Der widersprechende Mund und das Rückgrat: Zwei Desiderate der Wissenschaft

In der Soziologie wird diskriminiert.

Männer werden diskriminiert, und zwar systematisch.

Und was passiert?

Nichts.

Warum?

Nun, wir haben die letzten Tage eine Reihe von Argumenten gehört, die rechtfertigen sollen, warum sich bislang kein Widerstand unter Soziologen regt und nicht nur unter Soziologen, denn die Diskriminierung von Männern an Hochschulen ist nicht nur ein Problem der Soziologie.

Für die Soziologie ist hieb- und stichfest belegt, dass diskriminiert Professorrinnenprogrammwird. Es wäre aber verwunderlich, wenn die entsprechende Diskriminierung eine Absonderlichkeit der Soziologie wäre, schon deshalb, weil nicht nur die Soziologie mit Polit-Kommissaren, die über Gleichstellung wachen sollen, durchsetzt ist, sondern alle Wissenschaften, und auch deshalb, weil mit dem Professorinnenprogramm ein staatlich finanziertes Mittel geschaffen wurde, um Männer aktiv zu diskriminieren – und zwar fachübergreifend.

Wir sind übrigens der Meinung, dass der Kampf gegen die Diskriminierung von Männern an Universitäten nicht nur eine Angelegenheit von Männern ist. Es ist vielmehr eine Frage von Anstand und Moral, und da wir davon ausgehen, dass Männer und Frauen in gleicher Weise mit Anstand und Moral ausgestattet sind, gehen wir auch davon aus, dass es für anständige und moralische Frauen ebenso wie für anständige und moralische Männer ein Gebot der Stunde ist, dem Gender Mainstreaming oder wie die Versuche der Vorteilsnahme auch immer heißen, die Stirn zu bieten, d.h. Rückgrat zu zeigen und den Mund aufzumachen.

dgs2Dies hat zur Konsequenz, dass aus unserer Sicht Befürworter und Profiteusen des Gender-Spongings ebenso wie Mitläufer, die dabei zusehen, wie mittels Gender-Sponging Meritokratie und Leistung zerstört werden, sich durch einen Mangel bzw. ein vollständiges Fehlen von Anstand und Moral auszeichnen. (Sponging ist der englische Ausdruck für die umgangssprachliche Formulierung von Nutznießen und kommt von Schwamm-Auswringen .)

Und deshalb ist es – wie Immanuel Kant es wohl vormuliert hätte – die Pflicht jedes mit einer Moral ausgestatteten Menschen, wobei die moralische Ausstattung das ist, was den Menschen zum Menschen macht, sich gegen das Gender-Sponging zu stellen und den Mund aufzumachen.

Aber, wie wir gehört haben, geht das nicht, und zwar aus einer Reihe von vermeintlich guten Gründen, die wir in drei Klassen einteilen können:

  • leviathanj

    Der Verwaltungsleviathan und mutige Wissenschaftler

    Es geht nicht, weil es keinen Sinn hat, da man einer schweigenden Mehrheit gegenübersteht.

  • Es geht nicht, weil die Verwaltung, die zu einem wahren Seeungeheuer aufgeblasen wird, das den Leviathan blass aussehen lässt, eine Einheitsfront gegen alle, die den Mund aufmachen würde, wäre da nicht die Einheitsfront der Verwaltung, bildet.
  • Es geht nicht, weil Widerstand von z.B. Professoren zu Lasten der Studenten ginge oder man zum Querulanten wird, wenn man den Mund aufmacht.

Das also ist die Leidensgeschicht des Mundaufmachens und des Rückgratzeigens.

Die schweigende Mehrheit

Wenn die schweigende Mehrheit, die scheinbar interesselos Versuchen, am Status Quo des Gender Mainstreamings etwas zu ändern, gegenübersteht, es verhindert, dass man als z.B. Soziologieprofessor den Mund aufmacht und gegen die Diskriminierung von Männern protestiert, dann fragt man sich, wie konnte es jemals zu einer Veränderung des Status Quo kommen?

Schließlich lautet die Prämisse hinter dem Argument mit der schweigenden Mehrheit, dass es wegen dieser schweigenden Mehrheit unmöglich ist, etwas am Status Quo zu ändern. Da Menschen eine gewisse Trägheit auszeichnet, und man sicher sein kann, dass diese Trägheit nicht erst heute eine Eigenschaft von Menschen ist, stellt sich tatächlich die Frage, wie es überhaupt jemals zu Veränderung, zu Fortschritt kommen konnte, da jedes Aufbehren gegen den Status Quo doch von der schweigenden Mehrheit verhindert wird?

Die Antwort: Jemand muss, trotz der schweigenden Mehrheit den Mund aufgemacht haben, und zwar so lange und so beständig, bis die schweigende Mehrheit zu einer zustimmenden, unterstützenden Mehrheit geworden ist.

Offensichtlich ist das Argument mit der schweigenden Mehrheit falsch.

Die Einheitsfront der Verwaltung

Die Geschichte geht so: Wissenschaftler sind hoch indviduelle Wesen, die aufgrund eigener Individualität nicht unter einen gemeinsamen Hut zu bringen sind, der sie z.B. dazu befähigen würde, sich gegen den gemeinsamen Gegner zu solidarisieren. Im Gegensatz dazu stellt die Verwaltung ein geschlossenes Kollektiv aus Klonen dar, die alle nur eines wollen: Wissenschaftler traktieren. Es sind Klone, für die gilt, was HG Wells am Anfang seines Krieges der Welten schreibt:

Jeff Waynes War of the Worlds“No one would have believed in the last years of the nineteenth century that this world was being watched keenly and closely by intelligences greater than man’s and yet as mortal as his own; that as men busied themselves about their various concerns they were scrutinised and studied, perhaps almost as narrowly as a man with a microscope might scrutinise the transient creatures that swarm and multiply in a drop of water. … Yet across the gulf of space, minds that are to our minds as ours are to those of the beasts that perish, intellects vast and cool and unsympathetic, regarded this earth with envious eyes, and slowly and surely drew their plans against us. And early in the twentieth century came the great disillusionment.”

