Hält Gehässigkeit Gesellschaften zusammen?

Gesellschaften sind Gebilde, in denen Akteure Tag für Tag aufs Neue miteinander kooperieren. Entsprechen hat die Frage, wie Kooperation entsteht und warum Menschen kooperieren, Philosophen und Sozialwissenschaftler seit Jahrhunderten interessiert.

LeviathanDie wohl am weitesten auseinandergehenden Antworten haben Thomas Hobbes und die katholische Soziallehre gegeben. Für Hobbes ist Kooperation das Ergebnis rationaler Überlegung, die jeden mit normalem Verstand begabten Menschen zu der Einsicht kommen lässt, dass er durch Kooperation mit anderen besser fährt, jedenfalls dann, wenn sichergestellt ist, dass sein Kooperationspartner sich auch fair verhält. Entsprechend benötigt Hobbes den Leviathan als Drohung, der Fairness in Kooperationen garantiert und gegebenenfalls auch durchsetzt, denn Hobbes vertritt einen Naturpositivismus: Menschen von Natur aus weder gut noch böse, sondern auf ihren Vorteil bedacht.

Die katholische Soziallehre lehnt sich an Aristoteles an und sieht den Menschen als soziales Wesen, das die Gesellschaft anderer sucht und von Natur aus gut ist. Entsprechend ergeben sich Kooperationsprobleme nur durch den Einfluss des Bösen also dann, wenn ein an sich guter Mensch durch Einfluss böser Mächte eben nicht gut ist.

Eine brandneue Untersuchung zweier US-amerikanischer Philosophen bringt nun eine ganz neue Variable ins Spiel, um die Evolution und die treibende Kraft hinter der Kooperation von Menschen in Gesellschaften zu erklären: Gehässigkeit. Damit, so kann man jetzt schon vorhersagen, werden Patrick Forber und Rory Smead eine intensive Diskussion auslösen, schon weil ihre Ergebnisse nicht in Bausch und Bogen vom Tisch gewischt werden können; Schon weil jeder von uns die alltägliche Gehässigkeit seiner Mitmenschen kennt und damit zuweilen auch kalkuliert.

So haben wir im Blog einen Besucher, der nur auftaucht, um Beiträge schlecht zu bewerten. Es ist dies eine Handlung, die alle Insignien der Gehässigkeit, die Forber und Smead genannt haben, beinhaltet: Sie ist sinnlos, nur darauf bedacht, Dritten zu schaden und hat für denjenigen, der sie ausführt, außer einem psychologischen keinerlei Nutzen. Aber Forber und Smead gehen noch weiter: Sie definieren gehässiges Handeln auch als ein Handel, das dem gehässig Handelnden selbst einen Schaden zufügt. Auch solcherart Zeitgenossen kennt jeder von uns: Zeitgenossen, die etwas zerstören, weil sie es nicht haben können und ausschließen wollen, dass es anderen zu Gute kommt …

MissgunstBis hierhin hat die Untersuchung von Forber und Smead also tiefe Wurzeln im Alltagsverstand. Kern der Untersuchung der beiden Philosophen ist ein so genanntes Ultimate Game, das Spieltheoretiker gerne spielen lassen. Dabei interagieren zwei Spieler miteinander. Ziel ist es, eine Geldsumme zu teilen, wobei ein Spieler einen Vorschlag zum Teilen macht, den der andere ablehnen oder annehmen kann. Nimmt der Spieler den Vorschlag an, wird das Geld entsprechend geteilt, lehnt er ab, erhalten beide Spieler nichts. Ein dynamisches Ultimate Game besteht aus einer Abfolge dieser Spielsequenz, so dass Spieler vergangene Erfahrungen in neue Spielsituationen übertragen können. Ziel des Spiels ist es, so viel Geld wie möglich zu sammeln, die Spielerpaare, die sich gegenübersitzen, werden von Sequenz zu Sequenz neu bestimmt.

