Linke endemische Dummheit

Zwei scheinbar unverbundene Ereignisse des gestrigen Tages haben uns wieder einmal zu einer Frage geführt, bei der wir uns regelmäßig finden, wenn wir versuchen, Sinn aus bestimmten Ereignissen zu machen. Die Frage lautet: Kann man so dumm sein?

Das erste Ereignis ist ein Satz, der sich in einem Coursebook der University of Gloucestershire findet und lautet: “change means uncertainty”. Es ist dies ein Satz, der stutzig macht – oder? Das nächste Ereignis findet sich auf Facebook, wo wir gestern einem Kommentatoren begegnet sind, dessen eigene Überzeugung einerseits fragil ist, anderseits mit einem Persönlichkeitssystem verbunden ist, das keinerlei Zweifel zulässt, so dass er sich letztlich um Kopf und Kragen redet ohne es zu merken. Beides hat uns letztlich zu der Frage geführt, die wir eingangs gestellt haben.

Peoples_Dice_of_EqualityBeginnen wir mit dem Wandel, der Unsicherheit bedeutet. Gibt es wirklich Menschen, die glauben, Wandel sei nicht mit Unsicherheit verbunden, so dass man die Verbindung betonen muss? Ein einfacher Gedanke zeigt, dass Wandel immer Unsicherheit sein muss, denn Wandel ist auf die Zukunft gerichtet und bislang ist es noch niemandem gelungen, zum einen in die Zukunft zu blicken und zum anderen das, was er gesehen hat, zu kontrollieren.

Beide Illusionen, die Illusion der Planbarkeit der Zukunft ebenso wie die Illusion der Kontrolle der Ereignisse halten sich jedoch hartnäckig, ja sind weit verbreitet. Die Ideologie der Linken, der Sozialismus basiert ausschließlich auf diesen beiden Illusionen, ein Umstand, den Karl Popper in seiner offenen Gesellschaft  thematisiert hat, und zwar im Hinblick auf die mehr als naive Lehre des historischen Materialismus, jenes vermeintlich evolutionären Gesetzes, das Karl Marx aufgestellt hat, um die Weltgeschichte zu erklären und dessen einzige Variablen jeweils zwei antagonistische Klassen sind.

Friedrich A. Hayek hat in seiner Road to Serfdom gezeigt, dass Sozialismus unausweichlich in den totalen Staat führt, und zwar u.a. deshalb, weil Planung weitere Planung erforderlich macht und weil Sozialismus zur Folge hat, dass privates Engagement, das allein wirtschaftlichen Fortschritt hervorbringen kann, in all der Planung erdrosselt wird. Ludwig von Mises hat schließlich gezeigt, dass auch eine Politik, die “midlle-of-the-road” ist und die nur Zugeständnisse an sozialistische Planung macht, in den totalitären Staat führen muss, eben weil niemand in die Zukunft sehen kann, nicht einmal Sozialisten.

Road to serfdom
Schnellkurs durch die Road to Serfdom

Dennoch planen und wurschteln Sozialisten am täglichen Alltag von Gesellschaften herum. Dennoch laufen ihre Chefideologen durch die Welt und behaupten, ein Allheilrezept für gesellschaftliche Probleme zu kennen. Und da sind wir wieder bei der Frage: Kann man so dumm sein? Gibt es wirklich Menschen, die glauben wollen, linke Politiker, also alle Politiker die umfassende planerische Eingriffe in die Gesellschaft vornehmen wollen, sei es durch einen Eingriff in die Märkte, sei es durch Vorgabe der vermeintlich richtigen Lebensweise, sei es durch die Schaffung kollektiver Zwangssysteme wie Renten- und Krankenversicherung, seien tatsächlich in der Lage, die Zukunft in ihrem Sinne zu gestalten, linke Politiker seien in der Lage, unbeabsichtigte Folgen der entsprechenden Planung, und unvorhersehbare Ereignisse, die die gewünschten Planungsergebnisse beeinflussen, auszuschließen?