Die Marsianer von Wells sind die Verwalter, die der Wissenschaft feindlich und wie ein Block gegenüberstehen – bekanntlich werden die Marsianer bei Wells von der Grippe dahingerafft, aber lassen wir das.

Für die Verwaltung gilt wie für alle eingebildeten Entitäten, dass es sie nicht gibt. Die Verwaltung besteht aus Individuen, Sachbearbeiter, die mit Aufgaben betraut sind, und mit denen man entweder reden kann oder denen man soziale Kosten verursachen kann, wenn man nicht mit ihnen reden kann. Allerdings muss man dazu den Mund aufmachen. Will man das nicht, dann bietet es sich an, die vielen einzelnen Sachbearbeiter, die die Verwaltung ausmachen, zu einer Horde von Klonen zu stilisieren, die in etwa so gefährlich sind, wie die Marsianer bei Wells.

Gibt es eigentlich jemanden, der diese Stilisierung von zumeist Halbtagstätigen nicht lächerlich findet?

Querulantentum zu Lasten von Studenten

Querulanten sind in dieser Definition alle, die Kritik am Status Quo üben. Macht ein Professor deutlich, dass er die Diskriminierung von Männern nicht mitträgt und sich deshalb nur an Berufungskommissionen beteiligt, bei denen Bewerber nach Leistung und nicht nach Geschlecht bestimmt werden, dann gilt er nach diesem Scheinargument als Querulant.

Bliebe man in der Logik dieses Arguments, dann wäre es ratsam, die Gedenktage für diejenigen, die versucht haben, Hitler zu ermorden, die Stauffenbergs und die Goerdelers und Leuschners, zu streichen, handelt es sich dabei doch um samt und sonders Querulanten, die versucht haben, den Status Quo des Dritten Reiches zu verändern.

Schließlich das Argument, das einem die Wut ins Gesicht treibt: Wenn sich Professoren wehren, dann geht das zu Lasten der Studenten, z.B. dann, wenn man als Professor nicht den Affen mit sich machen lässt und deshalb die Prüfungsabnahme nach Vorschrift und nicht nach Anzahl der Studenten erfolgt.

cowardStimmt, zuweilen geht das zu Lasten der Studenten, aber auch Studenten sind mit einem Mund und einem Rückgrat ausgestattete Wesen (zumindest theoretisch), die für sich reklamieren, erwachsen und volljährig zu sein. Folglich kann man von Ihnen erwarten, dass sie sich um ihre eigenen Belange kümmern, denn mit dem Erwachsensein-Wollen kommt Verantwortung.

Kurz: Es gibt keinen validen Grund dafür, den Mund nicht aufzumachen. Entsprechend kann man die Weigerung, denselben aufzumachen nur mit Feigheit erklären, ein durchaus legitimes Motiv, verlangt aber, dass der entsprechende Feigling dazu steht, dass er lieber darauf verzichtet, sich als mit Anstand und Moral ausgestatteter Mensch zu erkennen zu geben.

Das Professorinnenprogramm in vergleichender Analyse: Varianten der Täuschung

Im Rahmen des Professorinnenprogramms werden weiterhin munter und fröhlich männliche Bewerber getäuscht. Daran hat sich auch in den Wochen nichts geändert, seit wir das letzte Update zur staatlich subventionierten Diskriminierung von Männern an deutschen Hochschulen veröffentlicht haben.

deceitDas heißt nur: bei allem Widerstand, die Kosten, die mit der Diskriminierung von männlichen Bewerbern an Hochschulen einhergehen, sind offensichtlich noch nicht hoch genug. Mitglieder von Berufungskommissionen, die sich zu Bütteln des Professorinnenprogramms machen, schleichen noch nicht über Gänge, scheuen noch nicht das Tageslicht. Verwaltungsbeamte, die Mittel für das Professorinnenprogramm über Kontenblätter schieben, sind noch nicht mit derzeit nicht verbuchbaren, weil unvorhergesehenen Kosten des entsprechenden Programms konfrontiert und auch die weiblichen Bewerber, die im Rahmen des Professorinnenprogramms berufen werden, scheinen immer noch zu denken, es gehe vornehmlich darum, eine Professur zu ergattern. Die Idee, dass Studenten sie dafür verachten könnten, dass sie sich zu Günstlingen des Professorinnenprogramms gemacht und dem offenen Wettbewerb mit männlichen Konkurrenten gescheut haben, hat sich bei ihnen anscheinend noch nicht gesetzt.

Zeit, ein weiteres Stück Holz auf das Feuer zu legen.

Heute wollen wir komparativ vorgehen und drei Varianten, mit denen Hochschulen in ihren Ausschreibungen versuchen, männlichen Bewerbern vorzumachen, sie hätten Chancen, auf eine ausgeschriebene Stelle berufen zu werden, präsentieren.

Das erste Beispiel kommt von der Hochschule Heilbronn.

Dort ist eine Professur für das Fachgebiet Allgemeine Betriebswirtschaftlehre, insbesondere Finanz- und Rechnungswesen und Controlling ausgeschrieben (W2), und zwar mit dem folgenden Zusatz:

Hochschule Heilbronn“Für diese Professur im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen ist eine Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder geplant. Das Professorinnenprogramm hat zum Ziel, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Hochschulen zu unterstützen, die Repräsentanz von Frauen auf allen Qualifikationsstufen im Wissenschaftssystem nachhaltig zu verbessern und die Anzahl der Wissenschaftlerinnen in den Spitzenfunktionen im Wissenschaftsbereich zu steigern. Die Stellenbesetzung erfolgt unter dem Vorbehalt, dass die Finanzierung der Stelle gesichert ist.”

Die Gleichstellung im Rahmen des Professorinnenprogramms funktioniert über den Ausschluss männlicher Bewerber. Da die Stellenbesetzung im Rahmen des Professorinnenprogramms erfolgt, haben männliche Bewerber keine Chance, auf die ausgeschriebene Stelle berufen zu werden. Das steht natürlich nicht offen in der Ausschreibung. Vielmehr werden männliche Bewerber bewusst darüber getäuscht, dass beabsichtigt ist, sie als Staffage in einem abgekarteten Spiel zu benutzen.

