. Oder es wird die Herrschaft des Patriarchats oder die Benachteiligung von Frauen bejammert, wie sie sich z.B. im Dritten Andental links findet, wenn man lange genug sucht.

Der Beitrag von Wagner et al. gehört in die letzte Kategorie. Untersucht werden soll, ob in Wikipedia-Beiträgen eine Ungleichheit der Geschlechter zu finden ist. Warum auch nicht? Die brennenden Probleme unserer Zeit beginnen und enden beim Geschlechterproporz in Wikipedia.

Die Suche nach „möglichen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in Beiträge auf Wikipedia“ erfolgt weitgehend als mathematische Spielerei, mit der „Ungleichheit zwischen den Geschlechtern“ auf drei Ebenen analyisert werden soll:

  • betting biasCovarage Bias: Finden sich in Wikipedia und im Vergleich zu Datenbanken, die wichtige Persönlichkeiten des täglichen Lebens und der Geschichte nennen, proportional weniger Beiträge über Frauen in der Wikipedia?
  • Structural Bias: Gibt es eine höhere Wahrscheinlichkeit dafür, dass von einem Beitrag über Männer oder Frauen auf einen Beitrag von Männern (oder Frauen) verlinkt wird?
  • Lexical Bias: Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen der Beschreibung männlicher oder weiblicher Personen in Wikipedia?

Es ist für eine Welt der Klone, in der sich niemand mehr von niemandem unterscheidet, natürlich von eminentem Interessen, die dargestellten Fragen zu analysieren und weil dies so wichtig ist, nein, weil unsere Leser uns darum gebeten haben, wollen wir auch berichten, was dabei herausgekommen ist:

Coverage Bias: Es gibt keinen! Anders als von den Autoren angenommen, gibt es keine Unterrepräsentation von Frauen in Wikipedia-Beiträgen, sondern eine Überrepräsentation (was angesichts der bezahlten feministischen Schergen auch kein Wunder ist). Dieses Ergebnis widerspricht daher dem Diskriminierungs-Bias der Autoren.

Structural Bias: Sowohl Beiträge über Männer als auch Beiträge über Frauen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit auf Beiträge über Männer zu verlinken, d.h. Beiträge über Männer sind auf Wikipedia zentraler. Das ist eigentlich kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es mehr Beiträge über Männer gibt, da Männer nun einmal in der Geschichte und Gegenwart häufiger mit etwas Berichtenswertem auffallen als Frauen (dass Emma B sich nunmehr um 10 Kinder als Tagesmutter kümmert, ist nun einmal nicht berichtenswert). Darüber hinaus kann man von Cluster-Bildungen in Wikipedia-Beiträgen ausgehen, so dass es nicht verwunderlich ist, dass z.B. ein Beitrag über Erwin Schrödinger auf Max Planck und Albert Einstein verlinkt. Man könnte natürlich den Zwang einführen, dass alle Beiträge, die mit Physik zu tun haben, auf gleichviel männliche wie weibliche Physiker verweisen. Was damit, außer einer Irrelevanz, gewonnen wäre, ist allerdings ebenso fraglich, wie der Nutzen der Ergebnisse, die Wagner et al. unter die Menschheit geworfen haben.

Lexical Bias: Die Ergebnisse hier sind besonders schön: „Our lexical analysis revealed that articles about women tend to emphasize the fact that they are about women (i.e. they contain words like ‚woman‘, ‚female‘ or ‚lady‘), while articles about men don’t contain words like ‚man‘, ‚masculine‘ or ‚gentleman'“. Die Frage bei solchen Ergebnissen ist immer: Was soll man damit anfangen? (Verwendbarkeits-Bias)

Zunächst einmal sind „female“ und „masculine“ keine Entsprechung, eher ein Beleg für einen Bias bei den Autoren, denn einem Normalsterblichen wird das Begriffspaar „männlich“ und „weiblich“ und nicht „maskulin“ und „weiblich“ einfallen.

Aus ihren Ergebnissen der „lexikalischen Analyse“ schließen die Autoren, dass „männlich“ das Basisgeschlecht ist, an dem weiblich gemessen wird. Wie man zu diesem Schluss kommt, wir haben keine Ahnung, es sei denn, es ist der Schluss, den man ziehen will. Glaube versetzt bekanntlich Berge, wobei die Berge in diesem Fall eher die Hürden sind, die ein methodisch sauberes Vorgehen vor eine Interpretation wie diejenige stellt, die die Autoren vornehmen.

toothpaste_personality_testMan hätte aus dem geringeren Vorkommen von „Mann“ und „maskulin“ auch schließen können, dass in Wikipedia vornehmlich männliche Personen vorkommen, die sich nicht in Body-Building-Studios finden lassen. Aber, aus derartigen nichtssagenden Ergebnissen quetscht halt jeder heraus, was ihm passt. So auch die Autoren, deren Bias es vorsieht, eine Benachteiligung von Frauen bei Wikipedia zu finden. Et voilá, da ist sie.