Die Kontinuität im Spiel hat es Forber und Smead erlaubt, zunächst vier Arten von Spielern zu identifizieren: rationale Spieler, faire Spieler, Easy Rider und gehässige Spieler. Rationale Spieler sind bemüht, die Wahrscheinlichkeit, dem selben Gegenüber wieder zu begegnen, in ihren Vorschlag einzubauen, faire Spieler schlagen immer die hälftige Geldsumme vor und erwarten einen solchen Vorschlag, Easy Rider sehen alles nicht so eng und akzeptieren auch einmal eine geringere Summe, gehässige Spieler dagegen, lehnen selbst faire Summen ab, wenn sie “meinen”, dass ihnen in der Vergangenheit Unrecht getan, sie Opfer eines unfairen Vorschlags geworden sind.

Die Simulation, die Forber und Smead auf Basis ihrer Daten gerechnet haben, zeigt nun, dass sich rationale und faire Spieler nicht durchsetzen können. Faire Spieler werden ausgenutzt, rationale Spieler von gehässigen Spielern beseitigt. Beide, rationale wie faire Spieler sterben aus. Es bleiben, gehässige Spieler und Easy Rider, wobei Forber und Smead das Überleben Letzterer als Anpassungsleistung interpretieren, und zwar als Anpassungsleistung an die gehässigen Spieler, von denen bekannt ist, dass sie selbst vernünftige Vorschläge ausschlagen und damit beide Spieler schädigen, wenn ihnen danach ist.

Die Anpassung der Easy Rider erfolgt entsprechend aus Angst vor den gehässigen Spielern und nicht aus Altruismus oder Menschenfreundlichkeit. Die Angst, wieder auf einen gehässigen Spieler zu treffen, der eine Kooperation zerstört, einfach um seinem Gefühl, unfair behandelt worden zu sein, Luft zu verschaffen, treibt also die Kooperation in der Gesellschaft.

Ein spannendes und weitreichendes Ergebnis, denn ein faires Verhalten zwischen Mitgliedern einer Gesellschaft hängt in diesem Fall davon ab, dass die Angst, Opfer von Gehässigkeit in Kooperationen zu werden, allgegenwärtig und aufgrund des Vorhandenseins gehässiger Spieler auch relevant ist.

blinde zerstoerungswutEin Indiz dafür, dass die beiden Philosophen mit ihren Ergebnissen nicht allzu weit daneben liegen, kann man aus der Art und Weise ableiten, wie Anhänger bestimmter Glaubensrichtungen, Rechte, Linke oder Feministen auf Menschen reagieren, die anderer Meinung sind (die Betonung liegt auf anderer Meinung). Wo man als normaler Mensch nun einen Austausch der Meinungen (eine Kooperation) erwarten würde, findet ein Abschotten statt. Die Träger anderer Meinung werden zu Feinden stilisiert und müssen zum Teil wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Dabei nehmen diejenigen, die die Beschimpfungen aussprechen oder im besten Fall die Diskussion mit Andersmeinenden vermeinden, in Kauf, dass sie Beobachtern wie Kinder erscheinen, die für ein gesellschaftliches Zusammenleben nicht bereit sind oder wie Flegel, die eine große Klappe, aber kein Wissen haben, um die vollmundigen Behauptungen zu unterfüttern. Sie schaden sich also selbst, ganz so, wie Forber und Smead dies dargelegt haben.

Ein weiteres lässt sich an diesem Beispiel zeigen, denn die Angst vor denjenigen, die laut schreien, beleidigen oder gesellschaftlich ächten, schafft eine große Zahl von Schweigern, die die Schreihälse unwidersprochen gewähren lassen.

evolution-cooperation-robert-axelrodNur eines scheint die Simulation falsch darzustellen: Robert Axelrod hat in seinen Arbeiten regelmäßig gezeigt, dass rationale Spieler, die eine Strategie des Tit-for-Tat verfolgen, die also dann, wenn sie einmal ein Opfer eines gehässigen Spielers geworden sind, eine Kooperation mit diesem Spieler ablehnen, evolutionär erfolgreich sind. Entsprechend wäre die Simulation von Forber und Smead um die Möglichkeit einer Kooperationsverweigerung zu ergänzen.

Da Rationalität etwas ist, das nach Meinung der meisten Philosophen, z.B. nach Meinung von Kant, Menschen erst zu Menschen macht, ist darüber hinaus zu erwarten, dass rationale Spieler nachkommen, die Auseinandersetzung zwischen rationalen und gehässigen Spielern also zu einer Mehrheitsfrage wird, bei der wiederum die Easy Rider, die schweigenden Akzeptierer eine ausschlaggebende Rolle spielen, denn so lange sie schweigen und das Treiben gehässiger Spieler ermöglichen, ja mit diesen kooperieren, so lange ist die Gehässigkeit eine erfolgreiche Strategie.