Der Zusatz: “Die Stellenbesetzung erfolgt unter dem Vorbehalt, dass die Finanzierung der Stelle gesichert ist” bedeutet de facto: Die ausgeschriebene Stelle wird nur dann besetzt, wenn sie im Rahmen des Professorinnenprogramms finanziert wird, und finanziert wird sie nur, wenn ein weiblicher Bewerber berufen werden kann. Denn genau dafür wurde das Professorinnenprogramm geschaffen

Eine andere Variante für die selbe Form von Täuschung findet sich bei der Hochschule Landshut, deren Ausschreibungstext man entnehmen kann, dass die Hochschule nicht an irgendwelchen qualifizierten Kandidaten interessiert ist, sondern an Kandidaten, die in der Reihenfolge: weiblicher Elternteil, weiblicher Kandidat, männlicher Elternteil, männlicher Kandidat berufen werden sollen, unabhängig von Qualifikation. Die Tatsache, dass die Berufung auf eine W2-Professur für Projektmanagement und Führung weiblichen Bewerbern am besten mit Kind vorbehalten ist, wird geradezu kunstvoll im folgenden Wortwust verpackt. Da sage noch einer, an der Hochschule Landshut gebe man sich keine Mühe, beim Täuschen männlicher Bewerber:

Hochschule Landshut“Als zertifizierte familiengerechte Hochschule setzt sich die Hochschule Landshut für die Vereinbarkeit von Beruf/Studium und Familie ein. Die Hochschule Landshut strebt eine Erhöhung des Anteils von Frauen in Forschung und Lehre an. Sie wird deshalb im Rahmen des Professorinnenprogramms II des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und fordert qualifizierte Wissenschaftlerinnen nachdrücklich auf, sich zu bewerben. Bewerbungen aus dem Ausland sind erwünscht. Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber werden bei ansonsten im Wesentlichen gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher
Leistung bevorzugt eingestellt.”

Qualifikation, so kann man dieser Ausschreibung entnehmen, spielt nur noch bei behinderten Bewerbern eine Rolle, und in der Tat, man muss behindert sein, wenn man sich die Mühe macht, Qualifikation zu erwerben, wo man doch bei Kinderbeseitz und weiblichem Geschlecht auch ohne Qualifikation in öffentliche Positionen gehievt wird.

Die letzte Variante der Täuschung, die wir bis auf weiteres vorstellen wollen, kommt von der Fachhochschule Bielefeld. Dort lässt man eigentlich an der Tatsache, dass die Ausschreibung dazu gedacht ist, männliche Bewerber vorzuführen und diejenigen, die arglos genug sind, sich zu bewerben, zu diskrminieren, keinen Zweiel. Die entsprechende Absicht erschließt sich dem des Professorinnenprogramms Kundigen unmittelbar. Alle anderen, die nicht wissen, dass eine Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm eine Berufung weiblicher Bewerber voraussetzt, haben entsprechend Pech, Kosten und vielleicht, wenn Sie nach erfolgloser Bewerbung auf diesen ScienceFiles-Beitrag stoßen, etwas gelernt:

Fachhochschule Bielefeld“An der Fachhochschule Bielefeld ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt im Rahmen des Professorinnenprogramms II eine Professur zu besetzen. Ziel des Professorinnenprogramms II ist es, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Hochschulen zu unterstützen, die Repräsentanz von Frauen auf allen Qualifikationsstufen im Wissenschaftssystem nachhaltig zu verbessern und die Anzahl der Wissenschaftlerinnen in den Spitzenfunktionen im Wissenschaftsbereich zu steigern.”

Besetzt werden soll wiederum eine W2-Professur, dieses Mal für Wirtschaftsmathematik.

Bleibt zu hoffen, dass die Aufklärung, die wir auf ScienceFiles leisten (oder noch besser: eigene Erkenntnis), möglichst viele männliche Bewerber dazu veranlasst, sich auf eine der drei Positionen zu bewerben und, nachdem ein weiblicher Bewerber berufen wurde, den Ausschreibungstext und die darin enthaltenen Täuschungen zum Anlass zu nehmen, um sich bei der Antidiskriminierungsstelle zu beschweren und vor einem Verwaltungsgericht zu klagen.

Denn: der einzige Weg, staatlich subventionierte Diskriminierungsprogramme zu stoppen, besteht darin, Kosten zu verursachen, Kosten, für die bei der zuständigen Verwaltung kein Kostenkonto eingerichtet ist. Verwaltungen, sind sie erst einmal am Laufen, kennen keine moralischen Grenzen. Hochschulen, die sich am amoralischen Spiel des Professorinnenprogramms beteiligen, zeigen damit ebenso deutlich wie die Mitglieder der entsprechenden Berufungskommissionen, dass sie dieselbe a-Moralität teilen. Folglich hilft es nichts an eine nicht vorhandene Moral zu appellieren. Der einzige Weg, Diskriminerungs-Programme zu beseitigen, ist sie zu verteuern und dafür zu sorgen, dass innerhalb von Verwaltungen Streitigkeiten um die entsprechenden Ressourcen entstehen.

Zum Abschluss noch ein Schmankerl aus der Ausschreibung der Hochschule Landshut:

“Wenn Sie sich für die Professur berufen fühlen, freuen wir uns auf Ihre Onlinebewerbung…”

Wieso man sich bewerben soll, um berufen zu werden, wenn man sich bereits berufen fühlt, ist eine weitere dieser Denk- und Sprechkapriolen, mit denen man heutzutage leben muss, wenn man sich mit deutschen Hochschulen beschäftigt.