Jeder, der schon eimal geplant hat, einen ungestörten Abend im eigenen Wohnzimmer zu verleben und dennoch nur den Krach aus der Nachbarwohnung genießen konnte, weiß um der Dinge, die sich außerhalb seiner Kontrolle befinden. Jeder, der schon einmal geplant hat, im Lotto zu gewinnen, weiß um die Wirkung von Wahrscheinlichkeit, die letztlich den Erfolg seiner Planung beeinflusst. Dennoch sind viele nicht in der Lage, die entsprechenden Erfahrungen auf die Planungsversprechen von Politikern zu übertragen und dieselben als entweder Unsinn oder glatte Lüge zu entlarven. Kann man so dumm sein?

Oder ist die Dummheit ein Ergebnis von glauben-wollen, ein Ergebnis einer fragilen Persönlichkeit, die nach Sicherheit im Leben Ausschau hält, weil sie den Wandel, der schon Heraklit entnervt hat, nicht ertragen kann, einer Persönlichkeit, die jeden Ast greift, der ihr mit dem Versprechen von Sicherheit hingehalten wird, um nicht im Meer der Unsicherheit selbst schwimmen zu müssen?

Gestern sind wir auf Facebook einem Kommentatoren begegnet, der es nicht ertragen kann, dass Heike Diefenbach auf eine Petition hinweist, die zum Widerstand gegen die Tötungs-Pläne des Jyllands Park Zoos aufruft. Die Verantwortlichen des Zoos haben bereits damit Schlagzeilen gemacht, dass sie eine Giraffe getötet haben. Nunmehr wollen sie eine zweite 7jährige Giraffe töten, weil das Tier ein männliches Tier ist und einem weiblichen Tier Platz machen soll. Wir wollen an dieser Stelle überhaupt keine moralischen Fragen aufwerfen, sondern fragen, warum jemand einen bloßen Hinweis bereits als Gefährdung der eigenen fragilen Persönlichkeit auffasst.

GiraffeDie Antwort scheint auf der Hand zu liegen: Heike Diefenbach hat die geplante Tötung als Mord bezeichnet und tatsächlich erfüllt die Tötung alle Indikatoren eines Mordes: Sie ist geplant, also intentional, sie basiert auf Kalkulation, denn die eine männliche Giraffe wird getötet um einer anderen weiblichen Giraffe Platz zu machen. Diese Bezeichnung “Mord” für die Tötung eines Tieres missfällt unserem Kommentatoren, dessen geistige Welt auf der angenommen Überlegenheit von Menschen über Tieren basiert. Aus dieser Überlegenheit wird dann das Recht abgeleitet, über andere Lebewesen bzw. das Leben anderer Lebewesen frei verfügen zu können. Abermals könnte man eine moralische Diskussion anfangen, abermals wollen wir keine moralischen Argumente machen, lediglich auf die Bedeutung dieser Annahme eigener Überlegenheit hinweisen.

Diese Prämisse ist der Fels im eigenen Leben, der das eigene Handeln legitimiert und letztlich auch planbar macht. Legitimiert wird z.B. unbewusster Fleischkonsum, planbar wird der eigene Umgang mit anderen Lebewesen und planbar werden die Erwartungen, die an den Umgang anderer mit anderen Lebewesen gestellt werden. Und dann kommt Heike Diefenbach, nimmt sich die Freiheit eigener Gedanken und bezeichnet die geplante Tötung einer Giraffe als Mord. Das bringt offensichtlich alle Sicherheit und Planbarkeit, alles System im Leben unseres Kommentatoren zum Einsturz, und deshalb er man sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, dass sich hier ein Wandel, z.B. in der Behandlung anderer Lebewesen einstellt oder ankündigt.

Hier nun ist die Verbindung zur Unfähigkeit vieler Linker einzusehen, dass man die Zukunft nicht planen kann, dass es bestenfalls möglich ist, eine Absicht für die Planung der Zukunft zu formulieren und mit einiger Wahrscheinlichkeit zu hoffen, dass die Absicht vielleicht umgesetzt werden kann. Diese einfach Wahrheit ist für fragile Persönlichkeiten erschreckend. Die Vorstellung, man könne nicht planen, müsse sich täglich aufs Neue auf die Umstände einstellen, die einem begegnen, scheinen nicht nur der Lebenspraxis zu widersprechen, sondern auch zu selbst-gefährlich, um überhaupt erwogen zu werden.

