Eintrittskarte in die Transfer-Existenz: Der Hauptschulabschluss ist nichts mehr wert!

Das neue WZBrief Bildung behandelt ein für Deutschland und vor allem für die Verfechter des dreigliedrigen Bildungssystems heikles Thema, das zu “Problemen auf dem Arbeitsmarkt” führt: den Hauptschulabschluss. Dieser Hauptschulabschluss ist nämlich nichts mehr wert. Er hält immer seltener die Möglichkeit bereit, eine berufliche Ausbildung zu beginnen und ist immer häufiger die direkte Eintrittskarte in die Arbeitslosigkeit und die nachfolgende Transfer-Existenz.

WZBIm Abgangsjahr 2011, das aus welchen Gründen auch immer, nach wie vor der aktuelle Jahrgang auf der Hompage des Statistischen Bundesamtes ist, haben 168.660 Schüler das Schulsystem mit einem Hauptschulabschluss verlassen, 49.560 Schüler sind komplett ohne Schulabschluss geblieben. Derzeit produziert das deutsche Schulsystem also gut 220.000 potentielle Transfer-Existenzen pro Jahr.

Aber das deutsche Ausbildungssystem ist doch weltberühmt für seine Effizienz, dafür dass die weitgehende Integration von Schulabsolventen in die Berufskarriere gelingt – deutlich an der geringen Rate arbeitsloser Jugendlicher? Das jedoch ist, wie Paula Protsch bereits im ersten Absatz des WZBrief Bildung schreibt,  alles nur schöner Schein und hat mit der Wirklichkeit wenig bis gar nichts zu tun:

Arbeitsagentur1“…der schöne Schein trügt. Ein Drittel der Jugendlichen, unter jenen mit Hauptschulabschluss sogar die Hälfte. findet kene Ausbildungsstelle, sondern beginnt eine berufsvorbereitende Maßnahme im sogenannten Übergangssystem. Einige können zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Ausbildung beginnen, dennoch gelten über 15 Prozent (2,2 Millionen) der jungen Menschen in Deutschland im Alter von 20 bis 34 [!sic] Jahren als ausbildungslos”

Die hohe Zahl von Jugendlichen, auf die eine Karriere als Langzeitarbeitsloser wartet, setzt sich vornehmlich aus Hauptschülern und Jugendlichen ohne Schulabschluss zusammen und veranlasst Protsch zu der Feststellung, dass “das deutsche Ausbildungssystem … an Integrationskraft verloren [hat], … Hauptschüler bleiben auf der Strecke”. Dies zeigt z.B. eine Auswertung auf der Grundlage von Verlaufsdaten für den westdeutschen Ausbildungsmarkt von den 1950er bis zu den 2000er Jahren: “In den attraktiveren Berufssegmenten wie zum Beipiel Büro-, Elektro-, und Gesundheitsberufen sind längerfristig bis dauerhafte Einschnitte für … Hauptschüler zu beobachten”

[Falls sich jemand wundert, wieso plötzlich 34jährige zu jungen Menschen oder gar Jugendlichen werden, das ist einem alten Trick geschuldet, der einem dabei hilft, Prozentwerte herunterzurechnen. Man erweitert einfach die Basis um ein paar Jahrgänge, wohlwissen, dass mit älteren Jahrgängen die Anzahl der Ausbildungsinhaber steigt und abrakadabra, der Anteil der Ausbildungslosen sinkt! Der Anteil der Jugendlichen, sagen wir der 18 bis 21jährigen, die ohne eine Ausbildung sind, ist also entsprechend höher als ausgewiesen.]

Aber warum bleiben die Hauptschüler, bei denen es sich zu 60% um männliche Jugendliche handelt, auf der Strecke?

Protsch sucht die Antwort auf diese Frage bei Unternehmen. Wo sonst, möchte man resigniert feststellen, angesichts einer deutschen Bildungsforschung, die genau eine Institution, die mit Bildung zu tun und für Bildung verantwortlich ist, mit schöner Regelmäßigkeit auslässt und keiner weiteren Betrachtung würdigt? Aber dazu später. Gehen wir zunächst mit Protsch auf Ursachensuche und in Unternehmen.