Na dann lasst uns munter diskriminieren: Neue Studie mit überraschenden Ergebnissen

In der Märzausgabe der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie ist ein “Was?”-Artikel, ein Beitrag, bei dem man nach wenigen Zeilen und dann regelmäßig, “Was?” fragt. Ein Beitrag, der uns zudem dazu motiviert hat, Brownie Points als Bewertungssystem für wissenschaftliche Beiträge einzuführen. Insgesamt gibt es fünf Brownie Points pro Beitrag zu erreichen. Der Beitrag, den wir hier besprechen, hat es auf 4 Brownie Points in unserer Bewertung gebracht (Inter-Koder-Reliabilität bei .99).

Kölner Zeitschrift für Soziologie und SozialpsychologieDer Beitrag trägt den Titel “Grenzen der Meritokratie oder warum Quotenregelungen sinnvoll sind” und wurde von Volker Müller-Benedict verfasst. Das Ziel des Beitrags ist es zu zeigen, “dass nicht-ökonomische Institutionen sich bei der Auswahl ihres Personal Diskriminierung leisten können, ohne den Erfolg ihrer Arbeit zu beeinträchtigen” (116).

Was?

Der Reihe nach.

Der Beitrag beginnt mit einer Definition von Meritokratie als Prinzip, das Bewerber nach Fähigkeiten und nicht mehr nach Stand auf Positionen zuordnet (Was? Meritokratie basiert auf Leistung, nicht auf Fähigkeit…). Diese Auswahl der Besten, so Müller-Benedict, sei jedoch nur notwendig, wenn “Kosten und Nutzen der Ausgewählten für den Erfolg der Institution wichtig sind” (116). Ein Beispiel für eine Auswahl, die nach seiner Ansicht nicht nach dem meritokratischen Prinzip funktioniert, ist die Immatrikulation an einer Universität, denn: “[s]olange die Zahl und Qualität der abgehenden Studierenden einer Universität nichts mit ihrer Ausstattung oder Reputation oder anderen Zielen zu tun hat, erübrigt sich eine Eingangsselektion” (116).

Was?

Wozu gibt es dann einen Numerus Clausus, wozu gibt es die Zentrale Studienvergabe? Alles unnötige Kosten? Und wozu ist es notwendig, ein Abitur als Hochschulreife zu erwerben? Alles Unfug. Und davon, dass Universitäten Reputation über die geleistete Forschung, die Forschungsleistung ihres wissenschaftlichen Personals generieren, hat Müller-Benedict offensichtlich auch noch nie etwas gehört.

sycophantAber weiter im Text, in dem wir nunmehr erfahren, dass Meritokratie nur bei Konkurrenz funktioniert und nur dann, wenn eine Steuerung über den Preis einer Leistung erfolgen kann. Dennoch gebe es Lohnunterschiede und unterschiedliche Auswahlkriterien für Männer und Frauen, die “sehr dauerhaft” seien, weiß Müller-Benedict und provoziert damit ein: “Was?”, schon weil er jeden Beleg für sein Wissen schuldig bleibt, ganz entgegen aller wissenschaftlichen Standards. Aber, er braucht diese unbelegte Behauptung ja auch nur, um seinen Beitrag an etwas anzuhängen, was zumindest ihm relevant vorkommt und was garantiert, dass er bei der Zielgruppe seines Beitrags auch einen Wohlgefallens-Bonus erhält.

Und das, will Müller-Benedict in seinem Beitrag zeigen: dass das meritokratische Prinzip ungeeignet ist, um “Diskriminierung auf lange Sicht verschwinden zu lassen (117)”.

Was? (musste jetzt sein)

Dazu lernen wir zunächst, dass “inbsesondere Bildungsinstitutionen” seit der “neoliberalen Öffnung von Bildungsmärkten unter einer Art Konkurrenz stehen” (120; eine Voraussetzung für das meritokratische Prinzip), aber das nutzt nichts, denn “funktional gesehen (Was?) simuliert das Bildungssystem für Ausbildung die Abläufe im Wirtschaftsystem nur” (121). Also: Das meritokratische Prinzip kann nach Ansicht von Müller-Benedict an Universitäten nicht funktionieren, weil es zu wenig neoliberale Öffnung gibt.

Deshalb werden Universitäten und andere Bildungsinstitutionen dann, wenn sie diskriminieren, d.h. für Müller-Benedict, dass sie weniger geeignete Bewerber einstellen, weil ihnen die weniger geeigneten aus welchen Gründen auch immer besser gefallen, nicht bestraft. Und das will er belegen, und zwar mit einem mathematischen Modell, das auf normalverteilten Abiturnoten basiert und somit auf der Annahme, dass alle Bewerber auf eine Stelle ein kleines normalverteiltes Abbild der Gesamtheit darstellen.

Hier nun führt Müller-Benedict seine Form der Diskriminierung ein. Sie besteht aus folgender Erkenntnis: “Frauen müssen besser sein als Männer” um eingestellt zu werden, die auf Seite 123 ganz ohne Beleg, quasi als phantasierte Diskriminierung daherkommt (also ein “Was?” provoziert). Aber, wir wollen nicht unfair sein, denn auf Seite 120 schreibt Müller-Benedict: “dass von Frauen wegen der Möglichkeit schwanger zu werden oder wegen unterstellter häufigerer familiärer Verpflichtungen implizit verlangt wird, dieselbe Leistung [wie Männer] in kürzerer Zeit zu erbringen” (abermals ein: “Was?). Woher stammt nun diese erstaunliche Erkenntnis? Sie stammt aus einer Publikation des Bundesministeriums für alle außer Männern. Müller-Benedict hat sich seine vier Brownie-Points redlich verdient (vielleicht darf er demnächst ja ein Gutachten für das Ministerium für alle außer Männern verfassen).

Um seine wilde These zu prüfen, führt Müller-Benedict die folgende Formel ein, die ausgereicht haben dürfte, um die Reviewer bei der KfZSS ins Bockshorn zu jagen. Wir haben die Formel gleich in den Kontext gestellt (die Abbildung darüber, um ein “Was?” zu sparen.)