 Forber, Patrick & Smead, Rory (2014). The Evolution of Fairness Through Spite. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences 281(1780).

Print Friendly, PDF & Email

About Michael Klein
... concerned with and about science

16 Responses to Hält Gehässigkeit Gesellschaften zusammen?

  1. Daß das neu ist möchte ich bezweifeln. Meines Wissens hat die Spieltheorie schon vor mindestens zwei Jahrzehnten herausbekommen, daß derjenige, der dem anderen zu schaden versucht, öfter besser wegkommt, als der, der sich nur auf seinen Nutzen konzentriert. Das nachverfolgen oder eine Quelle angeben kann ich jetzt nicht.

    Kooperation kommt durch Austausch von Leistungen zustande und ist durch gegenseitigen Nutzen stabil. Wer nichts zu bieten hat, dem bleiben nur Raub oder Zerstörung als Aktion. Das eine nennen wir räuberisch, das andere eben mißgünstig, gehässig.

    Noch so ein seltsames Medikament:
    http://www.zickosan.de/

    Carsten

    Hafermotor
    http://i37.tinypic.com/116qrrc.jpg

  2. heureka47 says:

    Das Ultimate Game kann nicht die wirkliche Wirklichkeit widerspiegeln.
    Die zivilisierte Gesellschaft befindet sich seit mehr als 10.000 Jahren unter dem starken Einfluß der “Kollektiven Neurose” und hat uns entsprechend weit / schwer von unserem guten Kern entfremdet.

    Wie es einmal – wirklich – war, ist heute schwer herauszufinden.
    Wie es nach der konstruktiven Überwindung der Kollektiven Neurose sein wird – falls es noch Menschen geben wird – kann sich keiner der neurotisch Entfremdeten vorstellen.

    Was den “sozialen Leim” angeht, der menschliche Gemeinschaften zusammenhält, ist es in gesunden Gesellschaften die Kraft der Liebe, die göttliche, spirituelle, bedingungslose, Liebe.
    Das ist die Ebene oberhalb des “Gefühls Liebe”, die Ebene des “höheren Bewußtseins”, des “Höheren / wahren Selbst”, zu dem Menschen eigentlich im Vorfeld oder der Frühphase der Pubertät aufsteigen und wahrhaft erwachsen werden sollen.
    Da im Laufe der Jahrtausende seit Beginn der Kollektiven Neurose das immer weniger Menschen getan haben, ist das Wissen / “Know-How” dazu fast völlig verloren gegangen. Selbst die vielen Menschen, die mehr oder weniger intensiv “meditieren”, sind mehrheitlich entfremdet. Denn jahrelanges Meditieren ist nicht der Weisheit letzter Schluß. Meditation ist EINER der vier oder fünf Schritte des Prozesses, mit dem man zum wahren Erwachsenen wird.

    So etwas wie die Kollektive Neurose ist wohl die schlimmste Krankheit, die man sich vorstellen kann – sehr vertrackt; vor allem durch das typische Symptom “Krankheitsuneinsichtigkeit” und demzufolge Beratungs- und Heilungs-Resistenz. Die Befallenen erkennen sich nicht in ihrer Befallenheit. Das geschwächte (Selbst-)Bewußtsein läßt die Erkenntnis (die “bittere Wahrheit”) nicht zu.
    Zu überwinden ist diese Hürde nur durch das – “konstruktive” – Überwinden der alles dominierenden ANGST. “Konstruktiv” überwinden heißt, NICHT (nur) verdrängen, sondern ANNEHMEN – und DENNOCH das tun, wovon die Angst einen abhalten will, was man aber als das “Bessere”, “Weise”, “Sinnvolle”, erkannt hat.

