Feminisierung der Urologie und Hausbesuche

DGUDie “Feminisierung in der Medizin erreicht die Urologie“. Das ist der Titel einer Pressemeldung, die die Deustche Gesellschaft für Urologie und hier: Bettina-Cathrin Wahlers zu verantworten haben. Nachdem wir gestern schon festgestellt haben, dass unser Begriff des Genderismus ein zwischenzeitlich etablierter Begriff ist, können wir heute feststellen, dass der Begriff der Feminisierung, der z.B. im Zusammenhang mit Lehrern und dem deutschen Bildungssystem, das ja zu gut 2/3 mit weiblichen Lehrern bestückt ist, von Genderisten negativ konnotiert wird, weil das Bildungssystem voller Probleme, voller erheblicher Probleme ist, die auf dem Rücken von u.a. Jungen ausgetragen werden und an denen niemand schuld sein will, ist der Begriff im Zusammenhang mit Urologie, einem männlich dominierten Feld (for obvious reasons, wie man sagen könnte) positiv konnotiert. Hier wird Feminisierung plötzlich zu etwas, was man unbedingt herbeiführen muss, zum Notnagel.

Denn: demographischer Wandel, steigender Versorgungsbedarf (immer mehr ältere Männer) und eine “überalterte Fachärzteschaft” lassen die Alarmglocken so laut klingeln, dass man sich bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie alles vorstellen kann, um sie abzustellen: auch Frauen als Urologen

Aber: Die Urologie hat Probleme:

“Dass die Urologie durch ihren operativen Schwerpunkt eine langwierige Ausbildung verlangt, die zum Beispiel von jungen Müttern nur mit Mühe und viel Organisation zu realisieren ist, erschwert angehenden Ärztinnen den Weg in das Fachgebiet. Überdies ist die Ausbildung noch immer stark von Männern dominiert, was dazu führt, dass frauenspezifische [!sic] Ausbildungsanforderungen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und geregelte Arbeitszeiten nicht immer gegeben sind.”

Es grüßt der krudeste aller Biologismen, der nicht nur Mütter mit Frauen verwechselt, sondern entgegen aller Versuche der Genderisten, die Aufzucht von Nachwuchs nicht nur zum Hauptzweck eines Daseins beider Partner zu machen, diese Aufzucht zum frauenspezifischen Problem macht, das die entsprechenden Frauen an der Aufnahme einer Ausbildung zum Urologen hindert. Das macht schon irgendwie Sinn, denn dass in der Vergangenheit vorwiegend Männer Urologie praktiziert haben, und zwar trotz der “langwierigen Ausbildung”, lässt vermuten, dass es keine männerspezifischen Probleme der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gibt, nur frauenspezifische. Und die müssen gelöst werden:

“„Wir brauchen sowohl in der Ausbildung als auch in der Berufsausübung in Klinik und Praxis veränderte Strukturen und differenzierte Arbeitszeitmodelle, die eine ausgeglichene Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen – und zwar genderübergreifend, denn die gesamte Generation Y, und damit auch viele junge Ärzte, fordert bessere Arbeitsbedingungen, geregelte Arbeitszeiten und mehr Freizeit“, betont Prof. Kliesch”.

oestrogenSabine Kliesch, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Urologie, gehört zu denen, die immer wissen, was “wir” brauchen, aber nicht in der Lage sind anzugeben, was genau es ist, das “wir” brauchen und warum wir es brauchen sollten. Statt eines konkreten Bedarfs gibt es wolkige Wortonanie: “veränderte Strukturen und differenzierte Arbeitszeitmodelle”, “Work-Life-Balance”. Wir wären ja schon froh, wenn es eine Word-Meaning-Balance gäbe, so dass klar ist, was mit den wolkigen Begriffen gemeint ist.

Nun, wir nehmen an, dass Sabine Kliesch und die Mannen der Deutschen Gesellschaft für Urologie das alte Instrument der Hausbesuche neu beleben wollen, um den angehenden Urologinnnen die Work-Life-Balance zu ermöglichen und sicherzustellen, dass es synchron möglich ist, Hodenkrebs zu diagnostizierten und den eigenen Nachwuchs zu wickeln. Die “differenzierten Arbeitszeitmodelle”, die dazu notwendig sind, basieren auf Heimarbeit und einer “veränderten Struktur” bei Hausbesuchen: Nicht mehr die Ärzte kommen zu den Patienten nach Hause, nein, die Patienten kommen zu den Urologinnen. Die Behandlung findet der Einfachheit halber im Kinderzimmer statt. Wartende Patienten können den Abwasch der Urologin erledigen oder die Wohnung putzen, um der überarbeiteten Urologin die “Work-Life-Balance” zu verbessern, ganz zu schweigen von den Vorteilen, die eine derartige “Kinderbetreuung vor Ort” hat. Kleinere Eingriffe können in leicht baulich angepassten Badezimmern bei Urologinnen zu Hause ausgeführt werden. Der Ausbau ist steuerlich zu fördern.