Offene GesellschaftUnd dennoch ist es so. Denn auch die Sicherheit und Planung im täglichen Leben ist häufig eine Illusion. Wie oft ist die Planung, zur Arbeit zu fahren, gescheitert, weil die S-Bahn nicht gekommen ist? Wie oft ist die Planung, einen heißen Kaffee zum Frühstück zu trinken, gescheitert, weil der Kaffee leer war, weil der Strom ausgefallen ist oder weil man vergessen hat, Wasser aufzusetzen? Die Sicherheit im eigenen Leben resultiert zum großen Teil daraus, dass wir uns entscheiden, all die kleinen Dinge, die täglich nicht klappen, die sich unserer Planung entziehen oder der akribischen Planung ein Schnippchen schlagen, zu ignorieren.

Diese Entscheidung hat praktische Gründe, denn sie erleichtert das tägliche Leben, sie wird aber da, wo es um Fragen geht, die über den individuellen Lebensbereich hinausreichen, gefährlich, denn die Anzahl der möglichen intervenierenden Variablen ist einfach zu groß, als dass man noch von erfolgreicher Planung ausgehen könnte. Dennoch haben viele ein Befürfnis, von dieser Sicherheit auszugehen. Mit diesem Bedürfnis spielen Politiker, die planen und regeln wollen, deren psychologische Sicherheit es erfordert, andere zu bevormunden.

So erklären wir uns die Attraktivität linker Ideologien. Rational betrachtet, sind linke Ideologien eine Ansammlung von Unsinnigkeiten und empirischen Unmöglichkeiten. Aber sie gaukeln Menschen, die nach Sicherheit suchen, Sicherheit vor. Sie geben manchen Menschen den festen Sinn im Leben, den sie selbst so vergeblich gesucht haben. Sie stellen in einer vermeintlich säkularen Gesellschaft den Halt bereit, den im Mittelalter die katholische Kirche mit ihren Lehren und Mythen bereitgestellt hat.

Somit lässt sich unsere eingangs gestellte Frage nunmehr beantworten: Kann man so dumm sein? Ja, man kann. Und die entsprechende Dummheit ist das Ergebnis einer Unwilligkeit (und vielleicht auch einer Unfähigkeit), die sich ständig wandelnde Welt als solche, eben sich ständig wandelnde Welt anzunehmen. Sie entspringt dem Bedürfnis nach Stabilität und nach Planbarkeit des eigenen Lebens und der Zukunft. Linke Parteien befriedigen dieses Bedürfnis dadurch, dass sie unhaltbare Behauptungen über die Planbarkeit des eigenen Lebens und der Zukunft aufstellen und im Meer der Sicherheitsbedürftigen fischen.

Unsere Erklärung steht im Gegensatz zu nahezu allen Erklärungen, die die Politikwissenschaft für z.B. die Wahlentscheidung oder Parteibindung anbietet. Sie steht auch im Gegensatz zu Erklärungen, die eine rationale Wahl zur Grundlage von Entscheidungen machen. Am ehesten lässt sie sich mit den Ergebnissen von Tversky und Kahneman vereinbaren, die gezeigt haben, dass Menschen falsche Heuristiken benutzen, um sich durch ihr Leben zu schlagen.

Dass wir unsere Darstellung auf linke Dummheit bezogen haben, heißt nicht, dass es rechts keine Dummheit gibt. Dazu mehr in einem der nächsten Posts. Nur so viel: Linke Dummheit scheint sich von rechter Dummheit darin zu unterscheiden, dass Erstere nach außen gerichtet ist, während Letztere nach innen gerichtet ist. Was das letztlich bedeutet, das zeigen wird demnächst.

©ScienceFiles, 2014

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