London - Buckingham Palace guardHier treffen wir den Gatekeeper und somit auf eine theoretische Anbindung, die einem nicht sofort einleuchtet, sind Gatekeeper doch regelmäßig Positionsinhaber, die einen Zugang kontrollieren. Aber, was einen zunächst wundert, macht in der Welt von Protsch Sinn, in der betriebliche Gatekeeper Hauptschüler daran hindern, auf Ausbildungsplätze zu gelangen. Warum nur? Nun, weil, wie qualitative Interviews mit Gatekeepern in Unternehmen, die Protsch durchgeführt hat, wohl gezeigt haben, dass viele Personalchefs der Ansicht sind, die schulische Ausbildung von Hauptschülern sei zu schlecht, als dass die Hauptschüler den beruflichen Anforderungen gewachsen seien. Entsprechend ziehen viele Unternehmen Realschüler oder Gymnasiasten vor. Und wer kann es ihnen verübeln, basiert doch das nämliche Bildungssystem auf der Behauptung, dass ein Realschulabschluss eine höhere Qualifikation darstellt als ein Hauptschulabschluss. Wer die Wahl zwischen einem Realschüler und einem Hauptschüler hat und sich für den Realschüler entscheidet, handelt entsprechend im Sinne des Bildungssystems.

Nur Protsch ist es nicht recht. Sie beklagt, dass in Einstellungstests “Schulwissen abgefragt wird, das sich eher am Realschulniveau orientiert” und entsprechend Hauptschüler benachteiligt. Ganz nebenbei offenbart Protsch, bei welchen Unternehmen sie ihre qualitativen Interviews geführt hat, nicht beim kleinen Handwerker um die Ecke, sondern bei eher größeren Unternehmen, solche, die mit ihren Bewerbern Einstellungstests durchführen. Und bei solchen Tests, so Protsch, “bleiben … kognitive Lernpotenziale, die in der Schulzeit nicht erkannt wurden, auch weiterhin verborgen (…). Kognitive Grundfähigkeiten werden in betrieblichen Auswahlverfahren insgesamt nur selten erkannt”.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Hier steht: In den neun Jahren, die Hauptschüler letztlich einer Bildungsgängelung unterzogen wurden, ist es Schulen nicht gelungen, deren kognitive Fähigkeiten zu erkennen. Und was Hauptschulen in mehreren Jahren nicht gelungen ist, das soll Unternehmen im Prozess der Selektion geeigneter Bewerber auf eine Ausbildungsstelle gelingen – oder empfiehlt Frau Protsch hier Unternehmen einfach das Risiko einzugehen, dass sich ein Hauptschüler als seiner Schulbildung entsprechend und ohne Lernpotential erweist?

Bernstein Class code controlDie Angst, die deutsche Bildungsforscher davor haben, zu fragen, was an deutschen Schulen los ist, warum die Ausbildung an Hauptschulen offensichtlich so sehr am Bedarf von Unternehmen vorbeigeht oder so miserabel ist, dass Unternehmen (auf Grund schlechter Erfahrungen?) lieber keinen Hauptschüler einstellen, diese Angst grenzt langsam ans Groteske. Gibt es an Institutionen wie dem WZB in Berlin Mitarbeiterbriefings, die der Vermittlung der Norm: “Du sollst keine staatlichen Institutionen und vor allem keine Schulen und ihre Träger hinterfragen” gewidmet sind?

Jedem normalen Menschen, der sieht, dass immer mehr Jugendliche von Hauptschulen in so genannten überbetrieblichen Ausbildungen (zu so hervorragenden und zukunftsweisenden Berufen wie Maurer und Trockenbauer) geparkt werden, bis sie dann in die Arbeitslosigkeit entlassen werden, muss doch die Frage einfallen, was an Schulen schiefläuft, wenn Hauptschüler häufig nicht einmal die rudimentärsten Ansprüche and Rechtschreibung und Mathematikkenntnisse erfüllen, mangelnde Ausbildungsreife nennt man das mit dem passenden Euphemismus, und entsprechend keinen Ausbildungsplatz finden.