    Diese wichtige “Kunst” lehrt uns aber – normalerweise – niemand. Es bleibt bei den meisten Menschen bis zum Tode so, daß sie mit problematischen / unlösbaren Dingen so umgehen, wie in der Kindheit: VERDRÄNGEN – ins Unbewußte. Bei immer mehr Menschen führt das zu den unterschiedlichsten gesundheitlichen Störungen: Psychische, psychosomatische oder – angeblich “rein somatische”. Aber auch Krebs und etliche andere Krankheiten sind genau genommen psychisch bedingt. Und zwar durch den Mangel an “Lebens-Energie”, der verursacht wird durch Blockaden, Angst, Stress usw. – vor allem durch UNBEWUSSTEN Stress – wovon die Mediziner meistens schweigen. Dieser unbewußte Stress kann völlig eliminiert werden durch
    1. Einmalige GRUND-Reinigung des (Unter-)Bewußtseins und
    2. anschließend konsequentes Rein-HALTEN.

    Alte Schriften geben solche Hinweise – allerdings meistens in SYMBOLISCHER Sprache, wie es für Sagen, Legenden, Märchen, Bibelgeschichten usw. üblich ist.
    Wer die Symbolsprache nicht versteht – und das sind die neurotisch Entfremdeten – kann keinen Nutzen daraus ziehen. Mit dem rationalen Denken unter der Herrschaft des “Ego” ist da nichts zu machen.

    Den ersten wichtigen Schritt für das wahre Erwachsenwerden, die Angst-Überwindung, finden wir in symbolischer Sprache in der Nibelungen-Sage, in der Sequenz, wo Siegfried (der Name ist Programm!) gegen den Drachen antritt – und ihn besiegt. Übrigens ist auch der Name des Drachen dort “Programm”!

    Den dritten Schritt, die Vereinigung mit der höheren Bewußtseins- / Seins-Ebene, finden wir z.B. in der biblischen Geschichte der “Hochzeit zu Kanaan” – wo Wasser in Wein verwandelt wird. Das bezieht sich auf die Verwandlung des Menschen als Bewußtsein vom “Niederen Selbst” / “Ego” zum “Höheren / wahren Selbst”.

    Den letzten Schritt der Reinigung des (Unter-)Bewußtseins finden wir z.B. in der griechischen Herakles-Sage, in der Geschichte über die Reinigung vom Augias-Stall.

    Der Verfall der zivilisierten Gesellschaft ließe sich – wenn man das entsprechende Auge dafür hätte – an wahrhaftig UNZÄHLIGEN Symptomen erkennen. Die große Mehrheit aber ist “blind” für das Erkennen der Wahrheit, der Ursachen, der Zusammenhänge. Durch die Angst vor der “bitteren” Wahrheit und das “Angst-Tabu” (Rainer Taéni: “Latente Angst. Das Tabu der Abwehr-Gesellschaft”), welches ALLE “verdächtigen” Informationen ausblendet, vermeidet, verdrängt, ignoriert, leugnet oder verharmlost.

    Folglich bringt uns WISSENSCHAFT bei der Lösung des Problems eigentlich nicht voran.
    Denn die allermeisten Wissenschaftler sind durch die Neurose beeinträchtigt und sehen das Problem oder seine wahre Tiefe / Schwere / Tragweite nicht. Speziell wohl die Soziologen, bei denen das Problem “Kollektive Neurose” zum Lehrstoff gehört.

    Was die Menschheit zum Überleben braucht, ist – wahre – WEISHEIT. Das ist nicht “Lebens-Erfahrung” oder was heute sonst darunter verstanden wird, sondern ursprünglich war damit das Einswerden mit der göttlichen Weisheit gemeint, das Einswerden mit dem göttlichen Bewußtsein im Menschen und damit der jederzeitige Zugang zur göttlichen Weisheit. Man könnte “Weisheit” auch deuten, daß der junge Mensch (Pubertät) nach der Einweihung WEISS, was “Sache” ist, was die wirkliche Wirklichkeit ist und was man damit anfangen kann.

    Insofern macht auch der Begriff “Weisheits-Zähne” Sinn.

    Gehässigkeit – um auf diesen Begriff einzugehen – ist eine “negative Denkhaltung”, die nicht einmal für gesunde unreife Menschen üblich ist, sondern nur für seelisch Verletzte, Traumatisierte, Neurotisierte, die damit SYMBOLISCHE Hinweise auf ihre Störung / Erkrankung geben – vom göttlichen Unbewußten weise gesteuert.