Mueller-Benedict

Die Abbildung stellt die Verteilung der Abiturnoten dar, je besser die Abiturnoten, desto weiter oben die Bewerber. A steht für akzeptiert und R für zurückgewiesen (rejected), S beschreibt Bewerber, die erfolgreich sind in der Position, für die sie ausgewählt werden, F solche, die ein Reinfall für das Unternehmen sind. GB und GW sind Anteile von Schwarzen (black) und Weißen (white). Sie dienen Müller-Benedict als Maß der Diskriminierung. Sind GB und GW bezogen auf die jeweiligen Bewerber gleich, dann liegt keine Diskriminerung vor, ist es anders, dann liegt Diskriminierung entweder von Schwarzen oder Weißen vor.

Was? Richtig: Im Modell von Müller-Benedict sind keine individuellen Unterschiede vorgesehen. Müller-Benedict vergleich  Gruppen und nicht Indiduen, was zur Konsequenz hat, dass Meritokratie verschwindet, denn Meritokratie kann es nur mit Bezug auf ein Individuum, nicht in Bezug auf eine Gruppe geben.Wenn sich fünf dumme Ws und fünf schlaue Bs auf zwei Stellen bewerben und zwei schlaue Bs werden akzeptiert, dann ist dies für Müller-Benedict eine Diskrminierung der Ws als Gruppe. Wir erinnern uns an seine Normalverteilungsannahme: Sie dient dazu, individuelle Unterschiede zu beseitigen und kollektives Denken zu rechtfertigen.

Müller-Benedict vaiiert nun munter die Anteile von B und W und untersucht, wie sich die Manipulation bei angenommener Normalverteilung auf die Erfolgsquote auswirkt, und siehe da, oh Wunder, sie wirkt sich kaum bis gar nicht aus. Und deshalb folgert Müller-Benedict, dass ein Verstoß gegen das meritokratische Prinzip an nicht-ökonomischen Institutionen nicht geahndet wird, dass Diskriminierung also die Leistung der Institution als Ganze nicht beeinträchtigt. Und deshalb sei die Beseitigung von Diskriminierung eine normative Frage und Quoten seien das richtige Mittel dazu!

Was?

reductioZunächst die reductio ad absurdum: Müller-Benedict will gezeigt haben, dass sich Diskriminierung nicht auf die Erfolgsquote von Institutionen auswirkt. Wenn man also die Folgen einer Diskrminierung nicht messen kann, woher weiß man dann, dass überhaupt eine Diskriminierung vorliegt? Hätte Müller-Benedict mit seiner Analyse Recht, das Problem, das er gelöst haben will, hätte es nie gegeben.

Dann das “neoliberale” Argument. Wenn die Öffnung von Bildungsinstitutionen, der Wettbewerb zwischen ihnen aufgrund geringer Transparenz und z.B. deswegen, weil Studenten keine Studiengebühren zahlen, die Universitäten zwingen würden, um Studenten zu konkurrieren, nicht ausreicht, um die Durchsetzung des meritokratischen Prinzips zu garantieren, wie Müller-Benedict behauptet, dann folgt aus seiner Argumentation, dass die Ausrichtung von Universitäten an ökonomischen Indikatoren nicht weitreichend genug ist.

Es ist es für einen Sozialforscher vernichtend, wenn er das Phänomen, das er zu erforschen gedenkt, entweder aus seiner Phantasie nimmt oder aus der Phantasie anderer, in jedem Fall keine Anstalten macht, zu prüfen, ob z.B. die geringere Anzahl von weiblichen Professoren etwas mit Diskriminerung zu tun hat. Wenn Müller-Benedict demnächst in einem mathematischen Modell zeigt, dass die tatsächliche Diskriminierung von Männern, die er an die Stelle der phantasierten Diskriminerung von Frauen setzen will, von Gott gewollt ist, dann würde uns das nicht wundern.

Dass eine Ungleichverteilung kein Indiz für eine Diskriminierung ist, sollte einem Soziologen bekannt sein, wenn es ihm nicht bekannt ist, dann sollte er sich zu seinen Studenten im ersten Semester setzen und nachholen, was er offenkundig nicht weiß.

Fazit: Müller-Benedict phantasiert sich ein Modell zusammen, um ein Problem zu lösen, das es nicht gibt und folgert daraus, politisch für bestimmte Ideologen nützlich, dass Quoten gut sind, wenn man phantasierte Diskriminierung benutzen will, um selbst zu diskriminieren. Aber dass Müller-Benedict Legitimation liefert, die dazu genutzt werden kann, nunmehr Männer bewusst zu diskriminieren, um eine nicht belegte Diskriminierung, die es nach allen vorliegenden Ergebnissen, wie sie z.B. Catherine Hakim produziert hat, nicht gibt, zu beseitigen, macht nichts, denn die Bildungsinstitution leidet ihn ihrer Erfolgsquote nicht, wie Müller-Benedict gezeigt haben will.

Also lasst uns munter Männer diskriminieren, die Universitäten in Deutschland können kaum mehr schlechter werden. Was? Ja: Man denkt an Müller-Benedict und glaubt es.

Müller-Benedict, Volker (2014). Grenzen der Meritokratie oder warum Quotenregulierungen sinnvoll sind. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 66(1): 115-131.

Eintrittskarte in die Transfer-Existenz: Der Hauptschulabschluss ist nichts mehr wert!

Das neue WZBrief Bildung behandelt ein für Deutschland und vor allem für die Verfechter des dreigliedrigen Bildungssystems heikles Thema, das zu “Problemen auf dem Arbeitsmarkt” führt: den Hauptschulabschluss. Dieser Hauptschulabschluss ist nämlich nichts mehr wert. Er hält immer seltener die Möglichkeit bereit, eine berufliche Ausbildung zu beginnen und ist immer häufiger die direkte Eintrittskarte in die Arbeitslosigkeit und die nachfolgende Transfer-Existenz.

WZBIm Abgangsjahr 2011, das aus welchen Gründen auch immer, nach wie vor der aktuelle Jahrgang auf der Hompage des Statistischen Bundesamtes ist, haben 168.660 Schüler das Schulsystem mit einem Hauptschulabschluss verlassen, 49.560 Schüler sind komplett ohne Schulabschluss geblieben. Derzeit produziert das deutsche Schulsystem also gut 220.000 potentielle Transfer-Existenzen pro Jahr.