Ist es mittlerweile soweit, dass man nicht einmal mehr nach der Rolle der Schulen fragen darf, sich nicht dafür interessieren darf, was an Schulen unternommen wird, um sicherzustellen, dass die vermittelten Inhalte Schüler in die Lage versetzen, auf dem Arbeitsmarkt eine Ausbildungsstelle zu finden?

Bernstein pedagogy control identityWenn öffentlich finanzierte Institutionen wie das WZB es nicht als ihre vordringlichste Aufgabe ansehen, solche Fragen zu stellen und zu untersuchen, wenn sie lieber auf ein abstruses Konstrukt wie “Gatekeeping” ausweichen, um Unternehmen dafür verantwortlich zu machen, dass Hauptschüler immer seltener eine Lehrstelle finden, dann ist es 5 vor 12 und man sollte sich überlegen, ob man nicht Wissenschaftler an die Stelle der Angsthasen aus dem WZB setzt, Wissenschaftler, die die Fragen stellen, die wehtun, Wissenschaftler, die Schulleiter, Lehrer und allen voran Kultusminister daran erinnern, dass Schulen eine Dienstleistung für Schüler erbringen, dass Schulen Orte sind, die Schüler zur Teilnahme am wirtschaftlichen Leben befähigen sollen.

Ja, richtig, Schulen sind gar nicht die Orte, an denen man wehrlose Opfer mit jedem noch so großen Blödsinn traktieren kann, der ihnen keinerlei Nutzen in ihrem späteren Leben bringt!

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29 Responses to Eintrittskarte in die Transfer-Existenz: Der Hauptschulabschluss ist nichts mehr wert!

  1. Chaeremon says:

    Bleiben wir ‘mal bei realen Zuständen in der Feststellung “In den neun Jahren, die Hauptschüler letztlich einer Bildungsgängelung unterzogen wurden, ist es Schulen nicht gelungen, deren kognitive Fähigkeiten zu erkennen.”

    Selbst und gerade wenn die kognitive Fähigkeiten zeitgerecht erkannt werden, “kommt dieser Bengel (etc) nicht mit meiner Tochter (etc) zusammen auf’s Gymnasium.” Das (etc) ist Realität.

  2. tom174 says:

    Das Problem der Hauptschule ist, dass sie inzwischen mehr und mehr zum Abschiebebahnhof wurde. Jedes Kind, das irgendwie kann, wird auf das Gymnasium gedrängt. Realschule, wenn es sein muss. Hauptschule nur, wenn es gar nicht anders geht.
    Das (gesamt) Niveau der Hauptschüler sank kontiniuierlich, ebenso wie das der Gymnasiasten. Ich hatte da vor einer Weile eine längere Diskussion mit einem Gymnasiallehrer, der alles auf die Computerspiele schieben wollte. Letztlich gab dann doch auch er zu, dass der Ruf der Haupt- und Realschule so schlecht ist, dass viele auf das Gymnasium gehen, obwohl abzusehen ist, dass sie dort überfordert werden.

    • Wobei das die Frage, warum es Hauptschulen und den dortigen Lehrern nicht mehr möglich sein soll, nachdem sie das jahrelang konnten, Schüler mit einem Mindestmaß an Bildung zu versorgen, das sie für eine Lehrstelle qualifiziert. Man wird über kurz oder lang halt doch die Frage stellen müssen, ob das Personal und das Curriculum an Hauptschulen im Besonderen und an allgemeinen Schulen im Allgemeinen geeignet ist, um Schüler aus ein Berufsleben vorzubereiten.

