Unsinn der Woche: Lustiges Rechtsanspruchfordern mit der GEW

Manche Pressemeldungen muss man mindestens zweimal lesen, und zwar um sich davon zu vergewissern, dass man nicht träumt. Eine dieser besser zweimal lesen Pressemeldungen hat die GEW bereits am 11. Juli veröffentlicht. Es hat, wie man sieht, etwas gedauert, bis ich die Pressemeldung verdaut habe.

GEW fordert: “Rechtsanspruch” auf gute Pädagogik

GEwWarum der Rechtsanspruch in Anführungszeichen steht, weiß ich nicht, vielleicht liegt das daran, dass Hochkommata derzeit keinen Rechtsanspruch auf richtige Benutzung haben. Egal. Der “Rechtsanspruch” wird also für gute, ich wiederhole: gute Pädagogik gefordert. Ja, lassen wir das erst einmal wirken….

Im weiteren Verlauf des Textes stellt sich dann heraus, dass Norbert Hocke, GEW-Vorstandsmitglied (hat der GEW-Vorstand eigentlich einen Rechtsanspruch auf intelligente Mitlieder?), also Norbert Hocke hat gefordert, dass der Ausbau von “Kitas” zwar vorangetrieben wird, aber dass keine “Billigangebote und Hilfskräfte statt pädagogischem Fachpersonal” eingestellt werden. Wo stellt man eigentlich Billigangebote ein? Und warum gibt es keinen Rechtsanspruch auf Billigangebote? Aldi für alle?

Hat der Rechtsanspruch auf “gute Pädagogik” mittlerweile auf Sie gewirkt? Dann haben Sie jetzt gleich den nächsten Brocken zu verdauen, denn “gute Pädagogik” ist bei Herrn Hocke gleichbedeutend mit “pädagogischem Fachpersonal”. Also wenn X durch eine “gute pädagogische” Ausbildung gegangen ist und die “gute pädagogische” Ausbildung mit einem Abschluss beendet hat, dann ist gesichert, dass X “gute Pädagogik” leisten kann. Ein Rechtsanspruch auf gute Pädagogik ist demnach und nach Ansicht von Herrn Hocke umgesetzt, wenn pädagogisches Fachpersonal eingestellt ist.

Leider ist die Welt garstig zu Herrn Hocke und zuweilen schleichen sich schlechte Pädagogen in “gute” Ausbildungsgänge ein, um dort einen Abschluss zu machen und dennoch schlechte Pädagogen zu bleiben. Zuweilen sind “gute” Pädagogen im Sinne von Herrn Hocke auch bestenfalls mittelmäßige Pädagogen gemessen am normalen Standards pädagogischer Kunst, also z.B. an der Qualität der Vermittlung von Lernstoff oder Betreuung, die sie zu erreichen bzw. zu geben im Stande sind.

Kurz: Die standardisierte Welt, die Herr Hocke sich erträumt, die gibt es leider nicht. So lange keine Automaten erfunden werden, die auf Knopfdruck in gleicher monotoner Stimmlage denselben pädagogisch wertvollen Inhalt im pädagogisch richtigen Tempo, mit der pädagogisch richtigen Intonierung und zur pädagogisch richtigen Uhrzeit an gleichermaßen aufnahmebereite Schülerautomaten oder “Kita”-Bevölkerungen vermitteln, bleibt die Phantasie von Herrn Hocke Phantasie, manche werden auch sagen, Dystopie oder Wahnvorstellung.

Wir wollen das schöne Wetter und die gute Laune, die uns trotz der Phantasmagoria von Herrn Hocke nicht abhanden gekommen ist, nutzen und die Anregung der GEW bzw. des GEW-Vorstandes Hocke aufnehmen und unsere Leser zum lustigen Rechtsanspruch fordern, aufrufen.

Wie üblich, machen wir den Anfang und fordern:

  • Einen Rechtsanspruch auf keine Belästigung durch sprachlichen Unsinn.
  • Ein Rechtsanspruch auf zumindest normalgebildete Funktionäre.
  • Einen Rechtsanspruch auf einen Porsche für alle.
  • Einen Rechtsanspruch auf “gute” (im Sinne von qualitätvoll) Gewerkschaftsfunktionäre.
  • Einen Rechtsanspruch auf “gutes” Wetter.
  • Einen Rechtsanspruch auf “gutes” Essen.
  • Einen Rechtsanspruch auf “gute” Laune.
  • Einen Rechtsanspruch auf “gute” Noten
  • Einen Rechtsanspruch auf “gute” Sprachkenntnisse.
  • Einen Rechtsanspruch auf “gutes” Benehmen.

