Schnupfen, Pizza und Zahpasta mit Orangensaft

Schnupfen

Der dpa-Themendienst hat immer etwas parat, was einem am Montag auf Touren bringt.

Heute: Schnupfenvorsorge für Menschen im Großraumbüro:

Erster Vorsorge-Rat:

“Wer sich nicht anstecken möchte, sollte regelmäßig lüften», rät Hans-Michael Mühlenfeld, Hausarzt aus Bremen”. Das reduziert den Anteil an Viren im Büro.

Gibt Schnupfen keine Chance!

Gibt Schnupfen keine Chance!

Zweiter Vorsorge-Rat:

“Türklinken und den eigenen Arbeitsplatz mehrfach am Tag … desinfizieren.”

Dritter Vorsorge-Rat:

“Wer morgens mit Bus, U-Bahn oder Tram ins Büro kommt, fasst am besten keine Haltestangen oder Griffe an. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, sollten Nutzer sich danach die Hände gründlich waschen.”

Vierter-Vorsorge-Rat – Wenn alles nicht geholfen hat:

In den Ellenbogen nießen, nicht in die Hand. Viel Schlafen, kein Alkohol, keine Zigaretten und: zu Hause bleiben.

Was fällt Sozialwissenschaftlern dazu ein?

(1) Betroffenheitsforschung: Irgend einer im Großraumbüro von dpa hat Angst, sich einen Schnupfen zu holen.

(2) Framing: Derselbe im Großraumbüro von dpa ist der Ansicht, seine Angst könne generalisiert werden, auf alle in Großraumbüros.

(3) Konflikttheorie: Die Mittelschicht erfindet Meldungen für sich selbst und die Arbeiterschicht bleibt außen vor: Was ist mit Postboten? Wie lüften Postboten?

(4) Psychologie: In manchen Kreisen ist eine aktute Türklinken-Phobie verbreitet, die hässliche, arglistige und hinterhältige Schnupfen-Erreger eigentlich überall lauern sieht. Die Türklinken-Phobie ist nichts anderes als der Vorwand, der genutzt wird, um die eigene Wasch-Neurose auszuleben.

(5) Noch Psychologie. Wo kommen alle die Hysteriker her, die Angst vor einem Schnupfen haben?

(6) Ökonomie: Wer denkt an und haftet für den wirtschatflichen Schaden, der durch den Aufruf zum Verzicht auf Alkohol entsteht?

(7) Mehr  Ökonomie: Wer kommt für den Steuerausfall auf, den der Aufruf zum Verzicht auf Zigaretten nach sich zieht?

(8) Hygiene: Was macht man mit dem ganzen Sabber, den man in den Ellenbogen genießt hat?

(9) Gesundheit: Wer ist für die Verstauchungen und Prellungen verantwortlich, die sich einstellen, weil Schupfen-Vorsorge-Fanatiker durch die S-Bahn und den Bus fallen, da sie sich nicht festhalten wollen?

(10) Ethik: Aufrufe zum Arbeit-Schwänzen sind ethisch bedenklich.

 

Pizza

Der Pressedienst des IDW weist heute auf einen in Karlsruhe am FIZ – Leibnitz Institut für Informationsinfrastruktur GmbH entwickelten Energiesparofen hin, der die Welt revolutionieren könnte, naja, wir wollen einmal kleinere Brötchen backen: verändern könnte.

Jeder von uns kennt das Problem: Die Pizza ist zu groß für den Ofen. Drei Schienen und nur eine Pizza im Ofen: Das muss nicht so sein, haben sich die Forscher vom FIZ gedacht. Als Ergebnis haben sie einen Ofen erfunden, der auf die Abmessungen einer Pizza standardisiert ist: “It requires around 40% less energy to cook a pizza than a standard state-of-the-art oven”.

subsPrima Sache. Darauf gehen wir uns jetzt ein Sub backen. Halt: Subs sind Baguettes und entsprechend kleiner als Pizzen. Das ist Energieverschwendung. Dafür brauchen wir einen noch kleineren Sub-Ofen, in den dann natürlich keine Pizza passt, weshalb wir einen Pizza-Ofen zum Sub-Ofen brauchen, die wiederum beide zu klein sind, um Tiefkühl-Pommes darin zu backen. Also zurück zum Ausgangsofen. Den brauchen wir auch. Wir haben es hier mit einem Parkinsonschen Gesetz des Backofens zu tun. Wo früher einer notwendig war, braucht es jetzt mindestens drei, nach Größe abgestuft.

Aufwand zur Herstellung der drei Ofen: 40% mehr Energie als zur Herstellung eines herkömmlichen Ofens. Ersparnis durch die Nutzung der drei Ofen für Pizza, Sub und Pommes: 40% Energie (und zwei Drittel mehr Platzverbrauch für Backöfen in der Küche…).

Willkommen in der wunderschönen Welt der Opportunitätskosten. Opportunitätskosten, das sind die Kosten, die enstehen, weil man eine Lösung anstelle einer anderen Lösung wählt, also die Kosten dafür, dass ich die Pizza nicht mehr im herkömmlichen Ofen erhitze, sondern im Pizza-Ofen… Vielleicht sollte man beim FIZ anfangen, Opportunitätskosten zu berücksichtigen? Und Herstellungskosten natürlich, die  zu Beginn der Fertigung von Pizza-Öfen im Vergleich zu herkömmlichen Öfen höher sind (wegen dem, was Ökonomen economies of scale und economies of scope nennen), nicht dass wir am Ende noch draufzahlen, auf die schöne Energieersparnis.

 

Orangensaft und Zahncreme

Orange Juice Tooth pasteUnd wem das alles noch nicht reicht, der erfährt hier, warum er seine Zähne nicht mit Orangensaft und Zahncreme gleichzeitig putzen sollte:

Why Does Toothpaste Make Orange Juice Taste Bad?

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About Michael Klein

… concerned with and about science

6 Responses to Schnupfen, Pizza und Zahpasta mit Orangensaft

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Schnupfen, Pizza und Zahpasta mit Orangensaft | netzlesen.de

  2. Ich muss sgaen, am besten gefällt mir der “Vierter-Vorsorge-Rat” – zu Hause bleiben. Wenn alle Welt bei einem Schnupfen zu Hause bleiben würde, was würde wohl mit unserem Wirtschaftswachstum? 🙂 Das war genau das richtige für einen Montag!

  3. Dieser Aufruf sollte wohl der saisonale Startschuss für alle Mittelstands-Hypochonder sein, dass sie sich von jetzt bis zum nächsten April keine besonderen Ausreden mehr einfallen lassen müssen.

      • Fettfried Oscher says:

        Sicher Geschmackssache, weder besitze ich so ein Ding noch habe ich es bisher probiert(würde mich aber nicht wehren;). Mir kamen diese im Sommer etwas gehypten Geräte nur in den Sinn, weil man sie auch einfach als schön dicken Mittelfinger in Richtung der Profihobbykümmerer wie den o.g. betrachten kann.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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