    Die zivilisierte Gesellschaft ist von etwa 99,9(999?)% des (lebens-)WICHTIGEN Wissens entfremdet bzw. innerlich abgetrennt.
    DAS, was die zivilisierte Gesellschaft heute WEISS – oder zu wissen glaubt – ist zum ähnlichen Prozentsatz UNWICHTIG.
    “Die Wissenschaft” produziert im Grunde weit überwiegend unwichtiges Wissen. Und füllt damit die Köpfe / Bewußtseine der Menschen, die dadurch NOCH MEHR vom wahrhaft WICHTIGEN Wissen (und Sein / Tun), von der WEISHEIT, abgebracht werden.

    Der Mensch ist im Grunde ein SEINS-Wesen, der vom (wahren) SEIN zu 99,9(999?) entfremdet ist. Statt dessen sucht er sein “Heil” im HABEN – und bleibt letztlich doch unbefriedigt, unerfüllt, leer, arm, unglücklich.

    Der Mensch ist – als Verkörperung der göttlichen / kosmischen (feinstofflichen) Energie, der LIEBE – quasi ein LIEBE-Wesen. Und sucht die LIEBE, die Quelle der Liebe, seinen Ursprung – und findet sie normalerweise in der entfremdeten zivilisierten Gesellschaft nicht. Das ist seine große Tragik. Weil er sie jederzeit finden KÖNNTE – wenn er nur wüßte, WO bzw. WIE!

    Jeder Mensch IST – in seiner höheren Schwingungs-Ebene, in seiner höheren Frequenz – diese KRAFT. Er braucht sich im Bewußtsein “nur” auf diese Ebene, in diese Schwingung, zu bringen / begeben, dann ist er “angekommen”. Und bedingungslos glücklich.
    Und DAS sollte seine “Grundausstattung” für sein weiteres Leben sein.

    Ich darf dankbar bekennen, daß ich durch meine Lebensumstände auf diesen Weg “geschubst” wurde. Und bin nun seit 1992 bestrebt, meine Mitmenschen über die Bedrohung und Rettungsmöglichkeit aufzuklären.

    -> http://www.seelen-oeffner.de/

    Viel Glück!

  3. Chaeremon says:

    Es gibt (prinzipiell) zwei Ansätze solche Simulationen durchzuführen. Im ersten Ansatz werden Klassen von Individuen zufällig gepaart und der Ausgang jeder individuellen Paarung ist fest verdrahtet. In Linearer Optimierung formuliert: (maximize “irgendeine Klasse(n) wird überleben”; subject to: “was bei den Paarungen von je 2 Klassen zu passieren hat”; etc). Dieser Ansatz ist Methode der sogenannten KI, bei der so getan wird als könnte nur eine (teure) Computer-Simulation das (angeblich unbekannte) Resultat finden. Eignet sich immer wieder gut als Basis für Pressemitteilungen “Forscher haben jetzt herausgefunden dass …”

    Im anderen Ansatz werden nicht die Klassen sondern immer nur Individuen gepaart und zusätzlich wird der Ausgang jeder Paarung dem Zufall überlassen. Nur bei diesem Ansatz liesse sich paarweises Benehmen entdecken welches nicht schon vorher in die Simulation hineingesteckt wurde. Eignet sich nicht für das Herbeisehnen von Resultaten da die anschliessende Klassenzuordnung richtig Arbeit verursacht und gründlich schief gehen kann (resp. sich als unmöglich erweist) i.e. Pressemitteilung “Forscher konnten (schon wieder) nicht herausfinden dass …”

    Mit Hinweis auf die im Beitrag genannte Klasse “Tit-for-Tat” lässt sich leicht beurteilen ob einfach nur eine Teilmenge von allseits bekannten Vorurteilen oder aber ein Stückchen an Realität untersucht wurden.

  4. Bilbo Im TakaTuka Land says:

    Das ist jetzt nicht ihr ernst, oder? Wer den dumpfprimitiven Genderfaschismus zu recht kritisiert muss doch hell genug sein um zu sehen das eine Simulation mit diesem Regelwerk nun mal zu keinem anderen Ergebnis führen kann.

    Das ist Wissenschaft auf Sesamstraßenniveau. Ne Art “was passiert dann Maschine” der Soziologie.