Der Unsinn, der täglich auf uns einprasselt, kennt keine Grenzen mehr. Früher gab es die Spiele ohne Grenzen, heute gibt es den Unsinn ohne Grenzen. Früher gab es Pressemeldungen, heute gibt es Wortsammlungen, die den Eindruck vermitteln, ein Wahnsinniger habe sie im Delirium gebrabbelt. Und, nicht zu vergessen, früher gab es Frauen und sie waren von Müttern unterschieden. Heute gibt es nur noch Mütter. Früher gab es Individuen, die Lebensentscheidungen getroffen haben. Heute gibt es Gruppen, für die entschieden werden muss, was gut und richtig und ihren Bedürfnissen entsprechend ist. Und, ganz wichtig, das bestimmende Merkmal dieser Gruppen, das ihre gruppenspezifischen Bedürfnisse determiniert, es ist aus der Biologie entnommen, eine Konstante, die keinen Platz mehr lässt für Individuen.

 

Wie die frauenspezifischen Bedürfnisse, die man bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie kennt, sich z.B. mit dem Anreizprogramm zur Zerstörung von Humankapital “Elterngeld Plus”, des Bundesminsterium für FSFJ, verhält, das einen Bezug von Elterngeld für 28 Monate vorsieht, wenn beide Eltern 14 Monate davon in Teilzeit zubringen, ist derzeit vermutlich noch offen. Möglicherweise können Probleme, die durch Interessenkonflikte entstehen, so genannte cross-cutting cleavages zwischen Partnern und Patienten im Dreieck: frauenspezifische Bedürfnisse, geteilte Teilzeit und Probleme beim Pinkeln von Herbert W,  dadurch gelöst werden, dass Herbert W. seine Gesundheitsprobleme zurückstellt, bis die frauenspezifischen Bedürfnisse nach geteilter Teilzeit und abgeschlossenem Bezug von Elterngeld plus wieder direkt angegangen werden können.

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4 Responses to Feminisierung der Urologie und Hausbesuche

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  2. Lernender says:

    “Dass der Sprengstoffmittelbeseitigungsdient durch ihren operativen Schwerpunkt eine langwierige Ausbildung verlangt, die zum Beispiel von jungen Müttern nur mit Mühe und viel Organisation zu realisieren ist, erschwert angehenden Sprengstoffmittelbeseitiger_innen den Weg in das Fachgebiet. Überdies ist die Ausbildung noch immer stark von Männern dominiert, was dazu führt, dass frauenspezifische [!sic] Ausbildungsanforderungen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und geregelte Arbeitszeiten nicht immer gegeben sind.”

    „Wir brauchen sowohl in der Ausbildung als auch in der Berufsausübung in Wohn und Kriegsgebieten veränderte Strukturen und differenzierte Arbeitszeitmodelle, die eine ausgeglichene Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen – und zwar genderübergreifend, denn die gesamte Generation Y, und damit auch viele junge Sprengstoffmittelbeseitiger, fordern bessere Arbeitsbedingungen, geregelte Arbeitszeiten und mehr Freizeit“, betont Prof. Kliesch”.

    Pressemitteilung der Pressesprecherin des Verbandes deutscher Sprengstoffmittelbeseitiger.

  3. Rainer says:

    Bei einer Besprechung des Vorstandes eines großen deutschen Analyseautomatenherstellers fielen vor Jahren folgende Worte: “… die Feminisierung der Medizin ist eines unserer größten Probleme …”

  4. Robert Wagner says:

    “… die Feminisierung der Medizin ist eines unserer größten Probleme …”

    Da aus zuvor genannten Gründen die Kliniktauglichkeit von Ärztinnen in Frage gestellt scheint,
    finden man(n) sie häufiger in öffentlichen Ämtern, z.B. Gesundheitsämter (Halbtagsstellen). Kann jeder nachprüfen, die meisten Gesundheitsämter haben öffentliche Webseiten, z.T. mit Namen und Fachbereich.
    Da die guten, alten Kreiswehrersatzämter geschlossen wurden, an denen 2/3 Ärztinnen beschäftigt waren mit nahezu 100 Prozent weiblichem Assistenzpersonal, suchen nun sehr viele Frauen aus dem medizinischen Bereich einen neuen Wirkungskreis.

    Mir fielen bei meinen Recherchen gerade diese Ärztinnen ins Auge, die mit ausgiebiger
    Akkuratesse Hoden palpierten und Vorhäute bis zum Anschlag zurückzogen, selbstverständlich
    vor den Augen der beisitzenden, weiblichen Assistenz. Ähnlich verliefen auch die Zivi-Untersuchungen bei den Gesundheitsämtern.
    Jungen dürfte das bekannt vorkommen, denn genauso liefen auch Schuluntersuchungen ab,
    nur das dort u.U. noch die Klassenlehrerin daneben stand und zusehen durfte.
    Wer gelegentlich in Frauenforen liest wird feststellen, dass nicht selten U-Untersuchungen
    bei Kleinkindern, Kindern blutig enden, da von Kinderärztinnen oftmals versucht wird, die
    noch teilweise mit der Eichel verklebte Vorhaut, ruckartig zu lösen und beim kleinsten Verdacht
    einer Phimose eine Beschneidungsempfehlung ausgesprochen wird.

    Mangelnde Empirie, Empathie, Imtimsphäre und Rücksicht auf das Schamgefühl…
    wen wundert es da, wenn Männer nicht zum Arzt gehen?
    Im Netz macht eine Wortneuschöpfung die Runde, das Musterungstrauma.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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