      Aber ganz so ist es ja nicht, denn manche Hauptschüler aus Bayern sind in PISA regelmäßig besser als Gymnasiasten aus Bremen. Entsprechend wäre es vielleicht an der Zeit, ein Schulranking zu veröffentlichen, um den Leistungsstand jeder deutschen Schule im Vergleich zu allen deutschen Schulen öffentlich zu machen – das wäre geradezu ein Akt der demokratischen Transparenz (schon deshalb wird ihn niemand durchsetzen…).

      • Chaeremon says:

        Aber dann würden ja die Eltern eine Qualitätskontrolle machen können, nicht nur ob sondern auch dass die Lehrer ihr Kind falsch beurteilen (i.e. kognitive Fähigkeiten). Da nun aber nicht erforderlich ist was nicht gewünscht ist, braucht es auch keine demokratische Transparenz.

      • tom174 says:

        das problem ist halt, dass man früher wenigsten ein paar stärkere hatte, die die anderen mitzogen. inzwischen ist in vielen ländern die grundschulempfehlung abgeschafft, was halt dazu führt, dass nur noch die ganz schlechten auf die hauptschule gehen. sehr lesenswert ist da das frl. krise blog.

        • SH001 says:

          bis 34 Jahre…mist somit gehöre ich wohl zum alten Eisen…
          Dank Panzerursula und Quotenwehr fällt auch die Kriegstechnische verwertung der Hauptschüler aus…

          Aber zurück zum Thema, ich sehe die Abschaffung der Grundschulempfehlung in vielen Bundesländern (Bayern hat sie immer noch) ebenfalls als Hauptursache, dabei ist nicht aufs Gymnasium zu gehen auch kein Beinbruch, die Hälfte meiner Klasse an der Realschule ist nach dem Abschluß auf ein Gynasium gewechselt die andere Hälfte hat eine Ausbildung gemacht und davon haben nochmal ca 33% prozent nach der Ausbildung das Abi nachgeholt und erfolgreich Studiert. Dauert nur länger
          Aber heutzutage ist ja so eine Karrier nicht mehr denkbar alles muss schneller (und billiger) gehen G8 + Bachelor und statt z.B. Diplom Wirtschaftswissenschaftler haben wir plötzlich studierte Bürokaufleute.

      • jck5000 says:

        Ich sag mal: Vorgaben und “Beurteilung” der Schule nach Notendurchschnitt. Wenn die Schüler zu doof sind, muss man halt die Anforderungen senken.

      • rolandtluk says:

        Na weil die Direktorebene keine “Verlierer” zulassen darf. Alle müssen zum Abschluss geführt werden, “damit sie auch eine Chance haben”.

        Es gibt eine Klientel an Schüler, die wollen nicht oder können nicht.

        Der (Parteibuch-) Direktor darf sie aber nicht scheitern lassen, weil es politisch nicht gewünscht ist, und somit erhalten die einen Abschluss ohne dafür entsprechende Leistung erbracht zu haben.

        • Chaeremon says:

          Da lob ich mir doch (meine) Software Branche: wenn wir als Dienstleister ein Projekt an die Wand fahren, dann war immer das mangelhafte Budget schuld, niemals die Beteiligten und Verantwortlichen.

        • A.S. says:

          Schuldzuweisungen bringen nichts. Zur Zeit versucht man aus den Schulen (und den Lehrern) Eierlegendewollmilchsäue zu machen, was nicht gelingen kann. Deshalb gehen auch alle Reformen so donnernd in die Hose.
          Ein sehr einfach durchzuführende Verbesserung wäre z.B. dass Schüler sich ihren Lehrer aussuchen könnten. Ein Großteil der Probleme wäre schon weg. Das Problem der Schule ist die völlige Unflexibilität.