    Dann die Definition: Was bitte schön hat eine Alles oder nichts Strategie mit Gehässigkeit zu tun? Der Ar……..chfaktor ist über die “erfolgreichen” normal-verteilt. “wetten dass?

    Es müssen noch andere Faktoren hinzukommen um dem “Mehdorn-Faktor” genüge zu tragen.
    In der Praxis Herkunft, Mimikri, Empathie, Fleiß Fleiß Fleiß und Fortune.

    Das die negativen Elemente eine Sozial- oder Operationsstruktur härten und ergänzen (wobei die asozialen Elemente entweder hinaus oder für die Drecksarbeit nach oben befördert werden) halt ich für einen plausibleren Modellansatz.

    Aber ich bin auch kein Wissenschaftler.

  5. a.behrens says:

    Hallo,

    eine Frage die etwas Off Topic ist, zur praktischen Arbeit als selbständiger Wissenschaftler: Wie kommen Sie an solche Texte ran? Gibt es für selbständige tätige Wissenschaftler einen extra Tarif oder eine Art Flatrate? Um den Text von Forber und Smead zu lesen müsste ich 26,- EUR bezahlen. Für einen Text kann man das sicher machen. Aber wenn man aus beruflichen Gründen beständig lesen muss, wird es teuer. Gibt es in Ihrer Nähe eine Uni deren Bibliothekszugang Sie nutzen?

    • Wenn man selbständig ist, heißt das im Wesenlichen, dass man seine Zugänge auch selbst finanziert – über die entsprechenden Netzwerke (z.B. JStor oder Wileys-Online). Aber manche Texte werden uns auch einfach zugeschickt…

  6. Suzy says:

    1. Der Ausgang solcher Versuche wird in der Tat durch die Versuchsanordnung beeinflusst wenn nicht sogar festgelegt. Es spielt z.B. eine große Rolle ob sich die Versuchsteilnehmer wiedererkennen können, ob sie das Verhalten der anderen beobachten können, ob sie kommunizieren können, ob sie sich organisieren dürfen und was ja auch im Beitrag genannt wurde, ob sie die Kooperationspartner von vornherein ablehnen können.

    2. Es ist ein Widerspruch die im Spiel erfolgreichsten Spieler als irrational bzw. sich selbst schädigend zu bezeichnen.

    3. Es scheint mir auch nicht legitim die riskanten bzw. unfairen Spieler als gehäßig zu bezeichnen. Es geht um Gewinnoptimierung und Risiko.

    4. Ein interessanter Gedanke zum Raub. Es gibt Versuche, die darauf hindeuten, dass sich destruktives Verhalten gemäß einer Räuber-Beute Population verhält. Je friedlicher eine Gesellschaft, desto höher der Anreiz zum Diebstahl (hoher Profit, geringes Risiko). Je mehr Räuber es gibt, desto geringer der Anreiz in einer armen Gesellschaft (geringer Profit, hohes Risiko wegen Wachsamkeit). In meinem Studium habe ich dazu ein paar interessante Paper aus dem Bereich des evolutionären Verhaltens gelesen, habe die Quellen aber nicht mehr.

    • zu 1: Was heißt das für die vorliegende Untersuchung?
      zu 2: Was hat Erfolg im Spiel mit Rationalität zu tun?
      zu 3: Gibt es auch ein Argument dafür, dass Ihnen das so “scheint”?
      zu 4: Jetzt darf ich den Widerspruch zurückgeben: Wenn ein Anreiz zum Raub hoch ist, dann kann die Gesellschaft nicht friedlich sein, hier wird ein Problem gelöst, das dann, wenn es gelöst werden könnte, gar nicht vorhanden gewesen wäre.

    • a.behrens says:

      Ich widerspreche:

      Zu 1:

      In der Spieltheorie geht es darum, mit möglichst einfachen “Spielen” menschliche Verhaltensweisen zu untersuchen. Üblicherweise werden bei einem Experiment die Regeln _nicht_ genannt, sondern das eigentliche Spielziel ist es, dass die Spieler die Regeln selbst entdecken und beginnen danach zu handeln. Entsprechend lässt man die Spieler solange spielen, bis sie das Spiel durchschaut haben (wohlgemerkt: Das ist die Methode).