Aber das deutsche Ausbildungssystem ist doch weltberühmt für seine Effizienz, dafür dass die weitgehende Integration von Schulabsolventen in die Berufskarriere gelingt – deutlich an der geringen Rate arbeitsloser Jugendlicher? Das jedoch ist, wie Paula Protsch bereits im ersten Absatz des WZBrief Bildung schreibt,  alles nur schöner Schein und hat mit der Wirklichkeit wenig bis gar nichts zu tun:

Arbeitsagentur1“…der schöne Schein trügt. Ein Drittel der Jugendlichen, unter jenen mit Hauptschulabschluss sogar die Hälfte. findet kene Ausbildungsstelle, sondern beginnt eine berufsvorbereitende Maßnahme im sogenannten Übergangssystem. Einige können zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Ausbildung beginnen, dennoch gelten über 15 Prozent (2,2 Millionen) der jungen Menschen in Deutschland im Alter von 20 bis 34 [!sic] Jahren als ausbildungslos”

Die hohe Zahl von Jugendlichen, auf die eine Karriere als Langzeitarbeitsloser wartet, setzt sich vornehmlich aus Hauptschülern und Jugendlichen ohne Schulabschluss zusammen und veranlasst Protsch zu der Feststellung, dass “das deutsche Ausbildungssystem … an Integrationskraft verloren [hat], … Hauptschüler bleiben auf der Strecke”. Dies zeigt z.B. eine Auswertung auf der Grundlage von Verlaufsdaten für den westdeutschen Ausbildungsmarkt von den 1950er bis zu den 2000er Jahren: “In den attraktiveren Berufssegmenten wie zum Beipiel Büro-, Elektro-, und Gesundheitsberufen sind längerfristig bis dauerhafte Einschnitte für … Hauptschüler zu beobachten”

[Falls sich jemand wundert, wieso plötzlich 34jährige zu jungen Menschen oder gar Jugendlichen werden, das ist einem alten Trick geschuldet, der einem dabei hilft, Prozentwerte herunterzurechnen. Man erweitert einfach die Basis um ein paar Jahrgänge, wohlwissen, dass mit älteren Jahrgängen die Anzahl der Ausbildungsinhaber steigt und abrakadabra, der Anteil der Ausbildungslosen sinkt! Der Anteil der Jugendlichen, sagen wir der 18 bis 21jährigen, die ohne eine Ausbildung sind, ist also entsprechend höher als ausgewiesen.]

Aber warum bleiben die Hauptschüler, bei denen es sich zu 60% um männliche Jugendliche handelt, auf der Strecke?

Protsch sucht die Antwort auf diese Frage bei Unternehmen. Wo sonst, möchte man resigniert feststellen, angesichts einer deutschen Bildungsforschung, die genau eine Institution, die mit Bildung zu tun und für Bildung verantwortlich ist, mit schöner Regelmäßigkeit auslässt und keiner weiteren Betrachtung würdigt? Aber dazu später. Gehen wir zunächst mit Protsch auf Ursachensuche und in Unternehmen.

London - Buckingham Palace guardHier treffen wir den Gatekeeper und somit auf eine theoretische Anbindung, die einem nicht sofort einleuchtet, sind Gatekeeper doch regelmäßig Positionsinhaber, die einen Zugang kontrollieren. Aber, was einen zunächst wundert, macht in der Welt von Protsch Sinn, in der betriebliche Gatekeeper Hauptschüler daran hindern, auf Ausbildungsplätze zu gelangen. Warum nur? Nun, weil, wie qualitative Interviews mit Gatekeepern in Unternehmen, die Protsch durchgeführt hat, wohl gezeigt haben, dass viele Personalchefs der Ansicht sind, die schulische Ausbildung von Hauptschülern sei zu schlecht, als dass die Hauptschüler den beruflichen Anforderungen gewachsen seien. Entsprechend ziehen viele Unternehmen Realschüler oder Gymnasiasten vor. Und wer kann es ihnen verübeln, basiert doch das nämliche Bildungssystem auf der Behauptung, dass ein Realschulabschluss eine höhere Qualifikation darstellt als ein Hauptschulabschluss. Wer die Wahl zwischen einem Realschüler und einem Hauptschüler hat und sich für den Realschüler entscheidet, handelt entsprechend im Sinne des Bildungssystems.

Nur Protsch ist es nicht recht. Sie beklagt, dass in Einstellungstests “Schulwissen abgefragt wird, das sich eher am Realschulniveau orientiert” und entsprechend Hauptschüler benachteiligt. Ganz nebenbei offenbart Protsch, bei welchen Unternehmen sie ihre qualitativen Interviews geführt hat, nicht beim kleinen Handwerker um die Ecke, sondern bei eher größeren Unternehmen, solche, die mit ihren Bewerbern Einstellungstests durchführen. Und bei solchen Tests, so Protsch, “bleiben … kognitive Lernpotenziale, die in der Schulzeit nicht erkannt wurden, auch weiterhin verborgen (…). Kognitive Grundfähigkeiten werden in betrieblichen Auswahlverfahren insgesamt nur selten erkannt”.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Hier steht: In den neun Jahren, die Hauptschüler letztlich einer Bildungsgängelung unterzogen wurden, ist es Schulen nicht gelungen, deren kognitive Fähigkeiten zu erkennen. Und was Hauptschulen in mehreren Jahren nicht gelungen ist, das soll Unternehmen im Prozess der Selektion geeigneter Bewerber auf eine Ausbildungsstelle gelingen – oder empfiehlt Frau Protsch hier Unternehmen einfach das Risiko einzugehen, dass sich ein Hauptschüler als seiner Schulbildung entsprechend und ohne Lernpotential erweist?