      • Markus says:

        Die Veröffentlichung des Länderrankings ist nun aber von der KMK gestoppt worden … warum wohl ? (SIcher nicht, weil das rot-grüne in der Mehrheit sind ???) 😉

  3. A.S. says:

    Das Grundsatzproblem war und ist, dass Schulen ihre Probleme nie gelöst haben, sondern statt dessen die betroffenen Schüler abgeschoben haben.
    Der Erfolg des deutschen Bildungssystems basierte nie auf guter Ausbildung sondern auf Selektion. Schüler mit Problemen wurden schlicht rausgeschmissen, die Übrigen hatten folglich keine Probleme. Das ist sehr effektiv im Hinblick auf die Abschlüsse. Nur ist der Bildungserfolg ein individueller Erfolg des Schülers, nicht der Schule.
    Seit es politisch gewünscht ist mehr Schüler zum Abitur zu bringen hat man nicht die Qualität der Ausbildung erhöht (das konnte man nicht und kann man auch heute nicht), sondern lediglich die Selektionsmechanismen aufgeweicht. Nur so hat man die ca. 50% Studienberechtigten erreicht. Es ist aber eine Mogelpackung, die mangelnde Aussagekraft der Abschlüsse wurde in Kauf genommen. Das betrifft alle Abschlüsse, besonders aber den Hauptschulabschluss.

    • Chaeremon says:

      Die beschriebenen Probleme passen ganz gut zum vorgestellten Schluss, daran habe ich nichts auszusetzen. Völlig daneben ist die Darstellung aber mit Blick auf folgenden Sachverhalt:

      Mehr Wachstum nur durch mehr Bildung” (Sachverständigenrat, 2009, keine Kommentare 😉
      Das wird uns Höllenqualen aussetzen” (Rektorin, 2014, 85 Kommentare 😉

      Dazwischen liegen Millarden und die dabei “auf der Strecke gebliebenen” Schüler. Und die einzige Struktur die das seit Jahrzehnten überlebt ist das Ponzi-Schema: von Lehrer zu Schüler zur nächsten Lehrergeneration. Sonst nix.

      • A.S. says:

        Die Schule war eine gewachsene Struktur mit ihren eigenen ungeschriebenen Regeln die irgendwie funktioniert hat. Bis sich (meist linke) Bildungspolitiker eingemischt haben und ohne Sachverstand aber mit vielen Wünschen an jeder Realität vorbei reformiert haben.
        Was die Schule jetzt ist weiß keiner so richtig, ihre Aufgabe (Bildung? Erziehung? Familienersatz? Selektion? Ernährungsberater? usw…) ist völlig unklar. Sie muss weiter „Elitenschmiede“ spielen und dabei so tun als würde sie weiter aussortieren. Gleichzeitig soll sie nicht mehr aussortieren sondern fördern, ohne dass es dafür geeignete Konzepte gäbe.
        Dieses ganze politische Gerede über die Schule ist nur Blabla. Die haben keine Lösung, keine Idee. Die einzige Möglichkeit wäre viel auszuprobieren und dass beste übrig zu lassen. Dazu müsste man aber den Schulbetrieb und die Methoden freistellen was einer Abschaffung der öffentlichen Schulen gleichkommt.

    • rolandtluk says:

      “Das Grundsatzproblem war und ist, dass Schulen ihre Probleme nie gelöst haben”

      Schulen können nicht die Eltern ersetzen, die das Kind in richtige Bahnen lenkt.

      Die Selektion findet beim Hauptschulabschluss nicht mehr statt. Es gibt Schüler, die wollen oder können nicht. Sie erhalten trotzdem einen Hauptschulabschluss und die Noten sind frei erfunden. Oft einfach über Umwege: Programme für schwierige Kinder, die dann eine Woche Gärtner oder Handwerker spielen. Am Ende steht das Geschenk der “Sozialarbeiter”: Der Hauptschulabschluss.

      Das habe ich oft erlebt.

      Begründet wurde es mit der Einstellung: Damit der junge Mensch auch eine Chance bekommt.

      Jetzt bekommt gar kein Hauptschüler mehr eine Chance.

      Grund: Die Politik will keine Verlierer zulassen.