      Die ursprüngliche Erwartungshaltung bei der Spieltheorie war es, dass Menschen rational handeln, also denken bevor sie etwas machen.

      Beim zitierten Text geht es aber um etwas anderes: Es gibt Spieler die die Regeln kennen bzw. durchschaut haben und trotzdem sich selbst schädigen um damit andere zu schädigen.

      Das ist, als würde ich mich morgens in der SBahn in den Fuss schießen (=Schaden für mich), damit _andere_ Leute zu spät zur Arbeit kommen. Ich erziele weder aus dem “in-den-Fuss-schießen” einen Gewinn, noch dadurch das die anderen zu spät kommen. Meine einzige, völlig irrationale Motivation ist es, andere zu ärgern.

      In den Text geht es außerdem darum, dass viele SBahn-Fahrer (die im Text genannten Easy Rider bzw. Schweiger) _erwarten_, dass es Schweinehunde gibt und darauf schon im Vorfeld reagieren. Zum Beispiel dadurch, dass sie mit dem Auto fahren (also nicht mehr mitspielen) oder das ganze einfach als Schicksal akzeptieren und schweigen.

      Die erfolgreichsten Spieler im Spiel sind eigentlich die Rationalen Spieler, weil deren Gewinn maximiert wird. Irrational ist es dagegen “sich-selbst-in-den-Fuss-zu-schießen”, weil es dabei keinerlei Gewinn gibt.

      Zu 2: Im Spielsetting geht es um Teilen. Wird nicht geteilt, bekommen beide nichts. Rational wäre es, wenn alle Spieler den Geldbetrag immer exakt zu 50% teilen, weil dabei alle Teilnehmer einschließlich der eigenen Person das meiste Geld bekommen. Bei solchen Versuchen bekommen die Versuchsteilnehmer üblicherweise übrigens tatsächlich Geld. Ich habe die Studie (noch) nicht gelesen, aber unterstelle, mal dass die Schädiger tatsächlich auf Geld verzichtet haben. Den irrationalen Spielern geht es nicht um Nutzen, sondern nur darum mehr als andere zu haben. Egal wie wenig das ist und selbst dann, wenn nachher alle mit 0 rausgehen.

      Zu 3: Text nicht gelesen? Sie haben _kein_ Risiko und wollen _keinen_ Gewinn. Sie wollen nur andere ärgern. Wie würden Sie solche Menschen bezeichnen? Wie würden Sie mich bezeichnen, wenn ich absichtlich einen Verkehrsunfall verursache, nur damit Sie einen finanziellen Schaden haben? Und zwar völlig losgelöst von der Frage, ob ich dabei auch einen finanziellen Schaden habe?

      Zu 4: Räuber-Beute-Schema. Die Räuber im Räuber-Beute-Schema sind _nicht_ destruktiv. Sie leben einfach. Das Zerstörerische im Räuber-Beute-Schema entsteht nicht durch individuelle Handlungen, sondern durch zeitlich unterschiedlich verlaufende Wachstumskurven unterschiedlicher Populationen. Ein Individuum hat im Räuber-Beute-Modell keinen Einfluss auf das zerstörische Ende des Gesamtsystems. Die Annahme das es um Räuber und Beute gänge, ist IMO bereits eine ideologische Wahrnehmung. Korrekt wäre es von abhängigen Parteien zu sprechen.

      • Die erfolgreichsten Spieler im Spiel sind eigentlich die Rationalen Spieler, weil deren Gewinn maximiert wird. Irrational ist es dagegen “sich-selbst-in-den-Fuss-zu-schießen”, weil es dabei keinerlei Gewinn gibt.

        Die rationalen Spieler werden möglicherweise nach der Minimaxstrategie vorgehen und so reagieren, daß sie den maximal möglichen Gewinn bei der schlechtestmöglichen Reaktion des Gegners erreichen.
        Damit würde durch die Minimaxstrategie eine pessimistisch konservativ risikobewußte Strategie empfohlen.
        Der rationale Spieler würde auch davon ausgehen, daß der Gegner nach Minimax spielt und folglich den für diesen schlechtesten Zug wählen, um dessen Gewinn zu minimieren. Er könnte von der eigenen Minimaxstrategie langsam abweichen und sich einfach am maximalen Schaden für den Gegner orientieren.
        Es ergibt sich also ein Kampf, ein Wettbewerb um das Finden der für den Gegner schlechtesten Züge. Was haben wir auch erwartet, bei einem konkurrierenden Spiel, bei dem es darum geht, den Gegner zu besiegen?