Umzusetzen ist der entsprechende Rechtsanspruch in jedem Fall durch die Einstellung von geeignetem Fachpersonal! Auch: Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Durchsetzung von Rechtsansprüchen.

Daher fordern wir auch:

  • Einen Rechtsanspruch auf “gutes” Fachpersonal.
  • Und natürlich einen Rechtsanspruch auf “gute” Ausbilder “guten” Fachpersonals.
  • Und einen Rechtsanspruch auf “gute” Zusammenarbeit.

Und natürlich wünschen wir allen unseren Lesern einen Rechtsanspruch auf alles “Gute” und alles Gute für die Durchsetzung des Rechtsanspruchs – und jetzt brauchen wir eine Pause von all den guten Dingen.

P.S.
Als ich gerade den post verlinken wollte, bin ich über das hier gestolpert:

scully facepalmGEW: Weckruf des Wissenschastrates muss Gehör finden. Manchmal kommt es wirklich dick. Man versuche, diesen logischen Unsinn zu entwirren: Ein Weckruf der keiner ist, sonst hätte er Gehör gefunden, muss aber dennoch Gehör finden, obwohl er bei seiner Aufgabe, andere zu wecken, bereits versagt hat: Bei der GEW scheinen der Formulierung von Unsinn keine Grenzen gesetzt zu sein. Das bringt mich dazu, einen Rechtsanspruch auf Logik und Rationalität und natürlich auf Verstand zu fordern.

P.P.S.

Es ist ein beredtes Zeugnis einer infantilen Gesellschaft, dass Funktionäre in öffentlichen Positionen nichts dabei finden, in Kindersprache zu sprechen und offensichtlich vergessen haben, dass es ein ausgewachsenes Wort für das vor-pubertäre Wort “Kita” gibt.

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About Michael Klein

… concerned with and about science

2 Responses to Unsinn der Woche: Lustiges Rechtsanspruchfordern mit der GEW

  1. Verdammte Sauerei, was soll denn das?!
    Ich will einen Rechtsanspruch auf gute Satire! Abba pronto, hopphopp!

    Carsten

    “Es wird überhaupt zuviel erzogen, besonders an amerikanischen Schulen. Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild sein, wenn’s sein muß, ein abschreckendes.”
    A.Einstein

  2. Ramteid says:

    Etwas ist richtig. Die Anführungszeichen sind falsch gesetzt. Wenn, dann müßten sie den “Rechtsanspruch auf gute Pädagogik” umfassen. Zumal sie mir selbst hier nicht richtig erscheinen. Ich würde ein \emph{} bevorzugen.

    So viel Aufregung um einen Artikel mit fragwürdigem Ausdruck. Ganz schön kleinlich.

    Vielleicht sollte einmal jemand das mit den Billigangeboten erklären. Der aktuelle Spartrend im öffentlichen Sektor führt dazu, daß zunehmend fachfremdes Personal bevorzugt eingestellt wird. Beziehungsweise wird der Personalstand auf ein Minimum reduziert. Was im Kindergartensektor abgesehen von fehlenden Planstellen passiert, weiß ich jetzt nicht speziell.

    Was mir jedoch bekannt ist, daß in Altenheimen gern Krankenschwestern statt Altenpfleger eingestellt und in den Kliniken Krankenpflegehelfer statt Krankenpfleger ausgebildet werden.
    Das geschieht letztlich nur aus einem Grund: Geld. Krankenschwestern im Altenheim sind fachfremd und werden daher nicht nach Tarif bezahlt, die Krankenpflegehelferqualifikation ist niedrig angesiedelt und dementsprechend eingruppiert.

    Die Ausbildung zum Kindergärtner oder wie es jetzt heißt Erzieher, umfaßt eben die speziellen Bedürfnisse dieser Altersklasse. Und so gibt es keine gute Pädagogik ohne gutes pädagogisches Fachpersonal. Selbst auf Privatschulen nicht…

    Daß im Umkehrschluß nicht alle Pädagogen mit Abschluß gute Pädagogen sind, ist eine Binsenweisheit.
    Um die Quote guter Pädagogen nach oben zu bringen, müßte allerdings die Ausbildung angepaßt werden. Ein Anfang könnten Eignungstests sein, wie damals ™, auf dieser Seite der Mauer.

    “So lange keine Automaten erfunden werden, die auf Knopfdruck in gleicher monotoner Stimmlage denselben pädagogisch wertvollen Inhalt im pädagogisch richtigen Tempo, mit der pädagogisch richtigen Intonierung und zur pädagogisch richtigen Uhrzeit an gleichermaßen aufnahmebereite Schülerautomaten oder “Kita”-Bevölkerungen vermitteln…”

    Das nennt sich pauken und ist ein Paradebeispiel für schlechte Pädagogik.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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