      Die Politik bedient aus wahlkamptaktischen Gründen eine Illusion, obwohl wir im Kapitalismus leben: “Da kann jeder Millionär werden. Aber nicht alle!” (Pispers)

  4. Lernender says:

    Der Hauptschulabschluss von heute kann nicht mehr der gleiche sein von gestern.
    Ich hatte vor ungefähr dreißig Jahren einen guten Hauptschulabschluss gemacht und alle meine Mitschüler fanden eine Lehre und einen Job.
    Diese nannten sich KFZ Mechaniker, Maschinenschlosser, Stahl&Betonbauer, für Jungs, Einzelhandels/Großhandelskauffrau, Friseuse, etc.. für Mädchen.
    Das waren typische Lehrstellen damals. Im Einstellungsgespräch hat sich der Inhaber den Bewerber angeschaut, ein paar Fragen gestellt ( damals war noch die Mutter im Wartezimmer ) und hat ad hoc nach seinem Eindruck entschieden.
    Nach heutigen Maßstäben extrem konservativ, rückblickend für mich, der mittlerweile auch Gespräche führt, eigentlich symphatisch.
    War nicht alles schlecht früher – im Gegenteil – hüben wie drüben hat man sich mehr auf Gespür und Intuition verlassen, als auf Zeugnisse.

    Scheint alles weg zu sein.

    • Chaeremon says:

      Ich zitiere: “damals war noch die Mutter im Wartezimmer”.

      Ich war 20 Jahre im Ausland und habe jedes Jahr Sommer”schnupper”azubis eingestellt, weil das dort zum gesellschaftlichen Umgang gehört. Die Mütter sind aber immer vor dem Hauseingang der Bürogebäude geblieben (sie haben übrigens das Anschreiben abschreiben lassen, aber das wurde auch erwartet als Massnahme der Fürsorge).

      • Lernender says:

        ..und ? ..ob die jetzt vorm Hauseingang gewartet haben oder im Vorzimmer, ist doch egal.
        Es war doch trotzdem schön zu beobachten, dass die Mutter das Kind begleitet.
        Für denjenigen der einstellt, war es auch ein Signal, die Mutter wird auch dafür sorgen, die ist hinterher, das der Sohn/Tochter was wird.

        Wie ich schon schrob, diese ungeschriebenen und auch unausgesprochenen Gesetze gibt es heute nicht mehr, weil es keine klar definierten Rollen gibt, Rollen und Werte abseits der Schulnoten, auf die man sich verlassen kann.

    • jck5000 says:

      @Lernender: Wie wahr sind denn die Fernseh-pseudo-scripted-reality-“Berichte”, nach denen die Eltern mit ins Vorstellungsgespräch kommen?

    • A.S. says:

      Das gibts ja heute auch noch häufig, nur können große Konzerne mit hunderten von Bewerbern nicht so handeln.
      Zudem haben die Unternehmen die Erfahrung gemacht dass die Abschlüsse keine Aussaekraft mehr haben. Sie müssen also irgendwie anders die Kompetenz erfragen.

  5. jck5000 says:

    Ich würde ja so gerne noch viel, viel mehr intelligenteres dazu schreiben, aber ich fühl mich gerade endlich wieder jung… ging letzten Herbst wieder an die Uni, frage irgendwen (vom Alter her eine Doktorandin) “Du, sach mal, wo issn Raum 1 228), und die sagt “Warten Sie einen Moment, ich bring sie hin”. Dank Frau Protsch fühle ich mich endlich nicht mehr alt.

  6. qed says:

    Als viele Jahre u.a. mit Schulabgängern Involvierter muß ich sagen: Es ist noch viel schlimmer.

    Einer meiner Tippsen mit Realschulabschluß Note 2 mußte ich ein Jahr lang erklären, was denn der Unterschied zwischen ‘wider’ und ‘wieder’ ist.
    Daß ein Hauptschüler lesen und schreiben kann, erwarte ich schon gar nicht mehr und der Abiturient, der an ” 84 minus 7 mal 2″ scheitert, ist keine Ausnahme.