        Bedenken wir auch, daß Verallgemeinerungen immer bedenklich sind. Aber die Kämpfe auf allen Gebieten des Lebens sind ein Indiz, daß an dieser Verallgemeinerung von Nullsummenspielen etwas dran ist.

        Und so ergibt sich durchaus ein rationaler Anteil in Strategien, die auch eigene Schädigung beinhalten. Ich muß dazu nicht den 11. September ausgraben. In jeder Auseinandersetzung gibt es Verluste auf beiden Seiten. Vielleicht hätte ich den Bruder meines Opas kennengelernt, wenn er sich in den Fuß geschossen hätte, statt vor Verdun auszuharren.
        Irrational ist rational, Freiheit ist Sklaverei, Diktatur ist Demokratie, Frieden ist Krieg, Schlauheit ist Dummheit…

        Handelt ein Staat gehässig, indem er friedliche Bürger in einen Krieg schickt, der diese eigentlich nichts angeht? Handelt ein Soldat gehässig, der sich diesem entzieht, indem er sich in den Fuß schießt?

        Carsten

        “Was die durch die Elite kontrollierte Mainstream-Presse so wütend macht, hat nichts mit Ausländern zu tun, sondern mit der Tatsache, dass ein Volk die Frechheit besitzt, das eigentlich jedem Volk der Erde zustehende Recht in Anspruch zu nehmen, souverän zu sein und sein Schicksal selbst zu bestimmen. Wilhelm Tell hatte einst die fremden Vögte aus dem Land gejagt, und die sitzen nun in Brüssel, das ist den Eidgenossen endlich klar geworden, und darum geht es in Wahrheit: Kampf gegen Fremdbestimmung! Diese Vorbildfunktion bereitet den Eliten grosses Unbehagen.”
        Ein Eidgenosse

    • heureka47 says:

      “Raub” unter erwachsenen, reifen, Menschen ist KRANK, weil wider das Grundprinzip des Universums.
      Und die zivilisierte Gesellschaft ist kollektiv krank – sie leidet an pathologischer Unreife (von seltenen Ausnahmen abgesehen).

  7. a.behrens says:

    @Sciencefiles: Vielen Dank für Text. Auch wenn ich gestehen muss, dass sich mir der Magen umdreht. Das es Menschen gibt, deren Lebensmotivation eine zerstörerische Missgunst ist, ist für mich bislang nicht denkbar gewesen. Ich bin fassungslos.

    • heureka47 says:

      Ich war auch geschockt, als ich um 1990 der “Krankheit der Gesellschaft” / “Kollektive Neurose” gewahr wurde. Aber ich habe in den folgenden 20 Jahren die Einzelheiten dazu mir erarbeitet und vor zwei Jahren den verläßlichen, einzigen, Weg zur grundlegenden, nachhaltigen, WAHREN, Heilung ermittelt.

      WAHRE Heilung betone ich deshalb, weil anscheinend viele Menschen denken, das Verschwinden oder Lindern von Symptomen wäre “Heilung”. In Wahrheit ist es aber so, daß HEILUNG nur dann ist, wenn die Ursache für Kranksein beseitigt wird.

  8. cource says:

    viel zu kompliziert–es geht auch einfacher: der mensch immitiert was er tagtäglich sieht, so wie die affen und nur wenige isoliert lebende menschen haben die möglichkeit das verhalten der masse mit distanz zu betrachten, weil sie nicht ständig auf andere reagieren müssen–deshalb hat ja auch die kirche auch die klöster erfunden, damit die mönche/nonnen nicht ständig dem weltlichen wahnsinn ausgesetzt sind

    • heureka47 says:

      Das mit dem Imitieren gilt nur begrenzt.
      Der wahrhaft erwachsene Mensch ist FREI in seinen Entscheidungen.
      Und die große Mehrheit der Menschen der zivilisierten Gesellschaft ist NICHT wahrhaft erwachsen:
      -> Kollektive Neurose.

Translate »
error: Content is protected !!
Skip to toolbar