Bernstein Class code controlDie Angst, die deutsche Bildungsforscher davor haben, zu fragen, was an deutschen Schulen los ist, warum die Ausbildung an Hauptschulen offensichtlich so sehr am Bedarf von Unternehmen vorbeigeht oder so miserabel ist, dass Unternehmen (auf Grund schlechter Erfahrungen?) lieber keinen Hauptschüler einstellen, diese Angst grenzt langsam ans Groteske. Gibt es an Institutionen wie dem WZB in Berlin Mitarbeiterbriefings, die der Vermittlung der Norm: “Du sollst keine staatlichen Institutionen und vor allem keine Schulen und ihre Träger hinterfragen” gewidmet sind?

Jedem normalen Menschen, der sieht, dass immer mehr Jugendliche von Hauptschulen in so genannten überbetrieblichen Ausbildungen (zu so hervorragenden und zukunftsweisenden Berufen wie Maurer und Trockenbauer) geparkt werden, bis sie dann in die Arbeitslosigkeit entlassen werden, muss doch die Frage einfallen, was an Schulen schiefläuft, wenn Hauptschüler häufig nicht einmal die rudimentärsten Ansprüche and Rechtschreibung und Mathematikkenntnisse erfüllen, mangelnde Ausbildungsreife nennt man das mit dem passenden Euphemismus, und entsprechend keinen Ausbildungsplatz finden.

Ist es mittlerweile soweit, dass man nicht einmal mehr nach der Rolle der Schulen fragen darf, sich nicht dafür interessieren darf, was an Schulen unternommen wird, um sicherzustellen, dass die vermittelten Inhalte Schüler in die Lage versetzen, auf dem Arbeitsmarkt eine Ausbildungsstelle zu finden?

Bernstein pedagogy control identityWenn öffentlich finanzierte Institutionen wie das WZB es nicht als ihre vordringlichste Aufgabe ansehen, solche Fragen zu stellen und zu untersuchen, wenn sie lieber auf ein abstruses Konstrukt wie “Gatekeeping” ausweichen, um Unternehmen dafür verantwortlich zu machen, dass Hauptschüler immer seltener eine Lehrstelle finden, dann ist es 5 vor 12 und man sollte sich überlegen, ob man nicht Wissenschaftler an die Stelle der Angsthasen aus dem WZB setzt, Wissenschaftler, die die Fragen stellen, die wehtun, Wissenschaftler, die Schulleiter, Lehrer und allen voran Kultusminister daran erinnern, dass Schulen eine Dienstleistung für Schüler erbringen, dass Schulen Orte sind, die Schüler zur Teilnahme am wirtschaftlichen Leben befähigen sollen.

Ja, richtig, Schulen sind gar nicht die Orte, an denen man wehrlose Opfer mit jedem noch so großen Blödsinn traktieren kann, der ihnen keinerlei Nutzen in ihrem späteren Leben bringt!

Update: Staatlich subventionierte Männerdiskriminierung an Hochschulen

Professorrinnenprogramm

von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein

Die von uns vor einigen Wochen eingeführte Blacklist “Männerdiskriminierung an deutschen Hochschulen” haben zwischenzeitlich mehr als 5.000 Leser eingesehen. Informationen darüber, an welchen Hochschulen in Deutschland nicht mehr Leistung und Fähigkeiten, sondern Geschlecht erster Auswahlgrund für die Berufung auf Professuren oder die Vergabe von Mitarbeiterposten sind, haben also bereits eine relevante Anzahl von Personen erreicht.

Selbst die Antidiskriminierungsstelle ist in diesem Zusammenhang auf unsere Aufforderung hin tätig geworden und hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie die Universität Bielefeld aufgefordert, sich zu der Diskriminierung von männlichen Bewerbern auf Lehrstühle, die unter der Floskel “eine Förderung durch das Professorinnenprogramm wird angestrebt” stattfindet, zu stellen. Beide, sowohl das BMBF als auch die Universität Bielefeld, haben der Antidiskriminierungsstelle mitgeteilt, dass sie in der Diskriminierung von Männern kein Problem sehen. Wörtlich heißt es in einer Email der Antidiskriminierungsstelle:

ADS“Beide sehen im Professorinnenprogramm keine Benachteiligung männlicher Bewerber, da das Förderprogramm erst dann zur Anwendung kommt, wenn eine Bewerberin nach bzw. in Folge einer diskriminierungsfreien Bestenauslese erfolgreich ist.”

Anders formuliert, Ausschreibungen unter dem Damoklesschwert des Professorinnenprogramms sollen auch männliche Bewerber zulassen, um der Ausschreibung, die dazu dient, Professorinnen zu berufen, eine Legitimation und einen legalen Anstrich zu verpassen. Die Berufung männlicher Bewerber ist indes zu keinem Zeitpunkt geplant, da dann keine Förderung durch das Professorinnenprogramm stattfinden würde, oder: männliche Bewerber dienen einzig als Feigenblatt.

Eine besonders perfide Form von Ausschreibung ist uns gerade aus Münster auf den Tisch gekommen. Dort ist eine W2-Professur für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt “Moderne” ausgeschrieben, und zwar als vorgezogene Nachfolge für Prof. Dr. Werner Jacobsen. Bereits die Bemerkung, dass es sich um eine vorgezogene Nachfolge handelt, also eine Verdoppelung einer existierenden Stelle auf Kosten der Steuerzahler, macht deutlich, dass männliche Bewerber keine Chance haben werden, auf die entsprechende Stelle berufen zu werden, denn, wie heißt es so schön in einer Broschüre des BMBF, die mit Chancengerechtigkeit in Bildung und Forschung überschrieben ist, aber Ergebnisgleichheit durch Diskriminierung meint:

“Eine Vorgriffsprofessur ist eine Professur, die zusätz­lich zu einem derzeit noch besetzten, jedoch in ab­sehbarer Zeit frei werdenden Lehrstuhl geschaffen wurde [Hervorhebung durch uns].” (10)

Muenster-KunsgeschichteEine solche Überfluss-Professur ist nur im Rahmen des Professorinnenprogramm vorgesehen. Nur in diesem Programm gibt es den Luxus zweier Professuren für einen identischen Gegenstand. Nur hier werden Steuerzahler zur Kasse gebeten, um eine Stelle zu finanzieren, für die es überhaupt keinen Bedarf gibt. Entsprechend ist es überraschend, dass sich der Bund der Steuerzahler oder der Bundesrechnungshof bislang mit keiner Silbe zum Professorinnenprogramm geäußert haben, mit dem immerhin 300 Millionen Euro verschleudert werden.