    In Niedersachsen aber weiß man Rat: Wir adeln die Hauptschulen bald zu ‘Oberschulen’ und alles wird gut.

    http://www.sueddeutsche.de/karriere/geplante-schulreform-niedersachsen-setzt-auf-neue-oberschule-1.1016420

  7. Roland Tluk says:

    Das Hauptproblem ist ganz einfach: Die Abschlüsse wurden massenweise an nicht Leistungswillige verschenkt.
    Als Exil-Bremerhaven habe ich es selbst unzählige Male erlebt. Die Problemkinder hat man die Abschlüsse geschenkt und die Noten einfach erfunden.

    “Damit der auch eine Chance hat.”

    Jetzt hat kein Hauptschüler mehr eine Chance.

    Das Gleiche droht nun auch dem Realschulabschluss. Auch der wird nun systematisch verwässert.

  8. EuroTanic says:

    Aus meiner Sicht sind (fast) keine Schulen etwas wert. Weil man dort nicht zum selbstdenkenden, mündigen, selbstständigen Menschen “gebildet” wird, sondern zum gehorsamen Arbeiter und Konsumenten.

    • Markus says:

      Mit dieser Ansicht von EuroTanic sind die Schulen ja kaputt gemacht worden: Die Schüler sollten nicht mehr wissen, wie man schreibt und liest und rechnet, sondern “kritisch hinterfragen” etc. – praktisch: ein paar schicken Meinungen gegen Kapitalisten, Männer, Konservative etc. draufschaffen und mit erfundenen Noten weitergereicht zu werden.

  9. anteater79 says:

    Schön zu sehen, was aus manchen Ex-Kommilitonen so geworden ist, die schon im Studium mit Aussagenlogik auf Kriegsfuß standen. Die wandern anscheinend auf direktem Weg in die Ideologieschmieden…

    Indem die Autorin zu verstehen gibt, dass Schulabschlüsse kaum etwas über die tatsächliche Ausbildungsreife aussagen, unterstellt sie wohl eher ungewollt, dass die Schule nicht in der Lage ist, Schüler angemessen zu beurteilen. Dass man da vor allem in Fächern wie Mathematik oder in Rechtschreibung (also das, worauf es im Bewerbungsverfahren ankommt) kaum Beurteilungsspielraum hat, ist ihr anscheinend auch nicht bewusst.

    Wenn es nach ihr ginge, sollten die Unternehmen also alle Bewerber persönlich kennenlernen, um sich ein “richtiges” Bild von ihren Fähigkeiten machen zu können. Wie stellt sie sich das eigentlich vor bei mehreren Hundert Bewerbern auf eine Stelle? Einstellungstests taugen angeblich auch nichts, weil diese sich am Realschulniveau orientieren. An was sie sich stattdessen orientieren sollten, verrät die Autorin nicht. Aber da die Hauptschüler ohnehin nicht in den Genuss dieser Tests kommen, weil sie schon vorher ausgesiebt werden, ist das vermutlich auch egal. Hauptsache, man hat noch ein weiteres Argument dafür, um die Unternehmen verantwortlich machen zu können.

    Maßnahmen wie die betriebliche Einstiegsqualifizierung erwähnt sie lobend, auch wenn diese freilich nicht ausreichen. Sie glaubt, vor allem der persönliche Kontakt zum Unternehmen würde die Chancen dieser Jugendlichen erhöhen – und nicht etwa die zusätzlichen Lerneinheiten, die im Rahmen einer EQ die gröbsten Löcher stopfen, die in den Jahren zuvor entstanden sind. Und das verkauft man dann als Chance für die beteiligten Unternehmen, verborgene Talente zu entdecken (so zB hier: http://www.talentmetropoleruhr.de/aktivitaeten/aktivitaeten-detail/article/einstiegsqualifizierungbr-chance-plus.html) statt mal wirkliche Ursachenforschung zu betreiben.

  10. xscape95 says:

    Ich hatte Psychische Probleme mit mir, und musste deswegen die Hauptschule abrechen, Jetzt bin ich 19 und habe immer noch keine Arbeit. Ein erneuten Versuch werde ich nicht mehr machen, da ich gehört habe dass schon die asozialsten Schüler bei den Hauptschulen ein Platz bekommen. Daran denkt leider keiner !!!

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