Wie gesagt, wir wissen nach wie vor nicht, welchen wissenschaftlichen Nutzen Forschung, wie die von Wagner et al. überhaupt haben soll, aber heute geht es auch nicht mehr um Nutzen, es geht um Beeinflussung, um Manipulation, ein Bemühen, dass in hanebüchenen Vorschlägen wie dem folgenden deutlich wird:

„…editors could pay particular attention to gender balance of links included in articles about men and women [also eine Link-Quote], and could adopt a more gender-balanced-vocabulary when writing articles about notable people“.

Arendt_totalitarismusDie Banalität des Alltäglichen, von der Hannah Arendt spricht und die Faschismus erst möglich macht, hier ist sie in Reinkultur zu sehen, und hier ist zu sehen, wie sie zu Lasten der Wirklichkeit geht. Wenn Erwin Schrödinger sich mit den Arbeiten von Max Planck und Albert Einstein auseinandergesetzt hat und mit Wolfgang Pauli befreundet war, wie sieht dann die vorgeschlagene Gender-Balance in den Links aus. Soll man Wolfgang Pauli tilgen und mit seiner Ehefrau ersetzen; die Arbeiten von Planck und Einstein, von denen Schrödinger losgegangen ist, unterschlagen oder ihn zum Leser von Gertrude Stein degradieren? Das Beste, was man den Autoren hier zu Gute halten kann ist, dass sie geistlose Schwätzer sind, schlicht nicht wissen, was sie daherbrabbeln.

Das gleiche gilt für das „gender-balanced vocabulary“. Nehmen wir den folgenden Auszug aus dem Beitrag über Marie Curie:

„Am 3. November schrieb sie sich als Marie Skłodowska für ein Studium der Physik an der Sorbonne ein. Unter den 9000 Studenten der Universität in diesem Jahr befanden sich 210 Frauen. Von den mehr als 1825 Studenten der Faculté des sciences waren 23 weiblich. Ihre wenigen Mitstudentinnen kamen meist aus dem Ausland, da an den französischen Mädchenschulen zu dieser Zeit die zur Baccalauréat-Prüfung notwendigen Fächer Physik, Biologie, Latein und Griechisch nicht gelehrt wurden“.

Um die Gender-Balance der Autoren herzustellen, deren Wichtigkeit sie aus dem häufigeren Vorkommen von z.B. dem Wort Frau in Beiträgen über Frauen ableiten zu können glauben, müsste man den Absatz wie folgt umschreiben:

„Am 3. November schrieb sie sich als Marie Skłodowska für ein Studium der Physik an der Sorbonne ein.“

Damit wäre nicht viel an Information verloren, aber das Gezeter der feministischen Mafia bei Wikipedia kann man sich schon gut vorstellen.

Kurz: Der Beitrag von Wagner et al. sollte schnellstens der Müllhalde der Geschichte überantwortet werden, auf dem nach unserer Beobachtung sich derzeit ein erhebliches Ungleichgewicht findet: Beiträge, die Gender zum Thema haben, finden sich überzufällig oft unter dem dort entsorgten Müll.

Nennt mich schlicht: Gott! Herr Gott!

Im November-Heft von „Forschung und Lehre“ hat Lann Hornscheidt irgendwie einen Beitrag publiziert bekommen, denn davon das Lann Hornscheidt Forschung betreibt, ist nichts bekannt und von Lehre, naja, stülpen wir lieber den Mantel des X darüber.

Person of Colour, die es vor Rassismus schützen will.

Person of Colour, die es vor Rassismus schützen will.

Mit „Gendergerechte Sprache“ ist der Beitrag überschrieben. Er (der Beitrag) wendet sich gegen „andorgendernde Maskulina“ und „tradierte rassistische Begriffe“, also gegen Begriffe wie „der Haushalt“ und „die Kolonien“.