Doch zurück zur Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, an der männliche Bewerber vorsätzlich über ihre Chancen, auf einen Lehrstuhl berufen zu werden, getäuscht werden. Ein weiterer Hinweis, dass männliche Bewerber nur als Staffage in einem abgekarteten Spiel dienen sollen, findet sich, ebenfalls versteckt, im ersten Absatz der Ausschreibung, in dem es heißt:

“Im Institut für Kunstgeschichte des Fachbereichs 8 – Geschichte/Philosophie – der Westfälischen Wilhelms-Universität ist im Rahmen des Professorinnenprogramms des Bundes und der Länder zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen (Professorinnenprogramm II) frühestens zum 01.10.2014 eine W2-Professur für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Moderne (vorgezogene Nachfolge Prof. Dr. Werner Jacobsen) zu besetzen.

Der Verweis auf das Professorinnenprogramm II und der Hinweis auf die vorzeitige Besetzung, also die Doppelbesetzung einer vorhandenen Stelle machen deutlich, dass hier mit gezinkten Karten gespielt wird: Männliche Bewerber haben keine Chance auf die Stelle, und entsprechend sollten sich viele männliche Bewerber auf diese Stelle bewerben, denn nur wenn ein abgelehnter männlicher Bewerber gegen seine Ablehnung klagt, ist es, wie die Antidiskriminierungsstelle uns mitgeteilt hat, möglich, die Frage, ob das Professorinnenprogramm klassische und offene Diskriminierung darstellt, juristisch und von einem ordentlichen Gericht prüfen zu lassen.

Da die “Förderung” weiblicher Bewerber und Diskriminierung männlicher Bewerber auf der Prämisse basiert, dass weibliche Bewerber in der Vergangenheit aktiv diskriminiert wurden und nur so die ungleiche Verteilung der Geschlechter auf Professuren zu erklären sei, bestünde ein anderer gangbarer Weg darin, eine Verfassungsklage anzustrengen, denn ein Beleg dafür, dass Frauen, die sich bevor es den Staatsfeminismus gab, auf Professuren beworben haben, diskriminiert wurden, fehlt bislang vollständig. Das Professorinnenprogramm rechtfertigt entsprechend die Diskriminierung von Männern mit einer unbelegten Behauptung, eine Vorgehensweise, die historisch bewanderten Personen sicherlich schlechte Erinnerungen verursacht.

Weitere Ausschreibungen, die gegen die wissenschaftliche Lauterkeit, Anstand und guten Geschmack verstoßen und bei denen männliche Bewerber nur als Staffage vorkommen, kommen von der:

  • Kiel-ZahnheilkundeChristian-Albrechts Universität in Kiel: Hier soll an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Medizinischen Fakultät … zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine W2-Professur für “Prävention und Versorgung in der Zahnheilkunde” besetzt werden. Und: “Vorbehaltlich der Mittelverfügbarkeit soll diese Professur im Rahmen des Professorinnenprogramms II von Bund und Ländern als Vorgriffsprofessur gefördert werden.”
  • Gleiches gilt für eine an der selben Universität am Institut für Informatik der Technischen Fakultät zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu besetzende W3-Professur für Informationssysteme, die ebenfalls vorbehaltlich einer Mittelverfügbarkeit als Vorgriffsprofessur im Rahmen des Professorinnenprogramms II ausgeschrieben ist, bei der im Klartext also nur ein weiblicher Bewerber berufen werden wird.
  • Koblenz-MathematikEbenfalls in perfider und verräterischer nicht-Innen-Schreibweise schreibt die Hochschule Koblenz im “Rahmen des Professorinnenprogramms II 2013 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), bei welchem die Hochschule Koblenz eine Förderung zur Unterstützung ihrer Gleichstellungsbemühungen erhalten hat, … die .. folgende Professur im Fachbereich Ingenieurwesen am Standort Koblenz zum nächstmöglichen Zeitpunkt unbefristet aus: Professur Mathematik und Physik für Ingenieure (Bes.-Gruppe W 2) … Gesucht wird eine Persönlichkeit [!sic], die Grundlagen der Mathematik und Physik in der Ausbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren am Fachbereich Ingenieurwissenschaften vertritt sowie Lehrveranstaltungen in allen unseren Studiengängen anbietet. Die Fachgebiete sollen in Lehre, Weiterbildung und anwendungsbezogener Forschung vertreten werden”. Da die Stelle im Rahmen des Professorinnenprogramms II ausgeschrieben ist, ist sie männlichen Bewerber nicht zugänglich, sie sind von einer Berufung ausgeschlossen.

Die Liste der Hochschulen die sich am Ausverkauf der Wissenschaft beteiligen und nichts dabei finden, nach Geschlecht zu diskriminieren, ist noch um einige Hochschulen länger, aber, da dieses Post bereits kurz von 1000 Worten angekommen ist, behalten wir uns ein weiteres Update der Liste der männerdiskriminierenden Hochschulen vor.

Hier sei nur abnschließend festgestellt, dass sich seit wir uns über die offene Diskriminierung durch die Universität Bielefeld bei der Antidiskrminierungsstelle beschwert haben, eine Veränderung eingetreten ist. Die Tatsache, dass männliche Bewerber nicht berufen werden, da eine Förderung durch das Professorinnenprogramm die Grundlage der Stellenausschreibung ist, wird nicht mehr (so) offen, sondern versteckt transportiert. Wir sind aus dem offenen in das perfide Stadium der Diskriminierung männlicher Bewerber übergewechselt, steuerzahlerfinanzierte Diskriminierung selbstverständlich.

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