Diese, so das Lann Hornscheidt, sollten nicht verwendet werden, weil sich im ersten Fall Frauen nicht „mitgemeint fühlen“, im zweiten Fall PoCs gerne einen anderen Begriff hätten (PoCs, das sind Leute, die leicht erröten, people of colour). Entsprechend, so es, das Lann Hornscheidt weiter, sollte die Gesellschaft (also alle) die „neue Selbstbenennung von Personen“ akzeptieren, denn: „Soziale Veränderung zeigt sich im Versuch sprachlicher Veränderung“.

Kurz: Wir alle sollen jeden so ansprechen, wie er das will, damit sich derjenige „mitgemeint“ fühlen kann, und es zu einer sozialen Veränderung kommt, die „ich-bin- mitgemeint-soziale-Veränderung“.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, Lann Hornscheidt hat recht.

Denn:

Wann immer Politiker u.a. mich mit „Liebe Bürger oder Bürgerinnen“ oder mit „Liebe Wähler oder Wählerrinnen“ ansprechen, fühle ich mich nicht mitgemeint.

Mein Nachname ist Klein, ganz im Gegensatz zu meiner Statur, die ist groß. Wann immer mich jemand mit „Herr Klein“ anspricht, fühle ich mich nicht mitgemeint, schon angesichts der Legionen von Kleins, die es da draußen gibt. Und wie könnte ich mich mit „Klein“ mitgemeint fühlen, wo ich doch groß bin?

Nein, Lann Hornscheidt hat Recht, hier muss eine soziale Veränderung her, hier muss eine angemessene Ansprache von mir, dem Individuum das ich bin, her.

Gleiches gilt für meinen Vornamen: Michael. Ein In-Name der 1960er Jahre.

Wer heißt nicht alles Michael? Ich bin mir sicher, kennte ich alle Michaele, die wenigsten davon könnte ich leiden. Wie also soll es möglich sein, dass ich mich mit Michael identifziere, dass ich mich dann, wenn jemand „Michael“ zu mir sagt, mitgemeint fühle?

Nein, so geht das nicht.

Deshalb habe ich kurz über die soziale Veränderung nachgedacht, die sich in einer veränderten Ansprache meiner Person zeigen würde.

Was ist eine angemessene Bezeichnung für mich, durch die ich mit „mitgemeint fühlen“ kann?

Mal sehen.

Ich bin, wie gesagt, groß, knapp 2 Meter hoch.

Ich halte mich für intelligent.

Ich habe eine Universität besucht und denke.

Ich beziehe keinerlei Transferleistungen meines Staates und habe immer auf eigenen Beinen gestanden, in voller Höhe.

Das genau ist es: Ich bin etwas ganz Besonderes und bislang nie in den Genuss staatlicher Transferleistungen gekommen.

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Unglaublich: Da ist noch ein Gott … Mehr Informationen durch Click!

Staatliche Transferleistungen sind Steuergelder. Steuergelder sind Tributzahlungen an einen Staat, der mich bislang keines Groschens gewürdigt hat, obwohl ich von körperlich hoher Statur, groß, imposant, (eigen)mächtig bin – obwohl ich denke und deshalb Respekt verdiene, ja Anerkennung, Ehrerbietung ob der Qualität meines Denkens, das an Universitäten begründet wurde – ein ganz besonderes Denken, mein Denken! Eigentlich zu schade, um es der schnöden Welt mitzuteilen. Was ich dennoch tue, aus reinem Altruismus, aus Menschenliebe, aus Nächstenliebe und aus Gründen der intellektuellen Emanzipation, die ich anderen dadurch ermögliche, dass ich ihnen den Weg zur Wahrheit, zum richtigen Ergebnis des Denkens, zum Heil, zum Paradies weise – kurz: Ich bin gottgleich und entsprechend will ich auch als solcher angesprochen werden und in den Genuss von Tributzahlungen der Steuerbürger kommen. Nur wenn man mich mit Gott oder Eure Heiligkeit anspricht, fühle ich mich mitgemeint.

Ich meine, was ist falsch daran?

Lann Hornscheint fühlt sich nur bei Profx mitgemeint, ich nur bei Gott.

Gleiches Recht für alle – oder? Oder will man mir in sexistisch, ableistisch, rassistisch feministischer Weise die sprachliche und damit die soziale Existenz absprechen?

Deshalb bitte in Zukunft: Gott!

Vorname?

„Herr“ reicht.

Falls jemand unter den Lesern dieses Dekrets sich bei „Leser“ nicht mitgemeint fühlt, so möge er uns mitteilen, wie er sonst angesprochen zu werden wünscht. Wir werden es in Erwägung ziehen.

So, nun haben wir keine Zeit mehr für Euch. Wir müssen, gemeinsam mit Frau Gott göttliches tun.